Als wir nach einem Jahr in Kanada in London ankamen, war unser Geldbeutel dünn wie Papier. Damals fuhren wir mit dem Fahrrad durch die ganze Stadt und sparten wirklich an jeder erdenklichen Ecke.
Deshalb verstehe ich vollkommen, wenn dir beim Blick auf das Ticket für 37 Pfund (rund 43 €) für den Tower of London kurz die Luft wegbleibt. Das ist nicht gerade wenig Geld, und viele Londoner Museen sind ja umsonst – aber diese fast tausend Jahre alte Festung ist die Investition offenbar wert.
Wir haben dir deshalb 12 Tipps zusammengestellt, was du drinnen nicht verpassen solltest – dazu einen praktischen Teil, den du dir sonst mühsam auf englischen Seiten zusammensuchen müsstest. Wir verraten dir, wie du die endlose Schlange vor den Kronjuwelen umgehst, wann du kommen solltest, um nicht unnötig anzustehen, und warum du bei den tückischen Londoner Brücken aufpassen solltest.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit für den ganzen Artikel haben
- Der Eintritt kostet 37 Pfund für Erwachsene, wobei es keine Familientickets gibt und der Online-Kauf nicht günstiger ist, dir aber einen Zeitslot sichert.
- Ein Fast-Track funktioniert hier nicht, auch nicht mit dem beliebten London Pass (du gehst einfach zur nächsten freien Zeit).
- Zu den Kronjuwelen geh gleich um 9:00 Uhr, nachmittags stehst du angeblich schon mal anderthalb Stunden an.
- Die Führung mit einem Beefeater ist im Ticketpreis kostenlos enthalten und die einzige Möglichkeit, in die Kapelle St Peter ad Vincula zu kommen.
- Fotografieren ist fast überall erlaubt – außer bei den Kronjuwelen, dort ist es strengstens verboten.
- Lass dein Gepäck im Hotel oder in einem öffentlichen Schließfach, mit großem Gepäck lässt man dich nicht hinein.
Tower of London, Tower Bridge oder London Bridge?
Bevor wir uns dem Besuch selbst widmen, müssen wir einen der häufigsten Touristenirrtümer überhaupt klären. Man schätzt nämlich, dass die meisten London-Besucher die Namen der ikonischen Wahrzeichen durcheinanderbringen.

Der Tower of London ist eine riesige Burg und Festung, um die es in diesem ganzen Artikel geht. Direkt daneben steht die Tower Bridge, jene berühmte Brücke mit zwei gotischen Türmen und blauem Hubmechanismus aus dem späten 19. Jahrhundert.
Ein Stück flussaufwärts befindet sich dann die London Bridge, heute eine ziemlich langweilige Betonbrücke. Die Geschichte, dass die alte London Bridge 1968 vom amerikanischen Unternehmer Robert McCulloch gekauft wurde, weil er glaubte, er kaufe die hübsche Tower Bridge, ist übrigens ein reiner Mythos. McCulloch wusste angeblich genau, wofür er zahlte, und widersprach der Geschichte nur nicht, weil sie ihm hervorragende Gratiswerbung machte.
Eintrittspreise und Öffnungszeiten des Tower of London 2026
Der Eintritt in den Tower of London gehört zu den höchsten der Stadt, und beim Blick auf die Summe stockt selbst hartgesottenen Reisenden der Atem. Plane deinen Besuch also gut – und rechne damit, dass es praktisch keine günstigere Variante gibt. Hier sind die aktuellen Preise direkt von der offiziellen Website.
| Ticketart | Alter / Bedingungen | Preis in Pfund | Etwa in Euro |
|---|---|---|---|
| Erwachsene | 18–64 Jahre | £37,00 | ~43 € |
| Kind | 5–15 Jahre (mit Erwachsenem) | £18,50 | ~22 € |
| Jugendliche | 16–17 Jahre (mit Ausweis) | £18,50 | ~22 € |
| Studierende | 18+ (mit Studienausweis) | £29,50 | ~35 € |
| Senioren | 65+ | £29,50 | ~35 € |
| Kinder unter 5 | 0–4 Jahre | kostenlos | 0 € |
| Begleitperson (Carer) | Begleitung von Menschen mit Behinderung | kostenlos | 0 € |
Ich muss dich gleich enttäuschen: Ein günstigeres Familienticket gibt es nicht. Jedes Familienmitglied zahlt einzeln, was beim aktuellen Kurs ganz schön ins Geld geht. Vielleicht denkst du, du könntest durch den Kauf im Voraus sparen – aber der Online-Preis liegt bei denselben 37 Pfund wie an der Kasse. Der Hauptvorteil des Online-Kaufs ist die Garantie eines Zeitslots, sodass du dir das endlose Anstehen an der Ticketkasse ersparst.
Denk daran, dass das Ticket nur für einen Eintritt gilt und ein erneuter Zutritt zum Gelände nicht möglich ist. Tickets bekommst du zwar auch über GetYourGuide, aber direkt bei der Organisation Historic Royal Palaces (HRP) ist es oft günstiger, weil Wiederverkäufer ihre Marge draufschlagen. HRP arbeitet als gemeinnützige Organisation ohne staatliche Gelder und bietet dir beim Bezahlen eine freiwillige zehnprozentige Spende an, die du im Warenkorb einfach wegklicken kannst.
Wenn du nach Sparmöglichkeiten suchst: Für normale Touristen aus Deutschland ist der Tower leider nie kostenlos. Ein-Pfund-Rabatte gelten nur für Bewohner des Londoner Stadtteils Tower Hamlets oder für Empfänger britischer Sozialleistungen. Die einzige sinnvolle Rettung ist die HRP Membership, die bei 75 Pfund pro Jahr beginnt. Das lohnt sich finanziell in dem Moment, wenn du während deiner Reise mehrere königliche Paläste abklappern möchtest.
Bevor du losziehst, check die aktuellen Öffnungszeiten, die sich je nach Jahreszeit ändern. Die Festung ist fast ganzjährig geöffnet, aber an Weihnachten vom 24. bis 26. Dezember und an Neujahr bleiben die Tore geschlossen.
| Saison | Wochentage | Öffnungszeiten | Letzter Einlass |
|---|---|---|---|
| Sommer (ca. 1.3. – 31.10.) | Di–Sa | 09:00 – 17:30 | 16:30 |
| So–Mo | 10:00 – 17:30 | 16:30 | |
| Winter (ca. 1.11. – 28.2.) | Di–Sa | 09:00 – 16:30 | 16:00 |
| So–Mo | 10:00 – 16:30 | 16:00 |
💡 Tipp: Für einen ordentlichen Besuch der Festung solltest du dir mindestens 3 Stunden Zeit nehmen. Das Gelände ist riesig, und wenn du die Atmosphäre ohne Hetze aufsaugen willst, verbringst du hier locker einen halben Tag.
Wann nach London und zum Tower
Das Wetter in Großbritannien kann dir zu jeder Jahreszeit zusetzen, aber die angenehmsten Temperaturen erwarten dich von Mai bis September. Der Tower hat in der Sommersaison (etwa von März bis Oktober) von Dienstag bis Samstag zwischen 9:00 und 17:30 Uhr geöffnet, sonntags und montags öffnet er erst um 10:00 Uhr.
In den Wintermonaten schließt das Gelände schon um 16:30 Uhr, du musst deinen Besuch also etwas früher planen. Die Festung ist nur während der Weihnachtsfeiertage vom 24. bis 26. Dezember sowie an Neujahr komplett geschlossen.
Für den Besuch selbst solltest du dir mindestens drei Stunden Zeit einplanen, aber wenn du wirklich alles in Ruhe sehen willst, verbringst du hier auch problemlos einen halben Tag. Reisende empfehlen, gleich zur Öffnung um 9:00 Uhr zu kommen, denn gegen Mittag ist das Gelände oft schon zum Bersten voll.
Kauf deine Tickets unbedingt im Voraus für einen konkreten Zeitslot, das geht entweder auf der offiziellen Website von Historic Royal Palaces oder über die beliebte Plattform GetYourGuide, wo der Kauf oft benutzerfreundlicher ist. HRP ist meist etwas günstiger, GetYourGuide bietet dafür eine unkomplizierte Stornierung, falls sich deine Pläne ändern.
Wie du zum Tower of London kommst
Der einfachste und schnellste Weg zur Festung führt mit der Londoner U-Bahn, der berühmten „Tube“. Du steigst einfach an der Station Tower Hill aus, die von den Linien District und Circle bedient wird, und läufst rund fünf Minuten zum Haupteingang. Erfreulich: Diese Station hat einen barrierefreien Ausgang direkt auf die Straße, du musst also keinen Kinderwagen über Treppen schleppen. Falls es dir besser passt, findest du innerhalb von 15 Gehminuten auch die Stationen Monument, Bank, Aldgate, London Bridge oder Fenchurch Street.
Wenn du die Anfahrt mit Aussicht genießen willst, empfehle ich dir, aufs Boot zu steigen und über das Wasser zu kommen. Der Anleger Tower Pier liegt direkt am Eingang, hier halten die Boote von Uber Boat by Thames Clippers. Besonders die Anfahrt von Westminster aus bietet ein absolut grandioses Panorama mit Festung und Brücke in einem Bild. Zum Eingang bringt dich auch eine ganze Reihe roter Busse, konkret die Linien 15, 42, 78, 100 und 343.
Die Idee, mit dem Mietwagen oder eigenen Auto zum Tower zu fahren, kannst du gleich vergessen – das erspart dir jede Menge Nerven. Der ganze Tower Hill ist eine strenge autofreie Zone, und bei der Sehenswürdigkeit gibt es schlicht keine Parkplätze. Außerdem fällt das Gebiet unter die sogenannte Congestion Charge, du würdest also für die Einfahrt ins Zentrum eine saftige Gebühr zahlen. Zur Planung jeder Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln schau direkt auf TfL.
Wir haben London vor allem mit dem Fahrrad erkundet, und das war das günstigste Fortbewegungsmittel, das wir finden konnten. Die Leihräder Santander Cycles bekommst du fast an jeder Ecke. Eine halbstündige Fahrt kostet nur £1,65 (rund 2 €), und der Tagespass kostet £3 (rund 3,50 €) – für die gemächliche Erkundung der Umgebung ist das absolut ideal.
Wo übernachten in der Nähe des Towers
In fußläufiger Nähe zum Tower und zur Themse zu wohnen ist ein riesiger Vorteil, denn so entfällt das morgendliche Pendeln in der überfüllten U-Bahn. Beliebte Hotels in der Umgebung sind wirklich schnell weg, es lohnt sich also, so früh wie möglich zu buchen.
citizenM Tower of London ist ein tolles modernes Hotel für Liebhaber von Design und smarter Technik. Die Zimmer werden per Tablet gesteuert, und aus den oberen Etagen oder von der Dachbar hast du einen absolut atemberaubenden Blick direkt auf Festung und Brücke.
The Tower Hotel liegt buchstäblich am Themseufer, und beim Blick aus dem Fenster hast du die Tower Bridge direkt vor dir. Es ist ein riesiger Komplex, der von außen zwar nicht am modernsten wirkt, aber eine absolut konkurrenzlose Lage hat.
Leonardo Royal London City ist eine tolle Wahl für alle, die sich nach einem Tag voller Laufen erholen wollen. Das Hotel hat nämlich einen eigenen 25-Meter-Pool und einen Wellnessbereich, was mitten in London ein riesiger Luxus ist.
DoubleTree by Hilton Tower of London überzeugt dich schon an der Rezeption, wo jeder Gast einen warmen Schoko-Cookie bekommt. Die Zimmer sind sehr ruhig, und ein Stück vom Hotel entfernt findest du jede Menge beschauliche Gässchen mit Cafés.
Novotel London Tower Bridge ist wohl die beste Wahl für Familien mit Kindern, denn es bietet geräumigere Zimmer und eine sehr entspannte Atmosphäre. Zur Festung und zur U-Bahn läufst du bequem in fünf Minuten.
12 Tipps, was im Tower of London zu sehen und zu erleben ist
Das Gelände ist riesig, und ohne Plan verläufst du dich hier leicht. Deshalb haben wir Orte und Geschichten ausgewählt, die dir hinter den Mauern nicht entgehen sollten. Ein guter Plan spart dir jede Menge Zeit und Nerven.
1. Kronjuwelen und das Laufband
Der größte Magnet der ganzen Festung sind natürlich die Kronjuwelen, die hier schon seit den 1660er-Jahren aufbewahrt werden. Du siehst hier zum Beispiel die Krone von St. Edward, mit der 2023 König Charles III. gekrönt wurde, und die beeindruckende Imperial State Crown.
Ausgestellt ist hier auch der Cullinan I, der größte geschliffene farblose Diamant der Welt, sowie der berühmte Koh-i-Noor, um dessen Rückgabe Großbritannien bis heute mit Indien und Pakistan streitet. Denk daran, dass drinnen absolutes Fotografierverbot herrscht, worüber ein strenges Sicherheitspersonal wacht.
💡 Tipp für den Besuch: Geh gleich morgens hin! Die Juwelen betrachtest du von einem langsamen Laufband aus, das dich nicht anhalten lässt. Morgens kannst du aber vom Band steigen oder mehrmals durchfahren, während dich am Nachmittag die Menge unerbittlich nach draußen drängt.
Interessant ist ein Diebstahlversuch aus dem Jahr 1671, als Colonel Thomas Blood den Wächter betäubte und die Krone mit einem Holzhammer platt schlug, um sie unter seinem Mantel zu verstecken. König Charles II. verzieh ihm aber überraschend und gewährte ihm sogar eine großzügige lebenslange Rente.
2. White Tower und die königliche Rüstkammer
Der ikonische White Tower mitten im Innenhof ist der älteste Teil des gesamten Komplexes aus dem Jahr 1078, den schon Wilhelm der Eroberer errichten ließ. Heute beherbergt er einen Teil der Ausstellung der Royal Armouries mit einer tollen Sammlung historischer Waffen.

Das dankbarste Ausstellungsstück ist die persönliche Rüstung von König Heinrich VIII., an der man schön sieht, wie sich die Statur des Herrschers mit zunehmendem Alter und Übergewicht deutlich verbreiterte. Die Waffenausstellung namens Line of Kings ist zudem stolze 350 Jahre alt.
3. Führung mit einem Yeoman Warder (Beefeater)
Das solltest du dir auf keinen Fall entgehen lassen, denn die Führung mit den berühmten Wächtern ist völlig kostenlos im Ticketpreis enthalten. Sie beginnen alle 45 Minuten am Bell Tower, und die Guides erzählen die morbide Geschichte mit dem typischen trockenen britischen Humor.
Um ein Beefeater zu werden, musst du mindestens 22 Jahre tadellosen Militärdienst hinter dir haben. Die Wächter leben zudem mit ihren Familien direkt in der Festung und gehen abends nach dem Weggang der Touristen angeblich in ihren eigenen geheimen Pub.
4. Kapelle St Peter ad Vincula und Tower Green
Dank der Führung mit einem Beefeater kommst du in die Kapelle St. Peter in Ketten, in die Einzelbesucher gar nicht dürfen. Genau hier sind unter dem Boden drei hingerichtete englische Königinnen bestattet.

Direkt daneben liegt der Rasen Tower Green, wo private Hinrichtungen adeliger Gefangener stattfanden – von denen innerhalb der Burg nur etwa zehn hingerichtet wurden. Die meisten gewöhnlichen Verurteilten endeten auf der öffentlichen Richtstätte Tower Hill draußen vor den Mauern, in Anwesenheit riesiger Menschenmengen.
💡 Tipp für Geschichtsfans: Anne Boleyn wurde hier 1536 auf ihren eigenen Wunsch mit dem Schwert enthauptet, nicht mit dem Beil. Viel schlimmer erging es der 67-jährigen Margaret Pole im Jahr 1541, die ein unerfahrener Henker elfmal zuschlagen musste, bevor ihm das Werk gelang.
5. Bloody Tower und das Rätsel der Prinzen im Tower
Der Bloody Tower erhielt seinen unheimlichen Namen wegen eines der größten ungelösten Fälle der britischen Geschichte. 1483 wurden hier der zwölfjährige Eduard V. und sein jüngerer Bruder Richard untergebracht, die im Herbst desselben Jahres spurlos verschwanden.

Ihres Mordes wird meist ihr Onkel Richard III. beschuldigt, auch wenn die Forscherin Philippa Langley 2023 mit der kontroversen Theorie kam, dass die Jungen möglicherweise überlebten und nach Europa flohen.
Als Arbeiter 1674 unter einer Treppe Kinderknochen entdeckten, ließ der König sie in der Westminster Abbey bestatten. Bis heute weiß man aber nicht mit Sicherheit, ob die Überreste tatsächlich den verschwundenen Prinzen gehören, denn DNA-Tests wurden nie erlaubt.
6. Traitors‘ Gate (Verrätertor)
Wenn du zum Fluss hinschaust, siehst du einen dunklen Wassertunnel, durch den man Gefangene per Boot in die Festung brachte. Genau hier fuhren Anne Boleyn und Sir Thomas More auf dem Weg in ihre Zellen hindurch.

Der Anblick des Tores ist ein sehr emotionales Erlebnis, wenn dir bewusst wird, dass es für die meisten Menschen der letzte Weg ihres Lebens war. Das Themsewasser plätschert bis heute hierher und unterstreicht die düstere Atmosphäre des mittelalterlichen Kerkers.
7. Die Raben und die entlarvte Legende
Es heißt, wenn die Raben den Tower verlassen, fallen die Krone und ganz Britannien – deshalb ließ König Charles II. sie hier halten. Historiker fanden aber kürzlich heraus, dass diese Sage wahrscheinlich erst eine viktorianische Erfindung ist und die ältesten Aufzeichnungen über die Vögel erst aus dem späten 19. Jahrhundert stammen.

Heute leben auf dem Gelände dauerhaft acht Raben, um die sich der Ravenmaster kümmert, Herr Barney Chandler. Die Vögel haben leicht gestutzte Flügel, bekommen erstklassiges Fleisch und werden von ihren Pflegern angeblich manchmal mit in Blut getränkten Keksen verwöhnt.
8. Die königliche Menagerie voller Exotik
Kaum jemand weiß, dass der Tower Jahrhunderte lang als erster Londoner Zoo diente. Die englischen Herrscher brachten hier exotische Geschenke ausländischer Diplomaten unter, sodass hier Löwen, Leoparden und ein Elefant lebten.

Der bizarrste Bewohner war ein Eisbär, den Heinrich III. 1252 bekam. Der Bär ging an einer langen Kette in der Themse schwimmen, wo er zur Freude der zuschauenden Londoner geschickt Fische fing. Die Menagerie wurde erst 1835 aus Sicherheitsgründen aufgelöst.
9. Folterkammer, Guy Fawkes und berühmte Gefangene des 20. Jahrhunderts
In den unteren Etagen des White Tower entdeckst du eine kleine Ausstellung von Folterinstrumenten, die zwar recht bescheiden, aber umso gruseliger ist. Auf der hiesigen Streckbank wurde 1605 Guy Fawkes brutal verhört, nach dem gescheiterten Gunpowder Plot.
Seine Gebrochenheit ist bis heute deutlich an historischen Dokumenten zu erkennen, wo er nach der Folter nur noch mit einem kaum leserlichen Gekritzel unterschreiben konnte. Die Festung diente aber auch viel später in der modernen Geschichte als Gefängnis.
💡 Tipp zur Kuriosität: Im Zweiten Weltkrieg wurde hier 1941 als letzter Hingerichteter der deutsche Spion Josef Jakobs erschossen. Ein paar Monate zuvor verbrachte hier Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß vier Tage, und die allerletzten Gefangenen der Geschichte waren 1952 die berüchtigten Mafia-Brüder Kray.
10. Medieval Palace (Mittelalterliche Gemächer)
Während die meisten den Tower nur als Gefängnis und Schatzkammer wahrnehmen, war er ursprünglich das luxuriöse Zuhause der englischen Könige. In diesen rekonstruierten Gemächern kannst du sehen, wie das königliche Leben im 13. Jahrhundert aussah.

Du siehst hier reich verzierte Betten, riesige Kamine und farbige Wände, die stark mit dem grauen Stein draußen kontrastieren. Es ist ein toller Ort, an dem du dich einen Moment von den Menschenmengen und den düsteren Hinrichtungsgeschichten erholen kannst.
11. Mauern und Ausblicke auf den Fluss (Wall Walk)
Vergiss nicht, auf die Mauern zu steigen, von denen sich fantastische Blickwinkel auf die Tower Bridge und die modernen Wolkenkratzer im Hintergrund bieten. Der Spaziergang über die Wehrgänge führt dich durch mehrere kleinere Verteidigungstürme.
Reisende weisen darauf hin, dass es oben von der Themse ziemlich stark weht, also pack dir auch im Sommer lieber eine leichte Extraschicht ein. Gerade von den Mauern aus wird dir bewusst, welch riesige Fläche die ganze Sehenswürdigkeit einnimmt.
12. Abendliche Ceremony of the Keys
Jeden Abend genau um 21:30 Uhr findet das feierliche Abschließen der Festung statt, eine über siebenhundert Jahre alte Tradition. Während der Zeremonie tauschen die Wächter in völliger Stille Losungen und Schlüssel aus, und Fotografieren ist streng verboten.
Hierher zu kommen ist aber ganz schön knifflig, denn die Tickets für 10 bis 50 Pfund werden immer einen Monat im Voraus freigegeben und sind innerhalb weniger Minuten weg. Reservieren kannst du ausschließlich online auf der HRP-Website, und du brauchst wirklich schnelle Finger.
Geschichten, die der Tower of London verbirgt
Der Tower of London ist nicht nur ein Haufen alter Steine mit Kronen darin. Es ist ein Ort, an dem sich neunhundert Jahre lang Dinge abspielten, bei denen einem heute der Verstand stehenbleibt. Umso mehr habe ich in Büchern gestöbert und die Geschichte dieses Ortes verschlungen. Diese Mauern bergen nämlich wirklich frostige Geheimnisse.
Die Prinzen im Tower: ein 500 Jahre alter ungelöster Fall
1483 wurden hierher der erst zwölfjährige Eduard V. und sein jüngerer Bruder Richard geschickt. In die Festung schaffte sie ihr Onkel, der spätere König Richard III., angeblich, damit sie dort sicher auf die Krönung warten sollten. Die Jungen aber verschwanden aus heiterem Himmel spurlos und wurden nie wieder lebend gesehen.

Fast zweihundert Jahre später, im Jahr 1674, fanden Arbeiter unter einer Treppe Kinderknochen. Alle schlossen sofort, es handle sich um die verschwundenen Prinzen, und die Überreste wurden feierlich in die Westminster Abbey überführt. Damit schien der Fall für die Geschichte für immer abgeschlossen.
Doch neuere Forschung stellt alles auf den Kopf. Neue historische Untersuchungen zweifeln nämlich an der Schuld Richards III. und zeigen mit dem Finger auf ganz andere Verdächtige aus der damaligen Hofclique. Dieses Rätsel ist auch nach einem halben Jahrtausend noch lebendig und ungelöst.
Der Diebstahl der Kronjuwelen, für den niemand büßte
Falls du denkst, dass es unmöglich ist, die bestbewachte Festung Englands auszurauben, würde Colonel Blood dir widersprechen. 1671 gelang es ihm tatsächlich, die königlichen Insignien zu stehlen. Um die Krone überhaupt unter seinen Mantel zu bekommen, schlug er sie kurzerhand mit einem Holzhammer platt.
Natürlich schnappte man ihn am Ende, und alle erwarteten die blutigste aller Strafen. König Charles II. befand aber, dass Bloods Frechheit eigentlich ungemein amüsant war, und begnadigte den Verbrecher überraschend. Als wäre das nicht genug, zahlte er ihm bis an sein Lebensende auch noch eine fette Rente.
Der Eisbär, der in der Themse Fische fing
Der Tower diente nicht nur als Folterkammer, sondern auch als sehr bizarre königliche Menagerie. 1252 bekam Heinrich III. ein völlig verrücktes Geschenk vom norwegischen König in Form eines lebenden Eisbären. Für die damaligen Londoner muss das gewesen sein wie die Ankunft von Außerirdischen.
Der arme Bär lebte an einer langen Kette, die ihm erlaubte, direkt in der Themse Fische zu fangen. Gesellschaft leisteten ihm in der Festung auch Löwen oder ein Elefant. Diese ganze königliche Menagerie wurde schließlich erst 1835 aufgelöst, und ihre Tiere bildeten die Grundlage für den heutigen Londoner Zoo.
Hinrichtungen, über die man nicht spricht
Man denkt oft, dass innerhalb der Burg wie am Fließband hingerichtet wurde, aber das ist ein großer Irrtum. Der Rasen Tower Green erlebte nur eine Handvoll sogenannter privater Hinrichtungen für hochrangige Adelige. Das meiste blutige Spektakel für die Massen fand draußen auf dem Tower Hill statt, wo mehr als hundert Verurteilte um einen Kopf kürzer gemacht wurden.

Das berühmteste Opfer innerhalb der Mauern ist zweifellos die zweite Frau Heinrichs VIII., Anne Boleyn. Falls du dir Richtblock und Beil vorstellst, irrst du dich, denn Anne wurde 1536 mit einem scharfen Schwert hingerichtet. Ein grausames Schicksal ereilte hier auch ihre Cousine Catherine Howard oder die erst sechzehnjährige Lady Jane Grey.
Die gruseligste Geschichte gehört aber der siebenundsechzigjährigen Margaret Pole aus dem Jahr 1541. Sie wurde von einem völlig unerfahrenen Henker hingerichtet, der seine Arbeit nicht sauber erledigte. Obwohl sich lange die Geschichte hielt, dass die verzweifelte Gräfin vor ihm um den Block lief, zweifeln Historiker an dieser wilden Legende heute sehr stark.
Der letzte Hingerichtete und der letzte Gefangene
Der Tower war nicht nur im Mittelalter ein Gefängnis, seine düstere Rolle reicht überraschend bis in die moderne Geschichte. Der allerletzte Hingerichtete war hier der deutsche Spion Josef Jakobs im Zweiten Weltkrieg 1941. Beim Fallschirmsprung brach er sich den Knöchel, sodass ihn das Erschießungskommando sitzend auf einem Stuhl erschießen musste.
Wir dürfen ihn aber nicht mit dem letzten Staatsgefangenen verwechseln, das war Hitlers Stellvertreter Rudolf Heß. Der saß in der Festung nur vier Tage im Mai 1941.
Wenn wir aber die absolut letzten Menschen suchen, hinter denen hier ein Gitter zuschnappte, müssen wir ins Jahr 1952. Damals wurden hier für ein paar Tage die berühmten Londoner Gangster, die Kray-Brüder, eingesperrt, die sich nur dem Antritt des Militärdienstes entzogen.
Wo du rund um den Tower essen kannst
Eines solltest du vorher wissen: Aus dem Tower kann man nicht hinaus- und wieder zurückgehen. Das Ticket gilt für einen Eintritt, du isst also entweder drinnen oder erst nach dem Besuch.
Es gibt dort jede Menge vegetarische und vegane Möglichkeiten, was für uns als eingefleischte Pflanzenfresser immer eine riesige Erleichterung ist. Das Angebot an fleischlosen Gerichten wechselt zwar im Laufe der Zeit, aber mit leerem Magen leidest du hier schlicht nicht. Fleischliebhaber kommen natürlich auch auf ihre Kosten, denn auf der Karte tauchen auch Klassiker mit Fleisch auf.
All das ist wichtig, denn aus dem Tower darf man nicht hinaus- und wieder zurückgehen, weil das Ticket nur für einen Durchgang gilt. Überleg dir also vorher, ob du drinnen isst oder bis nach dem Besuch wartest. Wenn du die zweite Möglichkeit wählst, geh ein Stück weiter ins Viertel St Katharine Docks.
Dort findest du jede Menge ruhigere Restaurants mit wunderschönem Blick auf die vor Anker liegenden Boote. Ein noch besseres kulinarisches Erlebnis ist dann der berühmte Markt Borough Market, den du bei einem angenehmen Spaziergang erreichst. Dort werden absolut alle satt, von Streetfood-Liebhabern bis zu anspruchsvollen Gourmets.
Praktische Tipps, die dir Nerven sparen
- Ein Gepäckaufbewahrung gibt es hier schlicht NICHT, komm also gar nicht erst mit großen Rucksäcken. Koffer, großes Gepäck und sogar Rolltaschen dürfen nicht hinein. Die Palastverwaltung schickt dich kompromisslos weg und verweist auf die kommerzielle Gepäckaufbewahrung Stasher irgendwo in der Nähe.
- Fotografieren ist meist problemlos, solange du keinen Blitz, keine Stative oder nervige Selfie-Sticks benutzt. Völlig VERBOTEN ist das Fotografieren im Jewel House, wo die Kronjuwelen aufbewahrt werden.
- Die Barrierefreiheit ist stark eingeschränkt, es handelt sich schließlich um eine mittelalterliche Festung voller Treppen und unebenem Pflaster. Der White Tower hat einen Aufzug nur bis ins Untergeschoss, und die Führung mit einem Beefeater umfasst 21 Stufen, was für manche ein entscheidendes Hindernis sein kann.
- Beefeater-Führungen finden nur auf Englisch statt und führen überhaupt nicht zu den Kronjuwelen. Andererseits sind sie aber die absolut einzige Möglichkeit, ins Innere der Kapelle St Peter ad Vincula zu schauen.
- Die letzte Führung mit einem Yeoman Warder beginnt immer um 15:15 Uhr, plane das also gut ein. Morgens starten sie von Dienstag bis Samstag um 10:00 Uhr, sonntags und montags erst um 10:45 Uhr. Danach geht es alle 45 Minuten vom Bell Tower los.
- Rechne mit null erneutem Eintritt, dein Ticket piepst am Tor einfach nur einmal. Drinnen wie draußen gilt außerdem ein striktes Rauch- und Vaping-Verbot, und Hunde dürfen nur als Assistenzhunde hinein.
- Besucher berichten von bis zu 90 Minuten Schlange vor den Juwelen, wobei der eigentliche Durchgang dann kaum ein paar Minuten dauerte. Wer aber früh aufstand und gleich zur Öffnung kam, wartete meist gar nicht.
- Die Folterkammer ist oft eine Enttäuschung, erwarte also keine ausgefeilten Hollywood-Kulissen. Es ist im Grunde nur ein Raum mit einer Streckbank, richte deinen Besuch besser nicht danach aus.
Wohin weiter vom Tower
Wenn du schon am Fluss bist, empfehle ich dir, die Umgebung zu erkunden. Direkt neben der Festung befindet sich der malerische Hafen St Katharine Docks, wo luxuriöse Yachten ankern und du ruhigere Cafés findest. Wenn du Hunger hast, gibt es ein Stück über den Fluss rund um die London Bridge tolle vegane Restaurants wie Mildreds und Unity Diner, wo sie hervorragende fleischlose Burger haben, die ich dir mit gutem Gewissen empfehle.
Und wenn du auf guten Kaffee stehst, schau in unseren Ratgeber zu den besten Cafés in London – wir haben nur Läden mit einer Google-Bewertung über 4,6 ausgewählt.
Ein Stück vom Parlament entfernt steht die Westminster Abbey – Ort der Krönungen und königlichen Gräber, den du beim Evensong sogar kostenlos betreten kannst.
Magst du Geschichte und Kunst? Dann lass dir das British Museum nicht entgehen – der Eintritt ist kostenlos, und in unserem Ratgeber findest du, was du in ein paar Stunden nicht verpassen solltest.
Und direkt neben der Festung steht die berühmte Tower Bridge – in unserem Ratgeber findest du, wann sich die Brücke hebt und ob sich die kostenpflichtige Ausstellung mit dem Glasboden lohnt.
Monarchiefans lockt sicher auch der Buckingham Palace – wir verraten dir, wo du bei der Wachablösung stehen solltest, damit du nicht nur die Rücken der Menge siehst. Und wenn du dich nach einem Blick über die ganze Stadt sehnst, dreht sich ein Stück flussaufwärts das London Eye, zu dem du in unserem Ratgeber findest, wann es sich lohnt und wann du lieber zum kostenlosen Sky Garden gehst.
Wenn du weitere Tage in der Metropole planst, lass dich unbedingt von unserem großen Ratgeber inspirieren, was es in London zu sehen und zu erleben gibt. Filmliebhaber dürfen dann die magischen Harry Potter Studios London nicht auslassen.
Und wenn du nach dem Trubel der Stadt Sehnsucht nach Natur oder Geschichte außerhalb der Hauptstadt hast, denk über einen Ausflug zum magischen Stonehenge nach. Oft ziehen Leute von hier weiter nach Norden, deshalb könnte dir unser Artikel darüber, was Edinburgh zu bieten hat, oder unsere Tipps für einen Urlaub in Schottland nützlich sein.
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