Wenn du von der Fähre steigst und zum ersten Mal tief einatmest, spürst du es sofort. In der Luft mischen sich der Duft von wildem Thymian, Rosmarin, Myrte und sonnenverbrannter Erde, den die Einheimischen liebevoll Maquis nennen. Napoleon Bonaparte erklärte einst voller Nostalgie, er würde seine Heimatinsel mit verbundenen Augen allein an diesem unverwechselbaren Duft erkennen. Genau dieses Korsika in Frankreich ist es, das jeden Reisenden von der ersten Sekunde an in seinen Bann zieht.
Korsika, das weltweit den Beinamen Insel der Schönheit (L’Île de Beauté) trägt, bietet aber bei Weitem nicht nur duftende Natur und malerische Strände. Im Grunde ist es ein einziges riesiges, zerklüftetes Gebirge, das die Natur völlig unerwartet mitten ins Mittelmeer gesetzt hat. Erwarte hier nicht die elegante Atmosphäre mit luxuriösen Promenaden, wie du sie aus dem französischen Festland kennst. Die Insel ist rau, stolz und verzeiht den Reisenden keine Unvorbereitetheit.
Die Straßen winden sich hier dramatisch hoch über tiefen Abgründen und die Bergpfade bringen dich nicht selten an deine körperlichen Grenzen. Gleichzeitig spielt hier das Meer in Farben, die man sonst nur in retuschierten Reisekatalogen für die exotische Karibik sieht. Wenn du ein Reiseziel suchst, an dem du morgens mit Stahlketten Bergkämme überwindest und nachmittags deine Müdigkeit in einer aufgewärmten türkisfarbenen Lagune abspülst, bist du genau richtig.

Zusammenfassung
- Ein Auto ist absolut notwendig: Ohne eigenes oder gemietetes Fahrzeug kommst du auf der Insel praktisch nicht voran, der öffentliche Verkehr ist sehr unzuverlässig.
- Meide den August: Die Preise für Unterkünfte und Fähren schießen im August steil nach oben und die Strände sind unter dem Touristenansturm völlig überfüllt.
- Der Süden bietet Karibik: Strände rund um Porto-Vecchio wie Palombaggia oder Santa Giulia gehören zu den schönsten in ganz Europa.
- Der Westen ist wild: Das Reservat Scandola mit seinen roten Felsen ist nur per Boot erreichbar und die Naturschutzregeln werden hier ständig verschärft.
- Die Berge fordern dich: Das Hinterland mit der Stadt Corte und dem legendären GR20-Trek bietet einige der härtesten und schönsten Bergrouten der Welt.
- Fähren früh buchen: Fährtickets von Frankreich oder Italien reservierst du am besten mehrere Monate im Voraus, um einen vernünftigen Preis zu bekommen.
Wann nach Korsika reisen und wie man hinkommt
Die Planung einer Reise auf diese französische Insel beginnt bei der Anreise, denn die Logistik kann das Gesamtbudget ordentlich durcheinanderwirbeln. Korsika hat zwar vier kleinere Flughäfen und ist vom europäischen Festland recht einfach mit dem Flugzeug erreichbar, doch die meisten erfahrenen Reisenden wählen die Fähre. Der Grund ist denkbar einfach und pragmatisch: Ohne Auto bist du auf Korsika völlig verloren. Öffentlicher Verkehr existiert hier theoretisch, doch sich darauf zu verlassen bedeutet, einen großen Teil des Urlaubs an Haltestellen zu verbringen, wo der Bus vielleicht kommt – und vielleicht auch nicht. Ein Auto gibt dir dagegen die absolute Freiheit, leere Buchten und versteckte Bergpässe zu entdecken.
Die Fähren der Corsica Ferries legen von mehreren französischen und italienischen Häfen ab, wobei die Strecke von Nizza nach Bastia die schnellste ist und etwa sechs bis sieben Stunden dauert. Wählst du die Abfahrt von Toulon, rechne mit acht bis zehn Stunden Überfahrt, während es von Marseille am längsten ist und du locker auch vierzehn Stunden an Bord verbringst. Die Ticketpreise schwanken stark je nach Saison und Auslastung – ein einzelner Passagier zahlt meist zwischen 40 und 100 Euro. Sobald du jedoch einen PKW dazunimmst und zu zweit reist, kostet dich das Hin- und Rückticket irgendwo zwischen 250 und 1000 Euro. Wer beim Reisebudget sparen möchte, sollte unbedingt die Abfahrt aus Italien in Betracht ziehen, von wo die Fähren historisch am günstigsten starten. Tipp für Anreisende aus Deutschland: Die günstigste Variante ist meist die Anfahrt mit dem Auto über die Schweiz oder Norditalien (z. B. Genua, Livorno oder Savona) und von dort mit der Fähre.
Hier gilt eine grundlegende, ungeschriebene Regel, die dir jeder Einheimische bestätigt: Meide den Monat August mit großem Abstand. Genau dann nehmen Franzosen und Italiener die Insel im Rahmen ihrer landesweiten Ferien im Sturm und es sind doppelt bis dreimal so viele Menschen hier wie im Juli. Die schmalen Küstenstraßen verwandeln sich in endlose Parkplätze, die besten Strände sind hoffnungslos ausverkauft und die Unterkunftspreise schnellen in absurde Höhen.
Die idealen Monate für einen ruhigen und entspannten Besuch sind Mai, Juni und vor allem September. Das Meer ist im September nach dem ganzen Sommer noch herrlich warm, die Nachmittagshitze ist nicht mehr so erdrückend und auf den Bergstraßen kann man endlich frei durchatmen. Im Frühling ist die Insel dagegen unglaublich grün und in voller Blüte, auch wenn das Wasser im Mittelmeer für Frostbeulen noch ein wenig erfrischend sein kann.

Wo auf Korsika übernachten und Preise im Jahr 2026
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.
Teile die Wahl der Unterkunft strategisch danach ein, welche Art von Urlaub du eigentlich bevorzugst und was du alles auf der Insel schaffen möchtest. Für Liebhaber perfekter Strände, weißen Sandes und seichten Meeres ist die Südostküste rund um Porto-Vecchio ein absolutes Muss. Hier findest du die fotogensten Buchten, die du aus den Werbeprospekten kennst, musst aber gleichzeitig damit rechnen, dass es sich um den teuersten und belebtesten Teil der ganzen Insel handelt. Wenn du den Großteil der Zeit am Wasser verbringen willst, lohnt es sich, für ein Hotel mit eigenem reservierten Parkplatz direkt am Strand etwas mehr zu zahlen.
Suchst du dagegen dramatischere Kulissen, historische Städte und willst nahe an den hohen Bergen sein, wähle die West- oder Nordküste. Die Region rund um Ajaccio oder Calvi bietet einen tollen Kompromiss zwischen der Erreichbarkeit der Strände und der Möglichkeit, Tagesausflüge ins raue Hinterland zu unternehmen. Viele Reisende wählen auch sehr klug das Modell des geteilten Urlaubs, bei dem sie ein paar Tage im Süden entspannen und anschließend in den Norden ziehen, um Sehenswürdigkeiten und Bergtreks zu erkunden.
Was die Preise für die Saison 2026 angeht, stell dich darauf ein, dass Korsika nicht zu den ausgesprochen günstigen Reisezielen gehört und dein Budget das spüren wird. Ein klassisches Doppelzimmer in einem angenehmen Hotel mit Pool kostet dich in der Hauptsaison etwa 150 bis 250 Euro pro Nacht. Suchst du günstigere Alternativen, lassen sich Campingplätze und voll ausgestattete Mobilheime für rund 80 bis 120 Euro pro Nacht finden, doch die Kapazitäten sind sehr begrenzt und müssen wirklich lange im Voraus reserviert werden. Deine Unterkunft solltest du rechtzeitig über die gängigen Unterkunftssuchmaschinen suchen und buchen, wo du das breiteste Angebot mit der Möglichkeit der kostenlosen Stornierung bei geänderten Plänen findest.
Von den konkreten Hotels ist zum Beispiel das Hotel Solemare in Bonifacio beachtenswert, das absolut atemberaubende Ausblicke direkt auf die alte Zitadelle und den belebten Hafen bietet. In der Hauptstadt Ajaccio solltest du dann unbedingt das beliebte Hotel Les Mouettes in Betracht ziehen, das nur einen Steinwurf vom Strand entfernt liegt, mit einem schönen Garten und einer sehr ruhigen, fast familiären Atmosphäre. An beiden Orten empfehle ich, immer sorgfältig die Verfügbarkeit eines Hotelparkplatzes zu prüfen, denn in den alten korsischen Städten ist die Suche nach einem Stellplatz fürs Auto eine ziemlich harte Nuss.
15 Tipps, was man auf Korsika sehen und erleben kann
Werfen wir gemeinsam einen umfassenden Blick auf die interessantesten Orte, die du auf deiner Reise nicht verpassen solltest. Ich habe für dich sowohl berühmte historische Städte auf Felsen als auch versteckte Naturreservate, in denen die Zeit stehen geblieben ist, und natürlich die beliebtesten Strände aus den Katalogen zusammengetragen.

1. Bonifacio auf den Kalksteinfelsen
Solltest du auf der ganzen Insel nur einen einzigen Ort sehen, fahr unbedingt in den äußersten Süden und erkunde die Stadt Bonifacio. Dieser historische Ort widerspricht allen Gesetzen der Schwerkraft, denn seine Altstadt mit der mächtigen Zitadelle balanciert förmlich auf der äußersten Kante leuchtend weißer Kalksteinfelsen. Diese Felsen fallen Dutzende Meter senkrecht ins aufgewühlte Meer und die Häuser am äußersten Rand sehen aus, als würden sie jeden Moment in die Wellen unter dir abrutschen.
Beim Spaziergang durch die engen Steingassen stößt du auf zahlreiche kleine Läden und Lokale, in denen du ein hervorragendes lokales Bier Pietra genießen kannst, das aus essbaren Kastanien gebraut wird. Lass dir auf keinen Fall den Spaziergang entlang der Stadtmauern entgehen, von denen sich fantastische Ausblicke auf die Meerenge öffnen, die Korsika vom nahen italienischen Sardinien trennt. An klaren Tagen siehst du die italienischen Ufer so scharf, als könntest du hinüberschwimmen, was dem ganzen Ort eine unglaubliche Magie verleiht.
💡 Tipp: Die Verkehrssituation in Bonifacio ist in den Sommermonaten absolut kritisch und einen freien Parkplatz zu finden ist nahezu unmöglich. Wenn du das allerbeste Foto der auf dem Felsen thronenden Stadt machen willst, parke lieber abseits des Zentrums und mach dich zu Fuß über die Felsen in Richtung des Leuchtturms Phare de Pertusato auf.
2. Die aragonesische Treppe (Escalier d’Aragon)
Direkt im Herzen von Bonifacio findest du ein faszinierendes historisches Denkmal, das deine körperliche Verfassung und deine Schwindelfreiheit perfekt auf die Probe stellt. Es handelt sich um genau 187 steile Stufen, die direkt in die Felswand unter der alten Zitadelle gehauen wurden. Der berühmten und sehr romantischen Legende nach hauten sie aragonesische Soldaten in einer einzigen Nacht während der Belagerung der Stadt im Jahr 1420, um unbemerkt hineinzugelangen und die Stadt zu erobern.
Die Realität ist allerdings etwas weniger dramatisch: Die Treppe wurde höchstwahrscheinlich von Franziskanermönchen über sehr lange Zeit gebaut, um sich einen sicheren und ständigen Zugang zu einer Trinkwasserquelle unten am Meer zu sichern. Ob du nun der Legende oder eher den Historikern glaubst – der Abstieg hinunter zum Meeresspiegel und der anschließende anstrengende Aufstieg zurück nach oben in der brennenden Sonne ist ein Erlebnis, das deine Beine so schnell nicht vergessen werden.
Ich empfehle dir, gleich früh am Morgen herzukommen, sobald das Denkmal öffnet. Später am Nachmittag knallt die Sonne in die enge Felsspalte, die Luft steht still und der Aufstieg verwandelt sich in eine regelrechte Sauna, in der du dir die Seele aus dem Leib schwitzt. Der Eintritt kostet nur ein paar Euro und lohnt sich trotz der enormen körperlichen Anstrengung auf jeden Fall.

3. Die Lavezzi-Inseln
Vom Hafen von Bonifacio öffnet sich das sinnbildliche Tor zu den Lavezzi-Inseln, einem faszinierenden Haufen riesiger Granitblöcke, die im glasklaren Wasser verstreut liegen. Steig auf ein Ausflugsboot und lass dich in dieses einzigartige Naturreservat bringen, das an der Grenze zwischen Korsika und Sardinien liegt. Das Wasser ist hier so unglaublich sauber und voller Fische, dass es zum ganztägigen Schnorcheln und Erkunden der Unterwasserwelt einlädt.
Du musst dich aber sehr sorgfältig vorbereiten, denn auf den Inseln gibt es überhaupt keinen natürlichen Schatten und auch keine Imbissstände oder öffentlichen Toiletten. Es ist schlicht pure und sehr ursprüngliche Natur, wo du dich ausschließlich auf das verlassen musst, was du im Rucksack mitbringst. Pack ausreichend Trinkwasser, hochwertige Sonnencreme, eine leichte Kopfbedeckung und natürlich eine Taucherbrille ein, ohne die der Ausflug keinen Sinn ergäbe.
Die Ausflugsboote fahren in regelmäßigen Abständen und funktionieren meist nach dem beliebten Hop-on-Hop-off-System, sodass du auf der Insel genau so viel Zeit verbringen kannst, wie du selbst für richtig hältst. Auf der Rückfahrt fährt dich der Kapitän zudem oft entlang der Küstenhöhlen und Felsen in Bonifacio, was ein toller visueller Bonus zum ganzen Ausflug ist.

4. Strand Palombaggia
Die Südostküste unterhalb der Stadt Porto-Vecchio ist der Hauptgrund, warum die Insel so oft bewundernd als europäisches Polynesien bezeichnet wird. Palombaggia ist zweifellos der berühmteste Strand der ganzen Insel und du kennst ihn garantiert aus allen Werbeprospekten und Reisemagazinen. Gesäumt wird er von herrlichen Kronen der Schirmpinien, die an heißen Sommertagen den so begehrten gnädigen Schatten spenden.
Aus dem völlig ruhigen, türkisfarbenen Wasser ragen hier und da mächtige rote Porphyrfelsen empor, die einen perfekten Kontrast zum leuchtend weißen Sand bilden, der fein wie Mehl ist. Das Wasser ist hier unglaublich flach und ruhig, was diesen Ort zum idealen Ziel für Familien mit kleineren Kindern macht oder für alle, die sich einfach faul in den aufgewärmten Wellen aalen wollen, ohne gegen starke Strömungen kämpfen zu müssen.
Es ist fotogener Kitsch im allerbesten Sinne des Wortes, aber stell dich darauf ein, dass du in der Saison definitiv nicht der Einzige bist, der von dieser Schönheit weiß. Komm wirklich sehr früh am Morgen her, am besten vor neun Uhr, denn die schmale Zufahrtsstraße verstopft schnell mit Autos und einen Parkplatz zu ergattern wird zu einem regelrechten Adrenalin-Kampfspiel.

5. Strand Santa Giulia
Gleich in unmittelbarer Nachbarschaft des berühmten Palombaggia befindet sich ein weiteres Naturjuwel der Südostküste, das du nicht verpassen solltest. Die Bucht Santa Giulia ist zu einem absolut perfekten Hufeisen geformt und bildet eine herrliche natürliche Lagune, die sicher vor größeren Wellen aus dem offenen Meer geschützt ist. Das Wasser ist hier so ruhig und unglaublich lange flach, dass du zeitweise das Gefühl hast, in einem riesigen, sonnenbeheizten Pool zu stehen.
Wenn du zu den aktiveren Reisenden gehörst, ist es ein absolut idealer Ort, um ein SUP-Board oder ein kleines Kajak auszuleihen. Die Wasseroberfläche ist die meiste Zeit des Tages spiegelglatt, sodass du hier problemlos dein Gleichgewicht trainieren und in aller Ruhe auch über längere Strecken entlang der Küste übers Wasser gleiten kannst. Du findest hier auch recht viele Strandbars und Restaurants mit angenehmer Urlaubsatmosphäre.
💡 Tipp: Am rechten Rand der Bucht befindet sich ein langer, sehr fotogener Holzsteg, der wie geschaffen für Abendspaziergänge ist. Genau von hier machst du die allerschönsten Fotos der gesamten türkisfarbenen Lagune ohne störende Elemente im Vordergrund, besonders wenn sich die Sonne dem Horizont zuneigt.

6. Bucht Rondinara
Ein Stück weiter südlich, genau auf halbem Weg in Richtung der Felsen von Bonifacio, versteckt sich vor den Augen eilender Autofahrer die herrliche Bucht Rondinara. Ihre Form erinnert sehr treffend an eine Muschel und das türkisfarbene Wasser ist hier fest zwischen zwei bewaldeten Halbinseln eingeschlossen, die wie riesige Krabbenscheren ins Meer hinausragen. Nicht umsonst wurde dieser Strand 2019 offiziell in das prestigeträchtige Ranking der TOP 10 besten Strände der ganzen Welt aufgenommen.
Der feine weiße Sand kontrastiert hier scharf und sehr dramatisch mit der dunkelblauen Farbe des tieferen Wassers, das nur ein Stück vom Ufer entfernt beginnt. Ein riesiger Vorteil dieser Bucht ist ihre geschützte Lage vor dem unangenehmen Wind aus dem offenen Meer. Das bedeutet, dass du selbst wenn es am Rest der Küste stark weht, hier höchstwahrscheinlich vollkommene Ruhe und Windschutz für entspanntes Baden findest.
Der Zufahrtsweg ist zwar etwas kurviger und schmaler, wie es auf Korsika so üblich ist, aber an seinem Ende erwartet dich ein riesiger gebührenpflichtiger Parkplatz, versteckt unter Bäumen. Die Kühe, die hier manchmal völlig phlegmatisch direkt am Strand zwischen den sich sonnenden Touristen spazieren, verleihen dem ganzen Ort einen herrlich authentischen und entspannten Charakter.

7. Calanques de Piana
Während der Osten der Insel von weißen Stränden und ruhigen Buchten geprägt ist, dreht sich an der Westküste alles um reines, unverfälschtes Naturdrama. In der Region Calanques de Piana vergiss die hellen Kalksteinfelsen, die du vielleicht aus der Umgebung des festländischen Marseille kennst. Hier ist der Stein geradezu blutrot und die durch Erosion verrückt ausgehöhlten Granitformationen fallen aus Hunderten Metern senkrecht hinab, direkt ins aufgewühlte Meer.
Die Straße mit der Bezeichnung D81, die durch dieses faszinierende Gebiet führt, ist teilweise direkt in den steilen Fels gehauen. Sie ist so unglaublich schmal, dass die Fahrer, wenn sich hier zwei größere Busse begegnen, buchstäblich auf den Millimeter manövrieren müssen und du aus dem Fenster direkt in den Abgrund unter dir blickst. Das Fahrerlebnis ist für den Fahrer zwar leicht stressig, aber die Panoramen, die sich dir hinter jeder Kurve öffnen, sind absolut unvergesslich.
Halte an einer der ausgebauten Rastflächen und mach dich auf einen kurzen Wandertrek in Richtung Küste auf. Markierte Pfade führen dich zu sicheren Aussichtspunkten, von denen aus du Felsfenster und merkwürdige Formationen siehst, die an Tiere oder menschliche Gesichter erinnern. Wenn du am späten Nachmittag bei Sonnenuntergang herkommst, leuchtet das ganze Felsgebiet auf und brennt förmlich vor deinen Augen in roter Farbe.

8. Naturreservat Scandola
Ein Stück nördlich der roten Felsen liegt das streng geschützte Naturreservat Scandola und die angrenzende Bucht Girolata. Dieses ganze weitläufige Gebiet steht stolz unter dem Schutz des UNESCO-Welterbes und ist einer der wenigen Orte in Frankreich, an den man absolut mit keinem Auto gelangen kann. Ins eigentliche Herz von Scandola darf man sogar nicht einmal zu Fuß – die fragile Natur hat hier schlicht absoluten Vorrang vor dem Tourismus.
Die einzige erlaubte Art, diese faszinierende vulkanische Landschaft voller dunkler Höhlen, steiler Felsen und geschützter Fischadler mit eigenen Augen zu sehen, ist ein Ausflugsboot von Porto oder Calvi zu nehmen. Die örtlichen Guides fahren dich bis in unmittelbare Nähe der bizarren Felsspalten und zeigen dir geologische Anomalien sowie das reiche Meeresleben. Die Regeln sind hier extrem streng und vom Ausflugsboot gilt absolutes Verbot, an Land zu gehen.
Das Ökosystem ist so wertvoll und gleichzeitig im Sommer durch den Bootsverkehr überlastet, dass die Parkverwaltung ständig über weitere Beschränkungen verhandelt. Geplant sind sehr strenge Quoten und spezielle Lizenzen für die Bootsbetreiber, die voraussichtlich schon um 2027 voll in Kraft treten sollen. Wenn du diesen faszinierenden Bootsausflug stressfrei organisieren und die Warteschlangen im Hafen vermeiden willst, empfehle ich, das beliebte Portal GetYourGuide zu nutzen, wo du alles bequem im Voraus zusammenklickst.

9. Ajaccio und Napoleons Schatten
Die Städte an der Westküste haben eine völlig andere Dynamik und Atmosphäre als der ruhige Süden voller Strandresorts. Ajaccio ist die Hauptstadt der ganzen Insel und vor allem der berühmte Geburtsort von Napoleon Bonaparte. Du findest hier einen internationalen Flughafen, einen großen und belebten Hafen und insgesamt etwas mehr städtisches Treiben, Verkehr und Zivilisation, als auf Korsika üblich ist.
Auf Schritt und Tritt stößt du hier auf starke historische Verweise auf den berühmten Feldherrn. Die Straßen sind von eleganten Cafés gesäumt, auf fast jedem größeren Platz steht eine monumentale Statue des Kaisers und du kannst sogar sein erhaltenes Geburtshaus besuchen (Maison Bonaparte), das heute als interessantes Museum dient. Die Atmosphäre der Stadt ist dank der breiten Boulevards und der majestätischen Architektur etwas französischer und eleganter als im Rest der Insel.
💡 Tipp: Wenn du dich für einen Moment von der Geschichte und dem Großstadttrubel erholen willst, mach einen kurzen Ausflug in Richtung des Kaps Pointe de la Parata. Hier befindet sich ein schöner alter genuesischer Turm und als Belohnung bekommst du einen zauberhaften Ausblick auf die Blutinseln (Îles Sanguinaires), die sich bei Sonnenuntergang magisch in satte Rottöne färben.

10. Das authentische Bastia
Die Hafenstadt Bastia im Nordosten der Insel ist das genaue Gegenteil des eleganten und touristisch polierten Ajaccio. Sie ist viel authentischer, leicht abgeblätterter und im besten Sinne des Wortes rauer, was ihr einen unverwechselbaren Charme verleiht. Das historische Zentrum rund um den alten Hafen zeichnet sich durch enge und schattige Gassen aus, wo von den Balkonen frisch gewaschene Wäsche hängt und die Luft nach frischem Fisch und getrockneten Kräutern duftet.
In Bastia lebt man schlicht das echte, normale korsische Leben, das nicht zu hundert Prozent dem Sommertourismus untergeordnet ist. Das Wahrzeichen der Stadt ist der riesige und weitläufige Platz Place Saint-Nicolas, einer der größten in Frankreich, gesäumt von hohen Bäumen und ständig voller Einheimischer, die ihren Nachmittagskaffee oder ein starkes korsisches Bier trinken.
Vergiss nicht, durch die steilen Gassen bis hinauf zur alten Zitadelle zu steigen und die majestätische Kirche Sainte-Marie zu besichtigen. Von den massiven Mauern öffnen sich tolle Ausblicke hinunter auf den belebten Hafen voller riesiger Fähren, die vom Festland kommen. Bastia ist zudem der ideale Ausgangspunkt und das Haupttor zur Erkundung der wilden Halbinsel Cap Corse.

11. Halbinsel Cap Corse
Wenn du mit dem Finger auf die Karte Nordkorsikas zeigst, siehst du eine dreißig Kilometer lange Halbinsel, die wie ein erhobener Finger quer übers Meer direkt aufs italienische Genua weist. Cap Corse ist im Grunde ganz Korsika clever in eine kleine Miniatur gepackt. Die schmale und sehr kurvenreiche Küstenstraße führt dich an einem einzigen Tag an historischen Sehenswürdigkeiten, verlassenen Stränden und dramatischen Felsklippen vorbei.
Charakteristisches Merkmal dieser Halbinsel sind die alten und oft sehr fotogenen genuesischen Wachtürme, die entlang der gesamten Küste verstreut sind und in der Vergangenheit die Einheimischen vor unerwarteten Piratenüberfällen schützten. Halt unbedingt in malerischen Fischerdörfern wie Erbalunga oder dem windigen Centuri an. Gerade im äußersten Norden der Halbinsel sind die Hänge am steilsten und die Straße schneidet sich gefährlich nah an der Meeresoberfläche in die Felsen.
Für ein absolut perfektes Fahrerlebnis empfehle ich, die Halbinsel gegen den Uhrzeigersinn zu umrunden, also von Bastia entlang der Ostküste hinauf zu fahren und über die Westseite hinunter zurückzukehren. Dadurch fährst du an der raueren Westküste auf der rechten Spur näher an den Felsen und hast einen unübertroffenen Blick auf die im Meer versinkende Sonne.

12. Die Festungsstadt Calvi
Im Nordwesten der Insel findest du Calvi, eine bezaubernde Stadt mit einer absolut unverwechselbaren und sehr stolzen Silhouette. Die gesamte weite Bucht wird selbstbewusst von einer riesigen und perfekt erhaltenen Zitadelle dominiert, die sich majestätisch auf einem mächtigen Felsvorsprung direkt über dem Meer erhebt. Innerhalb dieser massiven Mauern verbirgt sich ein verwinkeltes und schattiges Labyrinth alter gepflasterter Gassen voller reicher Geschichte.
Ein Spaziergang durch die Zitadelle bietet nicht nur ein tolles historisches Erlebnis, sondern auch herrliche Ausblicke auf den langen Sandstrand, der sich entlang des modernen Teils der Stadt in der Bucht zieht. In den engen Gassen stößt du auf zahlreiche kleine Weinstuben und Lokale, in denen du hervorragenden lokalen korsischen Wein begleitet von traditioneller polyphoner Musik genießen kannst, die abends aus den offenen Fenstern klingt.
Calvi hat allerdings noch eine ganz grundlegende und sehr praktische Bedeutung für alle aktiven Sportler und Bergmenschen. Aus dem nahen und unauffälligen Bergdorf Calenzana startet nämlich offiziell der nördliche – und es muss gesagt werden, der absolut anspruchsvollste – Teil des legendären Fernwanderwegs GR20.

13. L’Île-Rousse und die roten Felsen
Nur ein Stück angenehme Autofahrt östlich von Calvi liegt das ungemein sympathische und elegante Hafenstädtchen L’Île-Rousse. Seinen interessanten und leicht poetischen Namen (Rote Insel) erhielt es nach den auffälligen roten Granitinselchen, die dicht vor der Küste liegen und über einen langen Damm praktisch mit dem Festland verbunden sind. Besonders am späten Nachmittag bei Sonnenuntergang nehmen diese rauen Felsen eine unglaublich satte und feurige Farbe an.
Die Stadt selbst ist viel jünger als die meisten anderen korsischen Orte; erst im 18. Jahrhundert wurde sie strategisch vom Nationalhelden Pasquale Paoli gegründet. Das natürliche Zentrum allen Geschehens ist der schattige Platz Place Paoli, umgeben von alten und hohen Platanen, unter denen die einheimischen Rentner stundenlang das traditionelle Pétanque spielen und Kaffee trinken.
Mach unbedingt einen Spaziergang bis zum historischen Leuchtturm auf der Insel Pietra, von wo aus du einen absolut fantastischen Ausblick zurück auf die Stadt und die gezackten umliegenden Berge hast. Das Städtchen hat auch einen sehr schönen Strand mit feinem Sand direkt im Zentrum, sodass du die Besichtigung der Sehenswürdigkeiten leicht und ohne Umsteigen mit einem erfrischenden Bad im Meer kombinieren kannst.

14. Corte und die Restonica-Schlucht
Die Küste auf Korsika lockt zwar jedes Jahr Millionen sonnenhungriger Menschen, doch die wahre und unverfälschte Seele der Insel liegt hoch im rauen Hinterland verborgen. Hier herrscht vollkommene Stille, undurchdringliche Kastanienwälder der Region Castagniccia und scharfe Granitgipfel. Das historische und spirituelle Zentrum der ganzen Insel ist die Bergstadt Corte, die von allen Seiten von majestätischen Bergen und tiefen Tälern umgeben ist.
Genau in Corte residierte im 18. Jahrhundert selbstbewusst die erste unabhängige korsische Regierung unter der Führung von Pasquale Paoli und bis heute funktioniert hier die einzige Universität der Insel, was der Stadt das ganze Jahr über eine herrlich lebendige und jugendliche Atmosphäre verleiht. Direkt aus der Stadt brechen Wanderer und Bergsteiger in die berühmte Talschlucht Restonica auf. Die Straße entlang des eiskalten Bergflusses ist zwar erschreckend schmal, führt dich aber zum Ausgangsparkplatz für einige der schönsten Bergtouren.
Von hier kannst du zu den atemberaubenden Gletscherseen Melo und Capitello aufbrechen. Der Weg zum ersten See ist auch für normale Wanderer recht machbar, doch der Aufstieg zum oberen See Capitello erfordert schon festes Schuhwerk, etwas Kletterei über Felsen und sichere Befestigung mithilfe von Stahlketten. Als Belohnung erwartet dich jedoch der Blick auf die dunkelblaue Wasseroberfläche, fest zwischen vertikalen Wänden eingeschlossen.

15. GR20 und Aiguilles de Bavella
Wenn du ein begeisterter Bergmensch bist, löst allein die Kombination aus Buchstaben und Zahlen GR20 garantiert enormen Respekt in dir aus. Die Grande Randonnée 20 ist eine absolute Legende unter den Fernwanderwegen und durchquert die ganze Insel diagonal auf einer Länge von rund 180 Kilometern. Was sie zum wohl schwersten Trek Europas macht, ist nicht so sehr die Entfernung selbst, sondern das extreme Profil. Während sechzehn Etappen überwindest du insgesamt wahnsinnige 12.000 Höhenmeter.
Der nördliche Teil des Treks ist eine geradezu brutale Ausdauerprüfung. Es ist nicht nur klassisches Gehen auf Pfaden, sondern sogenanntes Scrambling, also Klettern leichteren Schwierigkeitsgrades, bei dem du dich oft fest an Stahlketten halten und über glatte Granitplatten über dem Abgrund hochziehen musst. Wenn du dir nicht die ganze Strecke zutraust, kannst du im Süden ein Stück Bergwildnis in der herrlichen Region Aiguilles de Bavella kosten.
Diese sogenannten „Nadeln von Bavella“ sind beeindruckende zerklüftete Granittürme, die sich wie spitze Zähne hoch über den Kiefernwäldern erheben. Es ist ein absolutes Paradies für Bergsteiger und Canyoning-Liebhaber. Die Logistik in den Bergen ist allerdings extrem strikt: Das Aufstellen eines Zeltes irgendwo in der freien Natur ist auf Korsika streng verboten und übernachten darfst du ausschließlich bei den ausgewiesenen Berghütten (refuges), die du in der Saison mit enormem Vorlauf reservieren musst.
Wohin weiter von Korsika
Wenn du mehr Zeit zum Reisen hast und deinen Mittelmeerurlaub noch etwas verlängern willst, bieten sich mehrere logische Möglichkeiten an. Da die Insel hervorragend durch Fähren mit dem europäischen Festland verbunden ist, kannst du dich leicht umsetzen und den nahen festländischen Teil Frankreichs erkunden.
Eine sehr beliebte Variante ist es, die wilde Natur Korsikas mit dem eleganten Luxus der Küste im Süden Frankreichs zu verbinden. Wirf einen Blick auf unseren ausführlichen Artikel und finde heraus, was alles die Französische Riviera verbirgt. Dort kannst du berühmte Städte wie Nizza, Cannes oder Saint-Tropez besuchen und deren Atmosphäre mit der korsischen vergleichen. Eine weitere Möglichkeit ist natürlich die kurze Überfahrt mit der Fähre von Bonifacio aufs italienische Sardinien, das nur eine knappe Stunde Überfahrt entfernt ist.
Häufig gestellte Fragen
Ist Essen und Trinken auf Korsika teuer?
Ja, die Preise in Restaurants und Cafés sind deutlich höher als auf dem französischen Festland, da die meisten Lebensmittel aufwendig mit Fähren auf die Insel transportiert werden müssen. Für eine normale Mahlzeit in einem durchschnittlichen Restaurant zahlen Sie zwischen 20 und 30 Euro. Lokale Spezialitäten wie traditionelle korsische Käsesorten, geröstete Kastanien oder deftige Gemüsesuppen sind etwas erschwinglicher und machen sehr satt.
Komme ich auf der Insel mit Englisch zurecht?
In den wichtigsten Touristengebieten, größeren Hotels und Autovermietungen kommen Sie mit Englisch ohne größere Probleme zurecht. In abgelegenen Bergdörfern und kleineren Betrieben stoßen Sie jedoch oft auf Sprachbarrieren, sodass zumindest grundlegende Französischkenntnisse oder ein zuverlässiger Übersetzer auf dem Handy hilfreich sind.
Wie ist die Wassertemperatur im Herbst?
September und Anfang Oktober sind zum Baden absolut ideal, da das Meer nach dem ganzen heißen Sommer herrlich aufgewärmt ist. Die Wassertemperatur liegt im September üblicherweise zwischen 23 und 25 Grad Celsius. Im Mai oder Anfang Juni hingegen ist das Wasser noch recht erfrischend und hat etwa 19 bis 20 Grad.
Brauche ich zum Fahren einen internationalen Führerschein?
Wenn Sie EU-Bürger sind und einen gültigen tschechischen Führerschein besitzen, benötigen Sie auf Korsika keinen internationalen Führerschein. Die Vorschriften sind hier dieselben wie im französischen Festland. Stellen Sie sich aber darauf ein, dass die Bergstraßen eng und kurvenreich sind und die einheimischen Fahrer sehr selbstbewusst und schnell unterwegs sind.
Ist Leitungswasser trinkbar?
Ja, das Wasser aus der öffentlichen Wasserversorgung ist auf Korsika absolut sicher und trinkbar. In Berggebieten und auf dem Trek GR20 finden Sie bei den Hütten Quellen, aber bei einigen wird empfohlen, eine Filterflasche oder Tabletten zu verwenden, besonders in Trockenperioden, wenn es weniger Wasser gibt und Quellen versiegen können.
Kann man auf Korsika mit Karte bezahlen?
In Städten, Supermärkten und größeren Restaurants können Sie ganz normal mit Karte bezahlen. Wenn Sie aber in die Berge fahren, in abgelegene Dörfer oder lokale Produkte auf dem Markt kaufen möchten, haben Sie immer ausreichend Bargeld in Euro dabei. Die Berghütten auf dem Trek GR20 akzeptieren ausschließlich Bargeld.
Sind die Strände auf der Insel sandig oder steinig?
Korsika bietet von allem etwas. Die Südostküste rund um Porto-Vecchio rühmt sich mit perfekten Buchten mit feinem weißen Sand. An der West- und Nordküste stoßen Sie eher auf wildere Strände, wo sich Sand mit kleinen Kieselsteinen abwechselt, und in einigen Buchten finden Sie große Kiesel, sodass sich Wasserschuhe empfehlen.
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