Spitzbergen: Anreise, Flüge, Dokumente und beste Reisezeit 2026

Für die Reise nach Spitzbergen, zur nördlichsten Linienflugverbindung der Welt, brauchst du kein Visum. Dank eines einzigartigen Vertrags aus dem Jahr 1920 ist der Archipel formell für alle geöffnet, aber ohne gültigen Reisepass und eine spezielle Versicherung lässt dich die raue Arktis nur sehr ungern weiter. Dabei erreichst du dieses eisige Königreich von Frankfurt über Oslo bequem an einem einzigen Tag.

Wenn du eine Reise an einen Ort planst, an dem mehr Eisbären als Menschen leben, musst du dich auf ganz besondere Regeln einstellen. Spitzbergen (norwegisch Svalbard) funktioniert völlig anders als der Rest Norwegens. Die übliche europäische Krankenversicherung gilt hier nicht, außerhalb der Stadt darfst du dich nicht ohne Gewehr bewegen, und im örtlichen Supermarkt verkauft man dir kein Bier, wenn du nicht dein Flugticket zeigst.

Von Flügen über Dokumente und Versicherung bis hin zu Alkoholquoten: Das sind die Dinge, die bei der Planung einer Reise ans Ende der Welt wirklich entscheiden. Inklusive der neuen strengen Regeln, die ab 2025 und 2026 gelten, warum der April der absolute Gewinner ist und warum du den November lieber meiden solltest.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Flugverbindung: Zum Flughafen Longyearbyen (LYR) fliegen nur die Fluggesellschaften SAS und Norwegian, und zwar aus Oslo oder über Tromsø. Der Flug dauert knapp 3 Stunden.
  • Ticketpreis: Ein Hin- und Rückflug ab Oslo liegt üblicherweise bei rund 250 bis 310 €, in der Sommersaison und im Frühjahr buchst du besser mit großem Vorlauf.
  • Dokumente: Spitzbergen liegt außerhalb des Schengen-Raums. Auch wenn formell ein Personalausweis ausreicht, empfehlen sowohl die Fluggesellschaften als auch der Gouverneur dringend einen Reisepass.
  • Versicherung: Die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) gilt hier nicht. Du brauchst eine private Versicherung, die auch Such- und Rettungsaktionen (SAR) abdeckt.
  • Beste Zeit für Schnee: März und April sind ideal für Ausflüge mit dem Schneemobil und Besuche in Gletscherhöhlen.
  • Beste Zeit für Bootsfahrten: Juli und August bieten Mitternachtssonne, offene Fjorde und die größte Chance, Wale und Walrosse zu beobachten.
  • Sicherheitsregel: Außerhalb der Stadt Longyearbyen darf man sich nicht ohne Waffe oder ohne bewaffneten Guide aufhalten.
  • Alkoholkauf: Der Archipel ist eine zollfreie Zone mit einem Rationierungssystem. Touristen müssen beim Alkoholkauf ihre Bordkarte vorlegen.

10 Dinge, die du vor der Reise nach Spitzbergen wissen musst

Die Planung einer Reise hinter den Polarkreis erfordert einen etwas anderen Ansatz als ein gewöhnlicher Urlaub in Europa. Schauen wir uns die zehn wichtigsten Punkte im Detail an, die über den Erfolg deiner Arktis-Expedition entscheiden.

1. Flüge und Linienverbindungen ab Oslo

Zum Flughafen Svalbard lufthavn (Code LYR) kommst du ausschließlich mit zwei Fluggesellschaften. Das sind die norwegischen Airlines SAS und Norwegian, die auf dem Archipel einen zuverlässigen ganzjährigen Betrieb aufrechterhalten. In der Sommerhauptsaison und während der Frühjahrsmonate erhöhen beide Gesellschaften die Frequenz der Verbindungen deutlich, sodass hier aus Oslo problemlos auch sieben Flüge pro Woche ankommen. Die ersten Morgenflieger starten vom norwegischen Festland schon vor sieben Uhr morgens, die Abendmaschinen landen dagegen erst nach acht Uhr abends in der Arktis.

Der häufigste Ausgangspunkt ist eben die norwegische Hauptstadt. Der Direktflug ab Oslo dauert knapp drei Stunden und Hin- und Rückflugtickets liegen preislich bei etwa 270 bis 310 €, wenn du sie rechtzeitig kaufst. SAS betreibt außerdem sehr beliebte Flüge mit Zwischenlandung im nordnorwegischen Tromsø. Von dieser Stadt hinter dem Polarkreis dauert der eigentliche Sprung nach Spitzbergen nur noch angenehme anderthalb Stunden.

Wenn du aus Frankfurt oder Berlin fliegst, musst du immer mindestens einmal umsteigen. Ich empfehle, die Flugbuchung mit riesigem Vorlauf zu erledigen, ruhig auch 330 Tage im Voraus, wenn die Buchungssysteme öffnen. Die Kapazitäten der Flugzeuge nach Longyearbyen sind nämlich streng begrenzt, und in den Frühjahrsmonaten, wenn die Schneemobil-Saison ihren Höhepunkt erreicht, sind die besten Termine völlig hoffnungslos ausverkauft.

2. Warum du dir immer einen „Puffertag“ einplanen solltest

Das Wetter in der Arktis ist unberechenbar und kann selbst die am besten geplanten Reiserouten gnadenlos zunichtemachen. Flüge nach Spitzbergen hängen stark von der aktuellen Sicht und der Windstärke ab. Es ist überhaupt nicht ungewöhnlich, dass ein Flugzeug aus Oslo bis über Longyearbyen fliegt, aber wegen dichtem Nebel nicht sicher landen kann. Nach einer Stunde Kreisen über dem Fjord entschuldigt sich der Pilot einfach und kehrt mitsamt den Passagieren zurück aufs Festland.

Wenn du auf Spitzbergen an eine teure Expeditionskreuzfahrt anknüpfen willst oder einen mehrtägigen Ausflug mit dem Hundegespann gebucht hast, flieg nie auf den allerletzten Drücker. Reiseforen sind voll von traurigen Geschichten von Leuten, die wegen eines verspäteten Fluges die Abfahrt ihres Schiffes verpasst und dadurch mehrere tausend Euro verloren haben. Die ideale Strategie ist, ein bis zwei Tage früher in Longyearbyen anzukommen.

Diesen sogenannten Puffertag kannst du hervorragend zur Akklimatisierung an die eisigen Temperaturen nutzen. Schau ins Svalbard Museum, wo du für den Eintritt 160 NOK (etwa 15 €) zahlst und die gesamte Geschichte des Archipels von den Walfängern bis zu den Bergleuten durchläufst. Die Zeit lässt sich auch im North Pole Expedition Museum verkürzen, das das Wettrennen der Luftschiffe zum Nordpol dokumentiert. Wenn sich zudem beim Umsteigen dein Gepäck verspätet, hast du wenigstens Zeit, auf den nächsten Flug zu warten oder dir warme Kleidung in den örtlichen Geschäften zu kaufen.

3. Dokumente und die Tücken des Spitzbergen-Vertrags

Spitzbergen hat weltweit eine völlig einzigartige rechtliche Stellung, die aus einem alten internationalen Abkommen stammt. Nach dem sogenannten Spitzbergen-Vertrag von 1920 verlangt Norwegen für die Einreise auf den Archipel kein Visum, und zwar unabhängig von deiner Nationalität. Du kannst hier sogar unbegrenzt lange leben und arbeiten, wenn du dich selbst ernähren kannst und eine eigene Unterkunft findest. Interessant ist, dass auch Deutschland zu den Unterzeichnerstaaten des Vertrags gehört.

Das hat aber einen entscheidenden Haken, den Touristen bei der Reiseplanung oft vergessen. Svalbard ist weder Teil des Schengen-Raums noch des Europäischen Wirtschaftsraums. Um hierher zu gelangen, musst du bei der Abreise aus Oslo oder Tromsø eine klassische Passkontrolle durchlaufen, wodurch du formell den Schengen-Raum verlässt. Dasselbe erwartet dich natürlich auch auf dem Rückweg.

Obwohl die norwegischen Behörden theoretisch nationale Personalausweise von EU-Ländern anerkennen, wird überall dringend ein klassischer Reisepass empfohlen. Die Fluggesellschaften SAS und Norwegian verlangen ihn oft direkt, und der örtliche Gouverneur warnt vor Reisen mit dem Personalausweis. Mit dem Ausweis könntest du nämlich völlig unnötige Probleme bei der Bewältigung von Notsituationen bekommen, also lass deinen Reisepass auf keinen Fall zu Hause in der Schublade liegen.

4. Versicherung und neue harte Regeln für 2026

Die gewöhnliche Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) ist hier, salopp gesagt, für nichts zu gebrauchen. Die Regeln der Europäischen Union gelten auf dem Archipel überhaupt nicht, und das kleine örtliche Krankenhaus in Longyearbyen behandelt nur akute Fälle. Es gibt hier weder eine Entbindungsstation noch komplizierte Chirurgie oder Langzeitpflege. Jedes ernstere Gesundheitsproblem erfordert einen sofortigen Lufttransport aufs norwegische Festland nach Tromsø, was ohne eine gute Versicherung unglaublich teuer wird.

Deine Reiseversicherung muss außerdem auch Such- und Rettungsaktionen abdecken, die unter dem Kürzel SAR bekannt sind. Die arktische Natur verzeiht keine Fehler, und der Einsatz eines Rettungshubschraubers in einen abgelegenen Fjord kostet astronomische Summen. Wenn du auf einen organisierten Ausflug mit einer örtlichen zertifizierten Agentur gehst, regeln sie diese spezielle Versicherung üblicherweise im Rahmen des Ausflugspreises.

Für unabhängige Reisende gelten aber seit Januar 2026 neue strenge Regeln. Wenn du dich auf eigene Faust außerhalb der ausgewiesenen Zone rund um die Stadt begeben willst, musst du deinen Plan mindestens 4 Wochen vorher dem Gouverneur melden. Teil des Antrags muss auch der Nachweis einer enormen finanziellen Garantie für eine mögliche Rettungsaktion sein. Für die häufigste Zone A musst du zum Beispiel eine Deckung in Höhe von 120.000 norwegischen Kronen nachweisen.

5. Flughafen Longyearbyen und Transfer in die Stadt

Die Landebahn des Flughafens Svalbard lufthavn ist auf dem ewigen Permafrostboden direkt am Ufer des eisigen Fjords gebaut, und schon allein der Anflug über die verschneiten Gipfel ist einen Fensterplatz wert. Der Flughafen ist wirklich sehr klein, effizient und liegt nur wenige Kilometer vom Zentrum der Stadt selbst entfernt. Gleich bei der Gepäckausgabe begrüßt dich ein ikonischer ausgestopfter Eisbär, der mit Abstand der beliebteste Ort für die ersten Urlaubsfotos ist.

Der einfachste Weg, mit den Koffern ins Hotel zu kommen, ist, den offiziellen Flughafenbus namens Flybuss zu nutzen. Der fährt zuverlässig im Anschluss an jede Ankunft und jeden Abflug und steuert brav alle wichtigen Hotels und Pensionen im Ort an. Ein Einzelticket kostet rund 100 NOK (etwa 10 €), das günstigere Rückfahrticket kommt dich auf 170 NOK (ca. 15 €). Vergiss nicht, dass du im Bus nur mit Kreditkarte bezahlst.

Wenn du es sehr eilig hast oder in einer größeren Freundesgruppe reist, kannst du problemlos den örtlichen Taxidienst nutzen. Die Fahrt ins Zentrum dauert nur fünf bis zehn Minuten und kostet dich etwa 150 bis 250 NOK (ungefähr 15 bis 25 €). Autovermietungen gibt es hier zwar, aber ein Mietwagen ergibt überhaupt keinen Sinn. Das gesamte Straßennetz misst nur etwas mehr als 40 Kilometer, und außerhalb der Stadt kommst du damit ohnehin nirgendwohin.

6. Frühjahrssaison: März und April als absoluter Gewinner

Wann ist eigentlich die beste Zeit, um in den hohen Norden zu reisen? Nach den Erfahrungen der örtlichen Guides ist der absolute Höhepunkt der Reisesaison eindeutig der April. In diesem Monat gibt es schon überall genug Tageslicht, aber die Landschaft ist noch tief gefroren und von einer dicken Schneeschicht bedeckt. Es ist die absolut ideale Zeit für lange ganztägige Schneemobil-Ausflüge zum Tempelfjord und für herrliche Fahrten mit dem Hundegespann.

Eine sehr magische Zeit ist auch der Übergang von Februar zu März, wenn nach der langen Polarnacht die Sonne zurückkehrt. Direkt in Longyearbyen wird jedes Jahr am 8. März das traditionelle Sonnenfest (Solfest) gefeiert, wenn die Sonnenstrahlen zum ersten Mal auf die Stufen des alten Krankenhauses fallen. Der Himmel färbt sich in dieser Zeit in Töne von pastellblau und rosa, wegen derer Fotografen gezielt hierherreisen.

Rechne aber damit, dass der März statistisch überhaupt der kälteste Monat im ganzen Jahr ist. Die Tagestemperaturen fallen üblicherweise auf eisige -20 bis -30 °C, und der eisige Wind senkt die gefühlte Temperatur noch deutlich. Gerade im frühen Frühling herrschen auch die besten Bedingungen für den Besuch der atemberaubenden Gletscherhöhlen, in die du entweder zu Fuß oder mit einer speziellen Pistenraupe gelangst.

7. Die Mai-Falle und die sommerliche Bootssaison

Der Mai ist auf Spitzbergen eine sehr besondere Übergangszeit, vor der Reiseforen oft eindringlich warnen. Der Schnee rund um die Stadt beginnt langsam zu tauen und verwandelt sich in tiefen Matsch, aber die Meeresfjorde sind noch fest gefroren. Die Ausflugsschiffe können so nicht bis zu den Gletscherfronten gelangen, und die Schneemobil-Saison geht wegen des tauenden Eises dagegen langsam zu Ende. Wenn du Anfang Mai hierher fährst, riskierst du, dass du weder die sommerlichen noch die winterlichen Aktivitäten voll ausleben kannst.

Der echte Polarsommer bricht im Juni voll aus und dauert bis Ende August. Etwa vom 20. April bis zum 23. August herrscht hier das Phänomen der Mitternachtssonne, was bedeutet, dass die Sonne überhaupt nicht hinter dem Horizont untergeht. Die Temperaturen liegen im Sommer meist zwischen angenehmen 3 und 7 °C, ausnahmsweise können sie auf zehn Grad steigen. Für einen ruhigen Schlaf pack dir unbedingt eine gute Schlafmaske in den Koffer, sonst schläfst du nicht ein.

Der Sommer ist die Hauptsaison für Bootsausflüge, Trekking und Tierbeobachtung. Du kannst zu einer Fahrt in die verlassene russische Stadt Pyramiden aufbrechen oder nach Belugas an den Gletscherwänden Ausschau halten. Seit 2025 gelten hier aber sehr strenge Naturschutzregeln. Ausflugsschiffe dürfen maximal 200 Passagiere an Bord haben, müssen einen Abstand von 300 bis 500 Metern zu Eisbären einhalten, und Drohnenflüge sind in den Nationalparks komplett verboten.

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8. Die Polarnacht und der Mythos vom Polarlicht

Von Mitte November bis Ende Januar herrscht auf dem Archipel die dunkle Polarnacht. Die Sonne erscheint überhaupt nicht über dem Horizont, und selbst am Mittag ist es draußen stockdunkel. Die Erfahrungen der Reisenden sprechen völlig klar. Der November ist für einen Besuch wahrscheinlich der schwierigste und am wenigsten einladende Monat des Jahres, weil es stark weht und Schnee für Winteraktivitäten fehlt. Wenn du unbedingt im Winter fahren musst, mach zumindest eine Besichtigung des Kohlebergwerks Nummer 3.

Viele Touristen fliegen im Winter mit der Aussicht auf ein perfektes Polarlicht hierher, aber sie erwartet eine Enttäuschung. Die Wahrheit ist nämlich, dass Spitzbergen für die Beobachtung der Aurora borealis zu weit im Norden liegt. Der Hauptgürtel des Polarlichts befindet sich oft viel weiter südlich über Nordskandinavien. Wenn dein Hauptziel der tanzende grüne Himmel ist, empfehle ich dir, lieber ins norwegische Tromsø zu reisen, wo du eine viel größere Erfolgschance hast.

Der Winter auf Spitzbergen hat aber eine absolut faszinierende Ausnahme. Während der tiefen Polarnacht ist es hier so dunkel, dass du das Polarlicht sogar am Mittag beobachten kannst. Longyearbyen ist nämlich der einzige bewohnte Ort der Erde, an dem du dieses Phänomen der sogenannten Tages-Aurora tatsächlich erleben kannst. Es ist eher eine Kuriosität für Enthusiasten, aber wenn du Glück mit einem klaren Himmel hast, siehst du etwas völlig Einzigartiges.

9. Was du für eine arktische Expedition einpacken solltest

Die Grundlage des Überlebens in der rauen Arktis ist ein durchdachtes Schichtsystem der Kleidung. Egal, ob du im Winter oder im Sommer fährst, vergiss eine einzige riesige unförmige Jacke. Setz lieber auf hochwertige Thermounterwäsche aus Merinowolle, eine isolierende Fleeceschicht und eine absolut winddichte Außenschale. Der Wind ist hier nämlich dein größter Feind und zaubert aus gewöhnlichen -10 °C leicht gefühlte -25 °C in wenigen Minuten.

In den Sommermonaten stell dich darauf ein, dass die arktische Tundra unglaublich nass und voller tückischem Matsch sein kann. Hochwertige wasserdichte Wanderschuhe sind eine absolute Notwendigkeit, denn du wirst bei Ausflügen oft durch flache Bäche und aufgeweichten Schnee waten. Gewöhnliche Sneaker für die Stadt werden dir hier schon während der ersten zehn Minuten des Spaziergangs durchweichen.

Eine örtliche Besonderheit, auf die Touristen oft nicht vorbereitet sind, ist die strenge Regel, in Innenräumen die Schuhe auszuziehen. In Longyearbyen zieht man die Schuhe verpflichtend in Hotels, Museen, in der Bibliothek und im Touristeninfozentrum aus. Es ist eine alte Tradition aus den Zeiten des Bergbaus, damit der schwarze Kohlenstaub nicht nach drinnen getragen wird. Nimm dir deshalb genug warme und saubere Socken mit, in denen du viel Zeit verbringen wirst.

10. Alkoholquote und Reservierungen Monate im Voraus

Das Einkaufen auf Spitzbergen hat seine ganz besonderen und oft amüsanten Regeln. Der gesamte Archipel ist eine zollfreie Zone, was in der Praxis bedeutet, dass Outdoor-Ausrüstung und Elektronik hier merklich günstiger sind als im norwegischen Festland. Frische Lebensmittel müssen aber mühsam mit dem Flugzeug hierher gebracht werden, sodass du für gewöhnliche Äpfel oder frische Milch dagegen ordentlich draufzahlst. Das Kochen aus dem gut sortierten örtlichen Supermarkt lohnt sich trotzdem.

Die größte Kuriosität ist eindeutig der Alkoholverkauf. Im örtlichen Supermarkt Svalbardbutikken findest du die Abteilung Nordpolet, wo ein strenges Rationierungssystem gilt. Als Touristen musst du an der Kasse deine Bordkarte aus dem Flugzeug vorlegen, sonst verkauft man dir Spirituosen oder Bier einfach nicht. Wein ist von diesen historischen Quoten glücklicherweise ausgenommen, sodass du ihn ohne Einschränkung kaufen kannst.

Der letzte und vielleicht wichtigste Rat ist die rechtzeitige Planung. Beliebte Ausflüge zu den Gletschern, Fahrten zu den Walrossen oder Touren mit dem Hundegespann sind in der Hauptsaison oft schon lange Monate im Voraus ausverkauft. Die Kapazitäten der zertifizierten Guides sind nämlich streng begrenzt und lassen sich nicht aufblähen. Ab 2027 müssen zudem alle Guides eine offizielle staatliche Zertifizierung haben, was die Plätze auf den Ausflügen noch weiter einschränkt.

Wo du übernachtest und Richtpreise (2026)

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Das Preisniveau auf Spitzbergen ist selbst nach den üblichen norwegischen Verhältnissen hoch, und die Unterkunft bildet zusammen mit den Ausflügen den größten Budgetposten. Es gibt hier kein Airbnb in Form billiger Hütten, schlafen wirst du überwiegend in klassischen Hotels oder Pensionen. Die Wahl der Unterkunft beeinflusst direkt, wie viel du in Kälte und Wind laufen musst, denn die Stadt zieht sich in einem langen Tal hin. Schauen wir uns konkrete Tipps je nach deinem Budget an.

Wenn du eine preisgünstigere Variante suchst und dir längere Spaziergänge nichts ausmachen, geh in das Viertel Nybyen am oberen Ende des Tals. Die günstigsten Betten findest du in der Pension Gjestehuset 102, wo dich ein Doppelzimmer etwa 150 bis 180 € pro Nacht kostet. Das Viertel ist sicher, aber ins Zentrum voller Restaurants gehst du etwa dreißig Minuten zu Fuß. Direkt daneben steht das beliebte Drei-Sterne-Hotel Coal Miners‘ Cabins, das in schön renovierten ehemaligen Bergarbeiterunterkünften untergebracht ist.

Für alle, die direkt im Zentrum des Geschehens wohnen wollen, empfehle ich das Basecamp Hotel. Es bietet eine absolut großartige Trapper-Atmosphäre voller Treibholz und Felle, sodass du dir wie auf einer echten Polarexpedition vorkommst. Direkt gegenüber steht das Radisson Blu Polar Hotel Spitsbergen, das sich mit dem Titel des nördlichsten Full-Service-Hotels der Welt schmückt und großartige Außen-Whirlpools mit Blick auf die Berge bietet.

Wenn du Luxus und Spitzengastronomie suchst, ist die klare Wahl das Funken Lodge. Dieses Boutique-Hotel liegt leicht am Hang über dem Stadtzentrum und bietet erstklassigen Service. Bei schlechtem Wetter schätzt du vielleicht, dass du überhaupt nicht nach draußen gehen musst, denn ihr Hotelrestaurant kocht absolut fantastisch und bietet auch tolle vegetarische Menüs.

Einen erheblichen Teil des Budgets schlucken die verpflichtenden organisierten Ausflüge, denn ohne einen bezahlten Guide mit Gewehr kommst du schlicht nicht über die Stadtgrenzen hinaus. Hier ist eine Richtübersicht der Kosten zur Orientierung (rechne mit etwa 0,085 € pro 1 NOK):

  • Hin- und Rückflug ab Oslo (SAS/Norwegian): 2.800 bis 3.500 NOK (ca. 240 – 300 €)
  • Eine Nacht im Hotel (Mittelklasse für zwei): 1.500 bis 2.500 NOK (ca. 130 – 210 €)
  • Flughafenbus (hin und zurück): 170 NOK (ca. 15 €)
  • Ganztägiger Schneemobil-Ausflug: 3.500 bis 4.500 NOK (ca. 300 – 380 €)
  • Bootsfahrt zum Gletscher oder nach Pyramiden: 2.300 bis 2.900 NOK (ca. 195 – 245 €)
  • Besuch einer Gletscherhöhle: 1.300 NOK (ca. 110 €)
  • Hauptgericht in einem normalen Restaurant: 250 bis 400 NOK (ca. 21 – 34 €)
  • Bier im Restaurant / im Laden (tax-free): 130 NOK / ab 17 NOK (ca. 11 € / 1,50 €)

Für einen kurzen viertägigen Aufenthalt empfehle ich, etwa 1.700 bis 2.100 € pro Person einzuplanen (inklusive Flug, Unterkunft und mindestens zwei ordentlicher Ausflüge). Wenn du sparen willst, ermöglicht dir der bestens sortierte örtliche Supermarkt Svalbardbutikken, eigene Mahlzeiten zu kochen, und das gesparte Geld kannst du dann in bessere Erlebnisse im Gelände investieren.

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Wohin als Nächstes

Wenn dich der arktische Norden reizt, habe ich weitere Reiseführer für dich vorbereitet, die dir bei der Planung helfen. Lies, was du alles auf Spitzbergen sehen und erleben kannst, oder tauche in die Details der Hauptstadt selbst im Artikel Longyearbyen: was du sehen solltest ein.

Für alle, die über eine Reise auf dem Wasserweg nachdenken, empfehle ich die ausführliche Übersicht Ausflüge und Bootsfahrten auf Spitzbergen. Wenn dich mehr das Polarlicht interessiert, finde heraus, warum es besser ist, aufs Festland nach Tromsø: das Tor zum Polarlicht zu reisen. Und für einen allgemeinen Überblick über das skandinavische Klima schau dir den Artikel Wann nach Norwegen reisen: das norwegische Wetter an.

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Häufig gestellte Fragen

Hier sind die Antworten auf die Fragen, die sich vor der Reise nach Spitzbergen fast jeder stellt.

Brauche ich für die Reise nach Spitzbergen ein Visum?

Nein, das ist nicht erforderlich. Dank des Spitzbergen-Vertrags von 1920 können Bürger aller Vertragsstaaten visumfrei einreisen, wobei die Tschechoslowakei dieses Abkommen bereits 1930 unterzeichnete. Sie müssen jedoch bei der Abreise vom norwegischen Festland eine Passkontrolle durchlaufen, da Spitzbergen nicht zum Schengen-Raum gehört.

Reicht mein Personalausweis oder brauche ich einen Reisepass?

Formal können EU-Bürger auch mit Personalausweis reisen, aber die Fluggesellschaften und der Gouverneur von Spitzbergen empfehlen ausdrücklich, einen gültigen Reisepass dabei zu haben. Ohne Pass könnten Sie bei eventuellen Notfallsituationen erhebliche Probleme bekommen, da die Inseln außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums liegen.

Gilt auf Spitzbergen die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC)?

Nein. Der Archipel gehört überhaupt nicht zum Europäischen Wirtschaftsraum und das örtliche Krankenhaus behandelt nur das Allernötigste. Sie müssen daher eine hochwertige kommerzielle Reiseversicherung abschließen, die auch Such- und Rettungsaktionen (Search and Rescue) abdeckt.

Wie lange dauert der Flug und was kostet ein Ticket?

Der Direktflug von Oslo dauert knapp 3 Stunden, von Tromsø sind Sie sogar schon nach eineinhalb Stunden vor Ort. Ein Hin- und Rückflugticket von Oslo kostet in der Regel zwischen 240 und 300 € (6.000 bis 7.500 Kč), je nach Jahreszeit und wie früh Sie buchen. Im Sommer fliegen die Verbindungen sogar bis zu siebenmal pro Woche.

Wann ist es auf Spitzbergen am dunkelsten und kältesten?

Die größte Dunkelheit herrscht von Mitte November bis Ende Januar, wenn die Sonne überhaupt nicht über den Horizont steigt (Polarnacht). Der kälteste Monat ist statistisch gesehen überraschenderweise erst der März, wenn die Tagestemperaturen regelmäßig auf extreme -20 bis -30 °C fallen.

Wann ist die beste Zeit, um Polarlichter zu sehen?

Obwohl die Polarnacht auf Spitzbergen vollkommen dunkel ist, liegt der Archipel für zuverlässige Beobachtungen der Aurora borealis bereits zu weit im Norden. Eine viel bessere Chance auf ein wunderschönes Lichtspektakel haben Sie im norwegischen Tromsø auf dem Festland, das direkt unter dem Polarlichtoval liegt.

Wann ist die beste Zeit zur Beobachtung von Eisbären?

Die größte Chance haben Sie in den Sommermonaten (Juli und August) während Expeditionskreuzfahrten rund um den Archipel. Bedenken Sie aber, dass Bären Wildtiere sind, nicht aktiv aufgesucht werden dürfen und Schiffe seit 2025 strikt einen Mindestabstand von 300 bis 500 Metern einhalten müssen.

Wie weit im Voraus muss ich Hotels und Ausflüge buchen?

Idealerweise mehrere Monate im Voraus. Die Frühjahrssaison (März und April) und der Hochsommer (Juli) sind in Longyearbyen unglaublich lange im Voraus ausgebucht. Die Kapazitäten für Guides auf Schneemobilen oder Bootsausflüge sind sehr begrenzt und lassen sich nicht aufstocken.

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