Wenn du Ausflüge auf Spitzbergen planst, endet hinter dem Schild mit dem abgebildeten Eisbären am Rand von Longyearbyen die Welt, in die du allein aufbrechen darfst. Alles dahinter ist wilde arktische Natur, in die du aus Sicherheitsgründen ausschließlich mit einem bewaffneten Guide gelangst. Und genau deshalb solltest du deine Ausflüge klug auswählen und im Voraus planen. Auf Spitzbergen gibt es nämlich kein zielloses Umherstreifen mit dem Rucksack auf dem Rücken – es sei denn, du hast einen Waffenschein und eine Sondergenehmigung des Gouverneurs.
Wenn du deine Reise nicht gut zusammenstellst, kann es dir leicht passieren, dass du eine ganze Woche lang nur vom Hotelfenster aus auf verschneite Gipfel schaust und astronomische Beträge für Abendessen zahlst. Ich habe für dich einen ausführlichen Ratgeber vorbereitet, der auf dem basiert, was echte Reisende in Foren und Bewertungen immer wieder betonen. Damit dir nicht der richtige Ausflug entgeht, nur weil du nicht wusstest, wo du klicken musst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
Hier ist ein schneller Überblick über das Wichtigste, das du vor der Reise wissen solltest.
- Ohne Guide geht nichts: Außerhalb der Zone rund um die Hauptstadt Longyearbyen darfst du dich nicht ohne Feuerwaffe und Mittel zur Bärenvergrämung bewegen. Organisierte Ausflüge sind daher ein Muss.
- Hohe Budgets: Rechne damit, dass jeder aktivitätsreiche Tag etwas kostet. Sechs Tage Ausflüge für zwei Personen liegen in Foren üblicherweise bei rund 20.000 NOK (ca. 1.700 €).
- Polarlichter ergeben keinen Sinn: Spitzbergen liegt zu weit nördlich über dem Polarlichtoval. Spezielle Ausflüge zum Nordlicht haben hier wenig Sinn – viel besser ist ein Trip ins festländische Tromsø.
- Neue strenge Regeln 2025: Expeditionsschiffe in Schutzgebieten dürfen maximal 200 Passagiere haben, und Anlandungen sind nur an 43 zugelassenen Orten möglich. Drohnen sind komplett verboten.
- Der Winterhit ist die Höhle: Reisende sind sich einig, dass die Erkundung einer Gletscherhöhle das absolute Highlight der Wintersaison ist.
- Frühzeitige Buchung ist der Schlüssel: Die besten Ausflüge und Touren sind in der Hauptsaison von März bis August oft Monate im Voraus ausverkauft.

Wann du nach Spitzbergen reisen solltest
Das richtige Timing ist auf Spitzbergen absolut entscheidend, denn jede Jahreszeit bietet ein völlig anderes Erlebnis, und manche Aktivitäten schließen sich gegenseitig aus. Der Winter dauert hier von November bis Mitte Februar und bringt die dunkle Polarnacht. In dieser Zeit geht die Sonne überhaupt nicht über den Horizont, und du erlebst nur ein paar Stunden magisches blaues Zwielicht um die Mittagszeit. Touristen kommen im Winter vor allem wegen der geheimnisvollen Atmosphäre, doch das Ausflugsangebot ist stark eingeschränkt.
Der größte Hit bei Reisenden ist der sogenannte Sonnenwinter, der an der Wende von Februar zu März beginnt und bis Mai dauert. Das Licht kehrt unglaublich schnell zurück, und schon im April erlebst du Tage, an denen die Sonne überhaupt nicht mehr untergeht. Gerade die Frühlingsmonate sind das absolute Highlight für Fahrten mit dem Schneemobil, Besuche von Gletscherhöhlen und Touren mit dem Hundeschlitten. Stell dich aber auf ordentliche Kälte ein, denn die Temperaturen fallen im März regelmäßig auf minus zwanzig Grad, und die Termine bei den Veranstaltern sind blitzschnell weg.
Der Polarsommer herrscht dann von Juni bis September, und die Landschaft verwandelt sich dank der durchgehenden Mitternachtssonne völlig. Der Schnee schmilzt, die zugefrorenen Fjorde öffnen sich, und die Hauptsaison für Bootsausflüge und Expeditionsfahrten beginnt. Es ist die ideale Zeit, um Walrosse, Wale und riesige Vogelkolonien zu beobachten. Rechne allerdings damit, dass die sommerliche arktische Tundra extrem durchnässt und matschig ist – für Wanderungen kommst du ohne erstklassige wasserdichte Schuhe definitiv nicht aus.

Wo du in Longyearbyen übernachten kannst
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu kaufen.
Da man außerhalb der Hauptstadt Longyearbyen weder frei campen noch sich bewegen darf, beschränkt sich deine Wahl der Unterkunft genau auf diese einzigartige arktische Siedlung. Das Städtchen ist recht klein, und du erreichst alles zu Fuß, doch bei winterlichen Schneestürmen wirst du ein Hotel direkt im Zentrum zu schätzen wissen. Grundregel ist, die Unterkunft mit großem Vorlauf zu buchen, denn die Kapazitäten sind begrenzt und in der Frühlingssaison oft hoffnungslos ausgebucht.
Die Funken Lodge liegt auf einem Hügel oberhalb der Stadt und ist eine solche arktische Ausnahmebasis mit fantastischem Frühstück und einem Restaurant mit überraschend gutem vegetarischem Menü. Mehr solltest du in Longyearbyen nicht erwarten, aber das reicht dir locker. Sehr beliebt ist auch das Radisson Blu Polar Hotel, das mit seiner tollen Lage direkt an der ersten Haltestelle des Flughafenbusses punktet – und nach einem eiskalten Ausflug kannst du dich hier sogar in Außen-Whirlpools mit Blick auf den Fjord entspannen.
Für Liebhaber authentischerer Atmosphäre ist das Basecamp Hotel eine tolle Wahl, das von außen wie innen an eine traditionelle Trapperhütte voller Holz und Felle erinnert. Reisende, die auf ihr Budget achten, wählen dann sehr oft das Gjestehuset 102 im Randviertel Nybyen. Es handelt sich um eine ehemalige Bergarbeiterunterkunft mit Gemeinschaftsbädern, wo du ein Bett zu sehr vernünftigen Preisen bekommst. Stell dich nur auf eine lokale Kuriosität ein: In den meisten Hotels musst du dich gleich am Eingang ausziehen, und in den Fluren läuft man ausschließlich in Socken oder Hausschuhen.

12 Dinge, die du über Ausflüge auf Spitzbergen wissen musst
💡 Tipp: Einen Teil der Tagesausflüge kannst du bequem online im Voraus über Plattformen wie GetYourGuide buchen. Ich empfehle dir das unbedingt, denn die Kapazitäten vor Ort sind schnell weg.

1. Warum jeder Tag ein bezahlter Ausflug ist
Der größte Schock für viele Besucher ist die Erkenntnis, dass sie sich auf Spitzbergen ihr Programm nicht selbst gestalten können. Der Gouverneur des Archipels verlangt strikt, dass jede Person, die sich außerhalb der sogenannten Zone 10 (Management Area 10 rund um Longyearbyen) bewegt, Mittel zur Abschreckung von Eisbären mitführt. In der Regel bedeutet das die Pflicht, eine leistungsstarke Feuerwaffe und eine Signalpistole zu tragen.
Für den normalen Touristen heißt das in der Praxis, dass jede Fahrt außerhalb der Stadt einen bezahlten professionellen Guide erfordert. Longyearbyen selbst schaust du dir in Ruhe an einem halben Tag an, und die Museen nehmen dir einen weiteren Tag, aber ohne bezahlte Aktivitäten fängst du in der Stadt sehr schnell an, dich zu langweilen. Wenn du dir selbst eine Waffe ausleihen möchtest, brauchst du dazu eine langwierige Genehmigung der örtlichen Polizei oder einen Europäischen Feuerwaffenpass, was für die meisten Reisenden keinen Sinn ergibt.
Die neuen Regeln schreiben unabhängigen Expeditionen zudem vor, eine spezielle Versicherung für den Fall einer Rettungsaktion abzuschließen, die eine finanzielle Garantie von bis zu 650.000 NOK (über 55.000 €) erfordern kann. Der Kauf eines organisierten Ausflugs ist damit bei Weitem der günstigste und sicherste Weg, die arktische Wildnis zu erleben. Denk auch daran, dass innerhalb der Stadt ein strenges Verbot gilt, eine geladene Waffe zu tragen – vor dem Supermarkt und der Bank findest du spezielle Schränke zum Abstellen der Gewehre.

2. Die Gletscherhöhle ist ein absoluter Hit
Wenn du im Winter oder Frühling anreist, sollte der Besuch einer Gletscherhöhle ganz oben auf deiner Liste stehen. Reisende bezeichnen sie wiederholt als das beste Erlebnis der ganzen Reise, und in Foren liest du, dass der Gang durch die engen blauen Gänge absolut atemberaubend ist. Die Ausflüge führen üblicherweise zu den Gletschern Longyearbreen oder Scott Turnerbreen, die nur unweit außerhalb der Stadt liegen.
Hinein fährt man meist mit einer speziellen Pistenraupe, dem sogenannten Snowcat, was schon für sich ein tolles Erlebnis ist. Drinnen erwarten dich unglaubliche blaue Eisformationen und schmale Gänge, die du nur mit deiner eigenen Stirnlampe ausleuchtest. Die Saison dauert etwa von Mitte Januar bis Mitte Mai, wobei die Innentemperatur stabil bei rund minus vierzehn Grad liegt – warme Kleidung ist also eine absolute Notwendigkeit.
Das Unternehmen Snowfox Travel bietet Touren für rund 1.300 NOK (ca. 110 €) pro Person an. Für dieses Geld bekommst du ein Erlebnis, das es im Sommer schlicht nicht gibt, weil die Höhle schmilzt. Termine im April sind oft Monate im Voraus ausverkauft, also zögere mit der Buchung auf keinen Fall.

3. Schneemobil zum Tempelfjorden für Anfänger
Die Fahrt mit dem Schneemobil ist auf Spitzbergen ein völlig normales Fortbewegungsmittel, und es gibt hier sogar mehr Schneemobile als Einwohner. Für Touristen, die noch nie auf einer Maschine saßen, ist der am leichtesten zugängliche Einstieg ein Ausflug zum atemberaubenden Tempelfjorden. Die Route führt durch das weite Tal Adventdalen und ist nicht extrem anspruchsvoll, sodass sie jeder durchschnittlich fitte Mensch mit gültigem Autoführerschein problemlos meistert.
Während der Fahrt hast du gute Chancen, auf wilde Spitzbergen-Rentiere oder unscheinbare Polarfüchse zu treffen. Erfahrene Anbieter wie Hurtigruten Svalbard bieten sogar Fahrten auf modernen elektrischen Schneemobilen an, die herrlich leise sind, nicht nach Benzin riechen und die einheimische Tierwelt nicht stören. Seit 2025 gilt zwar ein strenges Verbot, nach dem 1. März direkt über das Meereis des Fjords zu fahren, aber die Blicke von der Küste auf die Gletscherwände bleiben absolut episch.
Die Preise richten sich danach, ob du das Schneemobil selbst fährst oder als Beifahrer auf dem Rücksitz mitfährst. Als Fahrer zahlst du rund 3.500 NOK (ca. 300 €) und als Beifahrer etwa 2.100 NOK (ca. 180 €). Im Preis enthalten ist bei seriösen Firmen immer die komplette warme Ausrüstung von der riesigen Kombi über spezielle Schuhe bis zum Helm, sodass dir garantiert nicht kalt wird.

4. Die Ostküste als Ganztagesexpedition
Für die Mutigeren und Widerstandsfähigeren gibt es eine deutlich längere Variante: eine Schneemobil-Expedition bis zur abgelegenen Ostküste. Es handelt sich um eine anspruchsvolle Ganztagesexpedition von bis zu zehn Stunden, bei der du über hundert Kilometer durch die extrem raue arktische Landschaft zurücklegst. Die Route führt oft ins Gebiet Agardhbukta, wo dich endlose verschneite Ebenen und riesige Eisschollen erwarten, die ins Meer stürzen.
Gerade an der Ostküste und am Rand des zugefrorenen Meeres hast du die größte Chance, einen wild lebenden Eisbären zu sehen. Du musst allerdings mit den neuen strengen Naturschutzregeln rechnen, die seit 2025 vorschreiben, einen Abstand von mindestens 300 Metern zu den Tieren einzuhalten – in den Frühlingsmonaten sogar einen halben Kilometer. Wenn du also gute Fotos machen willst, kommst du ohne ein ordentliches Teleobjektiv und ein Fernglas nicht aus, denn mit dem Handy fängst du nur einen weißen Punkt in der Ferne ein.
Dieser Ausflug ist körperlich sehr anspruchsvoll und erfordert wirklich hochwertige Funktionswäsche unter der geliehenen Expeditionskombi, da die Temperaturen tief unter minus dreißig Grad fallen können. Der Preis liegt bei rund 4.000 bis 4.500 NOK (ca. 340 bis 380 €) für den Fahrer. Ich empfehle, dieses Erlebnis eher für März oder April zu planen, wenn tagsüber schon genug Sonnenlicht da ist.

5. Hundeschlitten im Winter und im Sommer
Die Fahrt mit dem Hundeschlitten gehört zu den authentischsten Arten, die arktische Landschaft in völliger Stille kennenzulernen. Unternehmen wie Green Dog Svalbard oder Arctic Husky Travellers bieten großartige Ausflüge mit Alaskan Huskys in die Täler hinter Longyearbyen an. Die Rudel sind unglaublich freundlich, und die Hunde lieben das Laufen über alles, was du an ihrem gewaltigen Gebell und ihrer Begeisterung kurz vor dem Start erkennst.
Während der Polarnacht und des klassischen Winters fährst du auf Holzschlitten durch verschneite Täler. Reisende in Foren empfehlen sehr oft, den Hundeschlitten mit dem Besuch einer Gletscherhöhle zu kombinieren, was ein tolles Ganztagesprogramm für rund 333 € bietet. Es ist auch eine der besten Aktivitäten für Familien, denn die Anbieter erlauben Kindern die Schlittenfahrt meist schon ab sechs bis acht Jahren.
Und was, wenn du im Sommer ankommst, wenn der Schnee komplett aus dem Tal verschwunden ist? Kein Problem, denn Zughunde müssen das ganze Jahr trainieren, um nicht die Kondition zu verlieren. In den Sommermonaten werden die Schlitten einfach gegen spezielle Wagen auf Rädern getauscht, sodass du dieses schöne Erlebnis mit den arktischen Fellnasen auch im wärmeren Juli oder August nicht verpasst.

6. Tagesausflüge mit dem Boot zu den Gletschern
Sobald im Mai das grobe Eis zurückweicht und sich die Hauptfjorde öffnen, beginnt die ersehnte Saison der Bootsfahrten. Der Anblick der zerklüfteten Gletscherfronten direkt von der Wasseroberfläche ist absolut unvergesslich, und oft hörst du das ohrenbetäubende Krachen, wenn riesige Eisstücke ins Meer stürzen. Sehr beliebt ist das moderne Hybridschiff Brim Explorer, das einen Teil der Fahrt rein mit leisem Elektroantrieb absolviert und so die umliegende Natur nicht stört.
Der Ausflug dauert rund vier Stunden und kostet etwa 2.295 NOK (ca. 195 €) pro Erwachsenem. An Bord gibt es einen beheizten Salon mit Aussicht und Bar, also gönn dir ruhig einen Kaffee und wärme dich auf – der arktische Wind an Deck ist ordentlich scharf. Die Boote fahren am häufigsten ins Gebiet des Billefjords zum majestätischen Gletscher Nordenskiöldbreen.
Von Bord aus kannst du gewaltige Eismassen beobachten, und mit ein bisschen Glück siehst du sogar vorbeiziehende Belugas oder auf einer Scholle ruhende Walrosse. Die neuen Umweltregeln haben die Schiffsgröße in Schutzgebieten auf maximal 200 Passagiere begrenzt, was bedeutet, dass die riesigen Kreuzfahrtkolosse nicht mehr zu den schönsten Gletschern gelangen und das Erlebnis auf kleineren Booten viel intimer bleibt.

7. Die russischen Orte Pyramiden und Barentsburg auf Spitzbergen
Ein großes und oft kontroverses Thema in Reiseforen ist der Besuch der russischen Bergbausiedlungen auf Spitzbergen. Pyramiden ist eine faszinierende sowjetische Geisterstadt, die 1998 von einem Tag auf den anderen verlassen wurde und wo bis heute die nördlichste Lenin-Statue der Welt und ein restauriertes Kulturhaus stehen. Barentsburg ist dagegen eine noch lebendige Bergarbeitersiedlung mit einigen Hundert Einwohnern, einem funktionierenden Bergwerk und einer eigenen Brauerei.
Beide Orte gehören dem russischen Staatsunternehmen Trust Arktikugol und werden von ihm verwaltet. Nach dem Einmarsch in die Ukraine 2022 haben die meisten norwegischen Anbieter beschlossen, die Zusammenarbeit mit dieser russischen Staatsfirma aus ethischen Gründen zu boykottieren. Aus dem Angebot des offiziellen Touristenzentrums sind diese Ausflüge mit Anlandung damit praktisch verschwunden, und die Reise-Community streitet oft darüber, ob es angebracht ist, dort sein Geld auszugeben.
Wenn du das Gebiet trotzdem sehen willst, kannst du eine Bootsfahrt bei unabhängigen norwegischen Firmen wie Henningsen oder Polar Charter buchen. So bekommst du einen wunderschönen Blick vom Boot auf den Gletscher und die Stadt, ohne Geld an Land auszugeben – im Rahmen dessen, was die Einheimischen Window Shopping nennen. Der Billefjord selbst und die Gletscherwand sind so beeindruckend, dass sich die Fahrt für rund 2.800 NOK (ca. 240 €) auch ohne Spaziergang zwischen den sowjetischen Plattenbauten lohnt.

8. Mehrtägige Expeditionsfahrten für Anspruchsvolle
Wenn du das gesamte Archipel wirklich kennenlernen und der Zivilisation entkommen willst, reichen dir die Tagesausflüge von Longyearbyen schlicht nicht. Die einzige Lösung ist, an einer mehrtägigen Expeditionsfahrt teilzunehmen. Diese Fahrten dauern meist acht bis vierzehn Tage und bieten unglaubliche Möglichkeiten zum Fotografieren, denn sie bringen dich zu den vogelreichen Klippen von Alkefjellet oder in die Meerenge Hinlopenstretet.
Erfahrene Reisende schwören auf kleinere Expeditionsschiffe wie die MS Plancius oder die HX-Flotte von Hurtigruten Expeditions. Kleinere Schiffe gelangen tiefer in die Fjorde und bringen die Touristen mit kleinen Gummibooten vom Typ Zodiac an Land. Die besten Chancen für eine erfolgreiche Umrundung des gesamten Archipels bestehen im Juli und August, wenn das Eis am weitesten nach Norden zurückweicht und den Weg freigibt.
Die Preise dieser Premiumfahrten bewegen sich in sehr hohen Sphären. Sie beginnen bei rund 6.900 € bei kleineren Standardschiffen und können bei den luxuriöseren bis zu zwölftausend Euro erreichen. Im Preis enthalten sind allerdings Vollpension, Unterkunft und alle abenteuerlichen Anlandungen mit fachkundigen Erläuterungen von Biologen und Geologen.

9. Neue Regeln für Fahrten ab 2025
Seit 2025 meint es Norwegen mit dem Naturschutz ernst, und der arktische Tourismus hat sich dadurch ziemlich grundlegend verändert – zum Besseren. In Nationalparks und Naturreservaten dürfen nur Schiffe mit maximal 200 Passagieren fahren. Große konventionelle Kreuzfahrtschiffe gelangen damit schlagartig nur noch in die ungeschützte Umgebung des Isfjords und erreichen die schönsten Orte nicht mehr.
Eine grundlegende Änderung ist auch die drastische Einschränkung der Bewegung von Touristen an Land. In Schutzgebieten sind Anlandungen von kommerziellen Schiffen nun nur noch an 43 genau festgelegten Orten erlaubt, während die Anbieter zuvor über zweihundert nutzten. Damit soll die Störung der empfindlichen nordischen Tundra und der brütenden Vögel verhindert werden.
Außerdem gilt ein absolutes Verbot, in allen Reservaten mit Drohnen zu fliegen, sowie die strenge Einhaltung von Abständen zu Tieren. Von Walrossen müssen Schiffe mindestens 150 Meter Abstand halten, bei Vogelkolonien müssen sie auf fünf Knoten abbremsen, und Eisbären dürfen sie sich nicht näher als 300 bis 500 Meter nähern. Man erwartet, dass das die Art, wie Touristen Tiere fotografieren, deutlich verändert – und ein gutes Fernglas wird schlagartig wichtiger als der Fotoapparat.

10. Camp Barentz und Abende über Eisbären
Wenn du ein ruhigeres, aber sehr authentisches Erlebnis suchst, mach dich auf den Weg zur Hütte Camp Barentz. Sie liegt etwa zehn Kilometer außerhalb von Longyearbyen im verlassenen Tal Adventdalen, weit weg von jeglichem Lichtsmog der Stadt. Es handelt sich um eine schöne und gemütliche Nachbildung der historischen Hütte des Entdeckers Willem Barents, in der man in einer offenen Feuerstelle mitten im Raum heizt.
Am Abend servieren dir erfahrene Guides ein reichhaltiges lokales Abendessen, kochen Kaffee direkt am Feuer und erzählen dir faszinierende Geschichten über das Leben der Eisbären. Du erfährst jede Menge Wissenswertes über die Gewohnheiten der Eisbären und darüber, wie das tägliche Zusammenleben der Menschen mit diesen riesigen Raubtieren funktioniert, die hier eben keine Gäste, sondern die Herren der Landschaft sind.
Dieses etwa dreistündige Programm kostet rund 1.545 NOK (ca. 130 €) und ist eine absolut ideale Aktivität für die ersten Tage des Aufenthalts oder für Familien mit Kindern. In den Wintermonaten besteht zudem eine große Chance, dass du auf dem Weg aus dem Tal einen klaren, sternenübersäten Himmel siehst – und mit sehr viel Glück sogar das Polarlicht direkt über der Hütte.

11. Was nicht funktioniert und worauf du achten solltest
Das Internet ist voller Verlockungen, die in der rauen arktischen Realität aber überhaupt keinen Sinn ergeben. Der größte Mythos sind kommerzielle Ausflüge zum Polarlicht. Spitzbergen liegt paradoxerweise zu weit im Norden über dem Polarlichtoval, sodass das Nordlicht hier oft schlechter sichtbar ist als in Nordnorwegen. Zudem fehlt hier ein Straßennetz, auf dem du Hunderte Kilometer einem klaren Himmel entgegenfahren könntest. Fahr lieber im September oder Oktober nach Tromsø.
Der zweite absolute Unsinn sind die sogenannten Polar Bear Tours. Das aktive Aufspüren und Verfolgen von Eisbären ist per Gesetz streng verboten. Bei keinem Ausflug gibt dir jemand Vernünftiges eine Garantie, dass du einen Bären siehst. Bei Tagesfahrten von der Stadt ist die Chance sehr gering, und eine reale Gelegenheit bieten erst die teuren mehrtägigen Expeditionsschiffe, die in den Osten des Archipels fahren.
Stell dich auch darauf ein, dass das Wetter hier der absolute Herr der Lage ist. Abgesagte Ausflüge oder verschobene Flüge wegen Schneesturm oder Nebel sind hier völlig normal, also füge deinem Reiseplan immer mindestens einen freien Tag als Puffer hinzu, sonst kommst du beim Umstieg in Oslo garantiert ins Schwitzen.

12. Wandern und Kajak im Sommer
Wenn im Juni der meiste Schnee schmilzt und die Zeit der Mitternachtssonne beginnt, öffnen sich die Täler rund um Longyearbyen für Wanderungen. Natürlich gilt auch hier die Regel, dass du nur mit einem bewaffneten Guide aufbrechen darfst. Sehr beliebt sind mittelschwere Wanderungen auf die Gipfel Sarkofagen und Trollsteinen, von denen du einen fantastischen Blick auf die ganze Umgebung und den Gletscher Longyearbreen hast.
Wasserliebhaber können im Sommer dann eine Seekajaktour in den Gewässern des Isfjords ausprobieren. In unmittelbarer Nähe von Gletscherschollen zu paddeln und dabei den arktischen Vögeln zuzusehen, die über dem Kopf kreisen, ist für viele das absolute Highlight der Reise. Die Sommeraktivitäten dauern meist von Mitte Juni bis Ende September und bieten eine tolle Flucht vor den lauten Motoren der Schneemobile.
Rechne aber damit, dass die sommerliche Tundra extrem durchnässt, schwammig und voller Matsch ist. Reisende in Foren empfehlen sehr nachdrücklich, erstklassige wasserdichte Schuhe mitzunehmen, idealerweise hohe Trekkingschuhe, denn dich erwartet garantiert das Durchwaten eiskalter Bäche und das Gehen über schmelzende Schneefelder. Wenn dich das Schlafen bei durchgehendem Tageslicht stört, pack unbedingt auch eine gute Schlafmaske ein.

Wo du übernachtest, praktische Zusammenfassung und Richtpreise
Bei der Budgetplanung musst du berücksichtigen, dass Spitzbergen schlicht ein teures Reiseziel ist. Wenn du es clever angehst, im örtlichen Supermarkt Svalbardbutikken einkaufst und die Aktivitäten sorgfältig auswählst, bringt dich das Budget nicht um, auch wenn Spitzbergen den Ruf eines der teuersten Reiseziele der Welt hat. Interessant ist, dass das Archipel als zollfreie Zone funktioniert, sodass viele Dinge in den Geschäften hier paradoxerweise günstiger sind als auf dem norwegischen Festland – aber für den Kauf von Alkohol in der örtlichen Abteilung Nordpolet musst du an der Kasse dein Flugticket zeigen.
Zur Orientierung: Ein realistisches Low-Cost-Budget von Reisenden aus Foren liegt bei rund 870 € pro Person für vier Tage Aufenthalt. In diesem Preis sind Hin- und Rückflug ab Europa, eine günstigere Unterkunft im geteilten Zimmer, eine Bootsfahrt und der Besuch einer Gletscherhöhle enthalten.
Wohin als Nächstes
Lies weitere Artikel, die dir bei der Planung dieser Reise deines Lebens helfen:
- Wie du nach Spitzbergen kommst
- Spitzbergen: was es am Ende der Welt zu sehen und zu erleben gibt
- Longyearbyen: was du sehen solltest
- Pyramiden und Barentsburg
- Tromsø: das Tor zum Polarlicht
- Hurtigruten: Fahrt entlang der norwegischen Küste
Häufig gestellte Fragen
Hier findest du Antworten auf die häufigsten Fragen, die Reisende vor der Reise beschäftigen.
Wie viel kosten Ausflüge auf Spitzbergen wirklich?
Jeder Tag auf einem organisierten Ausflug kostet durchschnittlich zwischen 1 300 und 4 500 NOK (ca. 110 bis 380 €). Kürzere Aktivitäten wie Wandern oder Gletscherhöhlen sind günstiger, ganztägige Expeditionen mit Schneemobilen oder Bootsfahrten gehören zu den teuersten Erlebnissen, sind aber definitiv jeden Cent wert.
Kann man außerhalb von Longyearbyen etwas kostenlos unternehmen?
Praktisch nicht. Wenn Sie keine eigene Waffe, keinen europäischen Waffenpass haben und kein spezielles Sicherheitstraining absolviert haben, dürfen Sie die Stadtgrenzen nicht alleine verlassen. Sichere Bewegung in der arktischen Wildnis erfordert einen bezahlten und zertifizierten Führer, da das Risiko einer Begegnung mit einem Eisbären real ist.
Werde ich auf einem Ausflug einen Eisbären sehen?
Bei Tagesausflügen von Longyearbyen aus ist die Chance sehr gering, an Bord eines Schiffes liegt sie nur bei wenigen Prozent. Zudem ist es verboten, sich Eisbären aktiv zu nähern. Eine realistische Chance bieten nur lange Schneemobil-Touren zur Ostküste oder mehrtägige Expeditionskreuzfahrten.
Welcher Ausflug ist im Winter und im Sommer am besten?
Im Winter und Frühjahr empfehlen Reisende absolut die Erkundung von Gletscherhöhlen und Schneemobilfahrten zum zugefrorenen Tempelfjorden. Im Sommer von Juni bis August dominieren Tagesbootsfahrten zu den majestätischen Gletschern des Isfjorden und Kajak-Touren zwischen den Eisschollen.
Muss ich ein Schneemobil fahren können?
Überhaupt nicht, die meisten Grundrouten sind für absolute Anfänger konzipiert, die noch nie auf einem Schneemobil gesessen haben. Ein normaler Autoführerschein reicht aus. Die Guides erklären Ihnen vor der Abfahrt alles ausführlich und in Ruhe, sodass Sie keine Angst haben müssen.
Ab welchem Alter dürfen Kinder auf ein Schneemobil oder Hundeschlitten?
Unternehmen erlauben Kindern normalerweise ab 8 Jahren als Beifahrer auf dem Schneemobil mitzufahren, da die Fahrt in der Kälte anstrengend sein kann. Auf Hundeschlitten dürfen Kinder oft schon ab 6 Jahren mitfahren, bei Sommerwagen liegt die Grenze meist etwas höher. Überprüfen Sie immer vorab die Regeln des jeweiligen Anbieters.
Was passiert, wenn das Wetter eine Bootsfahrt oder einen Ausflug absagt?
Schneestürme, starker Wind oder dichter Nebel sind in der Arktis völlig normal und das Wetter ändert sich von Minute zu Minute. Veranstalter gehen in solchen Fällen kein Sicherheitsrisiko ein und sagen den Ausflug ohne zu zögern ab. Normalerweise bieten sie Ihnen eine vollständige Rückerstattung oder die Verschiebung auf einen anderen Tag an.
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