Longyearbyen auf Spitzbergen: 12 Tipps für die nördlichste Stadt der Welt

Willkommen in Longyearbyen auf Spitzbergen, an einem Ort, an dem es mehr Schneemobile als feste Einwohner gibt. In einer Stadt, in der du dein Gewehr vor dem Betreten des Supermarkts in einem speziellen Schließfach ablegen musst, in der du im Restaurant deine Schuhe ausziehen sollst und in der es offiziell nicht empfohlen wird zu sterben, weil der örtliche Friedhof seit Jahrzehnten keine neuen Bestattungen mehr annimmt. Genau so ist diese nördlichste voll funktionierende Stadt der Welt.

Auch wenn das wie das Drehbuch eines düsteren nordischen Thrillers klingt, ist die Realität unglaublich warmherzig und kosmopolitisch. Longyearbyen auf dem norwegischen Spitzbergen (Svalbard) ist die Heimat von rund 2.400 Menschen aus mehr als 60 Ländern, die hier gemeinsam der Polarnacht und dem unberechenbaren arktischen Wetter trotzen. Du findest hier Spitzengastronomie, gemütliche Cafés, einen Universitätscampus und sogar die nördlichste Brauerei der Welt.

Dieser Reiseführer zeigt dir das Beste, was die Stadt zu bieten hat — von gemütlichen Cafés über dunkle Minenstollen bis hin zum Ort, wo du ein aus Gletscherwasser gebrautes Bier trinken kannst. Ich verrate dir außerdem, zu welcher Jahreszeit du am besten anreist, um nicht in völliger Dunkelheit zu landen, und wo du übernachten kannst, denn die Bewegung auf der Insel unterliegt sehr strengen Sicherheitsregeln.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Beste Reisezeit: Der Übergang von Februar zu März bietet magisches blaues Licht, der April ist ideal für Schneemobile und der Sommer für Bootstouren zu den Tieren.
  • Sicherheit an erster Stelle: Außerhalb der Stadt darfst du dich nicht ohne Waffe oder bewaffneten Guide bewegen, daher sind die meisten Aktivitäten an organisierte Touren gebunden.
  • Transfer vom Flughafen: Ins Zentrum bringt dich der Flughafenbus Flybuss für 100 NOK, der an allen wichtigen Hotels hält.
  • Kuriose Regeln: In Hotels und Museen zieht man die Schuhe aus, und Alkohol bekommst du im Laden nur gegen Vorlage der Bordkarte.
  • Was du nicht verpassen solltest: Besuche unbedingt das Svalbard Museum, schau dir das Portal des globalen Saatgut-Tresors an und probiere das aus Gletscherwasser gebraute Bier.
  • Budget: Spitzbergen ist teuer, rechne damit, dass du allein für organisierte Touren mehrere Hundert Euro pro Tag ausgibst.

Wann du nach Longyearbyen reisen solltest

Die Wahl der richtigen Jahreszeit ist auf Spitzbergen absolut entscheidend, denn die Natur diktiert hier kompromisslos, was du unternehmen kannst. Von Ende Oktober bis Mitte Februar herrscht die Polarnacht, und vom 11. November bis zum 30. Januar geht die Sonne überhaupt nicht über den Horizont. November und Dezember können sehr rau, windig und dunkel sein, sodass Outdoor-Aktivitäten auf ein absolutes Minimum beschränkt sind. Andererseits ist es die einzige Zeit, in der du theoretisch Polarlichter sogar mitten am Mittag beobachten kannst, was ein absolutes weltweites Unikum ist. Reisende weisen aber oft darauf hin, dass Spitzbergen paradoxerweise zu weit im Norden liegt, sodass das Nordlicht hier oft schwächer ausfällt als etwa im norwegischen Tromsø.

Als bester Kompromiss und fotografisch schönste Zeit gilt der Übergang von Februar zu März, wenn sich die verschneite Landschaft in ein faszinierendes blaues Licht hüllt. Die Einwohner feiern zudem am 8. März ausgelassen den sogenannten Solfest, also den Tag, an dem die Sonnenstrahlen zum ersten Mal die Treppe des alten Krankenhauses berühren. Der April ist dann der absolute Höhepunkt der Wintersaison. Die Tage werden unglaublich schnell länger, der Schnee bietet ideale Bedingungen für Schneemobile und die Sonne steht schon hoch am Himmel. Du musst aber damit rechnen, dass Hotels lange im Voraus ausgebucht sind und die Temperaturen weiterhin regelmäßig auf -20 °C fallen.

Die Sommersaison startet im Mai und bringt von Ende Juni bis August die endlose Mitternachtssonne und das Schmelzen des Eises. Aus Longyearbyen starten in dieser Zeit alle Bootstouren zu Walrossen, Walen und den ausgedehnten Vogelfelsen. Die Einheimischen nennen den Sommer zwar manchmal die Matschzeit, weil der Schnee schmilzt und du für Wanderungen wirklich gute wasserdichte Wanderschuhe brauchst, aber die blühende Tundra ist es definitiv wert. Die ideale Aufenthaltsdauer in der Stadt beträgt etwa 4 bis 5 Tage, plane dir eventuell einen Tag als Reserve ein. Die Flüge aus Oslo werden nämlich wegen des starken Windes manchmal gestrichen.

Wo du in Longyearbyen auf Spitzbergen übernachten kannst

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Da das Städtchen sehr klein ist und klassische Apartments über Airbnb hier praktisch nicht existieren, wählst du nur aus wenigen Hotels und Pensionen. Ich empfehle, die Unterkunft mit riesigem Vorlauf zu buchen, ruhig auch dreiviertel Jahr im Voraus, denn die Kapazitäten sind besonders im April und im Sommer sehr schnell vergriffen. Vom Flughafen erreichst du alle wichtigen Hotels problemlos mit dem Flughafenbus Flybuss, der etwa 100 NOK pro Fahrt kostet.

Wenn du absoluten Komfort und eine tolle Lage suchst, übernachte im beliebten Radisson Blu Polar Hotel Spitsbergen. Es liegt direkt im Zentrum, bietet Blick auf den Fjord aus den Outdoor-Whirlpools und die Preise beginnen bei 300 Euro pro Nacht. Für Liebhaber von Boutique-Stil und Luxus ist die Funken Lodge absolut ideal, die auf einem Hügel über der Stadt thront und mit fantastischem Frühstück punktet. Du musst nur bedenken, dass der Weg bergauf aus dem Zentrum bei einem winterlichen Schneesturm etwas anstrengender ist.

Der goldene Mittelweg mit authentischer historischer Atmosphäre sind die Coal Miners‘ Cabins im Viertel Nybyen, wo früher die Bergleute schliefen. Sehr beliebt ist auch das Basecamp Hotel, das dich sofort mit seinem rauen Trapper-Design voller Holz und Fell begeistert. Eine hervorragende Wahl im Zentrum ist das moderne Svalbard Hotell Polfareren oder die eigenwillige Pension Mary-Ann’s Polarrigg, die in einer ehemaligen Bergarbeiterunterkunft residiert und auch ein tolles Restaurant hat.

Wenn du mit begrenztem Budget reist, ist das Hostel Gjestehuset 102 wahrscheinlich die günstigste anständige Wahl in der Stadt, und ein Bett bekommst du schon ab 70 Euro pro Nacht. Rechne nur mit einem dreißigminütigen Spaziergang ins Zentrum, was bei bitterer arktischer Kälte durchaus eine solide Herausforderung sein kann. 😅

12 Tipps, was du in Longyearbyen auf Spitzbergen sehen und erleben kannst

Obwohl die Stadt klein ist, gibt es überraschend viel zu sehen, und manche Dinge findest du wirklich nirgendwo sonst auf dem Planeten. Hier sind zwölf Tipps, mit denen du das ohne unnötiges Umherirren meisterst.

1. Bunte Häuschen und die Hauptstraße

Beim ersten Spaziergang durch die Stadt fallen dir sofort die knallbunten Fassaden der örtlichen Häuschen ins Auge, die mit der rauen umliegenden Natur kontrastieren. Diese leuchtenden Farben sind überhaupt kein Zufall, sondern sollen den Bewohnern psychologisch dabei helfen, die endlos langen dunklen Monate der Polarnacht zu überstehen. Die Hauptfußgängerzone ist gesäumt von gemütlichen Cafés, Läden mit hochwertiger Outdoor-Ausrüstung und allgegenwärtigen geparkten Schneemobilen. Von denen sind hier sogar offiziell mehr registriert als es Einwohner gibt.

Beim Betreten vieler Gebäude bemerkst du eine riesige Besonderheit. In den meisten Hotels, Museen und sogar im touristischen Infozentrum musst du gleich am Eingang die Schuhe ausziehen. Diese eigenartige Tradition stammt aus den Zeiten des massiven Kohleabbaus, als die Einheimischen verhindern wollten, dass der allgegenwärtige schwarze Staub in die sauberen Innenräume getragen wird. Heute ist es eher ein kulturelles Ritual, also vergiss nicht, dir schöne und vor allem warme Socken einzupacken.

Am Rand der Stadt stößt du dann garantiert auf das überhaupt meistfotografierte Verkehrsschild der Welt. Darauf ist ein schwarzer Eisbär in einem roten Dreieck abgebildet, mit der Warnung „Gjelder hele Svalbard“ – also Gilt für ganz Svalbard. Genau dieses Schild markiert deutlich die Grenze der sicheren Zone, der sogenannten Management Area 10, hinter die du keinen Schritt ohne geladenes Gewehr oder bewaffnete Begleitung machen darfst.

💡 Tipp: In den Supermarkt Svalbardbutikken und andere öffentliche Gebäude ist das Mitführen von Waffen strengstens verboten. Vor dem Laden findest du deshalb spezielle abschließbare Schließfächer für Gewehre, in denen Jäger und Guides ihre Waffe ablegen müssen.

2. Svalbard Museum

Wenn du wirklich in die Tiefe verstehen willst, wie dieser unwirtliche Ort überhaupt funktioniert, sollten deine ersten Schritte eindeutig ins Svalbard Museum führen. Diese ausgezeichnete und äußerst moderne Ausstellung bietet die bestmögliche Einführung in die Geschichte und Natur des gesamten Archipels. Du erfährst hier absolut alles – von den brutalen ersten Walfangexpeditionen über das harte Leben der russischen Pomoren-Jäger und norwegischen Trapper bis hin zur modernen geologischen Forschung und dem Kohleabbau.

Ein großer Teil des wunderbar gestalteten Museums ist der einzigartigen arktischen Fauna und Flora gewidmet. Du siehst dir hier aus der Nähe einen majestätischen ausgestopften Eisbären, ein riesiges Walross und das endemische Spitzbergen-Rentier an. Letzteres erinnert mit seinen unverhältnismäßig kurzen Beinen und dem gedrungenen Körper eher an ein niedliches Plüschtier als an ein raues nordisches Tier. Du findest hier auch faszinierende und detaillierte Informationen darüber, wie sich die einheimischen Tiere biologisch an die extreme Kälte und die endlose Dunkelheit angepasst haben.

Der Eintritt für Erwachsene kostet 160 NOK, umgerechnet etwa 14 €, und Kinder bis 18 Jahre haben komplett freien Eintritt. Das Museum ist täglich geöffnet, meist von 10 bis 17 Uhr, und für einen wirklich gründlichen Rundgang solltest du dir mindestens zwei Stunden Zeit nehmen. Vergiss nicht, dass auch hier die strenge Regel des Schuheausziehens gleich im Foyer an der Kasse gilt.

💡 Tipp: Im Museum gibt es einen sehr gut sortierten Laden mit fantastischen Büchern über Polarexpeditionen, Karten und arktischer Literatur, die du sonst nirgendwo bekommst.

3. North Pole Expedition Museum

Ein Stück weiter in Richtung Hafen liegt eine weitere faszinierende Institution, die absolut alle Liebhaber von Geschichte und Abenteuer erfreut. Das North Pole Expedition Museum widmet sich ausschließlich den heldenhaften und sehr tragischen Versuchen, den Nordpol mit riesigen Luftschiffen zu erobern. Genau von Longyearbyen und der nahegelegenen Forschungssiedlung Ny-Ålesund starteten nämlich in der Vergangenheit die allerberühmtesten und mutigsten Polarexpeditionen.

Hauptstar der packenden Ausstellung ist die Geschichte des Luftschiffs Norge aus dem Jahr 1926, mit dem der legendäre Roald Amundsen, Umberto Nobile und Lincoln Ellsworth erfolgreich den Nordpol überflogen. Die Ausstellung dokumentiert aber auch sehr detailliert die anschließende katastrophale Expedition des Luftschiffs Italia, das 1928 tragisch auf einer Eisscholle abstürzte und die größte internationale Rettungsaktion in der Geschichte der gesamten Arktis auslöste.

Im zweistöckigen Museum findest du eine Fülle beeindruckender historischer Fotografien, originaler Filmaufnahmen, alter Zeitungsausschnitte und erhaltener persönlicher Gegenstände der Polarforscher. Geöffnet ist täglich von 9 bis 17 Uhr. Dreimal wöchentlich, konkret montags, mittwochs und freitags, finden hier auch kommentierte Morgenführungen mit einem hervorragenden Guide statt, die den dramatischen Geschichten eine unglaubliche Tiefe verleihen.

💡 Tipp: Die Ausstellung ist wirklich sehr speziell und textlich detailliert, wenn dich also Luftfahrtgeschichte und die Eroberung der Polarregionen auch nur ein bisschen interessieren, wirst du absolut begeistert sein und kannst ruhig einen ganzen Nachmittag hier verbringen.

4. Svalbard kirke

Auch wenn du vielleicht überhaupt nicht gläubig bist, solltest du den Besuch der sympathischen Ortskirche bei deinem Spaziergang durch die Stadt keinesfalls verpassen. Die Svalbard kirke ist nämlich die nördlichste christliche Kirche der ganzen Welt und bildet das absolute gesellschaftliche Herz der örtlichen Gemeinschaft. Das Holzgebäude mit der typischen leuchtend roten Fassade steht auf einer leicht erhöhten Stelle über der Stadt, und aus seinen großen Fenstern bietet sich ein schöner Blick über das ganze Tal und den zugefrorenen Fjord.

Das Allerinteressanteste an diesem Gotteshaus ist die Tatsache, dass es rund um die Uhr geöffnet ist, 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche. Es funktioniert nämlich bei Weitem nicht nur als Ort des stillen Gebets, sondern vor allem als sicherer Zufluchtsort und gemütlicher Gemeinschaftsraum für alle festen Bewohner und frierenden Besucher. Drinnen kannst du dich in bequeme Sessel im angrenzenden Salon setzen, dich am Kamin aufwärmen und ein Buch lesen.

Die Gemeinde bietet müden Touristen außerdem kostenlos heißen Kaffee, Tee und Kekse an, und besonders während der Polarnacht kommen die Menschen hierher, um sich vor Dunkelheit und eisigem Wind zu verstecken, sodass die Kirche als gesellschaftliches Wohnzimmer der ganzen Stadt fungiert. In Krisensituationen hat sie zudem eine enorme symbolische Bedeutung, denn zum Beispiel bei den verheerenden Lawinen der vergangenen Jahre diente sie als zentrales Krisenzentrum für evakuierte Bewohner.

💡 Tipp: Ganz wenig überraschend musst du auch in dieser Kirche gleich an der Tür die Schuhe ausziehen, also vergiss nicht, saubere und am besten wollene Socken einzupacken, damit dir vom Boden nicht kalt wird.

5. Svalbard Bryggeri

Ein wirklich lokales Bier auf Spitzbergen zu trinken war jahrzehntelang praktisch unmöglich. Nach einem sehr alten norwegischen Gesetz aus dem Jahr 1928, das ursprünglich den starken Alkoholismus unter den schwer arbeitenden Bergleuten verhindern sollte, war die kommerzielle Alkoholproduktion auf dem gesamten Archipel streng verboten. Der ehemalige Bergmann und Pilot Robert Johansen verbrachte jedoch ganze fünf Jahre mit dem zermürbenden Kampf gegen die Behörden und erreichte 2014 endlich eine beispiellose Verfassungsänderung.

Dank seiner unglaublichen Ausdauer konnte der Betrieb Svalbard Bryggeri eröffnen, die nördlichste Brauerei der Welt, angesiedelt auf dem 78. Breitengrad mitten in der arktischen Wildnis. Der erste Testsud Bier wurde hier im Sommer 2015 abgefüllt, und seitdem ist es ein riesiger Hit der ganzen Insel geworden. Die Einzigartigkeit dieses Biers liegt unter anderem darin, dass es aus dem unglaublich reinen Süßwassereis des nahegelegenen Gletschers Bogerbreen gebraut wird, der etwa zweitausend Jahre alt ist.

Die Brauerei bietet fantastische und sehr lustige kommentierte Führungen mit reichhaltiger Verkostung. Du erfährst dabei absolut alles über die absurden bürokratischen Hürden, die ihrer Entstehung vorausgingen, und probierst gleich fünf verschiedene Sorten des lokalen Biers. Die Führungen finden meist montags, mittwochs und samstags am frühen Abend statt, dauern etwa anderthalb Stunden und kosten rund 45 Euro.

💡 Tipp: Am Freitagabend verwandeln sich die Räume der Brauerei in eine sehr beliebte Bar für die Einheimischen. Es ist zwar meist ziemlich voll, aber es ist eine tolle Gelegenheit, die authentische nordische Atmosphäre aufzusaugen.

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6. Besichtigung des Kohlebergwerks Gruve 3

Die gesamte moderne Existenz von Longyearbyen ist absolut untrennbar mit dem Kohleabbau verbunden, der hier 1906 dank des amerikanischen Unternehmers John Munro Longyear so richtig begann. Um wirklich zu verstehen, wie extrem anstrengend und gefährlich diese Arbeit unter arktischen Bedingungen war, mach eine Exkursion in das historische Bergwerk Gruve 3. Dieses Bergwerk wurde 1996 endgültig geschlossen und funktioniert heute als absolut faszinierende Zeitkapsel, in der die Zeit stehengeblieben zu sein scheint.

Während der dunklen Führung bekommst du einen klassischen Bergmannshelm, eine starke Stirnlampe und einen speziellen schweren Overall. Ein erfahrener Guide führt dich zunächst durch das weitläufige Außengelände, zeigt dir schmutzige Werkstätten und nimmt dich schließlich direkt in die dunklen und eiskalten Minenstollen mit. Du siehst originale erhaltene Technik und hörst raue Geschichten darüber, wie die Bergleute tagelang liegend in nur 60 Zentimeter hohen Flözen arbeiten mussten.

Und genau jetzt ist diese Führung noch etwas eindrucksvoller als früher: Ende Juni 2025 wurde das letzte aktive norwegische Bergwerk Gruve 7 geschlossen, womit sich nach knapp 120 Jahren das gesamte Kohlekapitel Spitzbergens endgültig schloss. Die norwegische Stadt durchläuft nun einen komplizierten und kostspieligen Übergang zu saubereren Energiequellen und setzt vor allem auf Tourismus und Forschung.

💡 Tipp: Karten für die dreistündige Exkursion ins Bergwerk kannst du problemlos online buchen. In den Stollen herrscht eine konstante Temperatur nahe dem Gefrierpunkt und starke Zugluft, also zieh dich wirklich sehr warm an.

7. Camp Barentz

Wenn du die echte, unverfälschte arktische Wildnis erleben möchtest, ohne physisch anstrengende Expeditionen, dann reserviere dir einen unvergesslichen Abend im Camp Barentz. Dieses gemütliche Camp liegt etwa zehn Kilometer außerhalb der Stadt im weiten Tal Adventdalen. Es befindet sich weit entfernt von jeglicher Lichtverschmutzung, was es in den Wintermonaten von Oktober bis März zu einem absolut großartigen Ort für die Beobachtung des magischen Polarlichts macht.

Das Hauptgebäude des Camps ist eine absolut originalgetreue Holzreplik der historischen Hütte, in der 1596 der Entdecker Spitzbergens Willem Barents auf Nowaja Semlja unter harten Bedingungen überwinterte. Drinnen sticht ein riesiges loderndes Feuer ins Auge, an dem dich lächelnde bewaffnete Guides empfangen (ja, bewaffnet, denn Eisbären kündigen sich nicht zum Morgenkaffee an). Der ganze Abend steht dann im Zeichen des Geschichtenerzählens über das Leben der Trapper im hohen Norden.

Während des Abends wird eine traditionelle warme Mahlzeit serviert, oft handelt es sich um unbegrenzte Portionen eines herzhaften Rentiergulaschs. Vegetarier müssen sich aber keine Sorgen machen, es reicht, das vorab anzumelden, und man bereitet dir eine hervorragende fleischlose Alternative zu. Auch der direkt am Feuer zubereitete Kaffee und süße arktische Desserts dürfen nicht fehlen. Der Höhepunkt des Programms ist ein faszinierender Lehrvortrag über den König der Arktis, den mächtigen Eisbären, bei dem du absolut alles über seine Gewohnheiten und überraschenden Wanderrouten erfährst.

💡 Tipp: Dieser äußerst beliebte Ausflug dauert etwa drei Stunden und kostet rund 1.545 NOK, umgerechnet etwa 135 €. Der bequeme Bustransfer von deinem Hotel und zurück ist selbstverständlich im Preis inbegriffen.

8. Portal des globalen Saatgut-Tresors

Hoch über dem Flughafen von Longyearbyen, tief in den gefrorenen Hang des Berges Platåberget eingelassen, liegt der berühmte Svalbard Global Seed Vault, in den Medien oft als Tresor des Jüngsten Gerichts bezeichnet. Dieses zentrale globale Backup-System wurde im Februar 2008 eröffnet und dient der sicheren Aufbewahrung von Saatgut weltweiter Kulturpflanzen für den Fall riesiger globaler Katastrophen, Kriege oder unumkehrbarer Klimaveränderungen.

Aktuell sind tief im Permafrost bei einer konstanten und sorgfältig überwachten Temperatur von -18 °C mehr als 1,4 Millionen Saatgutproben aus der ganzen Welt sicher gelagert. Obwohl dieser Ort für das künftige Überleben der Menschheit ungemein wichtig ist, kommst du als normaler Tourist auf keinen Fall jemals hinein. Der Zutritt ist Fremden streng verboten, und der massive Tresor wird nur einige Male im Jahr für die Annahme neuer wertvoller Lieferungen geöffnet.

Trotzdem lohnt es sich definitiv, wenigstens für einen kurzen Moment zum Tresor zu fahren. Das mächtige betonierte Eingangsportal, das scharf aus dem verschneiten Hang ragt, ist nämlich mit einer wunderschönen Lichtinstallation geschmückt. Besonders in der Winternacht wirkt das blaugrün leuchtende Dach inmitten der völligen Wildnis geradezu magisch und mystisch. Es ist ein sehr beliebter kurzer Stopp bei den Rundfahrten mit dem Bus.

💡 Tipp: Zum beleuchteten Portal kannst du theoretisch auch zu Fuß direkt vom Flughafen gehen, aber vergiss nicht, dass es sich am Rand der sicheren Zone befindet, es lohnt sich also, die Augen offen zu halten oder besser auf eine organisierte Tour mit Guide zu setzen.

9. Kurze Wanderungen mit Guide (Platåberget und Sarkofagen)

Die Landschaft rund um Longyearbyen lädt geradezu zum Wandern ein, aber wie schon erwähnt, allein hinter das Schild mit dem Eisbären darfst du einfach nicht. Die örtlichen Behörden verlangen, dass jeder, der die rot markierte sichere Zone verlässt, ein geladenes Gewehr, eine Signalpistole bei sich hat und natürlich weiß, wie er damit in einer Krisensituation umgeht.

Für den normalen Touristen ist es heute praktisch unmöglich, sich mal eben eine Waffe zu leihen, denn der Genehmigungsprozess dauert ruhig auch zwei Monate und erfordert jede Menge komplizierten Papierkram. Deshalb ist es bei Weitem die beste Lösung, sich einer organisierten Wanderung mit zertifiziertem Guide anzuschließen. Sehr beliebt ist zum Beispiel der Aufstieg auf den Tafelberg Platåberget, der sich auf eine Höhe von 450 Metern erhebt und einen atemberaubenden Blick über die ganze Stadt und den zugefrorenen Isfjord bietet. Eine tolle Alternative ist die Wanderung auf den Gipfel Sarkofagen, die direkt über den Rand des Gletschers führt.

Die Guides bei diesen Wanderungen fungieren nicht nur als deine persönliche Sicherheit vor Bären, sondern dienen auch als hervorragende Informationsquelle über die lokale Fauna, den tauenden Permafrost und die Geologie. Während des kurzen arktischen Sommers musst du damit rechnen, dass das Gelände sehr matschig und aufgeweicht ist, du kommst also definitiv nicht ohne gute wasserdichte Wanderschuhe aus.

💡 Tipp: Seit 2026 gelten zudem neue strenge Regeln für die Versicherung von Rettungsaktionen. Wenn du mit einem offiziellen Reiseveranstalter gehst, kümmern die sich um die gesamte komplizierte Bürokratie und die hohen Versicherungsgarantien für dich. Eine Halbtageswanderung kostet dich etwa 800 bis 1.000 NOK.

10. Shopping, Nordpolet und Alkohol gegen Flugticket

Spitzbergen ist eine Freihandelszone, was in der Praxis bedeutet, dass hier weder die norwegische Mehrwertsteuer noch hohe Verbrauchssteuern gelten. Dadurch sind Sport- und Outdoor-Ausrüstung in den örtlichen Läden überraschend günstiger als auf dem norwegischen Festland. Wenn du eine neue Winterjacke oder gute Merinowolle brauchst, lohnt es sich, direkt hier im Zentrum einzukaufen.

Eine ganz andere und viel kompliziertere Geschichte schreibt man aber beim Alkohol, der einem strikten Rationierungssystem unterliegt. Es ist ein Überbleibsel aus den Zeiten des Kohleabbaus, als die Behörden das Trinken unter den Bergleuten einschränken wollten. Alkohol wird ausschließlich in einer speziellen Sektion namens Nordpolet innerhalb des Hauptsupermarkts Svalbardbutikken verkauft. Die einheimischen Bewohner haben hier strenge Monatskontingente, die ihnen zum Beispiel erlauben, nur 24 Dosen Bier und zwei Flaschen Spirituosen zu kaufen.

Als Tourist kannst du natürlich Alkohol kaufen, aber an der Kasse musst du zwingend eine gültige Bordkarte oder ein Rückflugticket vorlegen. Ohne Flugticket verkauft dir der Verkäufer nicht mal eine einzige Dose des lokalen Biers. Während du Alkohol hier günstiger bekommst, sind frische Lebensmittel wegen des kostspieligen Lufttransports dagegen merklich teurer.

💡 Tipp: Vergiss nicht, dass du bei der Rückkehr nach Oslo oder Tromsø auf einem Inlandsflug bist. Für auf Spitzbergen gekauften Alkohol gelten also nicht die klassischen internationalen Duty-Free-Grenzen für die Einfuhr, also trink größere Vorräte lieber schon vor dem Abflug aus.

11. Kunsthall Svalbard und arktische Galerien

Wer hätte gedacht, dass du am Ende der Welt funktionierende Galerien und eine lebendige Kulturszene findest? Und doch sind sie hier! Auf gerade mal 2.400 Einwohner gibt es hier gleich mehrere Kunstinstitutionen. Eine der interessantesten ist die Galerie Kunsthall Svalbard, die dem Kunstmuseum in Nordnorwegen untersteht und moderne visuelle Kunst in die abgelegene Arktis bringt.

Die örtlichen Ausstellungen konzentrieren sich sehr oft auf Themen, die eng mit dem Norden verbunden sind, wie der laufende Klimawandel, die unerbittliche Isolation, das Schmelzen der Gletscher oder die verworrene Geschichte der Polarentdeckungen. Die Ausstellungsräume selbst sind zwar kleiner, aber die kuratorische Auswahl ist absolut erstklassig und bietet einen tollen Kontrast zur eisigen Realität draußen.

Im Stadtzentrum stößt du auch auf kleinere private Galerien und sympathische Handwerkswerkstätten. Genau dort kannst du originellen Schmuck oder schöne Grafiken von Künstlern kaufen, die sich vom Lichtspiel, dem Polarlicht und der endlosen weißen Wildnis inspirieren ließen.

💡 Tipp: Das Kulturleben pulsiert hier vor allem während lokaler Festivals. Wenn du im Herbst anreist, erlebst du vielleicht den beliebten Musik-Dark-Season-Blues, während im Frühling ausgelassen der Solfest gefeiert wird, mit dem die lang ersehnte Rückkehr der Sonne über den Horizont begrüßt wird.

12. Wo du essen kannst und die nördlichste Schokoladenmanufaktur

Für eine Stadt, die extrem vom Rest der Welt abgeschnitten ist, ist die lokale Gastro-Szene absolut phänomenal. Gleich zu Beginn muss ich das berühmte Café Fruene erwähnen, das offiziell die nördlichste Schokoladenmanufaktur der Welt ist. Man macht hier famose Pralinen in Form von Eisbären und tollen Kaffee, der absolut ideal ist, um sich nach einem eisigen Spaziergang aufzuwärmen.

Für ein hervorragendes Mittag- oder Abendessen geh unbedingt ins beliebte Restaurant Kroa. Es ist komplett aus massivem Treibholz gebaut, und es herrscht eine wunderbar entspannte Atmosphäre. Man hat hier eine fantastische Pizza zu recht vernünftigen Preisen, was garantiert alle Vegetarier zu schätzen wissen. Erwähnen muss ich auch das moderne Restaurant Stationen, das geschmackvoll norwegische Klassiker mit internationaler Küche kombiniert.

Wenn du echten kulinarischen Luxus suchst, reserviere dir einen Tisch im legendären Restaurant Huset. Diese Institution befindet sich im alten Kulturhaus, und darunter verbirgt sich ein Weinkeller mit mehr als 15.000 Flaschen. Obwohl nordische Betriebe üblicherweise mit viel Fisch und lokalen Fleischspezialitäten locken, bieten die meisten guten Restaurants einschließlich des Hotels Funken Lodge auch ein sehr durchdachtes und schmackhaftes vegetarisches Menü an.

💡 Tipp: Essen in Restaurants ist generell sehr teuer. Ein normales Hauptgericht kostet etwa 250 bis 400 NOK, also rund 22 bis 35 €. Wenn du sparen willst, ist der Supermarkt Svalbardbutikken bestens sortiert und hat auch eine bediente Theke mit warmem Essen.

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Wohin von Longyearbyen aus weiter

Die Stadt selbst beschäftigt dich problemlos für zwei Tage, aber der eigentliche Zauber liegt hinter ihren Grenzen. Ganztagesausflüge sind zwar teuer, bilden aber den absoluten Kern der Reise ans Ende der Welt.

  • Ausflüge und Bootstouren auf Spitzbergen: Im Sommer fahre mit einem kleinen Expeditionsschiff zu geheimnisvollen Gletschern, im Winter empfehle ich eine Fahrt mit dem Hundeschlitten.
  • Pyramiden und Barentsburg: Finde heraus, wie einst berühmte sowjetische Bergarbeiterstädte aussehen, wo du auch die nördlichste Lenin-Statue findest.
  • Wissenswertes über Spitzbergen: Lies weitere faszinierende Kuriositäten über einen Ort, an dem es verboten ist, Katzen zu halten.
  • Tromsø: das Tor zum Polarlicht: Die meisten Flüge nach Spitzbergen haben einen Zwischenstopp genau in Tromsø. Halte hier ein paar Tage an, denn für die Jagd nach dem Polarlicht ist diese Stadt viel besser geeignet.
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Häufig gestellte Fragen

Planst du deine Reise und hast immer noch jede Menge unbeantworteter Fragen? Spitzbergen ist ein so spezielles Reiseziel, dass es sich hier lohnt, nichts zu unterschätzen. Hier sind die Antworten auf das, wonach Reisende am allerhäufigsten fragen.

Wie viele Tage brauche ich für einen Besuch in Longyearbyen?

Für einen normalen Aufenthalt in der Stadt mit einigen Tagesausflügen in die Umgebung u003cstrongu003esind 4 bis 5 Tage absolut idealu003c/strongu003e. Wenn Sie nur für ein verlängertes Wochenende kommen, riskieren Sie, dass Sie wegen eines verspäteten Fluges oder schlechten Wetters überhaupt nichts schaffen. Ein längerer Aufenthalt von über einer Woche macht nur Sinn, wenn Sie an eine mehrtägige Expeditionskreuzfahrt rund um die Inseln anschließen.

Kann ich mich in der Stadt ohne Waffe bewegen?

Ja, innerhalb der klar gekennzeichneten Sicherheitszone, die das gesamte Stadtzentrum, den Hafen und den Weg zum Flughafen abdeckt, u003cstrongu003ekönnen Sie sich völlig frei ohne Gewehr bewegenu003c/strongu003e. Sobald Sie jedoch das Verkehrsschild mit dem Eisbären passieren, betreten Sie die Wildnis, wo eine Waffe oder die Anwesenheit eines bewaffneten Führers absolut notwendig ist.

Ist es schwierig, vom Flughafen ins Zentrum zu kommen?

Überhaupt nicht, es ist sehr einfach. Zu jeder Ankunft und jedem Abflug steht immer ein u003cstrongu003eFlughafenbus Flybussu003c/strongu003e bereit, der etwa 100 NOK (ca. 9 €) pro Fahrt kostet. Er hält bei allen Haupthotels und Pensionen in der Stadt, sodass er Sie mit Ihrem Gepäck direkt vor die Tür bringt.

Wie teuer ist das Essen in Restaurants?

Spitzbergen gehört leider zu den teuersten Destinationen in ganz Europa. Für u003cstrongu003eein normales Hauptgericht im Restaurant zahlen Sie zwischen 250 und 400 NOKu003c/strongu003e (25 bis 40 €) und ein gewöhnlicher Burger kostet etwa 220 NOK. Sie sparen deutlich, wenn Sie Zutaten im gut sortierten örtlichen Supermarkt kaufen.

Funktionieren auf Spitzbergen normale mobile Daten?

Ja, und überraschend gut. Longyearbyen ist nämlich mit dem norwegischen Festland durch riesige unterseeische Glasfaserkabel verbunden, sodass u003cstrongu003edas Internet hier extrem schnell und stabil istu003c/strongu003e. Ihre europäischen Roaming-Daten sollten hier völlig problemlos funktionieren, aber zur Sicherheit sollten Sie das vorab bei Ihrem Anbieter überprüfen.

Lohnt es sich, nach Spitzbergen primär wegen der Polarlichter zu fahren?

Paradoxerweise überhaupt nicht. Longyearbyen liegt u003cstrongu003ezu weit nördlich, bereits hinter dem Hauptgürtel der Polarlichteru003c/strongu003e. Obwohl Sie sie hier während der Polarnacht sehen können, sind sie oft schwächer als im Norden des kontinentalen Europas. Wenn Ihr Hauptziel die Aurora borealis ist, fahren Sie besser nach Tromsø.

Wo muss ich überall die Schuhe ausziehen?

Diese kuriose Regel des Schuhausziehens gilt u003cstrongu003ein fast allen Hotels und Pensionen, im Svalbard Museum, in der Kirche und in einigen Geschäftenu003c/strongu003e. Bei den Eingängen finden Sie immer große Schuhregale und oft auch Hauspantoffeln. Ich empfehle, für die Reise warme und vor allem saubere Wollsocken mitzunehmen.

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