18 kuriose Fakten über Spitzbergen: Samenbank, Katzenverbot und die Stadt, in der man nicht sterben darf

Tief in einem gefrorenen Berg oberhalb des örtlichen Flughafens am 78. Breitengrad liegt ein gewaltiger Tresor, der das Ende der Welt überstehen soll. Spitzbergen ist eine unglaubliche Sammlung von Rekorden und schier absurden Besonderheiten, wie man sie sonst nirgendwo auf unserem Planeten findet. Die Regeln und Gesetze hier sind unter den harten Bedingungen der arktischen Wildnis entstanden und vielerorts seit Jahrzehnten unverändert geblieben.

Nur an wenigen Orten ist der Kontrast zwischen Wildnis und Zivilisation so deutlich. Auf der einen Seite gibt es ein modernes Universitätszentrum mit schnellem Internet; direkt hinter dem Schild, das das Ortsende markiert, solltet ihr zu eurer eigenen Sicherheit jedoch eine geladene Waffe dabeihaben. Die lokale Gemeinschaft zählt rund 2.500 Einwohner aus mehr als sechzig Nationen und bildet eine Gesellschaft, die wirklich einzigartig ist.

Ich habe für euch 18 interessante Fakten und Kuriositäten zusammengestellt – von der berühmten Samenbank über Alkoholzuteilungen, die fast hundert Jahre lang galten, bis hin zu sowjetischen Geisterstädten. Zu jedem Fakt gibt es außerdem einen praktischen Hinweis für den Fall, dass ihr euch selbst auf den Weg dorthin macht.

Artikelinhalt

Kurzantwort

Spitzbergen ist eine einzigartige norwegische Inselgruppe im Arktischen Ozean, auf der ganz besondere Gesetze gelten und sich der Globale Saatguttresor mit mehr als 1,4 Millionen Saatgutproben befindet. Dank eines internationalen Vertrags aus dem Jahr 1920 können sich Bürger jedes Vertragsstaats hier ohne Visum niederlassen. Gleichzeitig gelten strenge Regeln zum Schutz der Natur – etwa das Verbot, Katzen zu halten, sowie die Pflicht, außerhalb bewohnter Orte wegen der Eisbären eine Waffe mitzuführen.

Zusammenfassung

  • Tresor für das Ende der Welt: In einem Berg oberhalb des Flughafens lagert ein riesiges Saatgutdepot aus aller Welt, das die globale Landwirtschaft vor Katastrophen schützen soll.
  • Einziger Ort Europas ohne Visum: Dank eines historischen Vertrags braucht ihr keine Aufenthaltserlaubnis, um euch auf dem Archipel niederzulassen und zu arbeiten.
  • Eine Stadt ohne Friedhof und Geburtsklinik: Wegen des allgegenwärtigen Permafrosts werden hier keine Toten beerdigt; Schwangere fliegen zum Gebären aufs Festland.
  • Abgeschaffte Alkoholzuteilungen: Bis November 2024 gab es ein Kartensystem für Alkohol. Touristen müssen sich beim Kauf noch heute mit ihrer Bordkarte ausweisen.
  • Strenger Naturschutz: Seit 2025 gelten neue Regeln, die Ausflugsschiffe mit Touristen in einem Abstand von 300 bis 500 Metern von Eisbären halten.
  • Funkstille für die Wissenschaft: In der Forschungsstation Ny-Ålesund sind WLAN und Bluetooth in einem Umkreis von 20 Kilometern streng verboten.
  • Ende des Kohlezeitalters: Im Sommer 2025 wurde die letzte norwegische Kohlemine endgültig geschlossen, und der Archipel stellt seine Energieversorgung nun vollständig um.

18 kuriose Fakten über Spitzbergen

Schauen wir uns gleich die faszinierendsten Fakten an, die diesen arktischen Archipel zu einem weltweit einzigartigen Ort machen. Ich habe für euch 18 konkrete Geschichten und Regeln ausgewählt, die manchmal völlig unglaublich klingen, im Kontext des rauen Nordens aber absolut sinnvoll sind.

1. Globaler Saatguttresor: Tresor für das Ende der Welt

Das ist wahrscheinlich das bekannteste Bauwerk des gesamten Archipels. Der Svalbard Global Seed Vault dient als sichere Reserve für den Fall globaler Katastrophen – ob Kriege, Pflanzenkrankheiten oder dramatische Klimaveränderungen. Die Anlage wurde Anfang 2008 eröffnet und liegt rund 120 Meter tief im Sandsteinberg Platåberget, direkt oberhalb des örtlichen Flughafens.

Die Kapazität des gesamten Komplexes ist enorm. Mitte 2026 lagerten hier sage und schreibe 1.401.285 einzigartige Saatgutproben aus Genbanken aus aller Welt. Der Permafrost, also dauerhaft gefrorener Boden, sorgt für natürliche Kühlung auf minus 18 Grad Celsius. So bleiben die Samen viele Jahrzehnte und sogar Jahrhunderte lang keimfähig.

💡 Tipp: Obwohl das Gebäude sehr bekannt ist, werdet ihr als normale Besucher niemals hineinkommen. Von außen könnt ihr lediglich das futuristische Eingangsportal mit seiner Lichtinstallation fotografieren. Zu Fuß oder mit dem Taxi gelangt ihr dorthin; eine Taxifahrt kostet ungefähr 200 norwegische Kronen.

2. Die Samenbank und Syrien: Die erste Entnahme

Viele denken, dass dieser riesige Tresor erst im Fall einer weltweiten Apokalypse geöffnet wird. Tatsächlich erfüllte die Samenbank ihren wichtigsten Zweck bereits 2015, als das internationale Forschungszentrum ICARDA einen Teil seiner eigenen Rücklagen zurückforderte. Die ursprüngliche Genbank in Aleppo, Syrien, konnte wegen des dortigen Kriegs nicht mehr sicher betrieben werden.

Die Wissenschaftler holten damals wertvolle Proben von Weizen, Gerste und anderen an trockenes Klima angepassten Nutzpflanzen aus Spitzbergen. Anschließend säten sie die Pflanzen erfolgreich im Libanon und in Marokko aus, ernteten neue Samen und schickten diese umgehend zur sicheren Einlagerung in den arktischen Tresor zurück. Damit bewährte sich das System eindrucksvoll in der Praxis.

💡 Tipp: Wenn ihr wissen möchtet, wie es im Inneren der faszinierenden Anlage aussieht, könnt ihr die offizielle virtuelle Tour auf der Website des Crop Trust nutzen. Die Organisation finanziert das Projekt mit und dokumentiert es ausführlich.

3. Arctic World Archive: GitHubs Code unter Tage

Ganz in der Nähe des Saatguttresors befindet sich in den Räumen der alten Kohlemine Nummer 3 eine weitere, ähnlich faszinierende Anlage. Das Arctic World Archive widmet sich nicht der Landwirtschaft, sondern dient als riesiges, sicheres Archiv des digitalen Erbes der Welt. Verschiedene Länder, Institutionen und private Unternehmen schicken ihre wertvollsten Daten auf speziellen, besonders langlebigen Filmen hierher.

Hier lagern unter anderem eine digitalisierte Version der Vatikanischen Bibliothek, historische Dokumente aus Mexiko und sogar der vollständige Quellcode der Plattform GitHub. Diese technologischen Grundlagen moderner Software liegen tief im Permafrost, damit künftige Generationen die Bausteine unserer digitalen Welt zur Verfügung haben.

💡 Tipp: Die Mine 3 (Gruve 3) ist im Gegensatz zu den Archiven im Rahmen geführter Touren für Besucher zugänglich. Dabei zieht ihr einen Bergarbeiter-Overall an und erkundet authentische Stollen – eine großartige Unternehmung für Tage, an denen draußen ein Schneesturm tobt.

4. Der Svalbard-Vertrag: Ein Ort ohne Visum

Der rechtliche Status dieses Gebiets ist weltweit einzigartig. Auf Grundlage eines 1920 in Paris unterzeichneten internationalen Vertrags erhielt Norwegen die Hoheit über die Inseln – allerdings unter einer wichtigen Bedingung. Bürger aller Unterzeichnerstaaten haben hier genau dieselben Rechte auf Aufenthalt und wirtschaftliche Tätigkeit wie Norweger.

In der Praxis bedeutet das: Spitzbergen ist der einzige Ort in Europa, an den ihr ohne Visum ziehen und dort eine Arbeit aufnehmen könnt. Der Vertrag hat mehr als vierzig Vertragsparteien; auch die damalige Tschechoslowakei trat ihm 1930 bei. Außerdem garantiert das Abkommen, dass alle erhobenen Steuern auf den Inseln bleiben. Dadurch ist Spitzbergen eine ganz besondere steuerfreie Zone.

💡 Tipp: Für den Archipel selbst braucht ihr zwar kein Visum, doch alle Flüge dorthin führen über das norwegische Festland, meist über Oslo oder Tromsø. Beim Umsteigen reist ihr damit faktisch in den Schengen-Raum ein. Nehmt deshalb unbedingt einen gültigen Reisepass mit.

5. Die Stadt, in der man weder sterben noch geboren werden darf

Diese Information verbreitet sich im Internet häufig als virale Sensation, doch die tatsächlichen Gründe sind rein pragmatisch. In der Hauptstadt Longyearbyen werden seit den 1950er-Jahren offiziell keine Menschen mehr beerdigt. Der örtliche Permafrost konserviert die Körper, statt sie verrotten zu lassen, und drückt sie mit der Zeit wieder an die Oberfläche.

Das örtliche Krankenhaus behandelt nur Notfälle und kleinere Beschwerden. Eine Geburtsklinik oder eine Abteilung für Langzeitpatienten gibt es dort nicht. Schwangere müssen daher einige Wochen vor dem errechneten Geburtstermin aufs Festland fliegen, meistens in ein großes Krankenhaus in Tromsø. Auch schwer kranke Menschen verlassen die Inseln per Ambulanzflugzeug.

💡 Tipp: Der kleine historische Friedhof liegt etwas oberhalb des Ortes. Dort wird zwar schon lange niemand mehr beerdigt, aber ihr könnt ihn aus der Entfernung ansehen, wenn ihr zur nahe gelegenen Kirche spaziert. Die Kirche ist übrigens rund um die Uhr geöffnet.

6. Striktes Katzenverbot zum Schutz der Vögel

Katzenliebhaber haben hier schlichtweg Pech. Auf dem gesamten Archipel gilt ein striktes Verbot, Katzenartige einzuführen oder zu halten. Der Grund ist das äußerst empfindliche arktische Ökosystem, das durch diese effizienten Räuber schwer geschädigt werden könnte.

Im Sommer kommen Millionen Seevögel zum Brüten hierher, darunter geschützte Küstenseeschwalben und kleine Dickschnabellummen. Sie nisten oft direkt am Boden oder an niedrigen Geröllhängen und wären für Katzen eine leichte Beute. Der einzige natürliche landlebende Räuber ist deshalb der Polarfuchs, dessen Bestand von Wissenschaftlern sorgfältig überwacht wird.

💡 Tipp: In der russischen Bergbaustadt Barentsburg hielt sich viele Jahre eine amüsante Legende über einen roten Kater namens Kesha. Angeblich meldeten die Einheimischen ihn bei den Behörden offiziell als besondere Art des Polarfuchses an, um die strengen norwegischen Gesetze zu umgehen.

7. Alkoholzuteilungen über hundert Jahre und Bordkarten

Bis November 2024 galt auf den Inseln ein faszinierendes historisches System sogenannter Alkohol-Karten. Die Einwohner hatten eine festgelegte Monatsquote von 24 Dosen Bier und zwei Flaschen Spirituosen, und jeder Kauf wurde sorgfältig eingetragen. Das System entstand vor fast hundert Jahren als Maßnahme gegen den weit verbreiteten Alkoholismus unter den hart arbeitenden Bergleuten.

Die alten Papierkarten wurden inzwischen endgültig abgeschafft und durch ein moderneres digitales Einwohnerregister ersetzt. Touristen bekommen die Bürokratie aber weiterhin zu spüren. Wenn ihr im örtlichen Supermarkt Bier kaufen möchtet, müsst ihr an der Kasse eine gültige Bordkarte oder ein Rückflugticket vorzeigen – sonst wird euch schlicht kein Alkohol verkauft.

💡 Tipp: Der Lebensmittelmarkt Svalbardbutikken hat eine eigene Abteilung namens Nordpolet. Weil die hohen norwegischen Verbrauchsteuern hier nicht anfallen, ist Alkohol dort überraschenderweise deutlich günstiger als irgendwo sonst auf dem norwegischen Festland.

8. Bier war hier bis 2014 illegal

Zum Thema Alkohol gehört noch eine weitere große Kuriosität. Ein altes norwegisches Gesetz aus dem Jahr 1928 verbot ausdrücklich die kommerzielle Herstellung jeglicher alkoholischer Getränke auf Spitzbergen. Diese überholte Vorschrift galt jahrzehntelang ohne jede Ausnahme, bis sich der Einheimische Robert Johansen der Sache annahm.

Fünf Jahre lang kämpfte er hartnäckig gegen die Bürokratie, bis er das norwegische Parlament dazu brachte, das alte Gesetz zu ändern. Schon im Jahr darauf konnte er die lokale Brauerei Svalbard Bryggeri eröffnen, die sofort zum nördlichsten Bierbrauer der Welt wurde. Für das Bier wird unglaublich reines Wasser aus dem zweitausend Jahre alten Gletscher Bogerbreen verwendet.

💡 Tipp: Die Brauerei bietet regelmäßig Führungen mit Verkostung an. Sie kosten etwa 45 Euro pro Person und finden normalerweise montags, mittwochs und samstags am frühen Abend statt. Ein tolles geselliges Erlebnis im Warmen.

9. Eisbären: Fakten zu Zahlen und Regeln

Überall liest man, dass auf Spitzbergen mehr Eisbären als Menschen leben. Das stimmt, braucht aber etwas Kontext. Im gesamten Gebiet des nördlichen Barentssees wird die Population auf rund 3.000 Bären geschätzt, während in den norwegischen Siedlungen etwas mehr als 2.500 Menschen leben. Die Bären halten sich jedoch überwiegend auf dem Meereis und an der unbewohnten Ostküste auf. Mitten im Ort begegnet man ihnen nur äußerst selten.

Anfang 2025 traten völlig neue und extrem strenge Regeln für Ausflugsschiffe in Kraft. Die Schiffe müssen zu jedem Bären einen Mindestabstand von 300 Metern einhalten. In den Frühlingsmonaten von März bis Juni, wenn die Weibchen ihre Jungen großziehen, steigt der vorgeschriebene Abstand sogar auf 500 Meter.

💡 Tipp: Wenn ihr ein gutes Bärenfoto machen möchtet, lasst das normale Smartphone besser stecken. Die Guides sind sich einig: Wegen der neuen Abstandsregeln braucht ihr ein hochwertiges Teleobjektiv mit mindestens 500 Millimetern Brennweite oder ein sehr gutes Fernglas.

10. Außerhalb der Siedlungen nur mit Waffe

Das ist wahrscheinlich der größte Kulturschock für Besucher. Sobald ihr die unsichtbare Ortsgrenze, die sogenannte Zone 10, überschreitet, wird dringend empfohlen, eine Schusswaffe und eine Signalpistole mitzuführen. Bei einer organisierten Tour übernimmt euer zertifizierter Guide diese Verantwortung und hat stets ein Gewehr dabei.

Innerhalb des Ortes gelten genau die gegenteiligen Regeln. Waffen werden sichtbar entladen und mit geöffnetem Verschluss getragen; außerdem ist es streng verboten, sie in öffentliche Gebäude mitzunehmen. Vor Banken, der Post und dem Supermarkt findet ihr spezielle Sicherheitsboxen, in denen die Einheimischen ihre Gewehre vor dem Einkauf ordentlich einschließen.

💡 Tipp: Touristen können in Sportgeschäften im Zentrum ein Gewehr ausleihen, aber das Verfahren ist langwierig. Dafür braucht ihr entweder einen gültigen Europäischen Feuerwaffenpass oder eine Sondergenehmigung des Gouverneurs, deren Bearbeitung bis zu acht Wochen dauert.

11. Spitzbergen-Rentiere: Endemische Tiere ohne Scheu vor Menschen

Bei einem Spaziergang durch den Ort werdet ihr sicher einheimische Rentiere sehen, die etwas anders aussehen als ihre Verwandten in Skandinavien. Diese endemische Unterart hat sich völlig isoliert entwickelt und dadurch deutlich kürzere Beine, einen stämmigeren Körper und einen kleineren Kopf. Auf den ersten Blick erinnern sie eher an große, niedliche Kuscheltiere.

Da diese Rentiere auf den Inseln keine natürlichen landlebenden Feinde haben, haben sie ihre Scheu vor Menschen praktisch vollständig verloren. Sie grasen häufig direkt zwischen den bunten Häusern von Longyearbyen und lassen euch bis auf wenige Meter herankommen. Laut der letzten großen Zählung leben mehr als 22.400 dieser besonderen Tiere auf dem Archipel.

💡 Tipp: Obwohl Rentiere keine Angst vor Menschen haben und sich leicht fotografieren lassen, solltet ihr sie niemals füttern oder streicheln. Die örtlichen Naturschutzregeln verbieten jede aktive Störung wild lebender Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum.

12. Polarlichter am Mittag und monatelange Dunkelheit

Die Polarnacht nimmt hier extreme Ausmaße an. Von Mitte November bis Ende Januar herrscht auf den Inseln völlige Dunkelheit – mehr als zweieinhalb Monate lang. Der tiefschwarze Himmel ermöglicht ein einzigartiges Phänomen: Spitzbergen ist der einzige bewohnte Ort der Erde, an dem ihr Polarlichter sogar mitten am Tag beobachten könnt.

Allerdings gibt es dabei einen wichtigen Haken. Der Archipel liegt auf dem 78. Breitengrad und damit paradoxerweise zu weit nördlich, unterhalb des Hauptovals der Polarlichter. Erfahrene Guides sind sich deshalb einig: Wenn Polarlichter euer Hauptziel sind, fahrt ihr besser in die nordnorwegische Stadt Tromsø, die auf einem geografisch idealen Breitengrad liegt.

💡 Tipp: Die beste Reisezeit ist die sogenannte blaue Zeit Ende Februar und Anfang März. Die Sonne steht noch nicht hoch am Himmel, doch ihr Licht taucht die Landschaft in ein fantastisches Blau und Rosa – perfekt zum Fotografieren.

13. Nördlichster Kebab, nördlichste Brauerei und Leninstatue

Einheimische und Touristen lieben es, aufzuzählen, was hier alles das Nördlichste der Welt ist. In Longyearbyen findet ihr die nördlichste Universität, den nördlichsten Geldautomaten, einen ganzjährig geöffneten Campingplatz und einen Kebabstand. Ein Stück weiter, in der Forschungsstation Ny-Ålesund, befindet sich die nördlichste noch aktive Postfiliale.

Faszinierend ist auch die verlassene sowjetische Bergbaustadt Pyramiden, die sich gut auf einem ganztägigen Schiffsausflug besuchen lässt. Inmitten der hervorragend erhaltenen Architektur aus den 1980er-Jahren steht noch immer stolz die nördlichste Büste Wladimir Iljitsch Lenins der Welt. Sie blickt über den Fjord auf den majestätischen Gletscher Nordenskiöldbreen.

💡 Tipp: Wenn ihr mit dem Schiff nach Pyramiden fahrt, nehmt sehr warme Kleidung mit. Die Fahrt dauert pro Strecke etwa zwei bis drei Stunden und kostet normalerweise rund 2.800 norwegische Kronen. Die Aussicht von Deck auf die Gletscher ist atemberaubend.

14. Schuhe ausziehen und mehr Schneemobile als Einwohner

Beim Betreten vieler Gebäude erwartet euch eine ganz besondere Überraschung. In Hotels, Museen, der Bibliothek und sogar im Touristeninformationszentrum müsst ihr euch direkt am Eingang die Schuhe ausziehen. Die Tradition stammt aus der Zeit des intensiven Kohlebergbaus, als die Bergleute den überall präsenten schwarzen Kohlestaub nicht in die sauberen Innenräume tragen wollten.

Eine weitere Besonderheit ist der Verkehr. Es gibt nur rund vierzig Kilometer Straßen, und sie führen nicht über die unmittelbare Umgebung des Ortes hinaus. Deshalb sind hier Schätzungen zufolge mehr Schneemobile als Einwohner registriert. Im Winter sind sie ein unverzichtbares und für Fahrten zu weiter entfernten Fjorden oft das einzige Verkehrsmittel.

💡 Tipp: Packt dicke, bequeme Wollsocken oder leichte Hausschuhe in euer Gepäck. Ihr werdet sie oft tragen – im Hotel ebenso wie beim Besuch des ausgezeichneten Svalbard Museums.

15. Alles aus der Zeit vor 1946 steht unter strengem Schutz

Das Umweltschutzgesetz für Spitzbergen definiert Kulturdenkmäler sehr strikt. Es gilt die Regel, dass alle menschlichen Spuren und Gegenstände aus der Zeit vor 1946 automatisch unter staatlichem Schutz stehen – ohne jede Ausnahme.

In der Praxis heißt das: Findet ihr in der Tundra einen alten rostigen Nagel, ein Stück Holz von einer verfallenen Jagdhütte oder ein leeres, verrostetes Treibstofffass, dürft ihr es weder aufheben noch an einen anderen Ort bringen. Um alle diese historischen Fundstücke gilt außerdem eine Schutzzone von hundert Metern. Auch das Sammeln alter Tierknochen und Rentiergeweihe sowie das Pflücken der seltenen Pflanzen vor Ort ist verboten.

💡 Tipp: Kauft Souvenirs ausschließlich in offiziellen Geschäften im Zentrum von Longyearbyen. Wenn ihr ein gefundenes historisches Artefakt im Rucksack zum Flughafen mitbringt, droht euch eine astronomisch hohe Geldstrafe.

16. Funkstille in Ny-Ålesund

Nordwestlich der Hauptstadt liegt die Siedlung Ny-Ålesund, die ausschließlich als internationale Forschungsstation dient. Verschiedene Länder betreiben dort Labore, in denen sie Klimaveränderungen und die Atmosphäre untersuchen. Wegen der äußerst empfindlichen Messgeräte gilt hier ein absolutes Verbot drahtloser Technologien.

In einem Umkreis von zwanzig Kilometern um die gesamte Siedlung ist es streng verboten, WLAN oder Bluetooth einzuschalten. Alle Touristen, die mit einem Ausflugsschiff ankommen, müssen ihre Mobiltelefone in den Flugmodus schalten. Das ist eine der wenigen Regionen der Welt, in denen ihr einen echten digitalen Detox erlebt.

💡 Tipp: Ny-Ålesund könnt ihr nicht auf eigene Faust erreichen; kommerzielle Unterkünfte gibt es dort nicht. Die einzige Möglichkeit für einen Besuch ist eine organisierte Expeditionskreuzfahrt. Dabei nehmen euch die Guides etwa eine Stunde lang auf ausgewiesenen Wegen mit.

17. Ende der Kohle und der Schlüssel im Schacht

Die Geschichte des Archipels ist untrennbar mit dem Steinkohlebergbau verbunden, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts die ersten dauerhaft dort lebenden Menschen auf die Inseln brachte. Diese lange Ära endete endgültig Ende Juni 2025, als der letzte Förderwagen aus Mine 7 an die Oberfläche gebracht wurde – der letzten aktiven norwegischen Mine auf den Inseln.

Der Abbau der gesamten Bergwerksanlage dauerte fast ein Jahr. Im Mai 2026 fand schließlich der symbolische Akt zur endgültigen Stilllegung statt. Die Bergleute verschlossen damals den Eingang zur Mine dauerhaft mit einer massiven Kette und warfen den Schlüssel für immer tief in den dunklen Schacht. Longyearbyen hatte sein Kohlekraftwerk bereits zuvor stillgelegt und investiert nun viel Geld in den Umstieg auf erneuerbare Energien, ergänzt durch riesige Batteriespeicher.

💡 Tipp: Auch wenn der moderne Bergbau beendet ist, könnt ihr die Bergbaugeschichte noch erleben. Bucht eine Führung durch die alte Mine 3; ehemalige Bergleute zeigen euch, unter welch unfassbar harten Bedingungen hier noch vor Kurzem gearbeitet wurde.

18. Sveagruva: Eine Stadt, die vollständig von der Landkarte verschwand

Das Projekt am Van Mijenfjord ist weltweit einzigartig. Die Bergbausiedlung Sveagruva war die Basis für die größte Kohlemine des Archipels. Als die Entscheidung fiel, den Bergbau zu beenden, ordnete die norwegische Regierung nicht einfach an, den Ort zu verlassen. Sie beschloss, ihn vollständig abzureißen und die Landschaft wieder der unberührten Natur zu überlassen.

Es war das größte Renaturierungsprojekt der nordischen Geschichte. Schwere Maschinen rissen alle Wohnheime, Hafenanlagen und Straßen ab – sogar die gesamte Landebahn. Das Projekt kostete rund 1,6 Milliarden norwegische Kronen und wurde 2023 abgeschlossen. Heute ist vom einstigen Industriekomplex nichts mehr zu sehen; hier haben nur noch Eisbären und die wilde Natur das Sagen.

💡 Tipp: Wenn ihr euch für verlassene Orte interessiert, fahrt statt zum abgerissenen Sveagruva lieber in die russische Siedlung Pyramiden. Die Gebäude verfallen zwar, doch die komplette sowjetische Infrastruktur aus den 1980er-Jahren ist dank des frostigen Klimas hervorragend erhalten.

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Die Fakten im Überblick

Zur schnellen Orientierung habe ich die interessantesten lokalen Besonderheiten in einer einfachen Tabelle zusammengefasst. So seht ihr auf einen Blick, warum Menschen so gern auf diesen Archipel reisen und was ihn absolut einzigartig macht.

KuriositätOrtWas sie besonders machtPraktischer Tipp
Globaler SaatguttresorBerg PlatåbergetMehr als 1,4 Millionen Saatgutproben aus aller Welt im PermafrostFotografieren ist nur von außen erlaubt, der Zutritt ist streng verboten
Nördlichste BrauereiLongyearbyenDank einer Änderung des alten Gesetzes von 1928 gegründetFührungen mit Verkostung kosten etwa 45 Euro
Sowjetische GeisterstadtPyramiden1998 verlassen; Kulturhaus und Schwimmbad sind erhaltenDer Schiffsausflug dauert einen ganzen Tag und kostet rund 2.800 NOK
FunkstilleNy-ÅlesundWLAN und Bluetooth sind im Umkreis von 20 Kilometern verbotenZugang nur im Rahmen längerer Expeditionskreuzfahrten

Besonderheiten und Rekorde

Die Inseln halten gleich mehrere Rekorde, die mit ihrer extremen Lage im Arktischen Ozean zusammenhängen. Wenn ihr enzyklopädische Fakten mögt und wissen möchtet, wie sehr sich die Natur hier vom übrigen Europa unterscheidet, seid ihr in diesem Abschnitt genau richtig.

Riesige Eiskappen

Mehr als sechzig Prozent der Gesamtfläche des Archipels sind dauerhaft von Eis bedeckt. Auf der Insel Nordaustlandet liegt der Gletscher Austfonna mit einer Fläche von unglaublichen 8.450 Quadratkilometern. Dieses Massiv ist die viertgrößte Eiskappe der Welt – nach der Antarktis, Grönland und Nowaja Semlja. An seinem Südrand erstreckt sich eine 45 Kilometer lange, zusammenhängende Eiswand, die direkt ins Meer abfällt.

Dramatische Erderwärmung

Leider stellt die Arktis auch traurige Rekorde auf. Seit Anfang der 1970er-Jahre sind die Durchschnittstemperaturen hier um 3 bis 5 Grad Celsius gestiegen. Damit ist Spitzbergen der Ort auf der Erde, der sich am schnellsten erwärmt. Der tauende Permafrost lässt die Fundamente von Wohnhäusern reißen und verursacht gefährliche Erdrutsche. Deshalb musste der Ort oberhalb der Häuser massive Lawinenschutzbarrieren errichten.

Faszinierende Vogelfelsen

Im kurzen arktischen Sommer verwandeln sich die Felsen in ohrenbetäubende Brutkolonien. In der Meerenge Hinlopenstretet erheben sich die gewaltigen senkrechten Klippen von Alkefjellet, die aus mehr als hundert Metern Höhe ins Meer abfallen. Dort brüten mehrere zehntausend Paare Dickschnabellummen. Unter ihnen halten ständig hungrige Polarfüchse Ausschau nach heruntergefallenen Eiern. Von einem Schiff aus ist das eines der eindrucksvollsten Naturerlebnisse, die ihr haben könnt.

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Wie geht es weiter?

Wenn euch der arktische Norden begeistert hat und ihr noch mehr über diese faszinierende Region erfahren möchtet, schaut euch unsere weiteren ausführlichen Artikel an. Dort findet ihr viele praktische Tipps dazu, wie ihr die Reise organisiert und wie viel Geld ihr einplanen solltet.

Häufig gestellte Fragen

Zu diesem Reiseziel bekomme ich immer wieder dieselben Fragen. Meist geht es um praktische Dinge oder um die skurrilen Besonderheiten des Archipels. Deshalb habe ich die häufigsten Fragen zusammengestellt, die euch bei der Planung einer Reise in den hohen Norden begegnen werden.

Was ist die Saatgutbank und kann man sie besichtigen?

Die globale Saatgutbank ist ein gesicherter unterirdischer Tresor im Permafrost, der über 1,4 Millionen Samenproben aus der ganzen Welt als Backup für Katastrophenfälle verwahrt. Die breite Öffentlichkeit und auch Journalisten haben überhaupt keinen Zugang zu den Innenräumen, Touristen können lediglich das leuchtende Eingangsportal am Berghang oberhalb des Flughafens fotografieren.

Warum sind Spitzbergen visumfrei?

Dieser einzigartige Status geht auf den Spitzbergen-Vertrag zurück, der 1920 in Paris unterzeichnet wurde. Der Vertrag erkennt zwar die Souveränität Norwegens über die Inseln an, garantiert aber gleichzeitig den Bürgern aller Unterzeichnerstaaten absolut die gleichen Rechte auf Aufenthalt und wirtschaftliche Tätigkeit wie den Norwegern. Die Tschechoslowakei trat dem Abkommen 1930 bei, Deutsche können daher ohne jegliche Genehmigung hier leben.

Warum sind Katzen dort verboten?

Auf dem gesamten Archipel gilt ein striktes Verbot der Einfuhr und Haltung von Katzen zum Schutz der sehr verletzlichen arktischen Vogelwelt. Die heimischen Vögel wie geschützte Eissturmvögel oder kleine Alken nisten oft direkt auf dem Boden oder in niedrigen Felsen, wo sie für effiziente Katzenjäger extrem leichte Beute darstellen würden.

Darf man dort wirklich nicht sterben?

Das Gesetz verbietet es natürlich nicht ausdrücklich, aber in der Praxis funktioniert es so aufgrund fehlender Infrastruktur. Der örtliche Permafrost verhindert klassische Erdbestattungen, da er die Körper auf natürliche Weise konserviert und an die Oberfläche drückt. Das Krankenhaus verfügt zudem über keine Abteilung für Langzeitkranke, sodass Patienten in ernstem Zustand per Flugzeug aufs Festland transportiert werden.

Wie viele Eisbären gibt es dort wirklich?

Laut Schätzungen von Wissenschaftlern leben in der gesamten Region der nördlichen Barentssee ungefähr 3.000 Eisbären, was zahlenmäßig mehr ist als die etwa 2.500 menschlichen Bewohner der norwegischen Siedlungen. Die Bären bewegen sich aber primär auf dem Meereis und an der Ostküste, in den Straßen der Hauptstadt tauchen sie nur äußerst selten auf.

Wem gehören Spitzbergen eigentlich?

Der Archipel steht unter voller staatlicher Souveränität Norwegens, das hier die administrative Verwaltung durch einen Gouverneur ausübt, der als Sysselmester bezeichnet wird. Norwegen gewährleistet Polizeischutz, Rettungsaktionen und die Einhaltung der Gesetze, muss dabei aber die internationalen Abkommen über den freien Zugang für Bürger anderer Staaten respektieren und eine entmilitarisierte Zone aufrechterhalten.

Kann ich mich außerhalb der Stadt allein bewegen?

In die unmittelbare Umgebung der Stadt in der sogenannten Zone 10 kannst du ohne besondere Genehmigung aufbrechen, aber es wird dringend empfohlen, ein geladenes Gewehr und eine Signalpistole bei dir zu haben. Wenn du tiefer in die Wildnis vordringen möchtest, brauchst du eine teure Versicherung für Rettungsaktionen und eine formelle Genehmigung des Gouverneurs. Die meisten Touristen wählen daher bezahlte Ausflüge mit bewaffnetem Führer.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Erfahrene Führer sind sich einig, dass der beste Monat für einen Besuch der April ist. Er bietet die ideale Kombination aus ausreichend Schnee für Ausflüge mit Schneemobilen und zu Gletscherhöhlen sowie viel Tageslicht, das Ende des Monats in die Mitternachtssonne übergeht. Wenn du auf eine Expeditionskreuzfahrt gehen und Wale sehen möchtest, reise hingegen im Juli oder August dorthin.

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