Spitzbergen (Norwegen): 15 Tipps für das Ende der Welt 2026

Vielleicht denkst du, dass die nordische Wildnis irgendwo auf Island oder in Nordnorwegen endet. Weit gefehlt. Tausend Kilometer hinter dem berühmten Nordkap liegt ein Archipel, auf dem ungefähr so viele Eisbären wie Menschen leben. Spitzbergen (Norwegen), auf Norwegisch Svalbard, ist genau die Art von Reiseziel, das klingt wie aus einer unerreichbaren National-Geographic-Doku – dabei bringt dich das Flugzeug von Oslo aus in nur drei Stunden dorthin. Es ist wohl die am einfachsten erreichbare arktische Wildnis, in die du dich ohne größere logistische Probleme aufmachen kannst.

Gleichzeitig muss man aber ehrlich sagen, dass das kein Ziel für Low-Cost-Rucksacktouristen ist, die gern allein durch die Berge streifen. Praktisch jeder Ausflug außerhalb der Hauptstadt Longyearbyen ist eine bezahlte Exkursion, denn wegen des allgegenwärtigen Risikos, einem Eisbären zu begegnen, darf man ohne bewaffneten Guide schlicht nicht in die Wildnis. Wenn du das aber in dein Budget einplanst, erwartet dich ein absolut unglaubliches arktisches Wochenende voller blauem Eis, majestätischer Gletscher und unberührter nordischer Natur.

Ich habe dir einen großen Reiseführer zusammengestellt – von der Unterkunft über die besten Ausflüge bis hin zu dem, was dich das Ganze kosten wird. Lies weiter, es lohnt sich. Du wirst feststellen, dass es auf Spitzbergen tolle Restaurants und Luxushotels gibt, aber auch strenge Naturschutzregeln, die seit 2025 noch einmal deutlich verschärft wurden. Schauen wir uns gemeinsam das Beste an, was dieses eisige Archipel zu bieten hat.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Erreichbarkeit: Ganzjährig fliegen SAS und Norwegian direkt aus Oslo oder über Tromsø, der Flug dauert knapp drei Stunden.
  • Sicherheit: Außerhalb der sogenannten Zone 10 (Umgebung von Longyearbyen) ist es Pflicht, Mittel zur Bärenabwehr dabeizuhaben – Touristen bewegen sich ausschließlich über bezahlte Ausflüge mit bewaffnetem Guide.
  • Dokumente: Svalbard gehört nicht zum Schengen-Raum, du brauchst zwingend einen Reisepass, aber im Gegenzug kein Visum.
  • Versicherung: Die klassische europäische EHIC-Karte gilt hier nicht, eine gute private Reiseversicherung ist Pflicht.
  • Wann hin: Für Winteraktivitäten (Schneemobile, Hunde, Höhlen) sind März und April ideal, für Bootsausflüge dann die Sommermonate Juni bis August.
  • Budget: Stell dich auf hohe Preise ein – grob gerechnet kosten dich vier Tage 1.600 bis 2.700 € pro Person, je nach Anzahl der gebuchten Aktivitäten.

Wann du nach Svalbard reisen solltest

Die Reiseplanung für Spitzbergen dreht sich in erster Linie um das Licht, denn hier richten sich die Jahreszeiten nach dem Stand der Sonne. Von Mitte November bis Ende Januar herrscht auf dem Archipel die dunkle Polarnacht, in der die Sonne überhaupt nicht über den Horizont steigt und die Aktivitäten sehr begrenzt sind. Reisende sind sich einig: Wenn du nicht ausdrücklich das extreme Erlebnis der totalen Dunkelheit suchst, ist es deutlich besser, etwas hellere Monate zu wählen, in denen du von der arktischen Landschaft mehr siehst als nur die Umrisse der Berge.

Der absolute Gewinner für die Wintervergnügen ist der April, wenn die Landschaft noch unter tiefem Schnee liegt, die Tage aber schon herrlich lang und voller Sonne sind. Etwa ab Ende Februar beginnt nämlich die sogenannte blaue Zeit, die Fotografen für ihre unglaublichen Pastellfarben lieben, die von tiefem Blau bis ins Rosa übergehen. Die Durchschnittstemperaturen liegen in diesen Monaten um minus vierzehn Grad, aber mit dem allgegenwärtigen Wind fällt die gefühlte Temperatur locker auf minus dreißig. Im April hast du die besten Bedingungen für Schneemobile, Hundeschlitten und die Erkundung von Gletscherhöhlen – rechne also damit, dass Hotels und Ausflüge lange im Voraus ausgebucht sind.

Wenn dich eher Bootsausflüge, das Beobachten von Walen und Walrossen oder lange Wanderungen reizen, musst du in der Sommersaison aufbrechen. Die Mitternachtssonne scheint hier nonstop vom 20. April bis zum 23. August, du hast also volle 24 Stunden am Tag zum Entdecken. Die Sommermonate Juni bis August bieten erträglichere Temperaturen um fünf bis acht Grad über null, aber rechne damit, dass tauender Schnee und Permafrost die Tundra in ziemlich matschiges Gelände verwandeln. Vergiss deshalb nicht, wirklich gute wasserdichte Schuhe zum Durchwaten der Bäche und eine gute Schlafmaske einzupacken, denn der Körper ist von der ständigen Sonne nach ein paar Tagen unglaublich erschöpft.

Der goldene Mittelweg kann der Übergang von August zu September sein, denn in dieser Zeit kehrt die Dunkelheit langsam zurück und die Tundra färbt sich in wunderbaren Herbsttönen. Die Boote fahren noch, das Gelände ist nach dem Sommer am trockensten und es sind spürbar weniger Touristen unterwegs, sodass du die arktische Natur in viel größerer Ruhe genießen kannst.

Wo du in Longyearbyen übernachten kannst

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unsere Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Die Hauptstadt Longyearbyen ist recht klein und die allermeisten Unterkünfte befinden sich entweder direkt im Zentrum oder im nahen, ruhigeren Viertel Nybyen. Ein riesiger Vorteil ist, dass der Flughafenbus an allen wichtigen Hotels und Pensionen hält, sodass du nach der Landung keine komplizierten Transfers mit dem Koffer durch den Schnee organisieren musst. Das Rückfahrticket kostet 170 norwegische Kronen (rund 15 €) und der Bus ist immer zuverlässig auf alle An- und Abflüge abgestimmt. Warte mit der Buchung deiner Unterkunft aber wirklich nicht zu lange: Im April sind Hotels und Guesthouses schlicht über Nacht ausgebucht.

Wenn du die preisgünstigste Variante suchst, empfehlen Reisende sehr oft das Gjestehuset 102 im Viertel Nybyen. Es ist ein einfaches, aber sauberes Guesthouse mit ausgezeichnetem Frühstück, wo du ein Bett im Mehrbettzimmer ab etwa 60 € pro Nacht bekommst. Bis ins Zentrum sind es von hier rund dreißig Minuten zu Fuß, was zwar problemlos machbar ist, im Winter aber bei Schneesturm durchaus abenteuerlich werden kann. Gleich nebenan findest du die sehr beliebten Coal Miners‘ Cabins (ab 120 € pro Nacht), die in sorgfältig renovierten historischen Hütten der einstigen Bergarbeiter untergebracht sind und eine wirklich wunderschöne, authentische Atmosphäre bieten.

Für alle, die mehr Komfort direkt im Stadtzentrum suchen, ist das Basecamp Hotel (ab 450 € pro Nacht) eine absolut großartige Wahl, das dich auf den ersten Blick mit seinem luxuriösen Trapper-Design aus massivem Holz und Robbenfellen verzaubert. Sehr beliebt ist auch das moderne Radisson Blu Polar Hotel Spitsbergen (ab 290 € pro Nacht), das strategisch nur einen Katzensprung vom Hauptsupermarkt entfernt liegt – nach einem ganzen Tag in der Kälte wirst du seine luxuriösen Außen-Whirlpools zu schätzen wissen. Wenn du etwas wirklich Ungewöhnliches suchst, probier das Mary-Ann’s Polarrigg (ab 160 € pro Nacht), eine unglaublich eigenwillige Pension in einer ehemaligen Bergarbeiterunterkunft mit einem absolut einzigartigen Restaurant. Wer sich echten Boutique-Luxus gönnen will und einen kleinen Anstieg nicht scheut, dem empfehle ich wärmstens das elegante Funken Lodge, das mit einer fantastischen Küche und einem tollen Blick über das ganze verschneite Tal glänzt.

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Spitzbergen in Norwegen: 15 Tipps, was du sehen und erleben solltest

Ob du dich für ein verschneites Wintermärchen entscheidest oder für die sommerliche Erkundung grüner Fjorde – Spitzbergen hat definitiv zu jeder Jahreszeit etwas zu bieten. Hier sind meine fünfzehn Tipps – von den Pflichtprogrammen bis zu ein paar verborgenen Schätzen, auf die du nur stößt, wenn du weißt, wo du suchen musst.

1. Saug die Atmosphäre von Longyearbyen auf

Die nördlichste Stadt der Welt mit regelmäßigem Flugverkehr ist selbst ein faszinierender Ort, den du an einem einzigen Nachmittag zu Fuß erkundest. Hier leben rund zweieinhalbtausend Menschen aus mehr als fünfzig Ländern, was inmitten der eisigen Wildnis eine unglaublich kosmopolitische und freundliche Gemeinschaft schafft. Spaziere zwischen den kunterbunten Holzhäusern, die scharf mit der rauen arktischen Landschaft kontrastieren, und vergiss nicht, dich am berühmten Verkehrsschild mit dem Eisbären zu fotografieren, das mit dem Schriftzug „Gjelder hele Svalbard“ warnt, dass die Gefahr für das gesamte Archipel gilt. Das Schild findest du gleich am Ortsausgang Richtung Adventdalen-Tal – dahinter darf man ohne Waffe nicht mehr.

Eine Besonderheit der Stadt ist der starke Bezug zur Bergbauvergangenheit, der sich in einem für Touristen sehr überraschenden Brauch zeigt. Praktisch überall zieht man hier die Schuhe aus, und zwar nicht nur in deinem Hotel, sondern auch im Museum, an der Universität oder im Touristeninformationszentrum. Dieser Brauch entstand in Zeiten, als Bergleute auf ihren Sohlen den allgegenwärtigen Kohlenstaub trugen, und wird bis heute strikt eingehalten – pack dir also unbedingt warme Wollsocken in den Koffer. Im Kontrast zu dieser häuslichen Gemütlichkeit stehen dann die allgegenwärtigen Gewehre, für die du vor dem örtlichen Supermarkt und der Bank spezielle abschließbare Schließfächer findest.

💡 Tipp: Eine weitere absolute Kuriosität ist die Tatsache, dass es auf den Inseln offiziell verboten ist, zu sterben und geboren zu werden. Wegen des Permafrosts, der Leichname wieder an die Oberfläche drücken würde, nimmt der Friedhof seit Jahrzehnten keine neuen Bestattungen mehr an, und schwangere Frauen müssen einige Wochen vor dem Termin zur Entbindung auf das Festland fliegen.

2. Erkunde die arktischen Museen und die nördlichste Kirche

Wenn draußen gerade ein Schneesturm tobt oder du dich nach einem anstrengenden Ausflugstag einfach erholen willst, ist es die ideale Zeit, dich in die Wärme der örtlichen Museen zu flüchten. Das wichtigste ist das wunderschön gestaltete Svalbard Museum, das du direkt im modernen Gebäude des Universitätszentrums gleich am Fjord findest. Die interaktive Ausstellung führt dich durch die komplette Geschichte des Archipels – von den ersten Entdeckern und den rauen Trappern über die Kohleminen bis zur modernen Erforschung des tauenden Permafrosts. Der Eintritt kostet 160 norwegische Kronen (rund 14 €), Kinder bis achtzehn Jahre haben freien Eintritt, und geöffnet ist meist täglich von zehn bis siebzehn Uhr.

Das zweite Juwel für Geschichtsliebhaber ist das North Pole Expedition Museum, das sich detailliert den faszinierenden und oft tragischen Versuchen widmet, den Nordpol zu erobern. Du erfährst hier absolut alles über die riesigen Luftschiffe Norge und Italia, mit denen Roald Amundsen und Umberto Nobile versuchten, über die Eisflächen zu fliegen. Der Eintritt kostet hier rund hundert norwegische Kronen, und beide Museen zusammen füllen dir angenehm einen halben Tag.

💡 Tipp: Bei deinem Stadtspaziergang solltest du auf keinen Fall den Besuch der Svalbard Kirke auslassen. Es ist die nördlichste Kirche der Welt überhaupt, die als Gemeindezentrum dient und rund um die Uhr geöffnet ist. Drinnen kannst du dich in Ruhe hinsetzen, aufwärmen und dir sogar kostenlos einen heißen Kaffee oder Tee eingießen.

3. Mach halt am Tresor des Weltuntergangs

Der globale Saatgut-Tresor, weltweit eher bekannt als Svalbard Global Seed Vault, ist zweifellos eines der interessantesten und wichtigsten Projekte unseres Planeten. Dieser riesige Tresor ist 120 Meter tief in den Fels im ewig gefrorenen Boden ein Stück oberhalb des Flughafens getrieben und dient als ultimatives Backup für den Fall einer weltweiten Natur- oder Kriegskatastrophe. Nach Angaben von 2026 befinden sich darin aktuell mehr als 1,4 Millionen Saatgutproben von Nutzpflanzen aus aller Welt, die hier sicher bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt schlummern.

Ins Innere kommst du leider nicht: Der Tresor ist für die Öffentlichkeit strikt geschlossen und hatte in der Vergangenheit zudem Probleme mit eindringendem Wasser aus tauendem Permafrost, weshalb der gesamte Eingangstunnel abgedichtet wurde. Rund um das Portal führt aber eine normale Straße, und das ikonische Betonbauwerk mit der türkisfarben leuchtenden Lichtinstallation auf dem Dach ist jeden Schritt wert.

💡 Tipp: Zu Fuß ist es vom Stadtzentrum ziemlich weit und bergauf. Zum Tresor bringt dich aber bequem die meisten Stadtrundfahrten, zum Beispiel die sehr beliebte Minibus-Tour von Kalo Sightseeing, die für 385 norwegische Kronen eine tolle zweistündige Einführung in die Geheimnisse von Longyearbyen bietet.

4. Steig hinab ins Innere einer Gletscherhöhle

Das ist laut vielen begeisterten Reisenden aus den Foren der absolute Höhepunkt eines Winterbesuchs auf Spitzbergen und ein unvergessliches Erlebnis. Während der kurzen sommerlichen Schmelze gräbt das Wasser tiefe Kanäle in die Gletscher, die im Winter wieder gefrieren und faszinierende funkelnde Höhlen voller blauem Eis bilden. Diese beliebten Ausflüge werden typischerweise von Ende Januar bis Mitte Mai veranstaltet und führen meist zum nahen Gletscher Longyearbreen, der sich majestätisch im Tal kurz hinter der Stadt erhebt.

Der Weg zur Höhle selbst ist schon ein Abenteuer für sich, denn dorthin bringt dich ein spezielles Kettenfahrzeug namens Snowcat. Am Eingang zum Gletscher bekommst du dann einen Helm mit Stirnlampe und zwängst dich mit deinem Guide durch enge Eiskorridore, die in allen möglichen Blau- und Weißtönen schimmern. Manche Passagen erfordern ein wenig Kriechen und Rutschen, aber mit durchschnittlicher Fitness schafft das jeder. Der dreistündige Ausflug mit einer Agentur wie Snowfox Travel kostet rund 1.300 norwegische Kronen (etwa 115 €), und der Anblick des tausende Jahre alten Eises ist definitiv jeden Cent wert.

5. Erlebe die Stille auf dem Hundeschlitten

Während Schneemobile enormen Lärm machen und nach Benzin stinken, bietet dir die Fahrt auf einem von einem begeisterten Husky-Rudel gezogenen Schlitten ein Erlebnis der arktischen Natur, wie du es weder aus der Schneemobilkabine noch vom Deck eines Bootes hast: in absoluter Stille, nur du und das Rudel. Hundeschlitten gehören zu den beliebtesten Winteraktivitäten, und du hast die Wahl von kürzeren dreistündigen Ausfahrten ins Adventdalen-Tal bis zu mehrtägigen anspruchsvollen Expeditionen. Reisende loben in den Foren besonders den Umgang der örtlichen Familienfarmen wie Green Dog Svalbard oder Arctic Husky Travellers, wo man auf den ersten Blick sieht, dass die Hunde für die Besitzer echte Partner sind und die Tiere erstklassig versorgt werden. Ein Halbtagesausflug kostet dich rund zwei- bis dreitausend norwegische Kronen.

Die gute Nachricht ist, dass du dieses authentische Erlebnis auch dann nicht verpasst, wenn du in den Sommermonaten ohne Schnee unterwegs bist. Die Betreiber spannen die Hunde im Sommer nämlich vor spezielle Wagen mit Rädern, was für die Tiere ein tolles Sommertraining und für dich ein nicht minder aufregendes Abenteuer ist. Die Hunde lieben den Winter und das Laufen geradezu, und ihr lautes, begeistertes Bellen vor dem Start lädt dich sofort mit Energie auf. Es ist zudem eine der wenigen Outdoor-Aktivitäten, die auch während der tiefen Polarnacht enormen Sinn macht, wenn du gegen Mittag die umliegenden verschneiten Hügel wenigstens ein bisschen erkennen kannst.

6. Fahr mit dem Schneemobil zum Gletscher

In Longyearbyen sind etwas mehr Schneemobile registriert als die Stadt Einwohner hat, und in den Wintermonaten sind sie für die Einheimischen das wichtigste Fortbewegungsmittel. Der beliebteste Ganztagesausflug bringt dich zum zugefrorenen Fjord Tempelfjorden, wo sich nach einigen Dutzend Kilometern die atemberaubende Eiswand des Tunabreen-Gletschers vor dir auftut. Diese Ausflüge sind eine absolut ideale Wahl für die erste Bekanntschaft mit dem Steuern eines Schneemobils und werden zum Beispiel von Hurtigruten Svalbard angeboten, das seit Kurzem sogar leise elektrische Schneemobile im Programm hat.

Für erfahrenere und mutigere Reisende bietet sich die lange Fahrt an die abgelegene Ostküste an, wo du eine viel größere Chance hast, in der Ferne den König der Arktis zu erspähen. Rechne aber damit, dass du locker acht Stunden am Stück auf dem Schneemobil verbringst und die arktische Kälte in Kombination mit der Fahrgeschwindigkeit trotz geliehenem Overall wirklich unerbittlich sein kann. Seit 2025 gilt zudem ein striktes Verbot, nach dem ersten März mit Schneemobilen auf das Meereis in den geschützten Fjorden zu fahren, damit Touristen die auf Robbenjagd befindlichen Bären nicht stören.

💡 Tipp: Der Ausflug zum Tempelfjorden kostet für Fahrer rund 3.500 norwegische Kronen (etwa 310 €). Wenn du aber keine Fahrerfahrung hast oder sparen willst, hab keine Scheu, dich als Mitfahrer anzumelden – der zahlt meist nur rund 2.100 norwegische Kronen und kann die ganze Fahrt über in Ruhe die vorbeiziehende Landschaft genießen.

7. Fahr mit dem Boot durch den eisigen Fjord

In der Sommersaison von Mitte Mai bis Oktober taut der Schnee und das Hauptgeschehen verlagert sich vom Festland aufs Wasser. Der Isfjorden ist ein riesiges Fjordsystem, das dank des Einflusses des warmen Golfstroms den Großteil des Jahres ohne festes Eis bleibt. Eine der angenehmsten und umweltfreundlichsten Möglichkeiten, ihn zu erkunden, sind Fahrten mit den modernen Hybrid-Elektrobooten von Brim Explorer, die einen absolut leisen Betrieb und riesige Panoramafenster bieten. Eine vierstündige Fahrt kostet rund 2.295 norwegische Kronen und bringt dich zu wunderschönen Vogelfelsen.

Während der Fahrt kommst du in unmittelbare Nähe majestätischer Gletscherfronten, von denen mit tosendem Getöse riesige Stücke blauen Eises direkt ins Meer brechen. An Bord herrscht toller Komfort, du kannst dir im warmen Salon einen heißen Kaffee oder Tee gönnen und nur dann aufs offene Deck laufen, wenn etwas Interessantes zum Fotografieren auftaucht. Beachte aber, dass seit 2025 neue Schutzregeln in Kraft sind, nach denen in die geschützten Nationalparks keine Boote mit einer Kapazität über 200 Passagieren fahren dürfen und der Kapitän einen verpflichtenden Abstand zu Eisbären von ganzen 300 bis 500 Metern einhalten muss.

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8. Entdecke die sowjetische Geisterstadt Pyramiden

Der Besuch der Siedlung Pyramiden ist wie eine faszinierende Zeitreise in die Tiefen der Sowjetunion. Dieser einstige Bergbaustolz, bis heute von der russischen Staatsgesellschaft Trust Arktikugol verwaltet, wurde 1998 komplett verlassen, nur zwei Jahre nach dem tragischen Flugzeugabsturz, bei dem 141 Einheimische ums Leben kamen. Dank der arktischen Kälte blieb die Siedlung perfekt konserviert, und heute leben hier nur noch etwa zehn bis zwanzig Menschen, die sich um den Erhalt kümmern. Du kommst im Sommer per Boot im Rahmen eines Ganztagesausflugs für rund 2.800 norwegische Kronen hierher.

Beim Spaziergang zwischen den leeren Plattenbauten weht dich eine wirklich seltsame, leicht frostige Atmosphäre an. Zu sehen sind hier ein überraschend gut erhaltenes Kulturhaus, ein altes Schwimmbad, leere Kantinen und auch die nördlichste Lenin-Statue der Welt überhaupt, die vom Platz auf den majestätischen Gletscher Nordenskiöldbreen herabblickt. Weil es sich um ein verlassenes Gebiet ohne ständige Bärenwachen handelt und Bären hier ab und zu direkt zwischen den Häusern durchziehen, findet der Stadtrundgang strikt in einer dichten Gruppe mit bewaffnetem Guide statt – und du darfst dich keinen Schritt von der Gruppe entfernen. Ehrlich gesagt bedauert das an einem Ort, wo Bären direkt zwischen den Häusern durchgehen, aber auch niemand wirklich.

9. Wirf einen Blick ins russische Barentsburg

Anders als Pyramiden ist Barentsburg noch eine aktive Bergbausiedlung, in der rund vierhundert russische und ukrainische Bergleute leben und in der jährlich noch immer rund hunderttausend Tonnen Kohle gefördert werden. Die meisten Gebäude stammen aus den Siebziger- und Achtzigerjahren, und du findest hier eine funktionierende Schule, eine orthodoxe Kapelle und die einzigartige Brauerei Roter Bär (Krasnyj Medwed), wo unter arktischen Bedingungen lokales Bier gebraut wird. Nach Barentsburg fährt man üblicherweise per Boot im Rahmen von Halbtagesausflügen oder im Winter mit dem Schneemobil.

Man muss aber den schwierigen aktuellen politischen Kontext erwähnen, der die Besuchsmöglichkeiten beeinflusst. Nach der Invasion in die Ukraine rief die örtliche norwegische Tourismuszentrale Visit Svalbard zum Boykott der russischen Staatsgesellschaft Trust Arktikugol auf, die Barentsburg und Pyramiden betreibt. Aus diesem Grund bieten die meisten norwegischen Boote, wie zum Beispiel Polar Charter, für rund 2.300 norwegische Kronen nur eine Fahrt in den Fjord mit Blick auf die Stadt und sogenanntes „Window Shopping“ an. Alternativ kannst du durch die Siedlung spazieren, ohne dort auch nur einen Cent für Dienstleistungen auszugeben und damit den russischen Staatsbetrieb zu unterstützen.

10. Geh auf eine Wanderung mit bewaffnetem Guide

Spitzbergen bietet wunderbare Möglichkeiten zum Wandern, aber wie du aus der Einleitung schon weißt, darfst du außerhalb der Stadt hinter dem Bärenschild keinen einzigen Schritt ohne geladenes Gewehr machen. Für individuelle Ausflüge außerhalb der sogenannten Zone 10 brauchst du sogar eine spezielle Versicherung und eine Genehmigung des Gouverneurs. Die örtlichen Agenturen veranstalten deshalb tolle organisierte Wanderungen auf die umliegenden Gipfel, die du auch mit durchschnittlicher Kondition sicher schaffst, und der Guide kümmert sich um die gesamte Sicherheit. Sehr beliebt ist der Aufstieg auf den Berg Trollsteinen oder den Sarkofagen, von dem du einen fantastischen Blick auf zwei benachbarte Gletscher hast.

Eine kürzere und einfachere Variante ist die Abendwanderung auf den Tafelberg Platåberget direkt oberhalb von Longyearbyen, die zum Beispiel Svalbard Wildlife Expeditions für 870 norwegische Kronen (rund 75 €) anbietet und die Reisende sehr loben. Die Guides kümmern sich unterwegs nicht nur um deine Sicherheit, sondern erzählen auch faszinierende Geschichten über Geologie, Kohleabbau und die arktische Fauna.

💡 Tipp: Wenn du auf eine Sommerwanderung aufbrichst, stell dich darauf ein, dass der aufgetaute Permafrost die Landschaft in einen riesigen Schwamm verwandelt. Du watest durch Schlamm und überquerst eisige Bäche, absolute Pflicht sind also hohe und hundertprozentig wasserdichte Wanderstiefel, sonst hast du nach fünf Minuten komplett nasse Füße.

11. Beobachte die einzigartige arktische Fauna

Auch wenn du einen Eisbären nicht einfach so aus der Nähe erspähst, gibt es hier eine riesige Menge an Tieren zu sehen, und die arktische Natur ist überraschend lebendig. Praktisch überall in der Umgebung der Stadt triffst du auf niedliche Spitzbergen-Rentiere, von denen auf den Inseln über zweiundzwanzigtausend leben. Sie haben durch die Anpassung an den Winter überraschend kurze Beine und einen tonnenförmigen Körper, sodass sie eher an ein zotteliges Pony erinnern als an ein majestätisches nordisches Tier. Sie haben keinen natürlichen Feind und fürchten sich daher überhaupt nicht vor Menschen und lassen dich auf ein paar Meter herankommen – bitte stress sie aber nicht unnötig mit Nahaufnahmen.

Rund um die Vogelfelsen, wie das berühmte Gebiet Alkefjellet, streifen oft flinke Polarfüchse in blauer und weißer Fellvariante umher, die im Sommer nach heruntergefallenen Eiern suchen. In den Fjorden kannst du dann vom Boot aus regelmäßig riesige Walrosse sehen, die an den Stränden ruhen, zum Beispiel am beliebten Halt Poolepynten. Denk aber daran, dass seit 2025 strenge Regeln gelten und Boote einen Mindestabstand von 150 Metern zu Walross-Kolonien einhalten müssen. Und falls du direkt auf einen Ausflug zu den Bären aufbrechen möchtest, sei dir bewusst, dass es hier offiziell keine kommerziellen „Polar Bear Tours“ gibt, denn das aktive Aufspüren von Bären ist streng verboten und wird mit einer Geldstrafe geahndet.

12. Feiere die Rückkehr der Sonne beim Solfest

Das Ende der Polarnacht ist auf Spitzbergen ein absolut zentrales Ereignis des Jahres, auf das sich alle Einwohner nach langen Monaten absoluter Dunkelheit unglaublich freuen. Die Sonne steigt zwar schon Mitte Februar über den Horizont, aber wegen der hohen Berge, die Longyearbyen von allen Seiten umschließen, fallen die ersten Strahlen erst am 8. März direkt in die Stadt. Dieser Tag wird mit dem großartigen Festival Solfest gefeiert, bei dem sich die gesamte Gemeinschaft auf den Stufen des alten Krankenhauses versammelt und mit riesiger Begeisterung die Sonne zurückbegrüßt. Gerade die Zeit kurz vor diesem Datum, die sogenannte blaue Stunde, gilt als fotografisch dankbarster Teil des Jahres.

Ab dem 20. April geht die Sonne dann gar nicht mehr unter und es beginnt die Zeit der Mitternachtssonne, die ununterbrochen bis zum 23. August dauert. Das ist eine enorme Belastung für den Biorhythmus, denn um drei Uhr morgens scheint draußen die Sonne mit exakt derselben Intensität wie um drei Uhr nachmittags, was den Körper verwirrt. Wenn du im Sommer hierher aufbrichst, empfehle ich dir unbedingt, eine wirklich gute Schlafmaske in den Koffer zu packen. Viele Reisende berichten in den Foren, dass sie nach einer Woche ständigen Sonnenscheins völlig erschöpft waren, weil sie im durchleuchteten Hotelzimmer einfach nicht richtig schlafen konnten.

13. Umrunde das Archipel auf einem Expeditionsschiff

Wenn du ein großzügigeres Budget zur Verfügung hast und das absolut Beste der wilden Arktis sehen willst, ist eine mehrtägige Expeditionsfahrt schlicht eine andere Liga – und preislich entspricht das leider auch. Traditionell fährt man an die Westküste zum Magdalenefjord, oder man unternimmt im Juli und August, wenn das Eis an der Ostküste getaut ist, eine komplette Umrundung des gesamten Archipels. Eine solche zehn- bis vierzehntägige Fahrt kostet dich rund 7.000 bis 12.000 € (grob gerechnet). Auf kleineren Schiffen kommst du an Orte, wo sonst kein Touristenfuß hintritt, und gerade von hier hast du die bei Weitem größte Chance auf eine sichere Beobachtung von Eisbären, die auf den Eisschollen jagen.

Widme aber den neuen Regeln, die seit Anfang 2025 gelten, enorme Aufmerksamkeit. Norwegen hat den Naturschutz nämlich radikal verschärft, sodass in Schutzgebiete und Nationalparks nur Schiffe mit einer Kapazität von bis zu 200 Passagieren einfahren dürfen. Die Anlandung über Zodiac-Schlauchboote ist zudem nur an 43 vorab ausgewählten Stellen erlaubt statt an den ursprünglich hunderten Orten. An Bord und an Land gilt außerdem neu ein absolutes Verbot für Drohnenflüge, vergiss also die beliebten Luftaufnahmen der Gletscher gleich ganz – die Strafen für Verstöße sind astronomisch.

14. Lass dich nicht vom Mythos über das Polarlicht täuschen

Viele Reisende kaufen teure Flugtickets nach Spitzbergen mitten im tiefen Winter in der Annahme, hier das beste und leuchtendste Polarlicht der Welt zu sehen. Die Wahrheit ist für viele aber hart: Svalbard liegt paradoxerweise zu weit nördlich und befindet sich oft außerhalb des sogenannten Aurora-Ovals, das sich weiter südlich über das skandinavische Festland zieht. Örtliche Guides und erfahrene Reisende in den Foren sind sich einig: Wenn dein Hauptziel die tanzende Aurora borealis ist, machst du es viel besser, wenn du aufs norwegische Festland nach Tromsø oder auf die Lofoten fährst.

Svalbard hat aber trotzdem eine riesige Rarität, die du nirgendwo sonst auf der Welt erlebst. Da während der Polarnacht von November bis Ende Januar auch tagsüber völlige Dunkelheit herrscht, ist es der einzige bewohnte Ort der Erde, wo du das Polarlicht problemlos um zwölf Uhr mittags beobachten kannst. Man nennt das „Daytime Aurora“, und sie soll einen leicht anderen Farbton haben als die nächtliche. Wenn dir im dunklen Winter abends das Programm fehlt, empfehle ich sehr den Besuch der Blockhütte Camp Barentz kurz hinter der Stadt, wo du für rund 1.545 norwegische Kronen am Feuer ein tolles warmes Abendessen und einen packenden Vortrag über das Leben der Eisbären bekommst.

15. Entdecke die erstklassige arktische Gastronomie und die Brauerei

Dafür, wie klein und extrem abgelegen Longyearbyen ist, bietet es eine überraschend fantastische Gastroszene, die es mit großen europäischen Städten aufnehmen kann. Frische Zutaten per Flugzeug zu importieren ist zwar extrem teuer, aber die örtlichen Köche zaubern damit wahre Wunder. Für einen besonderen Abend zieh es ins Kultrestaurant Huset, das erstklassiges Fine Dining bietet und mit einem unglaublichen Weinkeller mit über 15.000 Flaschen glänzt, was ihn zu einem der größten Keller in ganz Skandinavien macht. Eine örtliche Rarität ist auch die nördlichste Brauerei der Welt, Svalbard Bryggeri, wo du eine Führung machen und Bier probieren kannst, das aus dem Wasser eines alten Gletschers gebraut wird.

Für ein entspanntes Mittag- oder Abendessen eignet sich dann das legendäre Restaurant Kroa hervorragend, wo es ausgezeichnete Pizza gibt (rechne mit einem Preis um 25 €), oder der moderne Gastropub Svalbar, der für seine ehrlichen Burger berühmt ist. Ausgezeichneten Kaffee und Schokoladenpralinen findest du dann im nördlichsten Café der Welt, Fruene. Wer kein Fleisch isst, sollte wissen, dass man hier ganz problemlos zurechtkommt – ein tolles vegetarisches Menü bietet zum Beispiel das Restaurant in der Funken Lodge. Die auf den Karten beschriebenen einheimischen Fleischspezialitäten drehen sich nämlich ausschließlich um Rentier, Wal und Robbe, was definitiv nicht für jeden ist.

💡 Tipp: Alkohol wird auf den Inseln als zollfreie Zone verkauft, ist also günstiger als auf dem norwegischen Festland, aber sein Kauf hat seine sehr strengen historischen Regeln. Die Einheimischen haben monatliche Quoten, und du als Tourist musst an der Kasse im Geschäft Nordpolet verpflichtend deine Bordkarte oder dein Rückflugticket vorzeigen, sonst verkauft man dir nicht einmal ein einziges Bier oder einen Wein.

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Wohin von Spitzbergen aus weiter

Dein arktisches Abenteuer muss hier definitiv nicht enden. Die Flugverbindung über das norwegische Festland bietet eine tolle Gelegenheit, den Besuch des eisigen Archipels mit weiteren nordischen Schönheiten zu verbinden.

Häufig gestellte Fragen

Die Planung einer Reise hinter den Polarkreis bringt eine Menge Besonderheiten mit sich, mit denen du dich bei einem gewöhnlichen Urlaub in Europa nicht befassen musst. Ich habe deshalb die häufigsten Fragen ausgewählt, die mich zu Spitzbergen erreichen, und klare Antworten darauf vorbereitet, damit dich vor der Reise nichts überrascht.

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