Das kanadische Okanagan Tal ist ein Ort, an den wohl kaum jemand denkt, wenn von Westkanada die Rede ist. Die meisten Menschen stellen sich sofort schneebedeckte Gipfel der Rocky Mountains vor, Bären und türkisblaue Gletscherseen. Doch dann überquert man die Berge Richtung Westen und plötzlich verändert sich die Landschaft dramatisch. Die Luft wird wärmer, die Kiefern weichen Obstgärten voller Pfirsiche und Kirschen, und überall, wohin man blickt, sieht man Reihen von Weinreben, die direkt bis zum dunkelblauen Wasser eines riesigen Sees hinabreichen. Beim ersten Mal dachte ich, ich träume. Willkommen in Okanagan, Kanada – willkommen im Okanagan Tal.
Dieser Winkel von British Columbia ist schlichtweg ein Paradies auf Erden, und ehrlich gesagt überrascht es mich, dass europäische Touristen ihn auf ihren Roadtrips oft komplett auslassen. Als wir 2016 und 2017 in Calgary gearbeitet haben, sind wir gleich beim ersten kleinen Roadtrip hierher gefahren. Für die Kanadier ist es nämlich ein beliebtes Urlaubsziel. Jeder Besuch war völlig anders, aber eines hatten sie gemeinsam: Man genießt hier immer fantastisches Essen, erstklassigen Wein und das Baden in Seen, die im Sommer eher mediterrane Temperaturen haben.
Also kommt mit, ich nehme euch mit auf einen kleinen praktischen Reiseführer. Ich zeige euch Weingüter, für die sich ein Stopp lohnt, Strände, an denen wir ganze Nachmittage verbracht haben, und wir besprechen auch Problem Nummer eins: Wer setzt sich nach den Verkostungen ans Steuer? 😅

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Wo es liegt und wie man hinkommt: Das Okanagan Valley liegt im südlichen Teil von British Columbia, etwa 4 Stunden Fahrt von Vancouver oder 7 Stunden von Calgary entfernt. Um die Region zu erkunden, braucht ihr unbedingt einen Mietwagen.
- Beste Basis: Kelowna ist die größte und lebendigste Stadt mit der besten Infrastruktur, während das südlicher gelegene Penticton ruhiger ist und eine herrliche Strandatmosphäre bietet.
- Hauptattraktionen: Weinverkostungen (es gibt hier über 180 Weingüter), Baden in warmen Seen, Bauernmärkte mit frischem Obst und Radfahren auf der alten Bahntrasse durch den Myra Canyon.
- Achtung beim Fahren: Kanada hat kompromisslose Gesetze gegen Alkohol am Steuer, und Uber funktioniert hier außerhalb von Kelowna kaum. Bucht für die Weintouren immer eine organisierte Tour oder eine Limousine mit Fahrer.
- Preise: Okanagan ist kein gerade günstiges Reiseziel, besonders in der Sommersaison zahlt ihr für Unterkunft und Verkostungen kräftig drauf.

Wann hinfahren und wie man hinkommt
Wenn ihr einen Urlaub plant, bei dem ihr Wein auf sonnenüberfluteten Terrassen genießen und baden möchtet, ist die beste Reisezeit eindeutig von Juni bis September. Ihr müsst euch aber darauf einstellen, dass es im Juli und August hier wirklich extrem heiß werden kann. Die Sommertemperaturen klettern hier regelmäßig über 35 Grad, und ganz im Süden in Osoyoos, wo sich die kanadische Halbwüste befindet, ist es noch ein Stück wärmer. Wir sind am liebsten Ende August oder Anfang September hergekommen, wenn die drückende Hitze schon nachließ, die Weinlese begann und das beste Obst reif wurde.

Was die Anreise betrifft, kommt ihr hier ohne Auto schlichtweg nicht aus. Wenn ihr aus Deutschland nach Kanada fliegt, landet ihr meist mit Lufthansa oder Air Canada in Vancouver, von wo aus es eine malerische vierstündige Fahrt nach Kelowna ist, oder in Calgary. Die Fahrt von Calgary dauert etwa sieben Stunden und führt durch wunderschöne Nationalparks. Wir haben mit Lukáš seit Jahren gute Erfahrungen mit RentalCars gemacht, die wir überall auf der Welt nutzen, um die besten Angebote der Mietwagenfirmen zu vergleichen. Günstige Flüge findet ihr klassisch über Skyscanner – unser Lieblingsportal für die Flugsuche.
Wo übernachten und was kostet ein Urlaub im Okanagan
Ich muss euch gleich zu Beginn etwas warnen, denn das Okanagan Tal gilt in Kanada als Premium-Sommerziel und die Preise entsprechen dem leider auch. Während man außerhalb der Saison ganz vernünftige Angebote findet, schießen die Übernachtungspreise im Juli und August steil nach oben, und die besten Hotels sind oft schon Monate im Voraus ausgebucht.
Überlegt euch immer gut, wo ihr übernachtet, denn die Entfernungen rund um die Seen sind größer, als sie auf der Karte erscheinen. Von Kelowna nach Osoyoos sind es mit dem Auto locker über zwei Stunden. Wir haben mit unseren kanadischen Freunden oft in Kelowna gewohnt, weil es dort die meisten Restaurants gibt und abends richtig was los ist. Mit Lukáš im Van haben wir dagegen die ruhigeren Campingplätze weiter südlich bei Penticton bevorzugt.
Für ein Doppelzimmer in einem schönen Hotel mit Pool zahlt ihr in der Sommersaison durchschnittlich 250 bis 450 CAD pro Nacht (etwa 170 bis 300 €). Campingplätze sind natürlich günstiger, sie liegen bei rund 40 bis 60 CAD pro Nacht (etwa 27 bis 40 €), aber ihr müsst sie in der Sekunde reservieren, in der im Frühjahr das Buchungssystem öffnet, sonst habt ihr keine Chance. Verkostungen auf den Weingütern kosten meist zwischen 15 und 30 CAD (etwa 10 bis 20 €), aber wenn ihr danach eine Flasche Wein kauft, wird euch die Verkostungsgebühr oft von der Rechnung abgezogen.
Wo übernachten
Wählt eure Basis danach aus, welchen Vibe ihr euch vom Urlaub erhofft. Hier sind die Gegenden, in denen sich eine Übernachtung am meisten lohnt.
- Kelowna: Zentrum des ganzen Geschehens. Ideal für alle, die erstklassige Restaurants, die Seepromenade und die bekanntesten großen Weingüter in Reichweite haben wollen. Eine schöne und sehr luxuriöse Unterkunft findet ihr im Delta Hotels by Marriott Grand Okanagan Resort direkt am See.
- Penticton: Der ideale Kompromiss. Die Stadt liegt genau zwischen zwei Seen, hat eine viel entspanntere Surfer-Atmosphäre als Kelowna, und mit dem Rad erreicht ihr von hier die legendäre Naramata Bench.
- Osoyoos: Die südlichste Spitze des Tals für Liebhaber absoluter Hitze und Rotweins. Es sieht hier ein bisschen aus wie in Mexiko und das Wasser im See ist im Sommer warm wie Kaffee. Einen fantastischen Blick auf die Weinberge bietet das Spirit Ridge Resort.
Okanagan: 13 Tipps, was man im kanadischen Napa Valley sehen und tun kann
Das Tal bietet eine unglaubliche Fülle an Erlebnissen, und es geht bei Weitem nicht nur ums Weintrinken. Werfen wir gemeinsam einen Blick auf die besten Tipps, was ihr tun könnt – egal ob ihr aktive Erholung auf dem Rad sucht, im erfrischenden Wasser baden wollt oder einfach nur die schönsten Aussichten mit einer Flasche kühlem Chardonnay in der Hand entdecken möchtet.
1. Kelowna und das Kultweingut Mission Hill
Kelowna ist im Grunde die Hauptstadt des gesamten Tals und ihr solltet sie auf keinen Fall verpassen. Fahrt ins Zentrum zur Promenade Waterfront Park, wo ihr am Ufer des Sees entlangspazieren, ein riesiges Eis kaufen und die Boote beobachten könnt. Die Stadt hat eine sehr angenehme, fast kurortartige Atmosphäre voller kleiner Cafés und ausgezeichneter Bistros.

Wenn ihr aber einen echten Wow-Effekt erleben wollt, müsst ihr ein Stück aus der Stadt heraus zum Weingut Mission Hill Family Estate am Westufer fahren. Es sieht dort aus wie irgendwo in der Toskana, mit einem riesigen Glockenturm, und die Architektur ist schlichtweg atemberaubend. Ehrlich gesagt sind ihre Weine nicht gerade die günstigsten, und für eine Verkostung müsst ihr unbedingt im Voraus reservieren, aber der Blick von ihrer Terrasse auf den See direkt bei Kelowna ist es absolut wert – selbst wenn ihr nur ein einziges Glas trinkt.
2. Das Rätsel des Okanagan Lake und das Ungeheuer Ogopogo
Der Okanagan Lake ist eine absolut riesige Wasserfläche, unfassbare 135 Kilometer lang und an der tiefsten Stelle über 230 Meter tief. Er ist die Lebensader des gesamten Tals, und egal wo ihr untergebracht seid, am Ende kehrt ihr immer zu ihm zurück. Ihr könnt euch hier Paddleboards und Tretboote ausleihen oder ein Motorboot mieten und die kleinen, einsamen Buchten erkunden, von denen es entlang der Ufer unzählige gibt.

Der See hat aber auch eine riesige Kuriosität, die die Kanadier absolut lieben. Einer alten indigenen Legende nach lebt in seinen Tiefen die Okanagan Lake Seeschlange namens Ogopogo. Es ist sozusagen die kanadische Version des Ungeheuers von Loch Ness. Natürlich ist es eher eine schmunzelnde Folklore-Angelegenheit, in der Stadt findet ihr Ogopogo-Statuen, könnt Plüschtiere und T-Shirts kaufen, aber ich muss sagen, als wir abends am Strand saßen und auf die dunkle Wasseroberfläche blickten, hat uns die mystische Atmosphäre des Ortes durchaus beeindruckt. 😅
3. Naramata Bench mit dem Rad
Wenn ihr mich fragt, was das absolut beste war, das wir im Okanagan gemacht haben, sage ich ohne zu zögern: Naramata Bench. Es handelt sich um ein erhöhtes Gebiet unweit von Penticton, in dem sich eine unglaubliche Konzentration kleiner Familienweingüter befindet. Die Straße windet sich zwischen den Hügeln, von überall hat man einen fantastischen Blick auf den See und alle paar hundert Meter stößt man auf ein Schild, das zur Verkostung einlädt.

Der absolut beste Weg, Naramata zu erkunden, ist sich in Penticton ein Rad auszuleihen (ruhig auch ein E-Bike, die Hügel können einen manchmal ganz schön fordern) und auf eine Tour zu starten. Vor den Autos müsst ihr keine Angst haben, der Verkehr ist dort sehr rücksichtsvoll, weil alle wissen, dass sich dort weinbegeisterte Touristen bewegen. Macht unbedingt einen Stopp beim Weingut Poplar Grove für die herrlichen Ausblicke und bei der Hillside Winery für das großartige Essen.
4. Sommervibes in Penticton und am Skaha Lake
Wenn ihr von Kelowna ein bisschen weiter nach Süden nach Penticton fahrt, spürt ihr sofort den Stimmungswechsel. Während Kelowna leicht snobistisch und pulsierend ist, ist Penticton die Verkörperung des kanadischen Sommers in Flip-Flops. Die Stadt liegt auf einem schmalen Landstreifen und wird im Norden vom Okanagan Lake umspült, während im Süden der deutlich wärmere Skaha Lake liegt. So könnt ihr vormittags an den einen Strand und nachmittags an den anderen gehen.

Wenn ihr im August herkommt, stoßt ihr vielleicht auf das berühmte Peach Festival. Es ist ein riesiges lokales Ereignis zur Feier der Pfirsichernte mit Konzerten, Umzügen und jeder Menge Essen. Eine spaßige Aktivität ist hier auch das Treiben auf dem örtlichen Bewässerungskanal. Ihr kauft euch einen riesigen aufblasbaren Schwimmring und lasst euch einfach von der Strömung von einem See zum anderen treiben. Es macht riesigen Spaß, vor allem wenn ihr es mit einer Gruppe Freunde unternehmt.
5. Organisierte Weintouren oder: Wer fährt?
Das ist ein absolut zentraler Punkt für jeden, der Wein verkosten möchte. Die kanadischen Gesetze gegen Alkohol am Steuer sind außerordentlich streng, die sogenannte Zero Tolerance ist hier kein leerer Begriff. Die Polizei kontrolliert regelmäßig Autos in der Nähe der Weinregionen, und es ist absolut undenkbar, dass ihr euch zwei Gläschen in der Sonne gönnt und euch dann ans Steuer setzt. Wir haben das mit unseren Freunden so gelöst, dass sich immer einer geopfert hat und uns gefahren hat.

Wenn ihr euch nicht einschränken wollt, ist die beste Lösung, eine organisierte Weintour zu buchen. In Kelowna und Penticton gibt es viele Anbieter, die euch im Hotel mit einem kleinen Bus oder sogar einer Limousine abholen, euch zu drei bis vier vorab vereinbarten Weingütern fahren, die Verkostungen organisieren und euch dann sicher zurückbringen. Früher gab es hier ein riesiges Problem mit dem fehlenden Uber, heute funktioniert er zwar, aber in den abgelegeneren Teilen des Tals bei kleineren Weingütern solltet ihr euch keinesfalls darauf verlassen. Solche Touren findet ihr leicht über GetYourGuide.
6. Osoyoos und die kanadische Halbwüste
Wenn ihr ganz nach Süden fast bis zur amerikanischen Grenze fahrt, erreicht ihr die Stadt Osoyoos. Die Landschaft wechselt hier wieder die Farbe, alles wird gelb, und ihr findet euch plötzlich in der einzigen echten Halbwüste auf kanadischem Boden wieder. Hier wachsen Kakteen, ihr könnt auf Klapperschlangen stoßen, und im Sommer ist es unerträglich heiß – was aber Wunder mit den hiesigen Reben bewirkt, aus denen kräftige Rotweine produziert werden.

Ich empfehle euch unbedingt einen Besuch bei Nk’Mip Cellars, dem ersten indigenen Weingut Nordamerikas, das dem örtlichen Stamm der Osoyoos Indian Band gehört. Neben dem fantastischen Wein könnt ihr hier auch ihr Wüsten-Kulturzentrum besuchen, wo ihr viel Interessantes über die Geschichte dieser einzigartigen Landschaft und die Kultur der Einheimischen erfahrt. Das Wasser im Osoyoos Lake ist das wärmste in ganz Kanada, und das Baden ist hier wirklich wie in einer Badewanne.
7. Kirschen und Bauernstände entlang der Straße
Obwohl das Okanagan vor allem für seinen Wein bekannt ist, ist es auch ein riesiger Obstgarten. Sobald ihr von der Hauptstraße auf die kleineren Landstraßen abbiegt, stoßt ihr immer wieder auf niedliche hölzerne Bauernstände, die frisch vom Baum gepflücktes Obst verkaufen. Die Preise sind nicht viel niedriger als im Supermarkt, aber der Geschmack ist absolut unvergleichlich. Einmal kauften wir an einem Stand ein Kilo Kirschen, und ich dachte mir, dass wir die nie schaffen. Wir haben sie innerhalb einer Stunde alle gegessen, brav im Stehen am Auto.

Etwa von Ende Juni bis Mitte Juli erreicht die Kirschsaison hier ihren Höhepunkt, und später im Sommer kommen die saftigsten Pfirsiche und Aprikosen, die ich je gegessen habe. Viele Farmen bieten auch das sogenannte U-Pick an, bei dem ihr einen Korb bekommt, in den Obstgarten zieht und euch das Obst selbst pflückt – genau das, was euch gefällt – und am Ausgang wird es einfach gewogen und bezahlt. Eine großartige Nachmittagsaktivität.
8. Mit dem Rad auf dem Kettle Valley Rail Trail (KVR)
Für die Tage, an denen euch vom Wein der Kopf schmerzt und ihr euch ein bisschen bewegen müsst, gibt es die absolut phänomenale historische Bahntrasse KVR Trail, die zu einem Radweg umgebaut wurde. Der berühmteste und schönste Abschnitt heißt Myra Canyon und liegt hoch oben in den Hügeln über Kelowna. An diesem Tag beschlossen wir mit Lukáš, gesund zu sein und statt Wein das Rad zu nehmen. Eine gute Entscheidung – zumindest bis zu dem Moment, in dem wir feststellten, dass das Ende der Strecke ganz schön weit vom Anfang entfernt ist. 😅 Ihr leiht euch ein Rad (gerne direkt am Anfang der Strecke) und fahrt eben auf dem alten Bahndamm dahin.

Der besondere Zauber liegt darin, dass die Strecke über 18 originale hölzerne Eisenbahnbrücken führt und ihr auch durch zwei in den Fels gehauene Tunnel fahrt. Da ihr ziemlich weit oben seid, öffnen sich euch von hier atemberaubende Ausblicke ins Tal. Die meisten Leute fahren nur diesen Abschnitt, aber wenn ihr begeisterte Radfahrer seid, könnt ihr auf der Strecke im Grunde tagelang quer durch die ganze Region fahren.
9. Baden in heißen Quellen und Wellness im Okanagan
Während der Sommer im Okanagan von kühlen Seen geprägt ist, locken euch im Frühling oder Herbst ganz bestimmt die Thermalquellen. Ich muss aber die Dinge geraderücken, denn viele Leute suchen nach Wellness und heißen Quellen direkt am See. Direkt im Tal gibt es keine natürlichen heißen Quellen, aber es reicht, ein Stück nach Osten in die Region Kootenays zu fahren, die direkt ans Okanagan anschließt und damit einen idealen Rundreise-Roadtrip bildet.

Wenn es eure Zeit erlaubt, fahrt zum Arrow Lake zu den Halcyon Hot Springs oder begebt euch in die magischen Höhlen der Ainsworth Hot Springs, wo ihr durch warmes Wasser direkt in Felstunneln voller Stalaktiten schwimmen könnt. Wenn ihr das Okanagan nicht verlassen möchtet, sind die ausgezeichneten Wellnesscenter an den besten Hotels in Kelowna eine tolle Alternative für trübere Tage – zum Beispiel im Sparkling Hill Resort, das komplett mit Swarovski-Kristallen glänzt und luxuriöse Behandlungen mit Aussicht bietet.
10. Munson Mountain zum Sonnenuntergang
Wenn ihr in Penticton seid und überlegt, wo ihr euch abends hinsetzen und den Sonnenuntergang beobachten könnt, fahrt zum Munson Mountain. Es ist ein recht unscheinbarer Hügel direkt über der Stadt, an dessen Hang riesige weiße Buchstaben angeordnet sind, die das Wort PENTICTON bilden – ein bisschen wie ein kanadisches Hollywood-Schild.

Der Aufstieg ist absolut unanstrengend, vom Parkplatz schafft ihr es in zehn Minuten, und oben erwartet euch eine Bank, der Blick auf beide Seen und absolute Ruhe – in die eine Pizza aus dem Karton und eine Flasche lokalen Weins wunderbar passen, genau wie wir es dort mit Lukáš jedes Mal gemacht haben. ☺️
11. Kalamalka Lake unweit von Vernon
Ganz im Norden der Region, etwa fünfundvierzig Minuten hinter Kelowna, liegt das Städtchen Vernon. Die meisten Touristen kehren schon in Kelowna um, aber das ist ein riesiger Fehler, denn so verpassen sie den Blick auf den Kalamalka Lake, der völlig zu Recht den Beinamen „See der tausend Farben“ trägt.

Das Wasser in diesem See ist nämlich voller Kalksteinkristalle, und wenn sich das Wasser im Laufe des Sommers erwärmt und die Sonne in verschiedenen Winkeln darauf scheint, wechselt der See seine Farbe von Dunkelblau bis zu leuchtendem Türkis, wie wir es von den Seen in Banff oder vom Lake Louise kennen. Rund um den See erstreckt sich ein weitläufiger Provinzpark mit vielen Wanderwegen, wo man den größten Menschenmassen, die sich eher im Süden ballen, hervorragend ausweichen kann.
12. Winterflucht ins Big White Ski Resort
Obwohl ich die ganze Zeit über den kanadischen Sommer und das Baden schreibe, darf ich auch nicht vergessen, was hier im Winter passiert. Wenn die Weinberge im Schnee versinken und das Tal von Inversionswolken eingehüllt wird, steht das Leben hier nicht still – es verlagert sich nur höher in die Berge. Knapp eine Stunde Fahrt von Kelowna entfernt liegt nämlich das Big White Ski Resort, eines der beliebtesten Familienskigebiete Kanadas.

Der Schnee soll hier zu den besten der Welt gehören. Wir waren mit Lukáš bisher nur im Sommer dort, aber Freunde, die dort Ski gefahren sind, haben uns ausnahmslos alle beneidet. Die sogenannten Snow Ghosts, in Schicht um Schicht Schnee und Eis gehüllte Bäume, sehen auf Fotos aus wie aus einem Horrorfilm. Im positiven Sinne. 😅 Das Resort ist als Ski-in-Ski-out-Gebiet konzipiert, sodass ihr morgens einfach vor der Hütte die Skier anschnallt und direkt vom Hang zur Seilbahn hinunterfahrt.
13. Wandern und die Gefahr von Bären
Ihr könnt nicht nach Kanada fahren und nicht wenigstens auf eine ordentliche Wanderung gehen. Die Hügel rund um die Okanagan-Seen sind von hunderten Kilometern Wanderwegen unterschiedlicher Schwierigkeit durchzogen. In Kelowna ist der Aufstieg zum Knox Mountain sehr beliebt, von wo aus ihr die Stadt wie auf einer Handfläche seht, und bei Penticton könnt ihr euch zu den Skaha Bluffs aufmachen, einem beliebten Ziel von Kletterern und Wanderern, die sich gerne zwischen den hohen Felsen hindurchschlängeln.

Auch wenn ihr hier nahe der Zivilisation und von Obstgärten und Farmen umgeben seid, seid ihr immer noch in Kanada und tief im Bärenterritorium. Besonders im Herbst, wenn das Obst reift, ziehen oft Schwarzbären aus den Bergen herab, die auf der Suche nach leichter Nahrung sind. Tragt bei längeren Ausflügen in die Natur immer Bärenspray (Pfefferspray gegen Bären) mit euch, macht Lärm und informiert euch bei den Einheimischen über die aktuelle Lage im jeweiligen Park.
Wo man gut essen und trinken kann
Die kanadische Küche ist vielleicht nicht weltweit so berühmt wie die französische oder italienische, aber im Okanagan funktioniert das anders. Die meisten guten Restaurants kochen mit Zutaten von den benachbarten Farmern, das Gemüse kommt also vom Feld um die Ecke und der Wein vom Weingut direkt gegenüber. Das merkt man dann sofort auf dem Teller.
Wenn ihr ein absolut luxuriöses gastronomisches Erlebnis wollt, reserviert einen Tisch zum Mittagessen direkt im Restaurant eines der großen Weingüter, zum Beispiel im Quails‘ Gate Estate Winery. Ihre Außenterrasse mit Blick auf den See ist die Romantik in Person.
In Penticton empfehle ich euch das großartige Café und Bistro The Bench Market. Sie haben ausgezeichneten Kaffee und machen tolle Avocado-Toasts. Für etwas Entspannteres, wenn euch am Nachmittag nach dem Baden der Hunger überfällt, sucht in den Städten nach Foodtrucks – oft stoßt ihr dort auf hervorragende Asian-Fusion-Gerichte oder ehrliche hausgemachte Burger.
Wohin von Okanagan aus weiter
Wenn ihr in Kanada mehr Zeit habt und weiter auf Entdeckungstour gehen möchtet, ist das Okanagan Valley ein hervorragendes Sprungbrett für weitere Erkundungen. Wir haben auf unserem Roadtrip durch Westkanada viele wunderschöne Momente erlebt. Lest unbedingt auch:

- Einen Reiseführer durch das kosmopolitische Vancouver, wo es zwar ein bisschen mehr regnet, aber in diese Stadt verliebt man sich einfach.
- Unsere Tipps zu den Nationalparks und dem berühmten Lake Louise in den nahen Rocky Mountains.
- Wenn euch ein längerer Aufenthalt reizt, haben wir eine komplette Anleitung zum Arbeiten in Kanada und zur Beschaffung von Visa verfasst.
Praktische Tipps zum Schluss
Bei Überseereisen solltet ihr niemals eine gute Reiseversicherung unterschätzen, die ärztliche Versorgung in Kanada ist extrem teuer. Wir schwören seit Jahren auf SafetyWing, das uns auch auf langen Reisen absichert. Für eine einfache Internetverbindung im Okanagan, damit ihr immer die Navigation zum nächsten Weingut zur Hand habt, nutze ich persönlich eine eSIM von Holafly – lest also unsere Holafly-Rezension, damit ihr wisst, was euch erwartet.
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Mietwagenpreise in Kanada vergleichen →Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wir geben Antworten auf die häufigsten Fragen, die euch vor der Reise ins Okanagan Tal vielleicht interessieren.
1. Wo bekomme ich eine Karte des Okanagan-Sees mit Tipps zu den besten Orten?
Die beste Karte des gesamten okanagan lake map (und des Sees im Allgemeinen) mit eingezeichneten Weingütern erhalten Sie kostenlos in jedem Touristeninformationszentrum direkt in Kelowna oder Penticton. Lukáš und ich verwenden aber am liebsten gespeicherte Punkte direkt in Google Maps, wo wir dann die aktuellen Öffnungszeiten der einzelnen Bauernstände und Weingüter sehen können, die sich oft ändern.
2. Ist es sicher, in den Seen im Okanagan zu schwimmen?
Ja, das Schwimmen ist absolut sicher und in den Sommermonaten eine der Hauptaktivitäten. Achten Sie nur auf Boote und Jetskis, wenn Sie weiter von den ausgewiesenen Strandzonen entfernt schwimmen. Kein lake okanagan monster wird Sie unter Wasser ziehen, seien Sie unbesorgt. 😁
3. Muss ich wirklich für jedes Weingut eine Reservierung haben?
Für die bekanntesten und größten ja, besonders im Sommer am Wochenende. Bei den kleineren Familienbetrieben reicht es oft, einfach mit dem Fahrrad vorbeizukommen, anzuklopfen, und sie kümmern sich gerne um Sie. Im Herbst nach der Saison ist es generell viel entspannter.
4. Wie viel Geld sollte ich für einen Wochenendaufenthalt einplanen?
Okanagan ist nicht gerade günstig. Für ein Wochenende zu zweit rechnen Sie mit etwa 400 bis 600 EUR (ca. 600 bis 900 CAD), wenn Sie in einem schönen Hotel übernachten, zwei organisierte Weinproben machen und in Restaurants essen möchten. Auf dem Campingplatz und mit eigenem Essen senken Sie die Kosten natürlich dramatisch.
5. Welche Tiere kann ich im Tal begegnen?
Kanada okanagan ist interessant wegen seines warmen Klimas, sodass Sie im Süden in der Halbwüste auch auf Klapperschlangen stoßen können (sie halten sich meist abseits). In den Hügeln rund um die Städte bewegen sich recht häufig Schwarzbären und Hirsche, von denen es hier eine riesige Menge gibt, also seien Sie in der Dämmerung auf den Straßen sehr vorsichtig.
6. Kann man durch Okanagan mit öffentlichen Verkehrsmitteln reisen?
Ganz ehrlich, nein. Busverbindungen zwischen Städten wie Kelowna und Penticton existieren zwar, aber für den Besuch von Weingütern, Aussichtspunkten und Nationalparks kommen Sie einfach nicht ohne eigenes Auto aus.
7. Kann man von Kelowna aus Polarlichter sehen?
Obwohl Sie in Kanada sind, liegt Kelowna ziemlich weit im Süden, sodass Polarlichter hier eher selten zu sehen sind. Während starker Sonnenstürme kann man sie aber gelegentlich tief am nördlichen Horizont erblicken, besonders wenn Sie außerhalb der Stadt an dunkle Orte ohne Lichtverschmutzung fahren. Das Erlebnis ist aber nicht so intensiv wie im Norden des Landes.
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