Die Westfjorde auf Island haben wir am 11. bis 13. Tag unseres großen Island-Roadtrips durchquert, und bis heute erinnere ich mich daran als an ein geradezu spektakuläres Abenteuer mit einer ordentlichen Portion Adrenalin (spektakulär eben, wenn auch ein bisschen nervenaufreibend). Ich gebe es gleich offen zu: Auf den Schotterpisten in den Bergen wären wir hier beinahe in einem Schneesturm stecken geblieben, doch am Ende ging alles gut aus – und eigentlich haben wir es sogar genossen. 😅 Die Landschaft ist hier unglaublich rau und ungezähmt, sodass praktisch jeder Kilometer nach einem Stopp ruft und man das Gefühl hat, ununterbrochen fotografieren zu müssen.
Während sich auf der berühmten Ringstraße ganze Touristenmassen drängen, verirren sich hierher in den Nordwesten nur knapp 10 % aller Besucher. Es ist eine riesige, zerklüftete Halbinsel, die auf der Karte aussieht wie eine Hand, die sich nach Grönland ausstreckt – und genau hier findet man die echte, ungezähmte Wikinger-Landschaft, die man einfach lieben muss.
Wenn dich die schönsten Orte in den Westfjorden Islands reizen, bist du hier genau richtig. In diesem Artikel findest du 12 Tipps, was man in den Westfjorden sehen und erleben kann. Ich verrate dir, wo du dich strategisch klug einquartierst, wie es um die Befahrbarkeit der Straßen steht, und zeige dir die schönsten Orte, für die sich die mühsame Anreise definitiv lohnt.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Ideale Reisezeit: Ganz ehrlich empfehle ich ausschließlich den Sommer (von Mitte Juni bis Mitte August), denn im Winter sind viele Bergpässe unbefahrbar und gesperrt.
- Sonnenfinsternis 2026: Achtung – im August 2026 findet genau über dieser Region eine totale Sonnenfinsternis statt, weshalb die Übernachtungspreise schon jetzt extrem hoch sind und es hier richtig voll wird.
- Zeitaufwand: Für die Region brauchst du mindestens 3 Tage, ideal sind aber eher 4 bis 5 Tage (von Reykjavík fährst du mindestens 6 Stunden hierher).
- Größte Highlights: Auf jeden Fall der märchenhafte Wasserfall Dynjandi, die Vogelfelsen Látrabjarg voller zutraulicher Papageitaucher und die heißen Thermalquellen, die entlang der Küste verstreut liegen.
- Auto: Obwohl die Hauptstraßen 60 und 61 größtenteils asphaltiert sind, empfehlen wir wegen der häufigen Schotterabschnitte und der Bergpassagen eindeutig ein Fahrzeug mit Allradantrieb (4×4).
Wann sollte man fahren und wie kommt man hin
Die Westfjorde liegen wirklich weit abseits der großen Touristenrouten, und die Anreise erfordert ziemlich viel Zeit und Planung. Du kannst dich für das endlose Umrunden der tiefen Fjorde auf eigene Faust entscheiden oder den Weg per Fähre abkürzen – aber sei darauf gefasst, dass die Logistik in diesem Teil Islands nach etwas anderen Regeln funktioniert als im zivilisierten Süden der Insel.
Aus eigener Erfahrung können wir sagen: Für diese Region reicht definitiv kein freier Nachmittag, du musst deinem üblichen Reiseplan mindestens zwei bis vier zusätzliche Tage einplanen.
Mit dem Auto über Berge und Fjorde
Von Reykjavík dauert die Fahrt zu den ersten Fjorden etwa drei bis vier Stunden, doch zu den größten Highlights bist du locker auch sieben Stunden am Stück unterwegs. Du fährst auf der Straße Nummer 1 nach Norden und biegst dann auf die Straße Nummer 60 ab, die dich durch atemberaubende, aber sehr tiefe Fjorde führt. Was auf der Karte wie fünf Kilometer Luftlinie aussieht, bedeutet in Wirklichkeit eine Stunde konzentriertes Lenken entlang der Klippenkanten, denn die Straßen folgen jeder Windung der Küste.
Für die Hauptstrecken reicht theoretisch auch ein normaler Wagen mit Zweiradantrieb, doch wegen der unzähligen kaputten Schotterabschnitte und der steilen Anstiege über die Bergpässe empfehlen Lukáš und ich nachdrücklich, sich ein Auto mit 4×4-Antrieb zu gönnen. Im Sommer kostet das etwa 12.000 bis 35.000 ISK pro Tag, also rund 80 bis 240 €.
Das Fahren erfordert hier eine enorme Portion Aufmerksamkeit und ständige Konzentration. Das Tempolimit liegt auf Asphalt bei 90 km/h und auf Schotter bei 80 km/h, aber fahr lieber deutlich langsamer, denn die meisten Unfälle passieren genau dann, wenn Fahrer mit voller Geschwindigkeit vom festen Asphalt auf den Schotter rasen und ins Schleudern geraten.
Häufig begegnest du hier auch dem Schild „Blindhæð“, das eine blinde Kuppe kennzeichnet, hinter die du einfach nicht sehen kannst – du musst dich also strikt rechts halten und vom Gas gehen. Ebenso wirst du auf jede Menge einspurige Brücken treffen, wo die einfache Regel gilt: Wer zuerst an der Brücke ist, fährt zuerst.
Entscheidend ist auch die Versicherung deines Autos. Bezahl hier unbedingt den Aufpreis für die sogenannte Gravel-Protection-Versicherung, denn aufgewirbelte Steinchen von entgegenkommenden Autos zerschlagen dir hier ganz leicht die Windschutzscheibe – und ohne Versicherung würde dich selbst ein kleiner Steinschlag mehrere Hundert Euro kosten.
Neue Gebühren und Steuern auf Islands Straßen
Seit dem 1. Januar 2026 gilt auf Island eine völlig neue Kilometersteuer, die für Pkw und SUV bis 3,5 Tonnen gilt und 6,95 ISK pro gefahrenem Kilometer beträgt – umgerechnet also etwa 5 Cent pro Kilometer. Die Autovermietungen berechnen dir diesen Betrag entweder als Tagespauschale in Höhe von rund 1.390 bis 1.550 ISK oder ziehen ihn am Ende deiner Reise genau nach Tachostand ab – kalkuliere das also bei der Planung deiner Reise in die Westfjorde unbedingt ein.

Als kleine Entschädigung hat der Staat allerdings die ursprüngliche Kraftstoffsteuer abgeschafft, wodurch ein Liter Benzin angenehm um rund 80 ISK günstiger wurde. In der Sommersaison 2026 zahlst du so pro Liter etwa 305 ISK, also rund 2,10 €. Zwar kannst du auf Island praktisch überall kontaktlos mit Karte oder Handy zahlen, aber merk dir eine entscheidende Sache: Für Zahlungen an Selbstbedienungstankstellen und in Park-Apps musst du zwingend den PIN-Code deiner physischen Karte kennen.
Die Baldur-Fähre als praktische Abkürzung
Wenn du dir Hunderte Kilometer hinterm Steuer sparen und dabei traumhafte Ausblicke auf den Ozean sowie Tausende winziger Inselchen genießen willst, kannst du die Baldur-Fähre nutzen. Sie legt in der Stadt Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes ab, durchquert die Bucht Breiðafjörður und endet im Hafen Brjánslækur im Süden der Westfjorde. Die Überfahrt dauert etwa zweieinhalb Stunden und kostet 2026 für einen Erwachsenen 7.700 ISK (rund 53 €) – genau denselben Betrag zahlst du auch für einen gewöhnlichen Pkw bis fünf Meter Länge, während Kinder unter zwölf Jahren völlig kostenlos mitfahren.
In der Sommersaison von Anfang Juni bis Ende August fährt die Fähre zweimal täglich, und dein Auto reist mit dir mit. Reserviere die Tickets aber unbedingt mit großem Vorlauf auf der offiziellen Seite von Seatours, denn im Winter sinkt die Frequenz auf eine Verbindung täglich (außer samstags) und die Plätze sind schnell weg.
Warum man im Winter nicht herfahren sollte und was dich im Sommer erwartet
Lukáš und ich haben die Westfjorde an der Wende von September zu Oktober besucht und schon damals einen ordentlichen Schneesturm erlebt, der uns ganz schön erschreckt hat – uns klapperten vor lauter Sorge die Zähne, ob wir überhaupt heil runterkommen würden. Bedenke, dass die meisten Bergstraßen hier von Oktober bis Mai gar nicht gepflegt werden, die Straßen zu den Hauptsehenswürdigkeiten unter metertiefem Schnee liegen und die touristische Infrastruktur samt vieler Unterkünfte praktisch schließt. Plane deinen Besuch also wirklich nur für die Sommermonate.
Im Sommer genießt du dagegen die faszinierende Mitternachtssonne, wenn etwa Ende Juni das Tageslicht unglaubliche 21 Stunden anhält und die Sonne praktisch nicht untergeht. So kannst du die leeren Fjorde problemlos um zwei Uhr morgens erkunden, ohne ein einziges Auto zu treffen.
Pack dir aber unbedingt eine Schlafmaske in den Koffer, sonst schläfst du in den taghell durchfluteten Zimmern einfach nicht ein. Und wenn du dich nach Polarlichtern sehnst, musst du erst ganz am Ende August oder im September anreisen, wenn es nachts wieder richtig dunkel ist und sich die Chance auf dieses Himmelsschauspiel öffnet.
Wo übernachten + was kostet das
Das Übernachtungsangebot ist in diesem einsamen Teil Islands sehr begrenzt, und angesichts der riesigen Entfernungen musst du dir gut überlegen, wo du nach einem langen Tag dein Haupt bettest. Auf unserer Reise haben wir gar nicht gecampt, weil wir abends nach dem ganztägigen Frieren draußen Wärme und eine eigene Küche haben wollten. Wir haben deshalb ausschließlich in gemütlichen Pensionen, Hostels und Apartments entlang unserer Route geschlafen.
Wenn du im Campervan reist oder zelten möchtest, lohnt sich die beliebte Camping Card 2026 sehr. Sie kostet rund 26.000 ISK (etwa 180 €) und gilt für zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder in Dutzenden von Campingplätzen auf der ganzen Insel. Vergiss aber nicht, dass auf Island neuerdings überall eine Übernachtungssteuer hinzukommt, die 400 ISK pro Nacht auf dem Campingplatz und 800 ISK für ein klassisches Hotelzimmer beträgt.
💡 Konkrete Unterkunftstipps (Preise und Verfügbarkeit prüfst du über Booking.com, buche rechtzeitig – in der Saison und rund um die Sonnenfinsternis 2026 sind sie schon Monate im Voraus weg):
- Fosshótel Westfjords (Patreksfjörður)
- Hótel Ísafjörður (Ísafjörður)
- Gentle Space Guesthouse (Ísafjörður)
Ein gewöhnliches Hotelzimmer in der Sommerhauptsaison kostet im Schnitt rund 250 USD (etwa 35.000 ISK / 230 €) pro Nacht, während du die einfachsten Gästehäuser ab etwa 110 € (17.000 ISK) bekommst. Die größte Auswahl und auch die besten Supermärkte findest du in der größten Ortschaft Ísafjörður. Für die bequeme Erkundung des südlichen Teils ist dagegen Patreksfjörður absolut ideal, wo sich zum Beispiel unser beliebtes Fosshótel Westfjords mit Preisen ab 109 USD pro Nacht befindet. Alternativ kannst du dich auch in kleineren Dörfern wie Þingeyri und Reykhólar nach einer Unterkunft umsehen.
Besondere Vorsicht ist geboten, wenn du eine Reise für August 2026 planst, denn am Mittwoch, dem 12. August, zieht direkt über die Westfjorde eine totale Sonnenfinsternis – ein astronomisches Ereignis, das Island seit 1954 nicht mehr erlebt hat. Wegen dieses spektakulären Schauspiels sind die meisten Unterkünfte im Totalitätsstreifen längst hoffnungslos ausgebucht, und gewöhnliche Pensionen in Ísafjörður verlangen pro Nacht völlig absurde Summen, die bis auf 700 USD klettern. Wenn du also noch keine Reservierung hast und nicht im Auto schlafen willst, meide den August dieses Jahr lieber mit großem Bogen und überlass den Platz den Astronomen.
Süd- und Westteil: 4 atemberaubende Orte und was man hier erleben kann
Sobald du von der asphaltierten Hauptstraße auf den sehr groben Schotter abbiegst, landest du in einer Welt, in der nur der rauschende Ozean, steile schwarze Felsen und eine unglaubliche Stille herrschen. Die Südspitze der Halbinsel verbirgt die allerschönsten Naturextreme – von millionenstarken Vogelkolonien bis zu riesigen Wasserfällen, die dir schlicht den Atem rauben und an denen du länger verweilst, als du ursprünglich geplant hattest.

1. Látrabjarg und die zutraulichen Papageitaucher
Látrabjarg ist einer der westlichsten Punkte ganz Europas und zugleich der größte Vogelfelsen des Kontinents. Er erstreckt sich über eine unglaubliche Länge von vierzehn Kilometern und fällt aus einer überwältigenden Höhe von bis zu 440 Metern direkt in den dunklen Ozean. Es ist ein Ort wie aus einer anderen Welt, zu dem eine ziemlich kaputte Schotterstraße führt, auf der du den 4×4-Antrieb definitiv zu schätzen weißt – auch wenn du es im Sommer mit Vorsicht ebenfalls mit einem normalen Auto schaffen würdest.

Der Zugang zu den Felsen ist für alle Besucher völlig kostenlos, aber sei bitte extrem vorsichtig an den Kanten, die oft stark unterspült sind und unerwartet ins Meer abbrechen können. Mit der Kamera am Auge heldenhaft auf der Kante zu stehen ist hier buchstäblich ein One-Way-Ticket in die eisigen Wellen, weshalb die strenge Regel gilt: Wir nähern uns dem Rand ausschließlich kriechend auf dem Bauch.
Von Mai bis Mitte August verwandeln sich diese gewaltigen Felsen in eine riesige, lärmende und auch ziemlich speziell riechende Vogel-Großstadt, die von wunderschön zutraulichen Papageitauchern beherrscht wird – etwa fünfzigtausend Paare brüten hier. Anders als im Süden Islands haben die hiesigen Papageitaucher keine natürlichen Landfeinde, weshalb sie unglaublich vertrauensvoll sind. Du kannst sie bequem aus nur zwei Metern Entfernung fotografieren, ohne dass sie sich erschrecken.
Der absolute Höhepunkt der Brutsaison liegt zwischen Ende Juni und Anfang August, wenn der Himmel hier buchstäblich voller Vögel ist. Um die aktuelle Sicherheit auf den Anfahrtswegen und Warnungen vor starkem Wind zu prüfen, empfehle ich dir, immer die offizielle Website Safetravel.is zu checken.
2. Der rote Strand Rauðasandur
Während den Rest Islands die bekannten tiefschwarzen Vulkanstrände allen voran die südliche Reynisfjara berühmt gemacht haben, spielt die weitläufige Bucht Rauðasandur – übersetzt „Rote Sande“ – in allen herrlichen Tönen von Rot, Gold und leuchtendem Orange. Dieser unglaubliche Strand erstreckt sich über eine respektable Länge von zehn Kilometern, und der feine Sand verändert sich ständig, je nachdem, wie gerade die Nachmittagssonne scheint und in welcher Phase sich die Gezeiten befinden. Aus jedem Blickwinkel sieht dieser Ort also jedes Mal ein bisschen anders aus.

Die Abfahrt zum Strand selbst ist ein ziemlich solides Adrenalin-Erlebnis, denn man fährt eine sehr steile und kurvenreiche Schotterstraße voller Serpentinen ohne jegliche Leitplanken hinab, was einen kühlen Kopf und eine sichere Hand am Steuer verlangt. Sobald du aber heil unten ankommst, ist die riesige Belohnung die absolute Abgeschiedenheit von der Außenwelt, denn hier gibt es überhaupt keine Touristenmassen. Und mit ein bisschen Glück kannst du mit dem Fernglas zahlreiche Robbenkolonien beobachten, wie sie sich zufrieden auf dem goldenen Sand räkeln und nach der Jagd ausruhen.
3. Thermalbecken entlang der Küste
Islands Thermalquellen und natürliche Hot Pots sind ein Kapitel für sich, und den zwölften Tag unseres Roadtrips begannen wir geradezu märchenhaft, als wir zur Kaskade der Thermalbecken Pollurin in der Nähe des Dorfes Tálknafjörður aufbrachen. Es ist ein wunderschöner, versteckter Ort mit vier kleinen Becken, in denen die Temperatur des heißen Wassers zwischen sehr angenehmen 36 und 45 Grad Celsius liegt. Das Beste an diesen Hot Pots ist, dass sie einen perfekten Blick direkt auf den Fjord bieten und es bei ihnen sogar eine einfache Umkleidekabine im Freien gibt – was man in der rauen Inselkälte mehr schätzt als Gold.

Neben Pollurin verbergen die Westfjorde aber noch eine ganze Reihe weiterer heißer Becken, in die du meist völlig kostenlos oder gegen einen kleinen Beitrag in eine Holzkasse springen kannst. Eine großartige Entdeckung ist zum Beispiel das nahegelegene Becken Reykjafjarðarlaug im Arnarfjörður, wo du dich mitten in der unberührten Natur wärmen kannst.
Wenn dich beim Ausziehen ein bisschen Punk und eisiger Wind nicht schrecken, mach unbedingt auch einen Abstecher zum Hot Pot Hörgshlíðarlaug im Mjóifjörður, wo das türkisfarbene Wasser rund 40 Grad hat. Die Quelle selbst liegt auf dem Grundstück eines örtlichen Bauern, weshalb es eine nette Höflichkeit ist, kurz zu fragen, ob du baden darfst – aber meistens haben sie damit absolut kein Problem.
4. Dynjandi, der märchenhafte Kaskadenwasserfall
Das ist das echte, unbestrittene Juwel der gesamten Westregion, und manche erfahrenen Reisenden behaupten sogar, es sei der schönste Wasserfall ganz Islands, der selbst die berühmtesten im Süden in die Tasche steckt. Dynjandi, den du auf Karten oft auch unter der älteren Bezeichnung Fjallfoss findest, beeindruckt seine Besucher nicht mit einer riesigen Wassermenge, sondern mit seiner absolut faszinierenden Form. Er erinnert nämlich an einen gewaltigen Brautschleier, der oben dreißig Meter breit ist, sich dann über die steile Felswand in insgesamt sieben Kaskaden bis auf hundert Meter Höhe ausbreitet und sich unten auf das Doppelte – sechzig Meter – verbreitert.

Lukáš und ich haben hier gut anderthalb Stunden verbracht, weil wir uns an dieser Naturschönheit einfach nicht sattsehen konnten. Die Anreise verschlingt zwar einiges an Zeit – von Reykjavík fährst du etwa fünf bis sechs Stunden hierher –, aber der Parkplatz selbst ist völlig kostenlos, und nach oben entlang der Felswand führt ein gepflegter, etwa fünfzehnminütiger Pfad, entlang dessen du mehrere weitere kleinere Wasserfälle bewunderst und sich dir zudem ein atemberaubender Blick hinab auf die Bucht Arnarfjörður bietet.
Denk aber immer daran, dass die Bergstraße zum Wasserfall im Winter komplett gesperrt und nicht gepflegt wird, sodass du diese Wasserschönheit nur in dem kurzen Zeitfenster von Juni bis Ende September bequem bewundern kannst.
💡 Tipp: Eintrittskarten und organisierte Touren (auf Island und Umgebung) lohnt es sich, vorab online über GetYourGuide zu buchen – in der Saison sind sie schnell ausgebucht.
Nordteil und Ísafjörður: 5 Tipps für den rauen Norden
Während den Süden der Region sicher die langen Strände und die in die Wellen stürzenden Vogelfelsen definieren, bildet der nördliche Teil ein sehr unübersichtliches Labyrinth aus tiefen, unglaublich steilen Fjorden, die sich wie eine scharfe Axt ins Festland schneiden. Hier befindet sich die größte Stadt der weiten Umgebung, von der alle wichtigen Schiffe ablegen, und sie ist zugleich das Eingangstor zum allerwildesten Naturreservat, das du heute in Europa real erleben kannst.

5. Ísafjörður und seine alten Holzhäuser
Die Ortschaft Ísafjörður bewohnen zwar nur etwas mehr als zweieinhalbtausend ständige Einwohner, aber im Maßstab der menschenleeren Westfjorde ist sie eine echte Metropole mit allem Drum und Dran. Die Stadt liegt märchenhaft auf einer schmalen Sandzunge mitten im eisigen Fjord Skutulsfjörður, und über ihr türmen sich dramatische, dunkle Steilberge auf, von denen während der langen Winter ständig unerwartete große Lawinen drohen – was dem Ort einen ziemlich dramatischen Anstrich verleiht.

Wir haben uns hier nach einem anstrengenden Tag voller endloser Überlandfahrten zwei Nächte einquartiert, und der abendliche Spaziergang zwischen den wunderschön erhaltenen alten Holzhäusern aus dem 18. und 19. Jahrhundert im ruhigen historischen Viertel Neðstikaupstaður hatte einen riesigen, geradezu romantischen Zauber.
Wenn dich die lokale Geschichte und das schwere, gefährliche Leben der einstigen Fischer näher interessieren, lass dir auf keinen Fall den Besuch des fesselnden Westfjords Heritage Museum entgehen, das wunderschön in einem dieser herrlichen Gebäude direkt am Wasser untergebracht ist. Und falls du um die Osterzeit herkommst, erlebst du das große Musikfestival Aldrei fór ég suður, mit dem buchstäblich der ganze Norden Islands lebt.
Aus praktischer Sicht ist diese Stadt auch der allerletzte Ort, an dem du noch zuverlässig große Lebensmittelvorräte in den bekannten Supermärkten Bónus oder Krónan einkaufen kannst, bevor du in der völligen Wildnis verschwindest.
6. Die gefährliche, aber wunderschöne Bergstraße 60
Die Westfjorde fordern dich hinterm Steuer wirklich kompromisslos heraus, denn viele Strecken überwinden hier einfach hohe und ungeschützte Bergpässe mit sehr unbeständigem, schnell wechselndem Wetter. Bei unserer früheren Fahrt Richtung Norden erwischte uns in höheren Lagen ein so starker und aggressiver Schneesturm, dass wir beinahe stecken geblieben wären und uns vor Angst die Zähne klapperten, ob wir überhaupt nach unten kommen würden – und das, obwohl wir einen wirklich robusten, sicheren Geländewagen mit hochwertiger Bereifung gemietet hatten.

Heute haben eine Reihe der allergefährlichsten Bergübergänge auf der Hauptstraße 60 brandneue moderne Tunnel ersetzt, die den gesamten Weg deutlich verkürzt und glücklicherweise auch sicherer gemacht haben. Trotzdem musst du ständig auf der Hut sein und weit nach vorn schauen. Der isländische Sturm ist nämlich so tückisch, dass er dir bei unvorsichtigem Öffnen leicht die Autotür direkt aus den Angeln reißt – was übrigens keine Standardversicherung deckt –, weshalb du sie immer fest mit beiden Händen halten musst.
7. Die Insel Vigur mit Windmühle und Vogelpost
Wenn du dich kurz nach ein bisschen echter Inselromantik sehnst und vom Fahren eine Pause brauchst, mach dich vom Haupthafen in Ísafjörður auf eine etwa dreißigminütige schaukelnde Bootsfahrt zur winzigen Insel Vigur. Es ist ein unglaublich fotogener und ruhiger Ort, an dem im warmen Sommer unfassbare 100.000 Papageitaucher brüten – der Himmel ist hier buchstäblich voller kleiner Flügel, und du weißt gar nicht, wohin du zuerst mit der Kamera zielen sollst.
Die Insel ist auf ganz Island auch sehr berühmt dafür, dass auf ihr stolz die einzige erhaltene historische Windmühle der gesamten Insel steht. Außerdem findest du hier sogar die kleinste, reizende Poststelle Europas, von der du als schöne Erinnerung eine Postkarte nach Hause schicken kannst. Diese Ausflüge mit einem netten Guide dauern in der Regel etwa entspannte drei Stunden und sind eine absolut großartige Abwechslung zum ganztägigen Sitzen im Auto.
8. Hornstrandir, echte arktische Wildnis
Wenn wir über die Westfjorde allgemein als eine Wildnis voller Einsamkeit sprechen, dann ist die weitläufige Halbinsel Hornstrandir ganz im Norden, knapp unter dem Polarkreis, gleich Wildnis hoch zwei. In dieses Gebiet führen nämlich überhaupt keine Straßen, und die letzten ständigen Bewohner haben dieses raue, unwirtliche Land bereits in den fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts endgültig verlassen, weil das Leben hier schlicht zu hart war.

Heute ist es ein streng geschütztes Gebiet und ein echtes Paradies für erfahrene Trekker und Liebhaber von Polarfüchsen, die hier ihre natürliche Scheu völlig verloren haben, da sie niemand jagt. Aus Neugier kommen sie problemlos bis dicht an dein Zelt, um zu schauen, was du da kochst.
Um überhaupt herzukommen, musst du spezielle Schiffsverbindungen von Anbietern wie Borea oder Sjóferðir aus Ísafjörður nutzen, wobei dich ein Rückfahrticket rund 150 bis 250 Euro kostet. Die Saison für einen Besuch dauert allerdings nur in einem sehr kurzen Zeitfenster von Ende Juni bis Anfang September, und du musst hundertprozentig ausgerüstet sein, denn aus ruhigem Wetter kann sich hier ein brutaler Sturm locker in zwanzig Minuten entwickeln.
9. Das Seeungeheuer-Museum in Bíldudalur
In der sehr kleinen und ungemein abgelegenen Hafenstadt Bíldudalur stößt du beim Durchfahren auf einen wirklich kuriosen Halt, der auf Isländisch Skrímslasetur heißt, was sich mit Seeungeheuer-Museum übersetzen lässt. Die riesige Bucht Arnarfjörður war nämlich seit jeher berüchtigt für das häufige Auftauchen völlig sonderbarer Wesen und Geschöpfe, weshalb sich die örtlichen Fischer und Bewohner über Generationen lange Gruselgeschichten erzählten, um sich irgendwie die endlosen dunklen Abende zu vertreiben.

Aus meiner Sicht ist es zwar ein bisschen bizarr, aber im Endeffekt eine ungemein unterhaltsame Ausstellung, die voller moderner Multimedia-Elemente, Geschichten lebendig gewordener Seeleute und interaktiver Ungeheuer-Modelle steckt. Sie veranschaulicht absolut perfekt, wie die grausame winterliche Isolation und die Angst ums Überleben einst die überaus blühende isländische Fantasie geformt haben.
Geheimtipps und weitere Highlights: 3 Orte, die du nicht auslassen solltest
Neben den großen und berühmten Sehenswürdigkeiten verbergen die Westfjorde jede Menge sehr kleine, unscheinbare Orte, die vielleicht nicht gleich von den Titelseiten dicker Reiseführer hervorlugen, aber deiner Reise definitiv den richtigen persönlichen Touch verleihen, von dem du dann zu Hause bei einem Glas Wein begeistert deinen Freunden erzählst.
10. Das Dörfchen Þingeyri und das legendäre Café Simbahöllin
Als wir an einem trüben Nachmittag am winzigen Küstendorf Þingeyri vorbeifuhren, stießen wir ganz zufällig auf das absolut zauberhafte Café Simbahöllin, das wunderschön in einem renovierten alten Holzhaus untergebracht ist, wo unter den Füßen bei jedem Schritt die massiven Dielen freundlich knarren. Der Ort hat eine wunderbare, geradezu herzlich-heimelige Atmosphäre, die durch ungemein nettes Personal und den intensiven Duft frisch gebackener Leckereien direkt am Eingang abgerundet wird.

Das Café ist in der gesamten Region berühmt für seine hervorragenden, fluffigen belgischen Waffeln mit dicker hausgemachter Marmelade und einem Berg Schlagsahne, aber wenn du durchgefroren ankommst, wärmst du dich auch reichlich an den köstlichen heißen hausgemachten Suppen. Es ist genau der Typ reizendes Lokal, in dem du dich mit einer heißen Tasse in den Händen mit Freude nach langen Stunden konzentrierten Lenkens ausruhst und die nötige Energie sowie Zucker für die nächste verrückte Erkundung der Halbinsel tankst.
11. Polarlichter von einer einsamen Hütte aus beobachten
Als wir damals am Abend des 11. Tages endlich in einer der sehr abgelegenen Holzhütten ankamen, hofften wir nur noch auf heißen Tee und ein bisschen stille Ruhe nach der anstrengenden Fahrt. Doch die Natur hatte vor dem Fenster ein weitaus großartigeres und unerwartetes Schauspiel für uns vorbereitet. Der Himmel hellte sich plötzlich auf, die Wolken rissen auf, und wir beobachteten direkt von der gefrorenen Terrasse unserer kleinen Unterkunft fasziniert das wunderschöne grüne Polarlicht, das fließend tanzte und sich über den verschneiten Gipfeln der nahen Berge wellte.


Die Westfjorde sind für die Jagd nach dem Polarlicht, der Aurora Borealis, ein absolut idealer Ort, denn hier gibt es fast keine Lichtverschmutzung von großen Städten und Ortschaften, sodass die Sterne hier mit unglaublicher Intensität leuchten.
Wenn du schon ganz am Ende August oder besser im September herkommst, hast du eine riesige Chance, dieses magische Naturphänomen mit eigenen Augen zu sehen. Ich empfehle dir wärmstens, jeden Abend detailliert die aktuelle Vorhersage der Bewölkung und Sonnenaktivität auf der offiziellen Website des Icelandic Met Office zu prüfen, damit du genau weißt, wann es sich lohnt, draußen zu frieren, und wann du lieber in Ruhe schlafen gehst.
12. Baden mit rauem Ozeanblick in Hellulaug
Wo wir gerade bei den Thermalquellen sind, darf ich auf keinen Fall das Naturbecken Hellulaug vergessen, das sich direkt an der rauen Südküste in der Nähe des Fährhafens Brjánslækur verbirgt und in das du dich auf den ersten Blick verliebst. Anders als die modernen, sterilen Betonbäder bei Reykjavík handelt es sich hier um ein rein natürlich wirkendes, unscheinbares Steinbecken, das sich großartig in den Fels einfügt.

Das heiße geothermale Wasser hat hier luxuriöse 38 Grad, und du kannst dich genussvoll bis zum Hals hineinlegen mit direktem, von absolut nichts gestörtem Blick auf die tosenden Wellen des eiskalten Atlantischen Ozeans – ein Kontrast, der dich einfach umhaut.
Das Baden selbst ist hier kostenlos, alternativ kannst du einen kleinen freiwilligen Beitrag für die dezente Pflege des Beckens hinwerfen. Du musst dich nur psychisch darauf einstellen, dass es hier überhaupt keine Infrastruktur oder Überdachung gibt und du dich in die nassen Badesachen schön draußen direkt im sehr eisigen isländischen Wind zwängen musst – das ist das wahre Erlebnis für abgehärtete Reisende. 😉
Wo man in den Westfjorden essen kann (nicht nur für Vegetarier)
Lukáš und ich sind Vegetarier, und ich sage ehrlich, dass das auf Island, das buchstäblich voller gefangener Meeresfische und traditionellem Lammfleisch ist, manchmal eine ziemlich große und komplizierte Herausforderung ist – besonders in einer so abgelegenen Region, in der die Versorgung am Gefrierpunkt liegt. Die meisten Mahlzeiten haben wir uns deshalb lieber und günstiger aus eigenen Vorräten in den Küchen unserer Apartments gekocht. Wenn wir aber tagsüber rausgegangen sind und uns etwas gönnen wollten, fanden wir im Zentrum von Ísafjörður gleich mehrere absolut großartige Lokale mit hervorragendem Essen.
Unsere liebsten vegetarischen Entdeckungen
Sehr gern und mit Vergnügen erinnern wir uns an das gemütliche Lokal Húsið, ein entspanntes, lässiges Café, schön kombiniert mit einer Bar und einem klassischen Restaurant, das vor fleischlosen Gerichten keine Scheu hat. Lukáš und ich haben uns dort nach einem anstrengenden Tag hingesetzt und mit riesiger Erleichterung eine vorzügliche fleischlose Pizza mit einer ordentlichen Portion Pasta gegessen. Wenn du guten Kaffee magst und eher nach leichteren, modernen Gerichten und Törtchen suchst, empfehlen wir dir sehr gern, direkt ins stilvolle Hipster-Lokal Heimabyggð zu gehen, das ein tolles Interieur hat und sich auch in einem angesagten Großstadtviertel nicht verstecken müsste.
Wenn du etwas mehr Geschichte und einen ruhigen Ort für ein deftiges Mittagessen mit Suppe oder ein süßes Stück Kuchen am Nachmittag suchst, vergiss auf keinen Fall, die Tür des Restaurants Edinborg zu öffnen, das in einem dieser schönen großen historischen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert untergebracht ist. Und für die allerbesten knusprigen morgendlichen Stücke frischen Gebäcks zum Frühstück geh gleich in die alte, nach Holz duftende Bäckerei Gamla Bakaríið, wo es das beste Süßgebäck der weiten Umgebung gibt.
Für ein normales Hauptgericht zahlst du in diesen ordentlichen Restaurants orientierungshalber Beträge zwischen 2.500 und 4.500 ISK, was umgerechnet etwa vernünftigen 17 bis 31 € entspricht.
Die legendäre lokale Fischtradition
Wenn du im Gegensatz zu uns kein Vegetarier bist und es einfach liebst, lokale traditionelle Gerichte zu entdecken und zu probieren, darfst du in den Gassen von Ísafjörður auf keinen Fall das absolut legendäre Familienrestaurant Tjöruhúsið verpassen. Das Lokal liegt clever in einem der ältesten Holzgebäude direkt neben dem Museum, mit langen geteilten Tischen ohne klassische Speisekarte, und gilt unter Reisenden wie Einheimischen als der allerberühmteste Ort der gesamten Insel.
Die Leute kommen von weit her wegen nichts anderem als wegen garantiert frischem Fisch und dem ungemein berühmten Plokkfiskur, einem isländischen Fischeintopf mit Kartoffeln, den die Köche in der Küche immer genau und nur danach zubereiten, was ihnen die örtlichen Fischer am selben Tag morgens an Fang in den Hafen gebracht haben.
Wohin sonst noch auf Island
Wenn du eine umfassendere Erkundung der gesamten Eisinsel planst, schau dir unbedingt auch unsere weiteren ausführlichen Artikel voller konkreter Tipps und persönlicher Erfahrungen aus Island an, in die wir das Beste zusammengetragen haben:
- Island: Reiseführer und Tipps, was man sehen sollte
- Reiseplan: Roadtrip durch Island in 14 Tagen
- Wie und wo man im Norden das Polarlicht erwischt
- Die 16 besten heißen Thermalquellen auf Island
Häufig gestellte Fragen
1. Wie viele Tage brauche ich realistisch für die Westfjorde?
Für eine grundlegende, aber sehr gehetzt Erkundung dieser riesigen Region benötigt ihr ein absolutes Minimum von drei vollen Tagen, aber ich garantiere euch, dass ihr dann nur von morgens bis abends im Auto sitzt und euch beeilt, um überhaupt herumzukommen. Die ideale Zeit, die Lukáš und ich empfehlen, sind 4 bis 5 Tage reine Zeit, damit ihr in Ruhe und stressfrei die hohen Klippen von Látrabjarg erkunden, in einem Café auf Waffeln anhalten, Wasserfälle entdecken und ein viel langsameres Tempo auf den unbefestigten, kurvigen Straßen genießen könnt.
2. Ist es wirklich notwendig, ein teureres Auto mit Allradantrieb zu mieten?
In den Sommermonaten von Juni bis August könnt ihr zwar die wichtigsten asphaltierten Hauptstraßen mit einer ordentlichen Portion Glück theoretisch auch mit vorsichtigem Fahren eines normalen Autos mit nur Zweiradantrieb befahren, aber angesichts der enormen Menge an kaputten, groben Schotterabschnitten und steilen Anstiegen empfehlen wir einen Allradantrieb absolut nachdrücklich. Eure Reise wird viel sicherer und entspannter sein, und außerdem müsst ihr keine Angst vor einer Reifenpanne bei jedem Stein haben, wobei in den Herbstmonaten ein Auto mit Allradantrieb eine ausdrückliche und unbestreitbare Notwendigkeit ist und ihr ohne eines manchmal gar nicht reingelassen werdet.
3. Wie komme ich am besten und schnellsten zu den Westfjorden?
Ihr habt im Grunde zwei völlig unterschiedliche Möglichkeiten. Entweder ihr wappnet euch mit Geduld und fahrt mit dem Auto über Land von Reykjavík auf der Straße Nummer eins und dann auf der sehr kurvigen Straße sechzig, was euch auch ohne größere Stopps und Fotoshootings realistisch sechs bis sieben Stunden reine Fahrzeit kostet, oder ihr nutzt clever die große Fähre Baldur, die vom Städtchen Stykkishólmur auf der Halbinsel Snæfellsnes ablegt und euch in etwa gemütlichen zweieinhalb Stunden samt Auto problemlos direkt in den Süden der Westfjords bringt.
4. Wann genau und wo sehe ich mit Sicherheit die niedlichen Papageientaucher?
Die größte Wahrscheinlichkeit für eine nahe Beobachtung von Papageientauchern habt ihr an den großartigen steilen Klippen von Látrabjarg. Diese wunderschönen Vögel beginnen bereits im Mai langsam hierher zu fliegen und bleiben etwa bis Mitte August, wobei der absolute Höhepunkt der Brutsaison, wenn hier wirklich über fünfzigtausend Paare sind und sie euch beim vorsichtigen Kriechen ganz ruhig bis auf zwei Meter an sie herankommen lassen, im Zeitfenster von Ende Juni bis Anfang August stattfindet.
5. Lohnt sich der große Umweg zum Wasserfall Dynjandi die verlorene Zeit?
Eindeutig und mit gutem Gewissen sage ich: ja! Dieser majestätische und hundert Meter hohe Wasserfall, der atemberaubend aus sieben Felskaskaden gebildet wird, gehört absolut verdient zu den allerschönsten und interessantesten auf der ganzen Insel, weil er nicht wie klassisch fallendes Wasser aussieht, sondern eher wie ein riesiger Brautschleier. Der Parkplatz direkt unterhalb des Wasserfalls ist außerdem immer noch kostenlos und zum Fuß selbst mit atemberaubenden Ausblicken auf den Fjord Arnarfjörður kommt ihr mit einem angenehmen Spaziergang in fünfzehn Minuten, denkt nur daran, dass im Winter die Zufahrtsstraße geschlossen und komplett mit Schnee zugeweht ist.
6. Können die abgelegenen Westfjorde auch im Winter besucht werden?
Das Reisen und Entdecken in dieser sehr rauen Gegend während des frostigen Winters (was bereits von Oktober bis Ende Mai gerechnet wird) ist extrem eingeschränkt und riskant, weil die große Mehrheit der wichtigen Bergpässe mit Metern von dichtem Schnee bedeckt ist und die Straßenarbeiter sie oft überhaupt nicht befahrbar halten. Die größten Hauptattraktionen der Region wie der erwähnte Wasserfall Dynjandi oder die entfernten Vogelklippen Látrabjarg sind normalerweise völlig unzugänglich und von der Welt abgeschnitten, also wenn ihr keine Polarforscher seid, plant euren Besuch hier wirklich nur für die Sommermonate von Juni bis Anfang September.
7. Essen wir in den Westfjords gut, auch wenn wir fleischlos essen wollen?
Auf jeden Fall ja, auch wenn es auf den ersten Blick eine raue Fischerregion ist, die auf Fängen aus dem Meer und Fleisch von Schafen basiert, werdet ihr nicht hungern. In der größten Stadt namens Ísafjörður findet ihr überraschenderweise gleich mehrere großartige und moderne Lokale mit gutem Kaffee, wir hatten sehr ausgezeichnete und persönliche Erfahrungen mit den stilvollen Restaurants Húsið oder Heimabyggð, wo sie sich vor leckeren vegetarischen Nudeln oder Pizza überhaupt nicht scheuen, und wenn ihr auf ein Apartment stoßt, wo es eine praktische Küchenzeile gibt, lohnt es sich, bei Bónus anzuhalten, Vorräte einzukaufen und abends einfach selbst etwas zu kochen.
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