Die meisten Menschen fliegen mit einer einzigen Vorstellung auf diese italienische Insel: sich auf eine Liege an einem Strand mit weißem Sand fallen lassen und ins unendlich türkisfarbene Meer starren. Und ich kann es ihnen nicht verübeln, denn die hiesige Küste soll absolut konkurrenzlos sein und kann es locker mit exotischen Reisezielen aufnehmen. Doch kaum jemand ahnt, dass sich nur wenige Dutzend Kilometer von den glänzenden Yachten und Luxusresorts entfernt eine völlig andere, raue und unglaublich faszinierende Welt verbirgt. Das Inland Sardiniens ist nämlich ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist und an dem geheimnisvolle Steintürme namens Nuraghen sowie Spuren einer Zivilisation auf dich warten, über die in den Geschichtsbüchern kaum gesprochen wird.
Komm mit mir hinter die Postkartenfassade und entdecke das echte, authentische Gesicht der Insel. Wir sprechen über beeindruckende Bauwerke aus der Bronzezeit, über Dörfer mit bemalten Häusern und über Berge, in denen bis heute alte Hirtentraditionen herrschen. Die lokale Kultur unterscheidet sich so sehr von der des italienischen Festlands, dass du dich zeitweise wie auf einem ganz anderen Kontinent fühlen wirst. In diesem Reiseführer findest du 10 Tipps, was du im Inland Sardiniens sehen und unternehmen kannst – inklusive praktischer Reisetipps.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Geheimnisvolle Nuraghen: Die Insel ist mit über 7.000 Steintürmen aus der Bronzezeit übersät, wobei der bekannteste Komplex Su Nuraxi di Barumini zum UNESCO-Welterbe zählt.
- Nuraghenkultur: Es handelt sich um eine geheimnisvolle Kultur ohne überlieferte Schrift, von der riesige Steinstatuen geblieben sind – die sogenannten Steinriesen von Mont’e Prama.
- Die raue Barbagia: Das Herz des authentischen Sardiniens findest du in der Provinz Nuoro, wo sich Dörfer wie Orgosolo mit politischen Wandmalereien oder Mamoiada mit gruseligen Karnevalsmasken verbergen.
- Aktivurlaub: Das Inland ist ein Paradies für Wanderer – du kannst zum Höhlendorf Tiscali aufbrechen oder das höchste Gebirge der Insel, den Gennargentu, erkunden.
- Wann reisen: Für die Besichtigung von Sehenswürdigkeiten und Bergdörfern sind Frühling oder Herbst ideal, besonders wegen des Herbstfestivals Autunno in Barbagia.
- Anreise: Ohne Mietwagen kommst du in die abgelegeneren Regionen praktisch nicht – stell dich auf kurvige Bergstraßen und langsamere Fahrten ein.
Wann du ins Inland Sardiniens reisen und wie du es entdecken solltest
Wenn du planst, Bergdörfer und archäologische Stätten zu erkunden, streiche den Sommer gleich von deiner Liste. Im Juli und August klettern die Temperaturen regelmäßig auf 35 °C, und in dieser Hitze über die aufgeheizten Steine der Sehenswürdigkeiten zu laufen, ist wohl das Letzte, was du im Urlaub erleben möchtest. Die beste Reisezeit für das Inland ist eindeutig der Frühling oder der Herbst, wenn sich die Temperaturen bei angenehmen 20 bis 25 Grad halten und die Natur entweder herrlich blüht oder in herbstliche Farbtöne getaucht ist.
Ein absolutes Highlight für Kulturliebhaber ist die Zeit von September bis Dezember, wenn in den Bergdörfern das traditionelle Festival Autunno in Barbagia stattfindet. An diesen Wochenenden öffnen die Einheimischen ihre Häuser und Höfe, zeigen alte Handwerkskünste und bieten die besten lokalen Käse und Weine an – ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Du musst allerdings bedenken, dass du irgendwie in die Berge kommen musst, und ohne Mietwagen ist das praktisch unmöglich. Der öffentliche Verkehr funktioniert zwar zwischen größeren Städten, aber zu den abgelegeneren Sehenswürdigkeiten und in die Bergpässe fahren keine Busse.
Sei bei der Planung deiner Route besonders vorsichtig mit Entfernungsschätzungen, denn auf der Insel gibt es keine klassischen Autobahnen und in die Berge führen nur schmale und sehr kurvige Sträßchen. Es kann dir leicht passieren, dass du für eine 60 Kilometer lange Strecke anderthalb Stunden brauchst – plane also für einen Tag nicht mehr als 150 bis 200 Kilometer Fahrt ein. Die Miete eines kleinen, wendigen Autos kostet dich außerhalb der Hochsaison etwa 30 bis 45 Euro pro Tag, aber Reisende warnen oft vor aggressiven Praktiken einiger Billiganbieter. Bestehe daher immer darauf, den Wagen vor der Übernahme gründlich zu fotografieren.
Wo du im Inland Sardiniens übernachten kannst
Die Unterkunftssuche in den Bergregionen ist eine ganz andere Disziplin als die Reservierung eines Strandhotels, denn hier triffst du vor allem auf traditionelle Familienunterkünfte. Ein absoluter Klassiker ist das sogenannte Agriturismo – funktionierende Bauernhöfe und ländliche Anwesen, in denen man dir oft nicht nur ein schönes Zimmer, sondern auch ein fantastisches hausgemachtes Abendessen aus eigenen Zutaten anbietet. Direkt im Herzen der Provinz Nuoro oder rund um das Städtchen Oliena zu wohnen, ist dabei eine sichere Wahl, denn von hier aus hast du die wichtigsten archäologischen Stätten sowie Bergtrekkings direkt vor der Haustür.
Im Inland Sardiniens zahlst du im Gegensatz zur Küste nicht für den Meerblick, sondern für Ruhe, Authentizität und Berglandschaft. Du findest hier die berühmten Kunsthotels ebenso wie familiäre Agriturismi, in denen man dir serviert, was gleich hinterm Haus angebaut wurde. Die meisten der schönsten Adressen verstecken sich rund um Oliena und Nuoro, von wo aus du bequem zu den Nuraghen und in die Barbagia aufbrechen kannst. Wähle nach deinem Urlaubsstil:
✨ Für ein einzigartiges Kunsterlebnis: Su Gologone Experience Hotel (Oliena) — das berühmte Kunsthotel am Fuße der Supramonte-Berge, voller sardischer Handwerkskunst; authentisches Sardinien wie aus dem Bilderbuch.
🏡 Für ein authentisches Agriturismo: Agriturismo Guthiddai (Oliena) — ein Familiengut zwischen Weinbergen und Olivenhainen nahe der Quelle Su Gologone, wo du isst, was hier selbst angebaut wird.
⛰️ Für Ruhe im Wald unter dem Supramonte: Hotel Monte Maccione (Oliena) — ein kleines Berghotel versteckt im Wald oberhalb von Oliena, ein Paradies für Wanderer und Ausgangspunkt für Trekkings über den Supramonte.
🏙️ Für eine praktische Basis in der Stadt: Euro Hotel (Nuoro) — komfortable Unterkunft direkt in Nuoro, ideal für Ausflüge zu den Nuraghen und in die Bergdörfer der Barbagia.
💡 Ein kleiner Tipp zum Schluss: Die meisten Hotels kannst du über Booking.com mit kostenloser Stornierung buchen, sodass du deinen Lieblingsplatz gleich reservieren und dich später in Ruhe entscheiden kannst. Warte aber nicht zu lange – die begehrtesten Adressen am Meer sind für Juli und August oft schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht, und die Preise klettern in der Hauptsaison um zig Prozent nach oben.
Nuraghen und geheimnisvolle Sehenswürdigkeiten
Bevor wir uns auf die einzelnen Orte stürzen, sollten wir erst einmal klären, worum es überhaupt geht, denn die Nuraghenkultur ist ein absolutes weltweites Unikat. Nuraghen sind megalithische, kegelförmige Türme, die auf der Insel in der Bronzezeit etwa zwischen 1800 und 500 vor unserer Zeitrechnung errichtet wurden. Die Erbauer verwendeten keinerlei Mörtel, sondern schichteten nur präzise riesige Felsbrocken aufeinander. Und obwohl diese Zivilisation kein einziges schriftliches Zeugnis hinterlassen hat, blieben über 7.000 dieser beeindruckenden Bauwerke erhalten.
1. Su Nuraxi di Barumini
Dieser riesige Komplex ist der unangefochtene König aller Nuraghen und hat sich als einziger auf der Insel den Eintrag in die UNESCO-Welterbeliste verdient. Er liegt etwa eine Stunde Fahrt nördlich von Cagliari und gilt als das am besten erhaltene Beispiel dafür, wie die gesamte Nuraghengesellschaft funktionierte. Der zentrale Turm maß ursprünglich stattliche 18 Meter, und um ihn herum wuchs nach und nach ein ganzes befestigtes Dorf mit Dutzenden runder Steinhütten.

Stell es dir wie ein gewaltiges antikes Labyrinth aus mächtigen Felsbrocken vor, durch das du frei wandeln und den Einfallsreichtum der einstigen Erbauer bewundern kannst. Die Besichtigung des Komplexes ist nur mit Führung möglich, was aber ein großer Vorteil ist, denn so erfährst du viele faszinierende Details über das tägliche Leben dieser geheimnisvollen Kultur. Wenn du hierher willst, empfehle ich dir, die aktuellen Öffnungszeiten auf der offiziellen Website der Stiftung Barumini zu prüfen, wo du auch die Eintrittspreise für die laufende Saison findest.
💡 Tipp: Eintrittskarten, Bootsausflüge und organisierte Touren sind in der Saison schnell ausgebucht – es lohnt sich, sie vorab online auf GetYourGuide zu kaufen.
2. Die Steinriesen von Mont’e Prama
Während die Nuraghen wenigstens einem Teil der Touristen bekannt sind, hat die Mehrheit der Menschen von der Existenz der riesigen Sandsteinstatuen keine Ahnung. Die Giganti di Mont’e Prama gehören zu den ältesten monumentalen Skulpturen im gesamten Mittelmeerraum, und viele Historiker vergleichen sie mit einem italienischen Pendant zur chinesischen Terrakotta-Armee. Diese über zwei Meter hohen Figuren von Kriegern, Bogenschützen und Boxern mit faszinierenden konzentrischen Augen wurden in den 1970er Jahren durch puren Zufall auf einem Feld entdeckt.

Ein Rätsel bleibt, warum diese riesigen Statuen in der Antike absichtlich in Tausende kleiner Stücke zerschlagen wurden, die Archäologen über Jahrzehnte mühsam wieder zusammensetzen mussten. Die größte Ausstellung dieser Statuen kannst du im kleinen Städtchen Cabras im Museum Civico Giovanni Marongiu bestaunen, aber einige sehr gut erhaltene Exemplare findest du auch im Nationalen Archäologischen Museum in der Hauptstadt Cagliari.
3. Nuraghe Santu Antine und Losa
Wenn dich die Steintürme faszinieren, solltest du unbedingt auch diese beiden beeindruckenden Komplexe im Nordwesten der Insel in deine Route aufnehmen. Der Nuraghe Santu Antine unweit des Städtchens Torralba hat sich bei den Einheimischen den Spitznamen Sa Domo de su Re verdient, was übersetzt „Haus des Königs“ bedeutet – und wenn du davor stehst, verstehst du sofort, warum. Sein mächtiger Zentralturm und das unglaublich ausgeklügelte System innerer Gänge und Treppen wirken eher wie eine mittelalterliche Burg als ein Bauwerk aus der Bronzezeit.

Nur ein Stück weiter beim Dorf Abbasanta befindet sich dann der majestätische Nuraghe Losa, der durch seinen massiven dreieckigen Grundriss besticht. Reisende loben, dass es hier im Gegensatz zum berühmteren Barumini deutlich weniger Touristen gibt, sodass du die geheimnisvolle Atmosphäre der kühlen Steingänge oft ganz für dich allein genießen kannst. Bei beiden Sehenswürdigkeiten wird ein kleiner Eintritt fällig, und die Besichtigung schaffst du in etwa einer Stunde.
4. Das Nuraghendorf Tiscali
Das hier ist ein Leckerbissen für alle, die gerne ein bisschen Geschichte mit einer ordentlichen Bergwanderung in wilder Natur verbinden. Tiscali ist ein einzigartiges prähistorisches Dorf, das weder auf einem Hügel noch in einem Tal liegt, sondern buchstäblich im Inneren einer riesigen Höhle versteckt ist, deren Decke in ferner Vergangenheit einstürzte. Es liegt im rauen Kalksteingebirge Supramonte, und dorthin führt ein recht anspruchsvoller Trek, der dich mindestens zwei Stunden steilen Aufstieg kostet.

Die Überreste der runden Hütten sind durch die Zeit und einstige Grabräuber zwar ziemlich zerstört, aber die Lage ist absolut atemberaubend. Die Menschen lebten angeblich jahrhundertelang in dieser isolierten Naturfestung und versteckten sich hier erfolgreich sogar vor den Überfällen der mächtigen Römer. Der Weg ist nichts für absolute Anfänger – nimm dir daher festes Schuhwerk und ausreichend Wasser mit, denn unterwegs triffst du auf keinerlei Infrastruktur.
5. Gräber der Riesen und Domus de Janas
Die nuraghische und vornuraghische Kultur hinterließ nicht nur Verteidigungstürme, sondern auch unglaublich mystische Begräbnisstätten, denen die Einheimischen sehr poetische Namen gaben. Die Tombe dei giganti, also die Gräber der Riesen, sind monumentale Steingräber mit einer riesigen Frontstele, von denen die Dorfbewohner lange glaubten, dass darin echte Riesen bestattet worden sein müssten. In Wirklichkeit handelte es sich um Massengräber der damaligen Elite, und die schönsten findest du rund um das Städtchen Arzachena verstreut.

Noch älter und wunderlicher sind die sogenannten Domus de Janas, was auf Sardisch „Häuser der Feen“ bedeutet. Es handelt sich um prähistorische Felsengräber, sorgfältig in Sandstein oder Kalkstein gehauen, die oft an kleine Zimmerchen mit eingemeißelten Türen und rituellen Symbolen erinnern. Über die ganze Insel verteilt gibt es Tausende von ihnen, sodass du bei deinen Streifzügen durchs Inland garantiert auf welche stößt – und es wäre eine Sünde, sie nicht wenigstens kurz zu erkunden.
Barbagia: das Herz des authentischen Sardiniens
Wenn sich eine Region als die wahre Seele der ganzen Insel bezeichnen lässt, dann ist es eindeutig die Provinz Nuoro und ihre historische Region Barbagia. Dieses abgelegene Berggebiet war über Jahrhunderte völlig isoliert und bewahrte sich dadurch seinen eigenen rauen Dialekt, seine Hirtenbräuche und eine tief verwurzelte Unabhängigkeit. Sogar die alten Römer konnten dieses Gebiet nie vollständig beherrschen und nannten es das „Land der Barbaren“ – woher übrigens auch der heutige Name stammt.
6. Orgosolo und die Wandmalereien
Wenn du nach Orgosolo kommst, schlägt dir sofort eine sehr spezielle, fast leicht rebellische Atmosphäre entgegen, die im Mittelmeerraum ihresgleichen sucht. Dieses Bergdorf ist berühmt für seine Murales – riesige Wandmalereien, die hier seit Ende der sechziger Jahre des letzten Jahrhunderts die Mauern der meisten Häuser bedecken. Dabei handelt es sich nicht um gewöhnliche Streetart, sondern um einen visuellen Aufschrei der Einheimischen, die so ihre Haltung zu Politik, Armut und sozialer Ungerechtigkeit ausdrücken.

Du findest hier über 200 Bilder, die alles kritisieren – von den Kriegen in der Welt bis hin zur Enteignung von Weideland –, und ein Spaziergang durch die Gassen ist wie der Besuch einer kostenlosen Freiluftgalerie. Orgosolo hatte in der Vergangenheit einen sehr düsteren Ruf, verbunden mit Blutrache und Banditen, doch heute ist es ein freundlicher Ort, an dem du bedenkenlos einen ausgezeichneten Kaffee genießen und die unglaublich starke lokale Energie aufsaugen kannst.
7. Mamoiada und die Mamuthones-Masken
Nur wenige Kilometer weiter liegt das unscheinbare Dorf Mamoiada, das eine der seltsamsten und geheimnisvollsten Traditionen in ganz Europa verbirgt. Das wichtigste Symbol des Dorfes sind die furchteinflößenden Mamuthones-Masken, die die Männer des Dorfes während des traditionellen Winterkarnevals tragen. Stell dir Gestalten vor, gekleidet in schwere dunkle Schaffelle, mit einer ausdruckslosen schwarzen Holzmaske vor dem Gesicht und einem riesigen Bündel schwerer Viehglocken auf dem Rücken, die bei jedem Schritt ohrenbetäubend rasseln.

Dieses heidnische Ritual symbolisiert angeblich den Sieg der Hirten über die bösen Geister, und seine Wurzeln reichen vielleicht bis in die ferne Nuraghenzeit zurück. Verpasse auf keinen Fall den Besuch des großartigen Museums Museo delle Maschere Mediterranee, wo du diese gruseligen Verkleidungen aus nächster Nähe betrachten und verstehen kannst, wie tief die magischen Rituale in den Herzen der Einheimischen verankert sind.
8. Oliena und die Quelle Su Gologone
Am Fuße der steilen Kalksteinberge des Supramonte liegt das weiße Dörfchen Oliena, das vor allem für den Anbau des fantastischen, schweren Rotweins der Sorte Cannonau berühmt ist. Ein Stück außerhalb der Stadt befindet sich zudem die Karstquelle Su Gologone, ein absolutes Naturphänomen und einer der schönsten Orte der Region. Eiskaltes und kristallklares Wasser sprudelt hier unter enormem Druck aus einer dunklen Felsspalte hervor und bildet einen wunderschön blaugrün gefärbten See.

Die Umgebung der Quelle ist wunderschön gepflegt, umgeben von üppigem Grün und uralten Bäumen, und damit ein absolut idealer Ort für einen ruhigen Nachmittagsspaziergang. Interessant ist, dass das Höhlensystem unter der Quelle so weitläufig ist, dass es bis heute selbst die erfahrensten Höhlentaucher nicht vollständig erkunden konnten. Tickets für die Besichtigung dieses magischen Ortes kannst du über das Tourismusportal der Region erwerben.
Berge und lebendige Traditionen
Wenn du dann genug von aufgeheizten Steinen und Dorfspaziergängen hast, empfehle ich dir, ordentliche Wanderschuhe anzuziehen und in die höchsten Lagen der Insel aufzubrechen. Das Inland Sardiniens bietet nämlich fantastische Bedingungen für Hochgebirgswanderungen, wo du statt Touristenmassen eher nur frei weidende Schafherden und halbwilde Pferde triffst. Die Natur ist hier wild und sieht an vielen Stellen noch genauso aus wie vor Tausenden von Jahren.
9. Das Gennargentu-Gebirge und Fonni
Der Nationalpark Golfo di Orosei e del Gennargentu bedeckt eine riesige Fläche des östlichen Inlands und verbirgt die allerhöchsten Gipfel. Der höchste Punkt der Insel ist der Berg Punta La Marmora, der sich auf 1.834 Meter erhebt und von dem aus du bei guter Sicht angeblich bis zur Küste blicken kannst, wo das blaue Meer mit dem Himmel verschmilzt. Der Trek zum Gipfel ist zwar lang, aber technisch recht anspruchslos, sodass ihn jeder durchschnittlich fitte Wanderer schafft.

Deine Basis für Ausflüge in die Berge kann das malerische Städtchen Fonni werden, die allerhöchstgelegene Gemeinde auf ganz Sardinien. Es liegt auf glatten tausend Metern Höhe, und während die Menschen am Meer in Badesachen baden, fällt hier im Winter ganz selbstverständlich Schnee – früher gab es hier sogar einen kleinen Skilift. Heute ist Fonni eher für seine bunten Murales und die Herstellung knuspriger lokaler Kekse bekannt.
10. Das Festival Autunno in Barbagia
Das ist wohl der beste Tipp für alle, die echte, ungeschminkte lokale Gastfreundschaft erleben möchten. Das Festival Autunno in Barbagia ist ein wanderndes Herbstfest, das jedes Wochenende von September bis Dezember stattfindet, jedes Mal in einem anderen der rund dreißig teilnehmenden Dörfer. An diesen Tagen gelten die sogenannten Cortes Apertas, also „offene Höfe“, bei denen dich die einheimischen Familien direkt in ihre Häuser und alten Steinhöfe lassen.

Du siehst hier Großmütter von Hand Nudeln ausrollen, Schnitzer hölzerne Masken anfertigen und probierst Produkte, die du in keinem gewöhnlichen Supermarkt bekommst. Du kostest Käse, den du in keinem normalen Laden kaufen kannst, hörst traditionellen mehrstimmigen Gesang und gehst mit dem Gefühl, einen Blick hinter den Vorhang geworfen zu haben, den ein gewöhnlicher Tourist niemals lüftet. Vergiss nicht, den genauen Festkalender für das laufende Jahr auf der offiziellen Website von Autunno in Barbagia zu prüfen.
Was du im Inland Sardiniens probieren solltest
Die sardische Küche aus den Bergen unterscheidet sich völlig von der, die man dir in den Küstenresorts serviert, und sie ist ein wahrer kulinarischer Schatz. Lass dir auf keinen Fall die Culurgiones entgehen – wunderschön von Hand geflochtene Teigtaschen, gefüllt mit zerdrückten Kartoffeln, kräftigem Pecorino-Käse und Blättern frischer Minze. Reisende sind sich einig, dass sie in Kombination mit einer einfachen Tomatensauce eine riesige Delikatesse sind, die ursprünglich aus den Regionen Barbagia und Ogliastra stammt.
Zu absolut jedem Gericht bekommst du hier außerdem Pane Carasau, ein extrem dünnes und knuspriges Hirtenbrot, das lange Monate frisch blieb, wenn die Männer mit ihren Herden in die Berge zogen. Die Einheimischen lieben es auch in Form des sogenannten Pane Frattau, bei dem die Fladen mit Sauce und Käse geschichtet werden – wenn du kein Fleisch isst, frag aber lieber nach, ob der Koch keine Fleischbrühe verwendet hat. Als süßen Abschluss musst du schließlich die Seadas probieren, sündhaft gute frittierte Teigtaschen, gefüllt mit frischem Käse und großzügig mit herbem Kastanienhonig übergossen.
Was lokale Spezialitäten für Fleischliebhaber angeht, schwören die Einheimischen im Inland am häufigsten auf das traditionelle Porceddu – ein langsam am Spieß gebratenes Spanferkel, gewürzt mit wilder Myrte, das stundenlang über offenem Feuer zubereitet wird. All das großartige Essen spülen die Einheimischen gerne mit einem vollmundigen Rotwein der Sorte Cannonau hinunter, der angeblich das Geheimnis der Langlebigkeit der hiesigen Bewohner ist, oder mit einem Gläschen des starken Kräuterlikörs Mirto.
Wohin als Nächstes
- Urlaub auf Sardinien: was du sehen und unternehmen kannst
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- Wetter auf Sardinien
Häufig gestellte Fragen
Was sind Nuraghen?
Sind das megalithische kegelförmige Türme aus der Bronzezeit, errichtet aus riesigen Steinbrocken ohne Verwendung von Mörtel. Auf der ganzen Insel gibt es mehr als 7.000 davon und es handelte sich wahrscheinlich um Verteidigungs-, Wohn- oder religiöse Bauten der uralten Nuraghen-Zivilisation.
Welchen Nuraghen auf Sardinien sollte man besuchen?
Wenn ihr nur Zeit für einen habt, wählt auf jeden Fall den großartigen Komplex Su Nuraxi di Barumini, der zum UNESCO-Welterbe gehört. Sehr beliebt und imposant sind auch Nuraghe Santu Antine und Nuraghe Losa im Nordwesten der Insel.
Was ist Su Nuraxi di Barumini?
Hier geht es um die bekannteste und am besten erhaltene archäologische Stätte der Nuraghenkultur auf der Insel. Sie besteht aus einem zentralen, mächtigen Steinturm, der von einer ausgedehnten Befestigungsanlage und den Überresten eines antiken Runddorfes umgeben ist, wobei die Besichtigung nur mit Führung möglich ist.
Wer sind die Steinriesen von Mont’e Prama?
Dabei handelt es sich um einzigartige antike Sandsteinskulpturen von Kriegern, Bogenschützen und Boxern, die über zwei Meter groß sind. Diese faszinierenden Plastiken aus der Zeit der Nuraghenkultur könnt ihr im Museum in dem Städtchen Cabras oder im Nationalen Archäologischen Museum in Cagliari bewundern.
Was kann man in Barbagia sehen?
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Lasst euch auf keinen Fall das Bergdorf Orgosolo voller politischer Wandmalereien, das geheimnisvolle Mamoiada mit den traditionellen Mamuthones-Masken und das wunderschöne Dörfchen Oliena entgehen. Sehenswert sind auch die magische Karstquelle Su Gologone oder das Hochgebirgsstädtchen Fonni.
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Warum gibt es in Orgosolo Wandmalereien auf den Häusern?
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Die sogenannten Murales begannen in Orgosolo Ende der 1960er Jahre als eine Form des politischen und sozialen Protests zu entstehen. Die Einheimischen drücken durch die riesigen Wandmalereien bis heute ihren Unmut über Armut, Enteignung von Land oder über weltweite Konflikte aus.
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Wo kann man sich im Landesinneren Sardiniens eine Unterkunft suchen?
Das mit Abstand beste Erlebnis ist die Wahl eines sogenannten Agriturismo, also ländliche Anwesen und funktionierende Bauernhöfe, wo man sich um euch wie um die eigene Familie kümmert. Eine ideale strategische Lage für Ausflüge bieten Unterkünfte in der Umgebung der Städte Nuoro oder Oliena, mitten im Herzen der Provinz Barbagia.
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