Lourdes in Frankreich: 11 Tipps für den Wallfahrtsort 2026

TL;DRLourdes im Südwesten Frankreichs ist eine Wallfahrtsstadt am Fuß der Pyrenäen, die jährlich vier bis sechs Millionen Besucher anzieht. Zu den besten Tipps zählen die Grotte Massabielle mit der Marienerscheinung, die gotische Basilika der Unbefleckten Empfängnis, die brutalistische unterirdische Pius-X.-Basilika für 25.000 Menschen und die abendliche Lichterprozession. Der Zutritt zum gesamten Heiligtum ist kostenlos, empfehlenswerte Unterkünfte wie das Grand Hôtel Moderne kosten 130 bis 180 Euro pro Nacht. Die beste Reisezeit ist Ende Mai/Anfang Juni oder Oktober, wenn es nicht so überlaufen ist wie zwischen Ostern und Ende Oktober. Von Lourdes fährst du gut eine Stunde (50 km) zum Cirque de Gavarnie mit seinem 422 Meter hohen Wasserfall, und mit der Seilbahn geht es auch hinauf zum Pic du Midi auf 2877 Meter Höhe.

Frankreich hat viele Gesichter, doch Lourdes in Frankreich am Fuße der Pyrenäen ist eine ganz eigene Welt. Jedes Jahr empfängt das kleine Städtchen im Südwesten des Landes Millionen von Besuchern. Manche kommen mit großer Hoffnung hierher, andere lockt eher die pure Neugier.

In diesem Artikel findest du 11 praktische Tipps, mit denen du diesen faszinierenden Wallfahrtsort in vollen Zügen genießt. Du erfährst, wo du eine strategisch günstige Unterkunft findest und wann die beste Reisezeit ist. So saugst du die unglaubliche Atmosphäre ganz leicht auf – selbst wenn du nicht zu den tief Gläubigen gehörst.

Zusammenfassung

  • Die magische Grotte von Massabielle: Der Ort der Erscheinung, wo absolute Stille herrscht und wo du den heiligen Fels berühren kannst.
  • Die abendliche Lichterprozession: Die intensivsten Emotionen erlebst du nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Tausende Menschen mit brennenden Kerzen durch die Nacht schreiten.
  • Das Wasser von Lourdes: Die wundersame Quelle, aus der du Wasser in Fläschchen abfüllen oder das traditionelle Ritual vollziehen kannst.
  • Die unterirdische Basilika: Ein faszinierender Betonkoloss in Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs, in den unglaubliche 25.000 Besucher passen.
  • Ausflüge in die Pyrenäen: Die Stadt ist ein absolut idealer Ausgangspunkt für Touren zu den Wasserfällen von Gavarnie oder auf den Gipfel des Pic du Midi.
  • Kommerz vs. Spiritualität: Stell dich auf einen gewaltigen Kontrast zwischen den Neon-Souvenirläden in den Gassen und dem stillen Gebet im Heiligtum ein.

Wann nach Lourdes reisen

Lourdes erwacht vor allem in der Zeit von Ostern bis Ende Oktober zum Leben, wenn die meisten Besucher hierherströmen und die ganze Stadt auf Hochtouren läuft. Jedes Jahr kommen unglaubliche vier bis sechs Millionen Menschen hierher, wobei der absolute Höhepunkt der Touristen- und Pilgersaison traditionell in die heißen Sommermonate fällt. Besonders intensiv ist der 15. August, an dem Mariä Himmelfahrt gefeiert wird und an dem die Straßen und Hotels unter dem Ansturm der Pilger aus aller Welt buchstäblich aus allen Nähten platzen.

Wenn du deine Reise für 2026 planst, solltest du wissen, dass Lourdes in einen neuen dreijährigen Zyklus eintritt, der dem heiligen Lukas gewidmet ist. Verschiedene Diözesen aus aller Welt organisieren in dieser Zeit riesige nationale Wallfahrten, sodass die Logistik in der Stadt extrem angespannt ist und Unterkünfte blitzschnell ausgebucht sind. Die britische Diözese etwa schickt Ende August eine gewaltige organisierte Pilgerreise hierher, weshalb ich für einen ruhigeren Besuch eher den Wechsel von Mai auf Juni oder den warmen Oktober empfehle, wenn die Menschenmassen abnehmen, das Wetter im Vorland der Pyrenäen aber immer noch sehr angenehm ist.

Und wie kommst du am besten aus Deutschland hierher? Am sinnvollsten ist ein Flug nach Toulouse oder Bordeaux – etwa mit Lufthansa oder Eurowings ab Frankfurt oder München – und direkt am Flughafen ein zuverlässiges Auto zu mieten. Die Fahrt vom Flughafen Toulouse dauert über die Autobahn rund zwei Stunden, in denen du die 175 Kilometer bis zum Fuß der Berge zurücklegst. Ein Auto gibt dir auf jeden Fall enorme Freiheit, denn die schönsten Pyrenäen-Wasserfälle und Gletscherseen erreichst du allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln wirklich nur sehr schwer.

Wo in Lourdes übernachten

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten vergleichst und buchst du dann am besten über GetYourGuide.

Lourdes ist buchstäblich übersät mit Hotels und Pensionen, doch du musst damit rechnen, dass die meisten von ihnen vor allem auf große organisierte Gruppen ausgerichtet sind und oft einen leichten Retro-Charme vergangener Jahrzehnte versprühen. Wenn du etwas Persönlicheres und Komfortableres suchst, lohnt es sich auf jeden Fall, dein Zimmer mit großem Vorlauf über Booking zu reservieren. Wähle idealerweise eine Unterkunft in Gehweite zum heiligen Bezirk, damit du dich nicht mit dem komplizierten abendlichen Parken herumschlagen musst – das ist in den engen Gassen während der Sommersaison ein absoluter Albtraum, und die Polizei verteilt nur allzu gern Strafzettel fürs Falschparken.

Eine ausgezeichnete Wahl ist das berühmte Grand Hôtel Moderne, das dich sofort mit seiner historischen Atmosphäre und der wunderschönen Architektur aus der Belle Époque verzaubert. Es liegt nur wenige Schritte vom Haupteingang des Heiligtums entfernt, sodass du es zur magischen Abendprozession wirklich nur einen Katzensprung hast und dich nicht durch die Menschenmassen quer durch die Stadt drängen musst. Die Preise pro Nacht für zwei Personen liegen hier in der Saison 2026 orientierungsweise bei etwa 130 bis 180 Euro, was für eine derart prestigeträchtige Lage durchaus angemessen ist.

Wenn du moderneres und ruhigeres Ambiente bevorzugst, schau dir das Hôtel Roissy oder das sehr beliebte Hôtel Alba an, die ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, blitzsaubere Zimmer und freundliches Personal bieten. Normale Reisende sollten allerdings besser Unterkünfte direkt im Epizentrum der lautesten Einkaufsstraßen meiden. Eine Alternative für Naturliebhaber ist es, das Basislager in den nahen Bergstädtchen wie Cauterets oder Luz-Saint-Sauveur aufzuschlagen, von wo aus du nah an den Pyrenäen-Trekkings bist und Lourdes nur als Nachmittagsausflug besuchen kannst.

11 Tipps, was man in Lourdes sehen und unternehmen kann

Schauen wir uns 11 konkrete Tipps an, was du in Lourdes und der näheren Umgebung sehen und unternehmen kannst. Egal ob du spirituellen Trost suchst oder dich eher für architektonische und landschaftliche Sehenswürdigkeiten interessierst – hier kommst du garantiert auf deine Kosten.

1. Die Grotte von Massabielle und die Erscheinung

Genau hier ist der heilige Ort, an dem 1858 alles begann und der die Geschichte der gesamten Region für immer veränderte. Damals behauptete das erst vierzehnjährige Mädchen Bernadette Soubirous, ihr sei in der flachen Grotte von Massabielle wiederholt die Jungfrau Maria erschienen. Heute ist dieser kleine Felsvorsprung am Ufer des Flusses Gave de Pau das pulsierende Herz des gesamten Wallfahrtsgeländes, zu dem jedes Jahr Millionen Gläubige aus aller Welt strömen.

Wenn du näher an die Grotte herankommst, ergreift dich sofort die absolute, sehr respektvolle Stille, die hier herrscht. Die Menschen stehen in langen, aber disziplinierten Schlangen, beten leise, zünden Kerzen an und berühren voller Hoffnung den feuchten Kalkstein. Über die langen Jahrzehnte ist der Fels von Millionen Händen unglaublich glatt geschliffen, und die ganze Szene wirkt selbst auf überzeugte Atheisten, die nur aus Neugier herkommen, sehr eindrücklich.

💡 Tipp: Wenn du den größten Menschenmassen entgehen und den Ort in seiner reinsten Form erleben möchtest, komm früh am Morgen gegen sieben Uhr zur Grotte. Das Gelände des Heiligtums ist bereits ab Tagesanbruch geöffnet, und der Morgennebel, der vom eiskalten Bergfluss aufsteigt, verleiht dem ganzen Platz eine unbeschreiblich mystische und ruhige Atmosphäre.

2. Die Basilika der Unbefleckten Empfängnis

Direkt über der Erscheinungsgrotte erhebt sich ein prachtvolles weißes Bauwerk, das als visuelles Wahrzeichen und Orientierungspunkt von ganz Lourdes dient. Die Basilika der Unbefleckten Empfängnis wurde 1871 fertiggestellt, und ihr eleganter, scharf geschnittener schlanker Turm ist dank der erhöhten Lage wohl aus jedem Winkel des Städtchens sichtbar. Der strahlend weiße Stein bildet zudem einen absolut fantastischen Kontrast zu den tiefgrünen Pyrenäenhängen, die sich gleich hinter dem Gelände erheben.

Wirf unbedingt auch einen Blick ins Innere, denn das neugotische Interieur ist wirklich wunderschön und detailreich gestaltet. Die atemberaubenden bunten Glasfenster erzählen die komplette Geschichte der Erscheinung und lassen an sonnigen Tagen ein schönes, weiches Licht herein, das die Steinwände einfärbt. Ringsum siehst du Hunderte von Marmor-Danktafeln von Pilgern aus den verschiedensten Ecken der Welt, die glauben, dass dieser Ort ihnen die ersehnte Heilung oder Trost im Leben gebracht hat.

Zur Basilika führt ein eindrucksvolles architektonisches Element in Form eines Systems gewaltiger steinerner Rampen, die den Hauptplatz wie zwei riesige schützende Arme umschließen. Von hier aus eröffnet sich dir ein perfekter Panoramablick auf den gesamten heiligen Bezirk, und erst aus der Vogelperspektive wird dir das gewaltige, endlose Strömen der Menschen in Richtung Grotte voll bewusst.

3. Die unterirdische Basilika Pius X.

Das ist ein gewaltiger architektonischer Schock, den du in einer traditionell verzierten, von Neugotik geprägten Wallfahrtsstadt wohl überhaupt nicht erwarten würdest. Die unterirdische Basilika des heiligen Pius X. ist ein gigantisches Betonbauwerk im reinen Stil des Brutalismus, das 1958 zum hundertjährigen Jubiläum der ersten Erscheinung feierlich geweiht wurde. Für viele Liebhaber moderner Architektur ist gerade dieser Raum der interessanteste des gesamten Komplexes.

Von außen siehst du sie fast gar nicht, denn sie ist geschickt unter der Erdoberfläche verborgen, und ihr Dach besteht aus einer weitläufigen grünen Rasenfläche. Sobald du aber die breiten Treppen hinabsteigst, überwältigt dich ein Raum von riesigen Ausmaßen, der an den umgedrehten Rumpf eines Schiffes erinnert. Das gesamte Bauwerk ist technisch so konzipiert, dass in sein elliptisches Inneres ohne die geringsten Probleme unglaubliche 25.000 Besucher auf einmal passen.

💡 Tipp: Selbst wenn gerade keine große internationale Messe stattfindet und der Raum gähnend leer ist, steig unbedingt hinunter und geh am Rand entlang. Der Spaziergang durch die riesige Betonhalle hat eine eigentümliche, fast leicht dystopische und rohe Atmosphäre, die scharf und höchst interessant mit der romantischen, verspielten Architektur der oberen historischen Basiliken kontrastiert.

4. Die abendliche Lichterprozession

Das absolut intensivste emotionale Erlebnis erwartet dich in Lourdes nicht tagsüber, sondern erst lange nach Einbruch der Dunkelheit. Täglich, etwa von April bis Ende Oktober, findet auf dem Hauptplatz pünktlich um 21:00 Uhr die berühmte Marienprozession statt. Tausende Menschen aus aller Welt versammeln sich mit brennenden Kerzen in den Händen und schreiten langsam, in völligem Gleichklang, über die breiten Wege des Wallfahrtsgeländes.

Es ist ein visuell absolut überwältigendes Schauspiel, das garantiert jeden Besucher ergreift und zu Tränen rührt – ganz unabhängig von der Konfession. Die Menschenmengen bilden unter dem ununterbrochenen Gesang des traditionellen Ave Maria einen endlosen Fluss flackernden Lichts, der sich durch die Dunkelheit zieht. Die Kraft der geteilten Hoffnung nimmt hier eine fast greifbare, physische Form an, und die gesamte nächtliche Atmosphäre ist unbeschreiblich ergreifend.

Eine Kerze mit Papierschutzhülle gegen den Wind kannst du für ein paar Cent praktisch an jeder Ecke in den Gassen rund um das Gelände kaufen. Ich empfehle, etwas früher zum Hauptplatz zu kommen, um dir einen guten erhöhten Platz auf den Treppen zum Beobachten und Fotografieren zu sichern – oder du schließt dich einfach der Menge an und wirst selbst Teil dieses faszinierenden Rituals.

5. Das Wasser von Lourdes und die Reinigungsbäder

Das klare Wasser, das aus der Quelle direkt in der Grotte von Massabielle entspringt, ist ein Phänomen für sich und der Hauptgrund, warum viele hierherkommen. Pilger aus aller Welt glauben fest an seine wundersame, heilende Wirkung auf Körper und Seele. Entlang der Felswand findest du heute Dutzende ordentlich aufgereihter steinerner Wasserhähne, an denen du das Wasser kostenlos in Fläschchen abfüllen und ein Stück Lourdes mit nach Hause nehmen kannst.

Historisch kamen schwerkranke Menschen hierher, um in den dafür vorgesehenen steinernen Becken ein komplettes Reinigungsbad zu nehmen. In den letzten Jahren rückt man aus hygienischen Gründen allerdings vom vollständigen Eintauchen in das eiskalte Wasser etwas ab. Stattdessen wird die sogenannte Wassergeste praktiziert, bei der du unter Aufsicht von Freiwilligen symbolisch Gesicht und Hände wäschst – ein sichereres, aber immer noch sehr spirituelles Erlebnis.

💡 Tipp: Wenn du das Wasser von Lourdes als Andenken mitnehmen möchtest, kaufe keine unnötig überteuerten Plastikkanister in den Einkaufsgassen. Eine ganz normale, saubere Flasche aus dem Supermarkt reicht völlig aus. Das Quellwasser wird regelmäßig und sehr streng in Laboren getestet, ist absolut trinkbar, herrlich kühl und an heißen Sommertagen wunderbar erfrischend.

6. Der monumentale Kreuzweg auf dem Hügel

Wenn du dich für eine Weile vom ständigen Strömen der Menschenmassen auf dem Hauptplatz erholen und gleichzeitig in der Natur die Beine vertreten möchtest, mach dich auf zum örtlichen Kreuzweg. Er schlängelt sich den steilen, bewaldeten Hügel Colline des Espélugues direkt über dem Heiligtum hinauf und bietet einen schönen, stillen Spaziergang im angenehmen Schatten mächtiger Bäume – das wirst du im Sommer sicher zu schätzen wissen.

Der gesamte Weg ist nach und nach mit 115 monumentalen Statuen aus goldfarbenem Metall bestückt, die in Überlebensgröße modelliert sind. Die realistischen Szenen aus den letzten Tagen im Leben Christi wirken in der natürlichen, wilden Umgebung sehr dramatisch, wobei die gesamte Strecke etwa anderthalb Kilometer recht steil bergauf misst und dich körperlich durchaus fordert.

Für ältere Besucher, Familien mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl ist diese bewaldete Strecke leider zu anstrengend und nicht zugänglich. Direkt im unteren Gelände in der Ebene findest du aber zum Glück noch einen weiteren, modernen und vollständig barrierefreien Kreuzweg, sodass keinem Besucher dieses intensive künstlerische und spirituelle Erlebnis entgeht.

7. Die Burg und das Pyrenäen-Museum

Lourdes ist nicht nur ein weltberühmtes Wallfahrtsgelände, sondern auch eine interessante historische Stadt mit einer prächtigen mittelalterlichen Festung, die das ganze Tal überragt. Das Château Fort de Lourdes thront auf einem hohen, steilen Felsen mitten in der Stadt und diente jahrhundertelang als uneinnehmbarer militärischer Wächter der strategischen Handelsroute, die tief in die Pyrenäen hineinführte.

Heute musst du zum Glück keine anstrengenden Treppen mehr steigen, denn du gelangst bequem mit einem verglasten Aufzug hinauf, und von den massiven Mauern eröffnet sich dir ein absolut konkurrenzloser Panoramablick auf das gesamte Heiligtum und die umliegenden grünen Berggipfel. Es ist der mit Abstand beste Ort, um die spektakulärsten Fotos des gesamten Tals von Lourdes aus der Vogelperspektive zu schießen.

Im Inneren des Burgkomplexes solltest du dann unbedingt das Pyrenäen-Museum besuchen, das auf packende Weise das harte, traditionelle Leben der einheimischen Bergbewohner zeigt. Du findest hier interessante Beispiele alter Handwerkskünste, kunstvoll verzierte Trachten sowie verkleinerte Modelle typischer ländlicher Behausungen und Bauernhöfe aus der weitläufigen Region Südwestfrankreichs.

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8. Die Atmosphäre der Wallfahrten und großen Feiertage

Ein Besuch in Lourdes während der bedeutendsten kirchlichen Feiertage ist ein Kapitel für sich und erfordert ein wenig mentale Vorbereitung. Die ganze Stadt verwandelt sich in diesen Tagen in einen einzigen riesigen, pulsierenden Organismus, in dem die Straßen ununterbrochen von Hunderten aufopferungsvoller Freiwilliger durchzogen werden, die blaue Rollstühle schieben – mit schwerkranken Pilgern, die hierhergekommen sind, um Heilung zu suchen.

Es ist absolut faszinierend, die unglaubliche Logistik und Organisation zu beobachten, die eine Stadt mit gerade einmal fünfzehntausend ständigen Einwohnern bewältigen kann. Am örtlichen Bahnhof treffen aus ganz Europa spezielle weiße Züge ein, die zu fahrenden Krankenhäusern umgebaut wurden, und überall herrscht eine ansteckende Atmosphäre gegenseitiger Hilfe und zwischenmenschlicher Solidarität, die in der heutigen schnelllebigen Welt durchaus einzigartig ist.

💡 Tipp: Während der großen Augustfeiertage wie Mariä Himmelfahrt oder während der nationalen Wallfahrten (2026 etwa die große britische Wallfahrt Ende August) rechne mit extremen Wartezeiten bei absolut allem. Von Plätzen in Restaurants über das Parken bis hin zum Zugang zur Grotte selbst. Wenn du keine Menschenmassen magst, mach um diese stark frequentierten Termine einen großen Bogen.

9. Ausflug auf den Pic du Midi

Wenn du von der spirituellen Atmosphäre und dem städtischen Trubel gerade genug hast, mach dich auf, um die wilde, ungezähmte Natur zu entdecken. Lourdes ist nämlich ein absolut fantastischer Ausgangspunkt für Tagestouren in die Hochgebirge. Eines der besten und am leichtesten zugänglichen Erlebnisse ist die Auffahrt mit der riesigen Seilbahn auf den majestätischen Gipfel des Pic du Midi de Bigorre in eine atemberaubende Höhe von 2877 Metern über dem Meer.

Die Reise beginnt im nahen Skiort La Mongie, und die moderne Seilbahn bringt dich im Nu direkt auf den steilen, felsigen Gipfel, wo du den plötzlichen Temperatursturz zu spüren bekommst. Oben ist seit Ende des neunzehnten Jahrhunderts ununterbrochen das berühmte astronomische Observatorium in Betrieb, denn hier herrschen einige der allerbesten und klarsten Bedingungen zur Beobachtung des Nachthimmels in ganz Europa.

Von den riesigen Aussichtsterrassen überblickst du bei klarem Wetter die gesamte gewaltige Mauer der Pyrenäen, die sich über Hunderte Kilometer erstreckt. Für echte Feinschmecker und Romantiker gibt es sogar die Möglichkeit, auf dem Gipfel eine exklusive Übernachtung zu reservieren, den Abend mit einheimischen Astronomen unter dem Sternenhimmel zu verbringen und am Morgen hoch über den Wolken mit Blick auf den Sonnenaufgang aufzuwachen.

10. Der Cirque de Gavarnie und die Wasserfälle

Wenn du in den gesamten Pyrenäen nur ein einziges Naturwunder sehen kannst, dann sei es auf jeden Fall der überwältigende Cirque de Gavarnie, den du von Lourdes aus mit dem Auto in etwa eineinviertel Stunden (50 Kilometer) erreichst. Dieses gewaltige Gletscher-Amphitheater, das zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, beschrieb der berühmte Schriftsteller Victor Hugo als natürliches Kolosseum – und beim Anblick stellst du fest, dass er keineswegs übertrieben hat.

Stell dir eine gigantische Felswand vor, die sich steil über 1500 Meter in die Höhe türmt, einen perfekten Halbkreis von sechs Kilometern Durchmesser bildet und das ganze Tal abschließt. Aus dieser mächtigen Kalksteinmauer stürzen zahllose eisige Quellen herab, wobei der größte Wasserfall, die Grande Cascade, unglaubliche 422 Meter misst und damit zu den allerhöchsten in ganz Europa gehört.

Der Weg vom Parkplatz im Dorf zum Wasserfall selbst ist überraschend einfach, führt durch sanftes Gelände und dauert etwa eineinhalb Stunden gemütlicher Wanderung. Du kannst dir hierher auch problemlos organisierte Ausflüge über GetYourGuide reservieren, falls du dich nicht mit der Anreise im eigenen Auto und dem Fahren über die engen, kurvigen Bergsträßchen herumschlagen möchtest.

11. Wallfahrtskommerz und Souvenirs

Der letzte Tipp ist eher eine praktische Beobachtung der rauen örtlichen Realität, die dich vielleicht überrascht. Lourdes ist nämlich eine Stadt der gewaltigen und oft schwer nachvollziehbaren Extreme. Gleich hinter den Toren des heiligen, stillen und beruhigenden Geländes beginnt eine wilde Kommerzzone voller grell leuchtender Neonschilder und Hunderter Souvenirläden, die sich gegenseitig darin überbieten, deine Aufmerksamkeit zu erregen.

Stell dich darauf ein, Schaufenster zu sehen, die überquellen mit bunten Plastikfläschchen in Form der Jungfrau Maria, im Dunkeln leuchtenden Rosenkränzen, Kanistern für Weihwasser und kitschigen Figürchen jeder erdenklichen Art. Dieser massive visuelle Ansturm ist für viele Menschen geradezu schockierend, aber er gehört zum Kolorit von Lourdes und zum Funktionieren der örtlichen Wirtschaft seit vielen Jahrzehnten einfach untrennbar dazu.

💡 Tipp: Schau dir die Souvenirs in Ruhe als interessantes kulturelles Phänomen an, aber denk daran, dass die Preise in den Gassen am nächsten zum Heiligtum deutlich überzogen sind. Wenn du für dich oder deine Lieben ein etwas dezenteres Andenken suchst, stöbere lieber in den kleineren Läden, die tiefer im historischen Stadtzentrum versteckt sind, abseits des Hauptstroms der Touristen.

Wohin weiter von Lourdes aus

Wenn du von der spirituellen Atmosphäre von Lourdes und den majestätischen Bergen gerade genug hast, empfehle ich, gleich Richtung Ozean aufzubrechen. Nur etwas mehr als zwei Stunden Autofahrt trennen dich von einer völlig anderen Welt, in der Surfkultur, lange Strände und eine sehr entspannte Stimmung herrschen.

Du findest hier das berühmte Biarritz und das Baskenland, das dich sofort mit seinen wilden Klippen und der authentischen Architektur verzaubert. Halt im wunderschönen historischen Bayonne auf eine traditionell dickflüssige heiße Schokolade an oder erkunde die malerischen Fischergassen in Saint-Jean-de-Luz. Es ist ein absolut idealer Kontrast zu den stillen Bergtälern.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet der Eintritt in die Anlage in Lourdes?

Der Eintritt zum gesamten heiligen Bezirk, einschließlich der Grotte von Massabielle, des Prozessionsplatzes und aller Basiliken, ist völlig kostenlos und für alle offen, unabhängig von der Konfession. Bezahlt wird nur freiwillig für Kerzen, gegebenenfalls für den Eintritt in die historischen Museen oder zur mittelalterlichen Burg, die sich über der Stadt erhebt.

Können auch Nichtgläubige die Basiliken und die Grotte besuchen?

Absolut ja, Sie brauchen keine Bedenken zu haben. Lourdes ist offen für Menschen aller Glaubensrichtungen sowie für neugierige nicht-gläubige Besucher, die hierher kommen, um die Architektur und das Phänomen des Ortes zu bewundern. Es wird lediglich grundlegender menschlicher Respekt für den Ort und ein ruhiges, rücksichtsvolles Verhalten in unmittelbarer Nähe der Grotte erwartet, wo sich Menschen auf stilles Gebet konzentrieren.

Kann man das Lourdes-Wasser normal trinken?

Ja, das Wasser, das direkt in der Höhle aus der Bergquelle entspringt, wird regelmäßig und sehr streng in Laboren getestet, um alle Hygienevorschriften zu erfüllen. Es ist absolut reines, erfrischendes Quellwasser, das ihr bedenkenlos trinken und in eure eigenen Flaschen an den dafür vorgesehenen steinernen Trinkbrunnen in der Nähe der Höhle abfüllen könnt.

Wie kleidet man sich für den Besuch eines Heiligtums?

Da es sich um einen der bedeutendsten Wallfahrtsorte der Welt handelt, wird logischerweise respektvolle und angemessen anständige Kleidung erwartet. Es wird empfohlen, Schultern und idealerweise auch Knie zu bedecken, also lasst sehr kurze Strandshorts, tiefe Ausschnitte oder Tanktops lieber im Hotel, um ältere Pilger nicht unnötig zu verärgern.

Ist Lourdes für Rollstuhlfahrer geeignet?

Lourdes ist wahrscheinlich die am besten barrierefrei zugängliche Stadt der ganzen Welt. Angesichts der enormen Anzahl an kranken Pilgern im Rollstuhl findet man hier überall bequeme Rampen, geräumige Aufzüge, perfekt angelegte breite Wege und sogar einen speziell angepassten ebenen Kreuzweg im unteren Teil des Geländes.

Wie viel kostet ein Aufenthalt in Lourdes für ein paar Tage?

Die Preisniveaus sind hier im Vergleich zu Paris oder der französischen Riviera überraschend günstig. Ein Zimmer für zwei Personen in einem ordentlichen Drei-Sterne-Hotel bekommt man in der Saison 2026 für etwa 100 bis 150 Euro pro Nacht. Ein Kaffee kostet etwa 3 Euro und ein einfaches Mittagessen in einem lokalen Bistro abseits der Haupttouristenströme gibt es für rund 15 Euro pro Person.

Finde ich in Lourdes gutes vegetarisches Essen?

Frankreich kann für Vegetarier manchmal etwas knifflig sein, aber in Lourdes und Umgebung werdet ihr das problemlos meistern. Besucht die traditionellen lokalen Crêperien für hervorragende herzhafte Pfannkuchen gefüllt mit lokalem Käse und Champignons, oder ihr findet dank der internationalen Kundschaft jede Menge italienische Restaurants mit guter Pizza und Pasta. Probiert auf jeden Fall auch die köstlichen lokalen Hartkäse aus Schafsmilch, die typisch für die Pyrenäenregion sind.

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Champagne in Frankreich: 12 Tipps für Reims, Épernay & Keller 2026

TL;DRDie Champagne punktet mit der Kombination aus Reims mit seiner gotischen Kathedrale Notre-Dame (hier wurden 33 französische Könige gekrönt) und Épernay mit der Avenue de Champagne, unter der über 200 Millionen Flaschen lagern. Der Beitrag liefert 12 Tipps, darunter die Kreidekeller der Champagnerhäuser Taittinger, Moët & Chandon und Mercier, das mit Dom Pérignon verbundene Dorf Hautvillers und der Leuchtturm von Verzenay. Verkostungen kosten 2026 zwischen 40 und 90 Euro, in den Kellern herrschen konstant rund 10 bis 12 °C. Die beste Reisezeit ist Mai, Juni oder September. Von Paris nach Reims fährst du mit dem TGV nur 45 Minuten.

Stell dir ein Glas mit feiner Perlage im Schatten einer gotischen Kathedrale vor, wo sich alles um Perfektion dreht. Wenn dich französischer Wein reizt, entdeckst du das wahre Herz dieses Weinerbes in der Champagne in Frankreich, gleich östlich von Paris.

Echter Champagner ist eine stolze geschützte Marke und ein geologisches Unikat, für das Genießer aus aller Welt anreisen. Erwarte hier aber keine kleinen verstaubten Kellerchen. Vor dir öffnet sich eine faszinierende Welt berühmter Häuser und unterirdischer Labyrinthe, die Millionen kostbarer Flaschen verbergen.

Mach deine Geschmacksknospen bereit für eine Reise in eine Region, in der die Zeit in Jahrgängen gemessen wird. Dich erwartet ein unvergessliches Erlebnis an Orten, an denen das Leben jeden Tag gefeiert wird.

Foto: Tournasol7 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Zusammenfassung

  • Vorab reservieren ist Pflicht: In berühmte Häuser wie Taittinger oder Moët & Chandon kommst du ohne ein Wochen im Voraus gekauftes Online-Ticket schlicht nicht hinein.
  • Zwei Hauptbasen: Reims bietet großstädtisches Treiben und eine gotische Kathedrale, während Épernay die reinrassige Hauptstadt der Bläschen mit opulenter Architektur ist.
  • Warme Kleidung für die Keller: In den Kreidetunneln herrschen das ganze Jahr über etwa 10 bis 12 °C, ohne Pullover oder leichte Jacke kommst du also selbst an einem schwülen Sommernachmittag nicht aus.
  • Preise für Verkostungen 2026: Halte dein Portemonnaie bereit, denn die Basisführungen beginnen bei 40 Euro und die exklusiven klettern bis in den dreistelligen Bereich.
  • Vergiss das Land nicht: Fahr ins malerische Dörfchen Hautvillers, wo der legendäre Mönch Dom Pérignon wirkte, oder ins historische Troyes.
  • Umweltplakette fürs Auto: Wenn du mit dem eigenen Wagen fährst, brauchst du für Reims unbedingt die Crit’Air-Plakette wegen der strengen Umweltzonen.

Wann in die Champagne reisen

Die ideale Zeit für einen Besuch dieses zauberhaften Winkels Frankreichs fällt auf Mai, Juni oder September, wenn die Tage angenehm lang sind und die Weinberge in allen Farben leuchten. Im September erlebst du außerdem das unvergleichliche Treiben der Weinlese, das die ganze Region in einen einzigen großen, summenden Bienenstock verwandelt. Das genaue Datum des Erntebeginns, das sogenannte Ban des vendanges, wird jedes Jahr exakt nach Reife der Trauben verkündet, es lohnt sich also, die offiziellen Winzer-Webseiten zu verfolgen und die Pläne ruhig erst auf den letzten Drücker festzulegen. In dieser Zeit ist zwar überall viel los, aber diese Atmosphäre voller Duft des gärenden Mosts ist das hundertprozentig wert.

Den August solltest du dagegen meiden, denn die Franzosen haben massenhaft Urlaub und viele kleine Familienweingüter haben paradoxerweise geschlossen. Außerdem erleben die Autobahnen im August die sogenannten schwarzen Tage, an denen das ganze Land in den Süden zieht und du Stunden in endlosen Staus verbringen würdest. Die Adventszeit im November und Dezember ist hier zwar kalt und verregnet, lockt aber mit der enormen Nachfrage nach Weihnachtsmärkten, die aus dem benachbarten Elsass herüberschwappen und eine märchenhafte Stimmung schaffen. Rechne allerdings damit, dass die Hotelkapazitäten blitzschnell schwinden und die Preise steil nach oben schießen.

Wer nicht stundenlang hinterm Steuer sitzen möchte, wählt am besten die Anreise über Paris mit dem Hochgeschwindigkeitszug TGV, der dich vom Bahnhof Gare de l’Est in sagenhaften 45 Minuten nach Reims bringt. Von Deutschland aus erreichst du Paris bequem mit dem TGV ab Frankfurt, Stuttgart oder München, oder du fliegst direkt mit Lufthansa nach Paris. Tickets buchst du am besten so früh wie möglich, denn das System funktioniert genau wie bei Flugtickets: Je näher der Abfahrt, desto tiefer greifst du in die Tasche. Autofahrer müssen an die tückischen Umweltzonen in Reims denken, für die du unbedingt die Crit’Air-Plakette brauchst. Das kostet dich rund fünf Euro und erledigst du online, aber ohne sie riskierst du ein saftiges Bußgeld. Auf den französischen Autobahnen solltest du außerdem auf das neue Mautsystem Free-Flow achten, bei dem es keine Schranken mehr gibt, sondern Kameras dein Kennzeichen erfassen und du die Gebühr innerhalb von 72 Stunden online bezahlen musst 😅.

Wo übernachten in der Champagne

💡 Tipp für Unterkünfte und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Den richtigen Ort für deine Basis zu wählen ist absolut entscheidend für einen reibungslosen Verlauf der ganzen Reise, denn die beiden Hauptstädte bieten ein völlig unterschiedliches Erlebnis. Reims ist eine großartige Wahl für Liebhaber des Stadtlebens, denn die Stadt bietet direkten TGV-Anschluss, ein reiches Nachtleben und die größten Kreidekeller liegen dir buchstäblich zu Füßen. Ein toller Tipp ist eine Unterkunft in unmittelbarer Nähe der Kathedrale, etwa im eleganten Hotel La Caserne Chanzy, von wo aus du die besten Sehenswürdigkeiten bequem zu Fuß erreichst. Reims kann auf manche eher wie eine geschäftige Metropole als ein romantisches Weinland wirken, macht das aber mit perfekter Infrastruktur und einer riesigen Auswahl ausgezeichneter Restaurants wett.

Wenn du eine intimere Atmosphäre bevorzugst und direkt im Epizentrum des Weingeschehens sein willst, ist Épernay die richtige Destination. Diese kleinere Stadt ist der absolute Mittelpunkt der Bläschen, und von einem Hotel wie dem Hôtel Jean Moët erreichst du die berühmte Avenue de Champagne in nur wenigen Minuten. Das kompakte und gut zu Fuß erkundbare Zentrum bedeutet, dass du dich abends nach den Verkostungen nicht um Taxis kümmern musst, sondern einfach durch die beleuchteten Gassen zurück aufs Zimmer schlenderst. Der kleine Nachteil von Épernay ist, dass die Unterkünfte in der Hauptsaison und während der Weinlese extrem schnell ausgebucht sind und die Preise im Vergleich zu Reims etwas höher liegen können.

Die größte Auswahl an Unterkünften aller Art findest du klassisch auf dem Portal Booking.com, wo du genau das herausfiltern kannst, was du suchst – vom luxuriösen Schlösschen inmitten der Weinberge bis zum gemütlichen modernen Apartment. Wenn du mit dem eigenen Auto reist, prüfe immer vorab Verfügbarkeit und Preis der Parkplätze, denn Stellplätze in den historischen Zentren beider Städte sind ein knappes und sehr teures Gut. Ideal ist ein Hotel mit eigenem bewachten Innenhof, damit du das Auto in Ruhe stehen lassen und zu Fuß auf Glas-Entdeckungstour gehen kannst ☺️.

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12 Tipps, was man in der Champagne in Frankreich sehen und tun kann

Tauchen wir gemeinsam in das Beste ein, was diese glanzvolle Region zu bieten hat – von majestätischer Architektur bis zu tiefen Kreidetunneln voller flüssigem Gold. In den folgenden zwölf Tipps findest du eine perfekte Mischung aus Geschichte, praktischen Ratschlägen für Verkostungen und wunderschönen Orten, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest.

1. Kathedrale Notre-Dame in Reims und die Krönung der Könige

Reims ist eine Stadt mit zwei Gesichtern, und über der Erde überwältigt dich sofort die monumentale Kathedrale Notre-Dame, ein Meisterwerk der Gotik, das auf der UNESCO-Liste steht. Genau an diesem heiligen Ort wurden im Laufe der Jahrhunderte dreiunddreißig französische Könige gekrönt, was sie zu einem der wichtigsten historischen und politischen Gebäude des ganzen Landes macht. Ihre Majestät und die unglaublich reiche Skulpturenverzierung der Hauptfassade lassen dich in stummem Staunen verharren, sobald du aus den angrenzenden Gassen auf den Hauptplatz trittst.

Bei der Besichtigung des dämmrigen Innenraums darfst du auf keinen Fall die wunderschönen Glasfenster verpassen, wobei die im hinteren Teil vom berühmten Künstler Marc Chagall geschaffen wurden und dem altehrwürdigen Raum einen unerwartet modernen, traumhaften Anstrich verleihen. Die Kombination aus blauen Tönen und gotischen Bögen wirkt geradezu magisch. Der Eintritt in die Kathedrale selbst ist kostenlos, aber wenn du auf die Türme steigen und den Panoramablick über die ganze Stadt genießen möchtest, empfehle ich, ein Ticket vorab online zu kaufen, um lange Warteschlangen zu vermeiden. 💡 Tipp: Versuch früh morgens oder am späten Nachmittag herzukommen, wenn die durch die bunten Fenster fallenden Sonnenstrahlen ein faszinierendes Spiel aus Licht und Schatten auf dem Steinboden zaubern.

2. Kreidekeller von Reims und ihre Unterwelt

Der wahre Reichtum von Reims liegt nicht nur an der Oberfläche, sondern verbirgt sich Dutzende Meter unter dem Pflaster in einem riesigen unterirdischen Labyrinth. Unter der Stadt ziehen sich Hunderte Kilometer in reine weiße Kreide gehauene Gänge, die man crayères nennt und die als perfekte, natürlich klimatisierte Reifekeller dienen. Diese Räume entstanden ursprünglich als antike römische Steinbrüche, doch heute bergen sie den teuersten Wein der Welt. Die Temperatur hält sich hier ganzjährig bei etwa 10 bis 12 °C und die Luftfeuchtigkeit ist so hoch, dass nach einer Weile Wasser auf deiner Kleidung kondensiert – ein Pullover ist also Pflicht.

Gönn dir eine Führung im berühmten Haus Taittinger, dessen Keller zu den atemberaubendsten zählen und mit einem Eintrag auf der UNESCO-Liste glänzen. Du steigst über steile Treppen hinab in tiefe Stille, die nur ein gelegentliches Klirren von Glas und die gedämpften Schritte des Führers durchbrechen. Die Führungen kosten hier 40 bis 90 Euro, je nachdem, welchen Jahrgang und wie viele Proben du zum Abschluss verkosten möchtest, und eine Reservierung über Webseiten wie Champagne Booking ist absolut unerlässlich. Ihre unterirdischen Paläste haben hier auch weitere Giganten wie Veuve Clicquot, das allerälteste Haus Ruinart oder das berühmte Pommery, wo man die Besichtigung der dunklen Gänge zusätzlich mit Installationen moderner Kunst verbindet, was ein absolut bizarres und visuell überwältigendes Erlebnis schafft 😁.

3. Épernay und die teuerste Straße der Welt, die Avenue de Champagne

Während Reims wie eine echte Großstadt wirkt, liegt etwa eine halbe Autostunde südlich Épernay, das als absolute Hauptstadt des Schaumweins gilt. Alles Wesentliche dreht sich hier um die berühmte Avenue de Champagne, über die Winston Churchill einst scherzhaft sagte, sie sei die trinkbarste Straße der Welt. Die ganze breite Promenade säumen opulente Anwesen aus dem 19. Jahrhundert, hinter deren schmiedeeisernen Zäunen und gepflegten Gärten die größten Marktakteure residieren.

Beim Spaziergang durch diese luxuriöse Straße fühlst du dich wie in einem anderen Jahrhundert, und unter deinen Füßen liegen in diesem Moment über 200 Millionen Flaschen in tiefen Kreidetunneln. Es ist ein unglaublicher Kontrast zwischen der ruhigen Wohnstraße an der Oberfläche und der massiven globalen Industrie im Untergrund. Viele dieser prächtigen Häuser bieten Sitzplätze in ihren Höfen, wo du einfach ein Glas bestellen und die snobistische, aber zugleich sehr entspannte Sommeratmosphäre aufsaugen kannst. 💡 Tipp: Reserviere für die Avenue de Champagne mindestens einen ganzen Nachmittag, denn das Wandern von einem schönen Hof zum nächsten ist unglaublich süchtig machend und die Zeit verfliegt hier gefährlich schnell.

4. Unterirdisches Labyrinth von Moët & Chandon und das Bähnchen bei Mercier

Direkt an der Avenue de Champagne residiert die legendäre Marke Moët & Chandon, die unter sich unglaubliche achtundzwanzig Kilometer präzise angelegter Keller hat. Die Führung ist hier außerordentlich professionell, perfekt organisiert und zeigt dir, wie genau die Produktion im riesigen weltweiten Maßstab funktioniert. Du gehst durch endlose Gänge voller Staub und Geschichte, in denen die besten Jahrgänge reifen. Die Verkostungspreise beginnen hier bei etwa 48 Euro und können bei exklusiven Verkostungen bis zu schwindelerregenden Beträgen von über 400 Euro klettern.

Wenn du etwas Entspannteres und Unterhaltsameres zur Auflockerung des Tages suchst, fahr unbedingt ins benachbarte Haus Mercier. Hier erwartet dich kein langweiliges Zu-Fuß-Gehen, sondern du steigst direkt in ein spezielles unterirdisches Bähnchen, das dich bequem durch die weitläufigen Kreidegänge fährt. Es ist zwar ein bisschen touristischer Kitsch, aber das riesige Holzfass mit eigenen Augen zu sehen – es fasste das Äquivalent von 200.000 Flaschen und Gründer Eugène Mercier zog es einst mit einem Ochsengespann zur Weltausstellung nach Paris – hat seinen unverwechselbaren historischen Charme und begeistert zuverlässig auch jene, die sich sonst nicht für Weingeschichte interessieren.

5. Hautvillers und die Legende namens Dom Pérignon

Fahr aus dem lebhaften Épernay nur ein paar Kilometer in die Hügel hinauf, und schon umgibt dich ein endloses Meer malerischer grüner Weinberge. Mittendrin liegt Hautvillers, ein unscheinbares Dorf mit gewaltigem historischem Erbe. Genau in der dortigen altehrwürdigen Abtei wirkte im 17. Jahrhundert der Mönch Dom Pérignon, von dem die Legende behauptet, er habe den Champagner erfunden und beim ersten Schluck begeistert ausgerufen, er trinke gerade die Sterne.

Auch wenn dir Historiker trocken erklären, dass dieser Mönch im Gegenteil verbissen versuchte, die Bläschen aus dem Wein zu verbannen, weil der Druck damals die zerbrechlichen Glasflaschen zerriss, lebt der schöne Mythos weiter, und sein Grab in der örtlichen Kirche ist buchstäblich ein Wallfahrtsort für alle Weinliebhaber. Das Dorf selbst ist unglaublich zauberhaft, voller schmiedeeiserner Aushängeschilder und enger gepflasterter Gassen, die zum ziellosen Bummeln einladen. Du findest hier viele kleine Familienweingüter, in denen du einen ausgezeichneten Tropfen für einen Bruchteil des Preises der großen kommerziellen Häuser aus Épernay verkostest und dich obendrein direkt mit den Menschen unterhalten kannst, die ihn mit Liebe gemacht haben.

6. Geheimnis der Herstellung: Wie Champagner entsteht

Den komplexen Herstellungsprozess zu verstehen ist der absolute Schlüssel dazu, jedes Glas wirklich in vollen Zügen genießen und seinen Preis nachvollziehen zu können. Grundlage ist die sogenannte méthode champenoise, ein streng reguliertes Verfahren, bei dem der Wein eine zweite Gärung direkt in der verschlossenen Flasche durchläuft. Genau während dieses langwierigen und heiklen Prozesses entstehen jene feinen, eleganten Bläschen, die aus einem gewöhnlichen Wein ein weltweites Phänomen machen.

Ein faszinierender Teil der Produktion ist das Rütteln der Hefe, die sogenannte Remuage, bei der die in speziellen Holzpulten mit dem Hals nach unten gelagerten Flaschen täglich von Hand um einen genauen Winkel gedreht werden. Auch wenn diese mühsame Arbeit bei großen Produzenten heute clevere Maschinen namens Gyropaletten übernehmen, siehst du in vielen traditionellen Kellern noch immer Meister, die mit einer bloßen Handgelenksbewegung blitzschnell Tausende Flaschen pro Tag drehen können. Der ganze Reifeprozess auf der Hefe dauert mindestens fünfzehn Monate, bei den besten Jahrgängen zieht er sich aber auch über mehrere Jahre, was dem Getränk den typischen Geschmack nach gerösteten Toasts und Brioche verleiht.

7. Regeln der Verkostung: Wie man probiert und Preise für 2026

Eine Verkostung in dieser prestigeträchtigen Region hat ihre ungeschriebenen Regeln und ist keineswegs ein schnelles Trinken an der Bar vor dem Abendessen. Bei der Probe bekommst du immer eine fachkundige Erläuterung zu den Rebsorten, am häufigsten Chardonnay, Pinot Noir und Meunier, und solltest vor dem ersten Schluck auf Farbe, Perlage und Duft achten. Du musst dich überhaupt nicht scheuen, die bereitgestellten Spuckgefäße zu benutzen, besonders wenn du an einem Tag mehrere Häuser besuchen willst und einen Mietwagen fährst.

Das Preisniveau hat sich 2026 ziemlich hoch eingependelt, und du musst damit rechnen, dass für Qualität und Exklusivität hier großzügig bezahlt wird. Basisführungen mit Verkostung von ein oder zwei Proben bewegen sich bei den großen Marken um die 40 bis 60 Euro pro Person. Wenn du aber in die kleineren Familienweingüter eintauchst, die über das Land verstreut sind, erlassen sie dir die Verkostungsgebühr oft gern, wenn du zum Abschluss ein paar Flaschen für zu Hause kaufst. Ausflüge und Verkostungen lassen sich oft sehr leicht über Plattformen wie GetYourGuide finden und buchen, was dir viele Nerven beim Übersetzen französischer Webseiten spart und dir eine sofortige Terminbestätigung beschert.

8. UNESCO-Weinberge und Naturpark Montagne de Reims

Die Landschaft zwischen Reims und Épernay besteht aus bewaldeten Hügeln und weitläufigen Hängen, die zum geschützten Naturpark Montagne de Reims gehören. Dieses Gebiet ist in der Weinwelt berühmt für den Anbau der blauen Rebsorte Pinot Noir, die den hiesigen Weinen die so nötige Kraft und Struktur verleiht. Das einzigartige Terroir hier – die perfekte Kombination aus spezifischem Kreideboden, Hanglage und günstigem Mikroklima – ist so wertvoll, dass es sich einen prestigeträchtigen Eintrag auf der Liste des UNESCO-Welterbes verdient hat.

Die beste Art, diese herrliche Landschaft im Detail zu erkunden, ist, sich ein E-Bike zu leihen und über die kleinen Sträßchen entlang der einzelnen Rebparzellen zu fahren. Du fährst durch ruhige Dörfer mit der Bezeichnung Grand Cru – der höchstmöglichen Qualitätsklassifizierung von Weinbergen in Frankreich – und vor dir öffnen sich Panoramablicke, die einem wirklich den Atem rauben. 💡 Tipp: Halt am Rand eines Weinbergs und schau dir den schneeweißen Boden aus der Nähe an, so siehst du mit eigenen Augen die reine Kreide, die wie ein perfekter natürlicher Schwamm Wasser für heiße Sommertage speichert.

9. Erlebnis Weinlese und das Programm Vendangeur d’un jour

Wenn du die Region in ihrer urigsten und authentischsten Form erleben willst, plane deine Reise auf die Wende von August zu September. In dieser Zeit findet die lang ersehnte Weinlese statt und die ganze Gegend schläft praktisch überhaupt nicht. Schmale Straßen blockieren langsame Traktoren, überall in der Luft liegt der süße Duft des gärenden Mosts und in den Weinbergen arbeiten Tausende Saisonarbeiter, denn die maschinelle Ernte ist hier per Gesetz streng verboten und jede Traube muss von Hand abgeschnitten werden.

Für Besucher ist das spezielle Programm namens Vendangeur d’un jour, also Erntehelfer für einen Tag, ein riesiger Anreiz. Gegen eine feste Gebühr nimmt dich ein örtlicher Winzer mit Schere und Korb direkt in die Reihen mit, zeigt dir, wie man die Trauben schonend und richtig abschneidet, und diese körperlich anstrengende Erfahrung beschließt du mit einem üppigen Mittagessen und einer wohlverdienten Verkostung direkt im sonnenverwöhnten Weinberg. Es ist ein unwiederholbares Erlebnis, das dir einen völlig neuen Blick darauf gibt, wie viel ehrliche menschliche Mühe hinter jeder luxuriösen Flasche in den Regalen steckt ☺️.

10. Stadt Troyes und mittelalterliche Fachwerkhäuser

Wenn du dich etwas weiter nach Süden begibst, stößt du auf die historische Stadt Troyes, die einst die ursprüngliche Hauptstadt der ganzen reichen Region war. Ihr historisches Zentrum ist aus der Vogelperspektive genau wie ein Champagnerkorken geformt, eine unglaubliche Laune des Schicksals und des mittelalterlichen Städtebaus. Troyes verzaubert dich sofort mit seiner fantastisch erhaltenen Architektur und den engen gepflasterten Gassen, die zu langen Spaziergängen einladen.

Der größte Anziehungspunkt der Stadt sind die wunderschönen krummen Fachwerkhäuser aus dem 16. Jahrhundert, die sich oft so nah zueinander neigen, dass sie sich in den obersten Stockwerken fast berühren. Schlendere durch die berühmte Gasse Ruelle des Chats, wo du wirklich Katzen von Dach zu Dach springen siehst, besuche die großartige gotische Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul und genieße eine viel ruhigere, intimere Atmosphäre ohne die riesigen Touristenmassen, die sich meist nur im nördlicheren Teil rund um Reims konzentrieren.

11. Leuchtturm Verzenay und Blicke bis ins Unendliche

Eines der bizarrsten und meistfotografierten Bauwerke inmitten der französischen Weinberge ist zweifellos der Phare de Verzenay, ein unübersehbarer Leuchtturm, der sich auf einem Hügel verdammt weit von jedem Meer erhebt. Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts von einem örtlichen Unternehmer rein als raffinierter Werbegag errichtet, der die Aufmerksamkeit auf seine damalige Weinmarke lenken sollte – und diesen Zweck erfüllt er als perfekter visueller Leuchtturm bis heute makellos.

Heute befindet sich im Inneren dieses kuriosen und leicht deplatzierten Bauwerks ein interaktives Weinmuseum, in dem du auf unterhaltsame Weise jede Menge Wissenswertes über die Geschichte des Traubenanbaus in der ganzen Region und die Arbeit der Winzer im Lauf der Jahreszeiten erfährst. Die größte Belohnung ist aber der Aufstieg über die Wendeltreppe zur Spitze des Leuchtturms, von wo aus sich ein Rundumblick auf das endlose Meer grüner Weinberge öffnet und du bei klarem Wetter bis zu den Umrissen der Kathedrale von Reims am fernen Horizont blickst.

12. Gastronomie und lokale Käsesorten zu den Bläschen

Das Reiseerlebnis wäre definitiv nicht komplett ohne ein gründliches Erkunden der lokalen Gastronomie, die seit Jahrhunderten perfekt auf die Kombination mit Schaumwein abgestimmt ist. Selbst wenn du kein Fleischliebhaber bist, wird dich die französische Käsekultur hier vollkommen begeistern und reicht dir für den ganzen Aufenthalt. Zum perlenden Tropfen passen fantastisch lokale Käsesorten wie der cremige Chaource oder der kräftige Langres, dessen typische Mulde an der Oberseite vor dem Servieren manchmal mit einem kleinen Tropfen des lokalen Tresterbrands Marc de Champagne übergossen wird, für ein extra Geschmackserlebnis.

Neben den gereiften Käsesorten darfst du nicht abreisen, ohne die berühmten rosa Kekse Biscuits Roses de Reims probiert zu haben, die in den örtlichen Bäckereien seit dem 17. Jahrhundert nach einem traditionellen geheimen Rezept gebacken werden. Ihre absolut einzigartige Eigenschaft ist, dass man sie vor dem Verzehr leicht direkt ins Champagnerglas taucht, wobei sie dank ihres speziellen doppelten Backens nicht die Form verlieren und sich nicht im Getränk aufweichen. Es ist ein überaus eleganter, süßer und hundertprozentig vegetarischer Schlusspunkt für jeden großartigen Tag zwischen den Weinbergen.

Wohin weiter ab der Champagne

Wenn du schon die Reise in diesen Teil Frankreichs auf dich genommen hast, wäre es schade, nicht auch weitere berühmte Regionen zu erkunden, die in Fahrtdistanz liegen und ganz andere Erlebnisse bieten.

  • Richte deine Aufmerksamkeit nach Süden und entdecke das Burgund, wo der rote Pinot Noir, berühmte Weinberge und das legendäre mittelalterliche Hospiz Hospices de Beaune mit seinem buntem Dach regieren.
  • Wenn dich eher märchenhafte Architektur und Weißweine reizen, mach dich nach Osten auf, wo dich die atemberaubende Elsässer Weinstraße mit blumengeschmückten Dörfern und Storchennestern erwartet.
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Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man am besten in die Champagne von Paris aus?

Die schnellste und bequemste Variante ist die Nutzung der Hochgeschwindigkeitszüge TGV, die vom Pariser Bahnhof Gare de l’Est abfahren. Die Fahrt nach Reims dauert nur 45 Minuten und nach Épernay etwas über eine Stunde. Ich empfehle, die Tickets rechtzeitig im Voraus über die offizielle SNCF-App zu kaufen, da die Preise in letzter Minute deutlich steigen und die Züge oft ausgebucht sind.

Brauche ich für Reims ein Auto und eine Umweltplakette?

Ohne Auto kommst du in Reims selbst oder in Épernay gut zurecht, aber für die Erkundung der Dörfer und ländlichen Weingüter ist ein Wagen ein großer Vorteil. Falls du allerdings direkt nach Reims hineinfährst, brauchst du unbedingt die französische Umweltplakette Crit’Air (kostet etwas mehr als fünf Euro), denn die Stadt liegt in einer strengen Niedrigemissionszone und ohne sie riskierst du ein Bußgeld von 68 Euro.

Wie viel kosten Verkostungen und Kellerführungen?

Die Preise im Jahr 2026 bewegen sich bei den großen und berühmten Häusern zwischen 40 und 90 Euro für eine Grundbesichtigung mit Verkostung von ein oder zwei Proben. Wenn Sie kleine familiengeführte Winzer auf dem Land besuchen, sind die Verkostungen deutlich günstiger und oft wird Ihnen die Gebühr sogar erlassen, wenn Sie am Ende ein paar Flaschen als Andenken mit nach Hause kaufen.

Muss ich den Besuch der Weinkeller im Voraus reservieren?

Ja, bei allen großen kommerziellen Marken und bekannten Häusern ist eine Reservierung im Voraus absolut notwendig, und zwar durchaus auch einen Monat im Voraus, besonders in der Sommersaison und während der Weinlese im September. Ohne gültiges Online-Ticket lässt man euch nicht hinein, denn die Führungen finden in kleinen Gruppen mit einem Guide statt und die Kapazitäten der unterirdischen Räumlichkeiten sind streng begrenzt.

Wie ist das Wetter in den unterirdischen Kreidekellern?

In den tiefen Kreidetunneln, die crayères genannt werden, herrscht ganzjährig eine konstante Temperatur von etwa 10 bis 12 °C und es ist sehr feucht, sodass euch schnell kalt werden kann. Auch wenn draußen tropische Sommerhitze herrscht, packt für die einstündige Besichtigung der Unterwelt immer einen Pullover, eine leichte Jacke und geschlossene Schuhe ein, damit ihr euch das Erlebnis nicht durch eine Erkältung vermiest.

Ist die Region auch für Vegetarier geeignet?

Auf jeden Fall! Die französische Gastronomie dreht sich zwar oft um Fleisch, aber in dieser Region finden Sie eine fantastische Auswahl an lokalen Käsesorten wie den herrlich cremigen Chaource oder den kräftigen Langres, die perfekt zu den Bläschen passen. In Restaurants können Sie problemlos fleischlose Menüs bestellen, und vergessen Sie nicht, die berühmten rosafarbenen Kekse aus Reims zu probieren.

Kann ich einfach so kostenlos durch die Weinberge spazieren?

Ja, die meisten Weinberge sind frei zugänglich für Spaziergänge zu Fuß sowie für Radtouren auf befestigten Wegen und Asphaltstraßen zwischen den einzelnen Parzellen. Denkt aber bitte daran, dass die Weinreihen selbst Privateigentum sind, also achtet darauf, keine Trauben zu pflücken, die Rebstöcke nicht zu beschädigen und die schweren Maschinen zu respektieren, die häufig auf den Wegen unterwegs sind.

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Nizza, Frankreich: 14 Tipps, was du 2026 sehen und erleben solltest

TL;DRNizza hält 14 zentrale Ausflugstipps bereit, von der Promenade des Anglais und der Altstadt Vieux Nice über das Musée National Marc Chagall bis zu Zugausflügen nach Monaco, Èze und in die Bucht von Villefranche-sur-Mer. Die beste Reisezeit ist Frühling von April bis Juni oder Herbst im September und Oktober, wenn die Temperaturen bei rund 25 °C liegen, während es im Juli und August auf 35 bis 43 °C hochgeht. Für die Stadt und die Umgebung solltest du vier bis sieben Tage einplanen. Mit dem Zug erreichst du von Nizza aus Monaco in 20 Minuten für 4 bis 6 Euro oder Cannes in knapp einer Stunde für 7 bis 10 Euro. Eine Unterkunft im Zentrum kostet 2026 zwischen 120 und 180 Euro pro Nacht. Am besten verzichtest du auf einen Mietwagen und setzt stattdessen auf die TER-Züge und Straßenbahnen.

Schließe die Augen und stell dir den sonnenverwöhnten Süden Frankreichs vor, wo die steilen Gipfel der Alpen unmittelbar ins Mittelmeer abfallen. Wahrscheinlich denkst du sofort an die berühmte Côte d’Azur, die schon seit dem 19. Jahrhundert als Synonym für Eleganz und perfekte Erholung gilt. Wer Nizza in Frankreich besuchen will, betritt damit die mit Abstand begehrteste Region des ganzen Landes. Ursprünglich kamen vor allem britischer und russischer Adel hierher, um die milden Winter zu genießen – heute ist die Nachfrage aus dem Ausland so groß, dass sie selbst Ikonen wie das Loiretal locker in den Schatten stellt.

In diesem Artikel findest du genau 14 Tipps, was du in Nizza und seiner unmittelbaren Umgebung sehen und erleben solltest, damit sich dein Urlaub wirklich lohnt. Ich verrate dir, wann die beste Reisezeit ist, wo du dich strategisch klug einquartierst und wie du dich völlig stressfrei entlang der Küste bewegst. Außerdem erfährst du, warum du den Mietwagen besser gleich vergisst und welche Ausflüge ins Umland du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest.

Zusammenfassung

  • Beste Basis: Nizza ist dank der hervorragenden Bahnverbindungen der ideale Ausgangspunkt, um die ganze Riviera zu entdecken.
  • Verkehr: Vergiss das Auto – die Küstenstraßen kollabieren in der Saison und die TER-Züge fahren zuverlässig drei- bis viermal pro Stunde.
  • Schönster Ausblick: Du findest ihn auf dem Hügel Colline du Château, zu dem du mit einem kostenlosen Aufzug im Fels hinauffahren kannst.
  • Was du probieren solltest: Auf dem Markt Cours Saleya unbedingt die traditionelle Socca, einen dünnen Fladen aus Kichererbsenmehl.
  • Baden: Die Strände direkt in der Stadt sind Kiesstrände, also pack unbedingt Badeschuhe ein, damit der Einstieg ins Meer angenehmer wird.
  • Kultur: Besonders sehenswert sind das Marc-Chagall-Nationalmuseum und das wunderschöne Musée Matisse mitten in einem Olivenhain.
  • Ausflüge: Mit dem Zug bist du in wenigen Minuten in Monaco, im mittelalterlichen Èze oder in der malerischen Bucht von Villefranche-sur-Mer.

Wann du nach Nizza und an die Riviera reisen solltest

Die Côte d’Azur hat einen großen Haken: den erdrückenden Touristenansturm und die extreme Hitze während der Hauptferienzeit. Im Juli und August klettern die Temperaturen regelmäßig auf 35 bis 43 °C, die Sonne ist gnadenlos und die schmalen Küstenstraßen verwandeln sich in einen einzigen endlosen Parkplatz. Wer mit der Vorstellung menschenleerer Filmstrände blind hierherreist, erlebt wahrscheinlich einen harten Aufprall mit der Realität überfüllter Badeorte und lahmgelegtem Verkehr. Der Schlüssel zu einem gelungenen Urlaub an der Riviera ist schlicht das richtige Timing und der Respekt vor dem lokalen Rhythmus.

Die ideale Reisezeit sind daher die Frühlingsmonate von April bis Juni oder umgekehrt der Herbst im September und Oktober. Die Temperaturen liegen bei angenehmen rund 25 °C, das Meer ist im Herbst noch herrlich warm und du umgehst zuverlässig die größten Menschenmassen. Ein großer Vorteil ist auch die gute Erreichbarkeit aus Deutschland: Direktflüge nach Nizza gibt es von München, Frankfurt und Berlin mehrmals täglich mit Lufthansa, Eurowings oder easyJet, und außerhalb der Hauptsaison bekommst du Hin- und Rückflüge zu sehr sympathischen Preisen. Im Mai erwacht zudem die ganze Region dank des Filmfestivals im nahen Cannes zum Leben, was der Küste eine ganz unverwechselbare Atmosphäre verleiht.

Auch ein Besuch im Februar lohnt sich auf jeden Fall – er bietet ein völlig anderes Erlebnis und zeigt die Riviera in unerwarteten Farben. Die Stadt veranstaltet nämlich den berühmten Karneval von Nizza, der zu den größten Europas gehört, und im nahen Menton findet das fantastische Zitronenfest statt. Die Wintermonate sind zwar nicht zum Baden geeignet, aber für Spaziergänge auf der Promenade und das Entdecken der Kunstmuseen bei rund 15 °C absolut perfekt. Für eine gründliche Erkundung der Stadt und Umgebung solltest du dir idealerweise vier bis sieben Tage Zeit nehmen, damit auch genug Raum für einen entspannten Kaffee bleibt.

Hotel in Nizza, Frankreich: Wo übernachten und was es kostet

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten vergleichst und buchst du am besten über GetYourGuide.

Der größte strategische Fehler ist meist der Versuch, Südfrankreich mit dem Auto zu bereisen, denn die Parkplatzsuche in den engen Gassen raubt dir zuverlässig Nerven und kostbare Zeit. Wähle Nizza als dein Hauptquartier, von dem aus du bequem mit dem Zug entlang der gesamten Küste auf Ausflüge gehst. Such dir eine Unterkunft am besten in Gehweite des Hauptbahnhofs Gare de Nice-Ville oder in der Nähe einer Haltestelle der modernen Straßenbahn. 2026 liegen die Preise für ein solides Doppelzimmer im Zentrum je nach Saison und Buchungszeitpunkt etwa zwischen 120 und 180 Euro pro Nacht.

Wenn du dir nach Romantik sehnst und dich gelegentlicher Straßenlärm nicht stört, quartier dich direkt in der Altstadt Vieux Nice ein. Von dort sind es nur ein paar Schritte zum morgendlichen Markt und zu den besten Restaurants, und die Atmosphäre der engen Gassen mit ihren ockerfarbenen Fassaden ist schlicht unbezahlbar. Vom Bahnhof aus erreichst du dann mühelos die umliegenden Hotspots. Nach Monaco fährst du zum Beispiel in nur zwanzig Minuten mit einem Ticket für rund 4 bis 6 Euro, während die Fahrt nach Cannes knapp eine Stunde dauert und dich 7 bis 10 Euro kostet. Die Züge fahren dabei sehr zuverlässig rund drei- bis viermal pro Stunde.

Von konkreten Hotels bietet sich zum Beispiel das stilvolle Hotel Florence Nice an, das mit einem tollen ökologischen Konzept punktet und in idealer Lage zwischen Bahnhof und Strand liegt. Suchst du etwas Günstigeres für eine anspruchslose Übernachtung, dann schau dir das Ibis Styles Nice Centre Gare an, von dem es zu den Zügen wirklich nur ein paar Dutzend Meter sind. Und wer sich absoluten Luxus gönnen möchte, für den gibt es natürlich das legendäre Hotel Negresco direkt an der Strandpromenade mit Blick aufs Meer.

Nizza: 14 Tipps, was du an der Riviera sehen und erleben solltest

Schauen wir uns gemeinsam das Beste an, was diese ungekrönte Königin der Riviera zu bieten hat. Du erfährst, wo du Kunst erleben kannst und wo du den schönsten Blick auf das azurblaue Meer findest, das der ganzen Küste ihren Namen gab.

1. Promenade des Anglais und Baie des Anges

Die Promenade des Anglais bildet das absolute Herz der ganzen Stadt, und deine ersten Schritte sollten genau hierher führen. Dieser sieben Kilometer lange Boulevard säumt die atemberaubende Engelsbucht, auf Französisch Baie des Anges, und bietet einen perfekten Ausblick auf das endlose blaue Meer. Errichten ließ sie im 19. Jahrhundert die britische High Society, die einen eleganten Raum für ihre nachmittäglichen Spaziergänge im milden Winterklima brauchte.

Heute triffst du hier eine bunte Mischung aus Einheimischen und Touristen – von morgendlichen Joggern über Familien auf Inlineskates bis zu verliebten Paaren. Beim Spaziergang darfst du auf keinen Fall die märchenhafte Fassade des Hotels Negresco verpassen, das mit seiner rosa Kuppel zu den bekanntesten architektonischen Wahrzeichen der gesamten Côte d’Azur gehört. Hol dir einen Kaffee to go, setz dich auf eine der ikonischen blauen Bänke mit Blick aufs Wasser und beobachte einfach das Treiben rundherum. Es ist das beste kostenlose Theater der Stadt.

💡 Tipp: Geh möglichst früh am Morgen auf die Promenade, wenn das Licht zum Fotografieren am weichsten ist und du der größten Mittagshitze sowie den Touristenmassen zuverlässig entkommst.

2. Altstadt (Vieux Nice)

Direkt neben der lebhaften Promenade liegt Vieux Nice, ein wunderschönes altes Viertel voller enger, schattiger Gassen. Die Fassaden der Häuser spielen in allen erdenklichen Tönen von Ocker, Gelb und Terrakotta, was am starken Einfluss des nahen Italiens und der historischen savoyischen Architektur liegt. Du fühlst dich hier eher wie in Genua als in Frankreich. Es ist genau die Art von Ort, an dem man sich am liebsten verirrt und an jeder Ecke eine versteckte Sehenswürdigkeit entdeckt.

Die Atmosphäre der Altstadt wird durch gespannte Wäscheleinen, kleine Handwerksläden und überraschend reich verzierte Barockkirchen abgerundet, die von außen recht unscheinbar wirken. Ich empfehle dir, völlig ziellos durch die Gassen zu schlendern und dich vom Duft frischen Gebäcks und provenzalischer Gewürze treiben zu lassen. Wenn dich der Hunger packt, kehr in eines der kleinen Bistros ein und gönn dir frische Pasta oder eine traditionelle Pizza Margherita, die dank der italienischen Wurzeln hier einfach fantastisch schmeckt. Abends erstrahlt das ganze Viertel und wird zum Zentrum des Nachtlebens.

💡 Tipp: Wenn du die echte Atmosphäre erleben willst, meide die Hauptstraßen und steuere die engsten Gassen an, in denen du nur selten auf Touristen triffst.

3. Markt Cours Saleya und die lokale Socca

Früher oder später führen dich deine Füße in der Altstadt unweigerlich auf den langgestreckten Platz Cours Saleya. Dieser Ort fungiert als Hauptmarkt der Stadt und ist ein wahres Fest für alle Sinne. Jeden Morgen außer montags breiten die Händler hier ihre Stände mit frischen Blumen, leuchtend buntem Obst, duftendem Gemüse und einer fantastischen Auswahl an lokalem Käse aus. Der perfekte Ort, um Zutaten für ein nachmittägliches Picknick am Meer einzukaufen.

Genau hier musst du unbedingt den absoluten Klassiker der lokalen Streetfood-Küche probieren. Halt an einem der Stände und gönn dir eine traditionelle Socca, einen dünnen, über Holz gebackenen Fladen aus Kichererbsenmehl. Er wird noch heiß serviert und großzügig mit grobem schwarzem Pfeffer bestreut. Diese von Natur aus vegetarische Köstlichkeit kostet nur ein paar Euro und passt hervorragend zu einem kräftigen Morgen-Espresso, der dich in einer nahen Bar etwa zwei Euro kostet.

💡 Tipp: Montags findet auf dem Cours Saleya statt des üblichen Lebensmittelmarkts ein riesiger Floh- und Antiquitätenmarkt statt, auf dem du echte Schätze und ungewöhnliche Souvenirs ergattern kannst.

4. Colline du Château und der unvergessliche Ausblick

Wenn dir der Trubel der Altstadt gerade genug ist, geh auf dem Hügel Colline du Château neue Kraft tanken. Lass dich aber nicht vom Namen täuschen – ein majestätisches Schloss steht hier längst nicht mehr, denn es wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von der Armee König Ludwigs XIV. dem Erdboden gleichgemacht. Geblieben ist jedoch ein herrlich weitläufiger Park voller hoher Pinien, der an unerträglich heißen Sommertagen so willkommenen Schatten spendet.

Vom Gipfel aus eröffnet sich dir der wohl ikonischste und meistfotografierte Blick auf die gesamte Promenade des Anglais und das azurblaue Meer unter dir. Der Aufstieg über hunderte Stufen kann in der Sommerhitze ganz schön anstrengend sein, doch zum Glück gibt es auch einen kostenlosen Aufzug, der clever direkt in den Fels gehauen wurde. Du findest ihn am Fuß des Hügels nahe der Küste, was dir jede Menge kostbare Energie für die weitere Erkundung der Stadt spart.

💡 Tipp: Oben im Park gibt es einen schönen künstlichen Wasserfall, an dem sich die Luft angenehm abkühlt und an dem wunderschöne Fotos mit einem leuchtenden Regenbogen im Hintergrund entstehen.

5. Kiesstrände und Baden direkt in der Stadt

Die Stadtstrände von Nizza bestehen im Gegensatz zu vielen anderen Badeorten an der Küste aus großen runden Kieselsteinen. Wenn du feinen Sand gewohnt bist, vergiss nicht, Badeschuhe einzupacken, denn barfuß über die heißen Steine zu laufen ist meist ein recht schmerzhaftes Erlebnis. Als Belohnung für die kleine Unannehmlichkeit erwartet dich allerdings unglaublich klares und kristallklares Wasser, das in der Sonne in allen erdenklichen Blautönen funkelt und sofort zum Sprung einlädt.

Die Küste teilt sich in kostenlose öffentliche Abschnitte und private Strandclubs, in denen du bequeme Liegen und große Sonnenschirme mieten kannst. Die Preise für eine Liege in einem privaten Club liegen bei rund 25 bis 35 Euro pro Tag, was dir Komfort inklusive Bedienung und Zugang zu sauberen Duschen sichert. An den öffentlichen Stränden solltest du auf deine Sachen achten und eine wirklich dicke Isomatte oder gepolsterte Unterlage mitnehmen, damit dich die Steine nicht in den Rücken drücken.

💡 Tipp: Wenn du unbedingt feinen Sand willst, steig in den Zug und fahr ins nahe Antibes oder Menton, wo du einen viel weicheren Untergrund zum ganztägigen Faulenzen findest.

6. Marc-Chagall-Nationalmuseum

Die Stadt gilt als erstklassiges Kunstziel, denn das einzigartige Licht der Riviera zog über Jahrhunderte die größten Maler und Visionäre hierher. Einer der absoluten Höhepunkte ist das Marc-Chagall-Nationalmuseum, das seinen atemberaubenden Zyklus von siebzehn großformatigen Gemälden mit tiefer biblischer Botschaft beherbergt. Der Künstler selbst war aktiv am Entwurf des Gebäudes beteiligt, damit seine Meisterwerke genau die richtige natürliche Beleuchtung erhalten.

Die Räume des Museums sind unglaublich ruhig und harmonisch, während die riesigen Leinwände in unglaublich satten Blau- und Rottönen leuchten. Das Erlebnis wird durch einen wunderschönen Garten voller Olivenbäume und typisch mediterraner Pflanzen abgerundet, in dem du dich nach dem Rundgang an einem kleinen Café ausruhen kannst. Buch deine Tickets am besten vorab online, um in den Sommermonaten unnötiges Warten in langen Schlangen an der Kasse zu vermeiden.

💡 Tipp: Der Audioguide ist meist im Ticketpreis enthalten und liefert fantastischen Kontext zu Chagalls bewegtem Leben sowie zur reichen Symbolik, die in seinen zeitlosen Bildern verborgen ist.

7. Musée Matisse im hügeligen Viertel

Wenn du moderne Kunst und das Spiel mit Farben liebst, sollten deine nächsten Schritte ins faszinierende Musée Matisse führen. Dieses außergewöhnliche Museum ist in einer wunderschönen genuesischen Villa aus dem 17. Jahrhundert untergebracht, deren sattrote Fassade scharf mit dem Grün der hohen Bäume kontrastiert. Henri Matisse verbrachte einen großen Teil seines Lebens in der Stadt, und die Sammlung umfasst alles von seinen frühen Gemälden bis zu den berühmten farbigen Papierschnitten.

Die Räume des Museums sind nicht riesig, sodass dich der Rundgang nicht für den Rest des Tages erschöpft – dafür ist die Ausstellung umso intimer und eindringlicher. Ein großer Vorteil ist auch die Lage im hügeligen Viertel Cimiez, das die perfekte Flucht aus dem Trubel des überfüllten Zentrums in die ruhige Umgebung der Olivenhaine bietet. Du kommst sehr leicht mit dem Stadtbus direkt aus dem Zentrum hierher, die Fahrt dauert rund zwanzig Minuten.

💡 Tipp: Das Museum ist üblicherweise dienstags geschlossen, plane deinen Besuch also sorgfältig auf einen anderen Wochentag, damit du nicht enttäuscht vor verschlossenen Türen stehst.

8. Viertel Cimiez und die antiken römischen Thermen

Wenn du schon wegen Matisse ins Viertel Cimiez fährst, nimm dir unbedingt auch Zeit, die weitere Umgebung zu erkunden. Diese ruhige und überaus elegante Wohnzone birgt ein gewaltiges Stück Geschichte, denn genau hier befand sich die antike römische Siedlung Cemenelum. Bis heute kannst du die faszinierenden Ruinen der alten römischen Thermen durchstreifen und die Überreste eines kleinen Amphitheaters erkunden, das echte antike Atmosphäre atmet.

Gleich neben den archäologischen Ruinen steht ein wunderschönes Franziskanerkloster, umgeben von sorgfältig gepflegten Gärten. Aus den Klostergärten eröffnet sich ein herrlicher und sehr stiller Blick ins Tal des Flusses Paillon, und im Gegensatz zur Strandpromenade triffst du hier nur ein absolutes Minimum an Touristen. Ein idealer Ort für eine kleine Pause mit einem guten Buch oder ein romantisches Picknick im Schatten jahrhundertealter Bäume.

💡 Tipp: Der Eintritt in die Klostergärten und zu den römischen Ruinen ist oft kostenlos, was diese historische Gegend zu einem tollen Tipp für Reisende mit begrenztem Budget macht.

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9. Nikolaus-Kathedrale (Russische Kathedrale)

Beim Spaziergang durch das weitere Stadtzentrum überrascht dich vielleicht der Anblick eines Bauwerks, das visuell auf den ersten Blick überhaupt nicht hierherpasst. Die Nikolaus-Kathedrale ist nämlich die größte orthodoxe Kirche außerhalb Russlands, und ihre reich verzierten Zwiebeltürme wirken inmitten der mediterranen Bebauung wie eine wahre Erscheinung. Erbauen ließ sie die zahlreiche russische Adelsgemeinde, die um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert hierher in die Wärme reiste.

Die Fassade der Kathedrale strahlt in satten Farben, markanten Golddetails und präzisen Keramikverkleidungen, die sie zu einem unglaublich fotogenen Ort machen. Auch wenn die Kirche in erster Linie eine riesige Touristenattraktion ist, erfüllt sie weiterhin voll ihren religiösen Zweck, sodass strenge Kleidervorschriften einzuhalten sind. Frauen sollten Schultern und Knie bedecken und idealerweise auch ein Tuch über dem Haar tragen, Männer müssen lange Hosen anhaben.

💡 Tipp: Die Kathedrale liegt etwas abseits des touristischen Zentrums in der Nähe des Bahnhofs, sodass du in rund fünfzehn Minuten bequem zu Fuß hinkommst.

10. Februar-Spektakel: Karneval von Nizza

Wenn du dich traust und im Februar in den Süden Frankreichs aufbrichst, erwartet dich ein visuelles Erlebnis fürs Leben. Die Stadt veranstaltet nämlich den großartigen Karneval von Nizza, der sich mit seiner Größe, Tradition und elektrisierenden Atmosphäre stolz neben die berühmten Feiern in Venedig oder Rio de Janeiro stellt. Ganze zwei Wochen leben die Straßen von riesigen Umzügen mit allegorischen Wagen, unglaublichen Lichtshows und tausenden Tänzern in extravaganten Kostümen.

Eine absolute Besonderheit der lokalen Feierlichkeiten sind die sogenannten Blumenschlachten (Bataille de Fleurs) direkt auf der Promenade des Anglais. Wunderschön gekleidete Models werfen von riesigen Wagen hunderttausende frische Blumen direkt in die begeisterte Menge, was ein unglaublich farbenfrohes und duftendes Schauspiel erzeugt. Die Tickets für die Haupttribünen sind ziemlich teuer und vor allem schnell ausverkauft, also musst du sie mehrere Monate im Voraus online buchen.

💡 Tipp: Lass dir während des Karnevals auf keinen Fall das nahe Fête du Citron in Menton entgehen, wo du riesige und völlig bizarre Skulpturen siehst, die ausschließlich aus Zitronen und Orangen gebaut sind.

11. Wie du dich ohne Auto in der Stadt bewegst

Wie ich schon in der Einleitung betont habe, ist ein Mietwagen an der Riviera eher eine riesige Last als ein echter Vorteil. Die Stadt verfügt über ein fantastisches und sehr übersichtliches Netz moderner Straßenbahnen, die dich sicher zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und zum internationalen Flughafen bringen. Die Linien sind perfekt sauber, voll klimatisiert und fahren in wirklich kurzen Abständen, sodass du nie unnötig in der prallen Sonne an der Haltestelle wartest.

Für Ausflüge entlang der gesamten Küste gibt es das geniale Netz der Regionalzüge TER, die zwischen Cannes und Menton verkehren. Wenn du intensive Fahrten planst, hol dir das günstige Regionalticket Pass SudAzur, das dir unbegrenztes Reisen im gesamten Département eröffnet. Einzeltickets für den Zug kaufst du an den blauen Automaten am Bahnhof oder über die SNCF-App, wobei du das Papierticket vor dem Betreten des Bahnsteigs immer am gelben Entwerter abstempeln musst.

💡 Tipp: Die Flughafen-Straßenbahn der Linie L2 bringt dich von beiden Terminals in knapp einer halben Stunde direkt ins Herz der Stadt, und das Ticket kostet nur einen Bruchteil eines normalen Taxis.

12. Ausflug mit dem Zug zum Luxus nach Monaco

Wenn du schon an der Riviera wohnst, wäre es eine Sünde, den berühmten zweitkleinsten Staat der Welt nicht zu besuchen. Die Zugfahrt von Nizza nach Monaco dauert nur zwanzig Minuten, und ein einfaches Ticket kostet dich rund vier bis sechs Euro. Der Bahnhof in Monaco selbst ist ein gewaltiges architektonisches Meisterwerk, das tief in den Fels gehauen wurde, und nach dem Aussteigen befindest du dich direkt im Zentrum des Geschehens.

An einem einzigen Tag schaffst du es, in Ruhe den legendären Hafen voller der teuersten Yachten der Welt zu durchstreifen, einen Blick auf das berühmte Casino in Monte Carlo zu werfen und die Strecke der Formel-1-Rennen aus der Nähe abzulaufen. Lass dir auf keinen Fall die Altstadt Monaco-Ville entgehen, die hoch auf einem Felsen thront und wo der Fürstenpalast und das wunderschöne ozeanographische Museum mit riesigen Aquarien zu Hause sind. Rechne aber damit, dass die Preise für einen einfachen Kaffee und ein Mittagessen im Restaurant hier noch deutlich höher sind als in Frankreich.

💡 Tipp: Verschiedene Sightseeing-Bootstouren und organisierte Bootsausflüge entlang der Küste kannst du vorab einfach und sicher online über das beliebte Portal GetYourGuide buchen.

13. Das mittelalterliche Adlernest Èze

Wenn du dich nach Höhen und wirklich dramatischen Kulissen sehnst, steig in den Zug und fahr Richtung Osten in das Dörfchen Èze. Dieses faszinierende mittelalterliche Adlernest balanciert auf einem steilen Felsen über vierhundert Meter über dem Meeresspiegel und ist ein absolutes Unikat der gesamten Region. Der Zug bringt dich zur Station Èze-sur-Mer unten am Wasser, von wo du mit dem örtlichen Bus oder einem recht anspruchsvollen Fußmarsch über den berühmten Nietzsche-Weg, auf dem der berühmte Philosoph Inspiration suchte, nach oben weiterkommst.

Èze selbst bildet ein verwinkeltes Labyrinth aus engen Steingassen, die dich unweigerlich immer höher Richtung Himmel führen. Ganz oben in den Ruinen der alten Festung liegt der wunderschöne Jardin Exotique, ein botanischer Garten voller riesiger Kakteen und vielfältiger Sukkulenten. Die Kombination aus stacheligen Pflanzen im Vordergrund und der endlosen blauen Fläche tief unter dir ist schlicht ein atemberaubendes Erlebnis, das du dir nicht entgehen lassen darfst 😅.

💡 Tipp: Mach dich möglichst früh am Morgen oder umgekehrt später am Nachmittag auf den Fußmarsch, denn die Steingassen füllen sich gegen Mittag mit Touristen, und der Aufstieg in der Sommerhitze ist wirklich anstrengend.

14. Die bunte Bucht von Villefranche-sur-Mer

Nur sieben Minuten Zugfahrt vom Hauptbahnhof in Nizza entfernt erwartet dich eine völlig andere und deutlich ruhigere Welt. Villefranche-sur-Mer rühmt sich einer der tiefsten und schönsten Naturbuchten der gesamten Küste, die das Städtchen zuverlässig vor heftigem Wind und Wellen schützt. Die bunten Häuschen fallen kaskadenartig die steilen Hänge bis hinunter zum kristallklaren Wasser ab und bilden die perfekte fotogene Kulisse für deine Urlaubsbilder.

Im Gegensatz zur lebhaften Metropole bietet Villefranche eine viel intimere und entspanntere Meeresatmosphäre. Schlendere über die zauberhafte Uferpromenade voller toller Cafés und entdecke die faszinierende dunkle Gasse Rue Obscure, die teilweise überdacht ist und im Mittelalter als sicheres Versteck vor Piratenangriffen diente. Der hiesige Strand hat zudem viel feinere Kieselsteine und gröberen Sand, sodass der Einstieg ins Wasser hier weit angenehmer und weniger schmerzhaft ist als an den Stränden von Nizza.

💡 Tipp: Das Städtchen ist recht klein, sodass du den Besuch problemlos mit einem Ausflug auf die nahe, mit Luxusvillen übersäte Halbinsel Saint-Jean-Cap-Ferrat verbinden kannst, die gleich gegenüber liegt.

Wohin weiter von Nizza aus und Umgebung

Die Küste wirkt wie ein riesiger Magnet, und die Möglichkeiten zum Entdecken sind hier wirklich unzählig. Wenn du mit dem Zug Richtung Westen fährst, erreichst du in knapp einer Stunde das berühmte Cannes, das Synonym für Filmglanz, Luxusboutiquen und eine breite Palmenpromenade ist. Halt unterwegs unbedingt im historischen Antibes, wo du die alten Stadtmauern entlanggehen und das großartige Pablo-Picasso-Museum besuchen kannst, das direkt im Gebäude einer ehemaligen Burg untergebracht ist.

Wenn dich der größere Zusammenhang der ganzen Region reizt, wirf einen Blick auf unseren ausführlichen Artikel und Reiseführer zur gesamten Côte d’Azur. Viele träumen von einem Besuch im ikonischen Saint-Tropez, aber hier muss ich dich ehrlich warnen. In die Stadt führt keine Bahn, und die Zufahrtsstraße verwandelt sich im Sommer in einen lahmgelegten Stau, also fahr ausschließlich außerhalb der Hauptsaison im Mai oder September hin. Und wenn du das ruhigere Hinterland mit Lavendelduft bevorzugst, studiere unsere Tipps für die zauberhafte Provence.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man vom Flughafen ins Zentrum von Nice?

Die schnellste und günstigste Variante ist die Nutzung der modernen Straßenbahnlinie L2, die beide Flughafenterminals direkt mit dem Stadtzentrum verbindet. Die Fahrt dauert etwa dreißig Minuten und ein Einzelfahrschein für knapp zwei Euro lässt sich bequem am roten Automaten direkt an der Haltestelle vor dem Terminal kaufen.

Ist das Leitungswasser trinkbar?

Ja, Leitungswasser ist an der gesamten Französischen Riviera absolut sicher und trinkbar. Ihr könnt eure eigene Flasche im Hotel bedenkenlos auffüllen sowie an vielen öffentlichen Brunnen, die ihr verstreut in Parks und auf historischen Plätzen in der Stadt findet.

Wie viel kostet das Essen im Restaurant?

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Die Preise sind hier verständlicherweise höher als bei uns. Beim Mittagessen lohnt es sich, nach dem sogenannten Menu du jour (Tagesmenü) Ausschau zu halten, das euch für zwei Gänge zwischen 15 und 25 Euro kostet. Ein Abendessen in einem gewöhnlichen Bistro ohne Wein liegt dann bei etwa 20 bis 35 Euro pro Person, während ihr für einen Kaffee an der Bar rund zwei Euro bezahlt.
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Wie ist das in Frankreich mit dem Trinkgeld?

Die Rechnung im Restaurant enthält gesetzlich immer einen fünfzehnprozentigen Zuschlag für die Bedienung (service compris), sodass das Trinkgeld bereits in den Preis eingerechnet ist. Es ist jedoch guter Brauch, den Betrag aufzurunden oder ein paar Münzen auf dem Tisch liegen zu lassen. Achtung, über das Kartenterminal lässt sich Trinkgeld nur sehr umständlich hinzufügen.

Brauche ich Wasserschuhe für den Strand?

V Nizza auf jeden Fall ja. Die gesamte Engelsbucht und die angrenzenden öffentlichen Strände sind mit ziemlich großen und sonnenheißen Kieselsteinen bedeckt, auf denen man barfuß wirklich sehr schlecht laufen kann. Badeschuhe ersparen euch jede Menge unnötiger Schmerzen beim Hinein- und Hinausgehen ins Meer.

Wie funktionieren die Regionalzüge TER?

Züge der TER verkehren sehr zuverlässig zwischen Cannes und Menton, etwa drei- bis viermal pro Stunde. Tickets könnt ihr an den blauen Automaten im Bahnhof oder über die mobile App der SNCF kaufen, wobei das Papierticket vor dem Einsteigen immer am gelben Entwerter auf dem Bahnsteig entwertet werden muss.

Ist es in Nizza sicher?

Die Stadt ist generell sehr sicher, auch für abendliche Spaziergänge entlang der Uferpromenade. Während der Hauptsaison sollten Sie jedoch sehr auf geschickte Taschendiebe achten, insbesondere in überfüllten Straßenbahnen vom Flughafen oder im Gedränge auf den morgendlichen Märkten in der Altstadt.

Tipps und Tricks für deinen Urlaub

Zahle nicht zu viel für Flugtickets

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Buche deine Unterkunft clever

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Vergiss die Reiseversicherung nicht

Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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Insel Brač, Kroatien: 12 Tipps + Zlatni Rat im Jahr 2026

TL;DRDie Insel Brač, die drittgrößte Insel der Adria, lockt vor allem mit dem berühmten Strand Zlatni Rat bei Bol und der Aussicht vom höchsten Adria-Gipfel Vidova Gora (778 Meter). Wir haben 12 Tipps für die Insel zusammengestellt, darunter die Klosterruine Blaca, das Steinmetz-Städtchen Pučišća mit seinem berühmten weißen Kalkstein und die Drachenhöhle bei Murvica. Für ruhigeres Erkunden sind Mai, Juni und September am besten geeignet, während Juli und August dank des beständigen Maestral-Winds ideal zum Windsurfen sind. Auf die Insel kommst du mit der Jadrolinija-Fähre von Split nach Supetar (die Überfahrt mit Fahrzeug kostet rund 25 Euro) oder in der Saison mit dem Katamaran direkt nach Bol in knapp einer Stunde.

Wenn du dieses Jahr noch überlegst, wohin ans Meer, dann sollte die Insel Brač in Kroatien unbedingt auf deiner Liste stehen, denn sie bietet eine absolut einzigartige Kombination aus unberührter Natur und historischen Städtchen. Es handelt sich um die drittgrößte Insel der gesamten Adria und gleichzeitig um die flächenmäßig größte Insel Dalmatiens, auf der dauerhaft knapp vierzehntausend Menschen leben.

Während die meisten Touristen auf die Festland-Riviera strömen, fließt die Atmosphäre hier in einem viel langsameren Tempo, das dich sofort dazu bringt, alle Sorgen über Bord zu werfen. Weltberühmt ist die Insel vor allem für ihren blendend weißen Kalkstein, aus dem schon seit der Römerzeit die prächtigsten Paläste errichtet werden – und natürlich für einen der meistfotografierten Strände Europas.

Egal, ob du zu den Liebhabern eines Aktivurlaubs mit Windsurfen gehörst oder lieber durch enge Steingassen schlenderst und das hervorragende lokale Olivenöl verkostest – auf Brač findest du garantiert dein ganz persönliches Highlight. Ich habe für dich einen ausführlichen Reiseführer vorbereitet, mit dem du deinen perfekten Urlaub planst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Der ikonische Strand Zlatni Rat: Er liegt beim Städtchen Bol, und seine Kiesspitze verändert ständig ihre Form, je nachdem, wie der Wind weht und die Meeresströmungen verlaufen.
  • Der höchste Gipfel der Adria: Die Vidova gora ragt 778 Meter in die Höhe und bietet atemberaubende Panoramablicke auf die Nachbarinseln Hvar und Vis.
  • Der weiße Brač-Stein: Aus diesem lokalen Kalkstein ist der berühmte Diokletianpalast in Split erbaut, und man erzählt sich, dass er sogar beim Bau des Weißen Hauses in Washington verwendet wurde.
  • Die geheimnisvolle Einsiedelei Blaca: Der einzigartige Klosterkomplex aus dem 16. Jahrhundert ist direkt in die Felswand gebaut und nur zu Fuß erreichbar.
  • Anreise auf die Insel: Mit dem Auto musst du die Fähre von Split nach Supetar nehmen, ohne Auto kannst du mit dem schnellen Katamaran direkt zum Ferienort Bol fahren.
  • Ein Paradies fürs Windsurfen: Dank des regelmäßigen Nachmittagswindes Maestral gehört die Südküste der Insel zu den besten Surfspots Europas.

Wann du in die Ferienorte auf Brač reisen solltest

Die Wahl des richtigen Reisetermins ist für einen Inselurlaub absolut entscheidend, denn jede Jahreszeit bietet ein völlig anderes Erlebnis. Der Hochsommer im Juli und August ist die absolute Hauptsaison, in der die meisten Fähren fahren und die Insel so richtig zum Leben erwacht. Genau diese Ferienmonate sind ideal, wenn du Windsurfen oder Kitesurfen möchtest. Der Grund ist der regelmäßige Nachmittagswind Maestral, der an der Südküste nahezu jeden Tag mit eiserner Zuverlässigkeit weht. Andererseits musst du im Sommer damit rechnen, dass die Preise ihren Höchststand erreichen und an den bekanntesten Orten wirklich viele Menschen aus der ganzen Welt unterwegs sind.

Wenn du jedoch lieber in Ruhe Sehenswürdigkeiten erkundest und lange Wanderungen unternimmst, sind die Monate Mai, Juni und September die ideale Wahl. Im Frühling und Frühherbst entgehst du den größten Menschenmassen und der sengenden Sommerhitze ganz elegant. Besonders im September ist die Adria vom ganzen Sommer wunderbar aufgeheizt, sodass du problemlos baden kannst, während die Sonne bei anspruchsvollen Aufstiegen in die Berge nicht mehr so brennt. Außerdem sinken die Unterkunftspreise nach den Ferien etwas, und an den Kiesstränden findest du viel mehr von der ersehnten Privatsphäre.

Bei der Planung einer Reise außerhalb der Hauptsaison musst du nur im Voraus bedenken, dass manche schnellen Katamarane nur während der Sommersaison verkehren. Die schnelle Verbindung von Split direkt zum Ferienort Bol funktioniert in der Regel nur von Mitte Mai bis etwa Ende September. Wenn du also im frühen Frühjahr oder im Spätherbst nach Brač reist, musst du dich ausschließlich auf die klassischen großen Fähren verlassen, die ganzjährig den Nordhafen Supetar ansteuern. Von dort gelangst du dann ganz einfach mit dem Auto oder dem örtlichen Bus in alle Ecken der Insel.

Wo du auf der Insel Brač übernachten kannst

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Bei der Unterkunftsplanung wirst du dich vermutlich zwischen zwei Hauptzentren entscheiden: dem lebhafteren Ferienort Bol im Süden und dem praktischen Hafen Supetar im Norden. Die Wahl der idealen Lage hängt stark davon ab, ob du mit dem eigenen Auto reist oder dich nur auf Schiffsverbindungen und Fußwege verlässt. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Städtchen sind nämlich riesig, und jedes hat eine ganz eigene Atmosphäre.

Wenn du die Fähre von Split sozusagen direkt vor der Nase haben und täglich Ausflüge über die ganze Insel unternehmen möchtest, ist Supetar die praktischste Basis. Das Städtchen bietet eine hervorragende Infrastruktur, viele Geschäfte, Familienstrände, und hier findest du zum Beispiel das ausgezeichnete Hotel Osam. Es ist nur für Erwachsene gedacht und bietet daher völlige Ruhe zur Erholung nach einem anstrengenden Tag. Für Familien mit Kindern, die noch mehr Gemütlichkeit ohne Trubel suchen, gibt es in dieser Nordregion auch etwas ruhigere Dörfer wie Sutivan, Milna oder das nahe gelegene malerische Postira.

Für leidenschaftliche Liebhaber von Wassersport, belebteren Abendpromenaden und Nachtleben ist hingegen der Ferienort Bol die eindeutige Wahl, der in unmittelbarer Nähe des berühmten Strandes Zlatni Rat liegt. Die hiesige Atmosphäre ist zwar deutlich touristischer und lauter, doch das wird durch die wunderschönen Kulissen und die riesige Auswahl an Aktivitäten direkt am Meer mehr als wettgemacht. Du machst garantiert nichts falsch, wenn du dir rechtzeitig ein schönes Zimmer im designorientierten Boutique Hotel Bol reservierst, das wirklich erstklassigen Service bietet. Alternativ kannst du die sehr beliebte und etwas günstigere Villa Daniela wählen, von der du in wenigen Minuten bequem zum Meer spazierst.

Wenn du etwas wirklich Einzigartiges suchst und dir das tägliche Pendeln zum Baden nichts ausmacht, bietet auch das Inselinnere oder das Steinmetz-Städtchen Pučišća eine zauberhafte und sehr ruhige Atmosphäre. Diese abgelegeneren Orte sind absolut ideal für alle, die sich nach dem authentischen dalmatinischen Landleben sehnen, gerne lokalen Wein direkt an der Quelle verkosten und die bekanntesten Strände nicht gleich vor dem Fenster brauchen.

12 Tipps, was du auf der Insel Brač sehen und erleben kannst

Egal, ob du dich fürs Faulenzen auf warmen Kieseln entscheidest oder lieber versteckte historische Schätze entdeckst – die Insel wird dich garantiert nicht enttäuschen. Schauen wir uns die zwölf Orte und Erlebnisse genauer an, die du bei deinem Besuch auf keinen Fall auslassen solltest, damit du die schönsten Erinnerungen mit nach Hause nimmst.

1. Der ikonische Strand Zlatni Rat

Dieses einzigartige geomorphologische Denkmal ist wahrscheinlich das Allererste, was dir in den Sinn kommt, wenn von der kroatischen Küste die Rede ist. Es handelt sich um eine gewaltige Kieszunge, die etwa einen halben Kilometer direkt in die tiefblauen Gewässer der Adria hinausragt. Faszinierend am Zlatni Rat ist vor allem, dass seine ikonische Spitze ständig ihre Form verändert. Sie biegt sich mal zur einen, mal zur anderen Seite – je nachdem, wie der Wind weht und in welche Richtung die starken Meeresströmungen wirken. So sieht der Strand jeden Tag ein bisschen anders aus und überrascht seine Besucher immer wieder aufs Neue.

Da es sich um ein absolutes Symbol ganz Kroatiens und einen der meistfotografierten Strände Europas handelt, musst du in der Hauptsaison mit einer riesigen Menge an Touristen rechnen. Ein großer Vorteil ist jedoch die enorme Größe des Strandes und die Tatsache, dass eine seiner Seiten fast immer ruhiger und schön windgeschützt ist. Das wirst du besonders dann zu schätzen wissen, wenn du mit kleineren Kindern reist, die in großen Wellen nicht schwimmen würden. Der Einstieg ins Wasser ist hier ziemlich steil, die Kiesel sind herrlich sauber und das kristallklare Meer lädt einfach zum ganztägigen Baden ein.

💡 Tipp: Vom Zentrum des Ferienortes Bol führt zum Strand eine wunderschöne schattige Promenade, gesäumt von hochgewachsenen, duftenden Pinien, über die du bei einem sehr angenehmen Spaziergang in knapp zwanzig Minuten hierher gelangst. So musst du dich gar nicht erst mit dem komplizierten Parken herumärgern, das im Sommer direkt am Strand ziemlich teuer und vor allem hoffnungslos überfüllt ist.

2. Das romantische Städtchen Bol

Bol ist nicht nur ein praktischer Ausgangspunkt für den Besuch des berühmten Strandes, sondern vor allem ein absolut bezaubernder historischer Ferienort mit unverwechselbarer dalmatinischer Atmosphäre. Sein Herzstück ist der malerische Hafen, um den sich jahrhundertealte, enge Steingassen winden. Die hiesige Promenade ist übrigens mit dem berühmten Brač-Stein gepflastert, sodass sie wirklich majestätisch und elegant wirkt. Bei abendlichen Spaziergängen triffst du auf unzählige gemütliche Cafés, traditionelle Restaurants, sogenannte Konobas, und kleine Handwerksläden mit lokalen Produkten.

Wenn du gerne historische Sehenswürdigkeiten entdeckst und ruhigere Winkel suchst, empfehle ich dir einen Ausflug auf die malerische Halbinsel Glavica. Genau dort thront stolz das altehrwürdige Dominikanerkloster aus dem fünfzehnten Jahrhundert. In seinem historischen Inneren verbirgt sich ein wertvolles Museum und sogar ein seltenes Altargemälde, das dem berühmten italienischen Meister Tintoretto zugeschrieben wird. Aus den sorgfältig gepflegten Klostergärten eröffnet sich zudem ein wunderschöner, romantischer Blick auf die glitzernde Meeresoberfläche, den du am besten beim Sonnenuntergang genießt.

💡 Tipp: Gleich neben dem Dominikanerkloster findest du den Kiesstrand Martinica, der eine deutlich ruhigere Alternative zum ständig belebten Zlatni Rat ist. Du findest dort zwar nicht so viel touristische Infrastruktur und Attraktionen, dafür aber sehr authentisches und ungestörtes Baden mit einer atemberaubenden historischen Kulisse im Hintergrund.

3. Aufstieg auf die majestätische Vidova gora

Mit einer Höhe von 778 Metern ist die Vidova gora nicht nur der höchste Punkt der Insel Brač, sondern sogar der allerhöchste Gipfel aller Adriainseln. Von ihrem kahlen, sehr steinigen Gipfel eröffnet sich ein absolut spektakulärer Panoramablick. Bei klarem Sommerwetter siehst du von hier wunderbar auf die Nachbarinseln Hvar und Vis, die Halbinsel Pelješac und bei wirklich außergewöhnlich guter Sicht reicht der Blick bis zu den italienischen Küsten. Auf dem Gipfel triffst du auch auf ein zwölf Meter hohes Steinkreuz und die Überreste der mittelalterlichen Kirche des heiligen Veit aus dem dreizehnten Jahrhundert.

Der Blick aus der Vogelperspektive direkt hinunter aufs Meer offenbart dir zudem den berühmten Zlatni Rat in seiner ganzen Pracht und ungewöhnlichen Form – ein visuelles Erlebnis, das du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest. Auf den Gipfel kannst du von Bol aus zu Fuß über einen markierten Wanderweg gehen, was ein ziemlich anspruchsvoller, zweistündiger Aufstieg ist. Wenn du jedoch kein Fan von Bergwanderungen in der Hitze bist, kannst du die ganze Strecke ganz bequem mit dem Auto bis zum Sendemast fahren, wo ein kostenloser Parkplatz zur Verfügung steht.

💡 Tipp: Wenn du den Aufstieg zu Fuß wählst, brich wirklich früh am Morgen auf, bevor die gnadenlose Sommersonne auf die Hänge knallt. Ein großer Teil des Weges führt nämlich durch ungeschütztes Gelände ohne ein bisschen Schatten. Vergiss auf keinen Fall, ausreichend Trinkwasser und gutes, festes Schuhwerk für das steinige Gelände einzupacken.

4. Supetar als Haupttor zur Insel

Für die überwiegende Mehrheit der Reisenden, die mit dem eigenen Auto vom Festland nach Brač kommen, ist die nördliche Hafenstadt Supetar der allererste Ort, dem sie auf der Insel begegnen. Mit rund dreieinhalbtausend ständigen Einwohnern handelt es sich um die größte Inselsiedlung, die das ganze Jahr über in ihrem eigenen gemächlichen Tempo lebt – und nicht nur während der kurzen Sommersaison. Es ist ein toller Ort zum Einkaufen auf dem lokalen Markt, für abendliche Spaziergänge über die Promenade und zum Probieren dalmatinischer Spezialitäten.

Sehenswert ist hier auf jeden Fall das beeindruckende neubyzantinische Mausoleum der Familie Petrinović aus dem Jahr 1914. Dieser imposante Bau aus weißem Stein dominiert majestätisch den örtlichen Friedhof auf der Halbinsel des heiligen Nikolaus und gilt als ein Meisterwerk des bekannten Bildhauers Toma Rosandić. Für ein weiteres kulturelles Erlebnis kannst du dann die Galerie des berühmten einheimischen Künstlers Ivan Rendić besuchen. Dieser begabte Künstler gilt als Begründer der modernen kroatischen Bildhauerei, und seine wunderschönen Werke zieren heute so manchen bedeutenden Platz im ganzen Land.

💡 Tipp: Von Supetar führt entlang der Nordküste eine schöne und unanstrengende Route in Richtung des malerischen Dörfchens Postira. Diese rund sieben Kilometer lange Strecke ist absolut ideal für einen Ausflug mit dem Seekajak oder dem Stand-up-Paddleboard, denn sie führt dich an vielen einsamen Buchten vorbei, in denen du eine private Badepause einlegen kannst.

5. Die Steinmetztradition in Pučišća

Das malerische Städtchen Pučišća, tief in einer sicheren und schmalen Meeresbucht gelegen, ist dank seiner unglaublich langen Tradition der Kalksteinverarbeitung ein absolutes Unikat weltweit. Hier befindet sich nämlich die berühmte Steinmetzschule, die bereits 1909 gegründet wurde. Sie ist bis heute die einzige Bildungseinrichtung ihrer Art in ganz Europa, in der die Schüler lernen, den rohen Stein ausschließlich mit alten Handtechniken und traditionellem, über Generationen weitergegebenem Werkzeug zu bearbeiten. Ihre Absolventen sind dann ungemein gefragt bei der Restaurierung historischer Denkmäler in aller Welt.

Genau aus den umliegenden, mächtigen Steinbrüchen stammt jener legendäre, strahlend weiße Brač-Stein, der auf der Insel von unschätzbarem Wert ist. Historisch wurde er für den Bau vieler bedeutender Gebäude verwendet, darunter der prächtige Diokletianpalast im nahen Split. Die Einheimischen werden dir zudem mit Stolz erzählen, dass ihr weißer Stein bis an die Fassade des Weißen Hauses in Washington gelangte. Obwohl Historiker diesen populären Mythos bis heute eher anzweifeln und keine Belege dafür haben, ändert das nichts am Charme des Städtchens.

💡 Tipp: Während der Sommersaison ist das Schulgebäude für die Öffentlichkeit zugänglich, und du kannst dir hier die beeindruckenden Skulpturen und Zierelemente, die von den Schülern selbst geschaffen wurden, im Detail ansehen. Es ist ein faszinierendes Schauspiel, das uralte Steinmetzhandwerk direkt in der Praxis lebendig zu erleben.

6. Die abgelegene Einsiedelei Blaca

Der Besuch dieses faszinierenden historischen Klosterkomplexes gehört zweifellos zu den eindrucksvollsten Erlebnissen, die du von deiner Kroatienreise mit nach Hause nehmen kannst. Die Einsiedelei Blaca wurde 1551 von glagolitischen Mönchen gegründet, die hierher in Sicherheit vor den harten osmanischen Überfällen flüchteten. Das gesamte Areal ist buchstäblich in eine steile Felswand gehauen und organisch an sie geschmiegt, in einer tiefen, sehr schwer zugänglichen Schlucht, was ihm eine absolut mystische und geheimnisvolle Atmosphäre verleiht.

Das Kloster war unglaublich lange in Betrieb, und die Mönche verließen es erst im Jahr 1963. Die hiesigen Bewohner waren sehr gebildet und schufen hier nicht nur eine beachtliche Bibliothek mit über elftausend kostbaren Bänden, sondern fügten im neunzehnten Jahrhundert sogar eine bedeutende astronomische Sternwarte hinzu. Was sie sich unter so unwirtlichen Bedingungen aufbauen konnten, ist schlichtweg atemberaubend. Der Eintritt ins heutige Museum beträgt 8 Euro für Erwachsene, und die Öffnungszeiten variieren je nach Saison, wobei das Areal montags ausnahmslos für die Öffentlichkeit geschlossen ist.

💡 Tipp: Zum Komplex gelangst du vom Parkplatz aus nur zu Fuß über einen rund zweieinhalb Kilometer langen, steinigen Ziegenpfad, was etwa vierzig Minuten zügiges Gehen in Anspruch nimmt. Festes, geschlossenes Schuhwerk und genügend Trinkwasser sind für diese Wanderung absolut notwendig – versuch auf keinen Fall, den Weg in leichten Badelatschen zurückzulegen.

7. Škrip und die Spuren uralter Geschichte

Wenn du während deines Urlaubs einen Blick in die wirklich tiefe Vergangenheit werfen möchtest, mach unbedingt einen Ausflug ins Binnendorf Škrip. Mit einer über dreitausend Jahre langen Geschichte handelt es sich um die älteste belegte Siedlung der gesamten Insel. Die hiesige Atmosphäre ist absolut magisch, unglaublich still und ruhig, was einen riesigen und sehr angenehmen Kontrast zu den belebten Küstenpromenaden voller Touristen, lauter Musik und Souvenirständen darstellt.

Bei einem Spaziergang durchs Dorf kannst du die Überreste der mächtigen illyrischen Mauern bewundern, die aus der Zeit um 1400 vor Christus stammen, und triffst sogar auf ein antikes römisches Mausoleum. Die größte historische Attraktion ist jedoch das Museum der Insel Brač, das stilvoll in der historischen Verteidigungsfestung Castel Radojković aus dem siebzehnten Jahrhundert untergebracht ist. Genau hier kannst du dir die wertvollsten archäologischen Funde der gesamten Region an einem Ort im Detail ansehen.

💡 Tipp: In den Museumsausstellungen solltest du auf keinen Fall die einzigartigen Objekte aus der berühmten Höhle Kopačina und die faszinierenden antiken römischen Grabsteine auslassen, die die Geschichten der ersten Inselbewohner erzählen. Es ist übrigens ein toller Ort, um der Mittagssonne im Sommer zu entfliehen, denn die dicken Steinmauern der Festung halten das Innere wunderbar kühl.

8. Die mystische Drachenhöhle (Zmajeva špilja)

Hoch in den steilen Kalksteinhängen über dem malerischen Dörfchen Murvica, das nur ein kleines Stück von Bol entfernt liegt, verbirgt sich die geheimnisvolle Drachenhöhle. Dieser magische Ort ist ein faszinierender Schnittpunkt verschiedener Religionen und antiker Kulturen. Im fünfzehnten Jahrhundert ließen sich genau hier glagolitische Mönche nieder, die in die weichen Höhlenwände nach und nach beeindruckende und sehr detaillierte Reliefs meißelten. In ihrer Kunst vermischt sich auf absolut einzigartige Weise klassische christliche Symbolik mit alter slawischer Mythologie und heidnischen Motiven aus längst vergangenen Zeiten.

Das markanteste Werk des gesamten unterirdischen Raumes ist ein riesiges Relief eines furchterregenden Drachen, nach dem die ganze Höhle ihren heutigen Namen erhielt. Der Zugang zu diesem geschützten historischen Schatz ist ziemlich steil und körperlich recht anstrengend. Zudem musst du damit rechnen, dass du das Innere zum Schutz des Denkmals in der Regel nicht ohne lizenzierten Führer betreten darfst, da das Eingangsportal von einem massiven, verschlossenen Eisengitter geschützt wird.

💡 Tipp: Die Höhlenbesichtigung solltest du in der Sommersaison immer rechtzeitig über das örtliche Tourismusbüro reservieren, denn die Gruppenkapazität ist streng begrenzt und das Interesse groß. Der Aufstieg vom Parkplatz in Murvica zur Höhle dauert knapp eine Stunde, also vergiss auch hier nicht, gutes Schuhwerk und vor allem eine Wasserflasche mitzunehmen.

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Lukáš und Lucie empfehlen
Wo übernachten auf der Insel Brač
4 Unterkünfte — Hotels, Wellnesshotels und weitere Übernachtungsmöglichkeiten

9. Die schönsten Strände der Insel

Neben dem allgegenwärtigen und berühmten Zlatni Rat bietet die Küste der Insel eine riesige Anzahl weiterer wunderschöner Buchten, die oft viel mehr Ruhe und die ersehnte Privatsphäre bieten. Die meisten hiesigen Strände bestehen aus perfekt glatten weißen Kieseln, dank derer das Wasser unglaublich klar, türkis und absolut ideal zum Schnorcheln und Beobachten der Unterwasserwelt ist. Vergiss aber auf keinen Fall, gute Wasserschuhe einzupacken, die dir den ansonsten ziemlich harten und steinigen Einstieg ins Meer deutlich angenehmer machen.

Wenn du direkt im Norden in Supetar wohnst, kannst du die sehr beliebten und leicht erreichbaren Stadtstrände Tri Mosta oder Acapulco besuchen. Sie verfügen über jede erdenkliche Ausstattung, von der Liegenvermietung über Sonnenschirme bis zu tollen Strandbars mit eisgekühlten Drinks. Wenn du jedoch in Kroatien den seltenen Sand suchst, mach unbedingt einen Tagesausflug zum Strand Vela Luka, der sich am Westrand von Supetar befindet.

💡 Tipp: Der erwähnte Strand Vela Luka hat wirklich sehr feinen Sand und einen schön flachen Einstieg ins Wasser, sodass er eine absolut perfekte und sichere Wahl für Familien mit kleinen Kindern oder für Nichtschwimmer ist. In der Hauptsaison ist es hier zwar etwas belebter, aber der enorme Komfort beim Baden ist es allemal wert.

10. Wie du auf die Insel Brač kommst

Die Organisation der Anreise ist der wichtigste Punkt der gesamten Planung, und deine Möglichkeiten unterscheiden sich grundlegend danach, ob du mit dem eigenen Auto reist. Die Anreise auf die Insel erfolgt für die meisten Reisenden aus Deutschland zunächst per Auto nach Split – etwa über die Autobahn durch Österreich und Slowenien (Vignette für beide Länder nicht vergessen). Autos werden ausschließlich von der staatlichen kroatischen Gesellschaft Jadrolinija auf die Insel transportiert. Ihre großen und geräumigen Fähren legen regelmäßig vom Festland-Split zum Nordhafen Supetar ab, wobei die bequeme Überfahrt etwa fünfzig Minuten dauert. Im Hochsommer verkehren die Schiffe wirklich häufig, oft bis zu vierzehnmal täglich. Der Preis für den Transport eines Pkw bis fünf Meter Länge liegt 2025 bei rund 25 Euro, während jeder erwachsene Fußpassagier etwas über 6 Euro zahlt.

Wenn du das Auto zu Hause lässt oder auf dem Festland parkst, kannst du die viel schnellere und direktere Verbindung mit den schnellen Katamaranen der Gesellschaften Krilo oder Kapetan Luka nutzen. Diese modernen Schiffe bringen dich in knapp einer Stunde von Split direkt in den beliebten südlichen Ferienort Bol. Die Preise für einfache Fahrkarten bewegen sich meist in einer recht breiten Spanne von etwa 9 bis 25 Euro, wobei es stark darauf ankommt, wie früh im Voraus du die Tickets kaufst. Du musst jedoch bedenken, dass diese Katamarane nur eine Saisonangelegenheit sind.

💡 Tipp: Die Fährtickets fürs Auto solltest du in der Hauptsaison lieber einige Tage im Voraus online über die offizielle Website von Jadrolinija kaufen. So ersparst du dir viele unnötige Nerven und langes, zermürbendes Warten in den Schlangen an den Hafenkassen unter der glühenden Sonne.

11. Windsurfen und Wassersport

Dank der absolut speziellen Witterungsbedingungen gilt die Südseite der Insel seit Langem als einer der besten Orte für Wassersport in ganz Europa. Während der Sommerferienmonate herrscht hier nämlich fast jeden Tag der regelmäßige und starke thermische Wind namens Maestral. Dieses Phänomen beginnt in der Regel kurz nach Mittag, erreicht gegen zwei Uhr seinen Höhepunkt und schafft absolut perfekte Bedingungen fürs Windsurfen sowie das sehr beliebte adrenalingeladene Kitesurfen. Das Schauspiel der Dutzenden bunten Drachen, die über dem Meer fliegen, ist auch dann faszinierend, wenn du sie nur vom Ufer aus beobachtest.

Rund um den berühmten Strand Zlatni Rat findest du gleich mehrere professionelle Schulen und erstklassig ausgestattete Verleihstationen für die verschiedensten Aktivitäten. Erfahrene lizenzierte Instruktoren nehmen sich dort gerne deiner an, ganz egal, ob du blutiger Anfänger bist, der nie zuvor im Leben auf einem Brett stand, oder eher ein fortgeschrittener Fahrer, der an seiner Technik feilt. Verschiedene geführte Ausflüge und Sportkurse kannst du zudem ganz einfach und sicher auch vorab online über die Plattform GetYourGuide buchen.

💡 Tipp: Wenn du eher ruhigere Aktivitäten auf dem Wasser bevorzugst und dich adrenalingeladene Sprünge in den Wellen nicht reizen, ist die Miete eines Seekajaks oder Stand-up-Paddleboards ein tolles Erlebnis für die ganze Familie. Besonders früh am Morgen, solange das Meer spiegelglatt ist und der erwähnte Maestral noch nicht weht, ist das Erkunden versteckter Felsbuchten ein riesiges Vergnügen.

12. Was du von der lokalen Gastronomie probieren solltest

Die dalmatinische Küche ist weit und breit für ihre wunderbare Leichtigkeit und die reichliche Verwendung frischer lokaler Zutaten bekannt, was auf dem sonnigen Brač gleich doppelt gilt. Die Insel ist ein sehr bedeutender Anbauer und Produzent hochwertiger Oliven, deshalb solltest du unbedingt das hiesige Spitzen-Olivenöl probieren und mit nach Hause kaufen, das einen unglaublich reichen Geschmack hat. Wir genießen es am liebsten einfach so mit frischem hausgemachtem Brot und kräftigem Schaf- oder Ziegenkäse von den örtlichen duftenden Weiden. Für ein abendliches Beisammensein empfehle ich dir wärmstens, ein Glas des schwereren Rotweins der berühmten Rebsorte Plavac Mali zu bestellen, die an den heißen Südhängen außergewöhnlich gut gedeiht und perfekt zum Käse passt.

Eine traditionelle lokale kulinarische Spezialität für Fleischliebhaber ist der sogenannte Vitalac. Dabei handelt es sich um Innereien vom Zicklein oder Lamm, die auf einen Spieß gesteckt und langsam über glühender Kohle gegart werden – dieses spezielle Gericht aus dem Dorf Dol ist sogar in die Liste des geschützten immateriellen Kulturerbes eingetragen. Egal, ob du dich für die leichten Gemüsegerichte voller Bio-Produkte aus den örtlichen Gärten oder das erwähnte Insel-Lammfleisch entscheidest, geh auf jeden Fall zum Essen in die traditionellen rustikalen Konobas.

💡 Tipp: Authentische dalmatinische Atmosphäre und wirklich hervorragendes Essen findest du zum Beispiel im renommierten Restaurant Kopačina im malerischen Dorf Donji Humac oder im Lokal Konoba Dolac, wo dich die echte historische Atmosphäre umweht und du einen unvergesslichen Abend verbringst.

Wohin weiter von der Insel Brač

Wenn du für die Entdeckung der wunderschönen dalmatinischen Küste mehr Zeit eingeplant hast, kann Brač selbst nur ein sehr angenehmer Anfang deines großen Sommerabenteuers sein. Von den örtlichen Häfen bieten sich unzählige Möglichkeiten, wohin du nahtlos weiterreisen kannst – ins Landesinnere oder auf die Nachbarinseln, die wiederum einen ganz anderen und einzigartigen Charakter haben.

  • Zurückkehren kannst du bequem mit der Fähre und das historische Zentrum von Split im Detail erkunden, wo der beeindruckende Diokletianpalast und die stets belebte Promenade Riva auf dich warten.
  • Wenn dich das Inselleben weiterhin reizt, erwäge einen Wechsel auf die benachbarte Insel Hvar, die für ihre duftenden Lavendelfelder und das sehr lebhafte Nachtleben bekannt ist.
  • Für einen Gesamtüberblick über die besten Sommerdestinationen und Ferienorte lies unbedingt unseren großen Artikel darüber, wohin in den Urlaub in Kroatien.
  • Wenn du dich nach absoluter Unabhängigkeit und Romantik auf den Wellen sehnst, erkunde die Möglichkeiten, Kroatien mit dem Boot zu erleben, was dir erlaubt, auch die abgelegensten einsamen Buchten ohne Touristen zu entdecken.
  • Bei der Planung deiner nächsten Reise helfen dir sicher auch unsere praktischen Tipps für die beste Unterkunft in Kroatien, damit du die perfekte Wohnung oder das perfekte Hotel ganz ohne Stress findest.

Häufig gestellte Fragen

Besteht der berühmte Strand Zlatni Rat aus Sand?

Auch wenn es auf vielen bearbeiteten Werbefotos auf den ersten Blick so aussehen mag, ist Zlatni Rat kein Sandstrand. Er besteht komplett aus sehr feinen und perfekt glatten weißen Kieselsteinen, die ziemlich steil direkt ins tiefe Wasser abfallen. Packt auf jeden Fall gute Wasserschuhe ein, denn das Laufen über die heißen Steinchen kann mit der Zeit ziemlich unangenehm werden.

Kann man mit dem eigenen Auto auf die Insel Brač gelangen?

Ja, das Reisen mit dem eigenen Auto auf der Insel ist völlig normal und absolut unproblematisch. Für die Überfahrt übers Meer müsst ihr aber die große Fähre der staatlichen Gesellschaft Jadrolinija nutzen, die regelmäßig vom Festland in Split ablegt und im nördlichen Hafen Supetar anlegt. Die schnellen Katamarane, die zum Ferienort Bol im Süden fahren, befördern ausschließlich Fußgänger ohne Fahrzeuge.

Wie viel kostet eine Fährticket von Split?

Die Preise werden zwar jede neue Saison leicht angepasst, aber für das Jahr 2025 solltet ihr damit rechnen, dass ihr für einen Standard-PKW bis fünf Meter Länge etwa 25 Euro für eine einfache Fahrt bezahlt. Das Ticket für einen erwachsenen Fußgänger auf derselben Strecke liegt dann bei knapp 7 Euro, wobei ich empfehle, die Tickets lieber online zu kaufen.

Schaffe ich den Aufstieg auf den höchsten Berg Vidova gora?

Der Wanderweg vom Ferienort Bol direkt auf den Gipfel wird als mittelschwer eingestuft und dauert etwa zwei Stunden bei durchgehendem Anstieg. Das Hauptproblem ist normalerweise gar nicht so sehr das steinige Gelände selbst, sondern vielmehr die brennende Sommerhitze, da ein großer Teil des Weges in der prallen Sonne völlig ohne Schatten verläuft. Falls ihr euch das nicht zutraut, könnt ihr bis zum Sender auf dem Gipfel ganz bequem mit dem Auto hochfahren.

Wie lange dauert die Fahrt mit dem Katamaran zum Ferienort Bol?

Der schnelle moderne Katamaran, der in der Sommersaison von den beliebten Gesellschaften Krilo oder Kapetan Luka betrieben wird, schafft die Strecke von Split direkt nach Bol in knapp 55 bis 60 Minuten. Das ist zweifelsohne die allerschnellste und bequemste Art der Anreise auf die Insel, wenn ihr mit leichtem Gepäck ohne eigenes Auto unterwegs seid und keine Zeit verlieren wollt.

Wann ist die beste Zeit zum Windsurfen?

Für Liebhaber des Windsurfings und des adrenalingeladenen Kitesurfings sind die Haupturlaubsmonate Juli und August absolut ideal. In dieser Zeit weht hier nämlich der thermische Wind Maestral mit eiserner Regelmäßigkeit fast jeden Tag. Normalerweise beginnt er gegen zwei Uhr nachmittags stärker zu werden und hält bis zum Abend an, wobei er perfekte Wellen erzeugt.

Kann man zur Einsiedelei Blaca mit dem Auto fahren?

Nein, dieser einzigartige und geheimnisvolle Klosterkomplex ist tief in einer felsigen Schlucht verborgen und ist nur zu Fuß erreichbar. Das Auto muss auf dem ausgewiesenen oberen Parkplatz zurückgelassen werden, und anschließend erwartet euch eine etwa zweieinhalb Kilometer lange Wanderung hinunter über einen sehr steinigen und unebenen Ziegenpfad, für den ihr unbedingt festes, geschlossenes Schuhwerk benötigt.

Was ist denn dieser berühmte Bračer Stein?

Es handelt sich um einen hochwertigen und strahlend weißen Kalkstein, der in den örtlichen weitläufigen Steinbrüchen bereits seit der Antike abgebaut wird. Seine bekannteste historische Verwendung ist zweifelsohne der Bau des atemberaubenden Diokletianpalastes im nahegelegenen Split, und das traditionelle Handwerk der manuellen Bearbeitung dieses kostbaren Steins wird bis heute in der berühmten Steinmetzschule im Städtchen Pučišća gelehrt.

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Calvi auf Korsika & die Balagne: 11 Tipps für 2026

TL;DRCalvi und die Region Balagne im Nordwesten Korsikas verbinden Geschichte, Berge und Meer – hier kommen 11 Tipps dazu. Im Mittelpunkt stehen die genuesische Zitadelle aus dem 13. Jahrhundert, der sechs Kilometer lange Pinienstrand Pinède, die Bergdörfer Sant’Antonino und Pigna, das Küstenbähnchen U Trinighellu nach Île-Rousse (rund 50 Minuten Fahrzeit) und die natürlichen Gumpen im Tal des Fango. Die beste Reisezeit ist Mai, Juni oder September, wenn es rund 25 Grad hat und weniger Touristen unterwegs sind – von August wird eher abgeraten. Nach Calvi fliegst du zum Flughafen Sainte-Catherine oder nimmst die Fähre ab Nizza (6–7 Stunden, Rückfahrkarte mit Auto 250–400 Euro). Als Basis empfiehlt sich Calvi selbst, wo Hotels 2026 zwischen 120 und 180 Euro pro Nacht kosten. Ein Auto ist Pflicht, wenn du die entlegeneren Ecken der Region erkunden willst.

Wenn du aus dem Flugzeug oder von der Fähre steigst und im Nordwesten Korsikas zum ersten Mal tief durchatmest, nimmst du sofort diese unverwechselbare Mischung aus wildem Thymian, Rosmarin und Myrte wahr. Die Einheimischen nennen dieses undurchdringliche, buschige Dickicht Macchia, und es heißt, der berühmte Napoleon Bonaparte hätte seine Heimatinsel allein an diesem charakteristischen Duft sogar mit verbundenen Augen erkannt. Korsika, das zu Recht als „Insel der Schönheit“ bezeichnet wird, ist aber längst nicht nur eine Sache duftender Kräuter – es ist ein echtes Hochgebirge mitten im Mittelmeer. Und genau das macht Calvi auf Korsika und die umliegende Balagne so besonders.

Wenn du ein Reiseziel suchst, das raue Natur mit traumhaftem Badevergnügen verbindet, werden dich die Region Balagne und ihr Zentrum Calvi restlos begeistern. Erwarte hier keine geschliffene französische Riviera mit Promenaden für die High Society – Korsika ist stolz, wild und ganz und gar sich selbst. In diesem Artikel zeige ich dir das Beste, was die Nordwestküste zu bieten hat, und führe dich an Orte, an denen man morgens auf Bergpfaden wandern und nachmittags in türkisfarbenen Buchten entspannen kann.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben

  • Beste Basis: Calvi bietet die perfekte Mischung aus Geschichte, traumhaften Stränden und sehr guter Anreise dank eigenem Flughafen.
  • Genuesische Zitadelle: Das historische Herz von Calvi mit den schönsten Aussichten auf die gesamte Bucht und die umliegenden Berge.
  • Strand und Pinienwald: Der sechs Kilometer lange Sandstrand, gesäumt vom Schatten duftender Pinien, ist ideal für Familien mit Kindern.
  • Bergdorf Sant’Antonino: Eines der schönsten Dörfer Frankreichs, das an ein hoch auf dem Hügel thronendes Adlernest erinnert.
  • Küstenbahn: Der ikonische Zug U Trinighellu bringt dich auf einer Panoramafahrt entlang der Küste von Calvi bis ins Städtchen Île-Rousse.
  • Beste Reisezeit: Meide den August, wenn die Insel aus allen Nähten platzt, und plane deine Reise lieber im Juni oder September.
  • Anreise vor Ort: Ein Auto ist zum Entdecken der abgelegeneren Dörfer und wilden Strände absolut unverzichtbar.

Beste Reisezeit für Calvi und die Region Balagne

Den richtigen Zeitpunkt zu wählen ist für einen Korsika-Besuch absolut entscheidend, denn die Besucherzahlen schwanken enorm. Die idealen Monate für eine Reise sind Mai, Juni und September, wenn die Lufttemperaturen bei sehr angenehmen rund fünfundzwanzig Grad liegen und das Meer schon zum Baden einlädt. In diesen Monaten genießt du eine üppig blühende Natur, leerere Straßen und deutlich angenehmere Übernachtungspreise. Vor allem im September ist das Mittelmeer nach dem ganzen Sommer wunderbar aufgewärmt – das macht ihn wohl zur allerbesten Zeit für alle, die gerne am Strand faulenzen.

Eine ganz entscheidende Regel solltest du dabei immer im Kopf behalten. Den August solltest du in einem großen Bogen umfahren, denn in diesem Monat stürmen nicht nur die Franzosen, sondern auch die Italiener die Insel. Im Vergleich zum Frühsommer sind hier zwei- bis dreimal so viele Touristen unterwegs, die schmalen Bergstraßen verwandeln sich in endlose Parkplätze und die schönsten Strände sind hoffnungslos überfüllt. Die Preise für Unterkunft und Mietwagen klettern 2026 im August in absurde Höhen – wenn du kannst, verschiebe deine Reise also lieber in den Herbst.

Was die Anreise direkt in die Balagne betrifft, hast du zwei Hauptoptionen. Calvi besitzt einen eigenen kleinen Flughafen, Sainte-Catherine, der in der Saison aus dem französischen Festland und weiteren europäischen Städten angeflogen wird – von Deutschland aus kommst du meist über Marseille oder Nizza mit einer Anschlussverbindung hierher. Wenn du lieber mit dem eigenen Auto reist, kannst du die Fähren von Corsica Ferries nutzen, die im nahen Hafen von Île-Rousse anlegen. Die Fährfahrt vom französischen Nizza dauert etwa sechs bis sieben Stunden, und ein Rücktransfer für zwei Personen mit Auto kostet außerhalb der Hauptsaison zwischen 250 und 400 Euro.

Unterkunft in Calvi und Umgebung finden

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unsere Unterkunft suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten vergleichst und buchst du am besten über GetYourGuide.

Die Balagne bietet eine unüberschaubare Auswahl an Unterkünften, doch für den ersten Besuch ist es am strategischsten, direkt Calvi oder die unmittelbare Umgebung zu wählen. Eine Unterkunft direkt im Zentrum unterhalb der Zitadelle garantiert dir, dass alle gefeierten Restaurants, Bäckereien und die Hafenpromenade nur wenige Schritte vom Zimmer entfernt liegen. Wenn du jedoch mit dem Auto reist, achte unbedingt darauf, dass deine Unterkunft einen eigenen Parkplatz bietet – die Suche nach einem freien Platz in den engen Gassen ist in der Saison nämlich nervenaufreibend.

Wer eher Ruhe und perfekte Entspannung am Meer sucht, dem empfehle ich Hotels entlang des Strandes Pinède. Diese Gegend ist von einem Pinienwald gesäumt und bietet direkten Zugang zum feinen Sand, was du vor allem mit kleineren Kindern zu schätzen weißt. Die Preise für eine Nacht im Doppelzimmer liegen 2026 bei rund 120 bis 180 Euro, in den Randmonaten der Saison kannst du aber auf sehr angenehme Rabatte stoßen. Vergiss nicht, deine Unterkunft über Booking rechtzeitig zu reservieren – ruhig auch ein halbes Jahr im Voraus.

Zu den bewährten und sehr beliebten Adressen gehört das Hotel Mariana, das mit einem Dachpool punktet und einen fantastischen Blick auf die gesamte Bucht und die historische Zitadelle bietet. Wenn du etwas wirklich Außergewöhnliches suchst und es dir den Aufpreis wert ist, bietet das luxuriöse Resort La Villa Calvi in den Hügeln über der Stadt perfekte Privatsphäre und erstklassigen Service. Ein hervorragender Mittelweg ist das historische Hotel l’Abbaye, das sich in einem wunderschön renovierten Gebäude eines ehemaligen Klosters nur einen Steinwurf vom Hafen entfernt befindet.

11 Tipps: Was man in Calvi auf Korsika und der Balagne sehen muss

Die Balagne wird oft als „Garten Korsikas“ bezeichnet und bietet eine unglaublich vielfältige Mischung an Erlebnissen. Werfen wir nun einen Blick auf das Spannendste, was du dir bei deinem Besuch auf keinen Fall entgehen lassen solltest.

1. Die genuesische Zitadelle in der Altstadt von Calvi

Bei der Ankunft in der Stadt fällt dein Blick sofort auf die mächtige Festung, die sich majestätisch auf einem felsigen Vorsprung über dem Meer erhebt und das unverwechselbare Wahrzeichen der gesamten Bucht bildet. Die genuesische Zitadelle wurde im dreizehnten Jahrhundert erbaut und ihre massiven Mauern sollten den strategisch wichtigen Hafen vor Überfällen durch Piraten und feindliche Flotten schützen. Heute ist ihr Inneres ein faszinierendes Labyrinth gepflasterter Gassen, in das keine Autos dürfen und in dem die Zeit stehen geblieben ist.

Ein Spaziergang durch die Zitadelle ist wie eine Reise in die Vergangenheit, bei der du auf malerische Plätze, alte Häuser mit abblätternden Fensterläden und versteckte Cafés stößt. Lass dir auf keinen Fall die Kathedrale Saint-Jean-Baptiste entgehen, die ein wertvolles Holzkreuz birgt, das die Stadt einst vor dem Untergang gerettet haben soll. Die Einheimischen sind außerdem mächtig stolz auf die Legende, nach der ausgerechnet in einem der Häuser innerhalb der Zitadelle der berühmte Seefahrer Christoph Kolumbus geboren wurde – auch wenn die historischen Quellen in diesem Punkt recht uneins sind.

Das schönste Erlebnis bietet dir die Zitadelle am frühen Abend, wenn die glühende Sonne langsam hinter dem Horizont versinkt und die steinernen Mauern in herrliche goldene und orangene Farbtöne taucht. Von den Bastionen aus eröffnen sich absolut atemberaubende Ausblicke auf die ganze Stadt unter dir, das türkisfarbene Meer und die hohen Gipfel der korsischen Berge in der Ferne.

💡 Tipp: Der Eintritt in die Zitadelle selbst ist völlig kostenlos, aber wenn du mehr über ihre bewegte Geschichte erfahren möchtest, kannst du dir im örtlichen Touristenzentrum für rund 10 Euro einen Audioguide ausleihen.

2. Hafen und Promenade Marina

Direkt unterhalb der historischen Mauern der Zitadelle erstreckt sich das pulsierende Herz der ganzen Stadt: die als Quai Landry bekannte Hafenpromenade. Dieser Ort fängt die Kontraste des heutigen Korsika perfekt ein, denn hier siehst du luxuriöse Millionärsyachten direkt neben alten, abgewetzten Fischerbooten ankern. Die Promenade ist von hohen Palmen gesäumt und ist der ideale Ort für einen gemächlichen Morgenspaziergang oder einen abendlichen Plausch bei einem Glas guten Weins.

Die gesamte Promenade ist regelrecht übersät mit Dutzenden Restaurants, Bistros und Cafés mit Außenterrassen, von denen aus du endlos das Treiben im Hafen beobachten kannst. Wenn dich der Hunger packt, empfehle ich dir, die hervorragende vegetarische Pizza mit frischen Kräutern aus der Macchia zu probieren, ehrliche Pasta oder traditionelle korsische Käse, die hier mit Feigenmarmelade serviert werden. Die Einheimischen verzehren zwar mit Vorliebe verschiedene Wurstwaren vom Wildschwein, aber auch ohne Fleisch findest du hier jede Menge köstliche und sättigende Gerichte.

Die Atmosphäre an der Promenade verändert sich mit den fortschreitenden Stunden radikal, wenn aus dem verschlafenen Morgenhafen ein lebhaftes Zentrum des Nachtlebens wird. Abends spielen hier oft Straßenmusiker und durch die Luft zieht der Duft gerösteter Kastanien und eine salzige Meeresbrise.

💡 Tipp: Komm früh am Morgen gegen acht Uhr hierher, wenn die einheimischen Fischer vom nächtlichen Fang zurückkehren und ihre Beute direkt aus den Booten verkaufen – ein unglaublich authentisches Schauspiel, auch für alle, die keinen Fisch essen.

3. Der Strand von Calvi und der Pinienwald Pinède

Wenn du genug vom Bummeln durch die Sehenswürdigkeiten hast, brauchst du nur ein paar Schritte aus dem Zentrum zu gehen und stehst schon an einem der schönsten Stadtstrände der Insel. Die Plage de Calvi erstreckt sich über beachtliche sechs Kilometer und ihr feiner, weißer Sand erinnert in Kombination mit dem unglaublich klaren, türkisfarbenen Wasser eher an die exotische Karibik als an einen europäischen Badeort. Der Einstieg ins Meer ist hier sehr flach und das Wasser bleibt lange seicht, was du vor allem mit kleinen Kindern zu schätzen weißt.

Was diesen Strand absolut einzigartig macht, ist der dichte Pinienwald namens Pinède, der ihn auf seiner gesamten Länge säumt. Die hohen Pinien spenden an heißen Sommertagen wohltuenden natürlichen Schatten, sodass du nicht unbedingt einen Sonnenschirm mitschleppen musst. Unter den Bäumen verläuft zudem eine angenehme Holzpromenade, auf der du bis ans äußerste Ende der Bucht gelangst, und unterwegs kommst du an mehreren netten Strandbars und Restaurants vorbei.

Am Strand kannst du Liegen mit Sonnenschirmen mieten, wobei die Preise 2026 bei rund 25 bis 35 Euro pro Set und Tag liegen. Wenn du eine aktivere Erholung bevorzugst, findest du hier mehrere Verleihstationen für Paddleboards, Kajaks und Tretboote, von denen aus sich ein ungewöhnlicher Blick auf die Zitadelle vom Wasser aus bietet.

💡 Tipp: Obwohl der Strand riesig ist, füllen sich in der Hauptsaison die besten Plätze im Schatten der Pinien schnell, deshalb empfehle ich, idealerweise schon vor zehn Uhr morgens ans Wasser zu kommen.

4. Die Küstenbahn U Trinighellu

Die Verbindung zwischen Calvi und Île-Rousse stellt nicht nur die Straße her, sondern auch die legendäre Schmalspurbahn, die liebevoll U Trinighellu, also „der Wackler“, genannt wird. Diese historische Bahnlinie verläuft direkt am Rand der Klippen und fährt dicht am Meeresufer entlang, sodass sie Ausblicke bietet, die du vom Auto aus einfach nicht hast. Die Fahrt mit diesem kleinen und leicht ratternden Zug ist an sich schon ein riesiges Erlebnis und gehört zum Besten, was du in der Balagne unternehmen kannst.

Die Bahn funktioniert im Grunde wie eine Art Strandtram, denn sie hält unterwegs an allen wichtigen Buchten und Stränden der Bucht. So kannst du ganz leicht abgelegenere Badeplätze entdecken, wie etwa den herrlichen Strand Algajola oder Bodri, ohne dich umständlich um teure Parkplätze kümmern zu müssen. Der Zug fährt in der Sommersaison recht häufig und die gesamte Strecke von Calvi nach Île-Rousse dauert etwa fünfzig Minuten gemütliches Schaukeln.

Die Fahrkarten kaufst du direkt beim Schaffner im Zug oder an den größeren Bahnhöfen, wobei eine einfache Fahrt zwischen beiden Städten 2026 etwa 7 Euro kostet. Besonders im Sommer sind die Züge recht voll, also bewaffne dich mit etwas Geduld und versuche, dir in Fahrtrichtung von Calvi einen Fensterplatz auf der linken Seite zu sichern, um den besten Blick aufs Meer zu haben.

💡 Tipp: Wenn du sicher sein willst, einen Sitzplatz zu bekommen, steig an der Ausgangsstation in Calvi rechtzeitig ein und lass deine Ankunft am Bahnsteig nicht auf die letzte Minute.

5. Île-Rousse und die überdachte Markthalle

Wenn du mit der genannten Bahn oder dem Auto Richtung Osten fährst, erreichst du das überaus sympathische Städtchen Île-Rousse, das im achtzehnten Jahrhundert vom korsischen Nationalhelden Pasquale Paoli gegründet wurde. Die Stadt erhielt ihren Namen von den roten Porphyr-Inselchen, die ein Stück vor der Küste liegen und bei Sonnenuntergang regelrecht in sattem Rot leuchten. Im Vergleich zum historischen Calvi wirkt Île-Rousse viel luftiger, hat ein regelmäßiges Straßennetz und versprüht eine entspannte Kurort-Atmosphäre.

Das Zentrum allen Geschehens ist der weitläufige Platz Place Paoli, der vom Schatten der Platanen, von Cafés und der Statue des Gründers selbst geprägt wird. Direkt neben dem Platz findest du eine prächtige überdachte Markthalle, die mit mächtigen antiken Säulen erbaut wurde und wie ein antiker Tempel aussieht. Jeden Morgen verkaufen hier die einheimischen Bauern das Beste der Insel, sodass du vorzüglichen Ziegenkäse, Honig aus Wildblüten, Olivenöl oder frisches Obst für den Strand kaufen kannst.

Nach dem Besuch der Markthalle solltest du unbedingt zum Leuchtturm auf der Halbinsel Pietra spazieren, die durch einen kurzen Damm mit dem Festland verbunden ist. Der Weg zum Leuchtturm führt zwischen roten Felsen hindurch und bietet einen großartigen Blick auf die ganze Stadt und die hohen Berge, die sich direkt dahinter erheben.

💡 Tipp: Vergiss am Place Paoli nicht, eine Runde Pétanque zu spielen oder zumindest eine Weile den einheimischen älteren Herren beim Spiel zuzusehen – eine absolut perfekte Kostprobe des gemächlichen Insellebens.

6. Das Dorf Sant’Antonino

Die Balagne ist nicht nur eine Sache der Küste, sondern vor allem der malerischen Dörfer, die hoch oben in den Hügeln über dem Meer verstreut liegen. Sant’Antonino trägt den Titel eines der schönsten Dörfer Frankreichs und erinnert aus der Ferne an ein uneinnehmbares Adlernest auf dem Gipfel eines steilen Hügels. Diese Siedlung gehört zu den allerältesten der Insel, wurde bereits im neunten Jahrhundert gegründet und ihr kreisförmiger Grundriss sollte die Bewohner vor Überfällen der Mauren schützen.

Wenn du ins Innere des Dorfes trittst, verstehst du sofort, warum hier keine Autos hindürfen. Dich erwartet ein Gewirr unglaublich enger, steiler und gepflasterter Gassen, die sich zwischen alten Steinhäusern hindurchwinden, unter Gewölbebögen hindurchführen und bis zum höchsten Punkt ansteigen. Der Spaziergang erfordert recht gutes Schuhwerk und ein bisschen Kondition, doch belohnt wirst du mit einer absolut einzigartigen Atmosphäre eines Ortes, an dem sich seit Hunderten von Jahren nichts verändert hat.

Vom höchsten Punkt des Dorfes eröffnet sich ein Rundblick in alle Himmelsrichtungen. Du siehst von hier aus die gesamte Küste der Balagne, mit Olivenbäumen gefüllte Täler und die schneebedeckten Gipfel der höchsten korsischen Berge. In einigen kleinen Cafés kannst du außerdem die lokale Spezialität in Form eines erfrischenden Zitronensafts aus Früchten probieren, die direkt auf den umliegenden Terrassen angebaut werden.

💡 Tipp: Das Parken unterhalb des Dorfes ist kostenpflichtig und im Sommer sehr schnell voll, deshalb empfehle ich, Sant’Antonino früh am Morgen zu besuchen, solange die Luft noch nicht so heiß und die Gassen leer sind.

7. Das Dorf Pigna

Nur wenige Kilometer von Sant’Antonino entfernt liegt ein weiteres Juwel des Hinterlands: das bezaubernde Dorf Pigna. Dieser Ort ist vor allem für seine leuchtend blauen Fensterläden bekannt, die in Kombination mit den ockerfarbenen Steinmauern der Häuser eine absolut perfekte Fotokulisse schaffen. Pigna hat sich im Gegensatz zu anderen Dörfern eine sehr starke künstlerische und handwerkliche Tradition bewahrt, durch die es unglaublich lebendig und kreativ wirkt.

In den engen gepflasterten Gassen stößt du auf Dutzende kleine Werkstätten und Ateliers. Pigna ist die Heimat von Keramikern, Malern, Bildhauern und vor allem von Herstellern traditioneller korsischer Musikinstrumente, sodass aus den geöffneten Fenstern oft das Geräusch von Schnitzwerkzeugen oder das Ausprobieren neuer Holzflöten und Spieluhren erklingt. Du kannst den Handwerksmeistern hier direkt über die Schulter schauen und ein wirklich originelles und authentisches Souvenir erwerben, das nichts mit billigen Importen aus Asien zu tun hat.

Das Dorf ist außerdem von alten Olivenhainen umgeben und es herrscht ein strenges Fahrverbot für Autos, sodass man hier in völliger Ruhe spaziert. Ein Besuch lohnt sich auch wegen der kleinen Dorfkirche mit dem schönen Platz, von dem aus sich ein weiterer fantastischer Blick hinunter zum blauen Meer und zum Küstenstädtchen Algajola bietet.

💡 Tipp: Wenn du ein außergewöhnliches Erlebnis suchst, probiere eines der kleinen lokalen Restaurants aus, die oft ausschließlich mit lokalen Zutaten kochen, die auf den Terrassen unterhalb des Dorfes angebaut werden.

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8. Handwerk und Musik der Balagne

Wenn du sowieso durch die Bergdörfer fährst, solltest du wissen, dass diese ganze Region durch eine spezielle Touristenroute namens Route des Artisans, also „Weg der Handwerker“, verbunden ist. Dieser Pfad führt dich zu den interessantesten Ateliers und Werkstätten, die über die gesamte Balagne verstreut sind. Dabei handelt es sich nicht um ein künstlich geschaffenes Freilichtmuseum für Touristen, sondern um eine lebendige Tradition, die die Einheimischen für kommende Generationen zu bewahren versuchen.

Neben der bildenden und angewandten Kunst ist Korsika, und die Balagne ganz besonders, für sein absolut einzigartiges musikalisches Erbe berühmt. Es handelt sich um die traditionellen polyphonen Gesänge, die ausschließlich von Männern ohne jegliche musikalische Begleitung gesungen werden. Diese tiefen, resonierenden Stimmen, die sich in unglaublichen Harmonien verflechten, haben ihre Wurzeln in alten Hirtentraditionen und jagen den Zuhörern bis heute eine Gänsehaut über den Rücken.

Konzerte polyphoner Chöre finden in den Sommermonaten recht häufig statt, und das größte Erlebnis sind die Auftritte in den alten Steinkirchen. Dank der hervorragenden Akustik der historischen Gotteshäuser erfüllt der Klang regelrecht den gesamten Raum und du hast das Gefühl, als würdest du die Seele der Insel selbst berühren. Informationen zu den Konzerten findest du auf Plakaten an den Säulen oder in den örtlichen Informationszentren.

💡 Tipp: Tickets für die abendlichen polyphonen Konzerte kosten meist rund 15 bis 20 Euro, und ich empfehle dir, sie rechtzeitig zu besorgen, denn die örtlichen Kirchen haben eine sehr begrenzte Kapazität und sind schnell ausverkauft.

9. Wandern auf der Halbinsel Revellata

Wenn du wilde Natur magst und dir ein bisschen körperliche Anstrengung nichts ausmacht, mach dich von Calvi aus Richtung Westen auf zur Halbinsel Pointe de la Revellata. Dieser felsige Vorsprung bildet einen absoluten Kontrast zum geschliffenen Stadtstrand, denn er bietet eine raue Landschaft voller peitschender Winde, scharfer Klippen und einsamer Buchten. Zur Halbinsel gelangst du zu Fuß direkt von der Stadtzitadelle aus, und die gesamte Rundroute dauert etwa drei bis vier Stunden sehr angenehmen Gehens.

Der Weg führt über ausgefahrene Schotterpfade, die sich zwischen den duftenden Macchia-Sträuchern winden, und bietet dir ständig atemberaubende Ausblicke auf das tobende Meer tief unter dir. Am äußersten Ende der Halbinsel stößt du auf einen einsamen weißen Leuchtturm, der hier schon seit dem neunzehnten Jahrhundert steht und über die Sicherheit der Schiffe wacht, die an den tückischen Klippen vorbeiziehen. Hier wird dir die wahre Kraft der Natur und die Weite des Mittelmeers bewusst.

Während des Gehens stößt du auf mehrere kleine Kiesbuchten, die nur zu Fuß oder per Boot zugänglich sind. Das Wasser ist hier unglaublich klar und voller Unterwasserleben, also pack unbedingt eine Taucherbrille und einen Schnorchel ein, wenn du noch Platz im Rucksack hast. Diese kleinen Strände sind selbst mitten im Sommer fast menschenleer.

💡 Tipp: Auf der gesamten Halbinsel gibt es überhaupt keinen Schatten und keine Möglichkeit, Vorräte nachzukaufen, deshalb nimm festes Schuhwerk, eine Kopfbedeckung und mindestens zwei Liter Wasser pro Person mit.

10. Aussichtspunkt Notre-Dame de la Serra

Suchst du einen Ort, von dem aus du die allerbesten Fotos der gesamten Bucht machst, musst du zur kleinen Kapelle Notre-Dame de la Serra hinaufsteigen. Dieses Heiligtum befindet sich hoch oben auf einem Hügel hinter Calvi und es führt eine recht steile, schmale Straße dorthin, die du mit dem Auto bewältigen kannst – für die Mutigeren ist sie aber auch eine schöne Wanderherausforderung. Die Einheimischen verehren diesen Ort zutiefst und betrachten ihn als eine Art Schutzengel der ganzen Stadt und der näheren Umgebung.

Auf dem Vorplatz der Kapelle steht eine unübersehbare Statue der Jungfrau Maria mit weit ausgebreiteten Armen, als würde sie die ganze Bucht unter sich beschützen. Einer örtlichen Legende zufolge bringt der Besuch dieses Ortes Glück in der Liebe, und wenn du mit deiner besseren Hälfte hierherkommst, bleibt ihr angeblich für den Rest eures Lebens zusammen. Ob du an die Sage glaubst oder nicht – die atemberaubende Aussicht wirst du so schnell nicht vergessen.

Vom Aussichtspunkt siehst du die ganze Stadt Calvi wie auf dem Präsentierteller liegen, die imposante Zitadelle und den sechs Kilometer langen Strandstreifen, der sich bis zum Horizont zieht. Die schönste Atmosphäre herrscht hier während der goldenen Stunde kurz vor Sonnenuntergang, wenn die umliegenden Berge in weiches Licht getaucht werden und das Meer wie ein riesiger Spiegel zu glänzen beginnt.

💡 Tipp: Wenn du dich entscheidest, zu Fuß direkt vom Zentrum Calvis zur Kapelle zu gehen, rechne mit etwa einer Stunde recht steilen Aufstiegs und denk auch hier an ausreichend Flüssigkeit.

11. Baden in den Naturpools des Fango-Tals

Wenn dir das Salzwasser und der Sand überall in der Badehose irgendwann zu viel werden, hat die Balagne noch ein riesiges Ass im Ärmel. Etwa vierzig Minuten Fahrt südlich von Calvi liegt das herrliche Tal des Flusses Fango, das auf der Liste der UNESCO-Biosphärenreservate steht. Der Fluss hat hier im Lauf der Jahrtausende Dutzende natürliche Pools in den roten Granit ausgewaschen, die eine perfekte Alternative zu den überfüllten Küstenstränden darstellen.

Das Wasser in diesen Bergtümpeln ist kristallklar, im Sommer angenehm erfrischend und hat eine unglaubliche smaragdgrüne Farbe. Du kannst hier über riesige, aufgewärmte Felsbrocken springen, in tieferen Tümpeln schwimmen oder dich von kleinen Wasserfällen massieren lassen, die zwischen den einzelnen Pools entstehen. Das Tal ist außerdem von dichten Eichenwäldern umgeben und die Kulisse wird von den steilen Hängen der höchsten korsischen Berge vervollständigt.

Zum Tal führt eine recht gute Straße mit mehreren Parkplätzen, von denen es bis zum Wasser nur ein paar Minuten zu Fuß sind. Je weiter flussaufwärts du gehst, desto weniger Menschen triffst du und desto größer ist deine Chance, einen eigenen privaten Pool nur für dich zu finden. Viele Ausflüge und Outdoor-Aktivitäten in dieser Gegend lassen sich auch ganz leicht über das beliebte Portal GetYourGuide finden und buchen.

💡 Tipp: Die Steine im Fluss und drumherum sind oft sehr rutschig, also nimm unbedingt Wasserschuhe oder feste Sandalen mit ans Wasser, um unnötige Knöchelverletzungen zu vermeiden.

Wohin von Calvi aus weiter?

Wenn du die Nordwestküste gründlich erkundet hast, bietet Korsika noch jede Menge weiterer Orte, die dir den Atem rauben. Wenn du vorhast, die ganze Insel zu bereisen, lies unbedingt unseren umfassenden Korsika-Reiseführer, in dem du detailliertere Informationen zu den anderen Regionen findest. Die größte Attraktion der ganzen Insel ist aber eindeutig der Süden, und zwar konkret eine Stadt, die über dem Abgrund balanciert. Finde heraus, warum du auf deiner Reise auf keinen Fall Bonifacio auslassen solltest, das die dramatischsten Szenerien im gesamten Mittelmeerraum bietet.

Von Calvi aus kannst du auch zu einem Ganztages-Bootsausflug ins streng geschützte Naturreservat Scandola aufbrechen, das du nur über das Wasser erreichst, oder die raue Halbinsel Cap Corse im Nordosten der Insel erkunden, die an einen erhobenen Finger erinnert und mit alten genuesischen Türmen gespickt ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie kommt man vom Flughafen Calvi ins Stadtzentrum?

Der Flughafen Sainte-Catherine liegt etwa sieben Kilometer vom Stadtzentrum entfernt. Es gibt keine regelmäßige öffentliche Verkehrsanbindung, sodass ihr entweder auf einen vorab gebuchten Mietwagen oder auf die örtlichen Taxis angewiesen seid. Die Taxifahrt ins Zentrum dauert etwa fünfzehn Minuten und kostet im Jahr 2026 einen Festpreis von etwa 20 bis 25 Euro, je nach Tageszeit.

Brauche ich in der Region Balagne ein Auto?

Ja, ein Auto ist absolut notwendig, um Korsika zu erkunden. Öffentliche Verkehrsmittel gibt es zwar, aber die Busse fahren sehr selten und zu den meisten malerischen Bergdörfern oder wilden Stränden kommst du damit gar nicht hin. Ohne Auto wärst du nur auf die Stadt Calvi und den Zug nach Île-Rousse angewiesen.

Ist Korsika ein teures Reiseziel?

Im Vergleich zum französischen Festland sind die Preise auf der Insel etwa 10 bis 20 Prozent höher, da die meisten Waren mit Fähren transportiert werden müssen. Die teuersten Posten sind normalerweise die Automiete und die Fähre selbst, falls man mit dem eigenen Wagen anreist. Sparen lässt sich durch Reisen außerhalb der Hauptsaison im Sommer und durch den Kauf lokaler Lebensmittel auf den Märkten.

Schaffe ich den Besuch der Bergdörfer auch mit Kinderwagen?

Besuche von Dörfern wie Sant’Antonino oder Pigna mit einem klassischen Kinderwagen sind sehr anspruchsvoll und ich würde sie eher nicht empfehlen. Die Gassen sind hier extrem eng, steil, voller unebener Steine und oft durch Treppen unterbrochen. Für Reisen mit kleineren Kindern an diesen Orten ist eine Babytrage oder Kraxe viel praktischer.

Komme ich auf Korsika mit Englisch zurecht?

In den wichtigsten Touristenzentren, Hotels und größeren Restaurants kommt man normalerweise mit Englisch zurecht, auch wenn das Niveau schwanken kann. Die Korsen sind aber sehr stolz und schätzen es, wenn man zumindest grundlegende Phrasen auf Französisch lernt wie bonjour, merci oder s’il vous plaît, was einem oft die Türen zu einem viel freundlicheren Umgang öffnet.

Ist es schwierig, in Restaurants fleischlose Gerichte zu finden?

Korsika ist zwar für seine Wurstwaren und Fleischgerichte bekannt, aber ein fleischloses Essen zu finden ist überhaupt kein Problem. Die meisten Restaurants bieten hervorragende vegetarische Pizza, Pasta mit frischen Kräutern, reichhaltige Salate oder Gerichte aus ausgezeichneten lokalen Käsesorten an, wie zum Beispiel den berühmten Brocciu-Käse.

Wo kann man bei einem Besuch in Calvi parken?

V Zentrum der Stadt findest du mehrere gebührenpflichtige Parkplätze, von denen der größte und nächstgelegene zur Zitadelle der Parkplatz entlang des Hafens ist. In den Sommermonaten sind diese Plätze allerdings sehr schnell voll, daher ist es besser, früh am Morgen anzureisen oder die Park-and-Ride-Parkplätze etwas weiter vom Zentrum entfernt zu nutzen und das kleine Stück mit einem angenehmen Spaziergang zu Fuß zu gehen.

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Saint-Émilion in Frankreich: 11 Tipps für das Weinstädtchen bei Bordeaux 2026

TL;DRSaint-Émilion ist ein mittelalterliches Weinstädtchen am rechten Ufer der Dordogne bei Bordeaux, das zum UNESCO-Welterbe zählt. Von Bordeaux Saint-Jean erreichst du es mit dem direkten Zug in 33 bis 40 Minuten. Unter den 11 Tipps sticht die Besichtigung der monolithischen Kirche hervor, die aus dem Kalkfelsen gehauen wurde (Eintritt etwa 15 €), dazu der Aufstieg über 118 Stufen auf den Tour du Roy, Weinverkostungen direkt in den Weingütern (15–35 €) und die traditionellen Makronen aus dem Jahr 1620. Die beste Reisezeit ist Mai und Juni oder die Weinlese im September und Oktober, während du Juli und August mit Touristenmassen und Temperaturen von 35–40 °C besser meidest. Fürs historische Zentrum reicht ein halber Tag, für Radtouren, Verkostungen und die umliegenden Châteaux solltest du dir aber einen ganzen Tag nehmen oder gleich vor Ort übernachten.

Wenn von französischem Wein die Rede ist, denkst du wahrscheinlich sofort an die berühmte Region rund um Bordeaux und an schwere, rubinrote Tropfen. Diese ganze Gegend ist ein wahres Paradies für Geschichts- und Genussliebhaber – doch wenn du das malerischste Weinstädtchen von allen suchst, dann führt dich dein Weg nach Saint-Émilion in Frankreich. Diese mittelalterliche Perle liegt am rechten Ufer der Dordogne und ist die perfekte Flucht in eine Welt, in der die Zeit so langsam vergeht wie reifender Wein. Goldgelbe Kalksteinhäuser thronen hier auf einem steilen Hügel, und von allen Seiten umgibt sie ein endloses Meer sorgfältig gepflegter Weinberge.

Da die gesamte Weinregion riesig ist und man sich ohne Auto oft schwer zurechtfindet, bietet Saint-Émilion eine geradezu geniale Lösung für entspannte Reisende. Du erreichst die Stadt nämlich bequem mit dem Direktzug, und die besten Verkostungen lassen sich zu Fuß abklappern. Ich habe für dich einen ausführlichen Reiseführer zusammengestellt, der dir zeigt, wie du diesen magischen, von der UNESCO ausgezeichneten Ort optimal genießt. Du findest hier Tipps für Touren durch die geheimnisvolle Unterwelt, Verkostungen fantastischer Weine sowie praktische Ratschläge, wie du der Frustration über überfüllte Gassen entgehst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Stressfreie Anreise: Vom Bahnhof Bordeaux Saint-Jean fährt ein direkter Regionalzug (TER) hierher, die bequeme Fahrt dauert nur 33 bis 40 Minuten.
  • Weltweit einzigartig: Saint-Émilion war überhaupt die erste Weinlandschaft der Welt, die in die prestigeträchtige UNESCO-Welterbeliste aufgenommen wurde.
  • Architektonisches Wunder: Das Highlight ist die riesige monolithische Kirche, die im Mittelalter aus einem einzigen Stück unterirdischen Kalksteins gemeißelt wurde.
  • Vorab reservieren: Touren in den renommierten Weingütern (Châteaux) sowie den Eintritt in die unterirdische Kirche musst du 2026 lange im Voraus online buchen.
  • Tückische Gassen: Das Städtchen ist voller extrem steiler Kopfsteinpflastergassen, die die Einheimischen Tertres nennen – bequemes Schuhwerk ist also absolute Pflicht.
  • Nicht nur Wein: Vergiss neben den Verkostungen nicht, die echten lokalen Makronen zu probieren, die hier nach einem Geheimrezept aus dem Jahr 1620 gebacken werden.
  • Meide den August: In den Sommermonaten platzt das Städtchen aus allen Nähten, deshalb ist es viel besser, im Frühling oder zur Weinlese im Herbst herzukommen.

Wann du nach Saint-Émilion reisen solltest

Das richtige Timing zu planen ist bei diesem Reiseziel absolut entscheidend, denn Saint-Émilion ist schlicht ein globaler Begriff, und jedes Jahr strömen Hunderttausende Besucher aus aller Welt hierher. Die schlimmste Zeit sind die Monate Juli und August, wenn die engen Gassen von Touristenmassen verstopft sind und die Temperaturen im Südwesten Frankreichs sehr oft erbarmungslose 35 bis 40 °C erreichen. Hinzu kommt, dass sich Anfang Juli (etwa ab dem 3. Juli) wegen der Sommerferien praktisch ganz Frankreich in Bewegung setzt. Das erste August-Wochenende, das die Einheimischen Chassé-croisé nennen, ist auf den französischen Straßen traditionell der schlimmste Tag des ganzen Jahres, und die Plätze in allen Restaurants sind dann hoffnungslos und weit im Voraus ausgebucht.

Wenn du die romantische Atmosphäre genießen und genug Raum für entspannte Verkostungen haben möchtest, komm lieber im Mai oder Juni her. Die Tage sind schon schön lang, die Weinberge leuchten herrlich grün, und die ganze Region wirkt unglaublich frisch. Das Frühlingswetter ist auch ideal für längere Radtouren in der Umgebung, weil die Sonne noch nicht so brennend stark ist. In dieser Zeit kommst du außerdem viel leichter an Reservierungen in kleineren Familienweingütern, wo sich die Besitzer persönlich um dich kümmern und dir in Ruhe alle Geheimnisse der Herstellung erklären können. Wenn du trotzdem mitten im Sommer her musst, nimm wenigstens den ersten Zug am Morgen.

Eine geradezu magische Atmosphäre bietet das Städtchen dann im September und Oktober zur Weinlese. Die Farben des Laubs in den Weinbergen verfärben sich langsam in wunderschöne Gold- und Purpurtöne, und die ganze Gegend pulsiert vor unglaublicher Energie. Traktoren transportieren ständig frische Trauben, in der Luft liegt der süße Duft des gärenden Mostes, und die Stadt lebt von traditionellen Festen. Beachte allerdings, dass Streiks (grèves) so etwas wie ein französischer Nationalsport sind und häufig die Bahn SNCF betreffen. Überprüfe deshalb immer 24 bis 48 Stunden vor deiner geplanten Abfahrt in der App SNCF Connect, ob deine Verbindung wirklich fährt, damit du nicht am Bahnhof strandest.

Wo du in Saint-Émilion übernachten kannst

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unsere Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich, über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Obwohl viele Leute nur für einen Tagesausflug vom nahen Bordeaux herkommen, offenbart dir eine Übernachtung in der Stadt ihr ganz anderes, viel poetischeres Gesicht. Sobald am Nachmittag die letzten Reisebusse abgefahren sind, leeren sich die Gassen und es kehrt eine herrliche Ruhe ein. Du kannst frei durch das wunderschön beleuchtete historische Zentrum schlendern, mit einem Glas Wein auf dem Platz sitzen und die Aussicht ins dämmrige Tal genießen. Die Übernachtungskapazitäten sind hier allerdings sehr begrenzt und die Preise gehören logischerweise zu den höheren – zögere mit der Reservierung über dein Lieblingsportal also keinesfalls zu lange.

Wenn du mittendrin sein willst und es dir nichts ausmacht, die Koffer übers Kopfsteinpflaster zu ziehen, dann suche dir eine Unterkunft innerhalb der historischen Stadtmauern. Hier findest du wunderschöne Boutique-Hotels in historischen Gebäuden. Eine großartige Wahl ist das luxuriöse Hôtel de Pavie, das atemberaubende Ausblicke über die Dächer der Stadt und einen erstklassigen Service bietet. Eine preisgünstigere, aber immer noch sehr charmante Unterkunft ist die Pension Les Chambres d’Ovaline, wo dich der persönliche Empfang der Besitzer und das typisch französische Frühstück mit frischen Croissants begeistern werden. Falls du mit einem Mietwagen anreist, pass beim Parken sehr gut auf, denn die Einfahrt ins historische Zentrum ist streng reguliert.

Für alle, die absolute Ruhe bevorzugen und mit Blick auf endlose Rebenreihen aufwachen möchten, ist eine Unterkunft direkt zwischen den Weinbergen die ideale Wahl. In der unmittelbaren Umgebung der Stadt gibt es zahlreiche renovierte Schlösschen (Châteaux), die Unterkünfte mit Pool und eigenen Kellern anbieten. Ein Stück außerhalb der Stadt liegt zum Beispiel das märchenhafte Château Hôtel Grand Barrail, das an ein kleines Schloss erinnert und ein fantastisches Wellnesscenter bietet. Von diesen Orten gelangst du entweder bei einem angenehmen Spaziergang oder mit einem Leihfahrrad ins Stadtzentrum. Vergiss allerdings nicht, vor der Reise online die Umweltplakette Crit’Air zu beantragen (sie kostet etwas mehr als 5 €), denn die größeren französischen Städte in der Umgebung haben strenge Umweltzonen (ZFE) eingeführt, und ohne Plakette drohen hohe Bußgelder.

11 Tipps, was du in Saint-Émilion sehen und unternehmen kannst

Werfen wir gemeinsam einen Blick auf das Beste, was dieses zauberhafte Städtchen und seine Umgebung zu bieten haben. Von unterirdischen Rätseln bis hin zu Verkostungen der besten Jahrgänge auf sonnenüberfluteten Terrassen.

1. Verlier dich in den steilen Gassen (Tertres)

Das historische Zentrum selbst ist so überwältigend schön, dass es mindestens zwei Stunden gemütliches Bummeln verdient. Saint-Émilion wurde amphitheaterförmig in den Hang gebaut, und es wird von extrem steilen Kopfsteinpflastergassen durchzogen, die man Tertres nennt. Diese Wege waren ursprünglich für Esel gedacht, die Weinfässer trugen, weshalb das Pflaster sehr uneben, an allen Ecken abgerundet und oft auch bei trockenem Wetter gefährlich rutschig ist. Das ist ein absoluter Kontrast zum flachen Bordeaux, sodass aus dem Spaziergang ohne qualitatives Schuhwerk mit fester, rutschfester Sohle eher ein Adrenalinsport wird.

Auf deinem Spaziergang stößt du auf unglaublich malerische Winkel, alte Steinbögen und Kalksteinhäuser, die in der Sonne förmlich in warmen Gelbtönen erstrahlen. Jede Gasse verbirgt etwas Interessantes, sei es eine kleine unabhängige Galerie eines lokalen Künstlers, ein verstecktes Café mit ausgezeichnetem Kaffee oder ein Lädchen mit traditioneller lokaler Keramik. Die ganze Stadt wirkt wie ein perfekt erhaltenes Freilichtmuseum, in dem dich aus jedem Stein die Geschichte anweht.

Ich empfehle dir, so früh wie möglich die Hauptwege zu verlassen und in die engsten Seitengassen abzubiegen, wo du oft keine Menschenseele triffst und das Gefühl hast, um mehrere Jahrhunderte in der Zeit zurückgefallen zu sein. Die Fotogenität dieses Ortes ist zu jeder Tageszeit schlichtweg unglaublich. 💡 Tipp: Wenn du gleich früh am Morgen herkommst, bevor die ersten Ausflugszüge aus Bordeaux eintreffen, hast du die schönsten Gassen im Morgenlicht ganz für dich allein.

2. Erkunde die einzigartige monolithische Kirche

Das ist ein absolutes architektonisches Wunder und zweifellos das Wahrzeichen der ganzen Stadt. Die monolithische Kirche in Saint-Émilion entstand nämlich nicht durch das klassische Aufeinanderschichten von Steinen, sondern wurde gänzlich nach unten in das Kalksteinmassiv gemeißelt. Die Arbeiten daran begannen bereits im 12. Jahrhundert, und die mittelalterlichen Baumeister mussten unglaubliche 15.000 Kubikmeter festes Gestein abtragen. Wenn du in diesem riesigen unterirdischen Raum mit den massiven Pfeilern stehst, in den nur ein Minimum an Tageslicht dringt, empfindest du echte heilige Ehrfurcht und Bewunderung für die damaligen Handwerker.

Die Kirche ist so riesig, dass sie problemlos Hunderte von Menschen fasst, und ihre Wände tragen noch immer stolz die Spuren der Werkzeuge der mittelalterlichen Steinmetze. Hinein kommst du nur mit einem offiziellen Guide, denn das Denkmal ist sehr empfindlich und benötigt besondere Pflege. Der Eintritt beläuft sich 2026 auf etwa 15 €, und die Tickets solltest du unbedingt rechtzeitig online über das örtliche Fremdenverkehrsamt (Office de Tourisme) sichern. Während der faszinierenden Führung siehst du auch geheimnisvolle Katakomben und die Höhle des Eremiten Émilion, nach dem das ganze Städtchen benannt ist.

💡 Tipp: Auch wenn draußen heißer Sommer herrscht und die Temperaturen in der Sonne die unangenehme Dreißiger-Marke überschreiten, herrscht im Untergrund eine sehr konstante Kühle von etwa 14 °C. Nimm deshalb unbedingt einen leichten Pullover oder eine Jacke mit, damit dir während der Führung nicht kalt wird.

3. Steig auf den Turm Tour du Roy

Wenn du den absolut besten Ort für atemberaubende Panoramafotos suchst, muss dein Weg eindeutig zu diesem mittelalterlichen Wehrturm führen. Der Tour du Roy (Königsturm) stammt bereits aus dem 13. Jahrhundert und ist der einzige erhaltene romanische Bergfried in der gesamten weiten Region. Bis heute wissen Historiker nicht genau, ob ihn ein französischer König oder ein englischer Herrscher errichten ließ, denn die Region Bordeaux wechselte in ihrer wilden Geschichte sehr oft die Herrscher. So bleibt der Turm ein schönes und leicht geheimnisvolles Wahrzeichen der Stadt.

Um ganz nach oben auf den Turm zu gelangen, musst du genau 118 ziemlich steile und enge Steinstufen bezwingen. Die Belohnung für diese körperliche Anstrengung ist allerdings eine absolut fantastische 360-Grad-Aussicht. Von hier siehst du das perfekte Mosaik der Terrakotta-Dächer des Städtchens, das Tal der Dordogne und natürlich Dutzende Kilometer sorgfältig gestutzter Weinberge, die sich bis zum Horizont erstrecken. Der Eintritt kostet nur ein paar Euro, und den Aufstieg schafft jeder durchschnittlich fitte Reisende.

💡 Tipp: Der Turm spielt während des Jurade-Festes die Hauptrolle, wenn die örtliche Weinbruderschaft in traditionellen roten Gewändern von hier feierlich den Beginn der Ernte verkündet. Der Turm ist allerdings meist nur zu bestimmten Stunden geöffnet (in der Regel nachmittags), also überprüfe vorab die aktuellen Öffnungszeiten an der Tür oder direkt im nahen Touristenzentrum.

4. Verkoste Saint-Émilion Wein ohne Stress und Frust

Die meisten Leute reisen mit dem klaren Ziel in die Region Bordeaux, die berühmten Grand-Cru-Weine zu verkosten. Während die Region Médoc am linken Ufer der Gironde ohne eigenes Auto oder teuren Fahrer ein absoluter logistischer Albtraum ist, ist Saint-Émilion für unabhängige Reisende ein wahres Paradies. Viele prestigeträchtige Weingüter (Châteaux) befinden sich nämlich in unmittelbarer Nähe des historischen Zentrums oder nur wenige Gehminuten vom kleinen Bahnhof entfernt. So kannst du in aller Ruhe gleich mehrere Touren an einem Tag absolvieren, ohne dir umständlich Gedanken darüber machen zu müssen, wer abends zurück zum Hotel fährt.

Die meisten Weingüter bieten eine klassische kommentierte Führung, die traditionell mit der Erläuterung der Arbeit im Weinberg beginnt, mit der Besichtigung der Gärbottiche weitergeht und mit dem Besuch eines beeindruckenden Fasskellers endet. Das Highlight ist dann natürlich die Verkostung selbst, bei der du typischerweise zwei bis drei verschiedene Weine probierst. Die Preise für diese Touren bewegen sich 2026 etwa zwischen 15 und 35 €, je nach Prestige und Bekanntheitsgrad des jeweiligen Weinguts. Die lokalen Weine vom rechten Ufer basieren vor allem auf der Rebsorte Merlot, die ihnen im Gegensatz zu den Cabernet-Weinen aus dem Médoc eine wunderbare Sanftheit, Fruchtigkeit und samtige Textur verleiht.

💡 Tipp: Sich darauf zu verlassen, dass du einfach an einem Weingut vorbeispazierst und sie dich mit einem Lächeln auf eine Tour mitnehmen, ist ein riesiger Fehler. Die besten und gefragtesten Adressen musst du online ruhig auch einen Monat im Voraus reservieren, besonders in der Sommersaison.

5. Entdecke das unterirdische Königreich der Keller

Was du an der sonnenüberfluteten Oberfläche von Saint-Émilion siehst, ist eigentlich nur die Hälfte der ganzen faszinierenden Geschichte. Direkt unter der Stadt und den angrenzenden Weinbergen befinden sich nämlich unglaubliche 200 Kilometer dunkler unterirdischer Gänge und Höhlen. Diese ausgedehnten Räume entstanden durch den allmählichen Abbau von hochwertigem Kalkstein, aus dem nicht nur das Städtchen selbst, sondern zu großen Teilen auch die wunderschönen Paläste im nahen Bordeaux gebaut wurden. Als der Steinabbau endgültig endete, begriffen die örtlichen Winzer sehr schnell, dass die verlassenen Stollen der absolut beste Ort für die Lagerung ihres kostbaren Weins sind.

Einige Châteaux haben ihre Hauptkeller eben in diesen alten Kalksteinbrüchen. Während der Tour steigst du oft auch Dutzende Meter unter die Erde in dunkle, kühle Gänge hinab, wo in vollkommener Stille und konstanter Temperatur Tausende Eichenfässer ruhen. Die Atmosphäre ist hier leicht mystisch, und der spezifische Geruch von feuchtem Stein mischt sich perfekt mit dem typisch süßlichen Aroma des reifenden Weins. Es ist ein völlig anderes und viel tieferes Erlebnis als der Besuch moderner oberirdischer Hallen mit Edelstahltanks.

💡 Tipp: Eine hervorragende unterirdische Tour bietet zum Beispiel das Weingut Château Villemaurine, das nur wenige Schritte vom historischen Zentrum entfernt liegt und dessen alte Kalksteinbrüche während der Führung wunderschön beleuchtet sind.

6. Probier die echten Makronen mit Geschichte

Auch wenn die Stadt weltweit vor allem für ihren Wein berühmt ist, hat sie noch einen weiteren riesigen gastronomischen Hit. Die echten Makronen aus Saint-Émilion werden hier seit 1620 mit Liebe nach einem Geheimrezept gebacken. Wenn du dir unter dem Wort Makrone die luftigen, bunten und mit Creme zusammengeklebten Pariser Süßigkeiten vorstellst, wirst du von ihrem ursprünglichen Aussehen sehr überrascht sein. Die hiesige traditionelle Version ist nämlich viel rustikaler, hat absolut keine Füllung und sieht auf den ersten Blick eher aus wie ein kleiner aufgeplatzter Keks.

Dieses geniale Rezept erfanden die Schwestern des Ursulinenordens, und seine Grundlage sind nur wenige hochwertige Zutaten: süße Mandeln, bittere Mandeln, frisches Eiweiß und Zucker. Sie enthalten weder Mehl noch künstliche Farbstoffe und sind eine absolut perfekte vegetarische Köstlichkeit. Außen sind sie schön knusprig, und innen zergehen sie förmlich auf der Zunge. Sie passen hervorragend zu einer Tasse kräftigem Espresso, der dich in den örtlichen Cafés etwa 1,80 bis 2,50 € kostet. Der bekannteste Ort, an dem du diese Köstlichkeit bekommst, ist die Bäckerei Fabrique de Macarons in der Rue Guadet, die bis heute sorgfältig das Originalrezept hütet.

💡 Tipp: Die Makronen werden hier auf Backpapier geklebt in schönen Geschenkschachteln verkauft. Sie halten sich auch einige Tage frisch und sind somit ein absolut ideales essbares Souvenir von deiner Reise für Familie und Freunde.

7. Mach eine Radtour zwischen den Weinbergen

Der Blick auf die endlosen Weinberge ist schon von der Stadt aus wunderschön, doch noch eine Stufe besser ist es, sich mittendrin zu befinden. Die Landschaft rund um Saint-Émilion ist nur sehr leicht hügelig, sodass sie absolut ideale Bedingungen für gemütliches Freizeitradeln bietet. Direkt im Stadtzentrum oder unten am Bahnhof kannst du Fahrräder ausleihen (ich empfehle wärmstens, zu einem E-Bike zu greifen, damit du in der Sommerhitze nicht ins Schwitzen kommst) und auf den schmalen Asphaltwegen losfahren, die sich romantisch zwischen den ordentlichen Rebenreihen und alten Steinmauern hindurchschlängeln.

Das örtliche Fremdenverkehrsamt stellt hervorragend aufbereitete Karten mit mehreren perfekt markierten Rundtouren unterschiedlicher Länge bereit. Du kannst eine kürzere einstündige Route wählen oder dich auf einen Tagesausflug begeben, bei dem du architektonisch sehr interessante Châteaux aus dem 18. und 19. Jahrhundert besuchst. Unterwegs kommst du an riesigen Rosensträuchern vorbei, die hier traditionell an die Anfänge der Rebenreihen gepflanzt werden – als natürlicher und sehr feinfühliger Indikator für eventuelle Pflanzenkrankheiten. Eine Radtour ermöglicht dir außerdem, die besten Ausblicke zu bewundern, ohne lästig nach einem freien Parkplatz zu suchen.

💡 Tipp: Die meisten besseren Verleihstellen bieten auch Fahrräder mit speziellen festen Weintaschen an, sodass du deine wertvolle Beute aus den Verkostungen bequem und absolut sicher zurück in die Stadt transportieren kannst.

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8. Entspann dich im Kloster Les Cordeliers

Inmitten der belebten und sonnenglühenden Gassen verbirgt sich eine absolute Oase vollkommener Ruhe. Das Kloster Les Cordeliers stammt bereits aus dem 14. Jahrhundert, und heute sind davon nur noch unglaublich romantische, von Efeu überwucherte Ruinen und ein wunderschön erhaltener Kreuzgang übrig. Dieser historische Komplex hat eine magische Atmosphäre und bietet einen perfekten Unterschlupf vor der erbarmungslosen Mittagshitze. Der Zutritt zum Gartenareal selbst ist meist völlig kostenlos, und du kannst dich frei zwischen den alten Steinsäulen bewegen, die sich an Hunderte Jahre Geschichte erinnern.

Dieser Ort ist aber noch aus einem weiteren Grund außergewöhnlich interessant. In den riesigen unterirdischen Kellern direkt unter dem Kloster, die eine beeindruckende Tiefe von bis zu 20 Metern erreichen, wird nämlich schon seit dem 19. Jahrhundert der vorzügliche Schaumwein Crémant de Bordeaux hergestellt. Im Gegensatz zu den stillen Rotweinen aus den umliegenden Weinbergen wird dieser erfrischende Perlwein nach der traditionellen Flaschengärung produziert. Direkt im Klostergarten gibt es eine entspannte Bar, wo du dir ein Glas gekühlten Crémant gönnen und einfach nur das Spiel der Schatten an den alten Mauern beobachten kannst.

💡 Tipp: Wenn du auch die faszinierenden Produktionskeller unter dem Kloster sehen möchtest, kannst du eine kommentierte Führung buchen, deren Tickets sich leicht über GetYourGuide oder die offizielle Website des Klosters dazubuchen lassen.

9. Sauge die Atmosphäre am Place de l’Église auf

Jedes französische Städtchen hat seinen Hauptplatz, auf dem sich das gesamte gesellschaftliche Leben abspielt, und in Saint-Émilion ist das eindeutig der Place de l’Église. Dieser malerische Platz ist von traditionellen Cafés und Restaurants gesäumt und bietet einen faszinierenden Blick auf die riesigen gotischen Fenster der monolithischen Kirche, die direkt in die Felswand des Platzes gemeißelt sind. Genau hier treffen sich nach der Arbeit die Einheimischen und Reisende aus aller Welt.

Wenn du hier die echte französische Gastronomie genießen möchtest, musst du dich allerdings unbedingt an ihre Spielregeln halten. Das Wichtigste ist die Mittagszeit, denn die meisten Restaurants und Bistros haben die Küche strikt zwischen 12:00 und 14:00 Uhr geöffnet. Zu dieser Zeit steht das Leben still und alle essen. Wenn du um Viertel nach zwei kommst und Hunger hast, stößt du auf verschlossene Türen oder wirst auf ein überteuertes Touristen-Baguette verwiesen. Halte mittags auf den Tafeln nach der Aufschrift Menu du jour (Tagesmenü) Ausschau – das ist meist ein ehrliches Dreigängemenü, das dich sehr vernünftige 15 bis 25 € kostet.

💡 Tipp: Das Trinkgeld (service compris) ist in Frankreich gesetzlich bereits zu 15 % im Rechnungspreis enthalten, du bist also nicht verpflichtet, weitere zwanzig Prozent zu hinterlassen. Wenn du aber überaus zufrieden bist, ist es sehr üblich, eine kleine Münze im Wert von 1 bis 2 € auf dem Tisch zu lassen. Die Kartenzahlung ist heute praktisch überall Standard.

10. Spazier entlang der Stadtmauern und zum Tor Porte Brunet

Saint-Émilion war im Mittelalter eine ungemein wichtige befestigte Stadt und wehrte sich lange Zeit stolz gegen verschiedenste Überfälle. Bis heute haben sich recht umfangreiche Reste der massiven Steinmauern erhalten, die das historische Zentrum umschließen. Der eindrucksvollste Teil ist das Tor Porte Brunet, das früher als einer der Hauptzugänge zur Stadt diente und durch das die Händler mit ihren Karren und ihrer wertvollen Ware fuhren. Seine mächtigen Bögen lassen klar erahnen, wie uneinnehmbar die Stadt in der Vergangenheit auf Ankommende gewirkt haben muss.

Ein gemächlicher Spaziergang entlang der Reste der mittelalterlichen Befestigung ist außerdem eine großartige Alternative zum manchmal überfüllten Zentrum. Von hier eröffnen sich dir schöne und ungestörte Ausblicke in die umliegende Landschaft, und außerdem triffst du hier meist nicht so viele Menschen wie an den Hauptsehenswürdigkeiten. Du kannst in Ruhe die alten Verteidigungsgräben betrachten, die heute oft als malerische private Gärten der Einheimischen dienen, und bewundern, wie fließend die mittelalterliche Architektur in die umliegende Natur übergeht.

💡 Tipp: Begib dich am besten kurz vor Sonnenuntergang zum Tor Porte Brunet. Das warme Abendlicht lässt die alten Kalksteinblöcke wunderschön erstrahlen, und du machst die absolut besten Fotos ohne jegliche künstliche Filter.

11. Veranstalte dein eigenes Picknick zwischen den Weinbergen

Die Restaurants in der Stadt sind zwar fantastisch, aber oft überfüllt und erfordern in der Saison eine Reservierung lange im Voraus. Warum also nicht einfach selbst das Mittagessen in die Hand nehmen? Der Südwesten Frankreichs ist ein Land absolut perfekter Zutaten, und sich einen eigenen Picknickkorb zusammenzustellen, macht riesigen Spaß. Halte morgens in einer der örtlichen Bäckereien (boulangerie) für ein frisches, knuspriges Baguette an, wähle in der Käserei (fromagerie) einige Sorten lokal gereiften Käses und vergiss nicht, frisches Obst oder Oliven vom Markt hinzuzufügen.

Mit dem so gefüllten Rucksack musst du dann nur noch ein kleines Stück aus der Stadt hinausgehen und dir einen ruhigen Platz mit Aussicht suchen. Viele Châteaux bieten sogar spezielle gepflegte Picknickzonen für Touristen an, oder du setzt dich einfach an den Rand einer alten Mauer an einem Feldweg. Hervorragenden gereiften Käse zu essen, frisches Brot abzuschneiden und dabei direkt auf die Weinberge zu blicken, aus denen der Wein in deinem Glas stammt, ist eines der authentischsten und entspanntesten Erlebnisse, die du von hier mitnehmen kannst.

💡 Tipp: Eine lokale Spezialität sind sowohl Hart- als auch Schimmelkäse, die sich hervorragend mit Walnüssen ergänzen. Diese werden hier in großen Mengen aus dem nahen Périgord importiert und bilden so eine absolut perfekte und sättigende vegetarische Kombination für dein Picknick.

Wohin von Saint-Émilion aus weiterreisen

Wenn du mehr Zeit in der Region hast, ist Saint-Émilion ein perfekter Ausgangspunkt für weitere Entdeckungen. Der logischste Schritt ist die Rückfahrt mit dem Zug und die ausführliche Erkundung der Metropole der Region. Lies den Artikel darüber, wie du Bordeaux genießt, das dich garantiert mit dem gigantischen Wasserspiegel Miroir d’eau oder den fantastisch revitalisierten Docks an der Garonne begeistern wird. Einen Besuch wert ist hier auch das hypermoderne Weinmuseum La Cité du Vin, das 2026 genau 10 Jahre seit seiner Eröffnung feiert (der Eintritt kostet 22 €), oder das faszinierende Zentrum digitaler Kunst Bassins des Lumières, das in einem ehemaligen U-Boot-Bunker eingerichtet wurde.

Wenn du ein Auto zur Verfügung hast und nach einem viel tieferen Eintauchen in das malerische französische Landleben sehnst, fahr nach Nordosten ins Landesinnere. Etwa zwei Autostunden von hier liegt die magische Region Dordogne und Périgord. Die hiesige Landschaft ist voller dichter Wälder, dramatischer Felsen über dem Fluss und mittelalterlicher Burgen. Genau von hier stammen die allerbesten Walnüsse, die geschätzten Trüffel und die regionalen Gerichte – die Einheimischen lassen sich hier am liebsten traditionell zubereitete Ente und die berühmten Foie-gras-Pasteten schmecken.

Häufig gestellte Fragen

Wie lange dauert die Zugfahrt von Bordeaux?

Die Fahrt mit dem Regionalzug (TER) vom Hauptbahnhof Bordeaux Saint-Jean zum Bahnhof Saint-Émilion ist sehr schnell und dauert nur 33 bis 40 Minuten. Die Züge fahren recht häufig, sodass dies eine absolut ideale Variante für einen entspannten Tagesausflug ohne Parkplatzsorgen ist.

Wie viel Zeit sollte man für die Besichtigung des Städtchens einplanen?

Na das historische Zentrum selbst und den Besuch der unterirdischen Kirche reicht euch locker ein halber Tag. Wenn ihr aber Fahrräder ausleihen, Ausflüge in die Umgebung machen und mindestens zwei Verkostungen in den örtlichen Châteaux plant, solltet ihr auf jeden Fall einen ganzen Tag einplanen oder gleich hier übernachten.

Brauche ich formelle Kleidung für Weingutbesichtigungen?

Auf keinen Fall. Obwohl einige Châteaux sehr prestigeträchtig sind, ist die Atmosphäre hier entspannt. Ein „Smart Casual“-Stil reicht völlig aus (ordentliche Hose oder Kleid und saubere Schuhe). Das Wichtigste ist wirklich bequemes Schuhwerk wegen der gepflasterten Gassen und der Spaziergänge durch die Weinberge.

Ist das Städtchen für einen Besuch mit Kindern geeignet?

Ja, Kinder werden die Erkundung der geheimen unterirdischen Gänge und das Radfahren zwischen den Weinbergen lieben. Ihr müsst aber bedenken, dass die Fortbewegung mit dem Kinderwagen aufgrund der extrem steilen Hügel und unebenen Kopfsteinpflaster im Stadtzentrum sehr anspruchsvoll ist, daher ist eine Babytrage die viel bessere Wahl.

Wo kann ich Eintritte für Sehenswürdigkeiten und Zugtickets reservieren?

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Tickets für die monolithische Kirche und den Tour du Roy empfehle ich ausschließlich über die offizielle Website des örtlichen Tourismusbüros (Office de Tourisme Saint-Émilion) zu kaufen. Zugfahrkarten (egal ob für die Hochgeschwindigkeitszüge TGV INOUI mit obligatorischer Sitzplatzreservierung oder die günstigeren OUIGO) organisiert ihr am besten über die App SNCF Connect.
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Kann ich Wein kaufen und ihn mir nach Hause schicken lassen?

Ja, die meisten größeren Weingüter und Fachgeschäfte in der Stadt bieten internationalen Versand (Shipping) an. Das ist zwar etwas teurer, aber Sie müssen keine Angst haben, dass Ihnen die wertvollen Flaschen im Koffer auf dem Weg zum Flughafen zerbrechen.

Kann man vor Ort problemlos mit Karte bezahlen?

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Kartenzahlung ist im Jahr 2026 praktisch überall zum gängigen Standard geworden, auch in kleinen Bäckereien und Souvenirläden. Nur für Einkäufe auf Märkten im Freien, bei Straßenkünstlern in den Gassen oder für kleinere Ausgaben unter 5 € empfehle ich, etwas Bargeld dabeizuhaben.
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Provence, Frankreich: 14 Tipps für Sehenswürdigkeiten 2026

TL;DRDie Provence bietet vierzehn zentrale Tipps, darunter der pulsierende Hafen und das Viertel Le Panier in Marseille, die Kalksteinfjorde im Nationalpark Calanques (die Buchten En-Vau und Sugiton, für Letztere gilt ab dem 11. Juni 2026 eine Reservierungspflicht), das elegante Aix-en-Provence mit dem Boulevard Cours Mirabeau, der gotische Papstpalast in Avignon sowie die violetten Lavendelfelder auf dem Plateau von Valensole nahe der Abtei Sénanque. Die beste Reisezeit ist Mai, Juni und September, der Lavendel blüht von Ende Juni bis Mitte Juli. Die Unterkunft kostet in der Saison 2026 ab 120 bis 180 Euro pro Nacht, die Mautgebühr liegt bei rund 9,50 Euro pro 100 Kilometer, und der Eintritt in den Papstpalast kostet etwa 12 Euro.

Die Sonne brennt in diesem Teil Frankreichs mit solcher Intensität, dass die Farben in der prallen Mittagssonne ihre klaren Konturen verlieren und zu einem leuchtenden Weiß verblassen. Die Provence in Frankreich riecht hier nach Kiefernharz, Salzwasser und der allgegenwärtigen Lavendel, während das ohrenbetäubende Zirpen tausender Zikaden die Geräuschkulisse liefert. Die Provence ist eben nicht nur ein gewöhnliches Urlaubsziel, sondern ein absolut fesselndes körperliches Erlebnis, das einem sofort unter die Haut geht. Und sie ist mehr als die geschönte romantische Postkarte aus Filmen, auf der Menschen endlos Rosé-Wein auf der Terrasse eines alten Steinhauses schlürfen.

Sie ist auch der raue und unerbittliche Mistral-Wind, der tagelang wehen kann und den Himmel zu einem unglaublich kristallklaren Blau reinfegt. Du erlebst hier die ausgetrocknete Erde, die gnadenlosen Sommertemperaturen über vierzig Grad und die rohe, pulsierende Energie der großen Hafenstädte. Wenn du diesen wunderschönen Winkel Frankreichs wirklich verstehen willst, empfehle ich dir, ihn in seinen größten Kontrasten zu erleben und dich nicht mit den bekanntesten Touristenmagneten zufriedenzugeben.

Verliere dich in den engen Gassen lebhafter Städte, klettere verschwitzt auf die Kalksteinfelsen über türkisfarbenen Buchten und lass dich von der Kühle riesiger gotischer Säle umfangen. Kurz vor Sonnenuntergang hältst du dann das Auto an einem endlosen violetten Feld an, das sanft vom Summen von Millionen fleißiger Bienen erfüllt ist. In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf das wahre Herz der Region, wo Geschichte geschrieben wurde, wo der berühmte Maler Cézanne schuf und wo die besten Düfte der Welt entstehen.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Reservierung für die Natur: Die Bucht Sugiton im Nationalpark Calanques erfordert für 2026 eine kostenlose Online-Reservierung per QR-Code, das System öffnet am 11. Juni.
  • Einfahrt nach Marseille: Ab 2026 gilt in Marseille eine strenge Umweltzone (ZFE), in die Autos mit der Crit’Air-Plakette 4 und 5 unter Androhung hoher Bußgelder nicht einfahren dürfen.
  • Wann zum Lavendel: Die beste Zeit für die violetten Felder auf dem Plateau de Valensole ist von Ende Juni bis Mitte Juli, im August sind die meisten Felder leider schon abgeerntet.
  • Meide den August: Juli und August bringen extreme Hitze über 40 °C und riesige Touristenmassen, viel angenehmere Temperaturen und Atmosphäre erlebst du im Mai, Juni oder September.
  • Papstpalast neu: In Avignon bekommst du ab Mai 2026 zur Besichtigung ein interaktives HistoPad, das die leeren gotischen Säle mithilfe von Augmented Reality in ihrer ursprünglichen Pracht zum Leben erweckt.
  • Verkehr und Maut: Die kleineren Dörfer im Luberon-Gebirge lassen sich praktisch nur mit einem Mietwagen erkunden, auf den Autobahnen zahlt man rund 9,50 Euro Maut pro 100 Kilometer.
  • Tischsitten: In französischen Restaurants wird das Mittagessen strikt zwischen zwölf und vierzehn Uhr serviert, am späteren Nachmittag bekommst du höchstens einen Kaffee oder ein paar Nüsse.

Wann in die Provence reisen

Die idealen Monate für einen Besuch dieser duftenden Region sind Mai, Juni und der ganze September, wenn das Wetter am angenehmsten ist und die ganze Landschaft unglaublich frisch wirkt. Die Tage sind in dieser Zeit schon herrlich lang, die Sonne wärmt gerade richtig für Streifzüge durch Sehenswürdigkeiten und die Touristenmassen sind noch erträglich. So kannst du in Ruhe deinen Morgenkaffee auf einem kleinen Platz genießen, ohne mit Dutzenden anderer Reisender um einen freien Stuhl kämpfen zu müssen, und entgehst nebenbei den höchsten Saisonpreisen für Unterkünfte.

Juli und August stellen hingegen ein absolutes klimatisches und verkehrstechnisches Extrem dar, denn die Temperaturen erreichen im Süden regelmäßig 35 bis 43 °C und Schatten wird zur Mangelware. Die steinernen historischen Städte saugen tagsüber die Hitze auf und strahlen sie noch lange nach Mitternacht ab, sodass man in den nicht klimatisierten Zimmern alter Häuser praktisch nicht schlafen kann. Die französischen Sommerferien beginnen außerdem etwa Anfang Juli, dauern ganze acht Wochen, und das ganze Land zieht in dieser Zeit massenhaft und kompromisslos genau in den sonnigen Süden.

Auf den Autobahnen bilden sich im Sommer riesige Staus, die die Einheimischen gerne „schwarze Tage“ nennen, weil der Verkehr auf den Hauptstrecken völlig zusammenbricht. Besonders an der Wende von Juli zu August trifft das die Hauptautobahnen A6 und A7, wenn die großen Urlauberwechsel stattfinden. Wenn du dich für diesen Zeitraum entscheidest, wappne dich mit einer riesigen Portion Geduld, halte im Auto immer einen großen Vorrat an Trinkwasser bereit und vergiss lieber gleich die Vorstellung einer flüssigen Fahrt.

Ein besonderes Phänomen der ganzen Region ist der kalte Nordwestwind namens Mistral, der deine sorgfältig geplanten Vorhaben deutlich beeinflussen kann. Er weht zwar am häufigsten im Winter und Frühling, kann dich aber leicht auch mitten im heißen Sommer überraschen, wenn er die gefühlte Temperatur um etliche Grad nach unten drückt. Der Mistral ist am Meer recht unangenehm, fegt dafür aber zuverlässig alle Wolken weg und sorgt für den strahlendsten blauen Himmel, den du je gesehen hast.

Wo in der Provence übernachten

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Die Wahl des richtigen Standorts ist für die Erkundung der Region absolut entscheidend, denn die Entfernungen zwischen den einzelnen Sehenswürdigkeiten können überraschend groß sein, und stundenlang im Auto auf Überlandfahrten zu sitzen, willst du sicher nicht. Wenn du städtisches Treiben und eine hervorragende Auswahl an Restaurants bevorzugst, empfehle ich dir, eine Unterkunft direkt in Aix-en-Provence oder in Avignon zu suchen. Diese pulsierenden Städte bieten eine tolle Infrastruktur, wunderschöne historische Zentren, und abends findest du hier Dutzende geöffnete Lokale, in denen du köstliche Käsesorten, Oliven und das traditionelle provenzalische Ratatouille mit frischem, knusprigem Baguette genießen kannst.

Für diejenigen unter euch, die eher nach absoluter Ruhe und jener berühmten literarischen Romantik aus den Romanen von Peter Mayle suchen, ist das Luberon-Gebirge mit seinen kleinen Steindörfern die ideale Wahl. Die Unterkünfte hier sind oft alte, renovierte Landgüter mit Pool, umgeben von stillen Weinbergen und silbrigen Olivenhainen. Das Preisniveau hält sich für 2026 recht hoch: Für ein anständiges Doppelzimmer in der Hauptsaison zahlst du mindestens 120 bis 180 Euro pro Nacht, wobei die luxuriöseren Hotels ruhig das Dreifache verlangen. Reserviere dein Refugium deshalb über Booking mit wirklich großem Vorlauf, denn die Kapazitäten verschwinden blitzschnell.

Von den konkreten beliebten Hotels kann ich dir das Hotel de l’Horloge direkt im historischen Herzen von Avignon empfehlen, das herrliche Ausblicke aus den Fenstern bietet und nur wenige Schritte von den wichtigsten Sehenswürdigkeiten samt dem Papstpalast entfernt liegt. Im eleganten Aix-en-Provence ist das Aquabella Hôtel & Spa eine tolle, bewährte Wahl, wo du dich nach einem ganzen Tag in der Stadt in der weitläufigen Therme inmitten antiker Stadtmauern bestens erholen kannst. Wenn du hingegen absoluten Luxus inmitten unberührter Natur suchst, schau dir das Hotel Les Bories & Spa in der Nähe des bezaubernden Dorfes Gordes an, das erstklassiges Wellness und unglaubliche Ruhe fernab der Hauptstraßen bietet.

14 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in der Provence

Schauen wir uns gemeinsam das Beste an, was diese vielfältige Region zu bieten hat. Ich habe vierzehn konkrete Tipps für dich vorbereitet, die dich von rauen Hafengassen über tiefe Kalksteinbuchten bis zu stillen Abteien führen, die in endlosen Feldern duftenden Lavendels verloren liegen. Ich verrate dir, wie du den größten Massen entgehst und wo du die schönsten Aussichten findest.

1. Marseille und sein pulsierender Alter Hafen

Vergiss für einen Moment die klassische Pariser Eleganz, denn Marseille ist ein riesiger mediterraner Schmelztiegel, in dem sich Einflüsse aus ganz Nordafrika, Korsika und Italien vermischen. Es ist die älteste Stadt Frankreichs, die laut, chaotisch und ungemein authentisch ist, sodass sie dich entweder sofort in ihren Bann zieht oder du sie nach ein paar Stunden erleichtert verlässt. Ihr eine Chance zu geben lohnt sich aber definitiv, denn solche Lebensenergie findest du sonst nirgendwo in Frankreich.

Das Herz allen Geschehens ist der Vieux-Port, der Alte Hafen, wo die ganze Stadt vom frühen Morgen bis tief in die Nacht lebt. Gleich nach Tagesanbruch verkaufen die einheimischen Fischer ihren nächtlichen Fang direkt von den Holzbooten, nachmittags flanieren die Menschenmassen und abends füllen sich die Bars an der Uferpromenade bis zum Bersten. Direkt neben dem Hafen erhebt sich Le Panier, das älteste und früher gefürchtete Viertel, das sich heute in ein Labyrinth steiler Gassen voller bunter Street Art, Bistros und kleiner Galerien verwandelt hat.

Die Touristenzonen der Stadt sind trotz des rauen Rufs absolut sicher, nach Einbruch der Dunkelheit meidest du lediglich die Viertel Noailles, Belsunce und die Umgebung des Hauptbahnhofs Saint-Charles. Wenn du mit dem Auto hierherkommst, denke an die strenge Umweltzone ZFE, die ab 2026 gilt und in die Autos mit der Crit’Air-Plakette 4 und 5 unter Androhung eines Bußgeldes von 68 bis 375 Euro absolutes Einfahrverbot haben. Mehr Details über diese Stadt findest du im separaten Artikel über Marseille.

💡 Tipp: Ins Viertel Le Panier brichst du am besten gleich nach dem Frühstück auf, wenn die engen Gassen noch ganz leer sind und du die allgegenwärtige Straßenkunst in Ruhe ohne Touristenmassen im Bild fotografieren kannst.

2. Aussicht von der Basilika Notre-Dame de la Garde

Den besten Blick auf dieses faszinierende urbane Chaos bekommst du, wenn du zur prächtigen Basilika Notre-Dame de la Garde aufbrichst. Dieses ikonische Bauwerk thront auf einem steilen Kalksteinhügel ganze 150 Meter über dem Meer, und die goldene Marienstatue auf ihrem Glockenturm dient als unübersehbares Wahrzeichen für die ganze weite Umgebung.

Der Aufstieg in der sommerlichen Hitze ist zwar ein kleines Fegefeuer, aber der 360-Grad-Blick auf das Meer, die Inseln und die endlose Stadt unter dir ist diesen bisschen Schweiß garantiert wert. Wenn du nicht zu Fuß gehen möchtest, kannst du die touristische Bimmelbahn nutzen, die regelmäßig direkt am Alten Hafen abfährt. Das Innere der Basilika überrascht dich mit Hunderten von Votivtafeln und Schiffsmodellen, die Seeleute hierherbrachten und um eine sichere Heimkehr baten.

Das ganz moderne Gesicht der Stadt entdeckst du dann unten am Wasser, wo das architektonische Juwel MuCEM steht, das Museum der Zivilisationen Europas und des Mittelmeers. Das Gebäude selbst sieht aus wie ein dunkler Würfel, eingehüllt in unglaublich feines Betongeflecht, und ein fotogener Steg verbindet es mit der historischen Festung Fort Saint-Jean. Anschließend kannst du entlang der La Corniche spazieren, einer fünf Kilometer langen Küstenpromenade, von der aus du die einheimischen Jungs von den Felsen direkt in die Wellen springen siehst.

💡 Tipp: Plane den Besuch der Basilika auf den späten Nachmittag, wenn die Sonne langsam über dem Meer sinkt und sich die ganze Stadt in unglaublich fotogene goldene Töne färbt.

3. Nationalpark Calanques und die Bucht En-Vau

Gleich hinter den Toren der lebhaften Großstadt beginnt eine ganz andere Welt voller unberührter Natur. Der Nationalpark Calanques bildet ein Band schneeweißer Kalksteinfelsen, die steil ins Meer abfallen und tiefe, schmale Buchten formen, die stark an norwegische Fjorde erinnern. Das Wasser hat hier allerdings die Farbe von leuchtend blauem Curaçao, und die Luft duftet nach erhitzten Kiefernnadeln und Salzwasser.

Der beste Ausgangspunkt zur Erkundung dieser Schönheit ist das kleine Fischerstädtchen Cassis, von wo aus du zu Fuß zu den allerbekanntesten Buchten aufbrechen kannst. Der Wanderweg beginnt am Hafen Port-Miou voller weißer Yachten, führt über die viel intimere Bucht Port-Pin und bringt dich nach etwa eineinviertel Stunden anstrengenden Marsches über Steine und Wurzeln zur ikonischen En-Vau. Die Felsen ragen hier hoch über einem schmalen Streifen Kieselstrand auf, und das Wasser ist selbst an den heißesten Augusttagen eisig erfrischend, weil die Sonne nur für einen kleinen Teil des Tages hereinscheint.

Das Terrain ist hier wirklich sehr rau, lass die Flip-Flops also lieber im Hotel und statte dich mit festem Schuhwerk und einem riesigen Vorrat an Trinkwasser aus, denn unterwegs triffst du auf keine Quelle und keinen Imbissstand. In den Sommermonaten sind die Parkplätze an den Einstiegspunkten schon vor neun Uhr morgens hoffnungslos voll.

💡 Tipp: Wenn du kein Fan anstrengender Wanderungen bist, kauf dir im Hafen von Cassis ein Ticket für ein Ausflugsboot, das dich bequem durch die majestätischen Buchten fährt – die Tickets lassen sich leicht auch vorab online bekommen.

4. Bucht Sugiton und die neuen Regeln für 2026

Der Overtourism hat einige Teile des Nationalparks so brutal getroffen, dass die Verwaltung beispiellose Schritte zum Schutz der hier so empfindlichen Natur ergreifen musste. Wenn du die wunderschöne Bucht Sugiton besuchen möchtest, die etwas zugänglicher eher von Marseille aus ist, brauchst du in der Sommersaison eine verpflichtende Online-Reservierung.

Für 2026 gilt die Pflicht zu dieser kostenlosen Reservierung von Mitte Juni bis Mitte September. Das Reservierungssystem öffnet offiziell am 11. Juni 2026 um 9:00 Uhr morgens, notiere dir diesen Termin also unbedingt im Kalender, wenn du eine Sommerreise planst. Nach erfolgreicher Anmeldung bekommst du einen einzigartigen QR-Code, den die Parkwächter direkt am Zugangsweg streng kontrollieren und ohne den sie dich schlicht nicht weiterlassen.

Eine Reservierung ist streng auf maximal fünf Personen pro Code begrenzt, und die täglichen Kapazitäten verschwinden auf der offiziellen Website wirklich blitzschnell. Es kommt auch oft vor, dass die Behörden wegen des hohen Risikos sommerlicher Waldbrände das ganze Kalksteinmassiv von einem Tag auf den anderen komplett sperren. Verfolge deshalb vor dem Ausflug immer die aktuellen Informationen auf der Website oder lade dir die mobile App des Parks herunter.

💡 Tipp: Auch wenn du eine gültige Reservierung für Sugiton auf dem Handy hast, brich gleich bei Sonnenaufgang auf – so entgehst du nicht nur den Scharen anderer Glücklicher mit QR-Code, sondern vor allem der mörderischen Mittagssonne.

5. Das Hafenstädtchen Cassis und sein Charme

Während Marseille wild und ungezähmt ist, ist das kleine Fischerstädtchen Cassis sein absolutes Gegenteil. Es ist ein sehr gepflegter, malerischer und ziemlich teurer Badeort, der in den Sommermonaten unter dem riesigen Ansturm französischer und ausländischer Ausflügler regelrecht aus allen Nähten platzt. Das Wahrzeichen des Städtchens ist eine alte Steinburg, die sich auf einer Klippe hoch über der türkisfarbenen Bucht erhebt.

Spaziere durch den farbenfrohen Hafen, wo luxuriöse weiße Yachten neben traditionellen Fischerbarken schaukeln, und setze dich auf eine der vielen Terrassen mit Meerblick. Die örtlichen Restaurants bieten hervorragende fleischlose Spezialitäten – ich empfehle dir unbedingt, die traditionelle provenzalische Gemüsesuppe oder frische lokale Käsesorten mit knusprigem Baguette und Olivenöl zu probieren.

Cassis ist auch weltweit berühmt für seine fantastischen Weißweine, die auf den sonnigen Terrassenweinbergen gleich hinter der Stadt angebaut werden. Weine mit der Bezeichnung AOC Cassis haben einen fein salzig-mineralischen Geschmack, der absolut perfekt zu leichten Sommermahlzeiten und einem gemütlichen Beisammensein beim Sonnenuntergang passt.

💡 Tipp: Parken im Zentrum von Cassis ist im Sommer praktisch ein Ding der Unmöglichkeit, nutze deshalb den großen Auffangparkplatz Les Gorguettes oberhalb der Stadt, von wo ein günstiger und zuverlässiger Shuttlebus ins Zentrum fährt.

6. Aix-en-Provence und der berühmte Boulevard Cours Mirabeau

Die Stadt Aix-en-Provence, kurz nur Aix genannt, ist die absolut perfekte Verkörperung gediegener bürgerlicher Eleganz. Aix-en-Provence in Frankreich ist eine sehr stolze Stadt der tausend Brunnen, schattigen Platanenalleen und herrlichen ockerfarbenen Fassaden, in der die Zeit angenehm langsam dahinfließt. Die allgegenwärtigen Brunnen bieten an heißen Sommertagen die so nötige Erfrischung und verleihen der Stadt eine unverwechselbare Geräuschkulisse.

Das ganze gesellschaftliche Leben dreht sich hier um den Cours Mirabeau, einen breiten und majestätischen, von Bäumen und luxuriösen Cafés gesäumten Boulevard. Die wichtigste Disziplin vor Ort ist es, sich auf eine Terrasse zu setzen, einen Espresso für etwa zwei Euro fünfzig zu bestellen und unauffällig die stilvoll gekleideten Passanten zu beobachten. Gleich am Anfang des Boulevards beeindruckt dich der riesige Brunnen La Rotonde mit drei Statuen, die Gerechtigkeit, Kunst und Landwirtschaft symbolisieren, während du ein Stück weiter auf die überwältigende Kathedrale Saint-Sauveur stößt, die ein Lehrbuch der Architektur vom 5. bis 17. Jahrhundert ist.

Wenn du am Samstagvormittag in der Stadt bist, darfst du dir auf keinen Fall die riesigen örtlichen Märkte entgehen lassen. Sie sind genau so, wie du dir einen provenzalischen Markt voller Farben und Düfte vorstellst. Du findest hier Berge eingelegter Oliven, Dutzende Sorten lokalen Käses, frisches Obst, Leinenhemden und handgemachte Lavendelseifen.

💡 Tipp: Vergiss bei deinem Stadtspaziergang nicht, die Calissons zu probieren, eine traditionelle örtliche Süßigkeit aus Mandelpaste und kandierter Melone, die die Form einer kleinen Raute hat und in wunderschönen Blechdosen verkauft wird.

7. Auf den Spuren des Malers Paul Cézanne

Die Stadt Aix ist aber vor allem und untrennbar mit der Persönlichkeit des berühmten Impressionisten und Vaters der modernen Kunst, Paul Cézanne, verbunden. Dieser geniale Maler wurde hier geboren, schuf hier seine größten Werke und hinterließ in den Straßen und der umliegenden Landschaft eine unauslöschliche historische Spur. Die ganze Stadt ist regelrecht durchzogen von messingfarbenen Bodenplatten mit dem Buchstaben C, die dich Schritt für Schritt zu den Orten führen, die mit seinem außergewöhnlichen Leben verbunden sind.

Das größte Erlebnis ist der Besuch des Atelier des Lauves, seines letzten Arbeitsateliers, das genau in dem Zustand erhalten geblieben ist, in dem er es vor seinem Tod verließ. In dem hellen Raum mit dem riesigen Fenster liegen noch seine alten, verstaubten Pinsel, Arbeitskittel und die kleinen Gegenstände und Modelle, die er so gerne und oft in seinen berühmten Stillleben malte.

Die zweite absolut zentrale Station ist dann der Familiensitz Bastide Jas de Bouffan, der eine sehr umfangreiche und kostspielige Renovierung durchlief. Im Jahr 2025 wurde er endlich feierlich wieder für die Öffentlichkeit eröffnet, und für die Saison 2026 läuft er bereits im vollen Betrieb – überprüfe aber lieber vorab online die aktuellen Öffnungszeiten, denn sie ändern sich bei diesen Sehenswürdigkeiten je nach Jahreszeit recht häufig.

💡 Tipp: Begib dich ein Stück außerhalb der Stadt zum Hügel Terrain des Peintres, von wo Cézanne am häufigsten sein geliebtes Massiv Montagne Sainte-Victoire malte – hier findest du schöne Reproduktionen seiner Bilder, die direkt in die Landschaft gesetzt sind.

8. Avignon und der majestätische Papstpalast

Als sich im vierzehnten Jahrhundert der damalige Papsthof überraschend von Rom nach Avignon verlagerte, verwandelte das diese zuvor verschlafene Stadt am Ufer der Rhône in das Zentrum der christlichen Welt. Geblieben ist von ihnen der Palais des Papes, der Papstpalast, der mit Abstand größte gotische Bau der Welt. Er sieht eher aus wie eine uneinnehmbare militärische Festung als wie ein geistlicher Sitz, und seine kahlen Steinmauern und massiven Türme flößen bis heute riesigen Respekt ein.

Der Grundeintritt ins Innere des Palastes kostet dich rund 12 Euro, wobei die Besichtigung des Labyrinths aus Gängen mindestens zwei Stunden in Anspruch nimmt. Für 2026 hat der Palast außerdem eine große technologische Neuheit vorbereitet: Ab dem 1. Mai erhalten die Besucher im Eintrittspreis ein innovatives HistoPad. Es ist ein spezielles Tablet mit Elementen der Augmented Reality, das die leeren und kalten Steinsäle wieder in ihre prächtige Gestalt aus dem 14. Jahrhundert verwandelt.

Dank dieser großartigen Technologie siehst du reiche historische Fresken, zeitgenössische bemalte Möbel und virtuell lodernde Feuer in den riesigen Kaminen. Ohne diesen cleveren Begleiter wäre der Besuch nur ein recht gewöhnlicher Spaziergang durch leere Gänge. Für mehr Details über diese Stadt lies unbedingt unseren ausführlichen Artikel über Avignon.

💡 Tipp: Im riesigen Innenhof des Palastes ist es im Sommer unfassbar heiß, ich empfehle dir, die Besichtigung gleich früh morgens zur ersten Öffnungsstunde zu machen, wenn die Steinsäle von der Nacht noch angenehm abgekühlt sind.

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9. Die legendäre Brücke von Avignon

Bei einem Besuch in Avignon darfst du garantiert auch die berühmte Pont Saint-Bénézet nicht verpassen, die die allermeisten Menschen eher unter der volkstümlichen Bezeichnung Brücke von Avignon kennen. Es ist genau die Brücke, die in dem berühmten französischen Kinderlied besungen wird, „Sur le pont d’Avignon“, und die heute schon etwas komisch in der Mitte der reißenden Rhône endet, weil ihren Rest in der Vergangenheit verheerende Frühjahrshochwasser endgültig wegrissen.

Statt einzelne Tickets zu kaufen, empfehle ich dir wärmstens, gleich für das vorteilhafte Kombiticket für 15,50 Euro draufzuzahlen, das dich problemlos sowohl in den Papstpalast als auch direkt auf die erhaltenen Bögen dieser mittelalterlichen Brücke lässt. Der Spaziergang über die Brücke dauert zwar nicht lange, bietet aber einen absolut grandiosen Blick zurück auf die stark befestigte Stadt und den monumentalen Palast.

Direkt auf der Brücke befindet sich auch eine kleine zweistöckige Kapelle des heiligen Nikolaus, in der in der Vergangenheit Schwimmer und Schiffer für eine sichere Fahrt über den unberechenbaren Fluss beteten. Der Spaziergang entlang der Rhône ist dann eine sehr angenehme Abwechslung an einem heißen Nachmittag, wenn du genug von den aufgeheizten Stadtstraßen hast.

💡 Tipp: Das schönste Foto der ganzen Brücke samt Palast im Hintergrund machst du vom gegenüberliegenden Flussufer oder von der Insel Île de la Barthelasse, auf die du mit einer kostenlosen Fähre direkt aus dem historischen Zentrum gelangst.

10. Pont du Gard und die abendliche Lichtshow

Etwa dreißig Kilometer von Avignon entfernt steht eines der atemberaubendsten historischen Denkmäler ganz Frankreichs, das riesige römische Aquädukt Pont du Gard. Dieser dreistöckige steinerne Gigant auf der UNESCO-Liste hat unglaubliche zweitausend Jahre Hochwasser und Kriege überstanden und nimmt einem bis heute mit seiner absoluten ingenieurtechnischen Perfektion und außergewöhnlichen architektonischen Eleganz den Atem.

Der Fußzugang zum Aquädukt und in die umliegende Natur ist zwar völlig kostenlos, aber stelle dich auf recht hohe Parkgebühren ein, die de facto als fester Eintritt für die ganze Besatzung des Autos funktionieren. Ohne Auto kommst du mit einem Regionalbus aus Avignon oder aus der Stadt Nîmes hierher, aber die Verbindungen fahren nicht allzu oft, du musst also die Fahrpläne sorgfältig im Auge behalten. An heißen Tagen kannst du außerdem direkt im Fluss Gardon unter den Bögen der Brücke baden.

In der Sommersaison 2026 stelle dich hier außerdem auf unglaubliche abendliche Magie ein. Vom 15. Mai bis 20. September wird die Brücke nach Einbruch der Dunkelheit wunderschön künstlerisch beleuchtet, und in der Hauptsaison vom 4. Juli bis 30. August findet eine großartige audiovisuelle Show statt. Diese antiken Bögen unter dem sternenklaren Sommerhimmel in allen Farben spielen zu sehen, ist schlicht ein Erlebnis, das du dir auf keinen Fall entgehen lassen darfst.

💡 Tipp: Nimm eine Decke und einen Picknickkorb voller provenzalischer Käsesorten und Gemüse mit, setz dich vor Sonnenuntergang ans Flussufer und warte in Ruhe bis zur völligen Dunkelheit auf den Beginn der Lichtshow.

11. Das Dorf Gordes im Luberon-Gebirge

Wenn du genau jene romantische Provence aus den Büchern von Peter Mayle suchst, musst du ins bezaubernde Luberon-Gebirge aufbrechen. Genau hier findest du die berühmten Dörfer, die an Hügeln hängen – auf Englisch perched villages genannt – und die regelmäßig die landesweiten Umfragen über die schönsten historischen Dörfer ganz Frankreichs gewinnen.

Beginne deine Erkundung in Gordes, denn schon die Anfahrt zu diesem Ort ist ein visuelles Ereignis für sich. Die Straße biegt plötzlich scharf ab, und vor dir erscheint eine Kaskade heller Steinhäuser, die an die steile Klippe geklebt sind und über die majestätisch eine Renaissance-Burg thront. Halte am Aussichtspunkt kurz vor dem Dorf und sauge diesen perfekten Anblick in dich auf, auch wenn du in der Sommersaison um einen guten Platz mit Dutzenden anderer Fotografen kämpfen musst.

Im Dorf erwarten dich krumme gepflasterte Gassen, teure Boutiquen, gemütliche Cafés und großartige Ausblicke tief ins grüne Tal. Gordes ist extrem beliebt und im Sommer ist hier wirklich viel los, ich empfehle dir deshalb, gleich früh am Vormittag aufzubrechen, solange die engen Gassen noch relativ passierbar sind und sich ruhige Winkel finden lassen. Den Ausflug kannst du dann leicht mit einem Besuch der nahen Abtei Sénanque verbinden.

💡 Tipp: Lass dir den faszinierenden Besuch des unterirdischen Labyrinths Caves du Palais Saint Firmin direkt unter dem Zentrum von Gordes nicht entgehen, wo du alte in den Fels gehauene Olivenölpressen siehst und für einen Moment der sommerlichen Hitze entfliehst.

12. Roussillon und seine roten Ockerfelsen

Nur wenige Kilometer weiter von Gordes liegt das Dorf Roussillon, das auf den ersten Blick aussieht, als hätte es jemand versehentlich aus dem Wilden Westen in Colorado hierher versetzt. Während der Rest des Luberon traditionell aus hellem Kalkstein gebaut ist, liegt Roussillon auf einem riesigen Vorkommen natürlichen Ockers, und alle Häuser hier spielen in bunten Tönen von leuchtendem Gelb bis zu sattem, blutigem Rot.

Zahle unbedingt den Eintritt für den berühmten Ockerpfad Le Sentier des Ocres, der gleich am Rand des Dorfes beginnt. Du läufst durch ehemalige Steinbrüche, wo die bunten Felsen eine absolut surreale Landschaft bilden, die mit den sattgrünen Kiefern und dem blauen Himmel kontrastiert. Der Pfad hat zwei gut markierte Rundwege, wobei der kürzere etwa dreißig Minuten dauert und du den längeren in knapp einer Stunde schaffst. Wenn du Zeit hast, halte unbedingt auch im nahen, ruhigeren Ménerbes oder an der Flussquelle in Fontaine-de-Vaucluse.

Beim Besuch der Ockerbrüche denke an eine sehr wichtige Regel: der feine rote Staub gelangt dir sofort überallhin, nimm zu diesem Ausflug also auf keinen Fall weiße Leinenschuhe oder helle Kleidung mit, denn natürlicher Ocker lässt sich unglaublich schwer auswaschen und hinterlässt dauerhafte Flecken.

💡 Tipp: Halte in den kleinen örtlichen Läden und kauf dir natürliche Ockerpigmente in Pulverform, die hier in kleinen Gläschen verkauft werden und ein absolut einzigartiges Souvenir für jeden Malliebhaber sind.

13. Blühender Lavendel auf dem Plateau de Valensole

Viele Menschen reisen erst im August in diese Region, zahlen riesige Summen für die Unterkunft und schauen dann nur weinend auf abgeerntete und ausgedörrte braune Felder. Der Lavendel wartet nämlich nicht auf deinen Urlaub und hat seinen klar vorgegebenen natürlichen Zyklus. Die Hauptblütezeit dauert etwa von Mitte Juni bis Ende Juli, wobei der absolute violette Höhepunkt auf die Wende dieser beiden Monate fällt.

Der bekannteste Ort für die ikonischsten Fotos ist das weitläufige Hochplateau Valensole, wo endlose Felder violetter Schönheit buchstäblich bis hinter den Horizont reichen. Angebaut wird hier überwiegend Lavandin, ein robuster Hybrid, der riesige und fotogene Sträucher mit sehr starkem Duft bildet. In der Hochsaison stelle dich hier auf massive Touristenmassen ein, die sich mit Hüten in jeder freien Reihe fotografieren.

Pass mit dem Timing deiner Reise nach den örtlichen Festivals besonders auf, denn das ist eine häufige Touristenfalle. Das berühmte Festival in Valensole findet immer am dritten Sonntag im Juli statt, was wie der ideale Termin klingt, in Wirklichkeit aber eine Feier der bevorstehenden Ernte ist. So kann es dir leicht passieren, dass du zum Fest kommst, duftende Seifen kaufst, aber die schönsten umliegenden Felder leider schon kahl abgeerntet sind.

💡 Tipp: Wenn du das blühende Valensole ohne Hunderte Busse und Stress erleben willst, komm in der letzten Juniwoche hierher und sei schon gegen halb sieben Uhr morgens auf den Feldern, wenn gerade die Sonne aufgeht und die Farben am leuchtendsten sind.

14. Abtei Sénanque und ruhigere Felder in Sault

Das absolut ikonische und wahrscheinlich bekannteste Foto ganz Frankreichs schießt du an der Abtei Notre-Dame de Sénanque in der Nähe von Gordes. Es handelt sich um eine schlichte romanische Zisterzienserabtei aus dem 12. Jahrhundert, vor der sich in perfekter Symmetrie ein vollkommenes Feld violetten Lavendels erstreckt. Die Mönche leben hier noch immer in Stille, bauen Pflanzen an und füllen hervorragenden hausgemachten Honig ab.

Es ist ein Ort absoluter Ruhe und geistlicher Einkehr – sofern du nicht Mitte Juli zur prallen Mittagszeit hierherkommst, wenn der kleine Parkplatz unter dem riesigen Ansturm der Reisebusse aus allen Nähten platzt. Wenn du allerdings an einen späten Sommertermin für den Urlaub gebunden bist, wird das Hochplateau Albion und die Umgebung des Städtchens Sault deine Rettung sein.

Dieses Gebiet liegt in deutlich höherer Lage, sodass der Lavendel hier merklich später aufblüht, Mitte Juli seinen Höhepunkt erreicht und oft bis Anfang August blüht. Angebaut wird hier ausschließlich echter Lavendel, der zwar etwas kleinere Sträucher hat als der Lavandin auf Valensole, dafür aber mit einem viel feineren und edleren Duft glänzt. Die Atmosphäre ist hier zudem ungleich ruhiger, und das örtliche Festival findet erst am 15. August statt.

💡 Tipp: Zur Abtei Sénanque führt eine sehr enge und kurvige Zufahrtsstraße, auf der zwei Autos einander nur mit großer Mühe ausweichen können. Fahr deshalb sehr vorsichtig und halte dich strikt an den Einbahnverkehr, falls er gerade ausgeschildert ist.

Wohin von der Provence aus weiter

Wenn du ein Auto und genug freie Zeit zur Verfügung hast, bietet diese Region viele weitere Möglichkeiten, an die du deine Entdeckungsreise nahtlos anknüpfen kannst. Wenn du dramatische Natur liebst und es dir nichts ausmacht, über tiefen Abgründen zu fahren, brich unbedingt zum nahen Verdon-Canyon auf, der oft als großer Canyon Europas bezeichnet wird und absolut fantastische Ausblicke sowie Tretbootverleihe direkt am türkisfarbenen Fluss bietet.

Wenn du genug vom aufgeheizten Hinterland hast und dich nach etwas Luxus, Meeresbrise und Kieselstränden sehnst, musst du nur ein Stück weiter nach Osten ziehen. Dort wartet die berühmte Französische Riviera mit Städten wie Nizza, Cannes oder Monaco auf dich, wo du die Atmosphäre luxuriöser Yachten und eleganter Küstenpromenaden in dich aufsaugen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Wann ist die beste Zeit für Lavendel in der Provence?

Größte Sicherheit auf blühende violette Felder hast du immer von Ende Juni bis etwa Mitte Juli. In den niedrigeren Lagen bei Valensole beginnt die Ernte bereits um Mitte Juli, während das höher gelegene Sault bis Anfang August blüht, bevor auch dort die Landmaschinen auffahren.

Ist die Stadt Marseille für Touristen sicher?

Die üblichen Touristenzonen wie Vieux-Port, die Museumsumgebung und das historische Zentrum sind absolut sicher. Die Drogenkriminalität findet in isolierten nördlichen Vororten statt, die Sie als Tourist niemals besuchen werden. Im Zentrum sollten Sie nur auf Taschendiebe in Menschenmengen oder in der Metro achten, wie in anderen Großstädten auch, und nach Einbruch der Dunkelheit die Umgebung des Bahnhofs Saint-Charles sowie die Viertel Noailles und Belsunce meiden.

Was ist die ZFE-Zone in Marseille und wie ändert sie sich im Jahr 2026?

Hier handelt es sich um eine strenge Umweltzone im erweiterten Stadtzentrum, die rund um die Uhr gilt. Ab 2026 gilt ein absolutes Einfahrverbot für Autos mit Crit’Air-Plakette 4 und 5, auch für Fahrzeuge mit tschechischem Kennzeichen. Die Umweltplakette muss vorab online für etwa 5 Euro erworben werden, andernfalls droht ein Bußgeld von 68 bis 375 Euro.

Wie bewegt man sich am besten in der Region fort?

Große Städte wie Marseille, Aix oder Avignon sind hervorragend mit den Hochgeschwindigkeitszügen TGV und Regionalverbindungen erschlossen, aber in die kleineren Dörfer im Luberon-Gebirge und zu den Lavendelfeldern kommst du praktisch nur mit einem eigenen oder Mietwagen. Ich empfehle dir, einen Wagen rechtzeitig direkt am Flughafen zu reservieren.

Wie viel kostet die Maut auf französischen Autobahnen?

In Frankreich gibt es keine klassischen Autobahnvignetten, die Maut wird bar oder mit Karte direkt an den Mautstationen bezahlt. Der Richtpreis für das Jahr 2026 liegt bei etwa 9,50 Euro pro 100 gefahrene Kilometer, sodass längere Fahrten das Budget durchaus belasten können.

Wann haben die Restaurants geöffnet und wie sieht es mit Englisch aus?

Die Franzosen halten sich strikt an die Essenszeiten. Das Mittagsmenü bekommt ihr ausschließlich zwischen 12:00 und 14:00 Uhr. Wenn ihr später ankommt, ist die Küche bereits geschlossen und öffnet erst wieder zum Abendessen gegen 19:00 Uhr. Bei der Kommunikation mit dem Personal solltet ihr immer mit einem „Bonjour“ beginnen, bevor ihr ins Englische wechselt – dieser kleine Respekt gegenüber der Sprache kann wahre Wunder bewirken.

Wie viel kostet das Essen im Restaurant?

Die Preise im Jahr 2026 sind nicht gerade die niedrigsten. Ein klassisches Mittagsmenü mit drei Gängen bekommt man im Bistro für 15 bis 25 Euro, während ein Standard-Abendessen ohne Wein mindestens 20 bis 35 Euro pro Person kostet. Das Trinkgeld in Höhe von 15 % ist gesetzlich bereits im Preis inbegriffen, sodass ein zusätzliches Trinkgeld nicht unbedingt Pflicht ist.

Tipps und Tricks für deinen Urlaub

Zahle nicht zu viel für Flugtickets

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Vergiss die Reiseversicherung nicht

Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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Vulkane auf Island: Der aktive Reykjanes, Krater und wo du 2026 Lava siehst

TL;DRSeit 2021 ist die Reykjanes-Halbinsel aktives Vulkangebiet – zwölf Eruptionen gab es hier bereits. Das evakuierte Grindavík bleibt für Touristen gesperrt, doch die Lavafelder am Fagradalsfjall, das Geothermalgebiet Krýsuvík/Seltún und die heiße Quelle Gunnuhver kannst du gefahrlos besuchen – und das kostenlos. Fließende Lava zu sehen garantiert dir niemand, dafür sorgt aber die Lava Show in Reykjavík oder Vík (ab 5.900 ISK). Die roheste, marsähnliche Landschaft findest du im Norden am See Mývatn: das Feld Hverir, der Krater Krafla mit dem Kratersee Víti und das Lavalabyrinth Dimmuborgir. Die Eruptionen sind effusiv und gefährden Flüge über Keflavík nicht. Die beste Reisezeit ist Ende Mai bis Mitte Oktober.

Der Wind schlägt dir direkt ins Gesicht, sobald du zum ersten Mal aus der Ankunftshalle in Keflavík trittst, und die Luft riecht nach feuchter Erde und ganz leicht nach Schwefel. Rundherum erstreckt sich eine endlose Ebene aus schwarzgrauer Lava, überzogen von einer dicken Moosschicht, sodass du das Gefühl hast, jemand hätte dich gerade auf einem anderen Planeten abgesetzt. Genau so erinnere ich mich an unsere Ankunft auf Island – Lukáš und ich waren an der Wende von September zu Oktober 2018 dort, um die Vulkane auf Island aus nächster Nähe zu erleben.

Kein sanftes Herantasten – dieses Land wirft dich sofort in seine raue und absolut faszinierende Welt. Unser Hauptziel damals war die Natur, und natürlich wollten wir sehen, wie isländische Vulkane aus der Nähe aussehen.

Obwohl wir damals keine fließende Lava gesehen haben, weil gerade eine ruhigere Phase herrschte, haben wir die vulkanische und geothermale Landschaft an vielen Orten erlebt. Schon am ersten Tag spazierten wir zwischen brodelnden Tümpeln, und als wir dann am neunten Tag unseres Roadtrips im Norden am See Mývatn standen, kam ich mir buchstäblich wie auf dem Mars vor.

In den letzten Jahren hat sich die Lage allerdings stark verändert, und die vulkanische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes füllt praktisch ununterbrochen die Titelseiten der Zeitungen. Seit 2021 ist das Gebiet nahe dem Flughafen zum Leben erwacht, und die Eruptionen lösen sich hier eine nach der anderen ab.

In diesem Artikel findest du einen kompletten Reiseführer durch das vulkanische Island und jede Menge Tipps, was du in den aktiven Regionen sehen und unternehmen kannst. Ich verrate dir, wo du die schönsten Kraterseen findest, wie es aktuell um die Sicherheit steht und warum du keine Angst haben musst, dass eine Eruption deinen Rückflug streichen könnte.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit für den ganzen Artikel haben

  • Keine Gefahr für Flugzeuge: Die Eruptionen auf der Halbinsel Reykjanes sind effusiv, das heißt, die Lava fließt ruhig aus und es bildet sich keine Vulkanasche. Der Flughafen Keflavík funktioniert ohne Einschränkungen.
  • Wo du geothermale Wunder gratis siehst: Das Gebiet Krýsuvík und Seltún (nur einen Katzensprung vom Flughafen) bietet wunderschöne bunte Schlammtümpel und heiße Quellen.
  • Das evakuierte Grindavík: Das Städtchen ist wegen Erdspalten für Touristen gesperrt und streng bewacht – respektiere das und versuche nicht, dorthin zu gelangen.
  • Die beste vulkanische Landschaft liegt im Norden: Wenn du eine Mondlandschaft sehen willst, fahr zum See Mývatn, erkunde das brodelnde Hverir und wirf einen Blick in den Krater Víti am Vulkan Krafla.
  • Fließende Lava kann niemand garantieren: Frische Lava zu sehen hängt von riesigem Glück mit einer laufenden Eruption ab – aber in Reykjavík kannst du zur Lava Show gehen, wo dir geschmolzene Lava live gezeigt wird.
  • Sicherheit zuerst: Vor jedem Ausflug in die Natur prüfst du absolut immer die Website safetravel.is.

Wann fahren und wie du hinkommst

Island ist zwar ein Ganzjahresziel, aber wenn du einen Roadtrip ohne den ständigen Stress von Schneestürmen und unpassierbaren Straßen genießen willst, brichst du am besten von Ende Mai bis Mitte Oktober auf. Von Deutschland gibt es zahlreiche Direktverbindungen – Condor und Eurowings fliegen ab Frankfurt, München oder Berlin in etwa vier Stunden nach Keflavík. Eine tolle Option ist auch Icelandair mit Zwischenstopp, bei dem du das großartige Stopover-Programm nutzen und auf Island bis zu sieben Nächte Halt machen kannst, ohne Aufpreis für den Flug über den Atlantik.

Günstige Flüge suchen wir traditionell über Skyscanner oder Kiwi – unsere Lieblingsportale zum Preisvergleich. Pass nur bei alten gedruckten Reiseführern auf, die oft die Billigfluglinie PLAY Airlines erwähnen, denn die ist bereits im Herbst 2025 pleitegegangen. Wenn du deine Reise für den August 2026 planst, stell dich auf absolutes Chaos ein, denn am 12. August erlebt Island eine totale Sonnenfinsternis, die direkt von Reykjavík und Reykjanes aus zu sehen sein wird – schon lange im Voraus sind die Unterkünfte ausgebucht und die Flugpreise astronomisch.

Um die Vulkane und Krater außerhalb der Hauptstadt zu erkunden, brauchst du hundertprozentig ein Auto, denn der öffentliche Nahverkehr außerhalb der Metropole funktioniert eher eingeschränkt und nur im Sommer. Lukáš und ich haben langfristig gute Erfahrungen mit dem Vergleichsportal DiscoverCars gemacht, das wir überall auf der Welt nutzen. Zahl aber unbedingt für eine gute Versicherung gegen Lackschäden durch Asche und Sand (SAAP) drauf, denn der isländische Wind kann ein Auto mit dem feinen Vulkanstaub in wenigen Minuten buchstäblich bis aufs Blech sandstrahlen.

Rechne außerdem damit, dass in Island seit 2026 eine neue Kilometersteuer anstelle der Kraftstoffsteuer gilt, die für Pkw und SUVs 6,95 ISK (etwa 0,05 €) pro gefahrenem Kilometer beträgt und dir die Autovermietung bei der Rückgabe zuverlässig in Rechnung stellt. Und ein kleiner, aber absolut entscheidender Praxistipp: Auf Island weht es so stark, dass der Wind dir die Autotür aus den Angeln reißen kann, wenn du sie unvorsichtig öffnest – und das deckt keine Versicherung ab. Parke also immer gegen den Wind und halte die Tür beim Öffnen mit beiden Händen fest.

Wo übernachten und was es kostet

Der beste strategische Stützpunkt, um den Südwesten Islands und die aktive Halbinsel Reykjanes zu erkunden, ist ganz klar Reykjavík selbst oder die Städtchen in seiner unmittelbaren Umgebung. Keine Sorge, die aktuelle vulkanische Aktivität bedroht die Hauptstadt in keiner Weise, denn die Eruptionen laufen rund vierzig Kilometer entfernt ab und die Lava fließt in unbewohnte Täler.

Unterkünfte auf Island waren noch nie günstig, und in der Hauptsaison steigen die Preise noch weiter, deshalb solltest du am besten alles mehrere Monate im Voraus buchen.

💡 Konkrete Tipps für Unterkünfte (Preise und Verfügbarkeit prüfst du über Booking.com, buche rechtzeitig – in der Saison und rund um die Sonnenfinsternis 2026 sind sie Monate im Voraus weg):

Für ein ordentliches Doppelzimmer in einem einfacheren Gästehaus mit geteiltem Bad zahlst du rund 15 000 bis 20 000 ISK pro Nacht (etwa 100 bis 140 €), während klassische Hotels im Zentrum von Reykjavík mit eigenem Bad und Frühstück bei etwa 30 000 ISK (über 200 €) pro Nacht beginnen.

Booking.com ist unsere liebste Hotelsuchmaschine, und gerade auf Island hat es sich enorm gelohnt, Unterkünfte zu suchen, die eine kleine gemeinsame Küche haben. Wenn du dein Abendessen aus lokalen Zutaten selbst kochst, sparst du nämlich riesige Summen, denn Essen im Restaurant reißt ein wirklich gigantisches Loch ins Budget.

Der aktive Reykjanes: 5 Orte, die du sehen musst

Die Halbinsel Reykjanes funktioniert wie ein riesiges geologisches Labor in Echtzeit, und genau hier finden derzeit die bekanntesten isländischen Vulkanausbrüche statt. Seit März 2021 ist das Gebiet zu unglaublicher Aktivität erwacht, und es gab hier bereits zwölf Vulkanausbrüche, die die örtlichen Karten komplett neu geschrieben haben.

Die gesamte Halbinsel liegt direkt auf der Bruchzone, wo sich die nordamerikanische und die eurasische tektonische Platte voneinander wegbewegen, sodass die Erde hier buchstäblich atmet, knirscht und an vielen Stellen zischt. Schauen wir uns die konkreten Orte an, die du hier absolut sicher besichtigen kannst.

1. Krýsuvík und Seltún (ein geothermales Märchen)

Als wir auf Island ankamen, steuerten wir gleich am ersten Tag vom Flughafen aus das Geothermalgebiet Krýsuvík an, das auf Karten oft als Seltún bezeichnet wird und rund eine halbe Stunde Fahrt von Reykjavík entfernt liegt. Es ist ein absolut zauberhafter Ort nur einen Katzensprung von der Hauptstraße entfernt, wo du auf angelegten Holzstegen direkt zwischen heißen Quellen und brodelndem Schlamm spazierst.

Wir verbrachten damals eine sehr angenehme Stunde mit Fotografieren und sogen zum allerersten Mal am eigenen Leib diesen typischen Schwefelgeruch und den zischenden Dampf ein.

Die Erde spielt hier in absolut unglaublichen Schattierungen von leuchtendem Gelb über ziegelrot bis giftgrün – dafür sorgen die verschiedensten ausgeschwemmten Mineralien und winzige thermophile Bakterien, für die dieses extreme Milieu ein natürliches Zuhause ist.

Der Eintritt ist hier völlig kostenlos, das Gebiet ist perfekt zugänglich, und zudem drängeln sich hier nicht so viele Reisebusse voller Touristen wie am nahen berühmten Golden Circle, sodass du die raue isländische Atmosphäre in ziemlich angenehmer Ruhe auskosten kannst.

2. Gunnuhver und die Brücke zwischen den Kontinenten

Wenn du mit dem Auto die Westküste der Halbinsel Reykjanes erkundest, darfst du auf keinen Fall den Halt am Geothermalfeld Gunnuhver auslassen. Es ist ein enorm mächtiger und überraschend lauter Schlammsprudel, aus dem so dichter Dampf aufsteigt, dass du manchmal wirklich keinen Schritt weit sehen kannst, und das Geräusch der entweichenden Gase erinnert stellenweise eher an einen startenden Düsenjet.

Einer alten isländischen Legende zufolge spukt hier ein böser Geist namens Gudrun, den ein schlauer Ortspfarrer für immer in einer heißen Quelle eingesperrt hat – und wenn du gerade in diesem tosenden dichten Nebel stehst, glaubst du solchen Ammenmärchen erstaunlich leicht 😅.

Nur ein Stück weiter die Straße Richtung Norden findest du die sogenannte Brücke zwischen den Kontinenten (Bridge Between Continents), eine rund fünfzehn Meter lange Metallbrücke, die sich elegant über einen tiefen Sandspalt im schwarzen Lavafeld spannt.

Sie verbindet symbolisch Europa und Nordamerika, sodass du buchstäblich in nur wenigen Sekunden von einer mächtigen tektonischen Platte auf die andere hinüberlaufen kannst. Es ist ein ziemlich schneller und interessanter Zwischenstopp, um sich nach dem langen Flug die Beine zu vertreten – und auch hier zahlst du wieder absolut keinen Eintritt.

3. Das evakuierte Grindavík und die Lavafelder von Fagradalsfjall

Wenn heute in den Nachrichten von isländischen Vulkanen die Rede ist, denken die meisten Menschen gerade an das Gebiet rund um das kleine Fischerstädtchen Grindavík, das bis vor Kurzem noch knapp viertausend Einheimischen ein Zuhause war. Wegen der riesigen Risse in den Straßen und der extremen Menge an Magma unter der Erdoberfläche (Ende Mai 2026 wurden hier rekordverdächtige über 26 Millionen Kubikmeter gemessen) musste die Stadt jedoch komplett evakuiert werden und ist eher zu einer traurigen Geisterstadt geworden.

Die Behörden verbieten den Zutritt streng, alle Zufahrtsstraßen werden von Rettungskräften bewacht, und das Gebiet ist tatsächlich lebensgefährlich. Versuche also bitte nicht, aus Neugier irgendwie hineinzugelangen, und respektiere die Sperrungen.

Du kannst dich aber problemlos zu den angelegten Parkplätzen am Vulkan Fagradalsfjall begeben, wo in den Jahren 2021 bis 2023 die allerersten bekannten Eruptionen abliefen. Zu sehen sind hier riesige und faszinierende neue Lavafelder, aus denen an bestimmten Stellen noch immer leichter Rauch aufsteigt, auch wenn die Lava selbst nicht mehr fließt.

Hier führen bestens markierte Routen entlang, wobei die beliebteste Route A rund sieben Kilometer lang ist und dich zwei bis drei Stunden ziemlich steilen Aufstiegs kostet, während die kürzere Route C eine etwa vier Kilometer lange und noch steilere Wanderung mit tollen Ausblicken bietet. Der weitläufige Parkplatz am Fuß ist gebührenpflichtig, und die Parkgebühr lässt sich sehr bequem über eine lokale Handy-App bezahlen.

4. Blue Lagoon und die vulkanische Spannung

Die ikonische Blaue Lagune (Blue Lagoon) mit ihrem wunderschönen milchig-blauen Wasser liegt in unmittelbarer Nähe der stark aktiven vulkanischen Zone Svartsengi und hat in den letzten Jahren wegen der nahen Eruptionen eine wirklich sehr wilde Zeit durchgemacht. Wegen der zunehmenden vulkanischen Aktivität musste sie von den örtlichen Rettungskräften mehrfach vorsorglich evakuiert werden, und heute müssen sie neu errichtete riesige Erdwälle schützen, die einen möglichen Strom der unaufhaltsamen Lava umleiten sollen.

Der Komplex hat zwar einen bestens ausgearbeiteten Evakuierungsplan und wurde ab dem Frühjahr 2026 im sogenannten dynamischen Modus wieder sicher geöffnet, aber als Besucher musst du einfach damit rechnen, dass sich die Lage jederzeit von einem Tag auf den anderen ändern kann und deine lange geplante Reservierung storniert werden könnte.

Das Wasser in der Lagune hat herrliche 37 bis 40 Grad und enthält heilenden Kieselschlamm, den du dir als natürliche Maske direkt während des Badens ins Gesicht schmieren kannst. Das Basis-Ticket kostet dich rund 11 990 ISK (etwas über 80 €), und eine Reservierung viele Wochen im Voraus ist heute absolute Pflicht.

Ein kleiner praktischer Tipp für die Damen: Das Mineralwasser tut zwar Wunder für die Haut, macht aber aus deinen schönen Haaren tagelang widerspenstiges, hartes Stroh. Schmiere sie deshalb vor dem Eintauchen unbedingt mit einer dicken Schicht Conditioner aus der Umkleide ein und stecke sie hoch.

5. Sky Lagoon als ruhigere Alternative

Wenn dir das vulkanische Risiko rund um die Blaue Lagune ein bisschen Angst macht oder du einfach keine Zeit in riesigen Touristenmassen verbringen willst, bietet Reykjavík eine absolut fantastische und viel neuere Alternative namens Sky Lagoon. Sie liegt nur wenige Fahrminuten vom Zentrum der Hauptstadt entfernt, sodass du problemlos hinkommst, und im Gegensatz zur Mondwüste auf der Halbinsel Reykjanes bietet sie einen atemberaubenden Infinity-Pool, der optisch perfekt mit den kühlen Wassern des Atlantiks verschmilzt.

Das Wasser ist hier herrlich klar, heiß, und das ganze Areal ist von künstlichen Klippen aus dunklem Basalt und traditionellen isländischen Grassodenhäusern gesäumt. Der Eintritt mit dem Basispaket Pure, das das absolut großartige siebenstufige isländische Ritual Skjól umfasst, liegt zwischen 12 000 und 14 000 ISK (rund 80 bis 95 €).

Während dieses Rituals wärmst du dich unter anderem in einer verglasten Sauna mit riesigem Fenster und Meerblick auf, gehst durch einen kühlen, erfrischenden Nebel und peelst dir zum Abschluss den Körper mit einem Salzpeeling – das wirkt insgesamt viel intimer und luxuriöser als die berühmtere Blue Lagoon.

💡 Tipp: Tickets und geführte Touren (auf Island und Umgebung) lohnt es sich, im Voraus online über GetYourGuide zu buchen – in der Saison sind sie schnell ausgebucht.

Krater und Lavahöhlen im Süden und Westen

Wenn dich die vulkanische Aktivität enorm interessiert, die Vulkane auf Island aber gerade wie zum Trotz keine Lava spucken, musst du keineswegs verzweifeln. Der Süden und Westen der Insel bietet eine unglaubliche Anzahl uralter Krater, perfekt erhaltener Calderen und geheimnisvoller unterirdischer Höhlen, die du in absoluter Sicherheit und ohne Angst vor einer unerwarteten Eruption besichtigen kannst.

Zudem liegen enorm viele davon perfekt in Reichweite eines entspannten Tagesausflugs von der Hauptstadt.

1. Kerið (roter Krater mit blauem Auge)

Der Halt am majestätischen Krater Kerið war eines unserer allerersten großen Erlebnisse gleich am ersten Tag unserer Islandreise. Dieser uralte Vulkankrater, dessen Alter Geologen auf über dreitausend Jahre schätzen, hat unglaublich satt rote Wände aus grober Vulkanschlacke, und auf seinem Grund liegt ein leuchtend blauer, undurchsichtiger Tümpel.

Dieser natürliche Farbkontrast ist live noch viel eindrucksvoller als auf jedem retuschierten Foto aus dem Internet, und wir haben dort damals viel Zeit damit verbracht, einfach still die Spiegelungen auf der ruhigen Wasseroberfläche zu beobachten.

Du kannst bequem am gesamten oberen Kraterrand entlangspazieren, von wo sich ein wirklich wunderschöner Panoramablick in die bunte Umgebung bietet, und dann über angelegte Holztreppen ganz hinunter direkt ans Wasser steigen.

Kerið liegt an der enorm beliebten Touristenroute des Golden Circle und ist als eine der wenigen rein natürlichen Sehenswürdigkeiten in ganz Island kostenpflichtig – der Eintritt beträgt derzeit 600 ISK pro Person (etwa 4 €), wobei Kinder bis zwölf Jahre zum Glück völlig kostenlos hineinkommen.

2. Die Lavahöhlen Raufarhólshellir und Vatnshellir

Willst du mit eigenen Augen sehen, was genau tief unter der Erdoberfläche passiert, nachdem dort mit enormer Geschwindigkeit glühend flüssiges Magma durchgeflossen ist? Rund dreißig Minuten bequeme Fahrt von Reykjavík entfernt findest du die sehr populäre Höhle Raufarhólshellir – ein massiver, kilometerlanger Lavatunnel mit wunderbar bunten Mineralienwänden und herrlichen Eisstalagmiten, die sich hier in den kälteren Wintermonaten auf natürliche Weise bilden.

Die einstündige Basisführung mit einem sehr witzigen einheimischen Guide kostet rund 8 900 ISK (etwa 60 €) und bringt dich sicher an geheimnisvolle Orte, an die du dich allein sicher nicht wagen würdest.

Eine weitere wirklich tolle und etwas wildere Möglichkeit ist die Höhle Vatnshellir, die sich auf der zauberhaften Halbinsel Snæfellsnes im Westen des Landes versteckt und in die man vorsichtig über eine schmale Wendeltreppe aus Metall bis in eine ordentliche Tiefe von fünfunddreißig Metern hinabsteigt. Der Eintritt ist hier für isländische Verhältnisse etwas freundlicher und kostet rund 5 400 ISK für Erwachsene (etwa 37 €).

In beiden Fällen bekommst du zu Beginn der Exkursion einen Schutzhelm mit Stirnlampe und musst dich darauf einstellen, dass tief unter der Erde ganzjährig eine sehr unangenehme Kälte herrscht. Vergiss also auch mitten im Sommer keinesfalls eine warme Winterjacke und Handschuhe.

3. Abstieg ins Innere des Vulkans Þríhnúkagígur

Das ist ein absolutes geologisches Unikat, und eine ähnlich verrückte Attraktion findest du nirgendwo sonst auf unserem ganzen Planeten. Der Vulkan namens Þríhnúkagígur (versuch mal, diesen Namen dreimal schnell hintereinander auszusprechen 😁) ist zwar nachweislich schon rund viertausend Jahre erloschen, aber das Unglaubliche an ihm ist, dass seine riesige Magmakammer nach der letzten Eruption nicht einfach in sich zusammengestürzt ist, wie es normalerweise passiert, sondern perfekt erhalten geblieben ist.

Die spezialisierte Agentur Inside the Volcano veranstaltet hier in der Saison von Mai bis Oktober faszinierende Expeditionen, bei denen dich eine spezielle offene Seilbahn satte hundertzwanzig Meter tief direkt ins riesige Innere der Erde hinablässt, das an den Wänden buchstäblich in allen erdenklichen Farben leuchtet – von Violett über Giftgelb bis satt Rot.

Es ist ein enorm exklusives und visuell überwältigendes Erlebnis, für das du aber auch ordentlich draufzahlst, denn das Ticket kostet weit über 50 000 ISK (mehr als 340 €), und wegen der begrenzten Kapazität musst du es viele Monate im Voraus direkt über die offizielle Website des Veranstalters reservieren.

Dieser ganze Ausflug beansprucht rund fünf bis sechs Stunden deiner Route, denn zum eigentlichen Vulkanschlot musst du zunächst etwa drei Kilometer zu Fuß über ein ziemlich raues Lavafeld gehen. Im stolzen Preis der Führung ist zum Glück auch eine traditionelle heiße isländische Fleischsuppe zum sofortigen Aufwärmen nach der Rückkehr an die Oberfläche enthalten – aus eigener Erfahrung können wir aber mit Freude bestätigen, dass sie dir vorab bereitwillig auch eine absolut hervorragende fleischlose Gemüsevariante zubereiten, wenn du Bescheid gibst ☺️.

4. Der Krater Grábrók im Westen

Wenn du von Reykjavík Richtung Nordwesten über die Hauptringstraße Nummer eins (Ring Road) fährst, mach unbedingt einen kurzen Halt am Vulkankrater Grábrók. Dieser schön geformte Krater, der sich direkt an der Straße erhebt, ist der perfekte Ort, um dir während der langen Fahrt die Beine zu vertreten.

Er entstand vor rund dreitausend Jahren während einer gewaltigen Spalteneruption und ist heute zum Großteil von wunderbar weichem, graugrünem isländischem Moos überzogen.

Der Aufstieg nach oben ist absolut unkompliziert und auch von kleinen Kindern zu schaffen, denn bis ganz zum Kraterrand führen sehr gut instand gehaltene Holztreppen, die die empfindliche Natur vor dem Zertreten schützen.

Vom Gipfel bietet sich dir ein atemberaubender Blick in den tiefen Schlund des Kraters selbst sowie auf das weitläufige umliegende Lavafeld Borgarfjörður, wobei diese ganze kleine Expedition rund dreißig Minuten dauert und man hier überhaupt keinen Eintritt zahlt.

Mývatn und der Norden Islands: Wo du dich wie auf dem Mars fühlst

Wenn du auf deiner Reise die allerepischste und rauste vulkanische Landschaft suchst, musst du einfach bis in den fernen Norden fahren. Als wir während unseres herbstlichen Roadtrips am neunten Tag in der weitläufigen Region des Sees Mývatn ankamen, verschlug es mir schlichtweg die Sprache.

Überall um uns herum waren tiefe Risse, symmetrische Krater, zischende Löcher in der Erde und riesige tiefschwarze Lavafelder, die sich bis zum Horizont zogen. Der Nordvulkan namens Krafla schläft zwar derzeit schon einige Zeit ruhig, aber seine wilde Umgebung gehört zweifellos zu den interessantesten Orten dieses ganzen nordischen Landes.

1. Hverir und Námafjall

Das gewaltige Geothermalfeld Hverir, das sich direkt am Fuß des verfärbten Bergs Námafjall befindet, erkennst du absolut zuverlässig schon aus der Ferne an den riesigen, zum Himmel aufsteigenden Dampfwolken und außerdem am sehr spezifischen und ziemlich starken Schwefelgeruch, der treffend an faule Eier erinnert.

Sobald du dich aber nach ein paar Minuten an diesen seltsamen Geruch gewöhnt hast, erwartet dich ein unglaublicher Spaziergang buchstäblich über eine Mondlandschaft, bedeckt mit grauem, laut brodelndem Schlamm und kleinen Häufchen aufgeschichteter Steine, aus denen mit gewaltigem, ja beängstigendem Zischen unablässig kochender Dampf aus den Tiefen der Erde entweicht.

Die Erde spielt hier in absolut unglaublichen Farben, wobei im Blick satt Ockergelb und grelles Orange vorherrschen, und rund um die gefährlichen Austritte sind aus gutem Grund niedrige Seilabsperrungen errichtet, hinter die man unter keinen Umständen gehen darf.

Die Temperatur des brodelnden Schlamms und des entweichenden Dampfes ist hier wirklich extrem, und versehentlich in die heiße Erde einzubrechen würde sofortige, lebensgefährliche Verbrennungen bedeuten. Der eigentliche Zutritt zum Gebiet Hverir ist für alle Besucher völlig kostenlos, nur am weitläufigen Parkplatz findest du moderne Automaten zur Zahlung der Parkgebühr.

2. Der Vulkan Krafla und der Krater Víti

Nur ein kleines Stück Autofahrt hinter dem Hügel vom schwefligen Hverir liegt die riesige Vulkancaldera des Vulkans Krafla, und Lukáš und ich kamen damals bei ziemlich kaltem und windigem Wetter hier an, was meiner Meinung nach die raue, unwirtliche Atmosphäre des ganzen Ortes nur perfekt verstärkt hat.

Der größte visuelle Anziehungspunkt ist hier der riesige Explosionskrater namens Stóra-Víti, der während einer außergewöhnlich massiven und zerstörerischen Eruption im Jahr 1724 entstand. Im Inneren dieses majestätischen Kraters findest du heute einen großartigen, faszinierend undurchsichtig blauen Tümpel, der unglaublich scharf mit den umliegenden steilen, dunkelrötlichen Wänden und den verschneiten Gipfeln in der Ferne kontrastiert.

Ein angenehmer Spaziergang direkt am oberen Kraterrand ist recht sicher, solange nicht gerade starke Vereisung herrscht, und dauert bei langsamerem Tempo rund eine Stunde, wobei die Ausblicke auf die umliegenden endlosen und dunklen Lavafelder von Leirhnjúkur absolut fantastisch sind.

Hier musst du überhaupt keinen Eintritt zahlen, und ein Stück unterhalb des Vulkans selbst siehst du sogar ein riesiges und architektonisch interessantes Geothermalkraftwerk, das die ungezähmte Kraft des verborgenen Vulkans sehr clever zur Erzeugung ökologischer Energie für die gesamte umliegende Region nutzt.

3. Die Lavastadt Dimmuborgir

Fast in Sichtweite der ruhigen Wasseroberfläche des Sees Mývatn findest du das riesige Gebiet namens Dimmuborgir, was sich recht genau als Dunkle Burgen übersetzen lässt. Und ich muss sagen, dieser dramatische Name passt hier absolut perfekt und trifft die hiesige Stimmung.

Es ist ein enorm ausgedehntes Feld voller bizarrster Lavagebilde, hoher schwarzer Türme, zerbrechlicher Bögen und düsterer Höhlen, die vor mehr als zweitausend Jahren in dem Moment entstanden, als ein riesiger Lavasee plötzlich abkühlte und sein dünnes Gewölbe mit großem Getöse in sich zusammenbrach.

Direkt durch dieses Lavalabyrinth führen perfekt angelegte und farblich sehr gut markierte Pfade unterschiedlicher Schwierigkeit und Länge, sodass du hier nur schnelle dreißig Minuten, aber problemlos auch mehrere lange Stunden mit Umherirren zwischen den schwarzen Felsen verbringen kannst.

In der reichen isländischen Mythologie glaubt man seit jeher, dass gerade das geheimnisvolle Dimmuborgir das wahre Tor zur Unterwelt selbst und Heimat böser Trolle ist, und zu Weihnachten verstecken sich hier angeblich verschmitzt vor den Menschen die berühmten und schelmischen isländischen Weihnachtswichtel, die auf Englisch Yule Lads genannt werden.

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4. Der Explosionskrater Hverfjall

Wenn du schon am Mývatn bist, wird dir der perfekte riesige Kegel aus schwarzer Vulkanasche keinesfalls entgehen, der sich majestätisch über dem gesamten See erhebt und an einen gewaltigen Gugelhupf erinnert, den jemand einfach so hierher gestellt hat. Dieser symmetrische Explosionskrater trägt den Namen Hverfjall und stellt eine der besten und schnellsten Möglichkeiten dar, auf Island auf den Gipfel eines wirklich großen Vulkans zu steigen, ohne einen Guide oder spezielle Kletterausrüstung zu brauchen.

Der Weg nach oben über den angelegten Schotterpfad fordert deine Oberschenkel zwar ein wenig heraus, aber der eigentliche steile Aufstieg dauert nur rund zehn bis fünfzehn Minuten, sodass ihn jeder durchschnittlich fitte Reisende schafft.

Oben eröffnet sich dir ein atemberaubender Blick in die gigantische schwarze Schüssel des Kraters selbst, dessen Durchmesser über einen Kilometer misst, und du kannst am gesamten oberen Rand entlangspazieren, von wo ein herrlicher Rundumblick auf die ganze Region des Sees Mývatn möglich ist – und das erneut völlig ohne Zahlung irgendeines Eintritts.

💡 Tipp: Tickets und geführte Touren (auf Island und Umgebung) lohnt es sich, im Voraus online über GetYourGuide zu buchen – in der Saison sind sie schnell ausgebucht.

Feuer und Eis: Weitere unvergessliche Erlebnisse zwischen den Elementen

Island dreht sich keineswegs nur um Lava und Feuer, sondern vor allem um den faszinierenden und ständigen Kampf zweier extremer Naturgewalten, denn rund elf Prozent der Fläche der gesamten Insel sind von massiven, uralten Gletschern bedeckt.

Eine solche riesige Eismasse aus der Ferne vom Auto aus zu sehen, ist ein schönes Erlebnis, aber direkt auf ihr zu stehen, die allgegenwärtige Kälte zu spüren und mit eigenen Ohren zu hören, wie der Gletscher unter dir unablässig leise knirscht und atmet, ist eine völlig andere Liga des Reisens, die du dir nicht entgehen lassen solltest.

1. Gletscherwanderung auf Sólheimajökull und Skaftafell

Die grundlegende und absolut kritische Regel, an der hier einfach kein Weg vorbeiführt, lautet: Geh niemals und unter keinen Umständen ohne einen erfahrenen ortskundigen Guide auf einen Gletscher, denn unter der dünnen und verlockenden Schneeschicht lauern Dutzende Meter tiefe und tödlich gefährliche Spalten. Die zugänglichsten und enorm beliebten Gletscherwanderungen findest du entlang der gesamten Südküste, wobei am allerhäufigsten die schöne Gletscherzunge Sólheimajökull angesteuert wird, die nur rund zwei Autostunden von Reykjavík entfernt liegt und wo das Eis faszinierend dicht mit schwarzen Streifen aus Vulkanasche historischer Eruptionen durchzogen ist.

Die zweite, noch etwas dramatischere Möglichkeit ist der weitläufige Gletscher Skaftafell im entfernteren Südosten, wo sich die Eismasse in noch monumentalerem Maßstab vor dir öffnet und atemberaubende Ausblicke in ein grünes Tal bietet.

Für eine Basiswanderung mit Ausrüstung, die üblicherweise drei bis fünf Stunden dauert, davon anderthalb Stunden reine Zeit auf dem Eis, zahlst du bei den örtlichen Agenturen ab 12 000 ISK aufwärts (rund 80 €), wobei dir der Guide vorab Sicherheitshelm, Klettergurt, scharfe Steigeisen und einen Eispickel leiht.

2. Eishöhlen unter dem Gletscher Katla

Ins eisige Innere eines Gletschers zu treten und sich von allen Seiten von kristallklarem, satt blauem Eis umgeben zu lassen, gehört zu den absolut ikonischsten Erlebnissen, die du dir auf Island gönnen kannst – aber bei diesen natürlichen blauen Höhlen musst du die richtige Wintersaison treffen, sonst kommst du wegen des Schmelzwassers gar nicht hinein.

Wenn du aber im Sommer reist und unbedingt eine Eishöhle sehen willst, ist die einzige zugängliche natürliche Möglichkeit die wilden Höhlen versteckt unter dem mächtigen Gletscher Katla in der Nähe des Städtchens Vík, die dank ihrer speziellen Lage mit Guide ganzjährig zugänglich sind.

Erwarte dort aber nicht jene leuchtend blaue und überstrahlte Farbe, die du von den populären Instagram-Fotos der Winterreisenden kennst. Das Eis am Gletscher Katla ist nämlich massiv mit tiefschwarzer Vulkanasche vermischt, sodass die ganze Höhle viel dunkler, düsterer und dramatischer wirkt, als wärst du plötzlich in der Kulisse eines Sci-Fi-Films von einem völlig anderen, unwirtlichen Planeten gelandet.

3. Schnorcheln in der tektonischen Spalte Silfra

Auch wenn es wie absoluter Wahnsinn klingt, freiwillig im Neopren in Wasser zu steigen, das selbst mitten im Sommer eine Temperatur von gerade einmal zwei bis vier Grad Celsius hat – das Schnorcheln in der Spalte Silfra im Nationalpark Þingvellir gehört zu den besten Tauchspots der Welt.

Es handelt sich nämlich um eine schmale und enorm tiefe tektonische Spalte, die genau zwischen der nordamerikanischen und der eurasischen Lithosphärenplatte liegt, sodass du dich beim Schwimmen buchstäblich im Wasser-Vakuum zwischen zwei riesigen Kontinenten befindest.

Das eiskalte Wasser wandert hierher über viele Jahrzehnte durch unterirdische Lavafelder vom schmelzenden Gletscher Langjökull, wodurch es eine so extreme Filterung durchläuft, dass es absolut kristallklar ist und die Sicht unter der Oberfläche problemlos ganze hundert Meter übersteigt.

Keine Sorge, du frierst darin nicht innerhalb einer Minute zu Eis, denn von der Agentur bekommst du einen wasserdichten Trockenanzug (Dry Suit), in dem du an der Oberfläche wie ein riesiges Michelin-Männchen schwebst – für dieses rund zweistündige Erlebnis zahlst du etwa 145 USD pro Person.

4. Whale Watching in Húsavík

Eine hohe Wasserfontäne aus dem Atemloch und anschließend eine riesige dunkle Fluke, die elegant in die Tiefen des Ozeans abtaucht, ist der erfüllte Traum vieler Menschen, und Island ist zum Glück die absolute europäische Spitze beim Beobachten wilder Wale in freier Natur. Die Hauptsaison läuft von April bis Oktober, wobei der absolute Höhepunkt in den langen Sommermonaten von Juni bis August kommt, wenn das Meer recht ruhig und voller Nahrung ist.

Wenn du überlegst, wohin du zu diesen sanften Riesen aufbrechen sollst, fahr direkt in den Norden der Insel in das kleine Fischerstädtchen Húsavík, das völlig zu Recht als Whale-Watching-Hauptstadt ganz Europas gilt.

Die hiesige kalte Bucht Skjálfandi ist in der Saison nämlich unglaublich reich an nährstoffreichem Plankton und kleinen Fischen, was zuverlässig eine riesige Menge verschiedenster Walarten anzieht, von niedlichen kleineren Arten bis zu mächtigen Buckelwalen, sodass sich die Chance, sie zu erblicken, hier fast einer hundertprozentigen Gewissheit nähert.

Ein Erlebnis mit Garantie: Wo du Lava siehst, auch wenn der Vulkan schläft

Viele Menschen glauben, dass sie, wenn sie ins vulkanische Island fliegen, buchstäblich auf jedem Schritt ihres Ausflugs rot glühende Lava aus den Kratern fließen sehen. Die Wahrheit ist aber leider, dass es riesiges Glück, perfektes Timing und oft auch eine gehörige Portion Zufall braucht, um eine laufende sichere Eruption mit eigenen Augen einzufangen, denn Vulkane tun einfach, was sie wollen.

Wenn du gerade nicht in Echtzeit die Nachrichten über plötzliche Eruptionen verfolgst und auf der Halbinsel Reykjanes nirgendwo Lava fließt, gibt es absolut großartige Orte, an denen du dieses faszinierende heiße Schauspiel trotzdem in vollen Zügen genießen kannst.

1. Lava Show in Reykjavík und Vík

Wenn du dich überhaupt nicht auf die unberechenbare Laune von Mutter Natur verlassen und keine Enttäuschung riskieren willst, ist der Besuch der fantastischen Lava Show für dich absolute touristische Pflicht. Die Betreiber dieses einzigartigen isländischen Projekts haben einen sicheren Weg ersonnen, im Halbdunkel einer kleinen Theaterarena echten dunklen Vulkansand auf unglaubliche 1 100 °C zu schmelzen und ihn dann dramatisch in einer roten Rinne direkt vor den staunenden Augen der Zuschauer fließen zu lassen.

Du siehst die schwere flüssige Magmamasse, hörst mit eigenen Ohren, wie sie beim Abkühlen laut knackt und zischt, und vor allem spürst du körperlich die überwältigende Strahlungswärme, die dir sofort ins Gesicht schlägt und dich dazu zwingt, die Jacke auszuziehen.

Das Erlebnis dieses heißen Schauspiels dauert knapp eine Stunde, und ein geschulter Guide erklärt dabei alles Wesentliche über die isländischen Vulkane auf sehr witzige, persönliche und mitreißende Weise.

Diese populäre Lava Show kannst du derzeit entweder direkt im Zentrum der Hauptstadt Reykjavík besuchen (wo ein Erwachsenenticket 6 590 ISK kostet) oder im ikonischen Städtchen Vík an der windigen Südküste (für etwas günstigere 5 900 ISK, das sind rund 40 €). Es ist unserer beider Meinung nach ein absoluter Knaller und aus meiner Sicht eindeutig eine der allerbesten kostenpflichtigen Attraktionen der ganzen Insel.

2. Das Lava Centre in Hvolsvöllur

Wenn du dich im Rahmen deines Roadtrips auf die lange Fahrt entlang der Südküste zu den berühmtesten fotogenen Wasserfällen Seljalandsfoss und Skógafoss begibst, stößt du höchstwahrscheinlich direkt an der Hauptstraße auf das Dörfchen Hvolsvöllur, wo das sehr interessante moderne Gebäude des Lava Centre steht.

Es ist ein riesiges, architektonisch durchdachtes interaktives Museum, das ganz der komplexen Geologie und Vulkanologie gewidmet ist, wo du dank erstklassiger bunter Visualisierungen die Systeme der aktiven Magmakammern, die unter ganz Island pulsieren, detailliert betrachten kannst.

Es ist ein enorm lehrreicher und toller Zwischenstopp vor allem dann, wenn draußen ein Sturm tobt, es regnet und ein absolut unwirtlicher eisiger Wind weht, was im unberechenbaren Süden Islands recht häufig vorkommt. Im abgedunkelten Museum verstehst du endlich richtig, warum das ganze Land ständig so stark bebt, was genau Eruptionen auslöst und wie eigentlich die gefürchteten Ausbrüche der tief unter mächtigen Gletschern verborgenen Vulkane funktionieren.

Vulkansicherheit: 5 Überlebensregeln

Die raue und ungezähmte Natur ist auf Island keineswegs nur eine hübsche Kulisse für schöne Fotos in den sozialen Medien, sondern kompromisslose Alltagsrealität, und mit Vulkanen scherzt man wirklich nie. Die Isländer sind auf alle möglichen Vulkanausbrüche perfekt vorbereitet, haben trainierte erstklassige Rettungskräfte und bestens funktionierende Informationssysteme, sodass du in absoluter Sicherheit bist, auch während einer aktiven Eruption, wenn du dich blind an ihre Anweisungen hältst.

Nur haben begeisterte Touristen manchmal das falsche Gefühl, sie seien schlichtweg unsterblich. Hier sind die grundlegenden Überlebensregeln, die du auf keinen Fall ignorieren darfst.

1. Verfolge die offiziellen Websites

Diese Empfehlung ist das absolute Mantra jedes sicheren Roadtrips durch Island, und du solltest sie dir zu Herzen nehmen. Bevor du morgens überhaupt das Auto startest und losfährst, öffnest du auf dem Handy immer die Seite der Rettungskräfte Safetravel.is. Dort findest du sofort sämtliche farblich abgestuften Warnungen vor starkem Wind, herannahenden Stürmen sowie möglichen laufenden Eruptionen und Sperrungen.

Für eine wirklich detaillierte Beobachtung der vulkanischen und seismischen Aktivität unter der Oberfläche eignet sich zudem hervorragend das offizielle Isländische Wetteramt (Vedur.is), wo du ständig aktualisierte Erdbebenkarten in Echtzeit findest, sodass du weißt, wo die Erde gerade am stärksten bebt.

2. Unsichtbare giftige Gase

Wenn gerade voll und ganz eine Spalteneruption abläuft und die Lava ins Tal fließt, ist die allergrößte und tückischste Gefahr nicht die langsam fließende glühende Masse selbst (vor der schaffst du es ganz bequem sogar zu Fuß zu fliehen), sondern das, was du mit dem Auge absolut nicht siehst. Aus den frischen Vulkanspalten wird nämlich in großen Mengen Schwefeldioxid (SO2) und eine Reihe weiterer giftiger Gase freigesetzt, die deutlich schwerer als gewöhnliche Luft sind, sodass sie sich unbemerkt in tiefen Tälern und natürlichen Senken ansammeln.

Wenn zudem gerade nicht der traditionelle starke isländische Wind weht, der sie gnädig über den Ozean vertreiben würde, können diese Gastaschen für Touristen tödlich gefährlich sein. Die örtlichen Behörden überwachen deshalb ständig und sorgfältig die aktuelle Luftqualität und mögliche Risiken auf der spezialisierten Website Loftgaedi.is, die du unbedingt in deinen Browser-Lesezeichen gespeichert haben solltest.

3. Geh nie allein zur Lava

Wenn du auf Island einmal das Glück hast und auf einem behördlich erlaubten und sicheren Weg zu einem Ort mit einem ganz frischen und noch rauchenden Lavafeld gelangst, sei auf keinen Fall zu neugierig und wagemutig. Die Oberfläche der frisch geflossenen Lava wird an der kalten Luft zwar recht schnell schwarz und hart, aber lass dich nicht täuschen – unter dieser dünnen und außerordentlich zerbrechlichen Kruste verbirgt sich in Taschen noch immer glühendes flüssiges Magma mit einer unfassbaren Temperatur von rund tausend Grad Celsius.

Mit dem Fuß auch nur in eine kleine solche Tasche einzubrechen bedeutet ein schnelles und absolut fatales Ende mit lebensunverträglichen Verbrennungen, geh also niemals in deinem Leben allein auf neue Lavafelder und halte dich immer nur an die markierten, ausgetretenen und von Experten erkundeten festen Pfade.

4. Respektiere Sperrungen und die Polizei

Der weltberühmte isländische Rettungsdienst namens ICE-SAR besteht zum größten Teil aus unglaublich aufopferungsvollen einheimischen Freiwilligen, die ausschließlich in ihrer eigenen Freizeit unvorbereitete Touristen aus den allerschlimmsten und gefährlichsten denkbaren Situationen retten. Wenn staatliche Behörden oder die Polizei plötzlich eine bestimmte Straße sperren und blitzschnell eine Evakuierung oder Sperrung eines ausgewählten Vulkangebiets verhängen, kannst du sicher sein, dass sie dafür einen sehr guten und fundierten geologischen Grund haben und dir keineswegs aus Langeweile deinen teuren Urlaub vermiesen wollen.

Versuche deshalb nicht, bewachte Feldwege heimlich zu umgehen oder nachts eine Lücke in den Absperrungen zu finden, denn diese örtlichen Rettungskräfte haben auf Island wirklich Besseres und Wichtigeres zu tun, als unnötig ihre eigene Gesundheit und ihr Leben für jemanden zu riskieren, der um jeden Preis ein Foto eines glühenden Vulkans für seinen Instagram brauchte.

5. Achte auf den isländischen Wind und die Autotüren

Auch wenn es mit Vulkanen nicht ganz direkt zusammenhängt, ist dies eines der am meisten unterschätzten Risiken ganz Islands, das dein Reisebudget übel ruinieren kann. Der isländische Wind hat eine absolut brutale Kraft, und wenn du bei einem Halt an einer Natursehenswürdigkeit die Autotür unvorsichtig und ruckartig weit aufreißt, kann dir eine starke Bö sie buchstäblich in einer Sekunde aus den Angeln reißen oder so verbiegen, dass du sie nicht mehr zubekommst (man nennt das Door-Ripping).

Es ist enorm wichtig zu wissen, dass absolut keine Versicherung der Autovermietung diesen spezifischen mechanischen Schaden abdeckt, also parke bei jedem Aussteigen, besonders in den flachen Regionen des Südens, lieber immer mit der Front des Autos direkt gegen den Wind und halte die Tür bei jedem Öffnen wirklich sehr fest mit beiden Händen.

Wo essen (und das Budget nicht ruinieren)

Die Gastronomie auf der Insel ist wirklich ein Kapitel für sich, und die Endrechnungen in den örtlichen Restaurants tun selbst hartgesottenen Reisenden recht ordentlich weh. Man sagt üblicherweise, dass das allergünstigste warme Essen der ganzen Stadt der berühmte isländische Hotdog ist, die Pylsa mit knuspriger Zwiebel und süßem Senf, den du an der kleinen roten Bude Bæjarins Beztu Pylsur unweit des Hafens kaufst.

Du zahlst dafür sympathische 820 ISK (etwa 6 €), und die Einheimischen machen eine große Wissenschaft daraus – ähnlich wie die Mutigeren traditionellen fermentierten Hai Hákarl mit einem Kurzen des berühmten Kümmelschnapses Brennivín (bekannt als „Schwarzer Tod“) oder den deftigen Fischauflauf Plokkfiskur verzehren.

Da Lukáš und ich aber beide seit Langem fleischlos essen und uns fermentierter Hai wirklich nicht reizt, lassen wir uns auf solche einheimischen tierischen Spezialitäten schlicht nicht ein und suchen lieber gezielt tolle lokale vegetarische Alternativen.

Unsere absolute tägliche Rettung, besonders während der langen Fahrten rund um die Vulkane und die endlosen Lavafelder, heißt Supermarkt Bónus, den du schon von Weitem sicher am sehr auffälligen gelben Logo mit dem kleinen rosa Schweinchen erkennst (alternativ nutzen wir auch die Läden Krónan oder Nettó).

Hier gibt es mit Abstand die besten Lebensmittelpreise – wir kaufen dort ständig günstige Käsevorräte, kiloweise unseren geliebten Hummus, hervorragendes süßes Roggenbrot Rúgbrauð und vor allem riesige Berge des traditionellen dicken Skyr-Joghurts, von dem wir im Grunde einen großen Teil unseres ersten und weiterer Roadtrips zufrieden gelebt haben.

Wenn wir dann nach dem ganztägigen Frieren in Reykjavík mal die Sau rauslassen und uns ausruhen wollen, gehen wir begeistert zur fantastischen, nach Holz duftenden Pizza ins gemütliche Lokal PizzaRé oder in die moderne, aber renommierte Pizzeria Flatey, wo sie absolut perfekte vegetarische Varianten mit frischen Käsesorten und Gemüse auf der Karte haben (eine große knusprige Pizza kostet dort rund 3 500 ISK, das sind etwa 24 €). Wir lieben außerdem versteckte asiatische und indische Lokale wie das Himalayan Spice, wo sie uns in der Kälte das unbestritten beste und dickste Dal mit Kichererbsen weit und breit gekocht haben.

Und merk dir eine goldene Regel: Das Leitungswasser ist auf Island eines der allersaubersten und wohlschmeckendsten der ganzen Welt, sodass wirklich nur völlige Verrückte hier abgefülltes Wasser in Plastik kaufen! Pass nur im Waschbecken beim warmen Leitungswasser gut auf, denn das wird direkt aus den geothermalen Bohrungen erwärmt und riecht recht stark nach Schwefel, also lass dir zum Trinken immer nur das absolut eiskalte, kristallklare Wasser in die Flasche.

Wohin sonst auf Island

Wenn du den Süden und die Vulkane schon kartiert hast und sie dich begeistert haben, bietet die Insel noch enorm viel mehr. Lies dir unsere weiteren Reiseführer durch und plane deine Reise bis ins Detail:

Häufig gestellte Fragen

Ist es sicher, nach Island zu fliegen, wenn über Vulkanausbrüche berichtet wird?

Absolut ja, die Angst vor einer Lähmung des Flugverkehrs ist unbegründet. Die Ausbrüche auf der Halbinsel Reykjanes sind glücklicherweise vom effusiven Typ, was in der Praxis bedeutet, dass die glühende Lava nur relativ ruhig aus Erdspalten austritt, dabei aber keine riesigen explosiven Wolken aus Vulkanasche entstehen. Asche ist nämlich das Einzige, was Flugzeugtriebwerke unmittelbar gefährdet (wie es 2010 beim berühmten Ausbruch des unter dem Gletscher Eyjafjallajökull verborgenen Vulkans geschah). Der Flughafen Keflavík funktioniert deshalb die ganze Zeit zuverlässig und kein einziger Ausbruch seit März 2021 hat den Flugbetrieb überhaupt beeinträchtigt.

Kann ich irgendwo live fließende Lava sehen?

In der Natur nur dann, wenn Sie enormes Glück mit dem perfekten Timing haben und gerade einen laufenden sicheren Spalteneruption erwischen, zu der die Rettungsbehörden den Zugang legal erlauben. Das hängt wirklich vom Zufall ab, und die meiste Zeit schauen Sie sich auf Reykjanes „nur“ zwar beeindruckende, aber neu erstarrte und nur leicht rauchende Lavafelder an, die nicht mehr fließen. Wenn Sie flüssiges glühendes Magma mit hundertprozentiger Sicherheit und in absoluter Gefahrlosigkeit sehen möchten, kaufen Sie lieber eine Eintrittskarte für die beeindruckende Lava Show in Reykjavík oder im Süden in Vík.

Ist die berühmte Blue Lagoon aktuell für Touristen geöffnet?

Seit Anfang März 2026 ist die Blue Lagoon für Besucher wieder sicher in Betrieb, allerdings funktioniert sie in einem sogenannten dynamischen Modus, der von seismischen Warnungen abhängig ist. Es wurde zwar eilig eine massive Schutzbarriere gegen Lava um sie herum errichtet, aber da das Gelände nun mal direkt in der aktiven Risikozone beim Vulkan Svartsengi liegt, kann es gelegentlich vorkommen, dass die Rettungskräfte sie bei erhöhtem seismischem Risiko vorübergehend und rein präventiv schließen. Den aktuellen Status und die Bademöglichkeit sollten Sie daher immer direkt auf den offiziellen Seiten der Blue Lagoon überprüfen.

Ist die Hauptstadt Reykjavík selbst oder die Kleinstadt Grindavík gefährdet?

Reykjavík liegt in sicherer Entfernung von etwa vierzig Kilometern vom Hauptort der Ausbrüche und ist dank der günstigen Geländeform völlig sicher, sodass Sie dort überhaupt keine Angst haben müssen und in Ruhe die Gassen erkunden können. Die kleine Stadt Grindavík mit knapp viertausend Einwohnern hatte leider nicht so viel Glück, da sie direkt auf der gefährdeten Verwerfungslinie liegt. Sie wurde bereits Ende 2023 langfristig evakuiert, und aufgrund enormer tiefer Risse in den Straßen und dem realen Risiko tödlicher Bodeneinbrüche ist der freie Zugang von den Behörden strikt verboten.

Wo finde ich kostenlos schöne Vulkanlandschaft, auch wenn gerade kein Ausbruch stattfindet?

Auf der aktiven Halbinsel Reykjanes unweit des Flughafens sollten Sie unbedingt in das wunderschön farbige Geothermalgebiet Krýsuvík/Seltún fahren, sich die laut blubbernde Schlammquelle Gunnuhver anschauen oder über die kleine Brücke zwischen den Kontinenten gehen. Wenn Sie dann mit dem Auto bis in den hohen Norden Islands reisen, sieht die weite Umgebung des Sees Mývatn am „außerirdischsten“ und atemberaubendsten aus, konkret das Schwefelfeld Hverir, das Gebiet um den Vulkan Krafla und das dunkle Labyrinth Dimmuborgir. All diese fantastischen und wilden Naturorte haben ganzjährig völlig freien Eintritt, und es wird kein Eintrittsgeld erhoben.

Wie erkenne ich im Gelände, ob mir vielleicht gefährliche Gase vom Vulkan drohen?

Tödlich gefährliche und mit bloßem Auge völlig unsichtbare Vulkangase wie Schwefeldioxid (SO2) können sich heimtückisch in der näheren Umgebung aktiver Lavafelder zeigen, und da sie schwerer als normale Luft sind, sammeln sie sich heimlich in tiefen Tälern und Geländesenken. Die aktuelle Windrichtung und genaue Konzentration dieser gefährlichen Luftverschmutzung wird glücklicherweise ständig von der isländischen Umweltschutzbehörde überwacht und ausgewertet, sodass Sie zu Ihrer eigenen Sicherheit vor jedem Ausflug in vulkanische Gebiete immer sorgfältig die aktuellen grünen Zahlen auf der Adresse Loftgaedi.is überprüfen sollten.

Kann man auf Island direkt in den tiefen Krater eines riesigen Vulkans hinabsteigen?

Ja, das lässt sich arrangieren, und zwar auf äußerst einzigartige Weise! Der erloschene und sehr alte Vulkan Þríhnúkagígur unweit des lebhaften Reykjavík bietet als einziger auf der ganzen weiten Welt Touristen die Möglichkeit, mit einem kleinen Aufzug direkt hinunter in seine riesige und fantastisch farbige Magmakammer zu fahren. Es handelt sich jedoch um ein absolut Premium- und ziemlich teures Reiseerlebnis (mit einem Preis von über 50.000 ISK), das wegen des anspruchsvollen Geländes nur in der Hauptsommersaison von Mai bis Ende Oktober für die Öffentlichkeit zugänglich ist und definitiv eine feste Online-Reservierung viele Monate im Voraus erfordert.

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Vesterålen, Norwegen: 6 Tipps, was man sehen und erleben kann

TL;DRDie Vesterålen, das Archipel nördlich der Lofoten in Norwegen, bieten dieselbe dramatische Landschaft, aber deutlich weniger Touristen. Zu den 6 wichtigsten Tipps gehört die Walsafari ab Andenes (ganzjährig Pottwale, im Winter von November bis Januar Orcas und Buckelwale, Preis rund 1.300–1.500 norwegische Kronen), die Papageientaucher-Beobachtung auf der Insel Bleiksøya beim Dorf Bleik, die landschaftlich reizvolle Nationale Touristenstraße Andøya (58 km) und das ehemals verlassene Fischerdorf Nyksund, heute eine Künstlerkolonie. Dazu kommen der lebendige Hafen Stø mit der Dronningruta-Route (15 km, 5–8 Stunden Gehzeit) und das Hurtigruten-Museum in Stokmarknes. Die beste Reisezeit ist Juni bis August für Wandern und Vogelbeobachtung, oder November bis Januar für Orcas und Nordlichter.

Wenn du eine Reise nach Nordnorwegen planst und atemberaubende Natur suchst, hast du sicher schon von den berühmten Lofoten gehört. Direkt nördlich davon liegt jedoch die Inselgruppe Vesterålen in Norwegen, die eine sehr ähnliche, dramatische Landschaft bietet – mit einem riesigen Unterschied. Während die benachbarten Inseln im Sommer unter dem Touristenansturm aus allen Nähten platzen, findest du hier die ersehnte Ruhe und eine viel authentischere nordische Atmosphäre ohne endlose Wohnmobilkolonnen.

Diese grünere und etwas weniger bergige Region ist ein wahres Paradies für Wildtierfreunde, denn von hier aus starten die besten Walsafaris in ganz Europa. Du kannst hier das ganze Jahr über majestätische Pottwale beobachten, und in den Wintermonaten füllen sich die Buchten mit Orcas, die hier riesigen Heringsschwärmen folgen. Neben den Walen erwarten dich malerische Fischerdörfer, weiße Sandstrände und faszinierende Vogelfelsen voller niedlicher Papageientaucher.

Der größte Vorteil: Beide Regionen lassen sich während eines einzigen Urlaubs ganz leicht verbinden, da sie dank eines Systems aus Brücken und Tunneln nahtlos ineinander übergehen. Ich habe für dich einen ausführlichen Reiseführer vorbereitet, in dem wir uns das Spannendste ansehen, was man auf den Vesterålen sehen und erleben kann – damit du deine Norwegen-Reise genau nach deinen Vorstellungen und mit Blick auf die geschätzten Preise für 2026 planen kannst.

Zusammenfassung

  • Ruhigere Alternative: Die Vesterålen liegen nördlich der Lofoten und bieten eine ähnlich schöne Landschaft mit deutlich weniger Touristen.
  • Hauptstadt der Wale: Das Städtchen Andenes ist der Ausgangspunkt für die Beobachtung von Pottwalen und Orcas.
  • Vogelinseln: Beim Dorf Bleik findest du Klippen, an denen Tausende niedlicher Papageitaucher nisten.
  • Panoramafahrt: Die nationale Touristenstraße Andøya gehört zu den schönsten Straßen Norwegens.
  • Verlassene Geschichte: Das Dorf Nyksund war einst völlig verlassen, heute ist es ein faszinierendes Kunstzentrum.
  • Einfache Anbindung: Nach Süden gelangst du über die Straße E10 problemlos direkt auf die Lofoten, nach Norden verkehrt im Sommer eine Fähre zur Insel Senja.

Wann sollte man auf die Vesterålen reisen

Die Planung einer Reise hinter den Polarkreis hängt immer davon ab, was du genau erleben möchtest, denn jede Jahreszeit bietet hier ein völlig anderes Schauspiel. Wenn dein Hauptziel Wandern und das Beobachten von Papageientauchern ist, ist der norwegische Sommer die ideale Zeit – also die Monate von Juni bis Ende August. Im Sommer erlebst du außerdem die faszinierende Mitternachtssonne, die auf den Vesterålen etwa von Ende Mai bis Mitte Juli dauert: Das Licht verschwindet nie, und du kannst die Landschaft auch um zwei Uhr morgens bei vollem Sonnenschein entdecken. Die Sommertemperaturen liegen meist zwischen zehn und fünfzehn Grad Celsius, daher lohnt es sich auch im Juli, gute Schichten und eine wasserdichte Jacke einzupacken.

Für alle, die von einer Begegnung mit Orcas oder Buckelwalen träumen, ist hingegen die Wintersaison die beste Wahl – typischerweise von November bis Ende Januar. In dieser Zeit ziehen riesige Heringsschwärme in die hiesigen Fjorde, denen diese Meeresjäger zielsicher folgen, sodass die Chance, sie zu sehen, von Bord eines Bootes riesig ist. Die Wintermonate bringen zwar von Ende November bis Mitte Januar die Dunkelheit der Polarnacht, doch zur Belohnung hast du eine große Chance, die magischen Nordlichter zu beobachten. Dank des Einflusses des Golfstroms sind die Winter hier längst nicht so streng wie im Landesinneren, und die Temperaturen halten sich an der Küste überraschend oft nur um den Gefrierpunkt.

Die Frühlings- und Herbstmonate sind wegen häufiger Regenfälle und starker Winde oft tückisch, aber wenn du eine melancholische Atmosphäre magst und es dir nichts ausmacht, gelegentlich nass zu werden, belohnen dich leere Straßen. Rechne jedoch damit, dass viele touristische Angebote und kleinere Cafés außerhalb der Haupt-Sommer- und Wintersaison ihre Öffnungszeiten einschränken, sodass du die Reise etwas sorgfältiger planen musst. Der Herbst färbt die niedrige Vegetation hier dafür in herrliche Rot- und Goldtöne, was geradezu traumhafte Bedingungen zum Fotografieren der nordischen Landschaft schafft.

Wo man auf den Vesterålen übernachten kann

Die Inselgruppe ist recht weitläufig, daher ist es strategisch klug, die Unterkunft danach auszuwählen, was du an den jeweiligen Tagen vorhast, damit du keine Stunden im Auto verbringst. Wenn dein Hauptziel die Walbeobachtung und die Erkundung des Nordens ist, ist das Städtchen Andenes die ideale Basis, von wo aus die meisten Ausflugsboote ablegen und wo du die gesamte Infrastruktur findest. Hier empfehle ich wärmstens das beliebte Thon Hotel Andrikken, das wirklich reichhaltige Frühstücke bietet und in bequemer Gehweite vom Hafen und dem Walzentrum liegt. Die Preise pro Nacht für zwei Personen liegen hier in der Sommersaison bei etwa 160 bis 220 €.

Für Liebhaber von Geschichte und dramatischer Atmosphäre ist eine Übernachtung im wiederbelebten Dorf Nyksund ein absolut einzigartiges Erlebnis, zu dem eine abenteuerliche Schotterstraße führt. Hier bietet sich die zauberhafte Unterkunft Nyksund Ekspedisjonen an, die in historischen Gebäuden direkt am Wasser untergebracht ist und dich mit der unverfälschten Atmosphäre alter Fischerzeiten umweht. Es ist ein überaus ruhiger Ort, an dem du morgens nur das Schreien der Möwen und das Plätschern der Wellen an den Holzpfeilern hörst, was ihn zu einem sehr romantischen Halt für Paare macht. Ich empfehle, abends ins örtliche Restaurant zu gehen und die ausgezeichnete vegetarische Pizza oder die warme Käsesuppe zu probieren, die dich nach einem Tag draußen wunderbar aufwärmt.

Wenn du hingegen einen praktischen Ausgangspunkt irgendwo in der Mitte suchst, von dem aus du leicht Ausflüge in alle Richtungen unternehmen kannst, eignet sich die Stadt Stokmarknes oder das nahe Sortland hervorragend. In Stokmarknes findest du das moderne Vesterålen Kysthotell, das allen Komfort und eine ausgezeichnete Ausstattung bietet und bestens an die Hauptverkehrsadern der gesamten Region angebunden ist. Egal, für welchen Ort oder welches typische rote Fischerhäuschen namens Rorbu du dich entscheidest – buche die Unterkunft für die Sommermonate mit großem Vorlauf über Booking, denn die Kapazitäten im Norden Norwegens sind sehr begrenzt und die besten Angebote sind schon im Frühling weg. Schau dir die aktuellen Angebote auf Booking.com an.

6 Tipps, was man auf den Vesterålen sehen und erleben kann

Nordnorwegen ist ein riesiger Spielplatz für Naturliebhaber, und die Inselgruppe Vesterålen bildet da keine Ausnahme – nur hast du hier viel mehr Platz für dich. Von der Beobachtung riesiger Wale bis zur Fahrt entlang der Felsen findest du hier Erlebnisse, die dir ein Leben lang in Erinnerung bleiben. Werfen wir einen Blick auf die sechs konkreten Orte und Aktivitäten, die in deinem Reiseplan auf keinen Fall fehlen sollten.

1. Walsafari von Andenes

Wenn es einen Hauptgrund gibt, warum Menschen in den äußersten Norden der Vesterålen reisen, dann ist es zweifellos das Whale Watching, das hier Weltniveau hat und kaum Konkurrenz findet. Das Städtchen Andenes liegt auf der Insel Andøya ganz nah am Rand des Kontinentalschelfs, wo der Meeresboden steil in enorme Tiefen abfällt und ideale Bedingungen schafft für Tiefseewale. Genau hierher kommen das ganze Jahr über riesige Pottwal-Männchen, um sich in den tiefen Schluchten unter der Oberfläche von Kalmaren zu ernähren, was eine fast hundertprozentige Erfolgsquote bei der Suche garantiert.

Die meisten Touren beginnen mit einem etwa einstündigen Besuch des Museums im örtlichen Walzentrum Hvalsenteret, wo dich Meeresbiologen detailliert mit dem Leben dieser Säugetiere vertraut machen, bevor du überhaupt an Bord gehst. Die Fahrt selbst dauert in der Regel zwei bis vier Stunden und ist recht schaukelig, da du bald die geschützten Fjorde verlässt und dich auf den offenen Ozean begibst – vergiss also nicht, rechtzeitig Tabletten gegen Seekrankheit einzunehmen. Ein Vorteil der organisierten Touren ist die sogenannte Walgarantie, dank der du ein kostenloses Ticket für eine weitere Fahrt erhältst, falls sich die Tiere ausnahmsweise nicht zeigen sollten.

In den Wintermonaten verlagert sich der Fokus zudem tiefer in die Fjorde, wohin den riesigen Heringsschwärmen Hunderte Orcas und majestätische Buckelwale folgen. Mit eigenen Augen zu sehen, wie diese intelligenten Jäger inmitten verschneiter Berge gemeinsam jagen, ist ein absolut unvergessliches Erlebnis. Die Touren sind schnell ausverkauft, daher solltest du sie immer rechtzeitig über Plattformen wie GetYourGuide buchen; für 2026 kannst du mit einem Preis von etwa 130 € pro Person rechnen.

2. Norwegische Landschaftsroute Andøya

Norwegen ist berühmt für seine landschaftlich reizvollen Straßen, und der Abschnitt entlang der Westküste der Insel Andøya gehört zu den achtzehn offiziellen Norwegischen Landschaftsrouten, die du befahren musst. Diese etwa achtundfünfzig Kilometer lange Strecke verbindet das Dörfchen Bjørnskinn mit dem Städtchen Andenes im Norden und bietet absolut atemberaubende Ausblicke auf das Europäische Nordmeer, schneeweiße Sandstrände und steile Felsberge. Die Fahrt hier entlang ist schon für sich genommen ein riesiges Erlebnis, und es lohnt sich definitiv, ruhig einen halben Tag dafür einzuplanen, denn du wirst ständig anhalten und die Kulissen fotografieren wollen.

Unterwegs fällt dir der wunderbare Kontrast zwischen den rauen, mit Moos bewachsenen Felsen und dem türkisfarbenen Wasser auf, das an sonnigen Tagen oft eher an die Karibik als an eine Region hinter dem Polarkreis erinnert. Die Route ist zudem mit einzigartigen architektonischen Rastplätzen gespickt, wie etwa dem berühmten Aussichtspunkt Kleivodden oder der atemberaubenden Felsformation Bukkekjerka, die in der Vergangenheit als heilige Opferstätte der einheimischen Samen diente. Von diesen Aussichtspunkten kannst du bei klarem Wetter bis zu den scharfen, gezackten Gipfeln der benachbarten Insel Senja am Horizont blicken.

💡 Tipp: Die Straße ist stellenweise recht schmal, und oft begegnest du hier Schafen, die gerne direkt am Asphalt grasen oder sich darauf in aller Ruhe sonnen. Fahre daher sehr vorsichtig, hetze nicht und vergiss nicht, dir für unterwegs einen guten Kaffee und vielleicht eine süße Zimtschnecke aus der örtlichen Bäckerei einzupacken, denn entlang dieser Route findest du nicht viele Möglichkeiten zur Verpflegung.

3. Vogelinsel Bleiksøya und Papageientaucher

Nur ein kleines Stück vom Städtchen Andenes entfernt liegen ein langer weißer Sandstrand und das malerische Fischerdorf Bleik, von dem aus du einen herrlichen Blick auf die ikonische kegelförmige Insel Bleiksøya hast. Dieses unbewohnte Felsgebilde, das aus dem Ozean ragt, ist einer der bekanntesten Vogelfelsen in ganz Nordnorwegen und wird jeden Sommer zur sicheren Heimat für eine überwältigende Zahl an Meeresvögeln. Insgesamt nisten hier Zehntausende, doch die mit Abstand größte Attraktion sind zweifellos die bunten Papageientaucher, die hier in den steilen Grashängen ihre Höhlen graben.

In den Sommermonaten, genauer von Anfang Juni bis Mitte August, werden vom kleinen Hafen in Bleik aus beliebte Vogelsafaris veranstaltet, die dich mit kleineren Booten direkt unter die steilen Felsen bringen. Diese kleinen Vögel mit komisch großen, bunten Schnäbeln sind in der Luft überraschend ungeschickt, verwandeln sich unter Wasser aber in unglaublich flinke Jäger – das kannst du während der etwa eineinhalbstündigen Fahrt beobachten. Die Bootstour kostet einen Erwachsenen ungefähr 70 € und oft siehst du dabei auch kreisende Seeadler, die regelmäßig Jagdausflüge in die Papageientaucher-Kolonien unternehmen.

Der Strand Bleikstranda selbst ist ebenfalls einen langen Spaziergang wert, ganz besonders, wenn du dich hier zur Zeit der sommerlichen Mitternachtssonne befindest, wenn sich der Nachthimmel in unglaubliche Pastelltöne färbt. Das Wasser ist hier zwar auch im August recht eisig und lädt nur die Abgehärtetsten zum Baden ein, aber Fotos des weißen Sandes im Kontrast zu den sattgrünen Bergen werden eine absolute Zierde deines Reisealbums sein.

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Lukáš und Lucie empfehlen
Wo man auf den Vesterålen übernachten kann
4 Unterkünfte — Hotels und weitere Übernachtungsmöglichkeiten

4. Das verlassene und wiederbelebte Dorf Nyksund

Die Geschichte der Siedlung Nyksund klingt ein wenig wie das melancholische Drehbuch zu einem nordischen Film, und du solltest sie auf keinen Fall verpassen, wenn du abgelegene Orte mit einer starken Geschichte magst. An der Wende vom neunzehnten zum zwanzigsten Jahrhundert war dies eines der wichtigsten und geschäftigsten Fischerdörfer der Region, doch mit dem Aufkommen großer moderner Schiffe, für die der hiesige Hafen zu seicht war, begann der allmähliche Niedergang. In den siebziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts verließen die allerletzten Bewohner den Ort, und Nyksund verwandelte sich in eine verfallende Geisterstadt, ausgeliefert den erbarmungslosen Winterstürmen.

Die Wende kam Ende der achtziger Jahre, als diesen düsteren und verlassenen Ort Künstler, Studenten und Abenteurer aus verschiedenen Ecken Europas entdeckten, die hier mit vereinten Kräften begannen, die alten Häuser nach und nach zu reparieren. Heute ist Nyksund eine faszinierende, lebendige Siedlung, in der du gemütliche Cafés, Kunstgalerien und die ursprünglichen bunten Holzhäuser findest, die behutsam zu ihrer einstigen Schönheit restauriert wurden. Die Atmosphäre ist hier absolut einzigartig: Sie mischt das Gefühl perfekter Isolation am Ende der Welt mit der sehr freundlichen und kreativen Energie der ortsansässigen Bewohner.

Schon der Weg ins Dorf von der nahen Stadt Myre aus ist ein großes Abenteuer, denn dorthin führt eine schmale und kurvige Schotterstraße, die sich dicht an den steilen Felsen über dem tiefen Ozean entlangwindet. Plane für die Fahrt genug Zeit ein und belohne dich nach der Ankunft mit einem Besuch im örtlichen Bistro, wo es großartige vegetarische Sandwiches, dicke Gemüsesuppen und ausgezeichneten Kaffee gibt, den du mit Blick auf den alten Hafen genießen kannst.

5. Fischerdorf Stø und die Dronningruta

Während Nyksund heute eher eine künstlerische und touristische Rarität ist, ist das nahe gelegene Dorf Stø an der Nordspitze der Insel Langøya noch immer ein aktiver und sehr geschäftiger Fischerhafen. Genau hier kannst du aus nächster Nähe das authentische Leben im hohen Norden beobachten, wo der Alltagsrhythmus der Einheimischen fest mit dem Meer und dem Wetter verbunden ist. In der Wintersaison kommen hierher Boote voll beladen mit arktischem Kabeljau, und du kannst den faszinierenden Prozess seiner Verarbeitung sowie das traditionelle Trocknen auf riesigen, über die Küste verteilten Holzgestellen beobachten.

Von Stø aus legen im Sommer auch kleinere Boote zur Beobachtung von Walen und Robben ab, was eine großartige, intimere Alternative zum viel ausgelasteteren und bekannteren Hafen in Andenes darstellt. Genau hier beginnt auch das andere Ende des berühmten Wanderwegs Dronningruta, des Königinnenwegs, der Stø mit Nyksund verbindet und nach der norwegischen Königin Sonja benannt ist, die diese Route überaus liebgewann. Der gesamte Rundweg misst etwa fünfzehn Kilometer, nimmt fünf bis acht Stunden Gehzeit in Anspruch und belohnt dich mit unübertrefflichen Ausblicken auf gezackte Berggipfel, die senkrecht in die Tiefen des Ozeans abfallen.

💡 Tipp: Die Route kombiniert das Gehen entlang der Küste mit einem recht steilen Anstieg auf den Bergkamm und erfordert daher eine sehr gute körperliche Verfassung und gutes Schuhwerk. Wenn du in der Umgebung wandern gehst, packe dir immer genug warme Schichten ein, denn das Wetter an der Küste der Vesterålen kann innerhalb weniger Minuten von strahlendem Sonnenschein in peitschenden Regen umschlagen.

6. Hurtigruten-Museum in Stokmarknes

Wenn dich die Seefahrtsgeschichte interessiert und du verstehen möchtest, wie Norwegen es geschafft hat, seine abgelegenen nördlichen Gemeinden zu verbinden, darfst du das Städtchen Stokmarknes nicht verpassen. Denn genau hier entstand 1893 dank des Visionärs Richard With die Idee des Küstenexpresses Hurtigruten, der bis heute die lebenswichtige Verbindung entlang der zerklüfteten norwegischen Küste sicherstellt. Die Schiffe dieser ikonischen Reederei transportieren täglich Post, wichtige Fracht und Touristen auf der langen Strecke von Bergen im Süden bis zum fernen Kirkenes an der russischen Grenze.

Die Hauptattraktion der Stadt ist das wunderbar gestaltete Hurtigruten-Museum, dessen zentrales und absolut unübersehbares Exponat das riesige historische Schiff MS Finnmarken aus dem Jahr 1956 ist, das komplett an Land gezogen und in ein riesiges Glasgebäude eingehaust wurde. Besucher können für einen Eintritt von knapp 18 € frei über alle Decks spazieren, einen Blick in die ursprünglichen schmalen Kabinen werfen, den erhaltenen Maschinenraum erkunden oder sich in die eleganten Retro-Salons aus den fünfziger Jahren setzen. Es ist ein überaus interaktives Erlebnis, das dich perfekt und sehr realistisch in die goldene Ära des Seereisens versetzt.

Neben dem Schiff selbst bietet das Museum fesselnde Ausstellungen über die harten Bedingungen, denen die ersten Seeleute bei der Navigation durch gefährliche Winterstürme ohne moderne Radargeräte trotzen mussten. Ein Besuch dieses atemberaubenden Ortes vermittelt dir einen viel tieferen Kontext dafür, wie unglaublich widerstandsfähig die Bewohner Nordnorwegens seit jeher sein mussten, um in einer so schönen, aber extrem unwirtlichen Umgebung zu überleben und zu gedeihen.

Wohin von den Vesterålen aus weiter

Der logistische Vorteil dieser Inselgruppe besteht darin, dass sie eine Art Brücke zwischen zwei weiteren wunderschönen norwegischen Regionen bildet, sodass sie sich geradezu für einen längeren Roadtrip anbietet. Wenn du der Hauptstraße E10 in Richtung Süden folgst, überquerst du in knapp zwei Stunden Fahrt nahtlos die architektonisch interessanten Brücken bei Fiskebøl direkt zu den berühmten Lofoten. Dort erwarten dich die ikonischen roten Fischerhütten und noch dramatischere Berggipfel, über die du in unserem großen Lofoten-Reiseführer lesen kannst.

Wenn du hingegen in den äußersten Norden der Vesterålen zum Hafen Andenes fährst, eröffnet sich dir der Weg zur wilden Insel Senja, die oft als Norwegen im Miniaturformat bezeichnet wird. In der Sommersaison fährt von hier nämlich eine direkte Fähre ins Dorf Gryllefjord auf Senja, wodurch du dir eine riesige Portion Kilometer am Steuer über das Festland sparst. Senja ist noch weniger entdeckt als die Vesterålen, bietet brutal steile Berge, die ins Meer fallen, und großartige Bedingungen zum Campen, wie wir ausführlicher im Artikel über Senja beschreiben.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen den Lofoten und den Vesterålen?

Während die Lofoten für ihre schroffen, spitzen Berge berühmt sind, die direkt aus dem Meer aufragen, sind die Vesterålen insgesamt grüner, sanfter und verfügen über mehr Strände sowie landwirtschaftlich genutztes Land. Der Hauptunterschied liegt jedoch in der Anzahl der Touristen, die auf den Vesterålen selbst in der Hochsaison im Sommer deutlich geringer ist, was sie zu einem wesentlich authentischeren und ruhigeren Reiseziel für euren Urlaub macht.

Was kostet eine Walsafari und muss ich im Voraus buchen?

Die Preise für eine Walsafari ab Andenes liegen für das Jahr 2026 bei etwa 1.300 bis 1.500 norwegischen Kronen pro Erwachsenem, abhängig vom Bootstyp und der Gesamtdauer des Ausflugs. Eine Reservierung im Voraus, idealerweise online und bereits mehrere Monate im Vorfeld, ist absolut unerlässlich, da die Kapazität der Boote streng begrenzt ist und sie in der Saison hoffnungslos ausgebucht sind.

Wann habe ich die größte Chance, Orcas zu sehen?

Im Gegensatz zu den mächtigen Buckelwalen, die sich ganzjährig bei Andenes aufhalten, kommen Schwertwale und Finnwale nur in den Wintermonaten auf Nahrungssuche hierher. Die beste Chance, sie zu beobachten, besteht von November bis Ende Januar, wenn riesige Schwärme überwinternder Heringe in die Fjorde ziehen, was für diese faszinierenden intelligenten Wale ein außerordentlich reichhaltiges und begehrtes Festmahl darstellt.

Wie komme ich am einfachsten auf die Inselgruppe?

Wenn ihr mit dem Auto anreist, ist der einfachste Zugang über die landschaftlich reizvolle Straße E10, die die Vesterålen über eine Reihe kostenloser Brücken mit dem norwegischen Festland und den benachbarten Lofoten verbindet. Ihr könnt auch die lokalen Flughäfen in Stokmarknes oder Andenes nutzen, die von Inlandsflügen von bekannten Drehkreuzen wie Oslo und Tromsø angeflogen werden, oder die ikonischen Schiffe der Gesellschaft Hurtigruten legen hier regelmäßig an.

Kann ich beide Inselgruppen (Lofoten und Vesterålen) während einer Reise bereisen?

Ja, das ist eine sehr beliebte und logistisch einfache Kombination, da beide Gebiete direkt aneinander grenzen und ihr für die Überfahrt keine kostenpflichtigen Fähren benötigt. Ich empfehle euch, für einen solchen nordischen Roadtrip mindestens zehn bis vierzehn Tage einzuplanen, damit ihr genügend Zeit für Transfers, Wanderungen und unvorhergesehene Planänderungen aufgrund des typisch wechselhaften arktischen Wetters habt.

Brauche ich ein eigenes Auto, um mich auf den Inseln fortzubewegen?

Obwohl es hier einen grundlegenden Busverkehr gibt, ist ein Mietwagen absolut notwendig, um die Naturschönheiten und abgelegenen Dörfer wirklich zu erkunden. Die Busse fahren relativ selten, an Wochenenden ist der Betrieb noch eingeschränkter, und ein Auto gibt euch absolute Freiheit, an jedem verlockenden Aussichtspunkt oder Strand genau dann anzuhalten, wenn gerade die Sonne herauskommt.

Gibt es hier gute Bedingungen zum Wandern?

Die Inselgruppe bietet hunderte Kilometer hervorragend markierter Wanderwege aller erdenklichen Schwierigkeitsgrade, von einfachen Spaziergängen entlang strahlend weißer Strände bis hin zu technisch anspruchsvollen Aufstiegen auf exponierte Gipfel. Zu den bekanntesten und schönsten Trekkingtouren gehören die legendäre Dronningruta beim Dorf Stø oder der steile Aufstieg auf den Berg Måtinden, von dem sich absolut dramatische Ausblicke auf die zerklüfteten Klippen eröffnen, die ins eisige Meer abfallen.

Tipps und Tricks für deinen Urlaub

Zahle nicht zu viel für Flugtickets

Suche Flüge auf Kayak. Es ist unsere Lieblingssuchmaschine, weil sie die Webseiten aller Fluggesellschaften durchsucht und immer die günstigste Verbindung findet.

Buche deine Unterkunft clever

Die besten Erfahrungen bei der Suche nach Unterkünften (von Alaska bis Marokko) haben wir mit Booking.com gemacht, wo Hotels, Apartments und ganze Häuser meist am günstigsten und in der größten Auswahl verfügbar sind.

Vergiss die Reiseversicherung nicht

Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

Finde die besten Erlebnisse

Get Your Guide ist ein riesiger Online-Marktplatz, auf dem du geführte Spaziergänge, Ausflüge, Skip-the-Line-Tickets, Touren und vieles mehr buchen kannst. Dort finden wir immer etwas besonders Spaßiges!

Golden Circle auf Island: Kompletter Reiseführer 2026

TL;DRDer Golden Circle ist eine rund 250 bis 300 Kilometer lange Rundtour ab Reykjavík, für die du mit den wichtigsten Stopps 6 bis 8 Stunden einplanen solltest – die reine Fahrzeit ohne Halte beträgt 3,5 bis 4 Stunden. Die drei Hauptattraktionen sind der Nationalpark Þingvellir, das geothermale Gebiet Geysir mit dem Strokkur und der Wasserfall Gullfoss. Eintritt und Parken sind bei Geysir und Gullfoss kostenlos, in Þingvellir zahlst du 1.000 ISK pro Tag. Beliebte zusätzliche Stopps sind der Krater Kerið (700 ISK), der Wasserfall Brúarfoss (750 ISK) und die Therme Secret Lagoon (3.000–4.500 ISK). Die Straßen sind ganzjährig asphaltiert, ein Allradfahrzeug brauchst du im Sommer also nicht. Am besten startest du früh am Morgen oder erst am späten Nachmittag, um den Touristenströmen aus Reykjavík zu entgehen.

Ich erinnere mich daran, als wäre es gestern gewesen, obwohl es schon ein paar Jahre her ist, dass wir Ende September Anfang Oktober zum ersten Mal nach Island aufgebrochen sind. Wir standen bei den Geysiren, ein irrer Wind blies, und wir beschlossen, den nahe gelegenen Hügel Bjarnarfell zu erklimmen, um eine bessere Aussicht zu haben.

In den zwanzig Minuten, die wir uns nach oben gequält haben, wechselten sich Sonnenschein, ein heftiger Platzregen, Hagel, der ins Gesicht stach, und dann wieder Sonne ab, die uns ein wenig trocknete 😅. In diesem Moment habe ich verstanden, dass auf Island die Natur macht, was sie will, und wir nur zu Besuch sind.

Wenn du eine Reise auf diese zauberhafte Insel planst, wird der isländische Golden Circle auf Island (auf Isländisch Gullni hringurinn) wahrscheinlich deine erste größere Station sein. Es ist quasi Island im Kleinformat: Auf relativ engem Raum siehst du das Beste der hiesigen Natur – von tektonischen Spalten über sprudelnde Geysire bis hin zu atemberaubenden Wasserfällen.

In diesem Artikel findest du einen kompletten Reiseführer für 2026: Wir schauen uns an, was du sehen solltest, was alles kostet, wo du clever übernachtest und vor allem verrate ich dir, was du dir sparen kannst, um keine kostbare Zeit zu verlieren.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Der Golden Circle ist eine rund 250 bis 300 Kilometer lange Route, die in Reykjavík beginnt und endet und die du locker an einem Tag schaffst.
  • Die reine Fahrzeit beträgt etwa 3,5 bis 4 Stunden, aber mit den Hauptstopps und dem Fotografieren solltest du dir ganze 6 bis 8 Stunden einplanen.
  • Die wichtigsten und kostenlosen (oder sehr günstigen) Stopps sind der Nationalpark Þingvellir, das Geothermalgebiet Geysir und der mächtige Wasserfall Gullfoss.
  • Die Straßen sind auf der gesamten Route asphaltiert und in bestem Zustand, im Sommer brauchst du also kein Auto mit Allradantrieb (4×4).
  • Brich entweder ganz früh morgens oder erst am späten Nachmittag auf, um den Touristenmassen zu entgehen, die mit großen Bussen anrücken.

Wann hinfahren und wie kommst du hin

Der Golden Circle ist ganzjährig problemlos befahrbar, und dank der überaus guten, sorgfältig asphaltierten Straßen brauchst du wirklich keine Angst zu haben, dass du einen riesigen Geländewagen mit Monsterreifen benötigst. Selbst das kleinste Mietwagen-Modell schafft diese Strecke im Sommer absolut spielend, wobei die Route selbst einen schönen geschlossenen Kreis bildet, der in Reykjavík beginnt und endet.

Wenn du die Insel aber in den dunkleren Wintermonaten entdecken willst, behalte stets im Kopf, dass die Tage hier extrem kurz sind – im Dezember geht die Sonne erst gegen halb zwölf auf und schon um halb vier nachmittags wieder unter.

Das Wetter kann zudem unglaublich tückisch sein, deshalb solltest du vor jeder Abfahrt vom Hotel sorgfältig die Websites prüfen wie Safetravel.is für wichtige Sicherheitswarnungen und das ausgezeichnete Umferdin.is für absolut aktuelle Infos zum Zustand vereister Straßen.

Mit Lukáš haben wir langfristig wirklich gute Erfahrungen mit der Suche nach Mietwagen gemacht, die wir praktisch überall auf der Welt zuverlässig nutzen – pass nur auf Neuerungen und kleine Fallstricke der lokalen Inselvermieter auf. Seit Januar 2026 gilt auf Island nämlich eine brandneue Kilometersteuer für alle PKW bis 3,5 Tonnen, die genau 6,95 ISK (rund 0,05 €) pro gefahrenem Kilometer beträgt.

Verschiedene Vermieter handhaben diese Gebühr unterschiedlich: Manche berechnen eine Tagespauschale, andere ziehen die Steuer am Ende der Reise anhand des tatsächlichen Tachostands direkt von der Kaution ab – plane das also besser vorab in dein Budget ein. Der beliebte Golden Circle kostet dich bei dieser speziellen Steuer etwa 2.000 ISK (rund 14 €), was aber zum Glück recht angenehm dadurch ausgeglichen wird, dass der Treibstoff flächendeckend günstiger geworden ist, nachdem die früheren Gebühren an den Tankstellen abgeschafft wurden.

Lass dich gleichzeitig nicht in falscher Sicherheit wiegen, nur weil du auf luxuriösem Asphalt einen kurzen Ausflug machst – widme der richtigen Versicherung deines Mietwagens wirklich große Aufmerksamkeit. Die Basisversicherung (oft als CDW bezeichnet) deckt leider bei Weitem nicht die typischen und sehr teuren isländischen Schäden ab, und da viele unscheinbare Abzweigungen zu gemütlichen Unterkünften aus Schotter oder Kies bestehen, empfehlen wir wärmstens, für den Gravel Protection draufzuzahlen.

Ein eigenes Kapitel und eine große Besonderheit Islands ist der unberechenbare Wind, der oft so unfassbar stark ist, dass er dir die Autotür glatt aus den Angeln reißt, wenn du sie beim unvorsichtigen Öffnen nicht mit beiden Händen festhältst – und solche unglücklichen Schäden deckt keine Standardversicherung ab.

Denk außerdem daran, dass jegliches Fahren abseits der offiziellen Wege auf der ganzen Insel streng und kompromisslos verboten ist – bei Verstoß droht dir eine Strafe von bis zu 500.000 ISK.

💡 Übrigens: Eine isländische SIM-Karte oder eine eSIM mit Holafly ist hier Gold wert, denn ohne Datenverbindung kannst du weder die Park-Apps noch die Wetterwarnungen nutzen.

Wo du übernachtest und was der Golden Circle kostet

Obwohl viele Leute den gesamten beliebten Rundweg direkt und ein bisschen unüberlegt von Reykjavík aus abfahren, ist es eine deutlich schlauere Strategie, sich direkt irgendwo entlang der Route einzuquartieren, was dir im Endeffekt jede Menge unnötigen Stress und kostbare Zeit erspart.

Morgens kannst du nämlich in aller Ruhe früh aufstehen und mit riesigem Vorsprung zu den größten Sehenswürdigkeiten aufbrechen, bevor dort überhaupt die ersten riesigen Busse voller Touristen aus der Hauptstadt eintreffen. Außerdem hast du abends eine etwas größere Chance, vom Fenster deines Zimmers aus die ersehnten Polarlichter zu erspähen, weil du nicht so sehr vom starken Lichtsmog der Metropole gestört wirst.

Die besten und strategisch günstigsten Stützpunkte für eine gründliche Erkundung des Rundwegs sind das Städtchen Selfoss, wo du dich zum Beispiel im hervorragenden Hotel Selfoss Spa erholen kannst, oder das wunderschön gelegene Laugarvatn, das mitten im pulsierenden Herzen des Rundwegs am Ufer eines stillen Sees liegt.

Wunderschöne Unterkünfte bietet auch das malerische und sehr beliebte Flúðir mit dem The Hill Hotel unweit der natürlichen Thermalquellen. Die absolute Spitze für alle, die immer als Erste bei den Sehenswürdigkeiten sein wollen, ist das etwas luxuriösere Hotel Geysir, das buchstäblich nur ein paar Schritte von den blubbernden Thermalfeldern entfernt liegt.

Die Übernachtungspreise auf Island sind erwartungsgemäß alles andere als günstig, und du musst dich darauf einstellen, dass du für ein recht gewöhnliches, aber anständiges Doppelzimmer in der Hauptsaison im Durchschnitt zwischen 30.000 und 50.000 ISK (rund 200 bis 340 €) pro Nacht zahlst.

Neben den Sehenswürdigkeiten und dem teuren Essen solltest du auch kleinere Parkgebühren einplanen, die auf der Insel absolut allgegenwärtig sind und heute fast ausschließlich bargeldlos über praktische Apps wie Parka oder den guten alten EasyPark abgewickelt werden.

Pass nur gut auf, dass du an den lokalen Selbstbedienungsterminals an Tankstellen und an manchen Schranken stets eine physische Kreditkarte und deren PIN-Code brauchst – dich auf der ganzen Reise nur auf bequemes Zahlen per Handy über Apple Pay zu verlassen, kann sich hier wirklich nicht auszahlen. Booking.com ist unsere liebste Plattform für Unterkünfte, und wir empfehlen dringend, beliebte Hotels schon viele Monate im Voraus zu reservieren.

💡 Konkrete Übernachtungstipps (Preise und Verfügbarkeit prüfst du über Booking, reserviere rechtzeitig – in der Saison und rund um die Sonnenfinsternis 2026 sind die Zimmer Monate im Voraus weg):

Nationalpark Þingvellir: Hier entstand Geschichte und Kontinente

Nach etwa fünfundvierzig Minuten gemütlicher Fahrt aus dem Zentrum von Reykjavík erwartet dich der erste und gleichzeitig geologisch interessanteste Stopp deines isländischen Abenteuers. Der Nationalpark Þingvellir (gesprochen wie ein weiches Thingvellir) steht völlig zu Recht auf der prestigeträchtigen UNESCO-Welterbeliste und ist genau jener einzigartige, magische Ort, an dem sich mit etwa zwei Zentimetern pro Jahr die riesige nordamerikanische und eurasische tektonische Platte unaufhörlich und langsam voneinander entfernen.

Dein Auto kannst du auf gleich mehreren clever aufgeteilten Parkplätzen mit den Bezeichnungen P1 bis P5 abstellen, wobei du die Tagesgebühr von 1.000 ISK (rund 7 €) zum Glück nur ein einziges Mal über den Automaten oder die App Checkit.is zahlst – das mit deinem Kennzeichen verknüpfte Ticket gilt dann für das gesamte Parkgebiet.

1. Spaziergang durch die Spalte Almannagjá und der Wasserfall Öxarárfoss

Vom oberen großen Parkplatz P1 Hakið, der direkt am schönen Hauptbesucherzentrum mit modernen Toiletten liegt, gehst du auf einem angelegten Weg direkt in die riesige, majestätische Spalte Almannagjá, wo du die ganze Zeit über unglaublicherweise durch eine Art Niemandsland zwischen zwei mächtigen Kontinenten spazierst.

Dieser Ort hat live eine absolut unglaubliche und stellenweise fast beklemmende Atmosphäre, gesäumt von steilen Wänden aus schwarzem Vulkangestein, was unter anderem auch die aufmerksamen Macher der populären Serie Game of Thrones zu schätzen wussten – sie haben hier äußerst treffend das berühmte Blutige Tor angesiedelt.

Wir haben hier im Herbst einen wunderschönen und überraschend ruhigen Spaziergang durch den schmalen Canyon gemacht und sind ohne große körperliche Anstrengung auf ebenem Weg bis zum niedlichen Wasserfall Öxarárfoss gelangt, unter dem übrigens auch der sehr praktische Parkplatz P2 Efri-Vellir für all jene liegt, die nicht laufen mögen.

Der Fußweg zum Wasserfall ist völlig unanstrengend und auch für Kinder problemlos machbar, denn er führt größtenteils über bequeme, gepflegte Holzstege. Der Wasserfall selbst, der wild über die dunklen Basaltfelsen stürzt, sieht bei jedem Wetter fantastisch aus.

Außerdem spielten sich genau in diesem geschützten Gebiet einst die wichtigsten und schicksalhaftesten Momente der ganzen rauen Insel ab, denn im Jahr 930 gründeten hier mächtige und respektierte Wikinger in einem perfekten natürlichen Amphitheater beim Felsen Lögberg das berühmte Alþingi.

Das macht es zu einem der ältesten noch funktionierenden Parlamente der ganzen Welt. Einst trafen sich an diesem heiligen Ort regelmäßig die Häuptlinge aus ganz Island, um vor versammelter Menge blutige Streitigkeiten zu schlichten, lukrative Ehen zu vereinbaren und lautstark ganz neue Gesetze zu verkünden.

2. Silfra: Schnorcheln im Wasser mit 100 Metern Sicht

Wenn du wirklich auf etwas extremere und außergewöhnlichere Erlebnisse stehst, gib gleich den unteren Parkplatz P5 Valhöll ins Navi ein, der von allen genannten mit Abstand am nächsten an der weltberühmten, überfluteten Spalte Silfra liegt.

Diese auf den ersten Blick vielleicht recht unscheinbare Erdspalte ist bis zum Rand mit absolut kristallklarem Wasser gefüllt, das vom riesigen Gletscher Langjökull stammt. Es fließt hier sehr langsam herab und filtert sich dabei über unfassbare Jahrzehnte hinweg auf natürliche Weise durch poröse Lava unter der Erde.

Das Ergebnis dieses langwierigen Naturprozesses ist atemberaubend klares Wasser ohne den kleinsten Makel, in dem du unter der Oberfläche problemlos hundert Meter weit siehst. Tauchen oder mutiges Schnorcheln zählt hier völlig zu Recht zu den größten und begehrtesten weltweiten Einzigartigkeiten.

Ich muss dich aber vorab ehrlich warnen: Dieses unglaublich klare Wasser hat ganzjährig recht eisige 2 bis 4 °C. Um deine Gesundheit musst du dir aber keine Sorgen machen, denn professionelle Anbieter wie DIVE.IS, Arctic Adventures oder Troll Expeditions stecken dich vor dem Wassergang zuerst in eine besonders warme Unterkleidung und sperren dich anschließend in einen sehr dicken Neopren-Trockenanzug.

Du wirst dir zwar eine Weile etwas unbeholfen und komisch wie das berühmte Michelin-Männchen vorkommen, und der dicke Gummi um den Hals würgt dich anfangs vielleicht ein wenig, aber sobald du zum ersten Mal das Gesicht unter die Oberfläche tauchst und sich unter dir ein endloser, leuchtend blauer Abgrund öffnet, frierst du nur noch ein bisschen am ungeschützten Gesicht und an den Fingerspitzen.

Es ist allerdings ein recht teurer und exklusiver Spaß, denn die Preise für das einfache Schnorcheln beginnen bei den besten Anbietern bei etwa 21.000 ISK (rund 145 €), wenn du eigene Anreise hast. Hinzu kommen vor Ort noch weitere 1.500 ISK als obligatorische kleine Gebühr an den Nationalpark pro Person.

Reserviere deinen Platz sicherheitshalber viele Wochen im Voraus und denk immer gründlich daran, dass du und deine Kinder (die mindestens 12 Jahre alt sein müssen) für die Tauchgenehmigung wirklich strenge und genau festgelegte Gewichts- und Größenlimits erfüllen müssen, damit der Anzug im Wasser sicher abdichtet.

💡 Tipp: Tickets und organisierte Ausflüge (am Golden Circle und in der Umgebung) kaufst du am besten vorab online auf GetYourGuide – in der Saison füllen sie sich schnell.

Geysir und Gullfoss: Geothermales Theater und ohrenbetäubendes Tosen

Vom erkundeten Nationalpark Þingvellir geht es auf einer bequemen, leeren Straße rund sechzig Kilometer weiter nach Osten, direkt ins großartige Geothermalgebiet Haukadalur, das buchstäblich unaufhörlich unter den Füßen blubbert und zischt.

Hier siehst du aus nächster Nähe mit eigenen Augen, welch enorme, wilde Kraft dieses ruhelose Land knapp unter seiner dünnen Oberfläche verbirgt. Und gleich darauf, nur ein paar Kilometer weiter flussabwärts, betäubt dich einer der imposantesten und mächtigsten Wasserfälle ganz Europas.

Diese beiden grandiosen Stopps liegen wirklich nah beieinander, sodass die Fahrt nur einen kurzen Moment dauert und du dich völlig stressfrei auf die unfassbare, ungezähmte Naturschönheit ringsum konzentrieren kannst.

3. Geothermalgebiet Haukadalur und der zuverlässige Strokkur

Schon aus recht großer Entfernung siehst du bei der Anfahrt sicher die mächtigen Säulen aus heißem weißen Dampf zum Himmel aufsteigen, und gleich nach dem Aussteigen riechst du den typischen Schwefelgeruch, der stark an faule Eier erinnert und zur rohen isländischen Natur einfach untrennbar und auf seine Weise romantisch dazugehört.

Dieses riesige, blubbernde und bunte Gebiet ist die ursprüngliche Heimat des majestätischen Großen Geysir, der in seinen besten Jahren kochendes Wasser in enorme Höhen schleuderte und schließlich allen sprudelnden Geysiren weltweit stolz seinen Namen gab.

Heute ruht dieser legendäre alte Herr allerdings die meiste Zeit gemütlich und erwacht nur sehr selten und unerwartet nach wirklich großen lokalen Erdbeben aus seinem Tiefschlaf. Der größte und meistfotografierte Star des gesamten umzäunten Areals ist deshalb sein deutlich kleinerer, dafür aber umso zuverlässigerer und energischerer Bruder namens Strokkur.

Strokkur lässt dich auf seine Vorstellung wirklich nicht lange und ungeduldig warten: Etwa alle fünf bis zehn Minuten bildet er im stillen Krater eine riesige, leuchtend türkisfarbene Blase, die kurz darauf mit gewaltigem Getöse explodiert und das kochende Wasser ganze fünfzehn bis dreißig Meter hoch in die Luft schleudert – zum Staunen aller Zuschauer.

Stell dich beim Zuschauen aber clever und rechtzeitig mit dem Wind auf, sonst erwartet dich nach kurzer Zeit eine sehr ungewollte und ziemlich unangenehme heiße Dusche. Und bitte respektiere unter allen Umständen die gespannten Schutzseile, die alle angelegten Wege säumen.

Das Wasser in den unscheinbaren angrenzenden Tümpeln erreicht nämlich häufig Temperaturen über 80 °C, und die müden Rettungskräfte vor Ort versorgen hier angeblich jedes Jahr unnötig verbrühte und sehr neugierige Touristen, die naiverweise dachten, das sei doch ein guter Ort, um die Wassertemperatur kurz mit dem Finger zu testen.

Das Parken am nahe gelegenen modernen Besucherzentrum sowie der Zugang zur Aussichtsplattform an den Quellen sind hier zum Glück ausnahmslos kostenlos – pass nur gut auf dein Portemonnaie in einem der größten und mit Abstand teuersten Souvenirläden der Insel auf, durch den du auf dem Weg zu den warmen Toiletten zwangsläufig hindurch musst.

4. Gullfoss – der Goldene Wasserfall

Nur zehn Minuten flotter Autofahrt von den blubbernden Geysiren entfernt wartet brav das eigentliche und absolut grandiose Finale des klassischen Golden Circle auf dich – und zugleich mein riesiger, lebenslanger persönlicher Favorit.

Der unglaublich mächtige und ohrenbetäubende Doppelwasserfall Gullfoss, den die Einheimischen liebevoll Goldener Wasserfall nennen, stürzt in zwei großartigen, steilen Kaskaden direkt in die zweiunddreißig Meter tiefe und unglaublich enge Felsschlucht des reißenden Flusses Hvítá.

Der Anblick dieser riesigen, unaufhaltsamen Masse an Gletscherwasser aus nächster Nähe, deren monströser Durchfluss im Sommer unfassbare und schwindelerregende 140 Kubikmeter pro Sekunde erreicht, raubt jedem Neuankömmling buchstäblich den Atem.

Die Luft im gesamten Tal ist wegen des gewaltigen Wasseraufpralls ständig dicht von erfrischender Gischt erfüllt, weshalb dir eine gute wasserdichte Jacke auch dann unglaublich nützlich sein wird, wenn gerade die Sonne wunderbar scheint (dank der du hier übrigens durch die dichten Wassertropfen fast immer einen wunderschönen, kräftigen Regenbogen siehst).

Wenn du heute fassungslos hier stehst und spürst, wie unter deinen müden Füßen der durchnässte Boden buchstäblich vibriert, fällt es schwer zu glauben, dass reiche ausländische Investoren Anfang des 20. Jahrhunderts diesen einzigartigen Naturwasserfall unwiederbringlich zerstören und hier ein riesiges, hässliches kommerzielles Wasserkraftwerk bauen wollten.

Gerettet hat ihn damals die unglaublich mutige Bauerntochter Sigríður Tómasdóttir ganz allein, die tapfer und lautstark androhte, sich selbst ohne Zögern in das tosende, kalte Wasser zu stürzen. Mit der fachkundigen Hilfe des engagierten Anwalts Sveinn Björnsson – aus dem nebenbei bemerkt der allererste Präsident des unabhängigen Islands wurde – gewann sie den jahrelangen, äußerst komplizierten Rechtsstreit schließlich wie durch ein Wunder.

Zu dem überwältigenden Wasserfall führen heute zwei bequeme und sichere angelegte Wege von zwei kostenlosen, geräumigen Parkplätzen. Der eine, bequemere führt dich zur atemberaubenden oberen Panoramaaussicht beim Restaurant, der andere, etwas abenteuerlichere verläuft über nasse Stufen direkt an die Kante des tosenden Wassers – wo du allerdings garantiert ein bisschen nasser wirst.

Bonus-Stopps: Was du zusätzlich sehen kannst, wenn du Zeit hast

Wenn du wirklich vernünftig und clever schon früh morgens zu deiner Traumreise aufgebrochen bist oder für diesen tollen Ausflug gleich einen ganzen langen Sommertag mit reichlich Tageslicht eingeplant hast, wäre es ein riesiger Jammer, dich hier nur auf die große, berühmte Dreiergruppe der Sehenswürdigkeiten zu beschränken.

Auf dem Rückweg in die quirlige Hauptstadt kannst du nämlich ziemlich leicht noch ein paar weitere fantastische Orte in deinen vollgepackten Reiseplan einbauen, an denen die allgegenwärtigen Massen längst nicht so dicht sind und du das fesselnde, raue Island in viel größerer und angenehmerer Ruhe genießen kannst.

5. Krater Kerið mit türkisfarbenem See

Direkt an der vielbefahrenen Hauptstraße Nummer 35 stößt du auf den absolut überwältigenden und fast drei Millionen Jahre alten Vulkankrater Kerið, der zwar leider – anders als viele andere Naturwunder – nicht ganz kostenlos ist, dessen Eintritt aber zum Glück nur bei symbolischen 700 ISK (rund 5 €) liegt, die du ohne mit der Wimper zu zucken in einer kleinen Holzhütte am Eingang zahlst.

Der Krater ist auf den ersten Blick absolut faszinierend und besonders dadurch, dass seine außergewöhnlich sattroten, scharfen Vulkanwände unglaublich stark mit der tiefen, völlig undurchsichtigen und aquamarinblauen Farbe des stillen Sees kontrastieren, der friedlich und reglos auf seinem Grund liegt.

Wir haben hier mit unverhohlener Begeisterung gleich am zweiten anstrengenden Tag unseres gemeinsamen Ausflugs angehalten, und der ganze gemütliche Spaziergang oben entlang des Kraterrandes hat uns etwa zwanzig Minuten voller großartiger Ausblicke gekostet.

Wer aber deutlich mehr Entdeckerlust hat und ein bisschen Anstrengung auf dem Rückweg nicht scheut, kann bedenkenlos die gut gepflegten Holztreppen hinabsteigen und ganz nach unten bis direkt an die ruhige Oberfläche des farbigen Wassers gelangen.

Eine ungemein interessante und unerwartete Besonderheit dieses mystischen Ortes ist die Tatsache, dass dank der perfekten Form und völligen Abgeschlossenheit des gesamten Raums hier drinnen eine so fantastische, starke Akustik herrscht, dass am kleinen See gelegentlich seltene Kammerkonzerte stattfinden – und in der Vergangenheit sang hier zur riesigen Freude der Fans sogar die berühmte Björk von einem kleinen Floß aus, das mitten auf dem eisigen Wasser trieb.

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Lukáš und Lucie empfehlen
Wo man am Golden Circle in Island übernachten kann
6 Unterkünfte — Hotels, Wellnesshotels und weitere Übernachtungsmöglichkeiten

6. Baden in der Secret Lagoon oder in Hrunalaug

Sich nach einem ganztägigen, anstrengenden Marsch im kalten, nicht enden wollenden Wind die durchgefrorenen Knochen ordentlich aufzuwärmen, ist auf Island ein absolutes Muss am Abend. Wir empfehlen dir herzlich und ehrlich, statt der unfassbar überteuerten und meist hoffnungslos überfüllten Blue Lagoon lieber ins unscheinbare Dörfchen Flúðir zu fahren.

Hier verbirgt sich nämlich ganz clever die fantastische Secret Lagoon, auch Gamla Laugin genannt, das absolut älteste Schwimmbecken der ganzen Insel, schon 1891 aus Steinen erbaut, in dem das klare Wasser ganzjährig ungemein angenehme und entspannende 38 bis 40 °C hat.

Rund um das große Becken blubbern zudem munter und lautstark weitere kleine heiße Quellen und sogar ein winziger aktiver Geysir, was es im Endeffekt zu einem viel authentischeren, ruhigeren und rustikaleren Erlebnis macht als jedes sterile, luxuriöse moderne Bad an der Küste. Der Eintritt kostet für isländische Verhältnisse angenehme 3.000 bis 4.500 ISK (rund 20 bis 30 €), und für Kinder unter vierzehn Jahren ist es hier sogar komplett kostenlos – kauf die Tickets aber sicherheitshalber vorab auf der offiziellen Website der Secret Lagoon.

Ich bitte dich aber wirklich eindringlich, gewissenhaft und ohne Widerrede an jene heilige und absolut unverrückbare isländische Kulturregel zu denken, die sich Sundlaug-Etikette nennt und ausnahmslos für alle lokalen Dorfbäder und heißen Thermen gilt.

Bevor du überhaupt versuchst, dir in der Ecke unbemerkt deine Lieblingsbadehose anzuziehen, ist es deine absolut strikte und kompromisslose Pflicht, dich in den offenen Gemeinschaftswaschräumen komplett nackt zu duschen und mit ausreichend Flüssigseife deinen ganzen Körper von Kopf bis Fuß gründlich zu waschen – wozu dich übrigens auf Schritt und Tritt recht witzige und sehr anschauliche Zeichnungen anleiten, die an fast allen Wänden der feuchten Umkleiden hängen.

Die traditionellen isländischen Bäder verwenden nämlich im Interesse von Gesundheit und Natur ein absolutes Minimum an Chlor und Chemie, sodass die Sauberkeit des Wassers hier voll und ganz von der Sauberkeit der Besucher selbst abhängt. Versuchst du also, dich verschämt und heimlich in Badekleidung zu duschen, jagen dich die stets wachsamen und resoluten Bademeister ohne jede Gnade lautstark hinaus – und du blamierst dich gehörig.

7. Brúarfoss – der blaueste Wasserfall

Wenn du das satte Türkis wirklich liebst und es dir nichts ausmacht, ein bisschen extra Weg und Zeit zu opfern, notiere dir unbedingt den Stopp am faszinierenden Wasserfall Brúarfoss in deiner Offline-Karte, dem völlig zu Recht und ohne Übertreibung der Spitzname blauester Wasserfall ganz Islands verliehen wird.

Das Wasser strömt hier unglaublich wild und lautstark durch eine dunkle, sehr enge Vulkanspalte, und seine ungewöhnliche Farbe ist tatsächlich so unglaublich leuchtend und satt, dass du nach einer Weile des Betrachtens vielleicht sogar ein wenig zweifelst, ob nicht jemand der Einheimischen heimlich nachts irgendein sehr starkes, giftiges Farbmittel hineingekippt hat.

Früher kam man zu ihm ausschließlich über eine recht langwierige, etwa dreieinhalb Kilometer lange Strecke durch unangenehmes und oft matschiges Gelände, aber heute gibt es zum Glück und zur großen Freude aller Faulpelze einen brandneuen, viel näher gelegenen gepflegten Parkplatz, an dem du nach dem Parken zwar eine kleine Gebühr von rund 750 ISK (rund 5 €) zahlst, dir dafür aber eine Menge Zeit und viele müde, nasse Schritte sparst.

8. Wasserfall Faxi und Ruhe ohne Touristen

Nur etwa zwölf Kilometer gemütlicher, flacher Fahrt vom riesigen und manchmal unangenehm überfüllten Gullfoss entfernt verbirgt sich recht unscheinbar der wunderschöne und ziemlich breite Wasserfall Faxi, der zwar bei Weitem nicht solch überwältigende Ausmaße erreicht wie sein ungleich berühmterer Kollege, dir aber dafür mit Sicherheit etwas viel Wertvolleres und Schöneres bietet: herrliche Ruhe und große, stille Gelassenheit.

Der allergrößte Teil der großen, zeitlich gebundenen Reisebusse aus Reykjavík ignoriert diesen zauberhaften Ort aus Zeitgründen völlig und mit größter Freude. So kannst du hier in deinem eigenen Tempo und in Ruhe über die Pfade spazieren, dir wunderschöne und originelle Fotos aus nächster Nähe machen und das rauschende, herabstürzende Wasser genießen, ohne dass dir ständig versehentlich jemand mit dem Ellbogen in die Seite stößt, während er das beste Selfie zu ergattern versucht.

Ein kurzer Stopp am Wasser kostet dich hier kaum mehr als gemütliche zehn bis fünfzehn Minuten reine Zeit, und als weiterer riesiger Bonus zahlst du hier weder Eintritt noch nervige Parkgebühren, was inmitten des sehr teuren Islands immer ungemein erfreut.

9. Der heiße Fluss Reykjadalur

Wenn dir am Ende eines langen, vollen Tages noch genug Energie in den Beinen bleibt und du wirklich keine Lust mehr hast, hohe Summen für den Eintritt in künstlich abgeschlossene, volle kommerzielle Thermen mit Fliesen zu zahlen, kannst du bedenkenlos einen fantastischen Abstecher zum Städtchen Hveragerði machen, von wo aus ein wunderschöner und stellenweise steiler Wanderweg direkt zum wilden heißen Fluss namens Reykjadalur führt.

Die Wanderung, die stetig über malerische und manchmal windige Hügel ansteigt, kostet dich zwar zuverlässig etwa anderthalb Stunden zügigen Gehens in eine Richtung, aber an ihrem Ende erwartet dich garantiert ein echtes Naturmärchen in Form eines wilden, schönen Flusses, der am Grund unaufhörlich und kräftig von der nahen Geothermalaktivität erwärmt wird und in den du dich jederzeit und völlig kostenlos und bedenkenlos eintauchen kannst.

Lukáš und ich lieben und vergöttern dieses unvergleichliche Gefühl absoluter Freiheit, wenn man erschöpft im heißen, fließenden Wasser mitten in den endlosen, sattgrünen Hügeln liegt und direkt über dem Kopf unaufhörlich graue Inselwolken vorbeiziehen. Du musst dich nur tapfer darauf einstellen, dass das unvermeidliche Umziehen in die Badekleidung hier direkt draußen im unfassbar eisigen Wind stattfindet und du dich nur hinter wirklich sehr wackligen, zugigen Holzwänden verstecken kannst.

Wo du essen kannst: Ein Paradies für Vegetarier und Eisliebhaber

Als Lukáš und ich zum allerersten Mal auf dem teuren Island waren, reisten wir in einem wirklich knappen Studentenbudget-Modus und brachten als überzeugte Vegetarier einen Großteil der haltbaren Lebensmittel lieber von zu Hause mit oder kochten uns nach langen Abenden selbst günstig aus unseren bescheidenen Einkäufen, die wir gleich nach der Landung gemacht hatten.

Heute bietet die großartige und stetig wachsende Gastro-Szene entlang des weitläufigen Golden Circle jedoch gleich ein paar kulinarische Perlen, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest und die garantiert sowohl begeisterte Gemüseliebhaber sättigen als auch jene, die vergeblich nach klassischen Fleischgerichten zu einem halbwegs vernünftigen und akzeptablen Preis suchen.

10. Tomatenfarm Friðheimar

Dieser unglaublich duftende und warme zauberhafte Ort ist schlichtweg ein absoluter und echter Gourmet-Traum für wohl jeden begeisterten Vegetarier, der durch die Welt reist.

Die großartige Familienfarm Friðheimar züchtet nämlich mit riesiger Liebe und Sorgfalt wunderschön saftige rote Tomaten in riesigen, herrlich durchfluteten Gewächshäusern, die im rauen Klima das ganze Jahr über völlig ökologisch und sauber mit der allgegenwärtigen lokalen Geothermalenergie beheizt werden. Mitten in dieses unglaubliche grüne Paradies haben die Besitzer gleich clever ein überaus beliebtes und berühmtes Restaurant eingerichtet.

Ihr allergrößter Stolz und ihre bekannteste Insel-Spezialität ist die absolut fantastische, dicke hausgemachte Tomatensuppe, die du dir nach dem Bezahlen ganz nach Belieben unbegrenzt aus dem ständig blubbernden heißen Buffet in Schüsseln schöpfst – zusammen mit unglaublich frisch gebackenem, knusprigem duftendem Brot, ehrlicher hausgemachter Butter und herrlich erfrischender, milder Gurken-Salsa.

Wir beide können an diesem Ort einfach nicht anders und schlemmen mit riesigem Appetit so viel von dem Guten, dass wir uns danach kaum noch zum Auto rollen können – das ganze einzigartige Schlemmen findet nämlich direkt zwischen Hunderten ausgewachsenen Tomatenstauden statt, um den Kopf fliegt dir ab und zu fröhlich und lautstark eine importierte fleißige Hummel, und die warme, familiäre Atmosphäre ist schlichtweg unbeschreiblich.

Auf der abwechslungsreichen Speisekarte gibt es für Interessierte natürlich auch jede Menge vollständig vegane und hervorragende vegetarische Varianten, sehr feine, großartige gefüllte Ravioli und für Mutige sogar recht ungewöhnliche Desserts aus sattgrünen Tomaten, die im Mund überraschend toll und frisch schmecken.

Pass nur wirklich gut darauf auf, dass die Farm in der Regel nur sehr kurz und ausschließlich mittags von halb zwölf bis etwa sechzehn Uhr geöffnet hat, und ohne eine rechtzeitige und bestätigte Reservierung per offizieller E-Mail hast du in der Sommersaison nicht die geringste Chance, dich hier an einen Tisch zu setzen, denn die Gewächshäuser platzen unter dem Ansturm begeisterter Touristen aus aller Welt aus allen Nähten.

11. Zum Abschluss hausgemachtes Eis auf der Farm Efstidalur

Nur ein kleines Stück von den mächtig blubbernden Geysiren entfernt liegt an einem ruhigen Abzweig die unglaublich charmante und ehrliche Familien-Milchfarm namens Efstidalur, zu der du im Grunde unbedingt wenigstens kurz fahren musst, wenn dich unterwegs unwiderstehliche Lust auf etwas wirklich Gutes und Süßes überkommt.

Die Besitzer haben dort zur Freude der Besucher ein wunderschönes, gemütliches Café, clever verbunden mit einem riesigen durchsichtigen Glasfenster im Boden, durch das du völlig ungestört und im Trockenen beim Kaffeetrinken hinunter in den perfekt sauberen Kuhstall schauen und amüsiert den zufriedenen Kühen zusehen kannst, wie sie dort frisches Heu wiederkäuen.

Sie machen dort für alle ein absolut grandioses und hundertprozentig ehrliches hausgemachtes Eis, ausschließlich aus eigener frischer Milch hergestellt. Und glaub mir: Wenn du zufällig mit müden, quengeligen Kindern nach Island reist, wird dies nach all den langweiligen geologischen Phänomenen und tosenden kalten Wasserfällen eindeutig ihr absoluter Lieblingsstopp des ganzen langen Tages sein, auf den sie sich freuen.

12. Günstig einkaufen im Bónus und der klassische Hotdog

Für alle Reisenden, die beim Essen während ihres Ausflugs wenigstens ein bisschen sparen wollen, ist der riesige und sehr beliebte isländische Supermarkt Bónus absolute Pflicht. In den Städten erkennst du ihn garantiert schon von Weitem an dem riesigen leuchtend gelben Logo mit dem skurrilen rosa Schwein, und dort bekommst du die mit Abstand günstigsten Lebensmittelvorräte der ganzen Insel, bevor du überhaupt zum ersten Mal das Auto startest und aus Reykjavík losfährst.

Gewöhnliche durchschnittliche Hauptmahlzeiten in den schönen klassischen Restaurants entlang der Sehenswürdigkeiten starten nämlich problemlos bei unangenehmen Beträgen von 2.500 bis 4.000 ISK (rund 17 bis 27 €), sodass dir eigene belegte Brote oder Snacks hier über den ganzen Ausflug wirklich ordentlich Geld im engen Reisebudget sparen.

Denk außerdem konsequent daran, dass es auf Island aus Sicht der Natur und des Geldbeutels eine absolute Sünde ist, überteuertes abgefülltes Wasser in Plastik zu kaufen, denn das ganz gewöhnliche, klare Leitungswasser ist hier perfekt sauber, reines Gletscherwasser und schmeckt hundertmal besser als alles Abgestandene, das du in den Regalen der Tankstellenshops findest.

Für Fleischliebhaber bietet sich dann natürlich ein absolut klassisches, sehr günstiges und überaus beliebtes isländisches Gastro-Erlebnis mit langer Tradition an: der einfache, schnelle Hotdog, lokal und stolz Pylsa genannt, der hier aber überraschend aus einer interessanten Mischung aus ehrlichem Lamm-, Schweine- und Rindfleischresten gemacht wird.

Du bekommst ihn zuverlässig praktisch an jeder größeren, belebten Tankstelle der bekannten lokalen Kette N1 entlang deiner Route für sympathische und akzeptable rund 820 ISK (rund 5,50 €). Alle einheimischen Feinschmecker und sogar ausländische Guides sind sich einig, dass es am besten und sichersten ist, ihn beim überraschten Personal „mit allem“ zu bestellen (auf Isländisch korrekt „eina með öllu“), was bedeutet, dass man ihn dir am Tresen großzügig mit gebratenen und knusprigen rohen Zwiebeln bestreut und reichlich mit dickem Ketchup, scharfer Remoulade und traditionellem süßem isländischem Senf übergießt.

13. Warme Suppe im Warmen am Wasserfall Gullfoss

Wenn du draußen am Geländer beim wilden Fotografieren der riesigen, eisigen Masse herabstürzenden Wassers im Nebel bis auf die Knochen durchfrierst, gibt es direkt im großen, modernen Besucherzentrum am Wasserfall Gullfoss ein riesiges und auf den ersten Blick sehr angenehmes beheiztes Selbstbedienungscafé mit schöner Panoramaaussicht.

In der Küche spezialisiert man sich hier zwar vor allem auf die sehr traditionelle, berühmte und ordentlich dicke isländische Fleischsuppe mit Gemüse, auf die hier Scharen begeisterter Touristen direkt aus der Kälte zusammenströmen, aber wir als überzeugte Vegetarier haben uns hier in der Ecke mit riesiger Freude und Dankbarkeit wenigstens frisches, weiches Brot, einen riesigen Becher heißen Tee und absolut hervorragendes süßes Gebäck gegönnt, das uns sofort und zuverlässig die fehlende und so dringend benötigte Energie für weitere Stunden anstrengendes Herumlaufen draußen im Wind lieferte.

Wohin als Nächstes auf Island

Der Golden Circle ist ein wunderschöner Einstieg, bei dem du perfekt lernst, wie Reisen auf Island funktioniert. Wenn du ihn hinter dir hast, empfehle ich, weiter in den Süden zu fahren oder die Hauptstadt zu erkunden. Hier sind weitere unserer Artikel, die dir nützlich sein werden:

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Golden Circle auf Island?

Der Golden Circle (auf Deutsch häufig und üblicherweise als Goldener Kreis bezeichnet) ist eine etwa 250 bis 300 Kilometer lange und äußerst beliebte Touristenroute unweit von Reykjavík, die in einem großen und übersichtlichen Paket drei der bekanntesten Sehenswürdigkeiten vereint: den wunderschönen und historischen Nationalpark Þingvellir, das riesige und brodelnde geothermisch aktive Gebiet Geysir und den ohrenbetäubenden und gewaltigen Wasserfall Gullfoss.

Wie lange dauert es, den Goldenen Kreis zu fahren?

Die reine Fahrt mit dem Auto von Reykjavík und sicher zurück dauert auf glattem Asphalt etwa 3,5 bis 4 Stunden ohne Stopps. Für die drei wichtigsten und bekanntesten Haltepunkte mit Spaziergängen solltet ihr zuverlässig weitere 5 bis 6 Stunden einplanen, und wenn ihr unterwegs gerne noch einige zauberhafte Bonus-Orte wie den Vulkankrater Kerið oder die heiße und entspannende Secret Lagoon hinzufügt, nimmt dieser unglaublich reichhaltige Ausflug schöne und erschöpfende 8 bis 10 Stunden in Anspruch, was ihn zu einem Programm für einen ganzen Tag macht.

Was ist die beste Reihenfolge der Stopps?

Die üblichste und klassische Reihenfolge auf der Karte, die gedankenlos wohl alle großen Touristenbusse fahren, ist morgens in Þingvellir zu beginnen, zu den Quellen von Geysir weiterzufahren und feierlich am Wasserfall Gullfoss zu enden. Unser großartiger und wiederholt bewährter Tipp ist jedoch, sehr früh am Morgen aufzustehen und den gesamten Kreis genau andersherum zu fahren, sodass ihr hinten beim weiter entfernten Gullfoss beginnt, wo ihr die Sehenswürdigkeit bei Sonnenaufgang absolut und ganz für euch allein habt, und so den gewaltigen kompromisslosen Menschenmassen aus der Hauptstadt schön und elegant während des Tages ausweicht.

Schaffen wir das im Winter und ohne Allradantrieb?

Ja und absolut ohne größere Bedenken, da alle Haupt- und Nebenstraßen, die die Sehenswürdigkeiten auf dem Kreis verbinden, sorgfältig asphaltiert und sehr gut von der Straßenmeisterei instand gehalten sind. Ein großer und schwerer Allradantrieb ist hier wirklich keine absolute und blanke Notwendigkeit, obwohl er sich im tiefen Winter aus logischen Gründen sehr bewährt. Vergesst vielmehr nicht, das aktuelle Wetter auf en.vedur.is zu überprüfen und daran zu denken, dass im kalten Dezember und Januar die Tage wirklich unglaublich kurz sind mit nur wenigen Stunden kostbarem Tageslicht und sich auf windigen Straßen oft und sehr schnell unbemerkt durchsichtiges und äußerst gefährliches Glatteis bildet.

Wie viel kosten die grundlegenden Eintritte und das Parken?

Zum gewaltigen Wasserfall Gullfoss und in das weitläufige aktive Gebiet des berühmten Geysir ist der Fußgängerzugang inklusive Parken zur großen Freude der Geldbeutel immer noch völlig kostenlos. Im majestätischen Nationalpark Þingvellir wird dann aber obligatorisch eine Tagesparkgebühr für das gesamte riesige Gebiet in Höhe von 1.000 ISK (ca. 7 EUR) erhoben, der Eintritt zum Rand des farbenfrohen Vulkankraters Kerið kostet etwa symbolische 700 ISK (ca. 5 EUR) pro Person, ein kurzer Spaziergang und Stopp am Wasserfall Brúarfoss kostet euch auf dem Parkplatz etwa 750 ISK (ca. 5 EUR) und die heißen Thermalbäder Secret Lagoon kosten je nach Alter und Saison etwa 3.000 bis 4.500 ISK (ca. 20 bis 30 EUR) pro badendem Besucher.

Lässt sich der Kreis an einem Tag mit einem Besuch der Blue Lagoon verbinden?

Theoretisch ist das natürlich aus zeitlicher und logistischer Sicht machbar und möglich, besonders in den hellen Sommermonaten, wenn auf Island das klare Tageslicht schön bis spät in die Nacht zu sehen ist, und ein solcher sehr rasanter und beschleunigter kombinierter Ausflug mit dem Auto dauert etwa 11 anstrengende Stunden. Wir empfehlen aber allen begeisterten Reisenden mit Freude eher langfristig, sich lieber in absoluter Ruhe in der viel kleineren und deutlich ruhigeren ländlichen Secret Lagoon zu entspannen, die von allem am besten absolut perfekt und bequem direkt an der ausgewiesenen Route eures Ausflugskreises liegt und zudem diametral günstiger und freier ist.

Worauf sollte man auf der Insel am meisten achten und wie ist die Unterkunftssituation?

Der Haupt- und häufigste tückische Feind auf Reisen ist auf ganz Island nicht so sehr Kälte und Frost, sondern vielmehr absolut unberechenbarer und stellenweise wirklich extrem starker Böenwind. Haltet deshalb bitte beim Öffnen der Autotür nach dem Anhalten immer lieber krampfhaft eure Tür fest und mit beiden Händen, damit euch der Wind sie nicht mit gewaltiger Kraft unglücklich direkt aus den Angeln reißt, womit Autovermietungen leider absolut jeden Tag kämpfen und keine normalen Versicherungen diesen ziemlich häufigen, aber sehr kostspieligen und äußerst gefährlichen Schaden meist auch nur ansatzweise abdecken. Das Wasser hat dann beim Eintauchen in die beliebte Spalte Silfra eisige 2 bis 4 °C, aber mit qualitativ hochwertiger Kleidung ist dieses bewundernswerte Vergnügen nach vorheriger Buchung sehr beliebt, absolut sicher und schaffen problemlos auch begeisterte und schwimmende Kinder ab zwölf Jahren.

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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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