
Am Flughafen: „Und ist Uganda gut für Touristen?“
Die fehlende Planung war keine freie Entscheidung. Über Uganda sind aktuelle Informationen kaum zu finden – es ist nun mal keine der beliebtesten Reisedestinationen der Welt.


In Ägypten wären wir fast im Gefängnis gelandet
Der Adrenalinstoß kam, noch bevor wir ugandischen Boden betreten hatten. Beim Zwischenstopp in Kairo sahen wir kurz vor der Sicherheitskontrolle ein zwei Meter großes Schild: Drohnen verboten. Keine Zeit zum Überlegen oder Diskutieren – wir sahen das Schild ungefähr eine Minute, bevor der Rucksack durch den Scanner fuhr. Ich stand auf der anderen Seite des Bandes und beobachtete, wie das Handgepäck mit der Drohne immer wieder in den Tunnel zurückgeschoben wurde, während ich innerlich alle Gebete herunterleierte, die mir meine Großmutter beigebracht hatte.
Der größte Feind Afrikas: Die Drohne
Die Erleichterung verflog, als wir erfuhren, dass es noch eine zweite Kontrolle vor dem Einsteigen geben würde. Auf der Website von EgyptAir hatten wir kein Drohnenverbot gefunden. „Ach so, in Ägypten ist es sogar verboten, eine Drohne zu besitzen. Hier steht, dass sie uns direkt einlochen können.“ „Dann geben wir ihnen die Drohne. Und das wird schon gut gehen – hier schreibt jemand, dass man ihm nur die Propeller abgenommen hat.“ So redeten wir uns zu, traten fast schon schicksalsergeben vor die zweite Kontrolle. Wieder kam sie durch.
Dass weiße Touristen hier eine Seltenheit sind, merkt man sofort.[/caption>
Am Ende haben sie uns die Drohne trotzdem abgenommen – gleich am Flughafen in Entebbe. Im Internet findet man auch zu Uganda keine verlässlichen Infos zu Drohnenvorschriften. Die ugandischen Beamten entschuldigten sich tausendmal. „Wir haben hier einen speziellen Raum für Drohnen, ihr könnt sie danach einfach abholen.“ Später erfuhren wir: Wer 200 Dollar zahlt, darf mit der Drohne gehen.
„Wir haben etwa 54 Stämme, und jeder hat seine eigene Sprache. Deshalb ist es gut, dass Englisch die offizielle Sprache ist.“ Es ist vier Uhr morgens, und wir fahren durch staubige Straßen in einem mindestens zwanzig Jahre alten Auto. Unser Fahrer vom Guest House Via Via erzählt uns begeistert von der ugandischen Kultur, von den Bräuchen der einzelnen Stämme.
Ein Moskitonetz ist kein Luxus. Uganda gehört zu den Ländern mit dem höchsten Malariarisiko.[/caption>
„Und dann gibt es noch Stämme, die Beschneidungen durchführen. Auch bei Frauen. Das ist wirklich schrecklich.“ Er kommentiert es kurz, bleibt aber nicht lange dabei – die Straße wird immer schlechter, und wir hoffen inständig, bald anzukommen. Schließlich hält er vor einer Betonmauer mit Stacheldraht. Wir sehen das Schild unserer Unterkunft, ein riesiges Tor öffnet sich langsam.
„Und wofür ist der Stacheldraht – gegen Tiere?“ versucht es Lukas, aber wir kennen die Antwort schon.
„Nein. Gegen Menschen. Auch dieses Viertel hat seine Probleme.“
Das Guest House Via Via – eine sichere Zuflucht. Ein Paradies hinter dem Stacheldrahtzaun.[/caption>
Für die Ugander bin ich ein wandelnder Dollar
Wir erwachten in der einstigen Hauptstadt Entebbe. Ich trinke Kaffee im Guest House und esse Bananenpfannkuchen mit einem Berg exotischer Früchte. Das fühlt sich wie das Paradies an. Alle sind so freundlich zu uns – ich bezeichne die Ugander innerlich als die afrikanischen Kanadier. Bis mir klar wird, dass wir für sie nur wandelnde Dollar sind.
Botanischer Garten in Entebbe.[/caption>
Sie kommen aus einer schmutzigen Hütte, aber tragen elegante Kleider
Das Auto bekommen wir erst am nächsten Tag, also erkunden wir Entebbe zu Fuß. Kinder winken uns zu, Erwachsene starren oder winken ebenfalls – als hätten sie noch nie eine helle Hautfarbe gesehen. Auf dem Kopf tragen die Frauen hier buchstäblich alles: Stroh, Benzinkanister, Holzbalken.
Auf dem Kopf lässt sich wirklich alles tragen.[/caption>
Auch Männer nutzen den Kopf als Transportmittel. Aber die Frauen faszinieren uns mehr. Egal, aus welcher Hütte sie kommen – sie sind immer tadellos gekleidet in bunte Kleider, mit perfekter Frisur. Vor einer strohgedeckten, schäbigen Hütte wirken diese Erscheinungen wie ein wandelndes Paradoxon.
Ugandische Frauen sind die elegantesten Frauen, die ich je getroffen habe.[/caption>
Ich führe euch freiwillig und kostenlos – aber jetzt bezahlt.
Im lokalen Botanischen Garten haben wir den Eintritt bezahlt, sogar extra für die Kamera – und schon stellten wir uns einen romantischen Spaziergang durch den Dschungel zwischen Affen vor. Kaum hatten wir das Geld abgegeben, stand neben uns ein Ugander, der uns in seinem afrikanischen Englisch erklärte, das vor uns ein Mangobaum stehe.
Affen in Uganda zu vermeiden ist schlicht unmöglich.[/caption>
„Ich bin hier freiwilliger Führer, bekomme kein Geld, weil ich studiere – ich möchte Ranger werden.“
Weder ich noch Lukas sind gut darin, Menschen abzuwimmeln. Also ließen wir ihn über Pflanzen referieren, und aus dem romantischen Spaziergang unter Affen wurde ein botanischer Vortrag.
„Und jetzt ist es Zeit, dass ihr mich bezahlt.“ Lukas schaute ihn an und gab ihm 10.000 ugandische Schilling (ca. 2,70 €).
„Das ist zu wenig. Normalerweise bekomme ich 10.000 pro Person.“
Wir lernen, Nein zu sagen
Mehr Geld wollen sie fast immer aus uns herausholen. Manchmal gehen sie es direkt an, manchmal begeben sie sich in emotional gefährliche Gewässer – so hörten wir uns täglich ein paar Minuten an, wie arm sie hier seien, oder unser Ranger-Guide telefonierte demonstrativ auf Englisch mit seiner Frau, dass sie kein Geld für Weihnachten hätten. Wir hätten es fast nicht gemerkt, wenn er nicht zehn Minuten vorher noch auf Swahili mit ihr telefoniert hätte. Warum plötzlich auf Englisch? Ein anderes Mal erfanden sie, dass für die Zufahrt zum Nationalpark Gebühren anfallen, oder sie versuchten uns einzureden, das Camping kostet 20 Dollar pro Person, obwohl auf ihrer Website 10 Dollar steht. Meistens haben wir das Extra-Geld trotzdem gegeben – aber langsam wurden die Mittel knapp. Uganda ist für Touristen paradoxerweise ziemlich teuer. Also lernen wir, Nein zu sagen. Die Ugander nehmen es sportlich. „10 Dollar pro Person ist auch okay.“
„Ich führe euch kostenlos“ – und dann bat er um Geld.[/caption>
Dass man sich in einem Entwicklungsland befindet, vergisst man nicht so schnell
Die Zeit vergeht hier etwas anders. Busse fahren ab, wenn sie voll sind – man kann also eine Stunde warten, aber auch einen ganzen Tag. Als wir die Rezeptionistin fragen, wie lange die Bar geöffnet hat, antwortet sie: „Bis später.“ Zunächst denken wir, das ist ein Witz – aber „bis später“ ist hier eine ganz normale Zeitangabe. Wie viele Stunden das sind, wissen wir nicht, aber Supermärkte haben auf ihren Schildern manchmal ebenfalls „geöffnet bis später“ stehen.
Das Frühstück im Via Via werden wir noch zwei Wochen vermissen. Die meisten Orte haben keine Kühlschränke, es ist keine Hochsaison – und was es gibt, liegt schon eine Weile da.[/caption>
Die Bar ist geöffnet bis später
Zahlen scheinen in Uganda ein echtes Problem zu sein. Eintrittspreise sind manchmal teils in ugandischen Schilling, teils in Dollar angegeben. Der Personeneintritt wird in Dollar bezahlt, die Autogebühr in Schilling. Will man das in eine Währung umrechnen, dauert das ewig. Von 20.000 Schilling 13.000 abzuziehen – das ist hier eine Aufgabe für den Taschenrechner. Nicht manchmal, sondern immer.
Aus irgendeinem Grund wollen sie hier auch keine US-Dollar, die vor 2011 gedruckt wurden. Die bekommen weniger Schilling dafür. Warum, das haben wir nie herausgefunden.
Das Auto haben wir mit komplettem Campingequipment gemietet.[/caption>
Am Morgen brachte uns ein Ugander das Auto. Ugander sind generell nicht die Besten in Sachen Organisation – aber dieser hier war wohl der chaotischste, dem wir je begegnet sind. Er musste mehrmals umkehren. Erst hatte er vergessen, uns das Telefon zu geben – das schickte er dann mit einem anderen Einheimischen nach. „Oh, ich sehe gerade, er hat vergessen, eine SIM-Karte zu kaufen. Besorgt euch eine.“
Entebbe erschien uns zunächst als ziemlich schmutzige Stadt. Nach 14 Tagen hielten wir es für ein Paradies der Sauberkeit.[/caption>
Doch damit war es nicht getan. Vier Stunden später jagten wir den vergesslichen Mann noch einmal durch die Straßen von Entebbe, versuchten sein afrikanisches Englisch richtig zu interpretieren und hofften, an diesem Tag endlich loszukommen. Er hatte vergessen, uns das Wichtigste zu übergeben: den Gorilla-Permit.
Übrigens: Wer sich in Uganda keine SIM-Karte kaufen möchte, kann auch mit einer internationalen eSIM reisen – zum Beispiel von Holafly oder Yesim.
Warum Ugander Angst vor dem Regen haben
Als wir Entebbe endlich verlassen, ist es Mittag. Um unser Ziel zu erreichen, müssen wir durch die Hauptstadt Kampala fahren. Wo die Stadt anfängt, ist kaum auszumachen – die Häuser weichen keinen Meter zurück, und der Verkehr wird immer dichter. Keine Schilder. Aus zwei Spuren werden durch ugandische Kreativität fünf, und neben uns hupen Taxis und Boda-Bodas (Motorradtaxis). Lukas hat die Hände schon ganz weiß vom Festhalten am Lenkrad. Afrikanische Straßen sind nichts wie die in Deutschland oder Europa – und hier fährt man auch noch links. Dann kommt der Regen.
So hatte ich mir Uganda vorgestellt – aber meine Vorstellungen waren, wie immer, viel zu begrenzt.[/caption>
Kurz freuen wir uns. Mit dem ersten Tropfen leeren sich die Straßen. Ugander tun bei Regen nämlich gar nichts außer flüchten – irgendwohin, wo es trocken ist. Das Leben bleibt stehen. Die Boda-Bodas verschwinden wie vom Erdboden, und wir können freie Fahrt genießen.
Kampala – wo Spurmarkierungen reine Dekoration sind.[/caption>
Dann verstehen wir, warum – und hören auf zu jubeln. Innerhalb von zehn Minuten steht die Straße unter Wasser, und wir glauben fast, eine Flut erlebt zu haben. Die Fahrbahn nimmt unter Wasser neue Formen an, und schließlich müssen auch wir anhalten. Den Regen in der denkbar schlechtesten Situation zu erwischen – das sollte uns auf dieser Reise noch öfter passieren. Aber auf die Regenzeit sind wir eigentlich dankbar: Ein Schauer pro vier Tage ist gut auszuhalten, und dafür belohnt uns die Natur mit satten Grüntönen – herrlicher Vegetation, die sich in der Hauptsaison schnell in gelbe Dürre verwandelt.
Das nächste Mal: Tiere und die Todesstraße zum Nationalpark…

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