Mitten in der eisigen Wildnis Alaskas zu stehen, wenn über dir zum ersten Mal das grüne Licht zu tanzen beginnt, ist wohl einer jener Momente, die man nie wieder vergisst. Ich erinnere mich an die absolute Stille, den knirschenden Schnee unter den Füßen und das Gefühl völliger Ehrfurcht, als der ganze Himmel plötzlich aufleuchtete. Polarlichter sind einfach ein Naturschauspiel, das dich packt und nicht mehr loslässt.
Wenn du von der Jagd nach der Aurora träumst, muss ich dich vorab ein wenig warnen, denn ehrlich gesagt geht es nicht nur darum, aus dem Hotelfenster zu schauen. Oft ist es eine Geduldsprobe, ein Frieren in Schneewehen und endloses Verfolgen der Wolkenvorhersage – aber glaub mir, die riesige Belohnung ist es absolut wert. Ich habe für dich eine ausführliche Liste der Orte zusammengestellt, an denen du die größte Chance hast, diese himmlische Pracht zu sehen.
Also los geht’s. Ich zeige dir zwölf Orte, an denen die Polarlicht-Jagd die größte Erfolgschance hat, erkläre, wie dieses kosmische Wunder eigentlich funktioniert, und gebe dir Tipps, wie du die Aurora am besten fotografierst, damit dir eine Erinnerung fürs Leben bleibt.
Kurze Antwort
Am sichersten siehst du Polarlichter von Ende September bis Mitte April in Gebieten, die direkt unter dem Polarlichtoval liegen, wie das norwegische Tromsø, das schwedische Abisko oder Fairbanks in Alaska. Entscheidend sind völlige Dunkelheit, die Zeit rund um die magnetische Mitternacht und vor allem ein klarer Himmel. Merk dir eine goldene Regel: Selbst die schwächste Aurora bei klarem Himmel ist besser als ein riesiger Sonnensturm, der hinter dichten Wolken verborgen bleibt.

Zusammenfassung
- Beste Zeit: Polarlichter kannst du etwa von Ende September bis Mitte April sehen, wobei ideale Bedingungen meist rund um die Frühlings- und Herbst-Tagundnachtgleiche herrschen.
- Goldene Regel der Jäger: Geringe Aktivität (KP 1) bei klarem Himmel schlägt immer einen massiven geomagnetischen Sturm (KP 8), wenn es gerade bewölkt ist.
- Klarster Himmel Europas: Das schwedische Abisko profitiert von einem einzigartigen Mikroklima namens „Blue Hole“, dank dem die Wolken selbst an Tagen verschwinden, an denen es überall sonst schneit.
- Beste Erreichbarkeit: Das norwegische Tromsø liegt direkt im Herzen des Polarlichtovals und hat hervorragende Direktflüge, auch wenn du hier häufiger den Wolken davonfahren musst.
- Außergewöhnliches Jahr 2026: Die Sonne hat ihr Maximum im aktuellen elfjährigen Zyklus erreicht, was bedeutet, dass die kommenden Monate und Jahre die besten Bedingungen seit über einem Jahrzehnt bieten.
- Fotografieren mit dem Handy: Moderne Smartphones fangen die Aurora problemlos ein, aber ein Stativ und die maximal mögliche Dauer des Nachtmodus sind absolute Pflicht.
- Tückischer Sommer: Obwohl die Aurora physikalisch auch im Juli am Himmel entsteht, siehst du sie wegen des Phänomens Polartag am hellen Himmel einfach nicht.
Die 12 besten Orte für Polarlichter weltweit
Ich habe sie ungefähr danach sortiert, wie sicher und gleichzeitig erreichbar die Polarlichter dort sind. Bei jedem Ort findest du, warum er sich lohnt, wann du dorthin fahren solltest und welchen KP-Index du in der Regel brauchst.
1. Tromsø (Norwegen)

Das norwegische Tromsø liegt rund 350 Kilometer nördlich des Polarkreises und befindet sich direkt im Herzen des Polarlichtovals, was es zur wohl beliebtesten Basis in Europa macht. Der große Vorteil dieser Lage: Für das wunderbare Schauspiel reicht hier schon ein Index von KP 1 oder 2. Die Stadt selbst ist allerdings recht hell beleuchtet, weshalb erfahrene Jäger empfehlen, mit dem Auto ein Stück weiter in die Dunkelheit zu fahren.
Reisende loben besonders die nahegelegene Insel Kvaløya und vor allem die Gegend um Sommarøy, wo du einen der dunkelsten Himmel weit und breit findest. Die Spiegelungen des grünen Lichts auf der Oberfläche der dunklen Fjorde sind hier wunderschön und verleihen den Fotos eine fantastische Tiefe. Wenn sich direkt über der Stadt eine undurchdringliche Wolkendecke befindet, lohnt es sich oft, nach Westen zu fahren, wo der Himmel überraschend schnell aufklart.
Die beste Reisezeit ist von Ende September bis Anfang April, wobei viele Fotografen Februar und März bevorzugen, wenn die Frühlings-Tagundnachtgleiche die Sonnenaktivität natürlich verstärkt. Nach Tromsø kommst du dank Direktflügen aus Oslo und weiteren europäischen Städten sehr leicht – von Deutschland aus erreichst du die Stadt bequem mit Umstieg in Oslo, was es zur am besten erreichbaren arktischen Destination für normale Reisende macht.
💡 Tipp: Sei wirklich flexibel und verlass dich nicht nur auf organisierte Touren. Ein Mietwagen gibt dir enorme Freiheit, dem schlechten Wetter genau dorthin zu entkommen, wo gerade ein klares Fenster gemeldet wird.
2. Lofoten (Norwegen)

Die Inselgruppe der Lofoten liegt genau unter dem Polarlichtoval und bietet wohl die dramatischsten Naturkulissen, die du dir für die Beobachtung wünschen kannst. Stell dir steile, verschneite Berge vor, die direkt ins Meer abfallen, und die ikonischen roten Fischerhütten, über denen sich der grüne Himmel wellt. Genau wie in Tromsø gilt auch hier: Für eine erfolgreiche Jagd reicht eine absolut minimale Aktivität um KP 1.
Es gibt allerdings einen recht großen Haken, nämlich das sehr unberechenbare norwegische Wetter. Die Lofoten gehören zu den wolkigsten Orten der Region, sodass die Wolken hier wirklich hartnäckig sein können und dir selbst die beste geomagnetische Vorhersage zunichtemachen. Ein typischer Trip bedeutet hier oft drei Nächte dichtes Schneetreiben und endloses Warten auf eine einzige klare Stunde, für die du nachts vom Strand Flakstad bis zum Leuchtturm Eggum fährst.
Die größte Erfolgschance hast du im März, wenn die Winterstürme langsam abklingen, aber die Saison dauert hier von Ende August bis April. Du kommst entweder per Inlandsflug zu den kleinen Flughäfen Svolvær oder Leknes oder über die malerische Route mit Auto und Fähre vom Festland, was an sich schon ein unvergessliches Erlebnis ist.
💡 Tipp: Wenn du primär wegen der Polarlichter herkommst, buche mindestens fünf Nächte, damit du genug Puffer für schlechtes Wetter hast. Mehr Inspiration findest du in unserem Artikel über Polarlichter auf den Lofoten und Tipps, was man auf den Lofoten sehen kann.
3. Island

Ganz Island liegt ideal unter dem Polarlichtoval, sodass du aus rein geografischer Sicht überall auf der Insel hervorragende Chancen hast. Anders als im beleuchteten Reykjavík, wo du für die Sichtbarkeit eine recht starke Aktivität um KP 3 bis 4 brauchst, reichen auf dem dunklen Land deutlich niedrigere Werte. Ein riesiger Vorteil Islands ist die Möglichkeit, die Aurora-Jagd mit einem klassischen Roadtrip entlang der berühmten Ring Road zu verbinden.
Gerade das Auto gibt dir die wichtigste Waffe des Aurora-Jägers, nämlich die Möglichkeit, den Wolken davonzufahren. Wenn es im Süden bewölkt ist, kannst du in den Norden oder Osten ausweichen. Ein sehr beliebter Ort bei Fotografen ist der Nationalpark Þingvellir, wo es kaum Lichtverschmutzung gibt und sich das grüne Schauspiel an windstillen Nächten perfekt auf der ruhigen Oberfläche des riesigen Sees Þingvallavatn spiegelt.
Die längsten und dunkelsten Nächte erlebst du hier von Oktober bis Februar, aber die Tagundnachtgleichen Ende September und im März sind statistisch etwas aktiver. Die Anreise ist außerdem sehr einfach: Zum Flughafen Keflavík fliegen viele Direktverbindungen aus ganz Europa, auch aus Deutschland, und die Autovermietungen funktionieren absolut reibungslos.
💡 Tipp: Verfolge die lokale Wolkenvorhersage auf dem Portal Vedur.is genau – für die Insel ist sie deutlich präziser als globale Apps. Vor der Reise solltest du dir unbedingt unseren Artikel mit Tipps zu Polarlichtern in Island und den kompletten Island-Reiseführer ansehen.
4. Fairbanks und Alaska (USA)

Lukáš und ich haben Zeit in Alaska verbracht, und ich muss sagen, dass die Himmelsbeobachtung gerade hier einen ganz unvergleichlichen Zauber hat. Fairbanks liegt im Landesinneren direkt unter dem Polarlichtoval und hat dank seiner Entfernung vom Ozean ein schön trockenes Kontinentalklima. Das bedeutet in der Praxis viel mehr klare Nächte als in den wolkigen Küstenregionen Europas, auch wenn das mit wirklich grimmiger Kälte erkauft wird.
Die örtliche Universität gibt an, dass die Aurora hier an über 200 Nächten im Jahr sichtbar ist, und wenn es klar und dunkel ist, klettern die Chancen unglaublich hoch. Aus eigener Erfahrung können wir die Gegend rund um Murphy Dome sehr empfehlen, wo wir in absoluter Stille standen und fasziniert nach oben blickten. Ein ganz anderes, aber absolut luxuriöses Erlebnis bieten die Chena Hot Springs, wo du bei minus zwanzig Grad im heißen Thermalwasser sitzen und die grünen Streifen direkt über deinem Kopf beobachten kannst 😅.
Die beste Zeit herrscht hier von Dezember bis März, auch wenn die offizielle Saison schon im August beginnt. Wenn du ein wirklich außergewöhnliches Erlebnis suchst, übernachte in den verglasten Iglus im Borealis Basecamp, wo du auf die Pracht schön warm vom Bett aus warten kannst.
💡 Tipp: Stell dich darauf ein, dass die Kälte hier wirklich extrem sein kann und die Akkus von Kamera und Handy schnell entlädt – verstau sie daher in den Innentaschen deiner Jacke nah am Körper. Mehr über unsere Erlebnisse liest du in den Texten über Polarlichter in Alaska und Tipps für Fairbanks.
5. Finnisch-Lappland und Glas-Iglus

Während Rovaniemi genau auf dem Polarkreis liegt, findest du die besten Beobachtungsbedingungen noch ein Stück weiter nördlich rund um Saariselkä oder Ivalo. Gerade Finnisch-Lappland ist weltweit für das Phänomen der Glas-Iglus berühmt geworden, die die luxuriöseste Art bieten, auf das himmlische Schauspiel zu warten. In der Hauptsaison kannst du die Aurora hier angeblich etwa jede zweite klare Nacht sehen, sofern nicht gerade Wolken die Pläne durchkreuzen.
Das ikonischste Resort ist definitiv Kakslauttanen, wo du eine Kombination aus traditioneller Blockhütte mit Kamin und Sauna mieten kannst, an die sich eine verglaste, beheizte Kuppel mit Bett anschließt. Es ist wunderschön, aber ich muss dich zu realistischen Erwartungen ermahnen. Ein Iglu ist eben teurer Erlebnis-Luxus, aber definitiv keine Garantie, dass du die Aurora siehst. Wenn es die ganze Nacht dicht schneit, schaust du nur auf Schneeflocken.
Die beste Reisezeit ist von Ende August bis April, idealerweise rund um die Herbst- oder Frühlings-Tagundnachtgleiche. Hierher fliegt man meist mit Umstieg in Helsinki direkt zu den kleineren Flughäfen in Rovaniemi oder Ivalo, wo du dir bequem ein Auto mietest.
💡 Tipp: Wenn du in ein teureres Iglu-Resort investierst, betrachte es vor allem als gesamtes Wintererlebnis mit Sauna und Entspannung – die Polarlichter sind dann nur das schönste Sahnehäubchen. Schau dir auch unsere Tipps für Polarlichter in Lappland und Rovaniemi an.
6. Abisko (Schweden)

Das kleine Städtchen Abisko in Schwedisch-Lappland besitzt einen der größten Naturtrümpfe in ganz Skandinavien. Die örtlichen Berge an der Grenze zu Norwegen erzeugen nämlich einen starken Regenschatten, der wie ein perfekter Schutzschild gegen die Bewölkung vom Ozean wirkt. Das Ergebnis ist ein einzigartiges Mikroklima namens „Blue Hole“, dank dem hier klarer Himmel herrscht, selbst wenn ringsum Schneestürme toben.
Dank diesem Blue Hole hat Abisko den statistisch klarsten Himmel aller nordischen Destinationen. Es heißt, dass du bei einem Aufenthalt von drei oder mehr Nächten eine riesige Erfolgschance hast. Eine große Attraktion ist die örtliche Aurora Sky Station, die auf 900 Metern Höhe auf dem Gipfel des Berges Nuolja sitzt. Du fährst mit einer rund zwanzigminütigen Sesselliftfahrt direkt durch die völlige Dunkelheit hinauf, was angeblich an sich schon ein fantastisches Erlebnis ist.
Die Hauptsaison läuft hier von Dezember bis März, wenn der Lift regelmäßig in Betrieb ist. Die Anreise führt meist über den Flughafen Kiruna, von wo es bis nach Abisko etwas über eine Stunde mit dem Auto oder dem Zug ist.
💡 Tipp: Die nächtliche Liftfahrt auf den Gipfel Nuolja ist zwar romantisch, aber es ist dort absolut extrem kalt mit Temperaturen meist um minus zwanzig Grad – die warmen Thermoanzüge, die hier ausgeliehen werden, solltest du auf keinen Fall ablehnen.
7. Yellowknife (Kanada)

Die Hauptstadt der kanadischen Nordwest-Territorien nennt sich stolz die Aurora-Hauptstadt Nordamerikas und hat dafür sehr gute Gründe. Yellowknife liegt direkt unter dem Polarlichtoval und profitiert von einer absolut flachen subarktischen Landschaft ohne hohe Berge, sodass du einen völlig freien Horizont hast. Die hiesige trockene Kontinentalluft sorgt außerdem dafür, dass sich bei grimmiger Kälte unter minus 30 Grad einfach keine Wolken bilden.
Dank diesem Klima gehören die hiesigen Erscheinungen zu den überhaupt klarsten und farbenfrohsten auf dem ganzen Kontinent. Die Betreiber des berühmten Aurora Village, wo du in traditionellen, beheizten Teepees auf einem zugefrorenen See auf die Aurora warten kannst, geben bei einem dreitägigen Aufenthalt eine bis zu 95-prozentige Erfolgschance an. Diese Statistik solltest du mit Vorsicht genießen, aber es gibt hier wirklich über zweihundert klare Nächte im Jahr.
Am besten reist du von Mitte November bis Anfang April hierher. Die Flugverbindung führt meist über das kanadische Calgary oder Edmonton direkt zum kleinen Flughafen in Yellowknife.
💡 Tipp: Lass dich nicht davon einlullen, dass du in einem beheizten Teepee sitzt. Sobald die Aurora beginnt, läufst du hinaus auf den zugefrorenen See in Temperaturen, die hier regelmäßig auf vierzig Grad unter null fallen – perfekte Ausrüstung ist also das A und O.
8. Grönland

Grönland ist eine Destination für echte Feinschmecker und Reisende, die mehr suchen als das traditionelle Nordeuropa. Die Gegend rund um das Städtchen Kangerlussuaq ist zum Beispiel dafür berühmt, dass es hier angeblich unglaubliche 300 klare Nächte pro Jahr gibt. Der riesige grönländische Eisschild erzeugt nämlich eine dauerhafte Hochdruckzone, die die Bewölkung zuverlässig wegdrückt.
Ein noch magischeres Erlebnis bietet das berühmte Ilulissat mit seinem UNESCO-Eisfjord. Stell dir die Pracht vor, wenn die riesigen schwimmenden Eisberge durch die Reflexion der Aurora grün und violett aufleuchten. Sogar in der Hauptstadt Nuuk, die kaum Lichtverschmutzung hat, kannst du die Aurora ganz normal direkt von der Straße aus beobachten, was weltweit ein absolutes Unikat ist.
Die ideale Reisezeit ist von November bis Mitte März. Die Flugverbindungen nach Grönland ändern sich allerdings ständig wegen des Baus neuer internationaler Flughäfen – prüfe die aktuellen Verbindungen über Kopenhagen daher unbedingt sorgfältig im Voraus.
💡 Tipp: Reisen hierher gehören zu den überhaupt teuersten der Welt, weshalb Grönland eher dann Sinn macht, wenn du monumentale Eisberge und arktische Natur sehen willst – die Polarlichter sind dann eher ein riesiger Bonus obendrauf.
9. Färöer-Inseln

Die Färöer-Inseln liegen auf dem 62. Breitengrad, was sie an den südlichsten Rand der Polarlichtzone einordnet. Die Inseln selbst bieten absolut atemberaubende Szenerien, und da es hier außer ein paar größeren Dörfern fast keine Lichtverschmutzung gibt, sind die Bedingungen für einen dunklen Himmel perfekt. Für die Sichtbarkeit der Aurora brauchst du hier eine etwas stärkere Aktivität um KP 3 und höher.
Ehrlich gesagt muss ich aber sagen, dass das Hauptproblem der Färöer-Inseln das extrem wechselhafte und regnerische Wetter ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich hier während der langen Winternächte die Wolken auflösen und der Wind nachlässt, ist ziemlich gering. Offizielle Reiseführer fassen es sehr lakonisch zusammen: Die Polarlichter kommen eben nur dann heraus, wenn der Himmel klar ist. Und das ist hier im Winter eine Seltenheit.
Wenn du es riskieren willst, fahre von November bis Februar, wenn die Nächte am längsten sind. Zum Flughafen Vágar kommst du von Kopenhagen, und auf den Inseln bewegst du dich dank des Systems von Unterwassertunneln bequem mit dem Auto.
💡 Tipp: In klaren Winternächten fängst du hier manchmal eine schwache grüne Aurora eher über die Kamera ein, die du auf den nördlichen Horizont richtest, als dass du ein wildes Farbschauspiel direkt über dem Kopf erlebst.
10. Nordschottland

Wohl kaum jemand würde Polarlichter in Großbritannien vermuten, aber der äußerste Norden Schottlands und vor allem die Shetland- oder Orkney-Inseln haben dafür hervorragende Voraussetzungen. Sie liegen zwar südlich des Hauptovals, sodass du für eine richtige Show eine stärkere Aktivität von KP 4 bis KP 5 brauchst, aber die weitläufige dunkle Landschaft ohne künstliches Licht spielt den Jägern in die Hände.
Die Einheimischen verwenden für dieses Phänomen den schönen shetländischen Namen „Mirrie Dancers“, was übersetzt funkelnde Tänzer bedeutet. Die Gemeinschaft der Aurora-Jäger ist hier riesig – die örtliche Facebook-Gruppe Shetland Aurora Hunter funktioniert zum Beispiel als hervorragende Live-Meldung der Aktivität. Die überwiegende Mehrheit der Erscheinungen ist hier zwar nur grün, aber bei wirklich starken Stürmen kann sich der Himmel auch in ein seltenes Rot färben.
Die beste Zeit für die schottische Jagd ist von Ende September bis März, idealerweise zwischen neun Uhr abends und zwei Uhr morgens. Du kommst hierher leicht mit Flügen von großen britischen Flughäfen nach Inverness oder direkt auf die Shetlandinseln.
💡 Tipp: Wenn du hier auf die Jagd gehst, such dir einen Ort mit dem möglichst niedrigen, freien nördlichen Horizont, denn die Aurora spielt sich hier sehr oft nur tief über dem Horizont ab und steht selten direkt im Zenit. Schau dir auch unseren Artikel für den Urlaub in Schottland an.
11. Estland und das Baltikum

Estland liegt am nördlichsten aller baltischen Staaten und gerät gelegentlich als interessante und sehr gut erreichbare Alternative ins Visier der Aurora-Jäger. Geografisch liegt es zwar südlich unter dem Haupt-Polarlichtgürtel, aber bei stärkeren geomagnetischen Stürmen ab KP 5 und höher kann sich der Himmel hier wunderbar erhellen. Besonders das aktuelle Sonnenmaximum begünstigt diese südlicheren Beobachtungen sehr.
Die estnischen Medien berichten regelmäßig über solche Beobachtungen, aber ich muss betonen, dass das Sehen der Aurora im Baltikum eher von einzelnen Ereignissen als von zuverlässiger Sicherheit abhängt. Wenn du von September bis März herfährst und gerade eine massive Sonneneruption triffst, reicht es, ein Stück nördlich von Tallinn an die dunkle Küste zu fahren, und du hast eine große Chance auf ein schönes Erlebnis.
💡 Tipp: Nur wegen der Polarlichter nach Estland zu reisen, lohnt sich statistisch nicht wirklich, aber wenn du ohnehin hier im Urlaub bist und die App einen großen Sturm meldet, fahre auf jeden Fall nachts ans Meer.
12. Yukon (Kanada)

Das kanadische Territorium Yukon mit seiner Hauptstadt Whitehorse ist eine fantastische Alternative für alle, die die kanadische Wildnis erleben wollen, aber die extreme Abgeschiedenheit der nördlicheren Gebiete scheuen. Whitehorse liegt leicht außerhalb des Hauptovals, sodass du hier eine durchschnittliche Aktivität um KP 3 bis 4 brauchst, aber der große Vorteil ist die hervorragende Erreichbarkeit und Infrastruktur.
Im Gegensatz zu winzigen nordischen Siedlungen ist Whitehorse eine normale Stadt mit tollen Hotels, Restaurants und Autovermietungen. Das kontinentale Klima des Yukon sorgt außerdem für eine große Anzahl klarer, frostiger Nächte. Während des aktuellen Sonnenmaximums bewegt sich die Häufigkeit sichtbarer Auroras hier locker über hundert Nächte pro Saison, was eine absolut fantastische Zahl ist.
Die Saison läuft hier von Mitte August bis Ende April, wobei das stabilste frostige Wetter von Januar bis März herrscht. Zum örtlichen Flughafen fliegst du sehr leicht von Vancouver oder Calgary.
💡 Tipp: Wenn du nachts nicht im Auto frieren willst, bieten örtliche Anbieter viele gemütliche Hütten außerhalb der Stadt, wo du auf die Aurora mit heißem Tee am Ofen warten kannst.
Vergleich in der Übersichtstabelle
| Ort | Land | Beste Zeit | Benötigter KP |
|---|---|---|---|
| Tromsø | Norwegen | Ende September – Anfang April | KP 1+ |
| Lofoten | Norwegen | Ende August – Mitte April | KP 1+ |
| Island | Island | September – April | KP 2–4 |
| Fairbanks | USA (Alaska) | August – April | KP 1–2 |
| Rovaniemi/Ivalo | Finnland | Ende August – April | KP 2–3 |
| Abisko | Schweden | Dezember – März | KP 1–2 |
| Yellowknife | Kanada | Mitte November – Anfang April | KP 2–3 |
| Kangerlussuaq | Grönland | September – Anfang April | KP 1–2 |
| Färöer-Inseln | Königreich Dänemark | November – Februar | KP 3+ |
| Nordschottland | Großbritannien | Ende September – März | KP 4–5+ |
| Baltikum (Estland) | Estland | September – März | KP 5+ |
| Whitehorse (Yukon) | Kanada | Mitte August – Ende April | KP 3–4 |
Was sind Polarlichter und wie entstehen sie
Um es nicht zu wissenschaftlich zu machen: Alles beginnt beim Sonnenwind. Die Sonne sendet ununterbrochen einen Strom geladener Teilchen ins Weltall, überwiegend Elektronen und Protonen. Wenn sich dieser Wind beschleunigt und sein Magnetfeld richtig ausrichtet, verschmilzt er mit dem schützenden Magnetfeld der Erde. Diese Teilchen gleiten dann entlang der magnetischen Feldlinien wie durch einen riesigen Trichter Richtung beider Pole, wo sie mit hoher Geschwindigkeit in die Atmosphäre eindringen.
Das farbige Licht selbst entsteht in dem Moment, in dem diese schnellen Elektronen auf Sauerstoff- und Stickstoffmoleküle in der oberen Atmosphärenschicht treffen und ihnen Energie zuführen. Wenn diese Atome dann in ihren ursprünglichen Ruhezustand zurückkehren, geben sie die überschüssige Energie in Form eines Photons ab, also als farbiges Licht.
Die Farbe der Aurora hängt davon ab, in welches Gas die Teilchen eindringen und in welcher Höhe das passiert:
- Grün: Die mit Abstand häufigste Farbe, die Sauerstoff in einer Höhe von etwa 100 bis 240 Kilometern erzeugt. Unser menschliches Auge ist für die Farbe Grün außerdem am empfindlichsten.
- Rot: Ein sehr seltenes Schauspiel, das ebenfalls Sauerstoff verursacht, aber in enormen Höhen über 200 bis 300 Kilometern. Es entsteht nur in dünner Luft, denn dieser angeregte Zustand dauert lange, und in dichterer Luft weiter unten würde die Energie verloren gehen, bevor sie aufleuchten kann.
- Violett und Rosa: Diese wunderschönen Farben erzeugt Stickstoff viel tiefer, meist rund 100 Kilometer über dem Boden. Sie bilden während sehr starker Stürme oft den herrlichen purpurnen unteren Saum der grünen Vorhänge.
Dieses Phänomen passiert außerdem nicht nur im Norden. Genau dieselbe Physik funktioniert auch auf der Südhalbkugel, wo das Phänomen Aurora australis heißt. Es entsteht absolut gleichzeitig mit dem Nordlicht, lässt sich aber viel schwerer beobachten, weil der südliche Magnetpol überwiegend über dem leeren Ozean liegt.
Wann du Polarlichter siehst
Die besten Monate für die Beobachtung auf der Nordhalbkugel sind von Ende September bis Mitte April. Vielleicht fragst du dich, warum es im Sommer nicht geht, wenn es warm ist. Physikalisch ist die Aurora natürlich da, aber wegen des Phänomens Polartag bzw. Mitternachtssonne wird es in diesen hohen Breiten einfach überhaupt nicht dunkel. Und am hellen Himmel siehst du die Aurora logischerweise nicht.
Die größte Chance hast du rund um die sogenannte magnetische Mitternacht, was meist zwischen zehn Uhr abends und zwei Uhr morgens Ortszeit ist. Die statistisch beste Zeit kommt dann immer rund um die Herbst- und Frühlings-Tagundnachtgleiche, weil die Position der Erde gegenüber dem Sonnenwind die geomagnetische Aktivität natürlich verstärkt.
Der Schlüsselindikator für Jäger ist der KP-Index, eine Skala von null bis neun, die die Stärke des geomagnetischen Sturms misst. Während dir im hohen Norden in Tromsø schon KP 1 oder 2 reicht, steigen die Anforderungen Richtung Süden steil an. In Schottland brauchst du schon etwa KP 5, und für die Sichtbarkeit in Mitteleuropa, also auch in Deutschland, muss ein massiver Sturm der Stärke KP 8 bis 9 kommen. Wenn du wissen willst, ob heute Polarlichter über Deutschland sichtbar sind, lohnt sich ein Blick auf eine Live-Vorhersage-App, die die aktuelle Aktivität in Echtzeit anzeigt.
Die aktuelle Zeit ist außerdem absolut außergewöhnlich. Im Herbst 2024 erreichte die Sonne ihr Maximum im elfjährigen Zyklus. Die erhöhte Aktivität fällt aber nicht sofort ab, sodass die Jahre 2025 und 2026 weiterhin unglaublich stark sind und die besten Beobachtungsbedingungen seit über einem Jahrzehnt bieten.
Wie du Polarlichter fotografierst (mit Handy und Kamera)
Das menschliche Auge verliert in völliger Dunkelheit die Fähigkeit, Farben zu sehen, und schaltet auf Schwarz-Weiß-Sehen um, sodass du eine schwächere Aurora live eher als gräuliche oder leicht grünliche Wolke siehst. Das Objektiv der Kamera kann das Licht aber über eine viel längere Zeit aufnehmen, weshalb Fotos immer farbenfroher sind als die Realität.
So fotografierst du mit dem Handy
Moderne Smartphones meistern das heute dank des Nachtmodus hervorragend, der in der Dämmerung mehrere Aufnahmen übereinanderlegt. Die absolute Grundvoraussetzung ist aber, das Handy völlig ruhig zu halten. Du musst es auf ein kleines Stativ stellen oder fest gegen einen Rucksack oder Stein lehnen.
Schalte den Nachtmodus ein und zieh den Timer manuell auf das Maximum, was bei iPhones meist 3 bis 10 Sekunden ist. Aktiviere immer den Selbstauslöser für zwei Sekunden, denn durch das Tippen mit dem Finger auf das Display würdest du das Foto verwackeln. Versuche außerdem, mit dem Finger auf dem Display den Fokus auf den Himmel zu sperren und die Belichtung leicht herunterzuziehen, damit die grüne Farbe nicht zu einem weißen Fleck überstrahlt.
So fotografierst du mit Spiegelreflex- oder Systemkamera
Hier brauchst du den vollmanuellen Modus (M). Öffne die Blende maximal, idealerweise auf f/2.8 oder einen noch niedrigeren Wert. Stell die Belichtungszeit auf etwa 5 bis 15 Sekunden ein, je nachdem, wie schnell sich die Aurora bewegt. Wenn sie sehr schnell tanzt, musst du die Zeit auf 3 Sekunden verkürzen, sonst bekommst du auf dem Foto nur einen verwischten Schmierfleck.
Die obere Belichtungsgrenze sollte nie 20 bis 25 Sekunden überschreiten. Der Grund ist die Erdrotation, durch die sich die Sterne im Hintergrund zu unschönen Strichen ziehen würden. Stell den ISO-Wert irgendwo zwischen 800 und 3200 ein, fotografiere immer im RAW-Format für eine bessere Bearbeitung und fokussiere vor allem manuell auf unendlich, denn der Autofokus funktioniert im Dunkeln einfach nicht. Pass besonders auf die Akkus auf – die Kälte frisst sie regelrecht auf, trag Ersatzakkus daher immer in der Tasche am Körper.
Wohin als Nächstes
Wenn dich die Aurora-Jagd begeistert hat und du überlegst, wohin genau du Flugtickets kaufen sollst, schau dir unsere detaillierten Reiseführer zu den einzelnen Regionen an. Für Norwegen haben wir Tipps für Tromsø oder einen konkreten Reiseführer für Polarlichter auf den Lofoten geschrieben.
Wenn dich eher die ungezähmte Wildnis jenseits des Ozeans reizt, lass dir auf keinen Fall unseren Bericht über Polarlichter in Alaska entgehen. Für alle, die heiße Saunen lieben, haben wir einen Artikel über Polarlichter in Lappland.
Häufig gestellte Fragen
Hier sind die Antworten auf das, was die Leute rund um die Polarlicht-Jagd am häufigsten interessiert.
Ist Vollmond ein Problem für die Beobachtung von Polarlichtern?
Vollmond ist nicht unbedingt ein Hindernis, denn starke Polarlichter können vom Mondlicht nur sehr schwer überstrahlt werden. Es stimmt allerdings, dass der dunkle Himmel um den Neumond herum den Fotos und dem Auge einen viel besseren Kontrast verleiht, sodass Sie mehr schwächere Strukturen und Farben sehen werden. Die Reise müssen Sie wegen Vollmond aber auf keinen Fall absagen.
Brauche ich einen Reiseführer oder schaffe ich das alleine?
Ihr könnt das sicherlich auch selbstständig mit einem Mietwagen schaffen, entscheidend ist, den Wolken und der Lichtverschmutzung entkommen zu können. Organisierte Touren haben vor allem einen riesigen Mehrwert darin, dass die Guides das Wetter in Echtzeit verfolgen, geheime dunkle Orte kennen und ihr vor allem nicht gestresst nachts auf vereisten Straßen fahren müsst.
Gibt es Reisen mit Nordlicht-Garantie?
Einige Anbieter in Skandinavien bieten eine Garantie an, aber diese bedeutet normalerweise nur, dass sie Ihnen eine kostenlose Wiederholung am nächsten Tag geben, falls Sie die Nordlichter nicht sehen. Das Geld wird nicht zurückerstattet und dies gilt nur während Ihres Aufenthalts. Zahlen wie 99% Erfolgsquote sollten Sie eher als cleveres Marketing der Betreiber betrachten.
Warum ist die Aurora auf dem Foto farbenfroher als in echt?
In sehr dunkler Umgebung schaltet das menschliche Auge auf Stäbchen um, die keine Farben unterscheiden können, sodass wir das Leuchten oft eher grau-weiß oder schwach grünlich sehen. Die Kamera kann jedoch dank langer Belichtungszeit und hoher ISO-Werte viel mehr Licht sammeln, weshalb sie auch bei sehr schwachen Erscheinungen ein sattes Grün einfängt.
Wie viele Nächte im Jahr kann man Polarlichter an den besten Orten sehen?
Oft wird angegeben, dass das kanadische Yellowknife bis zu 240 klare Polarlichtnächte hat, das alaskische Fairbanks über 200 und das norwegische Tromsø über hundert. Diese beeindruckenden Zahlen stammen meistens aus touristischen Materialien, deshalb solltet ihr sie eher mit einer gewissen Vorsicht genießen, aber Tatsache bleibt, dass die Chancen an diesen Orten riesig sind.
Welcher KP-Index ist überhaupt nötig?
In der hohen Arktis, wie in Tromsø oder Fairbanks, reichen euch völlig problemlos KP 1 bis 2. Das nördliche Schottland erfordert bereits etwa KP 4 bis 5. Für Beobachtungen aus Mitteleuropa und Tschechien benötigt ihr massive Stürme mit einer Stärke von KP 8 bis 9. Generell gilt also: Je höher der KP-Wert, desto weiter südlich verschiebt sich das Oval.
Kann man Polarlichter in Tschechien sehen?
Ja, aber das ist außerordentlich selten, denn dafür braucht man einen extremen Sturm der Stärke KP 8 bis 9. Zuletzt gelang dies flächendeckend im Mai 2024 während des massiven Gannon-Sturms (G5), und danach noch einmal im Oktober desselben Jahres. Solche Ereignisse gibt es typischerweise nur einige Male während eines gesamten elfjährigen Sonnenzyklus, also ist es definitiv keine jährliche Garantie.
Wie kalt ist es und was soll man anziehen?
In Lappland oder Kanada fallen die Temperaturen in der Saison üblicherweise zwischen minus 5 und minus 30 Grad. Die Grundlage ist das Zwiebelprinzip, bei dem du über Merinowolle ein Fleece und darüber eine dicke winddichte Jacke trägst. Beim Fotografieren stehst du einfach nur ruhig an einem Ort und erzeugst keine Körperwärme, daher sind warme Fausthandschuhe und isolierte Stiefel absolut unverzichtbar.
Kann ich die Aurora auch mit einem normalen Handy fotografieren?
Ja, moderne Flaggschiff-Smartphones auf einem Stativ im Nacht- oder Pro-Modus mit langer Belichtungszeit von etwa 3 bis 10 Sekunden machen wirklich schöne Aufnahmen. Eine hochwertige Spiegelreflexkamera mit großem Sensor gewinnt jedoch immer in der Detailschärfe und der Fähigkeit, schnelle farbige Vorhänge einzufrieren.
Welche Farben werde ich alle am Himmel sehen?
Am häufigsten sehen Sie die grüne Farbe, die durch Sauerstoff in mittleren Höhen entsteht. Bei sehr starken geomagnetischen Stürmen erscheint auch Rot hoch oben in der dünnen Luft und auch ein wunderschönes Violett oder Rosa, das durch Stickstoff in den niedrigeren Schichten der Atmosphäre verursacht wird.
Tipps und Tricks für deinen Urlaub
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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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