Alle werden dir sagen, dass diese Straße, auch bekannt als Highway 93, einfach etwas ist, das man mit eigenen Augen gesehen haben muss. Als ich den Icefields Parkway zum ersten Mal mit meiner Mutter befuhr, war mir sofort klar, dass ich hierher zurückkommen muss – es ist ohne Übertreibung die schönste Straße, auf der ich je gefahren bin. Und auch einer der Gründe, warum wir so oft von Banff nach Jasper ins Kino gefahren sind (obwohl Banff sein eigenes Kino hat). Kurven, die sich unter mächtigen, schneebedeckten Gipfeln winden, wilde türkisfarbene Seen, bei denen man einfach anhalten muss, weil das Gehirn diese satte Farbe schlicht nicht fassen kann, und gewaltige Gletscher, die sich von den Bergen herabwälzen. Die ganze Landschaft ist so episch, dass man manchmal das Gefühl hat, man stehe direkt in einer Naturdokumentation.
Ich weiß, ich weiß – das Internet ist voll von Reiseführern über den Icefields Parkway. Aber keiner führt dich so detailliert durch diese Route wie unserer. 😁 Alle Stopps, von den bekanntesten bis zu jenen, an denen wir mit Lukáš ganz allein waren. Unterkünfte, Benzin, Menschenmengen, Wanderungen, worauf man achten sollte, und auch, warum uns der Snocoach ein bisschen enttäuscht hat. Du wirst sehen, dass diese 232 Kilometer locker einen ganzen Tag in Anspruch nehmen – und am Ende wirst du trotzdem nicht genug haben. ☺️

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Wo es ist: Der Highway 93 (Icefields Parkway) verbindet die kanadischen Nationalparks Banff und Jasper in der Provinz Alberta.
- Länge und Zeit: Die Strecke ist 232 Kilometer lang. Die reine Fahrt dauert etwa 3 Stunden, aber mit Aussichtspunkten und Wanderungen solltest du dir einen ganzen Tag einplanen (idealerweise 8 bis 10 Stunden).
- Grundregel: Hier gibt es keinen Handyempfang und unterwegs nur eine einzige Tankstelle mit gewaltigem Hochgebirgsaufschlag. Tanke in Banff oder Jasper voll.
- Tiere: Du befindest dich im „Bear Country“, also im Bärenland. Bärenspray (Bear Spray) ist absolute Pflicht, selbst wenn du nur zu einem kurzen Aussichtspunkt gehst.
- Die Highlights der Route: Der türkisfarbene Peyto Lake, die mächtigen Athabasca Falls, der gewaltige Athabasca Glacier und unsere Lieblingswanderung Wilcox Pass, wo du garantiert Dickhornschafe triffst.

Wann auf den Icefields Parkway aufbrechen und grundlegende Orientierung
Der Highway 93 Icefields Parkway ist das ganze Jahr über geöffnet, aber wenn du alle Wanderungen und die Seen in ihrem leuchtendsten Türkis erleben willst, dann plane deine Reise eindeutig für die Sommermonate. Trotzdem solltest du dich darauf einstellen, dass die kanadischen Rockies ihre eigenen Regeln haben und sich das Wetter hier buchstäblich im Handumdrehen ändert. Innerhalb von zehn Minuten kann auf Sonnenschein heftiger Regen folgen, und wir haben mit Lukáš schnell gelernt, dass eine Regenjacke griffbereit zu haben das A und O eines gelungenen Ausflugs ist.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Ende Juni und Anfang September. Vor einer Sache muss ich dich aber warnen, denn auch wir haben sie am eigenen Leib erlebt: Selbst mitten im Juli kann dich hier ein Schneesturm überraschen. Während unseres Roadtrips im Sommer hatten wir Tage, an denen wir frühmorgens mit klappernden Zähnen das Eis von den Scheiben unserer geliebten Chiquita kratzten und nachmittags am See dann im kurzärmeligen T-Shirt schwitzten und nach einem Stück Schatten suchten. Mit Lukáš haben wir uns das berühmte Zwiebelprinzip beim Anziehen angeeignet, denn ohne das geht hier einfach nichts. Winterreifen sind hier von November bis April Pflicht, aber im Winter ist die Straße wegen Lawinengefahr oft gesperrt und die Bedingungen sind nur für sehr erfahrene Fahrer geeignet, die an unberechenbare Gebirgsstürme gewöhnt sind.
Noch eine Sache, die man nicht vergessen darf: Die gesamte Straße liegt auf dem Gebiet der Nationalparks, sodass man dich ohne gültigen Parkpass am Mautgatter nicht durchlässt. Kontrolliert wirst du gleich am Mautgatter hinter Lake Louise oder hinter Jasper, und den Pass kannst du dir vorab online über die offizielle Seite von Parks Canada besorgen. Auf der gesamten Länge der Straße gibt es absolut keinen Handyempfang, deshalb empfehle ich dir wärmstens, dir Offline-Karten aufs Handy zu laden (viele suchen nach „icefields parkway maps“ für offline) oder dir vorab die offizielle „icefields parkway map“ direkt von der Seite der kanadischen Nationalparks herunterzuladen, damit du weißt, bei welchem Kilometer du anhalten musst.
Wo übernachten und was es kostet
Eine Unterkunft direkt am Icefields Parkway zu finden, ist ziemlich knifflig, denn du befindest dich mitten in geschützter Wildnis und kommerzielle Bauten gibt es hier nur in absoluter Mindestzahl. Die meisten lösen das so, dass sie frühmorgens von Lake Louise (oder Banff) losfahren und abends in Jasper ankommen, wo sie übernachten. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das die vernünftigste Variante ist, sofern du nicht im Auto oder im Zelt schläfst wie wir.
Wenn du mit einem Mietwagen unterwegs bist und nach Hotels suchst, stell dich auf wirklich hohe Preise ein. Die kanadischen Rocky Mountains sind ein teures Reiseziel, und in der Hauptsaison im Sommer klettern die Preise üblicherweise auf 200 bis 320 € pro Nacht für zwei Personen. Das ist der Preis für all die unglaubliche Schönheit ringsum, also ist es gut, das schon bei der Budgetplanung einzukalkulieren.
Tipps für Unterkünfte auf der Strecke und in der Umgebung:
- Direkt auf der Strecke: Hier gibt es im Grunde nur ein paar Möglichkeiten. Eine davon ist das The Crossing Resort etwa auf halbem Weg bei der Tankstelle, was sehr praktisch ist, wenn man schon vom Fahren müde ist. Die luxuriösere Variante ist die Glacier View Lodge direkt am Gletscher Columbia Icefield, wo du zwar ordentlich draufzahlst, aber spektakuläre Ausblicke vom Zimmer direkt auf die Eismassen erlebst.
- In Lake Louise (Start): Hier können wir das wunderschöne, historische Fairmont Chateau Lake Louise empfehlen, wenn du dir etwas gönnen und perfekten Luxus genießen willst, oder das preisgünstigere Mountaineer Lodge.
- In Jasper (Ziel): Im Zielort ist die Auswahl deutlich größer. Eine sehr angenehme Unterkunft mit gemütlicher Hütten-Atmosphäre findest du in den Becker’s Chalets direkt am Fluss, wo du abends das Wasser herrlich rauschen hörst.
Wenn du wie wir campen gehst, findest du auf der Strecke mehrere sogenannte „First come, first served“-Campingplätze (zum Beispiel den beliebten Waterfowl Lakes Campground oder den malerischen Wilcox Creek). Das bedeutet: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst – und Vorausreservierungen funktionieren hier nicht, obwohl das System der kanadischen Parks Reservierungen sonst liebt. In der Hauptsaison heißt das in der Praxis, idealerweise schon vor 14 Uhr vor Ort zu sein, sonst hast du höchstwahrscheinlich Pech und musst weiterfahren, was in der Wildnis ohne Empfang manchmal ziemlich stressig ist.
Der Preis für so einen schönen Naturcampingplatz ohne Service (es erwartet dich nur ein Plumpsklo, eine Feuerstelle und ein Haufen Holz) liegt bei etwa 16 bis 20 CAD (ca. 11 bis 14 €) pro Nacht. Ich erinnere mich noch, wie wir bei einem dieser Campingplätze den Atem anhielten, als ein riesiger Wapiti unweit unseres Vans entlangspazierte. Das ist pure Romantik – vergiss nur nicht, für die Nacht wirklich sämtliche Lebensmittel und duftende Kosmetik ins Auto oder in die speziellen Bärencontainer zu räumen, denn Bären haben einen unglaublich guten Geruchssinn und mit ihnen willst du sicher nicht das Frühstück teilen. Informationen zu den Campingregeln findest du auf der offiziellen Website des Banff Nationalparks.
Icefields Parkway: 14 Stopps, die du nicht verpassen darfst
Schauen wir uns nun gemeinsam die konkrete Stopp-Route an, und zwar in Richtung von Süden nach Norden, also von Lake Louise nach Jasper. Genau so legt nämlich die überwältigende Mehrheit der Touristen die Strecke zurück, und das ergibt auch im Hinblick auf die Sonne den größten Sinn, die dir bei der morgendlichen Abfahrt nicht direkt in die Augen scheint und für viel schönere Fotos sorgt. Halte deine Kamera bereit, koch dir Kaffee in die Thermoskanne und stell sicher, dass der Tank voll ist, denn wir brechen auf. Bei jedem Stopp gebe ich den ungefähren Kilometer ab dem Mautgatter bei Lake Louise an, damit du dich auch ohne Internet leicht orientieren kannst.
1. Crowfoot Glacier (km 33)
Gleich nach dem dreiunddreißigsten Kilometer hielt uns zum ersten Mal der Blick auf den Crowfoot Glacier auf, einen Gletscher in Form eines Krähenfußes. Geparkt wird direkt an der Straße, sodass du nicht mal aus dem Auto steigen musst – auch wenn du es natürlich tun wirst. Der Gletscher bekam seinen Namen, weil er einst drei riesige Eiszungen hatte, die getreu an die Kralle einer gewaltigen Krähe erinnerten, die sich in den Fels gräbt.

Leider hat die globale Erwärmung ihm hart zugesetzt, und der unterste „Finger“ ist schon geschmolzen und unwiderruflich verschwunden. Wenn man auf diesen freigelegten Fels blickt, liegt darin ein gutes Stück Traurigkeit, denn man sieht die sich verändernde Natur in Echtzeit. Trotzdem ist es ein fantastischer erster Vorgeschmack auf das, was dich auf diesem Gletscher-Roadtrip erwartet. Normalerweise weht es hier ordentlich vom Hector Lake herauf, der direkt darunter im Tal liegt, also vergiss nicht, schon beim ersten Stopp eine Windjacke mitzunehmen.
2. Bow Lake und Num-Ti-Jah Lodge (km 39)
Nur ein kleines Stück weiter triffst du auf den Bow Lake, einen der größten und meiner Meinung nach auch schönsten Seen der gesamten Strecke. Das Wasser darin ist so unglaublich blau und eiskalt, dass dir die Finger sofort taub werden, selbst wenn du sie im Sommer nur kurz hineintauchst. Im Hintergrund erhebt sich majestätisch der mächtige Bow Glacier, von dem der See seine türkise Farbe voller Gesteinsmehl bezieht, und das schafft eine Kulisse wie aus einer Postkarte, die du dann heimlich allen auf Instagram neidest.

Am Ufer des Sees findest du das ikonische Holzgebäude der Num-Ti-Jah Lodge mit ihrem typisch roten Dach, das wunderschön mit der blauen Wasseroberfläche kontrastiert. Gegründet wurde sie vom legendären Bergführer Jimmy Simpson zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und sie atmet eine echte alte Trapper-Atmosphäre. Es ist der ideale Ort für einen kurzen Spaziergang am Ufer entlang und für tolle Fotos mit den Bergen, die sich auf der Wasseroberfläche spiegeln. Wenn du mehr Zeit und Lust auf einen ordentlichen Aufstieg hast, führt von hier eine etwa neun Kilometer lange Tour direkt zu den Wasserfällen unter dem Gletscher selbst – aber die meisten halten sich hier nur etwa eine halbe Stunde auf und fahren lieber weiter zum nächsten Abenteuer. (Mehr über die Seen in der Umgebung haben wir in unserem Guide zu Lake Louise geschrieben.)
3. Peyto Lake vom Aussichtspunkt Bow Summit (km 40)
Das ist ein absoluter Klassiker, den du einfach nicht auslassen darfst, auch wenn es auf den ersten Blick ein bisschen nach Massenwahnsinn aussieht. ☺️ Der Peyto Lake ist wahrscheinlich der meistfotografierte See der gesamten Strecke, und sobald du vom Aussichtspunkt hinunterblickst, verstehst du sofort, warum. Er hat die absolut perfekte Form eines Wolfskopfes (oder eines Hundes, wie Lukáš gern behauptet), und Neonschilder könnten ihn um seine leuchtend türkise Farbe beneiden, die fast unnatürlich wirkt. Mit Lukáš hielten wir uns dort oben an den Händen und starrten einfach nur still, denn dieser Anblick entwaffnet dich völlig.

Vom großen Parkplatz beim Bow Summit (der übrigens mit 2.067 m ü. M. der höchste Punkt der gesamten Straße ist) erwartet dich ein kurzer, aber ziemlich steiler Anstieg zur hölzernen Aussichtsplattform, der etwa zehn Minuten zügiges Gehen in Anspruch nimmt. Da es ein riesiger Magnet für Touristen aus aller Welt ist, ist die Plattform im Sommer von Reisebussen belagert und man hört dort Dutzende verschiedener Sprachen. Mit Lukáš haben wir das pfiffig gelöst, indem wir ein Stück über einen unscheinbaren ausgetretenen Pfad weiter in den Wald gingen, wo die Menschenmengen wie durch Zauberhand sofort verschwanden und wir den Wolfssee endlich für uns allein hatten und ihn in Ruhe ohne fremde Ellbogen im Bild fotografieren konnten.
4. Mistaya Canyon (km 71)
Nach etwa einer weiteren halben Stunde ruhiger Fahrt empfehle ich dir auf jeden Fall, beim Mistaya Canyon anzuhalten. Vom unscheinbaren Schotterparkplatz führt ein kurzer Pfad durch den Wald bergab zum Fluss, was kaum fünfzehn Minuten gemütliches Gehen dauert. Plötzlich öffnet sich vor dir eine schmale, tiefe Felsspalte, durch die sich mit unglaublicher Kraft ein Gletscherfluss wälzt und in den hellen Kalkstein erstaunliche, glatte und runde Formen modelliert, die wie Kunstskulpturen aussehen.

Das Tosen des wilden Wassers ist hier so ohrenbetäubend, dass du dich mit deinem Partner kaum hörst, selbst wenn ihr euch anschreit. Sei hier aber äußerst vorsichtig und nähere dich nicht dem Rand der nassen, rutschigen Felsen, und versuche auf keinen Fall, für ein besseres Foto über das Schutzgeländer zu klettern. Das Wasser ist hier so unerbittlich schnell und kalt, dass du bei einem etwaigen Sturz nicht die geringste Chance hättest. Trotzdem ist es ein faszinierendes Schauspiel der ungezähmten Kraft der kanadischen Natur, und wir hielten es dort lange auf einem sicheren Felsblock aus.
5. Saskatchewan Crossing (km 77): Die praktische Pause
Das ist nicht so sehr ein Naturdenkmal als vielmehr ein absolut entscheidender Orientierungspunkt, an dem sich der Highway 93 mit dem Highway 11 kreuzt. Saskatchewan Crossing ist nämlich der einzige Ort auf den ganzen langen 232 Kilometern, an dem du Benzin kaufen, eine normale Spültoilette im Restaurant aufsuchen oder dir etwas Warmes zu essen kaufen kannst. Es ist so eine kleine Insel der Zivilisation inmitten endloser Nadelwälder, an der alle für einen Moment durchatmen.

Ich muss dich aber ehrlich auf eine Sache hinweisen, die dich wohl überraschen wird. Die Preise von absolut allem, und besonders von Benzin, sind hier geradezu astronomisch. Die Tankstellenbesitzer wissen nämlich genau, dass ein verzweifelter Tourist mit leerem Tank alles bezahlt, um nicht in der von Bären gefüllten Wildnis hängenzubleiben, sodass ein Liter Sprit hier üblicherweise sogar um die Hälfte mehr kostet als in den Städten. Deshalb haben wir dir schon zu Beginn geraten, in Banff voll zu tanken. Wir gönnten uns hier 2017 nur einen ziemlich überteuerten Kaffee in die Thermoskanne, sogen ein wenig dieser Tankstellen-Atmosphäre auf und sausten schnell wieder weiter Richtung Berge.
6. Weeping Wall (km 106)
Die Klagemauer, oder Weeping Wall, ist eine riesige Kalksteinwand des Cirrus Mountain, von der im Frühling und Frühsommer, wenn der Schnee schmilzt, so viele Kaskaden herabfließen, dass der Berg aussieht, als würde er tatsächlich aus Dutzenden Augen weinen – und den Ausblick darauf hast du direkt vom Autofenster aus. Diese Wassertränen rinnen langsam über den grauen Stein und bilden ein wunderschönes Netz aus feinen Rinnsalen, auf denen sich bei Sonnenschein kleine Regenbögen bilden.

Im Sommer ist es ein sehr schöner und schneller Stopp, aber die wahre Magie und ein bisschen auch der Wahnsinn passieren hier erst im Winter. Wenn all diese feinen Quellen tief gefrieren und riesige Eisorgeln bilden, wird aus dem Fels eine berühmte Eiskletterwand, zu der Wagemutige und Adrenalin-Verrückte aus aller Welt mit Eispickeln in den Händen anreisen, um ihre Grenzen auszuloten. Im Sommer geht zumindest eine angenehme Kühle davon aus, die dich für einen Moment erfrischt.
7. Big Bend und Aussicht vom Gipfel (km 115)
Gleich hinter der Weeping Wall beginnt die Straße kompromisslos und steil anzusteigen und sich in eine riesige U-förmige Kurve zu winden, die treffend Big Bend genannt wird. Ich erinnere mich, wie unser geliebter alter Van Chiquita diesen brutalen Berg im zweiten Gang hochkeuchte und wir mit Lukáš angespannt und in völliger Stille die Anzeige der Motortemperatur beobachteten, ob das arme Ding das überhaupt hochschafft, ohne dass uns unter der Haube Rauch aufstieg. 😅

Sobald du diese endlose Kurve endlich hinaufgefahren bist und der Motor durchatmen kann, taucht auf der rechten Seite eine kleine Ausfahrt zum Aussichtsparkplatz auf. Halt dort auf jeden Fall an. Dieser großartige Blick zurück ins breite Tal des Saskatchewan River mit endlosen tiefen Wäldern, eingerahmt von steilen Felswänden, ist genau der atemberaubende Anblick, wegen dem Leute googeln, ob sich diese Reise überhaupt lohnt. Sie lohnt sich definitiv, und hier oben machst du einige der besten Panoramafotos des ganzen Ausflugs.
8. Parker Ridge Hike (km 120)
Der Parker Ridge ist genau die Art von Wanderung, bei der du dich fragst, warum du nicht gleich für eine ganze Woche hergekommen bist. Wenn du Zeit und ein bisschen Lust hast, deine vom Autofahren steifen Beine ordentlich zu strecken, ist das eine absolut hervorragende Wahl. Es ist eine etwa fünf Kilometer lange Tour hin und zurück mit rund 250 Metern Höhenunterschied. Der schmale Pfad steigt in geschwungenen Serpentinen ziemlich scharf bald über die Baumgrenze, sodass sich dir tolle Ausblicke öffnen, und ganz am Ende erwartet dich ein absoluter Knaller.

Wenn du oben endlich über den kahlen Kamm steigst, schlägt dir ein starker kalter Wind ins Gesicht und plötzlich öffnet sich vor dir wie auf der Handfläche der gewaltige Panoramablick auf die längste Gletscherzunge der Rockies, den Saskatchewan Glacier. Für diese Wanderung brauchst du auf jeden Fall gutes Schuhwerk, denn hier liegen oft selbst mitten im Juli tückische Schneefelder und manchmal rutscht es ordentlich. Wir schwören zum Glück auf ordentliche Wanderschuhe, die uns schon auf vielen ähnlichen kanadischen Wanderungen zuverlässig gehalten haben.
9. Columbia Icefield und Athabasca Glacier (km 127)
Das ist das sinnbildlich pulsierende Herz des gesamten Icefields Parkway. Das Columbia Icefield ist ein riesiges Eisfeld, das angeblich von seiner Fläche her ganz Vancouver entspricht und Flüsse speist, die in drei verschiedene Ozeane fließen. Ich konnte mir diese Zahl damals nicht vorstellen, aber sobald du dort stehst und dich nach allen Seiten umblickst, verstehst du das Gefühl dieser Unendlichkeit. Was du von der Straße aus siehst, ist eigentlich „nur“ seine kleine Zunge, der berühmte Athabasca Glacier. Hier triffst du auch auf das Hauptbesucherzentrum, wo du dir nach einem windigen Nachmittag eine heiße Suppe gönnen, warme Socken kaufen und das einzige WLAN weit und breit nutzen kannst. Weitere offizielle Informationen zu den Aktivitäten findest du auf der Seite von Columbia Icefield.

Genau hier werden auch die Tickets für den beliebten „Snocoach“ beziehungsweise Ice Explorer verkauft. Das sind riesige, massive Busse auf monströsen Rädern, die dich direkt hinauf auf den Gletscher selbst bringen, wo du dann etwa 20 Minuten lang mit Dutzenden anderen Menschen über das Eis spazieren kannst. Es kostet ziemlich viel, etwa 119 CAD (gut 80 €) pro Person. Aber ich will ehrlich zu dir sein: Für uns war das eine kleine Touristenfalle, und die Menschenmengen mit klickenden Kameras sind hier wirklich gewaltig. Mit Lukáš waren wir uns eindeutig einig, dass man ein viel besseres und authentischeres Gefühl von der rauen Natur bekommt, wenn man einfach zu Fuß und völlig kostenlos zur Gletscherzunge hinaufgeht (es reicht, auf dem unteren Parkplatz zu parken und etwa einen Kilometer einen steilen Pfad bergauf zu gehen) – auch wenn man wegen der extrem gefährlichen Spalten natürlich nicht ohne Bergführer direkt auf das blaue Eis treten darf.
10. Wilcox Pass Hike: besser als der Skywalk (km 127)
Wenn du dich nach dem absolut besten Blick auf den Athabasca Glacier und das gesamte weitläufige Columbia Icefield sehnst, dann pfeif für einmal auf die teuren kommerziellen Attraktionen und mach dich mit uns auf die Wanderung über den Wilcox Pass. Den kleineren Parkplatz findest du gleich an der Straße versteckt, kurz vor dem Besucherzentrum. Es ist ein etwa 8 Kilometer langer Rundweg (hin und zurück), der dich in gemütlichem Tempo rund 3 bis 4 Stunden kostet und bei dem du etwa 400 Meter Höhenunterschied überwindest, sodass du auch schön ins Schwitzen kommst.

Für uns ist es wohl überhaupt die Lieblingswanderung in dieser Gegend, und wir erinnern uns bis heute daran. Ein schöner Waldpfad führt dich langsam hinauf auf riesige grüne Hochgebirgswiesen. Hier kannst du dich auf die berühmten roten Stühle setzen, deine Jause auspacken und hast das ganze weiße Gletschergebiet wie auf der Handfläche aus herrlicher Vogelperspektive. Und was ist letztlich das absolut Beste daran? Fast immer triffst du hier garantiert Herden wilder Dickhornschafe (Bighorn Sheep), die hier völlig gelassen grasen und dich manchmal neugierig anschauen. Es ist ein echtes kanadisches Erlebnis, für das du keinen Dollar extra bezahlst und das alle überteuerten kommerziellen Aussichtspunkte spielend in die Tasche steckt.
11. Glacier Skywalk (km 135)
Ein paar Kilometer weiter findest du den Glacier Skywalk, einen hufeisenförmigen Glassteg, der über das Tal des Sunwapta River hinausragt. Das Ticket kostet etwa 39 CAD (ca. 26 €), und zur Plattform gelangst du nur mit dem Bus vom Besucherzentrum, das eigene Auto wird dort nicht durchgelassen. Für Menschen, die moderne Architektur mögen, ein bisschen Adrenalin suchen und durch den durchsichtigen Glasboden direkt in die 280 Meter tiefe Schlucht unter sich blicken wollen, ist es sicher ein super Erlebnis, bei dem manchem schwindelig wird.

Wenn du aber gerade verschwitzt und glücklich vom wilden Wilcox Pass herabgestiegen bist, würde ich persönlich den Skywalk ruhigen Gewissens auslassen. Die Ausblicke von unserer Wanderung kamen mir ehrlich gesagt viel dramatischer, weitläufiger und vor allem viel natürlicher vor als dieses etwas künstliche Gedränge auf dem gläsernen Steg, wo du ständig wartest, bis du am Geländer an der Reihe bist.
12. Sunwapta Falls (km 175)
Während wir uns auf der Straße langsam Richtung Jasper nähern, beginnt sich die Landschaft hinter dem Fenster unmerklich zu verändern: Die Bäume sind merklich höher, die Luft wärmer und die breiten Täler öffnen sich noch mehr. Mach hier eine kurze Pause und halt bei den Sunwapta Falls, wunderschönen tosenden Wasserfällen am gleichnamigen Fluss. Zum oberen Hauptwasserfall mit seiner ikonischen kleinen Insel voller grüner Nadelbäume mitten im reißenden Flussbett gelangst du vom Parkplatz aus in keinen fünf Minuten, das schaffen also wirklich alle.

💡 Mein kleiner Tipp: Die meisten Touristen steigen aus dem Auto, fotografieren den oberen Wasserfall am Geländer und fahren sofort wieder weg. Tu dir bitte den großen Gefallen und geh über den schönen, unkomplizierten Waldpfad noch rund zwei Kilometer hinunter zu den Lower Sunwapta Falls. Dort wirst du nämlich zu 99 % mit Lukáš ganz allein sein und kannst in völliger Ruhe die gedämpfte Kraft des fallenden Wassers und die geheimnisvolle Schönheit des wilden Moos-Urwalds ringsum genießen, wo es nach Harz und feuchten Nadeln duftet.
13. Aussichtspunkt Goats and Glaciers (km 188)
Das ist nur so ein sehr unscheinbarer, kurzer Stopp an der Straße, etwa 40 Kilometer vor Jasper, an dem viele Autos einfach achtlos vorbeifahren. Die Straße säumt hier den türkisfarbenen Athabasca River, und nach der Abfahrt auf einen kleinen Schotterparkplatz führen dich ein paar Schritte zu einem Aussichtspunkt am steilen Ufer, von dem aus du eine schöne Rundsicht hast.

Sand und Erde an diesen Klippen sind voller Mineralien, sodass die Klippen wie eine riesige natürliche Salzlecke wirken und sich Bergziegen hier regelmäßig in ganzen Herden einfinden – auch wenn man manchmal kein Glück hat und keine einzige sieht. Aber wenn es klappt und sie gerade mit ihren typischen weißen Fellen und kleinen schwarzen Hörnern herumtollen, ist das ein großartiges Schauspiel. Und selbst wenn du sie nicht triffst, lohnt sich der beruhigende Blick auf den breiten Fluss und den majestätischen Mt. Kerkeslin im Hintergrund für diese kurze Streckpause auf jeden Fall immer.
14. Athabasca Falls (km 199)
Unser allerletzter großer Stopp auf der Strecke, bevor du endlich müde im Zielstädtchen Jasper ankommst, sind die mächtigen Athabasca Falls. Sie sind zwar nicht atemberaubend hoch, mit gut 20 Metern Höhe, aber die unglaubliche Menge und rohe Kraft des Wassers, das sich hier unter ungeheurem Druck durch ein enges, aus extrem hartem Quarzit gehauenes Bett zwängt, ist absolut überwältigend – du spürst die Vibrationen bis in die Beine.

Rund um die Wasserfälle ist ein ziemlich großes, komplexes Geflecht aus sicheren Wegen und Brücken angelegt, sodass du sie aus vielen tollen Blickwinkeln fotografieren kannst. Aber auch hier gilt genau dasselbe wie beim Mistaya Canyon: Niemals, wirklich niemals, klettere im Streben nach einem besseren Selfie über die Steinmauern. Die Felsen ringsum sind sehr glitschig, und ein Sturz in dieses wilde Wassermahlwerk würde ein sicheres und sehr schnelles Ende bedeuten. Ansonsten ist die Atmosphäre hier aber einfach fantastisch, die feine Gischt fliegt überall herum, erfrischt an heißen Tagen angenehm das Gesicht und bei sonnigem Wetter bilden sich über dem Canyon ständig kleine und große Regenbögen. (Weitere Tipps direkt aus dem Zielort findest du in unserem Artikel über Jasper, Kanada oder schau auf die offizielle Seite des Jasper Nationalparks.)
Essen und Trinken unterwegs
Essen auf der Strecke? Nun, wie sage ich es schön. Verlass dich auf das absolute Minimum, und für das, was es gibt, zahlst du auf eine Weise drauf, die dich nach der Heimkehr noch eine Weile ärgert. Im Besucherzentrum beim Columbia Icefield kannst du dir im Notfall einen durchschnittlichen und ziemlich teuren Burger mit Pommes gönnen, dasselbe gilt für das Restaurant im The Crossing Resort, wo die Preise sogar noch ein Stück höher sind.
Der beste und cleverste Weg, die ganze Reise schön zu genießen und obendrein nicht wenig Geld für das abendliche Bier in Jasper zu sparen, ist, sich schon einen Tag vorher im Supermarkt einen großen Vorrat an Lebensmitteln zu kaufen. ☺️
Wohin weiter
Der Icefields Parkway ist nur ein großartiger Stopp in einem größeren Roadtrip durch Alberta und British Columbia. Schau auch in unsere weiteren Artikel:
- Den Beginn der Reise planst du am besten nach unserem Guide zum Banff Nationalpark oder dem Artikel Was man rund um Lake Louise sehen sollte.
- Am anderen Ende der Strecke lies unseren Guide zum Jasper Nationalpark nach dem Brand von 2024.
- Wenn du statt Banff eine ruhigere Basis suchst, schau dir den Vergleich Canmore vs. Banff an.
FAQ — Häufig gestellte Fragen zum Icefields Parkway
Ich habe die häufigsten Fragen gesammelt, die mir von Lesern erreichen, die eine Reise über den Icefields Parkway planen. Wenn dir etwas fehlt, schreib mir gern.
Jak je Icefields Parkway dlouhá a jak dlouho zabere ji projet?
Icefields Parkway (dálnice 93N) měří 232 kilometrů mezi Lake Louise a Jasperem. Bez zastávek byste ji zvládli za zhruba 3 hodiny, ale upřímně — to byste se obrali o všechno, kvůli čemu sem jedete. Počítejte minimálně s jedním celým dnem od svítání do soumraku, ideálně rozdělte trasu na dva dny s nocí v Jasperu nebo na trase.
Potřebuji vstupenku do národního parku?
Ano. Icefields Parkway prochází národními parky Banff a Jasper, takže potřebujete platnou denní vstupenku Parks Canada (asi 11 CAD na osobu / den). Pokud cestujete po Kanadě déle, vyplatí se roční Discovery Pass za zhruba 75 CAD. Pas si můžete koupit u mýtné brány u Lake Louise, v návštěvnickém centru nebo online.
Kdy je nejlepší doba na cestu po Icefields Parkway?
Hlavní sezóna je od června do konce září. V červenci a srpnu jsou jezera nejjasněji tyrkysová a všechny zastávky otevřené, ale i nejvíc plno. Polovina září až začátek října jsou nádherné s zlatými modříny a méně lidmi. V zimě je velká část trasy z bezpečnostních důvodů uzavřena nebo extrémně náročná — pro běžné turisty nedoporučuji.
Dá se Icefields Parkway projet bez vlastního auta?
Teoreticky ano — jezdí tudy organizované zájezdy z Banffu a Jasperu (například Brewster Express nebo SunDog Tours), ale ty mají pevný itinerář a krátké zastávky. Pokud chcete poznat trasu opravdu naplno, vlastní auto z půjčovny je nepřekonatelné. Veřejná doprava tu prakticky neexistuje.
Je na Icefields Parkway mobilní signál?
Téměř vůbec ne. Mimo Lake Louise, The Crossing Resort uprostřed trasy a Jasperu počítejte s nulovým signálem na celých 200 kilometrech. Stáhněte si offline mapy (Google Maps i Maps.me), kontakty a všechno potřebné dopředu — a pokud se vám rozbije auto, počítejte s tím, že budete čekat na projíždějícího řidiče.
Kde mám natankovat?
Natankujte plnou nádrž už v Lake Louise nebo Banffu, druhá (a poslední) benzínka na trase je v The Crossing Resortu zhruba v polovině cesty. Ceny tam jsou extrémně vysoké, takže ji berte jen jako záchrannou síť. V Jasperu na konci trasy je benzínek víc a ceny už normální.
Můžu na Icefields Parkway potkat medvěda?
Ano, a celkem často! V parku žijí jak medvědi baribalové (černí), tak grizzlyové. Často je můžete vidět pást se přímo u silnice — v tom případě nikdy nevystupujte z auta, fotky dělejte přes okno a pomalu projeďte dál. Pokud chodíte po stezkách, vždy noste sprej na medvědy (bear spray) a dělejte hluk.
Tipps und Tricks für deinen Urlaub
Zahle nicht zu viel für Flugtickets
Suche Flüge auf Kayak. Es ist unsere Lieblingssuchmaschine, weil sie die Webseiten aller Fluggesellschaften durchsucht und immer die günstigste Verbindung findet.
Buche deine Unterkunft clever
Die besten Erfahrungen bei der Suche nach Unterkünften (von Alaska bis Marokko) haben wir mit Booking.com gemacht, wo Hotels, Apartments und ganze Häuser meist am günstigsten und in der größten Auswahl verfügbar sind.
Vergiss die Reiseversicherung nicht
Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.
Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).
Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
Finde die besten Erlebnisse
Get Your Guide ist ein riesiger Online-Marktplatz, auf dem du geführte Spaziergänge, Ausflüge, Skip-the-Line-Tickets, Touren und vieles mehr buchen kannst. Dort finden wir immer etwas besonders Spaßiges!
