#1 Tourist in Prag: Die besten Pfannkuchen Europas sollen hier sein

Wer lange Zeit an ein und demselben Ort lebt, merkt irgendwann, wie die Tage immer gleicher werden. Besonders dann, wenn man als Freelancer von zuhause aus arbeitet. Routine ist der schnellste Weg in die Langeweile. Wir gehören nicht zu den Menschen, die ständig in Restaurants, Cafés und Bars herumhängen – die meiste Zeit kochen wir selbst und trinken Kaffee und Wein daheim.

Das hat praktische und finanzielle Gründe, aber auch den, dass wir so besser kontrollieren, was wir essen. Dieses Wochenende sollte alles anders sein. Hier ist unser Leitfaden, wie man in Prag, Tschechien, für 48 Stunden zum Touristen in der eigenen Stadt wird.

 

48 Stunden lang waren wir Touristen in unserer eigenen Stadt

Auf den Fotos wirkte das Coffee Room ruhiger – am Samstag war es jedoch brechend voll
Auf den Fotos wirkte das Coffee Room ruhiger – am Samstag war es jedoch brechend voll (fotografiert mit Canon 6D)

 

Wir haben ein paar Kilo zugelegt. Wir haben Orte besucht, an denen Touristen Schlange für ihr Essen stehen und das Personal einen zuerst auf Englisch anspricht. Wir haben auch einen Abstecher in den Orient gemacht und nachgesehen, wo es angeblich „das beste Pho in Prag“ geben soll. Unser Programm war vollgepackt mit vermeintlichen Superlativen. Schaut selbst!

 

Brunch im Coffee Room
Avocado-Orgasmus im Coffee Room. (fotografiert mit Canon 6D)

Brunch im Coffee Room

Wir starteten zu einer Uhrzeit, die unsere Großeltern wohl eher als Mittagszeit bezeichnet hätten. Aber ein bisschen Schlaf-Luxus am Wochenende darf wohl sein.

 

Das größte Verwöhnen für uns war das Süße. Zucker gehört sonst nicht zu unserem Alltag.
Das größte Verwöhnen für uns war das Süße. Zucker gehört sonst nicht zu unserem Alltag. (fotografiert mit Canon 6D)

 

Zum Glück serviert das Coffee Room Frühstück am Samstag bis 14:00 Uhr, sodass wir es gemütlich angehen konnten. Das wunderbar hipsterische Ambiente des kleinen Cafés in der Korunní-Straße ist allerdings bis auf den letzten Platz gefüllt – von der beschaulichen Atmosphäre auf den Fotos ist in der Realität wenig zu spüren. Kein Wunder bei dem Angebot.

 

Sie nennen es „Poppyseed Cake
Sie nennen es „Poppyseed Cake“, aber im Grunde ist es unser geliebter Mohnkuchen. (fotografiert mit Canon 6D)

 

Von ihrem Avocado-Toast werde ich noch lange träumen. Den Kaffee würden wir nicht unbedingt wiederholen – er sah zwar wunderschön aus, war uns aber zu zitruslastig. Oder wie Lukáš sagte: „Hm, ganz schön sauer.“ Vielleicht wechseln sie auch regelmäßig die Bohnen, also lasst euch nicht abschrecken. Hundert Menschen, hundert Geschmäcker 🙂

 

Der Kaffee wirkte etwas säuerlicher – wahrscheinlich war es einfach eine zitrusbetonte Afrika-Röstung, die nicht ganz unser Geschmack ist.
Der Kaffee war uns etwas zu sauer – wahrscheinlich einfach eine zitrusbetonte Afrika-Röstung, die nicht ganz unser Ding ist. (fotografiert mit Canon 6D)

Nervous Trees von Krištofa Kintera

Die Waschmaschinen aus dem Rudolfinum habt ihr sicher schon auf Social Media gesehen, falls ihr die Ausstellung Nervous Trees von Krištofa Kintera noch nicht persönlich besucht habt. Der Eintritt ist kostenlos und offenbar begeistert die Installation selbst die Kleinsten.

 

Diese Waschmaschinen sind gerade überall auf Instagram :-)
Diese Waschmaschinen sind gerade überall auf Instagram 🙂 (fotografiert mit Canon 6D)

Irgendwas zwischen Mittagessen und Abendessen – orientalisch

Der Hunger stellte sich beim Spaziergang durch Prag wie von Geisterhand ein, und so landeten wir im Reiserestaurant Hedvábná stezka (Seidenstraße) nahe dem Nationaltheater. Im Libanon isst man typischerweise kein großes Hauptgericht, sondern teilt sich mehrere kleine Gerichte. Wir machten es genauso und bestellten gefülltes Pitabrot mit Käse, Falafel, gefüllte Teigtaschen und dazu Hummus. Für zwei Personen war das vollkommen ausreichend – zumal wir noch Zimtkuchen und gewürzte Halva auf dem Plan hatten.

 

Für schöne Fotos eignet sich das Restaurant des Reiseclubs Hedvábná stezka nicht wirklich. Aber das Essen ist es wert.
Das Essen war schon weg, bevor wir es fotografieren konnten. 🙂 Nächstes Mal! (fotografiert mit Canon 6D)

Wein. Richtig guter.

Am Vinograf bin ich schon seit Jahren vorbeigegangen, ohne je hineinzuschauen. Gewonnen hat er mich gleich beim ersten Blick auf die Website – ich entdeckte, dass es dort einen Wein namens Lucie gibt. Wer könnte da widerstehen? Das Vinograf überraschte uns mit einer intimen Atmosphäre, die wir nach einem Tag in den Menschenmassen dringend brauchten. Einen besseren Service in Prag findet man nur schwer, und aus der breiten (wirklich breiten) Weinauswahl findet sich garantiert etwas für jeden Geschmack. Im Zweifelsfall berät das Personal gerne.

 

Wer kann Lucie widerstehen?
Wer kann Lucie widerstehen? (fotografiert mit Canon 6D)

Das Kino als Retter in der Not

Lucie war ausgezeichnet – gut, dass wir in eineinhalb Stunden ins Kino mussten, sonst wäre es vielleicht nicht bei einem Glas geblieben. Und am nächsten Tag hieß es wieder: Tourist spielen.

 

Für das Frühstück standen wir Schlange

Den Noc
Den Noc – Sie kocht gerne, er trinkt Wein. So beschreiben sich die Betreiber dieses Bistros. Wir mögen beides. (fotografiert mit Canon 6D)

 

Die besten Pfannkuchen Europas. Über das Bistro Den Noc liest man kaum etwas Negatives – höchstens, dass es klein ist und man warten muss. Auch wir kamen nicht darum herum und warteten gut fünfzehn Minuten auf einen Tisch vor dem Bistro. Die Karte bietet mehrere Varianten süßer und herzhafter Pfannkuchen.

 

Ich in der Rolle des Hauptschlemmer.
Ich in der Rolle des Hauptschlemmers. (fotografiert mit Canon 6D)

 

Dieses Wochenende haben wir uns ganz klar dem Süßen verschrieben. Wir beide lieben Süßes und beide verzichten normalerweise darauf. Lukáš nahm seinen mit Lindt-Schokolade, Schlagsahne und einer extra Portion Eis, ich entschied mich für Zimt, Butter und Banane.

Der Kaffee war zwar schlichter als im Coffee Room, ohne den sauren Abgang – dafür war die Milch etwas zu heiß aufgeschäumt (wir sind Kaffeejunkies, das habt ihr schon bemerkt, oder?). Am besten hätte uns zu den Pfannkuchen ein klassischer Filterkaffee gepasst – den gibt es leider nicht.

 

Hallo, Kalorienbombe
Hallo, Kalorienbombe. (fotografiert mit Canon 6D)

Kultureller Geheimtipp: Das DOX

Als wir in Kanada waren, wurde gerade das Luftschiff im DOX eröffnet. Ich hatte mir vorgenommen, gleich nach unserer Rückkehr dort vorbeizuschauen. Doch die Zeit verging und wir fanden nie ein paar freie Stunden.

VOR AUGEN: Geschichten aus dem Irak
VOR AUGEN: Geschichten aus dem Irak. (fotografiert mit Canon 6D)

Das freie Wochenende nutzten wir schließlich, um das Luftschiff zu besuchen und gleich noch die Ausstellung VOR AUGEN: Geschichten aus dem Irak mitzunehmen, auf die ich mich schon länger gefreut hatte.

Im Luftschiff!
Im Luftschiff! (fotografiert mit Canon 6D)

 

Wenn mich jemand fragt, wohin man in Prag zum Ausstellungsbesuch gehen soll, sage ich immer: ins DOX. 99 % der dortigen Ausstellungen ist wirklich sehenswert – zu den besten Prag Sehenswürdigkeiten zählt es auf jeden Fall.

 

Ab an Bord!
Ab an Bord! (fotografiert mit Canon 6D)

Wo ist (nicht) das beste Pho?

„Ich hätte Lust auf Pho.“ Diesen Satz höre ich von Lukáš ungefähr jeden zweiten Tag – es überrascht mich also kaum, wenn wir unsere Pläne für das nächste Hipster-Bistro spontan ändern und das Wochenende im Pho u Letné ausklingen lassen, über das – wie über viele andere – geschrieben steht, es sei das beste Pho in Prag.

 

Angeblich das beste Pho in Prag. Wahrscheinlich eines von vielen angeblich besten.
Angeblich das beste Pho in Prag. Wahrscheinlich eines von vielen angeblich besten. (fotografiert mit Canon 6D)

 

Wie die meisten vietnamesischen Restaurants wirkt es von innen schlicht und auf den ersten Blick unscheinbar. Trotzdem ist es rappelvoll. Ich bin kein Pho-Fan und bestelle daher ein Curry im Keramiktopf mit Reis.

Als Vorspeise nehmen wir Frühlingsrollen. Die sind etwas fettiger als gewohnt, verschwinden aber trotzdem rasend schnell. Das Pho könnte etwas kräftiger sein, das Curry kann ich hingegen wärmstens empfehlen.

 

Ich bin kein Pho-Fan. Ich nehme lieber Curry.
Ich bin kein Pho-Fan. Ich nehme lieber Curry. (fotografiert mit Canon 6D)

Wenn wir in der Nähe und hungrig sind, kommen wir sicher wieder – aber als unser Lieblingsvietnamese in Prag wird es wohl nicht in unsere Liste aufgenommen.

 

Wohin soll es als nächstes gehen? Habt ihr Tipps für uns? Schreibt sie in die Kommentare. 🙂

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