Wenn von der Nordküste dieser italienischen Insel die Rede ist, denken viele automatisch nur an luxuriöse Yachten und überteuerte Resorts an der berühmten Smaragdküste. Aber ich muss dir ein Geheimnis verraten, denn der wahre und etwas authentischere Schatz liegt genau auf der gegenüberliegenden Seite. Der Nordwesten Sardiniens ist nämlich eine absolut faszinierende Mischung aus karibisch anmutenden Stränden, mittelalterlichen Städtchen auf Klippen und wilder Natur, die vom Massentourismus der reichsten Schichten noch nicht verschluckt wurde. Es ist wohl die beste Wahl für all jene, die in einem einzigen Urlaub sowohl das Baden im türkisblauen Wasser als auch Streifzüge durch historische Gassen erleben möchten.
Diese Region hat zudem einen großen Vorteil bei der eigenen Logistik, denn dank des Flughafens in Alghero gelangst du sehr leicht hierher, und insgesamt herrscht hier ein deutlich günstigeres Preisniveau als im Nordosten. Reisende loben oft, dass sie gerade hier die perfekte Balance zwischen guter Ausstattung und Ruhe gefunden haben, wobei die lokale Kultur noch immer ihren stolzen Inselcharakter bewahrt. Egal ob du dich auf das Verkosten schwerer Rotweine freust oder unbedingt die halbwilden weißen Eselchen sehen möchtest – dieser Zipfel der Insel wird dich garantiert begeistern.
Interessiert dich, was man im Nordwesten Sardiniens sehen sollte, um deine Zeit optimal zu nutzen und nichts Wichtiges zu verpassen? In diesem Reiseführer findest du 10 Tipps für die schönsten Orte – vom berühmten Strand La Pelosa über das pastellfarbene Bosa bis zum historischen Castelsardo. Natürlich dürfen auch praktische Ratschläge zu Mietwagen, Bußgeldern und Reservierungen nicht fehlen, damit du völlig entspannt in den Urlaub starten kannst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Der berühmteste Strand: La Pelosa beim Städtchen Stintino lockt mit weißem Sand und flachem Wasser, erfordert in der Saison aber eine Reservierung im Voraus und eine vorgeschriebene Unterlage fürs Handtuch.
- Das schönste Städtchen: Bosa verzaubert dich mit seinen bunten Häuschen, die sich auf einem Hügel über dem einzigen schiffbaren Fluss der Insel stapeln.
- Verkehr und Straßen: Ohne Mietwagen kommst du hier nur schwer zurecht, und die Panoramastraße SP105 von Alghero nach Bosa ist für sich allein schon ein riesiges Erlebnis.
- Geschichte und Kultur: Castelsardo bietet eine wunderschöne mittelalterliche Burg auf einer Klippe und das traditionelle Handwerk des Korbflechtens.
- Einzigartige Natur: Der Nationalpark Asinara, den du per Boot erreichst, verbirgt ein verlassenes Gefängnis und Herden seltener weißer Eselchen.
- Tücken: Achte vor allem auf die Einfahrten in die historischen Zentren, die sogenannten ZTL-Zonen, wo hohe Bußgelder von automatischen Kameras drohen.
Wann du in den Nordwesten Sardiniens reisen solltest und wie du dich hier fortbewegst
Den richtigen Zeitpunkt für deinen Besuch zu planen ist wohl der wichtigste Schritt, um die Insel ins Herz zu schließen. Reisende sind sich weitgehend einig, dass die besten Monate für einen Besuch der Juni und der September sind. Im Juni erwartet dich bereits stabile Wärme mit Temperaturen um 25 bis 28 Grad und angenehm aufgewärmtes Meer, während du im September das vom ganzen Sommer durchwärmte Wasser ohne die schlimmsten Menschenmassen genießt. Juli und August würde ich persönlich dagegen eher meiden, denn die Temperaturen klettern auf bis zu 35 Grad, die Übernachtungspreise schießen steil in die Höhe und rund um den italienischen Feiertag Ferragosto Mitte August platzt die Insel buchstäblich aus allen Nähten. Mai und Oktober sollen fantastisch für Wanderungen und Sightseeing sein, doch das Meer kann zum Baden noch recht erfrischend kühl sein. Das Wetter auf Sardinien ist generell mild, lass dich aber im Frühjahr nicht von den warmen Lufttemperaturen täuschen.
Logistisch ist diese Region dank des internationalen Flughafens direkt in Alghero besonders bequem, denn dorthin fliegen Billigfluggesellschaften aus vielen europäischen Städten. Von Deutschland aus kommst du mit Eurowings oder Lufthansa gut hin, alternativ kannst du auch den etwas weiter entfernten Flughafen in Olbia nutzen. Sobald du aus dem Flieger steigst, empfehle ich dir unbedingt, einen Mietwagen zu nehmen, denn der öffentliche Nahverkehr ist hier recht schwach und zu den schönsten abgelegenen Stränden fahren schlicht keine Busse. Bei der Wahl der Vermietung solltest du allerdings sehr aufpassen und die Bewertungen sorgfältig lesen, denn einige internationale Ketten haben den Ruf, am Schalter aggressiv teure Versicherungen aufzudrängen. In Foren raten viele lieber zu lokalen sardischen Vermietungen, die oft entgegenkommender sind und nicht selten auch eine normale Debitkarte akzeptieren.
Die Fortbewegung auf der Insel hat ihre klaren Eigenheiten, und Geschwindigkeitsrekorde wirst du hier sicher nicht aufstellen. Die Entfernungen wirken auf der Karte zwar kurz, doch wegen der kurvigen Berg- und Küstenstraßen solltest du mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 40 Kilometern pro Stunde rechnen. Die größte Falle für Touristen sind aber zweifellos die Zonen mit Einfahrtsbeschränkung, ZTL genannt (Zona a Traffico Limitato), die sich in den historischen Zentren von Städten wie Alghero, Bosa oder Castelsardo befinden. Die Einfahrten werden von automatischen Kameras überwacht, und wenn du das Schild ignorierst, kommt dich ein Bußgeld von 80 bis 200 Euro garantiert nicht aus. Es ist also viel sicherer, das Auto auf größeren gebührenpflichtigen Parkplätzen vor dem Zentrum abzustellen und den Rest gemütlich zu Fuß zu gehen.
Wo du im Nordwesten Sardiniens übernachten solltest
Die Wahl der richtigen Basis ist für einen entspannten Urlaub absolut entscheidend, denn das ständige Umherfahren auf kurvigen Straßen kann einen ziemlich schnell ermüden. Wenn du einen Ort suchst, von dem aus du es nah zu Sehenswürdigkeiten, tollen Restaurants und zum Nachtleben hast, erscheint die Stadt Alghero und ihre unmittelbare Umgebung als idealer strategischer Ausgangspunkt. Etwas weiter nördlich bei Stintino findest du fantastische Resorts und Apartments, die vor allem Liebhaber ganztägigen Strandvergnügens schätzen werden, auch wenn es abends hier etwas ruhiger zugeht. Für romantische Seelen ist dagegen die Gegend um Bosa unglaublich verlockend, wo du schöne Unterkünfte in historischen Gebäuden mit Flussblick findest – was wiederum eine ganz andere, ruhigere Atmosphäre mit sich bringt.
Der Nordwesten ist die beste Basis für den ersten Besuch – er verbindet Kultur, Strände und einen eigenen Flughafen und ist deutlich günstiger als die Costa Smeralda. Alghero deckt in drei Tagen die ganze Ecke ab, wer der karibischen La Pelosa so nah wie möglich sein möchte, steuert Stintino an. Hier unsere Tipps je nach Urlaubsstil:
💑 Für Paare und Stil: Hotel Villa Las Tronas (Alghero) — historische Villa auf einer eigenen Halbinsel mit Meer auf drei Seiten; Romantik und Ruhe ganz nah am Zentrum von Alghero.
👨👩👧 Für Familien nahe La Pelosa: Hotel Rocca Ruja (Stintino) — in Stintino nur einen Steinwurf von der karibischen La Pelosa entfernt, morgens früher am Strand als die Massen.
💰 Für die beste Lage im Zentrum: Hotel Catalunya (Alghero) — modernes Hotel im Herzen von Alghero mit Dachterrasse und Blick auf die Stadtmauern und das Meer.
🎨 Für das pastellfarbene Städtchen Bosa: Corte Fiorita Albergo Diffuso (Bosa) — verstreutes Hotel in den bunten Gassen von Bosa am Fluss, eine der fotogensten Adressen der Insel.
💡 Ein kleiner Tipp zum Schluss: Die meisten Hotels buchst du über Booking.com mit kostenloser Stornierung, sodass du deinen Lieblingsort gleich reservieren und dich später in aller Ruhe entscheiden kannst. Warte aber nicht zu lange – die begehrtesten Adressen am Meer sind für Juli und August oft schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht und die Preise in der Hauptsaison klettern um zig Prozent nach oben.
Die schönsten Strände des Nordwestens
Die hiesige Küste ist durch ihre Wandelbarkeit absolut einzigartig, denn auf wenigen Dutzend Kilometern findest du feinen weißen Sand, der an die Tropen erinnert, ebenso wie dramatische Klippen, die steil ins Meer abfallen. Schauen wir uns die interessantesten Orte an, an denen du dein Handtuch ausbreiten und das glasklare Wasser genießen kannst.
1. La Pelosa und Stintino — Karibiktraum mit strengen Regeln
Das ist ohne Übertreibung einer der berühmtesten Strände ganz Europas, und wenn du dir die Fotos ansiehst, verstehst du sofort, warum. Der Strand La Pelosa liegt am äußersten nordwestlichen Zipfel der Insel beim Fischerstädtchen Stintino und bietet ein unglaublich flaches, kristallklares Wasser, das von hellem Türkis in ein sattes Blau übergeht. Der schneeweiße Sand ist so fein, dass er an Mehl erinnert, und das gesamte herrliche Panorama wird durch den historischen Wachturm Torre della Pelosa abgerundet, der auf einer kleinen Insel unweit des Ufers steht. Das Wasser ist hier ruhig und warm, was es zum absoluten Paradies für alle macht, die langes und gemütliches Baden ohne große Wellen lieben.

Diese Schönheit hat allerdings ihren Preis, und die lokalen Behörden mussten in den letzten Jahren sehr strenge Schutzregeln einführen, damit der Strand unter dem Ansturm der Touristen nicht völlig verschwindet. In der Hauptsaison von Mitte Mai bis Mitte Oktober ist die tägliche Kapazität auf 1.500 Besucher begrenzt und du musst dir den Eintritt online reservieren – idealerweise rechtzeitig im Voraus über die offizielle App. Der Eintritt kostet 3,50 Euro pro Person und vor Ort gilt die absolute Pflicht, unter dem Stoffhandtuch noch eine feste Stroh- oder Bambusmatte zu haben. Solltest du diese Matte vergessen, sind die örtlichen Aufseher angeblich kompromisslos und es droht dir ein Bußgeld von bis zu 100 Euro, was dich wohl mehr ärgern würde als ein Sonnenbrand auf dem Rücken 😅. Überprüfe daher vor der Reise immer die aktuellen Bedingungen für die jeweilige Saison, damit du am Eingang keine böse Überraschung erlebst.
2. Capo Falcone und die umliegenden Strände
Gleich um die Ecke der berühmten La Pelosa befindet sich die dramatische Landspitze Capo Falcone, die einen ganz anderen, raueren Anblick bietet. Die hiesigen Klippen fallen steil hinab ins tiefblaue Meer und die ganze Gegend ist ein beliebtes Ziel für Liebhaber atemberaubender Ausblicke und Fotografie. Falls es dir nicht gelingt, die ersehnte Reservierung für La Pelosa zu ergattern, verzweifle nicht, denn die Umgebung von Stintino bietet jede Menge weiterer wunderschöner Badeplätze. Reisende empfehlen sehr oft den nahegelegenen Strand La Pelosetta, der etwas kleiner und kieseliger ist, aber dennoch einen fantastischen Wasserzugang und einen schönen Blick auf den alten Wachturm bietet. Eine weitere tolle Alternative ist der weitläufige Strand Ezzi Mannu, wo du selbst an den vollsten Sommertagen viel mehr Platz und Ruhe genießt.

3. Nationalpark Asinara und die berühmten weißen Eselchen
Nur eine kurze Bootsfahrt von Stintino entfernt liegt eine Insel mit einer absolut faszinierenden und etwas düsteren Geschichte. Heute ist es der streng geschützte Nationalpark Asinara, doch über hundert Jahre lang diente diese Insel als isolierte Sträflingskolonie und Hochsicherheitsgefängnis, in das der italienische Staat die schwersten Mafiabosse schickte. Gerade dank dieser langen Isolation von der Außenwelt blieb die Natur hier völlig unberührt und heute ist die Insel Zufluchtsort vieler geschützter Tiere. Der absolut größte Anziehungspunkt sind die Herden seltener weißer Eselchen, also Albinos, die hier frei durch das Buschwerk streifen und ein niedliches Symbol des gesamten Parks darstellen.

Mit dem eigenen Auto darf man die Insel nicht befahren, und die einzige Möglichkeit ist die offizielle Bootsverbindung aus den Häfen Porto Torres oder direkt aus Stintino. Sobald du auf dem Festland ankommst, kannst du dir Fahrräder mieten, an einer geführten Jeep-Tour teilnehmen oder dich in einem kleinen Elektromobil herumkutschieren lassen. Die Besichtigung der verlassenen Gefängnisgebäude in Kombination mit der wilden Natur und den völlig menschenleeren Buchten schafft laut Besuchern ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.
Das pastellfarbene Bosa und die Panoramastraße
Wenn du ein Stück weiter nach Süden ziehst, beginnt sich die Landschaft zu verändern und die Klippen weichen malerischen Tälern. Dieser Teil der Insel verbirgt ein architektonisches Juwel, das auszulassen eine riesige Sünde wäre, auch wenn es etwas abseits der wichtigsten Strandzentren liegt.
4. Das Städtchen Bosa und der einzige schiffbare Fluss der Insel
Müssten wir einen Wettbewerb um den fotogensten Ort Sardiniens ausrufen, würde sich das Städtchen Bosa mit riesigem Vorsprung um den ersten Platz balgen. Stell dir einen steilen Hügel vor, an dem dicht nebeneinander hohe Häuser gestapelt sind, die in allen erdenklichen Pastellfarben leuchten – von sattem Gelb über Rosa bis zu Himmelblau. Dieses historische Viertel namens Sa Costa bildet ein absolut märchenhaftes Labyrinth aus engen gepflasterten Gassen, wo auf Leinen Wäsche trocknet und alte Großmütter gelegentlich noch auf der Türschwelle sitzen. Bosa liegt am Ufer des Flusses Temo, der zufällig der einzige schiffbare Fluss ganz Sardiniens ist. Entlang des Wassers führt eine schöne Promenade, gesäumt von alten Gerbereien, die auf die reiche industrielle Vergangenheit dieses scheinbar verschlafenen Ortes verweisen. Aktuelle Besuchstipps findest du auch auf der offiziellen Tourismus-Website Sardiniens.

5. Die Burg Malaspina mit herrlichen Ausblicken
Die gesamte bunte Pracht von Bosa wird ganz oben auf dem Hügel von der mittelalterlichen Burg Malaspina beherrscht, die manchmal auch als Castello di Serravalle bezeichnet wird. Die ursprüngliche Festung ließ ein toskanisches Adelsgeschlecht bereits im zwölften Jahrhundert errichten, um das strategische Flusstal vor Überfällen vom Meer her zu schützen. Obwohl bis heute überwiegend nur die mächtigen Mauern und einige Türme erhalten sind, lohnt sich der Aufstieg auf jeden Fall trotz der kleinen Mühe. Zur Belohnung erwartet dich nämlich ein Panoramablick auf das ganze bunte Städtchen und den sich windenden, in der Ferne verschwindenden Fluss. Im Inneren des Burgareals befindet sich zudem die unscheinbare Kirche Nostra Signora de Sos Regnos Altos, die unerwartet gut erhaltene mittelalterliche Fresken birgt, die erst in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zufällig entdeckt wurden.

6. Panoramastraße SP105 Alghero–Bosa
Die Fahrt von Alghero hinunter nach Bosa ist nicht bloß ein Wechsel von Punkt A nach Punkt B, sondern ein vollwertiges Erlebnis, das viele Reisende als einen der Höhepunkte des gesamten Urlaubs bezeichnen. Die Küstenstraße SP105 windet sich nämlich über volle fünfundvierzig Kilometer unglaublich kurvig hoch oben auf steilen Klippen direkt über dem aufgewühlten Meer. Es gibt hier keine einzige Stadt, keine Tankstellen, einfach nur wilde Natur, duftende Macchia und Ausblicke ins Unendliche. Angeblich ist es ein absolut perfekter Ort, um den Sonnenuntergang zu beobachten, wenn die Felsen einen wunderschönen goldenen Schimmer annehmen. Mit etwas Glück kannst du, wenn du aufmerksam in den Himmel oder auf die Felsvorsprünge schaust, die hier brütenden Gänsegeier erblicken, die sogenannten Grifoni, für die dieser raue Küstenabschnitt der natürliche Lebensraum ist. Vor der Fahrt empfehlen wir, das Wetter und die Windstärke etwa auf Windfinder zu checken, damit du die Aussicht in vollen Zügen genießen kannst.

Castelsardo und der historische Norden
Wenn du dich entlang der Küste in Richtung Osten vom Hafen Porto Torres aus auf den Weg machst, stößt du auf eine Gegend, die uralte Geschichte atmet und Denkmäler birgt, die Hunderte oder gar Tausende Jahre alt sind. Ein toller Kontrast zum Faulenzen am Strand.
7. Das mittelalterliche Castelsardo und die Burg Doria
Castelsardo ist genau die Art von Städtchen, das dich schon von Weitem in seinen Bann zieht. Es thront auf einem mächtigen vulkanischen Felsvorsprung, der hoch über den Meeresspiegel ragt, und das gesamte Panorama wird von der majestätischen Castello dei Doria beherrscht, einer Festung aus dem zwölften Jahrhundert, die das mächtige Genueser Geschlecht gründete. Das Hinaufklettern durch die engen steilen Gassen zur Burg ist ein ziemlich solides Cardio-Training, aber die atemberaubenden Ausblicke auf den Golf von Asinara entschädigen dich reichlich dafür. Das historische Zentrum ist voller kleiner Läden und Handwerkswerkstätten, denn Castelsardo ist berühmt für seine lange Tradition des Korbflechtens. Direkt in den Räumen der Burg befindet sich heute sogar ein interessantes Korbflechtermuseum, das die Kunst der Verarbeitung von Zwergpalmenblättern und Schilfrohr detailliert zeigt. Vergiss bei deinem Spaziergang nicht, auch in die Kathedrale Sant’Antonio Abate zu schauen, deren mit bunter Majolika geschmückter Glockenturm weithin sichtbar ist. Öffnungszeiten der Burg und aktuelle Informationen findest du auf der offiziellen Website der Stadt Castelsardo.

8. Roccia dell’Elefante – der Elefantenfelsen
Nur wenige Autokilometer von Castelsardo entfernt befindet sich eines der bizarrsten und meistfotografierten Naturdenkmäler der weiteren Umgebung. Direkt am Straßenrand ragt hier aus dem Nichts ein riesiges Stück Trachytfels empor, das Erosion und starke Winde in eine Form gebracht haben, die ganz genau an einen sitzenden Elefanten mit zur Erde gesenktem Rüssel erinnert. Der Elefantenfelsen ist aber nicht nur wegen seiner Form interessant, denn er verbirgt auch ein mehrere Jahrtausende altes Geheimnis. In seine Seiten sind nämlich kleine Grabkammern aus der Jungsteinzeit gehauen, die sogenannten Domus de Janas, was poetisch übersetzt „Häuser der Feen“ bedeutet. Es ist ein idealer kurzer Stopp, um die Beine zu vertreten und ein witziges Foto zu schießen.

9. Porto Torres und die imposante Basilika San Gavino
Die Stadt Porto Torres wirkt auf den ersten Blick zwar vor allem wie ein geschäftiger Industriehafen, in den ständig riesige Fähren vom italienischen Festland oder aus Frankreich einlaufen, doch sie birgt wirklich bedeutende historische Juwelen. In der Antike hieß dieser Ort Turris Libisonis und war einer der wichtigsten römischen Häfen der Insel, wobei du die Überreste antiker Thermen mit Mosaiken hier bis heute bewundern kannst. Der allerwichtigste Grund für einen Besuch ist aber die romanische Basilika San Gavino, die größtenteils aus weißem Kalkstein erbaut wurde und das größte und bedeutendste romanische Bauwerk ganz Sardiniens darstellt. Ihr nüchternes, aber überaus majestätisches Inneres soll eine unglaubliche Ruhe und mystische Atmosphäre ausstrahlen.

10. Das verlassene Bergbaustädtchen Argentiera
Unser letzter Tipp für diese Region ist ziemlich ungewöhnlich und wird allen gefallen, die geheimnisvolle Industrieorte mit Geisterstadt-Atmosphäre mögen. Das verlassene Bergbaustädtchen Argentiera liegt an einem rauen Küstenabschnitt westlich von Porto Torres, wo über Jahrhunderte mit Unterbrechungen Silber und Blei abgebaut wurden. Die Mine wurde in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts endgültig geschlossen und die meisten Bewohner zogen von hier fort. Heute findest du hier einen faszinierenden Komplex zerfallender hölzerner Fördertürme und Fabrikhallen, die in scharfem Kontrast zum wilden Strand und dem dunklen Sand direkt darunter stehen. Die Behörden bemühen sich in den letzten Jahren, das Areal teilweise zu sanieren und zu konservieren, sodass daraus langsam ein fantastisches Freilichtmuseum entsteht, das angeblich einen eigentümlich melancholischen, aber sehr fotogenen Zauber besitzt.

Was du im Nordwesten Sardiniens probieren solltest
Wenn du durch Italien reist, gehört das Essen immer zu den Hauptpunkten des Programms, und dieser Teil der Insel ist da keine Ausnahme. Die sardische Küche ist stark von der Hirtentradition des Hinterlands geprägt, was eine absolut tolle Nachricht für alle ist, die hervorragende vegetarische Möglichkeiten voller großartiger Käsesorten und Gemüse suchen.
Unbedingt probieren musst du die lokale Spezialität namens Culurgiones – das sind wunderschön geflochtene Teigtaschen, gefüllt mit einer reichhaltigen Mischung aus Kartoffeln, Pecorino-Käse und erfrischender Minze. Eine riesige Köstlichkeit, die du wohl in jeder traditionellen Trattoria findest. Im Restaurant bringt man dir außerdem stets das knusprige Hirtenbrot Pane Carasau auf den Tisch, das papierdünn ist und sich hervorragend zu Olivenöl eignet. Als Dessert darfst du dir die Seadas nicht entgehen lassen – eine frittierte Teigtasche, gefüllt mit jungem Käse und reichlich mit lokalem Honig übergossen. Klingt zwar etwas seltsam, soll geschmacklich aber ein absoluter Knaller sein.
Die Einheimischen schätzen zwar auch Fleischgerichte, allen voran das gebratene Spanferkel Porceddu oder die geraspelten getrockneten Fischeier Bottarga, die sie zu Pasta geben, doch ohne Fleisch kommst du hier ebenfalls problemlos auf deine Kosten. Und egal, was du zum Abendessen wählst – vergiss nicht, es mit einem Glas Malvasia di Bosa hinunterzuspülen, der an den Hängen über dem Fluss Temo angebaut wird und der große Stolz der ganzen Region ist.
Wohin als Nächstes
Wenn dich die Insel verzaubert hat und du eine umfangreichere Reiseroute planst, lass dich unbedingt von unseren weiteren ausführlichen Reiseführern inspirieren, die dir helfen, eine unvergessliche Reise zu planen.
- Einen grundlegenden Überblick über alles Wichtige findest du im umfangreichen Artikel Urlaub auf Sardinien: Was man sehen und tun sollte.
- Falls du auch über eine Kombination mit dem französischen Nachbarn nachdenkst, wirf einen Blick auf den Korsika-Reiseführer.
- Für Badeliebhaber ist unsere Auswahl Die schönsten Strände Sardiniens ein Muss.
- Detaillierte Informationen darüber, wie du mit Flugzeug oder Fähre auf die Insel kommst, haben wir im Artikel Wie man nach Sardinien kommt zusammengefasst.
Häufig gestellte Fragen
Was gibt es im Nordwesten Sardiniens zu sehen?
Nordwest-Sardinien bietet eine großartige Mischung aus Geschichte und wunderschönen Stränden. Zu den größten Attraktionen gehören der karibische Strand La Pelosa, das pastellfarbene Städtchen Bosa mit der Burg Malaspina, das historische Castelsardo auf einer Klippe und der Nationalpark Asinara mit Herden weißer Esel.
Wo ist der Strand La Pelosa und brauche ich eine Reservierung?
Der Strand La Pelosa befindet sich an der nordwestlichsten Spitze der Insel beim Städtchen Stintino. In der Hauptsaison (von Mitte Mai bis Mitte Oktober) ist eine Reservierung absolut notwendig, da die Kapazität streng auf 1.500 Personen pro Tag begrenzt ist. Das Ticket muss man sich vorab online sichern und am Strand ist es außerdem verpflichtend, unter dem Strandtuch eine feste Matte zu haben, andernfalls droht ein hohes Bußgeld.
Lohnt sich das Städtchen Bosa?
Auf jeden Fall! Laut vielen Reisenden ist Bosa eine der malerischsten Kleinstädte in ganz Italien. Besonders beeindruckend sind die bunten pastellfarbenen Häuschen, die sich am Hügel rund um den einzigen schiffbaren sardischen Fluss Temo aneinanderreihen, und über allem thront majestätisch die historische Burg Malaspina mit herrlichen Ausblicken.
Wie kommt man zum Nationalpark Asinara?
Auf die Insel Asinara ist es nicht möglich, mit dem eigenen privaten Fahrzeug zu fahren. Sie gelangen dorthin ausschließlich mit dem offiziellen Schiffsverkehr, der von den Häfen Porto Torres oder dem nahe gelegenen Stintino ausläuft. Auf der Insel können Sie sich dann mit einem gemieteten Fahrrad oder Elektroauto fortbewegen oder eine organisierte Tour im Jeep mit einem lizenzierten Reiseführer bezahlen.
Was gibt es in Castelsardo zu sehen?
Dieses historische Juwel lockt vor allem mit der mittelalterlichen Burg der Familie Doria, von der aus sich fantastische Ausblicke auf das Meer bieten. Im Inneren der Burg findet ihr ein einzigartiges Museum für traditionelle Korbflechterei. Einen Besuch wert sind auch ein Spaziergang durch die alten Gassen und die Besichtigung der Kathedrale Sant’Antonio Abate mit ihrem Glockenturm, der mit bunter Majolika verziert ist.
Welche ist die schönste Straße im Nordwesten Sardiniens?
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Der absolute Hit ist die Küsten-Panoramastraße SP105, die die Stadt Alghero mit dem Städtchen Bosa verbindet. Es erwarten dich fünfundvierzig Kilometer atemberaubende Ausblicke von den Klippen direkt aufs Meer, eine Fahrt durch unberührte Natur und die Möglichkeit, wunderschöne Sonnenuntergänge sowie seltene nistende Geier zu beobachten.
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Wo kann man im Nordwesten von Sardinien übernachten?
Es kommt auf deine Vorlieben an. Wenn du eine tolle Ausgangslage mit Flughafen, pulsierendem Leben und einfachem Zugang zu Sehenswürdigkeiten suchst, empfiehlt sich Alghero und seine Umgebung. Für Romantik und Ruhe am historischen Zentrum und Fluss ist Bosa ideal, während es für Liebhaber von Strandresorts und der Nähe zu La Pelosa Sinn macht, eine Unterkunft in der Nähe des Städtchens Stintino zu suchen.
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