Norwegen ist ein Land atemberaubender Aussichten, doch eine davon lässt selbst erfahrenen Bergsteigern zuverlässig den Puls in die Höhe schnellen. Der Aufstieg zur Trolltunga in Norwegen, der berühmten Trollzunge, ist eine gewaltige Herausforderung, von der wohl jeder Liebhaber der rauen nordischen Natur träumt – denn der Blick aus 700 Metern Höhe über dem See Ringedalsvatnet ist schlichtweg einzigartig.
Wenn du überlegst, diesen ikonischen Trek in deine Reiseroute aufzunehmen, muss ich dich allerdings vorwarnen. Das ist kein gemütlicher Nachmittagsspaziergang, sondern eine knochenharte Ganztagestour, die deine Fitness, deine Ausdauer und oft auch deine Belastbarkeit gegenüber den Launen des unberechenbaren norwegischen Wetters auf die Probe stellt.
Schauen wir uns gemeinsam an, wie du dich Schritt für Schritt auf dieses Traumziel vorbereitest. Ich verrate dir, wo du am besten parkst, wie du dir den Weg clever abkürzt und wo du strategisch übernachtest, damit du gleich früh am Morgen zum Gipfel aufbrechen kannst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Extreme Schwierigkeit: Die Strecke misst rund 28 Kilometer hin und zurück, rechne mit 10 bis 12 Stunden reiner Gehzeit.
- Ausgangspunkt: Die meisten Wanderer starten vom Parkplatz P2 Skjeggedal, der kostenpflichtig ist und nur sehr begrenzte Kapazität hat.
- Abkürzung: Wenn du den Shuttlebus zum oberen Parkplatz P3 Mågelitopp bezahlst, sparst du dir etwa 4 Kilometer sehr steilen Anstieg.
- Saison: Sicher auf den Felsen kommst du nur im Sommer, in der Regel von Mitte Juni bis Mitte September.
- Lange Warteschlange: Für das Foto am Rand des Felsens wartest du in der Hauptsaison locker eine bis zwei Stunden.
- Basislager: Die beste Infrastruktur findest du im nahen Städtchen Odda, von dem aus es nur ein kurzes Stück mit dem Auto zum Start ist.

Wann zur Trolltunga aufbrechen
Die Planung der Wanderung zur Trollzunge richtet sich nach den strengen Regeln der norwegischen Natur, weshalb ein sicherer Aufstieg ohne Bergführer nur in den Sommermonaten möglich ist. Das konkrete Zeitfenster öffnet sich normalerweise ab Mitte Juni und reicht etwa bis Mitte September – immer hängt es aber von der aktuellen Schneemenge ab, die in höheren Lagen sogar mitten im Sommer noch liegen kann.
Wenn du außerhalb dieser Hauptsaison los willst, musst du dir einen erfahrenen einheimischen Guide leisten, denn die Tage sind sehr kurz und tückisches Eis bedeckt das Gelände. Selbst im Juli kann dich oben unerwartet scharfer Wind oder dichter Nebel überraschen, deshalb ist es absolut entscheidend, ständig die lokale Wettervorhersage im Blick zu behalten und großen Respekt vor den Bergen zu haben.

Wo übernachten und wie nach Odda kommen
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten vergleichst und buchst du am besten über GetYourGuide.
Als idealer Ausgangspunkt für diesen Trek dient das Städtchen Odda, das am südlichen Zipfel des Sørfjords liegt und alle nötige Infrastruktur inklusive Supermärkten bietet. Von Bergen aus erreichst du es mit dem Auto in etwa drei Stunden, während du von Oslo eher mit sechs bis sieben Stunden Fahrt durch atemberaubende Bergpässe und entlang wilder Flüsse rechnen musst.
Da du sehr früh am Morgen starten musst, lohnt es sich, so nah wie möglich zu schlafen, und genau in Odda findest du jede Menge tolle Optionen, die du einfach über Booking reservierst. Hervorragend bewertet ist das stilvolle Trolltunga Hotel, das sogar ein großartiges vegetarisches Frühstück zum Auftanken der dringend nötigen Energie bietet, oder du probierst das beliebte Hardanger Hotel direkt im Stadtzentrum.
Wenn du lieber zeltest oder eine etwas günstigere Variante suchst, empfehlen die Einheimischen üblicherweise den Odda Camping (oft auch als Trolltunga Camping bezeichnet). In der Sommersaison ist es hier zwar ziemlich voll, aber die Gemeinschaftsatmosphäre unter Bergfreunden soll absolut großartig sein – abends teilen alle ihre Erlebnisse von der Tour.

Die Trolltunga-Wanderung Schritt für Schritt: 7 Tipps für vorab
Die Tour zum ersehnten Felsvorsprung erfordert eine gewaltige Portion Entschlossenheit und vor allem eine präzise logistische Vorbereitung. In den folgenden sieben Punkten zerlegen wir im Detail, was dich auf der rauen Strecke erwartet, wie du den kniffligen Transport löst und warum der Inhalt deines Rucksacks so wichtig ist.
Bitte vergiss nicht, dass sich die Bergbedingungen in Norwegen von Minute zu Minute ändern können und deine Sicherheit immer an allererster Stelle stehen muss. Zur schnellen Orientierung habe ich dir eine übersichtliche Tabelle mit den wichtigsten Eckdaten des gesamten Aufstiegs zusammengestellt.
| Länge (hin und zurück) | ~28 km (ab Parkplatz P2) |
|---|---|
| Zeitaufwand | 10 bis 12 Stunden |
| Gesamter Höhenunterschied | ~800 Meter |
| Schwierigkeit der Strecke | Sehr anspruchsvoll (Ganztagestour für Geübte) |
| Höhe des Felsens über dem See | ~700 Meter |

1. Was ist die Trolltunga und warum hingehen
Dieses faszinierende Naturphänomen ist ein langer, waagerechter Felsvorsprung, der in rund 700 Metern Höhe über dem tiefblauen See Ringedalsvatnet ins Leere ragt. Er entstand vor etwa 10.000 Jahren während der letzten Eiszeit, als gewaltige Eismassen einen Teil des Berges abbrachen und diese ikonische Form hinterließen, die an die herausgestreckte Zunge eines Trolls erinnert.
Die Aussicht von hier ist unglaublich dramatisch und wohl von keinem anderen Ort bringst du ein eindrucksvolleres Foto mit nach Hause – umsonst bekommst du es allerdings keineswegs. Die Trolltunga zählt zu den anspruchsvollsten Wanderzielen des Landes, deshalb soll das Hochgefühl, wenn du dich endlich an den Rand kämpfst und nach unten schaust, selbst die schlimmste vorstellbare Erschöpfung mühelos übertreffen.

2. Die Trolltunga-Wanderung Schritt für Schritt
Stell dich mental darauf ein, dass die Gesamtlänge des Treks vom Hauptparkplatz rund 28 Kilometer hin und zurück beträgt, was ehrliche 10 bis 12 Stunden Gehen in sehr rauem, steinigem Gelände bedeutet. Der gesamte Höhenunterschied liegt bei etwa 800 Metern, deine Knie bekommen also gleich bei den ersten extrem steilen Anstiegen ordentlich zu tun.
Es ist enorm wichtig, so früh wie möglich loszugehen, idealerweise schon zwischen sechs und acht Uhr morgens, um den Menschenmassen zu entgehen und vor allem die sichere Rückkehr bei Tageslicht zu schaffen. Unterwegs passierst du mehrere kleine Seen und Bäche, ein Miniatur-Abbild der nordischen Tundra begleitet dich auf Schritt und Tritt und die Markierung mit dem roten Buchstaben T führt dich zuverlässig über die Felsen bis zum Ziel.

3. Shuttle nach Mågelitopp
Für all jene, die etwas Kraft sparen und den schlimmsten Anfangsanstieg über den Asphalt vermeiden wollen, gibt es die Möglichkeit, den Shuttlebus vom Parkplatz P2 zum höher gelegenen Punkt P3 Mågelitopp zu nutzen. Dieser kleine Bus verkürzt die Gesamtstrecke um rund vier Kilometer und spart dir locker auch zwei Stunden wertvoller Zeit.
Ein One-Way-Ticket kostet etwa 150 bis 200 NOK (rund 13 bis 18 €) und du kannst es vorab über verschiedene Tourismusportale reservieren – diese Dienste bietet oft auch ganz einfach die Plattform GetYourGuide an. Angesichts des enormen Andrangs in den Sommermonaten ist eine Reservierung mehrere Tage im Voraus absolute Pflicht, denn die Kapazität der kleinen Busse ist im Handumdrehen ausgeschöpft.

4. Parken am P2 Skjeggedal
Hauptausgangspunkt für die allermeisten Wanderer ist der Parkplatz P2 Skjeggedal, zu dem eine schmale, recht kurvige Straße direkt aus dem Städtchen Odda führt. Die Kapazität ist leider begrenzt und die Gebühr für das Ganztagesparken liegt bei etwa 600 NOK (ca. 53 €) – das ist zwar ein hoher Betrag, im teuren Norwegen aber völlig normal.
💡 Tipp: Es gibt noch eine etwas teurere Möglichkeit, direkt oben am Start auf P3 Mågelitopp zu parken, aber dort gibt es nur 30 Stellplätze und die Reservierungen sind locker Monate im Voraus weg. Wenn du dir zumindest einen Platz auf P2 sichern willst, komm wirklich in den frühen Morgenstunden, sonst riskierst du, dass dich das Personal wegschickt und du zurück ins Tal zum Parken musst.

5. Wann zum Trek aufbrechen und Zeitplanung
Während sich das Saisonfenster nur über den Sommer öffnet, ist auch das richtige Stellen deines Weckers am Tag des anspruchsvollen Aufstiegs entscheidend. Wenn du den größten Menschenmassen entgehen und auf den schmalen Pfaden etwas Platz haben willst, musst du schon gegen sechs Uhr morgens los – das sichert dir auch zuverlässig die sichere Rückkehr weit vor Einbruch der Dunkelheit.
Außerhalb der Hauptsommermonate von Mitte Juni bis September darf man die Strecke ausschließlich mit einem professionellen Bergführer begehen, denn die Steinmarkierungen versinken oft hoffnungslos im tiefen Schnee. Winterexpeditionen bieten zwar absolut magische Ausblicke auf die gefrorene Landschaft, erfordern aber Schneeschuhe und Top-Ausrüstung, die du dir ohne reichlich Erfahrung nicht selbst sicher beschaffen kannst.

6. Warteschlange fürs Foto und Sicherheit
Wenn du nach stundenlanger Schinderei endlich am Ziel ankommst, überrascht dich wahrscheinlich die harte Realität, denn für das ersehnte Foto am Rand des Felsens bildet sich eine lange Schlange. In der Hauptsaison stehen die Wanderer hier locker eine oder zwei Stunden an, während die anderen sie anfeuern und sich bereitwillig gegenseitig fotografieren – das schafft eine überraschend freundliche Atmosphäre.
Beim Posieren solltest du aber höchste Vorsicht walten lassen, denn der Felsen hat kein Sicherheitsgeländer und ein Sturz aus 700 Metern Höhe wäre eindeutig tödlich. Die Oberfläche kann nach Regen sehr rutschig sein, deshalb nähere dich nie ganz dem Rand und überschätze niemals deine Kräfte – besonders, wenn du schon einen halben kräftezehrenden Tag in den Beinen hast und die Konzentration nachlässt.

7. Übernachten auf der Strecke und was einpacken
Viele vernünftige Reisende teilen sich diese lange Strecke auf zwei Tage auf und nutzen das sogenannte Allemannsretten, also das traditionelle Jedermannsrecht zum freien Zelten in der norwegischen Natur. So kannst du dein Zelt in den erlaubten Bereichen nahe der Strecke aufstellen, den zauberhaften Sonnenuntergang ohne Menschenmassen genießen und morgens die Trollzunge in völliger Ruhe fotografieren, bevor die ersten Wanderer eintreffen.
Die Basis für den Erfolg ist aber absolut erstklassige Ausrüstung, also pack auf jeden Fall feste, gut eingelaufene Wanderschuhe, wasserdichte Kleidung und gleich mehrere funktionelle Schichten in deinen Rucksack. Vergiss außerdem nicht genügend Flüssigkeit – empfohlen werden mindestens zwei bis drei Liter Wasser pro Person –, energiereiches Essen, eine gute Stirnlampe und eine geladene Powerbank.
Wohin weiter von der Trolltunga
Wenn du nach dieser anstrengenden körperlichen Leistung noch Energie für weiteres Entdecken hast, bietet die Region rund um den Hardangerfjord jede Menge weiterer unglaublicher Schönheiten. Schau dir unbedingt unseren Artikel Hardangerfjord – Obstgärten und Wasserfälle an, wo du die schönsten Obstfarmen und tosenden Wasserfälle entdeckst, die du ganz ohne Mühe sogar nur mit dem Auto besuchen kannst.
Interessiert dich der Vergleich mit einem anderen berühmten norwegischen Aussichtspunkt, der über tiefen Gewässern thront? Wirf einen Blick auf unsere ausführliche Anleitung Preikestolen – Aufstieg Schritt für Schritt, eine deutlich kürzere und wesentlich zugänglichere Tour für jeden. Und für die umfassende Planung deines Nordlandurlaubs studiere in Ruhe Norwegen: 50 Tipps, was zu sehen oder unseren riesigen Guide Norwegens Fjorde – Reiseführer.
Häufig gestellte Fragen
Wie schwierig ist die Wanderung zur Trolltunga?
Trek gehört zu den anspruchsvollsten in ganz Norwegen und erfordert wirklich eine sehr gute körperliche Kondition. Die gesamte Strecke misst etwa 28 Kilometer hin und zurück, dabei überwindet man einen schwierigen Höhenunterschied von 800 Metern und die Wanderung im anspruchsvollen steinigen Gelände nimmt problemlos einen ganzen langen Tag in Anspruch.
Wie lange dauert die gesamte Tour?
Normalerweise müsst ihr für die Tour 10 bis 12 Stunden reine Zeit einplanen, wenn ihr vom Hauptparkplatz P2 Skjeggedal startet. Das beinhaltet den Hin- und Rückweg sowie die oben verbrachte Zeit beim Warten auf das Foto, wobei ihr euch etwa zwei Stunden anstrengenden Fußmarsch spart, wenn ihr den Shuttlebus nach oben nutzt.
Lässt sich die gesamte Strecke irgendwie abkürzen?
Ja, die Route lässt sich recht einfach abkürzen, indem man einen speziellen Shuttlebus nutzt, der vom Parkplatz P2 zum oberen Parkplatz P3 Mågelitopp fährt. Dieser Service erspart euch die steilsten ersten vier Kilometer der asphaltierten Straße, allerdings muss man das Ticket aufgrund der enormen Nachfrage sehr lange im Voraus reservieren.
Wann kann man überhaupt den Berg besteigen?
Ein sicherer Aufstieg auf eigene Faust ist nur während der Sommersaison möglich, also ungefähr von Mitte Juni bis Mitte September. Außerhalb dieser genannten Monate liegt auf der Route tiefer Schnee und Eis, sodass ihr nur in Begleitung eines professionellen lizenzierten Bergführers hinauf dürft.
Ist die Route für Kinder geeignet und sicher?
Dieser spezielle Aufstieg wird für kleinere Kinder absolut nicht empfohlen, da er extrem lang und körperlich absolut erschöpfend ist. Auch für Erwachsene ist es ein ganztägiges Riesenprojekt, und außerdem fehlen am Ziel jegliche Sicherheitsgeländer, sodass ständige und absolute Konzentration erforderlich ist.
Welche Wanderung ist besser, Trolltunga oder Preikestolen?
Der berühmte Preikestolen ist viel zugänglicher und der gesamte Aufstieg ist in etwa vier Stunden zu schaffen, sodass er absolut ideal für weniger erfahrene Wanderer und Familien ist. Die Trolltunga hingegen ist eine ganztägige anspruchsvolle Bergtour für geübte Wanderer, bietet dafür aber ein noch exklusiveres und intimeres nordisches Erlebnis.
Wo kann man entlang der Strecke oder in der Umgebung übernachten?
Die meisten Touristen richten sich ihr Basislager gerne im nahegelegenen Städtchen Odda ein, wo ihr gemütliche Hotels und sehr beliebte Campingplätze findet. Wenn ihr die Wanderung clever auf zwei Tage aufteilen und absolute Ruhe genießen möchtet, könnt ihr das freie Zelten nutzen und direkt an der Strecke im eigenen Zelt übernachten.
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