Wer die glühend heißen andalusischen Strände gegen etwas deutlich Dramatischeres eintauschen möchte, wird vom Norden Spaniens schier überwältigt sein. Sobald man die unsichtbare Grenze ins sogenannte Grüne Spanien überquert, verändert sich die Landschaft von Grund auf. Die karge Hochebene weicht sattem Grün, die Luft wird schwer von der Feuchtigkeit des Atlantiks, und vor einem erheben sich mächtige Kalksteingipfel, die fast senkrecht in die Wellen des Golfs von Biskaya zu stürzen scheinen. Der Nationalpark Picos de Europa Spanien – zu Deutsch „Europäische Gipfel“ – ist ein wahres Paradies für Bergliebhaber, leidenschaftliche Autofahrer und Feinschmecker. Seinen Namen verdankt das Gebirge den Seefahrern, die von Amerika zurückkehrten und diese Gipfel als erstes Land am Horizont erblickten. Es ist ein einzigartiger Flecken Europas, wo wilde Berglandschaft und die Noblesse nahe gelegener Küstenstädte eine unvergleichliche Symbiose eingehen.
In diesem Artikel findest du 14 ausführliche Tipps, was du in den Picos de Europa sehen und erleben solltest. Ich erkläre dir, wie du die Logistik rund um die Bergseen meisterst, wo du am besten übernachtest und wann eigentlich die beste Reisezeit ist, damit du die Berge ohne Nebel und Dauerregen genießen kannst.

Zusammenfassung
- Auto ist Pflicht: Die Erkundung der Picos de Europa geht nicht ohne Mietwagen – öffentliche Verkehrsmittel in die Bergpässe sind äußerst begrenzt.
- Ideales Wetter: Das zuverlässigste Zeitfenster für einen Besuch ist Juni bis September, wenn du starken Niederschlägen aus dem Weg gehst und Temperaturen um angenehme 24 °C genießt.
- Basislager: Die Städtchen Potes in Kantabrien und Cangas de Onís in Asturien sind die besten Ausgangspunkte für Ausflüge in den Nationalpark.
- Highlights: Die Seilbahn Fuente Dé und die Gletscherseen von Covadonga sind absolute Pflichtprogramme – im Sommer musst du allerdings mit Fahrverboten für Privatfahrzeuge rechnen.
- Wandern für jeden: Starte die berühmte Ruta del Cares, die atemberaubende Ausblicke in die tiefe Schlucht bietet – ohne extremen Höhenunterschied.
- Lokale Gastronomie: Unbedingt den berühmten Blauschimmelkäse Cabrales probieren, der in natürlichen Kalksteinhöhlen reift.
- Zeitplanung: Für einen schnellen Überblick der wichtigsten Sehenswürdigkeiten reichen zwei Tage; für Dörfer und ausgedehnte Wanderungen solltest du fünf bis sieben Tage einplanen.
Beste Reisezeit für die Picos de Europa
Anders als im Süden Spaniens, wo man im Hochsommer die Hitze kaum erträgt, tickt die Uhr an der Nordküste nach einem ganz anderen klimatischen Rhythmus. Die Nähe zum Atlantik und die hohen Berge sorgen dafür, dass es hier häufig regnet, Nebel aufzieht und kräftiger Wind weht. Genau diese Bedingungen machen die Region aber so überwältigend grün – sie erinnert eher an Schottland als an das typische Spanien.
Das einzige zuverlässige Zeitfenster mit relativ trockenem und sonnigem Wetter erstreckt sich von Juni bis Ende September. Selbst im heißesten August liegen die Temperaturen bei angenehmen 22 bis 26 °C – ideale Bedingungen fürs Wandern in den Picos de Europa. Wer anspruchsvollere Touren plant, sollte die Gegend um den Übergang August/September ansteuern, wenn der größte Ansturm einheimischer Urlauber bereits abgeebbt ist.
Außerhalb der Sommersaison musst du damit rechnen, dass viele Bergstraßen schwer befahrbar sind und zahlreiche Einrichtungen ihren Betrieb einschränken. Der Winter in den Picos de Europa ist rau, die Gipfel liegen unter einer dicken Schneedecke, und sowohl die Seilbahn als auch die Zugänge zu den Seen sind oft nicht in Betrieb. Das Frühjahr wiederum ist von äußerst wechselhaftem Wetter geprägt, bei dem sich Sonnenschein und heftige Regenschauer innerhalb einer Stunde abwechseln können.
Unterkunft in den Picos de Europa
💡 Unterkunfts- und Aktivitätentipp: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich über GetYourGuide zu vergleichen.
Der Nationalpark erstreckt sich über drei Regionen: Kantabrien, Asturien und León. Die Wahl der richtigen Basis ist absolut entscheidend, damit du nicht stundenlang auf kurvenreichen Straßen hin und her pendelst. Die meisten Reisenden übernachten an den Rändern des Parks und unternehmen von dort sternförmig einzelne Ausflüge.
Auf der südöstlichen, kantabrischen Seite ist das Bergstädtchen Potes die beliebteste Wahl. Es ist ein wunderschönes historisches Städtchen mit verwinkelten Steingassen, das eine hervorragende Infrastruktur, viele Restaurants und idealen Zugang zur Seilbahn Fuente Dé bietet. Übernachten kannst du zum Beispiel im beliebten Hotel Valdecoro, das einen schönen Blick auf den Fluss und die Berge bietet.
Wenn du hauptsächlich die Seen und den nördlichen Teil der Berge erkunden möchtest, empfehle ich dir Cangas de Onís als Basis. Die Stadt liegt in Asturien und bietet alle nötige Infrastruktur einschließlich großer Supermärkte. Eine tolle Wahl ist das Hotel Los Lagos Nature direkt im Zentrum. Alle Unterkünfte lassen sich bequem und sicher über Booking buchen – am besten mehrere Monate im Voraus.
14 Tipps: Was du in den Picos de Europa sehen und erleben solltest
Der Nationalpark bietet eine riesige Vielfalt an Erlebnissen – von entspannten Spaziergängen bis hin zu alpinen Expeditionen. Ich habe für dich eine ausführliche Liste mit 14 Highlights zusammengestellt, die auf deinem Reiseplan unbedingt stehen sollten, wenn du das wahre Gesicht des Grünen Spaniens kennenlernen möchtest.
1. Seilbahn Fuente Dé

Das ist ein echtes Ingenieurskunstwerk und wohl das größte Highlight im südlichen Teil des Massivs. Die Seilbahn Fuente Dé ist die längste Einseilumlaufbahn Europas und befördert dich in weniger als vier Minuten von 1.070 Metern zur Bergstation El Cable auf 1.823 Metern. Den Höhenunterschied von über 750 Metern überwindet sie ohne einen einzigen Stützpfeiler – die Kabine schwebt buchstäblich frei vor einer senkrechten Felswand. Das ist Picos de Europa Wandern vom Allerfeinsten.
Das Fahrerlebnis ist schlicht atemberaubend, und die Aussichtsplattform oben bietet ein unvergessliches Panorama über das gesamte Liébana-Tal. Eine Hin- und Rückfahrkarte kostet rund 17 €, und in der Hauptsaison ist es absolut notwendig, Tickets online weit im Voraus zu buchen – sonst verbringst du Stunden in der Warteschlange.
Von der Bergstation führen mehrere wunderschöne Wanderwege direkt ins Herz des Zentralmassivs. Wer längere Touren liebt, sollte kein Rückfahrticket kaufen, sondern zu Fuß ins Tal hinabsteigen – durch das Dörfchen Espinama. Das ist zwar ein ganztägiger Abstieg, belohnt dich aber mit den schönsten Landschaftsbildern, die Kantabrien zu bieten hat.
2. Gletscherseen von Covadonga
Auf der gegenüberliegenden, nordwestlichen Seite des Gebirges liegen die ikonischen Gletscherseen Enol und Ercina, bekannt als Lagos de Covadonga. Sie befinden sich auf über 1.000 Metern Höhe, und die Szenerie ringsum ist schlicht magisch. Sattgrüne Weiden kontrastieren scharf mit den grauen Kalksteingipfeln, und direkt an den Ufern der Seen grasen frei laufende Kühe, deren Glocken die einzigartige Bergstimmung perfekt abrunden.
Zu den Seen führt eine enge, äußerst kurvenreiche und stellenweise recht steile Bergstraße, die schon für sich allein ein fahrerisches Erlebnis ist. Rund um die Seen verlaufen mehrere einfache Rundwege, die du auch ohne Spezialausrüstung bewältigen kannst. Vergiss nicht, zum Aussichtspunkt Mirador de Entrelagos aufzusteigen, von dem aus du beide Seen auf einen Blick überblickst.
⚠️ Wichtiger Logistik-Hinweis: Während der Sommerhochsaison von Juni bis September sowie an Feiertagen ist die Straße zu den Seen tagsüber für Privatfahrzeuge vollständig gesperrt. Du kommst nur mit dem Pendelbus von den großen Parkplätzen im Tal bei Cangas de Onís hinauf. Ein Hin- und Rückfahrticket kostet rund 9 €, und ich empfehle dir dringend, mit dem ersten Morgenkurs zu fahren, bevor das Tal von Tagestouristen überflutet wird.
3. Das Heiligtum von Covadonga
Auf dem Weg zu den Seen kommst du an einem Ort vorbei, der für alle Spanier eine enorme historische und spirituelle Bedeutung hat. Das Heiligtum von Covadonga ist direkt in eine steile Felswand über einem tosenden Wasserfall gehauen. Genau hier fand 722 die berühmte Schlacht statt, in der der westgotische Adlige Pelayo das maurische Heer besiegte und damit die Reconquista – die Rückeroberung der Iberischen Halbinsel – einleitete.
In der kleinen Grotte Santa Cueva befindet sich heute eine Kapelle mit der Statue der Jungfrau von Covadonga sowie das Grabmal von König Pelayo selbst. Der Ort wirkt unglaublich mystisch, besonders wenn er vom Morgennebel eingehüllt wird, der für die asturischen Berge so typisch ist. Vom Tal führt eine Treppe zur Grotte hinauf, und der Legende nach geht in Erfüllung, wer sie emporsteigt und dabei einen geheimen Wunsch hegt.
Direkt neben der Grotte erhebt sich eine majestätische Basilika aus rosa Kalkstein, die einen unglaublichen Kontrast zu den satten grünen Wäldern im Hintergrund bildet. Der Eintritt in den gesamten Komplex ist kostenlos – rechne aber damit, dass die Parkplätze in der Umgebung sehr begrenzt und in der Saison schnell belegt sind.
4. Die berühmte Schlucht Ruta del Cares

Wenn du nur einen einzigen Trek im gesamten Nationalpark wählen könntest, muss es die Ruta del Cares sein. Sie ist wohl der bekannteste und beeindruckendste Wanderweg ganz Spaniens. Die Strecke misst rund 11 bis 12 Kilometer in eine Richtung und verbindet das asturische Dörfchen Poncebos mit der leonesischen Ortschaft Caín. Picos de Europa Wandern bedeutet hier: einmal erleben, nie vergessen.
Der Weg ist buchstäblich in die senkrechte Felswand gehauen und verläuft entlang des Flusses Cares durch eine tiefe, enge Schlucht, die als „Göttliche Kehle“ bezeichnet wird. Die Ausblicke in die Tiefe und auf die senkrechten Kalksteinwände sind schlicht atemberaubend. Ein großer Vorteil ist, dass der Pfad einem alten Versorgungskanal folgt und daher kaum Höhenunterschiede aufweist – damit ist er auch für weniger geübte Wanderer gut geeignet.
💡 Tipp: Die Strecke ist keine Rundtour. Die meisten Leute wandern von Poncebos nach Caín, essen dort in einer kleinen Taverne zu Mittag und kehren denselben Weg zurück – das sind insgesamt über 22 Kilometer. Ich empfehle dir, wirklich früh morgens aufzubrechen, denn mittags sammeln sich in der engen Schlucht die Menschenmassen, und die von den Felsen reflektierte Hitze kann sehr zermürbend sein.
5. Das Bergstädtchen Potes
Potes ist zweifellos eines der schönsten historischen Städtchen in ganz Kantabrien. Es dient als wichtigstes Eingangstor in den östlichen Teil der Picos de Europa und lohnt für sich allein mindestens einen halben Tag Besuch. Das Städtchen liegt am Zusammenfluss mehrerer Gebirgsflüsse, und seine alten Gässchen sind von mittelalterlichen Steinbrücken durchzogen.
Das Wahrzeichen des Ortes ist der mächtige Wehrturm Torre del Infantado aus dem 15. Jahrhundert, von dem aus man einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berge und die roten Ziegeldächer hat. Potes ist bekannt für seine traditionelle Architektur, bei der Stein und dunkles Holz abwechseln, und in den engen Gässchen reiht sich ein kleines Geschäft mit lokalen Produkten ans nächste.
Die Stadt ist außerdem ein idealer Ort, um sich vor Ausflügen mit Vorräten einzudecken, und bietet eine Fülle an Restaurants. Abends pulsiert das Leben hier ungemein: Aus den Bars duftet es nach Essen, und Einheimische sitzen auf den Terrassen mit Blick auf die majestätischen Berggipfel. Ein perfekter Ort, um nach einer langen Wanderung bei einem Glas Wein zu entspannen.
6. Das abgelegene Dorf Bulnes
Tief in den Bergen, im Zentralmassiv, versteckt sich das Dörfchen Bulnes, das bis heute seine unglaubliche Ursprünglichkeit bewahrt hat. Bis ins Jahr 2001 gab es dort keinerlei Verkehrsanbindung – das Dorf war ausschließlich über einen anspruchsvollen Bergpfad erreichbar. Auch heute gibt es hier keine Autos, und das Leben fließt in seinem eigenen, ruhigen Rhythmus dahin.
Inzwischen gelangt man nach Bulnes mit einer Untergrundseilbahn (Funicular), die durch den Fels vom Dorf Poncebos aus führt. Die Fahrt dauert etwa sieben Minuten, eine Hin- und Rückfahrkarte kostet rund 22 €. Wer gut zu Fuß ist, dem empfehle ich den Aufstieg auf dem wunderschönen Wanderpfad durchs Canal del Tejo – das dauert knapp zwei Stunden bei ziemlich steilem Anstieg, ist aber absolut lohnenswert.
Das Dörfchen selbst ist in zwei Teile aufgeteilt und bietet einen Einblick in die traditionelle Bergarchitektur mit Steinhäusern. Ein kleines Stück oberhalb des Dorfes wartet ein Aussichtspunkt, der einen der schönsten Blicke auf den berühmten Gipfel Picu Urriellu eröffnet. Der ideale Ort für einen Moment der Stille abseits der Touristenmassen. ☺️
7. Cangas de Onís und die Römerbrücke

Während Potes den Osten dominiert, ist Cangas de Onís das pulsierende Herz des westlichen, asturischen Parkteils. Diese lebhafte Stadt war die allererste Hauptstadt des Königreichs Asturien nach dem Sieg über die Mauren und trägt noch heute ihren stolzen und ruhmreichen Geschichte in sich. Sie ist ein fantastischer Ausgangspunkt, wenn du die Seen von Covadonga erkunden möchtest.
Das bekannteste Wahrzeichen der Stadt ist eine wunderschöne Steinbrücke über den Fluss Sella, genannt Puente Romano. Obwohl ihre heutige Form aus dem Mittelalter stammt, ruht sie auf ursprünglichen römischen Fundamenten. Vom zentralen Bogen der Brücke hängt eine Nachbildung des Siegeskreuzes (Cruz de la Victoria) – dem Symbol ganz Asturiens.
Sonntagvormittags solltest du unbedingt den traditionellen Markt auf dem Hauptplatz besuchen. Bauern aus der gesamten Umgebung kommen hierher und bieten frisches Gemüse, selbst gebackenes Brot, Kunsthandwerk und eine riesige Auswahl an lokalen Käsesorten an. Eine großartige Gelegenheit, die lokale Kultur aufzusaugen und kleine Landwirte zu unterstützen.
8. Der berühmte Cabrales-Käse und die Kalksteinhöhlen
Die Region der Picos de Europa ist weltweit für ihre einzigartige Käsetradition bekannt. Der absolute König der lokalen Gastronomie ist der Blauschimmelkäse Cabrales, der aus einer Mischung von Kuh-, Schaf- und Ziegenmilch hergestellt wird. Er hat einen sehr kräftigen, scharfen und würzigen Geschmack sowie ein unverwechselbares Aroma, das jedes Bergdorf zu durchströmen scheint.
Das Geheimnis seiner Herstellung liegt im Reifeprozess: Der Käse reift mehrere Monate in natürlichen Kalksteinhöhlen direkt in den Bergen, wo eine konstante Luftfeuchtigkeit von rund 90 % und Temperaturen zwischen 8 und 12 °C herrschen. Die im Nationalpark Picos de Europa natürlich vorkommenden Pilze der Gattung Penicillium verleihen dem Käse seine blaue Maserung und den intensiven Geschmack.
Die lokale Küche stützt sich oft auf deftige Berggerichte, die früher Hirten in den kargen Bedingungen sättigen sollten. In den Restaurants begegnet dir häufig die traditionelle Fabada – ein dicker Bohneneintopf mit verschiedenen Wurst- und Räucherfleischsorten. Für alle Käseliebhaber ist Cabrales die absolute Hauptattraktion: aufs Brot gestrichen oder als fantastische cremige Soße serviert.
9. Der ikonische Gipfel Picu Urriellu (Naranjo de Bulnes)
Für alle Bergsteiger und Bergbegeisterten ist der Picu Urriellu ein absolutes Sehnsuchtziel. Dieser Kalksteinmonolit mit 2.519 Metern Höhe ragt wie ein riesiger Zahn aus dem Zentralmassiv empor. Obwohl er nicht der höchste Gipfel des Gebirges ist, machen ihn seine senkrechten, fast glatten Wände von über 500 Metern Höhe zu einer der bedeutendsten alpinen Herausforderungen in ganz Spanien.
Den Namen Naranjo de Bulnes (Orangenbaum von Bulnes) verdankt der Gipfel der charakteristischen Orangefärbung, die die Kalksteinfelsen im Abendlicht annehmen. Der eigentliche Aufstieg auf den Gipfel ist erfahrenen Kletterern mit entsprechender Ausrüstung vorbehalten, doch die Wanderung zu seinem Fuß ist ein beliebtes Ziel für ausdauernde Bergwanderer.
Die schönsten Blicke auf diesen ikonischen Berg eröffnen sich von den Aussichtspunkten in der Nähe der Dörfer Sotres, Bulnes oder vom Mirador del Pozo de la Oración bei Arenas de Cabrales. Wer gerne fotografiert, sollte unbedingt das Abendlicht abwarten, wenn der Berg buchstäblich aufleuchtet.
10. Der futuristische Aussichtspunkt Mirador del Fito
Wer eine kurze Pause von den tiefen Schluchten möchte und die Landschaft aus der Vogelperspektive betrachten will, fährt zum Mirador del Fito. Dieser ungewöhnliche Betonaussichtspunkt aus dem Jahr 1927 erinnert an ein fliegendes Untertasse und thront über einem Pass im Gebirge Sierra del Sueve, nördlich der Nationalparkgrenzen.
Es ist einer der wenigen Orte, von dem aus du mit einem einzigen Blick sowohl die rauen Gipfel der Picos de Europa als auch das unendliche Blau des Atlantiks umfassen kannst. Bei klarem Wetter siehst du kilometerweit entlang der Küste mit Sandstränden auf der einen und einer Mauer aus Kalksteinbergen auf der anderen Seite. Der Kontrast zwischen diesen beiden Welten ist schlicht faszinierend.
Zum Aussichtspunkt kannst du mit dem Auto fahren, der Parkplatz liegt nur wenige Meter von der Plattform entfernt. Bedenke aber, dass der Pass häufig als Barriere für Wolken vom Meer funktioniert – es kann also passieren, dass du nach oben fährst und dich im dichten Nebel wiederfindest. Ein Blick auf die Wettervorhersage lohnt sich daher unbedingt.
11. Das höchstgelegene Dorf Sotres
Wer echte Bergeinsamkeit und Stille sucht, ist in Sotres genau richtig. Mit 1.050 Metern Höhe ist es das am höchsten gelegene Dorf ganz Asturiens. Der Weg dorthin führt über eine dramatisch in die Felsen geschnittene Straße voller Serpentinen, die deine Fahrkünste auf die Probe stellt.
Sotres ist ein absolutes Eldorado für Wanderer und dient als Ausgangspunkt für Touren ins Zentralmassiv. Von hier aus kannst du zur Hütte Refugio de Áliva aufbrechen oder anspruchsvollere Aufstiege in Richtung Picu Urriellu wagen. Anders als im lebhaften Potes oder Cangas de Onís findest du hier nur wenige schlichte Häuser, kleine Pensionen und die Stille, die nur vom Blöken der Schafe unterbrochen wird.
💡 Tipp: Im Dorf gibt es mehrere kleine Familienmolkereien, die Führungen in ihre Reifehöhlen anbieten. Das ist ein viel persönlicheres und authentischeres Erlebnis als der Besuch kommerzieller Betriebe im Tal – und den Käse kaufst du direkt vom Bauernhof.
12. Fahrt durch die Schlucht Desfiladero de la Hermida
Nicht nur das Wandern, sondern auch das Fahren selbst ist in den Picos de Europa ein großartiges Erlebnis. Die Schlucht Desfiladero de la Hermida ist die längste Schlucht Spaniens: Sie misst beeindruckende 21 Kilometer und verbindet die kantabrische Küste mit dem Bergstädtchen Potes. Entstanden ist sie durch die Erosionskraft des Flusses Deva, der sich ein unglaublich enges Bett in den Kalkstein gegraben hat.
Die Straße N-621, die durch die Schlucht führt, schlängelt sich unter senkrechten Felswänden hindurch, die stellenweise bis zu 600 Meter hoch sind. Wegen des engen Talquerschnitts dringt die Sonne nur wenige Stunden täglich hinein. Die Straße ist tadellos gepflegt, aber äußerst kurvenreich – rechne mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 40 km/h.
Etwa auf halber Strecke liegt das Dorf La Hermida, das für seine natürlichen Thermalquellen bekannt ist. Die Quellen entspringen direkt in den Fluss Deva, das Wasser hat angenehme 60 °C. Du kannst den Eintritt in die luxuriösen Thermalbäder bezahlen – oder die natürlichen Tümpel unter der Brücke suchen, wo man völlig kostenlos ein Bad nehmen kann.
13. Wandern im Macizo Central
Das Zentralmassiv, auch als Massiv Urrieles bekannt, ist der höchste und wildeste Teil des gesamten Nationalparks. Hier befindet sich der höchste Gipfel Torrecerredo (2.650 m) und der ikonische Picu Urriellu. Die Landschaft erinnert an eine Mondlandschaft: scharfe Kalksteinkarren, tiefe Schluchten und steile Schutthalden, so weit das Auge reicht.
Für normale Wanderer empfehle ich die Rundtour um die Áliva-Seen, die sich hervorragend mit dem Seilbahnausflug von Fuente Dé kombinieren lässt. Es ist ein breiter und relativ bequemer Weg, der dich durch weitläufige Weiden führt, auf denen du Wildpferden, Schafen und Kühen begegnest. Unterwegs gibt es mehrere Berghütten (Refugios), wo du dich stärken kannst.
Wer eine ganztägige Herausforderung sucht, sollte den Trek zur Hütte Refugio Vega de Ario probieren. Die Route beginnt bei den Covadonga-Seen und führt über Karstfelder bis zur Hütte, von der aus man einen der beeindruckendsten Ausblicke auf das gesamte Zentralmassiv genießt. Nimm unbedingt ausreichend Wasser mit – in der Karstlandschaft findest du an der Oberfläche kaum Quellen.
14. Die Küste: wo Berge auf den Ozean treffen
Es wäre ein großer Fehler, die Picos de Europa zu besuchen und nicht an der atemberaubenden Küste haltzumachen, die nur eine knappe halbe Stunde Autofahrt von den Bergen entfernt liegt. Die kantabrische und asturische Küste ist gesäumt von dramatischen Klippen und versteckten Sandstränden, die einen perfekten Kontrast zu den Kalksteingipfeln bilden.
Auf kantabrischer Seite solltest du auf keinen Fall das historische Fischerstädtchen San Vicente de la Barquera verpassen. Es bietet eine ikonische Ansicht: Hinter der alten Steinbrücke und der Bucht mit den Booten erheben sich direkt die verschneiten Gipfel der Picos de Europa. Eine Bilderbuchszenerie, die du nirgendwo sonst auf der Welt findest. 😅
In Asturien empfehle ich das Städtchen Llanes und das Naturphänomen der Bufones de Pría. Das sind natürliche Meeresgeysire – der Wellengang presst Gischt durch enge Risse in den Klippen hoch in die Luft. Bei starkem Wellengang ist das ein geradezu ohrenbetäubendes und majestätisches Naturschauspiel.
Wohin weiter ab den Picos de Europa
Auch wenn die Picos de Europa für viele Tage Programm bieten, lädt der grüne Norden Spaniens und seine Nachbarregionen zu weiteren Entdeckungen ein. Mit einem Mietwagen stehen dir alle Türen offen.
- Gastronomiebegeisterte sollten unbedingt ins Baskenland fahren, konkret in die Städte San Sebastián und Bilbao, wo das faszinierende Guggenheim-Museum und die Pintxos-Kultur warten.
- Interessierst du dich für die typische spanische Küche und Kultur quer durch die Regionen? Lies unseren Artikel über typisches spanisches Essen.
- Wer vom regnerischen Norden in wärmere Gefilde mit großartiger Architektur wechseln möchte, kann in das katalanische Barcelona oder in die pulsierende Hauptstadt Madrid weiterreisen.
- Zieht dich der sonnige Süden mit seinen maurischen Sehenswürdigkeiten an? Lass dich von unseren Reiseführern zur Andalusien-Route inspirieren – ob Sevilla, das malerische Córdoba, das mystische Granada oder die dramatisch auf einem Fels thronende Stadt Ronda.
- Wer die Schlucht Cares geliebt hat, wird auch beim berühmten Wanderweg Caminito del Rey im Süden begeistert sein.
- Du willst eine komplette Übersicht über den Süden? Schau dir unseren großen Reiserouten-Planer mit Karte der schönsten Orte Andalusiens an.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage brauche ich für die Picos de Europa?
Wenn ihr nur mit der Seilbahn Fuente Dé hochfahren, die Seen von Covadonga sehen und die Randstraßen abfahren möchtet, reichen euch zwei volle Tage. Wenn ihr aber ernsthaftere Wanderungen plant, die Cares-Schlucht durchqueren oder in Ruhe abgelegene Bergdörfer erkunden möchtet, plant idealerweise fünf bis sieben Tage ein.
Muss ich ein Auto mieten?
Ja, ohne eigenes Auto ist die Erkundung dieser Region nahezu unmöglich. Der öffentliche Verkehr zwischen den größeren Städten (Potes, Cangas de Onís) funktioniert nur eingeschränkt, und zu den Ausgangspunkten der Wanderwege in die Berge kommen die Busse oft überhaupt nicht. Ein Führerschein aus der EU reicht euch völlig aus, und die staatlichen Autobahnen im Norden sind kostenlos.
Muss ich die Tickets für die Seilbahn Fuente Dé im Voraus kaufen?
In den Sommermonaten (Juni bis September) und an Wochenenden ist der Kauf der Tickets online absolut notwendig. Die Kapazität der Seilbahn ist begrenzt, und wenn ihr ohne Reservierung vor Ort ankommt, riskiert ihr ein mehrstündiges Warten oder kommt an diesem Tag überhaupt nicht hinauf.
Ist der Nationalpark für Familien mit Kindern geeignet?
Auf jeden Fall. Obwohl die Berge wild sind, findet ihr hier zahlreiche anspruchslose Aktivitäten. Die Rundwege um die Seen von Covadonga, die Fahrt mit der Seilbahn Fuente Dé oder Spaziergänge entlang des Flusses im Tal Liébana schaffen auch kleinere Kinder. Für Familien mit Kinderwagen ist das Gelände auf den meisten Wegen jedoch ungeeignet.
Wird ein Eintritt in den Nationalpark verlangt?
Der Eintritt in den Nationalpark Picos de Europa selbst ist völlig kostenlos. Bezahlt wird nur für Zusatzleistungen wie die Fahrt mit der Seilbahn Fuente Dé, die unterirdische Standseilbahn ins Dorf Bulnes oder die Pendelbusse zu den Seen von Covadonga in der Sommersaison.
Was soll ich für die Berge einpacken?
Die Grundausstattung ist hochwertige wasserdichte Kleidung und festes Wanderschuhwerk. Auch im Sommer kann sich das Wetter innerhalb einer Stunde dramatisch von azurblauem Himmel zu dichtem Nebel mit Platzregen ändern. Vergesst nicht ausreichend Wasser und Sonnencreme, denn die Bergsonne kann sehr tückisch sein.
Sind die Straßen in den Bergen sicher?
Die Hauptstraßen rund um den Nationalpark sind in sehr gutem Zustand, aber die Wege in die abgelegeneren Gegenden und kleinen Dörfer sind eng, steil und voller unübersichtlicher Kurven. Sie erfordern konzentriertes Fahren und Vorsicht, besonders beim Aneinandervorbeifahren mit entgegenkommenden Autos oder Bussen.
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Vergiss die Reiseversicherung nicht
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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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