Wenn jemand Südspanien sagt, denke ich sofort an den betörenden Duft von Jasmin, das leicht bittere Aroma der allgegenwärtigen Orangenbäume und den heißen Staub, der in den engen Kopfsteingassen unmerklich aufwirbelt. Andalusien ist für Lukáš und mich eine echte Herzensangelegenheit, und Sevilla in Spanien, die stolze Hauptstadt der Region, gehört garantiert zu den allerschönsten Orten, die du auf der gesamten Iberischen Halbinsel besuchen kannst. Die Stadt liegt nämlich strategisch nur einen Katzensprung von der portugiesischen Grenze entfernt, sodass sie fast immer auf unserer Route liegt, wenn wir im Herbst oder im frühen Frühling in unsere geliebte Algarve fahren.
Sevilla lebt vor allem auf der Straße, es ist feurig, prunkvoll und vereint auf geradezu perfekte Weise seine reiche christliche Geschichte mit unglaublich tiefen islamischen Wurzeln. Jede Fassade erzählt hier ihre eigene Geschichte, und abendliche Spaziergänge am Fluss haben eine unverwechselbar romantische Atmosphäre. In diesem Artikel bringe ich dir 22 ausführliche Tipps, was du in Sevilla sehen und erleben solltest, damit dir in dieser theatralischen und leidenschaftlichen Stadt garantiert nichts entgeht.
Lass uns gemeinsam die prächtigen Königspaläste mit ihren maurischen Details durchstreifen, die dir buchstäblich den Atem rauben. Ich verrate dir, wo du strategisch am besten übernachtest, damit du mitten im Geschehen bist, und wie du geschickt die endlosen Warteschlangen umgehst, die einem den Urlaub ganz schön verderben können. Und natürlich gebe ich dir auch jede Menge praktische Tipps, was du Gutes probieren solltest – und das auch dann, wenn du wie wir beide Vegetarier bist ☺️.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Beste Reisezeit: Ideal ist März bis Juni oder September bis November. In den Sommermonaten klettern die Temperaturen hier regelmäßig an die 40 °C, und die Stadt wird zu einem geradezu unbewohnbaren Backofen.
- Wie viel Zeit du brauchst: Für Sevilla selbst solltest du mindestens zwei volle Tage einplanen, um die Highlights ohne unnötigen Stress und Hektik zu schaffen.
- Online-Tickets sind Pflicht: Für den Königspalast Real Alcázar und die Kathedrale von Sevilla solltest du dir unbedingt vorab online Tickets sichern, sonst verbringst du Stunden in ermüdenden Warteschlangen.
- Schnelle Anreise: Du erreichst die Stadt sehr bequem mit dem Hochgeschwindigkeitszug AVE aus Madrid, die Fahrt dauert nur rund zweieinhalb Stunden.
- Wo übernachten: Die romantischste Atmosphäre bietet das historische jüdische Viertel Barrio Santa Cruz, aber auch eine Unterkunft irgendwo im weiteren Zentrum nahe der Kathedrale ist sehr praktisch.
- Gastronomie und Kultur: Probiere die traditionellen andalusischen Tapas, die dicke kalte Suppe Salmorejo und lass dir abends auf keinen Fall eine authentische Flamenco-Vorstellung im Viertel Triana entgehen.
Wann du nach Sevilla reisen und wie du deine Zeit planen solltest
Die Planung einer Reise ins andalusische Landesinnere erfordert wirklich enormen Respekt vor dem lokalen Klima, denn das Wetter kann in Sevilla in Spanien manchmal ziemlich unbarmherzig sein. Wenn du einen Sommerurlaub im Juli oder August in Erwägung ziehst, überlege es dir lieber noch zweimal und überdenke deine Pläne gegebenenfalls. Die Sommermonate sind hier ausgesprochen brutal, und die Temperaturen erreichen in Sevilla regelmäßig die 40-°C-Marke im Schatten, was den Aufenthalt im Freien ziemlich unangenehm macht.
Das Leben steht hier tagsüber praktisch still, die glühend heißen Steingassen leeren sich völlig und die Einheimischen verstecken sich klugerweise hinter den heruntergelassenen Rollläden ihrer Häuser. Bei solcher Hitze lassen sich die historischen Sehenswürdigkeiten nur sehr schwer erkunden, und du würdest vermutlich bald im klimatisierten Hotelzimmer festsitzen – bei so einer schönen Stadt wäre das ein enormer Jammer. Lukáš und ich meiden den Süden Spaniens im Sommer strikt und wählen lieber die angenehmeren Übergangsmonate.
Das ideale Zeitfenster für einen Besuch öffnet sich von März bis Juni und danach von September bis November. Im Frühling ist Sevilla absolut magisch, alles ringsum blüht herrlich und die Luft ist vom süßen Duft der Orangenbäume erfüllt. Die Temperaturen bewegen sich in dieser Zeit in sehr angenehmen Bereichen um die 20 bis 25 Grad, was ideal für ganztägige Spaziergänge durch die Stadt und das Entdecken der Sehenswürdigkeiten ist.
Außerdem finden im Frühling die allergrößten Feste Sevillas statt, auch wenn du damit rechnen musst, dass in dieser Zeit die meisten Touristen in der Stadt sind und die Übernachtungspreise steil nach oben schnellen. Die Herbstmonate sind dagegen etwas ruhiger, das Meer an der Südküste ist noch vom Sommer aufgewärmt und in Sevilla herrscht ein angenehmer Altweibersommer. Das lädt geradezu dazu ein, lange auf den Terrassen der Cafés zu sitzen und kalte Drinks zu schlürfen.
Was die ideale Aufenthaltsdauer angeht, solltest du für Sevilla mindestens zwei volle Tage einplanen. Die Stadt ist ziemlich weitläufig und das historische Zentrum ist buchstäblich vollgepackt mit großartigen Sehenswürdigkeiten, die deine Zeit und Aufmerksamkeit auf jeden Fall verdienen. Wenn du ein langsameres Tempo magst und dir nach einem guten Mittagessen die traditionelle Nachmittagssiesta gönnen willst, verlängere deinen Aufenthalt ohne schlechtes Gewissen auf drei Tage.
So hast du genug Zeit, nicht nur alle wichtigen Punkte im Reiseführer im Eiltempo abzuhaken, sondern auch für das bei Weitem Wichtigste: das ziellose Umherstreifen durch die engen Gassen und das Einsaugen der echten, unverfälschten südlichen Atmosphäre bei einem Glas guten Weins ☺️.
Wo du in Sevilla übernachten solltest
Die Wahl des richtigen Viertels für deine Unterkunft kann dein gesamtes Erlebnis in Sevilla enorm bereichern und angenehmer machen. Wenn du die absolut romantischste Atmosphäre suchst, halte auf jeden Fall Ausschau nach einer Unterkunft im historischen jüdischen Viertel Barrio Santa Cruz. Du schläfst im Herzen der Altstadt, buchstäblich nur ein paar Schritte von der majestätischen Kathedrale und dem atemberaubenden Königspalast Alcázar entfernt.
Du musst aber vorher damit rechnen, dass die Gassen hier extrem eng sind, sodass oft nicht einmal ein Taxi mit deinem Gepäck hindurchpasst. Außerdem ist das Viertel tagsüber oft voller lauter Touristen, was manchen etwas stören kann. Eine weitere hervorragende Wahl ist deshalb das benachbarte Viertel El Arenal, das strategisch günstig direkt zwischen der Kathedrale und dem Fluss Guadalquivir liegt. Es ist etwas ruhiger, bietet aber immer noch perfekte fußläufige Erreichbarkeit zu allen wichtigen Sehenswürdigkeiten und du findest hier ausgezeichnete Restaurants.
Wer eine authentischere und etwas bohemienhafte Atmosphäre sucht, kann bedenkenlos das Viertel Triana am anderen Flussufer wählen. Wir buchen unsere Unterkünfte fast ausschließlich über unser Lieblingsportal Booking, und in Sevilla hast du zum Glück wirklich reichlich Auswahl. Denk nur daran, dass du in der Zeit der großen Frühlingsfeste die Hotels viele Monate im Voraus reservieren solltest, denn die Preise klettern dann in astronomische Höhen.
Wenn du eine günstigere Variante suchst, der aber garantiert der andalusische Charme nicht fehlt, können wir mit ruhigem Gewissen das Santacruz Hostal Plaza empfehlen. Es ist eine sehr angenehme Pension direkt im Herzen des Viertels Santa Cruz, was sie zum idealen Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt zu Fuß macht. Die Zimmer sind zwar etwas kleiner, aber blitzsauber, und du findest darin alles, was du für einen kurzen Städtetrip brauchst.
Der goldene Mittelweg, der ein wirklich tolles Preis-Leistungs-Verhältnis bietet, sind die beliebten Apartamentos Reyes Catolicos. Der große Vorteil dieser Apartments ist die eigene kleine Küchenzeile und etwas mehr Platz, was du sicher zu schätzen weißt, wenn du länger als nur ein verlängertes Wochenende in Sevilla bleiben willst. Und wenn du gerade einen Jahrestag feierst oder dir schlicht etwas ganz Besonderes gönnen möchtest, schau dir das luxuriöse Hotel Colón Gran Meliá an. Dieses Fünf-Sterne-Juwel bietet erstklassiges Design, einen tollen Dachpool mit Blick über die Stadt und einen makellosen Service für die Anspruchsvollsten.
22 Tipps, was du in Sevilla sehen und erleben solltest
Werfen wir nun gemeinsam einen Blick auf die konkreten Orte und Erlebnisse, die du bei einem Besuch der andalusischen Metropole auf keinen Fall verpassen solltest. In die Liste habe ich sowohl die bekanntesten historischen Monumente als auch versteckte Winkel und kulinarische Tipps aufgenommen.
1. Der Königspalast Real Alcázar und seine Architektur

Der Königspalast Alcázar gilt als geradezu lehrbuchhaftes und vollkommenstes Beispiel des sogenannten Mudéjar-Stils. Diese einzigartige architektonische Richtung entstand in Spanien in dem Moment, als die christlichen Herrscher nach der Reconquista begannen, geschickte maurische Handwerker zu engagieren, um sich neue Residenzen im islamischen Geist zu bauen. Das Ergebnis ist eine faszinierende Verschmelzung geometrischer arabischer Ornamentik und späterer christlicher Elemente.
Durch die Säle des Palastes zu wandeln ist, wie in einem reich illustrierten Geschichtsbuch zu blättern. Am meisten wird dich garantiert der Jungfrauenhof (Patio de las Doncellas) beeindrucken, durch dessen Mitte sich ein langgezogenes flaches Becken zieht, in dem sich die verzierten Hufeisenbögen perfekt spiegeln. Jeder Zentimeter der Wände ist hier mit detaillierten Stuckaturen und bunten Keramikkacheln bedeckt, die einem den Blick rauben.
Dieser Palast dient bis heute als offizielle Residenz der spanischen Königsfamilie bei ihren Besuchen in Sevilla, was ihn zum am längsten ununterbrochen genutzten Königspalast Europas macht. Die Besichtigung selbst nimmt mindestens zwei Stunden in Anspruch, wenn du dir all die verwinkelten Gänge und verzierten Säle wirklich in Ruhe und ohne unnötige Hektik ansehen willst.
💡 Tipp: Kauf dir die Tickets online mit großem Vorlauf. Die Kapazität des Palastes ist streng begrenzt und Tickets vor Ort bekommst du oft gar nicht mehr. Außerdem riskierst du sonst, ermüdende Stunden in einer endlosen Warteschlange unter der gnadenlosen andalusischen Sonne zu verbringen.
2. Die Gärten des Alcázar-Palastes und Game of Thrones

Während der Palast selbst beeindruckende Architektur bietet, sind die weitläufigen Gärten (Jardines de los Reales Alcázares) eine echte grüne Oase der Ruhe inmitten der geschäftigen Stadt. Du triffst hier auf plätschernde Brunnen, majestätische Palmen, duftende Orangenbäume und frei umherstolzierende Pfauen, die sich nicht scheuen, den Besuchern ihr buntes Gefieder zu präsentieren. Es ist der perfekte Ort zum Ausruhen nach der anstrengenden Besichtigung der Innenräume.
Wenn du zu den Fans beliebter Serien gehörst, wirst du diese Gärten garantiert sofort wiedererkennen. Sie dienten nämlich als Hauptdrehort für die Wassergärten des dornischen Herrschers in der Kultserie Game of Thrones. Über dieselben Orte zu spazieren, wo die beliebten Fernsehfiguren schritten, verleiht dem gesamten Erlebnis eine noch etwas modernere Dimension.
Auf keinen Fall verpassen darfst du auch die Baños de Doña María de Padilla, wunderschöne unterirdische Bäder mit gewölbten Decken. Sie entstanden ursprünglich als riesiges Becken zum Auffangen von Regenwasser, wirken heute aber unglaublich mystisch und still. Die Temperatur ist hier zudem deutlich niedriger als draußen in den Gärten, was an den heißen andalusischen Tagen ein wahrer Segen ist.
Die Gärten sind wirklich riesig und verbergen viele kleine Pavillons und versteckte Bänke. Plane mindestens eine Stunde extra für sie ein, setz dich in den Schatten der jahrhundertealten Bäume und sauge einfach diese unglaublich ruhige historische Atmosphäre ein, die hier herrscht.
3. Die Kathedrale Santa María (Catedral de Santa María)

Gleich gegenüber dem Königspalast erhebt sich die riesige Kathedrale von Sevilla, deren offizieller Name Catedral de Santa María de la Sede lautet. Als das örtliche Domkapitel 1401 beschloss, diese neue christliche Kirche an der Stelle der ursprünglichen muslimischen Moschee zu errichten, sollen die Erbauer gesagt haben: „Wir bauen eine Kirche so gewaltig, dass uns künftige Generationen für verrückt halten werden.“
Und ich muss zugeben, das ist ihnen mit Bravour gelungen. Bis heute handelt es sich nämlich um die größte gotische Kathedrale der ganzen Welt und insgesamt die drittgrößte Kirche überhaupt. Sobald du ihr Inneres betrittst, verschlingt dich der überwältigende, dunkle Raum sofort. Massive Steinsäulen ragen in schwindelerregende Höhen und der reich verzierte Hauptaltar (Retablo Mayor) ist mit einer unglaublichen Menge reinen Goldes bedeckt, das aus Amerika importiert wurde.
Im Inneren triffst du auf Dutzende kleiner Seitenkapellen, die wunderschöne Skulpturen und kostbare Gemälde berühmter spanischer Meister bergen. Ein Rundgang durch die ganze Kathedrale kann ziemlich ermüdend sein, deshalb empfehle ich, dich nur auf die wichtigsten Punkte zu konzentrieren, sofern du nicht auf Kirchengeschichte fixiert bist.
Der Standardeintritt in die Kathedrale schließt auch den Aufstieg auf den berühmten Turm Giralda ein, über den ich gleich im nächsten Punkt spreche. Ähnlich wie beim Alcázar gilt, dass du die Tickets am besten vorab online besorgst, um das lange Warten an den Kassen in der prallen Sonne zu vermeiden.
4. Der Aufstieg auf den Turm Giralda

Von der ursprünglichen riesigen Moschee haben sich bis heute nur wenige Elemente erhalten, aber das mit Abstand markanteste ist das majestätische Minarett, das heute als Glockenturm der Kathedrale dient und den Namen Giralda trägt. Mit seinen fast hundert Metern Höhe dominierte es lange das gesamte Panorama Sevillas und dient bis heute als bester Orientierungspunkt der Stadt.
Interessant ist der Aufstieg selbst. Dich erwarten hier nämlich keine steilen Wendeltreppen, wie du sie in Europa vielleicht erwarten würdest. Stattdessen erwartet dich eine Reihe von fünfunddreißig breiten, leicht ansteigenden Rampen. Diese haben die maurischen Baumeister ursprünglich so klug entworfen, dass der damalige Muezzin bequem auf einem Pferd oder Esel nach oben reiten konnte und nicht zu Fuß gehen musste.
Auch zu Fuß ist der Aufstieg dank dieser Rampen überraschend leicht und selbst Familien mit Kindern oder ältere Semester schaffen ihn ohne größere Probleme. Auf dem Weg nach oben kannst du zudem durch kleine Fensterchen nach draußen schauen und zusehen, wie die Stadt unter dir allmählich kleiner wird.
Die Belohnung für diesen leichten Aufstieg ist ein absolut konkurrenzloser Panoramablick über ganz Sevilla vom oberen Glockenumgang. Von hier siehst du die verwinkelten Dächer des historischen Zentrums, die Stierkampfarena und die blaue Wasseroberfläche des Guadalquivir, der sich in der Ferne schlängelt.
5. Das Grabmal von Christoph Kolumbus

Einer der größten Magnete im Inneren der Kathedrale von Sevilla ist zweifellos das angebliche Grab des berühmten Seefahrers Christoph Kolumbus. Diesen monumentalen und sehr kunstvollen Sarkophag findest du im südlichen Teil des Hauptschiffs, und dank der Scharen von Touristen mit Kameras kannst du ihn garantiert nicht verfehlen.
Den Sarg selbst tragen vier riesige Königsstatuen in Lebensgröße auf ihren Schultern, die stolz die damals mächtigen spanischen Königreiche repräsentieren (Kastilien, León, Aragón und Navarra). Die gesamte Figurengruppe wirkt unglaublich majestätisch und illustriert hervorragend, welch enorme Bedeutung die Reisen des Kolumbus für den damaligen Aufstieg des spanischen Imperiums hatten.
Um die Überreste von Kolumbus wurden übrigens lange Jahre leidenschaftliche internationale Streitigkeiten geführt. Anspruch auf sein Grab erhoben nämlich sowohl das spanische Sevilla als auch die Hauptstadt der Dominikanischen Republik. Historiker konnten sich lange nicht darauf einigen, wo der berühmte Entdecker eigentlich tatsächlich ruht.
Erst relativ neue wissenschaftliche DNA-Tests bestätigten, dass die hier in der Kathedrale von Sevilla ruhenden Knochen mit absoluter Sicherheit tatsächlich Christoph Kolumbus gehören. Du kannst dir also ganz sicher sein, dass du vor der letzten Ruhestätte des Mannes stehst, der einst für immer die Weltkarte veränderte.
6. Der Orangenbaumhof (Patio de los Naranjos)

Wenn du aus der riesigen dunklen Kathedrale nach draußen gehst, führen dich deine Schritte unweigerlich zum Orangenbaumhof (Patio de los Naranjos). Dieser schöne rechteckige Raum ist, ähnlich wie der Glockenturm Giralda, ein weiterer erhaltener Überrest der ursprünglichen großen Moschee, die einst an dieser Stelle stand.
In islamischen Zeiten diente dieser ruhige Hof der traditionellen rituellen Waschung der Gläubigen vor dem Betreten des Gebetsraums. Heute findest du hier symmetrisch gepflanzte Reihen ausgewachsener Orangenbäume, die sehr angenehmen Schatten spenden und dem ganzen Raum eine wunderschöne grüne Farbe verleihen.
In der Mitte des Hofes steht noch der ursprüngliche alte Steinbrunnen, an dem du kurz verweilen kannst. Wenn du Sevilla im frühen Frühling besuchst, wenn die Orangenbäume gerade blühen, betört dich der Duft ihrer kleinen weißen Blüten geradezu. Es ist eines der typischsten Erlebnisse in Sevilla.
💡 Tipp: Iss die Orangen der Bäume in der Stadt niemals. Es handelt sich um eine spezielle Sorte Bitterorangen (naranjas amargas), die roh völlig ungenießbar sind. Die meisten werden nach Großbritannien exportiert, wo daraus anschließend die berühmte bittere Orangenmarmelade gekocht wird.
7. Die überwältigende Plaza de España

Wenn es in Sevilla einen Ort gibt, der dich mit seiner Pracht garantiert in die Knie zwingt, dann ist es die monumentale Plaza de España. Dieser riesige halbrunde Platz wurde relativ neu, im Jahr 1929, anlässlich der damals prestigeträchtigen Ibero-Amerikanischen Ausstellung errichtet, um der Welt spanisches Handwerkskönnen und Reichtum zu präsentieren.
Die Architektur des Platzes ist schlicht überwältigend. Die roten Ziegelfassaden der Hauptgebäude sind reich mit bunten Keramikkacheln (den sogenannten azulejos) verziert, die in der Sonne herrlich glänzen. Den gesamten Raum dominieren zwei hohe Türme an beiden Enden des Halbkreises, die dem Bauwerk ein märchenhaftes Aussehen verleihen.
Das Interessanteste findest du aber entlang der gesamten geschwungenen Gebäudewand. Dort befinden sich nämlich 48 reich verzierte Kachelnischen mit Bänken, von denen jede detailliert eine bestimmte spanische Provinz repräsentiert. Du kannst hier ohne Weiteres eine Stunde damit verbringen, die gemalten Karten und historischen Szenen jeder Region zu betrachten.
Spanische Touristen fotografieren sich gern und stolz bei „ihrer“ Provinz, sodass es hier manchmal etwas trubelig ist. Der Zugang zum Platz ist völlig kostenlos und bis in die späten Abendstunden geöffnet, wenn das ganze Bauwerk zudem wunderschön beleuchtet ist und eine völlig andere, ruhigere Atmosphäre als tagsüber bietet.
8. Ruderboote auf der Plaza de España
Direkt vor dem Hauptgebäude der Plaza de España zieht sich ein langer Wasserkanal, über den sich vier wunderschön verzierte Keramikbrücken spannen. Diese symbolisieren übrigens die vier alten spanischen Königreiche. Dank dieses Wasserelements wird der Platz oft mit einem Augenzwinkern als „Venedig von Sevilla“ bezeichnet.
Direkt vor Ort kannst du gegen eine kleine Gebühr (üblicherweise um die 6 € für eine halbe Stunde) ein kleines Holzruderboot mieten. Es ist zwar ein bisschen touristisches Klischee, aber der Blick auf die verzierten Fassaden direkt von der Wasseroberfläche hat seinen unbestreitbaren Reiz, und es lohnt sich auf jeden Fall, es auszuprobieren.
Besonders wenn du als Paar unterwegs bist, ist es eine sehr romantische Aktivität. Aus der Untersicht kannst du zudem die Details der Keramikbrücken, unter denen du mit dem Boot vorsichtig hindurchgleitest, besser aus der Nähe betrachten. Pass nur auf, dass es in den Sommermonaten auf dem Wasser überhaupt keinen Schatten gibt und die Sonne dort ziemlich aggressiv sein kann.
💡 Tipp: Wenn dir das Rudern nicht liegt oder du mit Kindern unterwegs bist, kannst du gegen einen etwas höheren Preis auch ein Boot mit kleinem Motor mieten, das wirklich jeder ohne jegliche körperliche Anstrengung steuern kann.
9. Der grüne Park María Luisa (Parque de María Luisa)
Gleich neben dem monumentalen Platz Plaza de España erstreckt sich die größte und beliebteste grüne Oase der ganzen Stadt, der Parque de María Luisa. Dieser riesige Park gehörte ursprünglich zum nahen Palast San Telmo und wurde der Stadt Ende des 19. Jahrhunderts von der Infantin María Luisa selbst geschenkt, nach der er auch seinen Namen trägt.
Der Park ist unglaublich weitläufig und bietet einen willkommenen Rückzug vor dem Lärm und der Hitze des Stadtzentrums. Breite gekieste Wege werden von jahrhundertealten Palmen, mächtigen Feigenbäumen und Orangenbäumen gesäumt, die den so dringend benötigten Schatten spenden. Auf Schritt und Tritt triffst du zudem auf romantische, mit Keramik verzierte Bänke.
Beim Spaziergang triffst du garantiert auf Dutzende kleiner plätschernder Brunnen, versteckter Lauben und Skulpturen. Ein schöner Winkel ist zum Beispiel der Monte Gurugú, ein kleiner künstlicher Hügel mit Wasserfall, von dem aus man einen schönen Blick ins umliegende Grün hat. Du begegnest hier ganz normal frei umherfliegenden grünen Papageien und zahmen Enten.
Wenn dir nach der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten schon die Füße wehtun, kannst du gleich am Parkeingang Familien-Tretmobile mit vier Rädern mieten. Das ist eine tolle und ziemlich lustige Art, in einer halben Stunde kreuz und quer durch den ganzen Park zu fahren, ohne dabei die letzten Reste deiner Kräfte aufzubrauchen.
10. Das magische jüdische Viertel Barrio de Santa Cruz
Das historische Viertel Barrio de Santa Cruz, das sich in unmittelbarer Nachbarschaft der Kathedrale erstreckt, ist zweifellos der malerischste und meistfotografierte Teil von ganz Sevilla. Im Mittelalter war es ein pulsierendes jüdisches Viertel, und sein verwinkelter Grundriss hat sich seitdem praktisch überhaupt nicht verändert.
Beim Spaziergang triffst du auf ein wahres Labyrinth unglaublich enger und gewundener Gassen. Diese Gassen haben die Architekten einst bewusst so eng angelegt, dass die hohen Häuser Schatten werfen und die Bewohner so vor der extremen andalusischen Hitze schützen. Manche Durchgänge sind so eng, dass du fast mit den Händen von einer Wand zur anderen reichen würdest.
Die beste Strategie zur Erkundung dieses Viertels ist, Karte und Navigation im Handy wegzulegen und dich einfach absichtlich zu verlaufen. Jede Gasse führt dich früher oder später auf einen versteckten romantischen kleinen Platz, gesäumt von den Tischen der lokalen Tapas-Bars und duftenden Orangenbäumen. Ein typisches Beispiel ist etwa der malerische Platz Plaza de Doña Elvira.
Auf keinen Fall vergessen darfst du, durch die berühmte Gasse Callejón del Agua (Wassergasse) zu gehen. Sie verläuft entlang der alten Mauern des Alcázar-Palastes und ist ganz von blühenden Bougainvilleen überwuchert, die ihr einen unglaublich romantischen Hauch verleihen. Im Inneren der Höfe der örtlichen Häuser erspähst du durch die schmiedeeisernen Gitter oft die typischen andalusischen Innenhöfe voller Blumen.
11. Das hölzerne Wunder Metropol Parasol (Las Setas)
Das historische Zentrum von Sevilla besteht nicht nur aus alten Kirchen und Palästen. Auf dem Platz Plaza de la Encarnación triffst du auf ein Bauwerk, das dich auf den ersten Blick völlig überwältigt und ein wenig verwirrt. Es heißt Metropol Parasol, aber die Einheimischen nennen es wegen seiner speziellen Form nicht anders als Las Setas (die Pilze).
Es handelt sich um eine gewaltige futuristische Struktur, die als größtes Holzbauwerk der ganzen Welt gilt. Ihr Bau war anfangs sehr umstritten, weil das moderne wabenartige Design stark mit den umliegenden klassischen Häusern kontrastiert. Heute haben die Einheimischen sie aber angenommen, und sie ist zu einem der Symbole des modernen Sevilla geworden.
Die Konstruktion dient vor allem als riesiger Sonnenschirm, der Schatten auf den darunterliegenden Platz wirft. Im Untergeschoss findest du ein interessantes archäologisches Museum, aber der Hauptreiz verbirgt sich ganz oben. Du kannst dir nämlich ein Ticket kaufen (kostet um die 15 €) und mit dem Aufzug bis auf das Dach dieser riesigen Pilze fahren.
Oben befinden sich eine Aussichtsplattform und geschwungene Stege, auf denen du über den Dächern der Stadt spazieren kannst. Ich empfehle, kurz vor Sonnenuntergang hierher zu kommen. Der Blick auf die golden gefärbte Stadt und den Turm Giralda in der Ferne ist von hier absolut magisch, und du machst garantiert die besten Fotos deines ganzen Urlaubs.
12. Der Goldene Turm (Torre del Oro) am Flussufer
Wenn du am breiten Fluss Guadalquivir spazieren gehst, fällt dir garantiert der zwölfeckige steinerne Wachturm ins Auge, bekannt als Torre del Oro (Goldener Turm). Dieses Festungsbauwerk stammt bereits aus dem frühen 13. Jahrhundert, als es die damaligen arabischen Herrscher zum Schutz des wichtigen Stadthafens errichten ließen.
Seinen prunkvollen Namen erhielt der Turm wohl deshalb, weil der ursprüngliche Putz Stroh und andere Materialien enthielt, die im Sonnenschein wie echtes Gold glänzten. Vom Goldenen Turm zog sich früher eine massive Eisenkette über den Fluss bis zu einem zweiten Turm am gegenüberliegenden Ufer, wodurch die Verteidiger im Falle einer Gefahr den Schiffsverkehr komplett blockieren konnten.
Über die Jahrhunderte diente der Turm den unterschiedlichsten Zwecken. Er fungierte als Kapelle, Gefängnis für den Adel und als sicheres Lager für den enormen Reichtum, den die spanischen Schiffe aus dem neu entdeckten Amerika mitbrachten. Heute leidet zum Glück niemand mehr in ihm.
Im Inneren des Turms befindet sich heute ein kleines, aber recht interessantes Schifffahrtsmuseum. Der Eintritt kostet nur ein paar Euro, und neben alten Karten und Modellen historischer Schiffe genießt du vom oberen Umgang des Turms auch einen sehr schönen Blick auf den Fluss und das gegenüberliegende Arbeiterviertel Triana.
13. Das Viertel Triana: Wiege des Handwerks und des Flamenco
Wenn du über die ikonische Eisenbrücke Puente de Isabel II gehst, findest du dich im Viertel Triana wieder. Es liegt am rechten Ufer des Guadalquivir und galt historisch immer als eine Art „Stadt in der Stadt“. Lange Jahrhunderte lebten hier vor allem arme Seeleute, geschickte Handwerker und eine zahlreiche Roma-Gemeinschaft, was dem Viertel einen absolut unverwechselbaren, raueren, aber sehr authentischen Charakter verlieh.
Triana ist vor allem für seine lange Tradition der Herstellung bemalter Keramik bekannt. Beim Spaziergang durch die örtlichen Gassen triffst du auf viele Häuser, deren Fassaden reich mit den typischen Kacheln (azulejos) verziert sind. Wenn du dir aus Sevilla ein wirklich originelles Souvenir mitbringen willst, steuere einen der kleinen Keramikläden in der Straße Calle Alfarería an.
Dieses Viertel gilt außerdem stolz als die eigentliche Wiege des andalusischen Tanzes Flamenco. Gerade in den örtlichen Höfen und armen Tavernen entstand diese leidenschaftliche Kunst voller Schmerz und Freude, die heute die ganze Welt bewundert.
Die Atmosphäre in Triana ist deutlich entspannter und weniger touristisch als im Zentrum rund um die Kathedrale. Die Einheimischen treffen sich hier abends in kleinen Tapas-Bars entlang der Straße Calle Betis, von wo aus man zudem einen wunderschönen Blick auf das beleuchtete Stadtzentrum am gegenüberliegenden Ufer hat.
14. Eine authentische Flamenco-Vorstellung
Flamenco bedeutet nicht nur anmutigen Tanz. Es ist eine absolut komplexe Kunst, die tiefen emotionalen Gesang (cante), rhythmisches Gitarrenspiel (toque) und den Tanz selbst (baile) in sich vereint. Ihre verwobenen Wurzeln reichen tief in die andalusische, die Roma- und die maurische Kultur. In Sevilla zu sein und keinen Flamenco zu erleben, wäre eine geradezu unverzeihliche Reisesünde.
Wenn du aber ein wirklich authentisches Erlebnis suchst, empfehle ich, einen großen Bogen um die großen kommerziellen Betriebe zu machen. Die Schilder im Zentrum, die mit einer „Flamenco-Show mit großem Abendessen“ locken, zielen meist auf organisierte Bustouristen ab und haben mit echter Leidenschaft nicht viel gemein. Suche lieber nach kleineren Lokalen, die man Tablaos nennt.
Eine tolle Wahl sind auch die sogenannten peñas flamencas, kleine Clubs örtlicher Fans. In einem intimen, gedämpft beleuchteten Raum hörst du jeden harten Absatzschlag auf den Holzboden und spürst am eigenen Leib den Schweiß und die Energie der Tänzer.
Gerade in einem solchen intimen Ambiente hast du die größte Chance, die Bedeutung des Wortes „duende“ zu verstehen. Es ist ein Zustand emotionaler Verzückung und völligen Aufgehens in der Musik, um den es im Flamenco vor allem geht. Es geht hier nicht um die perfekte Choreografie, sondern um reine, unverfälschte Emotionen.
15. Die Karwoche (Semana Santa) im Jahr 2026
Sevilla erlebt seinen absoluten emotionalen Höhepunkt während der Frühlingsfeste, und das erste davon ist die Semana Santa (Karwoche). Im Jahr 2026 fällt diese Woche auf den Zeitraum vom 29. März bis zum 5. April. Wenn du dich in dieser Zeit auf den Weg in die Stadt machst, erwartet dich eine Woche tiefer religiöser Andacht und der Betrachtung geradezu monumentaler Straßenprozessionen.
Die örtlichen Bruderschaften (hermandades) tragen durch die engen Straßen ungeheuer schwere, reich verzierte hölzerne Tragbahren, auf denen historische Christus- und Marienfiguren thronen. Den Prozessionen folgen unter Trommelbegleitung Büßer in langen Gewändern und spitzen Kapuzen (nazarenos). Ihre Hüte mögen einem unwissenden Touristen zwar fälschlich an den amerikanischen Ku-Klux-Klan erinnern, aber historisch haben sie damit absolut nichts zu tun.
Der stärkste emotionale Höhepunkt des ganzen Festes kommt während der sogenannten La Madrugá, der Nacht von Donnerstag auf Karfreitag (2026 also der 3. April). In dieser Nacht ziehen die allerverehrtesten Figuren durch die Straßen und die Stadt schläft überhaupt nicht. Von den Balkonen der Häuser erklingt manchmal eine saeta, ein improvisierter, a cappella gesungener Klagegesang.
Es ist ein unglaublich starkes Erlebnis, auch wenn du selbst nicht gläubig bist. Während dieses Gesangs verstummt oft die ganze Straße auf einmal und Hunderte von Menschen lauschen in völliger Stille. Du musst aber damit rechnen, dass die Stadt in dieser Woche buchstäblich zum Bersten voll ist, viele Hauptstraßen gesperrt sind und die Fortbewegung durch das Zentrum sehr aufwendig ist.
16. Feria de Abril (das Frühlingsfest der Freude) im Jahr 2026
Während die Semana Santa voller Trauer und tiefer Andacht ist, wirft sich Sevilla nur zwei Wochen später in schillernde Farben und beginnt, das Leben ungebremst zu feiern. Die Feria de Abril (die vorläufigen Termine für 2026 sind der 21. bis 26. April) ist ein riesiges einwöchiges Fest, das nirgends sonst in Europa seinesgleichen hat.
Auf einem riesigen Lehmgelände hinter dem Fluss entsteht buchstäblich eine kleine Festivalstadt aus Hunderten gestreifter Zelte, die man casetas nennt. Die Straßen durchqueren wunderschöne offene Kutschen, gezogen von eleganten andalusischen Pferden, und überall herrscht eine ansteckende fröhliche Stimmung.
Die Frauen kleiden sich für dieses Fest in atemberaubende, eng anliegende Volantkleider (traje de flamenca) und stecken sich große bunte Blumen ins Haar. Die Männer ziehen wiederum traditionelle Reitanzüge an. In Strömen fließt hier die lokale Spezialität namens rebujito, ein erfrischender Mix aus trockenem Sherry und Zitronenlimonade vom Typ 7Up. Überall spielt Livemusik und man tanzt den traditionellen Paartanz Sevillanas.
Die meisten Zelte funktionieren zwar als private Clubs reicher Familien und örtlicher Firmen, sodass du ohne persönliche Einladung nicht hinein darfst, aber die Stadtverwaltung betreibt immer auch einige riesige öffentliche Zelte. Dort kann wirklich jeder Besucher die ausgelassene Atmosphäre einsaugen und mit den Einheimischen bis in die frühen Morgenstunden tanzen.
17. Andalusische Tapas verkosten
In Sevilla zu sein und nicht in die reiche lokale Tapas-Kultur einzutauchen, wäre ein riesiger Fehler. Andalusier gehen nicht ins Restaurant, um sich an den Tisch zu setzen und einen großen Gang zu essen. Stattdessen praktizieren sie das sogenannte „tapear“, was bedeutet, dass sie an einem Abend mehrere verschiedene Bars abklappern und sich in jeder zum Trinken ein oder zwei kleine Portionen Essen (Tapas) bestellen.
In den besten und authentischsten Lokalen sitzt man überhaupt nicht. Die Leute stehen dicht gedrängt an der langen Holztheke, unterhalten sich lautstark, brüllen ihre Bestellungen über die Köpfe der anderen zum Barkeeper und werfen die benutzten Papierservietten nach altem Brauch direkt auf den Boden. Je mehr Servietten du auf dem Boden siehst, desto besser ist meist das Essen der Bar.
In manchen älteren, traditionellen Bars hält sich zudem noch der gute alte andalusische Brauch, dass dir zu deinem bestellten Bier (caña) oder Glas Wein eine kleine Portion Tapas völlig kostenlos auf der Theke landet. Die Rechnung schreibt dir der Barkeeper dann oft mit Kreide direkt auf den Holztresen vor dir.
Wir als Vegetarier haben in Sevilla die patatas bravas (frittierte Kartoffeln mit pikanter Soße), in Olivenöl eingelegten Manchego-Käse, knusprige mit Käse und Spinat gefüllte Kroketten und die beliebte Kartoffeltortilla (tortilla de patatas) absolut ins Herz geschlossen. Die Auswahl ist wirklich riesig und man kann hier sehr günstig essen.
18. Die traditionelle Suppe Salmorejo und die lokale Gastronomie
Wo wir gerade beim Essen sind – der absolute kulinarische Hit des ganzen heißen Südens ist zweifellos der Salmorejo. Es handelt sich um den dickeren, cremigeren und sättigenderen Vetter des bekannteren Gazpacho, der aus dem benachbarten Córdoba stammt, den du aber in Sevilla auf jeder Speisekarte findest.
Diese köstliche kalte Suppe wird durch das Pürieren frischer Tomaten, hochwertigen älteren Brots, einer großzügigen Dosis erstklassigen nativen Olivenöls extra und Knoblauch zubereitet. In der Sommerhitze, wenn du an schwere Speisen überhaupt nicht denken magst, funktioniert der Salmorejo als absolut perfektes und erfrischendes leichtes Mittagessen.
💡 Tipp: In den Restaurants wird der Salmorejo standardmäßig mit gehacktem hartgekochtem Ei und Stücken von luftgetrocknetem Schinken (jamón ibérico) bestreut serviert. Wenn du Vegetarier bist wie Lukáš und ich, musst du das Personal bei der Bestellung nur bitten „sin jamón por favor“ (ohne Schinken bitte), und sie bringen dir eine rein fleischlose, aber immer noch köstliche Version.
Für Fleischesser ist die andalusische Küche dann voller weiterer Spezialitäten. Ein typischer Vertreter ist zum Beispiel rabo de toro (lange geschmorter Ochsenschwanz) in einer kräftigen Rotweinsoße oder flamenquín, eine Scheibe Schweinefleisch, um Schinken gewickelt und in Semmelbröseln frittiert. Wir haben sie zwar nicht probiert, aber die Einheimischen schwören darauf.
19. Der authentische Markt Mercado de Triana
Wenn du erleben willst, wie die normalen Einwohner Sevillas leben und einkaufen, mach dich morgens auf zur Markthalle Mercado de Triana. Du findest sie gleich hinter der Brücke Puente de Isabel II, und im Gegensatz zu den sterilen modernen Supermärkten herrscht hier ein herrlicher Lärm, ein Durcheinander und eine unglaubliche Mischung aus Düften frischer Kräuter und Gewürze.
Die Markthalle selbst hat zudem eine sehr düstere und faszinierende Geschichte. Sie wurde nämlich direkt auf den Ruinen der Burg Castillo de San Jorge errichtet, die lange Jahrhunderte als gefürchteter Sitz der berüchtigten spanischen Inquisition diente. Die Reste der alten Burg sind bis heute im unterirdischen Museum unter dem Markt zu sehen.
Heute werden hier zum Glück nur noch die besten lokalen Zutaten verkauft. Du findest hier Dutzende kleiner Stände mit einer riesigen Auswahl an frischem Obst, Gemüse, Käse, Oliven und Gewürzen. Die Verkäufer kommen gern ins Gespräch und bieten dir oft ein Stück Käse oder eine Olive zum kostenlosen Probieren an.
Zwischen den Verkaufstheken haben sich in den letzten Jahren zudem einige kleine Bistros und Cafés etabliert. Es ist der ideale Ort, um auf einen frischen Morgenkaffee einzukehren, dazu süße Churros zu naschen und einfach das alltägliche Treiben der örtlichen Hausfrauen zu beobachten, die hierher zum frischen Einkaufen kommen.
20. Der versteckte Palast Casa de Pilatos
Wenn dich der Königspalast Alcázar begeistert hat, du aber gern ähnliche Architektur ohne die allgegenwärtigen, sich drängenden Touristenmassen sehen würdest, darfst du den Palast Casa de Pilatos auf keinen Fall verpassen. Dieses private Adelshaus aus dem 16. Jahrhundert liegt etwas abseits der Haupttouristenrouten, ist aber ein absolutes architektonisches Juwel.
Der Palast gilt als Prototyp des perfekten andalusischen Herrschaftssitzes. Er stellt eine unglaublich harmonische Mischung aus italienischer Renaissance und traditionellem spanischem Mudéjar-Stil dar. Sobald du durch das Eingangstor trittst, findest du dich in einem prächtigen zentralen Hof wieder, gesäumt von Marmorsäulen und klassischen römischen Skulpturen.
Ähnlich wie im Alcázar sind auch hier die Wände der Gänge auf Augenhöhe mit atemberaubenden bunten azulejos-Kacheln bedeckt. Zum Palast gehören außerdem zwei wunderschöne ruhige Gärten voller ausgewachsener Bäume und kleiner Brunnen, wo du dich ausruhen und die Stille genießen kannst, die hier im Gegensatz zum Zentrum herrscht.
Interessant ist der Name des Palastes selbst (Haus des Pilatus). Er entstand, nachdem einer der ursprünglichen Besitzer eine Pilgerreise nach Jerusalem unternommen hatte. Nach seiner Rückkehr soll er festgestellt haben, dass die Entfernung von seinem Palast bis zu einer örtlichen Kapelle vor den Mauern genau der Entfernung vom Haus des Pilatus bis nach Golgota entspricht, wo Christus entlangschritt.
21. Abendliche Promenade entlang des Guadalquivir
Der Fluss Guadalquivir ist seit jeher die eigentliche Ader und Lebensquelle Sevillas. Gerade dank ihm wurde die Stadt im 16. Jahrhundert so unglaublich reich, denn hierher kamen die Schiffe voll beladen mit Schätzen aus der Neuen Welt. Heute ist das breite Flussufer ein beliebter Ort für abendliche Spaziergänge von Einheimischen und Touristen.
Wenn die Sonne langsam untergeht und die heiße Luft endlich etwas abkühlt, erwacht die gesamte Uferpromenade unglaublich zum Leben. Besonders beliebt ist die Straße Calle Betis auf der Seite des Viertels Triana. Du findest hier Dutzende Bars und Restaurants mit Außenbestuhlung, von wo aus man einen wunderschönen Blick über den Fluss auf den beleuchteten Goldenen Turm und den Turm Giralda hat.
Entlang des Wassers verläuft eine breite gepflasterte Promenade, die sich perfekt für einen entspannten Spaziergang eignet. Du triffst hier ganz normal auf Straßenmusiker, die Gitarre spielen, Familien mit herumlaufenden Kindern und kannst oft auf der Wasseroberfläche trainierende Ruderer in schmalen Booten beobachten.
Wenn du dir etwas mehr Romantik gönnen willst, kannst du direkt am Ufer eine einstündige abendliche Bootstour buchen. Vom Deck aus siehst du all die wunderschön beleuchteten Panoramen Sevillas und die historischen Brücken aus einer völlig anderen und sehr fotogenen Perspektive.
22. Das historische Archivo de Indias
Gleich neben der Kathedrale von Sevilla steht ein großes Renaissancegebäude, an dem viele Touristen leider achtlos vorbeigehen – was ein riesiger Jammer ist. Es handelt sich um das Archivo General de Indias (Hauptarchiv der Indien), das ursprünglich als große Handelsbörse für Kaufleute errichtet wurde.
Heute birgt dieses majestätische Gebäude die kompletten Archive des spanischen Imperiums aus der Zeit der Entdeckung und Eroberung Amerikas und der Philippinen. Um genau zu sein, liegen hier stattliche achtzig Millionen Seiten historischer Dokumente, verstaut in endlosen Regalen aus kubanischem Mahagoni, die sich durch lange gewölbte Säle ziehen.
Zwischen diesen Dokumenten befinden sich echte historische Schätze. Hier lagern originale handgeschriebene Briefe von Christoph Kolumbus, die Tagebücher des Entdeckers Magellan oder originale Zeichnungen und Pläne alter amerikanischer Städte. Auch wenn diese wertvollsten Originale normalerweise nicht zu sehen sind, sind die Atmosphäre und die Architektur des Gebäudes selbst atemberaubend.
Ein riesiger Bonus ist, dass der Eintritt ins Archiv für alle Besucher völlig kostenlos ist. Ein Rundgang durch die riesigen Säle mit wunderschönen Marmorböden und dem breiten zentralen Treppenhaus nimmt höchstens eine halbe Stunde in Anspruch, ist aber auf jeden Fall eine tolle Ergänzung zum gesamten historischen Kontext der Stadt.
Karte mit Sehenswürdigkeiten fürs Handy
Wohin es dich von Sevilla aus weiterzieht
Wenn du in Andalusien mehr als nur ein paar Tage Zeit hast, ist Sevilla ein absolut idealer Ausgangspunkt für die weitere Erkundung dieser faszinierenden Region. Der bei Weitem einfachste und logischste Ausflug ist das benachbarte Córdoba. Vom Bahnhof in Sevilla kommst du dorthin mit dem bequemen Hochgeschwindigkeitszug AVE in nur 45 Minuten. In Córdoba erwartet dich die atemberaubende Mezquita, eine riesige Moschee, in deren Mitte die christlichen Herrscher buchstäblich eine Renaissance-Kathedrale hineinklemmten. Im Mai findet hier zudem das berühmte Fest der Innenhöfe voller Blumen statt.
Ein weiterer logischer Schritt auf deiner Reise kann das bezaubernde Granada sein, das in einer dramatischen Landschaft direkt unter den verschneiten Gipfeln der Sierra Nevada liegt. Sein Hauptjuwel, der Palastkomplex Alhambra, ist möglicherweise die allerschönste Sehenswürdigkeit in ganz Spanien. Auf dem Weg nach Süden zum Meer darfst du dann auf keinen Fall das malerische Ronda verpassen, eine Stadt, die am Rand einer tiefen Felsschlucht erbaut ist.
Wenn du Adrenalin und Natur liebst, empfehlen wir, dir vorab Tickets für den berühmten Pfad Caminito del Rey zu reservieren, der sich über schmale Holzstege windet, die hoch an den steilen Wänden einer Schlucht hängen. Für alle, die lieber ans Meer und in die Sonne fahren, ist die Hafenstadt Málaga eine tolle Wahl, von wo aus du entlang der Küste weiterfahren kannst.
Wenn du ein Auto und zum Beispiel vierzehn Tage frei hast, lass dich unbedingt von unserem ausführlichen Artikel zum Thema 20 schönste Orte Andalusiens + Reiseroute inspirieren. Wir zeigen dir darin, wie du alle weißen Dörfer, Berge und Strände geschickt zu einem stimmigen Roadtrip zusammenfügst, um aus dem Süden Spaniens das absolute Maximum herauszuholen.
Und weil du es von Sevilla bis zur portugiesischen Grenze wirklich nur einen Katzensprung hast, fahren Lukáš und ich von hier aus regelmäßig gleich weiter Richtung Ozean. Wenn du in dieselbe Richtung unterwegs bist, wird dir unser 7-tägiger Roadtrip durch die Algarve oder unsere große Übersicht mit Tipps zu den schönsten Stränden der Algarve ungemein nützlich sein. Und falls deine Spanienreise dagegen in den fernen Nordosten führt, wirst du auch unseren ausführlichen Reiseführer für die Stadt Barcelona zu schätzen wissen.
Häufig gestellte Fragen
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch in Sevilla?
Die ideale Zeit für eine Reise in die andalusische Metropole ist während der Frühjahrsmonate (März bis Juni) oder im Herbst (September bis November). Die Temperaturen bewegen sich in dieser Zeit um sehr angenehme 20 bis 25 Grad. In den Sommermonaten solltet ihr die Stadt lieber meiden, denn die Temperaturen erreichen hier regelmäßig unerträgliche 40 °C im Schatten.
Wie viele Tage brauche ich für die Besichtigung der Stadt?
Für die absoluten Highlights von Sevilla solltet ihr mindestens zwei volle Tage einplanen. Die Stadt bietet eine riesige Fülle historischer Sehenswürdigkeiten wie die Kathedrale und den Alcázar-Palast, die euch ziemlich viel Zeit kosten werden. Wenn ihr in Ruhe bei Tapas sitzen und die entspannte lokale Atmosphäre aufsaugen möchtet, sind drei Tage die absolut ideale Wahl.
Muss ich Eintrittskarten für die Sehenswürdigkeiten im Voraus kaufen?
Ja, diese Regel gilt absolut ausnahmslos. Für den königlichen Palast Real Alcázar und die riesige Kathedrale von Sevilla solltet ihr Tickets online mit mehreren Wochen Vorlauf kaufen. Die Kapazitäten sind nämlich streng begrenzt und durch den Vorverkauf vermeidet ihr zum Glück stundenlanges Anstehen in quälenden Warteschlangen an den Kassen.
Ist die andalusische Küche für Vegetarier geeignet?
Auf jeden Fall! Auch wenn Spanien das Land des luftgetrockneten Schinkens ist, werdet ihr als Vegetarier hier definitiv nicht hungern müssen. In den Tapas-Bars gibt es üblicherweise frittierte Patatas Bravas, Käsekroketten oder Manchego-Käse. Probiert unbedingt auch die traditionelle kalte Suppe Salmorejo, nur bittet die Bedienung, sie euch ohne Schinken zu servieren.
Wie komme ich am schnellsten nach Sevilla?
Wenn ihr beispielsweise in die Hauptstadt fliegt, ist der einfachste Weg, die Hochgeschwindigkeitszüge AVE auf der beliebten Strecke Madrid–Sevilla zu nutzen. Die Fahrt dauert nur etwa zweieinhalb Stunden und ist extrem komfortabel. Kauft die Tickets aber mindestens einen Monat im Voraus, denn im Vorverkauf bekommt ihr die Fahrkarten um ein Vielfaches günstiger als vor Ort.
Was bedeuten diese spitzen Kapuzen während der Frühlingsfeste?
Während der Heiligen Woche (Semana Santa) begegnet ihr auf den Straßen oft Männern in langen Gewändern und hohen spitzen Kapuzen. Es sind Mitglieder lokaler Bruderschaften, die Nazarenos (Büßer) genannt werden. Obwohl ihr Aussehen amerikanische Touristen manchmal erschreckt, haben sie historisch absolut nichts mit dem Ku-Klux-Klan zu tun.
Soll ich mich eher für Sevilla, Córdoba oder Granada entscheiden?
Das ist das ewige Dilemma wohl jedes Reisenden. Wenn ihr feurige Energie, leidenschaftlichen Flamenco und prachtvolle Paläste sucht, fahrt nach Sevilla. Falls ihr von romantischem Bergblick und dem Alhambra-Palast träumt, wählt Granada. Und wenn ihr eine ruhigere Atmosphäre und einzigartige islamische Architektur bevorzugt, wird euch Córdoba mit seiner berühmten Mezquita garantiert begeistern.
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