Als Lukáš und ich nach einem Jahr in Kanada in London ankamen, saß das Geld ziemlich locker – im negativen Sinne. Wir haben die Stadt damals auf alten Rädern durchquert und nach Wegen gesucht, die britische Metropole richtig zu genießen, ohne unser ohnehin knappes Budget völlig zu sprengen. Genau deshalb schwöre ich bis heute auf die Londoner Museen, denn viele von ihnen bieten freien Eintritt in ihre Dauerausstellungen. Eines der allerbesten ist das berühmte British Museum London.
Diese atemberaubende Institution beherbergt unglaubliche acht Millionen Objekte aus aller Welt. Egal ob dich das alte Ägypten, das antike Griechenland oder die faszinierende Geschichte der Britischen Inseln interessiert – dieser Ort wird dich garantiert in seinen Bann ziehen.
Erwarte aber nicht, dass du ihn an einem verschlafenen Nachmittag durchläufst. Ausgestellt ist zwar nur etwa ein Prozent der Sammlungen, aber selbst das bedeutet kilometerlange Gänge und Dutzende riesiger Säle. Deshalb habe ich für dich einen ausführlichen Leitfaden vorbereitet, wie du das Beste aus deinem Besuch herausholst, wie du den schlimmsten Menschenmengen clever ausweichst und vor allem, wie du der sogenannten Museumsmüdigkeit entgehst.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Der Eintritt ist gratis: Für die Dauerausstellung zahlst du gar nichts, das Museum empfiehlt nur eine freiwillige Spende von rund 5 £ (etwa 6 €).
- Reservierung ist Pflicht: Auch wenn der Eintritt frei ist, rate ich dir dringend, dein Zeitticket vorab online zu reservieren, sonst riskierst du lange Schlangen oder wirst in der Hochsaison gar nicht eingelassen.
- Der Hintereingang ist die Rettung: Statt des Haupteingangs von der Great Russell Street nutze den Hintereingang von Montague Place, wo die Schlange für die Sicherheitskontrolle meist deutlich kürzer ist.
- Beste Besuchszeit: Versuche, von Dienstag bis Donnerstag gleich um zehn Uhr morgens zu kommen, oder nutze die verlängerten Freitagsöffnungszeiten bis 20:30 Uhr.
- Gepäck im Hotel lassen: Rollkoffer sind komplett verboten und Rucksäcke dürfen die Maße 40 × 40 × 50 Zentimeter nicht überschreiten.
- Große Neuheit 2026: Ab September wird hier der berühmte Teppich von Bayeux ausgestellt, für den wegen des riesigen Andrangs ein gesondertes Zeitticket nötig ist.
British Museum Eintritt, Öffnungszeiten und Preise im Jahr 2026
Der Eintritt in die Dauerausstellung des British Museum ist KOSTENLOS. Das ist im sonst ziemlich teuren London ein absoluter Knaller und eine riesige Erleichterung für dein Reisebudget. Am Eingang bittet das Museum lediglich höflich um eine freiwillige Spende von rund 5 £ (etwa 6 €). Niemand wird dich verurteilen, wenn du nichts gibst – die Geldbörse zückst du realistisch nur für spezielle Sonderausstellungen.
Auch wenn das Ticket keinen Cent kostet, solltest du dir unbedingt vorab dein Zeitticket reservieren. Das geht ganz einfach auf der offiziellen Website und erspart dir eine Menge unnötigen Stress. Ohne Reservierung kannst du nämlich bis zu 45 Minuten in der Schlange stehen, bis Kapazität frei wird. In der Hochsaison oder am Wochenende kann es sogar passieren, dass man dich ohne Buchung zu Stoßzeiten gar nicht hineinlässt.
Hier hast du übersichtlich die Öffnungszeiten, damit du deinen ganzen Tag in Bloomsbury richtig planen kannst. Denk daran, dass die Galerien früher geräumt werden, damit dich die Wachleute nicht mitten beim Lesen einer Beschreibung vertreiben. Komplett geschlossen ist es an Weihnachten (24.–26. Dezember) und traditionell an Neujahr.
| Tag | Geöffnet | Letzter Einlass |
|---|---|---|
| :— | :— | :— |
| Sonntag–Donnerstag | 10:00–17:00 | ~16:00 |
| Freitag | 10:00–20:30 | 19:30 |
Das British Museum entstand bereits 1753 und trägt den Titel erstes öffentliches Nationalmuseum der Welt. Heute bewahrt es unglaubliche 8 Millionen historische Objekte aus allen Ecken unseres Planeten. Ausgestellt ist davon aber nur etwa 1 %, der Rest der Schätze ruht irgendwo in dunklen Depots. Versuche also nicht, an einem Nachmittag alles zu durchlaufen, denn das ist schlicht körperlich unmöglich.
💡 Praktischer Tipp: Wenn du schon bei den Tickets sparst, lade dir die kostenlose Museums-App aufs Handy für eine leichtere Orientierung. Wem das Lesen der Schilder nicht reicht, kann sich über GetYourGuide eine ausführliche thematische Führung mit einem echten Guide buchen. Direkt in den Sälen finden außerdem manchmal kurze „Eye-Opener“-Führungen statt, die völlig kostenlos sind und keine Anmeldung erfordern. Du musst dich nur der Gruppe anschließen und zuhören.
Wann du ins British Museum gehst und wie du die Menschenmengen überlebst
Das britische Wetter kann unberechenbar sein, sich also zwischen antiken Statuen zu verstecken, klingt nach dem idealen Plan für Regentage. Das Problem ist nur, dass Tausende andere Touristen im selben Moment dieselbe geniale Idee haben. Wenn du dir das Ellenbogengedränge an den Vitrinen ersparen willst, musst du deinen Besuch etwas strategisch planen.
Das Museum ist täglich von 10:00 bis 17:00 Uhr geöffnet, aber mein Geheimtipp ist, freitagabends herzukommen. Am Freitag schließt es nämlich erst um 20:30 Uhr und die letzten Stunden vor Schließung sind herrlich ruhig. Die Schulklassen sind längst weg, Familien mit kleineren Kindern gehen zum Abendessen und du kannst die ägyptischen Mumien in einer viel intimeren Atmosphäre betrachten.
Eine weitere riesige Falle ist der Versuch, wirklich alles sehen zu wollen. Dieses Museum ist ein Paradebeispiel für einen Ort, an dem die sogenannte Museumsmüdigkeit droht. Das ist der Zustand, in dem dein Gehirn nach zwei Stunden Schilderlesen einfach abschaltet und dir ein goldener Schatz genauso interessant vorkommt wie der Feuerlöscher in der Ecke. Wähle deshalb nur ein paar Bereiche aus und lass den Rest mit ruhigem Gewissen aus.
Und vergiss nicht, dir vorab die offizielle Museums-App herunterzuladen. Sie bietet eine interaktive Karte und 65 Galerie-Einführungen völlig kostenlos. Auf Deutsch gibt es sie zwar nicht, aber für die grundlegende Orientierung in diesen endlosen Gängen ist sie ein unbezahlbarer Helfer. Wer eine tiefere Erklärung möchte, kann über GetYourGuide auch bezahlte thematische Führungen mit einem echten Guide finden.
Wie du zum British Museum kommst
Das Museum selbst thront im Viertel Bloomsbury, sodass die Anfahrt vom Zentrum ein Kinderspiel ist. Am nächsten liegen die U-Bahn-Stationen Tottenham Court Road, Holborn oder Russell Square. Von überall bist du in ein paar Minuten zu Fuß am Eingang, ohne auch nur außer Atem zu kommen. Die ideale Verbindung klickst du dir vor der Fahrt direkt auf der Website von TfL zusammen.
Für den Eintritt kannst du zwei Wege wählen, und hier kommt der absolut entscheidende Trick. Während der Haupteingang von der Great Russell Street unter dem Touristenansturm aus allen Nähten platzt, ist der Hintereingang von Montague Place viel ruhiger. Für die Sicherheitskontrolle ist die Schlange hier kürzer, du sparst also wertvolle Minuten und Nerven. Probier ihn unbedingt aus, wenn du gleich am Anfang Staus vermeiden willst.
Achte darauf, womit du überhaupt ins Museum gehst. Großes Gepäck und Rollkoffer sind strikt verboten und die Sicherheit dreht dich damit kompromisslos an der Tür um. Das Limit für Rucksäcke liegt bei etwa 40 × 40 × 50 Zentimetern, mit dem großen Trekkingrucksack brauchst du also gar nicht erst zu kommen. Kleinere Sachen kannst du in der Garderobe am Great Court abgeben, mit einem Koffer lässt man dich dort aber wirklich nicht rein.
Wenn dir vom Rundgang durch die Mumien die Füße wehtun, mach dich auf, die Umgebung des Museums selbst zu entdecken. Das Viertel Bloomsbury ist voller gemütlicher Cafés und alter englischer Buchläden, in denen man wunderbar entspannen kann. Nur einen Katzensprung entfernt liegt auch das berühmte Covent Garden, du hast also ein entspanntes Programm für den restlichen Nachmittag.
Der neue Star 2026: der Teppich von Bayeux
Ab September 2026 steht London eine absolute Sensation bevor, die sich Geschichtsfans nicht entgehen lassen dürfen. Erstmals wird hier der legendäre Teppich von Bayeux (Bayeux Tapestry) zu sehen sein, den Frankreich dem Museum exklusiv leiht. Dieses beeindruckende Werk ist eine fast 70 Meter lange gestickte Chronik, die die Schlacht bei Hastings von 1066 zeigt. Es ist keineswegs irgendein alter Teppich, sondern ein fantastisch erhaltener mittelalterlicher Comic.
Wegen dieser Kostbarkeit musst du dich aber auf einen wahnsinnigen Andrang gefasst machen. Du brauchst mit Sicherheit ein eigenes Zeitticket nur für diese konkrete Ausstellung, das du dir besser rechtzeitig sicherst. Wenn dir Geschichte auch nur ein bisschen Spaß macht, ist das der Hauptgrund, deine Reise ausgerechnet auf den Herbst 2026 zu legen. Es wird nämlich ein Ereignis, über das man noch Jahre spricht.
Wo du in der Nähe des British Museum übernachtest
Das Viertel Bloomsbury, in dem sich das Museum befindet, gehört für mich zu den allerangenehmsten Teilen Londons. Hier findest du schöne, baumgesäumte Plätze, Dutzende unabhängiger Buchläden und großartige Cafés. Direkt hier zu wohnen bedeutet, dass du in fünf Minuten zu Fuß am Museum bist und dem morgendlichen Gedränge in der U-Bahn entgehst.
Eine Unterkunft im Zentrum Londons ist nicht die günstigste, aber für jedes Budget lässt sich ein Kompromiss finden. Ich habe für dich einige konkrete Hotels mit hervorragender Bewertung ausgewählt, die nur wenige Schritte vom Haupteingang entfernt liegen.
- The Bloomsbury Hotel ist eine luxuriöse Boutique-Wahl mit wunderschönem Design und fantastischen Frühstücken.
- Kimpton Fitzroy London ist ein atemberaubendes historisches Gebäude am Russell Square, ideal für einen besonderen romantischen Aufenthalt.
- The Montague on the Gardens bietet traditionellen britischen Stil und eine wunderbar ruhige Atmosphäre gleich um die Ecke vom Museum.
- Radisson Blu Edwardian Bloomsbury Street punktet mit modernen Zimmern und strategischer Lage an der U-Bahn-Station.
- Premier Inn London Holborn ist ein zuverlässiger und preisgünstigerer Klassiker, den vor allem Familien mit Kindern zu schätzen wissen.
- Generator London ist ein stylisches und modernes Hostel für Reisende, die bei den Sehenswürdigkeiten sparen wollen.
8 Tipps, was du im British Museum sehen und erleben solltest
Schauen wir uns die größten Schätze im Detail an, die du bei deinem ersten Besuch auf keinen Fall verpassen solltest. Die folgende Liste enthält Exponate quer durch die gesamte Menschheitsgeschichte, vom alten Ägypten bis zu den Inseln des Pazifiks.
1. Great Court und der historische Lesesaal
Kaum hast du die Sicherheitskontrolle passiert, stehst du in einem absolut überwältigenden Raum namens Great Court. Es ist der größte überdachte öffentliche Platz in ganz Europa, den im Jahr 2000 der berühmte Architekt Norman Foster entworfen hat. Das Dach besteht aus mehr als dreitausend Glasscheiben, und interessanterweise haben keine zwei davon exakt dieselbe Form.
In der Mitte dieses lichtdurchfluteten Raums steht ein ikonisches rundes Gebäude. Es ist der ursprüngliche historische Lesesaal, der Reading Room, in dem einst Karl Marx, Mahatma Gandhi oder die Schriftstellerin Virginia Woolf über Büchern saßen. Heute dient er als zentraler Orientierungspunkt.
💡 Tipp: Genau im Great Court kannst du dir am Infostand eine gedruckte Karte holen oder dich ins lokale WLAN einloggen. Wenn du eine kleinere Tasche hast, findest du hier gleich links auch eine Garderobe, aber denk daran, dass sich beim Abgeben der Sachen Schlangen bilden.
2. Der Stein von Rosetta (Saal 4)
Wenn es ein einziges Objekt gibt, wegen dem Menschen aus aller Welt hierherkommen, dann ist es zweifellos der Stein von Rosetta. Diese unscheinbare schwarze Steinstele aus dem Jahr 196 v. Chr. war der Schlüssel zur Entzifferung der ägyptischen Hieroglyphen. Sie enthält nämlich ein und denselben Text in drei verschiedenen Schriften.

Dank des Textes in Altgriechisch unten konnte der französische Gelehrte Jean-François Champollion 1822 endlich das System der altägyptischen Schrift verstehen. Heute ist der Stein sicher hinter dickem Glas untergebracht und ständig von einer Traube Touristen mit Handys in der Hand umgeben.
💡 Tipp: Besucher sind sich einig, dass man nach halb zwölf vormittags durch die Menschenmenge kaum noch an den Stein herankommt. Wenn du ihn relativ in Ruhe sehen willst, steuere Saal Nummer 4 gleich Schlag zehn Uhr an, sobald das Museum seine Tore öffnet.
3. Die Parthenon-Skulpturen (Saal 18)
Im prächtigen Saal Nummer 18 erwarten dich Marmorfriese und Skulpturen aus dem Parthenon-Tempel in Athen. Sie stammen aus dem fünften Jahrhundert v. Chr. und zeigen unglaublich detaillierte Szenen aus der griechischen Mythologie, darunter die berühmte Schlacht der Lapithen gegen die Kentauren. Anfang des 19. Jahrhunderts brachte Lord Elgin sie nach Großbritannien.

Diese Skulpturen stehen im Zentrum eines gewaltigen internationalen Streits. Griechenland fordert seit Jahrzehnten ihre dauerhafte Rückgabe nach Athen, während die britische Seite argumentiert, sie vor der Zerstörung gerettet zu haben. Derzeit laufen komplizierte Verhandlungen über eine mögliche Langzeitleihe, denn das britische Gesetz verbietet dem Museum, Sammlungen dauerhaft abzugeben.
Die Debatte über die Sicherheit der Exponate hat 2023 zudem ein riesiger Skandal angeheizt. Damals stellte sich heraus, dass über eintausendfünfhundert wertvolle Objekte aus den Depots des Museums verschwunden oder beschädigt waren, darunter antiker Schmuck. Das Museum hat seither einen speziellen Ermittler eingesetzt und einen großen Teil der gestohlenen Schätze bereits aufspüren und zurückholen können.
4. Assyrische Löwenjagden und geflügelte Stiere (Säle 6–10)
Gleich hinter der ägyptischen Abteilung öffnet sich die Welt des alten Mesopotamien, die viele mit ihrer Monumentalität überrascht. Den Eingang zu diesem Bereich bewachen Lamassu, riesige geflügelte Stiere mit Menschenkopf. Ursprünglich standen sie an den Toren assyrischer Paläste und sollten böse Mächte fernhalten.

Noch größeres Staunen löst aber der Saal mit den Reliefs der assyrischen Löwenjagden aus dem siebten Jahrhundert v. Chr. aus. Diese Steinplatten zeigen König Assurbanipal bei der rituellen Löwenjagd mit einer Brutalität und einem Realismus, dass es dir kalt den Rücken hinunterläuft. Die von Pfeilen getroffenen Tiere sind mit unglaublicher Anatomiekenntnis gemeißelt.
Laut den Erfahrungen vieler Reisender ist in diesen Sälen viel mehr Raum zum Atmen als beim Stein von Rosetta. Du kannst dir hier in Ruhe die Details auf den Steinpaneelen ansehen und die Atmosphäre eines längst untergegangenen Reiches aufsaugen, das einst den gesamten Nahen Osten beherrschte.
5. Moai von der Osterinsel (Saal 24)
Beim Übergang zu den Ausstellungen über Amerika und Afrika triffst du auf einen faszinierenden steinernen Riesen. Die Statue namens Hoa Hakananai’a stammt von der Osterinsel und ist aus hartem Basalt gehauen. Anders als die meisten anderen Moai, die aus weicherem Tuffstein sind, hat sich diese in absolut perfektem Zustand erhalten.

Ihren Rücken zieren aufwendige Schnitzereien im Zusammenhang mit dem Vogelmann-Kult, was sie zu einem absoluten Unikat macht. Auch in diesem Fall bitten die Ureinwohner der Insel Rapa Nui die britische Regierung seit langem um die Rückgabe der Statue in ihre Heimat, weil in ihr nach ihrem Glauben die Geister der Vorfahren wohnen.
6. Ägyptische Mumien und Sarkophage (Säle 62–63)
Wenn du mit Kindern reist, wird dieser Bereich im Obergeschoss garantiert ihr Lieblingsteil. Das British Museum besitzt die größte Sammlung ägyptischer Artefakte außerhalb Ägyptens selbst und die hiesigen Galerien des Todes sind buchstäblich vollgepackt mit wunderschön bemalten Holzsarkophagen.

Neben Mumien von Pharaonen und Priestern siehst du hier auch mumifizierte Tiere, von Katzen und Krokodilen bis hin zu Falken. Das Highlight ist der sogenannte Gebelein Man, der natürlich mumifizierte Körper eines über fünftausend Jahre alten Mannes, der sich dank des trockenen Wüstensands erhalten hat.
💡 Tipp: Angesichts der enormen Beliebtheit der Mumien empfehlen erfahrene Besucher, die Säle 62 und 63 gleich morgens nach dem Besuch des Steins von Rosetta anzusteuern. Am Nachmittag wird es hier schon unangenehm eng und an den Vitrinen bilden sich Trauben von Schulklassen.
7. Der angelsächsische Schatz von Sutton Hoo (Saal 41)
Damit wir nicht nur bei ausländischen Funden bleiben, müssen wir auch einen der wichtigsten archäologischen Funde Großbritanniens selbst erwähnen. 1939 wurde in Suffolk das unversehrte Schiffsgrab eines angelsächsischen Königs aus dem siebten Jahrhundert entdeckt. Dieser Fund schrieb die britische Geschichte buchstäblich um und zeigte, dass das frühe Mittelalter überhaupt nicht dunkel war.
In Saal Nummer 41 kannst du aus der Nähe den ikonischen Eisenhelm mit Bronzedetails betrachten, der zum Symbol des ganzen Museums geworden ist. Daneben liegen hier wunderschöne goldene Fibeln mit Granateinlagen, Schwerter und Silbergeschirr, die die unglaubliche Kunstfertigkeit der damaligen Handwerker beweisen.
8. Die Schachfiguren Lewis Chessmen (Saal 40)
Nur einen Katzensprung vom angelsächsischen Schatz entfernt findest du eine Vitrine mit Objekten, die dich garantiert zum Schmunzeln bringen. Die Lewis Chessmen sind mittelalterliche Schachfiguren, aus Walrosszähnen geschnitzt, die im neunzehnten Jahrhundert auf der schottischen Insel Lewis gefunden wurden. Wahrscheinlich fertigten sie norwegische Handwerker im zwölften Jahrhundert an.
Am lustigsten sind ihre Gesichtsausdrücke. Während die Könige mit dem Schwert auf den Knien sitzen, stützen die Königinnen besorgt das Gesicht in die Hand und die Bauern beißen in ihre Schilde. Diese Figuren haben übrigens auch das Zauberschach im ersten Teil der Harry-Potter-Filme inspiriert.
Highlights-Route: Was du in 2–3 Stunden schaffst
Damit du im Museum nicht die Orientierung verlierst, habe ich eine konkrete Route zusammengestellt, die dich zu den wichtigsten Exponaten führt. Dieser Rundgang berücksichtigt die logische Anordnung des Gebäudes und beginnt im Erdgeschoss, das sich meist am schnellsten mit Menschen füllt.
1. Great Court: Orientiere dich unter dem Glasdach und steuere den linken Teil des Erdgeschosses an. 2. Saal 4 (Stein von Rosetta): Geh hier ganz zuerst hin. Mach ein Foto und schau dir die benachbarte kolossale Büste von Ramses II. an. 3. Säle 6–10 (Assyrien): Geh geradeaus hinter dem Stein von Rosetta weiter zu den geflügelten Stieren und den Reliefs der Löwenjagden. 4. Säle 18–23 (Parthenon): Vom assyrischen Teil wechselst du in die weitläufigen Galerien mit den griechischen Marmorskulpturen. 5. Saal 24 (Moai): Halte an bei der Statue Hoa Hakananai’a, die am Eingang zu den afrikanischen Sammlungen steht. 6. Säle 62–63 (Mumien): Steig die Treppe ins Obergeschoss hinauf und erkunde die ägyptischen Bestattungsrituale. 7. Saal 41 (Sutton Hoo): Geh weiter zu den Vitrinen mit dem funkelnden angelsächsischen Schatz und dem berühmten Helm. 8. Saal 40 (Lewis Chessmen): Beende den Rundgang bei den witzigen Schachfiguren aus Walrosszahn.
Wo du nach dem Besuch etwas isst
Wenn du nach drei Stunden Gehen Hunger bekommst, hast du zwei Möglichkeiten. Direkt im Museum gibt es das Great Court Restaurant und eine großartige Pizzeria, wo sie unter anderem hervorragende vegetarische und vegane Pizzen machen. Die Preise im Museum sind aber verständlicherweise etwas höher und über Mittag ist es hier meist voll.
Ich persönlich empfehle, hinaus ins Viertel Bloomsbury zu gehen, das voller toller Läden ist. Probier zum Beispiel das Honey & Spice, wo sie fantastische nahöstliche Salate und Falafel-Wraps zum Mitnehmen verkaufen. Das Essen kannst du dann in Ruhe auf einer Bank im nahegelegenen Park Russell Square genießen. Wenn du Lust auf warmes Essen hast und fleischlose Küche magst, besuche unbedingt das südindische vegetarische Restaurant Rasa.
Wie du das riesige Museum überlebst: die Anti-Menschenmassen-Strategie
Wiederholen wir die wichtigsten Regeln für einen entspannten Besuch. Reserviere dir immer ein Zeitticket auf der offiziellen Website des Museums, auch wenn das Ticket gratis ist. In den Sommermonaten passiert es regelmäßig, dass man Leute ohne Reservierung fünfundvierzig Minuten draußen in der Sonne warten lässt oder sie einfach wieder wegschickt.
Versuche außerdem, kein großes Gepäck mitzunehmen, die Rucksackkontrolle hält alle auf. Wenn du nur eine kleine Handtasche hast oder mit leeren Händen kommst, gehst du durch die Sicherheitskontrolle wie ein Messer durch Butter. Und wie ich schon erwähnt habe, ist der Hintereingang von Montague Place an der Nordseite des Gebäudes meist deutlich freier als der Haupteingang von der Great Russell Street.
Exponate, bei denen dir der Atem stockt
Der Stein von Rosetta: der Schlüssel, der die Antike öffnete
Dieses unscheinbare Stück schwarzen Steins ist mit Abstand das berühmteste Stück des ganzen Museums. Er wurde bereits im Jahr 196 v. Chr. gemeißelt und enthält einen Text, der auf drei verschiedene Arten geschrieben ist. Du findest hier ägyptische Hieroglyphen, demotische Schrift und Altgriechisch. Genau dank dieser Kombination gelang es Jean-François Champollion 1822, die bis dahin unlesbaren Hieroglyphen zu entziffern.
Wenn du nicht über die Schultern anderer Touristen nur auf die Spiegelungen der Vitrine schauen willst, komm gleich um zehn Uhr. Gegen Mittag belagert eine undurchdringliche Menge den Stein und die Chance auf ruhiges Betrachten sinkt gegen null. Der Halt in Saal Nummer 4 verlangt schlicht ein höllisch gutes Timing.
Die Parthenon-Skulpturen und der Streit, der bis heute andauert
Die Marmorfriese und Skulpturen aus dem Athener Parthenon bilden den Kern eines gewaltigen internationalen Streits. Anfang des 19. Jahrhunderts brachte Lord Elgin sie fort und Griechenland fordert sie heute logischerweise zurück. Für Athen ist es ein brutales Herausreißen aus dem historischen Kontext, während die britischen Gesetze eine dauerhafte Rückgabe verbieten und das Museum nur eine Langzeitleihe anbietet.
Der Ruf der Institution als sicherer Hafen bekam zudem kürzlich einen ordentlichen Schlag. 2023 platzte ein riesiger Skandal, als sich herausstellte, dass aus den Depots etwa 1500 wertvolle Objekte verschwunden waren. Schmuck und antike Edelsteine wurden jahrelang gestohlen, wobei ein Teil zum Glück von einem angeheuerten Schatzjäger aufgespürt wurde. Die gesamte Sammlung betrachtest du also mit leichtem Schaudern im Rücken.
Ägyptische Mumien, die Kinder und Erwachsene faszinieren
Die ägyptische Sammlung des British Museum ist die größte außerhalb Ägyptens selbst und zieht logischerweise die Massen an. In den Sälen im Obergeschoss findest du nicht nur wunderschön verzierte Sarkophage, sondern auch die Mumien von Menschen und Tieren selbst. Genau hierher steuern automatisch die meisten Familien mit Kindern, weil die antiken Bestattungsrituale einfach eine enorme Anziehungskraft haben.
Mach dich darauf gefasst, dass es hier am Wochenende an einen Schulflur in der Pause erinnert. Wenn du dich nach stiller Betrachtung der Vergänglichkeit des Lebens sehnst, versuch es lieber während der abendlichen Freitagsöffnung. Die faszinierenden Details an den Särgen in den Sälen 62 und 63 genießt du dann ganz anders.
Assyrische geflügelte Stiere und die Löwenjagd
Das ist genau der Teil der Geschichte, der dich mit seiner Monumentalität buchstäblich an die Wand drückt. Den Eingang zu den assyrischen Galerien bewachen Lamassu, kolossale geflügelte Stiere mit Menschenkopf. Sie wiegen mehrere Tonnen und schützten einst königliche Paläste vor allem Bösen.

Gleich daneben darfst du dir die detaillierten Reliefs der assyrischen Löwenjagden aus Ninive nicht entgehen lassen. Sie zeigen König Assurbanipal bei der Jagd und sind ein absoluter Höhepunkt der damaligen Kunst. Sie haben eine wunderbare Dynamik und anders als beim Stein von Rosetta drängen sich hier viel weniger Menschen.
Der Schatz von Sutton Hoo und die Statue von der Osterinsel
Vom Fund im englischen Sutton Hoo handelt auch der großartige Film „Die Ausgrabung“, und im Museum siehst du das Original aus diesem berühmten Schiffsgrab. In Saal 41 erwarten dich der ikonische angelsächsische Helm und weitere Waffen von unschätzbarem Wert. Es ist einer der bedeutendsten archäologischen Funde ganz Großbritanniens.
Ein Stück weiter steht dann Hoa Hakananai’a, die imposante Basalt-Statue Moai von der Osterinsel. Ihre Geschichte ähnelt stark den griechischen Marmoren, denn auch in diesem Fall fordert Chile ihre unverzügliche Rückgabe. Aus der Nähe wirkt dieses riesige Gesicht unfassbar magisch und lohnt die Suche allemal.
Wohin weiter vom British Museum
Wenn du genug vom Aufsaugen musealer Informationen hast, bietet London unendlich viele weitere Erlebnisse. Jede Menge Inspiration findest du in unserem großen Ratgeber mit Tipps, was man in London sehen und erleben kann.
Und wenn du auf guten Kaffee stehst, wirf einen Blick in unseren Ratgeber zu den besten Cafés in London – wir haben nur Läden mit einer Google-Bewertung über 4,6 ausgewählt.
Nur einen Katzensprung vom Parlament entfernt steht die Westminster Abbey – Ort der Krönungen und königlichen Gräber, in den man beim Evensong sogar gratis hineinkommt.
Wenn dich eher die königliche Geschichte und die britischen Kronjuwelen interessieren, lies unbedingt unseren Artikel über die Festung Tower of London. Fotos von Sehenswürdigkeiten kannst du dann an der nahegelegenen Tower Bridge genießen. Und wenn du die Stadt bequem von oben aus einer verglasten Kapsel betrachten möchtest, schau dir unsere praktischen Ratschläge für den Besuch des London Eye an. Eine Überlegung wert ist auch ein Spaziergang durch den Park zum ikonischen Sitz des Königs, dem Buckingham Palace.
Häufig gestellte Fragen
Ist der Eintritt ins British Museum wirklich kostenlos?
Ja, der Eintritt zur gesamten ständigen Ausstellung ist völlig kostenlos. Bezahlt wird nur für große Sonderausstellungen, und das Museum bittet am Eingang um eine freiwillige Spende für den Betrieb, die etwa 5 Pfund beträgt.
Muss ich Tickets im Voraus reservieren?
Ich empfehle es dir auf jeden Fall. Ein kostenloses Zeitfenster-Ticket (timed ticket) garantiert dir, dass du zu einer bestimmten Zeit hineinkommst. Personen ohne Reservierung müssen in der Schlange warten, und zu Stoßzeiten besteht die Gefahr, dass sie gar nicht ins Gebäude hineinkommen.
Welche U-Bahn-Station ist dem Museum am nächsten?
Am schnellsten erreichst du den Haupteingang von den Stationen Tottenham Court Road oder Holborn. Wenn du zum Hintereingang an der Montague Place möchtest, steigst du am besten an der Station Russell Square aus, von dort sind es etwa sieben Minuten zu Fuß.
Darf ich einen Rucksack oder Koffer mit ins Museum nehmen?
Mit einem Rollkoffer lassen sie dich überhaupt nicht hinein, unabhängig von seiner Größe. Normale Rucksäcke und Handtaschen sind erlaubt, dürfen aber die Maße 40 × 40 × 50 Zentimeter nicht überschreiten. Rechne auch damit, dass jedes Gepäckstück eine Sicherheitskontrolle durchläuft.
Wie viel Zeit sollte ich für den Besuch einplanen?
Für einen schnellen Rundgang durch die größten Highlights wie den Stein von Rosetta und die Mumien reichen dir zwei bis drei Stunden. Wenn du die Informationstafeln ausführlicher lesen möchtest, plane lieber drei bis vier Stunden reine Zeit ein.
Darf man im Museum fotografieren?
Ja, Fotografieren und Videoaufnahmen für persönliche und nicht-kommerzielle Zwecke sind in den ständigen Ausstellungen erlaubt. Aus Sicherheitsgründen und zum Schutz empfindlicher Artefakte ist die Verwendung von Blitz und Stativen jedoch streng verboten.
Bietet das Museum einen Audioguide auf Deutsch an?
Die offizielle App British Museum Audio, die du kostenlos auf dein Handy herunterladen kannst, bietet Erklärungen in neun Weltsprachen, darunter Englisch, Deutsch und Spanisch.
Ist das Museum für Familien mit Kindern und Kinderwagen geeignet?
Das Gebäude ist vollständig barrierefrei, sodass die Fortbewegung mit dem Kinderwagen kein Problem ist. Für Kinder stehen an Wochenenden zudem spezielle Aktivitäts-Rucksäcke mit Aufgaben zur Verfügung, und der größte Erfolg ist bei ihnen traditionell die Abteilung mit den ägyptischen Mumien.
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