Mietwagen Island: Der komplette Guide zum stressfreien Fahren

Als Lukáš und ich Ende September 2018 zum ersten Mal aus dem Flugzeug am Flughafen Keflavík stiegen, gab es sofort eine Ohrfeige vom örtlichen Ozeanwetter. Der Wind blies mit einer solchen Wucht, dass ich das Gefühl hatte, mir würde nicht nur die Wintermütze, sondern womöglich gleich der ganze Kopf wegfliegen. Die Luft roch nach Salz, Schwefel und absolut roher Wildnis.

Schon auf dem Parkplatz lernten wir die wichtigste Regel des gesamten isländischen Roadtrips, die euch tausende Euro retten kann. Die Autotür muss man beim Aussteigen nämlich immer fest mit beiden Händen halten.

Einen Mietwagen auf Island zu fahren ist insgesamt eine etwas spezielle Disziplin, denn die hiesige Natur kann Fahrer auf viele unerwartete Arten ärgern. Wir haben unseren zuverlässigen Allrad-Suzuki Grand Vitara am Ende über 3500 Kilometer wunderschöner und gleichzeitig gruseliger Straßen gejagt.

Island ist schlicht kein Ziel, wo man sich auf der Liege erholt. Es ist eher eine Expedition an Orte, wo die Erdkruste auseinanderbricht, unter Gletschern Magma glüht und der Blick auf die endlose Leere euch zwingt, eure eigene Größe zu überdenken. Gleichzeitig ist es laut dem renommierten Global Peace Index aber auch das sicherste Land der Welt.

Häuser werden hier nicht abgeschlossen, die Kriminalität ist nahezu null und euer einziger echter Feind ist die unberechenbare Mutter Natur. In diesem Artikel findet ihr einen detaillierten Guide, wie ihr das Fahren im Land aus Feuer und Eis ohne eine einzige Sorgenfalte meistert. Wir schauen uns die neue Kilometersteuer für 2026 an, durchleuchten die knifflige Versicherung und verraten euch, wo ihr unterwegs gut und günstig essen könnt.

Straße durch die isländische Landschaft beim Roadtrip
Straße durch die isländische Landschaft beim Roadtrip

Artikelinhalt

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Autowahl: Für eine sommerliche Umrundung der Hauptstraße (Ring Road) reicht ein normales Auto mit Zweiradantrieb (2WD). Wenn ihr aber außerhalb der Saison reist oder das raue Hochland (F-Roads) erkunden wollt, müsst ihr per Gesetz einen Allradwagen (4×4) mieten.
  • Versicherung ist Pflicht: Eine klassische Versicherung reicht nicht, also zahlt immer den Aufpreis für den Schutz gegen Steinschlag (Gravel Protection) und gegebenenfalls auch gegen Sand und Asche (Sand & Ash), denn der isländische Wind kann den Lack komplett abschmirgeln und die Schäden gehen in die Zehntausende Euro.
  • Neuerungen für 2026: Die Regierung hat eine neue Kilometersteuer in Höhe von 6,95 ISK pro gefahrenem Kilometer eingeführt, was sich in der Abrechnung der Autovermietung niederschlägt. Dafür ist der Benzinpreis aber deutlich auf etwa 210 bis 225 ISK pro Liter gesunken.
  • Tückische Türen: Keine Versicherung der Welt deckt vom Wind aus den Angeln gerissene Türen. Denkt beim Aussteigen immer daran, denn heftige Windböen sind auf Island an der Tagesordnung.
  • Zahlungskarten: Island ist ein komplett bargeldloses Land. Ihr braucht aber eine physische Karte und deren PIN, denn ohne sie tankt ihr an den Selbstbedienungstankstellen nicht.
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Wann hinreisen und wie hinkommen

Die isländische Saison teilt sich in den teuren, überlaufenen Sommer und den unberechenbaren Rest des Jahres. Der Golfstrom hält die Temperaturen zwar überraschend hoch und in Reykjavík friert es im Winter selten dauerhaft, aber der wahre Diktator ist hier der Wind.

Er kann die gefühlte Temperatur locker um zehn Grad nach unten drücken. Eine wasserdichte und winddichte Jacke ist selbst im Juli absolute Pflicht.

Wenn ihr die Polarlichter sehen wollt, müsst ihr in der dunklen Jahreszeit von September bis April aufbrechen. Wir haben den Wechsel von September zu Oktober gewählt und es war einfach magisch, denn es gab keine großen Touristenmassen mehr und die Herbstfarben kontrastierten wunderbar mit den schneebedeckten Berggipfeln.

Wenn ihr die Aurora borealis jagen wollt, muss ich euch auf eine wesentliche Sache hinweisen. In den Sommermonaten von Mai bis August habt ihr keine Chance, überhaupt etwas zu sehen, denn die Insel erlebt die sogenannte Mitternachtssonne und es wird nie richtig dunkel.

Für eine erfolgreiche Jagd braucht ihr absolute Dunkelheit, einen klaren wolkenlosen Himmel und eine hohe Sonnenaktivität (KP-Index). Experten der NOAA sagen jedenfalls voraus, dass auch der Herbst 2026 für das Himmelsspektakel absolut außergewöhnlich wird. Vergesst beim Fotografieren aber nicht, ein stabiles Stativ mitzunehmen, denn Polarlichter bekommt ihr im Automatikmodus aus der Hand einfach nicht aufs Bild.

Die Flugverbindungen sind heute schon sehr bequem, auch wenn es auf dem Markt zuletzt recht grundlegende Veränderungen gab. Wenn ihr es gewohnt seid, mit der Billigfluglinie PLAY in leuchtend roten Flugzeugen zu fliegen, muss ich euch enttäuschen. Die Gesellschaft ging Ende September 2025 pleite und ließ tausende Passagiere an den Flughäfen stranden.

Von Deutschland kommt ihr aber weiterhin sehr einfach hin. Von Frankfurt, München oder Berlin fliegen im Sommer Icelandair sowie Eurowings und Lufthansa-Verbindungen, der Direktflug dauert etwa dreieinhalb Stunden. Wenn ihr noch weiter nach Nordamerika wollt, könnt ihr das beliebte Stopover-Programm von Icelandair nutzen. Damit könnt ihr einen Zwischenstopp von bis zu sieben Tagen auf der Insel einlegen – ohne jeglichen Aufpreis zum Ticketpreis.

Ein riesiges Highlight für 2026 ist außerdem die totale Sonnenfinsternis, die am Mittwoch, den 12. August stattfindet. Es ist ein gewaltiges astronomisches Ereignis, denn von Island war eine ähnliche Finsternis zuletzt 1954 zu sehen und die nächste Chance kommt erst in knapp zweihundert Jahren. Der Streifen der tiefsten Dunkelheit durchquert die Westfjorde und die Halbinsel Snæfellsnes und wird am besten vom Westteil der Insel sichtbar sein.

Am längsten genießen die Dunkelheit die Klippen von Látrabjarg, wo die Finsternis über zwei Minuten dauert. Rechnet aber damit, dass für August viele Kapazitäten bereits hoffnungslos ausgebucht sind. Der Preis für eine einfache Pension im Westen ist in extreme Höhen geschossen und die ganze Insel wird den Monat über aus allen Nähten platzen. Auf der Halbinsel Snæfellsnes findet sogar ein riesiges Festival statt, also sucht dort im Sommer wirklich keine Ruhe.

Wo übernachten + wie viel kostet es

Obwohl viele Reisende Camping oder das Schlafen im Van wählen, sind Lukáš und ich bequemer und haben das Schlafen unter festem Dach bevorzugt. Während unseres zweiwöchigen Roadtrips haben wir eine ganze Reihe sympathischer Pensionen, kleinerer Guesthouses und gelegentlich auch gemütlicher Apartments durchprobiert, wo wir uns abends selbst das Abendessen kochen konnten. Island gehört einfach zu den teuersten Ländern der Welt und ihr müsst euch darauf einstellen, dass die Unterkunft einen ordentlich großen Teil eures Budgets abknabbert.

Ein einwöchiger Roadtrip für zwei Personen im mittleren Standard (Schlafen in Guesthouses, ein solider Mietwagen und Selbstkochen aus lokalen Zutaten) kostet euch 2026 etwa 3.200 bis 5.200 € ohne Flüge. Eine Nacht in einem normalen Guesthouse mit eigenem oder geteiltem Bad liegt bei 80 bis 150 € pro Nacht.

Wenn ihr in klassischen größeren Hotels schlafen wollt, rechnet pro Nacht ruhig mit 180 bis 360 €. Eine tolle und beliebte Alternative sind die Farmstays über das Netzwerk Hey Iceland, wo ihr oft eine große Gemeinschaftsküche habt und einen Blick in das Leben der einheimischen Bauern werfen könnt. Die günstigste Kategorie für ein Dach über dem Kopf sind dann Hostels, wo ihr für ein Bett im Mehrbettzimmer rund 35 bis 55 € zahlt.

Für die Miete unseres Allradwagens haben wir damals für zwei Wochen rund 620 € gezahlt, aber heute können die Preise in der Sommerhauptsaison auf das Doppelte klettern. Ich empfehle, die Unterkunft so früh wie möglich zu suchen, denn die Kapazitäten außerhalb der Hauptstadt sind wirklich sehr begrenzt und die besten Plätze verschwinden blitzschnell. Wenn ihr das ganze Budget radikal drücken wollt, kommt ihr mit 2.000 bis 2.800 € für zwei Personen pro Woche aus, aber das bedeutet schon extremes Sparen und ausschließliches Schlafen im Zelt oder im einfachen Auto.

💡 Konkrete Unterkunftstipps (Preise und Verfügbarkeit prüft ihr über Booking.com, bucht rechtzeitig – in der Saison und rund um die Finsternis 2026 ist Monate im Voraus alles weg):

Mietwagen auf Island: 2WD oder 4×4?

Wenn ihr in irgendein Reiseforum schaut, stellt ihr fest, dass das Thema Mietwagen auf Island wohl jede Diskussion beherrscht und die Leute sich ständig streiten, welches Fahrzeug eigentlich nötig ist. Die Wahrheit ist, dass beide Varianten ihren Sinn haben und es nur darauf ankommt, wohin genau ihr fahrt und in welcher Jahreszeit. Schauen wir uns das also genauer an, damit ihr nicht unnötig draufzahlt für etwas, das ihr am Ende gar nicht nutzt.

1. Wann ein klassisches Auto (2WD) ausreicht

Wenn ihr rein in den Sommermonaten nach Island fliegt und nur die berühmte Ring Road (die Ringstraße Nummer 1) oder den beliebten Golden Circle umrunden wollt, reicht euch problemlos ein kleineres Auto mit Zweiradantrieb. Die meisten dieser Hauptrouten sind heute schon wunderbar asphaltiert und gepflegt.

Wann ein klassisches Auto (2WD) ausreicht
Wann ein klassisches Auto (2WD) ausreicht

Ihr müsst aber damit rechnen, dass selbst auf der Ringstraße rund dreißig Prozent der Abschnitte noch aus unbefestigtem Belag bestehen. Kleinere Schotterwege, auf die ihr gelegentlich bei Abzweigungen zu Wasserfällen und Unterkünften stoßt, lassen sich mit Vorsicht und langsamer Fahrt in Ruhe befahren.

Ein kleineres Auto ist natürlich deutlich günstiger in der Miete und erfreut euch auch mit einem erheblich geringeren Spritverbrauch. Gerade bei den aktuellen Preisen 2026 und der Einführung der neuen Kilometersteuer ist das eine Ersparnis, für die ihr euch dann zum Beispiel den Eintritt in die teureren heißen Quellen gönnen könnt.

Denkt aber an eine ganz wesentliche Sache. Mit einem klassischen 2WD-Auto ist euch die Einfahrt auf die Bergstraßen, die auf allen Karten mit dem Buchstaben F gekennzeichnet sind (F-Roads), streng verboten. Wenn ihr dieses Verbot brecht, verfällt eure gesamte Versicherung und im Falle eines Steckenbleibens zahlt ihr die Bergungsaktion aus eigener Tasche.

2. Warum wir einen starken Allradwagen (4×4) gewählt haben

Lukáš und ich haben uns über die Suchmaschine RentalCars einen Suzuki Grand Vitara mit Allradantrieb ausgesucht, denn wir sind erst im Herbst gereist und wollten einfach Sicherheit haben. Auf Island kann sich das Wetter nämlich innerhalb von nur fünf Minuten ändern und wir wollten nicht vor jedem kleinen Hügel mit morgendlichem Frost Angst haben. Lukáš und ich haben langfristig gute Erfahrungen mit RentalCars, das wir überall auf der Welt nutzen, und auch diesmal hat alles vom Empfang bis zur Rückgabe absolut reibungslos geklappt.

Warum wir einen starken Allradwagen (4x4) gewählt haben
Warum wir einen starken Allradwagen (4×4) gewählt haben

Einige abgelegenere Straßen, besonders wenn ihr an weniger touristisch frequentierte Orte abseits der Hauptroute fahren wollt, ähnelten in ihrer Qualität ziemlich dem, was wir auf den staubigen Straßen im fernen Uganda erlebt haben.

Ein Allradwagen ist außerdem ausgesprochen notwendig und gesetzliche Voraussetzung, wenn ihr das wilde Hochland (Highlands) erkunden wollt. Orte wie die Regenbogenberge von Landmannalaugar oder die Mondlandschaft des Vulkangebiets Askja sind ohne das richtige Geländefahrzeug absolut unzugänglich. Ohne Allrad riskiert ihr dort nicht nur, das Auto zu zerstören, sondern auch eine astronomische Strafe.

3. Ein Wohnmobil als Alternative

Eine immer beliebtere Möglichkeit für abenteuerlustigere Naturen ist es, sich auf der Insel einen Campervan oder gleich ein großes Wohnmobil zu reservieren. Gerade ein Mietwagen-Wohnmobil auf Island gibt euch enorme Freiheit, denn ihr müsst euch nicht um den täglichen Check-in im Hotel kümmern, müsst euch nicht über genaue Zeiten stressen und könnt nur wenige Schritte von den schönsten Wasserfällen und Klippen entfernt schlafen.

Ein Wohnmobil als Alternative
Ein Wohnmobil als Alternative

Außerdem kocht ihr euch drinnen bequem Frühstück und Abendessen, was eure Gesamtausgaben für die teuren Restaurants unfassbar drückt.

Ihr müsst aber damit rechnen, dass auf Island heute zum Schutz der fragilen Natur das Wildcampen verboten ist. Mit dem Van müsst ihr also jeden Abend einen der offiziellen Campingplätze ansteuern. Es lohnt sich definitiv, die sogenannte Camping Card zu besorgen, die 2026 rund 26.000 ISK (etwa 175 €) kostet.

Sie gilt ganze 28 Nächte, deckt zwei Erwachsene und bis zu vier Kinder ab und lässt euch auf über vierzig verschiedene Campingplätze auf der ganzen Insel. Vor Ort zahlt ihr dann nur noch eine kleine Aufenthaltssteuer von rund 400 ISK pro Nacht nach. Passt aber beim Fahren selbst sehr gut auf, denn große Wohnmobile sind extrem anfällig für den allgegenwärtigen starken Seitenwind.

Versicherung, oder woran ihr definitiv nicht sparen solltet

Ich gebe zu, dass ich beim Autoleihen irgendwo in Südeuropa normalerweise keine Premium-Versicherungen mit null Selbstbeteiligung nehme, aber Island ist eine riesige Ausnahme. Die Natur ist hier so furchtbar rau und die Straßen verbergen so viele kleine Fallen, dass das Sparen von ein paar Euro pro Tag bei der Versicherung euch wirklich bitter teuer zu stehen kommen kann. Reiseforen im Internet sind voll von schaurigen Geschichten und noch schaurigeren Rechnungen von Autovermietungen, die unglückliche Leute aus eigener Tasche nachzahlen mussten.

1. Grundversicherung und Steinschlagschutz (Gravel Protection)

Jedes Mietauto hat im Grundpreis die Versicherung CDW (Collision Damage Waiver), die aber eine sehr hohe Selbstbeteiligung hat und vor allem viele spezifische isländische Risiken nicht abdeckt. Damit ihr eine Vorstellung habt: Diese Grunddeckung kostet bei einem kleinen Auto rund 3.190 ISK pro Tag und bei einem Allradwagen rund 4.090 ISK. Das absolute Minimum, das ihr immer dazubuchen solltet, ist der spezielle Schutz gegen abfliegende Steinchen, die sogenannte Gravel Protection (GP).

Grundversicherung und Steinschlagschutz (Gravel Protection)
Grundversicherung und Steinschlagschutz (Gravel Protection)

Auf Island geht nämlich selbst die berühmte asphaltierte Ring Road plötzlich aus dem Nichts in einen Schotterabschnitt über, und das ruhig über mehrere Dutzend Kilometer. Wenn dann ein schwerer LKW oder ein anderes robustes Geländeauto bei hoher Geschwindigkeit an euch vorbeifährt, ist ein Schwall scharfer Steinchen von ihren Rädern fast unvermeidlich. Zersprungene Frontscheiben und hässlich verkratzte Motorhauben sind hier mit Abstand der häufigste Schadensfall, mit dem die Vermietungen praktisch jeden Tag zu tun haben.

2. Sand, Asche und warum man SAAP erwägen sollte

Wenn ihr vorhabt, die windige Süd- und Südostküste zu befahren, bietet euch das Personal der Vermietung wahrscheinlich auch eine sehr spezielle Versicherung gegen Sand und Vulkanasche an (Sand & Ash Protection, kurz SAAP). Vielleicht klingt das auf den ersten Blick wie unnötiger Luxus oder ein Trick für Touristen, aber glaubt mir, dass Sandstürme auf Island eine riesige, reale Bedrohung sind.

Sand, Asche und warum man SAAP erwägen sollte
Sand, Asche und warum man SAAP erwägen sollte

Wenn sich starker Wind an den schwarzen Vulkanstränden oder in offenen Gebieten nahe aktiver Vulkane erhebt, wirkt der feine Vulkanstaub wie eine riesige industrielle Sandstrahlmaschine. Innerhalb weniger Fahrkilometer kann er den Lack eures Autos komplett bis auf das nackte matte Metall abschmirgeln und alle Fenster total zerstören. Die Rechnungen für eine komplette Neulackierung und Reparatur eines so zerstörten Fahrzeugs liegen dann in absolut astronomischen Beträgen von 500.000 bis 1.500.000 isländischen Kronen.

3. Was euch keine Versicherung abdeckt

Selbst wenn ihr die allerteuerste Premium-Versicherung mit null Selbstbeteiligung kauft und das Gefühl habt, gegen alles abgesichert zu sein, gibt es auf Island Situationen, die einfach gar nichts abdeckt. Der bekannteste und teuerste Fehler sind Schäden durch starken Wind an den Autotüren (door-ripping). Wenn ihr irgendwo an einem Aussichtspunkt anhaltet und unvorsichtig die Tür öffnet, stemmt sich der isländische Sturm sofort dagegen und reißt sie mit brutaler Kraft buchstäblich aus den Angeln. Öffnet sie deshalb immer unglaublich langsam und haltet sie die ganze Zeit fest mit beiden Händen.

Eine weitere große Ausnahme sind jegliche Schäden am Unterboden des Fahrzeugs und Schäden durch Wasser beim Durchqueren wilder Flüsse. Selbst wenn ihr von der Vermietung einen riesigen starken Allradwagen habt und laut Vertrag legal auf rauen F-Roads fahren dürft, fahrt ihr in jede Wasserfurt ausdrücklich und nur auf eigenes Risiko. Wenn ihr Wasser in den Motor zieht oder das Auto in einer unerwartet starken Strömung absauft, gehen alle Kosten für Abschleppen und Reparatur voll zu euren Lasten und die Beträge klettern locker in die Zehntausende Euro.

Versteckte Gebühren und die neue Kilometersteuer für 2026

Die isländische Wirtschaft und das komplizierte Steuersystem entwickeln sich ständig weiter, was ihr als Touristen sehr deutlich gerade am Schalter eurer Autovermietung spürt. Seit dem 1. Januar 2026 ist nämlich eine recht grundlegende gesetzliche Änderung in Kraft getreten, die verändert, wie ihr für eure Sommer- oder Winterreise zahlt. Es geht nicht zwingend um eine Verteuerung der ganzen Reise, sondern eher um eine komplette Verlagerung der Kosten von den Tankstellen selbst direkt zu den Vermietungen und ihren Verträgen.

1. Wie die Kilometersteuer in der Praxis funktioniert

Die Regierung hat beschlossen, die Besteuerung des Verkehrs zu ändern und die sogenannte Kilometersteuer (Kilometer Fee) eingeführt, die für alle PKW, mächtige SUV und moderne Elektroautos gilt. Ihr aktueller Satz beträgt genau 6,95 ISK (also rund 0,047 €) pro gefahrenem Kilometer. Die Vermietungen tragen diese neue staatliche Gebühr natürlich ungern und geben sie direkt an euch als Endkunden weiter.

Wie die Kilometersteuer in der Praxis funktioniert
Wie die Kilometersteuer in der Praxis funktioniert

Manche Gesellschaften berechnen euch bei der Fahrzeugübernahme eine Art feste Pauschale, die bei rund 1.390 bis 1.550 ISK pro Miettag liegt, während andere Vermietungen sich sorgfältig den Anfangsstand des Tachos notieren und euch nach Rückgabe des Autos den genauen gefahrenen Betrag von eurer Kreditkarte abbuchen.

Wenn ihr beschließt, die ganze Insel zu umrunden, was rund 1330 Kilometer auf der Hauptstraße plus Abzweigungen ausmacht, verteuert sich das um knapp neun- bis zehntausend isländische Kronen. Ich empfehle, immer die Vertragsbedingungen sorgfältig zu lesen, damit ihr am Ende des Urlaubs nicht unnötig überrascht seid, wenn euch eine unerwartete Summe vom Konto abgeht.

2. Benzinpreise und Kartenzahlung

Die neue Kilometersteuer hat für alle Reisenden auch eine sehr positive Seite. Der Staat hat nämlich als Form der Kompensation einen Teil der Verbrauchssteuer auf Kraftstoff direkt an der Zapfsäule abgeschafft, sodass die Benzinpreise 2026 glücklicherweise deutlich gefallen sind. Während sich der Liter noch im Herbst des Vorjahres gefährlich den erschreckenden 305 ISK näherte, tankt ihr jetzt für sehr angenehme 210 bis 225 ISK pro Liter (rund 1,40 bis 1,50 €). Anständige Preise haben große Tankstellen wie N1 und Olís, und besonders günstig ist es beim Großmarkt Costco.

Das Tanken selbst ist für viele Mitteleuropäer ein Erlebnis, denn fast alle Tankstellen sind hier komplett Selbstbedienung. Ihr steckt eine physische Karte in die Säule, gebt euren PIN ein, wählt den genauen Betrag oder gleich eine volle Tankfüllung und fangt an zu tanken.

Ich weise nachdrücklich darauf hin, dass ihr ohne eine physische Plastikkarte mit Chip und Kenntnis eures PINs hier einfach keinen Sprit ins Auto bekommt. Mit dem beliebten Bezahlen per Handy über Apple Pay oder Google Pay kommt ihr an einsamen ländlichen Tankstellen meist überhaupt nicht weiter, denn die Automaten verlangen das Einstecken der Karte.

💡 Tipp: Tickets und organisierte Ausflüge (auf Island und Umgebung) lohnt es sich, im Voraus online über GetYourGuide zu buchen, in der Saison füllen sie sich schnell.

Fahren auf Island: Worauf ihr achten müsst

Die isländischen Straßen sind visuell absolut atemberaubend und die filmreifen Kulissen ändern sich hinter jeder scharfen Kurve, aber das Fahren selbst erfordert eure ständige Konzentration. Es gibt hier zwar keine komplizierten Autobahnkreuze oder lästige Staus (außer im Zentrum von Reykjavík), dafür warten umso mehr Fallen in Form allgegenwärtiger unaufmerksamer Tiere und äußerst tückischer Wetterbedingungen auf euch. Lukáš und ich haben uns am Steuer unserer Vitara redlich abgewechselt und manchmal hatten wir abends nach der Ankunft an der Unterkunft echt die Nase voll.

1. Einspurige Brücken und unaufmerksame Schafe

Eines der ikonischsten und manchmal etwas stressigsten Elemente der isländischen Straßen sind die sogenannten einspurigen Brücken. Ihr erkennt sie sicher im Voraus, denn sie sind immer deutlich mit einem gelben reflektierenden Schild mit der Aufschrift „Einbreið brú“ gekennzeichnet. Die Regel für ihre sichere Überquerung ist absolut einfach: Der Fahrer, der näher an die schmale Brücke heranfährt und als Erster auffährt, hat einfach Vorrang. Von beiden Seiten erfordert es aber maximale Rücksicht, gesunden Menschenverstand und rechtzeitiges Abbremsen, denn diese Brücken tauchen oft tückisch erst direkt hinter einer unübersichtlichen Kurve auf.

Einspurige Brücken und unaufmerksame Schafe
Einspurige Brücken und unaufmerksame Schafe

Außer den Brücken begleiten euch den ganzen Weg über die isländischen Schafe, von denen auf dieser unwirtlichen Insel sogar mehr leben als menschliche Einwohner. Im Sommer weiden sie frei in der Landschaft und haben leider die Angewohnheit, völlig sinnlos die Straße zu überqueren, direkt vor schnell vorbeifahrenden Autos. Besonders und sehr aufpassen müsst ihr bei kleinen Lämmern, die leicht in Panik geraten und euch direkt vor die Räder laufen, selbst wenn ihre Mutter ganz ruhig am sicheren Straßenrand stehen geblieben ist.

2. Tückisches Wetter und nützliche Apps

Die Einheimischen sagen mit großer Vorliebe, dass ihr einfach nur fünf Minuten warten müsst, wenn euch das aktuelle Inselwetter nicht gefällt. Das klingt zwar wie eine abgedroschene Phrase, trifft aber die hiesige Realität perfekt. Ein sonniger und ruhiger Herbsttag kann sich innerhalb weniger Augenblicke in undurchdringlichen dichten Nebel oder heftigen horizontalen Regen verwandeln, mit dem die Scheibenwischer überhaupt nicht hinterherkommen.

Tückisches Wetter und nützliche Apps
Tückisches Wetter und nützliche Apps

Vor jeder morgendlichen Abfahrt aus der Wärme der Unterkunft haben Lukáš und ich deshalb ein Ritual gemacht und das sogenannte heilige Dreigestirn der isländischen Websites gecheckt. Zuerst haben wir auf vedur.is geschaut, wo detaillierte Wettervorhersagen samt Windkarten hängen.

Anschließend haben wir sorgfältig alle Sicherheitswarnungen auf dem Portal safetravel.is geprüft und die Befahrbarkeit konkreter Straßenabschnitte haben wir immer auf der staatlichen Website road.is kontrolliert. Ich garantiere euch, dass ihr diese drei wichtigen Lesezeichen im Browser eures Handys ständig offen haben werdet.

3. Parken und Geschwindigkeitsbegrenzungen

Die Bußgelder für das Überschreiten der zulässigen Höchstgeschwindigkeit sind auf Island buchstäblich drakonisch und ruinieren euch spielend das sorgfältig kalkulierte Budget für den ganzen Urlaub. Die Höchstgeschwindigkeit auf asphaltierten Straßen außerorts beträgt nur 90 km/h, auf Schotter und unbefestigten Abschnitten müsst ihr verpflichtend auf 80 km/h abbremsen und in allen Ortschaften gilt Tempo 50. Die Polizei hat zwar nur relativ wenige physische Streifen, aber die ganze bezaubernde Landschaft ist buchstäblich gespickt mit unauffälligen versteckten Radaren und modernen Kameras.

Parken und Geschwindigkeitsbegrenzungen
Parken und Geschwindigkeitsbegrenzungen

Eine große Veränderung der letzten Jahre ist auch die massive Gebührenpflicht beim Parken. Die meisten herrlichen Naturschönheiten und riesigen Wasserfälle sind zwar glücklicherweise immer noch völlig gratis zu sehen, aber für das Abstellen eures Mietwagens dort zahlt ihr inzwischen kräftig.

An berühmten Orten wie dem Wasserfall Skógafoss oder dem ikonischen Nationalpark Þingvellir hängen an den Masten intelligente Kameras, die sorgfältig euer Nummernschild erfassen. Die Parkgebühr (meist rund 1000 ISK) bezahlt ihr einfach und schnell über mobile Apps wie Parka.is, EasyPark oder Checkit.is. Wenn ihr beschließt, heimlich ohne Bezahlung wegzufahren, bucht euch die Vermietung die geschuldete Gebühr kompromisslos von der Karte ab und schlägt einen sehr saftigen Verwaltungsaufschlag drauf.

lukas a lucka
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Die schönsten Orte und Regionen: Was sehen und erleben

Um die ganze Insel führt die berühmte asphaltierte Ring Road, die über 1300 Kilometer lang ist. Wenn ihr sie bequem komplett umrunden wollt, ohne dabei acht Stunden täglich verkrampft am Steuer zu verbringen, braucht ihr mindestens acht bis zehn Tage. Wir haben während unserer Reise viele Leute getroffen, die versuchten, absolut alles in fünf Tagen zu schaffen, und das Ergebnis waren nur müde Gesichter und verwackelte Fotos durch das schmutzige Beifahrerfenster. Wählt lieber nur ein paar Regionen aus und lernt sie richtig kennen.

1. Reykjavík und die Halbinsel Reykjanes

Die Hauptstadt Reykjavík ist sympathisch winzig und für ihre entspannte Besichtigung reicht euch reichlich ein einziger Tag. Lasst auf keinen Fall den Blick auf die ikonische Betonkirche Hallgrímskirkja aus, wo ihr für den Aufstieg auf den hohen Aussichtsturm rund 1400 ISK einplanen solltet. Spaziert an der modernen verglasten Oper Harpa entlang bis zur glänzenden Stahlskulptur des Sonnenfahrers (Sun Voyager) und abends zieht in die Straßen, die der sogenannte Rúntur dominiert, der berühmte und ziemlich wilde Zug durch die örtlichen Bars.

vulkanischer Hügel und Straße auf der Halbinsel Reykjanes auf Island
vulkanischer Hügel und Straße auf der Halbinsel Reykjanes auf Island

Ein Stück außerhalb der Stadt erstreckt sich die vulkanische Halbinsel Reykjanes, die seit 2021 ein wirklich wildes geologisches Erwachen erlebt. Ihr findet hier zwar die interessante Brücke zwischen den Kontinenten (Bridge Between Continents), wo die tektonischen Platten auseinandertreten, aber das Hauptthema ist hier das Gebiet Svartsengi und die Vulkane des Sundhnúkur-Systems.

Die Eruptionen sind zwar lokal und sicher für die Luftfahrt, aber die berühmten Thermalbäder Blue Lagoon müssen ihretwegen in einem dynamischen Sicherheitsregime funktionieren und das Städtchen Grindavík ist komplett evakuiert. Vor der Reise in dieses Gebiet öffnet deshalb lieber immer die aktuellen Meldungen auf den Regierungsseiten.

2. Der Golden Circle und seine Klassiker

Der Golden Circle ist der absolute isländische Klassiker und das meistbesuchte Gebiet der ganzen Insel. Es handelt sich um eine ideale Tagesroute von der Hauptstadt aus, die rund 250 Kilometer reine Schönheit abdeckt. Eure erste Station ist der Nationalpark Þingvellir, ein Ort, wo schon im Jahr 930 das allererste isländische Parlament entstand. Hier befindet sich auch die magische tektonische Spalte Silfra, in der sich Wagemutige in nur 2 Grad Celsius kaltem Wasser tauchen können.

Der Golden Circle und seine Klassiker
Der Golden Circle und seine Klassiker

Der nächste Punkt der Route ist das berühmte geothermale Gebiet Geysir, das allen Geysiren der Welt seinen Namen gab. Der ursprüngliche große Geysir schläft zwar meist, aber sein kleiner Bruder Strokkur spritzt zuverlässig etwa alle fünf bis zehn Minuten kochendes Wasser bis zu dreißig Meter hoch. Den Kreis schließt dann mit großer Pracht der massive zweistufige Wasserfall Gullfoss, bei dem ihr bei kaltem Wetter definitiv die Kapuze aufsetzt, denn von ihm spritzt ständig eine riesige Gischt.

3. Die Südküste: Wasserfälle und tückische Wellen

Sobald ihr von Reykjavík entlang der Südküste auf der Hauptstraße aufbrecht, erwartet euch eine fotogene Ikone neben der anderen. Ihr lauft auf einem schmalen Pfad direkt hinter die fallende Wand des Wasserfalls Seljalandsfoss, steigt lange Dutzende Holzstufen entlang des unglaublich mächtigen Skógafoss hinauf, und wenn ihr eine düstere Atmosphäre mögt, kommt ihr bis zum verlassenen rostigen Wrack des DC-3-Flugzeugs, das auf dem endlosen schwarzen Strand Sólheimasandur liegt.

Westfjorde auf Island mit Schafen auf grüner Wiese
Westfjorde auf Island mit Schafen auf grüner Wiese

Ein Stück weiter liegt das malerische Städtchen Vík und bei ihm der herrliche schwarze Strand Reynisfjara mit Basaltsäulen. Hier aber riesige Vorsicht. Reynisfjara gehört zu den gefährlichsten Orten der Insel wegen der sogenannten tückischen Wellen (sneaker waves).

Diese Ozeanwellen kommen völlig unerwartet, reichen locker Dutzende Meter weiter aufs Festland als die vorherigen Wellen und haben eine tödliche Kraft. In den letzten zwanzig Jahren sind hier leider schon sechs Touristen gestorben, also respektiert immer strikt die Warnampel am Strand und kehrt dem tosenden Ozean niemals den Rücken zu.

4. Südosten: Gletscherlagune und Ostfjorde

Wenn ihr Vík hinter euch lasst, beginnen die Touristenmassen angenehm auszudünnen und die Landschaft öffnet sich noch mehr. Den südöstlichen Teil der Insel dominiert absolut der Nationalpark Vatnajökull mit dem gleichnamigen Gletscher, der der größte in ganz Europa ist und beachtliche acht Prozent der Fläche Islands bedeckt. Der absolute visuelle Höhepunkt ist hier die Gletscherlagune Jökulsárlón, wo sich krachend riesige blaue Eisschollen ablösen. Diese spülen die Meeresströmungen dann auf den schwarzen Sand des gegenüberliegenden Strands, der treffend Diamond Beach genannt wird.

Südosten Islands
Südosten Islands

Von hier setzt sich die Reise fließend in die ruhigen Ostfjorde fort. Es ist eine herrliche abgelegene Landschaft voller scharfer Klippen, gewundener Straßen und gelegentlicher wilder Rentiere, die hierher in der Vergangenheit eingeführt wurden.

Macht definitiv einen Abstecher in das malerische Städtchen Seyðisfjörður, das eingeengt am Ende eines langen Fjords liegt und durch seine schöne blaue Kirche berühmt wurde, zu der eine aufgemalte Regenbogengasse führt. Vergesst aber im Osten nicht, häufiger den Tank des Autos zu kontrollieren, denn die Abstände zwischen den Tankstellen werden hier deutlich länger.

5. Nordisland: Diamond Circle und Wale

Die Rolle der imaginären Hauptstadt des kalten Nordens erfüllt das gemütliche Städtchen Akureyri. Das ganze Gebiet ist atemberaubend und bildet aus touristischer Sicht den sogenannten Diamond Circle. Dabei bewundert ihr den göttlichen Wasserfall Goðafoss, das herrlich stinkende geothermale Gebiet am See Mývatn mit blubberndem Schlamm und geheimnisvollen Lavaformationen, und schließlich steht ihr von Angesicht zu Angesicht dem majestätischen Dettifoss gegenüber, dem allermächtigsten und einschüchterndsten Wasserfall ganz Europas.

zwei isländische Schafe auf einem grasbewachsenen Hang zur goldenen Stunde
zwei isländische Schafe auf einem grasbewachsenen Hang zur goldenen Stunde

Der Norden ist auch ein weltweites Mekka für die Beobachtung wilder Wale in ihrer natürlichen Umgebung. Die Boote, die aus dem malerischen Hafen Húsavík auslaufen, haben eine unglaubliche Erfolgsquote (man spricht von über 98 Prozent), und in den Sommermonaten könnt ihr hier mit etwas Glück sogar die gigantischen Blauwale erblicken.

Nach einem langen Tag im kalten Wind schätzt ihr definitiv das Eintauchen in heißes Thermalwasser. Die örtlichen Bäder haben einen riesigen Umbau durchlaufen und eröffnen im Frühjahr 2026 unter dem neuen Namen Earth Lagoon, oder ihr könnt die luxuriöse Forest Lagoon direkt bei Akureyri oder die zauberhafte GeoSea in Húsavík besuchen.

6. Halbinsel Snæfellsnes und die Westfjorde

Die Halbinsel Snæfellsnes, die westlich der Hauptstadt liegt, wird gerne und sehr treffend „Island im Kleinen“ genannt. An einem einzigen Tag findet ihr hier nämlich alles, wofür das Land typisch ist. Es ragt ein herrlicher Vulkan mit weißem Gletscher auf, die dramatischen Klippen beim Dörfchen Arnarstapi überwältigen euch, die einsame schwarze Holzkirche Búðir fesselt euch, und natürlich steht hier auch der allermeistfotografierte Berg Islands, der spitze Berg Kirkjufell (den die berühmte Serie Game of Thrones bekannt gemacht hat).

Straße durch die braune Herbstlandschaft der Westfjorde auf Island
Straße durch die braune Herbstlandschaft der Westfjorde auf Island

Noch weiter im abgelegenen Nordwesten liegen die wilden Westfjorde (Westfjords), was für die meisten Touristen eine absolut unerforschte Welt ist. Hierher fährt nämlich nur ein Bruchteil der Reisenden, denn die Straßen zeichnen hier halsbrecherisch unglaublich tiefe Fjorde nach und der Asphalt verwandelt sich hier oft unerwartet in tückischen Schotter. Die Belohnung für langsames und vorsichtiges Fahren ist euch aber absolute Stille und Isolation. Der Höhepunkt des Gebiets ist der Kaskaden-Wasserfall Dynjandi und die steilen Klippen von Látrabjarg, die als Zuhause für tausende Paare niedlicher Papageientaucher dienen.

7. Das Hochland (Highlands): Ungezähmte Wildnis für Allradwagen

Das raue und absolut abgelegene Herz Islands ist ein Kapitel für sich. Hierher führen keine bequemen asphaltierten Straßen, ihr findet hier keine sicheren Tankstellen oder gemütlichen warmen Hotels. Es gibt hier nur steinige und rumpelnde Bergstraßen (F-Roads), tiefe Furten durch wilde Flüsse voller Gletscherwasser und endlose Einöden. Genau hier liegen aber die atemberaubenden bunten Rhyolithberge im Gebiet Landmannalaugar oder die absolut faszinierende Mondlandschaft beim unruhigen Vulkan Askja.

Das Hochland (Highlands)
Das Hochland (Highlands)

Das Hochland ist wegen der Schneemassen für die Öffentlichkeit nur sehr eingeschränkt zugänglich, und zwar etwa von Mitte Juni bis Mitte September. Für die Fahrt hierher braucht ihr ausschließlich ein hochwertiges Auto mit 4×4-Antrieb. Ich weise nachdrücklich darauf hin, dass die Einfahrt mit einem normalen 2WD-Fahrzeug auf jegliche F-Roads gesetzlich absolut illegal ist.

Damit verfällt euch außerdem absolut die gesamte abgeschlossene Versicherung, und wenn ihr irgendwo im Schlamm steckenbleibt oder das Auto auf den Steinen zerstört, drohen euch geradezu vernichtende sechsstellige Bußgelder und Rechnungen für das kostenpflichtige Abschleppen mit spezieller schwerer Technik.

8. Baden wie die Einheimischen: Strenge Etikette in den Thermalbädern

Während die meisten gewöhnlichen Touristen nach der Ankunft sofort in die bekannten und extrem teuren Luxusbäder strömen (wo ihr locker zwölf- oder mehr tausend isländische Kronen für ein Ritual zahlt), gehen die Einheimischen in Massen in die klassischen städtischen beheizten Schwimmbäder (Sundlaug) entspannen. Ihr findet sie wohl in jedem größeren Dorf, der Eintritt ist nur ein Bruchteil und das Eintauchen in heißes Wasser unter freiem Himmel ist ein wunderbares Erlebnis. Sie haben aber ihre strikten Regeln, die ihr kennen müsst.

Baden wie die Einheimischen
Baden wie die Einheimischen

Die isländischen Bäder verwenden im Wasser nämlich nur ein absolutes Minimum an chemischem Chlor, und um die Sauberkeit kümmern sich so vor allem die Besucher selbst schon vor dem Eintritt ins Wasser. Bevor ihr ins Becken geht, müsst ihr euch gründlich komplett nackt waschen. Nicht nur ein bisschen in Badehose. Komplett nackt.

Für einen schamhaften Mitteleuropäer ist das oft ein riesiger Kulturschock, aber für die Isländer ist die öffentliche Hygiene absolut heilig. In den Umkleiden trefft ihr sogar oft strenge Dusch-Aufseher, die euch gnadenlos zurückschicken, wenn sie sehen, dass ihr versucht, euch versteckt unter der Badehose zu waschen. Schämt euch nicht, wirklich niemand Fremdes schaut euch beim Duschen zu.

Wo essen (für Vegetarier und Neugierige)

Die isländische Küche ist sehr speziell, roh und traditionell dreht sich darin alles überwiegend um Lammfleisch und Meeresfrüchte. Die wohl bekannteste lokale Spezialität, die wagemutige Touristen gelegentlich mit angewidertem Gesicht zum Spaß zu probieren versuchen, ist der berühmte Hákarl (fermentierter und ziemlich stark stinkender Hai) oder das allgegenwärtige Harðfiskur (harter und zäher getrockneter Fisch). Da Lukáš und ich aber beide langjährige Vegetarier sind, haben wir all diese fleischigen Inseltraditionen völlig ohne Reue und mit großem Bogen ausgelassen und uns auf andere Dinge konzentriert.

In einem normalen Restaurant zu essen kostet hier ziemlich viel Geld. Ein Hauptgericht kostet euch locker rund zwei- bis dreitausend isländische Kronen, also locker auch 13 bis 20 €, also haben wir die meiste Zeit der Reise stark auf Selbstkochen gesetzt. Wir haben primär in den Supermärkten Bónus eingekauft, die ihr sicher an dem unübersehbaren leuchtend rosa Schweinchen im Logo erkennt und die garantiert die günstigsten auf der ganzen Insel sind.

Eine etwas teurere Alternative zum Einkaufen sind dann die Ketten Krónan oder Nettó, und die allerteuerste Angelegenheit sind die Premium-Geschäfte Hagkaup, in die wir eher nur zum Schauen gegangen sind. Zum Abendessen haben wir uns an der Unterkunft mit Freude riesige Schüsseln voller Nudeln, warme Gemüse-Bowls oder Salate gemacht.

Wir hatten einen riesigen Verbrauch des großartigen isländischen Skyr. Diese köstliche und dichte Milchspezialität, die rund 16 Gramm reines Eiweiß pro Portion hat und absolut vegetarisch ist, hat uns wohl bei jedem Frühstück gerettet ☺️.

Wenn wir mal Lust hatten, unter Leute zu gehen und draußen zu essen, hatten wir eine überraschend tolle Erfahrung direkt im Zentrum des regnerischen Reykjavík mit dem kleinen und gemütlichen Lokal Mandi, wo man uns einen ausgezeichneten und knusprigen Falafel mit einer Schüssel frischem cremigem Hummus zubereitet hat. Wenn ihr gutes italienisches Teig so sehr liebt wie wir, kann ich euch wärmstens die beliebte Pizzeria Flatey empfehlen, wo man perfekte vegetarische Pizza im authentischen neapolitanischen Stil mit herrlich angebrannten Rändern backt.

Was den Trinkhaushalt betrifft, verschwendet beim Wasserkauf keinen einzigen Cent. Das hiesige Leitungswasser ist fabelhaft, eiskalt rein und voller gesunder Mineralien, also ist das Einzige, was ihr zum Leben braucht, eine eigene wiederverwendbare Flasche überallhin mitzunehmen. Und wenn ihr euch abends zu den Nudeln ein Fläschchen Wein öffnen wollt, denkt daran, dass ihr in keinem Bónus Alkohol bekommt, ihr müsst in die spezialisierten staatlichen Geschäfte Vínbúðin.

Wohin als Nächstes

Wenn euch die Vorstellung eines wilden Mietwagens auf Island, tückischer Wetterbedingungen und hoher nordischer Preise schon gar nicht mehr schreckt und ihr euch sicher seid, dass ihr bald dorthin aufbrecht, haben wir für euch auf dem Blog eine Reihe weiterer Artikel geschrieben. Wir glauben fest daran, dass sie euch die stressige Planung etwas erleichtern.

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Häufig gestellte Fragen

Wie viele Tage brauche ich realistisch für Island?

Wenn ihr die gesamte Ringstraße Ring Road relativ entspannt und ohne unnötige Eile abfahren möchtet, sind idealerweise 8 bis 10 volle Tage einzuplanen. Für einen kürzeren Trip (4 bis 5 Tage) empfehlen wir auf jeden Fall, nur die Gegend rund um die geschäftige Hauptstadt, den klassischen Golden Circle und die wilde Südküste bis zum Städtchen Vík zu bereisen. Wenn ihr aber auch die absolut entlegensten Ecken wie die Westfjorde oder das raue Hochland entdecken möchtet, werdet ihr unweigerlich etwa 12 bis 14 Tage Urlaub benötigen.

Soll ich mir wirklich einen 2WD-Wagen mieten oder lieber gleich einen 4×4?

In den reinen Sommermonaten und für Fahrten fast ausschließlich auf der gut ausgebauten Asphaltstraße Ring Road und der beliebten Golden Circle Route kommt ihr ohne jegliche Probleme mit einem gewöhnlichen und günstigeren kleineren 2WD-Auto zurecht. Wenn ihr aber plant, ins raue Hochland auf Schotterpisten (F-Straßen) vorzudringen oder in der unberechenbaren Winter- und Herbstzeit nach Island fliegt, ist Allradantrieb (4×4) absolut notwendig, und zwar sowohl aus Sicherheitsgründen als auch vor allem aus strengen gesetzlichen Gründen (die Einfahrt mit Zweiradantrieb ins Hochland ist verboten).

Brauche ich für die Reise nach Island ein Visum oder eine ETIAS-Genehmigung?

Als Bürger der Tschechischen Republik benötigen Sie für die Reise auf diese atemberaubende Insel absolut kein Visum, da das gesamte Land vollwertiger und fester Bestandteil des europäischen Schengen-Raums ist. Für Hin- und Rückreise genügt Ihnen völlig problemlos Ihr gültiger Personalausweis. Das neu geplante und oft erwähnte ETIAS-Genehmigungssystem betrifft EU-Bürger zudem überhaupt nicht.

Ist es momentan sicher, dorthin zu reisen wegen der aktiven Vulkanaktivität?

Ja, Island ist für alle Touristen weiterhin völlig und uneingeschränkt sicher, es führt sogar die Sicherheitsrangliste an. Die aktuelle vulkanische Aktivität auf der Halbinsel Reykjanes vom Vulkansystem Sundhnúkur ist nämlich sehr lokal begrenzt und hat einen sogenannten effusiven Charakter, sodass sie überhaupt keine gefährlichen Aschewolken hoch in die Atmosphäre schleudert, die in irgendeiner Weise den Flugverkehr über Europa blockieren oder gefährden würden. Die Hauptringstraße Ring Road sowie der internationale Flughafen in Keflavík funktionieren problemlos und es reicht, vor der Reise vorsorglich die aktuellen Behördenwarnungen auf der staatlichen Website safetravel.is zu verfolgen.

Wie viel kostet ein einwöchiger Aufenthalt auf Island für zwei Erwachsene?

Bei einem angenehmen mittleren Standard, bei dem ihr die ganze Zeit bequem in der Wärme gewöhnlicher Guesthouses schlaft, euch ein versichertes und zuverlässiges Auto leiht und den Großteil des täglichen Essens schön selbst aus Vorräten kocht, die ihr clever im Discounter-Supermarkt Bónus eingekauft habt, müsst ihr realistisch mit einem Betrag von etwa 3.200 bis 5.200 EUR rechnen (und das ohne Flugkosten). Nur extrem sparsame und robuste Reisende mit erworbener Camping Card und Unterkunft im kalten Zelt können sich auf eine Mindestausgabe von 2.000 bis 2.800 EUR drücken.

Wie ist das genau mit der neuen Kilometerabgabe und dem Benzinpreis im Jahr 2026?

Ab Anfang 2026 hat die isländische Regierung kompromisslos eine brandneue Kilometergebühr (Kilometer Fee) eingeführt, die für kleinere und mittelgroße Fahrzeuge genau 6,95 ISK (ca. 0,05 EUR) pro nachweislich gefahrenem Kilometer beträgt. Die Autovermietungen werden euch diesen nicht unerheblichen Betrag höchstwahrscheinlich einfach nach Rückgabe des Wagens am Ende eurer Mietzeit in Rechnung stellen oder eine fixe Pauschale einführen. Gleichzeitig mit dieser Maßnahme ist aber die lokale Verbrauchssteuer auf Kraftstoffe deutlich gesunken, sodass der durchschnittliche Benzinpreis an den Zapfsäulen sich jetzt recht günstig zwischen 210 bis 225 ISK pro Liter (das sind ungefähr 1,40 bis 1,50 EUR) bewegt, während er noch vor Kurzem um ein Drittel höher lag.

Warum heißt es überall, dass der schwarze Strand Reynisfjara so gefährlich und tödlich ist?

Dieser unglaublich wunderschöne und fotogene schwarze Vulkanstrand Reynisfjara an der windigen Südküste der Insel ist vor allem wegen der sogenannten tückischen Wellen (im Englischen sneaker waves) berüchtigt und eine eindringliche Warnung wert. Diese riesigen Wellen schleichen sich völlig und absolut unerwartet mit unglaublicher Sogkraft an die Küste heran und reichen ohne Vorwarnung locker mehrere Dutzend Meter weiter auf den festen Strand als alle vorherigen Wellen. Bei einem Strandspaziergang solltet ihr deshalb niemals, aber wirklich niemals dem tückischen Ozean den Rücken zukehren, euch für Fotos nicht unnötig dem Wasser nähern und immer strikt und gehorsam die farbige Warn-Ampel direkt am Strandzugang beachten.

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Zahle nicht zu viel für Flugtickets

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Vergiss die Reiseversicherung nicht

Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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