Whittier & Prince William Sound: 13 Tipps, was du sehen und erleben kannst

Wenn Lukáš und ich darüber reden, welche Orte uns auf unseren Reisen am meisten überrascht haben, gewinnt Whittier Alaska jedes Mal haushoch. Stell dir vor: Du fährst durch atemberaubende Wildnis, musst dann durch einen dunklen, über vier Kilometer langen Tunnel durch einen massiven Bergrücken – und teilst dir die einzige Spur dabei noch mit Zügen. Und wenn du endlich ins Tageslicht herausfährst, erwartet dich kein malerisches Holzdorf, wie man es aus Alaska kennt. Stattdessen schaut dir ein riesiger Betonblock entgegen und daneben eine düstere, verlassene Militärruine. Es ist bizarr, ein bisschen unheimlich, regnet und stürmt häufig – aber sobald du aufs Boot steigst und in den Prince William Sound hinausgleitest, macht plötzlich alles Sinn.

Denn Whittier Alaska ist das zugänglichste Tor in eine Welt, in der majestätische Gletscher direkt ins Meer stürzen und Orcas neben deinem Schiff auftauchen. Ein Ort voller absoluter Kontraste: Manchmal fühlt man sich wie in einem postapokalyptischen Film, manchmal wie in einer National-Geographic-Doku. Und auch wenn ich niemandem empfehlen würde, eine ganze Woche im Städtchen selbst zu verbringen – es auszulassen wäre ein riesiger Fehler.

Also: Tunnel, Gletscher, Orcas und ein verlassener Plattenbau mitten im Nirgendwo. Komm mit uns und schau, wie das alles funktioniert, warum sich die 26 Glaciers Cruise trotz des saftigen Preises lohnt – und ob es sich überhaupt lohnt, hier zu übernachten. ☺️

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Zusammenfassung

  • Top-Highlight: Die 26 Glaciers Cruise oder ein Meereskajakausflug zwischen treibenden Eisschollen im Prince William Sound.
  • Beste Reisezeit: Von Mitte Mai bis Mitte September. Rechne damit, dass Whittier zu den regenreichsten Orten Alaskas gehört.
  • Anreise: In die Stadt führt nur ein einspuriger Tunnel (Anton Anderson Memorial Tunnel), der abwechselnd in beide Richtungen befahren wird – Maut: 13 USD.
  • Unterkunft: Die meisten machen einen Tagesausflug von Anchorage, wer übernachten möchte, wählt am besten das Inn at Whittier direkt am Wasser.
  • Stadt unter einem Dach: Fast die gesamte Bevölkerung wohnt im einzigen Gebäude der Stadt – den Begich Towers – mitsamt Post und Polizei.
  • Nicht verpassen auf dem Weg: Halte am Turnagain Arm für Belugawale an und erkunde das Portage Valley mit leichten Wanderungen zu Gletschern.

Wann nach Whittier reisen und wie du hinkommst

Wer einen Trip in diesen Winkel der Welt plant, sollte eine Sache von Anfang an wissen: Alaska hat eine sehr kurze Sommersaison – und Whittier hat obendrein ein ganz eigenes Mikroklima. Wir zeigen dir, wie du alles clever planst, damit du nicht im Regen auf dem Warteplatz vor dem Tunnel stehst. 😅

Die beste Reisezeit

Kurz und ehrlich: Fahr im Sommer. Die Bootstouren-Anbieter sind grob von Mitte Mai bis Mitte September aktiv, außerhalb dieser Zeit ist hier schlicht nichts los. Die wärmsten Monate sind Juli und August – aber selbst dann solltest du wissen, dass Whittier zu den niederschlagsreichsten Orten Alaskas zählt. Im Sommer liegen die Temperaturen meist zwischen 10 und 15 Grad. Wir haben hier Tage erlebt, an denen man wegen Nebel kaum die Hand vor Augen sah – und am nächsten Tag lagen wir auf dem Bootsdeck und cremten uns gegen die Sonne ein. 😅 Zwiebelprinzip und eine gute Regenjacke sind Pflicht.

Anreise aus Deutschland

Von Deutschland fliegst du am bequemsten mit Lufthansa oder Condor (oft mit Zwischenstopp in Seattle oder Seattle/Frankfurt) nach Anchorage – dem Ausgangspunkt für die meisten Alaska-Touren. Von Anchorage sind es rund 96 Kilometer (60 Meilen) nach Whittier, was bei entspannter Fahrt gut anderthalb Stunden dauert – auf der traumhaft schönen Seward Highway. Wir empfehlen, am Flughafen Anchorage direkt einen Mietwagen zu buchen; bei RentalCars haben wir weltweit gute Erfahrungen gemacht. Die Strecke führt entlang des Turnagain Arm und durch das Portage Valley – du wirst alle paar Minuten anhalten wollen, um Fotos zu machen.

Der Anton Anderson Tunnel: Nervenkitzel garantiert

Etwa 15 Minuten vor dem Ziel wartet das absolute Highlight der Anreise. Der einzige Landweg nach Whittier führt durch den Anton Anderson Memorial Tunnel – mit 4,1 Kilometern der längste kombinierte Straßen-Eisenbahn-Tunnel Nordamerikas. Und damit es nicht zu einfach wird: Es gibt nur eine einspurige Röhre, die sich Autos und Züge teilen. Der Verkehr wird streng nach einem festen Fahrplan wechselseitig freigegeben.

Richtung Whittier fährst du immer zur halben Stunde (z. B. 10:30–10:45 Uhr) – Maut: 13 USD für einen Pkw. Die Rückfahrt ist immer zur vollen Stunde und kostenlos. Wer sein Zeitfenster verpasst, wartet in den Bergen eine Stunde auf die nächste Möglichkeit. Eigentlich ein kleines Abenteuer, bevor man überhaupt den ersten Gletscher zu Gesicht bekommt. 😁

Wo übernachten und was kostet es

Eine Unterkunft in Whittier zu finden, ist eine echte Herausforderung. Das Städtchen ist schlicht nicht für Massentourismus ausgelegt, und im Sommer übersteigt die Nachfrage das Angebot bei weitem. Die meisten Reisenden kommen deshalb auf einen Tagestrip von Anchorage oder Girdwood – wer aber die eigenartige, stille Abendatmosphäre erleben möchte, wenn die Kreuzfahrtpassagiere wieder weg sind, sollte unbedingt übernachten.

Alaska ist generell eine teure Destination, und Whittier macht da keine Ausnahme. Für ein Doppelzimmer in der Hochsaison kalkuliere mit 250 bis 450 USD (ca. 230–415 €) pro Nacht, zuzüglich lokaler Steuern. Wer mit kleinerem Budget reist, fährt besser, wenn er in Anchorage übernachtet – dort ist die Auswahl deutlich größer. Wir haben es genauso gemacht und die gesparten Euros lieber in die Gletschertour investiert.

Wo du in Whittier und Umgebung schläfst

In so einem kleinen Städtchen gibt es naturgemäß wenige Optionen – aber alle liegen vom Tunnelausgang in maximal fünf Minuten zu Fuß. Wer das Beste will, was Whittier zu bieten hat, reserviert ein Zimmer im The Inn at Whittier. Das ikonische Holzgebäude steht auf Stelzen direkt über dem Wasser – und der Blick vom Bett auf den Hafen und die verschneiten Gipfel ist schlicht spektakulär. Frühzeitig buchen lohnt sich, denn die wenigen Zimmer sind ratzfatz vergriffen.

Holzsteg in Whittier mit Bergen im Hintergrund
Holzsteg in Whittier mit Bergen im Hintergrund

Eine solide Mittelklasse-Alternative ist das Anchor Inn Whittier. Keine atemberaubenden Ausblicke, aber saubere, gemütliche Zimmer und unglaublich freundliches Personal. Im Erdgeschoss gibt es außerdem ein nettes Café mit gutem Frühstück – Gold wert, wenn man früh morgens zur Bootstour aufbricht.

Wer etwas wirklich Einzigartiges sucht und beim Luxus Abstriche machen kann, sollte das Begich Towers Inn in Betracht ziehen. Whittier hat kaum 300 Einwohner – und der Großteil davon lebt tatsächlich in diesem einen riesigen Gebäude, das früher der Armee gehörte. Hier zu übernachten bedeutet, am echten Alltag der Locals teilzuhaben: Post, Laden und Behörden sind alle unter demselben Dach. Die Zimmer sind schlicht und im Retro-Stil eingerichtet, aber dieses bizarre Erlebnis der „Stadt unter einem Dach“ gibt deiner Alaska-Reise eine ganz eigene Note.

Whittier Alaska: 13 Tipps, was du sehen und erleben kannst

Das Stadtzentrum hast du in zehn Minuten durchquert – aber die Natur drumherum bietet so viele Erlebnisse, dass man hier problemlos mehrere Tage verbringen könnte. Hier sind unsere besten Tipps, wie du die Region rund um den Prince William Sound wirklich ausschöpfst: vom Tunnel bis zu treibenden Eisschollen.

1. Stopp am Beluga Point und das Phänomen „Bore Tide“

Schon die Fahrt von Anchorage entlang des Seward Highway ist ein Erlebnis für sich. Bevor du überhaupt den Tunnel erreichst, fährst du am Turnagain Arm vorbei – einem schmalen Fjord, eingerahmt von mächtigen Bergen. Berühmt ist er für das sogenannte „Bore Tide“: Eine gewaltige Gezeitenwelle, die bis zu drei Meter hoch werden und mit 24 km/h flussaufwärts rasen kann. Möglich macht das ein extremer Tidenhub von fast 8 Metern.

Beluga Point am Turnagain Arm – der beste Aussichtspunkt für das Bore-Tide-Phänomen
Beluga Point am Turnagain Arm – der beste Aussichtspunkt für das Bore-Tide-Phänomen (Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Der beste Aussichtspunkt ist der Beluga Point. Die Welle trifft dort meist etwa vier Stunden nach dem Niedrigwasser in Anchorage ein – Gezeitentabellen vorher checken, dann ersparst du dir Enttäuschungen. Und dann sind da noch die Belugawale, wegen derer wir damals so lange am Rastplatz standen, dass uns der Kaffee kalt wurde.

2. Bootsfahrt mit der mv Ptarmigan zum Portage Glacier

Wer vom Seward Highway zum Tunnel abbiegt, durchquert das wunderschöne Portage Valley. Ganz am Ende, kurz vor dem Tunnel-Warteplatz, liegt der Portage Lake. Früher reichte der Portage Glacier bis zum Besucherzentrum – durch die Erwärmung ist er so weit zurückgegangen, dass man ihn vom Ufer aus gar nicht mehr sieht.

Portage Glacier, Bootsfahrt mit der mv Ptarmigan in Alaska
Portage Glacier, Bootsfahrt mit der mv Ptarmigan (Foto: Wikimedia Commons, CC BY 2.0)

Der einzige Weg, ihm heute nahezukommen, ist die Bootsfahrt mit der mv Ptarmigan. Die einstündige Tour ist vergleichsweise günstig (ca. 50 USD, also rund 46 €) und bringt dich auf weniger als 300 Meter an die Gletscherwand heran. Eine tolle Alternative, wenn Zeit oder Budget für die langen Touren direkt von Whittier fehlen. Das Knacken und Krachen des Eises ist einfach unbezahlbar.

3. Der Trail of Blue Ice

Für alle, die das Portage Valley aktiver erkunden möchten: Der befestigte Trail of Blue Ice ist ideal. Rund 8 Kilometer, fast eben, verbindet er das Moose Flats-Gebiet mit dem Portage Lake. Perfekt für eine gemütliche Fahrradtour oder einen entspannten Nachmittagsspaziergang.

Blick auf den Fjord vom Portage Pass Trail bei Whittier
Blick auf den Fjord vom Portage Pass Trail bei Whittier

Unterwegs hast du atemberaubende Ausblicke auf die Hängegletscher Explorer, Middle und Byron. Ab und zu löst sich ein Eisstück und das Donnern der stürzenden Masse hallt durchs gesamte Tal – unvergesslich, besonders wenn die Sonne scheint.

4. Wanderung zum Byron Glacier (Byron Glacier Trail)

Das ist wohl unser liebster Kurztrip in der ganzen Gegend – und er ist wirklich für jeden machbar. Die Route beginnt nahe dem Portage Lake und ist knapp über zwei Kilometer lang (einfache Strecke). Der Pfad führt durch ein kleines Tal entlang eines wilden Baches, über einige Felsen – und am Ende stehst du direkt am Fuß des Byron Glacier.

Wanderer am Gletscher am Prince William Sound
Wanderer am Gletscher am Prince William Sound

Der große Vorteil: Man kommt dem Eis sehr nah und entgeht den Touristenmassen, die mit dem Bus zur Bootsfahrt rauschen. Vorsicht aber – besonders im Frühjahr und Frühsommer besteht Lawinengefahr von den steilen Hängen. Und Bärenspray immer dabei, schließlich ist man in Alaska. ☺️

5. Durch den einzigartigen Anton Anderson Tunnel fahren

Das klingt vielleicht nach nichts Besonderem – aber die Durchfahrt durch diesen Tunnel ist ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst. Der Anton Anderson Memorial Tunnel ist 4,1 Kilometer lang und sieht aus wie die Kulisse eines Grubenhorrorfilms. Wenn die Ampel auf Grün springt und du einfahrst, rollst du direkt auf Schienen (im Beton eingelassen) durch grob gesprengte Felsen im Schummerlicht.

Einfahrt in den Anton Anderson Tunnel, den einzigen Zugang nach Whittier
Einfahrt in den Anton Anderson Tunnel, dem einzigen Landzugang nach Whittier (Foto: Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0)

Ein leichtes Klaustrophobiegefühl ist völlig normal. Die Geschwindigkeit ist begrenzt, Halten verboten. Der Gedanke, dass irgendwo da drin auch ein Zug unterwegs sein könnte, hat durchaus seinen eigenen Reiz. Keine Sorge, die Abläufe sind bis ins letzte Detail durchgeplant. Wichtig: Mindestens 15 Minuten vor deinem Zeitfenster am Warteplatz sein.

6. Schockmoment: Die Begich Towers – eine Stadt unter einem Dach

Willkommen in Whittier! Kaum aus dem Tunnel heraus, sticht dir ein riesiger 14-stöckiger Betonklotz ins Auge, der so gar nicht zur Bilderbuchnatur ringsum passen will. Die Begich Towers wurden von der Armee in den 1950er-Jahren erbaut; heute leben hier sage und schreibe rund 85 % aller etwa 270 Einwohner der Stadt. Whittier Alaska steckt buchstäblich unter einem Dach.

Begich Towers in Whittier Alaska – die Stadt unter einem Dach
Begich Towers in Whittier – die Stadt unter einem Dach (Foto: Wikimedia Commons, CC BY 4.0)

Das Gebäude ist ein vollständiges Ökosystem: Im Erdgeschoss und Keller finden sich Post, Polizei, ein kleiner Laden, eine Kirche und eine Arztpraxis. Im harten Alaska-Winter, wenn Windgeschwindigkeiten von 100 km/h keine Seltenheit sind, verlassen manche Bewohner tagelang das Haus nicht. Touristen dürfen nicht einfach durch die Wohnflure streifen – aber ins Erdgeschoss gehen, die Post besuchen und die seltsam klaustrophobische Atmosphäre aufsaugen: Das ist definitiv möglich und empfehlenswert.

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7. Das verlassene Buckner Building

Direkt gegenüber dem Plattenbau-Wohnkomplex erhebt sich ein noch gruseligeres Monument: das Buckner Building. Einst der ganze Stolz der US-Armee, ebenfalls in den 1950ern erbaut, wurde es bereits 1966 aufgegeben. Heute ist es eine massive, dunkle Ruine mit eingeschlagenen Fenstern – wie eine Filmkulisse aus einem Postapokalypse-Spiel.

Das Betreten ist offiziell strikt verboten und wegen Asbest sowie einstürzender Böden auch wirklich gefährlich. Ich würde es von außen betrachten, ein paar Fotos schießen und weitergehen. Als faszinierendes Mahnmal des Kalten Krieges, das vor der Kulisse verschneiter Berge einen eigenartigen Beklemmungsmoment erzeugt, ist es aber absolut sehenswert.

8. Die 26 Glaciers Cruise (absolutes Muss!)

Das ist der Hauptgrund, warum alle nach Whittier kommen. Wenn du auf Alaska nur eine einzige Bootstour machst, sollte es diese sein: die 26 Glaciers Cruise der Reederei Phillips Cruises – jeden Cent wert. Schnelle, moderne Katamarane führen dich in knapp sechs Stunden durch über 220 Kilometer entlang des College Fjord und Harriman Fjord.

Gletscher und grüner Hang am Prince William Sound
Gletscher und grüner Hang am Prince William Sound

An Bord ist es schön warm, die Panoramafenster sind riesig. Der Kapitän manövriert das Schiff so nah an die gewaltigen Gletscherwände, dass man die Kälte regelrecht spürt. ⚠️ Ehrlichkeitswarnung: Das ist kein Schnäppchen. Der Preis für 2026 beginnt bei 219 USD (ca. 200 €) pro Person zzgl. Steuern. Im Preis enthalten ist aber ein hervorragendes warmes Mittagessen – und da die Tour im geschützten Fjord stattfindet, bleibt das Wasser ruhig: eine gute Nachricht für alle, denen auf See unwohl wird.

9. Seekajak zwischen Eisschollen

Wer lieber abseits großer Schiffsgruppen unterwegs ist, findet eine viel intimere Möglichkeit, den Fjord zu erleben. Seekajak-Touren – angeboten etwa von Sound Eco Adventures – gehören für mich zu den intensivsten Erlebnissen, die du aus Alaska mitnehmen kannst.

Frau mit Blick auf einen weitläufigen Gletscher und Berge
Frau mit Blick auf einen weitläufigen Gletscher und Berge

Stell dir vor: Du sitzt knapp über der Wasseroberfläche, Paddel in der Hand, um dich herum dümpeln kleine Eisschollen, und es herrscht absolute Stille – nur das Ausatmen eines Wals oder das Knacken des Gletschers unterbricht sie. Keine Sorge wegen der Wellen: Typischerweise bringt euch ein kleines Motorboot tiefer in den Fjord, und ihr steigt erst in den sichersten und schönsten Buchten auf die Kajaks um. Körperlich etwas anspruchsvoller – aber vollkommen unvergesslich.

10. Wildtierbeobachtung: Wale und Seeotter

Der Prince William Sound ist so etwas wie ein riesiges Buffet für Alaskas Tierwelt. Im Sommer ziehen Buckelwale in die Bucht, um sich satt zu fressen, und immer wieder tauchen Orcas auf. Zu sehen, wie eine riesige Walfluke vor der Kulisse eines Gletschers unter der Wasseroberfläche verschwindet – dieser Anblick wird einem niemals langweilig.

Wanderer auf einem Schneefeld am Gletscher
Wanderer auf einem Schneefeld am Gletscher

Meine persönlichen Lieblinge sind aber die Seeotter. Man sieht sie häufig entspannt auf dem Rücken treiben, oft halten sie sich an den Pfoten, damit sie nicht voneinander wegtreiben – und knacken sich dabei Muscheln auf dem Bauch. An Felsen entlang der Küste liegen außerdem Seelöwen in der Sonne, und hoch über dir kreisen Weißkopfseeadler. Wildsafari auf dem Wasser, ganz ohne Jeep.

11. Leuchtend blaues Eis aus nächster Nähe

Warum sind Gletscher eigentlich so blau? Vor unserer ersten Reise dachte ich, die Reisemagazin-Fotos seien stark nachbearbeitet. Falsch gedacht! Der Fjord rund um Whittier bietet ideale Bedingungen für die Beobachtung sogenannter „Tidewater Glaciers“ – Gletscher, die direkt ins Meer kalben.

Blau leuchtender Gletscher in den Bergen des Prince William Sound
Blau leuchtender Gletscher in den Bergen des Prince William Sound

Das Eis ist unter enormem Druck so komprimiert, dass es alle Farben des Lichtspektrums absorbiert – außer Blau, das es zurückwirft. Wenn du mit einem kleinen Boot an so eine Wand heranfährst und vor dir ein hausgroßes Eisbrocken abbricht, entsteht eine Welle und ein Knall wie ein Kanonenschuss. Dieses Phänomen nennt sich „Calving“ – und es ist ein überwältigender Moment, der einen schlagartig spüren lässt, wie klein wir gegenüber der Natur sind.

12. Tagesausflug: Valdez und das Erbe der Exxon Valdez

Wer mehr Zeit hat und Whittier als Ausgangspunkt nutzen möchte, kann etwa 140 Kilometer östlich – per Schiff über den Fjord oder auf dem Landweg um die Bucht herum – die Stadt Valdez ansteuern. Das Städtchen ist deutlich charmanter als das Beton-Whittier und für immer mit einer der größten Umweltkatastrophen der US-Geschichte verknüpft: dem Kentern des Öltankers Exxon Valdez im Jahr 1989. Ausführliche Ausstellungen zeigen noch heute die Auswirkungen auf den Fjord und die erstaunliche Regenerationskraft des Ökosystems.

Valdez ist außerdem der Endpunkt der 1.300 Kilometer langen Trans-Alaska-Pipeline, durch die das Öl vom hohen Norden Alaskas ans Meer gepumpt wird. Die Stadt hat die raue, eigentümliche Atmosphäre eines Fischerei- und Industriehafens – eingebettet in Berge, die gern als „Schweizer Alpen Alaskas“ bezeichnet werden.

13. Worthington Glacier: Gletscher direkt an der Straße

Wer auf dem Landweg nach Valdez fährt – über den Richardson Highway – sollte unbedingt am Worthington Glacier haltmachen. Er gehört zu den zugänglichsten Gletschern in ganz Alaska, liegt kurz vor dem Thompson Pass und kostet nur 5 USD (ca. 5 €) Parkgebühr. Vom Auto zur Gletscherzunge sind es nicht mal 600 Meter auf einem gut ausgebauten Weg – auch für Rollstuhlfahrer geeignet.

Die meisten machen ein paar Fotos an der Aussichtsplattform und fahren weiter. Wer aber wirklich etwas erleben möchte, bucht eine geführte Tour (z. B. mit Alaska Guide Co.), bei der man mit Steigeisen und Eispickel direkt auf den Gletscher geht. Die Preise sind nicht ohne (165 bis 325 USD, also ca. 150–300 €), aber auf einem über 22.000 Jahre alten blauen Gletscher zu spazieren und kristallklares Schmelzwasser direkt aus einer Gletscherspalte zu trinken – das ist einer jener Momente, über die wir heute noch reden.

Wo du in Whittier essen gehst

Lass dich vom rauen Äußeren der Stadt nicht täuschen – nach einem langen Tag auf dem Wasser kann man hier sehr gut essen. Die Auswahl ist klein und dreht sich fast ausschließlich um frischen Fisch, aber genau das macht es so authentisch. Die Preise sind, wie überall in Alaska, entsprechend – rechne für ein ordentliches Abendessen mit ein paar Dutzend Dollar, aber der Fisch ist es wirklich wert.

Unsere Empfehlungen:

Inn at Whittier Dining: Die erste Adresse, wenn du das Beste der Stadt willst und etwas mehr ausgeben kannst. Weiße Tischdecken, weiter Blick auf den Hafen, fantastisch frische Meeresfrüchte. Nach einem langen, nassen Tag auf dem Wasser ist das die perfekte Belohnung – oder gönne dir einfach ein ausgezeichnetes Rindersteak.

Swiftwater Seafood Cafe: Hierher kommen die Einheimischen und die Fischbootbesatzungen. Kein Schnickschnack, nur eine klassische Fischbude am Wasser mit dem Wichtigsten: frischem Heilbutt oder Lachs in Bierteig mit Pommes (Fish & Chips). Laut, ungezwungen, und das Essen ist verdammt gut. 😅

Lazy Otter Charters & Café: Ideal für Frühstück oder ein schnelles Mittagessen. Ordentlicher Kaffee (für amerikanische Verhältnisse), gute Sandwiches und frisches Gebäck. Wir haben hier immer kurz haltgemacht, bevor wir aufs Boot oder die Kajaks gestiegen sind. Sehr kinderfreundlich.

Wild Catch Café: Die Rettung für den Geldbeutel. Wenn du mal keine Lust auf Fisch als Hauptgericht hast, gibt es hier solide Burger und einen heißen Clam Chowder (cremige Muschelsuppe), der dich garantiert wieder auf Betriebstemperatur bringt.

Wohin als Nächstes in Alaska

Alaska ist riesig – und nach dem Besuch von Whittier fängt die Reise eigentlich erst an. Wohin als Nächstes?

Wir empfehlen definitiv, ein Stück weiter südlich auf der Kenai-Halbinsel die Stadt Seward anzusteuern, die mit wilderen Ozeangewässern und dem beeindruckenden Kenai Fjords National Park aufwartet (schau in unseren Artikel über Seward und Umgebung). Wer Stadtluft und Nachschub braucht, kehrt nach Anchorage zurück (hier findest du 15 Tipps, was man in Anchorage tun kann). Und wenn dich die Bootstouren gepackt haben, dann lies unbedingt unseren großen Alaska-Cruise-Guide, in dem wir ausführlich erklären, wie du die richtige Kreuzfahrt für dich findest.

Wer noch keine Flüge gebucht hat: Günstige Tickets findest du am besten auf Kiwi.com, unser Lieblings-Suchportal. Und bitte fahr nicht ohne ordentliche Reiseversicherung – für längere Trips setzen wir oft auf SafetyWing. Gute Wanderschuhe sind Pflicht, denn der Schlamm in Alaska ist tückisch. Und damit du sofort nach der Landung online bist und die Gletscher-Fotos posten kannst, empfehlen wir eine eSIM von Holafly. 😉

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Jak se dostat do Whittieru na Aljašce?

Jedinou pozemní přístupovou cestou do Whittieru je průjezd přes Anton Anderson Memorial Tunnel. Tato unikátní jednosměrná silnice vede skrz horu a je sdílená s železnicí. Před vjezdem je nutné zaplatit mýtné, které činí zhruba 13 USD za běžné osobní auto.

Kdy je otevřený tunel do Whittieru?

Tunel funguje na principu přesných časových slotů, protože jeden pruh střídavě využívají auta v obou směrech i vlaky. V letní sezóně se směr do Whittieru otevírá obvykle vždy v půl (např. 10:30), zatímco směr ven z města v celou hodinu (např. 11:00). Na seřadiště je nutné dorazit alespoň 15 minut předem.

Stojí plavba 26 Glaciers Cruise za to?

Rozhodně ano, jde o jeden z nejlepších způsobů, jak prozkoumat Prince William Sound a vidět padající kusy ledu z bezprostřední blízkosti. Pětihodinová plavba na rychlém katamaránu vyjde dospělého zhruba na 200 až 250 USD. V ceně bývá zahrnuto teplé jídlo a garance, že nebudete trpět mořskou nemocí díky velmi klidným vodám zálivu.

Kolik lidí žije v budově Begich Towers ve Whittieru?

Ve čtrnáctipatrové budově Begich Towers žije přibližně 80 % všech obyvatel města, což představuje zhruba 220 až 270 lidí. Tato stavba z dob studené války funguje jako město pod jednou střechou. Obyvatelé zde mají k dispozici poštu, obchod, prádelnu, kliniku i školu, do které se chodí podzemním tunelem.

Kolik dní stačí na návštěvu Whittieru?

Na prohlídku samotného městečka a absolvování hlavní ledovcové plavby bohatě stačí jeden celý den. Většina cestovatelů sem přijíždí ráno z Anchorage, stráví den na lodi a večer pokračuje v cestě na poloostrov Kenai. Pokud plánujete delší výlety na mořském kajaku nebo pěší túry k ledovcům, vyplatí se zůstat přes noc.

Dá se do Whittieru dojet autem?

Ano, do Whittieru lze bez problémů dojet běžným osobním autem i obytným vozem (RV). Cesta z Anchorage trvá zhruba hodinu a půl po velmi malebné dálnici Seward Highway. Jedinou překážkou je průjezd zmíněným tunelem Anton Anderson, kde je nutné respektovat jízdní řád a zaplatit mýtné.

Jaké je typické počasí ve Whittieru?

Whittier je oficiálně nejdeštivějším městem na Aljašce, ročně zde spadne v průměru přes 5 000 mm srážek. Návštěvníci by se měli připravit na častou mlhu, silný vítr a déšť i uprostřed léta. Kvalitní nepromokavé oblečení je zde naprostou nutností, ale dramatické počasí dodává okolním ledovcům jedinečnou a tajemnou atmosféru.

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