Es gibt schlicht Orte, auf die man sich nicht freut, wo man keine lächelnden Fotos für Social Media macht und vor denen man von Anfang an ein wenig Angst hat. Lucka hat ehrlich zugegeben, dass sie für einen emotional so schweren Ort keine Kapazität hat. Nimm diesen Artikel nicht als klassischen Reisetipp. Sieh ihn als Aufforderung — komm nach Auschwitz Polen und schau es dir selbst an. Du erfährst, worin der Unterschied zwischen den einzelnen Lagern besteht, wie und wo du Tickets bekommst, was dich vor Ort genau erwartet und wie du den gesamten Tagesausflug von Krakau aus organisierst.
Zusammenfassung
Bevor ich ins Detail gehe, hier die wichtigsten Dinge, die du wissen solltest, noch bevor du anfängst, dich mit der Anreise zu beschäftigen.
- Zwei Lager: Der Besuch besteht aus zwei Teilen. Auschwitz I (das ursprüngliche Lager mit Backsteingebäuden und Museum) und Auschwitz II-Birkenau (das Vernichtungslager, etwa 3 Kilometer entfernt).
- Tickets: Eintrittskarten sind unglaublich schnell vergriffen. Wenn du ohne Führung kostenlos hinein möchtest, musst du auf der offiziellen Website visit.auschwitz.org genau einen Monat im Voraus reservieren. Deutlich sicherer und logistisch einfacher ist es, eine organisierte Tour ab Krakau zu buchen (ca. 45 bis 90 EUR).
- Anreise: Von Krakau sind es rund 70 Kilometer. Die Fahrt mit Bus, Bahn oder Auto dauert ein bis eineinhalb Stunden.
- Zeitaufwand: Plane einen ganzen Tag ein. Die Besichtigung beider Lager dauert 3,5 bis 4 Stunden, dazu kommen An- und Abreise sowie Transfers.
- Regeln: Es gilt ein striktes Verbot großer Rucksäcke (maximal A4-Format), angemessene Kleidung ist Pflicht (keine freien Schultern oder zu kurze Shorts) und in den Gebäuden ist Blitzlichtfotografie streng verboten, in manchen Räumen darf gar nicht fotografiert werden.
- Alter: Die offizielle Empfehlung des Museums lautet, keine Kinder unter 14 Jahren mitzunehmen. Aus eigener Erfahrung stimme ich dem vollkommen zu.
Unterschied: Auschwitz I vs. Auschwitz II-Birkenau
Bevor du überhaupt nach Tickets schaust, ist es enorm wichtig zu verstehen, dass das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau nicht nur ein einziger Ort ist. Es passiert häufig, dass Menschen anreisen und überrascht sind, dass sie zwischen den Geländen wechseln müssen. Der gesamte Komplex teilt sich in zwei völlig unterschiedliche Bereiche auf, die du beide sehen solltest, um das ganze Ausmaß des Grauens zu begreifen.
1. Auschwitz I (Stammlager und Museum)

Das ist der Ort, den du wahrscheinlich von den meisten Fotos kennst. Genau hier findest du das ikonische Metalltor mit der Inschrift „Arbeit Macht Frei“. Ursprünglich handelte es sich um polnische Militärkasernen mit massiven Backsteingebäuden, die von den Nazis beschlagnahmt wurden.
Heute dient das Gelände in erster Linie als Museum. In den einzelnen Blocks befinden sich umfangreiche, schwere und faktenreiche Ausstellungen. Du siehst hier Berge persönlicher Gegenstände, die den Häftlingen abgenommen wurden, die erste primitive Gaskammer und ein Krematorium. Das Areal ist relativ kompakt, überall stehen Bäume, und paradoxerweise sieht es auf den ersten Blick nicht aus wie eine Todesfabrik — bis du eines der Gebäude betrittst.
2. Auschwitz II-Birkenau (Vernichtungslager)

Während das erste Lager das administrative Zentrum war, war Birkenau eine reine Vernichtungsmaschinerie, auf der grünen Wiese wenige Kilometer vom Stammlager entfernt errichtet. Es ist ein riesiges, erschreckend leeres Feld.
Genau hierher führen die berühmten Gleise, die durch das Eingangsgebäude mit dem Wachturm hindurchlaufen. Du siehst die Eisenbahnrampe, an der die Selektionen stattfanden, lange Reihen rekonstruierter und originaler Holzbaracken und ganz am Ende die Ruinen der gigantischen Gaskammern und Krematorien, die die Nazis vor ihrem Rückzug sprengten. Hier kannst du so lange bleiben, wie du möchtest.
Praktische Infos: Tickets 2026 und Führungen
Die Eintrittskarten zu organisieren ist wohl der komplizierteste Teil des gesamten Besuchs. Das Auschwitz-Birkenau Museum in Polen hat einen enormen Besucherandrang, und es ist längst nicht mehr so, dass man einfach hinfahren, an der Kasse ein Ticket kaufen und hineingehen kann. Die Kapazitäten sind streng reguliert. Wenn du einen Besuch planst, hast du im Wesentlichen zwei Möglichkeiten hineinzukommen.
3. Kostenlose Tickets ohne Führung
Du kannst das Museum kostenlos ohne Führung besuchen, aber es gibt einen großen Haken. Diese freien Eintrittskarten („Entry Pass without an educator“) werden auf der offiziellen Website visit.auschwitz.org in begrenzter Anzahl zu bestimmten Zeiten freigeschaltet.
Meistens sind sie nur für die frühen Morgen- oder späten Nachmittagsstunden verfügbar. Wenn du in der Hauptsaison fährst, musst du diese kostenlosen Tickets genau einen Monat im Voraus „ergattern“ — sonst sind sie einfach weg.
4. Offizielle Führung mit Educator
Die häufigste Variante, die die meisten Besucher wählen, ist eine Führung mit einem offiziellen Guide (Educator). Du zahlst dafür direkt auf der Website des Museums rund 110 PLN (ca. 25 €) pro Erwachsenem.
Du bekommst Kopfhörer, sodass der Guide nicht schreien muss und alle ihn klar verstehen. Die Führung ist auf etwa 3,5 Stunden angelegt. Das Problem: Auch diese Tickets sind Wochen im Voraus ausverkauft, und du musst die Anreise von Krakau selbst organisieren.
5. Komplette Tour ab Krakau
Aus meiner Sicht ist das logistisch die mit Abstand angenehmste Variante, auch wenn du etwas mehr bezahlst. Für 45 bis 90 Euro holt dich ein Busunternehmen im Zentrum von Krakau ab, zeigt während der Fahrt einen Dokumentarfilm zur Einstimmung, übergibt dich vor Ort an einen offiziellen Guide, organisiert den Eintritt sowie den Transfer zwischen beiden Lagern und bringt dich am Ende wieder zurück.
Damit sparst du dir unglaublich viel Stress mit Parkplatzsuche oder Warten auf öffentliche Verkehrsmittel.
Anreise von Krakau nach Auschwitz
Ich persönlich habe den Bus gewählt und es nicht bereut — es war viel einfacher als gedacht. Oświęcim (Auschwitz) liegt in der Woiwodschaft Schlesien, rund 70 Kilometer westlich von Krakau, und du hast mehrere Möglichkeiten, auf eigene Faust dorthin zu gelangen. Die Strecke ist unkompliziert, nur musst du mit kleineren Verzögerungen im Verkehr rechnen.
6. Mit dem Bus (günstigste und praktischste Option)
Vom Krakauer Hauptbusbahnhof (MDA) fahren regelmäßig Busse direkt nach Oświęcim. Die Fahrt dauert etwa eineinhalb Stunden und ein Ticket kostet rund 20 PLN (ca. 5 €).
Ich empfehle Anbieter wie Lajkonik, die direkt am Museum halten (Haltestelle Oświęcim Muzeum). In der Sommersaison sind die Morgenbusse absolut überfüllt — kauf dein Ticket also unbedingt vorher online.
7. Mit dem Zug ab Krakau
Die Polnischen Staatsbahnen bieten Zugverbindungen von Krakau nach Oświęcim an. Die Fahrt dauert etwas über eine Stunde. Der Vorteil des Zuges ist der größere Komfort und dass du Staus umgehst.
Der Nachteil: Der Bahnhof in Oświęcim liegt etwa 2 Kilometer vom Museum entfernt. Vom Bahnhof aus musst du also ein Taxi nehmen oder dich auf einen rund 25-minütigen Fußmarsch durch die Stadt einstellen.
8. Mit dem Auto (für Roadtrips)
Wenn du gerade einen Roadtrip durch Polen machst, ist das Auto eine hervorragende Wahl. Wir haben langfristig gute Erfahrungen mit dem Vergleichsportal RentalCars gemacht und nutzen es weltweit. Die Fahrt über die Autobahn A4 dauert knapp eine Stunde.
Bei beiden Lagern gibt es kostenpflichtige Parkplätze. Rechne mit etwa 20 PLN (ca. 5 €) pro Tag. Zwischen Lager I und Birkenau kannst du dann mit dem eigenen Auto wechseln und sparst dir das Warten auf den Pendelbus. Wenn du von Deutschland aus mit dem Auto anreist, benötigst du in Polen übrigens keine Vignette — die Autobahn A4 wird streckenweise über Mautstationen abgerechnet.
Was du in Auschwitz I siehst
Bevor du anfängst, die Informationstafeln zu lesen, hast du kurz ein seltsames Gefühl, als würdest du auf einem Universitätscampus stehen. Dieser Eindruck verfliegt allerdings sehr schnell, sobald du den ersten der Blocks betrittst, die heute als spezifische Museen mit aufwühlenden Ausstellungen dienen.
9. Das ikonische Tor „Arbeit Macht Frei“
Das Erste, was du siehst, ist das Eisentor mit dem zynischen Spruch „Arbeit Macht Frei“. Achte auf den umgedrehten Buchstaben „B“ im Wort Arbeit.
Historikern zufolge war dies eine kleine, versteckte Form des Widerstands der Häftlinge, die das Tor auf Befehl der SS anfertigten. Genau durch dieses Tor marschierten morgens die Arbeitskommandos zur Zwangsarbeit und kehrten abends mit toten Mitgefangenen zurück. Es ist der Ort, an dem die meisten Menschen verstummen.
10. Block 4: Vernichtung und persönliche Gegenstände

Dieser Block hat mich am meisten erschüttert. Drinnen findest du keine Waffen oder Gebäudemodelle, sondern die Hinterlassenschaften von Menschen, die im Glauben ins Lager kamen, nur umgesiedelt zu werden.
Du siehst einen riesigen Raum, der vom Boden bis zur Decke verglast und voller Menschenhaar ist, das nicht mehr rechtzeitig an Textilfabriken im Reich verschickt werden konnte. Es gibt Räume voller Tausender Brillen, Prothesen und Kochtöpfe. Am stärksten hat mich der Raum voller Kinder- und Erwachsenenkleidung getroffen, aus der Hunderte zerfallende Schuhe auf den Boden fallen. Hier trifft dich die Erkenntnis, dass hinter jedem einzelnen Paar Schuhe ein verlorenes Menschenleben stand.
11. Block 11: Todesgefängnis und Todesmauer

Während der Rest des Lagers schon schrecklich genug war, war Block 11 selbst für die Häftlinge ein Ort des absoluten Grauens. Er funktionierte als Gefängnis innerhalb des Gefängnisses. Im Keller findest du Zellen, in denen die Gestapo die ersten Versuche mit dem Giftgas Zyklon B durchführte, und die sogenannten „Stehzellen“, in die nach einem ganzen Tag Zwangsarbeit zur Strafe vier Menschen auf weniger als einen Quadratmeter gepfercht wurden — so eng, dass sie sich nicht einmal setzen konnten.
Direkt neben dem Block befindet sich der Hof mit der Todesmauer, an der Massenerschießungen stattfanden. Heute legen Besucher und Staatsoberhäupter dort Blumen nieder.
12. Krematorium I und Gaskammer

Am äußersten Rand des Lagers Auschwitz I betrittst du das originale, gut erhaltene Krematoriumsgebäude. Es war die allererste Gaskammer in Oświęcim, bevor das Morden im großen Stil nach Birkenau verlagert wurde.
Durch die unterirdischen Räume mit den dunklen, verrußten Wänden zu gehen und an der Decke die Öffnungen zu sehen, durch die das Giftgas eingeworfen wurde, ist ein beklemmender Moment. Drinnen herrscht absolute Stille und striktes Fotografierverbot. Man hält nur noch an den erhaltenen Verbrennungsöfen inne.
Was du in Auschwitz II-Birkenau siehst
Zwischen den Lagern pendelt ein kostenloser gelber Bus, der dich in 10 Minuten zum Haupttor von Auschwitz II bringt. Sobald du aussteigst, wird dir der unglaubliche Maßstabsunterschied bewusst. Wenn das erste Lager klein und überschaubar war, ist Birkenau schlicht eine gigantische Ebene. Es erstreckt sich über 170 Hektar, und genau hier fand der weitaus größte Teil des Holocaust statt.
13. Eingangsgebäude und Todesturm

Das Symbol des gesamten Auschwitz-Birkenau-Komplexes ist das lange rote Backsteingebäude mit dem riesigen Durchfahrtstor für Züge. Ich empfehle, den Turm zu besteigen (sofern er gerade für Besucher geöffnet ist).
Von dieser Aussicht aus erkennst du erst das wahnsinnige Ausmaß des Lagers. So weit das Auge reicht, stehen Backsteinschornsteine wie Grabsteine aus der Erde — Überreste verbrannter Holzbaracken. Erst von hier oben begreifst du, wie viele Hunderttausende Menschen hier eingesperrt waren.
14. Eisenbahnrampe und historischer Viehwaggon

Dein Weg führt dich unweigerlich entlang der Gleise in Richtung Vernichtungszone. Etwa auf halbem Weg steht ein einsamer historischer Viehwaggon.
Genau an dieser Stelle hielten die Züge voller deportierter Menschen aus ganz Europa. Hier fand die sogenannte Selektion statt, bei der SS-Ärzte mit einem einzigen Fingerzeig nach links oder rechts darüber entschieden, wer zur Zwangsarbeit in die Baracken kam und wer direkt vom Zug in die Gaskammern am Ende des Lagers ging. Es ist ein unvorstellbar schwer zu verarbeitender Ort.
15. Holzbaracken und Lebensbedingungen

Rechts neben den Gleisen sind einige originale Holzbaracken für Häftlinge erhalten, die du betreten kannst. Ursprünglich waren es Pferdeställe, die für wenige Dutzend Tiere gedacht waren — doch die Nazis pferchten über 400 Menschen in jede Baracke, auf dreistöckige Holzpritschen.
Wenn du hineingehst, nimmst du einen eigenartigen, muffigen Geruch von altem Holz und Feuchtigkeit wahr. Du stellst dir die Kälte vor, die die Häftlinge hier ertragen mussten — im Schlamm und mit kaum etwas zu essen. Es verändert grundlegend deine Vorstellung davon, was ein Mensch aushalten kann.
16. Ruinen der Krematorien und Gedenkstätte

Am äußersten Ende der Gleise erreichst du die Trümmer der Krematorien II und III. Als die Deutschen Anfang 1945 wussten, dass die Rote Armee näher rückte, versuchten sie die Beweise zu vernichten und sprengten die Gaskammern in die Luft.
Heute sind es eingestürzte Betonplatten, überwuchert von Gras, doch man erkennt deutlich die Umrisse der Auskleideräume und der eigentlichen Kammern. Unweit davon steht das internationale Mahnmal für die Opfer des Lagers (Auschwitz-Birkenau Memorial) mit Gedenktafeln in vielen Sprachen, darunter auch Deutsch.
Unterkunft: Basis in Krakau
Direkt in der Stadt Oświęcim zu übernachten ergibt weder logistisch noch psychologisch viel Sinn. Deutlich besser ist es, sich eine Basis im wunderschönen Krakau einzurichten, das für sich genommen jede Menge Erlebnisse, fantastische Gastronomie und eine großartige Atmosphäre bietet. Vormittags fährst du zum Museum und abends gehst du nach dem schweren Tag gut essen oder auf einen Drink, um etwas Dampf abzulassen.
Wir übernachten am liebsten direkt im Zentrum Krakaus, weil das letztlich viel Zeit spart. Die besten Apartments inklusive Frühstück findest du im K4 APARTHOTEL KRAKÓW. Ebenfalls sehr gut sind die Avium Old Town Apartments. Wenn du nichts gegen Hostels hast, findest du direkt im Zentrum günstige Unterkünfte im Greg&Tom Beer House Hostel.
Tagesplanung (empfohlener Ablauf)
Ein Besuch im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau ist keine Sache für zwei Stunden. Du musst damit rechnen, viel Zeit auf den Beinen zu verbringen. Die meisten Besucher sind am Ende der Besichtigung ziemlich erschöpft — nicht nur körperlich, sondern vor allem emotional. Wenn du auf eigene Faust fährst, empfehle ich folgenden Ablauf.
17. Starte früh morgens in Auschwitz I
So früh wie möglich morgens anzukommen ist das A und O. Nicht nur, weil du den größten Menschenmassen ausweichst, die gegen zehn Uhr mit den organisierten Touren eintreffen, sondern auch weil die Morgenstimmung dem Ort eine noch eindringlichere Atmosphäre verleiht.
Die Besichtigung des ersten Teils mit den Innenausstellungen dauert mindestens zwei Stunden. Lies die Informationstafeln in Ruhe durch, lauf nicht davon, auch wenn es schwer ist.
18. Gönn dir eine Pause beim Transfer
Zwischen dem ersten und zweiten Teil des Lagers musst du auf den Pendelbus warten. Das ist die ideale Zeit, um draußen vor dem Gelände etwas zu essen (drinnen ist Essen natürlich verboten) und die Gedanken etwas zu sortieren.
Die Fahrt selbst dauert nur etwa zehn Minuten, und glaub mir — dieses kurze Sitzen wirst du wirklich zu schätzen wissen.
19. Unbegrenzte Zeit in Birkenau
In Birkenau bleibt der Guide (falls du einen hast) nicht mehr so lange bei dir, oder du kannst dich nach der Grundrunde abkoppeln. Es ist ein gewaltiges Areal, und ich empfehle, es langsam komplett abzulaufen — bis ganz ans Ende zu den Ruinen der Krematorien und zur „Sauna“, wo neu angekommene Häftlinge desinfiziert wurden und wo sich heute eine überraschend emotionale Ausstellung mit Vorkriegsfotos lächelnder Familien befindet, die im Lager umkamen.
Hier bist du nicht mehr in einer großen Menschenmenge, denn viele Touristen laufen nur bis zum Waggon und kehren dann um. Geh also weiter und lass die Stille auf dich wirken.
Auschwitz und Kinder: Mitnehmen oder nicht?
Diese Frage beschäftigt viele Eltern. Die offizielle Empfehlung des Museums (Auschwitz-Birkenau Memorial and Museum) ist eindeutig: Ein Besuch wird für Kinder unter 14 Jahren nicht empfohlen. Ich sage ganz offen, dass ich dem vollkommen zustimme und die Altersgrenze persönlich sogar noch höher ansetzen würde.
Es geht nicht darum, dass Kinder vor Angst erstarren. Es geht darum, dass das Gehirn eines Kindes oder jüngeren Teenagers den Kontext nicht verarbeiten kann. Ich habe vor Ort Familien mit kleinen Kindern gesehen, die sich langweilten, zwischen den Baracken herumrannten oder laut lachten, weil sie einfach nicht verstanden, wo sie sich befanden. Für ältere Jugendliche hingegen ist es ein unglaublich lehrreiches Erlebnis — vorausgesetzt, sie haben bereits einen historischen Grundwissensstand aus der Schule und wissen, wer die SS war, was der Zweite Weltkrieg war und warum Millionen Menschen sterben mussten.
Wenn du im südlichen Polen unterwegs bist und Erlebnisse für kleinere Kinder suchst, nimm sie lieber mit in das nahegelegene Salzbergwerk oder in den wunderbaren Zoo in Breslau. Auschwitz kann noch ein paar Jahre warten.
Regeln, Kleidung und was du (nicht) mitnehmen solltest
Das Auschwitz-Birkenau Museum ist kein Disneyland — es ist der größte Friedhof der Welt, und es gelten sehr spezifische und strenge Regeln, über die nicht diskutiert wird. Die polnischen Sicherheitsleute kennen keine Kompromisse, und wenn du die Regeln nicht einhältst, wirst du hinausgewiesen.
20. Wichtigste Regel zu Rucksäcken
Das ist wohl der häufigste Fehler, an dem Besucher an den Sicherheitsschleusen scheitern. Du darfst kein Gepäckstück mitnehmen, das größer als A4-Format ist (genau 30 x 20 x 10 cm).
Wenn du einen normalen Stadtrucksack dabei hast, musst du ihn in den Schließfächern am Eingang lassen (gegen eine kleine Gebühr) oder im Auto. Nimm nur eine kleine Handtasche, Bauchtasche oder einen Stoffbeutel mit.
21. Kleidung und Verhalten
Selbst bei brütender Sommerhitze gilt ein strenger Dresscode als Zeichen des Respekts gegenüber den Opfern. Keine Trägertops mit freien Schultern, keine tiefen Ausschnitte, und Shorts oder Röcke müssen mindestens bis über die Knie reichen. Wer in Strandkleidung kommt, wird nicht eingelassen. Gleichzeitig solltest du dich auf Kilometer an Fußwegen durch Schlamm und staubige Pfade einstellen. Wenn du gute Wanderschuhe hast, zieh sie an. Birkenau ist kein Ort für Absatzschuhe oder weiße Sneakers.
Selbstverständlich sollte es sein, leise zu sprechen, sich nicht gegenseitig anzuschreien und schon gar keine grinsenden Selfies am Stacheldraht zu machen. Jedes Mal, wenn ich so etwas sehe, wird mir physisch schlecht. In den Gebäuden ist außerdem Blitzlichtfotografie verboten, und in bestimmten Blocks (wie dem Raum mit den Haaren oder den Todeszellen) ist das Fotografieren komplett untersagt.
Kombination mit weiteren Sehenswürdigkeiten: Wieliczka
Die meisten Menschen, die für ein verlängertes Wochenende nach Krakau fliegen oder fahren, versuchen die zwei bedeutendsten Ausflugsziele der Umgebung unter einen Hut zu bringen: Auschwitz und das Salzbergwerk Wieliczka. Lässt sich beides an einem einzigen Tag schaffen?
Theoretisch ja, praktisch bedeutet es aber absoluten Stress. Lokale Agenturen bieten tatsächlich kombinierte Ganztagestouren an: Abfahrt um sieben Uhr morgens nach Auschwitz, dort vier schwere Stunden, dann mit dem Bus auf die andere Seite Krakaus zum Salzbergwerk, dort eine dreistündige unterirdische Tour, und völlig erledigt bist du um acht Uhr abends zurück. Wenn du zeitlich nicht unter Druck stehst, empfehle ich dringend, diese beiden Orte auf zwei separate Tage aufzuteilen. Nach vier Stunden in Auschwitz wirst du wirklich keine Kapazität mehr haben, dir Salzskulpturen anzuschauen — und das wäre für beide Orte jammerschade.
Wo nach der Besichtigung essen
Die Besichtigung eines solch belastenden Ortes kostet unheimlich viel Energie, und deshalb ist es gut zu wissen, wo man danach Kraft tanken kann. Direkt auf dem Museumsgelände gibt es keine Restaurants, und Essen im Inneren ist selbstverständlich nicht erlaubt.
Am besten belohnst du dich nach der Rückkehr nach Krakau mit einem guten Essen. Probiere zum Beispiel das traditionelle polnische Restaurant Chłopskie Jadło direkt im Zentrum, wo es fantastische Pierogi und einen deftigen Żurek gibt — die polnische Sauermehlsuppe, die dich nach einem ganzen Tag garantiert aufwärmt. Wenn du es lieber etwas moderner magst, ist das Restaurant Morskie Oko eine hervorragende Wahl, das neben großartigem Essen auch ein wunderschönes Interieur im Górale-Stil bietet.
Abschließende Reflexion von Lukáš
Als ich nach knapp fünf Stunden das Gelände verließ und zurück in den Bus stieg, war in meinem Kopf absolute Leere. Ich habe lange überlegt, wie ich diesen Artikel eigentlich beenden soll, denn eine klassische Verabschiedung mit Aufruf zum Besuch würde furchtbar unpassend klingen. Es ist kein Ausflug. Es ist eine Reise in die tiefste Dunkelheit der menschlichen Seele und eine Rückkehr mit dem Wissen, was alles geschehen ist — und was wir niemals wieder zulassen dürfen.
Jeder sollte einmal dort gewesen sein, um das Leben mehr zu schätzen und zu begreifen, was ein Mensch einem anderen Menschen antun kann. Geh hin. Und dann komm nach Hause, umarme deine Liebsten und sei dankbar für das, was du hast.
Reisetipps und Tricks
Das sind die Dinge, die wir vor jeder Reise klären — und Auschwitz war da natürlich keine Ausnahme. Damit du dir unnötigen Logistik-Stress sparst, haben wir hier ein paar unserer liebsten und bewährten Dienste zusammengestellt.
Flugtickets nach Polen finden
Günstige Flüge suchst du am besten auf Kiwi — das ist unser Lieblingsportal. Von deutschen Flughäfen wie Berlin, München oder Düsseldorf gibt es regelmäßig günstige Verbindungen nach Krakau, unter anderem mit Eurowings, Ryanair oder Wizz Air.
Probiere ein wenig mit den Terminen herum — manchmal macht ein Tag Unterschied beim Abflug einen enormen Preisunterschied.
Mietwagen für den Roadtrip
Wir nutzen standardmäßig das Vergleichsportal RentalCars. Wir haben damit langfristig gute Erfahrungen gemacht und setzen es weltweit ein.
Für Reisen durch Polen ist das eine absolut ideale Wahl, besonders wenn du mehrere Stopps einplanst.
Reiseversicherung nicht vergessen
Für kürzere Reisen innerhalb der EU reicht in der Regel die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC), für umfassenderen Schutz empfehlen wir eine Auslandskrankenversicherung. Für längere Reisen haben wir das bewährte SafetyWing (siehe unsere SafetyWing-Rezension).
Medizinische Versorgung im Ausland kann schnell teuer werden — die paar Euro extra für den Seelenfrieden lohnen sich auf jeden Fall.
Internet im Ausland
Wenn du außerhalb Europas unterwegs bist oder direkt nach der Landung Daten haben willst, ohne dich mit Roaming herumzuschlagen, empfehlen wir eine eSIM — schau dir unseren Holafly-Testbericht an.
In Polen gilt zwar EU-Roaming, aber stabiles Internet ist bei der Wegfindung zu Gedenkstätten immer hilfreich.
FAQ (Häufig gestellte Fragen)
Hier haben wir die Antworten auf die häufigsten Fragen zusammengestellt, die uns vor und nach der Reise erreichen. Hoffentlich helfen sie dir, deinen Besuch noch etwas besser zu planen.
Was ist Birkenau?
Auschwitz II-Birkenau war das primäre Vernichtungslager innerhalb des Auschwitz-Komplexes. Im Gegensatz zum ursprünglichen Arbeits- und Verwaltungslager Auschwitz I diente Birkenau vorwiegend der massenhaften und systematischen Ermordung in Gaskammern.
Was kostet der Eintritt nach Auschwitz?
Der Eintritt auf eigene Faust ohne Führung ist völlig kostenlos — diese Tickets müssen allerdings lange im Voraus online reserviert werden. Eine Führung mit offiziellem Educator kostet rund 110 PLN (ca. 25 €), und eine komplette Tour ab Krakau liegt zwischen 45 und 90 Euro.
Wie viele Menschen starben in Auschwitz?
Schätzungen zufolge wurden mindestens 1,1 Millionen Menschen in Auschwitz ermordet, die überwiegende Mehrheit davon europäische Juden. Unter den Opfern befanden sich auch Zehntausende Roma und Sinti, polnische politische Gefangene und sowjetische Kriegsgefangene. Es war der Ort des größten Massenmordes in der Geschichte der Menschheit.
Wie läuft eine Besichtigung in Auschwitz ab?
In der Regel beginnt der Besuch im Lager Auschwitz I, wo du durch die einzelnen Backsteinblocks mit den Museumsausstellungen gehst und den Erklärungen über ausgegebene Kopfhörer zuhörst. Anschließend folgt der Transfer mit dem Pendelbus ins etwa 3 km entfernte Lager Birkenau, wo du unter freiem Himmel das Gelände des Vernichtungslagers, die Rampe und die Trümmer der Krematorien erkundest.
Kann man das Museum mit Kindern besuchen?
Die offizielle Empfehlung des Museums lautet, den Besuch mit Kindern unter 14 Jahren zu unterlassen. Das Thema ist für kleine Kinder psychisch zu belastend und schwer begreifbar.
Darf man innerhalb des Lagers fotografieren?
Ja, Fotografieren für private Zwecke ist an den meisten Stellen erlaubt. Es gilt jedoch ein striktes Verbot von Blitzlicht und Stativen. In bestimmten Bereichen, wie Block 4 (Raum mit den Haaren) und dem Untergeschoss von Block 11 (Todeszellen), ist das Fotografieren aus offensichtlichen Pietätsgründen absolut verboten.
Darf man Essen und Trinken mitnehmen?
Du darfst eine kleine Flasche Wasser mitnehmen, aber der Verzehr von Essen innerhalb des Geländes (mit Ausnahme der ausgewiesenen Bereiche vor den Eingangsgebäuden) ist als Zeichen der Respektlosigkeit an einem Ort, an dem Menschen unsäglichen Hunger litten, untersagt. Große Rucksäcke und Gepäckstücke müssen in der Gepäckaufbewahrung abgegeben werden.
Tipps und Tricks für deinen Urlaub
Zahle nicht zu viel für Flugtickets
Suche Flüge auf Kayak. Es ist unsere Lieblingssuchmaschine, weil sie die Webseiten aller Fluggesellschaften durchsucht und immer die günstigste Verbindung findet.
Buche deine Unterkunft clever
Die besten Erfahrungen bei der Suche nach Unterkünften (von Alaska bis Marokko) haben wir mit Booking.com gemacht, wo Hotels, Apartments und ganze Häuser meist am günstigsten und in der größten Auswahl verfügbar sind.
Vergiss die Reiseversicherung nicht
Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.
Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).
Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
Finde die besten Erlebnisse
Get Your Guide ist ein riesiger Online-Marktplatz, auf dem du geführte Spaziergänge, Ausflüge, Skip-the-Line-Tickets, Touren und vieles mehr buchen kannst. Dort finden wir immer etwas besonders Spaßiges!
