Den vorletzten, vierzehnten Tag unseres herbstlichen Roadtrips haben wir einer Region gewidmet, die liebevoll Island im Kleinen genannt wird. Übersetzt heißt das: Wenn du keine Zeit hast, die ganze Insel auf der berühmten Ring Road zu umrunden, serviert dir die Halbinsel Snæfellsnes auf Island auf kleinstem Raum die Essenz von allem, was dieses Land so magisch macht.
Du findest hier dramatische Klippen, die ins schäumende Meer abfallen, goldene wie kohlrabenschwarze Strände, aufragende Vulkankrater und natürlich einen majestätischen Gletscher, der in der Ferne unter den Böen des nordischen Windes glitzert. Als wir mit Lukáš Ende September/Anfang Oktober 2018 hier ankamen, waren wir von den vorherigen Tagen schon ziemlich müde, doch die wilde und raue Landschaft hat uns sofort wieder mit Energie aufgeladen.
Auch wenn wir uns vor allem auf den berühmten Berg Kirkjufell gefreut haben, gebe ich gleich zu, dass er uns vielleicht ein kleines bisschen enttäuscht hat – denn rund um ihn drängten sich Horden von Touristen mit riesigen Stativen, und der perfekte Postkartenblick funktioniert wirklich nur aus einem einzigen bestimmten Winkel. Das alles hat uns aber das herrlich romantische Dörfchen Arnarstapi wettgemacht, wo wir Hand in Hand entlang der Klippenkante spaziert sind, während sich riesige Wellen an den Basaltfelsen brachen und in der Ferne verschneite Berggipfel aufragten.
Es ist wohl einer der schönsten Orte, die wir auf unserer Reise gesehen haben. In diesem Artikel findest du Tipps, was du auf der Halbinsel Snæfellsnes sehen und erleben kannst, ich verrate dir, wo du am besten übernachtest, ohne ein Vermögen auszugeben, und gebe dir noch ein paar Empfehlungen für Vegetarier – denn gutes fleischloses Essen außerhalb der großen Städte zu finden, kann manchmal eine kleine Herausforderung sein. ☺️

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Erreichbarkeit vom Flughafen: Die Halbinsel liegt etwa zwei bis zweieinhalb Stunden Autofahrt nördlich von Reykjavík, du erreichst sie also problemlos über die gut ausgebaute asphaltierte Straße Nummer 54.
- Wie viel Zeit du brauchst: Ideal ist es, einen ganzen Tag für die Umrundung der gesamten Halbinsel einzuplanen oder zumindest einmal hier zu übernachten, damit du abends nicht in die Stadt zurückhetzen musst.
- Die Hauptattraktionen: Der meistfotografierte Berg Islands Kirkjufell, die geheimnisvolle schwarze Kirche Búðakirkja, der Strand Djúpalónssandur mit den Hebesteinen und der romantische Küstenwanderweg zwischen Arnarstapi und Hellnar.
- Nationalpark: An der westlichsten Spitze liegt der vom Gletscher bedeckte Stratovulkan Snæfellsjökull, den Jules Verne in seinem Buch „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ berühmt gemacht hat.
- Verkehr und Neuigkeiten: Seit 2026 gilt auf Island eine neue Kilometersteuer, dafür ist der Kraftstoff gleichzeitig günstiger geworden. Die meisten Sehenswürdigkeiten auf der Route erfordern kein Allradfahrzeug, sofern du nicht im tiefsten Winter hierherkommst.
- Unterkunft: Ich empfehle, eine Unterkunft mit eigener Küche in der Umgebung der Städtchen Grundarfjörður oder Stykkishólmur zu suchen. Wir haben etwas weiter südlich in Akranes geschlafen und sind von dort zum Ausflug aufgebrochen.
Wann fahren und wie kommst du hin
Die Reiseplanung nach Island beginnt immer mit der Logistik, und für die Halbinsel Snæfellsnes gilt das doppelt – denn auch wenn sie relativ nah an der Hauptstadt liegt, kann das Wetter hier völlig unberechenbar sein. Wir hatten Ende September/Anfang Oktober riesiges Glück mit relativ sonnigen Tagen, an denen sich die Farben des herbstlichen Grases wunderbar mit dem dunklen vulkanischen Gestein ergänzten – aber der Winter machte sich mit seinem eisigen Wind schon deutlich bemerkbar.
Wenn du im Sommer herkommst, genießt du lange Tage und kannst Robben beobachten, musst aber mit dem größten Touristenandrang rechnen. In den Wintermonaten verwandelt sich die Halbinsel in ein stilles Königreich aus Schnee und Eis, was seinen unbestreitbaren Zauber hat – aber du brauchst dann unbedingt ein Allradfahrzeug mit Winterreifen, denn die Straßen sind zwar in der Regel geräumt, aber starker Wind und Glatteis können selbst eine kurze Fahrt in ein Abenteuer für Adrenalinjunkies verwandeln.
Auf dem Weg von Reykjavík fährst du auf der Ringstraße Nummer 1 Richtung Norden, durchquerst den mautpflichtigen Unterwassertunnel Hvalfjarðargöng und biegst anschließend auf die Straße Nummer 54 ab, die die gesamte Halbinsel mehr oder weniger umrundet. Die Fahrt bis zum ersten Halt beträgt rund 140 Kilometer, was etwa zwei bis zweieinhalb Stunden reine Fahrtzeit bedeutet. Der gesamte Rundkurs misst dann etwa 500 Kilometer, und mit Fotostopps und Spaziergängen solltest du ruhig 10 bis 12 Stunden einplanen.
Wenn ich dir einen rein logistischen Tipp geben darf: Mach die Runde im Uhrzeigersinn, also zuerst die Südküste und dann die Nordküste. Dadurch kommst du nämlich erst am Nachmittag zum ikonischen Berg Kirkjufell, wenn das Licht viel weicher ist und die Fotos deutlich besser aussehen.
Seit 2026 gilt auf Island zudem eine neue Kilometersteuer für Pkw in Höhe von 6,95 ISK (etwa 0,05 €) pro gefahrenem Kilometer. Mietwagenfirmen lösen das meist entweder über eine Tagespauschale oder rechnen die Gebühr erst bei der Rückgabe des Autos auf Basis des tatsächlichen Kilometerstands ab.
Du musst dich davor aber nicht fürchten, denn die isländische Regierung hat im Zuge dieser Gebühr die Verbrauchsteuer auf Kraftstoff abgeschafft, sodass Benzin an den Tankstellen deutlich günstiger geworden ist und dein Budget insgesamt nur minimal belastet wird. Bevor du irgendwohin aufbrichst, prüfe bitte immer den aktuellen Zustand der Straßen auf der offiziellen Website Umferdin.is, denn die isländische Natur macht absolut, was sie will, und Pläne können sich hier von Minute zu Minute ändern.
Wo übernachten und was es kostet
Als wir vor Jahren überlegten, wo wir unser Haupt betten, wussten wir sicher, dass Campingplätze und Zelten nicht das Richtige für uns sind. Nach einem ganzen Tag Wandern im isländischen Wind freut man sich nämlich am allermeisten auf eine heiße Dusche und ein geheiztes Zimmer, also haben wir die ganze Zeit ausschließlich in Pensionen, Hostels oder kleinen Apartments geschlafen.
Der große Vorteil solcher Unterkünfte ist der Zugang zu einer Gemeinschafts- oder Privatküche. Für uns als Vegetarier war das buchstäblich eine Rettung, denn wir konnten uns abends in Ruhe Nudeln kochen und mussten keine astronomischen Summen in Restaurants bezahlen, wo das fleischlose Angebot damals erst zaghaft begann.
Unser Zimmer für die vorletzte Nacht haben wir im Städtchen Akranes reserviert, das etwas weiter südlich liegt – was sich als ziemlich strategischer Punkt mit vernünftigen Preisen erwies, von dem aus wir es nicht weit zur Halbinsel hatten und am nächsten Tag bequem direkt zum Flughafen weiterfahren konnten.
Wenn du direkt im Geschehen auf der Halbinsel Snæfellsnes wohnen möchtest, plane ein etwas größeres Budget ein, denn das Angebot an Unterkünften ist hier begrenzt und in der Saison schnell ausgebucht. Eine sehr beliebte Basis ist das nördliche Städtchen Grundarfjörður, von dem aus du nur wenige Minuten zum Berg Kirkjufell fährst.
Du findest hier nette Hostels, in denen dich eine Nacht etwa 50 Euro pro Person kostet, oder klassische Doppelzimmer, zum Beispiel im großartigen Kast Guesthouse, wo sich die Preise um die 140 Euro bewegen. Für alle, die etwas mehr Komfort und ein gutes Café gleich um die Ecke suchen, ist der malerische Hafen Stykkishólmur die perfekte Wahl, wo du etwa im stilvollen Fosshotel unterkommst.
Auf der gegenüberliegenden Seite, am Nationalpark und Gletscher, findest du dann die allerzauberhaftesten, aber auch teuersten Lagen. In den Siedlungen Hellnar oder Arnarstapi, wo ein luxuriöseres Zimmer im Fosshotel Hellnar locker über 180 Euro pro Nacht kostet, wachst du mit einem perfekten Blick auf den Ozean auf.
Das absolute Highlight ist dann das berühmte Hótel Búðir direkt an der schwarzen Kirche, was ein Erlebnis für sich ist – aber rechne damit, dass die Preise hier wirklich in die Höhe schießen. Wenn du dagegen Wege suchst, etwas zu sparen, und es dir nichts ausmacht, ein Stück weiterzufahren, schau dir Unterkünfte in den Städtchen Hellissandur oder Ólafsvík an der westlichsten Spitze der Insel an, wo die Pensionen deutlich günstiger sind und du trotzdem direkt am Nationalpark bleibst.
💡 Konkrete Unterkunftstipps (Preise und Verfügbarkeit prüfst du über Booking.com, reserviere rechtzeitig – in der Saison und rund um die Sonnenfinsternis 2026 ist alles Monate im Voraus vergeben):
- Fosshótel Stykkishólmur (Stykkishólmur)
- Hótel Búðir (Búðir)
- Fosshótel Hellnar (Hellnar)
- Kast Guesthouse (Grundarfjörður)
Nordküste: Vom magischen Hafen bis zum berühmten Berg
Der nördliche Teil der Halbinsel empfing uns mit einer zerklüfteten Küste und einer Reihe kleiner Fischerdörfer, die wirken, als wäre in ihnen die Zeit stehengeblieben. Es ist genau der Teil, zu dem Menschen aufbrechen, wenn sie Inspiration suchen, was es auf der Halbinsel Snæfellsnes zu sehen gibt – denn genau hier liegen die meistfotografierten ikonischen Ausblicke. Die Straße entlang der Küste schlängelt sich wunderschön, alle paar Augenblicke öffnet sich vor dir der Blick auf den tiefblauen Ozean, und am Horizont zeichnen sich langsam die verschneiten Gipfel der hiesigen Riesen ab.
1. Das Städtchen Stykkishólmur und die Insel Flatey
Unsere Tagesfahrt haben wir symbolisch in der größten Stadt der Halbinsel gestartet, dem malerischen Stykkishólmur. Auch wenn du das Wort „größte“ auf Island mit riesiger Vorsicht genießen musst, denn in Wirklichkeit handelt es sich um ein ruhiges Dorf voller wunderschöner, kräftig bunter Holzhäuschen, die fantastisch mit dem stahlgrauen nordischen Himmel kontrastieren.

Es ist ein absolut perfekter Ort für einen Morgenkaffee oder den Einkauf von frischem Gebäck für unterwegs. Direkt neben dem Hafen erhebt sich das kleine Basaltinselchen Súgandisey, das du einfach zu Fuß über einen kurzen Damm erreichst. Wenn du bis zum auffällig roten Leuchtturm auf seinem Gipfel hinaufsteigst, öffnet sich dir ein unglaublicher Blick auf die riesige Bucht Breiðafjörður voller Tausender kleiner verstreuter Inselchen.
Genau von diesem lebhaften Hafen legt regelmäßig die bekannte Fähre Baldur ab, die die Halbinsel mit den weiter entfernten Westfjorden verbindet, konkret mit dem Hafen Brjánslækur. Unterwegs hält die Fähre an der zauberhaften und abgelegenen Insel Flatey, zu der in den Sommermonaten viele Ornithologen und Vogelbeobachtungs-Enthusiasten strömen.
Ein Einzelticket inklusive eines normalen Pkw kostet dich etwa 7.396 ISK (rund 50 €), und wenn du in der Sommerhauptsaison von Anfang Juni bis Ende August herkommst, fährt die Fähre in der Regel zweimal täglich. Für uns war das damals nicht aktuell, weil wir auf dem Festland weiterfuhren, aber wenn du eine längere Erkundung des Westens des Landes planst, ist das eine tolle logistische Abkürzung, die dir lange Stunden am Steuer erspart.
2. Das verborgene Lavafeld Berserkjahraun
Auf der Fahrt zwischen Stykkishólmur und dem bekannten Grundarfjörður wartet ein Halt auf dich, den die meisten Reiseführer ziemlich zu Unrecht übergehen. Das riesige Lavafeld Berserkjahraun entstand vor viertausend Jahren, als plötzlich drei nahe gelegene Vulkankrater ausbrachen. Anders als an vielen anderen Orten der Insel kommen hierher keine Menschenmassen, sodass du die dramatische Atmosphäre der verdrehten Lavabrocken, die dicht mit leuchtend grünem und unglaublich weichem Moos bewachsen sind, oft ganz für dich allein genießt.

Durch das Feld führt eine alte Schotterstraße, die für die meisten normalen Autos befahrbar ist, sofern nicht gerade die schlimmsten Winterbedingungen herrschen. Halte an einem der dafür vorgesehenen Plätze, geh ein Stück auf den markierten Wegen, und denk daran, dass isländisches Moos furchtbar langsam wächst – tritt also auf keinen Fall darauf. Den ganzen Ort begleitet zudem eine dunkle und blutige Legende aus alten Sagas über zwei schwedische Berserker, nach denen das Lavafeld schließlich seinen zungenbrecherischen Namen bekam.
3. Kirkjufell und Kirkjufellsfoss: Eine Ikone mit kleinem Haken
Wenn man Island sagt, fällt vielen Menschen sofort ein Berg in Form eines perfekten, gen Himmel zeigenden Pfeils ein, vor dem ein kleinerer Wasserfall tost. Das ist genau der Berg Kirkjufell (übrigens 463 Meter hoch), der in den letzten Jahren durch die Serie Game of Thrones noch berühmter wurde, in der er als der Berg in Form einer Pfeilspitze auftrat.

Ich würde dir aber die Wahrheit verschweigen, wenn ich nicht zugeben würde, dass uns dieser absolut ikonische Halt etwas enttäuscht hat und wir wohl überzogene Erwartungen hatten. Der Zauber jenes perfekten Postkartenmotivs liegt nämlich in einer sehr cleveren Komposition und der Kunst der Fotografen.
Der Wasserfall Kirkjufellsfoss selbst ist in Wirklichkeit recht klein, und um Berg und Wasser in ein einziges grandioses Bild zu bekommen, musst du dich genau an einer bestimmten Stelle rechts der Kaskaden in Richtung Berg positionieren, wo sich natürlich Scharen weiterer begeisterter Fotografen drängen. Trotzdem ist es ein Ort, den du einfach gesehen haben musst.
Der Parkplatz liegt direkt an der Straße, und seit Kurzem wird hier eine Gebühr von 1.000 ISK (etwa 7 €) pro Auto und Tag erhoben, die du am einfachsten über die beliebte App Parka.app bezahlst. Geh auf jeden Fall auch hinunter direkt unter den Wasserfall, wo sich der Berg bei schönem windstillem Wetter wunderschön in einer kleinen Lagune spiegelt.
💡 Tipp: Tickets und organisierte Ausflüge (auf Island und Umgebung) kaufst du am besten vorab online über GetYourGuide, in der Saison sind sie schnell ausgebucht.
4. Der goldene Strand Ytri Tunga und die Robben vor Ort
Dieser Ort ist ein kleines isländisches Paradoxon, denn auf einer Insel, die ansonsten für ihre schwarzen Vulkanstrände berühmt ist, taucht plötzlich ein Küstenabschnitt mit feinem goldenem Sand auf. Der Strand Ytri Tunga liegt auf der südlicheren Seite, aber logistisch lohnt sich der Abstecher hierher, vor allem wenn du wilde Tiere und Naturfotografie liebst. Die hiesige flache Küste voller aus dem Wasser ragender Steine hat sich nämlich eine recht große Kolonie niedlicher Seehunde als Ruheplatz ausgesucht.

Die größte Chance, sie zu sehen, wie sie sich faul auf den Felsen räkeln und ihren Speck in der Sonne wärmen, hast du vor allem in den Sommermonaten, etwa von Juni bis August. Wir hatten damals im Herbst kein großes Glück mit ihnen, der Ozean war schon zu wild und kalt, aber auch allein der Spaziergang am Strand mit dem Blick auf die Berge im Rücken war den kleinen Umweg wert.
Denk nur daran, dass Robben scheue Wildtiere sind, halte also auch zu deiner eigenen Sicherheit einen respektvollen Abstand von mindestens fünfzig Metern und achte darauf, sie nicht unnötig durch lautes Rufen oder Drohnen aufzuschrecken.
Nationalpark und die westlichste Spitze voller Lava
Wenn die Straße die Nordseite verlässt und sich zum eigentlichen Ende der Halbinsel hin krümmt, wird die Landschaft um dich herum aus dem Nichts dramatisch rauer. Du befindest dich im Schutzgebiet des Nationalparks Snæfellsjökull, wo sich saftiges Grün mit endlosen Lavafeldern abwechselt und über allem aufmerksam ein uralter Vulkan wacht, dessen weiße Spitze man an klaren Tagen sogar über die ganze Bucht hinweg vom fernen Reykjavík aus sehen kann.
5. Der Vulkan Snæfellsjökull und die Reise zum Mittelpunkt der Erde
Dieser riesige verschneite Berg ist der absolute Mittelpunkt des gesamten Nationalparks. In Wirklichkeit handelt es sich um einen unglaubliche 700.000 Jahre alten Stratovulkan, der sich majestätisch auf eine Höhe von 1.446 Metern über dem Meer erhebt und dessen Gipfel dauerhaft eine Gletscherschicht bedeckt. Vielleicht kommt dir sein Name aus dem Literaturunterricht bekannt vor, denn es war kein Geringerer als der berühmte französische Schriftsteller Jules Verne, der diesen Vulkankrater in seinem Roman „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ als Eingangstor zur geheimnisvollen Unterwelt wählte.


Auch wenn wir furchtbar gerne sagen würden, dass wir tapfer bis ganz nach oben gekraxelt sind, muss ich dir versichern, dass der Gletscher für den normalen Touristen eher eine faszinierende Kulisse zum Fotografieren aus der Ferne ist. Der eigentliche Aufstieg zum Gipfel ist eine ganztägige, sehr anstrengende Tour, die in der Regel schon unten in Arnarstapi beginnt. Aus Sicherheitsgründen erfordert sie die Begleitung eines erfahrenen lokalen Guides und spezielle Ausrüstung wie Steigeisen, Klettergurte und Eispickel, denn unterwegs musst du zwischen tiefen und tückischen Gletscherspalten manövrieren.
Wir haben uns deshalb mit der Bewunderung vom Fuß des Berges begnügt, wo die schwarze Lava in einem unglaublichen visuellen Kontrast auf den weißen Schnee trifft. Außerdem bestätigen auch die Guides die traurige Tatsache, dass der Gletscher selbst durch die Erderwärmung ziemlich schnell schrumpft.
6. Die Treppe in den Vulkankrater Saxhóll
Wenn du trotzdem das berauschende Gefühl genießen willst, auf dem Gipfel eines echten Vulkans zu stehen (und dich dabei nicht zu Tode schwitzen möchtest), mach einen kurzen Abstecher zum Krater Saxhóll. Dieser etwa hundert Meter hohe erloschene Vulkan ist heute sehr leicht zugänglich dank einer schmalen, gewundenen Metalltreppe, die die örtliche Parkverwaltung relativ kürzlich gebaut hat, um den extrem fragilen Vulkanboden vor völliger Zertrampelung und Erosion zu schützen.

Der Aufstieg dauert nur etwa zehn Minuten leichtes Ansteigen, sodass ihn problemlos auch kleinere Kinder schaffen, und oben öffnet sich dir ein atemberaubendes 360-Grad-Panorama. Auf der einen Seite breitet sich tief unter dir ein dunkles, zerklüftetes Lavafeld aus, das an eine Mondlandschaft erinnert, und auf der anderen die endlose silberne Fläche des Atlantiks. Der Wind kann hier so unglaublich stark wehen, dass du zeitweise das Gefühl hast, er würde dich direkt in den Ozean blasen – vergiss also nicht, deine Mütze ordentlich festzuzurren.
7. Der Abstieg in die völlige Dunkelheit der Höhle Vatnshellir
Wenn wir schon von der Reise zum Mittelpunkt der Erde sprechen – etwas sehr Ähnliches kannst du auch in echt ausprobieren. Der rund 8.000 Jahre alte Lavatunnel Vatnshellir ist eines der zugänglichsten unterirdischen Systeme ganz Islands. Anders als in den gewöhnlichen Kalksteinhöhlen bei uns, wo du Stalaktiten bewunderst, siehst du hier überwältigende Wände aus erstarrter Basaltlava, leuchtende Mineralfarben und unglaubliche Naturgebilde, die der wälzende Strom geschmolzenen Gesteins hinterlassen hat.

Die Höhle darf man ausschließlich in Begleitung eines professionellen Guides betreten. Vor dem Eintritt bekommst du einen schicken Helm mit Stirnlampe und steigst über eine steile Wendeltreppe Dutzende Meter in die absolute und greifbare Dunkelheit hinab. Es ist ein absolut großartiges Erlebnis, besonders wenn der Guide mitten in der Höhle alle Besucher bittet, für einen Moment die Stirnlampen auszuschalten und in die vollkommene Stille der Unterwelt hineinzuhören.
Das Ticket für Erwachsene kostet aktuell 5.400 ISK (etwa 37 €), Jugendliche von 12 bis 17 Jahren zahlen 2.400 ISK, und kleinere Kinder haben freien Eintritt. In der Sommersaison finden die Führungen, die du vorab über die offizielle Website des Betreibers buchen kannst, regelmäßig zu jeder vollen Stunde etwa von zehn Uhr morgens bis sechs Uhr abends statt.
Südküste: Dramatische Klippen und die geheimnisvolle schwarze Kirche
Während der Norden den ruhigen Fischerhäfen und melancholischen Bergen gehörte, stemmt sich die Südseite mit voller Wucht gegen den wütenden Ozean. Wenn du überlegst, ob es überhaupt Sinn macht, beide Seiten in den Reiseplan aufzunehmen, dann verspreche ich dir ehrlich: Genau der Süden birgt das absolut Beste, was ein Besuch der Halbinsel Snæfellsnes den Reisenden bietet. Hier spazierst du über einen schwarzen Strand voller verrosteter Schiffswracks und verbringst den Abend an Orten, wo die alten isländischen Sagas wieder lebendig werden.
8. Die Hebesteine am Strand Djúpalónssandur
Der Strand Djúpalónssandur klingt zwar wie der perfekte Zungenbrecher, ist aber einer der ikonischsten und rauesten Orte der Insel. Der Weg zur aufgewühlten Küste führt durch zerklüftete Lavagebilde und seltsam verdrehte Felswände. Der Strand selbst besteht nicht aus feinem Sand, sondern aus glatten schwarzen Kieselsteinen, und seine Hauptattraktion gleich am Eingang sind die vier legendären Hebesteine. An ihnen maßen einst die ortsansässigen Fischer ihre rohe Kraft, um dem Kapitän zu beweisen, dass sie der harten Arbeit auf dem Fischerboot würdig waren.


Die Steine haben ihre Namen und ihr genaues Gewicht. Es sind Fullsterkur, also Volle Kraft (154 kg), Hálfsterkur als Halbe Kraft (100 kg), der Schwächling Hálfdrættingur (54 kg) und schließlich die kleine Null namens Amlóði (23 kg). Um damals überhaupt einen schlecht bezahlten Platz an Bord zu bekommen, musstest du mindestens den fünfzig Kilo schweren Schwächling etwa auf Hüfthöhe heben. Probier es ruhig aus, aber ehrlich – wir hatten mit Lukáš schon Mühe, selbst den leichtesten vom Boden zu lösen, geschweige denn ihn bis zu den Knien zu manövrieren. 😅
Am Strand sind außerdem nachlässig verstreute verrostete Eisenwracks, die von dem britischen Fischerboot Epine GY 7 übrig blieben, das hier während eines furchtbaren Sturms im Jahr 1948 strandete. Das Wrack dient als Denkmal für die Opfer, deshalb ist es strengstens verboten, irgendetwas davon mitzunehmen.
Sei beim Gehen entlang des Wassers extrem vorsichtig – die hiesigen heimtückischen Wellen, die auf Englisch sneaker waves genannt werden, sind unberechenbar, also dreh dem Meer niemals, wirklich niemals den Rücken zu. Die Warnungen kannst du auch auf der offiziellen Sicherheitswebsite Safetravel.is verfolgen.
9. Lóndrangar oder die grandiose Felsenburg
Wenn du vom Strand weiter auf der Straße fährst, tauchen am Horizont unvermittelt zwei riesige Basalttürme auf, die frech direkt über dem tosenden Ozean aus der Klippe ragen. Die Türme Lóndrangar erreichen eine stattliche Höhe von 75 und 61 Metern und erinnern aus der Ferne tatsächlich optisch an die Ruinen einer riesigen, zerfallenden gotischen Burg. Sie sind eigentlich die einzigen Überreste eines uralten Vulkankraters, dessen weichere Teile über Jahrtausende von der unermüdlichen Brandung und der Witterung abgeschliffen wurden, bis nur noch dieser extrem harte Lavakern übrig blieb.

Das Auto kannst du auf dem nahen Schotterparkplatz abstellen und dich auf einen bequemen Pfad begeben, der dich bis zu den sicheren Aussichtsplattformen auf den Klippen führt. Von ihnen hast du einen absolut fantastischen Blick nicht nur auf die Basalttürme selbst, sondern auch auf Tausende brütender Seevögel, die elegant in den starken Luftströmungen hoch über den schäumenden azurblauen Wellen schweben.
10. Die Dörfchen Arnarstapi und Hellnar: Unsere Herzensangelegenheit
Wie ich schon gleich am Anfang angedeutet habe, hat dieser konkrete Teil der Insel unser Herz wohl von allen gesehenen Orten am allermeisten erobert. Das Dörfchen Arnarstapi selbst, das im Grunde nur aus ein paar verstreuten Häuschen besteht, ist ausgesprochen zauberhaft, aber das wahre Naturjuwel verbirgt sich unten an der Küste.


Direkt über den tiefen Klippen beginnt hier nämlich ein etwa zweieinhalb Kilometer langer Wanderweg, der dich direkt an der Kante des Ozeans entlang bis ins benachbarte, vielleicht noch kleinere und abgelegenere Dörfchen Hellnar führt. Es ist ein völlig anspruchsloser Spaziergang fast in der Ebene, sodass du ihn absolut entspannt auch mit Kindern schaffst, und in eine Richtung dauert er etwa eine Dreiviertelstunde reine Gehzeit.
Während des gemächlichen Gehens passierst du fantastische, durch Meereserosion entstandene Lavabögen und tiefe Höhlen, in die sich mit ohrenbetäubendem Getöse unablässig das Wasser ergießt. Das bekannteste Felsentor auf der Strecke ist Gatklettur, durch das du bei günstigem Wetter und Licht fantastische Aufnahmen machst, auf denen sich im Hintergrund der weiße Gletscher abzeichnet.
In Arnarstapi empfängt dich übrigens gleich am Anfang des Wanderwegs eine unerwartet riesige Steinstatue der mythologischen Gestalt namens Bárður Snæfellsás. Den alten isländischen Sagas zufolge handelt es sich um ein Wesen, halb Mensch, halb furchterregender Riese, das vom Gipfel des Gletschers aus die ganze Halbinsel dauerhaft vor bösen Geistern schützt.
11. Búðakirkja: Die legendäre schwarze Kirche in der Einöde
Wohl kein ordentlicher isländischer Reiseplan wäre je vollständig, fehlte in ihm die berühmte Holzkirche Búðakirkja. Ihre große Besonderheit liegt nicht in der Architektur oder Größe, sondern darin, wie unglaublich scharf und kontrastreich sie gegenüber ihrer wilden Umgebung wirkt. Der kleine, mit kräftigem Teer schwarz gestrichene Bau mit auffälligen weißen Fensterrahmen steht einsam inmitten eines riesigen Lavafelds, das dicht mit goldenem Gras bewachsen ist. Auf der einen Seite bildet das Meer die Kulisse, auf der anderen der verschneite Vulkan.


Das heutige Gebäude stammt zwar erst von Ende der achtziger Jahre, als es neu errichtet wurde, aber die Geschichte dieses geweihten Ortes reicht tief ins neunzehnte Jahrhundert zurück. Von außen kannst du die Kirche problemlos jederzeit fotografieren, aber nach innen kommst du unter normalen Umständen leider nicht, denn sie dient ausschließlich für private kirchliche Zeremonien.
Sie ist sogar einer der beliebtesten und begehrtesten Orte ganz Islands, an dem sich Brautpaare aus aller Welt mit großem Tamtam das Jawort geben – denn die Hochzeitsfotos mit dem Gletscher im Hintergrund müssen einfach atemberaubend sein.
Wo du auf Snæfellsnes gut essen kannst
Ich muss ganz offen zugeben, dass die traditionelle isländische Küche historisch stark auf frischem Fisch, einheimischem Lammfleisch und Milchprodukten basiert, was für uns als lebenslange Vegetarier bedeutet, dass das Speisenangebot in abgelegenen Regionen außerhalb der Hauptstadt manchmal ziemlich begrenzt war.
Während unserer Reise haben wir mit Lukáš deshalb vor allem auf ehrliches Selberkochen aus im bekannten Supermarkt Bónus gekauften Zutaten gesetzt, aber trotzdem findest du hier ein paar tolle Orte, an denen du dich nach einem ganzen Tag des Frierens in Windböen hervorragend aufwärmen kannst.
Direkt im Städtchen Stykkishólmur können wir definitiv einen Halt im ausgezeichneten Restaurant Narfeyrarstofa empfehlen. Wir hatten dort nämlich einen absolut fantastischen und ehrlichen vegetarischen Burger, den sie von Grund auf aus eigenen Zutaten zubereiten, dazu hervorragenden heißen Kaffee, der nach dem morgendlichen Frost unglaublich gutgetan hat. Das Lokal ist sehr gemütlich, hübsch eingerichtet, und das Personal ist überaus freundlich.
Eine weitere beliebte Wahl, besonders wenn du dich gerade in der Nähe des populären Bergs Kirkjufell aufhältst, ist das Restaurant Bjargarsteinn Mathús am Wasser im Hafen von Grundarfjörður. Es ist ein sehr bekanntes und renommiertes Lokal, das zwar auf lokale Fisch- und Fleischspezialitäten setzt, die sich die normalen Touristen gönnen, aber glücklicherweise denken die Köche immer auch an Plant-based-Gäste. Sie zaubern dir dort einen hervorragenden, sättigenden und wunderschön angerichteten fleischlosen Gang, der qualitativ überhaupt nicht hinter dem Rest der Speisekarte zurücksteht.
Falls dich dann mitten beim Fotografieren der Klippen im Süden eine akute kleine Krise packt, steuere direkt das sehr einfache Bistro Arnarstapi Center an, wo du dich außergewöhnlich schnell mit einer ziemlich ehrlichen fleischlosen Suppe aufwärmen und dazu ein ordentliches Stück frisches lokales Brot mit Butter essen kannst.
Praktische Tipps zum Schluss und woran du sparen kannst
Reisen auf Island gehört nicht gerade zu den günstigsten Hobbys, aber wenn du weißt, wie es geht, lässt sich das Budget ziemlich clever optimieren. Hier sind ein paar praktische Ratschläge, die sich für uns mit Lukáš auf Reisen durch den rauen Norden und überall sonst immer bewährt haben:
Wie du das unberechenbare Wetter im Blick behältst
Grundregel Nummer eins auf Island ist, dass sich das Wetter hier buchstäblich im Minutentakt ändern kann. Dass morgens beim Frühstück die Sonne scheint, bedeutet absolut nicht, dass du nicht gleich hinter dem ersten Hügel auf einen heftigen Schneesturm triffst. Die offizielle App und Website Nummer eins ist für dich der Isländische Wetterdienst (Vedur.is), wo du nicht nur eine zuverlässige Niederschlags- und Windvorhersage findest, sondern abends auch eine tolle Bewölkungskarte, die für die erfolgreiche Jagd nach den Polarlichtern unverzichtbar ist.
⚠️ Sonnenfinsternis im August 2026
Wenn du deine Traumreise nach Island im August 2026 planst, solltest du lieber schnell aufmerksam werden. Genau am 12. August erlebt Island nämlich eine totale Sonnenfinsternis, und was wichtig ist: Der ideale Totalitätsstreifen durchquert genau unsere geliebte Halbinsel Snæfellsnes und Reykjavík.
Auf der Halbinsel wird deshalb ein riesiges Festival vorbereitet, und laut offiziellen Informationen zum Event schießen schon jetzt die Preise pro Bett in ungeahnte astronomische Höhen, wobei Pensionen locker 700 Dollar für eine gewöhnliche Nacht verlangen. Wenn du keine Reservierung ein Jahr im Voraus hast, stell dich darauf ein, dass Logistik und Preise im August extrem sein werden.
Wo du Flüge findest
Günstige Flüge nach Island findest du am besten über gängige Vergleichsportale wie Skyscanner oder Google Flights, wo du dir auch kompliziertere Umstiege schön zusammenstellen kannst. Mittlerweile gibt es aber auch sehr ordentliche Direktflüge ab Deutschland – zum Beispiel mit Icelandair oder PLAY ab Frankfurt, München und Berlin – sodass du dir den Stress mit den Koffern beim Umsteigen ersparst.
Mietwagen und die tückischen Benzinzahlungen
Wir nutzen üblicherweise bewährte Vergleichsportale für Mietwagen. Vergiss bei der Buchung eines Autos auf Island NIEMALS, in Ruhe die Versicherung gegen Steinschlagschäden (bekannt als Gravel Protection) dazuzubuchen. Sehr oft fährst du nämlich vom schönen glatten Asphalt auf eine staubige Schotterstraße, und herumfliegende Steinchen von schnell entgegenkommenden Autos sind eine ganz normale Sache, die dir ohne Versicherung ein großes Loch ins Budget reißt.
Island ist zwar ein völlig bargeldloses Land, in dem du selbst auf den Toiletten mit dem Handy per Karte zahlst, aber sei sehr vorsichtig bei den Selbstbedienungstankstellen (N1) und an älteren Parkautomaten. Dort fehlt nämlich oft ein Lesegerät für Apple/Google Pay, und alte Säulen verlangen nach dem Einstecken einer physischen Plastikkarte kompromisslos die Eingabe der PIN – also frisch ihn vor dem Abflug lieber in deinem Gedächtnis auf.
Buchung einer Unterkunft mit Küche
Booking.com ist seit Jahren unsere beliebteste Suchmaschine für Hotels und Privatunterkünfte. Persönlich empfehle ich immer, die Suchergebnisse sorgfältig nach Ausstattung zu filtern und gezielt nur Zimmer mit Zugang zu einer Gemeinschafts- oder Privatküche auszuwählen. Die vielen gesparten Euro für überteuerte isländische Abendessen kannst du dann lieber ohne Reue in Fährtickets oder Höhleneintritte investieren.
Vergiss nicht auf eine gute Versicherung
Für die üblichen kürzeren Reisen innerhalb Europas wählen wir eine zuverlässige Reiseversicherung, und für die längeren oder komplizierteren Reisen um die halbe Welt setzen wir zu hundert Prozent auf Anbieter mit wirklich gutem Schutz auch für anspruchsvollere Treks. Für Island lohnt sich außerdem eine eSIM von Holafly, damit du auch in den abgelegensten Ecken der Halbinsel mobil online bleibst.
Wohin als Nächstes auf Island
Wenn du mehr Zeit auf der Insel hast und dich interessiert, was du noch in deinen Reiseplan aufnehmen kannst, schau auch in unsere älteren Artikel vom Roadtrip. Vielleicht findest du in ihnen genau die Inspiration, die deiner Reise das i-Tüpfelchen verleiht. 😉
- Was du in Reykjavík sehen und erleben kannst: Die bunte Hauptstadt
- Der komplette Island-Reiseführer für Einsteiger
- Unser großer Reiseplan für den Roadtrip um die Insel
- Wo du dich garantiert aufwärmst: 16 der besten heißen Quellen
🚗 Mietwagen auf Reisen
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Autovermietungen in Island vergleichen →Häufig gestellte Fragen
Lässt sich die Halbinsel Snæfellsnes an einem einzigen Tag von Reykjavík aus schaffen?
Ja, das schaffen Sie auf jeden Fall, aber stellen Sie sich im Voraus auf einen ziemlich anstrengenden Tag ein, den Sie überwiegend hinter dem Steuer verbringen werden. Die Hin- und Rückfahrt sowie die gesamte große Rundfahrt um die Halbinsel bedeuten etwa 500 gefahrene Kilometer, was Ihnen zusammen mit den langsamen Fahrten, kurzen Spaziergängen und dem Fotografieren 10 bis 12 Stunden in Anspruch nehmen wird. Damit Sie den Ausflug wirklich genießen können, die Atmosphäre aufsaugen und nicht unnötig zur Unterkunft hetzen müssen, lohnt es sich eindeutig, dort mindestens eine Nacht zu übernachten.
2. Ist die Halbinsel besser und schöner als der berühmte Golden Circle?
Diese zwei Gebiete lassen sich schwer vergleichen, da jedes ein etwas anderes Erlebnis bietet. Die Halbinsel Snæfellsnes bietet eine wesentlich größere Vielfalt an einem Ort, vom Vulkangletscher über gefährliche schwarze Strände bis hin zu Robbenkolonien. Der Golden Circle liegt logistisch viel näher an der Hauptstadt, ist zugänglicher und dort findet man den berühmten spuckenden Geysir. Snæfellsnes ist jedoch ein deutlich ruhigeres Reiseziel, wo man selbst in der Hochsaison weitaus weniger Touristenmassen erlebt. Wenn ihr Zeit habt, solltet ihr auf keinen Fall eines der beiden auslassen.
3. Ist der so oft fotografierte Berg Kirkjufell nicht ein bisschen überbewertet?
Es hängt sehr von deinen persönlichen Erwartungen und Einstellungen ab. Der erwähnte Wasserfall vor dem ikonischen Berg ist in Wirklichkeit ziemlich klein und der Hauptzauber des ganzen Ortes liegt wirklich nur in einer einzigen sehr spezifischen fotografischen Komposition. Der Ort ist in der Sommersaison zudem stark von Menschen überlaufen. Es lohnt sich definitiv, ihn mit eigenen Augen zu sehen, aber erwarte keine gewaltige und ohrenbetäubende Wassermasse wie bei anderen isländischen Giganten, wie zum Beispiel dem Gullfoss im Süden.
Wie viel kostet der Eintritt in die Lavahöhle Vatnshellir genau und kann ich alleine reingehen?
Nein, das Betreten der tiefen Höhle auf eigene Faust ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen streng verboten und nur mit einem zertifizierten Führer und einem geliehenen Helm mit Stirnlampe möglich. Ein Erwachsenenticket kostet Sie derzeit 5.400 ISK (etwa 38 EUR). Jugendliche von 12 bis 17 Jahren zahlen einen deutlich ermäßigten Betrag von 2.400 ISK und die kleinsten Kinder bis 11 Jahre haben in Begleitung ihrer Eltern freien Eintritt.
Ist es möglich, den Gletscher Snæfellsjökull ohne Führer zu besteigen?
Auf keinen Fall, jeder Versuch, den steilen Gipfel des Vulkans zu besteigen, der dauerhaft von einem tückischen Gletscher bedeckt ist, ist äußerst gefährlich aufgrund Dutzender tiefer Spalten im Eis, die oft von einer dünnen Schneeschicht verborgen werden. Es handelt sich um eine technisch anspruchsvolle Ganztagsexpedition, für die ihr unbedingt nicht nur einen sehr erfahrenen lokalen Führer benötigt, der das Gelände kennt, sondern auch schwere Spezialausrüstung in Form von Steigeisen, festen Klettergurten und langen Eispickeln.
6. Welche Städtchen eignen sich am besten als Basis für Unterkunft und Ausflüge?
Die Auswahl hängt sehr davon ab, woher genau ihr anreist und welches Budget ihr habt. Eine absolut großartige Infrastruktur sowie Restaurants bietet das größere nördliche Städtchen Stykkishólmur. Wenn ihr direkt am berühmten Berg wohnen möchtet, sucht nach Hostels in Grundarfjörður. Für Romantiker, die nicht unter Geldmangel leiden und direkt auf den Klippen mit luxuriösem Meerblick aufwachen möchten, sind die fantastischen Siedlungen Arnarstapi, Hellnar oder die unmittelbare Umgebung der ikonischen Kirche in Búðir perfekt. Für günstigere Varianten sucht nach Unterkünften in Hellissandur.
Lässt sich die Halbinsel auch während des harten isländischen Winters sicher mit dem Auto bereisen?
Ja, das geht auf jeden Fall. Die Hauptringstraße Nummer 54 auf der Halbinsel ist komplett asphaltiert und wird auch im Winter von Schneepflügen geräumt, allerdings sind ständiger Nachschub an frischem Schnee, rutschiges Eis und extrem starker Seitenwind hier von November bis März buchstäblich an der Tagesordnung. In diesen Wintermonaten braucht ihr daher unbedingt ein zuverlässiges Auto mit Allradantrieb (4×4), qualitative Winterreifen (idealerweise mit Spikes) und vor allem eine gehörige Portion Respekt vor der launischen nordischen Natur. Überprüft regelmäßig die Straßenverhältnisse auf Umferdin.is.
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