Schwedisch Lappland nimmt ein ganzes Viertel der Fläche Schwedens ein, doch hier leben gerade einmal zwei Prozent der gesamten Bevölkerung des Landes. In der Praxis bedeutet das: In dieser riesigen nordischen Wildnis triffst du höchstwahrscheinlich mehr Rentiere als Menschen. Wenn du ein Weihnachtsmanndorf und kommerziellen Weihnachtstrubel suchst, musst du zu unseren Nachbarn nach Finnland reisen – hier herrschen stattdessen eine ursprüngliche, raue und unglaublich stille arktische Wildnis.
Der Winter nördlich des Polarkreises ist nicht einfach nur eine normale Jahreszeit, sondern eher ein eigenständiges Universum voller Extreme und Kontraste. Mehrere Wochen lang geht die Sonne überhaupt nicht über dem Horizont auf, und die Temperaturen fallen regelmäßig auf Werte, bei denen dir sogar der Atem am Kragen deiner Jacke gefriert. Dafür wirst du mit einem dunklen Himmel belohnt, der nachts in grüner Plasmapracht explodiert, und mit endlosen Ebenen aus glitzerndem Schnee, die sich bis zum Horizont erstrecken.
Ich habe diese Tipps für dich zusammengestellt, damit du deine Reise in den Norden wirklich in vollen Zügen genießen kannst und weißt, wo du sparen kannst und worauf du achten solltest. Ich verrate dir, wo du strategisch günstig übernachtest, wie du die richtige Hundeschlittenfahrt auswählst und was dieses arktische Abenteuer insgesamt kostet. Außerdem erfährst du, wann die beste Reisezeit ist, um entweder den Wolken aus Sommermücken oder den härtesten Winterfrösten aus dem Weg zu gehen.

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Beste Ausgangsbasis: Für die Polarlichtsuche ist das Dorf Abisko mit seinem wolkenarmen Mikroklima unschlagbar, für Aktivitäten und eine gute Infrastruktur eignet sich die Stadt Kiruna.
- Hundeschlitten und Schneemobile: Diese Aktivitäten bilden den Kern des Wintervergnügens. Plane dafür aber ein großzügiges Budget ein, denn die Preise für eine halbtägige Tour beginnen meist bei 80 bis 140 Euro.
- Eishotel: Das ikonische ICEHOTEL in Jukkasjärvi kannst du für 325 SEK auch nur bei einer Tagesbesichtigung besuchen – eine tolle Alternative zur teuren Übernachtung bei eisigen Temperaturen.
- Samische Kultur: Die indigene Bevölkerung des Nordens ist keine Touristenattraktion, sondern ein stolzes Volk mit eigenem Parlament, dessen Wintermarkt in Jokkmokk zu den Höhepunkten der Saison gehört.
- Wandern im Sommer: Der legendäre Kungsleden (Königsweg) bietet 440 Kilometer Trekkingroute mit einer hervorragenden Infrastruktur aus Berghütten, sodass du kein eigenes Zelt brauchst.
- Anreise in den Norden: Aus Deutschland erreichst du ihn am besten per Flug über Stockholm nach Kiruna; alternativ kannst du dich für eine romantische Fahrt im arktischen Nachtzug entscheiden.
- Budget: Während du mit einem Reiseveranstalter für eine Woche mehr als 70.000 Kč bezahlst, kommst du auf eigene Faust problemlos mit 25.000 Kč pro Person aus.

Der komplette Reiseführer: Schweden — Reiseführer und Highlights
Wann du nach Schwedisch Lappland reisen solltest
Die Wahl der richtigen Jahreszeit ist für eine Reise in den Norden entscheidend, denn Lappland verändert sich von Monat zu Monat völlig. Wenn Polarlichter und Winteraktivitäten dein Hauptziel sind, öffnet sich das ideale Zeitfenster im Februar und März. Dann werden die Tage bereits länger, die Sonne hat Kraft und der Schnee bildet perfekte glitzernde Verwehungen – gleichzeitig gibt es noch genügend Dunkelheit für das grüne Schauspiel am Abendhimmel. Dezember und Januar bieten zwar die magische Polarnacht, in der die Sonne überhaupt nicht aufgeht und die Landschaft in faszinierenden blauen und violetten Schatten versinkt, doch du musst mit extremer Kälte bis zu minus 30 Grad rechnen.
Der Sommer nördlich des Polarkreises ist eine völlig andere Welt, die vom Phänomen der Mitternachtssonne geprägt wird. Im Juni und Juli ist es 24 Stunden am Tag hell – perfekt für lange Bergwanderungen oder nächtliches Angeln an den Seen. Die Sommermonate haben allerdings einen großen Haken: riesige Schwärme von Mücken und winzigen stechenden Fliegen, die Knott genannt werden. Bei Windstille können sie dich am Wasser förmlich bei lebendigem Leib auffressen.
Erfahrene Reisende empfehlen deshalb häufig, erst Ende August oder Anfang September zu den sommerlichen Treks aufzubrechen, wenn die sogenannte Ruska-Zeit beginnt. Die ersten Nachtfröste beseitigen die Insekten zuverlässig, und außerdem verwandelt sich die Natur in unglaublich leuchtende Herbstfarben. Das Polarlicht im September hat dann einen besonderen visuellen Vorteil: Die Seen sind noch nicht zugefroren, sodass sich die grünen Lichter wunderschön direkt auf der Wasseroberfläche spiegeln.

Wo du in Schwedisch Lappland übernachten kannst
💡 Unterkunfts- und Erlebnistipp: Wir suchen unsere Unterkünfte am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornierungsbedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lassen sich gut über GetYourGuide vergleichen und buchen.
Die Grundlage für ein gelungenes arktisches Abenteuer ist eine gute logistische Planung und die Wahl einer Unterkunft, die zu deiner Reiseroute passt. Die Entfernungen im Norden sind riesig. Deshalb lohnt es sich nicht, nur auf einen einzigen Ort zu setzen, sondern vielmehr mehrere Standorte zu kombinieren – je nachdem, was du gerade unternehmen möchtest. Wenn du nach Kiruna fliegst und eine komfortable Unterkunft mit einem Hauch von Luxus suchst, solltest du dir unbedingt das Camp Ripan ansehen. Das Resort bietet wunderschöne, freistehende Hütten mit großen Fenstern und ein fantastisches arktisches Wellnesszentrum, in dessen Saunen du dich nach einem Tag in der Kälte wieder aufwärmen kannst. Eine tolle moderne Alternative direkt im neu errichteten Stadtzentrum ist das Scandic Kiruna, das mit einem reichhaltigen Frühstück und der hervorragenden Anbindung an den öffentlichen Verkehr punktet.
Für Polarlichtjäger ist es ein absolutes Muss, zum See im Nationalpark Abisko weiterzureisen. Dort befindet sich die legendäre Bergstation STF Abisko Turiststation. Sie bietet alles – von günstigeren Betten in Mehrbettzimmern bis zu privaten Hotelzimmern und separaten Hütten. Reservieren musst du viele Monate im Voraus, denn in der Hochsaison ist die Unterkunft oft hoffnungslos ausgebucht.
Wenn dich eher die Küste und das zugefrorene Meer reizen, ist das moderne Luleå der ideale Ausgangspunkt. Im Clarion Hotel Sense blickst du direkt auf die Eisflächen der Bucht. Eine besondere Erwähnung verdient außerdem das Skigebiet Åre, das zwar etwas weiter südlich in der Region Jämtland liegt, aber als perfektes Tor zum Norden dient. Designliebhaber und Fans erstklassigen Service finden hier die Copperhill Mountain Lodge – ein riesiges Holzhotel, das mit eigener Seilbahn direkt auf dem Berggipfel thront und mit luxuriösen Kupferdetails ausgestattet ist.

Wo du in Schwedisch Lappland essen kannst
Wenn du nach einem langen Tag in der eiskalten Luft hungrig wirst, bringt dich die schwedische Küche garantiert wieder auf die Beine. Trotz der höheren Preise findest du hier hervorragende Restaurants, die mit hochwertigen arktischen Zutaten kochen – darunter Rentierfleisch, arktischer Fisch und Moltebeeren.

Unsere Tipps für konkrete Restaurants
In Kiruna solltest du dir das Restaurant Spis Mat & Dryck nicht entgehen lassen. Es bietet hervorragende Mittagsmenüs und verwandelt sich am Abend in ein gemütliches Lokal mit fantastischer Atmosphäre. Für Kaffeeliebhaber und Fans der traditionellen Fika ist das Café Safari ein Muss – hier gibt es die besten Zimtschnecken weit und breit. Wenn du nach Jokkmokk kommst, statte dem Restaurant Restaurang Ájtte direkt im Museum einen Besuch ab. Dort gibt es perfekte vegetarische Suppen und traditionelle nordische Spezialitäten. Und wenn du dir ein echtes Gourmet-Erlebnis wünschst, serviert das Icehotel Restaurant in Jukkasjärvi ein luxuriöses arktisches Degustationsmenü, das du so schnell nicht vergessen wirst.

20 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Schwedisch Lappland
Schauen wir uns gemeinsam die besten Tipps und Aktivitäten an, die der schwedische Norden zu bieten hat. Ich verrate dir, wie du bei teuren Eintrittspreisen sparen kannst und worauf du bei extremer Kälte besonders achten solltest.

1. Kiruna und der einzigartige Umzug einer ganzen Stadt
Deine Reise beginnt höchstwahrscheinlich in Kiruna, einer Stadt mit einem ausgesprochen faszinierenden Schicksal. Sie liegt direkt auf einem riesigen Vorkommen hochwertigen Eisenerzes, das hier vom staatlichen Unternehmen LKAB im größten unterirdischen Bergwerk seiner Art weltweit abgebaut wird. Der Abbau ist inzwischen so umfangreich, dass er die Fundamente der Stadt selbst untergraben hat und dem Zentrum tatsächlich der Einsturz in den Boden drohte. Deshalb beschlossen die Schweden einen beispiellosen Schritt: Die gesamte Stadt wird nach und nach drei Kilometer weiter nach Osten verlegt.
Die ganze Welt verfolgt diesen gigantischen Prozess gespannt. Der Umzug der mehr als hundert Jahre alten Holzkirche Kiruna kyrka war für das Jahr 2025 geplant. Das 672 Tonnen schwere und vierzig Meter breite Bauwerk wird als Ganzes über eine fünf Kilometer lange Strecke an seinen neuen Standort transportiert – eine technische Operation, wie sie die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Sobald dieses architektonische Juwel sicher im neuen Zentrum steht, kannst du eine Stadt besichtigen, die direkt vor deinen Augen neu entsteht.
💡 Tipp: Wenn du dich für Industriegeschichte interessierst, solltest du unbedingt eine Führung durch das LKAB-Bergwerk reservieren. Ein Bus bringt dich mehrere hundert Meter unter die Erde zu einem weitläufigen Besucherzentrum. Dort verstehst du mit eigenen Augen, warum eine ganze Stadt mit rund 100.000 Einwohnern in Bewegung gesetzt werden musste. Verfügbarkeit und Zeiten der Führungen ändern sich je nach aktuellem Bergbaubetrieb, daher solltest du deine Tickets rechtzeitig online sichern.

2. Das ICEHOTEL in Jukkasjärvi und eine Nacht im Gefrierschrank
Etwa zwanzig Autominuten von Kiruna entfernt findest du ein Phänomen, das den Wintertourismus in Skandinavien gewissermaßen definiert hat. Das örtliche ICEHOTEL ist das erste Eishotel der Welt; seine Geschichte begann bereits 1989. Jeden Herbst schneiden Arbeiter aus dem nahe gelegenen Torne Älv riesige Blöcke kristallklaren Eises, aus denen Künstler aus aller Welt ein völlig neues, atemberaubendes Bauwerk errichten. Im Frühjahr schmilzt die gesamte Pracht einfach dahin und fließt zurück in den Fluss. Für die Saison 2026/2027 öffnet bereits die 37. Ausgabe.
Eine Nacht im Eiszimmer ist ein Erlebnis zwischen Luxus und arktischer Expedition. Die Temperatur im Inneren bleibt konstant bei minus fünf Grad. Du schläfst in einem speziellen isolierten Schlafsack auf einem mit Rentierfellen bedeckten Bett. Toiletten und Duschen findest du natürlich nicht im Zimmer: Mitten in der Nacht musst du dich anziehen und durch einen eiskalten Flur in das beheizte Nachbargebäude laufen. Der Preis für diesen frostigen Spaß beginnt bei etwa 6.000 SEK (rund 13.200 Kč); luxuriösere Kunstsuiten kosten noch deutlich mehr.
💡 Tipp: Die überwältigende Mehrheit der Besucher ist sich einig, dass ein Tagesticket für 325 SEK völlig ausreicht (etwa 715 Kč). So kannst du in Ruhe alle Eissäle besichtigen, einen Drink in der ICEBAR genießen und zum Schlafen in eine ganz normale, angenehm beheizte Pension zurückkehren. Dank der neuen, mit Solarenergie gekühlten Halle ICEHOTEL 365 kannst du die Eisskulpturen sogar mitten im Sommer bewundern.

3. Hundeschlittenfahrt und die Stille des arktischen Waldes
Eine Hundeschlittenfahrt, auch Husky-Safari genannt, ist neben den Polarlichtern der wichtigste Grund, warum Menschen in den Norden reisen. Die Stille des verschneiten Waldes, die nur vom fröhlichen Hecheln der Hunde und dem Knirschen des Schlittens unterbrochen wird, wirkt geradezu hypnotisch. Eine halbtägige Tour kostet normalerweise zwischen 80 und 140 Euro pro Person. Das ist zwar nicht wenig, aber das Erlebnis ist jeden Euro wert.
Überlege dir bei der Buchung gut, ob du den Schlitten selbst lenken oder dich nur fahren lassen möchtest. Ein begeistertes Hundegespann zu steuern ist körperlich durchaus anstrengend: Du musst den Schlitten in den Kurven ausbalancieren und die Hunde bergauf aktiv durch Abstoßen unterstützen. Der große Adrenalinkick geht also mit einer ordentlichen sportlichen Leistung einher. Wenn du dir bei deiner Kondition nicht sicher bist, ist die Variante mit einem Guide am Steuer absolut vollwertig und deutlich entspannter. So kannst du die gesamte Fahrt in Ruhe fotografieren.
💡 Tipp: Viele Anbieter sagen Fahrten aus Sicherheitsgründen ab, sobald die Temperatur unter minus 20 Grad fällt. Eiskalte Luft während körperlicher Anstrengung einzuatmen, ist für Menschen und Tiere gefährlich. Dezember und Januar sind oft extrem kalt, deshalb sind Februar und März für diese Aktivität statistisch deutlich zuverlässiger.

4. Schneemobile für Adrenalinliebhaber
Während Hunde für Romantik und Verbundenheit mit der Natur stehen, bedeuten Schneemobile puren Adrenalinrausch und enorme Effizienz. Sie sind mit Abstand die beste Möglichkeit, in kurzer Zeit tief in die unwegsame Wildnis, zu gefrorenen Seen und über endlose weiße Ebenen vorzudringen. Für das Fahren dieser kräftigen Maschine brauchst du lediglich einen gültigen normalen Autoführerschein. Die Preise ähneln denen der Hundeschlittentouren und liegen zwischen 80 und 130 Euro.
Vor der Fahrt stecken dich die Anbieter gründlich in spezielle schwere Thermooveralls, dazu bekommst du eine warme Sturmhaube, einen Schutzhelm sowie dicke Handschuhe und Schneestiefel. Ohne diese Ausrüstung würdest du bei einer Geschwindigkeit von rund 50 Kilometern pro Stunde auf einer offenen Ebene sehr schnell Erfrierungen bekommen. Das Fahren selbst ist nicht kompliziert – mit dem Daumen der rechten Hand gibst du Gas, mit der linken bremst du. Trotzdem musst du dich ständig auf das Gelände konzentrieren und die enorme Kraft der Maschine respektieren.
💡 Tipp: Entscheide dich lieber für eine längere Tour von mindestens drei Stunden, die ein Mittagessen am Lagerfeuer in der Natur einschließt. Die einstündigen Schnellfahrten rund um Kiruna führen oft nur über präparierte Strecken in Straßennähe. Dort erlebst du nicht das echte Gefühl arktischer Abgeschiedenheit und hast keine Zeit, dich richtig an das Fahren zu gewöhnen.

5. Samische Kultur und Respekt vor den Traditionen
Die Samen sind die indigene Bevölkerung Nordskandinaviens und zugleich das einzige offiziell anerkannte indigene Volk in der Europäischen Union. Schwedisch Lappland ist ihre historische Heimat, die sie in ihrer eigenen Sprache Sápmi nennen. Sie haben hier sogar ein eigenes funktionierendes Parlament. Es ist entscheidend zu verstehen, dass die Samen keine historische Touristenkulisse sind, sondern eine lebendige und moderne Kultur, die häufig sehr hart für ihre Landrechte gegenüber Bergbauunternehmen kämpfen muss.
Die Rentierhaltung bildet bis heute den absoluten Kern der samischen Kultur und traditionellen Lebensgrundlage. Wenn du diese faszinierende Welt aus nächster Nähe und mit Respekt kennenlernen möchtest, wähle Programme, die direkt von samischen Familien vor Ort veranstaltet werden. Ein hervorragendes Beispiel ist die Organisation Nutti Sámi Siida. Dort erfährst du mehr über das tatsächliche Leben von Rentierhirten in der modernen Welt, fütterst neugierige Tiere und sitzt an einem Feuer in einem traditionellen Zelt, das Lávvu genannt wird.
💡 Tipp: Eine traditionelle Spezialität der Samen ist Suovas, also geräuchertes Rentierfleisch. Bei der Buchung eines Programms kannst du als Tourist aber auch um vegetarische Verpflegung bitten. Dazu werden häufig kräftiger schwarzer Kaffee und ein köstliches süßes Brot gereicht, das direkt über dem offenen Feuer gebacken wird.

6. Der traditionsreiche Wintermarkt in Jokkmokk
Der absolute Höhepunkt des gesellschaftlichen Jahres im gesamten Norden ist der berühmte Wintermarkt im Städtchen Jokkmokk. Er findet regelmäßig Anfang Februar statt und blickt auf eine unglaubliche, ununterbrochene Tradition von mehr als 400 Jahren zurück. In das beschauliche Städtchen mit gerade einmal 5.000 Einwohnern strömen drei Tage lang Zehntausende Menschen aus aller Welt. Der Ort verwandelt sich dadurch in das Zentrum alles Nordischen.
Der Markt ist eine riesige Präsentation wunderschönen samischen Kunsthandwerks namens Duodji, traditioneller Kehlkopfmusik (Joik) und lokaler nordischer Spezialitäten. Die Atmosphäre ist elektrisierend: Auf dem zugefrorenen See finden beliebte Rentier-Rennen statt und die verschneiten Straßen sind voller Menschen in farbenfrohen Trachten. Es ist ein einmaliges kulturelles Erlebnis, das dir einen viel tieferen Einblick in die Seele des echten Lapplands gibt als jede Museumsausstellung.
💡 Tipp: Wenn du Jokkmokk während des Marktes besuchen möchtest, musst du deine Unterkunft ruhig ein ganzes Jahr im Voraus reservieren. Die Kapazitäten in der gesamten Umgebung sind im Nu ausgebucht, die Preise schießen in schwindelerregende Höhen und kurzfristig findest du nicht einmal mehr einen Stellplatz für ein Wohnmobil.

7. Ájtte: Faszinierendes Museum der samischen Kultur
Wenn du schon den weiten Weg nach Jokkmokk auf dich nimmst, sollten deine ersten Schritte ins Ájtte-Museum führen. Es ist Schwedens wichtigstes Museum für samische Kultur und die Bergwelt und stellt seine Themen ausgesprochen brillant und anschaulich dar. Hier bekommst du einen umfassenden Einblick in Geschichte, Mythologie und den täglichen Überlebenskampf unter den unwirtlichen Bedingungen der Arktis. Das hilft dir, alles, was du draußen sehen wirst, besser zu verstehen.
Die Ausstellungen sind in mehrere Themenbereiche gegliedert und führen dich durch ein ganzes Jahr im Leben eines samischen Rentierhirten. Du siehst originale Silberschmuckstücke und wunderschön geschnitzte Messer aus Birkenholz und Rentiergeweih. Gleichzeitig erfährst du mehr über dunkle Kapitel der schwedischen Geschichte, in denen die Samen gewaltsam assimiliert wurden. Das Museum ist sehr interaktiv, eignet sich auch hervorragend für Familien mit Kindern und scheut sich nicht, die komplizierten politischen Themen der Gegenwart anzusprechen.
💡 Tipp: Plane für den Besuch mindestens drei Stunden ein und lass dir auf keinen Fall das Restaurant des Museums entgehen. Dort gibt es hervorragende cremige vegetarische Suppen und Blaubeerdesserts, die dich nach drei Stunden durch die Ausstellungen ganz zuverlässig wieder aufbauen.

8. Abisko und das „blaue Loch“ für Polarlichtjäger
Das Dorf Abisko und der gleichnamige Nationalpark sind der absolute heilige Gral für alle Polarlichtjäger. Sie liegen etwa 100 Kilometer nordwestlich von Kiruna am Ufer des riesigen Sees Torneträsk und verdanken ihren Ruhm einem einzigartigen Wetterphänomen namens „blaues Loch“. Dank des besonderen Regenschattens der umliegenden Berge reißt die Wolkendecke über dem See häufig auf, selbst wenn der Rest der Region unter Wolken liegt. Statistisch hast du hier daher die besten Chancen auf einen klaren Himmel.
Die größte Attraktion ist die berühmte Aurora Sky Station auf dem Berg Nuolja. Ein langsamer Sessellift bringt dich hinauf (im Winter kostet das Ticket ab 220 SEK), und oben erwartet dich völlige Dunkelheit mit perfektem Blick auf das ikonische Bergprofil von Lapporten. Das spezielle Abendpaket Night Visit kostet zwischen 750 und 900 SEK. Das Erlebnis, das Himmelsschauspiel von dieser Sternwarte aus zu beobachten, ist außergewöhnlich und besonders fotogen.
💡 Tipp: Wenn du Geld für den teuren Sessellift sparen möchtest, zieh dich am Abend einfach warm an und geh 500 Meter von der beleuchteten STF-Station weg, direkt zum See. Dort ist es genauso dunkel, deine Chancen auf Polarlichter sind ebenso gut und es kostet dich keinen einzigen Euro.

9. Kungsleden, der Königsweg
Der Kungsleden ist in der Outdoor-Welt eine echte Legende. Viele nehmen sich bereits Jahre im Voraus Urlaub dafür und sprechen noch Jahre danach von der Tour. Der beliebteste nördliche Abschnitt führt von Abisko zum Dorf Nikkaluokta und umfasst 108 Kilometer unberührte arktische Schönheit, die ein durchschnittlich fitter Wanderer in fünf bis sieben Tagen voller Abstand vom Alltag bewältigen kann.
Ein großer Vorteil dieser Trekkingroute ist das perfekt funktionierende System von Berghütten, die vom Schwedischen Touristenverband (STF) betrieben werden. Sie liegen etwa zehn bis zwanzig Kilometer voneinander entfernt. Deshalb musst du weder ein schweres Zelt noch den Proviant für eine ganze Woche auf dem Rücken tragen. In den Hütten kannst du heizen, auf einem Gaskocher kochen und für etwa 470 bis 520 SEK (rund 1.150 Kč) in der Wärme übernachten. Einige, wie beispielsweise Alesjaure, verfügen sogar über eine eigene Sauna.
💡 Tipp: Im August ist auf dem Weg am meisten los, wenn das große Fjällräven Classic stattfindet, an dem mehr als tausend Menschen teilnehmen. Die erste Septemberhälfte ist deutlich angenehmer: Dann sind die Mücken zuverlässig verschwunden, die Natur leuchtet in Herbstfarben und abends kannst du bereits durch das Fenster der Hütte Polarlichter beobachten.

10. Kebnekaise: Aufstieg auf das Dach Schwedens
Während der Trekkingtour auf dem Kungsleden zweigt die Route zur Berghütte Kebnekaise fjällstation ab, die ein idealer Ausgangspunkt für die Besteigung des höchsten Berges Schwedens ist. Das Kebnekaise-Massiv wirkt unglaublich majestätisch, und sein Gipfel ist für viele Schweden ein erfüllter Lebenstraum. Die Station bietet eine hervorragende Infrastruktur mit Restaurant, Duschen und der Möglichkeit, die gesamte benötigte Ausrüstung zu mieten.
Der Aufstieg zum Gipfel erfordert allerdings eine sehr gute körperliche Verfassung und idealerweise auch Bergerfahrung, denn der Weg führt über einen Gletscher, der durch die globale Erwärmung deutlich abschmilzt. Dadurch wird der eigentliche Südgipfel des Berges von Jahr zu Jahr niedriger. Wenn du dir deiner Fähigkeiten nicht sicher bist, solltest du an der Station unbedingt einen erfahrenen Bergführer engagieren, der dich sicher durch die schwierigen Abschnitte führt und dir Eispickel sowie Steigeisen leiht.
💡 Tipp: Rechne damit, dass sich das Wetter in diesem Massiv innerhalb weniger Minuten ändern kann. Habe immer ausreichend warme Kleidungsschichten und eine zuverlässige wasserdichte Jacke im Rucksack und verlasse dich keinesfalls auf das Mobilfunknetz, das in den umliegenden Bergen oft komplett fehlt.

11. Sarek: Europas letzte echte Wildnis
Wenn der Kungsleden eine gepflegte und übersichtliche Autobahn ist, dann erinnert der Nationalpark Sarek an einen undurchdringlichen, wilden Dschungel. Er wird oft und zu Recht als Europas letzte große Wildnis bezeichnet, denn hier findest du absolut keine markierten Wege, komfortablen Hütten oder Brücken über reißende Gletscherflüsse. Hier bist du nur mit dir selbst, einer gedruckten Karte, einem Kompass und einem riesigen Rucksack auf dem Rücken, der zu Beginn der Tour gut und gerne 25 Kilo wiegen kann.
Die Furten der örtlichen Flüsse sind eine reale Lebensgefahr, und Mobilfunkempfang gibt es während der gesamten Wanderung schlicht nicht. Sarek ist ein riesiger Magnet für Experten und Solo-Abenteurer, die sich völlig vom Komfort der Zivilisation abkoppeln möchten. Die Atmosphäre zwischen zerklüfteten Gipfeln und tiefen Tälern ist zwar absolut unvergleichlich, doch in dieser unwirtlichen Umgebung werden Fehler nicht verziehen.
💡 Tipp: Wenn du noch keine anspruchsvollen mehrtägigen Trekkingtouren mit voller Ausrüstung hinter dir hast und Karten nicht zuverlässig ohne GPS-Navigation lesen kannst, solltest du Sarek vorerst auf deiner Wunschliste lassen. Sammle lieber auf besser zugänglichen schwedischen Routen Erfahrungen, auf denen du im Notfall Hilfe bekommst.

12. Åre: Skandinaviens größtes Skigebiet
Obwohl Åre geografisch in der Region Jämtland etwas weiter südlich liegt, gehört der Ort zu den absoluten Juwelen des winterlichen Nordens. Es ist das größte und am besten ausgestattete Skigebiet in ganz Skandinavien. Betrieben wird es von SkiStar, und der Vergleich mit den besten Alpenresorts muss keineswegs gescheut werden. Zwar findest du hier keine Dreitausender und die Abfahrten sind etwas kürzer, doch dafür entschädigen die absolute Schneesicherheit und die fast leeren Pisten.
Die Landschaft ist atemberaubend, denn du fährst an den Hängen des gewaltigen Berges Åreskutan Ski und blickst dabei auf einen zugefrorenen See tief unten im Tal. Das Skigebiet ist regelmäßig Austragungsort von Weltcup-Rennen, bietet eine perfekte Infrastruktur für Familien mit Kindern und ist für seine legendäre Après-Ski-Szene bekannt. Die Skipasspreise sind mit einem besseren österreichischen Skigebiet vergleichbar, aber für Essen und Alkohol auf der Piste zahlst du aufgrund der schwedischen Steuern deutlich mehr.
💡 Tipp: Ein riesiger Vorteil von Åre ist die unkomplizierte Anreise. Von Stockholm fahren bequeme Nachtzüge hierher, aus denen du morgens praktisch direkt an der Talstation der Seilbahn aussteigst. So verlierst du keine Zeit mit langen Autofahrten.

13. Luleå und faszinierende winterliche Eisstraßen
An der Küste des zugefrorenen Bottnischen Meerbusens liegt die Stadt Luleå, die ein wichtiges Zentrum des Nordens mit einer völlig anderen Atmosphäre als das im Landesinneren gelegene Kiruna ist. Eine der größten Attraktionen der Stadt in den Wintermonaten sind die sogenannten Eisstraßen, die jedes Jahr direkt auf dem zugefrorenen Meer und den gefrorenen Seen angelegt werden. Diese Routen dienen den Einheimischen normalerweise dazu, Wege abzukürzen und das Festland mit den nahe gelegenen Inseln zu verbinden.
Mit einem normalen Auto über das gefrorene Meer zu fahren, ist ein surreales Erlebnis, bei dem dir garantiert ein eiskalter Schauer über den Rücken läuft. Das Eis muss dick genug sein, und die Strecken werden meist erst im Februar freigegeben, wenn der Winter seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Neben Autos nutzen auch die örtlichen Langläufer und Langstrecken-Eisläufer diese breiten Eisboulevards intensiv. So entsteht direkt auf dem Eis eine unglaublich lebendige Wintergemeinschaft.
💡 Tipp: Wenn du dich nicht traust, mit einem Mietwagen aufs Eis zu fahren, leihe dir im Stadtzentrum spezielle Langlaufschlittschuhe (långfärdsskridsko) aus. Die Schweden schnallen sie an feste Schuhe und legen mit Stöcken in der Hand große Entfernungen auf den geräumten Bahnen in Küstennähe zurück.

14. Gammelstad: Einzigartige UNESCO-Kirchenstadt
Nur eine kurze Strecke außerhalb von Luleå findest du das historische Juwel Gammelstad, das auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Es handelt sich um die am besten erhaltene sogenannte Kirchenstadt Schwedens. Ihr Zentrum bildet eine beeindruckende Steinkirche aus dem 15. Jahrhundert, die von mehr als 400 traditionellen, tiefroten Holzhäuschen umgeben ist, die dicht an dicht stehen.
Diese kleinen Häuser dienten früher Gläubigen aus den entlegenen Winkeln der Gemeinde als Übernachtungsmöglichkeit, wenn sie am Wochenende zu den Sonntagsgottesdiensten oder großen kirchlichen Feiertagen anreisten. Die Wege durch die raue Landschaft dauerten damals zu lange, um noch am selben Tag nach Hause zurückzukehren. Ein Spaziergang durch die schmalen, verschneiten Gassen zwischen den roten Wänden fühlt sich wie eine Zeitreise ins tiefe skandinavische Mittelalter an.
💡 Tipp: Schau unbedingt im örtlichen Besucherzentrum vorbei, wo du einen ausführlichen Lageplan bekommst, und nutze die Möglichkeit, in einige der Häuser hineinzuschauen. Sie sind gelegentlich für die Öffentlichkeit zugänglich und mit zeitgenössisch eingerichteten Möbeln ausgestattet.

15. Arktische Sauna und das Eisbad im Isvak
Die Sauna, auf Schwedisch bastu, ist in Schweden eine regelrechte Religion – und im kalten Norden gilt das gleich doppelt. Es geht dabei nicht um ein überteuertes Wellness-Erlebnis, sondern um eine absolute Notwendigkeit und den wichtigsten Ort für geselliges Beisammensein nach der Arbeit. Nach einem ganzen Tag bei minus 20 Grad gibt es kein besseres Gefühl, als sich in eine glühend heiße Holzhütte am Ufer eines zugefrorenen Sees zurückzuziehen.
Zu einer echten schwedischen Sauna gehört untrennbar auch ein ins Eis geschlagenes Loch, das Isvak genannt wird. Der Schock beim Eintauchen in das eiskalte Wasser setzt im Körper so viele Endorphine frei, dass du dich wie neugeboren fühlen wirst. Nach einem solchen Bad wird dir die winterliche Kälte auf dem Rückweg zur Hütte wie eine angenehme Frühlingsbrise vorkommen, und dein Immunsystem bekommt das bestmögliche Training.
💡 Tipp: In den Saunen gilt eine strenge Etikette, und oft wird vollständige Nacktheit erwartet. Dabei sitzt man auf einem eigenen sauberen Handtuch. Wenn du eine gemischte öffentliche Sauna am Strand besuchst, schau unauffällig, welche Regeln die Einheimischen dort gerade bezüglich Badebekleidung befolgen.

16. Baumhotels und arktische Lodges
Die Schweden sind absolute Meister darin, atemberaubendes modernes Design mit rauer Natur zu verbinden. Neben dem Eishotel in Jukkasjärvi bietet der Norden mehrere weitere außergewöhnliche Unterkünfte, die es in internationale Architekturmagazine geschafft haben. Die bekannteste ist das Treehotel im Dorf Harads, wo du in hoch oben in den Baumkronen schwebenden, hochmodernen Modulen übernachten kannst. Zur Auswahl stehen zum Beispiel eine UFO-förmige Kabine oder perfekte verspiegelte Würfel, die mit dem Wald verschmelzen.
Ein weiterer großer Hit sind luxuriöse arktische Lodges und schwimmende Glaskuppeln wie das beeindruckende Arctic Bath. Das runde, an ein Nest erinnernde Gebäude schwimmt auf dem Fluss Lule und friert im Winter direkt ins Eis ein. Es bietet absoluten Luxus, erstklassige Gastronomie und Ausblicke auf die Polarlichter direkt vom Bett aus. Für diesen Luxus zahlst du natürlich entsprechend – leicht mehrere Zehntausend Kronen pro Nacht. Aber immerhin hast du danach etwas zu erzählen.
💡 Tipp: Auch wenn du dir eine Übernachtung zu diesen Preisen nicht leisten kannst, führt ein öffentlich zugänglicher Weg am Treehotel vorbei. Von dort kannst du die architektonischen Meisterwerke bei einem normalen Waldspaziergang zumindest von außen aus sicherer Entfernung anschauen und fotografieren.

17. Mitternachtssonne und sommerliches Lappland
Der Sommer in Lappland bietet ein Erlebnis, das deinen bisherigen Biorhythmus völlig auf den Kopf stellen wird. Dank der Lage nördlich des Polarkreises geht die Sonne im Juni und Juli überhaupt nicht unter, und die Landschaft badet in endlosem Tageslicht. Dadurch eröffnen sich unbegrenzte Möglichkeiten zum Wandern: Du musst nicht darauf achten, ob du dein Ziel vor Einbruch der Dunkelheit erreichst, und kannst deine Routen viel freier planen.
Diese ununterbrochene Lichtshow verleiht den Menschen eine gewaltige Extraportion Energie, sodass es keineswegs ungewöhnlich ist, um Mitternacht zu einer anspruchsvollen Bergtour aufzubrechen. Das goldene Licht knapp über dem Horizont schafft außerdem perfekte Bedingungen für Naturfotografie, denn die sogenannte goldene Stunde dauert hier die ganze Nacht. Der Sommer im Norden dreht sich einfach darum, jede Minute draußen optimal zu nutzen.
💡 Tipp: Vergiss nicht, eine wirklich hochwertige Schlafmaske ins Gepäck zu packen. Die meisten nordischen Hütten haben zwar Verdunkelungsrollos, aber für das mitteleuropäische Gehirn ist es anfangs eine große Herausforderung, bei vollem Tageslicht zu schlafen.

18. Kanufahren und Angeln an den Seen
Der Sommer im Norden gehört zweifellos dem Wassersport und dem lautlosen Gleiten über die Wasseroberfläche. Schweden ist von Zehntausenden Seen durchzogen, und dank des Jedermannsrechts (allemansrätten) kannst du mit dem Kanu an jeder verlassenen kleinen Insel anlegen und dort für eine Nacht dein Zelt aufschlagen. Bootsverleihe gibt es an jedem größeren See, und dort gibt man dir gern auch eine Karte mit empfohlenen Zeltplätzen und Feuerstellen. In der Provinz Dalsland kannst du sogar eine spezielle DANO-Karte für 50 Kronen kaufen, mit der du an vorbereiteten Plätzen campen darfst.
Angeln gilt hier als eine Art Nationalsport. An der gesamten Ostseeküste und an den fünf größten schwedischen Seen darfst du mit einer gewöhnlichen Angel völlig kostenlos fischen. Für Seen und Flüsse im Landesinneren musst du dagegen eine Genehmigung namens fiskekort erwerben. Diese lässt sich heute einfach online kaufen und kostet 50 bis 200 SEK (etwa 5 bis 20 €) pro Tag – eine kleine Investition in entspannte Stunden am Wasser.
💡 Tipp: Die Schweden schützen ihre Natur sehr sorgfältig und befolgen bei kapitalen Fischen das Prinzip „Catch and Release“. Mehr Fische mitzunehmen, als du an diesem Tag tatsächlich zum Abendessen essen kannst, gilt als grober Verstoß gegen die örtliche Ethik.

19. Mücken und Knott: Die Schattenseite des Sommers
Wenn du im Juli in den Norden aufbrichst, muss ich dich eindringlich vor den örtlichen Insekten warnen. Das sommerliche Lappland verwandelt sich bei Windstille und in Wassernähe in eine wahre Hölle, denn hier schwärmen Milliarden aggressiver Mücken und kleiner stechender Fliegen, die Knott genannt werden. Diese kleinen Plagegeister kommen sogar durch die feinsten Maschen gewöhnlicher Moskitonetze, und ihre Stiche jucken noch mehrere Tage lang unangenehm.
Gewöhnliche mitteleuropäische Insektenschutzmittel wirken hier leider ungefähr so, als würdest du dich mit purem Wasser übergießen. Zum Glück kannst du in jedem örtlichen Supermarkt starke schwedische Repellents kaufen, zum Beispiel die Marke Mygga, die speziell für die Bedingungen vor Ort entwickelt wurden. Der wichtigste Schutz ist jedoch die richtige Kleidung: lange Hosen, feste Hemden und ein Hut mit Netz vor dem Gesicht, sobald du stehen bleibst.
💡 Tipp: Die Menge der Insekten nimmt oberhalb der Baumgrenze und auf offenen, windigen Ebenen dramatisch ab. Wenn du Mücken vollständig vermeiden möchtest, plane deine Sommerreise für den Übergang von August zu September, wenn die ersten Fröste ihnen zuverlässig den Garaus machen.

20. Fika und lokale Köstlichkeiten für klirrende Kälte
Wenn du im Norden schon frierst, musst du dich mit traditionellen lokalen Köstlichkeiten belohnen. Lege tagsüber unbedingt eine sogenannte Fika-Pause ein – ein heiliges schwedisches Ritual mit Kaffee und süßem Gebäck, bei dem die Zeit stillzustehen scheint. In den örtlichen Cafés bekommst du zum heißen schwarzen Kaffee eine perfekte Zimtschnecke (kanelbulle) oder eine Kardamom-Brioche. Für dieses Set zahlst du etwa 65 bis 100 SEK.
Wenn dich mittags der größere Hunger packt, achte vor Restaurants auf Schilder mit der Aufschrift dagens lunch. Dahinter verbirgt sich ein günstiges Mittagsmenü für 110 bis 145 SEK, bei dem du neben dem Hauptgericht unbegrenzt am Salatbuffet zugreifen kannst und außerdem Kaffee und Wasser bekommst. Die Einheimischen essen gern Rentierfleisch oder fermentierten Hering, aber auch Vegetarier finden immer ausgezeichnete cremige Suppen, herzhafte Käsekuchen und lokale Waldbeeren wie die äußerst geschätzten goldgelben Moltebeeren.
💡 Tipp: Bei langen Langlauf- oder Schneemobiltouren solltest du eine dicke Blaubeersuppe namens blåbärssoppa in der Thermoskanne dabeihaben. Sie wird heiß getrunken, liefert sofort Energie und ist der beste flüssige Pullover, den du dir im Tiefschnee wünschen kannst.

So kommst du nach Schwedisch Lappland
Die Entfernung von 2.000 Kilometern zu überwinden und tief nördlich des Polarkreises zu landen, ist heute überraschend einfach, erfordert aber etwas strategische Planung. Wenn du Zeit sparen möchtest, ist das Flugzeug eindeutig die schnellste Option. Von Berlin oder München fliegst du am besten mit Lufthansa, Eurowings oder SAS mit einem Umstieg am Stockholmer Flughafen Arlanda. Von dort gibt es Anschlussflüge direkt nach Kiruna (KRN) oder Luleå (LLA). Ein Hin- und Rückflug kostet bei frühzeitiger Buchung ungefähr 145 bis 250 €. Direkte Flüge aus Deutschland in den hohen Norden gibt es nur sehr selten und meist in Form saisonaler Charterflüge.
Für Zugromantiker und Fans des langsamen Reisens bietet sich eine fantastische Fahrt mit dem Nacht-Express namens Arctic Circle Train an. Diese Züge werden von SJ oder Vy betrieben und fahren am frühen Abend in Stockholm ab. Die Fahrt nach Kiruna und Abisko dauert 15 bis 18 Stunden, und am Morgen wachst du mitten in der verschneiten Wildnis auf. Ein Ticket im normalen Sitzwagen gibt es ab 475 SEK, während ein bequemeres Bett ab 835 SEK kostet. Plätze in den Schlafwagen sind allerdings rasend schnell ausverkauft, deshalb musst du sie ruhig mehrere Monate im Voraus buchen. Die nördliche Strecke, Malmbanan genannt, ist im Winter außerdem häufig durch Erz-Güterzüge überlastet, wodurch es zu Verspätungen kommen kann.
Wenn du dich für einen Roadtrip entscheidest und vor Ort ein Auto mietest, erwartet dich ein großartiges Abenteuer. Die wichtigsten Verkehrsadern des Nordens sind die Straßen E10 und E45. Die schwedischen Autovermietungen sind perfekt auf extreme Kälte vorbereitet: Die Autos haben hochwertige Winterreifen mit Metallspikes und oft auch eine elektrische Motorvorwärmung. Die Straßen werden hier nicht gesalzen, sondern nur geräumt und mit Splitt bestreut. Deshalb fährt man ständig auf festgefahrenem Schnee und Eis. Die größte Gefahr am Steuer sind jedoch die allgegenwärtige Dunkelheit und Rentiere, die sich oft an die Straßen zurückziehen und die du während der Polarnacht erst im letzten Moment sehen wirst. Die Entfernungen sind tückisch: Die Strecke von Kiruna nach Abisko ist beispielsweise 100 Kilometer lang und dauert bei vorsichtiger Fahrt etwa anderthalb Stunden.

Was eine Woche in Lappland kostet
Schwedisch Lappland ist teuer, das will ich dir nicht schönreden. Die Zahlungsbereitschaft der Reisenden beruht hier aber auf der Tatsache, dass es sich um einzigartige Erlebnisse handelt, die du sonst nirgendwo in Europa bekommst. Wenn du die Reise selbst zusammenstellst und auf die Luxusleistungen von Reiseveranstaltern verzichtest, lässt sich der gesamte Trip auch mit einem vernünftigen Budget bewältigen. Im Folgenden stelle ich dir drei Richtwerte vor, mit denen du bei der Planung einer einwöchigen Reise (5 bis 7 Tage) rechnen kannst.
1. Preisbewusst und auf eigene Faust (etwa 800 € pro Person) Diese Variante erfordert sorgfältige Planung und den rechtzeitigen Kauf günstiger Flüge über Stockholm. Du übernachtest in preiswerten Mehrbettzimmern der STF-Unterkunft in Abisko und kochst dein Essen selbst aus Zutaten aus den örtlichen Supermärkten. So sparst du viel Geld für Restaurantbesuche. Die Polarlichter suchst du kostenlos zu Fuß in der Umgebung des Sees, und als großes kostenpflichtiges Erlebnis gönnst du dir einen Tagesbesuch im Icehotel.
2. Der goldene Mittelweg (1.000 bis 1.400 € pro Person) Mit diesem Budget genießt du einen bequemen Flug und übernachtest in einer warmen privaten Hütte, zum Beispiel im Camp Ripan in Kiruna. Tagsüber gehst du zum Mittagsmenü (dagens lunch) und lässt auch den Nachmittagskaffee mit traditionellem Gebäck nicht aus. Vor allem aber kannst du dir mit diesem Budget zwei große Winteraktivitäten leisten, zum Beispiel eine halbtägige Hundeschlittenfahrt und einen Ausflug mit dem Schneemobil.
3. Arktischer Komfort ohne Kompromisse (ab 2.900 €) Wenn du dir vollkommen sorgenfreien Luxus wünschst, lässt du die gesamte Reise von einem spezialisierten Reiseveranstalter maßschneidern. Du übernachtest in architektonischen Meisterwerken wie dem Arctic Bath oder verbringst eine Nacht direkt in einer kunstvollen Suite des Icehotels. Jeden Abend holt dich ein privater Guide ab und fährt dich mit einem speziellen Kleinbus weit weg von der Zivilisation zu den Polarlichtern.
Wohin geht es von Schwedisch Lappland weiter?
Der schwedische Norden würde Stoff für ein ganzes Leben voller Reisen liefern – für den Anfang haben wir aber ein paar weitere Reiseführer zusammengestellt, die dir bei der Planung helfen können:
- Du möchtest dir einen Gesamtüberblick darüber verschaffen, was der Rest des Landes noch zu bieten hat? Dann lies unseren ausführlichen Artikel Schweden: 30 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse.
- Wenn du direkt in den Norden fliegen möchtest und Details zur größten Stadt der Region brauchst, schau dir Kiruna: 18 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse an.
- Für alle Fans von Himmelsphänomenen haben wir den ausführlichen Ratgeber Polarlichter in Schweden: wann, wo und wie du sie am besten siehst zusammengestellt, in dem du die besten Tipps findest.
- Interessiert dich die gesamte Region aus einer größeren Perspektive? Im Artikel Lappland: 20 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse findest du weitere Inspiration.
- Du bist dir beim Reisezeitraum noch nicht sicher? Eine praktische Übersicht über das Wetter findest du im Ratgeber Wann nach Schweden reisen? Das Wetter Monat für Monat.
Häufig gestellte Fragen
Bevor du dich nördlich des Polarkreises auf den Weg machst, gehen dir vielleicht noch einige praktische Fragen durch den Kopf. Hier habe ich für dich die Antworten auf die Fragen zusammengestellt, die uns zur Reise in den hohen Norden am häufigsten gestellt werden 😉.
Wann ist die beste Zeit für Schwedisch-Lappland?
Für echte Winteraktivitäten und ideale Bedingungen zur Beobachtung von Polarlichtern sind Februar und März die absolut besten Monate. Die Kälte ist nicht mehr so extrem wie im Dezember, die Tage werden merklich länger und die Sonne verleiht der verschneiten Landschaft einen wunderbaren Glanz. Wenn du hingegen die Mitternachtssonne erleben und lange Wanderungen ohne Schnee unternehmen möchtest, solltest du im Juli fahren. Rechne aber mit vielen Insekten, daher ist die Wende von August zu September eine großartige Alternative, wenn die Natur in Herbstfarben leuchtet und die Mücken bereits verschwunden sind.
Wie komme ich aus Deutschland am besten dorthin?
Die schnellste und insgesamt bequemste Variante ist, über Stockholm direkt zu den kleineren Flughäfen in Kiruna oder Luleå zu fliegen. Oft fliegt man hierher mit SAS oder Norwegian, wobei man Flugtickets im Angebot für sehr vernünftige Preise bekommen kann. Für abenteuerlustigere Naturen ist dann die Fahrt mit dem Nachtzug von Stockholm eine großartige Wahl, die zwar etwa fünfzehn bis achtzehn Stunden dauert, dich aber direkt zu den Nationalparks bringt und du sparst eine Übernachtung im Hotel.
Was kostet ungefähr ein einwöchiger Aufenthalt?
Wenn du mit einem klassischen deutschen Reiseveranstalter fährst, musst du für ein Komplettpaket mit Beträgen ab 3.000 € rechnen. Wenn du dir aber die Reise selbst individuell zusammenstellst, Flugtickets mit ausreichend Vorlauf kaufst und dir gelegentlich aus eigenen Vorräten aus dem Supermarkt kochst, kommst du locker mit 1.000 € pro Person hin. In diesem Preis sind zudem bereits ein oder zwei teurere Winteraktivitäten wie eine Fahrt mit dem Hundeschlitten eingerechnet.
Was soll ich bei der Kälte anziehen?
Die Grundlage des Überlebens ist das Zwiebelprinzip und der absolute Verzicht auf Baumwolle, die in der Kälte keinen Schweiß ableitet und du würdest darin schnell auskühlen. Als erste Schicht wählst du hochwertige Merinowolle, darüber ziehst du ein warmes Fleece oder einen soliden Wollpullover an und obendrauf kommt eine qualitativ hochwertige winddichte Daunenjacke. Du musst aber keine teuren Expeditionsoveralls kaufen, denn bei allen bezahlten Winteraktivitäten leihen dir die Instruktoren vor Ort massive arktische Thermoanzüge und warme Schneestiefel.
Kann man auch im Sommer nach Lappland fahren?
Auf jeden Fall und es ist ein absolut fantastisches Erlebnis für Liebhaber langer Trekkingtouren, Camping in der Wildnis und Wassersport auf Seen. Du genießt die ununterbrochene Mitternachtssonne, wanderst auf dem berühmten Kungsleden oder leihst dir ein Kanu. Entscheidend ist aber, ein qualitativ hochwertiges schwedisches Mückenschutzmittel nicht zu vergessen, denn die mitteleuropäischen funktionieren gegen die hiesigen Insekten überhaupt nicht. Eine großartige Lösung ist es auch, erst Anfang September zu fahren.
Ist das arktische Lappland für Kinder geeignet?
Schweden ist allgemein ein sehr kinderfreundliches Land, aber in der arktischen Kälte musst du extrem auf Unterkühlung achten, denn kleinere Kinder kühlen viel schneller aus als Erwachsene. Die meisten anspruchsvolleren Winteraktivitäten wie längere Schneemobilfahrten haben zudem strenge Altersgrenzen oder erfordern, dass Kinder in überdachten Schlitten sicher vom Führer gezogen werden.
Was kostet ein Ausflug mit dem Huskyschlitten?
Es ist einer der teuersten Posten der Reiseroute, wobei ein halbtägiger Ausflug üblicherweise 80 bis 140 Euro pro Person kostet. Der Preis kann leicht variieren, je nachdem ob du das eigene Gespann aktiv lenken oder dich einfach bequem von einem erfahrenen Führer fahren lassen möchtest, eingepackt in warme Decken. Rechne auch damit, dass Fahrten aus Sicherheitsgründen abgesagt werden, sobald die Temperatur unter minus zwanzig Grad fällt.
Was ist der Unterschied zwischen schwedischem und finnischem Lappland?
Finnisch-Lappland, und besonders die beliebte Umgebung von Rovaniemi, hat massiv auf Tourismus im Zusammenhang mit dem Weihnachtsmann gesetzt, mit kommerziellen Dörfern und Scharen von Familien mit kleinen Kindern. Die schwedische Seite ist hingegen einen anderen Weg gegangen und ist viel rauer, leerer und konzentriert sich auf pure Natur, authentische samische Kultur und die Stille der riesigen, ungestörten Wildnis.
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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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