Lofoten in Norwegen mit dem Auto: Roadtrip auf der E10

Wenn du über eine Reise nördlich des Polarkreises nachdenkst, muss ich dich vorab vor etwas warnen. Die Lofoten in Norwegen nehmen dich so gefangen, dass dir plötzlich alle anderen Berge und Strände irgendwie gewöhnlich vorkommen werden. Wenn du zum ersten Mal diese dramatischen Granitgipfel siehst, die direkt aus dem tiefblauen Ozean ragen, wirst du das Gefühl haben, in einer völlig anderen Welt gelandet zu sein.

Das Rückgrat dieses nordischen Wunders ist die ikonische Straße E10. Diese legendäre Route verbindet die einzelnen Inseln über elegante Brücken und tiefe Unterwassertunnel und bietet dir hinter jeder Kurve atemberaubende Ausblicke. Die Lofoten mit dem Auto zu erkunden, ist schlichtweg ein Erlebnis, das jeder Naturliebhaber mindestens einmal im Leben gemacht haben sollte.

Erwarte aber keine breite, schnelle Autobahn. Die norwegische E10 ist oft eine sehr schmale zweispurige Straße, auf der du im Sommer Dutzenden von Wohnmobilen und Wohnwagen ausweichen musst. Genau deshalb ist es enorm wichtig, im Voraus einen durchdachten Plan zu haben und zu wissen, wie der hiesige Verkehr funktioniert. Damit verschaffst du dir einen riesigen Vorteil gegenüber Touristen, die unvorbereitet anreisen.

In diesem Artikel zeige ich dir im Detail, wie du den besten Roadtrip über die Lofoten planst. Du erfährst realistische Fahrzeiten, ich helfe dir bei der Wahl der idealen Basis und wir nehmen auch das tückische norwegische Wetter unter die Lupe. Mach dir einen warmen Pullover und bequeme Schuhe bereit – auf geht’s gemeinsam in den hohen Norden.

Zusammenfassung

  • Ideale Reisedauer: Plane für einen Roadtrip über die Lofoten genau 7 Tage ein – das gibt dir genügend Puffer für schlechtes Wetter.
  • Fahrzeiten: In Norwegen werden Entfernungen nicht in Kilometern, sondern in reinen Fahrstunden gemessen. Die Durchschnittsgeschwindigkeit auf der E10 liegt in der Sommersaison bei etwa 40 bis 50 km/h.
  • Anreise und Flüge: Am besten fliegst du nach Oslo und anschließend zum nördlichen Flughafen Evenes (EVE), von wo aus du direkt mit dem Auto losfahren kannst, ohne eine Fähre nehmen zu müssen.
  • Unterkunftsstrategie: Versuche nicht, jede Nacht woanders zu schlafen, sondern wähle ein oder zwei strategische Basen in der Mitte der Inseln (zum Beispiel rund um Leknes oder Ballstad).
  • Fähren und Maut: Wenn du die Route über den Hafen Bodø wählst, musst du die Fähre nach Moskenes Monate im Voraus reservieren. Die Maut wird im Mietwagen automatisch über das AutoPass-System abgerechnet.
  • Budget: Norwegen ist ein teures Reiseziel. Rechne für 2026 damit, dass du für die Wochenmiete eines kleineren Autos mindestens 600 bis 950 € zahlst.
  • Grundregel: Lade dir die App Yr.no für eine präzise Wettervorhersage und die App EasyPark fürs Bezahlen von Parkgebühren an abgelegenen Orten herunter.

Wann du losfahren solltest und wie du die Tage planst

Den richtigen Zeitpunkt für einen Besuch auf den Lofoten zu wählen, ist absolut entscheidend. Die Hauptsaison im Sommer dauert von Mitte Juni bis Mitte August, wenn auf den Inseln das Phänomen der Mitternachtssonne herrscht. In der Praxis bedeutet das, dass die Sonne überhaupt nicht hinter dem Horizont verschwindet und du die Naturschönheiten problemlos um zwei Uhr morgens bei vollem Tageslicht bewundern kannst.

Diese sommerliche Idylle hat allerdings auch ihre Schattenseite: die riesigen Touristenmassen. Der Juli ist auf den Lofoten der absolute Höhepunkt der Saison, wenn die schmale E10 aus allen Nähten platzt und die Preise für Unterkünfte in den traditionellen roten Hütten in astronomische Höhen klettern. Wenn du die Möglichkeit hast, empfehle ich dir, dich eher auf Ende August oder Anfang September zu konzentrieren, wenn die Menschenmengen langsam verschwinden und die Straßen etwas freier sind.

Das Wetter auf den Lofoten ist ein Kapitel für sich und kann selbst die erfahrensten Reisenden auf die Probe stellen. Obwohl die Inseln nördlich des Polarkreises liegen, ist es hier dank des warmen Golfstroms im Sommer überraschend angenehm. Die üblichen Sommertemperaturen liegen zwischen 12 und 16 Grad Celsius, aber wenn du Glück mit einem sonnigen Tag hast, kann es sich gefühlt auch nach zwanzig Grad anfühlen. Lade dir vor der Reise unbedingt die norwegische Wetter-App Yr.no aufs Handy und ergänze sie um die App Windy für ein detailliertes Windradar.

Ganz wesentlich ist, sich genügend Zeit für die Reise zu nehmen, denn die Lofoten verzeihen keine Eile. Vier Tage sind zum Erkunden der Inseln verzweifelt wenig, denn bei der ersten kräftigen Regenfront siehst du überhaupt nichts und kannst nicht mehr reagieren. Zehn oder vierzehn Tage stellen wiederum eine enorme Belastung für deinen Geldbeutel dar, da Norwegen zu den teuersten Ländern der Welt gehört. Nach gründlicher Analyse vieler Reisepläne lautet der klare Konsens: Sieben Tage sind für diesen Roadtrip absolut ideal.

Während eines einwöchigen Aufenthalts hast du ein ausreichend großes Zeitfenster, um die unberechenbaren nordischen Bedingungen auszutricksen. Wenn es dir gerade den ganzen Nachmittag verregnet, kannst du dich in Ruhe in ein gemütliches Café flüchten oder ein Museum besuchen, ohne das Gefühl zu haben, kostbare Zeit zu verlieren. Sieben Tage geben dir schlicht die richtige Balance zwischen Entdecken, Entspannen und dem Warten auf das perfekte Licht.

Praktische Infos: Auto, Anreise und Budget

Die Reise auf die Lofoten ist nicht gerade ein Wochenendausflug ins Nachbarland und erfordert eine sorgfältige Logistik. Einen Direktflug von Deutschland auf die Inseln gibt es nicht, sodass dich eine ganztägige Anreise mit mindestens einem Umstieg in Oslo erwartet. Von der norwegischen Hauptstadt aus hast du dann zwei Haupttore zur Auswahl, durch die du in den Norden gelangst. Flüge ab Berlin oder München kosten in der Sommersaison etwa 300 bis 600 € pro Person.

Die erste und sehr beliebte Variante ist der Flughafen Evenes (EVE), der auf dem Festland unweit des nördlichen Rands der Lofoten liegt. Diese Wahl ist unglaublich praktisch, denn nach der Landung holst du nur den Autoschlüssel ab und fährst direkt auf die berühmte E10. Damit fällt der Stress des Wartens auf Fähren weg, und ins malerische Svolvær kommst du bequem in zweieinhalb Stunden.

Die zweite Möglichkeit ist ein Flug in die Hafenstadt Bodø (BOO), von wo du mit der Fähre in den Süden der Lofoten weiterfahren musst. Die von der Reederei Torghatten betriebene Überfahrt in den Hafen Moskenes dauert etwa dreieinhalb Stunden und kostet im Sommer für ein Auto mit Besatzung 60 bis 145 €. Genau die Hälfte der Schiffskapazität wird online verkauft, und du musst dir das Ticket gleich nach dem Kauf der Flugtickets sichern. Ohne Reservierung riskierst du stundenlanges Warten in der Spur für unreservierte Fahrzeuge – das willst du bei Regen wirklich nicht erleben.

Sobald die Anreise geklärt ist, kommt der Mietwagen an die Reihe, ohne den du auf den Inseln nicht weit kommst. Reserviere das Auto mindestens zwei bis drei Monate im Voraus, denn in der Sommersaison melden die Vermietungen oft komplett ausverkauft. Für einen einfachen kleineren Kompaktwagen zahlst du in Norwegen rund 600 bis 950 € pro Woche, für ein größeres SUV mach dich ruhig auf etwa 1.450 € gefasst.

Alle Hauptstraßen auf den Lofoten haben einen sehr guten Asphaltbelag, sodass du im Sommer nicht unbedingt Allradantrieb brauchst. Beim Fahren auf der E10 musst du dich mit enormer Geduld wappnen, denn die Straße ist voller blinder Kurven und Ausweichbuchten. Die Tempolimits sind in Norwegen streng, und wegen der langsamen Wohnmobile musst du damit rechnen, dass du für einen fünfzig Kilometer langen Abschnitt locker anderthalb Stunden brauchst. Die Durchschnittsgeschwindigkeit liegt hier selten über 50 km/h.

Maut und verschiedenste Gebühren gehören zu einem norwegischen Roadtrip ganz selbstverständlich dazu. Alle Autos von hiesigen Vermietungen sind mit einem AutoPass-Chip ausgestattet, sodass die Maut für neue Tunnel oder Brücken völlig automatisch erfasst und nach deiner Rückkehr von der Karte abgebucht wird. Würdest du mit dem eigenen Auto aus Deutschland anreisen, musst du dein AutoPass-Konto noch vor dem Grenzübertritt online registrieren.

Das Parken mitten in der wilden Natur überrascht dich vielleicht mit seinen Preisen. Touristisch stark frequentierte Orte haben saftige Gebühren eingeführt, um die riesigen Besuchermassen ein wenig zu regulieren. Im beliebten Hafen Reine Outer Harbor zahlst du zum Beispiel 3 € pro Stunde, und am Strand Ryten oder Haukland kostet dich das Tagesparken 9 bis 18 €. Lade dir auf jeden Fall die Apps EasyPark und Parka herunter, über die sich die meisten Gebühren bequem bezahlen lassen.

Was die Verpflegung angeht, gehört Norwegen zu den teuersten Ländern der Welt. Wenn du dein Budget im Zaum halten willst, lohnt es sich, Lebensmittel in Supermärkten wie Kiwi oder Rema 1000 einzukaufen. Die Preise sind hier zwar etwa dreimal höher als bei uns, aber es kommt dich immer noch ungleich günstiger als tägliche Restaurantbesuche. Außerdem kannst du dir in den traditionellen Hütten genau das kochen, worauf du Lust hast.

Reiseroute Tag für Tag

Diese Reiseroute ist als fließender Roadtrip von Nord nach Süd und wieder zurück angelegt und rechnet mit der Ankunft am strategisch günstigen Flughafen Evenes. Die Strecke folgt der ikonischen E10 und ist so aufgebaut, dass du nie unnötig viele Stunden am Stück im Auto verbringst. In Norwegen gilt: Der Weg ist das Ziel.

Tag 1: Ankunft am Flughafen Evenes und das Eingangstor Svolvær

Dein nordisches Abenteuer beginnt mit der Landung am Flughafen Harstad/Narvik, den niemand anders als Evenes nennt. Gleich nach Abholung des reservierten Autos fährst du auf die E10 und machst dich Richtung Westen auf zu den Lofoten-Inseln. Die ersten Kilometer führen durch relativ ruhige Landschaft, doch sobald du die majestätische Brücke Tjeldsundbrua überquerst, nimmt die Natur langsam an Dramatik zu und die Berge erheben sich direkt aus dem Ozean.

Die Fahrt in die größte Stadt der Lofoten, Svolvær, dauert etwa zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit, was rund 160 Kilometer ausmacht. Ich sage bewusst reine Fahrzeit, denn dich werden garantiert gleich mehrere atemberaubende Aussichtspunkte zum Anhalten bringen, an denen du die ersten verschneiten Gipfel fotografieren willst. Svolvær ist der ideale Ort zur Akklimatisierung nach einem anstrengenden Flug – hier findest du große Supermärkte für den ersten Einkauf, Apotheken und jede Menge gemütliche Cafés.

Nach einem langen Reisetag bekommst du sicher Hunger und suchst etwas Gutes zum Essen. Ich empfehle dir, in eine der lokalen Bäckereien einzukehren und dir ein ehrliches vegetarisches Sandwich mit lokalem Käse und frischem Gemüse zu gönnen oder traditionelles norwegisches Gebäck zu probieren. Abends kannst du am Hafen entlangspazieren, die echte nordische Atmosphäre aufsaugen und den Booten zusehen, die von hier zum nahen Trollfjord aufbrechen.

Als Ort für die erste Übernachtung bietet sich Svolvær oder seine unmittelbare Umgebung logischerweise am meisten an. Übernachte in einem der modernen Apartments, die du leicht über Booking findest, und genieße einen ruhigen Abend. Der Stadt fehlt zwar die allerwildeste Natur, die du im Süden siehst, aber nach einem anstrengenden Flug schätzt du jeden Komfort der Zivilisation und die Möglichkeit, schnell einzukaufen.

💡 Tipp: Wenn du nach der Ankunft noch etwas Energie hast, mach in Svolvær einen Halt in der beliebten Eisbar Magic Ice. Du bekommst einen warmen Poncho und kannst die detaillierten Skulpturen aus kristallklarem Eis bewundern.

Tag 2: Das Venedig des Nordens und magische Wikingergeschichte

Morgens wachst du in der frischen norwegischen Luft auf und fährst nach einem reichhaltigen Frühstück weiter nach Südwesten. Das erste Ziel des heutigen Tages ist das malerische Dörfchen Henningsvær, das wegen seiner Lage auf winzigen Inselchen oft das Venedig des Nordens genannt wird. Die Abzweigung von der E10 führt über mehrere schmale Brücken, und die Fahrt dorthin ist ein absolutes visuelles Erlebnis, das du filmen möchtest.

In Henningsvær findest du viele reizende Kunstgalerien, hippe Cafés und vor allem den berühmten Fußballplatz. Dieses grüne Rechteck, das buchstäblich in die felsige Klippe gemeißelt wurde und von Trockengestellen für Kabeljau umgeben ist, gehört zu den meistfotografierten Orten ganz Norwegens. Schlendere durch die engen Gassen, schau in die lokalen Designläden und genieße das unglaublich entspannte Tempo dieses Dorfes.

Am Nachmittag fährst du etwa eine Stunde ins Dorf Borge, wo dich das fantastische Lofotr Viking Museum erwartet. Hier reist du mehr als tausend Jahre in der Zeit zurück und besichtigst detailliert das rekonstruierte Häuptlingshaus, das das größte je entdeckte Bauwerk aus der Wikingerzeit weltweit ist. Die Ausstellung ist wunderbar gestaltet und zieht dich direkt in die raue Geschichte und den Alltag der ersten Inselbewohner hinein.

Wenn dich nach der Museumsbesichtigung der Hunger packt, kannst du in der lokalen Wikinger-Festhalle einkehren. Ich empfehle dir, ihre kräftige vegetarische Suppe aus Wurzelgemüse zu probieren, die dich an einem kühleren Tag herrlich wärmt, dazu ein traditionelles Fladenbrot. Für die Nacht fährst du dann in die Gegend um Ballstad oder Leknes, wo du dir auf Booking ein gemütliches Rorbu mit Blick direkt aufs Wasser suchst.

💡 Tipp: Die Zufahrtsstraße nach Henningsvær ist wirklich sehr schmal, und in den Sommermonaten bilden sich hier unangenehme Staus. Fahr so früh wie möglich am Morgen hin, damit du in Ruhe parken kannst und dem größten Andrang der Wohnmobile entgehst.

Tag 3: Arktische Karibik und die schönsten Strände der Inseln

Heute erholst du dich von den langen Fahrten, denn du erkundest den mittleren Teil der Lofoten, der für seine atemberaubenden Sandstrände berühmt ist. Die Gegend rund um das Städtchen Leknes bietet unglaubliche Kulissen, in denen sich steile grüne Berge direkt in den türkisfarbenen Ozean abfallen. Wenn du deine Basis im nahen Ballstad hast, sind es zu all den Naturschätzen buchstäblich fünfzehn Minuten Fahrt, was dir enorme Freiheit verschafft.

Die erste Station ist der legendäre Strand Haukland, der völlig zu Recht regelmäßig zum schönsten Strand ganz Norwegens gekürt wird. Schneeweißer Sand und kristallklares Wasser rufen in dir sofort das Gefühl hervor, irgendwo in der Karibik gelandet zu sein – bis du versuchst, einen Zeh ins Wasser zu stecken. Die Wassertemperatur liegt selbst im heißen Sommer nur bei etwa 10 bis 12 Grad Celsius, sodass das Schwimmen hier nur echten Abhärtungsfans und Surfern in Neoprenanzügen vorbehalten ist.

Vom Strand Haukland kannst du durch einen alten Fußgängertunnel gehen oder mit dem Auto zum benachbarten Strand Uttakleiv fahren. Dieser Strand ist viel wilder und romantischer, übersät mit großen runden Felsbrocken, an denen sich die Ozeanwellen sehr eindrucksvoll brechen. Es ist ein absolut perfekter Ort für ein nachmittägliches Picknick, zum Beobachten der rauen nordischen Natur in voller Schönheit und zum Fotografieren der herrlichen Steindetails.

Zum Mittag- oder Abendessen eignen sich in dieser Gegend hervorragend deine eigenen Vorräte aus dem großen Supermarkt in Leknes. Bereite dir für den Strand frische Baguettes mit dem lokalen Käse Jarlsberg vor, schneide dazu reichlich Gemüse und veranstalte ein Festmahl direkt auf der Klippe über den Wellen. Schlafen wirst du wieder in deiner bewährten Basis in Ballstad, sodass du jegliches Kofferpacken und den Stress des ständigen Umziehens vermeidest.

💡 Tipp: Das Parken am Strand Haukland kostet je nach Autotyp etwa 9 bis 18 € pro Tag, und die Plätze sind hier sehr schnell weg. Die Gebühr kannst du einfach über die App EasyPark bezahlen, aber komm idealerweise schon am Vormittag.

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Tag 4: Fahrt in den wilden Süden und ikonische Ausblicke

Am vierten Tag erwartet dich die Fahrt in den bekanntesten und dramatischsten Teil der gesamten Lofoten. Du fährst auf der E10 Richtung Südwesten, wo die Berge höher und spitzer werden und sich die Straße direkt an der schroffen Küste entlangschlängelt. Die Fahrt von Leknes nach Reine dauert reine Fahrzeit etwa eine Stunde und zehn Minuten auf einer sechzig Kilometer langen Strecke, aber dank des ständigen Anhaltens und Ausweichens vor Wohnmobilen brauchst du mindestens zwei Stunden.

Auf dem Weg in den Süden darfst du den kurzen Abstecher ins versteckte Fischerdörfchen Nusfjord auf keinen Fall verpassen. Es handelt sich um eine der am besten erhaltenen Fischersiedlungen Norwegens, die heute als lebendiges Freilichtmuseum funktioniert. Gegen eine kleine Gebühr kannst du über die historischen Holzstege zwischen den gelben und roten Häuschen spazieren und die stille Atmosphäre längst vergangener Zeiten aufsaugen.

Am Nachmittag erreichst du endlich das Dorf Hamnøy, wo sich vor dir der eindeutig berühmteste Ausblick der gesamten Lofoten öffnet. Den Blick von der Brücke auf die roten Hütten, die sich unter dem mächtigen Berg Festvågtind ducken, kennst du wohl aus jedem Reiseführer, und in echt ist es ein noch viel beeindruckenderes Erlebnis. Genau das ist der magische Ort, wegen dem du den langen Weg in den hohen Norden auf dich genommen hast.

Zum Abendessen gönn dir in der Gegend um Reine etwas Besonderes und fahr in die gemütliche lokale Pizzeria. Hier machen sie eine absolut fantastische vegetarische Pizza mit dünnem, knusprigem Teig, einer ehrlichen Portion Tomaten-Sugo und frischem Basilikum, die dir nach einem ganzen Tag in der kalten Brise unglaublich guttut. Übernachte am Abend direkt in Reine oder Hamnøy – über Booking findest du hier die ikonischsten Rorbu-Hütten, die direkt auf Holzpfählen stehen.

💡 Tipp: Obwohl die Lofoten für ihren getrockneten Kabeljau (Skrei) berühmt sind, den du buchstäblich an jeder Ecke an Holzgestellen hängen siehst, nimmt die Zahl vegetarischer und veganer Optionen in den lokalen Restaurants zum Glück stetig zu.

Tag 5: Das Ende der E10 im Dörfchen Å und versteckte Schätze

Heute Morgen wachst du direkt im Herzen der Lofoten-Postkartenmotive auf und machst dich auf, das absolute Ende der berühmten Straße zu erkunden. Du fährst nur ein paar Kilometer weiter nach Süden, bis du auf ein Schild mit einem einzigen Buchstaben triffst. Das Dörfchen Å (gesprochen wie ein langes Oh) ist der allerletzte Punkt, den man mit dem Auto erreichen kann – dahinter ist nur noch der aufgewühlte Ozean und unwegsames Gestein.

Das Dorf Å ist überaus bezaubernd und bewahrt ängstlich seinen rauen Charakter. Du kannst hier auf schmalen Pfaden entlang der zerklüfteten Küste spazieren, den kreisenden Möwen zusehen und das alte Fischereimuseum erkunden, das das harte Leben der Einheimischen im letzten Jahrhundert getreu zeigt. Es ist ein Ort, an dem du wirklich das Gefühl hast, am Ende der Welt angekommen zu sein.

Auf dem Rückweg nach Reine solltest du unbedingt auf dem gelben Inselchen Sakrisøy haltmachen, das wunderbar mit den umliegenden roten Dörfern kontrastiert. Hier findest du ein sehr reizendes und leicht bizarres Spielzeugmuseum (Dagmar’s Museum of Dolls and Toys), das eine unerwartete Abwechslung von der allgegenwärtigen monumentalen Natur bietet und definitiv einen kurzen Halt und Besuch wert ist.

Wenn dich im Ort Å Lust auf etwas Süßes überkommt, musst du die alte lokale Bäckerei mit dem riesigen Ofen besuchen. Ich empfehle dir ihre legendären Zimtschnecken (kanelboller), die riesig, fluffig sind und so perfekt duften, dass es bestimmt nicht bei einem Stück bleibt. Die Nacht verbringst du wieder in deiner märchenhaften Unterkunft in Reine, sodass du den Abend mit einer Tasse heißem Tee auf der über dem Wasser ragenden Terrasse genießen kannst.

💡 Tipp: Das Parken in Reine ist im Sommer extrem schwierig, und kostenlose Plätze gibt es nicht. Rechne damit, dass du auf dem Parkplatz Reine Outer Harbor 3 € pro Stunde zahlst und oft lange kreisen musst, bis überhaupt ein Platz frei wird.

Tag 6: Langsame Rückfahrt in den Norden und der Surferstrand Skagsanden

Am vorletzten Tag deines Roadtrips beginnst du, dich langsam zurück in den wilden Norden der Inseln zu bewegen. Der Rückweg bietet dir eine völlig andere Perspektive, du siehst die Berge aus anderen Winkeln und bemerkst rauschende Wasserfälle, die du auf der Hinfahrt nach Süden völlig verpasst hast. Die E10 ist in dieser Richtung nicht weniger beeindruckend, und es lohnt sich, früh morgens loszufahren, bevor sich die ersten Touristenmassen auf der Strecke einfinden.

Deine wichtigste Vormittagsstation ist der atemberaubende Strand Skagsanden unweit des Dörfchens Flakstad. Dieser Strand ist berühmt für seinen dunklen vulkanischen Sand, der sich mit dem hellen mischt und faszinierende abstrakte Muster bildet. Skagsanden ist zudem ein sehr beliebter Ort arktischer Surfer, sodass du von der Klippe aus die Wagemutigen in dicken Neoprenanzügen beobachten kannst, wie sie tapfer die eiskalten Wellen bezwingen.

Auf dem Weg weiter nach Norden fährst du am verborgenen Juwel namens Storsandnes vorbei, einem kleineren und viel ruhigeren Strand ohne Touristenmassen. Die hiesige Kulisse mit Blick auf die steilen Klippen der tiefen Bucht ist absolut atemberaubend und stellt einen idealen Ort für einen kurzen Spaziergang und zum Beinevertreten nach längerem Sitzen im Auto dar.

Zum Mittagessen halte in der Umgebung von Leknes, wo es eine ziemlich große Auswahl an modernen Bistros gibt. Ich empfehle dir, einen ehrlichen vegetarischen Burger zu probieren mit gegrilltem Halloumi-Käse und hausgemachten Pommes, der dir reichlich Energie für den Rest der Reise gibt. Abends kommst du zurück nach Svolvær, wo du dir eine Unterkunft für deine letzte Lofoten-Nacht reservierst und dich richtig ausruhst.

💡 Tipp: Vergiss nicht, unterwegs deine Benzinvorräte aufzufüllen oder das Elektroauto zu laden. Die Tankstellen sind im Süden der Inseln ziemlich dünn gesät, und die Entfernungen können auf der Karte wirklich täuschen.

Tag 7: Abschied von den Lofoten und Fahrt zum Flughafen

Der letzte Tag steht im Zeichen des Bilanzierens und Packens. Von Svolvær fährst du Richtung Osten zum Flughafen Evenes, was bedeutet, dass du die berühmte E10 noch einmal durchfährst, diesmal mit dem Gefühl, diese raue Landschaft schon vertraut zu kennen. Die Fahrt von Svolvær nimmt etwa zweieinhalb Stunden reine Fahrzeit in Anspruch, da du eine Entfernung von 160 Kilometern zurücklegen musst, aber lass dir lieber einen ordentlichen Puffer für unerwartete Staus, langsame Fahrzeuge oder einen plötzlichen Wetterumschwung, der dich auf der Strecke aufhalten könnte.

Obwohl du schon nach Hause fährst, lässt dich die Natur nicht aufatmen und bietet weiterhin wunderschöne Blicke auf die umliegenden tiefen Fjorde. Halte an einem der Rastplätze entlang der Strecke, mach deine letzten Fotos und sauge die wunderbar reine nordische Luft in deine Lungen. Norwegen verabschiedet sich von dir genau so, wie es dich vor einer Woche empfangen hat – nämlich absolut monumental.

Vor der Ankunft am Flughafen musst du die praktischen Formalitäten der Autorückgabe erledigen. Die Vermietungen verlangen üblicherweise die Rückgabe mit vollem Tank, also suche dir vor dem Flughafen die nächste Tankstelle und betanke das Auto. Die Schlüsselabgabe am kleinen Flughafen Evenes läuft meist sehr schnell und ohne unnötige Bürokratie ab, sodass du dir viele Nerven sparst.

Wenn dir vor dem Abflug noch etwas Zeit bleibt, kannst du in der Flughafenhalle deine letzten norwegischen Kronen ausgeben. Gönn dir für die Reise noch eine ausgezeichnete Zimtschnecke und einen Filterkaffee, um dir die Wartezeit auf den Inlandsflug nach Oslo zu verkürzen. Danach erwartet dich nur noch ein bequemer Flug nach Hause mit einem Kopf voller unvergesslicher Erinnerungen.

💡 Tipp: Auch wenn der Flughafen Evenes recht klein ist, können sich in der Sommersaison unerwartete Schlangen an der Sicherheitskontrolle bilden. Sei lieber etwas früher am Terminal, damit du dich nicht unnötig stresst.

Wo du entlang der Route übernachtest und wie du deine Basis wählst

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Wenn du das Maximum aus den Lofoten herausholen und nicht an der Logistik verzweifeln willst, vergiss die Idee, jeden Tag in einer anderen Stadt zu schlafen. Eine viel bessere Strategie ist es, sogenannte Basislager einzurichten, von denen aus du sternförmige Ausflüge unternimmst, je nachdem, wie das Wetter gerade ist. Jeden Morgen die Koffer zu packen, ist eine riesige Plage, besonders wenn dich am Nachmittag Regen überrascht und du lieber mit einem Buch im Warmen bleiben würdest. Die Lofoten erfordern schlicht Flexibilität.

Bei einem siebentägigen Roadtrip erweist sich die Aufteilung des Aufenthalts auf zwei strategische Basen als absolut ideal. Am besten verbringst du drei Nächte ganz im Süden rund um Reine oder Hamnøy und widmest die restlichen vier Nächte dem nördlicheren Teil, etwa in Svolvær oder im ruhigen Ballstad. So bekommst du genügend Zeit für die südlichen Ikonen wie den Strand Bunes oder das Dörfchen Å, ohne ermüdende zweistündige Fahrten auf einer Straße hin und wieder zurück absolvieren zu müssen.

Für Fans maximaler Ruhe und logistischer Perfektion bietet sich noch eine Variante an, nämlich eine einzige Basis genau in der Mitte des Archipels. Die Stadt Leknes gehört zwar nicht zu den fotogensten, aber sie liegt genau im Zentrum der Inseln, sodass es nach Norden wie nach Süden etwa gleich weit ist und du zum schönsten Strand Haukland in fünfzehn Minuten kommst. Außerdem findest du hier riesige Supermärkte, das einzige große Krankenhaus im nahen Gravdal, und die Unterkunftspreise sind hier oft günstiger als im gefeierten Süden.

Hier sind konkrete Unterkunftstipps, die du leicht über Booking reservieren kannst:

  • Reine und Hamnøy (Süden): Ein absoluter Klassiker sind die roten Fischerhütten Eliassen Rorbuer oder Sakrisøy Rorbuer. Du wohnst hier direkt auf Pfählen über dem Ozean und hast aus dem Fenster den besten Ausblick. Der Preis im Sommer entspricht aber der enormen Beliebtheit und liegt oft bei rund 700 € pro Nacht.
  • Ballstad (Mitte): Dieser authentische Fischerhafen ist ein hervorragender Kompromiss. Übernachten kannst du zum Beispiel im gemütlichen Kræmmervika Havn, wo du die raue nordische Atmosphäre für etwas vernünftigeres Geld als im Süden genießt und trotzdem mitten im Geschehen bist.
  • Svolvær (Norden): Für städtische Sicherheit und maximale Ausstattung wähle die Hauptstadt der Inseln. Sie bietet moderne Apartments, viele Restaurants und perfekte Erreichbarkeit gleich nach der Ankunft vom Flughafen Evenes, sodass du viel Zeit sparst.
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Wohin als Nächstes

Wenn dich Norwegen begeistert hat und du weitere Details deiner Reise planst, habe ich weitere nützliche Artikel aus unserem Blog für dich vorbereitet. Darin findest du ausführliche Informationen, die dir helfen, deinen skandinavischen Traum zur Perfektion zu bringen.

Häufig gestellte Fragen

Wie bezahlt man die Maut auf den Lofoten und in Norwegen generell?

In Norwegen funktioniert ein automatisches System namens AutoPass, sodass es keine klassischen Mautstellen gibt, an denen man anhalten und bar bezahlen müsste. Alle Autos der lokalen Autovermietungen haben diesen Chip bereits installiert, Kameras fotografieren bei der Durchfahrt durch einen Tunnel oder über eine Brücke dein Kennzeichen und die Autovermietung zieht dir den Betrag später einfach von der Kreditkarte ab, normalerweise etwa einen Monat nach deiner Rückkehr.

Brauche ich auf den Lofoten wirklich ein Auto oder schaffe ich das auch mit dem Bus?

Obwohl auf den Inseln öffentliche Verkehrsmittel verkehren, ist ein Auto für einen vollwertigen Roadtrip und das Entdecken versteckter Orte absolut notwendig. Busse fahren sehr selten, ihre Fahrpläne sind nicht ideal und man kommt mit ihnen nicht zu abgelegenen Stränden oder zu den Ausgangspunkten von Wanderwegen, sodass ihr eine riesige Menge an Freiheit verlieren und viel wertvolle Zeit mit unnötigem Warten an Haltestellen verschwenden würdet.

Wann ist die beste Zeit für die Buchung einer Fähre ab Bodø?

Wenn Sie sich für die Route über die Hafenstadt Bodø entscheiden, müssen Sie die Fähre nach Moskenes sofort reservieren, sobald Sie Ihre Flugtickets gekauft haben, ruhig auch drei Monate im Voraus. Genau die Hälfte der Schiffskapazität wird online verkauft, und wenn Sie das verpassen, erwartet Sie ein stundenlanger Warteaufenthalt im Hafen in der Spur für nicht reservierte Fahrzeuge, was Ihnen den Beginn Ihres Urlaubs völlig vermiesen kann.

Kann man auf den Lofoten kostenlose Parkplätze finden?

In der Hauptsaison ist kostenloses Parken an bekannten Orten praktisch unmöglich, und ihr solltet euch auf keinen Fall darauf verlassen. Städtchen wie Reine oder beliebte Strände verlangen Gebühren über die mobilen Apps EasyPark oder Parka, da sie sonst dem Touristenansturm nicht gewachsen wären – kalkuliert diese Ausgaben also unbedingt in euer Budget ein. Strafzettel für falsches Parken sind in Norwegen übrigens wirklich astronomisch hoch.

Wie ist es auf den Inseln mit vegetarischem Essen?

Obwohl die Lofoten historisch mit der Fischerei und dem berühmten getrockneten Skrei-Kabeljau verbunden sind, werden Vegetarier hier definitiv nicht hungern müssen. Die meisten Cafés und Restaurants bieten großartige fleischlose Alternativen, außerdem haben norwegische Supermärkte wie Kiwi oder Rema 1000 eine riesige Auswahl an frischem Gemüse, Käse und hochwertigen vegetarischen Fertiggerichten, sodass ihr ganz einfach ein leckeres Essen direkt in eurer Unterkunft zubereiten könnt.

Wie lange dauert die Fahrt vom Norden bis ganz in den Süden der Inseln?

Die Entfernung von der Stadt Svolvær zum Dorf Å beträgt zwar etwa 130 Kilometer, aber lasst euch nicht vom Blick auf die Karte täuschen. Aufgrund der kurvenreichen Straßen, häufigen Buchten und dem starken Sommerverkehr voller Wohnmobile werdet ihr für diese Strecke mindestens zweieinhalb Stunden reine Fahrtzeit benötigen. Realistisch gesehen solltet ihr einplanen, dass ihr mit Fotostopps locker einen halben Tag unterwegs sein werdet.

Kann man Bootsausflüge direkt vor Ort buchen?

Ja, von größeren Städten wie Svolvær legen täglich zahlreiche Schiffe ab, zum Beispiel sehr beliebte Fahrten in den stillen Trollfjord, wo man Seeadler beobachten kann. Diese Erlebnisse kannst du ganz einfach über die GetYourGuide-App suchen und buchen, aber in den Sommermonaten solltest du das lieber ein paar Tage im Voraus erledigen, um sicherzugehen, dass du auch wirklich an Bord kommst.

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