Via Ferratas in den Dolomiten für Anfänger: 5 beste Routen

Die italienischen Dolomiten sind ein Paradies für alle Bergliebhaber – doch wer wirklich unvergessliche Erlebnisse sucht, sollte unbedingt die Via Ferratas in den Dolomiten ausprobieren. Diese gesicherten Klettersteige führen dich mithilfe von Stahlseilen, Eisenstiften und Leitern an Orte, die du ohne Kletterausrüstung und jahrelange Erfahrung niemals erreichen könntest.

Ich verrate dir schon mal, was dich erwartet: fünf Routen, bei denen du genau die richtige Portion Respekt bekommst, die Ausrüstung, ohne die du wirklich nicht losziehen solltest – und natürlich der Tipp, wo du nach dem Aufstieg ein kühles Bier verdient hast.

Kletterer auf der Via Ferrata Piz de Lech in den Dolomiten
Kletterer auf der Via Ferrata Piz de Lech in den Dolomiten (Foto: Wikimedia Commons, Public domain)
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Zusammenfassung

Wenn du es eilig hast und nur einen schnellen Überblick vor der Reise brauchst, hier die wichtigsten Punkte. Am besten schnell als Screenshot aufs Handy – dann hast du alles unterwegs griffbereit:

  • Was ist eine Via Ferrata: Übersetzt „Eisenweg“ – eine Bergstrecke, die dauerhaft mit Stahlseilen, Eisenstiften und Leitern gesichert ist. Erfunden wurde sie genau hier, in den Dolomiten, während des Ersten Weltkriegs.
  • Schwierigkeitsskala: In Italien werden die Buchstaben A (leicht) bis D (extrem anspruchsvoll) verwendet. Für absolute Anfänger empfehlen sich Routen der Kategorie A oder B.
  • Pflichtausrüstung: Niemals ohne Helm, Klettergurt und zertifiziertes Klettersteigset (mit Falldämpfer) losziehen. Die Ausrüstung lässt sich vor Ort problemlos leihen.
  • Beste Reisezeit: Juli bis September. Immer früh morgens aufbrechen – Nachmittagsgewitter an Stahlseilen sind lebensgefährlich (Faustregel: bis 13 Uhr zurück im Tal).
  • Basislager: Cortina d’Ampezzo ist unsere liebste Basis und gleichzeitig der praktischste Ausgangspunkt für die bekanntesten Routen.
  • Bergführer: Für die erste Erfahrung oder schwerere Routen (C) lohnt sich ein zertifizierter IFMGA-Bergführer definitiv – für die Sicherheit und den Seelenfrieden.

Was ist eine Via Ferrata – und woher kommt sie?

Vielleicht hast du den Begriff schon gehört, aber was steckt in der Praxis dahinter? Eine Via Ferrata – auf Italienisch „Eisenweg“ – ist eine Bergstrecke, die dauerhaft mit Stahlseilen, Eisentritten, Leitern oder sogar Hängebrücken gesichert ist. Das bedeutet: Du kannst dich sicher in sehr steilem bis senkrechtem Gelände bewegen, das sonst nur erfahrenen Kletterern mit eigenem Seil und Sicherungstechnik zugänglich wäre. Du klinkst dich einfach mit Karabinern in das bereits in den Fels eingelassene Seil ein und steigst Schritt für Schritt nach oben.

Interessant ist, dass die Via Ferrata eine Erfindung ist, die direkt aus den Dolomiten stammt. Im Ersten Weltkrieg tobten hier in großer Höhe erbitterte Kämpfe zwischen dem italienischen und dem österreichisch-ungarischen Heer. Die Soldaten mussten Männer, Waffen und Vorräte schnell und sicher über steile Grate bewegen – und so begannen sie, Eisenhaken in den Fels zu schlagen und Seile zu spannen. Wir haben auf diesen alten Steigen manchmal eine halbe Stunde damit verbracht, uns vorzustellen, wie diese Männer das vor über hundert Jahren gemeistert haben – in fürchterlichen Bedingungen, mit schwerem Gepäck und im Winter. Da fühlt man sich auf einem modernen Klettersteig in leichten Schuhen und mit moderner Karabinertechnik fast ein bisschen unangemessen klein. Heute gibt es hier das dichteste Klettersteig-Netz ganz Europas, und viele Routen führen durch alte Bunker und direkt in den Fels gehauene Tunnel – die Atmosphäre lässt einen wirklich nicht unberührt.

Wie schwer ist es? Die italienische Klettersteig-Klassifizierung

Wenn du deine erste Route aussuchst, ist die Schwierigkeitsbewertung das Wichtigste, worauf du achten musst. Die italienischen Dolomiten nutzen eine eigene Skala mit Buchstaben von A bis D, alternativ auch Zahlen von 1 bis 5 (wobei 1 am leichtesten ist). In der Praxis ist jedoch die Buchstaben-Bewertung gebräuchlicher. Als absoluter Anfänger solltest du strikt bei A und B bleiben – und das ist wirklich keine Schande, ganz im Gegenteil.

  • A (Leicht): Im Grunde ein Wanderweg in steilem Gelände, der zur Sicherheit mit einem Seil ausgestattet ist. Oft muss man das Seil gar nicht anfassen – es gibt vor allem ein Gefühl der Sicherheit. Ideal für die erste Begegnung mit der Ausrüstung oder wenn du mit älteren Kindern unterwegs bist und ohne unnötigen Stress ausprobieren möchtest.
  • B (Mittelschwer): Hier trifft man schon auf steilere Passagen und Felsen. Das Seil wird aktiv zum Vorwärtskommen genutzt, man kommt ins Schwitzen – aber mit normaler körperlicher Fitness schafft das jeder durchschnittlich aktive Wanderer.
  • C (Anspruchsvoll): Senkrechte Wände, Überhänge, Passagen, bei denen man wirklich Armkraft braucht und das Körpergewicht richtig einsetzen muss. Für Anfänger ist dieser Schwierigkeitsgrad nur in Begleitung eines erfahrenen Bergführers geeignet – sonst kann das Erlebnis ziemlich beängstigend werden.
  • D (Extrem anspruchsvoll): Erfordert sehr gute körperliche Fitness und Vorerfahrung. Lange überhängende Passagen, bei denen man sich nur mit der Armkraft hält. Nichts für Einsteiger – diese Routen empfehlen wir wirklich nur den absolut erfahrensten Bergsportlern.

Pflichtausrüstung für den Klettersteig (und wo man sie bekommt)

Wer sich über Via Ferratas in den Dolomiten informiert, liest oft, dass man die Ausrüstung mitbringen kann – muss aber nicht. Wer mit dem Flugzeug anreist oder sich keine teure Ausrüstung für einen einzigen Versuch kaufen möchte, kann alles problemlos vor Ort leihen. Ich weiß, wie lästig es ist, einen riesigen Koffer mit unnötigem Zeug zu schleppen – Verleihstationen sind hier wirklich eine Wohltat.

Ohne eigene Ausrüstung kannst du sie in fast jedem Bergdorf problemlos ausleihen. In Cortina d’Ampezzo findest du gleich mehrere Verleihstationen (z. B. Snow Service oder lokale Bergführerbüros), wo ein komplettes Klettersteigset etwa 30 bis 50 € pro Tag kostet. Das Personal passt dir alles auf deine Größe an – du kannst also sicher sein, dass du alles richtig trägst.

Was du genau brauchst:

  • Kletterhelm: Niemals, wirklich niemals, einen Klettersteig ohne Helm angehen. Die Hauptgefahr kommt nicht davon, dass du deinen Kopf gegen den Fels stößt – sondern von anderen Kletterern über dir, die unbeabsichtigt einen Stein lösen könnten.
  • Klettergurt: Er muss perfekt sitzen – nicht einschnüren, aber auch nicht zu locker sein.
  • Klettersteigset (Y-Klemm-Bandschlinge mit Falldämpfer): Ein spezielles Set aus zwei elastischen Schlaufen mit Karabinern und Reißfalldämpfer. Bitte versuche niemals, einen Klettersteig mit normalen Kletterseilen zu sichern. Bei einem Sturz würde das böse enden – der Falldämpfer ist dazu da, die enorme Aufprallenergie abzufangen.
  • Klettersteighandschuhe: Stahlseile sind rau, manchmal lösen sich Drahtenden – nach zwei Stunden Klettern ohne Handschuhe hättest du Hände voller Blasen. Feste Lederhandschuhe aus dem Baumarkt oder Fahrradhandschuhe mit abgeschnittenen Fingern tun es zur Not auch, aber speziell gepolsterte Klettersteighandschuhe sind natürlich die beste Wahl.
  • Festes Schuhwerk: Turnschuhe bleiben im Hotel. Du brauchst gute Wanderschuhe, idealerweise mit steifer Zehenpartie (sogenannte Climbing Zone), damit du sicher auf kleinen Felsvorsprüngen stehen kannst.
  • Wasser und Erste-Hilfe-Set: Vergiss ausreichend Flüssigkeit nicht. Die Sonne brennt an Felswänden mit unglaublicher Kraft – wir haben immer mindestens zwei Liter Wasser pro Person dabei. Ein kleines Pflaster-Set lohnt sich ebenfalls, denn auch mit den besten Handschuhen entstehen manchmal Blasen.

Wann in die Dolomiten – und worauf du achten solltest

Die Saison für Klettersteige in den Dolomiten ist recht kurz. Im Winter liegen die Routen unter Schnee und Eis, das ideale Zeitfenster ist daher Juli bis Ende September. Im Herbst wird es zwar kühler, aber die Tage können wunderschön sonnig sein – und am Seil wirst du kaum auf Warteschlangen treffen.

Der größte Feind am Klettersteig ist das Wetter. An einem Stahlseil zu hängen, das direkt auf einen Gipfel führt – mitten in einem sommerlichen Gewitter – ist ungefähr die schlechteste Idee der Welt, denn die Seile wirken wie riesige Blitzableiter. Die goldene Regel in den Alpen lautet: Um 13 Uhr solltest du bereits bei einem Bier in der Berghütte sitzen oder zurück im Tal sein. Nachmittagliche Wärmegewitter entstehen sehr schnell, also brich immer früh auf – ruhig schon um sieben oder acht Uhr morgens. Als wir das erste Mal in den Dolomiten waren, musste Lukáš mich um fünf Uhr früh aus dem Bett zerren, was ich persönlich gar nicht mag. Aber als wir sahen, wie sich mittags dunkle Wolken über den Gipfeln zusammenzogen, musste ich zugeben, dass er recht hatte. Der frühe Aufbruch ist hier wirklich eine Frage der Sicherheit. Denk auch an eine ordentliche Reiseversicherung für Bergsport – wir setzen bei kürzeren Europatrips auf SafetyWing, das bietet auch Deckung für Aktivsport.

5 beste Via Ferratas in den Dolomiten für Anfänger

Diese Routen gehören zur bewährten Klassik für Einsteiger – empfohlen von erfahrenen Kletterern und Bergführern, denen wir vertrauen. Wir haben sie bewusst so ausgewählt, dass du dein Selbstvertrauen nicht verlierst, aber gleichzeitig gesunden Respekt entwickelst (genau das richtige Gefühl 😉). Schätze deine Kräfte ehrlich ein – und wenn du unsicher bist, engagiere einen Bergführer.

1. Sentiero Bonacossa (Schwierigkeit A)

Drei Zinnen von Süden – Gebiet des Sentiero Bonacossa
Foto: 2015 Michael 2015 / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Wenn du gerade erst mit Klettersteigen anfängst und dir nicht sicher bist, ob du unter Schwindelgefühlen leidest oder ob es dir überhaupt gefallen wird, ist der Sentiero Bonacossa die absolut ideale Wahl. Es handelt sich eher um einen herrlichen Hochgebirgsweg, der in steileren Abschnitten mit Seilsicherungen ausgestattet ist.

Die Route beginnt in der Nähe der berühmten Tre Cime und führt über Grate in Richtung Refugio Bossi. Senkrechte Wände oder kraftraubende Passagen gibt es hier keine – stattdessen genießt du atemberaubende Ausblicke auf zerklüftete Gipfel und das Gefühl, wirklich hoch oben in den Bergen zu sein. Ich erinnere mich noch genau, wie ich dort zum ersten Mal stand und ins Tal schaute – magisch. Der gesamte Ausflug ist in 1 bis 2 Stunden zu schaffen, sodass du dich kaum erschöpfst.

2. Cesare Piazzetta am Sass Pordoi (Klassiker A/B)

Sentiero attrezzato in den Dolomiten
Foto: Riccardo Pasciucco / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Das Sellamassiv und der beeindruckende Gipfel des Sass Pordoi bieten hervorragende Möglichkeiten für Einsteiger. Die Route Cesare Piazzetta bewegt sich in ihrer einfacheren Variante im angenehmen Schwierigkeitsbereich A/B. Der Einstieg ist gut erreichbar und die Route führt sehr logisch entlang von Felsblöcken.

Der Weg dauert etwa 2 bis 3 Stunden und belohnt dich mit wunderschönen Ausblicken auf die umliegenden Grate. Das ist genau der Typ Klettersteig, bei dem man Hände und Füße schon etwas koordinieren muss – sich aber dabei absolut sicher fühlt. Das Gefühl, wenn man oben ankommt und den Helm abnimmt, ist einfach unbezahlbar. Und als Belohnung gibt es auf dem Gipfel ein hervorragendes italienisches Espresso mit Blick auf die gesamte Sellagruppe – einfach großartig.

3. Innerkofler-De Luca bei den Tre Cime (Schwierigkeit C: mit Bergführer)

Klettersteig Innerkofler-De Luca in den Sextener Dolomiten
Foto: Andrea Schieber from München, Deutschland / CC BY-SA 2.0 / Wikimedia Commons

Obwohl dieser Klettersteig den Schwierigkeitsgrad C hat, ist er unglaublich beliebt auch bei sportlich ambitionierten Anfängern – allerdings empfehlen wir ausdrücklich, ihn beim ersten Mal mit einem zertifizierten Bergführer zu begehen. Er befindet sich direkt am Monte Paterno, der an die ikonischen Tre Cime di Lavaredo grenzt – die Ausblicke sind hier schlicht bilderbuchhaft.

Die Route fasziniert vor allem durch ihre Geschichte. Sie führt durch lange, in den Fels gehauene Kriegstunnel aus dem Ersten Weltkrieg – unbedingt eine Stirnlampe einpacken! Wenn das Licht in diesen dunklen Gängen ausgeht, ist das schon für sich ein kleines Abenteuer. Das eigentliche Klettern dauert etwa 4 bis 5 Stunden, und der Bergführer hilft dir über die schwierigeren Passagen hinweg und gibt dir die nötige Sicherheit – denn darunter tut sich stellenweise eine ziemlich beeindruckende Tiefe auf 😅.

4. Ferrata delle Trincee an der Marmolada (Schwierigkeit B/C)

Marmolada – Königin der Dolomiten
Foto: Wolfgang Moroder / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Wer in den Dolomiten ist, sollte die Königin dieser Berge nicht verpassen: die Marmolada. Direkt gegenüber ihrem majestätischen Gletscher erhebt sich der Padon-Kamm, an dem der historische Steig Ferrata delle Trincee entlangführt. Schwierigkeit B/C bedeutet, dass man dabei ins Schwitzen kommt – insgesamt ist es aber flüssiges Klettern über abwechslungsreichen Fels.

Diese Route ist, wie der Name schon andeutet (Trincee = Schützengräben), von Kriegsgeschichte durchdrungen. Du gehst an alten Schießscharten, Bunkern und Gräben entlang. Es ist unglaublich zu sehen, wo sich damals die Soldaten verschanzten – und die Geschichte, die aus diesem Fels atmet, lässt einen nicht kalt. Die Ausblicke auf den gletscherbedeckten höchsten Gipfel der Dolomiten sind von hier so atemberaubend, dass man alle paar Meter stehen bleibt und fotografiert. Die gesamte Runde dauert etwa 2 bis 3 Stunden Kletterzeit plus An- und Abstieg.

5. Ferrata Possnecker am Sassolungo (Schwierigkeit B/C)

Sassolungo (Langkofel) vom Sellajoch aus
Foto: H. Zell / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Der letzte Tipp ist eine absolute Klassikroute im Bereich des Sassolungo-Massivs. Der Possnecker gehört zu den ältesten Klettersteigen der Dolomiten und ist eine schöne historische Linie, die auf clevere Weise natürliche Risse und Kamine im Fels nutzt. Obwohl er mit B/C bewertet ist, erwarten dich keine unsinnig schweren Überhänge – dafür technisch anspruchsvolles und abwechslungsreiches Klettern.

Der Weg führt durch herrliches Kalksteingelände, wo sich Seilpassagen mit Gehpassagen auf Felsleisten abwechseln. Am besten brichst du gleich früh auf, damit genug Zeit für einen gemütlichen Abstieg bleibt – und du fühlst dich dabei wie ein echter Alpinist, auch wenn du mit dem Sport gerade erst anfängst. Auf genau dieser Route hatte ich das erste Mal das Gefühl, dass wir das wirklich regelmäßig machen sollten. Der Kontakt mit dem Fels ist hier einfach magisch.

Mit Bergführer oder auf eigene Faust?

Eine Frage, die sich viele Anfänger stellen. Wenn du über einen selbst geführten Klettersteig nachdenkst, solltest du das sehr verantwortungsbewusst angehen. Für sehr einfache Routen (A oder A/B) – wenn du nicht unter Schwindel leidest, fit bist und sicher mit Karabinern umgehen kannst – kannst du durchaus eigenständig aufbrechen. Stelle aber immer sicher, dass jemand dabei ist, der zumindest ein bisschen weiß, was er tut.

Für Routen des Schwierigkeitsgrades C hingegen, oder wenn du einfach nicht ganz sicher bist, empfehlen wir wärmstens, einen zertifizierten IFMGA-Bergführer zu engagieren. Diese Profis kennen die heimischen Berge in- und auswendig. Sie wissen, wie man Menschenmassen ausweicht, helfen bei der Technik und erzählen dabei Geschichten, die einem die Haare zu Berge stehen lassen. Ein Bergführer kostet in der Regel 200 bis 300 € pro Tag für eine kleine Gruppe – aufgeteilt unter Freunden definitiv lohnenswert.

Wo übernachten – das beste Basislager für Klettersteige

Wer die schönsten Klettersteige und Ausflüge in greifbarer Nähe haben möchte, dem empfehlen wir als Hauptquartier das malerische Städtchen Cortina d’Ampezzo. Cortina liegt mitten im Herzen der schönsten Gipfel, und mit dem Auto erreichst du die Einstiege der meisten beliebten Routen in wenigen Minuten.

Es ist zwar ein etwas gehobenes Urlaubsziel (ein ordentliches Zimmer kostet in der Hochsaison etwa 150 bis 250 € pro Nacht für zwei Personen), doch die Lage macht das mehr als wett. In der Stadt findest du Verleihstationen für Ausrüstung – und abends sitzt man auf Terrassen mit Aperol Spritz und beobachtet, wie andere Touristen ebenfalls ein wenig steif von den Bergen zurückkehren. Solidarität 😁. Wer es klassisch-stilvoll mag, ist im traditionsreichen Hotel de la Poste direkt im Zentrum bestens aufgehoben. Wenn wir lieber sparen und die Berge direkt vor der Tür haben wollen, wählen wir das gemütliche Hotel Passo Tre Croci, das etwas oberhalb der Stadt liegt – zu den Klettersteig-Einstiegen sind es von dort wirklich nur ein paar Minuten.

Gut essen in den Dolomiten

Wenn ich schon so viel über Unterkünfte und Ausflüge rede, darf das Allerwichtigste nicht fehlen: das Essen. Wir machen nach einem vollen Tag in den Felsen fast nie eine Ausnahme – der Hunger ist gigantisch. Und die italienischen Berge sind für das Stillen dieses Hungers schlicht der beste Ort der Welt.

In Cortina d’Ampezzo haben wir einen festen Lieblingsort, in den wir immer wieder einkehren: das Ristorante Pizzeria Croda Cafe. Die Pizza mit hauchdünnem Teig ist göttlich – und wenn wir noch in Wanderschuhen hereinstapfen, schaut uns niemand schief an. Es ist immer lebhaft, die Stimmung ist toll, und die Preise sind für das gehobene Cortina tatsächlich sehr angenehm.

Wer sich wirklich belohnen und etwas Lokales und Bäuerliches probieren möchte, sollte unbedingt im El Brite de Larieto reservieren. Das ist ein wunderbarer Bergbauernhof mit Restaurant etwas außerhalb von Cortina, wo Käse und Wurstwaren selbst hergestellt werden. Eine Holzplatte mit hausgemachten Käsesorten und ein Glas lokalem Wein beim Sonnenuntergang – das ist der wahre Grund, warum wir uns überhaupt in diese Berge schleppen 😁.

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Training zu Hause – was du vor der Abreise ausprobieren kannst

Bevor du nach Italien zu den wirklich großen Wänden aufbrichst, ist es sehr sinnvoll, den Umgang mit der Ausrüstung erst einmal in Ruhe daheim zu üben. Lähmende Höhenangst entdeckt man besser zehn Meter über dem Boden in Deutschland als zweihundert Meter über einem italienischen Abgrund 😁. Deutschland bietet einige großartige Klettersteige für Anfänger, die sich perfekt als Vorbereitung eignen.

Gute Einstiegsmöglichkeiten in Deutschland findest du zum Beispiel im Frankenjura, am Hessenstein in Hessen oder am Klettersteig am Battert in Baden-Baden. Auch Österreich bietet mit dem Klettersteig-Gebiet rund um den Achensee oder im Salzkammergut ideale Übungsmöglichkeiten für Anfänger. An vielen dieser Orte gibt es Ausrüstungsverleih und kurze Einführungskurse mit einem Instruktor – genau das Richtige, um das Seil in Ruhe kennenzulernen, bevor es in die großen Dolomiten geht.

Was tun, wenn man gerade nicht klettert

Natürlich kann man nicht den ganzen Urlaub an Seilen hängen – Hände und Beine brauchen Erholung. Italien ist neben den Bergen auch ein Land des Genusses, und wir gönnen uns in den Dolomiten immer gerne ein paar ruhigere Stunden.

Nach einem anstrengenden Tag im Fels entdeckst du, dass die Südtiroler Küche ein wahres Wunder ist. Italienische Pasta trifft auf österreichliche Herzhaftigkeit – man isst dreimal so viel wie geplant und sagt sich dabei, dass man es verdient hat. Kanerderln (Canederli) in allen Variationen, herzhafte Polenta mit Fleisch oder süßer Apfelstrudel: alles ist köstlich. Abends empfehlen sich zur Muskelentspannung ein Bombardino oder ein Aperol Spritz auf der Terrasse. Die meisten besseren Hotels in Cortina bieten außerdem herrliche Wellnessbereiche und Saunen – genau das, was der Körper nach einem ganzen Tag im Fels braucht.

Persönlich gönnen wir uns neben dem Essen auch immer etwas Geschichte und entspannte Ausflüge. Die Dolomiten sind übersät mit wunderschönen Bergseen, wie dem ikonischen Lago di Braies, zu dem man einfach mit dem Auto fahren und die Landschaft genießen kann, wenn die Hände vom Klettern eine Pause brauchen. Man kann sich dort sogar ein Ruderboot leihen und einen richtig romantischen Nachmittag verbringen. Noch ein Hinweis: Wenn du gerne Videos drehst, lass die Drohne besser zu Hause. In den meisten Nationalparks der Dolomiten ist das Fliegen streng verboten – und die Bußgelder sind wirklich saftig 😅.

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Tipps und Tricks vor der Reise

Jede Bergreise erfordert ein bisschen lästiges Planen zu Hause am Schreibtisch. Wir haben nach all den Jahren ein eingespieltes System entwickelt, das uns nicht nur Nerven, sondern meistens auch ziemlich viel Geld spart. Gerne teile ich ein paar unserer bewährtesten Tricks für Reisen nach Italien.

Anreise und Transport

Viele Reisende aus Deutschland fahren mit dem Auto in die Dolomiten – besonders aus dem Süden Deutschlands oder Österreich ist man in wenigen Stunden dort und kann beliebig viel Ausrüstung mitnehmen. Wer jedoch nach Mailand, Venedig oder Verona fliegt und von dort in die Berge möchte, empfiehlt sich ein Mietwagen. Wir haben langfristig sehr gute Erfahrungen mit DiscoverCars gemacht, das wir weltweit für Mietwagen nutzen.

Für günstige Flüge von deutschen Flughäfen (z. B. München, Frankfurt, Stuttgart) lohnt sich ein Blick auf Kiwi – unser bevorzugtes Portal zum Vergleich aller Optionen, das uns meistens die besten Verbindungen findet. Ein Mietwagen direkt am Flughafen ist die ideale Kombination, um in den Bergen völlig flexibel zu sein und sich nicht auf den spärlichen italienischen Busverkehr verlassen zu müssen.

Zuverlässiges Internet nicht vergessen

Auch wenn du in Europa bist und EU-Roaming gilt, verliert man in den Bergen oft das Signal – und manchmal ist es wichtig, schnell den Wetterradar checken zu können, besonders wegen der Gewittergefahr. Nichts ist schlimmer, als am Seil zu hängen und nicht zu wissen, ob die dunkle Wolke über dir bald losbricht oder sich verzieht.

Für längere Reisen oder wenn man viele Daten stressfrei nutzen und Fotos mit der Familie teilen möchte, empfehlen wir eine eSIM. Unsere klare Empfehlung ist Holafly (schau dir gerne unsere Rezension an). Du installierst sie noch gemütlich zu Hause, und sobald du die Grenze überquerst, bist du online – ganz ohne das Herumjonglieren mit physischen SIM-Karten.

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Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wo finde ich eine zuverlässige Via-Ferrata-Karte für die Dolomiten?

Die besten und genauesten Karten für die Dolomiten gibt der italienische Verlag Tabacco heraus. Sie bekommen sie in jedem Zeitungskiosk oder jeder Buchhandlung direkt vor Ort. Sie haben den Maßstab 1:25.000 und die Klettersteige sind darin mit schwarzen Kreuzen entlang der Routen klar gekennzeichnet. Es gibt auch eine Tabacco-App für Smartphones, deren Download wir für eine leichtere Orientierung im Gelände empfehlen.

Kann ich mir eine Dolomiten Via Ferrata Karte kostenlos aufs Handy laden?

Ja, super hilfreich sind Apps wie Mapy.cz, die auch offline funktionieren und in denen die Klettersteige sehr gut eingezeichnet sind. Wir empfehlen außerdem Apps wie Fatmap oder Komoot, wo ihr auch konkrete Höhenprofile und Bewertungen von anderen Nutzern findet. Für Anfänger ist das eine absolut unschätzbare Informationsquelle, um die Tour richtig zu planen.

Sind Klettersteige sicher für Kinder?

Das hängt vom Alter und der Erfahrung des Kindes ab. Für Kinder ab etwa 10 Jahren gibt es spezielle leichte Kinder-Klettersteige (Schwierigkeit A), aber das Kind muss einen speziellen Kindergurt (Vollkörpergurt) und einen auf sein geringes Gewicht angepassten Bandfalldämpfer haben. Wir empfehlen auf jeden Fall, die ersten Touren mit Kindern ausschließlich mit einem Instruktor zu machen – so seid ihr auf der sicheren Seite und vermeidet mögliche Angsttränen.

Brauche ich zum Klettersteiggehen ein Kletterseil?

Für normale gesicherte Steige braucht ihr kein Seil, ihr bewegt euch nur mit dem Klettersteigset mit zwei Karabinern. Ein Kletterseil haben nur Bergführer dabei, um Kinder oder nervöse Gäste an besonders ausgesetzten Stellen zusätzlich zu sichern – dieses Ausrüstungsteil könnt ihr also getrost im Tal lassen.

Was passiert, wenn mir unterwegs die Kraft ausgeht?

Das ist einer der wichtigsten Punkte, an die man denken muss. Von einem Klettersteig kommt man sehr schwer zurück oder es gibt keinen Ausweg, bis man den Gipfel oder einen Notabstieg erreicht hat. Deshalb ist es entscheidend, sich nicht zu überschätzen, eine Route mit leichtem Schwierigkeitsgrad zu wählen und in Abschnitten zu pausieren, wo man bequem stehen kann. Hetzt euch nirgendwohin und legt ruhig Pausen ein – die Berge laufen euch nicht weg.

Welche Schuhe soll ich mitnehmen?

Nehmt auf keinen Fall Laufschuhe oder weiche Sneaker mit. Ihr werdet auf Klammern und Stahlstiften stehen und durch die dünne Sohle würden euch nach einer Stunde die Füße unerträglich wehtun. Lukas und ich haben mal unterwegs einen Herrn in normalen Turnschuhen getroffen – der Anblick seiner aufgescheuerten Füße verfolgt mich bis heute. Ideal sind niedrige oder knöchelhohe Trekkingschuhe mit sogenannter ‚Climbing Zone‘ an der Spitze, das ist ein harter, flacher Gummiteil, der genau dafür gemacht ist, auf kleinen Felsstücken zu stehen.

Kann ich direkt nach Regen auf einen Klettersteig gehen?

Lieber nicht. Kalkfelsen in den Dolomiten sind nach Regen extrem rutschig. Auch wenn ihr gute Schuhe habt – die Eisenklammern und Seile werden nass und kalt sein, was das Klettern deutlich erschwert und das Sicherheitsgefühl mindert. Checkt vor der Tour nicht nur das Regenradar mit Gewittern, sondern auch die Niederschlagsmengen der vergangenen Nacht. Ein nasser Klettersteig ist die Nerven wirklich nicht wert.

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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

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