Weinreise durch Frankreich: Elsass, Burgund und Champagne (8 Tage)

Wenn du guten Wein liebst und dir eine Reise wünschst, die dich durch die absolut schönsten Ecken Westeuropas führt, wird dich diese Weinreise durch Frankreich restlos begeistern. Stell dir steile Dächer vor, die in allen Farben leuchten, endlose grüne Weinberge im Sonnenlicht und tiefe Kreidekeller, in denen Millionen von Bläschen in völliger Stille reifen. Drei berühmte französische Regionen bilden die Achse, entlang der du tagelang reisen kannst – und ständig hast du das Gefühl, in einem perfekten Historienfilm gelandet zu sein. Während der Süden Frankreichs im Sommer oft drückend heiß und voller Touristen ist, bietet der östliche Weingürtel ein viel authentischeres Erlebnis.

Ich habe für dich eine komplette Rundreise zusammengestellt, die dich von der deutschen Grenze bis ins Herz der burgundischen Herzöge führt. Du erfährst, wo der beste Riesling entsteht, wie echter Dijon-Senf hergestellt wird und warum man für manche unterirdischen Gänge in Reims einen so stolzen Eintritt zahlt. Dieser Roadtrip ist auf acht Tage ausgelegt, aber wenn du gern langsamer reist und ausgedehnte Kaffeepausen am Nachmittag genießt, kannst du ihn problemlos auf zwei Wochen strecken.

Zusammenfassung

  • Gesamtlänge der Route: Rund 700 Kilometer (ohne Anfahrt aus Deutschland), ideal verteilt auf 8 bis 10 Tage.
  • Wann am besten losfahren: Die besten Monate sind Mai, Juni und September – dann entgehst du den großen Ferienmengen und das Wetter spielt mit.
  • Worauf du dich im Elsass freuen kannst: Märchenhafte Fachwerkhäuser, hervorragender trockener Riesling und das atemberaubende gotische Münster in Straßburg.
  • Highlight im Burgund: Die ikonischen Dächer des mittelalterlichen Hospizes in Beaune und die teuersten Weinberge der Welt entlang der Route des Grands Crus.
  • Erlebnis in der Champagne: Der Abstieg in die antiken Kreidestollen von Reims, wo bei konstanter Temperatur die berühmtesten Flaschen der Welt reifen.
  • Kulinarische Tipps für Vegetarier: Probiere die traditionelle dünne Pizza Tarte flambée in der Pilz- oder Käseversion, den berühmten Munster-Käse und die luftigen burgundischen Käsegebäcke Gougères.
  • Verkehrshinweis: Du brauchst die Umweltplakette Crit’Air für die Einfahrt in große Städte und solltest dich auf gebührenpflichtige Autobahnabschnitte einstellen.
  • Der wichtigste Tipp: Verkostungen in den berühmten Champagnerhäusern sind oft schon Wochen im Voraus ausgebucht – reserviere also alles online, bevor du losfährst.
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Wann du zu dieser Reise aufbrechen solltest

Die Wahl des richtigen Termins ist für einen Frankreich-Roadtrip absolut entscheidend, denn jeder Monat bietet eine ganz andere Atmosphäre und verlangt eine andere Planung. Die ideale Zeit ist zweifellos der September und der frühe Oktober, wenn sich das Laub in den Weinbergen langsam golden färbt und in den Regionen die ersehnte Weinlese stattfindet. In der Champagne wird das genaue Erntedatum, der sogenannte Ban des vendanges, jedes Jahr je nach Reife der Trauben festgelegt. Hier kannst du dir sogar das wunderbare Programm „Vendangeur d’un jour“ gönnen: Ein einheimischer Winzer nimmt dich mit der Schere direkt in die Rebreihen mit, zeigt dir die schonende Handlese und du beendest den Tag mit einem üppigen Mittagessen samt Verkostung direkt im Weinberg.

Wenn du das Frühlingserwachen der Natur bevorzugst, brich im Mai oder Juni auf, wenn die Tage schon herrlich lang sind und alle Burgen und Sehenswürdigkeiten geöffnet haben. Besonders der burgundische Radweg Voie des Vignes ist in dieser Zeit ein wahrer Traum für eine Tour. Vom August rate ich dir dagegen dringend ab, denn dann haben die Franzosen ihre kollektiven Sommerferien und viele kleinere Familienweingüter schließen unerwartet. Auf den Autobahnen, vor allem auf der berüchtigten Route du Soleil, erlebst du zudem endlose Staus an den sogenannten schwarzen Tagen, die man in Frankreich chassé-croisé nennt.

Ein eigenes Kapitel ist die Adventszeit, die den nördlichen Teil der Route in ein perfektes Wintermärchen verwandelt. Das Elsass ist weltberühmt für seine Weihnachtsmärkte, wobei der riesige Markt in Straßburg über dreihundert Holzstände bietet und 2026 vom 27. November bis 27. Dezember stattfindet. Die kleineren, intimeren Märkte in Colmar beginnen schon am 23. November. Du musst allerdings damit rechnen, dass die Unterkunftspreise in dieser Zeit astronomisch steigen, die Kapazitäten schon ein halbes Jahr vorher weg sind und sich in den engen Gassen riesige Menschenmengen aus ganz Europa drängen. Wenn du dich für den Advent entscheidest, wappne dich mit Geduld und genieße den heißen Glühwein mit Sternanis ☺️.

Praktische Infos: Auto, Verkehr und Budget
Foto: Flocci Nivis / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

Praktische Infos: Auto, Verkehr und Budget

Die Anfahrt nach Frankreich ist überraschend einfach, denn von München erreichst du Straßburg über die Autobahn in etwa drei Stunden, von Frankfurt sogar in gut zwei. Die französischen Autobahnen sind allerdings gebührenpflichtig, und zwar über Mautstationen, die péages genannt werden – plane also genügend Budget für die Fahrt ein. Rechne mit Richtkosten von rund 9,50 Euro pro hundert gefahrene Kilometer. Auf manchen neuen Abschnitten funktioniert bereits das schrankenlose System (Free-Flow), bei dem du die Maut innerhalb von zweiundsiebzig Stunden online begleichen musst – darauf solltest du gut achten.

Eine ganz wesentliche Sache für 2026 sind die französischen Umweltzonen namens ZFE, die ausnahmslos auch ausländische Fahrzeuge betreffen. Für die Einfahrt in Städte mit über 150.000 Einwohnern – dazu zählen Reims und Straßburg – brauchst du zwingend die Umweltplakette Crit’Air. Diese musst du mehrere Wochen im Voraus auf der offiziellen Regierungswebsite für rund fünf Euro bestellen, sonst riskierst du ein unangenehmes Bußgeld ab 68 Euro.

Was das Essensbudget angeht, kann Frankreich teuer sein, aber es gibt einen tollen Trick für Reisende. Nutze die Mittagsangebote namens menu du jour, die strikt zwischen zwölf und vierzehn Uhr serviert werden. Für 15 bis 25 Euro bekommst du ein anständiges Drei-Gänge-Menü. Wenn du das verpasst, bekommst du nachmittags in den meisten Restaurants nichts weiter als einen Kaffee und vielleicht ein trockenes Baguette, denn die Küche schließt schlichtweg und öffnet erst wieder zum Abendservice.

Der Reiseplan Tag für Tag

Dieser Plan führt dich chronologisch von der Ostgrenze südwärts ins Burgund und anschließend nach Norden ins Land der Bläschen. Jeder Tag hat sein klares Ziel, lässt dir aber genug Raum, dich in malerischen Gassen zu verlieren oder dir eine lange Kaffeepause zu gönnen.

Tag 1: Ankunft im Elsass und das zauberhafte Straßburg
Foto: Arnaud 25 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Tag 1: Ankunft im Elsass und das zauberhafte Straßburg

Nach der Ankunft parkst du am besten gleich am Rand von Straßburg auf einem der Park-and-Ride-Plätze und fährst zu Fuß oder mit der Tram ins historische Zentrum. Das Auto wäre hier nur eine Last, zumal die Stadt von hervorragenden Radwegen durchzogen ist und zu den fahrradfreundlichsten in ganz Frankreich gehört. Das Herz der Stadt ist die Insel Grande Île, die von allen Seiten von der Ill umflossen wird und zu Recht zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Die Orientierung ist hier kinderleicht, denn von überall siehst du den asymmetrischen Turm des gotischen Münsters Notre-Dame aufragen, das Victor Hugo treffend als ein gewaltiges und zugleich zartes Wunder bezeichnete.

Das Münster aus rosa Sandstein wirkt aus der Nähe wie unglaublich detailreich versteinerte Spitze und ist eine genauere Erkundung absolut wert. Ich empfehle dir, auf die astronomische Uhr zu warten, die sich im Inneren jeden Tag pünktlich um 12:30 Uhr in Bewegung setzt und ein faszinierendes Schauspiel mit defilierenden Aposteln und dem Tod bietet. Am Nachmittag schlenderst du dann gemütlich ins meistfotografierte Viertel namens Petite France. Einst war es das Viertel der Gerber und Müller, wo sich heute jahrhundertealte Fachwerkhäuser mit riesigen Dächern über die Wasserkanäle neigen.

Wenn dich der Hunger packt, kehre in eine der traditionellen elsässischen Tavernen namens winstub ein und lass es dir schmecken. Lass das traditionelle Fleischgericht choucroute garnie links liegen und bestelle lieber die vegetarische Version der dünnen Pizza Tarte flambée, auch flammekueche genannt. Statt Wurst bekommst du auf den extrem dünnen, knusprigen, mit Sahne bestrichenen Teig köstliche lokale Käse, Zwiebeln und frische Waldpilze – zum hiesigen Weißwein eine absolut perfekte Kombination.

💡 Tipp: Schlendere über die gedeckten Brücken Ponts Couverts und steig anschließend auf die Aussichtsterrasse des historischen Vauban-Staudamms. Von dort hast du den absolut besten Panoramablick über das gesamte historische Zentrum samt Münsterturm im Hintergrund – und das völlig kostenlos.

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Tag 2: Elsässer Weinstraße über Colmar, Eguisheim und Riquewihr
Foto: © Ralph Hammann – Wikimedia Commons / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Tag 2: Elsässer Weinstraße über Colmar, Eguisheim und Riquewihr

Lass am Morgen die Großstadt hinter dir und mach dich nach Süden auf den Weg über die älteste Weinstraße Frankreichs überhaupt, die stolze 170 Kilometer misst und bereits 1953 angelegt wurde. Deine erste Station ist das märchenhafte Colmar, dessen historisches Zentrum aus einem Labyrinth gepflasterter Gassen und pastellfarbener Häuser besteht, deren Farben früher den Beruf der Besitzer kennzeichneten. Der größte Magnet ist hier das Viertel Petite Venise, wo du ein kleines Boot mieten und dich auf dem schmalen Kanal des Flüsschens Lauch direkt unter den geranienbehangenen Fenstern hindurchtreiben lassen kannst. Versäume auch nicht das Maison Pfister von 1537, das mit seinen Erkern an ein Renaissanceschloss erinnert, oder das alte Zollhaus Koïfhus.

Nur wenige Kilometer von Colmar liegt das Dörfchen Eguisheim, das regelmäßig vordere Plätze bei Umfragen zum schönsten Ort ganz Frankreichs belegt. Sein einzigartiger Grundriss besteht aus drei konzentrischen Kreisen, die den zentralen Platz mit der Burg umschließen. Beim Spaziergang drehst du dich also ständig im Kreis, und hinter jeder Ecke erwartet dich eine neue, blumenüberflutete bunte Fassade. Genau hier empfehle ich dir, in einem der Familienkeller einzukehren und den lokalen, stolzen und stahlharten trockenen Riesling zu probieren, der hervorragend zu den regionalen Käsesorten passt.

Lass den Nachmittag in Riquewihr ausklingen, das großes Glück hatte und beide Weltkriege ohne den geringsten Schaden überstand – hier fühlst du dich wie in einem perfekten Mittelalterfilm. Auf kleiner Fläche findest du hier über vierzig historische Denkmäler, allen voran der alte Wehrturm Dolder aus dem dreizehnten Jahrhundert. In jedem zweiten Haus befindet sich zudem ein Verkostungskeller, sodass für Abendprogramm und das Probieren des duftenden Gewürztraminers bestens gesorgt ist.

💡 Tipp: Wenn du kräftige Aromen liebst, halte in den örtlichen Käsereien nach dem Kuhmilchkäse Munster Ausschau. Er hat zwar ein sehr durchdringendes Aroma, aber sein feiner, cremiger Geschmack mit Kümmel ist absolut unvergesslich.

Tag 3: Adlernest Haut-Koenigsbourg und Überfahrt ins Burgund
Foto: Gzen92 / Wikimedia Commons, CC0

Tag 3: Adlernest Haut-Koenigsbourg und Überfahrt ins Burgund

Der heutige Tag beginnt etwas dramatisch, denn du steuerst eine gewaltige Festung an, die von Weitem aussieht wie der uneinnehmbare Sitz eines düsteren Herrschers aus einem Fantasyroman. Die Burg Haut-Koenigsbourg thront auf einem felsigen Vorsprung in 757 Metern Höhe, und Kaiser Wilhelm II. ließ sie zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts aus den von schwedischen Truppen zerstörten Ruinen komplett wiederaufbauen. Du wanderst über Zugbrücken, durch massive Wehrbastionen, alte Waffenkammern und prunkvoll ausgestattete Gemächer mit schöner Holzvertäfelung und Kachelöfen.

Der Blick von der Großen Bastion verschlägt dir buchstäblich den Atem, denn an klaren Tagen siehst du von hier die gesamte Elsässer Tiefebene, die Vogesen, den deutschen Schwarzwald und manchmal sogar die Spitzen der fernen Schweizer Alpen. Der Eintritt für Erwachsene kostet 2026 16 Euro, und ich empfehle dir, gleich zur Öffnungszeit zu kommen. Die Parkplätze entlang der kurvigen Bergstraße füllen sich nämlich im Laufe des Vormittags sehr schnell, und später müsstest du wirklich weit entfernt parken. Nach der Besichtigung steigst du ins Auto und machst dich auf eine längere Fahrt nach Südwesten gefasst.

Dein Ziel ist die Region Burgund, wo sich die Landschaft langsam von engen, bewaldeten Tälern zu offenen, sanft gewellten und mit Weinbergen übersäten Ebenen wandelt. Am Abend erreichst du die Stadt Dijon, die dir in den folgenden Tagen als ausgezeichnete Basis dient. Such dir zum Abendessen ein traditionelles Bistro im Zentrum und probiere unbedingt die lokale Delikatesse Gougères. Das sind goldbraun gebackene Bällchen aus Brandteig, reichlich mit burgundischem Käse gefüllt, die zum Abendwein absolut perfekt passen und jeden Vegetarier erfreuen.

💡 Tipp: Wenn du auf der Autobahn das Elsass verlässt, leg einen kurzen Stopp in einem der größeren Supermärkte ein und decke dich mit lokalen Weinen ein. Die Preise sind hier deutlich günstiger als in den Touristenläden an der Weinstraße.

Tag 4: Dijon, Senf und herzogliche Pracht
Foto: Eusebius / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

Tag 4: Dijon, Senf und herzogliche Pracht

Dijon ist keine gewöhnliche Provinzstadt, sondern der einstige Sitz der mächtigen burgundischen Herzöge, die mit ihrem Reichtum im vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert oft sogar die französischen Könige überstrahlten. Ihr Erbe ist hier im riesigen Palast der burgundischen Herzöge greifbar, der heute teils als Rathaus, teils als ausgezeichnetes Kunstmuseum voller historischer Schätze dient. Achte beim Spaziergang durch die gepflasterten Gassen aufmerksam auf den Boden und halte nach kleinen Messingplättchen mit dem Eulensymbol Ausschau, die zweiundzwanzig Schlüsselstationen bilden und dich zuverlässig durch das Beste des historischen Zentrums führen.

An der Nordwand der Kirche Notre-Dame findest du dann eine kleine steinerne Eulenfigur, die du zum Glück mit der linken Hand streicheln solltest. Deine Schritte sollten dich unbedingt in die Moutarderie Fallot führen, eine der letzten traditionellen Manufakturen für echten Dijon-Senf in der Region. Hier verwendet man noch alte Steinmühlen, und die Verkostung ungewöhnlicher Varianten mit Estragon, schwarzer Johannisbeere oder Nüssen verändert dein Bild davon, wie Senf eigentlich schmecken sollte, völlig.

Am Nachmittag fährst du mit dem Auto nach Süden und biegst auf die legendäre Route des Grands Crus ein, die zu Recht als die Champs-Élysées des Burgunds bezeichnet wird. Diese sechzig Kilometer lange Weinstraße führt dich von Dijon bis Santenay direkt an den wertvollsten und teuersten Weinbergen des Planeten vorbei, wo die Premiumsorten Pinot Noir und Chardonnay entstehen. Halte unbedingt am Renaissanceschloss Château du Clos de Vougeot, das bereits im zwölften Jahrhundert von Zisterziensermönchen gegründet wurde und bis heute von absolut perfekten Rebreihen umgeben ist.

💡 Tipp: Wenn du das Auto gegen ein Fahrrad tauschen möchtest, schlängelt sich durch die burgundischen Weinberge der wunderschöne, dreiundzwanzig Kilometer lange Radweg Voie des Vignes, auf dem du dem Verkehr entgehst und die Landschaft in viel langsamerem Tempo genießt.

Tag 5: Beaune und die Millionen-Auktion unter dem glasierten Dach
Foto: Pierre André Leclercq / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Tag 5: Beaune und die Millionen-Auktion unter dem glasierten Dach

Das Herz des gesamten Weinburgunds ist zweifellos das malerische Städtchen Beaune, das viel intimer ist als Dijon und dessen Kultur völlig vom Wein durchdrungen ist. Kein Wunder, wenn kilometerweise reifende Fässer hier direkt unter deinen Füßen in den gepflasterten Straßen lagern. Der größte Magnet der Stadt ist das mittelalterliche Hospiz Hospices de Beaune, das dir sofort mit seinem unglaublichen Dach aus dem fünfzehnten Jahrhundert ins Auge sticht. Es ist mit komplexen geometrischen Mustern aus bunten glasierten Ziegeln bedeckt und beherbergt im Inneren einen atemberaubenden Krankensaal sowie das berühmte Polyptychon des Jüngsten Gerichts von Rogier van der Weyden.

Dieses historische Hospiz besitzt bis heute Spitzenweinberge, die ihm im Lauf der Jahrhunderte reiche Patienten vermacht haben, und veranstaltet jedes Jahr die berühmteste Wohltätigkeits-Weinauktion der Welt. 2026 fällt der Termin dieses großartigen Ereignisses auf den 15. November. Käufer aus aller Welt strömen hierher, um im Rahmen des Wochenendes Trois Glorieuses Fässer mit Jungwein für astronomische Summen zu ersteigern, und die ganze Stadt platzt in diesem Moment buchstäblich aus allen Nähten. Wenn du zu diesem Termin herkommst, musst du dich um die Unterkunft ruhig schon ein Jahr im Voraus kümmern.

Nimm dir am Nachmittag Zeit für eine ordentliche Verkostung in einem der vielen historischen Keller und tank mit gutem Essen neue Energie. Traditionelle Fleischgerichte wie boeuf bourguignon kannst du getrost auslassen, denn die burgundische Küche bietet jede Menge fantastische Käse, Nusssalate und Gemüsegerichte. Verlange in den lokalen Bistros nach der vegetarischen Version des Tagesmenüs – die Franzosen sind heute viel aufgeschlossener als früher und bereiten dir gern etwas ohne Fleisch zu ☺️.

💡 Tipp: Wenn du dich vom Fahren erholen möchtest, bietet das Burgund ein hervorragendes regionales Bahnnetz TER. Die Zugfahrt von Dijon direkt ins Zentrum von Beaune dauert nur zwanzig Minuten und das Ticket kostet angenehme acht Euro.

Tag 6: Frischer Chablis und die lange Fahrt nach Norden
Foto: CocktailSteward / Wikimedia Commons, CC BY 3.0
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Tag 6: Frischer Chablis und die lange Fahrt nach Norden

Heute verabschiedest du dich von den schweren Rotweinen der burgundischen Hauptachse und fährst nach Norden durch eine Region, die zum Synonym für die knackigsten Weißweine Frankreichs geworden ist. Ein Halt im Dörfchen Chablis ist absolute Pflicht, wenn du die enorme Vielfalt des französischen Weinbaus verstehen willst. Der hiesige besondere Kalkboden, der buchstäblich voller Fossilien urzeitlicher Austern steckt, verleiht dem lokalen Chardonnay nämlich einen absolut unnachahmlichen mineralischen Geschmack. Das ganze Dorf ist von steilen, mit Weinbergen bedeckten Hängen umgeben und wirkt viel ruhiger als die belebten Touristenstraßen in Beaune.

Gönn dir ein leichtes Mittagessen in einem der lokalen Bistros und ein frisches, knuspriges Baguette mit regionalen Käsesorten, was zum hiesigen Wein absolut perfekt passt. Nach dem Essen erwartet dich eine etwa zweieinhalbstündige Fahrt quer durch das Land Richtung Region Champagne, wo das Finale deines Roadtrips entsteht. Die Landschaft verändert sich hier erneut, wird merklich flacher und der Himmel färbt sich oft in dramatische bleierne Töne, die der ganzen Gegend eine leicht geheimnisvolle und majestätische Atmosphäre verleihen.

Am frühen Abend erreichst du Reims, eine historische Stadt, die deine dritte und letzte Basis auf dieser Reise wird. Reims ist eine überraschend lebhafte und große Metropole, such dir deine Unterkunft also idealerweise in fußläufiger Nähe zum Zentrum, damit du abends nicht mühsam nach teuren Parkplätzen suchen musst. Geh auf einen der belebten Plätze, bestell ein Glas lokalen Schaumwein und stoße auf die erfolgreiche Ankunft in der königlichen Stadt der Bläschen an.

💡 Tipp: Rund um Chablis triffst du auf viele kleine Produzenten, die völlig kostenlose Verkostungen anbieten. Wenn du am Ende mindestens eine oder zwei Flaschen bei ihnen kaufst, ist das ein Akt der Höflichkeit und ein tolles Reisesouvenir in einem.

Tag 7: Reims, gotische Kathedrale und die Kreide-Unterwelt
Foto: Maelan123 / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Tag 7: Reims, gotische Kathedrale und die Kreide-Unterwelt

Reims ist eine Stadt mit zwei völlig unterschiedlichen Gesichtern, von denen sich das erste stolz in Form der majestätischen Kathedrale Notre-Dame gen Himmel reckt. Dieses gotische Meisterwerk ist UNESCO-Welterbe und wurde zum Krönungsort von dreiunddreißig französischen Königen, sodass aus jedem Stein ein gewaltiges Stück Geschichte atmet. Sieh dir die Kathedrale in Ruhe von außen und innen an und beachte unbedingt die fesselnden modernen Glasfenster, von denen einige der berühmte Maler Marc Chagall entworfen hat – so entstand ein wunderbarer Kontrast zur alten Architektur.

Das zweite, weitaus geheimnisvollere Gesicht der Stadt verbirgt sich Dutzende Meter unter dem Stadtpflaster und ist für Weinliebhaber noch reizvoller. Unter Reims ziehen sich hunderte Kilometer in reine weiße Kreide gehauene Gänge, die crayères genannt werden und schon aus der Zeit der antiken Römer stammen. Heute dienen sie als perfekte, natürlich klimatisierte Reifekeller für Millionen Flaschen Champagner, wobei die Temperatur hier ganzjährig konstant bei zehn bis zwölf Grad Celsius liegt und die Luftfeuchtigkeit sehr hoch ist.

Steig im Rahmen einer Führung des berühmten Hauses Taittinger in den Untergrund hinab, dessen UNESCO-Keller zu den allerbeeindruckendsten der gesamten Region zählen. 2026 kostet dich die Eintrittskarte 40 bis 90 Euro, je nachdem, wie exklusiv die Jahrgänge und wie viele Proben du zum Abschluss verkosten möchtest. Alles musst du lange im Voraus über die offizielle Website reservieren, denn die Kapazitäten sind oft sehr schnell ausverkauft. Pack unbedingt einen warmen Pullover ein, denn im Untergrund wird dir nach einer Weile selbst im Hochsommer kalt.

💡 Tipp: Seine gewaltigen Keller hat hier auch das prestigeträchtige Haus Pommery, das die klassische Führung durch die historischen Gänge sehr gewagt mit Installationen moderner und oft sehr bizarrer Kunst kombiniert. So entsteht ein faszinierender Kontrast, den du nirgendwo sonst auf der Route siehst.

Tag 8: Épernay, die teuerste Straße der Welt und das Grab des Mönchs Pérignon
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Tag 8: Épernay, die teuerste Straße der Welt und das Grab des Mönchs Pérignon

Während Reims eine Großstadt mit reicher Geschichte ist, ist das nahe gelegene Épernay die reinrassige Hauptstadt der Bläschen, die du mit dem Auto in knapp einer halben Stunde erreichst. Hier dreht sich alles um die berühmte Avenue de Champagne, von der Winston Churchill einst angeblich scherzhaft behauptete, sie sei die trinkbarste Straße des ganzen Planeten. Sie wird von opulenten Anwesen aus dem neunzehnten Jahrhundert gesäumt, und unter den Gehwegen ruhen in einem dunklen Labyrinth über zweihundert Millionen kostbare Flaschen der besten Marken 😅.

Genau hier sitzen die größten globalen Player, allen voran die Marke Moët & Chandon, deren unterirdisches System unglaubliche achtundzwanzig Kilometer misst. Die Verkostungen in diesen Häusern sind sehr poliert, professionell und teuer, die Preise bewegen sich hier von 48 bis 460 Euro für die exklusivsten Erlebnisse mit Führung. Wenn du etwas Lockereres und Witzigeres suchst, steig in den touristischen unterirdischen Zug im Haus Mercier, wo du bei der Führung auch ein gigantisches historisches Fass siehst, das das Äquivalent von zweihunderttausend Flaschen fasste.

Zum Abschluss des gesamten Roadtrips fahre ein paar Kilometer in die Hügel über der Stadt ins unscheinbare Dörfchen Hautvillers, das von einem Meer endloser Weinberge umgeben ist. Genau in der hiesigen Abtei wirkte der Mönch Dom Pérignon, dem die Legende ungerechterweise die Erfindung des Champagners und den berühmten Ausspruch zuschreibt, er trinke gerade Sterne. Sein Grab in der örtlichen Kirche ist heute ein Wallfahrtsort, und die kleinen Familienkeller in der Umgebung bieten fantastische Bläschen zum Bruchteil des Preises, den du unten im kommerziellen Zentrum zahlen würdest.

💡 Tipp: Wenn du die teuren kostenpflichtigen Führungen in den Gebäuden vermeiden möchtest, ist der Spaziergang über die Avenue de Champagne selbst völlig kostenlos. Du kannst die schmiedeeisernen Tore bewundern und die luxuriöse Atmosphäre einfach vom Gehweg aus aufsaugen.

Wo du entlang der Route übernachtest

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten vergleicht und bucht man dann am besten über GetYourGuide.

Da du dich in Frankreich ständig fortbewegst, ist es am besten, auf der Route drei strategische Hauptbasen zu wählen und von dort kürzere Tagesausflüge zu unternehmen. So vermeidest du das ständige Kofferpacken, sparst jede Menge Zeit und entgehst dem Stress. Reserviere die Unterkunft immer rechtzeitig über Booking, vor allem wenn du zur Zeit der Herbstweinlese oder der Vorweihnachtsmärkte reist, wenn die Kapazitäten an der Weinstraße in rasantem Tempo verschwinden und die Preise steil nach oben schießen. Häufig sind die schönsten Hotels schon ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht.

Für den ersten Teil der Reise such dir eine Unterkunft direkt in Straßburg oder im kleineren Colmar. Straßburg ist eine ausgezeichnete Wahl, wenn du das abendliche Treiben magst, eine große Auswahl an Restaurants haben willst und die prächtige Kathedrale sowie den TGV-Bahnhof gleich um die Ecke. Achte aber sehr auf das teure Parken im Zentrum und die Pflicht, dir eine Crit’Air-Umweltplakette zu besorgen. Das kleinere Colmar ist dagegen viel intimer, romantischer und bietet einen schnellen Ausstieg direkt auf die Elsässer Weinstraße. Seine Park-and-Ride-Plätze füllen sich in der Hauptsaison jedoch sehr schnell, such dir daher idealerweise ein Hotel mit eigenem Garagenstellplatz.

Im Burgund ist das historische Dijon die absolut ideale strategische Wahl. Es bietet eine breite Palette an Hotels für jedes Budget, und abends kannst du durch die wunderschön beleuchtete Altstadt voller toller Bistros und ausgezeichneter Bäckereien schlendern. Das romantische Städtchen Beaune liegt zwar näher an den berühmtesten Weinbergen der Route des Grands Crus, ist in der Saison aber oft hoffnungslos ausgebucht und deutlich teurer als Dijon. Zwischen beiden Städten fährt zudem ein günstiger und schneller TER-Zug, der dich in zwanzig Minuten von Dijon nach Beaune bringt und dessen Ticket rund acht Euro kostet – du verpasst also nichts Wichtiges und sparst dabei ☺️.

Am Ende der Reise schlägst du in der Region Champagne dein Lager in Reims auf, das dank seiner Größe die beste Infrastruktur und eine hervorragende Schnellzugverbindung nach Paris hat. Hier findest du schöne Hotels nur einen Katzensprung von der gotischen Kathedrale entfernt, und die größten Kreidekeller voller Champagner hast du buchstäblich direkt unter den Füßen. Ich empfehle dir unbedingt, eine Unterkunft direkt auf der luxuriösen Avenue de Champagne im nahen Épernay zu meiden, sofern du nicht für eine einzige Nacht Premium- und fast astronomische Summen zahlen willst. Reims ist für eine gewöhnliche Übernachtung viel praktischer, und nach Épernay fährst du einfach mit dem Auto auf einen Halbtagesausflug.

Wohin als Nächstes

Wenn dich diese östliche Rundreise begeistert hat und du mehr Details zu den einzelnen Regionen erfahren möchtest, haben wir ausführliche Reiseführer für dich vorbereitet. Erfahre, wie du die Stopps genau planst und wo du den besten Kaffee bekommst.

  • Erkunde alle Details und geheimen Winkel, die die märchenhafte Elsässer Weinstraße verbirgt.
  • Lies den umfangreichen Reiseführer zu den mittelalterlichen Sehenswürdigkeiten und renommierten Restaurants, die das Burgund bietet.
  • Lass dich von detaillierten Tipps zu den besten Verkostungskellern inspirieren, die du nicht verpassen darfst, wenn du in die Champagne aufbrichst.
  • Sieh dir an, warum es sich lohnt, mehr Zeit mit dem Entdecken der bunten Kanäle und niedlichen Gassen in der Stadt Colmar zu verbringen.

Häufig gestellte Fragen

Brauche ich für die Reise nach Frankreich eine Umweltplakette?

Ja, für die Einfahrt in größere Städte entlang der Route wie Reims und Straßburg benötigen Sie die Umweltplakette Crit’Air, auch für tschechische Autos. Im Jahr 2026 gelten strenge Regeln, und die Plakette kostet etwas über fünf Euro. Sie müssen sie mehrere Wochen im Voraus online auf der offiziellen Regierungswebseite bestellen und sich per Post nach Hause schicken lassen. Ohne sie riskieren Sie ein Bußgeld von 68 Euro.

Sind die französischen Autobahnen sehr teuer?

Frankreich verwendet keine Autobahnvignetten, sondern es wird Maut an sogenannten Péages bezahlt. Rechnen Sie grob mit 9,50 Euro pro 100 gefahrene Kilometer. Auf einigen neuen Abschnitten funktionieren bereits Kameras (Free-Flow-System ohne Schranken), und die Maut muss innerhalb von 72 Stunden nachträglich über das Internet bezahlt werden.

Wann finden die berühmten Weihnachtsmärkte im Elsass statt?

Straßburg und Colmar veranstalten einige der schönsten Märkte Europas. Im Jahr 2026 finden die Straßburger Märkte mit über 300 Ständen vom 27. November bis 27. Dezember statt, die intimeren in Colmar beginnen bereits am 23. November. Stellen Sie sich aber auf riesige Menschenmassen und extrem teure Unterkünfte ein, die ein halbes Jahr im Voraus ausgebucht sind.

Muss man Weinkeller-Besichtigungen im Voraus reservieren?

Bei den großen Champagnerhäusern in Reims und Épernay ist eine Reservierung im Voraus über das Internet absolut notwendig, die Kapazitäten sind oft schon Wochen im Voraus ausgebucht. Kleinere Familienbetriebe im Elsass empfangen Sie oft auch ohne Anmeldung, aber in der Hauptsaison und an Wochenenden ist Sicherheit immer besser.

Finde ich auf dieser Route gutes vegetarisches Essen?

Die französische Provinz ist sehr fleischlastig, aber Sie werden sicher nicht hungern. Im Elsass probieren Sie Pilz-Tarte flambée oder den aromatischen Käse Munster, in Burgund wiederum exzellente Käse-Gougères, frische Baguettes und Gemüsesalate. Fragen Sie in Restaurants immer nach einer fleischlosen Variante des Tagesmenüs.

Schaffe ich diesen Roadtrip auch mit kleinen Kindern?

Auf jeden Fall, aber ich empfehle, das Programm deutlich zu entschleunigen. Kinder werden wahrscheinlich nicht begeistert sein von ganztägigen Weinkeller-Touren, aber sie werden die märchenhaften bunten Häuser in Colmar lieben, eine Bootsfahrt und den Besuch der riesigen Burg Haut-Koenigsbourg.

Was kosten Verkostungen in den prestigeträchtigen Häusern in der Champagne?

Die Preise variieren sehr stark, je nachdem, was genau Sie trinken möchten. Eine Basisführung mit Verkostung einer Probe beginnt im Jahr 2026 bei etwa 40 Euro. Wenn Sie aber nach exklusiven und alten Jahrgängen bei den besten Häusern an der Avenue de Champagne verlangen, kann der Preis auch über 460 Euro steigen.

Lässt sich ein Teil der Reise auch ohne Auto mit dem Zug bewältigen?

Ja, besonders in Burgund ist der Zugverkehr hervorragend. Die Regionalzüge TER bringen Sie zuverlässig und schnell zwischen Dijon und Beaune für angenehme acht Euro, sodass Sie sich abendliche Weinverkostungen ohne Bedenken gönnen können und sich weder ums Fahren noch um kompliziertes Parken kümmern müssen.

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