Burgund, Frankreich: 13 Tipps für Wein und Sehenswürdigkeiten 2026

Wenn französischer Wein auf deiner Reise-Bucketlist steht, wirst du schnell merken, dass Bordeaux zu flach und die Provence im Sommer oft drückend heiß ist. Das wahre Herz des französischen Weinerbes liegt im Osten. Burgund in Frankreich ist die Essenz des französischen Landlebens, wo die Zeit in Jahrgängen gemessen wird und wo die seltensten Weine unseres Planeten entstehen. Doch hier geht es nicht nur um Alkohol, denn diese Region bietet tiefe historische Weinkeller, majestätische Klöster und stolze Dörfer mit einer reichen Herzogsgeschichte.

In diesem Artikel findest du genau 13 Tipps, was man in Burgund sehen und unternehmen kann. Ich verrate dir, wie du eine Tour entlang der berühmten Weinstraße Route des Grands Crus planst, warum sich ein Halt in Dijon für den Senf lohnt und wo du die ikonischen glasierten Dächer in Beaune bewundern kannst. Außerdem erfährst du genau, wann die beste Reisezeit ist, wie du dir den Frust bei der Buchung von Weinproben ersparst und wie viel die ganze Reise ungefähr kostet.

Glasierte polychrome Dächer des Hospices de Beaune in Burgund
Foto: Francesco Ungaro / Pexels

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Das Herz der Region ist Beaune: Die kleine Stadt beherbergt das berühmte mittelalterliche Hospital Hospices de Beaune und kilometerlange Keller direkt unter dem historischen Zentrum.
  • Die Weinstraße: Die Route des Grands Crus ist 60 Kilometer lang und verbindet die berühmtesten Weinberge der Welt von Dijon bis Santenay.
  • Reservierung im Voraus nötig: Wenn du Wein direkt bei den Winzern verkosten möchtest, gilt 2026 nicht mehr, dass es reicht, an die Tür zu klopfen – alles muss Wochen im Voraus online gebucht werden.
  • Dijon ist mehr als nur Senf: Der einstige Sitz der mächtigen burgundischen Herzöge bietet einen prächtigen Palast und bezaubernde, geschichtsträchtige Gassen.
  • Achtung beim Auto 2026: Für große Städte wie Dijon brauchst du die Umweltplakette Crit’Air, sonst droht dir ein saftiges Bußgeld.
  • Mobilität ohne Auto: Zwischen Dijon und Beaune fahren regelmäßig regionale TER-Züge, die Fahrt dauert nur 20 Minuten.
Burgundischer Weinberg mit altem Gutshof an einem sonnigen Tag
Foto: Gu Bra / Pexels
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Wann nach Burgund reisen und wie man dorthin kommt

Die ideale Zeit für einen Besuch in Burgund sind zweifellos Mai, Juni oder September. Im September erlebst du zudem den authentischen Trubel der Weinlese, wenn Traktoren die schmalen Straßen blockieren, überall der gärende Most duftet und die Region ihr natürlichstes Gesicht zeigt. Der genaue Erntetermin wird jedes Jahr je nach Reife der Trauben festgelegt, fällt aber meist in die erste Monatshälfte. Den August solltest du dagegen großräumig meiden, denn die Franzosen haben Sammelurlaub und die Hauptautobahn A6 erlebt sogenannte „schwarze Tage“ mit riesigen Staus. Paradoxerweise haben in diesem Sommermonat viele kleine Familienweingüter geschlossen, sodass du vom Angebot an Weinproben ziemlich enttäuscht sein könntest. Die Adventszeit ist hier recht kühl, lockt aber mit großer Nachfrage nach den Weihnachtsmärkten im benachbarten Elsass, was leider oft die Hotelpreise auch in Burgund selbst in die Höhe treibt.

Von Deutschland aus ist dieser Streifen Ostfrankreichs am besten mit dem Auto zu erreichen: Die Strecke von München nach Dijon misst etwa 600 Kilometer und lässt sich bequem in rund sechs Stunden bewältigen, von Frankfurt sind es ähnlich. Die französischen Autobahnen sind über Mautstationen kostenpflichtig, wobei du mit Kosten von etwa 9,50 € pro 100 Kilometer rechnen musst. Achte besonders auf das moderne Free-Flow-System auf Abschnitten wie der A79 oder A13. Hier findest du nämlich keine klassischen Schranken mehr, sondern Kameras scannen dein Kennzeichen, und die Maut musst du dann innerhalb von 72 Stunden online bezahlen. Wenn du das vergisst, findet dich das Bußgeld auch in Deutschland zuverlässig.

Eine wichtige Neuerung für Autofahrer im Jahr 2026 ist die strenge Durchsetzung der Umweltzonen (ZFE) in Städten mit über 150.000 Einwohnern. Für Dijon brauchst du also unbedingt die Umweltplakette Crit’Air, die auch für deutsche Autos gilt. Ich empfehle dir, sie weit im Voraus online auf der offiziellen französischen Website für 5,11 € zu bestellen, denn ohne sie riskierst du ein Bußgeld zwischen 68 und 375 €. Wenn du das Auto lieber zu Hause lassen möchtest: Mit dem TGV erreichst du von Paris aus Dijon in eineinhalb Stunden, von Frankfurt gibt es ebenfalls schnelle TGV- bzw. ICE-Verbindungen über Straßburg. Kaufe die Tickets aber so früh wie möglich, denn sie funktionieren ähnlich wie Flugtickets und werden mit der Zeit teurer. Burgund selbst lässt sich ohne Auto nur schwer erkunden, doch zur Rettung kommen die Regionalzüge TER, die Dijon mit Beaune in nur 20 Minuten verbinden, und das Ticket kostet günstige 8 €.

Fachwerkhäuser im burgundischen Dorf Noyers-sur-Serein
Foto: Hannahs Drawings / Pexels

Wo man in Burgund übernachtet

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann, über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Den richtigen Ort für dein Basislager zu wählen, ist absolut entscheidend für ein bequemes Erkunden der gesamten Region. Am häufigsten entscheiden sich Reisende zwischen zwei Hauptzentren: den historischen Städten Dijon und Beaune. Beide bieten eine völlig unterschiedliche Atmosphäre und eignen sich für einen etwas anderen Reisestil, sodass es vor allem auf deine Vorlieben ankommt und darauf, ob du mit dem Auto anreist oder lieber die bequemen französischen Züge nutzt.

Dijon ist eine klassische Großstadt mit ausgezeichneter Anbindung an die TGV-Schnellzüge, einem regen Nachtleben und einer riesigen Zahl an Kulturdenkmälern. Es ist die ideale Wahl, wenn du abends aus Dutzenden Restaurants und Bars wählen möchtest, ohne irgendwohin fahren zu müssen. Übernachten kannst du zum Beispiel im luxuriöseren Grand Hotel La Cloche oder in preiswerteren Apartments direkt im historischen Zentrum. Du musst aber damit rechnen, dass Dijon manchmal eher wie eine geschäftige Metropole als wie romantisches Weinland wirkt. Das Parken in den verwinkelten Gassen des Zentrums ist ziemlich teuer, und vergiss nicht, dass du hier unbedingt die Umweltplakette Crit’Air brauchst.

Beaune ist dagegen der absolute Mittelpunkt des burgundischen Weins und bietet ein viel intimeres, hochgradig authentisches Erlebnis. Die Stadt hat ein unglaublich kompaktes Zentrum, in dem du überall zu Fuß hinkommst, und liegt buchstäblich inmitten der berühmtesten Weinberge. Eine ausgezeichnete Wahl für perfekte Entspannung nach einem Tag voller Weinproben ist hier etwa die Hostellerie Cèdre & Spa, die auch einen wunderschönen Garten bietet. Ich muss dich aber eindringlich darauf hinweisen, dass Beaune in der Hauptsaison im Sommer und während der herbstlichen Weinauktionen sehr schnell ausgebucht ist und die Übernachtungspreise steil nach oben schnellen. Wenn du im November herkommen möchtest, reserviere dein Zimmer ruhig schon ein Jahr im Voraus.

Eine interessante und sehr ungewöhnliche Alternative für echte Romantiker ist die Anmietung eines Hausboots auf den burgundischen Kanälen, was ein Erlebnis für sich ist. Du brauchst dafür nämlich überhaupt keinen Bootsführerschein. Nach einer kurzen Einweisung gleitest du einfach langsam durch alte Schleusen und vertäust das Boot abends gemütlich am Ufer, gleich neben einer malerischen Dorfkneipe, wo du ein Gläschen lokalen Wein und ein frisches Baguette mit Käse genießt.

13 Tipps, was man in Burgund sehen und unternehmen kann

Schauen wir uns gemeinsam das Beste an, was diese faszinierende Region zu bieten hat. Von weltberühmten Weinbergen über gotische Paläste bis hin zu unscheinbaren Dörfern, die Frankreichs Geschichte schrieben.

Beaune und das Hospital mit glasiertem Dach
Foto: Gu Bra / Pexels

1. Beaune und das Hospital mit dem glasierten Dach

Das Herz des Weinlandes Burgund ist keine große Stadt, sondern das intime und vom Wein völlig durchdrungene Städtchen Beaune. Unter den gepflasterten Straßen seines historischen Zentrums liegen kilometerlange alte, miteinander verbundene Keller voller reifender Eichenfässer. Sie verleihen der ganzen Stadt einen besonderen erdigen Duft, den du sofort wahrnimmst, kaum dass du aus dem Zug oder Auto steigst. Hier dreht sich einfach alles um erstklassige Gastronomie und eine tief verwurzelte Weinkultur.

Der Hauptmagnet der Stadt ist jedoch das Hospices de Beaune, ein prächtiges mittelalterliches Armenhospital aus dem 15. Jahrhundert. Dieser majestätische Bau (auch bekannt als Hôtel-Dieu) sticht dir sofort mit seinem Dach ins Auge, das mit komplexen geometrischen Mustern aus bunten glasierten Ziegeln bedeckt ist. Genau dieses markante visuelle Element ist zum absolut ikonischen Bild von ganz Burgund geworden und du findest es garantiert auf den meisten lokalen Postkarten und Souvenirs.

Im Inneren des Komplexes findest du den atemberaubenden Krankensaal mit den originalen Betten, gesäumt von roten Baldachinen, wo die Ordensschwestern liebevoll die ärmsten Patienten pflegten. Teil der Besichtigung ist auch ein überwältigendes Meisterwerk der nordischen Renaissance: das Polyptychon des Jüngsten Gerichts des berühmten Malers Rogier van der Weyden. Die detaillierte Ausarbeitung dieses Altars fesselt dich buchstäblich an den Ort.

💡 Tipp: Kaufe die Tickets für das Hospices in der Sommersaison online einige Tage im Voraus, denn die Warteschlangen vor Ort können dir mehr als eine Stunde deiner kostbaren Zeit rauben.

Weinkeller mit Kisten burgundischen Weins in Beaune
Foto: Tim Durand / Pexels

2. Die berühmte Weinauktion in Beaune

Das Hospices de Beaune ist nicht nur ein schönes Museum mit reicher Geschichte, sondern besitzt seit Jahrhunderten erstklassige Weinberge. Diese vermachten ihm nach und nach wohlhabende Patienten als Ausdruck tiefer Dankbarkeit für die geleistete Pflege. Aus diesen außergewöhnlich seltenen Trauben wird Wein hergestellt, der jedes Jahr bei der berühmtesten Wohltätigkeits-Weinauktion der Welt versteigert wird. Es ist ein gewaltiges gesellschaftliches Ereignis, zu dem wohlhabende Käufer aus der ganzen Welt anreisen.

Im Jahr 2026 fällt der genaue Termin dieser berühmten Auktion auf Sonntag, den 15. November. Es ist der absolute Höhepunkt des festlichen Wochenendes namens Trois Glorieuses, also der „Drei glorreichen Tage“. Beaune platzt in diesem Moment buchstäblich aus allen Nähten, in den vollen Straßen wird unaufhörlich verkostet und gesungen, und Käufer aus aller Welt ersteigern Fässer jungen Weins für astronomische Summen. Jeder ausgegebene Euro fließt dann in die Unterstützung moderner Krankenhäuser und der medizinischen Forschung.

Wenn du diese unglaubliche und pulsierende Atmosphäre am eigenen Leib erleben möchtest, musst du die gesamte Reise mit enormem Vorlauf planen. Unterkünfte in Beaune und weiter Umgebung sind für genau dieses Novemberwochenende locker schon ein ganzes Jahr im Voraus ausgebucht. Die Preise der letzten freien Hotelzimmer schießen steil in die Höhe, sodass sich ein spontaner Last-Minute-Ausflug hier wirklich nicht lohnt.

Gepflasterte Gasse in der Altstadt von Dijon
Foto: Nathan Neve / Pexels

3. Dijon und der Palast der burgundischen Herzöge

Am nördlichen Ende der berühmten Weinstraße liegt Dijon, eine große und pulsierende Stadt, die einst stolzer Sitz der mächtigen burgundischen Herzöge war. Diese ehrgeizigen Herrscher beherrschten im 14. und 15. Jahrhundert ein riesiges Gebiet, das bis ins heutige Holland reichte. Mit ihrem immensen Reichtum und Einfluss stellten sie oft sogar die französischen Könige in den Schatten, was in den eleganten Straßen der Stadt bis heute sehr spürbar ist.

Mittelpunkt allen Geschehens ist der imposante Palast der burgundischen Herzöge, der heute teils als majestätisches Rathaus und teils als hervorragendes Kunstmuseum dient. Ich empfehle dir auf jeden Fall einen Besuch des Musée des Beaux-Arts, das vor Kurzem eine umfangreiche und kostspielige Renovierung durchlaufen hat. Es bietet nämlich einen faszinierenden Einblick in die alten Herzogsgräber von Philipp dem Kühnen und Johann Ohnefurcht mit unglaublich detaillierten Alabasterskulpturen weinender Mönche.

Bei einem Spaziergang durch die Altstadt vergiss nicht, aufmerksam auf den Boden zu schauen, und achte auf die kleinen Messing-Eulen, die direkt ins Pflaster eingelassen sind. Die Eule ist nämlich das historische Symbol der Stadt und führt dich sicher zur ursprünglichen kleinen Steinfigur, die in die Außenwand der Kirche Notre-Dame gemeißelt wurde. Vergiss nicht, sie zum Glück ausschließlich mit der linken Hand zu streicheln, genau wie es die jahrhundertealte lokale Tradition verlangt.

4. Echter Dijon-Senf ohne Kompromisse

Wenn man Dijon sagt, denken die meisten Menschen weltweit sofort an den berühmten scharfen Senf. Obwohl heute ein großer Teil der globalen Produktion unter diesem Namen in riesigen Fabriken anderswo und überraschend oft aus kanadischen Samen hergestellt wird, findest du in der Stadt selbst immer noch authentische Orte, die das ursprüngliche Handwerk bewahren. Echter Dijon-Senf ist nämlich ein gastronomisches Erlebnis, das du im gewöhnlichen Supermarkt einfach nicht kaufen kannst.

Halte beim Familienbetrieb Moutarderie Fallot an, einer der letzten traditionellen Manufakturen der ganzen Region. Sie verwenden noch immer mit Stolz uralte Steinmühlen, die ein ungewolltes Erhitzen der Samen beim Mahlen verhindern. Mit diesem schonenden Verfahren bewahren sie dem Senf seinen typisch scharfen und vollkommen reinen Geschmack. Hier kannst du eine sehr interessante Führung mitmachen und herausfinden, welch unglaublich komplexer Prozess sich hinter dieser ikonischen gelben Paste verbirgt.

In ihrer duftenden Boutique kannst du dann Varianten probieren und kaufen, von denen du wahrscheinlich nicht einmal geträumt hast. Senf mit frischem Estragon, schwarzer Johannisbeere, mildem Honig oder knusprigen Nüssen verändert deinen Blick darauf, was du normalerweise aufs Brot streichst, völlig. Es ist zugleich ein absolut perfektes und preislich sehr erschwingliches Reisesouvenir für deine Freunde.

Route des Grands Crus und die Weinberge der burgundischen Côte d Or
Foto: Kym Wilson / Pexels

5. Route des Grands Crus: Die Weinautobahn

Der beste Weg, Burgund wirklich zu verstehen und seine unverwechselbare Atmosphäre aufzusaugen, ist eine Fahrt über die berühmte Route des Grands Crus. Diese ikonische Weinstraße, die manchmal vornehm als „Champs-Élysées Burgunds“ bezeichnet wird, wurde bereits 1937 angelegt. Sie misst zwar nur 60 Kilometer, konzentriert aber das absolut Wertvollste, was der französische Weinbau der Welt gegeben hat.

Sie zieht sich von Dijon im Norden bis Santenay im Süden und durchquert genau 37 außergewöhnlich malerische Dörfer. Genau hier entstehen die teuersten und seltensten Weine unseres Planeten. Bei einer langsamen Autofahrt passierst du alte Steinmauern und unscheinbare historische Tore mit den Namen berühmter Weingüter, bei denen Liebhabern guten Tropfens buchstäblich der Atem stockt und über die Sommeliers auf der ganzen Welt lernen.

💡 Tipp: Eine Autofahrt ist schön, aber noch viel besser ist es, sich ein Fahrrad zu leihen und auf den Radweg namens Voie des Vignes aufzubrechen. Dieser misst großartige 23 Kilometer und schlängelt sich direkt zwischen den perfekt geschnittenen Rebreihen hindurch. So bist du weit genug vom regen Autoverkehr entfernt und kannst die Landschaft in völliger Ruhe genießen.

Weinberge der Côte de Nuits, das Königreich des Pinot Noir
Foto: Gu Bra / Pexels

6. Côte de Nuits: Das Königreich des Pinot Noir

Die nördliche Hälfte der berühmten Route des Grands Crus trägt den klangvollen Namen Côte de Nuits und ist das ungekrönte Königreich des Rotweins. Wenn du die Rebsorte Pinot Noir liebst, befindest du dich genau hier in ihrer absoluten Heimat und ihrem Epizentrum. Die hiesigen Hänge, die die Einheimischen gern „climats“ nennen, haben einen besonderen Kalkstein-Untergrund. Das verleiht den Rotweinen unglaubliche Eleganz und bewundernswerte Langlebigkeit.

Wenn du durch berühmte Dörfer wie Gevrey-Chambertin oder Nuits-Saint-Georges fährst, stößt du auf Weinberge, die oft nur ein paar Dutzend Quadratmeter groß sind. Ihren Namen spricht aber die ganze Weinwelt mit Ehrfurcht aus. Das hiesige Terroir ist so absolut einzigartig und historisch wertvoll, dass es zu Recht seinen eigenen Eintrag auf der prestigeträchtigen Liste des UNESCO-Weltkulturerbes erhielt.

Die berühmteste Station ist hier zweifellos die unscheinbare Steinmauer, die den heiligen Weinberg Romanée-Conti umgibt. Von diesem kleinen Stück Erde stammt der überhaupt teuerste Wein der Welt, bei dem der Preis einer einzigen Flasche sich normalerweise im Bereich mehrerer Tausend Euro bewegt. Der gewöhnliche Sterbliche bekommt ihn zwar nicht so einfach zu kosten, aber schon der Spaziergang an diesen legendären Rebstöcken vorbei hat seinen enormen, fast mystischen Zauber.

Weinberge der Côte de Beaune, Heimat des perfekten Chardonnay
Foto: Rahat AhmEd / Pexels
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7. Côte de Beaune: Heimat des perfekten Chardonnay

Sobald du die Stadt Beaune passierst und dich weiter Richtung Süden aufmachst, verändert sich die Landschaft ein wenig und du trittst nahtlos in das Gebiet namens Côte de Beaune ein. Obwohl auch hier hervorragender Rotwein gemacht wird, ist diese sonnendurchflutete Region weltberühmt vor allem für ihre Weißweine, über die hier ganz unangefochten die beliebte Rebsorte Chardonnay herrscht.

Die hiesigen Weißweine aus prestigeträchtigen Dörfern wie Meursault, Puligny-Montrachet oder Chassagne-Montrachet definieren den Weltstandard dafür, wie ein erstklassiger Chardonnay eigentlich schmecken soll. Sie sind reichhaltig, sehr oft mit typischen Noten von zerlassener Butter, Nüssen und feiner Vanille dank des sorgfältigen Ausbaus in Eichenfässern. Weine von diesen sonnigen Hängen sind in der Regel voller und geschmacklich komplexer als die aus nördlicheren und kühleren Gebieten.

Die Dörfchen in diesem südlichen Teil sind womöglich noch malerischer und verschlafener als im Norden. Ich empfehle dir auf jeden Fall, in der Gemeinde Pommard oder Volnay anzuhalten, das Auto irgendwo am Rand zu parken und zu Fuß auf den staubigen Wegen direkt in die steilen Hänge aufzubrechen. Von dort öffnen sich dir nämlich herrliche Ausblicke ins flache Tal der Saône und du bekommst den Kopf perfekt frei.

Château du Clos de Vougeot umgeben von Weinbergen
Foto: Gu Bra / Pexels

8. Château du Clos de Vougeot

Auf deiner Reise entlang der burgundischen Weinstraße darfst du das Château du Clos de Vougeot keinesfalls verpassen. Dieses mächtige Renaissance-Schloss, das außergewöhnlich malerisch von einem endlosen Meer aus Weinbergen umgeben ist, stellt einen absolut entscheidenden historischen Meilenstein der gesamten Region dar. Gegründet haben es nämlich überaus fleißige Zisterziensermönche bereits im 12. Jahrhundert und legten hier den eigentlichen Grundstein des modernen französischen Weinbaus.

Genau diese sorgfältigen Mönche hatten genug Zeit und unendliche Geduld, um als Erste systematisch die Vielfalt des Bodens zu erforschen. Sie fanden heraus, warum Trauben vom Hang völlig anders schmecken als die aus dem Tal. Sie waren es, die die burgundischen Hänge detailliert kartierten und den komplexen Begriff Terroir genau definierten, auf dem bis heute die gesamte französische Weinbauphilosophie und das Klassifizierungssystem fest stehen.

Heute stellt das Schloss zwar keinen eigenen Wein mehr her, dient aber als faszinierendes, der breiten Öffentlichkeit zugängliches Museum. Im Inneren kannst du riesige historische Weinpressen besichtigen, die mit ihren Ausmaßen Ehrfurcht einflößen, sowie die ursprünglichen kühlen Kellerräume, in denen die Mönche jahrhundertelang hart arbeiteten. Es ist ein sehr fotogener Ort, der ferne Geschichte perfekt mit lebendiger Weintradition verbindet.

9. Verkostung ohne Frust: So klappt es mit den Kellern

Wenn du dir naiv vorstellst, dass du in Burgund einfach in ein Dorf fährst, an die Holztür des Winzers klopfst und er dich sofort mit einem Lächeln in den Keller einlädt, wirst du wahrscheinlich sehr hart aufschlagen. Heute gelten die romantischen Vorstellungen von ständig offenen Türen längst nicht mehr. Alles läuft hier nach einem strengen System, und Reservierungen für Weinproben sind 2026 eine absolute und unumgängliche Notwendigkeit.

Die lokalen Familienweingüter sind oft hoffnungslos ganze Wochen im Voraus ausgebucht, und die Verkostungen sind strikt kostenpflichtig. Die Preise bewegen sich bei kleineren Betrieben üblicherweise zwischen 15 und 30 € pro Person, während du bei berühmten und renommierten Häusern locker auch 50 € und mehr zahlst. Wenn du dir Nerven und kompliziertes Verhandeln auf Französisch sparen möchtest, nutze Reservierungs-Websites oder suche dir organisierte Touren, die sich sehr leicht über GetYourGuide buchen lassen.

💡 Tipp: Wenn du am Ende der Besichtigung bei einem kleinen Familienwinzer mindestens ein paar Flaschen Wein für zu Hause kaufst, wird dir die Gebühr für die Verkostung selbst sehr oft freundlich von der Rechnung abgezogen. Bei den großen kommerziellen Häusern in Épernay oder Beaune rechne mit dieser großzügigen Geste aber lieber gar nicht – dort sind die Regeln strikt festgelegt.

Basilika der Maria Magdalena in Vézelay
Foto: Jan van der Wolf / Pexels

10. Vézelay und die Basilika der Maria Magdalena

Burgund ist enorm weitläufig und bietet keineswegs nur die Hauptachse des Weinbaus rund um Dijon. Etwa eineinhalb Autostunden Richtung Westen liegt auf einem einsamen Hügel das wunderschöne Dorf Vézelay. Seine unübersehbare Dominante ist die Basilika Sainte-Marie-Madeleine, ein atemberaubendes Meisterwerk romanischer Architektur, das auf der UNESCO-Liste steht.

Im Mittelalter war dies einer der wichtigsten und meistbesuchten Wallfahrtsorte ganz Europas. Angeblich werden hier die kostbaren Reliquien der Maria Magdalena aufbewahrt, und genau von hier brachen unter anderem mit großem Pomp die Kreuzzüge auf. Auch begann hier eine der wichtigsten französischen Routen zum spanischen Santiago de Compostela. Die Atmosphäre innerhalb der alten Steinmauern ist bis heute sehr mystisch und still.

Die größte Besonderheit ist ein architektonisches Wunder, das mit dem Lauf der Sonne verbunden ist. Das Licht, das genau am Tag der Sommersonnenwende ins Hauptschiff der Basilika dringt, erzeugt eine vollkommen perfekte Linie aus Lichtflecken in der Mitte des Bodens, die direkt zum Hauptaltar führt. Das Dorf rund um die Basilika ist außerdem voller kleiner romantischer Cafés und Kunstgalerien, in denen du dich wunderbar ausruhen kannst.

Klosterwesen und die mächtige Abtei Cluny
Foto: Tournasol7 / Wikimedia Commons, CC BY 4.0

11. Klosterwesen und die mächtige Abtei Cluny

Neben dem allgegenwärtigen Wein formte auch eine gewaltige kirchliche Macht die Geschichte Burgunds. Ganz im Süden der Region stößt du auf die atemberaubenden Überreste der Abtei Cluny in Frankreich, die in ihrer Blütezeit die überhaupt größte und einflussreichste Kirche der gesamten christlichen Welt war. Diesen Vorrang hielt sie stolz mehrere Jahrhunderte, bevor sie schließlich architektonisch vom gewaltigen Petersdom im Vatikan übertroffen wurde.

Leider wurde ein großer Teil dieses großartigen Klosters während der stürmischen Französischen Revolution unwiederbringlich zerstört, als der Komplex traurigerweise als gewöhnlicher Steinbruch diente. Dennoch weckt das Wenige, das bis heute erhalten geblieben ist, enormen Respekt vor den ursprünglichen Ausmaßen des gesamten beeindruckenden Baus. Die Besichtigung wird heute clever durch moderne Augmented-Reality-Technologien ergänzt. Auf speziellen Bildschirmen siehst du genau, wie majestätisch der Komplex in seiner größten Blüte aussah.

Ein Halt in Cluny hilft dir zuverlässig zu verstehen, dass das mittelalterliche Burgund nicht nur von den reichen Herzögen aus Dijon regiert wurde. Enorme politische und wirtschaftliche Macht hielten hier nämlich die Mönche fest in den Händen. Sie waren es, die die besten Grundstücke besaßen und das Gesicht der hiesigen Landschaft in die Form prägten, die wir heute bewundernd kennen.

Chablis und Mâcon: Juwelen an den Rändern
Foto: CocktailSteward / Wikimedia Commons, CC BY 3.0

12. Chablis und Mâcon: Juwelen an den Rändern

Wenn du ein begeisterter Liebhaber von Weißwein bist, solltest du auf keinen Fall zwei Regionen auslassen, die ein wenig abseits an den Rändern des burgundischen Hauptgebiets liegen. Ganz im Nordwesten befindet sich das bekannte Gebiet Chablis. Der hiesige Chardonnay wächst auf einem besonderen Kimmeridge-Boden voller urzeitlicher Versteinerungen von Meerestieren, was dem Wein einen einzigartigen stahligen und mineralischen Geschmack mit sehr scharfer Säure verleiht.

Im tiefen Süden Burgunds liegt dagegen das sonnige Gebiet Mâconnais. Das hiesige Mikroklima hat schon einen leicht südländischen Hauch, und die Sonne brennt hier deutlich stärker als im Norden. Die Weine aus Mâcon, ebenfalls auf der dominanten Rebsorte Chardonnay aufgebaut, sind daher rundlich, voller reifer Früchte und für den Geldbeutel viel zugänglicher als die berühmten und oft überteuerten Flaschen aus der prestigeträchtigen Côte de Beaune.

Beide malerischen Gebiete bieten eine absolut großartige Alternative für Reisende, die den größten Menschenmassen auf der Hauptroute entkommen möchten. Die Landschaft rund um Chablis ist sanft hügelig und herrlich ruhig, während du bei Mâcon schon langsam den wärmenden Hauch des nahenden mediterranen Südens und eine entspanntere Atmosphäre spürst.

13. Burgundische Gastronomie und Käse

Frankreich ist weltweit ein Synonym für hervorragendes Essen, und Burgund gehört in dieser Hinsicht zur absoluten Spitze. Die traditionelle Küche ist hier zwar sehr reichhaltig und schwer. Eine lokale Ikone ist das Rindfleisch nach burgundischer Art, das Boeuf bourguignon, langsam in Rotwein geschmort – doch wenn du nach vegetarischen Alternativen suchst, lässt dich diese fruchtbare Region keineswegs hungern.

Ein absolutes Muss zum Probieren sind die berühmten Gougères. Diese kleinen und unglaublich luftigen Bällchen aus Brandteig, in den reichlich Gruyère- oder Comté-Käse eingearbeitet ist, werden hier praktisch zu jedem Glas Wein gereicht. Großartig sind auch die traditionellen Saucen auf Basis des scharfen Dijon-Senfs, die in der fleischlosen Variante hervorragend zu Ofenkartoffeln oder frischem saisonalem Gemüse von den lokalen Märkten passen.

Auf keinen Fall darfst du dann auch die reichhaltigen Käsetheken auslassen. Der wahre König der burgundischen Käse ist der Époisses, ein unglaublich aromatischer Käse mit gewaschener Rinde, der lange in dem lokalen Tresterbrand namens Marc reift. Besonders wenn er voll ausgereift ist, läuft seine cremige Konsistenz buchstäblich auf den Teller. Mit einem frischen, knusprigen französischen Baguette bildet er ein absolut unvergessliches gastronomisches Erlebnis, für das du wiederkommen möchtest.

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Wohin von Burgund aus weiter

Wenn du für deine Reise mehr Zeit hast und auch andere Ecken Ostfrankreichs erkunden möchtest, bieten sich mehrere großartige Möglichkeiten an. Burgund grenzt direkt an die Region Jura, wo du den ganz besonderen gelben Wein verkosten kannst.

Wenn dich aber eine etwas andere Architektur und ein anderer Weinstil reizen, fahre nach Nordosten. Etwa drei Autostunden von Beaune entfernt liegt das malerische Colmar, das wie aus einem Märchen wirkt. Von dort kannst du dich dann aufmachen, die berühmte Elsässer Weinstraße zu erkunden, die im Gegensatz zu Burgund auf duftende Weißweine wie Riesling oder Gewürztraminer ausgerichtet ist.

Häufig gestellte Fragen

Wie viel kostet die Maut auf dem Weg ins Burgund?

Bei der Fahrt mit dem Auto aus Tschechien über Deutschland weiter nach Frankreich solltest du mit französischen Autobahngebühren rechnen. Diese werden über Mautstationen bezahlt und kosten im Jahr 2026 etwa 9,50 € pro 100 gefahrene Kilometer. Vergiss nicht, auch die Abschnitte mit dem modernen Free-Flow-System (zum Beispiel die Autobahnen A79 und A13) im Auge zu behalten, wo innerhalb von 72 Stunden nach der Durchfahrt online bezahlt wird, denn hier findest du keine klassischen Schranken mehr.

Brauche ich für Burgund eine Umweltplakette?

Ja, für große Städte wie Dijon ist die Umweltplakette Crit’Air Pflicht. In die ZFE-Zone darfst du ohne sie nicht einfahren und es droht dir ein Bußgeld von 68 bis 375 €. Die Plakette kostet genau 5,11 € und ich empfehle dir, sie rechtzeitig online auf der offiziellen Website zu bestellen, da sie dir per Post an deine deutsche Adresse zugeschickt wird. Sie gilt dann für die gesamte Lebensdauer des Fahrzeugs.

Kann man das Burgund ohne Auto bereisen?

Ganz ohne Auto ist es zwar etwas schwierig, aber die wichtigsten Punkte sind zuverlässig per Bahn verbunden. Zwischen Dijon und Beaune verkehren regelmäßige TER-Regionalzüge, die Fahrt dauert nur 20 Minuten und kostet günstige 8 €. Für die Erkundung der kleineren Dörfer direkt an der Weinstraße kannst du dir dann ganz einfach ein Fahrrad leihen und dich auf den wunderschönen Radweg Voie des Vignes begeben, der 23 Kilometer lang ist.

Was genau bedeutet das Wort Terroir?

Terroir ist ein französisches Weinbaukonzept, das alle natürlichen Einflüsse auf einen Weinberg zusammenfasst. Es umfasst die Bodenbeschaffenheit, die Höhenlage, die Hangneigung, die Sonneneinstrahlung und das Mikroklima. Genau das Terroir macht die burgundischen Weine so einzigartig, denn jede Parzelle schmeckt völlig anders, auch wenn sie mit der gleichen Rebsorte bepflanzt ist.

Wie viel kostet eine normale Weinverkostung?

Die Zeiten kostenloser Verkostungen sind in Frankreich größtenteils vorbei. Bei kleineren Winzern zahlst du für eine Degustation 15 bis 30 €, große und berühmte Häuser verlangen schon mal 50 € und mehr, wobei eine Voranmeldung heutzutage absolut notwendig ist. Wenn du aber am Ende ein paar Flaschen mit nach Hause nimmst, erlassen dir kleine Winzer die Verkostungsgebühr sehr oft freundlicherweise.

Wann ist die beste Zeit für die Weinlesebeobachtung?

Das genaue Datum der Weinlese wird jedes Jahr neu festgelegt, je nach aktueller Reife der Trauben, fällt aber meist in die erste Septemberhälfte. Zu dieser Zeit ist die Region absolut am lebendigsten, überall duftet der gärende Most und auf den Straßen begegnest du Traktoren mit Trauben. Gleichzeitig ist aber überall viel los und die Unterkunft musst du lange im Voraus organisieren.

Kann ich im Burgund auch ohne Fleisch gut essen?

Obwohl die hiesige Küche für Fleischgerichte wie Bœuf Bourguignon berühmt ist, müssen Vegetarier hier keinesfalls hungern. Die französische Gastronomie bietet großartige Käsespezialitäten, Käsewindbeutel Gougères, Gemüsequiche, Zwiebelsuppe auf Gemüsebrühe oder ausgezeichnete Desserts wie Tarte Tatin mit Äpfeln.

Was ist die Auktion im Hospices de Beaune?

Hierbei handelt es sich um die berühmteste Wein-Wohltätigkeitsauktion der Welt, die jedes Jahr während der sogenannten Drei Glorreichen Tage stattfindet. Versteigert werden Fässer jungen Weins aus Weinbergen, die dem historischen Hospiz gehören, und der Erlös fließt an wohltätige Zwecke und zur Unterstützung von Krankenhäusern. Im Jahr 2026 fällt der Termin dieses großen gesellschaftlichen Ereignisses genau auf Sonntag, den 15. November.

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