Évora, Portugal: 14 Tipps – Was du im Herzen des Alentejo sehen musst

Wer die echte, unverfälschte Seele Portugals sucht, sollte unbedingt aufhorchen. Sobald du die belebte Küste hinter dir lässt und ins Landesinnere fährst, öffnet sich vor dir eine Landschaft endloser Korkeichenwälder, Olivenhaine und goldener Ebenen. Genau im Herzen dieser Region namens Alentejo liegt Évora – eine von mittelalterlichen Stadtmauern umgebene Stadt, die wie ein riesiges Freilichtmuseum wirkt. Hier begegnen sich römische Geschichte, maurische Einflüsse und geheimnisvolle christliche Traditionen. Die Évora Portugal Sehenswürdigkeiten sind so vielfältig, dass die Stadt ihren UNESCO-Welterbe-Status mehr als verdient.

Évora ist nämlich weit mehr als nur ein hübsches Städtchen auf der Landkarte: Die Stadt ist Teil des UNESCO-Welterbes und damit ein absolutes Muss für Geschichts- und Slow-Travel-Liebhaber. Enge gepflasterte Gassen, weiß-gelb leuchtende Häuser und überraschend monumentale Bauwerke erwarten dich – Schätze, die man in so einem stillen Winkel des Landes kaum erwarten würde. Im Gegensatz zum geschäftigen Lissabon ticken hier die Uhren deutlich langsamer, sodass du das ruhige Flair des südlichen Lebens wirklich in vollen Zügen genießen kannst.

Während die meisten Touristen nur für einen schnellen Tagesausflug vorbeikommen, verdient die Stadt viel mehr deiner Aufmerksamkeit. Sobald die Reisebusse am Nachmittag abgefahren sind, leert sich die Altstadt und gewinnt eine unglaublich romantische Atmosphäre. Alte Laternen erwachen zum Leben, aus kleinen Restaurants duftet es nach Knoblauch und Olivenöl, und du hast den antiken römischen Tempel fast ganz für dich allein. Ich habe einen ausführlichen Reiseführer zusammengestellt, der dich durch die schönsten Ecken dieses alentejischen Juwels führt.

Évora Portugal – Blick auf die Altstadt
Foto: Ingo Mehling / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen

  • Bekanntestes Highlight: Die schaurige Knochenkapelle (Capela dos Ossos), deren Wände mit den Überresten von Tausenden Mönchen bedeckt sind.
  • Historisches Prunkstück: Der hervorragend erhaltene römische Tempel aus dem 1. Jahrhundert – das Wahrzeichen der Stadt.
  • Bester Ausblick: Das Dach der gotischen Kathedrale Sé, von dem aus du das gesamte goldene Alentejo überblicken kannst.
  • Geheimnis der Umgebung: Die magischen Menhire von Cromeleque dos Almendres, älter als das berühmte Stonehenge.
  • Gastronomie: Die Region ist bekannt für kräftige Rotweine, Schafskäse und einzigartige Desserts.
  • Anreise: Von Frankfurt/München kommst du bequem per Direktflug nach Lissabon und von dort mit dem Bus oder Zug in etwa eineinhalb Stunden nach Évora.
  • Wetterhinweis: Im Sommer herrscht extreme Hitze – ideal ist ein Besuch im Frühling oder Herbst.
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Wann sollte man nach Évora reisen?

Wer eine Reise in die Region Alentejo plant, muss einen ganz entscheidenden Faktor berücksichtigen: das lokale Klima. Dieses Binnenland verwandelt sich in den Sommermonaten in einen riesigen Backofen, den kein kühlende Ozeanwind erreicht. Im Juli und August übersteigen die Temperaturen ganz regulär und regelmäßig die 40-Grad-Marke im Schatten. Spaziergänge über die glühend heißen Pflastersteine können sich so schnell in einen Kampf ums Überleben und die Suche nach dem nächsten klimatisierten Café verwandeln.

Die schönste Reisezeit ist zweifellos der Frühling, konkret April und Mai. Die Landschaft rund um die Stadt ergrünt, Wiesen blühen in bunten Farben und die Temperaturen liegen bei angenehmen 25 Grad. Ausgezeichnete Bedingungen herrschen auch im Herbst, im September und Oktober: Die schlimmste Hitze ist dann vorbei, die Abende sind aber noch warm genug, um draußen mit einem Glas Wein zu sitzen. Der Winter ist mild, aber gelegentlich regnerisch und trüb – pack also lieber einen Pullover ein.

Falls du trotzdem mitten im Sommer reisen musst, pass dich dem lokalen Lebensrhythmus an. Steh sehr früh auf, erledige die wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Vormittag und gönne dir über Mittag eine ausgedehnte Siesta im Schatten oder am Hotelpool. Im Sommer erwacht das Leben hier erst wieder nach Sonnenuntergang – dann füllen sich die Plätze mit Menschen und die Stadt beginnt endlich zu atmen.

Wo übernachten in Évora?

💡 Unterkunfts-Tipp: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornierungsbedingungen gibt. Tickets, Touren und Aktivitäten lohnt es sich über GetYourGuide zu vergleichen.

Die Wahl der richtigen Unterkunft hängt vor allem davon ab, ob du mit dem Auto oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreist. Das historische Zentrum innerhalb der alten Stadtmauern ist wunderschön und atmosphärisch, aber die Orientierung im Labyrinth enger Einbahnstraßen ist für Autofahrer ein echter Albtraum. Parkplätze innerhalb der Stadtmauern sind absolute Mangelware und oft nur für Anwohner mit Genehmigung reserviert. Wer mit dem Auto reist, dem empfehle ich, Hotels direkt außerhalb der Stadtmauern zu suchen: dort parkt man stressfrei und läuft in fünf Minuten ins Zentrum.

Wer Luxus und Geschichte in einem erleben möchte, ist im M’AR De AR Aqueduto bestens aufgehoben – einem Fünf-Sterne-Hotel in einem ehemaligen Palast aus dem 16. Jahrhundert. Es bietet einen herrlichen Blick direkt auf das historische Aquädukt, einen wunderschönen Garten und vor allem einen Außenpool, den man an heißen Tagen kaum missen möchte. Eine Oase der Ruhe, nur wenige Schritte vom touristischen Treiben entfernt.

Wer lieber eine gemütlichere, familiäre Atmosphäre mitten im Geschehen bevorzugt, sollte sich die Albergaria Do Calvário ansehen – ein wunderschönes kleines Hotel in einer ehemaligen Olivenölmühle. Das Frühstück mit lokalen Produkten ist fantastisch, und das Personal hilft dir gerne beim Planen von Ausflügen. Für moderneres Ambiente knapp außerhalb der Stadtmauern empfiehlt sich das Vitória Stone Hotel mit Dachpool und Blick über die Stadt sowie problemlosem Parken. Alle Buchungen lassen sich bequem über Booking.com erledigen, wo du das breiteste Angebot und oft auch attraktive Stornierungsbedingungen findest.

14 Sehenswürdigkeiten in Évora Portugal: Das Beste der Stadt

Schauen wir uns gemeinsam an, was diese faszinierende Stadt zu bieten hat. Évora ist zwar kompakt, aber an historischen Schätzen steckt hier unglaublich viel drin. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten liegen in Laufweite voneinander, sodass du keinerlei Stadtverkehr brauchst und einfach durch die Jahrhunderte schlendern kannst.

1. Knochenkapelle (Capela dos Ossos)

Dies ist zweifellos das bekannteste und zugleich schaurigste Denkmal der ganzen Region. Die Knochenkapelle wurde im 16. Jahrhundert von Franziskanermönchen mit einem sehr klaren Ziel erbaut: die Menschen an die Vergänglichkeit des Lebens zu erinnern. Schon beim Eingang empfängt dich die berühmte, eiskalte Inschrift über dem Portal: „Nós ossos que aqui estamos, pelos vossos esperamos“ – auf Deutsch: „Wir Knochen, die wir hier sind, warten auf eure.“

Der Innenraum der kleinen Kapelle ist vollständig mit Schädeln und Knochen von rund fünftausend Menschen verkleidet. Diese Überreste stammen aus Dutzenden überfüllter mittelalterlicher Friedhöfe rund um die Stadt, die neuen Bebauungen weichen mussten. Die Mönche stapelten die Knochen sorgfältig zu dekorativen Mustern an Wänden und Säulen und schufen damit ein faszinierendes, wenn auch etwas makabres Kunstwerk. Die Atmosphäre drinnen ist sehr still und regt zum Nachdenken an.

Zur Besichtigung gehört auch ein kleines Museum im Obergeschoss mit einer Sammlung religiöser Kunst und einem schönen Ausblick auf die Stadt. Der Eintritt kostet rund 6 € – ich empfehle, gleich morgens kurz nach der Öffnungszeit herzukommen, um den großen Touristengruppen zu entgehen, die im Rahmen von Tagesausflügen aus Lissabon hierher strömen.

💡 Insider-Tipp: Kaufe nicht nur die Eintrittskarte für die Kapelle, sondern nimm das Kombi-Ticket, das auch das angrenzende Krippenmuseum einschließt. Dort gibt es eine faszinierende Sammlung von Hunderten Miniaturszenen aus aller Welt.

2. Franziskanerkirche (Igreja de São Francisco)

Die meisten Besucher gehen nur in die Knochenkapelle und vernachlässigen dabei die eigentliche Kirche, zu der sie gehört – ein großer Fehler. Dieses majestätische Bauwerk aus dem späten 15. und frühen 16. Jahrhundert ist ein wunderschönes Beispiel der Verbindung von Gotik und Manuelischem Stil. In der Vergangenheit hatte es enorme Bedeutung, denn hier pflegten portugiesische Könige und Adlige während ihrer Aufenthalte in der Stadt zu beten.

Beim Betreten des Hauptschiffs überwältigt dich sofort sein riesiger, völlig stützenloser Raum. Keine einzige tragende Säule unterbricht den Blick – für die damalige Zeit eine unglaubliche architektonische Meisterleistung. Der golden verzierte Hochaltar bildet einen starken Kontrast zur düsteren Thematik der Nebenkostnische und zeugt vom unermesslichen Reichtum des portugiesischen Imperiums.

Kürzlich wurde der gesamte Komplex umfassend und sehr sensibel restauriert, sodass die Kirche wieder in vollem Glanz erstrahlt. Achte unbedingt auf die nautischen Motive und Symbole an den Gewölben, die auf das Zeitalter der großen portugiesischen Entdeckungen verweisen.

3. Römischer Tempel (Templo Romano)

Oft wird er fälschlicherweise als Diana-Tempel bezeichnet, doch in Wirklichkeit wurde er im ersten Jahrhundert nach Christus Kaiser Augustus geweiht. Er gilt als eines der besterhaltenen römischen Denkmäler auf der gesamten Iberischen Halbinsel und ist das absolute Wahrzeichen der Stadt. Auf einem erhöhten Platz stehend, trotzen vierzehn ursprüngliche Granitsäulen mit Marmorkapitellen bereits seit zweitausend Jahren dem Zahn der Zeit.

Dass er so gut erhalten ist, verdankt der Tempel einer großen historischen Ironie: Im Mittelalter wurde der Raum zwischen den Säulen zugemauert und das Bauwerk diente als städtisches Schlachthaus und Zeughaus. Die Mauern schützten so die antiken Säulen vor Witterungseinflüssen und Zerstörung. Erst im 19. Jahrhundert wurden die späteren Anbauten entfernt und der Tempel erstrahlte wieder in seiner ursprünglichen antiken Schönheit.

Heute ist der Tempel wunderbar beleuchtet – am schönsten erlebt man ihn abends, wenn die Touristenmassen verschwunden sind und der Ort eine unglaublich magische Atmosphäre ausstrahlt. Direkt daneben gibt es einen kleinen Park mit Bänken, von denen aus du dieses antike Prachtstück in Ruhe bei einer Tasse Kaffee bewundern kannst.

4. Kathedrale Sé de Évora

Kathedrale Sé de Évora
Foto: Ingo Mehling / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Nur wenige Schritte vom römischen Tempel entfernt erhebt sich ein weiteres monumentales Bauwerk, das man einfach nicht verpassen kann. Die Kathedrale Sé ist die größte mittelalterliche Kathedrale ganz Portugals und erinnert auf den ersten Blick eher an eine uneinnehmbare Militärfestung als an ein Gotteshaus. Ihr Bau begann bereits im 12. Jahrhundert und vereint Elemente der strengen Romanik mit der eleganteren Gotik.

Im Inneren empfängt dich ein dunkleres, aber sehr eindrucksvolles Ambiente, dominiert von einem wunderschönen Marmoraltar und einer einzigartigen Statue der schwangeren Jungfrau Maria. Die Geschichte dieses Ortes ist fesselnd – genau hier am Altar wurden die Flaggen der Flotte von Vasco da Gama gesegnet, kurz bevor der berühmte Seefahrer zu seiner wegweisenden Reise nach Indien aufbrach.

Das Beste erwartet dich jedoch auf dem Dach. Mit einer Eintrittskarte erklimmst du über eine enge Wendeltreppe die Dachterrassen der Kathedrale und wirst mit einem atemberaubenden Panoramablick auf die Stadt und die endlosen Ebenen des Alentejo belohnt. An klaren Tagen reicht der Blick erstaunlich weit.

💡 Insider-Tipp: Verpasse nicht den Innenhof (Kreuzgang) – eine stille Oase mit wunderschöner gotischer Architektur und herrlichen Perspektiven für Fotos der Kathedralentürme.

5. Praça do Giraldo

Praça do Giraldo in Évora Portugal
Foto: Ken & Nyetta / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

Dieser langgezogene Platz mit seinen Arkaden ist seit dem Mittelalter das schlagende Herz der ganzen Stadt. Die Praça do Giraldo ist der Treffpunkt für alle – Studenten, Familien mit Kindern und Touristen auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen. Der gesamte Platz ist gesäumt von Cafés und Restaurants, deren Terrassen zum langen Verweilen und Beobachten des bunten Treibens einladen.

Das Wahrzeichen der Nordseite ist die Kirche Santo Antão und ein schöner Marmorbrunnen mit Tiermotiven und acht Wasserstrahlen. Diese acht Strahlen symbolisieren die acht Hauptstraßen, die von diesem Platz aus in alle Ecken der Stadt führen. Er ist der perfekte Orientierungspunkt, zu dem du im Laufe des Tages sicher mehrmals zurückkehren wirst.

Trotz der heutigen entspannten Atmosphäre hat der Ort auch eine dunkle Vergangenheit. Im 16. Jahrhundert fanden hier grausame Prozesse der portugiesischen Inquisition und öffentliche Hinrichtungen statt. Heute regiert zum Glück nur noch der Duft von Kaffee und süßem Gebäck aus den berühmten lokalen Bäckereien.

6. Souvenirs & Einkaufen in der Rua 5 de Outubro

Vom Hauptplatz Giraldo führt die leicht ansteigende Rua 5 de Outubro direkt zur Kathedrale und zum römischen Tempel. Diese malerische Fußgängerzone ist das bekannte Zentrum für Läden mit traditionellem Kunsthandwerk. Wenn du etwas wirklich Lokales und Authentisches aus Portugal mit nach Hause nehmen möchtest, bist du hier genau richtig.

Die Region Alentejo ist der weltgrößte Korkproduzent, und so findest du hier aus diesem Material buchstäblich alles. Die Schaufenster quellen nicht nur von traditionellen Stopfen und Untersetzer über, sondern du bekommst auch wunderschöne Korkhandtaschen, Geldbörsen, Hüte und sogar Schuhe oder Regenschirme. Kork ist unglaublich leicht, ökologisch und wasserabweisend.

Neben Kork stößt du auch auf wunderschöne handbemalte Keramik, deren bunte Muster jede Küche beleben. Die Preise in dieser Hauptstraße können etwas höher sein als in den abgelegeneren Gassen, aber die Auswahl ist hier konkurrenzlos und der Bummel unter den bunten Fähnchen macht einfach Spaß.

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7. Historische Universität (Colégio do Espírito Santo)

Évora war schon immer ein Zentrum der Gelehrsamkeit, und die hiesige Universität zählt zu den ältesten des Landes. Sie wurde von den Jesuiten bereits 1559 gegründet und bildete jahrhundertelang die portugiesische Elite aus. Obwohl sie im 18. Jahrhundert auf Geheiß des mächtigen Marquis de Pombal für lange Zeit geschlossen wurde, ist sie heute wieder voller Leben und Tausender Studierender, die der Stadt eine jugendliche Energie verleihen.

Das Hauptgebäude, bekannt als Colégio do Espírito Santo, ist frei zugänglich und ein beeindruckendes Erlebnis. Das Herzstück des Komplexes ist ein wunderschöner Renaissance-Innenhof, umgeben von Marmorarkaden. Der eigentliche Schatz verbirgt sich jedoch in den historischen Hörsälen, in die man einen Blick werfen kann, sofern gerade kein Unterricht stattfindet.

Denn jeder alte Hörsaal ist vollständig mit den traditionellen blau-weißen Azulejo-Kacheln ausgestattet, deren Motive thematisch zum jeweiligen Unterrichtsfach passen. Im Physik-Hörsaal finden sich wissenschaftliche Szenen, im Theologieraum biblische Motive. Es ist eine unglaublich elegante Hommage an die portugiesische Fliesenkunst.

💡 Insider-Tipp: Wer echtes Studentenleben schnuppern möchte, geht auf einen Kaffee oder ein günstiges Mittagessen direkt in die Universitätskantine in den historischen Räumlichkeiten. Günstig und sehr authentisch.

8. Aquädukt Água de Prata

Dieses monumentale Renaissance-Aquädukt aus dem 16. Jahrhundert ist ein Ingenieurskunstwerk, das einst Trinkwasser aus fast zwanzig Kilometern Entfernung in die Stadt leitete. Entworfen wurde es vom berühmten Architekten Francisco de Arruda – demselben Mann, der den ikonischen Belém-Turm in Lissabon entwarf. Die Bögen des Aquädukts ziehen sich majestätisch durch die Landschaft bis zu den Stadtmauern.

Den interessantesten Teil des Aquädukts findest du jedoch direkt in der Stadt, in der Rua do Cano. Als die Stadt wuchs und der Platz knapp wurde, begannen die Einwohner, ihre kleinen weißen Häuser direkt zwischen den Bögen des Aquädukts zu bauen. Heute sieht man hier eine völlig einzigartige Gasse, in der die alten Pfeiler direkt in die Fassaden der Wohnhäuser hineinwachsen und deren Mauern bilden.

Wer gerne längere Spaziergänge unternimmt, kann einen speziellen Öko-Pfad entlanggehen, der dem Aquädukt hinaus ins Grüne folgt. Die Route ist gut ausgeschildert, flach und bietet schöne Ausblicke auf Korkeichenhaine und weidende Schafe.

9. Palast Dom Manuel und öffentliche Gärten

Palast Dom Manuel und öffentliche Gärten in Évora
Foto: Vitor Oliveira from Torres Vedras, PORTUGAL / Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0

Wenn die Nachmittagssonne unbarmherzig brennt, ist der Jardim Público – der Hauptstadtpark im südlichen Teil des historischen Zentrums – der perfekte Zufluchtsort. Dieser weitläufige grüne Bereich bietet dichten Schatten ausgewachsener Bäume, Bänke und angenehm kühle Luft. Gesellschaft leisten dir dabei Dutzende frei laufende Pfauen, die sich gerne den Besuchern präsentieren.

Im Park entdeckst du die Überreste des einst prunkvollen Königspalastes Palácio de Dom Manuel. Es war die Lieblingsresidenz portugiesischer Könige, und hier soll Vasco da Gama den Oberbefehl über seine berühmte Seeexpedition erhalten haben. Bis heute erhalten geblieben ist ein schöner Pavillon mit charakteristischen manuelinischen und maurischen Fenstern, der gelegentlich für Ausstellungen genutzt wird.

Eine Besonderheit des Parks sind auch die romantischen Kunstzuinen (Ruínas Fingidas), die im 19. Jahrhundert aus echten Steinen und architektonischen Elementen abgerissener Stadtpaläste und Klöster errichtet wurden. Ein perfekter Ort für ein entspanntes Picknick am Nachmittag.

10. Magische Megalithen von Cromeleque dos Almendres

Dieses Erlebnis darf man sich auf keinen Fall entgehen lassen, auch wenn es etwa fünfzehn Kilometer außerhalb der Stadt liegt. Cromeleque dos Almendres ist der größte Megalithkomplex auf der gesamten Iberischen Halbinsel und eine der bedeutendsten Stätten dieser Art in Europa. Stell dir vor: Diese Steine wurden Jahrtausende aufgerichtet, bevor das berühmte Stonehenge überhaupt entstand.

Der Komplex besteht aus fast hundert riesigen ovalen Granitsteinen, die am Hang inmitten eines idyllischen Korkeichenhains zu zwei großen Ellipsen angeordnet sind. Der Ort diente den Vorzivilisationen höchstwahrscheinlich für astronomische Beobachtungen und religiöse Rituale rund um Sonnenwende und Landwirtschaft.

Der Zugang zu den Menhiren führt über einen unbefestigten Schotterweg – rechne damit, dass dein Auto etwas staubig wird. Die stärkste Atmosphäre erlebt man früh morgens beim Sonnenaufgang oder am späten Nachmittag, wenn die langen Schatten der Steine ein unglaublich mystisches Bild erzeugen. Der Eintritt ist völlig frei, das Gelände ist nicht eingezäunt.

💡 Insider-Tipp: Halte auf dem Weg zum Hauptsteinkreis beim frei stehenden Menhir dos Almendres an. Dieser vier Meter hohe Riese soll als Wegweiser zur Hauptheiligtumsstätte gedient haben.

11. Museum von Évora (Museu Nacional Frei Manuel)

Museum von Évora – Museu Nacional Frei Manuel
Foto: Ingo Mehling / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Wer sich für die tiefere Geschichte der Region interessiert oder einfach vor der Mittagshitze Schutz sucht, sollte das Hauptmuseum besuchen, das im ehemaligen Bischofspalast direkt neben dem römischen Tempel untergebracht ist. Die Sammlungen sind überraschend reichhaltig und dokumentieren die Stadtgeschichte hervorragend – von der Urgeschichte bis in die Neuzeit.

Die größten Attraktionen im Erdgeschoss sind gut erhaltene römische und islamische Artefakte, darunter wunderschöne antike Skulpturen und detaillierte Mosaiken, die direkt bei Ausgrabungen in der Stadt entdeckt wurden. Geschichte atmet hier aus jedem Stein.

Im Obergeschoss erwartet dich eine großartige Gemäldegalerie mit wertvollen Leinwänden aus der Renaissance, darunter seltene Werke flämischer Meister, die sich die reiche portugiesische Aristokratie in ihren Glanzzeiten liefern ließ. Das Museum ist recht weitläufig – plane mindestens anderthalb Stunden ein.

12. Alentejo-Gastronomie

Das Alentejo zu erkunden, ohne in die lokale Küche einzutauchen, wäre eine echte Sünde. Die hiesige Küche ist rustikal, ehrlich und basiert auf hervorragenden lokalen Zutaten – vor allem Olivenöl, Knoblauch und Kräutern. Ein großartiges vegetarisches Erlebnis ist die traditionelle açorda alentejana: eine kräftige Knoblauchsuppe mit eingeweichtem Landbrot, reichlich Koriander und einem pochierten Ei.

Die Region ist außerdem für ihre famosen Käsesorten bekannt, allen voran den weichen Schafskäse Queijo de Serpa mit geschützter Ursprungsbezeichnung, der hervorragend zu frischem Brot und einem Glas Wein passt. Die Einheimischen schwören zudem auf die verschiedensten Spezialitäten vom schwarzen alentejischen Schwein (porco preto), das frei in Korkeichenwäldern herumläuft und sich ausschließlich von Eicheln ernährt – daraus entstehen die hochwertigsten Wurstwaren und Würste der Region.

Vergiss nicht, noch Platz für Dessert zu lassen: Die Klosternaschereien sind legendär. Probier unbedingt die Sericaia, einen luftigen Ei-Zimt-Pudding, der traditionell mit süßen kandierten Pflaumen aus dem nahe gelegenen Elvas serviert wird.

13. Weinverkostung: Kräftige Rotweine aus dem Alentejo

Das Alentejo zählt zu den renommiertesten Weinregionen ganz Portugals. Dank der enormen Sonneneinstrahlung und dem heißen Klima reifen die Trauben mit einem hohen Zuckergehalt heran, was kräftigen, vollmundigen und sehr fruchtigen Rotweinen Entstehung gibt, die auf internationalen Wettbewerben regelmäßig Medaillen abräumen.

Wer keine Zeit oder kein Auto für Touren zu den Weingütern (sogenannten Herdades) im Umland hat, sollte direkt im Stadtzentrum die Rota dos Vinhos do Alentejo aufsuchen. Dieser Degustationsraum und dieses Informationszentrum bietet gegen eine sehr faire Gebühr Proben verschiedener regionaler Erzeuger an, während das kompetente Personal alles ausführlich erläutert.

Auch die Weißweine dieser Region sind überraschend frisch und passen hervorragend zu leichten Mittagessen an heißen Sommertagen. Eine Flasche hochwertiger alentejischer Wein ist übrigens das wohl beste Souvenir, das du mit nach Hause nehmen kannst.

14. Ausflug ins strahlend weiße Dorf Monsaraz

Ausflug nach Monsaraz – weißes Dorf im Alentejo
Foto: Pmvandrade / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Wer ein Auto zur Verfügung hat und ein bisschen extra Zeit mitbringt, sollte einen Besuch im mittelalterlichen Dorf Monsaraz auf keinen Fall auslassen. Das Dorf liegt etwa eine Autostunde in Richtung spanische Grenze. Diese Siedlung thront hoch auf einem steilen Hügel und besteht vollständig aus blendend weißen Häusern und engen Schiefergassen, in die keine Autos fahren dürfen.

Am Ende des Dorfes steht eine alte Burg, auf deren Türme und Mauern du frei hinaufsteigen kannst. Von dort bietet sich dir ein epischer und unvergesslicher Blick auf den riesigen Stausee Alqueva, einen der größten künstlichen Seen Europas, der die natürliche Grenze zu Spanien bildet.

Die gesamte Region ist zudem als Dark Sky Reserve ausgewiesen, was bedeutet, dass hier minimale Lichtverschmutzung herrscht. Wer bis zur Dunkelheit bleibt, erlebt ein unvergleichliches Stargazing unter einem funkelnden Sternenhimmel. Ein perfekter Abschluss für die Erkundung des Alentejo-Hinterlands.

Wohin weiter von Évora?

Die Lage der Stadt im Herzen Portugals macht sie zu einem perfekten Stopp auf einem längeren Roadtrip durch das Land. Wer zurück an die Küste ins lebhaftere Stadtleben und zu weiteren Sehenswürdigkeiten möchte, sollte unbedingt unseren ausführlichen Lissabon-Reiseführer lesen – die Hauptstadt erreichst du in knapp zwei Stunden. Palast-Liebhaber sollten außerdem das märchenhafte Sintra nicht auslassen.

Wer vom Binnenland direkt in Richtung Süden ans Meer möchte, findet bei uns Tipps zu den schönsten Plätzen in Lagos oder entdeckt das historische Zentrum der Hauptstadt der Algarve in unserem Artikel über Faro. Eine wunderbare Wahl für einen ruhigeren Südurlaub ist auch das bezaubernde Tavira.

Häufig gestellte Fragen

Wie komme ich von Lissabon nach Évora?

Die Anreise ist sehr einfach. Von Lissabon (Busbahnhof Sete Rios) fahren regelmäßig Busse der Gesellschaft Rede Expressos, die die Strecke in anderthalb Stunden schaffen. Ein Ticket kostet etwa 12 Euro. Alternativ könnt ihr auch bequeme Züge vom Bahnhof Oriente nehmen, die Fahrt dauert ähnlich lange, allerdings gibt es pro Tag nicht so viele Verbindungen wie bei den Bussen.

Wie viel Zeit brauche ich für die Besichtigung der Stadt?

Um das Wichtigste im historischen Zentrum zu sehen, reicht ein voller, gut gefüllter Tag aus. Wenn ihr aber die Atmosphäre richtig genießen, zu den Megalithen außerhalb der Stadt fahren und in Ruhe die lokalen Weine probieren möchtet, empfehle ich euch, mindestens eine Nacht zu bleiben und zwei Tage einzuplanen.

Wo parke ich am besten mein Auto?

Versucht auf keinen Fall, mit dem Auto direkt in die historische Altstadt innerhalb der Stadtmauern zu fahren – die Gassen sind extrem eng. Große und oft kostenlose Parkplätze findet ihr direkt hinter den Stadtmauern in der Nähe des Aquädukts oder bei der Universität. Von dort sind es nur fünf Gehminuten ins Zentrum.

Ist die Stadt für Reisen mit kleinen Kindern geeignet?

Die Stadt ist sehr sicher und es gibt wunderschöne Parks (zum Beispiel den Jardim Público mit Pfauen). Allerdings ist das historische Zentrum mit sehr groben Steinen gepflastert, sodass die Fortbewegung mit einem normalen Buggy ziemlich holprig und anstrengend sein kann. Eine Babytrage ist hier definitiv die bessere Wahl.

Wann haben die Sehenswürdigkeiten geöffnet?

Die meisten Museen und Sehenswürdigkeiten öffnen gegen neun oder zehn Uhr morgens. Beachtet aber, dass vor allem kleinere Kirchen und manche Geschäfte noch die Mittagssiesta einhalten und etwa von 13:00 bis 15:00 Uhr geschlossen sein können. Montags sind viele Museen komplett geschlossen.

Kann man in kleineren Lokalen mit Karte bezahlen?

In großen Hotels und bei den Hauptsehenswürdigkeiten könnt ihr problemlos mit Karte zahlen. In vielen kleinen Familiencafés und traditionellen Restaurants gibt es aber immer noch keine Kartengeräte oder sie akzeptieren nur lokale Karten des Multibanco-Systems. Habt daher immer etwas Bargeld dabei.

Muss ich einen Tisch zum Abendessen reservieren?

In der Hauptsaison im Sommer und an Wochenenden empfehle ich das auf jeden Fall, besonders wenn ihr eines der besser bewerteten traditionellen Restaurants im Auge habt. Die Lokale sind klein und schnell voll. Die Portugiesen essen recht spät zu Abend, die Restaurants füllen sich erst nach acht Uhr abends.

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