Die estnischen Inseln umfassen zwar mehr als zweitausend Landstücke, doch nur ein kleiner Teil davon ist bewohnt und für neugierige Reisende zugänglich. Wenn Einheimische sagen, dass sie übers Wochenende auf die Inseln fahren, meinen sie damit die perfekte Flucht aus der Zivilisation und eine völlige Entschleunigung. Die Luft duftet nach Meer und Wacholder, und manchmal verschwindet das Handysignal gnädigerweise ganz.
Diese nordische Romantik hat allerdings einen großen Haken, über den in gewöhnlichen Reiseführern oft geschwiegen wird. Rund ein halbes Jahr sind die wichtigsten estnischen Inseln praktisch geschlossen, und das gesamte touristische Leben kommt zum Erliegen. Wenn du deine Reise aber für die warme Sommersaison gut planst, erwartet dich ein wahrhaft atemberaubendes Erlebnis.
Was erwartet dich also auf diesen Inseln? Ich verrate dir, wie du am besten hinkommst, warum du dich ohne Auto kaum fortbewegen kannst und worauf du unbedingt achten solltest.

Der komplette Reiseführer: Estland — Reiseführer und Highlights
Zusammenfassung
- Wie viele Inseln du besuchen solltest: Estland hat Tausende davon, doch konzentriere dich beim Reisen vor allem auf die großen vier: Saaremaa, Hiiumaa, Muhu und Kihnu.
- Welche Insel zu wem passt: Saaremaa ist ideal für Wellness- und Burgenliebhaber, Hiiumaa lockt mit unberührter Natur und Leuchttürmen, Muhu bietet luxuriöse Erholung und Kihnu eine einzigartige matriarchale Kultur.
- Anreise: Die wichtigste Verbindung sind die Fähren der Gesellschaft Praamid. Nach Saaremaa, der größten Insel, gelangst du bequem über einen aufgeschütteten Damm und die kleinere Insel Muhu.
- Wie viele Tage du brauchst: Für einen kurzen Eindruck reichen zwei bis drei Tage, für eine wirklich entspannte Rundreise solltest du besser fünf bis sieben Tage einplanen.
- Beste Reisezeit: Von Ende Mai bis September funktioniert alles problemlos, und die nordische Natur ist dann am schönsten.
- Warum du ein Auto brauchst: Busse fahren hier sehr selten. Ohne eigenes oder gemietetes Auto erreichst du die abgelegenen Klippen und Leuchttürme schlicht nicht.
- ⚠️ Achtung Saisonalität: Von November bis April sind viele Unterkünfte, bekannte Restaurants und Sehenswürdigkeiten auf den Inseln komplett geschlossen.

Anreise zu den estnischen Inseln
Reiseforen bestätigen es immer wieder: Der größte Fehler, den du auf den estnischen Inseln machen kannst, ist, dich auf öffentliche Verkehrsmittel zu verlassen. Ohne Auto kommst du hier praktisch nicht aus. Die Busse fahren sehr selten, und daraus eine sinnvolle Reiseroute zusammenzustellen, ist eher eine Strafe. Von Tallinn fahren zwar bequeme Verbindungen direkt in die Inselhauptstadt Kuressaare, doch sobald du am Busbahnhof aussteigst, kommst du nur sehr schwer zu den Klippen und abgelegenen Dörfern. Du hast also zwei Möglichkeiten: Entweder reist du mit dem eigenen Wagen vom Festland an oder mietest direkt nach der Landung ein Auto.
Die wichtigste Verbindung zu den Inseln sind die modernen Fähren der staatlichen Gesellschaft Praamid. Vom Festlandhafen Virtsu fährst du zum Hafen Kuivastu auf Muhu. Von dort geht es über einen langen aufgeschütteten Damm auf die Hauptinsel Saaremaa – allein das ist schon ein tolles Erlebnis. Die Überfahrt dauert nur 27 Minuten und vergeht wie im Flug. Die zweite wichtige Verbindung verbindet den Festlandhafen Rohuküla mit Heltermaa auf Hiiumaa; die Fahrt dauert ungefähr 75 Minuten.
Die Preise für die Überfahrt sind recht fair, aber in der Sommersaison solltest du Tickets über die Website praamid.ee am besten schon eine Woche im Voraus reservieren. Für einen Pkw auf der Strecke Virtsu–Kuivastu zahlst du ungefähr 12 Euro (etwa 300 Kč), für jeden weiteren Passagier kommen 4 Euro (100 Kč) hinzu. Das System funktioniert erstaunlich clever: Eine Kamera im Hafen liest dein Kennzeichen, und die Schranke zur bevorzugten Spur öffnet sich automatisch. Kein Warten am Schalter, kein Papierticket. Zwischen Saaremaa und Hiiumaa verkehrt außerdem die lokale Fähre Triigi–Sõru, die sich ideal für längere Roadtrips eignet.
Es gibt auch eine Flugverbindung, doch die nutzen eher Geschäftsleute aus der Region. Kleine Flugzeuge fliegen von Tallinn nach Kuressaare; der Flug dauert weniger als eine Stunde und spart viel Zeit. Trotzdem musst du auch am kleinen Inselflughafen ein Auto mieten, wenn du dich in der Umgebung frei bewegen möchtest.

⚠️ Saisonalität: Wann die Inseln leben und wann sie schlafen
Das ist die wichtigste Information des gesamten Reiseführers, die du keinesfalls unterschätzen solltest. Von November bis April sind viele Unterkünfte, Restaurants und Attraktionen geschlossen. Die estnischen Inseln fallen schlicht ein halbes Jahr lang in einen tiefen Winterschlaf. Kleine Pensionen und Cafés außerhalb der Hauptstadt Kuressaare haben überhaupt nicht geöffnet, und der Inselrhythmus verlangsamt sich auf ein absolutes Minimum.
Die Hochsaison dauert von Juni bis August, und das merkt man. Alles ist geöffnet, Festivals finden statt, und die Tage sind so lang, dass du dich um zehn Uhr abends fragst, warum es noch hell ist. Selbst in der Hauptsaison solltest du dich aber auf das langsame Inselleben einstellen, denn Geschäfte und Cafés öffnen gewöhnlich erst um neun Uhr morgens. Wenn du einen Kompromiss zwischen gutem Wetter und niedrigeren Preisen suchst, reise im September.
Ein Winterbesuch ist nur etwas für echte Abenteurer und Fans extremer Erlebnisse. Bei strengem Frost öffnen sich auf dem Meer nämlich die berühmten Eisstraßen. Die längste ist 26,5 Kilometer lang und verbindet das Festland mit Hiiumaa. Sie gilt als längste Eisstraße Europas, unterliegt aber sehr strengen Regeln. Du darfst dich nicht anschnallen, und die Geschwindigkeit darf nicht zwischen 25 und 40 Kilometern pro Stunde liegen, damit Resonanzen das Eis nicht brechen. Reisende warnen allerdings, dass diese Straßen in milden Wintern überhaupt nicht freigegeben werden.

12 Orte, die du auf den estnischen Inseln nicht verpassen solltest
Jede Insel hat ihren ganz eigenen Charakter. Während du auf Saaremaa eher Kurgästen begegnest und mittelalterliche Architektur bewunderst, nehmen dich auf Hiiumaa endlose Wälder und Stille gefangen.
Ich habe zwölf Orte für dich ausgewählt, die diese nordische Vielfalt perfekt zeigen. Du kannst sie auf einem langen Roadtrip erkunden oder dir nur einige Ziele aussuchen, die dich besonders interessieren.

1. Bischofsburg von Kuressaare (Saaremaa)
Das Wahrzeichen der gesamten Insel Saaremaa ist die atemberaubende Bischofsburg aus dem 14. Jahrhundert. In der Hauptstadt Kuressaare erwartet dich die einzige vollständig erhaltene mittelalterliche Festung im gesamten Baltikum. Sie ist von einem mächtigen Wassergraben und einem weitläufigen Park umgeben, in dem du wunderbar ziellos spazieren kannst.
In der Festung befindet sich ein großes historisches Museum, das dich von der Urgeschichte bis ins 20. Jahrhundert durch die Inselgeschichte führt. Die Ausstellungen sind sehr modern und interaktiv, also erwartet dich keineswegs eine langweilige Führung durch verstaubte Vitrinen. Der Eintritt ins Museum kostet ungefähr 12 Euro (etwa 300 Kč). Es ist ganzjährig geöffnet, im Winter allerdings mit eingeschränkten Öffnungszeiten.
Für die gesamte Burganlage solltest du ruhig zwei bis drei Stunden einplanen. Die Einheimischen empfehlen, bis ganz nach oben auf den Hauptturm zu steigen; von dort hast du einen fantastischen Blick über die Stadt und die angrenzende Bucht.
💡 Tipp: Wenn du Ende Juli hierherkommst, musst du mit riesigen Menschenmengen rechnen. Im Burghof findet nämlich ein berühmtes Opernfestival statt, das zuverlässig alle Hotels in der weiteren Umgebung ausbucht.

2. Kurzentrum Kuressaare (Saaremaa)
Wenn du schon in Kuressaare bist, wäre es ein großer Fehler, die berühmten Spas nicht auszuprobieren. Die Kurtradition reicht hier bis ins Jahr 1824 zurück, als man begann, die heilenden Eigenschaften des örtlichen Meeresschlamms zu nutzen. Heute kann die Stadt mit einer weltweiten Besonderheit aufwarten: Den verfügbaren Angaben zufolge gibt es hier die höchste Dichte an Kurbetten pro Einwohner weltweit.
Scharen von Finnen und Esten kommen regelmäßig nach Kuressaare, um sich auf höchstem Niveau zu entspannen. Die meisten modernen Spa-Hotels bieten Anwendungen mit örtlichem Dolomitschlamm, der angeblich schmerzende Gelenke lindert und die Haut weich macht. Du musst nicht gleich ein teures Paket buchen: Viele Hotels lassen jeden gegen einen wirklich angemessenen Preis einmalig in Pool und Sauna.
Die ganze Stadt wirkt unglaublich malerisch und gepflegt. In den Gassen findest du zahlreiche Cafés und ausgezeichnete vegetarische Bistros, in denen du dich nach der heißen Sauna erholen kannst. Für eine richtige Kur- und Wellnessauszeit solltest du mindestens einen ganzen Nachmittag einplanen.
💡 Tipp: Probiere eine traditionelle Moorpackung. Dabei wirst du zwar aussehen, als wärst du in einen Sumpf gefallen, aber danach soll sich die Haut unglaublich weich und erholt anfühlen.

3. Meteoritenkrater Kaali (Saaremaa)
Etwa 20 Kilometer von Kuressaare entfernt verbirgt sich eines der größten Naturgeheimnisse Europas. Der Krater von Kaali entstand vor ungefähr 3.500 Jahren durch einen Meteoriteneinschlag und wird oft als estnisches Tunguska bezeichnet. Der Hauptkrater hat einen beeindruckenden Durchmesser von 110 Metern. Auf seinem Grund liegt ein dunkelgrüner See, der beinahe mystisch wirkt.
Der ganze Ort strahlt eine unglaublich starke heidnische Atmosphäre aus. In früheren Zeiten diente der See wahrscheinlich als bedeutende Opferstätte, und bis heute begegnen ihm die Einheimischen mit großem Respekt. Rund um den Hauptkrater liegen noch acht kleinere Nebenkrater, die du bei einem kurzen Waldspaziergang erkunden kannst.
Der Zugang zum Krater selbst ist völlig kostenlos und führt über einen bequemen Weg. Direkt am Parkplatz befindet sich ein kleines, sehr interessantes Meteoritenmuseum, in dem du gegen eine geringe Gebühr alles über die Geschichte dieses kosmischen Zusammenstoßes erfährst. Der Besuch dauert höchstens eine Stunde und lässt sich daher gut mit der Weiterfahrt über die Insel verbinden.
💡 Tipp: Schau im Souvenirladen vor Ort vorbei. Dort werden wunderschöne Produkte aus Wacholderholz verkauft, die herrlich duften.

4. Panga-Klippen (Saaremaa)
Wenn du den besten Ort für einen Sonnenuntergang suchst, fahre an die Nordküste Saaremaas. Die Panga-Klippen sind die höchsten Küstenklippen in ganz Westestland und erreichen eine beeindruckende Höhe von mehr als 20 Metern. Die Felsen fallen steil in die aufgewühlte Ostsee ab und bieten fantastische Ausblicke.
Um die Klippen führt ein angenehmer Wanderweg durch einen Kiefernwald. Direkt an der Klippenkante steht eine alte Sonnenuhr aus Dolomit, die bei Reisenden als beliebter Fotospot dient. Früher sollen die Einheimischen von diesen Klippen aus dem Meer Opfergaben dargebracht haben, um einen guten Fang und die Gunst der Götter zu sichern.
Mit dem Auto kommst du problemlos hierher, und das Parken ist kostenlos – eine angenehme Überraschung an einem so schönen Ort. In der Saison gibt es einen Kiosk mit Kaffee und Snacks; außerhalb der Saison solltest du deine Vorräte selbst mitbringen. Für den Spaziergang an den Klippen entlang und jede Menge Fotos reicht eineinhalb Stunden völlig aus.
💡 Tipp: Pack auch im Hochsommer eine warme Jacke oder einen Pullover ein. Vom Meer weht hier häufig ein scharfer, kalter Wind.

5. Windmühlen von Angla (Saaremaa)
Wenn von der estnischen Landschaft die Rede ist, denken die meisten an hölzerne Windmühlen. Die Anlage mit fünf historischen Mühlen im Dorf Angla ist die am besten erhaltene Gruppe dieser Bauwerke auf der gesamten Insel. Früher stand in beinahe jedem größeren Dorf eine solche Mühle, bis heute ist jedoch nur ein Bruchteil erhalten.
Vier der Mühlen wurden im typischen Inselstil gebaut und lassen sich vollständig in Windrichtung drehen. Eine Mühle ist allerdings holländischen Typs und deutlich größer. Das Beste: In die meisten kannst du hineinschauen und das gut erhaltene hölzerne Getriebe besichtigen, das früher Mehl für die ganze Umgebung mahlte.
Auf dem Gelände gibt es außerdem ein großes Kulturzentrum, in dem du traditionelles Handwerk ausprobieren kannst. Der Eintritt für die gesamte Anlage kostet etwa 8 Euro (200 Kč), und besonders Familien mit Kindern haben hier Freude.
💡 Tipp: Im Kulturzentrum gibt es fantastisches hausgemachtes Sauerteigbrot. Kauf dir unbedingt einen Laib für unterwegs – er schmeckt einfach himmlisch.

6. Nationalpark Vilsandi und Robben (Saaremaa)
Am westlichsten Rand Saaremaas liegt der Nationalpark Vilsandi, ein wahres Paradies für Naturliebhaber. Der Park besteht aus mehr als 150 kleinen Inseln und flachen Buchten, die Tausenden von Seevögeln Schutz bieten. Die Natur darf hier weitgehend sich selbst überlassen bleiben, menschliche Eingriffe sind auf ein Minimum beschränkt.
Die größte Attraktion Vilandis ist allerdings eine andere. Im Park lebt die größte Kegelrobbenkolonie Estlands. Die wunderschönen Meeressäuger liegen träge auf den freiliegenden Felsen und genießen die seltenen Sonnenstrahlen. Sie dabei zu beobachten, wie sie sich auf den Steinen räkeln und in die Sonne blinzeln, ist genau die Art von Anblick, für die Menschen ans Ende der Welt reisen.
Am besten kommst du den Robben mit einer organisierten Robbensafari näher. Lokale Agenturen bieten Touren in kleinen Booten an, die dich mit sicherem Abstand zu den Tieren bringen. Der Richtpreis liegt bei etwa 135 Euro (ca. 3.400 Kč) pro Erwachsenen. In der Sommersaison sind die Plätze sehr schnell ausverkauft. Der Ausflug dauert gewöhnlich den ganzen Vormittag.
💡 Tipp: Vergiss ein gutes Fernglas und ein Teleobjektiv für die Kamera nicht. Die Boote dürfen nicht ganz an die Robben heranfahren, damit sie nicht aufgeschreckt werden.

7. Fischerdorf Koguva (Muhu)
Wenn du mit der Fähre auf Muhu ankommst, solltest du nicht einfach blind hindurchfahren. Das traditionelle Fischerdorf Koguva ist im Grunde ein lebendiges Freilichtmuseum und gehört zu den schönsten Orten Estlands. Sobald du es betrittst, verschwinden plötzlich Asphalt, touristische Schilder und WLAN. Übrig bleiben nur moosbewachsene Steinmauern und Stille, die vom Wind unterbrochen wird.
Das Dorf ist für seine Steinmauern bekannt, die dicht mit Moos bewachsen sind und sich an gewundenen unbefestigten Wegen entlangziehen. Die meisten alten Bauernhöfe haben solide Reetdächer, und in einigen leben noch heute Einheimische. Ein Teil des Dorfes dient als Museum, in dem du traditionelle Inseltrachten und altes Fischereigerät besichtigen kannst.
Die Atmosphäre ist unglaublich still und friedlich. Reisende schwärmen von den kleinen Cafés vor Ort, die großartigen Kaffee und traditionelles Inselgebäck anbieten. Ein Spaziergang durchs Dorf und der Museumsbesuch dauern ungefähr zwei Stunden; der Eintritt in den Museumsteil kostet symbolische wenige Euro.
💡 Tipp: Respektiere die Privatsphäre der Einheimischen. Manche Höfe sehen wie ein Teil des Museums aus, sind tatsächlich aber private Gärten.

8. Luxusanwesen Pädaste Manor (Muhu)
Wenn du absoluten Luxus suchst und nicht auf ein knappes Budget achten musst, hat Muhu eine ganz besondere Attraktion für dich. Das restaurierte Pädaste Manor aus dem 16. Jahrhundert gilt als luxuriösestes Landhotel Estlands. Es ist stolzes Mitglied des angesehenen Netzwerks Small Luxury Hotels of the World und zieht anspruchsvolle Gäste aus ganz Europa an.
Das Anwesen liegt direkt am Meer und ist von einem wunderschönen gepflegten Park umgeben. Hier befindet sich das berühmte Restaurant Alexander, das regelmäßig Spitzenplätze in der estnischen Gastronomie belegt. Es ist auf die sogenannte Küche der nordischen Inseln spezialisiert und serviert Wild, Fisch und lokale Kräuter aus den eigenen Gärten. Auch als Vegetarier gehst du hier nicht leer aus: Die fleischlosen Degustationsmenüs sind ausgezeichnet.
Das Erlebnis ist allerdings sehr teuer. Die Preise für eine Nacht in diesem Anwesen beginnen außerhalb der Saison bei 161 Euro (etwa 4.000 Kč) und steigen in den Sommermonaten stark an. Wenn du nicht übernachten möchtest, kannst du zumindest einen Tisch zum Mittagessen reservieren und die herrlichen Gärten besichtigen.
💡 Tipp: Das hauseigene Lux usspa bietet ein ungewöhnliches Heubad nach alten lokalen Traditionen an.

9. Leuchtturm Kõpu (Hiiumaa)
Hiiumaa ist im Vergleich zum benachbarten Saaremaa deutlich wilder und ruhiger. Sein absolutes Wahrzeichen ist der majestätische Leuchtturm Kõpu, der auf dem höchsten Hügel der Insel steht. Dieses architektonische Juwel weist Seefahrern seit 1531 ununterbrochen den Weg und gehört zu den ältesten dauerhaft betriebenen Leuchttürmen der Welt.
Das Bauwerk erinnert überhaupt nicht an die schlanken weißen Leuchttürme aus Filmen. Es hat die Form eines riesigen quadratischen Turms mit massiven Stützpfeilern und sieht eher wie eine uneinnehmbare Festung aus. Zur Aussichtsplattform führt ein sehr steiles und enges Treppenhaus, das deine Kondition zuverlässig auf die Probe stellt.
Der Ausblick von oben ist jede Schweißperle wert. Du siehst von hier die endlosen dichten Wälder, die den größten Teil Hiiumaas bedecken. Der Eintritt zum Leuchtturm kostet etwa 5 Euro (125 Kč), und unten am Turm findest du ein gemütliches kleines Café. Plane für den Besuch mindestens eine Stunde ein.
💡 Tipp: Die Stufen im Inneren sind wirklich steil und hoch. Zieh hier keine Flip-Flops an; festes Schuhwerk ist für den Aufstieg unbedingt nötig.

10. Kulturraum der Insel Kihnu
Die Insel Kihnu ist eine absolute europäische Besonderheit und wird oft als Europas letzte Matriarchat bezeichnet. Ihr Kulturraum steht sogar auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Der historische Grund ist einfach: Die Männer der Insel fuhren monatelang aufs Meer hinaus, sodass die Frauen die vollständige Kontrolle über das Leben der Gemeinschaft übernehmen mussten.
Bis heute herrscht hier eine ganz besondere Atmosphäre. Du begegnest regelmäßig einheimischen Frauen in traditionellen gestreiften Röcken, die auf alten Motorrädern mit Beiwagen über die unbefestigten Wege fahren. Die Farbe der Streifen auf ihren Röcken hat dabei eine tiefe Bedeutung und zeigt, ob eine Frau trauert oder sich freut.
Du erreichst die Insel mit der Fähre vom Hafen Munalaid nahe Pärnu. Am besten erkundest du Kihnu mit dem Fahrrad, das du direkt am Hafen mieten kannst. Die Insel eignet sich ideal für einen Tagesausflug, an dem du das örtliche Museum, den Leuchtturm und eine alte kleine Kirche besichtigen kannst.
💡 Tipp: Im Sommer sind die Fähren nach Kihnu oft vollständig ausgebucht. Kauf die Tickets für dich und dein Fahrrad unbedingt rechtzeitig online.

11. Weißer Leuchtturm Tahkuna (Hiiumaa)
Neben dem berühmten Kõpu hat Hiiumaa noch einen weiteren wunderschönen Leuchtturm, den du nicht verpassen solltest. Der elegante weiße Leuchtturm Tahkuna steht an der Nordspitze der Insel und ist mit einer Höhe von mehr als 40 Metern der höchste gusseiserne Leuchtturm Estlands. Er wurde in Frankreich gefertigt und 1875 in Einzelteilen auf die Insel gebracht.
Die Umgebung des Leuchtturms ist sehr wild und wird von starken Winden des offenen Meeres gepeitscht. Ganz in der Nähe verstecken sich im Wald die weitläufigen Überreste alter sowjetischer Bunker, die du frei erkunden kannst. Diese militärischen Relikte verleihen dem Ort eine leicht düstere, aber äußerst faszinierende Atmosphäre.
In der Saison kannst du auch auf den Leuchtturm steigen; von oben bietet sich ein großartiger Blick auf die aufgewühlte Ostsee. Am Fuß des Leuchtturms steht ein sehr bewegendes Denkmal für die Opfer der Fähre Estonia, deren Untergang 1994 zu den größten Seetragödien der jüngeren Geschichte gehört. Für diesen Teil der Insel solltest du ungefähr zwei Stunden einplanen.
💡 Tipp: Wenn du die Bunker in der Nähe erkunden möchtest, nimm unbedingt eine starke Taschenlampe mit. Drinnen herrscht absolute Dunkelheit, und der Boden ist häufig voller Schutt.

12. Insel Vormsi und schwedische Spuren
Wenn dir Zeit bleibt und du der Zivilisation vollständig entfliehen möchtest, solltest du die viertgrößte Insel Vormsi besuchen. Die Insel fasziniert mit ihrer starken schwedischen Geschichte, denn bis zum Zweiten Weltkrieg lebte hier eine große Gemeinschaft von Küstenschweden. Das zeigt sich bis heute an den Namen der Dörfer, die ganz anders klingen als im übrigen Estland.
Die wichtigste und ganz besondere Sehenswürdigkeit der Insel ist der Friedhof an der alten St.-Olaf-Kirche. Hier findest du die weltweit größte Sammlung einzigartiger runder Grabkreuze, die Sonnenkreuze genannt werden. Diese Steinkreuze stammen aus dem 13. Jahrhundert und wirken unglaublich mystisch.
Vormsi erreichst du mit der Fähre vom Hafen Rohuküla; die Überfahrt dauert weniger als eine Stunde. Auf der Insel herrschen vollkommene Ruhe und kaum Verkehr, weshalb sie sich ebenfalls hervorragend zum Radfahren eignet. Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten reicht ein Tag völlig aus.
💡 Tipp: Außerhalb der Sommersaison gibt es hier nur ein absolutes Mindestmaß an Angeboten. Pack unbedingt ausreichend eigene Lebensmittel und Getränke ein.

Saaremaa, Hiiumaa, Muhu oder Kihnu: Welche Insel solltest du wählen?
Wenn du nicht alle Inseln erkunden kannst, musst du dich entscheiden. Jede hat einen völlig eigenen Charakter und passt zu einem anderen Reisetyp. Diese übersichtliche Gegenüberstellung hilft dir bei der schwierigen Entscheidung:
| Insel | Typisch für sie | Ideal für | Wie viele Tage | Anreise |
|---|---|---|---|---|
| :— | :— | :— | :— | :— |
| Saaremaa | Mittelalterliche Burg, Spas, Meteoritenkrater, Panga-Klippen. | Familien sowie Wellness- und Geschichtsliebhaber, die gute Infrastruktur wünschen. | 3 bis 4 Tage | Mit Auto und Fähre Virtsu–Kuivastu (über Muhu und den Damm). |
| Hiiumaa | Alte Leuchttürme, unberührte Natur, leere Strände, Inselhumor. | Naturliebhaber und Ruhesuchende, die gern verlassene Orte entdecken. | 2 bis 3 Tage | Mit Auto und Fähre Rohuküla–Heltermaa vom Festland. |
| Muhu | Traditionelle Reetdächer in Koguva, luxuriöses Pädaste Manor. | Romantiker, Gourmets und Reisende auf der Durchfahrt. | 1 Tag | Mit Auto und Fähre Virtsu–Kuivastu (direkt am Hafen). |
| Kihnu | UNESCO, Frauen auf Motorrädern in gestreiften Röcken, Radfahren. | Folklorefans und Radfahrer auf Tagesausflug. | 1 Tag (ohne Übernachtung) | Mit der Personenfähre vom Hafen Munalaid (ohne Auto). |

Wie viele Tage solltest du für die Inseln einplanen?
Vergiss auf jeden Fall den Gedanken, die gesamte estnische Küste an einem verlängerten Wochenende zu schaffen. Die geografischen Entfernungen und die Zeit auf den Fähren erfordern eine sorgfältigere Planung.
Für einen schnellen Eindruck in zwei bis drei Tagen bietet sich eine klassische Südschleife an. Von Tallinn fährst du mit dem Auto zum Hafen Virtsu und mit der Fähre nach Muhu. Dort isst du zu Mittag und besichtigst Koguva. Anschließend fährst du über den Damm nach Kuressaare auf Saaremaa, wo du übernachtest. Am zweiten Tag erkundest du die Burg, den Krater Kaali und die Panga-Klippen. Am dritten Tag geht es entspannt zurück aufs Festland.
Eine Inselrundreise über fünf bis sieben Tage lässt dich schon richtig entschleunigen. Plane drei Tage für Muhu und Saaremaa ein, an denen du die Windmühlen und die Robben in Vilsandi besuchst. Anschließend fährst du mit der lokalen Fähre vom Hafen Triigi nach Sõru auf Hiiumaa. Dort verbringst du zwei Tage damit, alte Leuchttürme zu erkunden und die leeren Strände zu genießen. Zurück aufs Festland geht es mit der Fähre zum Hafen Rohuküla.
Kihnu eignet sich am besten als interessanter Tagesausflug, wenn du gerade Zeit an den berühmten Stränden der Stadt Pärnu verbringst.

Wo du auf den Inseln übernachten kannst
💡 Tipp für Unterkünfte und Erlebnisse: Wir suchen unsere Unterkünfte am liebsten über Booking.com, wo es oft die besten Stornierungsbedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lassen sich anschließend über GetYourGuide vergleichen und buchen.
Die Auswahl an Unterkünften auf den Inseln ist recht groß, aber ich wiederhole es noch einmal: Außerhalb der Sommersaison ist das Angebot extrem begrenzt. Die meisten kleineren Pensionen auf dem Land schließen ihre Türen, und sicher fündig wirst du nur in den größeren Städten. Booking und Airbnb funktionieren zuverlässig, aber im Sommer solltest du nicht lange warten: Gute Unterkünfte auf Saaremaa sind leicht einen Monat im Voraus ausgebucht.
Hier sind konkrete Tipps für bewährte und bekannte Unterkünfte:
- Pädaste Manor (Muhu): Der absolute Gipfel estnischen Luxus. Dieses historische Anwesen bietet erstklassigen Service, ein ausgezeichnetes Restaurant und wunderschöne Gärten. Der Preis ist sehr hoch, aber das Erlebnis entspricht internationaler Spitzenklasse.
- GOSPA (Georg Ots Spa Hotel) (Kuressaare): Eines der besten familienfreundlichen Spa-Hotels auf Saaremaa. Es gibt tolle Pools, moderne Zimmer mit Blick auf die Burg und ein ausgezeichnetes Frühstück.
- Grand Rose Spa Hotel (Kuressaare): Dieses Hotel ist für seinen romantischen Stil voller Rosenmotive bekannt. Es verfügt über einen fantastischen Saunabereich, und Paare schätzen es sehr für Wochenendauszeiten.
- Spa Hotel Meri (Kuressaare): Ein angenehmes und etwas günstigeres Kurhotel direkt an der Promenade am Meer. Es bietet einen großen Pool und zahlreiche klassische Anwendungen mit örtlichem Schlamm.

Wo du gut essen kannst
Die Küche der estnischen Inseln ist ein Kapitel für sich. Die Köche vor Ort setzen auf frische Zutaten aus dem Meer, Beeren aus dem Wald und Kräuter, deshalb schmeckt das Essen hier fantastisch. Ich habe ein paar Tipps für dich zusammengestellt, die du keinesfalls verpassen solltest.

Saaremaa Veski (Kuressaare)
Dieses Restaurant befindet sich in einer historischen Windmühle und bietet das echte Inselerlebnis. Probiere unbedingt den berühmten hausgemachten Käse mit Wacholder oder gebackenes Wurzelgemüse von örtlichen Höfen. Ein Inselklassiker ist hier die Fischsuppe, wegen der die meisten Gäste anreisen.

Roograhu (Hiiumaa)
Ein verstecktes Juwel an einem kleinen Hafen, wo es die beste Pizza weit und breit gibt. Ja, das klingt ungewöhnlich, aber glaub mir: Einheimische fahren dafür sogar vom anderen Ende der Insel hierher. Dazu gibt es ausgezeichnetes lokales Bier und einen zauberhaften Blick auf die ankernden Boote.
Wie geht es weiter?
- Estland: 25 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse
- Wann nach Estland reisen? Das Wetter Monat für Monat
- Tallinn: 20 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Unternehmungen in Estlands Hauptstadt
Häufig gestellte Fragen
Bevor du mit dem Kofferpacken beginnst, fassen wir die wichtigsten praktischen Informationen zusammen. Diese Fragen werden dir bei der Reiseplanung früher oder später nämlich auf jeden Fall durch den Kopf gehen.
Ich habe die wichtigsten Punkte kurz für dich zusammengefasst, damit du unangenehme Überraschungen vermeidest und deine Reise in vollen Zügen genießen kannst.
Wie komme ich nach Saaremaa?
Auf die Insel Saaremaa gelangst du mit der Fähre der Gesellschaft Praamid vom Festlandhafen Virtsu. Die Fähre bringt dich zum Hafen Kuivastu auf der Insel Muhu, von wo aus du dann einfach über einen aufgeschütteten Straßendamm nach Saaremaa übersetzen kannst.
Was kostet die Fähre zu den Inseln?
Der Richtpreis für eine einfache Fahrt liegt für einen Pkw bei 12 bis 14 Euro, je nach Strecke. Dazu musst du etwa 4 Euro für jeden Passagier im Wagen hinzurechnen. Im Sommer am Wochenende gilt ein Aufschlag.
Brauche ich auf den Inseln ein Auto?
Ja, ohne Auto kommst du praktisch nicht aus. Die Busverbindungen zwischen den Inseldörfern sind sehr schwach und zu den meisten Natursehenswürdigkeiten, Klippen und Leuchttürmen kommst du mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlichtweg nicht hin.
Wann soll ich auf die estnischen Inseln reisen?
Die beste Reisezeit ist von Ende Mai bis Mitte September. In dieser Zeit ist das Wetter stabiler, die Tage sind lang und vor allem haben alle Sehenswürdigkeiten, Restaurants und Hotels geöffnet.
Sind die Inseln im Winter geöffnet?
Die meisten touristischen Einrichtungen sind von November bis April geschlossen. Es funktionieren nur die größeren Kurhotels in Kuressaare und einige wenige ganzjährig geöffnete Geschäfte. Die Inseln eignen sich im Winter eher für Liebhaber absoluter Ruhe und rauer Natur.
Wie viele Tage reichen für einen Besuch?
Für eine schnelle Kostprobe des Besten von Saaremaa reichen dir 2 bis 3 Tage. Wenn du aber auch die wildere Insel Hiiumaa hinzufügen und Stress vermeiden möchtest, plane für die Rundreise 5 bis 7 Tage ein.
Welche Insel ist die beste?
Man kann nicht sagen, welche die beste ist, denn jede bietet etwas anderes. Saaremaa ist perfekt für Liebhaber von Burgen und Kuren, Hiiumaa lockt mit wilder Küste und Leuchttürmen und Kihnu ist großartig, um einzigartige lokale Traditionen kennenzulernen.
Was sollte man auf Saaremaa sehen?
Auf keinen Fall darfst du die imposante Bischofsburg in Kuressaare verpassen, den mystischen Meteoritenkrater Kaali und die Windmühlen im Dorf Angla. Sehenswert sind auch die hohen Klippen von Panga an der Nordküste der Insel.
Kann man Kihnu nur für einen Tag besuchen?
Ja, die Insel Kihnu ist ideal für einen Tagesausflug mit dem Fahrrad. Mit der Fähre vom Hafen Munalaid bist du in kurzer Zeit dort, das Auto kannst du auf dem Festland lassen und die kleine Insel bequem in ein paar Stunden mit einem geliehenen Fahrrad erkunden.
Fährt man in Estland über das Eis?
Ja, bei sehr strengen Wintern werden offizielle Eisstraßen über das zugefrorene Meer eröffnet. Die bekannteste führt zur Insel Hiiumaa und misst über 26 Kilometer. In milden Wintern werden sie jedoch gar nicht eröffnet und es gelten sehr strenge Sicherheitsregeln.
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Vergiss die Reiseversicherung nicht
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Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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