Tallinn, Estland: 20 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse 2026

TL;DRTallinn verbindet eine mittelalterliche Altstadt mit Stadtmauer, gotischem Rathaus am Rathausplatz und den Aussichtspunkten Kohtuotsa und Patkuli mit modernen Vierteln wie Telliskivi, Kalamaja und Noblessner samt stilvollen Iglupark-Saunen. Dieser Artikel stellt 20 konkrete Tipps für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten vor – von der ältesten Apotheke Europas, der Raeapteek, über das Museum Lennusadam bis zum Pirita-Strand mit den Ruinen des Birgittenklosters. Für eine umfassende Erkundung der Stadt solltest du zwei bis drei Nächte in Tallinn einplanen. Der beste Reisemonat ist der September, wenn die Menschenmassen kleiner und die Preise niedriger sind. Eine Tageskarte für den öffentlichen Nahverkehr kostet 5,50 Euro (etwa 14 €) und von Tallinn aus kannst du in nur zwei Stunden mit der Fähre Helsinki besuchen.
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Mittelalterliche Steinmauern, von denen du direkt auf gläserne Startup-Büros voller digitaler Nomaden blickst: Tallinn in Estland ist ein Paradebeispiel für faszinierende Gegensätze. Hier verschmilzt die reiche Geschichte der Hanse nahtlos mit dem Ruf des digitalsten Staates Europas. Während in den verwinkelten Kopfsteinpflastergassen eine jahrhundertealte Atmosphäre spürbar ist, bezahlst du deinen Kaffee ganz selbstverständlich mit dem Handy und findest schnelles WLAN vermutlich sogar tief im Kiefernwald.

Viele Reisende machen leider einen entscheidenden Fehler und behandeln die estnische Hauptstadt nur als schnellen Tagesausflug vom nahe gelegenen Helsinki. Gegen halb zehn morgens strömen nämlich die Menschenmassen aus den riesigen Kreuzfahrtschiffen, und die historische Altstadt verwandelt sich schlagartig in einen lauten, überfüllten Vergnügungspark. Wenn du jedoch über Nacht in der Stadt bleibst, erlebst du eine völlig andere, viel authentischere Welt. Am Abend leeren sich die Straßen plötzlich, alte schmiedeeiserne Laternen gehen an und du hast das echte nordische Märchen fast ganz für dich allein.

Hier findest du 20 Tipps, wie du das Maximum aus Tallinn herausholst – vom frühmorgendlichen Streifzug innerhalb der Stadtmauern bis zur Flucht vor den Mittagsmassen in die kreativen Viertel. Ich verrate dir, wo du dich zurückziehen kannst, wo du am besten übernachtest und wie der Nahverkehr funktioniert. Es wäre nämlich ausgesprochen schade, die verborgenen Facetten dieser Stadt nicht zu entdecken, die weit über die beliebte Altstadt hinausreichen.

Artikelinhalt

Zusammenfassung für alle, die nicht den ganzen Artikel lesen können

  • Bleib über Nacht: So entgehst du den extremen Menschenmassen von den Kreuzfahrtschiffen, die das Zentrum ungefähr von 9:30 bis 18:00 Uhr verstopfen.
  • Erkunde die Altstadt am Morgen: Die historischen Gassen und die Aussichtspunkte auf dem Toompea-Hügel genießt du am besten früh am Morgen oder nach Sonnenuntergang.
  • Raus aus der Altstadt: Erkunde tagsüber die kreativen Viertel Telliskivi und Kalamaja oder entspanne im modernen Hafenviertel Noblessner.
  • Päevapraad rettet dich: Halte zum Mittagessen Ausschau nach Tafeln mit Tagesgerichten. So isst du hervorragend und zahlst nur einen Bruchteil des üblichen Abendpreises.
  • Unterwegs in der Stadt: Der öffentliche Nahverkehr ist für Touristen zwar kostenpflichtig (eine 24-Stunden-Karte kostet 5,50 Euro), aber äußerst zuverlässig. Zum Bezahlen genügt es, einfach mit der Karte zu kontaktlos zu bezahlen.
  • Mit der Fähre nach Finnland: Nach nur zwei Stunden entspannter Fahrt erreichst du Helsinki – ein idealer Tipp, um deine Reiseroute zu bereichern.

Wann solltest du nach Tallinn reisen?

Eine Reise nach Estland zu planen ist ein bisschen so, als würdest du zwischen zwei völlig unterschiedlichen Ländern wählen, denn Wetter und Tageslicht bestimmen hier alles. Während die Sonne im Dezember weniger als sechs Stunden über dem Horizont steht und das ganze Land in Dunkelheit versinkt, erwarten dich im Juni unglaubliche 19 Stunden Tageslicht. In diesen berühmten weißen Nächten wird es im Sommer eigentlich nie richtig dunkel – magisch für eine Reise, auch wenn du vielleicht eine Schlafmaske einpacken solltest. Das wichtigste Fest des Jahres ist der sogenannte Jaanipäev, die Mittsommernacht vom 23. auf den 24. Juni. Dann leert sich die Stadt, weil alle Einheimischen aufs Land fahren, um riesige Feuer zu entzünden.

Die Sommermonate Juli und August bilden den absoluten Höhepunkt der Hauptsaison, wenn die Temperaturen meist zwischen 20 und 25 Grad Celsius liegen. Obwohl viele Menschen hierherkommen, um der mitteleuropäischen Hitze zu entfliehen, kann die Sonne auch in Estland ziemlich kräftig sein, und die Parks füllen sich mit picknickenden Einheimischen. Der Preis für das schöne Wetter sind allerdings die riesigen Menschenmassen von den Kreuzfahrtschiffen, die täglich die engen Gassen der Altstadt überschwemmen. Wenn du im Sommer auch die Natur erkunden möchtest, solltest du ein starkes Mückenspray einpacken: In den estnischen Mooren ist die Mückenaktivität im Juli am höchsten, und das ganze Land gilt als Hochrisikogebiet für Frühsommer-Meningoenzephalitis.

Wenn du nicht an die Schulferien gebunden bist, ist der September eindeutig die beste Reisezeit. Die Zahl der Touristen geht deutlich zurück, die Hotelpreise sinken und die Natur in den umliegenden Nationalparks färbt sich in wunderschöne Herbsttöne. Außerdem verschwinden die lästigen Mücken aus den Wäldern, sodass Spaziergänge auf den Holzstegen besonders angenehm werden. Du kannst sogar Pilze oder Preiselbeeren direkt am Wegesrand sammeln. Der September vereint einfach das Beste aus beiden Welten: genug Sonne für Spaziergänge und genügend Ruhe, um die besondere Atmosphäre auf dich wirken zu lassen.

Oktober und November sind dagegen eine echte Belastungsprobe, denn es kommen ungemütliche Tage, häufige Regenfälle und frühe Dunkelheit. Mit dem Advent wendet sich das Blatt jedoch wieder, und Tallinn verwandelt sich in ein Wintermärchen. Auf dem Rathausplatz öffnen die Weihnachtsmärkte, die 2019 zu den besten in Europa gekürt wurden. Man trinkt heißes, würziges Glögi, und obwohl die Sonne nur wenige Stunden scheint, steht sie so tief über dem Horizont, dass die Stadt den ganzen Tag in ein wunderschönes goldenes Licht getaucht wird. Wenn du im Januar oder Februar kommst, erlebst du einen echten nordischen Winter, in dem gelegentlich sogar einzigartige offizielle Straßen direkt über das zugefrorene Meer freigegeben werden.

Wo in Tallinn übernachten?

💡 Tipp für Unterkünfte und Erlebnisse: Wir suchen unsere Unterkunft am liebsten über Booking.com, wo es meist die besten Stornierungsbedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lassen sich anschließend gut über GetYourGuide vergleichen und buchen.

Wo du in Tallinn schläfst, hängt wirklich stark davon ab, was du von der Stadt erwartest. Tallinn ist zwar kompakt und du erreichst alles relativ schnell, doch jedes Viertel hat eine ganz eigene Atmosphäre. In den vergangenen Jahren erlebte die Stadt außerdem einen regelrechten Hotelboom. Preislich hat sich die estnische Hauptstadt leider längst westlichen Städten angenähert, wozu auch die kürzlich erfolgte Erhöhung der Beherbergungssteuer auf 13 Prozent beigetragen hat. Mit einer ausgesprochen günstigen Unterkunft im Zentrum solltest du daher nicht rechnen; der durchschnittliche Übernachtungspreis liegt bei etwa 90 bis 100 Euro.

Wenn du romantisches Flair suchst und alle wichtigen Sehenswürdigkeiten direkt vor der Tür haben möchtest, übernachte am besten in der Altstadt (Vanalinn). So bist du morgens als Erste:r an den Aussichtspunkten und kannst abends die beleuchtete Stadtmauer ganz in Ruhe genießen. Eine hervorragende Wahl ist das ikonische Hotel Telegraaf, das in einem historischen ehemaligen Postgebäude untergebracht ist und ein wunderschönes Spa bietet. Unter den luxuriösen Optionen sticht außerdem das Fünf-Sterne-The Burman Hotel hervor, das kürzlich vom Michelin-Führer als neues Hotel des Jahres ausgezeichnet wurde. Einen schönen Kompromiss aus Preis und Lage bietet das Nunne Boutique Hotel direkt an der alten Stadtmauer.

Für einen ruhigeren Aufenthalt und moderne Architektur solltest du dich im Viertel Rotermann oder am Hafen umsehen. Beide Gegenden liegen direkt hinter der historischen Stadtmauer. Das Zentrum ist also nur wenige Gehminuten entfernt, gleichzeitig entgehst du morgens dem Lärm der Lieferwagen, die über das Kopfsteinpflaster rumpeln. Eine ausgezeichnete Basis ist das moderne Hyatt Place Tallinn mit perfektem nordischem Standard und hervorragender Anbindung an die Fähren nach Finnland. In der Nähe findest du auch das beliebte Hostel Fat Margaret’s, wo ein Bett im Mehrbettzimmer schon ab 16 Euro erhältlich ist – ideal für Alleinreisende mit kleinerem Budget.

Wenn du eine lokale Atmosphäre bevorzugst und zwischen Einheimischen wohnen möchtest, schau dich nach einer Unterkunft im Holzhausviertel Kalamaja um. Dort findest du viele stilvolle Apartments über Airbnb, die in traditionellen bunten Häusern mit zentralen Steintreppen liegen. Von hier aus bist du schnell bei den besten Cafés, im Kreativzentrum Telliskivi und auf dem Markt Balti Jaama Turg.

20 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten in Tallinn

Tallinn hat mehr zu bieten, als es auf den ersten Blick scheint. Hinter der Stadtmauer verstecken sich schwimmende Saunen, Michelin-Restaurants und der beste Flohmarkt der Region. Hier kommen 20 Tipps, die du nicht verpassen solltest. Ich empfehle dir, die Stadt in einen historischen und einen modernen Teil aufzuteilen, damit du beide Gesichter Tallinns kennenlernen kannst.

1. Rathausplatz (Raekoja plats) und gotisches Rathaus

Das Herz der gesamten Unterstadt ist zweifellos der weitläufige Rathausplatz, der jahrhundertelang als wichtigster Marktplatz und Versammlungsort diente. Das majestätische gotische Rathaus dominiert den Platz und ist übrigens das einzige erhaltene Gebäude seiner Art in ganz Nordeuropa. Es wurde bereits 1404 fertiggestellt und beeindruckt bis heute mit seiner strengen, aber unglaublich eindrucksvollen Architektur.

Wenn du den Blick bis zur Spitze des Rathausturms hebst, entdeckst du die berühmte Wetterfahne. Die Figur heißt Alter Thomas (Vana Toomas) und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Der Legende nach war er ein gewöhnlicher Junge, der sich im Armbrustschießen auszeichnete. Weil er die Stadt als Erwachsener treu bewachte, erhielt er den Ehrenplatz auf dem Rathausdach. Von dort aus soll er bis heute über die Straßen Tallinns wachen. In den Wintermonaten findet auf diesem Platz der berühmte Weihnachtsmarkt statt. Außerdem ist die Stadt stolz darauf, dass hier angeblich bereits 1441 der erste öffentliche Weihnachtsbaum Europas stand.

💡 Tipp: Der Platz ist zu jeder Tageszeit wunderschön. Wenn du jedoch Fotos ohne Menschenmassen machen möchtest, komm direkt nach dem Frühstück, noch vor neun Uhr. Im Rathaus selbst findest du außerdem die beliebte mittelalterliche Taverne III Draakon. Dort gibt es kein Besteck, nur Kerzenlicht und für ein paar Euro heiße Suppe oder gefüllte Teigtaschen.

2. Raeapteek: Die älteste Apotheke Europas

Direkt an einer Ecke des Rathausplatzes versteckt sich der unscheinbare Eingang zu einem Ort, den du auf keinen Fall verpassen solltest. Die Raeapteek ist die älteste ununterbrochen betriebene Apotheke Europas und öffnet an diesem Ort bereits seit 1422 ihre Türen für Kundinnen und Kunden. Sobald du eintrittst, empfängt dich eine unglaublich besondere Atmosphäre mit Holzvertäfelungen und bemalten Decken. Du fühlst dich fast wie in einem Zaubertrank-Klassenzimmer aus Harry Potter.

Im vorderen Bereich kaufen Einheimische ganz gewöhnlich Paracetamol oder Hustentropfen. Der historische hintere Raum dient jedoch als kostenloses Museum. Dort kannst du alte bemalte Gefäße besichtigen, in denen einst bizarre mittelalterliche Medikamente aufbewahrt wurden – getrocknete Frösche, Fledermauspulver, Wolfsinnereien oder mumifizierte Hände. Berühmt ist die Apotheke außerdem für ihren traditionellen Gewürzwein namens Klaret, der hier nach einem jahrhundertealten Rezept gemischt wird.

💡 Tipp: Einer alten Tallinner Legende zufolge wurde genau in dieser Apotheke zum ersten Mal süßes Marzipan hergestellt. Ursprünglich war es keine Süßigkeit, sondern eine luxuriöse Medizin gegen Liebeskummer und Melancholie. Ein Stück dieses traditionellen Marzipans kannst du hier als schönes und zugleich sehr leckeres Souvenir für zu Hause kaufen.

3. Katharinengang (Katariina käik)

Nur einen kurzen Spaziergang vom Hauptplatz entfernt liegt ein Ort, den Fotografen lieben und der häufig auf Postkarten zu sehen ist. Der Katharinengang ist eine schmale, halb verborgene Gasse, die unauffällig die Straßen Vene und Müürivahe verbindet. Die Atmosphäre ist so vollkommen mittelalterlich, dass du dich beim Spaziergang um mehrere Jahrhunderte in der Zeit zurückversetzt fühlst.

Eine Seite der Gasse säumen die alten Steinmauern des ehemaligen Dominikanerklosters St. Katharina. An ihnen sind massive mittelalterliche Grabsteine bedeutender Bürger aus jener Zeit ausgestellt. Die andere Seite bildet eine durchgehende Reihe kleiner Handwerksbetriebe und Kunstwerkstätten. Durch die Schaufenster kannst du geschickten Glasbläsern, Webern, Hutmachern oder Keramikern bei ihrer präzisen Arbeit zusehen.

💡 Tipp: Tagsüber ist die Gasse oft durch Reisegruppen mit Führern völlig verstopft, sodass man kaum hindurchkommt. Das schönste Licht findest du wirklich früh am Morgen, wenn die Sonne gerade erst durch die alten Gewölbe scheint und das Pflaster noch leer ist. Gleich um die Ecke gibt es außerdem mehrere hervorragende Cafés für einen morgendlichen Espresso.

4. Olaikirche (Oleviste) und 232 Stufen

Diese imposante Kirche, die nach dem norwegischen König Olaf II. benannt wurde, verbirgt eine außergewöhnliche und faszinierende historische Besonderheit. Um 1500 ragte ihr Turm unglaubliche 159 Meter in die Höhe und war damit nach Ansicht vieler Historiker das damals höchste Bauwerk der Welt. Für Handelsschiffe, die im hansischen Hafen eintrafen, diente er als perfekter Orientierungspunkt.

Der hohe Turm war allerdings auch ein ausgesprochen zuverlässiger Blitzableiter. Deshalb brannte die Kirche im Laufe der Jahrhunderte nach Blitzeinschlägen mehrmals bis auf die Grundmauern nieder. Heute ist sie mit 124 Metern etwas niedriger, dominiert aber weiterhin unübersehbar das gesamte Panorama und bietet einen der besten Ausblicke auf die Stadt. Bereite dich allerdings darauf vor, dass der Aufstieg eine ordentliche körperliche Herausforderung ist.

💡 Tipp: Zur Aussichtsplattform führt kein Aufzug, und der Weg hinauf ist ziemlich abenteuerlich. Du musst 232 sehr steile und schmale Steinstufen bewältigen, was bei sommerlicher Hitze einem kräftigen Cardio-Training gleichkommt. Der Blick auf das Meer aus roten Dächern und den dunklen Finnischen Meerbusen ist das verschwitzte T-Shirt aber allemal wert.

5. Burg Toompea und das Parlamentsgebäude

Historisch ist die Altstadt in zwei getrennte Bereiche aufgeteilt, die in der Vergangenheit häufig miteinander stritten und sich sogar durch ein Tor voneinander abriegelten. Während unten wohlhabende Kaufleute und Handwerker lebten, gehörte die Oberstadt auf dem Kalksteinhügel Toompea dem Adel, den Rittern und den Herrschern. Genau hierher solltest du wegen der berühmtesten Panoramablicke und der großen estnischen Geschichte kommen.

Auf dem Gipfel des Hügels steht die Burg Toompea, die auf einer Seite bis heute einen Teil ihrer ursprünglichen, rauen mittelalterlichen Mauern bewahrt hat. Ihre Vorderfassade am Hauptplatz überrascht dich vielleicht, denn heute sieht sie wie ein wunderschöner rosafarbener Barockpalast aus. In diesem eleganten Gebäude tagt das estnische Parlament, der Riigikogu. Über ihm weht stolz die blau-schwarz-weiße Nationalflagge auf dem hohen Wehrturm Langer Hermann.

💡 Tipp: Auf dem Weg nach oben kannst du zwei historische Gassen mit großartigen Namen nehmen. Pikk jalg (Langes Bein) ist breiter und für Fuhrwerke weniger steil, während Lühike jalg (Kurzes Bein) sehr steil, voller Stufen und geheimnisvoller Winkel ist. Eltern mit Kinderwagen sollten unbedingt den längeren Weg wählen, denn durch das Kurze Bein kommt man mit dem Wagen schlicht nicht hindurch.

6. Alexander-Newski-Kathedrale

Wenn du aus den Gassen auf den Hauptplatz vor dem rosafarbenen Parlament trittst, fällt dir sofort ein riesiges Gebäude ins Auge, das auf den ersten Blick nicht recht hierher zu passen scheint. Die Alexander-Newski-Kathedrale ist eine mächtige orthodoxe Kirche mit typischen Zwiebeltürmen und reich verzierten Außenmosaiken. Sie bildet einen starken Kontrast zur nüchternen nordischen Architektur der Umgebung.

Das prachtvolle Gebäude entstand Ende des 19. Jahrhunderts im Zuge der rigorosen Russifizierung, als Estland Teil des Russischen Reiches war. Dass es direkt gegenüber den estnischen Regierungsgebäuden errichtet wurde, war kein Zufall: Die Kathedrale sollte die zaristische Dominanz deutlich demonstrieren. Viele Esten mochten sie daher zunächst nicht. In den 1920er-Jahren, nach der Erlangung der Unabhängigkeit, wurde sogar ernsthaft über ihren Abriss nachgedacht – glücklicherweise kam es nicht dazu.

💡 Tipp: Der Eintritt in die Kathedrale ist für alle Besucher kostenlos. Achte jedoch auf angemessene und respektvolle Kleidung mit bedeckten Schultern und Knien. Im Inneren erwarten dich wunderschöne Ikonen. Wenn du Glück hast, hörst du auch die mächtigen Glocken, von denen die größte stolze 15 Tonnen wiegt.

7. Aussichtspunkt Kohtuotsa (Schriftzug The Times We Had)

Wenn du schon einmal ein Foto von Tallinn auf Instagram gesehen hast, stammte es höchstwahrscheinlich genau von hier. Die Aussichtsplattform Kohtuotsa ist der unangefochtene König aller Fotospots in Estland. Sie liegt am östlichen Rand des Toompea-Hügels und bietet einen atemberaubenden, weitläufigen Blick, in den du dich sofort verlieben wirst.

Von hier aus siehst du die ikonischen roten Dächer der Unterstadt, den majestätischen Turm der Olaikirche und die modernen gläsernen Hochhäuser in der Ferne. Die Mauern des Aussichtspunkts ziert außerdem der berühmte Schriftzug „The Times We Had“. Er wurde zum inoffiziellen Motto aller Reisenden, die die baltische Hauptstadt erkunden, und verleiht dem Ort eine besondere nostalgische Note.

💡 Tipp: Tagsüber herrscht hier schlicht dichtes Gedränge, und für ein Foto mit dem beliebten Schriftzug bildet sich oft eine lange Schlange, die von Kreuzfahrtführern organisiert wird. Steh früh auf und komm idealerweise vor acht Uhr morgens. Dann kannst du die erwachende Stadt ungestört genießen und die besten Aufnahmen ohne fremde Ellbogen im Bild machen.

8. Aussichtspunkt Patkuli und der Blick auf die Stadtmauer

Nur wenige Gehminuten von Kohtuotsa entfernt liegt ein zweiter, nicht weniger beeindruckender Aussichtspunkt, den du nicht auslassen solltest. Patkuli bietet eine etwas andere Perspektive: Der Blick richtet sich nicht in erster Linie auf das moderne Zentrum, sondern eher nach Norden zum Meer und zum großen Hafen. Von hier aus verstehst du am besten, warum Tallinn oft als Stadt der Türme bezeichnet wird.

Von der großzügigen Terrasse aus liegt dir ein perfekt erhaltenes Band mittelalterlicher Stadtmauern zu Füßen. Daraus ragen majestätisch die Wehrtürme mit ihren typischen roten Dächern hervor. In der Ferne schimmert die dunkelblaue Oberfläche des Finnischen Meerbusens, und bei guter Sicht kannst du die ankommenden Fähren erkennen, die zwischen Estland und den Ufern Helsinkis pendeln.

💡 Tipp: Vom Aussichtspunkt führt eine lange, aber sehr fotogene Steintreppe, die Patkuli trepp, direkt hinunter in den Park unterhalb der Stadtmauer. Sie ist eine großartige und schnelle Abkürzung, um von der Oberstadt wieder in die tiefer gelegenen Bereiche am Bahnhof zu gelangen. Nach Regen solltest du allerdings auf den rutschigen Stufen vorsichtig sein.

9. Stadtmauer und der Turm Kiek in de Kök

Tallinn besitzt eine der besterhaltenen mittelalterlichen Befestigungsanlagen Europas. Anders als in vielen anderen Städten ist sie hier nicht nur eine fotogene Kulisse. Von den ursprünglich 46 Türmen stehen heute noch mehr als 20, und fast alle lassen sich zumindest teilweise von innen erkunden. Der fast zwei Kilometer lange Abschnitt mächtiger Steinmauern verleiht der Stadt ihren unverwechselbaren märchenhaften Charakter.

Der bekannteste Turm ist zweifellos der mächtige Kiek in de Kök, was auf Niederdeutsch witzigerweise „Kuck in die Küche“ bedeutet. Der Turm war einst so groß und hoch, dass die Wachen von dort angeblich durch die breiten Schornsteine direkt in die Küchen der damaligen Bürger in der Unterstadt sehen konnten. Heute beherbergt der robuste Artillerieturm ein hervorragendes Museum über die Stadtbefestigung, in dem du viel Interessantes erfährst. Der reguläre Eintritt kostet etwa 12 Euro.

💡 Tipp: Wenn du dich für Geheimnisse und unheimliche Orte interessierst, reserviere eine Führung durch die sogenannten Bastionstunnel, die tief unter dem Turm verborgen liegen. Diese geheimen unterirdischen Gänge dienten vom 17. Jahrhundert bis in die Zeit des Kalten Krieges als Wege für Soldaten und als Atomschutzbunker. Dadurch bieten sie einen faszinierenden Einblick in die jüngere Geschichte.

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10. Dicke Margarethe und die Kaufmannshäuser (Three Sisters)

Am gegenüberliegenden, nördlichen Ende der Altstadt wacht ein weiteres Wahrzeichen über den ehemaligen Haupteingang vom Meer aus – du kannst es kaum übersehen. Der Artillerieturm Paks Margareeta (Dicke Margarethe) verdankt seinen wenig schmeichelhaften Namen seinen unglaublich massigen und leicht komisch wirkenden Proportionen. Seine Mauern sind stellenweise bis zu fünf Meter dick, damit sie einst direktem Beschuss durch feindliche Schiffe standhalten konnten. Heute beherbergt der Turm ein hervorragend gestaltetes Meeresmuseum mit einem Schiffsmodell aus dem 16. Jahrhundert.

Wenn du von der Dicken Margarethe aus die Pikk-Straße entlang ins Zentrum spazierst, solltest du unbedingt auf die wunderschönen Fassaden achten. Tallinn war ein bedeutendes Mitglied der Hanse, eines mittelalterlichen Handelsbundes, und der enorme Reichtum der örtlichen Kaufleute ist bis heute auf Schritt und Tritt sichtbar. Halte bei den sogenannten Three Sisters, den „Drei Schwestern“, an: drei wunderschön erhaltene, dicht aneinandergebaute Kaufmannshäuser aus dem 15. Jahrhundert.

💡 Tipp: An den Fassaden vieler alter Kaufmannshäuser in dieser Straße siehst du unter dem Dach erhaltene Holzbalken mit massiven Flaschenzügen. Damit wurden schwere Säcke mit Salz und Getreide direkt von der Straße in die Dachbodenspeicher gehievt, denn im Erdgeschoss hätte die Ware durch Wasser beschädigt werden können.

11. Der Markt Balti Jaama Turg

Lässt du die Mauern der Altstadt hinter dir und gehst durch die Unterführung unter dem Hauptbahnhof hindurch, findest du dich in einer völlig anderen Welt voller lokalem Leben wieder. Der Balti Jaama Turg ist eine fantastisch restaurierte, dreistöckige Markthalle und das pulsierende Herz des modernen Tallinns. Hier treffen elegante Hipster auf sowjetische Omas.

Im Erdgeschoss empfängt dich eine riesige Food Hall mit mehr als 300 Ständen, an denen sich Düfte aus aller Welt vermischen. Die Einheimischen kommen hierher zum schnellen Mittagessen, und du kannst hervorragende vegane Burger, hausgemachten Käse und traditionelles estnisches Schwarzbrot (must leib) probieren. Im ersten Stock bieten lokale Bauern ihre Waren an: Hier bekommst du besonders frische Waldbeeren, Honig und Wurzelgemüse. Der Markt ist ideal für ein günstiges und abwechslungsreiches Mittagessen; die Preise liegen bei etwa 7 bis 10 Euro.

💡 Tipp: Das Interessanteste und Bizarrste verbirgt sich allerdings im Untergeschoss der Markthalle. Das gesamte Untergeschoss ist ein riesiger Flohmarkt und Trödelladen, dessen Regale überquellen von alten sowjetischen Abzeichen, Schallplatten, Porzellanhirschen und abgetragener Kleidung. Es ist ein verblüffender Streifzug durch die Vergangenheit, die das moderne Estland lieber vergessen möchte.

12. Telliskivi Creative City und Fotografiska

Direkt hinter dem Markt geht die Route nahtlos in ein Viertel über, das sich in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt hat und heute zu den lebendigsten Teilen der Stadt zählt. Telliskivi ist ein ehemaliges Industrie- und Eisenbahngelände, das sich zum größten Kreativviertel des gesamten Baltikums entwickelt hat. Riesige legale Wandgemälde schmücken die alten Backsteinmauern, und in den früheren Fabrikhallen haben sich heute Designboutiquen, Ateliers und stilvolle Cafés voller digitaler Nomaden eingerichtet.

Der absolute kulturelle Anziehungspunkt des Viertels ist Fotografiska, eine Niederlassung der berühmten Stockholmer Galerie. Hier gibt es keine Dauerausstellungen; stattdessen wechseln die hochkarätigen Ausstellungen internationaler Fotografie ständig und dynamisch. Junge Estinnen und Esten kommen hierher zum Date und wegen der Kunst. Auch Tausende Finnen, die übers Wochenende anreisen, besuchen das Haus jeden Monat.

💡 Tipp: Fotografiska hat für Reisende einen großen praktischen Vorteil: Das Museum schließt erst um 23 Uhr. Während klassische Museen schon um fünf Uhr nachmittags ihre Türen schließen, kannst du hier ganz entspannt nach einem guten Abendessen vorbeischauen. Im obersten Stockwerk befindet sich außerdem ein ausgezeichnetes Restaurant mit Zero-Waste-Konzept und Panoramablick über die Stadt.

13. Holzhäuser wie aus dem Bilderbuch im Viertel Kalamaja

Von Telliskivi aus musst du nur ein paar Straßen weiter in Richtung Meer gehen, und schon befindest du dich in einer ganz anderen, viel ruhigeren Umgebung. Kalamaja – übersetzt „Fischhaus“ – war früher ein Viertel armer Fischer und Hafenarbeiter. Heute ist es die mit Abstand begehrteste Wohngegend der Stadt, die sich zum Glück ihren einzigartigen architektonischen Charakter bewahrt hat.

Die Hauptattraktion sind die sogenannten Tallinner Häuser aus dem frühen 20. Jahrhundert. Dabei handelt es sich um besondere zweistöckige Holzbauten mit einem zentralen steinernen Treppenhaus, das damals aufgrund strenger Brandschutzvorschriften errichtet wurde. Die Häuschen leuchten in allen möglichen Pastelltönen – von Mintgrün über Ocker bis zu zartem Rosa. Vor dem grauen nordischen Himmel entsteht so ein toller Kontrast.

💡 Tipp: In Kalamaja geht es nicht darum, Sehenswürdigkeiten nach Reiseführer abzuhaken – hier schlenderst du einfach mit einem guten Kaffee in der Hand durch die Straßen. Lass dich durch ruhige Straßen wie Valgevase oder Salme treiben, gönn dir in einer Bäckerei vor Ort eine hervorragende Zimtschnecke und genieße die unglaubliche Ruhe, nur einen Katzensprung vom geschäftigen Zentrum entfernt. Unterwegs triffst du vor allem Einheimische auf dem Fahrrad.

(Historischer Hinweis: An der Küste von Kalamaja steht die mächtige Festung Patarei. Ausländische Reiseführer erwähnen sie oft als düsteres KGB-Museum und schreckliches Gefängnis, aber ⚠️ denk daran, dass das Gelände wegen umfangreicher Renovierungsarbeiten derzeit vollständig geschlossen ist. Die vollständige Eröffnung des großen Internationalen Museums der Opfer des Kommunismus ist erst für 2027 geplant. Doch schon von außen ist der Anblick der roten Backsteine und des Stacheldrahts am Meer beklemmend.)

14. Meeresmuseum Lennusadam (Seaplane Harbour)

Wenn du durch Kalamaja bis ans Meer gehst, kommst du wahrscheinlich zum besten Museumserlebnis in ganz Estland – und das begeistert Erwachsene wie Kinder. Das Lennusadam befindet sich in einzigartigen Betonhangars für Wasserflugzeuge aus dem Jahr 1917, die selbst schon eine faszinierende technische Besonderheit darstellen. In der riesigen Halle herrscht Dämmerlicht, das nur von blauen Scheinwerfern durchbrochen wird. So fühlst du dich sofort, als wärst du tief unter der Oberfläche der Ostsee.

Historische Flugzeugnachbauten „schweben“ über den Köpfen der Besucher, doch die größte Attraktion der Ausstellung ist das echte estnische U-Boot Lembit aus dem Jahr 1936. Du kannst ohne Bedenken hineingehen und seine engen Gänge und Kabinen aus nächster Nähe erkunden. Das Museum ist ausgesprochen interaktiv: Du kannst im Simulator mit einer Flugabwehrkanone schießen oder versuchen, ein Flugzeug zu landen. Der Eintritt kostet für Erwachsene 22 Euro, ein Familienticket 40 Euro; Kinder unter acht Jahren haben freien Eintritt.

💡 Tipp: Plane für den Besuch mindestens drei Stunden reine Besichtigungszeit ein. Zum weitläufigen Museum gehört auch ein Außenbereich am Kai, wo der riesige historische Eisbrecher Suur Tõll liegt. Du kannst ihn in aller Ruhe erkunden – von der Kapitänsbrücke bis hinunter zum gewaltigen Maschinenraum.

15. Viertel Noblessner und Iglupark

Die Route durch den Norden Tallinns erreicht ein Stück weiter entlang der Küste ihren Höhepunkt: im luxuriösen Viertel Noblessner, einem echten Juwel moderner Stadtentwicklung. Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich hier eine streng geheime zaristische Werft für den U-Boot-Bau. Heute ist das Viertel ein Musterbeispiel dafür, wie sich ein altes Industriegebiet in hochwertigen Wohnraum verwandeln lässt. Aus verfallenen Industriehallen ist das teuerste Viertel der Stadt geworden – mit breiten Promenaden, Bistros und jeder Menge Unterhaltung für Familien und Paare.

Direkt am Ufer liegt der ikonische Iglupark mit einer Reihe designorientierter Holzsaunen in Igluform. Für etwa 24 Euro kannst du dir einen Platz in der öffentlichen Sauna reservieren, mit traumhaftem Blick auf die Wellen schwitzen und anschließend über eine Leiter direkt in die kühle Ostsee springen. Das ist ein todsicheres Rezept, um sofort wieder munter zu werden und die nordische Kultur hautnah zu erleben. Für Familien gibt es hier außerdem die großartige interaktive Erfinderfabrik PROTO, deren Besuch für die ganze Familie etwa 35 bis 40 Euro kostet.

💡 Tipp: Noblessner ist ein kulinarisches Paradies, für das Feinschmecker von weit her anreisen. Hier befindet sich das berühmte Restaurant 180° by Matthias Diether, das gleich mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnet wurde. Wenn du es deutlich ungezwungener und günstiger magst, geh ins nahegelegene Põhjala Tap Room. Dort gibt es hervorragendes Craftbier – ein Pint kostet 4 bis 7 Euro – und dazu leckere Gerichte vom Grill.

16. KGB-Museum im Hotel Viru

Wenn du besser verstehen möchtest, wie die Paranoia des sowjetischen Regimes in der Praxis funktionierte, geh einfach zum Viru-Platz direkt am Rand der Altstadt. Als das ikonische Hotel Viru 1972 gebaut wurde, war es der erste Wolkenkratzer der Stadt und beherbergte vor allem ausländische Gäste. Offiziell hieß es, das Hotel habe 22 Stockwerke – und der Aufzug fuhr tatsächlich nicht weiter hinauf.

Tatsächlich befand sich im 23. Stock jedoch eine streng geheime Abhörzentrale des KGB. Von dort aus überwachten Agenten systematisch die Hotelzimmer, hörten Telefongespräche ab und beobachteten jeden Schritt der Ausländer – vor allem der benachbarten Finnen, die am häufigsten zu Besuch kamen. Heute befindet sich auf dieser Etage ein faszinierendes und beklemmendes Museum, das genau so erhalten blieb, wie die Agenten es Anfang der 1990er-Jahre überstürzt verließen: mit Aschenbechern voller Zigarettenstummel und in Tellern versteckten Mikrofonen.

💡 Tipp: Das Museum empfängt jährlich mehr als 30.000 Besucher, und die Besichtigung ist ausschließlich mit einem offiziellen Guide möglich. Da die Gruppengröße stark begrenzt ist, solltest du deine Tickets – sie kosten etwa 11 bis 12 Euro – einige Tage im Voraus über die offizielle Website des Hotels reservieren. Sonst kommst du schlicht nicht in den geheimen Stock hinauf.

17. Schloss Kadriorg und das KUMU-Museum

Steig im Zentrum in die Straßenbahn und fahr ein Stück nach Osten: Schon bist du im weitläufigen, grünen Kadriorg-Park, einer willkommenen Auszeit vom Trubel der Hauptstadt. Das Herzstück des riesigen Parks ist ein prächtiges Barockschloss, das der russische Zar Peter der Große für seine Frau Katharina errichten ließ – daher stammt auch der Name des Parks. Rund um das Schloss liegen sorgfältig gepflegte französische Gärten mit Brunnen und breiten Promenaden.

Ein echtes Kulturjuwel für Fans moderner Architektur versteckt sich jedoch etwas oberhalb des Schlosses, direkt in den Kalksteinfelsen hineingebaut. Das KUMU (Kunstihoone) ist das größte und modernste Kunstmuseum im gesamten Baltikum. Der architektonisch beeindruckende Bau aus Kupfer, Glas und Kalkstein beherbergt alles von klassischer estnischer Kunst über raue sowjetische Popkultur bis hin zu aktuellen Installationen. Der Eintritt kostet zwischen 15 und 22 Euro.

💡 Tipp: Auch wenn du kein ausgesprochener Fan von Kunstmuseen und klassischer Kunst bist, lohnt es sich, das KUMU zumindest von außen anzusehen und durch den futuristischen Innenhof aus Glas zu spazieren. Der visuelle Kontrast zum rosafarbenen Barockschloss, das nur ein paar hundert Meter weiter unten im Park liegt, ist faszinierend.

18. Strand Pirita und die Ruinen des Birgittenklosters

Hinter Kadriorg verläuft die Küste weiter nach Nordosten in den beliebten Wohnbezirk Pirita, in den sich die Einheimischen am Wochenende gern zurückziehen. Wenn du dich vom Stadttrubel erholen und etwas Natur genießen möchtest, findest du hier einen zwei Kilometer langen Sandstrand, der von dichten Kiefernwäldern gesäumt ist. Im Sommer sonnen sich die Esten begeistert am Strand, und die Hartgesottenen wagen sogar ein Bad in den erfrischenden Ostseewellen – obwohl das Wasser selbst im Juli kalt bleibt.

Unweit des beliebten Strandes ragen die äußerst fotogenen Ruinen des Birgittenklosters aus dem 15. Jahrhundert auf. Während des verheerenden Livländischen Krieges wurde das Kloster zwar zerstört, doch sein massiver Giebel und die Außenmauern stehen bis heute majestätisch da. Der Ort hat eine unglaublich eindringliche und zugleich friedliche Atmosphäre. Im Sommer finden hier unter freiem Himmel außerdem häufig Konzerte und Kulturveranstaltungen statt.

💡 Tipp: Vom Zentrum kommst du ganz bequem mit einem geteilten E-Scooter von Bolt nach Pirita. Das Entsperren kostet 0,50 Euro, jede Minute Fahrt etwa 15 Cent. Entlang der Küste verläuft ein breiter, sicherer Radweg, die Pirita-Promenade, von dem aus du die schönsten Blicke zurück auf die Skyline Tallinns hast.

19. Fernsehturm und Sängerfestwiese (Lauluväljak)

Auf dem Weg nach Pirita fällt dir bestimmt das riesige Betonamphitheater auf, das sich an einem sanften Hang erstreckt. Die Tallinner Sängerfestwiese (Lauluväljak) ist für die Esten ein geradezu heiliger Ort. Hier nahm Ende der 1980er-Jahre die sogenannte Singende Revolution ihren Anfang: Hunderttausende Menschen fassten sich an den Händen und erkämpften sich singend mit verbotenen National-Liedern gewaltlos die Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Heute finden hier die größten Musikfestivals des Landes statt.

Wenn du die Stadt aus der Vogelperspektive erleben möchtest, fahre noch ein Stück weiter zum Fernsehturm (Teletorn). Mit einer Gesamthöhe von 314 Metern ist er das höchste Bauwerk des Landes. Die Aussichtsplattform in 170 Metern Höhe bietet einen Panoramablick über viele Kilometer; im Boden sind außerdem Glasfenster eingelassen – für alle, die keine Höhenangst haben.

💡 Tipp: Für Adrenalin-Fans bietet der Fernsehturm eine besondere Attraktion im Freien: den Edge Walk. In einem sicheren Klettergurt kannst du ganz außen am Rand der Aussichtsplattform entlanggehen – an der frischen Luft und völlig ohne Geländer.

20. Essen in Tallinn: Von päevapraad bis Michelin

Tallinn erlebt seit einigen Jahren einen unglaublichen gastronomischen Boom, auch wenn die Restaurantpreise durch die jüngste Erhöhung der Mehrwertsteuer auf 24 Prozent deutlich gestiegen sind. Estland kann inzwischen 43 Restaurants im Guide Michelin vorweisen. Zur absoluten Spitzengastronomie gehört das Restaurant 180° by Matthias Diether mit zwei Sternen; das Degustationsmenü kostet hier 325 Euro. Ebenfalls beliebt ist die NOA Chef’s Hall mit herrlichem Blick auf die Bucht. Ein hervorragendes Verhältnis von Preis und nordischer Qualität findest du in Restaurants mit Bib-Gourmand-Auszeichnung wie Lore Bistroo oder Mantel ja Korsten.

Wenn du jedoch wie die Einheimischen essen und dein Reisebudget nicht sprengen möchtest, solltest du gleich am ersten Tag das Zauberwort päevapraad lernen. Es bedeutet Tagesmenü beziehungsweise ein fertiges Mittagsgericht. Viele Bistros und kleinere Cafés abseits der wichtigsten Touristenrouten bieten werktags zwischen 11 und 14 Uhr Suppe und Hauptgericht für angenehme 5 bis 8 Euro an. Für günstiges Streetfood gehst du am besten zum Markt Balti Jaama Turg. Dort bekommst du hervorragende vegane Burger oder asiatische Teigtaschen für weniger als zehn Euro.

💡 Tipp: Lass dir unbedingt traditionelles estnisches Schwarzbrot (must leib) schmecken. In Restaurants bekommst du es fast überall mit einer ordentlichen Schicht Butter serviert, und es schmeckt einfach fantastisch. Von den lokalen Zutaten empfehle ich außerdem kama, eine geröstete Getreidemischung, die in Joghurt oder Desserts kommt. Bei den Getränken dürfen der legendäre Kräuterlikör Vana Tallinn und das erfrischende alkoholfreie Kwas-Getränk kali nicht fehlen. Ein Pint Craftbier kostet im Schnitt 4 bis 7 Euro; zu den besten Sorten gehört das Bier der Brauerei Põhjala. Die Einheimischen genießen auch gern Elchsuppe oder marinierte Sprotten, die zu den Klassikern festlicher Tafeln gehören.

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Wohin von Tallinn aus?

Wenn du das ganze Land bereisen möchtest, wirf einen Blick in unseren großen Guide Estland: 25 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse. Darin findest du Inseln, Moore und Kurorte. Praktische Details rund um Tallinn behandeln wir in unseren Artikeln Übernachten in Tallinn und Essen in Tallinn.

Wenn du mehrere Tage für Estland eingeplant hast, wäre es schade, nur im Schatten der Stadtmauern zu bleiben. Tallinn ist der perfekte Ausgangspunkt für Ausflüge in die Natur und in die Nachbarländer.

Nur eine Autostunde östlich erstreckt sich der Nationalpark Lahemaa. Er ist ein echtes Schaufenster nordischer Natur, in dem du stundenlang über Holzstege durch endlose Hochmoore wandern kannst. Der berühmteste und am einfachsten zugängliche Weg führt durch das Viru-Hochmoor. Dort gibt es auch einen hölzernen Aussichtsturm, und wenn du dich traust, kannst du in den dunklen Moorseen sogar baden.

Ein weiterer naheliegender Abstecher verbindet gleich zwei Hauptstädte. Fähren nach Helsinki verkehren mehrmals täglich, die Überfahrt dauert nur etwa zwei Stunden. Das ist eine ideale und erschwingliche Möglichkeit, während eines Urlaubs noch ein weiteres nordisches Land kennenzulernen. Lies unseren Artikel Helsinki: 15 Tipps für Sehenswürdigkeiten und Erlebnisse in Finnlands Hauptstadt, damit du weißt, wohin du direkt nach der Ankunft gehen kannst.

Wenn du einen größeren Roadtrip durchs Baltikum planst und mehr von der Geschichte und Gegenwart der Region erleben möchtest, lass dich von unserem Artikel 10 interessante Fakten und praktische Tipps zu Riga inspirieren. Und falls du in den Wintermonaten unterwegs bist und hoffst, am dunklen estnischen Himmel das grüne Lichtspektakel zu sehen, wirf einen Blick in unseren Guide Polarlichter: Wo und wann du sie sehen kannst.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Tage sollte ich für Tallinn einplanen?

Für eine schnelle Erkundung der Altstadt und der wichtigsten Sehenswürdigkeiten reicht ein voller Tag. Wenn du aber die Atmosphäre stressfrei genießen, kreative Viertel wie Telliskivi erkunden, ans Meer fahren und in lokalen Cafés verweilen möchtest, empfehle ich idealerweise 2 bis 3 Nächte. So hast du Zeit, die Stadt auch früh morgens und spät abends zu erleben.

Ist Tallinn teuer?

Ehrlich? Ja. Estland ist schon lange keine günstige Alternative mehr, und nach dem kürzlichen Sprung der Mehrwertsteuer auf 24 % nähern sich die Preise in Restaurants eher Berlin oder München an. Für ein normales Mittagessen zahlst du etwa 15 bis 20 Euro und ein Craft-Bier kostet durchschnittlich 4 bis 7 Euro. Sparen kannst du durch Mittagsmenüs (päevapraad für 5 bis 8 Euro) und Einkäufe auf den hervorragenden lokalen Märkten.

Ist Tallinn sicher und was ist mit der Nähe zu Russland?

Estland ist eines der sichersten Länder Europas und die Kriminalität ist minimal (aufpassen musst du nur vor Taschendieben in den Sommermassen). Bedenken wegen der Nähe zu Russland sind aus Sicht eines normalen Reisenden unbegründet, das Land fällt in die sicherste Kategorie Level 1. Estland ist fester Bestandteil der NATO, der Luftraum wird von alliierten Kampfjets überwacht und das Leben in der Stadt pulsiert völlig normal.

Lohnt sich die Tallinn Card?

Kommt auf dein Tempo an. Die Karte für 24 Stunden kostet 29 Euro (48h für 41 Euro, 72h für 51 Euro) und umfasst unbegrenzte Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel sowie Eintritte in über 40 Museen. Da normale Eintritte in die großen Museen (KUMU, Lennusadam) etwa 15 bis 22 Euro kosten, lohnt sich die Karte bereits bei zwei Attraktionen pro Tag und amortisiert sich sehr schnell.

Wie komme ich vom Flughafen ins Zentrum?

Der Flughafen Tallinn (Lennart Meri) liegt unglaublich nah, nur 4 Kilometer vom Zentrum entfernt. Am einfachsten ist die Bolt-App, die übrigens eine lokale Erfindung ist. Die Fahrt in die Altstadt dauert 15 Minuten und kostet etwa 5 bis 12 Euro, je nach Nachfrage. Alternativ fährt der Bus Nummer 2 oder die Straßenbahn, wobei du bei letzterer prüfen solltest, ob die Strecke gerade nicht saniert wird.

Lässt sich ein Tagesausflug nach Helsinki machen?

Absolut problemlos. Die Schnellfähren (Tallink, Viking Line, Eckerö Line) schaffen die Route über den Finnischen Meerbusen in etwa zwei Stunden, und ein Ticket für Fußgänger bekommst du im Angebot schon ab 10 Euro. Wenn du mit der morgendlichen Verbindung gegen acht Uhr losfährst und abends zurückkehrst, bleiben dir satte 6 bis 8 Stunden reine Zeit für die Erkundung des Helsinkier Zentrums.

Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?

Wenn du lange Tage und Wärme möchtest, reise im Sommer, aber rechne mit Massen von Kreuzfahrtschiffen. Der ideale Kompromiss ist September, wenn die Touristen weniger werden, die Mücken in den Wäldern verschwinden und die Preise leicht sinken. Für Winterliebhaber und Fans von Weihnachtsmärkten ist der Dezember großartig, während der November sehr dunkel und regnerisch ist und viele Angebote außerhalb der Hauptstadt geschlossen haben.

Was Traditionelles sollte ich in Estland probieren?

Die Grundlage von allem ist das hervorragende dunkle Sauerteigbrot (must leib). Probiere auch kama (Mischung aus gerösteten Getreidesorten im Joghurt oder Dessert) oder die Quark-Riegel in Schokolade namens kohuke. Lokale Spezialitäten sind marinierte Ostseesprotten (kilu) auf Brot mit Ei, deftige Elchsuppe und geräuchertes Fleisch. Zum Aufwärmen solltest du den Kräuterlikör Vana Tallinn nicht vergessen.

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