Wenn man an Sommerurlaub in Frankreich denkt, kommen den meisten von euch sicher die Provence oder die überfüllten Strände der Côte d’Azur in den Sinn. Wer aber das echte Frankreich ohne Menschenmassen sucht, dem empfehle ich, ins absolute Herz des Landes zu reisen – in die Auvergne in Frankreich.
Hier erstreckt sich das weitläufige Massif Central und sein grünes vulkanisches Herz, die atemberaubende Region Auvergne. Diese stille Landschaft erloschener Vulkane verzaubert euch garantiert mit ihrer rauen Schönheit und unberührten Natur.
In den folgenden Zeilen findet ihr 13 Tipps für Orte, die ihr hier einfach besuchen müsst. So werdet ihr schnell verstehen, warum diese ruhige Region das perfekte Gegenmittel gegen Overtourism ist.
Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben, den ganzen Artikel zu lesen
- Wo anfangen: Der ideale Ausgangspunkt für die Erkundung der Region ist die Stadt Clermont-Ferrand mit ihrer einzigartigen schwarzen Kathedrale.
- Vulkankette: Die Chaîne des Puys bietet über 80 schlafende Vulkane, die zum UNESCO-Welterbe zählen.
- Beste Aussicht: Auf den Gipfel des berühmtesten Vulkans, des Puy de Dôme, bringt euch bequem und schnell eine Panoramabahn.
- Für Familien mit Kindern: Der Erlebnis- und Wissenschaftspark Vulcania führt euch interaktiv durch die Geheimnisse des Erdinneren.
- Architektonisches Wunder: In Le Puy-en-Velay findet ihr eine beeindruckende Kapelle, die auf der Spitze eines steilen Felsschlots thront.
- Mondäne Bäder: Die Stadt Vichy begeistert Liebhaber luxuriöser Belle-Époque-Architektur und heißer Mineralquellen.
- Gastronomie: Die Region ist berühmt für ihre Käsestraße, auf der ihr gleich fünf berühmte Käsesorten mit geschützter Ursprungsbezeichnung probieren könnt.
Wann man in die Auvergne reist und welches Wetter euch erwartet

Die Auvergne ist in erster Linie ein Sommer- und Reiseziel, das man am besten von Mai bis Ende September besucht. In diesen Monaten ist die Landschaft unglaublich saftig grün und das Wetter lädt geradezu zu langen Wanderungen über die Bergkämme ein. Während im Süden Frankreichs im August der Verkehr kollabiert und die Temperaturen oft unangenehme vierzig Grad erreichen, atmet ihr in den Vulkanbergen frische und deutlich kühlere Luft. Rechnet damit, dass es in den Sommermonaten hier rund fünf bis zehn Grad kühler ist als in der Provence – das werdet ihr bei jedem Anstieg zu schätzen wissen.
Juli und August sind daher die absolut ideale Wahl für all jene unter euch, die extreme Sommerhitze schlecht vertragen und ihren Urlaub lieber aktiv verbringen. Die Temperaturen liegen in tieferen Lagen tagsüber bei angenehmen fünfundzwanzig Grad, auf den Vulkangipfeln ist es allerdings deutlich windiger und das Wetter kann sehr schnell umschlagen. Wer im Winter aufbrechen möchte, hat es etwas schwerer. Die Wintersaison von Ende Dezember bis März kann hübsches lokales Skifahren im Skigebiet Super-Besse bieten, aber die Schneeverhältnisse sind hier wegen der Höhenlage unter zweitausend Metern ziemlich unberechenbar. Es handelt sich eben nicht um Savoyen voller Gletscher, also bleiben bei einem milden Winter viele touristische Dienste und Berghütten komplett geschlossen.
Vergesst bei der Reiseplanung auch nicht, dass ihr in dieser ländlichen Region ohne Auto praktisch nicht auskommt, denn außerhalb der großen Städte ist der öffentliche Nahverkehr sehr dünn. Ein riesiger Vorteil ist die Autobahn A75, die das Massif Central von Norden nach Süden durchquert und größtenteils völlig kostenlos ist – in Frankreich eine enorme und sehr angenehme Ausnahme. Achtet aber unbedingt auf das Free-Flow-System auf den normalen Mautabschnitten, wo es keine klassischen Schranken gibt und ihr die Maut online innerhalb von zweiundsiebzig Stunden anhand eures Kennzeichens bezahlen müsst, um unangenehme und saftige Bußgelder zu vermeiden.
Wo man in der Auvergne übernachtet

💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unsere Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.
Bei der Reiseplanung müsst ihr euch bewusst machen, dass die Auvergne eine wirklich weitläufige ländliche Region ist und eine strategische Wahl der Unterkunft euch stundenlanges sinnloses Fahren erspart. Wegen der schlechteren Erreichbarkeit kleinerer Dörfer empfehle ich, Orte zu wählen, von denen aus ihr leicht zu den Hauptautobahnen und größeren Straßen gelangt. Bucht eure Unterkunft lieber rechtzeitig über Plattformen wie Booking, denn die Kapazitäten verschwinden in der Sommersaison schnell und das Angebot in abgelegeneren Gegenden ist sehr begrenzt.
Der logischste Ausgangspunkt ist die Universitätsstadt Clermont-Ferrand, die direkt am Fuß der Vulkane liegt. Mit dem TGV erreicht ihr sie von Paris aus in knapp dreieinhalb Stunden – und von Deutschland aus reist ihr am besten zunächst per Flug oder Zug nach Lyon oder Paris und mietet dann ein Auto. Hier findet ihr eine tolle Infrastruktur, viele Restaurants und eine hervorragende Anbindung an das Straßennetz. Direkt im Zentrum könnt ihr zum Beispiel im beliebten Hôtel Littéraire Alexandre Vialatte übernachten, das einen herrlichen Blick auf die Stadt und die vulkanischen Hügel im Hintergrund bietet.
Wer sich nach mehr Ruhe und Natur sehnt, findet im Kurstädtchen Le Mont-Dore eine großartige Basis für Bergwanderungen. Es wirkt ein bisschen wie aus einem anderen Jahrhundert und liegt in einem tiefen Tal, nur einen Katzensprung vom höchsten Berg des gesamten Massivs entfernt – so könnt ihr praktisch direkt vor der Hoteltür zu Wanderungen aufbrechen. Schaut euch zum Beispiel das traditionsreiche Hôtel du Puy Ferrand an, wo ihr die Bergatmosphäre in vollen Zügen genießt und euch abends nach der Wanderung am Kamin aufwärmt.
Für Liebhaber von Geschichte und mondäner Bäderkultur bietet sich eine Übernachtung in der wunderschönen Stadt Vichy im Norden der Region an. Das dortige Mercure Vichy Thermalia bietet euch allen Komfort der Moderne inmitten historischer Kolonnaden – die absolut ideale Wahl für einen ruhigeren, erholsameren Teil eures Urlaubs nach anstrengenden Wanderungen über erloschene Krater.
13 Tipps: Auvergnes schönste Orte und was man erleben kann

Schauen wir uns gemeinsam das Beste an, was dieser faszinierende Winkel Frankreichs euch bieten kann. Schnürt euch bequeme Schuhe, denn die meisten der schönsten Orte erfordern zumindest ein wenig körperliche Anstrengung – aber ich verspreche euch, dass die atemberaubenden Ausblicke auf die grünen Krater es wirklich wert sind.
1. Clermont-Ferrand und die dunkle Kathedrale

Eure erste Begegnung mit der Region wird wahrscheinlich ihre Hauptstadt Clermont-Ferrand sein, deren Silhouette euch schon von Weitem ins Auge fällt. Über der Stadt erheben sich nämlich die zwei Türme der Kathedrale Notre-Dame-de-l’Assomption, die komplett aus schwarzem Vulkanstein, der sogenannten Pierre de Volvic, erbaut ist. Auf den ersten Blick wirkt dieser Bau etwas düster und beinahe gotisch-schaurig, doch im Inneren verbergen sich unglaublich detailreiche und bunte Glasfenster.
Die Stadt selbst hat eine sehr lebendige Universitätsatmosphäre und ist weltweit als Heimat der Marke Michelin bekannt, weshalb ihr hier unzählige hervorragende Bistros und Cafés findet. Als Kontrast zur schwarzen Kathedrale solltet ihr euch unbedingt die romanische Basilika Notre-Dame-du-Port ansehen, die als wichtige Station auf dem berühmten Pilgerweg nach Santiago de Compostela zum UNESCO-Welterbe zählt.
Wenn ihr mit dem Auto ins Zentrum fahrt, achtet aber unbedingt auf die Umweltzonen, denn die Regeln werden hier sehr kompromisslos überwacht. Die Umweltplakette Crit’Air ist auch für alle Autos aus Deutschland Pflicht, und nach einer jüngsten Gerichtsentscheidung drohen für die Einfahrt ohne sie Bußgelder von 68 bis 375 Euro. Die Plakette müsst ihr rechtzeitig von zu Hause aus online für rund fünf Euro bestellen, vor Ort bekommt ihr sie nicht mehr.
💡 Tipp: Verpasst nicht das moderne Museum L’Aventure Michelin, wo ihr nicht nur alles über die Geschichte der berühmten Reifen erfahrt, sondern auch über die Entstehung des legendären Gastronomieführers voller Sterne.

2. Puy de Dôme und die Panoramabahn
Der höchste und eindeutig berühmteste Punkt der gesamten Vulkankette ist der majestätische Gipfel des Puy de Dôme. Mit einer Höhe von 1.465 Metern dominiert er den gesamten Horizont, und bei gutem Sommerwetter seht ihr von hier aus zig Kilometer weit in alle Richtungen. Wenn ihr ehrliche Aufstiege mögt, könnt ihr zu Fuß über den alten Römerweg Chemin des Muletiers nach oben gehen, der euch während des gesamten steilen Anstiegs schöne Ausblicke garantiert.
Für all jene unter euch, die ihre Knie schonen wollen oder mit kleineren Kindern reisen, gibt es etwa von Ende Februar bis Mitte November eine großartige Alternative in Form der Zahnradbahn Panoramique des Dômes. Dieser elektrische Zug bringt euch bequem in fünfzehn Minuten auf den Gipfel, und die Fahrt selbst ist ein riesiges Erlebnis, denn die Strecke windet sich spiralförmig um den Berg und gibt euch nach und nach den Blick auf die Krater frei.
In der Sommersaison zahlt ihr für eine Hin- und Rückfahrkarte rund 18,60 Euro pro Erwachsenem und etwa 11,70 Euro pro Kind. Oben auf dem Gipfel erwarten euch neben atemberaubenden Ausblicken auch die überraschenden Ruinen eines antiken römischen Tempels des Gottes Merkur sowie das faszinierende Schauspiel der Gleitschirmflieger, die diesen Ort als ihre legendäre Startrampe für Flüge über die Vulkane nutzen.
💡 Tipp: Die Zahnradbahn ist in den Sommermonaten sehr stark frequentiert und es bilden sich lange Schlangen, kauft eure Tickets daher lieber vorab online für eine konkrete Abfahrtszeit.
3. Chaîne des Puys und die 80 schlafenden Riesen

Gleich hinter den Grenzen der Stadt Clermont-Ferrand beginnt ein echtes geologisches Wunder, das in Europa seinesgleichen sucht und an Illustrationen aus den Romanen von Jules Verne erinnert. Die Chaîne des Puys ist ein atemberaubendes, rund dreißig Kilometer langes Band, das aus über achtzig perfekt erhaltenen Vulkankegeln, Domen und tiefen Kratern besteht. Diese gewaltige Hochebene wurde 2018 als allererstes und bis heute einziges rein geologisches Denkmal Frankreichs in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Ihr müsst keinerlei Angst haben, alle Vulkane hier sind längst erloschen und der letzte Vulkanausbruch fand vor rund achttausend Jahren statt. Heute könnt ihr also völlig sicher durch die dicht bewaldete Landschaft spazieren, die von einem weichen grünen Teppich aus Gras überzogen ist, wo ihr auf den Straßen wahrscheinlich mehr grasende Kühe als entgegenkommende Autos antrefft.
Die schönste Art, dieses Gebiet zu erkunden, ist, feste Schuhe anzuziehen und zu langen Wanderungen aufzubrechen. Markierte Wege führen euch direkt durch die alten Krater, die sogenannten Maare, die bei Sonnenuntergang eine unglaublich romantische und tiefe Atmosphäre voller Ruhe annehmen – eine Ruhe, die im heutigen Europa immer seltener wird.
💡 Tipp: Wenn ihr etwas wirklich Unvergessliches erleben wollt, versucht eine Heißluftballonfahrt zu buchen, denn der Blick auf zig grüne Krater aus der Vogelperspektive verschlägt euch absolut den Atem.
4. Vulcania, der Erlebnispark nicht nur für Kinder

Wenn ihr mit der Familie reist oder euch einfach Geologie und Naturgewalten faszinieren, dann lasst euch auf keinen Fall den Park Vulcania entgehen. Er liegt nur einen kleinen Katzensprung von Clermont-Ferrand entfernt und ist kein gewöhnlicher Erlebnispark mit klassischen Achterbahnen und Zuckerwatte. Es handelt sich vielmehr um ein einzigartiges interaktives Wissenschaftszentrum, das zum großen Teil clever tief in das harte Vulkangestein eingelassen ist – allein schon die Architektur des Gebäudes nötigt großen Respekt ab.
Während des Besuchs versteht ihr sehr leicht, wie genau die gewaltigen Kräfte tief unter der Erdkruste funktionieren. Dank fantastischer 3D-Projektionen, dynamischer Kinos und sehr realistischer Erdbebensimulatoren erlebt ihr hautnah, wie es ist, direkt bei der Geburt eines Vulkans dabei zu sein. Die meisten Attraktionen sind clever konzipiert und unterhalten auch erwachsene Besucher hervorragend.
Die Eintrittspreise liegen für die aktuelle Saison bei rund 32,50 Euro für Erwachsene und 27 Euro für ein Kinderticket. Der Park ist ziemlich weitläufig, plant für eine gründliche Erkundung also unbedingt einen ganzen Tag ein, denn es gibt hier wirklich eine riesige Menge an Attraktionen und Lehrpfaden.
💡 Tipp: Von Clermont-Ferrand fahren spezielle Pendelbusse zum Park, sodass ihr auch dann sehr leicht hierherkommt, wenn ihr gerade keine Lust aufs Autofahren habt oder mit dem Zug in die Region anreist.
5. Le Mont-Dore und der raue Gipfel Puy de Sancy

Während die nördlicheren Gebiete an ordentliche, abgerundete grüne Hügel erinnern, verändert sich die Landschaft ein Stück weiter südlich bis zur Unkenntlichkeit und nimmt einen viel raueren Charakter an. Das Massiv Monts Dore ist geologisch älter, stärker erodiert und erinnert mit seinem dramatischeren Erscheinungsbild und den steilen Abhängen eher an die Alpen. Genau hier liegt der berühmte Gipfel Puy de Sancy, der mit beachtlichen 1.885 Metern der höchste Punkt des gesamten zentralfranzösischen Massivs ist.
Basislager für dieses wilde Gebiet ist das zauberhafte Kurstädtchen Le Mont-Dore, das in den Sommermonaten zum perfekten Paradies für alle begeisterten Wanderer wird. Den Aufstieg auf den Gipfel des Puy de Sancy schafft ihr entweder ehrlich zu Fuß durch das malerische Val de Courre, oder ihr nehmt deutliche Abkürzung mit der Seilbahn und müsst danach nur noch die letzten paar Hundert Holzstufen über angelegte Pfade gehen.
Der Blick vom Sancy ist herrlich rau, felsig, und bei guter Sicht reicht er bis zu den verschneiten Gipfeln der französischen Alpen. Nach dem anstrengenden Abstieg empfehle ich, in eine der lokalen Gaststätten einzukehren und sich mit einer riesigen Portion der sogenannten Truffade zu belohnen – das sind köstliche überbackene Kartoffeln mit einer enormen Menge lokalen Käses.
💡 Tipp: Das Wetter auf dem Gipfel wechselt unglaublich schnell und unberechenbar, also auch wenn unten im Tal die warme Sonne scheint, könnt ihr oben im dichten Nebel frieren – packt deshalb immer eine gute winddichte Jacke ein.
6. Le Puy-en-Velay und die Kapelle auf der Felsnadel

Wenn es in Zentralfrankreich einen Ort gibt, bei dem euch buchstäblich vor Staunen der Mund offen stehen bleibt, dann ist es die faszinierende Stadt Le Puy-en-Velay. Die dortige Topografie widerspricht völlig dem gesunden Menschenverstand, denn aus dem flachen Tal ragen hier plötzlich steile Vulkanschlote, sogenannte Dykes, gen Himmel. Es sind eigentlich nur erstarrte Lavakerne alter Vulkane, deren weichere Außenschichten die fortschreitende Erosion längst weggetragen hat – und auf ihre Spitzen haben die Menschen beeindruckende Steinmonumente gebaut.
Das absolut beeindruckendste davon ist die romanische Kapelle Saint-Michel d’Aiguilhe, die bereits aus dem zehnten Jahrhundert stammt. Dieser unglaubliche Bau balanciert auf der Spitze eines 82 Meter hohen Felsschlots und sieht aus der Ferne aus, als wäre er aus einer völlig anderen Welt dort gelandet. Um zu ihr zu gelangen und ihre wunderschöne, von cordobesischen Mosaikmustern beeinflusste Architektur bewundern zu können, müsst ihr ehrliche 268 direkt in den nackten Fels gehauene Stufen erklimmen.
Der Blick aus der Vogelperspektive auf die ganze Stadt und die umliegende Vulkanlandschaft ist absolut fantastisch, und ihr versteht schnell, warum dieser Ort so oft auf Postkarten erscheint. Es wirkt hier buchstäblich wie eine ausgeklügelte Filmkulisse.
💡 Tipp: Die Treppen nach oben sind ziemlich eng und steil, brecht in den heißen Sommermonaten deshalb gleich morgens auf, sobald das Denkmal öffnet, um der unangenehmen Hitze der auf den aufgeheizten Fels brennenden Sonne zu entgehen.
7. Die Kathedrale Notre-Dame und der berühmte Pilgerweg

Die Stadt Le Puy-en-Velay ist nicht nur wegen der unglaublichen Kapelle auf der Felsnadel bekannt, sondern hat auch eine enorme gesamteuropäische und spirituelle Bedeutung, die tief in die Geschichte reicht. Die dortige wunderschöne, zum UNESCO-Welterbe zählende Kathedrale Notre-Dame ist der historische Ausgangspunkt einer der wichtigsten Pilgerrouten nach Santiago de Compostela. Es handelt sich um die berühmte Route Via Podiensis, auch bekannt als der Fernweg GR65, von dem aus die Pilger zu einem beachtlichen, 736 Kilometer langen Marsch in Richtung Pyrenäen aufbrechen.
Jeden Morgen versammeln sich nach der frühen Messe auf der riesigen Treppe vor der Kathedrale Dutzende Menschen mit Rucksäcken und den typischen Jakobsmuscheln, um ihre ersten Schritte nach Westen zu machen. Dank ihnen hat die ganze Stadt eine ständig pulsierende, internationale und unglaublich freundliche Atmosphäre. Allein dieses morgendliche Treiben von einem Café aus zu beobachten, ist ein großes Erlebnis.
Unweit der Kathedrale steht dann auf einem weiteren Vulkangebilde die riesige rosafarbene Marienstatue, die eine große Besonderheit in sich birgt. Diese monumentale Statue wurde nämlich aus 213 russischen Kanonen gegossen, die die französische Armee während des grausamen Krimkriegs bei der Belagerung von Sewastopol erbeutet hatte.
💡 Tipp: Die große lokale Spezialität ist die sogenannte grüne Linse aus Le Puy, die sich einer geschützten Ursprungsbezeichnung rühmt und in den Restaurants als hervorragende, herzhafte Suppe voller Geschmack serviert wird, die euch nach einem langen Tag perfekt sättigt.
8. Das Bad Vichy und die Eleganz der Belle Époque

Am nördlichen Rand der Region liegt eine Stadt, die eine völlig andere Atmosphäre hat als der Rest des rauen vulkanischen Landes voller Kühe und grüner Weiden. Die Stadt Vichy ist die perfekte Essenz der französischen Eleganz des neunzehnten Jahrhunderts, also der berühmten Ära namens Belle Époque. Hier könnt ihr für einen Moment die staubigen Wanderschuhe vergessen und Promenaden voller verzierter Gusseisenelemente, gläserner Markisen und prachtvoller historischer Gebäude genießen.
Vichy war jahrzehntelang ein Synonym für luxuriöse Kuraufenthalte und kehrt heute wieder voll zu dieser reichen Tradition zurück. Ihr findet hier herrliche überdachte Kolonnaden, historische Kasinos und das Gebäude einer prachtvollen Oper, all das umgeben von sorgfältig gepflegten Parks, die den ruhigen Fluss Allier säumen. Es ist ein idealer Ort, um neue Kräfte zu schöpfen.
Für deutsche Reisende hat dieser Ort zudem einen interessanten Bezug. Vichy wurde nämlich 2021 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, und zwar im Rahmen der exklusiven Gruppe von nur elf berühmten europäischen Kurstädten. Dieses prestigeträchtige Siegel teilt Vichy unter anderem mit den deutschen Bädern Baden-Baden und Bad Ems – Parallelen in der Architektur zu suchen, wird euch bei euren Spaziergängen sicher Spaß machen.
💡 Tipp: Probiert unbedingt die berühmten Vichy-Pastillen, das sind erfrischende weiße Bonbons, die aus den Salzen der örtlichen heilenden Mineralquellen hergestellt werden und die ihr an jeder Ecke in hübschen Retro-Blechdosen kaufen könnt.
9. Die Käsestraße der Auvergne und ihre fünf Könige

Wenn ihr gutes Essen liebt, werdet ihr in der Auvergne im absoluten siebten Himmel sein, aber ihr müsst euch auf eine wesentliche Änderung einstellen. Vergesst für einen Moment den Wein, denn in dieser Bergregion regiert schlicht und einfach der Käse. Die hiesigen Kühe weiden nämlich auf den Vulkanhängen voller wilder Kräuter, was der lokalen Milch einen spezifischen und unglaublich reichen Geschmack verleiht. Die Region rühmt sich zu Recht gleich fünf Käsesorten mit prestigeträchtiger geschützter Ursprungsbezeichnung, die zusammen das perfekte Käsebrett ergeben.
Der berühmteste davon ist der Hartkäse Cantal, dessen Wurzeln angeblich bis in die Zeit der alten Gallier zurückreichen, sowie der cremige Saint-Nectaire, der nach Pilzen und feuchter Erde duftet. Echte Feinschmecker schätzen dann den Käse Salers, der äußerst strenge Regeln hat und ausschließlich von Mitte April bis Mitte November aus der Milch von Kühen hergestellt werden darf, die draußen weiden. Für Liebhaber kräftigerer Aromen gibt es dann den würzigen Blauschimmelkäse Bleu d’Auvergne oder den etwas milderen zylinderförmigen Fourme d’Ambert.
Die beste Art, all diese Köstlichkeiten kennenzulernen, ist, mit dem Auto die offizielle Käsestraße entlangzufahren, die euch zu Dutzenden kleiner Bauernhöfe und Käsereien führt, wo ihr direkt bei den lokalen Herstellern und Enthusiasten probieren könnt, die euch gerne den ganzen Reifeprozess erklären.
💡 Tipp: Achtet beim Kauf von Saint-Nectaire-Käse auf das ovale grüne Zeichen auf der Rinde, das garantiert, dass es sich um den sogenannten Bauernkäse handelt, der in traditioneller Handarbeit direkt auf dem Hof hergestellt wird.

10. Der geheimnisvolle Vulkansee Lac Pavin
Die stürmische Vulkantätigkeit hat in der Region nicht nur schöne und grüne Hügel hinterlassen, sondern auch riesige Mengen Wasser in Form vieler einzigartiger Bergseen geschaffen. Der visuell interessanteste und mit Abstand geheimnisvollste von ihnen ist eindeutig der Lac Pavin. Es handelt sich um ein perfektes kreisrundes Maar, was in der geologischen Terminologie einen alten, durch eine gewaltige Explosion entstandenen Vulkankrater bedeutet, der im Laufe der Zeit durch Regen- und Grundwasser geflutet wurde.
Der See ist von allen Seiten von dichten und dunklen Wäldern umgeben, und sein Wasser hat eine ungewöhnlich dunkelblaue, fast tintenartige Farbe, wobei der Grund selbst in einer beachtlichen Tiefe von neunzig Metern liegt. Kein Wunder, dass dieser Ort auf den ersten Blick etwas unheimlich wirkt und sich um ihn eine ganze Reihe lokaler gruseliger Sagen und Legenden über Dämonen rankt.
Baden ist hier aus verständlichen Gründen streng verboten, aber ihr könnt den ganzen See auf einem sehr angenehmen und einfachen Waldweg umrunden. Der gesamte Spaziergang dauert rund eine Stunde, und von mehreren Aussichtspunkten habt ihr einen herrlichen Blick auf die perfekt runde Wasseroberfläche, die die umliegenden Bäume spiegelt.
💡 Tipp: Wenn ihr Lust auf etwas aktivere Erholung habt und keine Angst vor dem tiefen Wasser unter euch habt, könnt ihr euch am Ufer ein kleines Boot ausleihen und die geheimnisvollen Wasser des Sees aus seiner stillen Mitte heraus aus nächster Nähe erkunden.

11. Baden mit Aussicht am Lac Chambon
Wenn ihr nach einer anstrengenden Bergwanderung eher klassische Sommererfrischung und Entspannung in der Sonne sucht, fahrt nur ein paar Täler weiter zum wunderschönen Lac Chambon. Im Gegensatz zum tiefen, dunklen und sehr kalten Pavin ist dieser See ziemlich flach, sodass sich sein Wasser in den Sommermonaten sehr schnell und angenehm erwärmt. Es ist eine absolut ideale und sichere Station für Familien mit kleineren Kindern oder für all jene unter euch, die einfach nur in sauberer Natur schwimmen wollen.
Rund um den See findet ihr gleich zwei wunderschön angelegte Strände mit der gesamten nötigen Infrastruktur. Direkt aus dem Wasser eröffnet sich euch zudem ein atemberaubender Blick auf die umliegenden steilen Vulkanmassive, was dem gewöhnlichen Baden eine völlig neue und leicht abenteuerliche Dimension verleiht. Die Strände sind von weitläufigen Wiesen gesäumt, die geradezu zu einem nachmittäglichen Picknick mit frischem französischem Baguette und lokalem Käse einladen.
Rund um den See funktioniert eine absolut großartige touristische Infrastruktur, sodass ihr hier leicht Tretboote, beliebte Paddleboards ausleihen oder mit dem Rad auf angelegten Radwegen losfahren könnt, die die Ufer entlangführen und viele schattige Rastplätze nach einem guten Mittagessen bieten.
💡 Tipp: Wenn ihr am Wasser bis zum Abend bleibt, wartet unbedingt auf den Sonnenuntergang, wenn sich die Seeoberfläche orange färbt und die umliegenden Vulkangipfel eine absolut magische dunkle Silhouette bilden.

12. Die mittelalterliche Burg Murol und ihre Ritterturniere
Wenn euch mehr als die Wasserfreuden die reiche Geschichte anzieht, macht von der Seengegend einen kurzen Abstecher zur wunderschönen Burg Murol. Diese majestätische Festung aus dem zwölften Jahrhundert thront auf einem steilen Basaltvorsprung und dominiert schon von Weitem die gesamte umliegende Landschaft. Es ist aber keine gewöhnliche und leere Ruine, durch die ihr in ein paar Minuten durchlauft und dann weiterfahrt.
Der örtliche Geschichtsverein veranstaltet hier nämlich in der Sommersaison tolle Vorführungen in historischen Kostümen und prachtvolle Rekonstruktionen des mittelalterlichen Lebens. Erfahrene Darsteller führen euch Ritterturniere zu Pferd, Vorführungen der traditionellen Falknerei und alte Handwerke in der Praxis vor. Es ist eine absolut fantastische Station, besonders wenn ihr Kinder im Auto habt, die das tägliche Wandern in den Bergen schon ein wenig langweilt und die ein actionreicheres Programm brauchen.
Von den Mauern habt ihr zudem einen perfekten Blick tief ins Tal und auf den nahen Lac Chambon. Der Eintritt zur Burg mit Ganztagesprogramm kostet 2026 für Erwachsene rund zwölf Euro, was für eine solche Portion ehrlicher mittelalterlicher Unterhaltung ein sehr fairer Preis ist.
💡 Tipp: Das Programm der Vorführungen ändert sich je nach Wochentag, deshalb checkt vorab die offizielle Website der Burg, damit euch die besten Ritterkämpfe nicht entgehen.

13. Wildwasser in den Gorges de l’Allier
Für eine ordentliche Portion Adrenalin und ungezähmte Natur fahrt in den Süden der Region zum tiefen Canyon der Gorges de l’Allier. Der schnelle Fluss Allier hat hier im Laufe der Jahrtausende beeindruckende und steile Schluchten in das harte Vulkangestein gegraben. Heute ist es einer der allerbesten Orte in ganz Frankreich für begeisterte Liebhaber von Rafting und Kanufahren, an dem sich im Sommer Wassersportler aus ganz Europa einfinden.
In den umliegenden Dörfern gibt es viele bewährte Verleihe, wo man euch bereitwillig die Grundlagen erklärt und euch mit Helm, Schwimmweste und Paddeln ausstattet. Ihr könnt aus mehreren unterschiedlich anspruchsvollen Flussabschnitten wählen. Von den ruhigeren, die auch für völlige Anfänger und Familien mit Kindern geeignet sind, bis hin zu wilden Stromschnellen, die eure Wassersportfähigkeiten und Muskeln zuverlässig auf die Probe stellen. Der Fluss bildet hier tiefe Becken, die von unberührten Wäldern gesäumt sind, wo ihr mit etwas Glück seltene Vogelarten erspäht.
Wenn ihr gerade keine Lust auf das kalte Wasser habt, gibt es auch eine viel trockenere Art, dieses Naturjuwel zu bewundern. Durch den Canyon fährt ein spezieller Touristenzug, der langsam unglaublich steile Abhänge bewältigt und durch dunkle Tunnel an Stellen fährt, an die ihr mit dem Auto absolut keine Chance habt zu gelangen.
💡 Tipp: Rafting-Ausflüge oder Tickets für den Aussichtszug sind in der Hauptsaison im Sommer sehr schnell ausverkauft. Reserviert euren Platz unbedingt online mehrere Tage im Voraus oder nutzt zur Suche nach Aktivitäten Portale wie GetYourGuide.
Wohin von der Auvergne aus weiter

Wenn ihr alle erloschenen Vulkane erkundet habt, könnt ihr nahtlos an weitere großartige Orte anknüpfen, die sich in relativer Nähe befinden. Wenn euch der Trubel einer Großstadt und Spitzengastronomie reizt, steigt einfach ins Auto und nach rund zwei Stunden Fahrt in Richtung Osten erreicht ihr die Stadt Lyon. Dieses pulsierende Herz Frankreichs bietet eine völlig andere, viel städtischere Atmosphäre voller Renaissance-Paläste und geheimnisvoller versteckter Durchgänge, der sogenannten Traboules.
Richtung Süden eröffnet sich euch dann das heiße Tor in die sonnige und duftende Provence. Sobald ihr von den Bergen in niedrigere Lagen herabfahrt, beginnen sich die Architektur, der Duft in der Luft und die Temperatur selbst dramatisch zu verändern. Ihr könnt das nahe Rhône-Tal mit seinen berühmten Weinbergen erkunden oder noch weiter zum beeindruckenden Aquädukt Pont du Gard fahren. Frankreich ist ein unglaublich vielfältiges Land, und die stillen Vulkangipfel sind nur eines seiner vielen bezaubernden Mosaiksteinchen.
Häufig gestellte Fragen
Muss man mit dem Auto nach Auvergne reisen?
Ja, ein eigenes oder gemietetes Auto ist für diese Region absolut notwendig, wenn ihr die Natur wirklich entdecken möchtet. Der öffentliche Verkehr funktioniert zwar recht gut zwischen den großen Städten wie Clermont-Ferrand und Paris dank der Hochgeschwindigkeitszüge TGV, aber in die Bergdörfer, zu den Vulkanseen oder zu den Ausgangspunkten der Wanderwege fahren Busse nur sehr selten oder sogar gar nicht. Ohne Auto würdet ihr die schönsten und abgelegensten Orte verpassen.
Wird in der Region Englisch gesprochen?
Englisch ist hier definitiv nicht selbstverständlich, besonders auf kleinen Käsereien und bei älteren Bewohnern auf dem Land. Es lohnt sich immer, das Gespräch mit einem höflichen französischen Gruß „Bonjour“ zu beginnen und erst danach mit einem Lächeln nach einer Fremdsprache zu fragen. Diese kleine Geste des Respekts öffnet dir viele Türen und Herzen der Einheimischen, auch wenn ihr euch am Ende über ein Stück Käse eher mit Händen und Füßen verständigen werdet.
Wie viel kostet die Maut auf den Autobahnen?
Ein riesiger Vorteil ist, dass die Autobahn A75, die das Massif Central von Norden nach Süden durchquert, komplett mautfrei ist, was in Frankreich eine absolute und sehr angenehme Seltenheit darstellt. Wenn ihr aber von Paris oder Lyon über die klassischen mautpflichtigen Abschnitte anreist, müsst ihr mit Gebühren von etwa neun Euro fünfzig pro hundert Kilometer Fahrt rechnen. Achtet auch unbedingt auf neue Abschnitte ohne Mautstationen, bei denen ihr die Gebühr innerhalb von drei Tagen online anhand eures Kennzeichens bezahlen müsst.
Ist das Wandern auf Vulkanen anstrengend?
Die meisten Krater in der Region Chaîne des Puys bieten sehr angenehme und gut markierte Wanderwege, die auch von Gelegenheitswanderern oder Familien mit älteren Kindern problemlos bewältigt werden können, da die Hügel hier eher sanfte Formen aufweisen. Wenn ihr euch jedoch für das rauere Massiv rund um den höchsten Gipfel Puy de Sancy entscheidet, solltet ihr euch auf ordentliche Höhenunterschiede wie im Hochgebirge und steiniges Gelände einstellen, das wirklich feste knöchelhohe Schuhe und eine gute Kondition erfordert.
Wann haben die lokalen Restaurants geöffnet?
Auvergne ist typisches französisches Land, wo die traditionellen und unveränderlichen Mittags- und Abendessenszeiten strikt eingehalten werden. Warmes Essen wird nur zwischen zwölf und vierzehn Uhr serviert, wobei der Abendservice meist erst Punkt sieben Uhr abends beginnt. Wenn ihr um Viertel vor drei im Restaurant ankommt, ist die Küche schon kompromisslos geschlossen und ihr bekommt höchstens einen Kaffee oder ein abgepacktes Baguette an der nächstgelegenen Tankstelle.
Sind die Vulkane in der Auvergne noch aktiv?
Sie brauchen keine Angst zu haben, alle Vulkane in der Region gelten seit langem als erloschen und sind absolut sicher zu begehen. Die letzte vulkanische Aktivität fand hier vor etwa achttausend Jahren statt. Heute sind diese faszinierenden Krater mit dichtem grünem Gras und Bäumen bedeckt. An ihren Hängen grasen fröhlich riesige Kuhherden, aus deren Milch anschließend die besten französischen Käsesorten hergestellt werden.
Was muss ich von der lokalen Gastronomie probieren?
Die Region ist weltweit berühmt für ihre ausgezeichneten Käsesorten mit geschützter Herkunftsbezeichnung. Lasst euch auf keinen Fall den traditionsreichen Hartkäse Cantal oder den cremigen Saint-Nectaire entgehen, die ihr problemlos in absolut jedem Städtchen kaufen könnt. Eine tolle lokale Spezialität für Vegetarier sind auch die grünen Linsen aus Le Puy, die in den örtlichen Bistros zu sehr deftigen und reichhaltigen Suppen zubereitet werden, oder die köstlichen überbackenen Kartoffeln mit Käse namens Truffade.
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