Wenn man an Portugal denkt, haben die meisten Reisenden sofort sonnige Strände im Süden oder gelbe Straßenbahnen in der Hauptstadt vor Augen. Wer aber wirklich wilde und ungezähmte Natur sucht, muss in den äußersten Norden des Landes reisen – direkt an die Grenze zu Spanien. Genau dort erstreckt sich der Nationalpark Peneda-Gerês, der überraschenderweise der einzige offizielle Nationalpark Portugals ist. Auf euch warten tiefe Täler, Granitfelsen, kristallklare Flüsse und traditionelle Steindörfer, in denen die Zeit stehenzubleiben scheint. Der Nationalpark Peneda-Gerês Portugal ist ein Erlebnis, das alle anderen Reiseziele des Landes in den Schatten stellen kann.
In diesem Reiseführer findet ihr 12 konkrete Tipps für Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten, die ihr im Park auf keinen Fall verpassen solltet. Wir stellen euch die schönsten Wasserfälle vor, erkunden einen antiken Römerweg und verraten euch, wo ihr die besten Chancen habt, wilde Pferde zu sehen. Außerdem erfahrt ihr, welche Regionen sich am besten als Unterkunftsbasis eignen und worauf ihr beim Fahren auf den engen Bergstraßen achten müsst. Der portugiesische Norden ist rauer als der Rest des Landes – aber gerade deshalb bietet er so authentische Erlebnisse.

Zusammenfassung
- Einziger Nationalpark des Landes: Peneda-Gerês liegt im Norden Portugals an der spanischen Grenze und bietet dramatische Berge, Wasserfälle und tiefe Wälder.
- Beste Reisezeit: Für Wanderungen und Sightseeing eignen sich Frühjahr und Herbst am besten, während der Sommer zum Baden in den Bergtümpeln einlädt.
- Anreise und Fahren: Ein eigenes Auto ist für die Erkundung des Parks absolut unverzichtbar – plant dabei sehr enge und kurvenreiche Straßen ein.
- Historische Dörfer: Unbedingt die Steindörfer Soajo und Lindoso besuchen, die für ihre einzigartigen Granit-Kornspeicher auf Stelzen bekannt sind.
- Natürliches Baden: Wasserfälle wie die Cascata do Arado oder die Cascata do Tahiti bieten Abkühlung – das Wasser ist aber selbst im Sommer eiskalt.
- Wildtiere: Mit etwas Glück und Geduld könnt ihr auf den Hochebenen halbwilde Garrano-Pferde oder majestätische Greifvögel beobachten.
- Kurort zur Erholung: Nach anstrengenden Wanderungen könnt ihr euch im historischen Kurort Caldas do Gerês mit seinen Heilquellen entspannen.

Beste Reisezeit für Peneda-Gerês
Wer eine Reise in den Norden Portugals plant, sollte das Wetter gut im Blick behalten. Diese Region ist deutlich feuchter und kühler als der Rest des Landes – und genau das ist der Grund für das unglaublich satte Grün der Landschaft. Die Wintermonate von November bis Februar bringen ergiebige Regenfälle, und in höheren Lagen kann es sogar schneien, sodass viele Wanderwege schlecht begehbar oder gefährlich sind.
Wer hauptsächlich wandern und Sehenswürdigkeiten erkunden möchte, ist im Frühjahr (April bis Juni) oder im frühen Herbst (September und Oktober) am besten aufgehoben. Im Frühling schmelzen die letzten Schneereste und alle Wasserfälle führen Hochwasser, während der Herbst die Eichenwälder in wunderschöne Gold- und Rottöne taucht. Die Temperaturen liegen in dieser Zeit bei angenehmen 15 bis 20 Grad – ideal für Aufstiege in die steilen Hügel.
Der Sommer von Juli bis August ist die Hauptreisesaison, in der vor allem einheimische Portugiesen den Park besuchen. In den Tälern können die Temperaturen bis auf 35 Grad klettern, was anspruchsvolle Wanderungen zu einer echten Tortur machen kann. Andererseits ist es die einzige Jahreszeit, in der auch weniger abgehärtete Besucher in die Bergseen und Tümpel steigen. Allerdings muss man sich darauf einstellen, dass es an den bekanntesten Wasserfällen und Parkplätzen ziemlich voll wird.

Unterkunft in Peneda-Gerês
💡 Unterkunfts- und Aktivitäten-Tipp: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornierungsbedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich vorher zu vergleichen und über GetYourGuide zu buchen.
Der Nationalpark ist riesig, und die Fahrten zwischen den einzelnen Teilen dauern auf den engen Straßen sehr lange. Deshalb ist es entscheidend, eine strategisch günstige Unterkunftsbasis je nach geplanten Aktivitäten zu wählen. Die meisten Besucher entscheiden sich für eine Unterkunft im südlichen Teil des Parks, der am besten erreichbar ist und das breiteste Angebot an Restaurants, Geschäften und gut ausgeschilderten Wanderwegen bietet.
Das beliebteste Zentrum ist das Kursstädtchen Caldas do Gerês, wo ihr alles Nötige findet – von Supermärkten bis zu Apotheken. Wer stilvolles Wohnen mit einem Hauch Luxus sucht, liegt mit dem historischen Adelaide Hotel direkt im Zentrum richtig, alternativ bietet das modernere Selina Gerês einen wunderschönen Blick auf den Fluss. Zimmer in dieser Gegend solltet ihr unbedingt rechtzeitig über Booking reservieren, denn im Sommer und an Wochenenden ist es oft hoffnungslos ausgebucht.
Wer absolute Ruhe und authentisches Flair bevorzugt, dem empfehle ich eine Unterkunft im nördlicheren Teil des Parks rund um das Dorf Soajo. Hier lassen sich traditionelle Steinhäuser mieten, die zu gemütlichen Pensionen umgebaut wurden – ein unvergessliches Erlebnis des ländlichen Portugals. Besonders beliebt sind zum Beispiel die Casas do Cavaleiro Eira, wo ihr in sorgfältig renovierten historischen Gebäuden mit modernem Innenausbau übernachtet.

12 Tipps, was man in Peneda-Gerês sehen und erleben kann
Der Nationalpark bietet eine riesige Bandbreite an Aktivitäten – von gemütlichen Spaziergängen bis hin zu anspruchsvollen Tagestouren. Packt festes Schuhwerk und ausreichend Wasser ein und macht euch auf die Erkundung der faszinierendsten Orte dieser wilden Landschaft.

1. Wasserfall und Naturpool Cascata do Arado
Dieser Wasserfall zählt zu den bekanntesten und meistfotografierten Orten des gesamten Parks. Das Wasser stürzt über mehrere Granit-Kaskaden in einen kristallklaren türkisfarbenen Tümpel, der im Sommer geradezu zum Baden einlädt. Der Weg dorthin führt über einen befestigten Forstweg, den ihr vom Aussichtspunkt Pedra Bela aus erreicht – das letzte Kilometer müsst ihr dann zu Fuß auf einem steinigen Pfad zurücklegen.
Den Wasserfall selbst könnt ihr von einer gesicherten Aussichtsplattform bewundern, zu der Steinstufen hinunterführen. Wer etwas Abenteuerlust mitbringt, klettert vorsichtig über die Felsen hinunter direkt zu den Tümpeln – aber die Steine sind extrem rutschig, also unbedingt aufpassen. In der Hochsaison kann es hier recht voll werden, daher lohnt es sich, früh morgens aufzubrechen und möglichst früh anzukommen.
💡 Lokaler Tipp: Beschränkt euch nicht nur auf den Hauptwasserfall. Wer auf inoffiziellen Pfaden flussaufwärts weitergeht, entdeckt weitere kleine Kaskaden und Tümpel, wo selbst in der vollen Hochsaison deutlich mehr Ruhe herrscht.

2. Unvergesslicher Ausblick vom Miradouro da Pedra Bela
Wenn ihr euch im Nationalpark nur für einen einzigen Aussichtspunkt entscheiden müsst, dann ist es dieser hier. Pedra Bela liegt auf über 800 Metern Höhe und bietet einen spektakulären Blick ins tiefe Tal des Flusses Cávado sowie auf den großen Stausee Caniçada. Es ist einer jener Orte, an dem man die gewaltige Ausdehnung und Majestät der hiesigen Natur wirklich in vollen Zügen spürt.
Der Aussichtspunkt ist sehr leicht erreichbar, denn man kann mit dem Auto fast direkt hinfahren – es gibt einen kleinen Parkplatz und ein paar Steinbänke. Die Stelle ist von riesigen Granitfelsen und alten Kiefern gesäumt, die angenehmen Schatten für eine Nachmittagspause spenden. Außerdem ist es ein beliebter Ausgangspunkt für weitere Wanderungen in die höheren Bergregionen.
Am stimmungsvollsten ist es hier beim Sonnenuntergang, wenn die umliegenden Hügel in satte Orange- und Lilatöne getaucht werden. Genauso atemberaubend können frühe Morgenstunden sein, wenn das Tal unter euch oft von dichtem weißem Nebel bedeckt ist, aus dem nur die höchsten Gipfel wie kleine Inseln in einem Wolkenmeer herausragen.

3. Das Steindorf Soajo und seine ikonischen Kornspeicher
Im nordwestlichen Teil des Parks versteckt sich das traditionelle Dorf Soajo, das vor allem für seine Architektur und die einzigartigen Granit-Kornspeicher, die sogenannten Espigueiros, bekannt ist. Diese Bauten, die kleinen steinernen Kapellen ähneln, stehen auf hohen Pfeilern, damit der eingelagerte Mais und das Getreide vor der Bodenfeuchtigkeit und hungrigen Nagern geschützt werden. In Soajo findet ihr vierundzwanzig dieser Speicher auf einem Fleck versammelt, und die ältesten stammen aus dem 18. Jahrhundert.
Das Dorf selbst ist ein Labyrinth enger gepflasterter Gässchen, in denen man noch heute ältere Bewohner in traditioneller dunkler Kleidung und frei herumlaufende Hirtenhunde antrifft. Auf dem Dorfplatz steht ein markanter steinerner Pranger (Pelourinho) mit einem eingemeiselten lächelnden Gesicht, der an die historische Eigenständigkeit dieser Gemeinschaft erinnert. Das Auto parkt man am besten am Ortsrand, denn mit einem Mietwagen in die engen Dorfgassen einzufahren ist unnötiges Risiko.
💡 Lokaler Tipp: Wenn der Hunger kommt, kehrt in einem der kleinen Dorfrestaurants ein. Auch wenn die Region vor allem für ihre Fleischgerichte bekannt ist, gibt es hier immer eine hervorragende Gemüsesuppe Caldo Verde, lokale Käsesorten und frisches, knuspriges Maisbrot namens Broa, das in traditionellen Holzöfen gebacken wird.

4. Burg und die größte Kornspeicher-Sammlung in Lindoso

Nahe der Grenze zu Spanien liegt das ebenso faszinierende Dorf Lindoso, das gemeinsam mit Soajo ein unzertrennliches Geschwisterpaar bildet. Hier findet ihr eine noch größere Ansammlung von Espigueiros – mehr als sechzig Stück drängen sich auf dem Platz unterhalb der Burg. Der Anblick der vielen steinernen Kreuze, die die Dächer dieser Speicher zieren, wirkt im Morgennebel geradezu mystisch und ein wenig geheimnisvoll.
Das Herzstück des Dorfes ist aber die mittelalterliche Burg aus dem 13. Jahrhundert, die eine Schlüsselrolle bei der Verteidigung der portugiesischen Grenzen gegen spanische Übergriffe spielte. Die Burganlage wurde sorgfältig restauriert, und ihr könnt über die Zinnen spazieren, von denen aus sich ein herrlicher Blick über das Dorf und die umliegenden grünen Hügel bietet. Der Eintritt zur Burg kostet nur einen kleinen Betrag von rund zwei Euro.
Der Spaziergang zwischen den Kornspeichern ist völlig kostenlos und jederzeit zugänglich. Schaut euch die meisterhafte Steinmetzarbeit der Schlitze in den Speicherwänden genau an – sie sind so konzipiert, dass frische Luft eindringen kann, aber Regenwasser bei heftigen Winterstürmen draußen bleibt.

5. Auf den Spuren der Legionäre: der römische Weg Geira

Der Nationalpark ist nicht nur ein Naturerlebnis, sondern auch ein Ort tiefer Geschichte. Durch das Schutzgebiet verläuft ein bedeutender Abschnitt der antiken Römerstraße Geira, die damals die wichtigen Städte Bracara Augusta (das heutige Braga) und Asturica Augusta (das heutige spanische Astorga) miteinander verband. Noch heute sind im Park kilometerlange Abschnitte des originalen Pflasters erhalten, über das einst römische Legionen und Handelszüge marschierten.
Das eigentliche Highlight dieser Strecke ist die große Anzahl erhaltener Meilensteine, sogenannter Miliários. Diese massiven Steinsäulen mit eingehauenen lateinischen Inschriften dienten nicht nur als Entfernungsanzeiger, sondern auch als Huldigung der Kaiser, die den Weg erneuern ließen. Im Gebiet Mata de Albergaria findet ihr gleich eine ganze Gruppe dieser beeindruckenden historischen Säulen an einem Ort versammelt.
Der Wanderweg entlang der Römerstraße ist recht anspruchslos, denn die alten Römer bauten ihre Straßen mit sehr sanften Steigungen. Ihr könnt einen mehrstündigen Abschnitt durch schattige Wälder zurücklegen, der euch zweitausend Jahre in der Zeit zurückversetzt. Die Strecke ist gut ausgeschildert und bietet eine perfekte Alternative zu anspruchsvollen Bergtouren – besonders an heißen Sommertagen.

6. Begegnung mit den wilden Garrano-Pferden
Eines der schönsten Erlebnisse im Park ist die Beobachtung wildlebender Tiere – und die Stars darunter sind zweifellos die halbwilden Garrano-Pferde. Diese uralte und äußerst robuste Rasse bewohnt die rauen Berge hier seit Jahrtausenden und zeichnet sich durch kleinen Wuchs, dunkelbraunes Fell und eine unglaubliche Geschicklichkeit im felsigen Gelände aus. Eine Herde dieser Pferde frei auf Bergwiesen grasen zu sehen ist wirklich ein magischer Augenblick.
Die Pferde bewegen sich völlig frei durch den Park, weshalb es keinen garantierten Ort gibt, wo ihr sie mit Sicherheit antrefft. Sehr gute Chancen habt ihr jedoch auf den weitläufigen Hochebenen rund um das Dorf Castro Laboreiro oder auf den Bergstraßen Richtung Portela do Homem. Oft kann man sie auch direkt am Straßenrand entdecken, wo sie gemächlich das Gras an den Böschungen abgrasen.
💡 Lokaler Tipp: Auch wenn die Pferde friedlich wirken und sich Menschen oft nähern, denkt daran, dass es sich um halbwilde Tiere handelt, die unberechenbar reagieren können. Füttert sie nicht, versucht nicht, sie zu streicheln, und haltet einen respektvollen Abstand – vor allem wenn Fohlen dabei sind, die die Stuten aufmerksam bewachen.

7. Heiße Quellen im Kurort Caldas do Gerês
Mitten in den tiefen Wäldern taucht unvermittelt das elegante Städtchen Caldas do Gerês auf, das wie eine Erscheinung aus einer anderen Zeit wirkt. Dieses historische Kurzentrum entstand rund um mineralreiche Thermalquellen, die schon die alten Römer kannten und nutzten. Das Wahrzeichen des Ortes ist eine lange Kolonnade und ein großes Kurhaus mit Park, wo man sich nach anstrengenden Wanderungen herrlich erholen kann.
Die hiesigen Quellen haben eine Temperatur von rund 43 Grad Celsius und sind für ihre heilenden Wirkungen auf den Verdauungstrakt und Stoffwechselprobleme bekannt. Gegen einen kleinen Obolus kann man die große Kurhalle betreten und das Heilwasser direkt aus traditionellen Zapfhähnen verkosten. Allerdings sollte man sich darauf einstellen, dass das warme Mineralwasser einen sehr speziellen Geschmack hat, der nicht jedem schmeckt.
Das Städtchen ist auch der wichtigste Touristenknotenpunkt des gesamten Parks. Hier findet ihr die größte Auswahl an Restaurants, Cafés und Souvenirläden. Es ist der ideale Ort, um Vorräte für die nächste Tour aufzufüllen, Geld am Automaten abzuheben oder bei einem ausgezeichneten Kaffee und einem traditionellen portugiesischen Pudding-Törtchen, dem Pastel de Nata, eine Pause einzulegen.

8. Stausee und versunkenes Dorf Vilarinho das Furnas
Die Geschichte dieses riesigen Stausees ist faszinierend – und gleichzeitig ein wenig traurig. Im Jahr 1971 wurde beim Bau des Staudamms das uralte Dorf Vilarinho das Furnas vollständig geflutet und seine Bewohner mussten ihre Häuser verlassen, die dort seit Jahrhunderten standen. Heute ist dieser Ort ein beliebtes Ausflugsziel für Besucher, die die weitläufige Wasserfläche inmitten steiler Hänge bewundern kommen.
Das Spannendste passiert aber während langer Trockenperioden, typischerweise am Ende eines heißen Sommers oder im frühen Herbst. Wenn der Wasserspiegel des Stausees deutlich sinkt, tauchen die Ruinen des versunkenen Dorfes aus den Fluten auf. Man sieht dann Reste von Steinmauern, alte Wege und Hausfundamente, die wie eine gespenstische Geisterstadt aus den Tiefen emporsteigen.
Die Umgebung des Stausees bietet angenehme Wanderwege mit minimalem Höhenunterschied, die ideal für Familien mit Kindern oder für Tage geeignet sind, an denen man sich von anstrengenden Anstiegen erholen möchte. Der Weg am Wasser ist teilweise von Bäumen beschattet und bietet viele wunderbare Stellen für ein Picknick im Gras.

9. Die Kaskaden Cascata do Tahiti (Fecha de Barjas)
Dieser Wasserfall mit dem etwas exotischen Spitznamen Tahiti gehört zu den schönsten, aber auch zu den gefährlichsten Orten im Nationalpark. Der offizielle Name ist Fecha de Barjas, doch alle vor Ort nennen ihn nur Tahiti. Das Wasser stürzt wild über eine Reihe von Granitstufen und riesige Felsblöcke, zwischen denen sich tiefe, kristallklare Naturbecken bilden.
Der Zugang zum Wasserfall erfordert gute körperliche Fitness und absolute Vorsicht. Vom kleinen Parkplatz an der Straße führt ein steiler und staubiger Pfad hinunter zum Fluss, und in manchen Abschnitten müsst ihr euch an Holzgeländern und Baumwurzeln festhalten. Kommt hier auf keinen Fall in Flip-Flops – feste Turnschuhe oder Wanderstiefel sind absolut Pflicht.
Trotz des anspruchsvollen Geländes ist es im Sommer ein enorm beliebter Badeort, denn die unteren Tümpel sind tief genug und bieten fantastische Abkühlung. Das Wasser ist allerdings eiskalt und die Felsen unter der Oberfläche können tückisch rutschig sein. Organisierte Ausflüge aus Porto machen häufig hier Halt, und solche Touren lassen sich bequem im Voraus über Plattformen wie GetYourGuide buchen.

10. Das monumentale Santuário de Nossa Senhora da Peneda
Im nördlichsten Zipfel des Parks, versteckt in einem tiefen Tal unterhalb einer gewaltigen Felswand, liegt die Wallfahrtsstätte Nossa Senhora da Peneda. Dieses wunderschöne Heiligtum beeindruckt sofort durch seine monumentale barocke Treppenanlage, die von kleinen Kapellen des Kreuzweges gesäumt wird. Der gesamte Komplex erinnert stark an das bekanntere Heiligtum Bom Jesus in Braga – dank seiner abgelegenen Lage in den Bergen hat er jedoch eine noch geheimnisvollere Atmosphäre.
Die Geschichte dieses Ortes reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, als sich hier der Legende nach die Jungfrau Maria erschienen sein soll. Die heutige Form der Kirche stammt überwiegend aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Wer sich die gesamte Treppenanlage bis ganz nach oben erklimmt, wird nicht nur mit einer Besichtigung des reich verzierten Innenraums belohnt, sondern vor allem mit einem atemberaubenden Blick zurück ins grüne Tal und auf das kleine Dorf zu seinen Füßen.
Am lebendigsten ist es hier in der ersten Septemberwoche, wenn eine große Wallfahrt (Romaria) stattfindet. In das abgelegene Tal strömen dann Tausende von Pilgern aus ganz Portugal und dem benachbarten Spanien, und der sonst so stille Ort verwandelt sich in ein riesiges Fest voller Musik, Lichter und traditioneller Feierlichkeiten.

11. Der geschützte Urwald Mata de Albergaria
Dieser tiefe Eichenwald stellt den biologisch wertvollsten und am strengsten geschützten Teil des gesamten Nationalparks dar. Es handelt sich um ein seltenes Relikt der ursprünglichen europäischen Urwälder, in dem die Stämme von dicken Moos- und Flechtenschichten bedeckt sind, was dem Ort ein märchenhaftes und leicht geheimnisvolles Aussehen verleiht. Genau hier führt auch der besterhaltene Abschnitt der bereits erwähnten Römerstraße Geira entlang.
Der Naturschutz wird hier sehr ernst genommen und es gelten strenge Regeln. In den Sommermonaten wird die Durchfahrt mit dem Auto durch den Wald mautpflichtig (ca. 2 €) und es herrscht absolutes Halteverbot. Es ist nicht erlaubt, mit dem Auto irgendwo zu parken – wer den Wald zu Fuß erkunden möchte, muss sein Fahrzeug auf den ausgewiesenen Parkplätzen vor der Grenze dieser streng geschützten Zone abstellen.
Ein Spaziergang durch diesen Wald ist Balsam für die Seele. Dank des dichten Blätterdachs herrscht hier angenehme Kühle selbst in der größten Sommerhitze, die Luft duftet nach feuchtem Holz und das Einzige, was ihr hört, ist der Vogelgesang und das Rauschen des nahen Flusses Homem. Es ist der ideale Ort für stille Besinnung und Auszeit von der Zivilisation.

12. Entspannung und Wassersport am Stausee Caniçada
Wer nach all den Bergwanderungen und Dorferkundungen ein wenig Erholung braucht, ist am Stausee Caniçada am südlichen Parkrand genau richtig. Diese riesige Wasserfläche bildet die natürliche Grenze des Schutzgebietes, und an ihren Ufern gibt es mehrere gepflegte Flussbadestellen, an denen man einen faulen Nachmittag mit einem guten Buch verbringen kann.
Anders als die Bergwasserfälle ist das Wasser im Stausee im Sommer angenehm warm und ruhig, perfekt zum Schwimmen und auch für Familien mit kleinen Kindern. Außerdem gibt es Verleihstationen, wo ihr Paddleboards, Kanus oder Tretboote ausleihen und die versteckten Buchten und bewaldeten Ufer aus einer ganz anderen Perspektive erkunden könnt.
💡 Lokaler Tipp: Für einen romantischen Tagesabschluss reserviert eine Abend-Rundfahrt auf einem kleinen Ausflugsboot. Wenn die Sonne hinter den umliegenden Hügeln versinkt und die Seeoberfläche golden glänzt, versteht ihr sofort, warum diese Region als eine der schönsten Ecken der gesamten Iberischen Halbinsel gilt.

Wohin weiter von Peneda-Gerês
Nordportugal hat noch viele weitere faszinierende Orte zu bieten, die man auf einer Reise unbedingt mitnehmen sollte. Vom Nationalpark aus bieten sich gleich mehrere naheliegende Richtungen an, um die Reise fortzusetzen.
- Wer das Stadtleben vermisst, fährt nach Porto – etwa eineinhalb Stunden mit dem Auto entfernt. Lest unsere Tipps, was man in Porto sehen sollte, und erfahrt alles über die berühmte Ponte Luís I. und Portweindegustationen.
- Direkt am Rande des Parks liegt das historische Braga, das auch als das portugiesische Rom bezeichnet wird. Schaut in den Reiseführer Braga Portugal, um mehr über die eindrucksvolle Treppenanlage Bom Jesus zu erfahren.
- Wer weitere Hügel und fantastische Weine entdecken möchte, fährt Richtung Osten. Gleich in der Nähe beginnt das berühmte Douro-Tal, wo Weinreben auf Terrassenfeldern direkt am Flussufer wachsen.
- Interessiert euch die Universitätsatmosphäre und Geschichte Mittelportugals? Dann plant einen Stopp in Coimbra Portugal ein, das sich einer der ältesten Universitäten Europas rühmt.
Häufig gestellte Fragen
Brauche ich für den Besuch des Parks einen Mietwagen?
Ja, ein eigenes Auto ist hier absolut unverzichtbar. Die öffentlichen Verkehrsmittel zum Nationalpark sind sehr begrenzt und bringen euch höchstens bis ins Kurzentrum Caldas do Gerês. Zwischen den einzelnen Aussichtspunkten, Wasserfällen und Dörfern fahren keine Busse mehr, sodass ihr ohne Auto nur einen Bruchteil des Parks sehen würdet.
Wie sind die Straßen innerhalb des Nationalparks beschaffen?
Stellt euch darauf ein, dass die Bergstraßen oft sehr schmal sind, voller scharfer Kurven und steiler Anstiege. Die Asphaltqualität ist meistens gut, aber in einigen Dörfern trifft man auf altes rutschiges Kopfsteinpflaster. Beim Fahren ist höchste Vorsicht geboten, denn hinter jeder Kurve können euch Kühe, Wildpferde oder ein entgegenkommender Wohnwagen begegnen.
Kostet der Nationalpark Peneda-Gerês Eintritt?
Nein, der Eintritt in den Nationalpark ist völlig kostenlos. Eine Ausnahme bildet nur die Durchfahrt durch den streng geschützten Urwald Mata de Albergaria während der Sommermonate, wo an der Einfahrtsschranke eine kleine Umweltgebühr pro Auto erhoben wird (etwa 2 Euro). Kostenlos sind auch alle Wanderwege und Zugänge zu den Wasserfällen.
Wie viele Tage sollte ich für die Erkundung des Parks einplanen?
Damit euer Besuch nicht zu einem einzigen großen Stress am Steuer wird, empfehle ich mindestens zwei bis drei volle Tage für den Park einzuplanen. An einem Tag schafft ihr nur einen Teil der südlichen Route rund um Caldas do Gerês und könnt ein oder zwei Wasserfälle besichtigen. Für die Entdeckung der abgelegeneren nördlichen Dörfer wie Soajo braucht ihr einen weiteren Tag extra.
Ist das Wasser in den Wasserfällen zum Baden geeignet?
Das Baden in den natürlichen Becken unter den Wasserfällen ist erlaubt, erfolgt aber auf eigene Gefahr. Das Wasser ist selbst im heißesten Sommer extrem kalt, was einen Temperaturschock verursachen kann. Gefährlich sind auch die sehr rutschigen Steine am Ufer und unter der Wasseroberfläche, deshalb solltet ihr niemals versuchen, aus der Höhe ins Wasser zu springen.
Leben im Park gefährliche Wildtiere?
In den abgelegeneren Teilen der Berge leben Iberische Wölfe und Luchse, aber die Wahrscheinlichkeit, dass ihr auf sie trefft, ist verschwindend gering. Diese Tiere sind extrem scheu und meiden Menschen weiträumig. Häufig begegnet ihr aber halbwilden Pferden und Kuhherden mit langen Hörnern, denen ihr mit Respekt begegnen und die ihr nicht unnötig aufscheuchen solltet.
Was sollte ich für Wanderungen im Park einpacken?
Das Wetter in den Bergen kann sich sehr schnell ändern. Auch wenn es im Tal heiß ist, packt immer eine leichte Regenjacke und ausreichend Wasser in den Rucksack, denn die Quellen entlang der Wege können im Sommer versiegen. Absolut unverzichtbar sind gute Wanderschuhe mit fester Sohle, denn die Granitsteine und Abhänge zu den Wasserfällen sind extrem rutschig.
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