Der grüne Nordwesten Spaniens täuscht auf den ersten Blick – und überrascht viele Reisende damit, dass er so gar nichts mit dem Rest des Landes gemein hat. Statt ausgedörrter Ebenen und brennender Sonne empfängt dich hier eine Landschaft, die eher an Irland oder das schroffe Schottland erinnert: Nebel steigt träge aus Eukalyptuswäldern auf, und in den lokalen Tavernen erklingen Dudelsäcke. Galicien funktioniert wie eine eigene Welt mit eigenen Regeln, tiefen keltischen Wurzeln und einer Sprache, die dem Portugiesischen viel näher ist als dem klassischen Kastilisch. Für Millionen Menschen aus aller Welt ist diese Region aber vor allem eines: das ersehnte Ziel. Denn hier endet einer der berühmtesten Pilgerwege der Erde – und genau hier liegt Santiago de Compostela Spanien, eine Stadt, die sich tief ins Gedächtnis einbrennt.
Egal ob du hunderte Kilometer mit dem Rucksack auf dem Rücken hinter dir hast oder bequem mit dem Zug im Rahmen einer Nordspanien-Rundreise ankommst – Santiago de Compostela nimmt dich sofort gefangen. Rund um das monumentale Gotteshaus ist ein historisches Zentrum aus Granitarkaden, engen Gassen und alten Klöstern gewachsen, das seinen mittelalterlichen Charakter bis heute bewahrt hat. Selbst im Regen, der in dieser Region absolut zum Alltag gehört, wirkt die Stadt geradezu magisch: Der nasse Stein glänzt wunderschön im Licht der Straßenlaternen und verleiht dem ganzen Ort eine romantische Note.
Lass uns gemeinsam schauen, was du in dieser faszinierenden Stadt auf keinen Fall verpassen solltest. Ich habe für dich einen ausführlichen Reiseführer zusammengestellt, der dich von der berühmten Kathedrale über lebhafte Märkte bis hin zu Ausflügen ans Ende der Welt führt. Du erfährst außerdem, wann die beste Reisezeit ist – und warum du mit der Planung deiner Reise nicht zu lange warten solltest.

Zusammenfassung
- Wichtigstes Highlight: Die Kathedrale des heiligen Jakobus ist der absolute Mittelpunkt der Stadt – unter ihrem Hochaltar sollen die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren ruhen.
- Beste Reisezeit: Am besten reist du 2026 zwischen Mai und Oktober – denn 2027 ist ein sogenanntes Heiliges Jahr, in dem die Stadt aus allen Nähten platzt.
- Altstadt: Die gesamte Altstadt ist UNESCO-Welterbe und besteht aus malerischen Granitgassen voller Cafés, Tapas-Bars und Straßenmusikanten.
- Kulinarische Highlights: Die Stadt ist berühmt für ihre Märkte (Mercado de Abastos) und die galicische Küche – zu der das mineralische Weißwein Albariño einfach dazugehört.
- Praktischer Tipp: Beschränke dich nicht nur auf die Stadt und plane mindestens einen Tag für einen Ausflug zum Atlantik – zum Kap Finisterre, dem sogenannten Ende der Welt.
Wann solltest du nach Santiago de Compostela reisen?
Das Klima im Nordwesten Spaniens wird kompromisslos vom kühlen Atlantik bestimmt – du musst also damit rechnen, dass das Wetter hier deutlich unbeständiger ist als im Süden des Landes. Der Winter ist zwar temperaturtechnisch relativ mild, dafür aber extrem regenreich und ungemütlich, was für Sightseeing-Touren alles andere als ideal ist. Das einzige verlässlich trockene und angenehm warme Zeitfenster für einen Besuch in Galicien öffnet sich ungefähr von Mai bis Ende Oktober.
Wenn du neben der Stadt auch die Küste erkunden und dich vielleicht sogar im Atlantik – der selbst im Hochsommer herrlich erfrischend bleibt – abkühlen möchtest, wähle die Monate Juni bis September. Allerdings solltest du dich darauf einstellen, dass die Stadt im August ihren absoluten Touristenansturm erlebt. Unterkünfte sind dann lange im Voraus ausgebucht und die Preise steigen entsprechend, weshalb eine frühzeitige Buchung in dieser Zeit ein Muss ist.
Bei der Reiseplanung spielt ein ganz besonderes Phänomen eine entscheidende Rolle: 2027 ist ein sogenanntes Heiliges Jahr (Ano Xacobeo), das immer dann eintritt, wenn der Festtag des heiligen Jakobus auf einen Sonntag fällt. In Heiligen Jahren steigt die Zahl der Pilger erfahrungsgemäß um fünfzig bis achtzig Prozent an, die Heilige Pforte der Kathedrale wird geöffnet, und die Stadt erlebt regelrechtes Massentourismus-Chaos. Das Jahr 2026 bietet sich daher als ideales Fenster für einen ruhigeren Besuch an – kurz bevor die extremen Massen des Jubiläumsjahres einsetzen.
Wo übernachten in Santiago de Compostela?
💡 Unterkunfts- und Aktivitäten-Tipp: Unterkünfte buchen wir am liebsten über Booking.com, wo es in der Regel die besten Stornierungsbedingungen gibt. Eintrittskarten, Touren und Aktivitäten lohnt es sich über GetYourGuide zu vergleichen.
Die Wahl der richtigen Unterkunftslage kann deinen Aufenthalt erheblich angenehmer machen – die Stadt ist zwar kompakt, aber dafür ziemlich hügelig. Die beliebteste Wahl ist natürlich die Altstadt selbst (Casco Histórico), wo du alle wichtigen Sehenswürdigkeiten, Tapas-Bars und engen romantischen Gassen buchstäblich vor der Tür hast. Bedenke aber, dass Unterkünfte direkt im Zentrum teurer sind und frühmorgendliche Lieferfahrzeuge oder nächtliche Pilgerfreude gelegentlich etwas lauter sein können.
Wer es ruhiger und oft auch günstiger mag, sollte sich nach Unterkünften rund um den Alameda-Park oder in Richtung Bahnhof umsehen. Von dort erreichst du die Kathedrale zu Fuß in zehn bis fünfzehn Minuten, vermeidest die größten Menschenmassen und hast es deutlich einfacher, wenn du mit einem Mietwagen unterwegs bist. Für die Unterkunftssuche hat sich bei uns Booking.com bewährt, wo du alles von einfachen Pensionen bis hin zu luxuriösen Boutiquehotels findest.
- Luxuriöses Erlebnis: Wer etwas wirklich Außergewöhnliches erleben möchte und das Budget keine Rolle spielt, sollte im historischen Parador de Santiago (Hostal dos Reis Católicos) direkt am Hauptplatz übernachten – eines der ältesten und schönsten Hotels der Welt.
- Gutes Preis-Leistungs-Verhältnis: Ein hervorragendes Verhältnis bietet das Hotel Compostela, das in einem schönen historischen Gebäude nur wenige Gehminuten von der Kathedrale liegt und optimalen Komfort bietet.
- Für Atmosphäre-Liebhaber: Sehr beliebt ist auch das Boutiquehotel San Francisco Hotel Monumento, das sich in einem sorgfältig restaurierten Franziskanerkloster aus dem 18. Jahrhundert befindet und ein unvergleichliches Flair bietet.
14 Sehenswürdigkeiten und Tipps für Santiago de Compostela
Die Stadt hat weit mehr zu bieten als nur eine berühmte Kathedrale – auch wenn diese natürlich die Hauptrolle spielt. Plane für die Erkundung der Stadt selbst idealerweise zwei volle Tage ein, damit du genug Zeit hast, nicht nur die Sehenswürdigkeiten abzuhaken, sondern auch in Ruhe in Cafés zu sitzen und die lokale Atmosphäre aufzusaugen.
1. Praza do Obradoiro

Alle Wege in Galicien führen auf diesen weitläufigen Platz, der das architektonische und emotionale Herz der ganzen Stadt bildet. Genau hierher, direkt vor die monumentale Barockfassade der Kathedrale, kommen täglich hunderte erschöpfte Pilger, die staubige Schuhe tragen, sich auf Wanderstöcke stützen und von denen viele ihre Tränen nicht verbergen.
Es ist ein ungemein bewegendes Erlebnis, sich einfach an den Rand des Platzes zu setzen und Menschen zu beobachten, die gerade ihren hunderte Kilometer langen Pilgerweg abgeschlossen haben. Der Platz ist auf allen vier Seiten von bedeutenden historischen Gebäuden umrahmt, die vier Säulen der Macht repräsentieren: Religion (die Kathedrale), Monarchie (der Parador), Bildung (das Kolleg San Jerónimo) und Stadtregierung (der Palast Rajoy, heute Rathaus).
💡 Insider-Tipp: Das beste Licht für Fotos der Kathedralenfassade gibt es am späten Nachmittag, wenn die Abendsonne den Granitstein in warme Goldtöne taucht.
2. Kathedrale von Santiago de Compostela und das Grab des Apostels

Die Kathedrale selbst ist ein überwältigendes Architekturwerk, dessen Kern eine majestätische romanische Basilika bildet, die im Laufe der Jahrhunderte schrittweise mit gotischen und barocken Elementen umhüllt wurde. Der Überlieferung zufolge birgt die Krypta unter dem Hochaltar die Gebeine des Apostels Jakobus des Älteren, was diesen Ort bereits im Mittelalter zu einem der drei wichtigsten Pilgerziele der Christenheit neben Rom und Jerusalem gemacht hat.
Beim Besuch des Innenraums solltest du dir das wunderbare Pórtico de la Gloria (Vorhalle der Herrlichkeit) nicht entgehen lassen – ein Meisterwerk romanischer Bildhauerei von Meister Mateo, für das du aber vorab ein gesondertes Ticket mit festem Eintrittszeitfenster kaufen musst. Ein traditionelles Ritual aller Besucher war früher die Umarmung der Jakobusstatue am Hochaltar, obwohl sich die Regeln dafür in den letzten Jahren aus Sicherheits- und Hygienegründen häufig geändert haben.
Der Eintritt in das Kirchenschiff selbst ist vollkommen kostenlos und die Kathedrale ist von früh bis abends geöffnet – für Museum, Krypta oder eine Führung über die Dächer der Kathedrale ist hingegen ein Eintritt fällig, und eine Reservierung ist empfehlenswert.
3. Das riesige Weihrauchfass Botafumeiro

Eine der ikonischsten und meistfotografierten Attraktionen der gesamten Kathedrale ist zweifellos das Botafumeiro – ein riesiges silbernes Weihrauchfass, das an einem starken Seil direkt von der Hauptkuppel hängt. Dieses faszinierende Objekt wiegt über fünfzig Kilogramm und ist stolze eineinhalb Meter hoch. Ursprünglich diente es im Mittelalter dazu, den Geruch der hunderten ungekämmten Pilger zu überdecken, die in der Kathedrale übernachteten.
Um das Weihrauchfass in Schwung zu bringen, braucht es acht kräftige Männer, die sogenannten Tiraboleiros, die es auf eine Geschwindigkeit von bis zu 68 Stundenkilometern aufschaukeln – dabei fliegt es fast bis unter das Gewölbe des Querschiffs. Es ist ein absolut atemraubendes Spektakel, bei dem der Duft von Weihrauch durch den Raum zieht und das Seil pfeift.
💡 Insider-Tipp: Das Botafumeiro in Aktion zu sehen erfordert etwas Glück, denn es schwingt nicht bei jeder Messe, sondern zuverlässig an wichtigen kirchlichen Feiertagen – oder wenn eine großzügige Pilgergruppe den Einsatz im Voraus bezahlt (was mehrere hundert Euro kostet).
4. Durch die Altstadt schlendern (Casco Histórico)
Sobald du die Kathedrale verlässt, tauche ein in das Gewirr enger Gassen der Altstadt, die als Gesamtheit zu Recht auf der UNESCO-Welterbeliste steht. Die wichtigsten Adern sind die Rúa do Franco und die Rúa do Vilar, gesäumt von massiven Granitarkaden, die früher Händler vor dem allgegenwärtigen Regen schützten.
Während die Rúa do Franco heute vor allem als gastronomische Hauptstraße voller Tapas-Bars und Restaurants bekannt ist, findest du in der Rúa do Vilar eher elegante Läden, Silberschmieden und schöne historische Stadtpalais. Achte auf Details an den Fassaden, auf Wasserspeier in Tiergestalt und auf kleine Plätze, die sich scheinbar aus dem Nichts hinter jeder zweiten Ecke auftun.
Die gesamte Altstadt ist konsequent für den Autoverkehr gesperrt, sodass du hier stundenlang ungestört schlendern, die Atmosphäre aufsaugen und Straßenmusikanten zuhören kannst, die oft auf traditionellen galicischen Dudelsäcken (Gaitas) spielen.
5. Mercado de Abastos
Wer den echten Puls der Stadt spüren und sehen möchte, wie die Einheimischen leben, muss unbedingt den Hauptmarkt Mercado de Abastos aufsuchen. Er ist die meistbesuchte Attraktion der Stadt nach der Kathedrale und befindet sich in schönen steinernen Hallen, die nach frischen Kräutern, Käse und Blumen duften.
Am lebhaftesten ist es hier traditionell am Samstagvormittag, wenn die Stände unter einer riesigen Vielfalt aus Tetilla-Käse (einem charakteristischen Weichkäse in Brustform), frischem Gemüse, handgemachtem Brot und einer überwältigenden Menge Meeresfrüchte biegen. Der Markt ist in mehrere Hallen nach Warenarten unterteilt, und die Atmosphäre ist unglaublich lebendig, laut und durch und durch authentisch.
💡 Insider-Tipp: Direkt auf dem Marktgelände gibt es einen kleinen Betrieb namens Mariscomanía, bei dem du die frisch gekauften Zutaten aus den Ständen vorbeibringen kannst und sie dir gegen eine kleine Gebühr vor Ort professionell zubereiten und servieren lassen kannst.
6. Parador Hostal dos Reis Católicos

Direkt auf dem Hauptplatz gegenüber der Kathedrale steht ein prächtiges Gebäude, das sich rühmt, das älteste noch in Betrieb befindliche Hotel der Welt zu sein. Ursprünglich ließen es die Katholischen Könige Ende des 15. Jahrhunderts (Königin Isabella und König Ferdinand) als luxuriöses königliches Hospiz errichten, das erschöpften Pilgern Unterkunft, Pflege und medizinische Versorgung bieten sollte.
Heute fungiert das prächtige Bauwerk als Fünf-Sterne-Hotel der Parador-Kette, doch sein historischer Wert ist vollständig erhalten geblieben. Das Gebäude birgt vier wunderschöne Innenhöfe (Patios), geschmückte Kreuzgänge und reich verzierte Steindetails im Renaissance- und Platereske-Stil.
Auch wenn du hier nicht übernachtest: Du kannst eine kommentierte Führung durch das Innere buchen oder zumindest einen Kaffee oder ein Glas Wein im Hotelcafé genießen, um ein wenig dieser erhabenen historischen Atmosphäre aufzusaugen.
7. Das süße Highlight: Tarta de Santiago
Beim Schlendern durch die Stadt stößt du an jeder Ecke auf Konditoreien, in deren Schaufenstern runde Kuchen mit Puderzucker und dem markanten Umriss eines Jakobskreuzes in der Mitte ausgestellt sind. Es handelt sich um die berühmte Tarta de Santiago, einen Mandelkuchen, der zur absoluten Ikone der lokalen Konditoreikunst geworden ist – ideal für alle Vegetarier und Naschkatzen.
Dieser traditionelle Nachtisch wird ausschließlich aus gemahlenen Mandeln, Eiern und Zucker gebacken, enthält überhaupt kein Mehl (ist also von Natur aus glutenfrei) und wird oft leicht mit Zitronenschale oder einem Schuss Süßwein aromatisiert. Er hat eine dichte, saftige Textur und schmeckt absolut himmlisch zu einem guten Espresso oder nachmittäglichen Tee.
💡 Insider-Tipp: Kaufe den Kuchen nicht im Supermarkt oder in Souvenireshops, sondern gehe in die traditionellen Klosterbäckereien, in denen ihn Ordensschwestern noch heute nach jahrhundertealten Geheimrezepten backen.
8. Galicische Küche entdecken
Galicien ist in ganz Spanien für seine besondere und sehr reichhaltige Küche bekannt, die sich deutlich von dem unterscheidet, was man aus dem Süden oder Osten des Landes kennt. Die Königin der lokalen Speisekarten ist ohne Zweifel galicischer Oktopus (Pulpo a la Gallega), der in großen Kupfertöpfen gegart wird, bis er perfekt zart ist, und anschließend auf einem Holzbrett mit Olivenöl, grobem Salz und geräuchertem Paprika serviert wird.
Eine weitere große lokale Besonderheit sind Percebes (Entenmuscheln), kleine Krebstiere, die an scharfen, von Wellen gepeitschten Klippen wachsen. Ihre Ernte ist extrem gefährlich, was sich logischerweise im hohen Preis niederschlägt – die Einheimischen betrachten sie als größte Delikatesse mit dem Geschmack des puren Meeres. Auch Empanadas begegnen dir überall: Das sind herzhafte gefüllte Teigpasteten, die je nach Füllung Thunfisch, Fleisch oder Gemüse enthalten können.
Wer es fleischlos bevorzugt, sollte unbedingt Pimientos de Padrón probieren – kleine grüne Paprikaschoten, die in Olivenöl gebraten und mit grobem Salz bestreut werden. Sie machen absolut süchtig, und es gilt das bekannte Sprichwort: „Manche sind scharf, manche nicht“ – was den Verzehr zu einem kleinen gastronomischen Glücksspiel macht. Mehr über die Vielfalt der lokalen Gerichte erfährst du in unserem Artikel über typisch spanisches Essen.
9. Albariño – der mineralische Weißwein Galiciens
Zu außergewöhnlichem Essen gehört natürlich auch außergewöhnlicher Wein – und in dieser Hinsicht hat der Nordwesten Spaniens definitiv einiges zu bieten. Galicien ist die Heimat der berühmten Albariño-Rebe, aus der ein fantastischer, frischer und hocharomatischer Weißwein mit feinen Pfirsich-, Apfel- und Zitrusnoten gekeltert wird.
Der feuchte und kühlere atlantische Einfluss verleiht diesem Wein eine perfekte Säure, die ihn ideal zu lokalen Tapas und Meeresfrüchten macht. Die Weinreben werden häufig auf speziellen Pergeln gezogen, damit die Trauben vor übermäßiger Bodenfeuchtigkeit geschützt sind und besser belüftet werden.
Fast jede Bar in der Rúa do Franco serviert dir gerne ein Glas dieses lokalen Schatzes. Wenn dich die Weinwelt tiefer interessiert, frag in den Bars auch nach Weinen aus den Gebieten Ribeiro oder Mencía – das sind weitere interessante lokale Appellationen, die unbedingt einen Versuch wert sind.
10. Kloster San Martiño Pinario

Direkt gegenüber der Nordfassade der Kathedrale erstreckt sich ein weiterer architektonischer Gigant, den du auf keinen Fall verpassen solltest. Das Benediktinerkloster San Martiño Pinario ist das zweitgrößte kirchliche Bauwerk ganz Spaniens (nach dem Palast El Escorial bei Madrid), und seine Ausmaße sind schlichtweg beeindruckend.
Die Fassade der Klosterkirche ist ein schönes Beispiel des galicischen Barocks, doch die eigentliche Überraschung wartet im Inneren. Der unglaublich reich verzierte Hauptaltar und die prächtigen Chorgestühle aus Nussholz sind ein Meisterwerk der Schnitzkunst des 17. Jahrhunderts und rauben einem buchstäblich den Atem.
💡 Insider-Tipp: Ein Teil dieses gewaltigen Komplexes dient heute als Seminar und Universitätskolleg, aber die Kirche und das Museum sind gegen einen sehr moderaten Eintritt öffentlich zugänglich – es lohnt sich absolut.
11. Alameda-Park und Aussicht auf die Stadt

Wenn du vom Stein der Gassen und dem Trubel des Zentrums eine Pause brauchst, begib dich in südwestlicher Richtung in den Alameda-Park. Dieser weitläufige und gepflegte Grünraum stammt aus dem 19. Jahrhundert und wird von den Einheimischen für ihren sonntäglichen Spaziergang im Schatten ausgewachsener Eichen, Kastanien und riesiger Eukalyptusbäume geliebt.
Gerade von diesem Park aus – konkret von der Promenade Paseo da Ferradura – eröffnet sich der schönste und ikonischste Blick auf die Türme der Kathedrale, den du von allen Postkarten kennst. Besonders in der Abenddämmerung, wenn die Stadt sich zu erhellen beginnt, ist es ein ungemein romantischer Ort.
Am Haupteingang des Parks solltest du unbedingt die farbenfrohe Skulptur Las Dos Marías (Die zwei Marien) grüßen. Sie ist ein Denkmal für zwei echte Schwestern aus der Stadt, die Mitte des 20. Jahrhunderts zu Stadtlegenden wurden: Jeden Tag um 14 Uhr zogen sie sich auffällig an, schminkten sich kräftig und gingen in den Park, um mit Studenten zu flirten – eine stille, aber beständige Auflehnung gegen das damals strenge Regime.
12. Museo das Peregrinacións (Pilgermuseum)

Um die enorme Bedeutung und Geschichte des Phänomens Camino de Santiago wirklich zu verstehen, empfehle ich dir einen Besuch im Pilgermuseum, das in einem modern renovierten Gebäude unweit der Kathedrale untergebracht ist. Die Ausstellung führt dich durch die Geschichte des Pilgerwesens vom Mittelalter bis in die Gegenwart.
Du erfährst viele interessante Dinge darüber, wie sich die Motive der Menschen verändert haben, welche Strapazen sie in früheren Zeiten auf sich nehmen mussten und wie die Existenz der Pilgerroute die Architektur, Kultur und Wirtschaft ganz Europas geprägt hat. Du siehst historische Karten, alte Pilgerabzeichen aus aller Welt und faszinierende Kunstwerke rund um den Jakobuskult.
Vom obersten Stockwerk des Museums, wo sich große Glasfenster befinden, eröffnet sich zudem ein ganz ungewöhnlicher Nahblick auf den Uhrturm (Torre de la Berenguela) und einen Teil der Dächer der Kathedrale.
13. Ausflug zum Kap Finisterre (Ende der Welt)
Den Besuch dieser Region nur auf die Stadt Santiago zu beschränken wäre ein großes Versäumnis – plane daher unbedingt einen Tag für einen Ausflug zur Küste ein. Dein Ziel sollte das ikonische Kap Finisterre sein, dessen Name vom lateinischen Finis Terrae stammt, was wörtlich übersetzt „Ende der Welt“ bedeutet.
Für viele Pilger endet die Reise nicht an der Kathedrale, sondern sie wandern noch weitere drei bis vier Tage zu Fuß hierher, um auf die unendlichen Weiten des Atlantiks zu blicken. Früher gab es hier die Tradition, dass Pilger auf den Klippen ihre abgetragenen Schuhe und Kleider verbrannten – als Symbol der Läuterung und des Neubeginns, obwohl das heute aus ökologischen und Sicherheitsgründen streng verboten ist.
Wer kein Mietauto hat, kein Problem: Von der Stadt aus werden täglich zahlreiche organisierte Bustagestouren angeboten, die dich nicht nur zum Leuchtturm auf den Klippen bringen, sondern auch die wunderschöne Küste der Rías Baixas und malerische Fischerdörfer unterwegs zeigen. Diese Tagesausflüge lassen sich einfach über GetYourGuide buchen.
14. Souvenirs und Silberschmuck kaufen
Am Ende deines Aufenthalts möchtest du sicher eine greifbare Erinnerung mitnehmen. Die traditionellen Souvenireshops rund um die Kathedrale bieten eine riesige Auswahl, aber wer etwas wirklich Typisches und Wertvolles sucht, sollte sich auf traditionelles galicisches Kunsthandwerk konzentrieren.
Die hiesigen Handwerker sind seit Jahrhunderten Meister in der Verarbeitung von Silber und dem charakteristischen schwarzen Stein Azabache (Gagat), einer seltenen Form versteinertem Holzes. Das beliebteste Motiv ist natürlich die Jakobsmuschel (die Kammuschel), die du als kleine Ohrringe, Anhänger oder elegante Armbänder erwerben kannst.
💡 Insider-Tipp: Wer etwas für Feinschmecker mitbringen möchte: Eine tolle Wahl ist hochwertiger Dosithunfisch, Tetilla-Käse oder eine Flasche des lokalen Likörs Orujo, der aus den Resten gepresster Weintrauben hergestellt und oft mit Kräutern oder Kaffeebohnen verfeinert wird.
Wie geht’s weiter nach Galicien?
Wer das Glück hat, mehr Zeit mitzubringen, findet im Norden und in der Mitte Spaniens schier endlose Möglichkeiten zum Weiterentdecken. Du kannst dir ein Auto mieten und entlang der wilden Atlantikküste ostwärts ins Baskenland fahren. Halte in Bilbao an, wo dich das berühmte Guggenheim-Museum begeistern wird, und reise dann weiter ins elegante Seebad San Sebastián, das als absolute kulinarische Spitze ganz Europas gilt.
Wer eher das Landesinnere und das Großstadtflair reizt, steigt in einen Schnellzug, der dich in wenigen Stunden bequem nach Madrid bringt. Von dort geht es ganz einfach weiter an die Ostküste in das pulsierende Barcelona – oder du entdeckst weitere traumhafte Ziele wie das sonnige Valencia. Die Möglichkeiten in Spanien sind schlicht und ergreifend unerschöpflich.
Häufig gestellte Fragen
Wie erhält man die Bestätigung für die absolvierte Pilgerreise (Compostela)?
Um das offizielle lateinische Zertifikat zu erhalten, müsst ihr zu Fuß nach Santiago laufen und nachweisen, dass ihr mindestens die letzten 100 Kilometer gelaufen seid (oder 200 Kilometer mit dem Fahrrad oder Pferd zurückgelegt habt). Als Nachweis dient der Pilgerausweis (credencial), in dem ihr auf den letzten 100 Kilometern mindestens zwei Stempel pro Tag benötigt, die ihr in Herbergen, Kirchen oder Cafés entlang des Weges bekommt.
Wie viele Tage sollte man für die Besichtigung der Stadt einplanen?
Für die Stadt Santiago de Compostela selbst und ihr historisches Zentrum reichen zwei volle Tage bequem aus. Wenn ihr aber die entspannte Atmosphäre ohne Eile genießen, Museen besuchen und einen Tagesausflug zum Meer ans Kap Finisterre unternehmen möchtet, empfehle ich euch, mindestens drei bis vier Tage einzuplanen.
Ist Galicien ein teures Reiseziel im Vergleich zum Rest Spaniens?
Im Gegenteil, Galicien gehört zu den preiswerteren Regionen Westeuropas, vor allem dank der hervorragenden Infrastruktur für Pilger. Während ein typischer Budgetreisender im Süden normalerweise um die 80 Euro pro Tag ausgibt, kann ein sparsamer Pilger im Norden die täglichen Kosten sogar unter 50 Euro drücken, wenn er die günstigen Tagesmenüs (menú del día) in den örtlichen Tavernen nutzt.
Kann man in Spanien bedenkenlos Leitungswasser trinken?
Ja, Leitungswasser ist im gesamten Norden und Nordwesten Spaniens absolut sicher, trinkbar und oft sehr schmackhaft. Restaurants sind zudem seit 2022 gesetzlich verpflichtet, euch zum Essen eine Karaffe Leitungswasser völlig kostenlos anzubieten – ihr müsst nur nach „agua del grifo“ fragen.
Brauche ich ein Auto, um in der Region zu reisen?
Wenn ihr nur in der Stadt bleiben oder mit dem Hochgeschwindigkeitszug in große Städte wie A Coruña fahren wollt, braucht ihr kein Auto. Wenn ihr aber versteckte Buchten in den Rías Baixas, abgelegene Leuchttürme und verschlafene Fischerdörfer auf dem Land entdecken möchtet, ist ein Mietwagen absolut notwendig, da die öffentlichen Verkehrsmittel dort sehr eingeschränkt funktionieren.
Ist die Stadt auch nachts sicher?
Santiago de Compostela gehört zu den sehr sicheren spanischen Städten mit minimaler Kriminalität. Das historische Zentrum ist bis spät in die Nacht lebendig, die Gassen sind voller Menschen, Studenten und Pilger, sodass ihr euch auch nach Einbruch der Dunkelheit ohne Bedenken bewegen könnt. Natürlich solltet ihr aber an Orten mit hoher Touristenkonzentration auf Taschendiebe achten.
Spricht man in der Region Spanisch?
Ja, alle Einwohner sprechen perfekt Spanisch (Kastilisch), aber ihre primäre und Herzenssprache ist Galicisch (galego). Diese Sprache findet ihr auf allen Verkehrsschildern, Speisekarten und Informationstafeln. Sie ist dem Portugiesischen sehr ähnlich, aber mit Grundkenntnissen in Englisch und einem Lächeln kommt ihr hier problemlos zurecht.
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