Prag Kirchen und Synagogen – allein ihre Zahl würde für eine ganze Enzyklopädie reichen. Deshalb habe ich jene Sakralbauten ausgewählt, die mein Verhältnis zur Stadt geprägt haben: durch ihre raue Geschichte, architektonische Genialität oder einfach dadurch, dass man in ihnen für einen Moment dem Lärm der Straßenbahnen entfliehen kann. Es geht nicht nur um gotische Gewölbe und barocke Engelchen. Es sind Orte, an denen die neuere Geschichte geschrieben wurde und an denen man die Last der Vergangenheit bis heute spürt.
Ihr erfahrt, warum die Nikolauskirche auf beiden Seiten der Moldau ein völlig anderes Erlebnis bietet, wo eine abgehackte Diebeshand hängt, und wie ihr eure Route so plant, dass euch keine einzige bedeutende Sehenswürdigkeit entgeht.
Zusammenfassung
- Die Nikolauskirche auf der Kleinseite ist der absolute Höhepunkt des Prager Barocks – auf der dortigen Orgel spielte einst Wolfgang Amadeus Mozart.
- Die Krypta unter der Kirche St. Cyril und Method birgt ein erschütterndes Zeugnis des letzten Widerstands tschechoslowakischer Fallschirmjäger nach dem Attentat auf Heydrich.
- Das Prager Jesulein in der Kirche Unserer Lieben Frau vom Siege zieht Pilger aus aller Welt an – sein Kleiderschrank umfasst über hundert reich verzierte Gewändchen.
- Die Teynkirche am Altstädter Ring beherbergt das Grabmal des berühmten dänischen Astronomen Tycho Brahe.
- Die Basilika St. Jakob der Ältere rühmt sich des längsten Kirchenschiffs der Stadt und einer gruseligen Kuriosität: eine mumifizierte Diebeshand hängt neben dem Eingang.
- Das Emauzy-Kloster erlitt beim Bombardement 1945 schwere Schäden – heute zieren es ikonische Betontürme mit vergoldeten Spitzen.
- Die Altneuschul ist die älteste aktive Synagoge Europas, und der Legende nach sollen auf ihrem Dachboden die Überreste des Tonriesen Golem verborgen sein.
- Die Pinkas-Synagoge dient als Gedenkstätte für die Holocaust-Opfer – ihre Wände sind mit knapp 80.000 handgeschriebenen Namen bedeckt.
- Die Spanische Synagoge beeindruckt mit einem atemberaubenden maurischen Interieur voller goldener Arabesken und hervorragender Akustik.
- Die Jerusalemer Synagoge nahe dem Hauptbahnhof vereint Jugendstil mit maurischem Stil und ist die jüngste – und oft übersehene – jüdische Gebetsstätte der Stadt.
Wann am besten sakrale Architektur erkunden
Ich gebe zu, dass ich das ein paar Jahre lang nach dem Trial-and-Error-Prinzip herausgefunden habe. Sakralbauten funktionieren wie natürliche Klimaanlagen: Im Sommer retten sie euch vor der Hitze, im Winter braucht ihr aber unbedingt eine warme Jacke – die dicken Mauern speichern die Kälte genauso unnachgiebig wie die Wärme. Die Öffnungszeiten richten sich außerdem streng nach dem liturgischen Kalender, also streicht den Sonntagvormittag gleich aus dem Plan: Da finden Messen statt und der touristische Betrieb wird unterbrochen.
Frühling und Sommer: Lichtspiele und Abendkonzerte
April und Mai bieten ideale Lichtverhältnisse. Die Sonne steht noch nicht so hoch, dass sie Details auf Fotos ausbrennt, und durch die Buntglasfenster fallen weiche Strahlen. In den Sommermonaten von Juni bis August müsst ihr an den bekanntesten Sehenswürdigkeiten mit Warteschlangen rechnen.
Achtet unbedingt auf die Abendprogramme: Die Sommermonate sind Hochsaison für Orgelkonzerte. Die Spanische Synagoge oder die Basilika St. Jakob veranstalten Musikabende, bei denen ihr den Raum mit einer ganz anderen Akustik und ohne Gedränge erlebt.
Herbst und Winter: Melancholie und eisige Gewölbe
September ist aus meiner Sicht der beste Monat. Die Touristenwelle ebbt ab, die Stadt kehrt in ihren studentischen Rhythmus zurück, und das Festival Dvořákova Praha (5. bis 23. September 2026) nutzt häufig Sakralräume für seine Aufführungen.
Mit dem November leeren sich die Straßen und die Kälte kriecht unter die Haut. Ein Winterbesuch erfordert warme Kleidung, denn die dicken Mauern halten die Kälte gnadenlos im Inneren. Der Dezember bringt dann eine besondere Atmosphäre mit Adventskonzerten und Krippenausstellungen, zum Beispiel mit der berühmten Strohkrippe in der Kirche Unserer Lieben Frau vom Siege.
Wo übernachten
Wenn Lukáš und ich nach Prag zurückkehren, brauchen wir einen strategisch günstigen Ausgangspunkt. Mit Kinderwagen und abendlicher Erschöpfung locken uns laute Hostels längst nicht mehr – wir suchen Ruhe und erstklassigen Service in Laufweite vom Zentrum. Zuletzt haben wir im The Julius Hotel am Senovážné náměstí eingecheckt – und diese Wahl erwies sich als absoluter Volltreffer.
Wir wohnten in einer geräumigen One Bedroom Suite, in der Jonáš genug Platz für sein Spielzeug hatte und wir eine voll ausgestattete Küchenzeile für den abendlichen Tee nutzen konnten. Als Vegetarierin war ich vom Frühstücksbuffet begeistert: Neben den obligatorischen Eiern gibt es hervorragende fleischlose Aufstriche, frisches Gemüse und Spezialitätenkaffee. Das Hotel ist perfekt schallisoliert, und zur Jerusalemer Synagoge läuft man gerade mal drei Minuten. Preise und Verfügbarkeit für euren Reisezeitraum findet ihr bei Booking.com.
Kirchen der Altstadt: Von Astronomen bis zu abgehackten Händen
Die Gassen der Prager Altstadt bilden ein Labyrinth, in dem ich mich auch nach zehn Jahren für einen Moment verlieren kann. Die berühmten Prag Kirchen fügen sich hier oft nahtlos in die umliegende Bebauung ein, und ihre wahre Größe überrascht euch erst, wenn ihr die Schwelle übertretet.
Teynkirche (Kirche Unserer Lieben Frau vor dem Teyn)

Die zwei asymmetrischen Türme, die sich über dem Altstädter Ring erheben, dienen verirrten Touristen als Kompass. Die Teynkirche ist ein Meisterwerk der Gotik mit reicher barocker Umgestaltung des Innenraums. Für mich ist dieser Ort vor allem mit der Persönlichkeit Tycho Brahes verbunden. Der geniale dänische Astronom, der am Hof Rudolfs II. wirkte, hat hier eine aus weißem Marmor gehauene Grabplatte. Wenn ihr vor dem Altar steht, schaut einfach nach rechts zum ersten Pfeiler.
Der Eintritt in die Kirche ist kostenlos, beziehungsweise gegen eine freiwillige Spende (empfohlen werden etwa 2 €). Geöffnet ist von Dienstag bis Samstag 10:00–13:00 Uhr und dann wieder 15:00–17:00 Uhr. Sonntags nur vormittags von 10:00–12:00 Uhr. Beachtet: Große Rucksäcke sind nicht erlaubt, und das Fotografieren im Inneren ist streng verboten – darauf achtet eine ziemlich strenge Aufsicht.
💡 Insider-Tipp: Sucht den Haupteingang nicht direkt vom Platz aus. Ihr müsst durch ein unscheinbares Durchgangshaus der Týnschule zwischen den Restaurants hindurch – ein schmaler Durchgang führt euch direkt zum Portal.
Nikolauskirche am Altstädter Ring

Sie wird oft mit ihrer berühmteren Namensvetterin auf der Kleinseite verwechselt, doch die Nikolauskirche in der Prager Altstadt bietet eine völlig andere Energie. Gebaut von Kilian Ignaz Dientzenhofer, kontrastiert ihre weiße Fassade auffällig mit den dunklen gotischen Türmen der gegenüberstehenden Teynkirche. Der Innenraum wird von einem massiven Kristalllüster dominiert, den Zar Nikolaus II. der Kirche schenkte, weil der Bau um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert der orthodoxen Kirche diente. Heute gehört sie der Hussitischen Kirche.
Der Eintritt ist frei, geöffnet täglich von 10:00–16:00 Uhr (sonntags ab 12:00 Uhr). Die Kirche ist ganzjährig geöffnet, weil sie beheizt wird – das macht sie zu einem strategischen Stopp bei Winterspaziergängen.
💡 Insider-Tipp: Die Akustik unter der Kuppel ist so besonders, dass sich ein Abendkonzert mit klassischer Musik lohnt. Konzerte finden hier fast täglich statt, Karten bekommt ihr direkt am Eingang für etwa 20 €.
Basilika St. Jakob der Ältere

Gleich neben dem Eingang der Basilika St. Jakob in Prag, hoch oben auf der rechten Seite, hängt an einem Kettchen eine geschwärzte, eingeschrumpfte menschliche Hand, der man auf den ersten Blick kaum glaubt. Der Legende nach gehörte sie einem Dieb, der versuchte, den Schmuck von einer Marienstatue zu stehlen. Die Statue soll ihn so fest am Arm gepackt haben, dass die Helfershelfer des Henkers ihn absägen mussten. Neben dieser makabren Kuriosität besitzt die Kirche das längste Hauptschiff Prags und eine phänomenale Orgel aus dem Jahr 1705.
Ihr findet sie in der Malá Štupartská, nur wenige Schritte vom belebten Náměstí Republiky entfernt. Geöffnet täglich von 9:30–16:00 Uhr. Eintritt frei.
💡 Insider-Tipp: Jedes Jahr um die Wende von Sommer und Herbst findet hier das Internationale Orgelfestival statt. Wenn der Klang von tausenden Pfeifen durch den riesigen Raum hallt, übertrifft das jede Aufnahme.
Kirche St. Gall

Während draußen auf dem Havelmarkt Händler rufen und Touristenramsch klimpert, herrscht in der Kirche St. Gall absolute Stille. Diese Kirche wurde bereits von König Wenzel I. gegründet und später von den Karmeliten verwaltet. Für die tschechische Geschichte ist sie bedeutsam, weil hier 1369 Jan Milíč von Kroměříž predigte – und später auch Jan Hus. Im Inneren befindet sich das Grabmal des berühmten Barockmalers Karel Škréta.
Eintritt frei, die Öffnungszeiten sind unregelmäßig – die besten Chancen habt ihr nachmittags zwischen 14:00 und 16:00 Uhr. Vom Mustek seid ihr in wenigen Minuten zu Fuß dort.
💡 Insider-Tipp: Die Kirchenfassade bildet einen fantastischen Hintergrund für Fotos des Markttreibens. Kommt ihr früh morgens, bevor die Händler ihre Stände aufgebaut haben, fangt ihr die rohe Atmosphäre der erwachenden Stadt ein.
Kirche St. Aegidius

Ein verborgenes Juwel des Dominikanerordens in der Husova-Gasse. Der mächtige gotische Bau wirkt von außen unscheinbar, eingeklemmt zwischen die umliegenden Häuser, sodass man ihn von der Straße kaum vollständig erfassen kann. Im Inneren trifft man jedoch auf dramatische Barockfresken von Václav Vavřinec Reiner. Reiner wurde auf eigenen Wunsch nach seinem Tod hier beigesetzt. Für Filmfans: Miloš Forman drehte hier einige Szenen für seinen Oscar-prämierten Film Amadeus.
Geöffnet täglich zu Gottesdienstzeiten und oft auch tagsüber für stille Andacht und Besichtigung. Eintritt frei.
💡 Insider-Tipp: Geht durch die unscheinbare Tür in den angrenzenden Klosterhof. Das ist eine Oase der Stille, in die kein Lärm aus der Karlova-Gasse dringt – mit Kinderwagen könnt ihr hier ohne Stress durchatmen.
Kleinseite und Neustadt: Barocke Dramatik und moderne Geschichte
Sobald man die Brücke überquert, schaltet die Stadt in einen anderen Modus. Auf der Kleinseite fühlt man sich, als wäre man in eine barocke Oper hineingezogen worden – und dann biegt man plötzlich in die Resslova-Straße ein, und alles wird zum ganz anderen Film.
St.-Nikolaus-Kirche Prag (Kleinseite)

Das ist sie. Die Verkörperung des Prager Barocks und meine tägliche Kulisse aus Gymnasiumszeiten. Die St.-Nikolaus-Kirche Prag auf der Kleinseite – eine der berühmtesten Kirchen in Prag überhaupt – wurde von drei Generationen der Familie Dientzenhofer erbaut. Im Inneren überkommt euch sofort das monumentale Deckenfresko „Verherrlichung des hl. Nikolaus“, das mit einer Fläche von 1.500 Quadratmetern zu den größten in Europa zählt. Auf der hiesigen Orgel spielte 1787 Wolfgang Amadeus Mozart. Wenn ich heute hierherkomme, fasziniert mich immer noch diese opulente Schau aus Marmor, Gold und überlebensgroßen Skulpturen, die wie aus einer Theateraufführung gefallen wirken.
Eintritt: 6 € (Studenten und Senioren 4 €). Geöffnet täglich von 9:00–17:00 Uhr (im Sommer bis 18:00 Uhr). Liegt direkt am Malostranské náměstí (Straßenbahnhaltestelle Malostranské náměstí).
💡 Insider-Tipp: Kauft euch die Galerie-Eintrittskarte für das Obergeschoss. Ihr kommt dem Deckenfresko von Jan Lukáš Kracker ganz nah und seht den gesamten Kirchenraum aus einer völlig anderen, viel dramatischeren Perspektive.
Kirche Unserer Lieben Frau vom Siege und das Prager Jesulein

Der frühbarocke Bau in der Karmelitská-Gasse würde vielleicht unter den anderen Kirchen untergehen, wäre da nicht eine kleine Wachsfigur. Die Kirche Unserer Lieben Frau vom Siege beherbergt das Prager Jesulein (Bambino di Praga), einen Magneten für Pilger aus Lateinamerika, Spanien und den Philippinen. Es ist faszinierend zu beobachten, wie Besucher unter Tränen vor einer gerade einmal 47 Zentimeter hohen Figur auf die Knie sinken. Das Jesulein besitzt über hundert kostbare Gewändchen, die je nach Kirchenjahr gewechselt werden. Besondere Aufmerksamkeit erregt eine silberne, mit Diamanten und Rubinen besetzte Wiege.
Eintritt in die Kirche und das angeschlossene Gewändermuseum ist kostenlos. Geöffnet Montag bis Samstag 8:30–18:00 Uhr, sonntags 8:30–19:00 Uhr. Zu Fuß in drei Minuten vom Malostranské náměstí erreichbar.
💡 Insider-Tipp: Geht direkt in den ersten Stock hinter dem Altar, wo sich das Museum der Jesulein-Gewänder befindet. Dort gibt es auch ein Kleidchen zu sehen, das Kaiserin Maria Theresia der Figur eigenhändig bestickt hat.
Kirche St. Cyril und Method (Krypta der Fallschirmjäger)

Vom barocken Rausch in die harte Realität des 20. Jahrhunderts. Die orthodoxe Kirche St. Cyril und Method in der Resslova-Straße war im Juni 1942 Schauplatz des letzten Widerstands von sieben tschechoslowakischen Fallschirmjägern, die an der Operation Anthropoid beteiligt waren – dem Attentat auf SS-Obergruppenführer Reinhard Heydrich. Das beengte Gefühl schlägt einem in der unterirdischen Krypta binnen Sekunden entgegen. Die Rillen von Kugeln im Fensterrahmen und die feuchten Wände zu sehen, wo Jozef Gabčík, Jan Kubiš und fünf weitere Helden gegen eine übermächtige SS-Überzahl kämpften – das ist ein Erlebnis, das man nicht vergisst.
Die Krypta ist Dienstag bis Sonntag von 9:00–17:00 Uhr geöffnet, Eintritt ca. 4 €. Von der U-Bahn-Station Karlovo náměstí (Linie B) sind es etwa fünf Minuten zu Fuß.
💡 Insider-Tipp: Haltet zuerst draußen an der Gedenktafel in der Resslova-Straße inne. Bis heute sind im Putz rund um das kleine Lüftungsfenster die Einschusslöcher der deutschen Maschinenpistolen deutlich zu sehen.
Emauzy-Kloster (Na Slovanech)

Dieser Komplex ist ein unglaublicher architektonischer Kompromiss zwischen Mittelalter und Moderne. Das Emauzy-Kloster (auch Emauzy in Prag) wurde von Karl IV. für slawische Benediktiner gegründet. Jahrhundertelang schmückten wunderbare gotische Malereien den Kreuzgang, doch ein Bombenangriff der Alliierten im Februar 1945 traf das Kloster so schwer, dass von seiner einstigen Pracht nur Fragmente blieben. 1968 erhielt das Kloster dann seine heutige, unverwechselbare Silhouette: Architekt František Maria Černý entwarf kühne betonene Schalentürme mit vergoldeten Spitzen, die sich kreuzen und an gefaltete Hände erinnern. Die Betontürme vor blauem Himmel sind eines der dankbarsten Motive für geometrische Kompositionen.
Eintritt in den Klosterkomplex und die Kreuzgänge kostet ca. 3 €. Geöffnet Montag bis Samstag 11:00–17:00 Uhr. Die Straßenbahnhaltestelle Moráň liegt direkt unterhalb des Klosters.
💡 Insider-Tipp: Hetzt nicht nur zu den modernen Türmen. Der Kreuzgang birgt einen Zyklus von 85 gotischen Wandmalereien. Sie sind zwar teilweise beschädigt, gehören aber zu den wertvollsten Schätzen der tschechischen Gotik.
Prager Synagogen: Zeugnisse von Josefov und der Neustadt
Erst mit Abstand begreift man, dass das, was hier gerettet wurde – sechs Synagogen und ein Friedhof –, eigentlich ein Wunder ist: Das gesamte jüdische Viertel wurde an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert durch eine brutale Stadtsanierung geschleift. Heute ist es einer der vollständigsten jüdischen Museumskomplexe der Welt. Wer die Geschichte der Prager Juden wirklich in die Tiefe erkunden möchte, dem empfehle ich eine geführte Tour über GetYourGuide zu buchen, wo euch lokale Guides auch den Kontext vermitteln, den man aus Beschriftungen nicht herauslesen kann.
Altneuschul

Die älteste aktive Synagoge Europas, erbaut um 1270 im frühgotischen Stil. Ihr steiles Satteldach und die Ziegelgiebel wirken inmitten der luxuriösen Bebauung der Pařížská-Straße wie eine Erscheinung. Für die Stadt ist die Altneuschul untrennbar mit der Golem-Legende verbunden: Der aus Lehm geformte Riese soll von Rabbi Löw erschaffen worden sein, um die jüdische Gemeinde zu schützen. Der Überlieferung nach liegen die Überreste des Golems noch heute auf dem Dachboden der Synagoge, den zu betreten streng verboten ist.
Sie ist nicht im Standardticket des Jüdischen Museums enthalten – die Eintrittskarte wird separat gekauft und kostet 2026 rund 10 €. Geöffnet täglich außer Freitagabend, Samstag (Schabbat) und jüdischen Feiertagen von 9:00–18:00 Uhr.
💡 Insider-Tipp: Männer müssen beim Betreten den Kopf bedecken. Falls ihr keine eigene Mütze dabei habt, wird am Eingang eine traditionelle Kippa (Käppchen) ausgeliehen.
Pinkas-Synagoge
Ein Ort, der euch garantiert verstummen lässt. Die Pinkas-Synagoge dient heute nicht mehr als Gebetshaus, sondern als Gedenkstätte für die Holocaust-Opfer aus Böhmen und Mähren. Alle Innenwände sind mit knapp 80.000 handgeschriebenen Namen von Männern, Frauen und Kindern bedeckt, die die Nazi-Vernichtungslager nicht überlebten. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Dauerausstellung von Kinderzeichnungen aus dem Konzentrationslager Theresienstadt. Es ist roh, schmerzhaft und ungemein wichtig. Hier lohnt es sich, einen Moment innezuhalten und zur Ruhe zu kommen.
Im Ticket des Jüdischen Museums enthalten. Geöffnet Sonntag bis Freitag 9:00–18:00 Uhr (im Winter bis 16:30 Uhr).
💡 Insider-Tipp: Kommt gleich morgens um neun Uhr. Sobald die großen organisierten Gruppen eintreffen, verliert der Raum seine pietvolle Intimität. Diese Gedenkstätte verlangt absolute Stille.
Spanische Synagoge

Das von außen unscheinbare Gebäude lässt euch nach dem Betreten buchstäblich erstarren. Den maurischen Innenraum voller Arabesken und goldener Stuckaturen erwartet kaum jemand. Die Spanische Synagoge trägt ihren Namen, weil sie von der spanischen Alhambra inspiriert ist – nach dem Eintreten wisst ihr nicht, wo ihr zuerst hinschauen sollt. Die Ausstellung im ersten Obergeschoss zeichnet die moderne Geschichte der Juden in den böhmischen Ländern von den josephinischen Reformen bis zur Gegenwart nach.
Im Ticket des Jüdischen Museums enthalten. Geöffnet Sonntag bis Freitag 9:00–18:00 Uhr.
💡 Insider-Tipp: Der Raum hat eine fantastische Akustik und ist regelmäßiger Veranstaltungsort für Abendkonzerte mit klassischer Musik und jüdischen Melodien. Eine großartige Gelegenheit, das angestrahlte goldene Interieur ohne Touristengedränge zu erleben.
Klaus-Synagoge und Maisel-Synagoge
Beide Bauten sind Teil des Besichtigungsrundgangs des Jüdischen Museums. Die Maisel-Synagoge ehrt ihren Mäzen Mordechai Maisel, Bankier und Vorstand der jüdischen Stadt im 16. Jahrhundert, und beherbergt heute wertvolle silberne Synagogenobjekte.
Die Klaus-Synagoge steht direkt am Eingang des Alten Jüdischen Friedhofs und widmet ihre Ausstellung jüdischen Traditionen, Bräuchen und Feiertagen. Ihr erfahrt hier, wie eine Bar-Mizwa abläuft oder was koscher essen bedeutet. Die Klaus-Synagoge ist außerdem die ruhigste von allen, weil Touristen meist zum Friedhof weiterhetzen und diesen stillen Ort irgendwie überspringen. Schade eigentlich, denn die ausgestellten Gegenstände – zum Beispiel Torarollen – gehören zu den eindrucksvollsten Exponaten des gesamten Rundgangs.
Eintritt mit Kombiticket, Öffnungszeiten entsprechen den anderen Museumsobjekten (Sonntag bis Freitag).
💡 Insider-Tipp: Betrachtet in der Klaus-Synagoge die ausgestellten Torarollen in aller Ruhe. Es handelt sich um Originale, die während des Zweiten Weltkriegs aus verschiedenen Teilen des Landes gerettet wurden.
Jerusalemer Synagoge (Jubiläumssynagoge)

Touristen gehen an ihr oft vorbei, weil sie nicht in Josefov liegt, sondern in der Neustadt – nur einen Steinwurf vom Hauptbahnhof und unserem geliebten The Julius Hotel entfernt. Die Jerusalemer Synagoge ist die jüngste und zugleich größte Synagoge Prags. Sie wurde 1906 als Ersatz für die im Zuge der Stadtsanierung abgerissenen Gebetshäuser errichtet. Die Fassade ist eine unglaubliche Mischung aus Wiener Jugendstil und maurischem Stil, mit leuchtenden Farben und einem riesigen Rundfenster. Das Innere ist ebenso pompös, mit reichen Malereien und Gold verziert.
Eintritt ca. 6 €. Geöffnet von April bis Oktober, Sonntag bis Freitag 10:00–17:00 Uhr.
💡 Insider-Tipp: In der Galerie im ersten Obergeschoss sind ausgezeichnete Wechselausstellungen zur Geschichte der jüdischen Gemeinschaft und zur Rettung jüdischer Kulturdenkmäler nach dem Zweiten Weltkrieg zu sehen.
Wo essen
Nach stundenlangem Bewundern von Gewölben und Fresken bekommt man Hunger. Lukáš, Jonáš und ich haben unsere bewährten Anlaufstellen, wo man nicht nur gut isst, sondern auch den Kinderwagen in Ruhe abstellen kann. Touristenfallen meiden wir großräumig und gehen lieber dahin, wo mit Herzblut und Qualität gekocht wird.
Rund um den Altstädter Ring
Wenn wir rund um die Teynkirche und St. Nikolaus unterwegs sind, führen uns unsere Schritte fast immer ins Skautský institut. Es versteckt sich direkt am Altstädter Ring, aber man muss wissen, durch welche Tür und in welchen Innenhof man geht. Es gibt ausgezeichneten Kaffee, hausgemachte Limonade und ein paar Kleinigkeiten zu essen – zu Preisen, die nicht übers Ohr hauen. Und das mitten im Touristentrubel in absoluter Ruhe.
Wer Lust auf etwas Herzhafteres hat: In der Nähe von St. Jakob gibt es das ausgezeichnete vegetarische Restaurant Maitrea. Mit seinem feng-shui-inspirierten Interieur und meinem fleischlosen Speiseplan ist das für mich immer eine sichere Bank. Besonders empfehlenswert ist das vegetarische „Svíčková“ – eine tschechische Klassiker-Variante, die es locker mit dem Original der Oma aufnehmen kann.
Auf der Kleinseite und beim Prager Jesulein
Auf der Kleinseite ist die Gastronomie manchmal ein kleines Minenfeld, aber auf das Café Savoy lassen wir nichts kommen. Klar, es ist etwas gehobener und oft voll, aber ihr Frühstück oder nur ein Nachmittagskaffee mit einem Windbeutel nach dem Besuch beim Jesulein – einfach perfekt. Außerdem sind sie sehr kinderfreundlich, was wir mit dem kleinen Jonáš jedes Mal sehr zu schätzen wissen.
Für eine schnelle Suppe oder ein ordentliches Sandwich machen wir gerne einen Abstecher zu Roesel – beer & food, nur einen Katzensprung von der Karlsbrücke entfernt. Eine versteckte Gasse, in die man so schnell nicht reinzufallen droht – mit ausgezeichnetem Handwerksbier und herrlichem Hausbrot mit Aufstrichen.
Dom und Loreta (Zur Erinnerung)
Dieser Artikel wäre unvollständig, ohne zwei absolute Giganten der Prager Sakralarchitektur zu erwähnen. Beiden widme ich jedoch ausführliche eigene Texte, denn ihr Besuch füllt gut einen halben Tag.

Der Veitsdom auf dem dritten Burghof der Prager Burg ist das geistliche Herzstück des tschechischen Staatswesens, wo die Kronjuwelen und die Reliquien böhmischer Könige aufbewahrt werden. Einen ausführlichen Reiseführer findet ihr im Artikel über die Prager Burg.

Die Loreta auf dem Hradschin mit ihrem Glockenspiel und dem Heiligen Haus ist ein einzigartiger Barockomplex, umgeben von stillen Arkaden. Öffnungszeiten und Infos zum berühmten Loreta-Schatz findet ihr in unserem Hradschin-Reiseführer.
Praktische Informationen
- Eintritt Synagogen: Das meistgekaufte Ticket „Jüdische Stadt Prag“ (umfasst Pinkas-, Klaus-, Maisel-, Spanische Synagoge, Zeremonienhalle und Alten Jüdischen Friedhof) kostet 2026 rund 24 €. Es lohnt sich, es online zu kaufen, um nicht in der Schlange zu stehen.
- Öffentlicher Nahverkehr: Die meisten Kirchen im Zentrum sind gut zu Fuß erreichbar. Wenn ihr zwischen Neustadt, Kleinseite und Hradschin hin- und herfahren möchtet, kauft euch eine 24-Stunden-Karte für ca. 6 € (oder eine 72-Stunden-Karte für ca. 13 €).
- Dresscode: Obwohl Tschechien ein sehr säkulares Land ist, wird beim Betreten aktiver Kirchen grundlegender Respekt erwartet. Herren sollten die Kopfbedeckung abnehmen (außer in Synagogen, wo das Tragen umgekehrt Pflicht ist), und alle sollten zu aufreißende Kleidung vermeiden (Trägershirts, sehr kurze Shorts usw.).
- Fotografieren: In vielen Kirchen ist Blitz und Stativ verboten. In manchen (Teynkirche) gilt ein generelles Fotografierverbot. Bitte respektiert das.
Weitere Tipps
Wenn ihr genug von Gewölben und Fresken habt und weitere Schichten der Stadt erkunden möchtet, schaut euch diese Artikel an:
- Was in Prag sehen: 100+ Tipps für Sehenswürdigkeiten, Cafés, Restaurants
- Prager Burg: Vollständiger Reiseführer für 2026
- Strahov, Loreta und Hradschin: Schönste Aussichten und Bibliotheken
- Altstädter Ring und Rathausuhr: So vermeidet ihr die Touristenfallen
- Josefov: Geheimnisse des Prager jüdischen Viertels
- Karlsbrücke: Wann ihr losgeht, um den Massen zu entgehen
Häufig gestellte Fragen
Welche Kirche in Prag ist die älteste?
Als ältestes erhaltenes Sakralbauwerk in Prag gilt die Rotunde des heiligen Martin auf dem Vyšehrad, die aus dem 11. Jahrhundert stammt. Von den großen Kirchen hat die Basilika des heiligen Georg auf der Prager Burg die ältesten Wurzeln.
Muss ich in Prager Kirchen Schultern und Knie bedecken?
Im Gegensatz zu Italien gibt es hier keine so strengen Regeln mit Wächtern an der Tür, aber aus Respekt vor dem Ort wird empfohlen, nicht allzu freizügige Kleidung zu tragen. In Synagogen ist der Dresscode etwas strenger und Männer müssen eine Kopfbedeckung tragen.
Muss man in Prag Eintritt in die Kirchen zahlen?
Das hängt vom jeweiligen Ort ab. Die meisten kleineren Kirchen bieten freien Eintritt oder gegen einen freiwilligen Beitrag. Kostenpflichtig sind die touristisch meistbesuchten Sehenswürdigkeiten wie die St.-Nikolaus-Kirche auf der Kleinseite, der Veitsdom oder der Komplex des Jüdischen Museums.
Wo befindet sich das Prager Jesuskind?
Die berühmte Wachsfigur findet ihr in der Kirche Maria vom Siege auf der Kleinseite, genauer gesagt in der Karmelitská-Straße, unweit vom Kleinseitner Ring.
Wie lange dauert die Besichtigung der Judenstadt?
Wenn ihr ein Kombiticket für alle Synagogen und den Alten Jüdischen Friedhof kauft, solltet ihr mindestens 3 bis 4 Stunden einplanen. Besonders die Pinkas-Synagoge und die Spanische Synagoge erfordern mehr Zeit.
Kann man die Synagogen am Samstag besuchen?
Nein. Am Samstag (während des Schabbat) und an jüdischen Feiertagen sind alle zum Jüdischen Museum gehörenden Objekte für touristische Besucher geschlossen. Plant euren Besuch von Sonntag bis Freitag.
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