Als ich mit siebzehn auf dem Gymnasium in der Prager Kleinseite anfing, ahnte ich nicht, dass mir Prag mehr geben würde als nur ein Abitur. Jeden Tag stieg ich aus der Straßenbahn, lief am Hradschin-Platz vorbei und schaute zur Veitsdom-Kathedrale hinauf, die sich über den Dächern erhob. Damals fand ich das völlig normal. Einfach mein Schulweg. Heute, viele Jahre später, wird mir bewusst, was für ein Privileg das war — Spaziergänge über die Prager Burg statt im Klassenzimmer zu sitzen. 😅
Und dann gibt es noch einen weiteren Grund, warum die Burg für mich mehr als nur eine Touristenattraktion ist. Zur Prager Burg führte mein erstes Date mit Lukáš. Wir spazierten durch die Gärten, schauten auf Prag von unten und von oben, und ich dachte mir, dass diese Stadt einfach magisch ist. Seitdem kehren wir regelmäßig auf die Burg zurück — und entdecken jedes Mal etwas Neues.
In diesem Artikel findet ihr einen kompletten Guide zur Prager Burg — von Eintritt und Öffnungszeiten über Tipps, was ihr besichtigen könnt und was kostenlos ist, bis hin zu versteckten Orten wie Nový Svět, die die meisten Touristen komplett verpassen. Ich verrate euch, wann ihr kommen solltet, um Menschenmassen zu vermeiden, wo ihr ohne Touristenfallen essen könnt und wie ihr die Burg auch in nur zwei Stunden genießen könnt. Und weil ich hier jahrelang als Schülerin unterwegs war und bis heute regelmäßig zurückkomme, bekommt ihr Insidertipps — nicht aus dem Reiseführer.
Zusammenfassung
- Die Prager Burg ist die größte antike Burganlage der Welt — über 70.000 m² Fläche, plant also mindestens einen halben Tag für eine ordentliche Besichtigung ein.
- Der Eintritt ins Gelände ist komplett kostenlos. Bezahlt wird nur für die Innenräume der Gebäude (Rundgang B ab ca. 10 €, Rundgang A ab ca. 14 €). Die Tickets gelten 2 Tage.
- Das Goldene Gässchen ist nach 17:00 im Sommer und nach 16:00 im Winter kostenlos — einer der besten Spartipps.
- Die Gärten sind kostenlos und wunderschön — Königlicher Garten, Südgärten und Hirschgraben. Geöffnet ca. von März bis Mitte November.
- Menschenmassen vermeidet ihr, wenn ihr vor 9:00 oder nach 18:00 kommt. Die ruhigsten Tage sind Dienstag und Mittwoch. Hölle herrscht Freitag bis Sonntag, vor allem im Juli und August zwischen 10:00–14:00.
- Mit der Straßenbahn 22/23 hoch, zu Fuß runter über die Kleinseite — die beste Strategie, um den Weg zu genießen, ohne den Hügel hochzukeuchen.
- Nový Svět ist ein romantisches Viertel gleich neben der Burg, das Touristen kaum besuchen. Statt Menschenmassen im Goldenen Gässchen probiert mal das hier.
- Der Lobkowicz-Palast ist ein versteckter Schatz mit Canaletto, Bruegel und Beethoven-Handschriften — und hat eine Terrasse mit Blick über Prag.
- Zum Essen geht ins Restaurant Kuchyň (Ambiente) oder in die Klosterbrauerei Strahov — aber reserviert vorher.
- Shakespeare-Festspiele (Ende Juni – Anfang September) sind ein magisches Freiluft-Erlebnis direkt auf dem Burggelände.
Wann zur Prager Burg und wie Menschenmassen vermeiden

Das ist wahrscheinlich der wichtigste Abschnitt des ganzen Artikels, denn falsches Timing kann euch das Erlebnis auf der Prager Burg komplett verderben. Die Touristenmassen in der Hauptsaison sind wirklich heftig — und dann liest man auf TripAdvisor Bewertungen wie „enttäuschend, überall Schlangen, nicht so toll“, dabei lag es nur daran, dass die Leute zur schlimmsten Zeit gekommen sind. Also schauen wir uns an, wann ihr aufbrechen solltet, um die Burg wirklich zu genießen.
Beste Tageszeit
Die goldene Regel: Kommt vor 9:00 oder nach 18:00. Das Burggelände ist ganzjährig von 6:00 bis 22:00 frei zugänglich — zu diesen Zeiten könnt ihr praktisch allein über die Höfe, durch die Gärten und zu den Aussichtspunkten spazieren. Die Gebäude mit Eintritt (Veitsdom, Alter Königspalast, Goldenes Gässchen) öffnen um 9:00 und schließen um 17:00 in der Saison (April–Oktober) bzw. um 16:00 im Winter (November–März). Genau gegen neun bilden sich die ersten Schlangen.
Wenn ihr in die Gebäude hinein möchtet, seid ein paar Minuten vor neun an der Kasse im II. Burghof. Ihr gehört dann zu den Ersten und vermeidet die Warteschlangen, die sich gegen zehn bilden. Das absolut schlimmste Zeitfenster ist zwischen 10:00 und 14:00 — dann ist es auf der Burg wie in der Berliner U-Bahn zur Rush Hour.
Ein Abendbesuch hat seinen ganz eigenen Zauber. Die Gebäude sind dann zwar geschlossen, aber das Gelände erstrahlt im Abendlicht und die Atmosphäre ist magisch. Lukáš und ich kommen besonders gern zu dieser Zeit hierher — auf den Höfen trifft man hauptsächlich Einheimische und ab und zu einen romantischen Touristen. ☺️
Bester Wochentag
Dienstag und Mittwoch sind eindeutig die ruhigsten Tage. Montag ist überraschend voll, weil viele Leute am Wochenende einen Ausflug machen und montags „noch schnell die Burg mitnehmen“. Freitag bis Sonntag ist die Hölle, besonders vom Frühling bis zum Herbst.
Saisonale Unterschiede
Juli und August — die schlimmsten Monate, was Menschenmassen betrifft. Wenn ihr könnt, meidet sie.
Mai, Juni, September — schönes Wetter, die Gärten blühen, aber es sind trotzdem viele Touristen unterwegs. Die Taktik „früher Morgen / später Nachmittag“ funktioniert gut.
Oktober und November — meine Lieblingsjahreszeit hier. Herbstfarben in den Gärten, weniger Menschen, und wenn das Wetter mitspielt, ist es wunderschön.
Dezember bis Februar — die wenigsten Touristen (abgesehen von Weihnachten und Silvester). Die Gärten sind allerdings geschlossen (ca. vom 13. November bis Ende Februar), sodass ihr einen der schönsten Teile verpasst. Andererseits — eine verschneite Burg hat eine Atmosphäre, die es sonst nirgends gibt.
💡 TIPP: Wenn ihr im Sommer kommt und das Goldene Gässchen kostenlos und ohne Menschenmassen sehen wollt, kommt nach 17:00 — der Eintritt ist dann frei und die meisten organisierten Gruppen sind weg.
Prager Burg Eintritt — Rundgänge und was kostenlos ist
Das System mit Rundgängen und Tickets auf der Prager Burg ist ehrlich gesagt etwas verwirrend — und ich bin nicht die Einzige, die das so sieht. Im Internet findet man jede Menge frustrierter Touristen, die nicht verstanden haben, was sie da eigentlich kaufen. Deshalb schlüssle ich das hier für euch auf, damit ihr genau wisst, wofür ihr bezahlt und was ihr umsonst genießen könnt.
Besichtigungsrundgänge der Prager Burg
Die Burg bietet drei Hauptrundgänge an. Jeder umfasst eine andere Kombination von Gebäuden:
Rundgang A (großer Rundgang) — ca. 14 € (ermäßigt ca. 7 €, Familienkarte ca. 28 €)
Umfasst: Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka, Rosenberg-Palast, Ausstellung „Die Geschichte der Prager Burg“ und den Veitsdom. Das ist die umfassendste Variante — wenn ihr Zeit habt und alles sehen wollt, greift zu.
Rundgang B (kleiner Rundgang) — ca. 10 € (ermäßigt ca. 5 €, Familienkarte ca. 20 €)
Umfasst: Alter Königspalast, St.-Georgs-Basilika, Goldenes Gässchen mit Daliborka und den Veitsdom. Ohne die Ausstellung „Die Geschichte der Prager Burg“. Für die meisten Besucher ist das völlig ausreichend und ihr spart ein paar Euro.
Rundgang C — ca. 14 € (ermäßigt ca. 7 €, Familienkarte ca. 28 €)
Fokussiert auf die Ausstellung des Veitsdom-Schatzes und die Gemäldegalerie der Prager Burg. Das ist für Kunst- und Geschichtsliebhaber — als normaler Besucher kommt ihr mit Rundgang B bestens klar.
Turm des Veitsdoms — ca. 6 € (Einzelticket)
287 Stufen nach oben, aber der Ausblick ist es wert. Wird separat verkauft, ist in keinem Rundgang enthalten.
Lobkowicz-Palast — ca. 11 € (Einzelticket)
Ebenfalls in keinem Rundgang enthalten, da er sich in Privatbesitz befindet. Aber es ist einer der besten Gründe, zur Burg zu gehen — dazu weiter unten mehr.
Tickets gelten 2 Tage!
Das ist eine Info, die viele nicht kennen: Das Ticket für jeden Rundgang gilt an zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Ihr müsst also nicht alles in einen erschöpfenden Marathon quetschen. Schaut euch am ersten Tag in Ruhe den Dom und den Palast an und am zweiten Tag das Goldene Gässchen. Praktisch, oder?
Was auf der Prager Burg kostenlos ist
Und jetzt die beste Nachricht — einen riesigen Teil der Burg könnt ihr genießen, ohne den Geldbeutel zu zücken:
- Das gesamte Gelände — alle drei Burghöfe, freier Rundgang
- Gärten — Königlicher Garten, Südgärten (Wallgarten und Paradiesgarten), Hirschgraben
- Goldenes Gässchen nach Schließung — nach 17:00 in der Saison, nach 16:00 außerhalb der Saison
- Eintritt in den Veitsdom zum Gottesdienst — Gottesdienste finden täglich statt (sonntags ist der Dom für Touristen erst ab 12:00 geöffnet)
- Wachablösung — zu jeder vollen Stunde, feierliche um 12:00
- Aussicht auf Prag — von den Südgärten, den Burghöfen, der Umgebung der Burg
Mal ehrlich? Wenn ihr ein begrenztes Budget habt, könnt ihr auf der Prager Burg einen wunderbaren halben Tag komplett kostenlos verbringen. Lauft über das Gelände, bewundert den Dom von außen (und der ist auch von außen überwältigend), schlendert durch die Gärten, schaut nach 17:00 ins Goldene Gässchen und erlebt die Wachablösung. Reicht das? Für viele Leute absolut.
Wo Tickets kaufen
Die Kasse im II. Burghof ist normalerweise am wenigsten überlaufen — die meisten Touristen kaufen ihre Tickets am Haupteingang im I. Burghof. Ihr könnt auch Tickets online auf der offiziellen Website der Burg kaufen, aber meiner Erfahrung nach geht es an der Kasse im II. Burghof genauso schnell.
💡 TIPP: Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Studierende und Senioren mit Ausweis bekommen ermäßigte Preise.
Wie kommt man zur Prager Burg — 5 Wege
Zur Burg führen viele Wege — buchstäblich. Aber manche sind angenehmer als andere, und vor allem: Die Prager Burg steht auf einem Hügel, also wollt ihr den Weg so planen, dass ihr nicht mit leeren Lungen steile Treppen erklimmen müsst. Hier eine Übersicht der Möglichkeiten.
1. Straßenbahn 22 oder 23 — bequemste Variante

Die Straßenbahn Nummer 22 (oder 23) ist der Klassiker. Steigt an der Haltestelle Pražský hrad aus und ihr seid direkt oben — nur ein paar Schritte vom Haupteingang entfernt. Keine Treppen, kein Bergsteigen. Ihr könnt auch eine Haltestelle weiter am Pohořelec aussteigen und von der Seite des Klosters Strahov zur Burg kommen, was eine schöne Variante ist, wenn ihr unterwegs auch Strahov besuchen wollt.
2. Metro A bis Malostranská + zu Fuß bergauf
Von der Station Malostranská geht es bergauf — entweder über die Alte Schlosstreppe (steil, aber atmosphärisch — super für Fotos) oder über die Nerudova-Gasse und Ke Hradu. Rechnet mit 15–20 Minuten Fußweg bergauf. Schön bei gutem Wetter, im Sommer und bei Hitze etwas anstrengend.
3. Empfohlene Kombination: Straßenbahn hoch, zu Fuß runter

Das ist unsere Lieblingsstrategie und ich empfehle sie jedem. Fahrt mit der Straßenbahn 22 nach oben, besichtigt die Burg, und steigt dann zu Fuß durch die Kleinseite hinunter. Bergab eröffnen sich euch wunderschöne Ausblicke auf Prag, ihr kommt durch die Nerudova-Gasse und landet am Kleinseitner Ring — und zwar bergab statt bergauf. Win-win. ☺️
4. Zu Fuß über die Karlsbrücke und Kleinseite

Die romantische Variante — über die Karlsbrücke, durch die Mostecká-Gasse zum Kleinseitner Ring und von dort bergauf. Es ist länger und geht bergauf, aber wenn ihr Zeit und gute Schuhe habt, ist es ein wunderschöner Spaziergang. Rechnet nur damit, dass auf der Karlsbrücke viel los ist.
5. Mit dem Auto (lieber nicht)
Parken in der Nähe der Burg ist extrem begrenzt und teuer. Wenn ihr mit dem Auto nach Prag fahrt — zum Beispiel von München oder Berlin — lasst es am Hotel oder auf einem P+R-Parkplatz stehen und nehmt den Nahverkehr. Das ist wirklich nicht der Ort, an dem ihr Parkplatzsuche betreiben wollt.
Was auf der Prager Burg besichtigen — kompletter Guide
Und jetzt zum Kern — was es auf der Prager Burg eigentlich zu sehen und zu besichtigen gibt. Der Burgkomplex ist riesig (70.000 m², das entspricht etwa zehn Fußballfeldern), ohne Plan kann man sich leicht verlieren oder etwas Wichtiges verpassen. Gehen wir es durch, vom Wichtigsten angefangen.
1. Veitsdom — das Herz der Burg

Der Veitsdom ist das Bauwerk, wegen dem viele Leute überhaupt zur Burg kommen — und das zu Recht. Wenn ihr durch das Tor in den III. Burghof tretet und dieser kolossale gotische Bau plötzlich vor euch auftaucht, werdet ihr erst mal nur dastehen und staunen. Mir geht das jedes Mal so, selbst nach all den Jahren.
Der Bau dauerte fast 600 Jahre — der Grundstein wurde 1344 gelegt und die endgültige Fertigstellung war erst 1929. Sechshundert Jahre! Das ist eine so absurd lange Zeitspanne, dass man sie sich kaum vorstellen kann. Nacheinander arbeiteten Baumeister von Matthias von Arras über Peter Parler bis hin zu Architekten des 19. und 20. Jahrhunderts daran, und trotzdem wirkt er wie ein Gesamtwerk. Es ist wahrscheinlich das größte architektonische Wunder in Prag.
Was ihr drinnen nicht verpassen solltet: Die Glasfenster von Alfons Mucha — sie befinden sich in der dritten Kapelle links vom Eingang und sind atemberaubend. Muchas typischer Jugendstil in Kombination mit dem sakralen Raum ist etwas, das man sonst nirgendwo sieht. Dann die Wenzelskapelle mit ihren Halbedelsteinwänden (Gold und Amethyste, sieht unglaublich aus), die Königskrypta mit den Gräbern Karls IV. und anderer Herrscher, und die Sigismundglocke — die größte Glocke Tschechiens, die über 15 Tonnen wiegt.
Der Domturm (ca. 6 €, 287 Stufen) bietet einen Ausblick über ganz Prag. Kein Kinderspiel, besonders bei Hitze, aber oben vergisst man den Muskelkater sofort. Die Aussicht ist einfach phänomenal.
💡 TIPP: Sonntags öffnet der Dom erst um 12:00 wegen des Gottesdienstes. Zum Gottesdienst könnt ihr kostenlos kommen, aber den Innenraum frei besichtigen könnt ihr nur mit Ticket nach 12:00.
2. Alter Königspalast — Fenstersturz und Wladislawsaal

Der Alte Königspalast ist der Ort, an dem tschechische — und europäische — Geschichte geschrieben wurde. Der Wladislawsaal ist die größte profane gotische Halle Mitteleuropas, und wenn ihr ihn betretet, versteht ihr warum. Das Gewölbe ist atemberaubend. Hier fanden Krönungen statt, Turniere (ja, man ritt hier zu Pferd — die Reitertreppe wurde eigens dafür gebaut), Bankette und politische Verhandlungen.
Und dann gibt es das Fenster, aus dem 1618 zwei Statthalter und ihr Sekretär geworfen wurden — der berühmte Prager Fenstersturz, der den Dreißigjährigen Krieg auslöste. Das Fenster selbst ist überraschend klein und unscheinbar. Man steht davor und denkt „Da wurden die rausgeworfen?“ — und dabei hat es die Geschichte Europas verändert. Angeblich überlebten sie, weil sie auf einen Misthaufen fielen. Ob das stimmt, weiß ich nicht, aber es ist eine großartige Geschichte. 😁
Ehrlich gesagt — die Innenräume des Palastes sind etwas karg. Wenn ihr den Glanz von Versailles erwartet, werdet ihr enttäuscht sein. Es ist ein gotischer und Renaissance-Palast, also geht es hier eher um Raum, Gewölbe und Geschichte als um goldene Kronleuchter. Aber der Wladislawsaal allein lohnt sich.
3. St.-Georgs-Basilika — älteste Kirche der Burg

Die St.-Georgs-Basilika ist wohl der Ort, den Touristen am meisten übersehen, und dabei ist es die älteste erhaltene Kirche auf der Burg — gegründet im Jahr 920. Die ziegelrote romanische Fassade sieht völlig anders aus als alles andere in der Umgebung, und der Innenraum hat diese besondere schlichte Schönheit romanischer Bauwerke — kein Schmuck, nur reiner Raum und Licht.
Drinnen findet ihr Gräber der Přemysliden-Fürsten und romanische Fresken. Die Besichtigung geht schnell — in 15–20 Minuten seid ihr durch — aber die Atmosphäre ist es wert. Es ist ein schöner Kontrast zum Dom: Statt vertikaler gotischer Monumentalität erlebt ihr hier horizontale romanische Ruhe.
4. Goldenes Gässchen — Kafkas Haus Nr. 22

Das Goldene Gässchen ist wohl der meistfotografierte Ort auf der Burg — winzige bunte Häuschen, die an die Burgmauer geklebt sind, in denen einst Goldschmiede, Schützen und Bedienstete lebten. Und im Häuschen Nummer 22 hat angeblich eine Zeit lang Franz Kafka gearbeitet. „Angeblich“, weil sich die Historiker streiten, ob er dort wirklich geschrieben hat oder nur seine Schwester dort wohnte, aber das Haus ist markiert und die Touristen strömen hin.
Jetzt mal eine ehrliche Einschätzung: Das Goldene Gässchen ist niedlich, ja. Die winzigen Häuschen, die Ausstellung historischer Kostüme und Rüstungen im Obergeschoss, die Alchemie-Ausstellung — das alles ist nett. Aber wenn ihr zur Stoßzeit kommt (10:00–14:00 im Sommer), ist es so voll, dass ihr euch kaum durchquetschen könnt. Und dann fragt ihr euch, ob es die paar Euro extra auf dem Ticket wert war.
So macht ihr es clever: Kommt nach 17:00 im Sommer oder nach 16:00 im Winter — der Eintritt ist dann KOSTENLOS und es sind nur wenige Leute da. Die Häuschen sind zwar geschlossen, aber ihr könnt durch die Gasse laufen, in die Fenster schauen und die Atmosphäre ohne Menschenmassen genießen. Ehrlich? So gefällt mir das Goldene Gässchen viel besser.
Alternativ — wenn ihr eine ähnliche Atmosphäre historischer Gassen ohne Massen sucht, schaut euch Nový Svět an (mehr dazu im Abschnitt Versteckte Orte). Es ist gleich neben der Burg und Touristen verirren sich kaum dorthin.
5. Lobkowicz-Palast — versteckter Schatz, den die meisten verpassen

Der Lobkowicz-Palast ist das einzige Gebäude in Privatbesitz auf der Prager Burg und ich würde sagen, es ist einer der am meisten unterschätzten Orte des gesamten Komplexes. Die meisten Leute wissen nichts davon, weil er nicht Teil der Burg-Rundgänge ist — er hat ein eigenes Ticket für ca. 11 € und einen eigenen Eingang.
Dabei beherbergt er eine absolut atemberaubende Sammlung. Canaletto, Bruegel der Ältere, Velázquez — das sind Namen, die man eher im Louvre erwarten würde, nicht in einem Palast auf der Prager Burg. Dazu Originalhandschriften von Beethoven, Mozart und Haydn — Beethovens 3., 4. und 5. Symphonie in seiner eigenen Handschrift. Für Musikliebhaber ist das wie ein heiliger Gral.
Der Palast veranstaltet tägliche Klassikkonzerte im Barocksaal — und die Akustik ist fantastisch. Und dann gibt es die Terrasse mit Café, von der aus man einen Blick auf Prag hat, der dem vom Domturm Konkurrenz macht, nur ohne 287 Stufen und zum Preis eines Cappuccinos.
Wenn ihr euch nur einen einzigen kostenpflichtigen Ort auf der Burg aussuchen müsstet, würde ich ehrlich sagen: Zieht den Lobkowicz-Palast in Betracht. Es ist eine Kombination aus Weltklasse-Kunst, Musik und Aussicht, und es ist bei Weitem nicht so überlaufen wie im Dom.
6. Wachablösung — lohnt es sich?

Die Wachablösung auf der Prager Burg findet zu jeder vollen Stunde von 7:00 bis 20:00 statt — aber worauf alle warten, ist die feierliche Wachablösung um 12:00. Die umfasst Fanfaren, 25 Mitglieder der Burgwache-Musikkapelle und den Fahnenwechsel im I. Burghof.
Lohnt es sich? Kommt auf die Erwartungen an. Wer den Buckingham Palace im Kopf hat, wird wohl etwas enttäuscht sein — es ist kürzer und weniger pompös. Im Internet findet man Bewertungen von „wunderschön“ bis „underwhelming“. Aber es ist kostenlos, dauert nur ein paar Minuten und wenn ihr gerade mittags auf der Burg seid, warum nicht. Seid nur darauf gefasst, dass ihr für einen guten Platz am I. Burghof rechtzeitig kommen müsst, weil sich dort Menschenmengen sammeln.
Meine Empfehlung: Wenn ihr keine Zeit zum Warten habt, ändert deswegen nicht euren Plan. Wenn ihr gerade um die Mittagszeit dort vorbeilauft, haltet an. Aber reist nicht extra dafür an.
Gärten der Prager Burg — der schönste Teil, den Touristen übersehen
Wisst ihr, was mich an der Prager Burg am meisten ärgert? Dass die meisten Touristen den Dom durchlaufen, das Goldene Gässchen besichtigen, ein Foto machen und wieder gehen — und dabei komplett die Gärten verpassen, die meiner Meinung nach der schönste Teil des gesamten Komplexes sind. Und sie sind kostenlos. Betrachtet diesen Abschnitt also als mein persönliches Plädoyer dafür, dass ihr in die Gärten geht.
Königlicher Garten — 3,6 Hektar Schönheit

Der Königliche Garten liegt auf der Nordseite der Burg und ist riesig — 3,6 Hektar, was man sich im Zentrum Prags kaum vorstellen kann. Er wurde 1534 von Ferdinand I. von Habsburg angelegt und beherbergt etliche historische Schätze: das Königliche Lustschloss (auch Belvedere genannt) — ein eleganter Renaissancebau, vor dem der Singende Brunnen steht — und das Ballhaus, ein Renaissancegebäude mit Sgraffito-Verzierung.
Fun Fact: Im Königlichen Garten wuchsen angeblich die ersten Tulpen in Europa — aus der Türkei importiert. Heute findet ihr hier eher gepflegte Beete und große Bäume, aber im Frühling ist es hier wunderschön.
Der Garten ist ideal zum Ausruhen nach der Burgbesichtigung. Bänke, Ruhe, Grün, keine Menschenmassen. Lukáš und ich kommen oft einfach nur hierher — uns hinsetzen, einen Kaffee aus der Thermoskanne trinken und das Belvedere bewundern.
Südgärten — Plečniks Gestaltung und Ausblicke auf Prag

Die Südgärten (Wallgarten und Paradiesgarten) erstrecken sich auf 500 Metern unterhalb der südlichen Burgmauer und der Ausblick von hier ist atemberaubend. Ihr seht ganz Prag unter euch — die Kleinseite, die Karlsbrücke, die Dächer der Altstadt. Bei gutem Wetter ist das wahrscheinlich der fotogenste Ort in ganz Prag.
In den 1920er Jahren gestaltete der slowenische Architekt Josip Plečník die Gärten um — und seine Handschrift ist unverkennbar. Terrassen, Säulengänge, Aussichtspavillons — eine elegante und zugleich zurückhaltende Architektur, die wunderbar mit dem steilen Hang arbeitet.
Hirschgraben — ruhige Oase, die kaum jemand kennt

Der Hirschgraben ist ein tiefer natürlicher Graben zwischen der Burg und dem Königlichen Garten, durch den einst der Bach Brusnice floss (und übrigens immer noch fließt). Seinen Namen hat er von den Hirschen, die hier für den königlichen Hof gehalten wurden. Heute ist er eine grüne Oase, in der ihr einheimische Jogger und ein paar eingeweihte Touristen trefft.
Der Eintritt ist kostenlos, aber die Öffnungszeiten hängen vom Monat ab — im März 10:00–17:00, im Juni und Juli 10:00–21:00, im Oktober 10:00–18:00. Im Winter ist er geschlossen.
💡 TIPP: Die Öffnungszeiten der Gärten ändern sich jedes Jahr — generell sind die Gärten von ca. 13. November bis Ende Februar geschlossen. Den aktuellen Zeitplan findet ihr auf der offiziellen Website der Burg. Wenn ihr die Burg im Winter besucht, rechnet damit, dass ihr die Gärten nicht sehen könnt.
Versteckte Orte bei der Prager Burg — wohin Touristen nicht kommen

Die Umgebung der Prager Burg verbirgt Orte, die die Atmosphäre des alten Prags haben — ohne Menschenmassen und Touristenfallen. Wenn ihr Zeit habt, nehmt diese Orte in euren Plan auf — ihr werdet es nicht bereuen.
Nový Svět — romantisches Viertel, in dem die Zeit stehen geblieben ist

Nový Svět ist eine kleine Gasse mit bunten Häuschen, etwa fünf Gehminuten von der Burg Richtung Loreto — und es ist wahrscheinlich mein Lieblingsort im gesamten Hradschin-Viertel. Sie entstand im 14. Jahrhundert als Armenviertel für Handwerker und hat bis heute den Charakter einer kleinen Siedlung inmitten der Großstadt bewahrt.
Die Häuschen haben bezaubernde Namen — Zum Goldenen Fuß, Zur Goldenen Birne, Zur Goldenen Traube, Zum Goldenen Stern. Hier steht auch das Blockhaus „U Raka“, das angeblich das einzige Blockhaus im historischen Stadtkern Prags ist. Und angeblich lebte hier eine Zeit lang der dänische Astronom Tycho de Brahe — historisch ist das umstritten, aber es unterstreicht die Atmosphäre.
Am Ende der Gasse findet ihr das Café Nový Svět — ein kleines, ruhiges Café, wo ihr draußen sitzen und ausgezeichneten Kaffee zu normalen Preisen trinken könnt (keine Burg-Touristenaufschläge). Statt der Menschenmassen im Goldenen Gässchen probiert Nový Svět — es ist genauso fotogen, vielleicht sogar noch mehr, und praktisch ohne Touristen.
Strahov — Bibliothek, Brauerei und Ausblicke

Das Kloster Strahov liegt nur einen Katzensprung von der Burg entfernt (10 Minuten Fußweg vom Pohořelec) und hat zwei Dinge, für die sich ein Abstecher lohnt.
Die Strahov-Bibliothek (ca. 8 €) ist eine der schönsten Bibliotheken der Welt — und das sage ich ohne jede Übertreibung. Der Theologische Saal mit barocken Fresken und Globen und der Philosophische Saal mit Holzregalen bis zur Decke voller alter Bücher — es ist wie ein Filmset. Ihr könnt zwar nicht direkt zwischen die Regale (man schaut von der Tür), aber auch so ist es überwältigend.
Die Klosterbrauerei Strahov braut ihr eigenes Bier direkt auf dem Klostergelände. Die Brautradition reicht hier bis ins Jahr 1400 zurück, auch wenn die heutige Mikrobrauerei erst seit 2001 besteht. Das Bier ist ausgezeichnet, das Essen solide — aber eine Reservierung ist Pflicht, besonders am Wochenende und in der Saison. Ohne Reservierung kommt ihr schwer rein. Wir sind einmal an einem Samstag ohne Reservierung aufgetaucht und haben circa 40 Minuten gewartet. Seitdem rufen wir immer vorher an. 😅
Nicht weit vom Kloster befindet sich auch das Restaurant Na Pekle mit Weinkeller — ebenfalls gemütlich, wenn auch etwas versteckt.
Fotogene Orte — wo man fotografieren sollte

Ob ihr Fotos für Instagram sammelt oder einfach eine schöne Erinnerung mit nach Hause nehmen wollt:
- Südgärten — Blick auf Prag mit roten Dächern, bestes Licht am Nachmittag
- III. Burghof — Veitsdom aus der Nähe, morgens ohne Menschen
- Nový Svět — bunte Häuschen mit Laternen, zu jeder Zeit schön
- Nerudova-Gasse (beim Abstieg) — ikonische Hauszeichen und Blick auf die Kuppel der St.-Nikolaus-Kirche
- Königliches Lustschloss Belvedere — der reinste Renaissancebau Prags, wunderschön auf Fotos
- Blick auf die Burg von unten — von der Karlsbrücke oder vom Moldauufer, am besten nach Sonnenuntergang, wenn die Burg beleuchtet ist
💡 TIPP: Das beste Licht zum Fotografieren der Burg von innen ist am Morgen (Ostlicht auf den Dom). Für Fotos der Burg von außen ist der späte Nachmittag und Abend ideal, wenn sie angestrahlt wird.
Wo essen auf der Prager Burg und Umgebung — ohne Touristenfallen
Essen in der Umgebung der Prager Burg ist ein kleines Minenfeld. Restaurants direkt an den Touristenrouten sind oft überteuert und die Qualität entspricht dem Motto „Der Gast kommt einmal und nie wieder“. Aber es gibt Ausnahmen — und ein paar Orte, wo auch Einheimische hingehen. Hier meine Empfehlungen.
Kuchyň (Ambiente) — tschechische Küche mit Aussicht

Das Restaurant Kuchyň von der Gruppe Ambiente ist wahrscheinlich das beste Restaurant direkt auf dem Burggelände. Das Konzept ist einfach — tschechische und mitteleuropäische Küche, ehrliche Zutaten, und vor allem eine Terrasse mit Blick auf Prag. Im Sommer ist das Draußensitzen absolut traumhaft.
Preislich liegt es im mittleren bis gehobenen Bereich — Hauptgerichte kosten um die 12–20 €, aber für die Qualität und die Lage ist das angemessen. Definitiv keine Touristenfalle. Reserviert am besten vorher, besonders für die Terrasse.
Vikárka — historisches Restaurant seit 1347

Die Vikárka ist ein Restaurant mit einer Geschichte, die kaum ein anderes Lokal überbieten kann — hier wird seit 1347 bewirtet, als Karl IV. das Braurecht verlieh. Es liegt direkt an der Burg und bietet tschechische Küche. Die Atmosphäre der historischen Räumlichkeiten ist toll, auch wenn das Essen eher solide als herausragend ist. Aber wo sonst könnt ihr in einem fast 700 Jahre alten Restaurant zu Mittag essen?
Café Melvin Bistro — am Goldenen Gässchen

Ein kleines Café direkt beim Goldenen Gässchen, wo ihr anständigen Kaffee und Gebäck bekommt. Nichts Überragendes, aber für eine schnelle Pause während der Besichtigung taugt es. Die Preise entsprechen der Lage — rechnet mit etwas mehr als in einem normalen Prager Café.
Café Nový Svět — ruhig und erschwinglich
Mein Lieblingsstopp in der Umgebung der Burg. Ein kleines Café in der Gasse Nový Svět, wo ihr in Ruhe sitzen, ausgezeichneten Kaffee zu normalen Preisen trinken und die bunten Häuschen bewundern könnt. Keine Touristenmassen, keine Aufschläge. Genau so ein Ort, den man am Hradschin nicht erwarten würde.
Klosterbrauerei Strahov — eigenes Bier, aber reservieren!

Über die Brauerei habe ich oben schon geschrieben — hier nochmal das Wichtigste: Reserviert vorher. Das Bier ist ausgezeichnet (Sv. Norbert in mehreren Varianten), das Essen solide tschechisch, die Atmosphäre in den Klosterräumen super. Ohne Reservierung riskiert ihr, nicht reinzukommen.
IPPA Café
Ein gemütliches Café mit Konditorei-Produkten und Frühstück in der Nähe der Burg. Wenn ihr einen Ort für ein entspanntes Frühstück vor der Besichtigung sucht, ist das eine gute Wahl.
💡 TIPP: Allgemeine Faustregel fürs Essen an der Burg — je näher an der Haupttouristenroute (Nerudova → Burg → Goldenes Gässchen), desto schlechter das Preis-Leistungs-Verhältnis. Biegt nur eine Gasse ab und es wird gleich besser. Und wenn ihr Zeit habt, steigt zur Kleinseite hinab, wo die Restaurantauswahl viel größer und preislich günstiger ist.
3 Routen je nachdem, wie viel Zeit ihr habt
Das hier ist etwas, das ich auf anderen Websites zur Prager Burg nicht gefunden habe — und dabei ist es wahrscheinlich das Praktischste, was ich euch mitgeben kann. Drei konkrete Routen mit Zeitplan, damit ihr genau wisst, wohin und wann.
2 Stunden — Schnellbesichtigung bei wenig Zeit
Das ist die Variante „das Wichtigste sehen und weiter“. Ideal, wenn ihr nur einen Tag in Prag habt und die Burg eine Station von vielen ist.
9:00 — Fahrt mit der Straßenbahn 22 zur Haltestelle Pražský hrad. Geht zum II. Burghof und kauft ein Ticket für den Rundgang B (ca. 10 €) an der Kasse — morgens gibt es hier meist keine Schlange.
9:10 — Steuert direkt den Veitsdom an. Geht durch das Hauptschiff, haltet an den Mucha-Glasfenstern und schaut in die Wenzelskapelle. Rechnet mit 20–30 Minuten.
9:40 — Weiter zum Alten Königspalast, durch den Wladislawsaal und zum Fenstersturz-Fenster. 15–20 Minuten.
10:00 — Kurzer Durchgang durch die St.-Georgs-Basilika — 10 Minuten reichen, um die Atmosphäre der ältesten Kirche auf der Burg aufzusaugen.
10:15 — Goldenes Gässchen — schlendert durch die Häuschen, schaut in Kafkas Nr. 22, seht euch die Rüstungsausstellung im Obergeschoss an. 15–20 Minuten.
10:40 — Steigt zur Aussicht bei den Südgärten hoch (sofern geöffnet), fotografiert das Prag-Panorama und steigt über die Alte Schlosstreppe zur Malostranská hinab.
11:00 — Ihr seid unten in der Kleinseite. Insgesamt 2 Stunden, und ihr habt das Wichtigste gesehen.
Halber Tag — empfohlene Route für die meisten Besucher
Das ist meine Empfehlung, wenn ihr die Burg richtig kennenlernen wollt, aber keinen ganzen Tag dafür habt. Plant ca. 4–5 Stunden ein.
8:45 — Straßenbahn 22 zur Haltestelle Pohořelec. Startet in Strahov — besichtigt die Strahov-Bibliothek (ca. 8 €, öffnet um 9:00, Besichtigung 20–30 Minuten). Wenn es fürs Bier noch zu früh ist, werft wenigstens einen Blick ins Klostergelände.
9:30 — Geht zum Hradschin-Platz und betretet die Burg. Kauft den Rundgang B (ca. 10 €) an der Kasse im II. Burghof.
9:45 — Veitsdom — nehmt euch Zeit, 30–40 Minuten. Wenn ihr auf den Turm wollt (ca. 6 €), rechnet mit weiteren 20 Minuten.
10:30 — Alter Königspalast — 20 Minuten.
10:50 — St.-Georgs-Basilika — 15 Minuten.
11:05 — Lobkowicz-Palast (ca. 11 €) — das ist der Bonus, den die meisten auslassen, der sich aber lohnt. Geht durch die Galerie, schaut euch die Handschriften an und trinkt einen Kaffee auf der Terrasse mit Aussicht. 45–60 Minuten.
12:00 — Mittagessen im Restaurant Kuchyň (vorher reservieren) oder im Café Nový Svět (wenn ihr etwas Leichteres und Günstigeres wollt).
12:45 — Spaziergang zum Nový Svět — 15–20 Minuten gemütlicher Bummel durch die fotogene Gasse.
13:00 — Rückkehr über das Burggelände, durch die Südgärten (Ausblicke!) und Abstieg zur Kleinseite.
13:30 — Fertig. Ihr habt das Beste der Burg und Umgebung gesehen und habt noch den ganzen Nachmittag für die Kleinseite oder andere Teile Prags.
Ganzer Tag — für Geschichtsliebhaber und langsames Reisen
Das ist die Variante für alle, die richtig in die Burg und ihre Umgebung eintauchen wollen. Rechnet mit 7–8 Stunden.
8:30 — Startet in Strahov. Strahov-Bibliothek (ca. 8 €), Spaziergang durch das Klostergelände, Ausblick auf Prag von der Klosterterrasse.
9:15 — Weiter zur Burg. Kauft den Rundgang A (ca. 14 €) + Ticket für den Domturm (ca. 6 €).
9:30 — Veitsdom — diesmal nehmt euch richtig Zeit. Glasfenster, Wenzelskapelle, Königskrypta, und dann 287 Stufen auf den Turm. Insgesamt 60–75 Minuten.
10:45 — Alter Königspalast inklusive Ausstellung „Die Geschichte der Prager Burg“ (Teil von Rundgang A). 30–40 Minuten.
11:25 — St.-Georgs-Basilika — 15 Minuten.
11:45 — Goldenes Gässchen — jetzt um die Mittagszeit sind mehr Leute da, aber mit Rundgang A habt ihr Eintritt. Geht in Ruhe durch, auch durchs Obergeschoss. 20–30 Minuten.
12:15 — Feierliche Wachablösung im I. Burghof. Kommt rechtzeitig, um einen guten Platz zu haben.
12:30 — Mittagessen. Entweder Kuchyň (mit Reservierung) oder runter nach Strahov in die Klosterbrauerei (mit Reservierung!). Eine Stunde fürs Essen.
13:30 — Lobkowicz-Palast (ca. 11 €) — Galerie, Handschriften, Konzert (falls gerade gespielt wird), Terrasse. 60 Minuten.
14:30 — Königlicher Garten — Spaziergang, Belvedere, Singender Brunnen, Ballhaus. 30–45 Minuten.
15:15 — Hirschgraben — ruhiger Spaziergang im Grünen. 20 Minuten.
15:40 — Nový Svět — Café, Fotos, Atmosphäre. 30 Minuten.
16:10 — Spaziergang durch die Südgärten mit Blick auf Prag. 20–30 Minuten.
16:40 — Abstieg zur Kleinseite durch die Nerudova-Gasse, eventuell ein Stopp für Eis oder Wein.
17:30 — Fertig. Ihr habt den ganzen Tag auf der Burg und in der Umgebung verbracht und wirklich alles gesehen.
Shakespeare-Festspiele und weitere Veranstaltungen auf der Burg
Die Prager Burg ist nicht nur ein Museum — das ganze Jahr über finden hier Veranstaltungen und Events statt, für die es sich lohnt, den Besuch zu planen. Eine davon mag ich ganz besonders.
Shakespeare-Festspiele — Freilichttheater
Die Shakespeare-Festspiele finden jeden Sommer beim Höchsten Burggrafenamt direkt auf dem Gelände der Prager Burg statt (und an weiteren Spielstätten). Im Jahr 2026 laufen sie vom 24. Juni bis 5. September, auf dem Spielplan stehen 8 Stücke — von Komödien wie Die Komödie der Irrungen und Wie es euch gefällt bis zu Tragödien wie Othello und Macbeth.
Lukáš und ich fahren regelmäßig hin und es ist jedes Mal ein magisches Erlebnis. Stellt euch vor: Ihr sitzt unter freiem Himmel, hinter euch ragen die Mauern der Prager Burg empor, die Sonne geht unter und auf der Bühne wird Shakespeare gespielt. Beginn ist um 20:30, also genau zu der Zeit, wenn es dunkel wird und die Atmosphäre sich verdichtet. Ich bekomme Gänsehaut, wenn ich nur darüber schreibe. ☺️
Tickets kosten ca. 18–60 € (je nach Plätzen und Vorstellung) und werden über Ticketmaster verkauft. In der Saison sind sie schnell ausverkauft, also kauft rechtzeitig. Die Aufführungen sind auf Tschechisch, aber einige Stücke haben englische Übertitel.
Und jetzt ein Fun Fact, den ich einfach teilen muss, auch wenn er mit der Burg nicht direkt zu tun hat. Bei den Shakespeare-Festspielen haben wir einmal einen Nachbarn aus meiner Kindheit getroffen — unsere Mütter wohnen nebeneinander in einer Kleinstadt in Südböhmen. Wir plauderten, sagten uns, wie klein die Welt ist, und gingen jeder zu seinem Platz. Ein paar Jahre später sind wir alle zurückgezogen und seine Frau und ich wurden fast gleichzeitig schwanger — unsere Söhne sind gleich alt. Die Shakespeare-Festspiele auf der Prager Burg sind also nicht nur für kulturelle Erlebnisse verantwortlich, sondern offenbar auch für kosmische Synchronizität. 😁
Weitere Veranstaltungen auf der Burg
Im Laufe des Jahres finden auf der Burg auch Konzerte, Ausstellungen und andere Kulturevents statt. Schaut auf die offizielle Website der Burg oder die Social-Media-Kanäle — manchmal gibt es auch spezielle Nachtführungen oder thematische Veranstaltungen rund um Weihnachten.
Prager Burg — interessante Fakten, die ihr sonst nirgends findet
Zum Schluss ein paar Fakten, die woanders keinen Platz gefunden haben, die aber zu schade sind, um sie nicht zu erwähnen:
- Die Prager Burg ist laut Guinness-Buch der Rekorde die größte antike Burganlage der Welt — über 70.000 m² Fläche. Zum Vergleich: Der Buckingham Palace hat „nur“ 77.000 m² Gesamtfläche, aber als Burgkomplex ist die Prager Burg einzigartig.
- Die böhmischen Kronjuwelen werden in der Kronkammer des Veitsdoms hinter sieben Schlössern aufbewahrt. Die Schlüssel halten sieben Persönlichkeiten — der Präsident, der Premierminister, der Prager Erzbischof, die Vorsitzenden beider Parlamentskammern, der Propst des Metropolitankapitels und der Prager Oberbürgermeister. Alle sieben müssen zusammenkommen, damit die Kammer geöffnet wird. Das geschieht nur äußerst selten.
- Der Daliborka-Turm — ein Turm am Goldenen Gässchen, in dem angeblich der Ritter Dalibor von Kozojedy gefangen gehalten wurde, der im Kerker das Geigenspielen gelernt haben soll. Der berühmte tschechische Komponist Bedřich Smetana schrieb nach dieser Geschichte seine Oper „Dalibor“.
- Sicherheitskontrollen — seit 2023, unter Präsident Pavel, wurden die flächendeckenden Metalldetektoren an den Burgeingängen abgeschafft. Kontrollen finden nur noch stichprobenartig statt, sodass der Eintritt schneller und unkomplizierter ist. Die Burg ist wieder offener für die Öffentlichkeit, wie es historisch üblich war.
- Der Veitsdom beherbergt Glasfenster von Alfons Mucha — aber Mucha entwarf sie erst 1931, also mit 71 Jahren. Die dritte Kapelle links heißt Neue Erzbischöfliche Kapelle und Muchas Jugendstil in einer gotischen Kirche ist überraschend harmonisch.
Häufig gestellte Fragen zur Prager Burg (FAQ)
Was kostet der Eintritt zur Prager Burg?
Der Eintritt ins Gelände der Prager Burg ist komplett kostenlos. Bezahlt wird für den Zugang zu den Innenräumen: Rundgang A kostet ca. 14 € (ermäßigt ca. 7 €), Rundgang B ca. 10 € (ermäßigt ca. 5 €), Rundgang C ca. 14 €. Der Veitsdom-Turm kostet ca. 6 € und der Lobkowicz-Palast ca. 11 €. Kinder unter 6 Jahren haben freien Eintritt. Die Tickets gelten an 2 aufeinanderfolgenden Tagen.
Ist der Eintritt zur Prager Burg kostenlos?
Ja, der Eintritt ins gesamte Burggelände ist kostenlos — ihr könnt über die Höfe, durch die Gärten und den Hirschgraben spazieren und den Dom von außen bewundern. Das Goldene Gässchen ist nach 17:00 im Sommer und nach 16:00 im Winter kostenlos. Die Wachablösung ist ebenfalls kostenlos. Nur für den Zugang zu den Innenräumen der Gebäude im Rahmen der Besichtigungsrundgänge muss bezahlt werden.
Wie lange dauert eine Besichtigung der Prager Burg?
Das hängt davon ab, wie viel ihr sehen wollt. Eine schnelle Besichtigung der wichtigsten Sehenswürdigkeiten dauert etwa 2 Stunden. Eine gründliche Besichtigung der Burg einschließlich Lobkowicz-Palast und Mittagessen dauert 4–5 Stunden. Wenn ihr auch die Gärten, Strahov und Nový Svět sehen wollt, plant einen ganzen Tag ein (7–8 Stunden).
Wann ist die beste Zeit, die Prager Burg zu besuchen?
Am besten kommt ihr vor 9:00 oder nach 18:00, wenn die Menschenmassen minimal sind. Die ruhigsten Wochentage sind Dienstag und Mittwoch. Meidet Wochenenden und die Zeit Juli–August, wenn der Touristenandrang am größten ist. Saisonal sind Mai, Juni, September und Oktober ideal — angenehmes Wetter, geöffnete Gärten und weniger Besucher als in der Hauptsaison.
Wie kommt man zur Prager Burg?
Am bequemsten mit der Straßenbahn Nummer 22 oder 23, Haltestelle Pražský hrad (ihr seid direkt oben). Alternativ mit der Metro Linie A zur Station Malostranská und dann zu Fuß bergauf (15–20 Minuten). Empfohlene Strategie: Mit der Straßenbahn hoch, zu Fuß runter über die Kleinseite — so geht ihr bergab und habt unterwegs schöne Ausblicke. Wenn ihr aus Deutschland anreist, erreicht ihr Prag bequem per Flug (z. B. mit Eurowings oder Lufthansa von Berlin oder München) oder mit dem Zug.
Wann wurde die Prager Burg erbaut?
Die Prager Burg wurde um das Jahr 880 von Fürst Bořivoj aus dem Geschlecht der Přemysliden gegründet. Seitdem wurde sie ununterbrochen umgebaut und erweitert — romanische, gotische, Renaissance- und Barockelemente durchdringen sich hier. Der Veitsdom, das bekannteste Bauwerk des Komplexes, wurde fast 600 Jahre lang gebaut (1344–1929).
Wie viele Räume hat die Prager Burg?
Die Prager Burg ist ein weitläufiger Komplex aus Gebäuden, Kirchen, Palästen und Gärten mit einer Gesamtfläche von über 70.000 m². Die genaue Raumanzahl variiert je nach Quelle, wird aber auf etwa 700 Räume in den verschiedenen Gebäuden des Komplexes geschätzt. Zum Vergleich — es handelt sich um die größte antike Burganlage der Welt laut Guinness-Buch der Rekorde.
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