Azoren Portugal: Welche Insel wählen + São Miguel Reiseführer

Wenn ihr dieses Jahr den klassischen Strandurlaub gegen etwas Abenteuerlicheres tauschen wollt, werden euch die Azoren Portugal vollkommen in den Bann ziehen. Vergesst aber tropische Strände mit weißem Sand und Cocktails aus Kokosnüssen, denn dieser Archipel ist ganz und gar kein europäisches Hawaii, wie es in glänzenden Reiseprospekten oft heißt. Es ist eine Destination, die rauer, grüner, feuchter und vor allem unglaublich authentisch ist. Stellt euch eine faszinierende Kreuzung aus Island, Irland und Jurassic Park vor, die jemand mitten in den unberechenbaren Atlantik geworfen hat. In diesem Artikel schauen wir uns gemeinsam an, welche der neun Vulkaninseln ihr wählen sollt, erkunden die Hauptinsel São Miguel im Detail und ich verrate euch, wie ihr die häufigsten Logistikfehler vermeidet.

Azoren São Miguel Panorama
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Zusammenfassung für alle, die keine Zeit haben den ganzen Artikel zu lesen

  • Ideale Insel für den ersten Besuch: Wenn ihr nur eine Woche bis zehn Tage habt, bleibt auf São Miguel – die Insel bietet von allem etwas und hat die beste Infrastruktur.
  • Das Wetter ist unberechenbar: Normale Wetter-Apps funktionieren hier nicht zuverlässig – prüft daher immer den aktuellen Stand über die Webcams in der App SpotAzores.
  • Mietwagen sofort buchen: In der Hochsaison sind die Autos auf den Inseln schlicht ausgebucht – kümmert euch am besten ein halbes Jahr im Voraus darum.
  • Fähren vs. Flugzeuge: Mit der Fähre fahrt ihr nur innerhalb des zentralen „Dreiecks“ (Pico, Faial, São Jorge) – für längere Strecken nutzt ausschließlich Flüge mit Azores Airlines.
  • Die Regel des letzten Tages: Plant niemals einen Flug von einer kleineren Insel zurück nach São Miguel am selben Tag, an dem euer Heimflug nach Europa startet – wegen Nebel oder Wind könnt ihr leicht stranden.
  • Wann auf Wale treffen: Die beste Zeit für die Sichtung der großen Meeressäuger ist während der Frühjahrsmigration im April und Mai.
Wann auf die Azoren reisen
Foto: José Luís Ávila Silveira/Pedro Noronha e Costa / Wikimedia Commons, Public domain
✈️ Günstige Flüge
Portugal: günstigste Flüge
Vergleichen Sie alle Airlines und finden Sie die günstigsten Termine. · Mehr günstige Flüge →
Flüge finden →
📶 DATEN FÜR DIE REISE · Portugal
Mobiles Internet im Urlaub — per eSIM
⚡ QR-Aktivierung in 2 Min. · 📱 keine physische SIM · 🌍 37 Länder · ab 3 €
eSIM für Europa holen →
✅ Vom Team des Reiseblogs Loudavým krokem · Unser eigenes Projekt — lk-sim.com

Wann auf die Azoren reisen

Die Wahl des richtigen Reisezeitpunkts ist bei den Azoren Portugal absolut entscheidend – auch wenn ihr niemals hundertprozentige Garantie auf schönes Wetter haben werdet. Das Klima ist das ganze Jahr über mild und feucht: Die Temperaturen fallen selten unter 13 °C und steigen im Sommer kaum über 26 °C. Dafür regnet es wirklich viel, und ein kräftiger Atlantikwind kann Pläne von einer Minute zur nächsten durchkreuzen. Es ist ganz normal, dass ihr alle vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag erlebt – während im Süden die Sonne brennt, tobt im Norden der nächste Schauer.

Die Hauptsaison läuft von Juni bis August, wenn das Wetter am stabilsten ist und die Temperaturen angenehme 25 °C erreichen. In dieser Zeit stehen die allgegenwärtigen Hortensien in voller Blüte und die Inseln erstrahlen in prächtigen Farben – ihr müsst euch allerdings auf volle Unterkünfte und deutlich höhere Mietwagenpreise einstellen. Wer ein ruhigeres Erlebnis sucht, reist im April oder Mai: Die Natur erwacht, alles blüht, und vor allem habt ihr die besten Chancen, wandernde Wale zu sichten. Die Herbstmonate September und Oktober bieten einen angenehm warmen Ozean mit rund 22 °C, aber ab Ende Oktober drohen heftige Stürme und gestrichene Flüge. Winterreisen von November bis März sind eher etwas für echte Abenteurer, die ihre Tage in heißen Thermalquellen verbringen wollen und sich von Kälte und starkem Wind, der oft Fähren stilllegt, nicht abschrecken lassen.

Wo auf den Azoren übernachten
Foto: Eduardo Manchon / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Wo auf den Azoren übernachten

💡 Tipp zu Unterkünften und Aktivitäten: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo die Stornobedingungen meist am besten sind. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich auf GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.

Wo ihr euer Lager aufschlagt, hängt in erster Linie davon ab, wie viel Zeit ihr habt und was ihr erleben möchtet. Der Archipel gliedert sich in drei klar getrennte Gruppen, und die Entfernungen zwischen ihnen sind wirklich nicht zu unterschätzen – der Versuch, in zwei Wochen alle Inseln abzuhaken, kostet nur Nerven und jede Menge Geld für Flüge. Rechnet außerdem damit, dass durch neue EU-Gesetzgebung (Verordnung 2024/1028 zu Kurzzeitvermietungen) günstige inoffizielle Unterkünfte nach und nach verschwinden und der Markt sich stärker in Richtung klassischer Pensionen und dem sogenannten Turismo Rural – ländlicher Ferienhäuser – verschiebt.

Wer zum ersten Mal auf die Azoren reist, sollte São Miguel als Basis wählen: Die größte Insel ist das Eingangstor des Archipels und bietet die abwechslungsreichste Auswahl. Für die Erkundung des westlichen und zentralen Teils der Insel ist eine Unterkunft direkt in der Hauptstadt Ponta Delgada ideal, von der aus alle wichtigen Straßen sternförmig abgehen. Eine hervorragende Wahl ist zum Beispiel das gehobene Grand Hotel Açores Atlântico, das atemberaubende Meerblicke und einen bequemen Zugang zu Restaurants bietet. Für die Erkundung des östlichen Teils der Insel mit seinen heißen Quellen empfiehlt es sich, in die Gegend von Furnas umzuziehen – dort ist das begehrte Octant Furnas zu empfehlen, wo ihr unbegrenzten Zugang zu den Thermalbecken habt. Alle Hotels und Pensionen solltet ihr rechtzeitig über Booking reservieren, um sichere Stornobedingungen zu haben, denn die Kapazitäten auf den Inseln sind im Sommer hoffnungslos ausgebucht.

18 Tipps was auf den Azoren sehen und erleben
Foto: Ravi Sarma / Wikimedia Commons, CC BY 2.0

18 Tipps: Was auf den Azoren sehen und erleben

Lasst uns gemeinsam einen Blick auf das Beste werfen, was euch diese magischen Inseln zu bieten haben. Wir beginnen mit einer ausführlichen Erkundung der Hauptinsel São Miguel und bewegen uns dann weiter zu den anderen faszinierenden Orten des gesamten Archipels.

Faszinierende Aussicht auf die Lagoa das Sete Cidades
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

1. Faszinierende Aussicht auf die Lagoa das Sete Cidades

Das ist genau das Bild, das ihr auf jeder Postkarte von den Azoren findet. Ein Duo riesiger Vulkanseen – einer blau, einer grün gefärbt – liegt auf dem Grund eines gewaltigen Kraters im Westen von São Miguel. Steuert den berühmten Aussichtspunkt Boca do Inferno an, von dem sich euch der wohl bekannteste Blick der ganzen Azoren bietet, bei dem euch der Atem stocken wird. Der Weg zum Aussichtspunkt führt ein kurzes Stück zu Fuß vom Parkplatz, gesäumt von üppiger Vegetation, die an einen Urwald erinnert.

💡 Tipp von vor Ort: Schaut vorher in die Webcams. Sete Cidades liegt extrem häufig in dichtem, undurchdringlichem Nebel. Bevor ihr morgens losfährt, checkt die App SpotAzores – wenn ihr nur weißes Nichts seht, spart euch die Fahrt und verschiebt das Programm auf einen anderen Tag.

Der wilde und ungezähmte Lagoa do Fogo
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

2. Der wilde und ungezähmte Lagoa do Fogo

Während Sete Cidades hübsch hergerichtet ist, bewahrt der Lagoa do Fogo – der „Feuersee“ – seinen vollkommen wilden und unberührten Charakter. Er liegt deutlich höher im Gebirge im zentralen Teil São Miguels, was bedeutet: noch mehr Nebel und stärkerer Wind als anderswo. Erwischt ihr aber einen klaren Tag, erwartet euch ein traumhaft blauer Wasserspiegel, der von steilen grünen Hängen umgeben ist.

Ihr könnt euch mit dem Blick von oben von einer der Aussichtsplattformen an der Straße begnügen – aber wenn ihr euch gerne bewegt, steigt den steilen Pfad bis hinunter zum Strand hinab. Der Abstieg dauert etwa eine halbe Stunde und belohnt euch mit wunderbarer Stille, denn die meisten Touristen bleiben oben bei ihren Autos.

Brodelnde Erde im Tal von Furnas
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

3. Brodelnde Erde im Tal von Furnas

Das Tal von Furnas im Osten São Miguels ist ein Ort, an dem ihr buchstäblich spürt, wie lebendig der Planet unter euren Füßen ist. Schon bei der Einfahrt in das Städtchen empfängt euch allgegenwärtiger Schwefelgeruch und Dampfwolken, die direkt aus dem Boden aufsteigen. Dutzende Fumarolen und brodelnde Thermalquellen sind durch Stege und Wege erschlossen.

Diese geothermische Aktivität ist ein absolut faszinierendes Schauspiel. Die einzelnen Quellen haben unterschiedliche Temperaturen und chemische Zusammensetzungen – an einigen könnt ihr sogar versuchen, ein Ei oder Mais zu kochen. Versäumt auf keinen Fall einen Spaziergang rund um den Furnas-See, wo ihr die als Caldeiras bekannte Zone entdeckt, in der die berühmten traditionellen Gerichte der Region im Erdinneren gegart werden.

Baden in den Thermalquellen Terra Nostra und Dona Beija
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

4. Baden in den Thermalquellen Terra Nostra und Dona Beija

Wenn es auf den Azoren regnet – und es wird regnen – ist das beste Gegenmittel, sich in heißes Wasser zu legen. In Furnas habt ihr zwei absolut phänomenale Möglichkeiten zum Baden. Die erste ist der historische Park Terra Nostra, in dessen Mitte ein riesiges Becken mit tief rostrot-braunem Wasser liegt – gefärbt durch den hohen Eisengehalt. Im warmen, gelblich-braunen Wasser inmitten eines botanischen Gartens zu schwimmen, ist ein unvergessliches Erlebnis.

Die zweite, modernere Option ist der Komplex Poça da Dona Beija mit mehreren kleineren Becken unterschiedlicher Wassertemperatur. Das Thermalbad hat bis in die späten Abendstunden geöffnet, sodass ein Abendtauchgang unter dem Sternenhimmel zu einem der schönsten Rituale des Urlaubs werden kann.

💡 Tipp von vor Ort: Nehmt alte Badeklamotten mit. Das eisenhaltige Wasser in Furnas wird helle und neue Badeanzüge und Badehosen zuverlässig orangebraun färben – diese Farbe geht nie wieder raus. Dunkle Sachen sind also ein Muss.

Wie das Cozido das Furnas zubereitet wird
Foto: Sara Araújo Marques / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

5. Wie das Cozido das Furnas zubereitet wird

Cozido das Furnas – das vulkanisch gegarte Traditionsgericht
Foto: Sara Araújo Marques / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Das kulinarische Wahrzeichen der Insel São Miguel ist zweifellos das Cozido das Furnas – und seine Zubereitung ist ein absolutes Unikum. Die Restaurants füllen früh morgens große Töpfe mit den Zutaten, verschließen sie fest, fahren zum Furnas-See und vergraben sie direkt in der heißen Vulkanerde. Dort schmort das Essen mit geothermischer Energie langsam vor sich hin – rund sechs bis sieben Stunden lang.

Die klassische Version ist ein gewaltiger Fleisch-Gemüse-Eintopf mit Rind, Schwein, Huhn, Würsten und jeder Menge lokales Gemüse. Zum Glück bieten viele Restaurants in Furnas inzwischen auch ausgezeichnete vegetarische Versionen des Cozido an, in denen würzig gewürztes Wurzelgemüse, Kohl und Süßkartoffeln die Hauptrolle spielen – durch das langsame vulkanische Garen bekommen sie einen leicht erdigen und schwefligen Geschmack.

Europäisches Unikat: Teeplantagen Gorreana
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

6. Europäisches Unikat: Teeplantagen Gorreana

Wusstet ihr, dass die Azoren der einzige Ort in Europa sind, wo im großen Stil Tee angebaut wird? An der Nordküste von São Miguel findet ihr die historische Teefabrik Chá Gorreana, die seit 1883 ununterbrochen in Betrieb ist. Der Besuch der Fabrik selbst ist kostenlos – ihr könnt die alten surrenden Maschinen besichtigen, die die Blätter verarbeiten.

Das Schönste erwartet euch aber draußen. Ihr findet euch in einer Landschaft wieder, die wie ein Stück Sri Lanka mitten im Atlantik aussieht. Zwischen den akkurat gestutzten Reihen der Teesträucher verlaufen Wanderwege mit herrlichem Blick auf den wilden Ozean. Zum Abschluss des Besuchs könnt ihr im kleinen Café kostenlos Schwarz- und Grüntee probieren.

Gassen der Hauptstadt Ponta Delgada
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

7. Gassen der Hauptstadt Ponta Delgada

Ponta Delgada – Hauptstadt von São Miguel
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Auch wenn man die Azoren hauptsächlich wegen der Natur besucht, verdient die Hauptstadt Ponta Delgada mindestens einen Tag eurer Aufmerksamkeit. Es ist eine angenehme, überraschend weltoffene Stadt, die durch ihre typisch schwarz-weiße Architektur besticht – heller Putz im Kontrast mit dunklem Lavagestein.

Schlendert entlang der Uferpromenade, haltet am ikonischen Stadttor Portas da Cidade inne und besucht unbedingt die lokale Markthalle Mercado da Graça. Genau dort entdeckt ihr die besten lokalen Produkte – darunter riesige süße Ananas, die auf der Insel in speziellen Gewächshäusern gezogen werden und einen unglaublich vollmundigen Geschmack haben.

Herausforderung für Bergfans: Besteigung des Vulkans Pico
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0
lukas a lucka
Lukáš und Lucie empfehlen
Wo auf den Azoren (São Miguel) übernachten
3 Unterkünfte — Wellnesshotels, Hotels und weitere Übernachtungsmöglichkeiten

8. Herausforderung für Bergfans: Besteigung des Vulkans Pico

Wenn ihr in die zentrale Inselgruppe reist, beherrscht der monumentale Vulkan Ponta do Pico auf der gleichnamigen Insel den gesamten Horizont. Mit 2.351 Metern über dem Meeresspiegel ist er der höchste Berg ganz Portugals – und die Besteigung ist alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Es handelt sich um einen sehr steilen und steinigen Trek, der festes Schuhwerk und gute körperliche Fitness voraussetzt.

Der Aufstieg ist außerdem streng reglementiert. Die Kapazität am Berg ist begrenzt, weshalb die Anmeldeplätze oft wochenlang im Voraus ausgebucht sind. Ihr könnt alleine oder mit einem lokalen Guide aufsteigen – eine geführte Tour kostet etwa 60 bis 80 €. Als Belohnung wartet das Gefühl, auf dem höchsten Punkt des Atlantiks zu stehen, mit einem Blick auf die umliegenden Inseln.

UNESCO-geschützte Lavastein-Weinberge auf Pico
Foto: Diego Delso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

9. UNESCO-geschützte Lavastein-Weinberge

Die Insel Pico ist nicht nur Ziel für Bergwanderer, sondern beheimatet auch einen absolut einzigartigen Weinbau, der es auf die UNESCO-Welterbeliste geschafft hat. Die Einheimischen bauen ihre Reben in sogenannten Currais an – kleinen Parzellen aus aufgestapelten schwarzen Lavasteinen, die die Pflanzen vor dem zerstörerischen Salzwind des Ozeans schützen.

Dank dieser uralten Methode und des schwarzen Vulkanbodens, der tagsüber Wärme speichert und sie nachts an die Wurzeln abgibt, hat der Wein von Pico einen ganz eigenen und ausgeprägt mineralischen Charakter. Geht zur Verkostung in eines der lokalen Weingüter und spaziert durch das Labyrinth schwarzer Steinmauern, das sich bis ans Ufer erstreckt.

10. Seglerromantik im Hafen von Horta

Nur eine kurze Fährfahrt von Pico entfernt liegt die Insel Faial, deren Hauptstadt Horta ein legendärer Kreuzungspunkt der Weltmeere ist. Der Hafen ist seit jeher ein wichtiger Zwischenstopp für Segler, die die anspruchsvolle Atlantiküberquerung wagen. Die Atmosphäre hier ist von einem unglaublich kosmopolitischen und abenteuerlichen Flair geprägt.

Die größte Besonderheit des Hafens sind seine Mauern und Gehwege: Sie sind mit Tausenden von bunten Botschaften und Bildern der Schiffsbesatzungen bemalt, die hier angelegt haben. Ein altes Seemannsmärchen besagt nämlich, dass ein Schiff, das in Horta kein Gemälde hinterlässt, nicht sicher in seinen Heimathafen einlaufen wird.

11. Mondlandschaft des Vulkans Capelinhos

An der Westspitze der Insel Faial habt ihr das Gefühl, auf einem anderen Planeten gelandet zu sein. Im Jahr 1957 kam es hier zu einem massiven Unterwasserausbruch, der über ein Jahr andauerte und völlig neues Land entstehen ließ, das sich mit dem ursprünglichen Ufer verband. Heute heißt dieses Gebiet Vulcão dos Capelinhos.

Die Landschaft sieht buchstäblich wie auf dem Mars aus. Überall liegt nur schwarze und rote Vulkanasche, aus der das halb verschüttete Dach eines alten Leuchtturms herausragt, der den Ausbruch überlebt hat. Im Inneren des Leuchtturms befindet sich außerdem ein erstklassiges unterirdisches Museum, das euch die gesamte geologische Geschichte dieses dramatischen Ortes näherbringt.

12. Extremwandern auf den Klippen von São Jorge

Die lange, schmale Insel São Jorge ist ein Paradies für anspruchsvolle Wanderer. Ihr Markenzeichen sind steile Steilklippen, unterhalb derer sich die sogenannten Fajãs befinden – kleine Küstenplattformen, die durch Erdrutsche oder erstarrte Lavaströme entstanden sind. Das Leben spielt sich hier buchstäblich am Rand zwischen Bergen und tosender See ab.

Die Insel bietet die schönsten und zugleich anspruchsvollsten Wanderrouten des gesamten Archipels. Sehr beliebt ist der Abstieg zur Fajã da Caldeira de Santo Cristo, die nur zu Fuß oder per Quad erreichbar ist und eine abgeschnittene Gemeinschaft ohne Mobilfunknetz beherbergt.

13. Würziger Käse Queijo São Jorge

Wenn ihr nach anstrengenden Wanderungen neue Energie braucht, hat São Jorge die perfekte Lösung. Hier wird nämlich der berühmteste Azorenkäse, der Queijo São Jorge, hergestellt, den ihr nicht nur überall im Archipel, sondern auch auf dem portugiesischen Festland findet. Die Kühe grasen das ganze Jahr über auf grünen Hängen, die vom salzigen Meereswind umweht werden – das gibt der Milch ihren besonderen Geschmack.

Es handelt sich um einen harten, gereiften Kuhmilchkäse mit einem leicht scharfen und würzigen Profil. Er reift mehrere Monate lang, und die Einheimischen servieren ihn am liebsten pur mit gutem Brot und lokalem Fruchtkonfitüren-Chutney. Kauft euch auf jeden Fall ein kleines Stück als essbares Souvenir mit nach Hause.

14. Das historische Juwel Angra do Heroísmo

Während die meisten Inseln vor allem mit Naturschönheiten punkten, ist Terceira das kulturelle und historische Herz der Azoren. Das größte Highlight ist zweifellos die Hafenstadt Angra do Heroísmo, die wegen ihrer gut erhaltenen Renaissance-Architektur und ihres rechtwinkligen Straßennetzes zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört.

Beim Stadtbummel begegnet ihr prächtigen Palästen, alten Festungen und bunten Häusern mit schmiedeeisernen Balkonen. Die Stadt hat eine elegante und noble Atmosphäre, die einen starken Kontrast zur wilden Vulkanlandschaft der Umgebung bildet. Ein Abstecher auf den Hügel Monte Brasil lohnt sich unbedingt – von dort habt ihr die gesamte Stadt wie auf dem Präsentierteller vor euch.

15. Ungezähmte Wasserfälle am Ende der Welt

Wer absolute Abgeschiedenheit und unbändige Natur sucht, muss bis an den westlichen Rand des Archipels fliegen. Die Inseln Flores und Corvo sind die isoliertesten, feuchtesten, aber zugleich bei weitem grünsten und wildesten – sie liegen bereits auf der nordamerikanischen tektonischen Platte.

Auf Flores findet ihr buchstäblich Hunderte atemberaubender Wasserfälle, die von senkrechten grünen Klippen direkt ins Meer oder in tiefe Seen stürzen. Der bekannteste ist der monumentale Poço do Bacalhau. Das hat allerdings einen gewaltigen Haken: Das Wetter ist hier so extrem unzuverlässig, dass ihr ein hohes Risiko gestrichener Flüge und anhaltenden Regens einkalkulieren müsst.

16. Phänomenale Wal- und Delfin-Beobachtung

Die Azoren gehören zu Recht zu den absolut besten Orten weltweit für die Beobachtung wilder Meeressäuger. Der Meeresboden rund um die Inseln fällt steil in enorme Tiefen ab, was ideale, nahrungsreiche Jagdgründe für die Tiere schafft. Während Pottwale und verschiedene Delfinarten das ganze Jahr über anzutreffen sind, müsst ihr für die Begegnung mit riesigen Finnwalen während der Frühjahrsmigration im April oder Mai anreisen.

Aufs Meer könnt ihr auf zwei Arten hinausfahren. Ein großer Katamaran ist stabiler und ideal für Menschen, die zu Seekrankheit neigen, kommt den Tieren aber nicht so nah. Die zweite Option ist das kleine, schnelle Schlauchboot namens Zodiac, das über die Wellen springt und ein sehr intensives Erlebnis bietet – allerdings definitiv nicht geeignet für Rückenprobleme.

💡 Tipp von vor Ort: Kommerzielles Schwimmen mit Walen ist streng verboten. Die Inseln nehmen den Naturschutz sehr ernst – kommerziell angeboten wird lediglich das Schnorcheln mit kleineren Delfinen auf dem offenen Meer; zu Walen wird stets ein respektvoller Abstand gehalten.

17. Logistik der Inselflüge und warum ihr immer einen Plan B braucht

Der Transport zwischen den einzelnen Inseln ist die größte Geduldsprobe jeder Azoren-Rundreise. Wer sich nicht ausschließlich im kleinen zentralen Dreieck bewegt, wo die Fähren der Atlânticoline zuverlässig funktionieren, ist auf Flüge mit der lokalen Airline SATA (Azores Airlines) angewiesen. Die kleinen Propellermaschinen fliegen recht niedrig, sodass der Ausblick aus dem Fenster schon für sich genommen ein Erlebnis ist.

Das Problem sind Kapazität und Wetter. Tickets, die meist um die 50 bis 100 € kosten, müsst ihr im Sommer Monate im Voraus kaufen. Und ihr müsst immer einen Ausweichplan haben. Die goldene Regel des letzten Tages lautet: Plant niemals einen Flug von einer kleineren Insel nach São Miguel für denselben Tag, an dem euer Heimflug startet. Ein bisschen Morgennebel auf Flores genügt, das Flugzeug bleibt am Boden, und ihr verpasst den teuren Flug nach Europa – den euch niemand erstattet.

18. Mietwagen und die Tücken der Azoren-Straßen

Zwar gibt es auf den Inseln einen öffentlichen Busverkehr, doch der dient in erster Linie dem Schulweg der Einheimischen und fährt die wichtigsten Naturattraktionen schlicht nicht an. Ein Mietwagen ist daher unverzichtbar. Das grundlegende Problem: Im Juli und August sind die Autos auf den kleineren Inseln schlicht vergriffen – wer keine Reservierung ein halbes Jahr im Voraus hat, zahlt astronomische Preise von teils 150 € pro Tag oder erkundet die Insel zu Fuß.

Das Fahren auf den Azoren hat seine Eigenheiten. Die Inseln sind unglaublich hügelig, die Straßen winden sich ständig durch steile Hänge. Wählt daher das kleinstmögliche Auto – das leichtere Einparken in engen Gassen werdet ihr nicht bereuen – und wenn ihr euch bei Anfahrten an steilen Hügeln unsicher fühlt, legt unbedingt etwas mehr für ein Automatikgetriebe hin. Bringt außerdem Geduld mit, denn auf der Straße haben Kühe auf dem Weg zur Weide absolute Vorfahrt und blockieren die gesamte Fahrbahn.

Wohin nach den Azoren

Da die meisten Flüge von Deutschland auf die Azoren einen Zwischenstopp auf dem portugiesischen Festland erfordern, wäre es schade, diese Zeit nicht zu nutzen. Wenn ihr über die Hauptstadt fliegt, plant unbedingt ein paar Tage für Sightseeing ein und lest unseren ausführlichen Lissabon Reiseführer – von dort aus lässt sich ein toller Ausflug in die märchenhafte Stadt Sintra mit ihren bunten Palästen oder in das Seebad Cascais unternehmen. Wer riesige Wellen liebt, sollte auf dem Weg nach Norden das legendäre Nazaré nicht verpassen.

Wenn euer Zwischenstopp im Norden liegt, schaut euch unsere Tipps zu Porto an und ergänzt sie mit einem Ausflug in die malerische Stadt der kleinen Boote, die als das portugiesische Venedig gilt: Aveiro. Und wenn ihr euch nach dem rauen Azorenwetter in der Sonne aufwärmen möchtet, zieht es euch vielleicht in den Süden, in die Algarve. Als Orientierung helfen euch unsere Artikel zu Lagos, dem Surferparadies Sagres, dem romantischen Carvoeiro, dem historischen Silves sowie den Highlights der Ostküste in Tavira, Faro, Olhão und unseren Tipps zu Loulé.

Häufig gestellte Fragen

Welche Insel sollte man für den ersten Besuch wählen?

Wenn ihr zum ersten Mal auf die Azoren fliegt und etwa eine Woche bis zehn Tage Zeit habt, wählt definitiv die Hauptinsel São Miguel. Sie ist die größte, verfügt über die zuverlässigste Infrastruktur und bietet den perfekten Mix aus allem, was den Archipel ausmacht – von Kraterseen und Thermalquellen bis hin zu Teeplantagen.

Wie viele Tage braucht man zur Erkundung der Azoren?

Für die Insel São Miguel allein solltet ihr idealerweise 7 bis 10 Tage einplanen, damit ihr genug Puffer für schlechtes Wetter habt. Wenn ihr mehrere Inseln besuchen und auch Inlandsflüge einbauen möchtet, empfehle ich, mindestens 14 bis 21 Tage für den Urlaub einzuplanen, sonst verbringt ihr die meiste Zeit nur mit Packen und Warten auf Flughäfen.

Wie bewegt man sich am besten zwischen den Inseln?

Für Fahrten innerhalb des zentralen Dreiecks (die Inseln Pico, Faial, São Jorge) funktionieren die Fähren der Gesellschaft Atlânticoline zuverlässig. Für alle längeren Strecken, zum Beispiel von São Miguel nach Pico, solltet ihr jedoch immer Inlandsflüge mit Azores Airlines nutzen, denn lange Schiffsreisen sind wegen der Ozeanwellen sehr anstrengend und werden oft gestrichen.

Ist es notwendig, vor Ort ein Auto zu mieten?

Ja, ein Mietwagen ist auf den Inseln praktisch unverzichtbar, wenn ihr euch nicht auf teure organisierte Touren verlassen wollt. Der öffentliche Nahverkehr funktioniert hier eher für die Bedürfnisse der einheimischen Schüler und Berufstätigen – Busse fahren nur ein paar Mal am Tag und zu den wichtigsten Naturaussichtspunkten und Kraterseen kommen sie meist gar nicht.

Wie ist das Wetter auf den Azoren das ganze Jahr über?

Das Wetter ist unglaublich wechselhaft und feucht, wobei ihr alle vier Jahreszeiten an einem einzigen Tag erleben könnt. Die Temperaturen liegen ganzjährig zwischen 13 und 26 °C, aber ihr müsst mit starkem Wind und häufigem Regen rechnen. Das stabilste, aber auch geschäftigste Wetter herrscht in den Sommermonaten von Juni bis August.

Wann ist die beste Zeit zur Walbeobachtung?

Auf den Azoren könnt ihr das ganze Jahr über wilde Wale beobachten, da Arten wie Pottwale und verschiedene Delfine hier dauerhaft leben. Wenn ihr aber echte Ozeanriesen wie Blauwale sehen möchtet, müsst ihr während ihrer großen Frühjahrsmigration nach Norden kommen, also im April oder Mai.

Was kostet ein durchschnittlicher Urlaub auf den Azoren?

Die Azoren selbst sind nicht extrem teuer, der größte Posten ist die Logistik. Low-Budget-Reisende kommen mit Selbstverpflegung mit etwa 67 EUR pro Tag aus. Mittelklasse-Urlauber, die einen Mietwagen nutzen, schöne Unterkünfte buchen und abends im Restaurant essen, sollten mit einem Budget von rund 165 EUR pro Person und Tag rechnen.

Funktionieren auf den Inseln normale Wetter-Apps?

Klassische globale Wetter-Apps funktionieren auf den Azoren praktisch überhaupt nicht, wegen der komplexen lokalen Mikroklimata. Einheimische und erfahrene Touristen verlassen sich ausschließlich auf die Webseite und App SpotAzores, die Live-Webcams von wichtigen Orten bietet, damit ihr den tatsächlichen Zustand von Nebel und Regen sehen könnt.

Tipps und Tricks für deinen Urlaub

Zahle nicht zu viel für Flugtickets

Suche Flüge auf Kayak. Es ist unsere Lieblingssuchmaschine, weil sie die Webseiten aller Fluggesellschaften durchsucht und immer die günstigste Verbindung findet.

Buche deine Unterkunft clever

Die besten Erfahrungen bei der Suche nach Unterkünften (von Alaska bis Marokko) haben wir mit Booking.com gemacht, wo Hotels, Apartments und ganze Häuser meist am günstigsten und in der größten Auswahl verfügbar sind.

Vergiss die Reiseversicherung nicht

Eine gute Reiseversicherung schützt dich vor Krankheit, Unfall, Diebstahl oder Flugstornierungen. Wir haben bereits einige Krankenhausbesuche im Ausland hinter uns, daher wissen wir, wie wichtig es ist, eine solide Versicherung abgeschlossen zu haben.

Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).

Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.

Finde die besten Erlebnisse

Get Your Guide ist ein riesiger Online-Marktplatz, auf dem du geführte Spaziergänge, Ausflüge, Skip-the-Line-Tickets, Touren und vieles mehr buchen kannst. Dort finden wir immer etwas besonders Spaßiges!

Verwandte Artikel

ANTWORT SCHREIBEN

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Sie sind hier:

ReisenEuropaAzoren Portugal: Welche Insel wählen + São Miguel Reiseführer

Aktuelle Blogbeiträge