Island ist ein geologisches Labor in Echtzeit. Die Insel liegt auf dem Mittelatlantischen Rücken, wo die nordamerikanische und die eurasische Platte auseinanderdriften. Das Land atmet, knackt und blutet in den letzten Jahren regelrecht mit glühendem Magma. Wer die Vulkane auf Island mit eigenen Augen sehen möchte, findet hier eines der spektakulärsten Naturschauspiele der Welt.
Schon kurz nach der Landung in Keflavík empfängt dich eine endlose Ebene aus schwarz-grauer, moosbewachsener Lava — wie von einem anderen Planeten. Und das ist erst der Anfang. In diesem Artikel zeigen wir dir, wo auf Island du Vulkanlandschaften erleben kannst, was auf dem aktiven Reykjanes gerade los ist und wie du an Vulkanen sicher bleibst.

Zusammenfassung: Wo du die besten Vulkane auf Island siehst
- Reykjanes — aktive Vulkanzone direkt am Flughafen, Lavafelder und das geothermale Gebiet Krýsuvík.
- Kerið — fotogener Krater mit türkisem See auf dem Golden Circle.
- Mývatn und Krafla im Norden — marsähnliche Landschaft bei Hverir, das Lava-Labyrinth Dimmuborgir und der Krater Víti.
- Þríhnúkagígur — der einzige Ort der Welt, wo du mit einem Aufzug ins Innere eines schlafenden Vulkans fährst.
- Wichtig: Fließende Lava ist nicht garantiert, und zu einer aktiven Eruption gehst du niemals ohne vorherige Lageprüfung.
⚠️ Aktiver Reykjanes: Vulkane aktuell direkt am Flughafen (Stand 2026)
Die Halbinsel Reykjanes, auf der sich der Flughafen befindet, ist seit März 2021 wieder aktiv. Bis Mitte 2025 gab es hier zwölf Eruptionen, und 2026 bleibt die Lage angespannt — unter dem Gebiet Svartsengi hat sich eine Rekordmenge an Magma angesammelt. Die Ausbrüche kommen in Serien und oft mit sehr kurzer Vorwarnung. Wer also die Vulkane auf Island aktuell beobachten möchte, sollte die Halbinsel Reykjanes im Blick behalten.
Muss man sich deshalb Sorgen machen? Keineswegs. Diese Eruptionen sind effusiver Natur — die Lava fließt ruhig aus Spalten, ohne Explosionen oder Aschewolken, die einst den Flugverkehr lahmlegten (wie Eyjafjallajökull im Jahr 2010). Der Flughafen Keflavík und Reykjavík sind absolut sicher.

Betroffen ist lediglich die evakuierte Ortschaft Grindavík (Zutritt verboten und lebensgefährlich) sowie die berühmte Blue Lagoon, die im dynamischen Betrieb läuft und sich bei erhöhter Seismik mit rund zwei Stunden Vorwarnung evakuieren kann. Lokale Straßensperrungen auf Reykjanes sind keine Seltenheit. Checke daher vor jeder Fahrt dorthin immer safetravel.is und en.vedur.is.
Krýsuvík und Gunnuhver: bunte Geothermalfelder
Das spektakulärste Erlebnis auf Reykjanes bieten die Geothermalgebiete. In Krýsuvík (oft auch als Seltún ausgeschildert) führen Holzstege zwischen sprudelnden Quellen und Böden in unglaublichen Gelb-, Rot- und Grüntönen hindurch — Mineralien und thermophile Bakterien zaubern hier Farben wie auf einer Malerpalette.

Etwas weiter westlich liegt Gunnuhver, wo Schlammvulkane lautstark blubbern und aus den Schloten so dichter Dampf aufsteigt, dass man manchmal kaum die Hand vor Augen sieht. Das Geräusch des entweichenden Dampfes klingt wie ein startender Düsenjet. 💡 Tipp: Halte auch am Bridge Between Continents an — eine symbolische Fußgängerbrücke über einen Riss im Lavafeld, auf der du in wenigen Schritten von Europa nach Amerika spazierst.
Kerið: Krater mit türkisem See
Auf der Route des Golden Circle begegnest du Kerið — einem rund 3.000 Jahre alten Vulkankrater, etwa 70 Meter tief und ebenso breit, auf dessen Grund ein türkiser See glitzert. Gegen einen kleinen Eintritt kannst du den Kraterrand umrunden; der Rundgang dauert kaum 20 Minuten. Die rostrot-roten Kraterwände im Kontrast mit dem türkisen Wasser gehören zu den fotogenischsten Motiven im Süden der Insel.

Mývatn, Hverir und Krafla: Marslandschaft im Norden
Der Norden Islands rund um den See Mývatn wirkt wie direkt vom Mars heruntergeholt. Im Geothermalgebiet Hverir (Námafjall) brodeln Schlammbecken, und die Erde atmet Schwefel in Ocker- und Orangetönen. Nicht weit entfernt liegt das Lava-Labyrinth Dimmuborgir („dunkle Burgen“) und die unterirdische Höhle Grjótagjá.

Etwas weiter erhebt sich der Vulkan Krafla mit dem Explosionskrater Víti (isländisch für „Hölle“), auf dessen Grund ein türkiser See schimmert. Das gesamte Gebiet ist bis heute geothermal aktiv — du schaust hier in die lebendige vulkanische Küche Islands.
Abstieg in den Vulkan Þríhnúkagígur und Lavahöhlen
Während du Vulkane sonst nur von außen bewunderst, kannst du auf Island buchstäblich hineingehen. Þríhnúkagígur ist ein weltweites Unikat — der einzige Ort auf dem Planeten, an dem du sicher in eine leere Magmakammer eines schlafenden Vulkans hinabsteigst. Nach einem Trek über das Lavafeld besteigst du einen offenen Aufzugskäfig und fährst 198 Meter in die Tiefe der Erde. Unten öffnet sich ein riesiger Hohlraum, dessen Wände in Rot (Eisen), Gelb (Schwefel) und Blaugrün (Kupfer) leuchten. Das Erlebnis „Inside the Volcano“ ist nur von Mai bis Oktober buchbar und hat seinen Preis (ab ca. 270 €). Tickets findest du am besten über GetYourGuide.
Eine günstigere Alternative sind Lavahöhlen — Tunnel, die nach dem Abfließen von Lava entstanden sind. Sie eignen sich perfekt für einen regnerischen Tag, von denen es auf Island mehr als genug gibt.
Sicherheit an Vulkanen: Regeln, die du nicht brechen solltest
Wenn auf Island gerade eine Eruption stattfindet, ist die Versuchung, die Lava zu sehen, riesig. Die Natur verzeiht jedoch nichts:
- Geh niemals allein zu aktiver Lava, ohne die Lage vorher zu prüfen. Der Lavastrom kann die Richtung ändern, und neue Spalten können sich jederzeit öffnen.
- Vulkangase sind unsichtbar und tödlich. Kein Instagram-Foto ist eine Gasvergiftung wert.
- Respektiere Sperrungen. Wenn die Behörden eine Route schließen, haben sie gute Gründe dafür. Islands Bergrettung (ICE-SAR) hat Besseres zu tun, als Touristen aus einem Lavafeld zu bergen.
- Prüfe vor jeder Tour safetravel.is und en.vedur.is.
Wie du die Vulkane und Krater erreichst
Die meisten dieser Orte liegen direkt an der Ringstraße oder in unmittelbarer Nähe — Reykjanes gleich beim Flughafen, Kerið auf dem Golden Circle, Mývatn und Krafla im Norden. Am besten erkundest du sie im Rahmen einer Rundfahrt über die Insel. Die komplette Route findest du in unserem 14-tägigen Island-Roadtrip, weitere Hintergründe im kompletten Island-Reiseführer. Für die Anreise aus Deutschland bieten Lufthansa und Eurowings direkte Flüge nach Reykjavík an — ein Vergleich lohnt sich!
Häufig gestellte Fragen zu den Vulkanen auf Island
Ist es wegen der Vulkane auf Reykjanes sicher, nach Island zu reisen?
Ja. Die Eruptionen auf Reykjanes sind effusiv (Lava, kein Asche), sodass sie weder Flugzeuge noch Reykjavík gefährden — sowohl der Flughafen Keflavík als auch die Hauptstadt funktionieren ohne Einschränkungen. Gefährlich ist nur die unmittelbare Nähe der Eruption und das evakuierte Grindavík. Überprüfen Sie vor der Reise immer safetravel.is.
Werde ich in Island fließende Lava sehen?
Das ist nicht garantiert – Ausbrüche kommen schubweise und oft mit kurzer Vorwarnung. Wenn gerade einer stattfindet und die Behörden die Route freigeben, könnt ihr die Lava aus sicherer Entfernung auf markierten Wegen sehen. Geht aber niemals auf eigene Faust hin, wegen unsichtbarer Vulkangase.
Wo sieht man in Island vulkanische und geothermale Landschaft auch ohne Eruption?
Großartige Orte gibt es viele: Krýsuvík und Gunnuhver auf Reykjanes, der Krater Kerið am Golden Circle, das marsähnliche Gebiet Hverir und der Krater Víti am See Mývatn im Norden. Alle sind über Wege sicher zugänglich.
Kann man in Island ins Innere eines Vulkans hinabsteigen?
Ja, das ist eine weltweite Einzigartigkeit. Das Erlebnis Inside the Volcano lässt Sie per Aufzug 198 Meter in die entleerte Magmakammer des schlafenden Vulkans Þríhnúkagígur hinab. Es funktioniert nur von Mai bis Oktober und die Preise beginnen bei etwa 300 USD.
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