Wenn du von der Fähre steigst und zum ersten Mal tief einatmest, spürst du es sofort. Eine Mischung aus wildem Thymian, Rosmarin, Myrte und sonnenverbrannter Erde bildet einen Duft, den die Korsen Maquis nennen. Diese grüne Insel mitten im Mittelmeer ist aber bei Weitem nicht nur etwas für romantische Strände und Erholung. Korsika ist ein echtes Gebirge, das jemand genommen und ins Meer geworfen hat – und die höchsten Gipfel bilden die Kulisse für eines der größten Abenteuer Europas.
Wenn du einen Trek suchst, der dich körperlich auspresst, deine Psyche auf die Probe stellt und dir gleichzeitig die schönsten Bergszenerien bietet, dann bist du hier genau richtig. Korsika ist rau, stolz und verzeiht in den Bergen keine Fehler. Die legendäre Route GR20 zieht sich über die ganze Insel und verspricht ein Erlebnis, von dem du noch im Ruhestand erzählen wirst.
Lass uns gemeinsam alles durchgehen, was du wissen musst, bevor du die Wanderstiefel schnürst. Ich verrate dir, wie du die ganze Expedition planst, wo sich die Etappen verkürzen lassen und worauf du in den Bergen am meisten achten solltest.

Zusammenfassung
- Länge und Höhenmeter: Die Route misst rund 180 Kilometer, und die gesamten Höhenmeter belaufen sich auf brutale 12.000 Meter.
- Zeitlicher Aufwand: Normale Wanderer brauchen für die Durchquerung der ganzen Insel 15 bis 16 Tage.
- Unterkunft auf der Route: Wildes Übernachten ist streng verboten, schlafen darfst du ausschließlich bei den Berghütten (Refuges).
- Reservierung: Für 2026 ist es absolut Pflicht, Plätze in den Hütten oder einen Stellplatz für das Zelt viele Monate im Voraus zu buchen.
- Beste Zeit: Ideale Bedingungen herrschen von Mitte Juni bis Anfang Juli oder im September.
- Schwierigkeit: Das ist kein gewöhnliches Wandern, dich erwartet technisches Klettern über Felsen und das Festhalten an Ketten.
- Aufteilung der Route: Die nördliche Hälfte ist deutlich schwerer und felsiger, die südliche etwas grüner und sanfter.

Wann du nach Korsika und in die Berge aufbrechen solltest
Die Wahl des Termins ist für den erfolgreichen Abschluss des Treks absolut entscheidend. Die meisten Berghütten öffnen von Ende Mai/Anfang Juni bis Anfang Oktober. Wenn du früher aufbrichst, riskierst du, dass in den höchsten Sätteln noch gefährlich viel Schnee liegt und dir zugleich die Versorgung durch die Hütten fehlt. Die besten Monate für die Bergüberquerung sind zweifellos Juni und September. Im Juni sind die Tage am längsten, die Natur erwacht und die Temperaturen in den Bergen sind für eine ganztägige körperliche Belastung mit schwerem Rucksack viel erträglicher. Im September ist der Tag zwar schon etwas kürzer, dafür ist das Wetter meist stabiler – und nach dem Abstieg kannst du dich mit einem Bad im Meer belohnen, das nach dem Sommer herrlich aufgewärmt ist.
Der Monat, den du unbedingt meiden solltest, ist ohne Diskussion der August. Nicht nur, dass auf Korsika dann zwei- bis dreimal so viele Touristen unterwegs sind wie in anderen Monaten – es herrscht auch extreme Hitze, die steile Aufstiege zur echten Tortur macht. An Augusttagen bilden sich in den Bergen am Nachmittag zudem regelmäßig gefährliche und sehr schnelle Wärmegewitter. Der August bringt außerdem einen enormen Anstieg der Preise für sämtliche Verkehrsmittel. Während du außerhalb der Saison für die Fähre einen vernünftigen Betrag zahlst, kann dich ein Rückfahrticket für zwei Personen mit Auto im August irgendwo zwischen 250 und 1000 Euro kosten.
Auf die Insel gelangst du am häufigsten mit den Schiffen der Gesellschaft Corsica Ferries, die von mehreren französischen Häfen ablegen. Die schnellste Verbindung bietet die Strecke von Nizza nach Bastia, die rund sechs bis sieben Stunden dauert. Wählst du die Abfahrt von Toulon, rechne mit acht bis zehn Stunden Überfahrt. Am längsten sitzt du auf dem Schiff bei der Fahrt ab Marseille, von wo die Reise gut und gerne vierzehn Stunden dauert. Für Reisende aus Deutschland bietet sich oft auch ein günstiger Flug nach Bastia oder Ajaccio mit Eurowings oder Lufthansa an, zum Beispiel ab München oder über einen Zwischenstopp in Nizza. Die Straßen verwandeln sich in dieser Sommerzeit zudem in einen einzigen großen Parkplatz und die schönsten Strände sind hoffnungslos überfüllt. Ideal ist es daher, die Reise explizit außerhalb der französischen und italienischen Hauptferien zu planen, damit du die Insel in Ruhe genießen kannst.

Wo du vor und nach dem Trek übernachten kannst
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Eintrittskarten, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.
Vor dem Start des Treks und nach seinem Abschluss brauchst du zwingend eine gute Basis, um wieder zu Kräften zu kommen. Der nördliche Startpunkt liegt im Dörfchen Calenzana, während du den südlichen im Ort Conca findest. Ich empfehle dir, die Unterkunft an diesen Punkten mit großem Vorlauf über Booking zu sichern, denn die Kapazitäten sind in der Saison schnell vergriffen. Wenn du im Norden startest, ist Calenzana selbst oder die nahe Küstenstadt Calvi die ideale Basis. In Calvi kannst du vor dem Trek rund um die riesige historische Zitadelle spazieren, die auf einem Felsvorsprung über dem Meer thront, und in den gepflasterten Gassen die Atmosphäre aufsaugen.
In Calenzana selbst bietet das Hotel A Flatta in ruhiger Umgebung mit Bergblick eine hervorragende Erholung vor der Tour. Die günstigere Variante für Rucksackreisende ist die örtliche Unterkunft Gîte d’étape, wo du viele weitere Enthusiasten triffst, die sich auf denselben Weg vorbereiten. Nach dem Abschluss des Treks im Süden im Ort Conca ziehen die meisten erschöpften Wanderer in den nahegelegenen Urlaubsort Porto-Vecchio weiter. Hier kannst du dir nach zwei Wochen Verzicht einen verdienten Luxus gönnen und die schönsten Strände der Insel besuchen. Sehr beliebt ist das Hotel Costa Salina, das direkt am Hafen liegt und einen riesigen Pool für die geschundenen Muskeln hat. Für einen ruhigeren Aufenthalt in Strandnähe versuche das gemütliche Le Goéland.
Von hier aus kannst du dann leicht zum berühmten Strand Palombaggia aufbrechen, der von den Kronen der Schirmpinien gesäumt wird und aus dessen Wasser hier und da fotogene rote Porphyrfelsen ragen. Einen Besuch lohnt auch die Bucht Santa Giulia, die zu einem perfekten Hufeisen geformt ist und eine flache natürliche Lagune bildet. Eine großartige Wahl ist außerdem der Strand Rondinara, der mit seiner Form an eine Muschel erinnert und es 2019 sogar in das Ranking der TOP 10 der schönsten Strände der Welt geschafft hat. Wenn du ein Auto hast, fahr unbedingt ins nahe Bonifacio. Die dortigen Häuser balancieren auf der Kante leuchtend weißer Klippen, und du kannst die legendären 187 Stufen des Escalier d’Aragon erklimmen, die direkt in die steile Felswand unter der Zitadelle gehauen sind.

11 Tipps, die du vor dem GR20 auf Korsika kennen solltest
Schauen wir uns die konkreten Tipps und Ratschläge an, die dir helfen, dich auf Europas härtesten Trek vorzubereiten. Von der Logistik über die körperliche Vorbereitung bis hin zum Aufenthalt in den Bergen selbst.

1. Warum es eigentlich Europas härtester Trek ist
Wenn jemand sagt, eine Route sei die schwerste in Europa, denken viele Leute zuerst an eine riesige Distanz. Die Realität des GR20 ist aber etwas anders und viel tückischer. Die ganze Route misst insgesamt rund 180 Kilometer, was ein erfahrener Wanderer auf einer gewöhnlichen Ebene spielend in wenigen Tagen schaffen würde. Der Hauptgrund, warum Menschen den Trek so oft aufgeben, ist das extreme Profil und die brutalen Höhenmeter. Während der empfohlenen 16 Etappen steigst du nämlich unglaubliche 12.000 Höhenmeter auf, was du in wirklich jedem Muskel spürst.
Das ist ungefähr so, als würdest du vom Meeresspiegel auf den Mount Everest steigen und dann noch einmal bis zur Hälfte. Jeden Tag erwarten dich steile Anstiege in die Bergsättel und anschließende heftige Abstiege, die für deine Knie oft viel schlimmer sind als der Weg nach oben. Der Untergrund besteht zudem keineswegs aus weichen Waldpfaden oder schön angelegten Wegen. Die meiste Zeit wirst du über riesige Granitblöcke springen, dich durch Geröllfelder kämpfen und auf glatten Felsplatten nach Halt suchen.
Das ist kein klassisches Wandern, sondern viel öfter sogenanntes Scrambling, also technisches Klettern mit Schwierigkeitsgrad drei bis vier. Du musst regelmäßig die Hände einsetzen, dich an Stahlketten hochziehen und ständig im schwierigen Gelände balancieren. Das ist nicht nur einfaches Gehen, es ist ständige Arbeit des ganzen Körpers und absolute Konzentration auf wirklich jeden einzelnen Schritt.
💡 Tipp: Die Geschwindigkeit des Vorankommens zählt hier nicht in Kilometern, sondern ausschließlich in Stunden. Oft brauchst du für einen nur drei Kilometer langen Abschnitt mehr als zwei volle Stunden – plane daher immer eine große zeitliche Reserve ein.
2. Der nördliche vs. der südliche Teil der Route
Der Trek teilt sich ganz natürlich in zwei Hälften, die der kleine Bahnhof im Ort Vizzavona trennt. Die nördliche Hälfte gilt allgemein als deutlich schwerer, viel technischer und insgesamt raueres Erlebnis. Genau hier befinden sich die steilsten Etappen, auf denen du sehr oft die Hände zum Klettern brauchst und dich an Stahlketten festhältst. Die Landschaft im Norden erinnert an eine Hochgebirgswüste voller scharfer Granitgipfel und tiefer Abgründe, die deine Psyche auf die Probe stellen.
Wenn du in Calenzana startest, zeigt dir die Insel gleich in den ersten drei Tagen ihr unerbittliches Gesicht. Viele Wanderer beenden ihr Abenteuer genau in dieser Anfangsphase, weil sie schlicht ihre Kräfte und die technische Schwierigkeit des Geländes unterschätzen. Die südliche Hälfte von Vizzavona hinunter ins Ziel Conca ist dagegen etwas sanfter und deutlich grüner. Du gehst durch duftende Kiefernwälder, über grasige Hochebenen und triffst insgesamt auf viel mehr Wasserquellen.
Auf dem Weg nach Süden wird dich sicher auch das Gebiet Aiguilles de Bavella beeindrucken, faszinierende zerklüftete Granittürme, die sich über den Wäldern erheben. Dieses Gebiet ist übrigens auch ein riesiges Paradies für Kletterer und Canyoning-Liebhaber. Trotzdem ist das noch kein Sonntagsspaziergang im Stadtpark, denn auch der Süden hat seine steilen Sättel und heftigen Abstiege. Spürbar weniger werden hier aber die reinen Kletterpassagen, und die Fortbewegung verläuft etwas flüssiger.
💡 Tipp: Wenn du dir bei deiner Kondition unsicher bist, kannst du für den Anfang nur den südlichen Teil wählen, der etwas gnädiger zum Körper ist und keine so großen Kletterfähigkeiten erfordert.

3. Etappen und Berghütten (Refuges)
Die ganze Route ist offiziell in 16 sehr anspruchsvolle Etappen unterteilt, die deine Ausdauer auf die Probe stellen. Die meisten gedruckten Reiseführer empfehlen, ein Tempo von einer Etappe pro Tag zu halten, damit du den Körper nicht überlastest. Das bedeutet rund sechs bis acht Stunden reines Gehen pro Tag – und da sind die Pausen zum Ausruhen und Essen noch gar nicht eingerechnet. Superfitte Personen verbinden gelegentlich zwei Etappen zu einer, aber das erfordert wirklich eine erstklassige körperliche Verfassung und das Aufstehen in tiefster Dunkelheit.
Am Ende jeder Etappe erwartet dich eine Berghütte, die auf Korsika Refuge genannt wird. Diese Hütten werden vom korsischen Nationalpark verwaltet und sind wirklich nur sehr einfach ausgestattet. Erwarte keinen österreichischen oder Schweizer Standard mit beheiztem Speisesaal und weichem Bett. Geschlafen wird auf einfachen Pritschen in engen Schlafsälen, die Duschen haben oft nur kaltes Wasser und die Toiletten sind meist klassische Hocktoiletten.
In jeder Hütte kannst du dir aber zum Glück eine einfache warme Mahlzeit zum nötigen Kalorienauffüllen kaufen. Am häufigsten gibt es einfache Nudeln, eine deftige Linsensuppe und hervorragende lokale Schafskäse. Nach einem anstrengenden Tag wird dir sogar eine gewöhnliche heiße Suppe oder das berühmte korsische Kastanienbier Pietra wie der größte Luxus der Welt vorkommen. Die Vorräte werden oft per Hubschrauber oder auf Mauleseln in die Hütten gebracht, also rechne mit einem entsprechenden Hochgebirgsaufschlag.
💡 Tipp: Habe immer genug Euro in kleinen Scheinen und Münzen in bar dabei, in den Bergen werden Kreditkarten absolut nicht akzeptiert und einen Geldautomaten findest du hier nirgends.
4. Wie und wann du die Unterkunft für 2026 buchst
Das ist ein absolut entscheidender Punkt der gesamten Vorbereitung, den du nicht unterschätzen darfst. Wildes Übernachten außerhalb der ausgewiesenen Plätze bei den Hütten ist auf Korsika streng verboten und wird unter hohen Strafen kontrolliert. Angesichts der enormen Beliebtheit des Treks in ganz Europa ist die Logistik und Planung heute oft komplizierter als das Gehen selbst. Für die kommenden Saisons gilt die kompromisslose Regel, dass du die Plätze viele Monate im Voraus online reservieren musst.
Das Reservierungssystem des korsischen Nationalparks öffnet meist zu Beginn des Kalenderjahres, und freie Plätze verschwinden in einem geradezu blitzartigen Tempo. Du kannst entweder ein Bett im Inneren der Hütte reservieren, die Miete eines bereitgestellten Zeltes draußen oder nur einen Stellplatz für dein eigenes Zelt. Wenn du ohne gültige Reservierung aufbrichst, riskierst du gleich am ersten Tag enorme Probleme. Die Parkwächter können dir kompromisslos die Übernachtung verweigern und dich zurück ins Tal schicken.
In den Bergen, wo es nirgendwo anders hinzugehen gibt, stellt das eine reale Gefahr und das sofortige Ende deiner Tour dar. Auch wenn du dein eigenes Zelt trägst und auf dich selbst angewiesen bist, musst du eine im Voraus reservierte und bezahlte Fläche haben, auf der du es über Nacht aufstellen darfst. Der Nationalpark versucht so, den enormen Touristenandrang zu regulieren und die fragile Bergnatur vor Zerstörung zu schützen.
💡 Tipp: Drucke dir die Reservierungsbestätigung immer sorgfältig auf Papier aus. In den Bergen gibt es oft überhaupt keinen Empfang, und Handys entladen sich in der Kälte sehr schnell.

5. Legendäre Abschnitte und der Cirque de la Solitude
Der größte Schreck und zugleich die Legende des gesamten Treks war lange Jahre der Abschnitt namens Cirque de la Solitude. Dieser dunkle und sehr steile Felskessel erforderte das Hinabklettern an senkrechten Ketten und Eisenleitern direkt über einem tiefen Abgrund. Es war zweifellos der schwerste und exponierteste Teil des gesamten GR20. 2015 ereignete sich hier jedoch eine enorme Tragödie, als ein massiver Erdrutsch nach einem heftigen Gewitter mehrere Wanderer verschüttete.
Seitdem ist die ursprüngliche Route über den Cirque de la Solitude offiziell und dauerhaft gesperrt. Sie wurde durch eine völlig neue Variante ersetzt, aber denk bloß nicht, dass der neue Weg auch nur ansatzweise einfach wäre. Die neue Route führt über den anspruchsvollen Sattel Pointe des Éboulis und steigt bis zu einer beachtlichen Höhe von über 2.600 Metern über dem Meer an. Du befindest dich so nur ein kleines Stück unter dem Gipfel des höchsten Berges der ganzen Insel, dem majestätischen Monte Cinto.
Es ist ein ungemein rauer und endloser Aufstieg in instabilem, rutschendem Geröll, der dir auch die letzten Reste deiner körperlichen Kräfte raubt. Du musst dich ständig darauf konzentrieren, wohin genau du trittst, damit kein Stein mit dir wegrutscht. Die wunderschönen Ausblicke vom Gipfel auf die umliegenden Felsgipfel entschädigen am Ende aber reichlich für jeden Schweißtropfen, den du am Hang lässt.
💡 Tipp: Brich für genau diese Etappe wirklich früh am Morgen auf, die Nachmittagsgewitter sind in dieser Höhe extrem gefährlich, und du willst sie nicht auf dem Grat erleben.
6. Körperliche Vorbereitung und Erfahrung
Um den GR20 zu bewältigen, musst du zwar kein professioneller Bergsteiger mit kompletter Ausrüstung sein, aber du musst eine absolut exzellente körperliche Verfassung haben. Entscheidend ist vor allem die Trittsicherheit in exponiertem Gelände und die Fähigkeit, viele Tage am Stück in Höhen mit schwerem Rucksack auf dem Rücken zu funktionieren. Die Vorbereitung vor der Abreise darfst du keinesfalls unterschätzen, sonst verabschiedest du dich sehr schnell vom Trek.
Gewöhnliches Joggen in der Ebene im Stadtpark hilft dir hier wirklich nicht, die steilen Felsen zu überwinden. Du musst aktiv das Bergaufgehen an steilen Hängen trainieren, idealerweise schon mit dem Rucksack, der genau so viel wiegt, wie du auf die Insel mitnehmen willst. Der Körper muss sich nach und nach an die tägliche Belastung gewöhnen, und deine Knie müssen gründlich auf die endlosen Stöße bei den heftigen Abstiegen in die tiefen Täler vorbereitet sein.
Wenn du auch nur die geringste Höhenangst hast, ist dieser Trek vermutlich überhaupt nicht für dich geeignet. Du überwindest nämlich regelmäßig Stellen, an denen der Pfad nur fußbreit ist und sich direkt unter dir ein hundert Meter tiefer Abgrund auftut. Sicherheit in den Beinen, perfektes Gleichgewicht und ein kühler Kopf sind hier absolute Notwendigkeit, denn Panik auf einer rutschigen Felsplatte kann sehr ernste Folgen haben.
💡 Tipp: Konzentriere dich im Training vor allem auf endlose Abstiege, die sind für untrainierte Beine meist viel schmerzhafter und zermürbender als die Aufstiege selbst.
7. Was du in den Rucksack packen solltest
Auf dem gesamten Trek gilt eine sehr einfache und unerbittliche Regel. Denk daran, dass du jedes Gramm, das du auf dem Rücken trägst, bald hassen wirst. Dein Hauptziel sollte es sein, dich so zu packen, dass das Grundgewicht des Rucksacks ohne Wasser und Essen 10 bis 12 Kilogramm nicht überschreitet. Sobald der Rucksack über diese magische Grenze hinaus schwer wird, verlierst du auf den technischen Felsabschnitten sehr schnell das so dringend benötigte Gleichgewicht.
Der Schlüssel zum Erfolg ist das clevere Schichten von Kleidung aus hochwertiger Merinowolle, die auch nach mehreren Tagen intensiven Tragens nicht müffelt. Die Abende in den Bergen sind nach Sonnenuntergang überraschend kühl, also sind eine gute Daunenjacke und ein leichter, aber ausreichend warmer Schlafsack eine absolute Notwendigkeit. Auch wenn du drinnen in den Hütten im Bett schläfst, ist der eigene Schlafsack auf der Insel aus hygienischen Gründen absolut Pflicht.
Vergiss nicht die erstklassigen und festen Trekkingschuhe, die du von zu Hause schon perfekt eingelaufen hast. Nimm auf keinen Fall völlig neue Schuhe mit, schmerzhafte Blasen würden dich schon am dritten Tag kompromisslos außer Gefecht setzen. Pack außerdem einen zuverlässigen Wasserfilter oder Tabletten zur Wasserreinigung, eine gute Reiseapotheke mit genug Pflastern und eine leistungsstarke Stirnlampe für die frühen Morgenstarts ein.
💡 Tipp: Trekkingstöcke sind kein optionales Wanderzubehör, auf dem GR20 retten sie deine Knie buchstäblich vor der völligen Zerstörung auf den endlosen, steilen Abstiegen.
8. Wie du zum Start kommst
Zum Beginn des Treks zu gelangen erfordert etwas logistische Planung, ist aber nichts Unbewältigbares. Korsika hat zwar vier internationale Flughäfen, aber die meisten Reisenden wählen den bequemeren Weg per Fähre vom französischen oder italienischen Festland. Die Schiffe der Gesellschaft Corsica Ferries legen am häufigsten von den französischen Städten Nizza, Toulon oder Marseille ab.
Von Nizza dauert die Überfahrt rund sechs bis sieben Stunden, von Marseille kannst du dagegen bis zu vierzehn Stunden fahren. Aus Italien fährt man dagegen sehr oft vom Hafen Livorno in die korsischen Städte Bastia oder Ile Rousse, was historisch die finanziell günstigste Variante ist. Wer aus Deutschland anreist, fliegt am bequemsten direkt nach Bastia oder Ajaccio – etwa mit Eurowings ab München oder mit Lufthansa über einen Zwischenstopp. Sobald du auf der Insel bist und traditionell im Norden startest, ist dein Hauptziel das Eingangsdörfchen Calenzana.
Der einfachste Weg dorthin führt über die Hafenstadt Calvi, von der in der Sommerhauptsaison regelmäßige lokale Busse nach Calenzana fahren. Alternativ kannst du dir für die letzten paar Kilometer ein Taxi nehmen. Wenn du dich entscheidest, den Trek in umgekehrter Richtung von Süden nach Norden zu gehen, beginnst du deine Tour im Dorf Conca. Hierher kommst du am besten mit dem Bus aus dem bekannten Urlaubsort Porto-Vecchio. An beiden Enden des Treks findest du kleine Läden für den Einkauf der letzten Vorräte.
💡 Tipp: Wenn du mit dem Auto anreist und es an einem Ende des Treks stehen lässt, musst du nach Abschluss der ganzen Strecke die kompliziertere Busverbindung für die Rückkehr nutzen, was fast einen ganzen Tag in Anspruch nimmt.
9. Sicherheit und Markierung auf der Route
Sich auf dem GR20 bei gutem Wetter zu verlaufen ist relativ schwer, wenn du gut aufpasst und dich nicht beeilst. Die ganze Route ist nämlich sehr sorgfältig mit rot-weißen Streifen markiert, die auf Felsen, große Steine und Bäume gemalt sind. Sobald du mehr als zwanzig Minuten gehst und vor dir keine weitere Markierung siehst, bist du wahrscheinlich vom Weg abgekommen und kehrst besser sofort vorsichtig zur letzten zurück.
Die größte Gefahr auf der Route sind überraschenderweise weder wilde Tiere noch das Verlaufen, sondern das unberechenbare und sehr aggressive Bergwetter. Nachmittägliche Gewitter kommen auf Korsika mit unglaublicher Geschwindigkeit und enormer Kraft. Die glatten Granitfelsen verwandeln sich innerhalb weniger Minuten Regen in eine gefährliche Rutschbahn, und ein Blitzeinschlag auf den exponierten Felsgraten ist eine reale und häufige Bedrohung.
Die goldene Regel aller erfahrenen Bergsteiger ist es deshalb, gleich bei der ersten Dämmerung zur Etappe aufzubrechen, idealerweise schon gegen fünf Uhr morgens. Das Ziel ist, die höchsten und exponiertesten Sättel noch vor Mittag sicher hinter sich zu haben, bevor sich die typischen schweren Gewitterwolken bilden. Am Nachmittag solltest du idealerweise schon sicher auf der Hütte ausruhen.
💡 Tipp: Erkundige dich abends auf der Hütte immer direkt beim Hüttenwart nach der aktuellen Wettervorhersage, die Einheimischen kennen die Besonderheiten der korsischen Berge am besten und können nahende Gefahren einschätzen.
10. Kürzere Varianten für alle, die keine 16 Tage haben
Nicht jeder hat leider die Möglichkeit, sich auf der Arbeit mehr als zwei Wochen am Stück Urlaub zu nehmen, um die ganze Route zu schaffen. Die gute Nachricht ist aber, dass sich der Trek sehr elegant und logisch in zwei kürzere Teile aufteilen lässt. Dank der alten Schmalspurbahn, die die Insel genau in der Mitte durchquert, bietet sich eine großartige logistische Lösung für kürzere Bergtouren, die du auch innerhalb einer Woche schaffst.
Der Bahnhof Vizzavona liegt genau auf der gedachten Hälfte der gesamten Route. Wenn du nur begrenzt Zeit hast, kannst du nur den schwereren nördlichen Teil von Calenzana nach Vizzavona bewältigen. Nach dessen Abschluss steigst du einfach in das malerische Bergbähnchen und fährst bequem zurück in die Zivilisation Richtung der großen Städte Bastia oder Ajaccio, von wo dein Flugzeug fliegt oder die Fähre ablegt.
Genauso kannst du umgekehrt mit dem Zug nach Vizzavona kommen und nur die südliche Hälfte gehen, bis ins Zieldorf Conca. Diese zweite Variante ist absolut großartig für alle, die die einzigartige Atmosphäre des berühmten Treks erleben wollen, sich aber nicht an die extremsten nördlichen Passagen voller technischem Klettern und Stahlketten herantrauen.
💡 Tipp: Auch die Hälfte des GR20 ist eine enorme sportliche Leistung, für die du dich vor anderen Bergsteigern keineswegs schämen musst und die dir unvergessliche Erlebnisse beschert.
11. Alternativen auf Korsika für weniger Fitte und Familien
Wenn du nach Einschätzung deiner Kräfte feststellst, dass der GR20 schlicht über deine Möglichkeiten geht, bietet Korsika zum Glück wunderschöne Fernwanderwege mit viel sanfterem Profil. Du musst deinen Traum von einer schönen Bergüberquerung also überhaupt nicht aufgeben, du musst nur eine geeignetere und sicherere Alternative wählen. Eine großartige Wahl ist der beliebte Weg Mare e Monti (Vom Meer zu den Bergen), der sich malerisch entlang der rauen Westküste der Insel schlängelt. Seine Begehung dauert rund zehn Tage, die gesamten Höhenmeter sind absolut erträglich und schlafen wirst du in schönen alten korsischen Dörfchen. Dort kannst du dir jeden Abend eine warme Dusche in der Pension gönnen und nach dem ganzen Tag köstliches vegetarisches Essen in den lokalen Familienrestaurants genießen, etwa hervorragende Nudeln mit frischem Schafskäse Brocciu oder ehrliche Gemüsesuppen.
Für Familien mit größeren Kindern oder für Gelegenheitswanderer ist dann der Weg Mare a Mare (Vom Meer zum Meer) absolut hervorragend, der die ganze Insel von West nach Ost durchquert. Das Tempo ist hier viel gemächlicher, die Pfade sind breiter und die ganze Atmosphäre des Treks ist spürbar weniger stressig. Es geht hier eher um das entspannte Entdecken des verborgenen korsischen Hinterlands, der tiefen Kastanienwälder im Gebiet Castagniccia und das erfrischende Baden in klaren Bergflüsschen, wo du den großen Menschenmengen zuverlässig aus dem Weg gehst.
💡 Tipp: Auf diesen leichteren Wegen kannst du im Gegensatz zum kompromisslosen GR20 auch die sehr beliebten Gepäcktransport-Dienste zwischen den einzelnen Unterkünften nutzen, sodass du die ganze Zeit nur mit einem leichten Rucksack auf dem Rücken gehst.
Wohin von Korsika aus weiter
Wenn du nach dem Trek noch ein paar Tage übrig hast, erkunde unbedingt auch den Rest der Insel. Miete dir ein Auto und brich zu den wunderschönen türkisfarbenen Stränden im Süden rund um Porto-Vecchio auf oder entdecke die faszinierenden Klippen bei der historischen Stadt Bonifacio. Einen kompletten Reiseführer für den Inselroadtrip und weitere praktische Tipps findest du in unserem ausführlichen Artikel Korsika.
Und wenn dich die langen Bergüberquerungen gepackt haben und du eine weitere europäische Herausforderung suchst, die aber etwas bessere touristische Infrastruktur bietet und dir epische Ausblicke auf echte Gletscher beschert, empfehle ich dir unbedingt einen Blick in unseren großen Reiseführer Chamonix und Mont Blanc. Dort findest du alle nötigen Informationen für den berühmten Rundweg Tour du Mont Blanc, der etwas gnädiger, fürs Auge aber vielleicht noch ein Stück schöner ist.
Häufig gestellte Fragen
Wie lange dauert es, den GR20 zu wandern?
Für normale Touristen mit guter körperlicher Kondition dauert die gesamte Route üblicherweise 15 bis 16 Tage, was einem gesunden Tempo von einer Etappe pro Tag entspricht. Erfahrene Bergsteiger, die enorme Höhenunterschiede problemlos bewältigen und gelegentlich zwei Etappen zu einer verbinden, schaffen es in 10 bis 12 Tagen. Extremläufer bzw. Skyrunner können die gesamte Strecke zwar in weniger als 40 Stunden durchlaufen, aber das ist für einen normalen Sterblichen mit schwerem Rucksack absolut unvorstellbar und grenzt an unnötiges Hasardspiel.
Gibt es auf der Strecke ausreichend Trinkwasser?
Bei absolut jeder Berghütte bzw. Refuge findet ihr eine zuverlässige Trinkwasserquelle, wo ihr eure Vorräte für den nächsten Tag auffüllen könnt und müsst. Während der Etappen selbst, und das vor allem im trockenen und felsigen Norden, sind natürliche Wasserquellen jedoch sehr selten und trocknen im heißen Sommer oft komplett aus. Ihr müsst daher immer mindestens 2 bis 3 Liter Wasser pro Person schon vom frühen Morgen an mit euch tragen, um einer gefährlichen Dehydrierung in der brennenden Sonne vorzubeugen.
Kann ich die Wanderung in umgekehrter Richtung machen (von Süden nach Norden)?
Ja, der gesamte Trek lässt sich problemlos in beide Richtungen gehen. Die meisten Leute starten klassischerweise im Norden im Dorf Calenzana, um die schwersten und steilsten Abschnitte hinter sich zu haben, solange sie noch voller Kraft und anfänglicher Motivation sind. Der große Vorteil der entgegengesetzten Richtung von Süden nach Norden ist hingegen die Tatsache, dass euch den Großteil des Tages nicht die unangenehme Sonne direkt in die Augen scheint, ihr euch allmählich an die Anforderungen des Geländes gewöhnt und auf der Strecke etwas weniger Menschenmassen begegnet.
Kann man auf den Hütten mit Karte zahlen?
Absolut nicht, Zahlungskarten könnt ihr in den Bergen gleich vergessen. Im gesamten korsischen Hinterland fehlt an vielen Stellen ein stabiles Signal, sodass Kartenterminals hier logischerweise überhaupt nicht funktionieren. Für die gesamte Dauer des Treks müsst ihr daher ausreichend Bargeld in Euro bei euch haben. Geld werdet ihr brauchen für die Bezahlung der Unterkunft, gegebenenfalls warmes Essen, den Morgenkaffee sowie kleine Einkäufe notwendiger Vorräte in den Hütten, wo zudem logischerweise ein Hochgebirgszuschlag für den aufwendigen Helikopter-Nachschub einkalkuliert wird.
Kann ich meinen Hund mitnehmen?
Obwohl es nicht gesetzlich auf der gesamten Streckenlänge verboten ist, wird dringend davon abgeraten, einen Hund auf den extrem nördlichen Teil des GR20 mitzunehmen. Technische Abschnitte mit steilen Leitern, glatten Felsplatten und Stahlketten würde kein Hund sicher bewältigen können. Man müsste ihn umständlich in einem speziellen Klettergurt über tiefe Abgründe tragen, was extrem stressig und sehr gefährlich ist – sowohl für das Tier selbst als auch für das eigene Gleichgewicht am Fels.
Kann man den GR20 alleine gehen?
Ja, viele erfahrene Wanderer gehen diese anspruchsvolle Route völlig alleine. In der Hauptsaison von Juni bis September seid ihr außerdem auf der Strecke nie ganz allein. Tagsüber trefft ihr jede Menge andere Enthusiasten und abends in den Hütten findet ihr euch immer mit derselben Gruppe von Leuten zusammen, mit denen ihr euch sehr schnell anfreundet. Aus Sicherheitsgründen ist es aber absolut wichtig, regelmäßig eure Familie über eure Pläne zu informieren und ein aufgeladenes Handy für Notfälle dabei zu haben.
Brauche ich für den Trek einen Führer?
Für die Orientierung im Gelände selbst braucht ihr keinen Bergführer, denn die gesamte Strecke ist sehr gut und dicht mit rot-weißen Streifen markiert. Falls ihr euch aber nicht sicher seid mit euren Fähigkeiten im ausgesetzten Felsgelände, euch Erfahrung mit Hochgebirgstouren fehlt oder ihr euch einfach nicht um die sehr komplizierte Logistik und Hüttenreservierungen kümmern wollt, könnt ihr die Dienste organisierter Gruppen nutzen. Diese funktionieren entweder über beliebte Plattformen wie GetYourGuide oder direkt bei lokalen korsischen Bergagenturen.
Funktioniert das Handynetz in den Bergen?
Mobilfunknetz ist im korsischen Hinterland sehr unregelmäßig und insgesamt unzuverlässig. Auf den höchsten Gipfeln oder in offenen Bergsätteln verbindet man sich zwar oft mit dem Netz und fängt gelegentlich sogar einen italienischen Betreiber vom benachbarten Sardinien, aber sobald man in die tiefen Täler zu den Hütten selbst absteigt, verschwindet das Signal meistens komplett. Rechnet daher lieber damit, dass ihr auch mehrere Tage völlig offline sein werdet, und ladet euch alle notwendigen Offline-Karten und Reservierungsbestätigungen besser vorher herunter.
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