Edmonton Kanada steht bei den meisten Reisenden nicht auf der klassischen Westkanada-Route. Die Mehrheit fliegt automatisch nach Calgary und fährt von dort direkt nach Banff. Wer aber das majestätische Jasper im Norden erkunden möchte, ohne die gesamte Strecke zweimal zu fahren, für den macht Edmonton als Ausgangspunkt absolut Sinn. Die Stadt wird von Reisenden oft nur als Zwischenstation für einen Tag behandelt – dabei überrascht die Realität von Edmonton auf angenehm positive Weise.
Bei unserer ausführlichen Erkundung von allem, was Edmonton und Kanada generell zu bieten haben, stellten wir fest, dass diese Stadt inmitten der endlosen Prärien Albertas eine Atmosphäre lebt, die uns wirklich überrascht hat. Wir erwarteten eine Industriestadt in der Prärie – stattdessen bekamen wir Festival-Wahnsinn, bei dem im Sommer ein großes Event das nächste jagt. Hier findet ihr ein Einkaufszentrum, das so riesig ist, dass es einen eigenen Freizeitpark und einen künstlichen Riesenstrand beherbergt – und gleich hinter den Stadtgrenzen blockieren euch gewaltige Bisonherden ganz entspannt die Straße.
Also, los geht’s. Ich führe euch von den besten Cafés über das verrückte Mall mit eigenem Achterbahnpark bis hin dazu, wie ihr von hier am bequemsten direkt zu den Gletschern in Jasper kommt. Egal ob ihr zwei Nächte oder eine ganze Woche plant.
Zusammenfassung
- Warum nach Edmonton fahren: Die Stadt ist das ideale nördliche Tor zum Jasper National Park und trägt stolz den Titel „Festival City“ – im Sommer erlebt ihr hier eine unglaubliche Atmosphäre mit Live-Musik, Theater und Street Food.
- Größte Kuriosität: Das West Edmonton Mall ist heute das drittgrößte Einkaufszentrum der Welt – mit einem riesigen Indoor-Wasserpark mit Kunstwellen, einer Eislaufbahn und einer echten Achterbahn.
- Wo übernachten: Am besten rund um die Whyte Avenue für unabhängige Cafés und Nachtleben, oder im Downtown für kurze Fußwege zu Museen, Galerien und fantastischen Ausblicken aufs Flusstal.
- Natur in der Stadt: Das Edmonton River Valley ist das größte zusammenhängende Stadtparkgebiet Nordamerikas – 22-mal größer als der New Yorker Central Park – mit hunderten Kilometern an Rad- und Wanderwegen.
- Gleich vor der Tür: Nur 40 Minuten östlich der Stadt liegt der Elk Island National Park, wo ihr vom eigenen Auto aus sicher Bisons, Elche und unzählige Wasservögel beobachten könnt.
- Weiter nach Jasper: Von Edmonton sind es über den Highway 16 (Yellowhead Highway) rund 365 Kilometer bis nach Jasper – mit dem Auto etwa 4 bis 5 Stunden gemütliche Fahrt durch die Prärie, die sich langsam zu steilen Felsen emporhebt.
Wann reisen und wie kommt man nach Edmonton
Die Planung einer Reise nach Alberta erfordert etwas strategisches Denken. Das Wetter kann wirklich gnadenlos sein: Die Winter sind lang, dunkel und mit Temperaturen von bis zu minus dreißig Grad unvorstellbar kalt, Schnee liegt monatelang. Schauen wir uns lieber an, wann der beste Reisezeitpunkt für Normalsterbliche ist – und wie ihr von Deutschland am einfachsten hinkommt, ohne zwei Tage auf Flughäfen zu verbringen.
Unser Besuch im Juli war zeitlich perfekt: Die Stadt war auf Festivals eingestimmt, die Temperaturen lagen bei angenehmen 23 Grad und jeden Abend spielte irgendwo Live-Musik. August ist ähnlich toll. Der Herbst im September leuchtet in wunderschönen Farben, die Nächte werden aber überraschend kalt. Wer direkt in die Berge weiterfährt, profitiert in den Sommermonaten davon, dass praktisch alle Hochgebirgsstraßen schneefrei und sicher befahrbar sind.
Was die Uhrzeit in Edmonton betrifft: Die Stadt liegt in der Zeitzone Mountain Standard Time (MST), also UTC−7 (im Sommer UTC−6). Das bedeutet gegenüber Deutschland eine Zeitdifferenz von 8 bis 9 Stunden zurück – wenn ihr mittags Kaffee trinkt, wacht Edmonton gerade erst auf. Direktflüge von deutschen Flughäfen wie Frankfurt oder München gibt es nicht; typische Verbindungen führen über Toronto, Montreal oder europäische Drehkreuze wie Amsterdam. Das Edmonton International Airport liegt südlich der Stadt; ins Zentrum kommt ihr bequem mit dem Bus (Linie 747) oder – was für Weiterreisen in die Wildnis praktisch unverzichtbar ist – mit einem Mietwagen direkt am Flughafen.

Wo übernachten in Edmonton und was kostet es
Edmonton ist im europäischen Vergleich eine sehr weitläufige Stadt, und die Wahl des richtigen Viertels für die Unterkunft kann euch eine Menge Zeit und Nerven beim Pendeln ersparen. Die kanadischen Übernachtungspreise können – besonders in der Hauptsaison – etwas überraschen, doch zum Glück gibt es hier eine gute Auswahl von günstigen Hostels bis hin zu schönen Luxushotels mit Blick ins Flusstal.
Ein normales sauberes Doppelzimmer in einem Standardhotel kostet in der Sommersaison etwa 150 bis 250 CAD pro Nacht (rund 100 bis 165 €). Bei knappem Budget gibt es auch einfache Motels am Stadtrand oder gute Airbnb-Apartments ab ca. 100 CAD (etwa 65 €). Achtung vor einer typisch nordamerikanischen Falle: Zum online angezeigten Preis kommen in Kanada fast immer noch Steuern von 9 bis 11 Prozent obendrauf – damit an der Rezeption keine bösen Überraschungen entstehen 😅. Wir empfehlen, etwa zwei bis drei Nächte in der Stadt einzuplanen, um in Ruhe die Atmosphäre aufzunehmen und Vorräte zu kaufen, bevor es in die Rocky Mountains geht.
Wer mittendrin im Abendleben sein und lange Cafétouren machen möchte, ist rund um die Whyte Avenue im Viertel Old Strathcona am besten aufgehoben. Das ist das hipsterische Herz der Stadt – hier pulsiert das Leben, und ihr findet tolle Boutiquehotels wie das Metterra Hotel on Whyte. Wer hingegen mit Kindern anreist und das berühmte Mall mit Freizeitpark als Hauptziel hat, sollte sich eher im Westen der Stadt einquartieren – oder direkt im legendären Fantasyland Hotel, wo unglaubliche Themenzimmer warten – von der Raumstation bis zur polynesischen Insel. Für klassisches Stadtentdecken mit Galerien und Museen ist Downtown ideal: kurze Wege zu allem, und mit der verglasten Standseilbahn fährt man direkt ins grüne Flusstal.
Edmonton Kanada: 15 Sehenswürdigkeiten und Aktivitäten
Wenn man an Edmonton Kanada denkt, fallen vielen zuerst brutale Winter, Öl und Hockey ein – doch die Realität ist weit bunter und abwechslungsreicher. Lasst uns gemeinsam einen ausführlichen Blick auf das Beste werfen, was diese weitläufige Stadt zu bieten hat, egal ob ihr wilde Natur direkt vor der Haustür, moderne Kunst, gigantische Einkaufszentren oder pulsierende Sommerfestivals mit Essen und Musik liebt.
1. West Edmonton Mall: eine verrückte Stadt in der Stadt
Lukas und ich hatten uns vorgenommen, maximal eine Stunde zu bleiben. Wir kamen nach vier Stunden nach Hause. Das West Edmonton Mall ist derart absurd, dass man das Zeitgefühl verliert: Es erstreckt sich über fast fünfzig Stadtblöcke und ist das drittgrößte Einkaufszentrum der Welt. Normalerweise machen wir um solche Gigantenkomplexe auf unseren Reisen einen weiten Bogen – aber dieser Ort hat einen schwer beschreibbaren bizarren Charme, der einen an jeder Ecke lachen und ungläubig den Kopf schütteln lässt. Die offizielle Webseite des West Edmonton Mall bietet zwar einen Lageplan an, aber glaubt mir: ihr verirrt euch trotzdem sofort.

Neben hunderten normalen und Luxusgeschäften sowie endlosen Restaurantzonen findet ihr hier den riesigen Indoor-Wasserpark World Waterpark mit dem größten künstlichen Wellenbecken Nordamerikas und wilden Wasserrutschen. Und als wäre das nicht genug: Direkt daneben liegt Galaxyland, ein gewaltiger Indoorfreizeitpark mit einer richtigen Achterbahn, deren Wagen pfeifend hoch über den Köpfen verblüffter Einkäufer entlangschießen. Es gibt sogar eine Eislaufbahn in NHL-Größe – und in einer der Haupthallen schaukelt auf einem künstlichen See eine originalgetreue Holzreplik von Kolumbus‘ Schiff. Der Eintritt ins Zentrum selbst und das Parken draußen sind kostenlos, für die großen Attraktionen wird aber ein saftiges Eintrittsgeld fällig.
2. Edmonton River Valley: grünes Herz der Stadt
Nach dem Shoppingcenter brauchten wir frische Luft – und das Edmonton River Valley war der perfekte Detox-Ort. Dieses Tal ist das größte zusammenhängende Stadtgrünareal ganz Nordamerikas und übrigens 22-mal größer als der Central Park. Die Stadt mit ihrer modernen Bebauung und den Wolkenkratzern liegt hoch oben auf den Klippen über dem Fluss North Saskatchewan River, weshalb man ins grüne Tal hinunter über viele Holztreppen oder bequem mit der Standseilbahn gelangt. Kaum unten am Wasser angekommen, verstummt der Großstadtlärm sofort – und man fühlt sich eher tief im Wald als in einer Millionenstadt.

Es ist der beste Ort in der Stadt, um bequeme Wanderschuhe anzuziehen und auf endlose Spaziergänge zu gehen oder sich in einer der vielen Verleihstationen ein Fahrrad zu schnappen. Das Netz aus Asphalt- und Schotterwegen hat unglaubliche 160 Kilometer und verbindet mehrere riesige Parks miteinander. Im warmen Sommer leihen sich die Leute begeistert Kanus und bunte Paddleboards aus und gleiten gemächlich den breiten Fluss entlang – im Winter, sobald ein Meter Schnee liegt, verwandeln sich all diese Parks in ein gepflegtes Langlaufskiparadies. Herrliche Ausblicke auf die Skyline mit verglasten Wolkenkratzern bieten sich von vielen Aussichtspunkten am Talrand – bei Sonnenuntergang ist das für Fotos einfach unschlagbar romantisch.
3. Muttart Conservatory: gläserne Pyramiden voller Leben
Wer Edmontons Skyline von oben betrachtet, entdeckt unweigerlich vier seltsame Glaspyramiden, die ein wenig an den Eingang des Pariser Louvre erinnern – doch im Inneren verbergen sie etwas völlig anderes. Die Muttart Conservatory ist ein wunderschön gestalteter Indoor-Botanischer Garten, der für viele Einheimische in den endlosen, eiskalten Wintermonaten ein echter Rettungsanker ist: ein Ort, um wieder etwas Grünes zu sehen, feuchte Luft einzuatmen und sich für eine Weile aufzuwärmen.

Jede der drei großen Hauptpyramiden repräsentiert ein anderes Weltklima: Es gibt einen tropischen Regenwald voller riesiger Farne, eine gemäßigte Zone und einen faszinierenden Aridzonen-Bereich voller stachliger Kakteen. Die vierte Pyramide ist besonders: Ihre Ausstellung wechselt das ganze Jahr über mit den Jahreszeiten – von Frühlingsgärten bis hin zu Winterfeiertagen. Im T-Shirt durch einen feuchten tropischen Dschungel zu spazieren, während es draußen klirrend kalt ist und Schnee gegen die Scheibe fällt, ist ein magisches und entspannendes Erlebnis. Der Eintritt kostet etwa 15 CAD (ca. 10 €) pro Erwachsenem, und ein gemütlicher Besuch dauert etwas mehr als eine Stunde.
4. Whyte Avenue und das historische Viertel Old Strathcona
Wer der Seele der Stadt auf der Spur ist, verlässt das moderne Zentrum und überquert den Fluss Richtung Süden – direkt in das historische Viertel Old Strathcona. Seine Hauptader, die Whyte Avenue, ist berühmt für ihre entspannte, leicht hipsterhafte Atmosphäre, historische Backsteingebäude und eine enorme Dichte an unabhängigen Läden, Bäckereien und Spezialitätencafés.

An freien Wochenenden ist hier auf dem berühmten Old Strathcona Farmers‘ Market richtig was los. Der Markt findet in einer großen alten Halle statt, und von lokalen Bauern und Produzenten bekommt ihr hier alles – von frischen Blaubeeren über hausgemachten Ziegenkäse bis hin zu echtem kanadischen Ahornsirup in hübschen Gläsern. Gegen Abend verwandelt sich die gesamte Straße in ein lebhaftes Zentrum des Nachtlebens mit tollen Bistros und stilvollen Bars, in denen lokales Craft Beer vom Hahn fließt.
5. Hockey-Wahnsinn und die Edmonton Oilers
Ob eingefleischter Hockeyfan oder nicht – das Phänomen namens Edmonton Oilers lässt sich während eines Besuchs schlicht nicht ignorieren, denn diese Stadt atmet Hockey in jeder Pore. Das Team, in dem in den legendären Achtzigern Wayne Gretzky brillierte und mit dem er mehrere Stanley Cups gewann, ist bis heute der ganze Stolz der Stadt und der gesamten Provinz Alberta. Heute sorgt Connor McDavid auf dem Eis für Furore, und wenn ein wichtiges Spiel ansteht, tauchen sich praktisch alle Straßen in Blau und Orange.

Gespielt wird heute in der riesigen, hochmodernen Rogers Place Arena, die mitten im Stadtzentrum im passenderweise „Ice District“ genannten Viertel steht. Die Arena hat eine atemberaubende moderne Architektur, die an einen riesigen Tropfen aus Stahl und glänzendem Glas erinnert. Wer das Glück hat, während der NHL-Saison in der Stadt zu sein – typischerweise von Oktober bis April –, sollte unbedingt versuchen, Tickets über offizielle Kanäle zu bekommen. Auch wenn sie nicht gerade günstig sind: Den unglaublichen Lärm des kanadischen Publikums zu erleben, das geschlossen von den Sitzen springt, vergisst man so schnell nicht.
6. Royal Alberta Museum
Ehrlich gesagt gingen wir eher pflichtbewusst ins Museum – doch die Dinosaurierskelette im Erdgeschoss hatten mich überraschend schnell in ihren Bann gezogen. Sie sind gewaltig. Und die Abteilung über die Ureinwohner (First Nations) ist so einfühlsam und detailliert gestaltet, dass wir fast einen ganzen Vormittag dort verbrachten, obwohl wir eigentlich nur eine Stunde eingeplant hatten. Das brandneue Museum befindet sich direkt im Downtown und trägt zu Recht den Titel des größten Museums in ganz Westkanada – was man sofort beim Betreten der verglasten Halle spürt.

Neben den beeindruckenden Skeletten prähistorischer Riesen und Mammuts – die daran erinnern, dass Alberta zu den reichsten paläontologischen Fundstätten der Welt gehört – wartet auch eine faszinierende Ausstellung über riesige Insekten. Interaktive Tafeln erzählen auf moderne und zugängliche Weise hunderte Jahre alte Geschichten von Menschen und Tieren. Es ist schlicht die ideale Art, noch vor der Weiterfahrt in die Berge tieferen Respekt für Landschaft und Kultur dieser Region zu entwickeln.
7. Art Gallery of Alberta (AGA)
Auch wer auf Reisen nicht unbedingt ein Kunstmuseum nach dem anderen abklappert und lieber Berge erklimmt: Das Gebäude der Art Gallery of Alberta sollte man sich zumindest von außen nicht entgehen lassen – allein wegen des spektakulär verrückten Äußeren. Die markante, fotografisch dankbare Fassade besteht aus wilden geschwungenen Kurven aus mattem Zink, Glas und Stahl. Laut Architekt sollen diese Formen das magische Nordlicht und die Strömungen des zugefrorenen North Saskatchewan River evozieren – inmitten des nüchternen Geschäftszentrums mit seinen kantigen Wolkenkratzern wirkt das Ganze wie eine Erscheinung aus einem Science-Fiction-Film.

Innen erwarten euch drei helle, weitläufige Stockwerke mit überwiegend moderner kanadischer und internationaler Gegenwartskunst sowie häufig wechselnden Sonderausstellungen. Die Räume selbst sind wunderschön ruhig und luftig. Wer beim Besuch ein bisschen sparen möchte, sollte vorher auf der Website nach Gratisabenden oder speziellen Aktionstagen Ausschau halten – die gibt es regelmäßig.
8. K-Days: Juli-Wahnsinn in Edmonton
Wer Ende Juli nach Edmonton kommt, stößt mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein riesiges Event, von dem die Einheimischen schon den ganzen langen Winter mit leuchtenden Augen schwärmen. K-Days ist ein gewaltiges zehntägiges Sommerfestival – am besten beschreibbar als ein extrem aufgemotzter, riesiger Jahrmarkt, gekreuzt mit einem Musikfestival und einer Landwirtschaftsausstellung. Ursprünglich entstammt diese großartige Tradition den historischen Goldrausch-Feiern des späten 19. Jahrhunderts, heute ist es schlicht das wichtigste Sommerereignis der Stadt.

Auf dem weitläufigen Ausstellungsgelände findet ihr dutzende funkelnde Fahrgeschäfte, bei denen einem schon beim Zuschauen schwindlig wird, und vor allem unzählige Imbissstände mit schwer beschreibbarem und oft frittiertem Essen. Ja, wirklich: frittierte Snickers-Riegel, riesige Truthahnkeulen und alle denkbaren und undenkbaren überzuckerten Dinge am Spieß sind hier Normalzustand. Tagsüber gibt es wildes Rodeo zu sehen, abends folgen Konzerte bekannter und lokaler Bands auf riesigen Bühnen – und jeden Tag endet alles mit einem langen, spektakulären Feuerwerk.
9. Edmonton International Fringe Theatre Festival (August)
Kanada und Theater? Wer bei Kanada zuerst an Holzfäller und Bären denkt, würde das vielleicht nicht erwarten – doch Edmonton beherbergt jedes Jahr im August das zweitgrößte alternative Fringe Festival der Welt. Größer ist nur das ursprüngliche und weitaus bekanntere in Edinburgh. Während dieser elf verrückten Tage verwandelt sich das ohnehin schon lebhafte Viertel Old Strathcona in eine einzige große offene Bühne. Der Verkehr wird gesperrt, und die Straßen füllen sich von heute auf morgen mit Straßenkünstlern, Musikern, Comedians, Jongleuren und zehntausenden begeisterten Zuschauern.

Die offiziellen Theateraufführungen finden dabei nicht nur in klassischen Sälen statt. Man trifft auf sie überall: in Hinterzimmern von Clubs, in kleinen Cafés, Schulsporthallen und hastig aufgebauten Zelten in Parks. Thematisch reicht das Programm von ernsten Dramen über wahnsinnige Komödien, bei denen man nicht weiß, ob man lachen oder weinen soll, bis hin zu völlig unverständlicher experimenteller Avantgarde. Das Schöne am ganzen Konzept: Hundert Prozent der Eintrittsgelder gehen direkt an die Künstlerinnen und Künstler selbst.
10. Elk Island National Park: Safari 40 Minuten von der Stadt
Das ist das absolute Naturjuwel, das ihr während eures Aufenthalts keinesfalls verpassen solltet – besonders wenn ihr Edmonton als Ausgangspunkt für Nationalparks nutzt und einfach nicht mehr warten könnt, bis ihr das erste Mal echte kanadische Wildtiere seht. Nur knappe 40 Minuten östlich der Stadt auf der Autobahn liegt der Elk Island National Park. Er lässt sich am besten als kleines, eingezäuntes kanadisches Mini-Safari-Reservat beschreiben, umgeben von stillen Seen, tiefen Wäldern und blühenden Feuchtgebieten, die morgens unglaublich duften.

Dieses Schutzgebiet beherbergt eine der größten Bisonpopulationen des gesamten nordamerikanischen Kontinents. Hier leben sowohl die selteneren und schwereren Waldbisons (Wood Bison) als auch die kleineren Präriebisons (Plains Bison). Es ist sehr wahrscheinlich, dass euch diese gewaltigen, majestätischen Tiere bei einer gemächlichen Fahrt durch den Park einfach die Straße blockieren – und ihr eine Viertelstunde warten müsst, bis sie gnädigerweise weiterziehen. Dabei gilt eine goldene Regel: Bisons sind unglaublich starke und unberechenbare Tiere. Auch wenn sie Autos gewohnt sind, steigt bitte niemals aus dem Fahrzeug, um ein besseres Instagram-Foto zu machen 😅. Kurbelt einfach das Fenster runter und beobachtet sie mit gebührendem Respekt von eurem Sitz aus.
11. Weiterfahrt zum Jasper National Park
Nach Edmonton zu fliegen ist der weitaus beste logistische Nordeinstieg in die kanadischen Rocky Mountains – konkret in den raueren, weitläufigeren und glücklicherweise etwas weniger überlaufenen Jasper National Park. Direkt vom Stadtrand aus führt euch der gut ausgebaute Highway 16, auf Karten auch als Yellowhead Highway bekannt, zuverlässig dorthin. Die gesamte Strecke ist rund 365 Kilometer lang, und ohne Stopps für Fotos und Kaffee dauert die entspannte Fahrt etwa vier bis fünf Stunden.

Anfangs fahrt ihr durch klassische, flache Landwirtschaftsprärie, die manchmal fast monoton endlos wirkt. Sobald ihr euch aber dem kleinen Bergbauort Hinton nähert, endet die große Flachheit abrupt – und am Horizont erheben sich plötzlich steile, schneebedeckte Gipfel. Ihr versteht sofort, warum es die Leute hierher zieht. Wer die Fahrt stressfrei erleben möchte, sollte morgens früh aufstehen, in Edmonton noch in einem Café oder beim allgegenwärtigen Tim Hortons einen Kaffee to go holen und dann ganz in Ruhe den langsamen Wandel der Landschaft aus dem Autofenster genießen – der Atem bleibt buchstäblich weg. Und denkt daran: voller Tank ist Pflicht.
12. Die Standseilbahn 100 Street Funicular
Noch ein letzter, sehr praktischer und angenehmer Tipp – besonders für Tage, an denen bereits zehntausende Schritte in den Beinen stecken. Wie bereits erwähnt, liegt ein Großteil des Edmontonner Stadtzentrums hoch über dem grünen Flusstal, und die Verbindung dieser zwei so unterschiedlichen Welten war verkehrstechnisch immer eine kleine Herausforderung. Die Stadt hat das Problem vor einigen Jahren elegant und modern gelöst: mit einer kurzen verglasten Standseilbahn, die die Einheimischen Funicular nennen. Sie bringt euch völlig kostenlos und mühelos vom Downtown hinunter zur Flusspromenade im Tal.

Die Kabine ist vollständig verglast und bietet während der Fahrt wunderschöne weite Ausblicke auf den Fluss. Die gesamte Anlage einschließlich der anschließenden Fußgängerpromenade ist architektonisch sehr gelungen und fügt sich toll in die Umgebung ein. Für Eltern mit schweren Kinderwagen, Radfahrer oder Menschen mit Knieproblemen ist es eine echte Erleichterung – aber fahrt ruhig auch einfach so mit. Es macht Spaß und erspart vor allem den lästigen, steilen Treppenaufstieg zurück in die Stadt, nachdem ihr unten ein ordentliches Mittagessen zu euch genommen habt ☺️.
Wo essen: Bistro Praha und weitere Tipps
Edmonton ist eine moderne und sehr kosmopolitische Stadt voller Einwanderer – entsprechend vielfältig ist die Essensszene, von perfekten, günstigen asiatischen Bistros in den Vorstädten bis hin zu gehobenen kanadischen Steakhäusern, wo man für das Abendessen tief in die Tasche greift. Wer aber nach wochenlangem Reisen plötzlich Lust auf echte mitteleuropäische Küche bekommt, für den haben wir einen wirklich überraschenden Tipp aus dem Zentrum.
Direkt an der Hauptstraße im Downtown, nur wenige Schritte von der modernen Hockeyarena Rogers Place entfernt, befindet sich das berühmte Bistro Praha. Es ist eine große Institution mit langer und reicher Tradition – gegründet wurde es von begeisterten tschechischen Emigranten bereits in den Siebzigerjahren. Hier erwartet euch ein gemütliches, altmodisches Holzinterieur, Wände voller Bilder und vor allem eine ausführliche Speisekarte mit langsam gebratenem Geflügel, Sauerkraut, gebackenem Käse und hervorragendem hausgemachten Apfelstrudel.
Wer es lieber etwas lokaler und moderner mag, findet unsere weiteren Lieblingsadressen vor allem auf der bereits erwähnten Whyte Avenue. Für ein richtig sättigendes Abendessen und entspannte, freundliche Atmosphäre lohnt sich unbedingt ein Besuch im MEAT. Der Name ist etwas irreführend – ursprünglich kannte man das Lokal für das beste Smoke-BBQ weit und breit, heute stehen aber auch tolle vegetarische Optionen und fantastische Mixed Drinks auf der Karte. Den besten morgendlichen Kaffee der Stadt – laut Einheimischen – gibt es beim Ecklokal Transcend Coffee: der perfekte Stopp für einen Flat White beim Spaziergang. Und denkt daran: In kanadischen Restaurants mit Bedienung ist ein Trinkgeld von 15 bis 20 Prozent auf den Nettobetrag (vor Steuern) völlig selbstverständlich.
Praktische Reisetipps für Edmonton
Ob ihr eure Kanada-Reise gerade erst plant oder schon die Koffer packt – hier noch ein paar praktische Hinweise und Empfehlungen, auf die wir selbst zurückgreifen und die euch die ein oder andere graue Haarsträhne vor dem Abflug ersparen könnten.
Mietwagen ist ein Muss
Alberta ist riesig, und außerhalb der Städte auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen ist schlicht keine Option. Wer die Nationalparks erkunden will, kommt um ein Auto nicht herum. Wir vertrauen dabei seit Jahren auf DiscoverCars – großes Angebot, klare Versicherungsbedingungen. Nach der Landung holen wir uns den Schlüssel direkt am Flughafenschalter ab, springen auf die Autobahn ins Zentrum und sparen so das überteuerte Flughafen-Taxi.
Das Fahren in Kanada ist übrigens entspannter als gedacht – besonders mit einem Automatikgetriebe, an das man sich in etwa fünf Minuten gewöhnt. Die Straßen und Autobahnen sind enorm breit, die Fahrer gegenseitig rücksichtsvoll, und auf Autobahnen gilt ein gemächliches Tempo von rund 110 km/h, das man wegen häufiger Polizeikontrollen tatsächlich einhalten sollte. Wichtig für die erste Kreuzung: In Kanada darf man bei Rot nach rechts abbiegen, sofern man vorher anhält und sich vorsichtig umsieht – außer ein Zusatzschild verbietet es ausdrücklich.
Reiseversicherung nicht vergessen
Eine gute Reiseversicherung für Kanada ist absolut unverzichtbar – niemals unterschätzen. Auch wer nur entspannte Seenwanderungen plant und keine Steilwände bezwingen möchte: Schon ein umgeknickter Knöchel kann teuer werden. Wir wählen für längere Reisen oft SafetyWing – alles Wichtige dazu, wie es funktioniert und was es abdeckt, findet ihr in unserer ausführlichen SafetyWing-Rezension.
