Es gibt Orte, die erreicht man nur über eine einzige Brücke – und sobald man sie überquert hat, fühlt man sich um hundert Jahre zurückversetzt. Genau so ging es uns auf Campobello Island Kanada. Eine kleine Insel in der Bay of Fundy, wo Kanada auf Amerika trifft, wo Ebbe und Flut die Landschaft alle sechs Stunden bis zur Unkenntlichkeit verändern und wo es passieren kann, dass man den ganzen Tag nicht mehr als fünf Menschen begegnet. Und das meine ich wörtlich.
Diese Insel hat etwas, das sich schwer in Worte fassen lässt – eine besondere Ruhe, salzige Luft vermischt mit dem Duft von Fichten und das Gefühl, dass sich die Welt hier nirgendwohin beeilt.
In diesem Artikel findet ihr einen kompletten Reiseführer für Campobello Island – von Tipps, was es zu sehen und zu tun gibt, über praktische Hinweise zur Anreise (denn die ist nicht ganz trivial), bis hin zu Empfehlungen zum Essen und Übernachten. Ich habe für euch eine Übersicht der schönsten Orte auf der Insel zusammengestellt, einschließlich der berühmten Roosevelt-Sommerresidenz, des ikonischen Leuchtturms Head Harbour Lightstation und weiterer Ecken, die euch den Atem rauben werden.
Zusammenfassung
- Campobello Island ist eine kleine kanadische Insel in der Bay of Fundy (Provinz New Brunswick), am einfachsten mit dem Auto aus den USA über die Brücke von Lubec, Maine erreichbar.
- Die Hauptattraktion ist der Roosevelt Campobello International Park mit der Sommerresidenz von Präsident Franklin D. Roosevelt – der Eintritt ist kostenlos.
- Die wunderschöne Head Harbour Lightstation (East Quoddy Lighthouse) ist nur bei Ebbe zugänglich – achtet auf die Gezeitentabellen!
- Der Herring Cove Provincial Park bietet schöne Strände, einen Golfplatz und Wanderwege mit Blick auf die Bay of Fundy.
- Auf der Insel leben nur etwa 900 Menschen – erwartet also keine Großstadt-Infrastruktur. Es ist ein ruhiges, authentisches Stück Kanada.
- Die beste Reisezeit ist Juni bis September, wenn die meisten Attraktionen geöffnet sind und die Walbeobachtungssaison läuft.
- Von der Insel aus könnt ihr Whale Watching unternehmen – in der Bay of Fundy leben Buckelwale, Zwergwale und die seltenen Nordatlantischen Glattwale.
- Plant ein, dass ihr auf der Insel mindestens einen ganzen Tag verbringt, idealerweise zwei Nächte.
- Wenn ihr aus Kanada anreist (nicht über Maine), müsst ihr die saisonale Fähre von Deer Island nutzen – sie fährt nur im Sommer.
Wann nach Campobello Island reisen und wie hinkommen
Campobello Island ist ein Ort, den man nicht zufällig besucht. Die Insel liegt am äußersten östlichen Zipfel Kanadas, in der Bay of Fundy zwischen New Brunswick und Maine, und die Anreise erfordert ein wenig Planung. Aber keine Sorge – sobald ihr die Logistik gemeistert habt, ist die Belohnung riesig. Schauen wir uns an, wann die beste Reisezeit ist und welche Anreisemöglichkeiten ihr habt.
Beste Reisezeit
Die Saison auf Campobello Island ist ziemlich kurz. Die beste Reisezeit ist von Mitte Juni bis Anfang September. In diesem Zeitraum ist der Roosevelt Campobello International Park geöffnet, die Fähren fahren, die Restaurants haben auf und die Walbeobachtungssaison ist in vollem Gange.
Wir waren Ende Juli dort und das Wetter war einfach perfekt – um die 22 °C, sonnig mit gelegentlichem Meeresnebel, der der Landschaft eine mystische Atmosphäre verlieh. Rechnet aber damit, dass es selbst im Sommer an der Küste kühl und windig sein kann, besonders am Leuchtturm. Ein Fleece-Pullover und eine Windjacke sind Pflicht.
Juni ist ideal für weniger Touristen und blühende Lupinen entlang der Straßen. Juli und August sind die wärmsten und lebhaftesten Monate. September bringt wunderschöne Herbstfarben, aber einige Attraktionen schließen bereits. Außerhalb der Saison (Oktober–Mai) ist die Insel still, die meisten Einrichtungen sind geschlossen und die Fähre von Deer Island fährt nicht.
Wie kommt man nach Campobello Island
Jetzt wird es spannend. Campobello Island ist eine kanadische Insel, doch paradoxerweise erreicht man sie am einfachsten von den USA aus. 😅
Variante 1: Über die Brücke von Lubec, Maine (ganzjährig)
Die einfachste und häufigste Anreise. Von der Kleinstadt Lubec in Maine führt die Franklin Delano Roosevelt Memorial Bridge direkt über die Meerenge nach Campobello Island. Die Brücke ist ganzjährig geöffnet, 24 Stunden am Tag. Auf beiden Seiten gibt es Grenzkontrollen – ihr braucht einen gültigen Reisepass (für Kanadier und Amerikaner reicht auch eine NEXUS-Karte). Deutsche und österreichische Staatsbürger benötigen zusätzlich eine eTA (Electronic Travel Authorization) für Kanada und ein ESTA für die USA-Durchreise. Die Überfahrt geht schnell, meistens gibt es keine Warteschlangen.
Wichtig: Wenn ihr durch Kanada reist und nicht über die USA fahren wollt, müsst ihr eine andere Route wählen.
Variante 2: Mit der Fähre über Deer Island (saisonal)
Wenn ihr durch New Brunswick reist und nicht in die USA wechseln wollt, könnt ihr Campobello mit der Fähre von Deer Island erreichen. Zunächst gelangt ihr mit einer kostenlosen Fähre von Letete (bei St. George) nach Deer Island, und von dort fahrt ihr mit der kostenpflichtigen East Coast Ferries-Fähre nach Campobello. Die Fähre verkehrt etwa von Ende Juni bis Anfang September, der Preis liegt bei rund 20 CAD (ca. 14 €) für ein Auto mit Fahrer. Der Fahrplan richtet sich nach den Gezeiten – ja, hier bestimmt tatsächlich die Natur, wann die Fähren fahren.
Wir haben gute Erfahrungen mit RentalCars gemacht, die wir weltweit nutzen – und auf Campobello Island braucht ihr definitiv ein Auto. Auf der Insel gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr. Günstige Flüge nach Boston, Portland (Maine) oder Halifax findet ihr am besten über Flugsuchmaschinen – von dort geht es mit dem Mietwagen weiter. Ab Frankfurt oder München gibt es Direktverbindungen nach Boston mit Lufthansa, und ab verschiedenen deutschen Flughäfen fliegen auch Condor und Eurowings in die Region.
Variante 3: Von Eastport, Maine (saisonale Fähre)
Im Sommer verkehrt auch eine kleine Fähre von Eastport in Maine nach Deer Island, von wo aus ihr nach Campobello weiterfahren könnt. Diese Variante ist eher etwas für Abenteuerlustige, die die gesamte Bay of Fundy auf dem Wasser erkunden möchten.
Egal, welche Variante ihr wählt: Denkt daran, dass ihr eine internationale Grenze überquert. Auch wenn es nur eine kleine Brücke ist – ihr reist zwischen Kanada und den USA. Der Reisepass ist ein Muss.
Wo übernachten auf Campobello Island und was kostet es
Die Unterkunftsmöglichkeiten auf Campobello Island sind… sagen wir mal überschaubar. Aber genau darin liegt der Charme – ihr seid nicht in einem Touristen-Resort, sondern auf einer echten Insel, auf der die meisten Häuser Einheimischen gehören. Es gibt nicht viele Unterkünfte, daher empfehle ich in der Hauptsaison (Juli–August), rechtzeitig zu buchen.
Auf der Insel findet ihr hauptsächlich B&Bs, kleine Pensionen und ganze Häuser über Airbnb oder VRBO. Ein klassisches Hotel sucht ihr hier vergebens – und das ist eigentlich großartig, weil ihr so die authentische Atmosphäre genießen könnt.
Ungefähre Preise pro Nacht (Hauptsaison):
- B&B / Pension: 120–180 CAD (80–120 €) für ein Doppelzimmer mit Frühstück
- Haus-/Hüttenmiete (Airbnb/VRBO): 150–300 CAD (100–200 €) pro Nacht, je nach Größe
- Campobello hat kein klassisches Hotel und keinen richtigen Campingplatz – wenn ihr zelten wollt, müsst ihr zum Herring Cove Provincial Park, wo es einfache Stellplätze gibt (ca. 30–40 CAD / 20–27 € pro Nacht)
Falls ihr auf der Insel keine Unterkunft findet oder sparen wollt, könnt ihr in Lubec, Maine (direkt über die Brücke) übernachten – dort ist die Auswahl etwas größer und die Preise ähnlich.
Gesamtbudget für zwei Nächte zu zweit (Richtwert):
- Unterkunft (2 Nächte): 300–400 CAD (200–270 €)
- Essen (Restaurant + Einkauf): 120–180 CAD (80–120 €)
- Benzin: 30–50 CAD (20–34 €)
- Whale Watching (optional): 140–200 CAD (95–135 €) für zwei
- Gesamt für zwei Personen: ca. 600–830 CAD (400–560 €) ohne Flug und Mietwagen
Campobello Island: 12 Tipps, was man sehen und unternehmen kann
Jetzt kommen wir zum Besten – was gibt es auf Campobello Island eigentlich zu tun? Die Insel ist zwar klein (etwa 14 km lang), hat aber überraschend viel zu bieten. Von der Sommerresidenz eines Präsidenten über Leuchttürme, Strände und Wanderwege bis hin zur Walbeobachtung. Hier kommen meine 12 Tipps für die spannendsten Erlebnisse auf Campobello.
1. Roosevelt Campobello International Park — Sommerresidenz, wo Geschichte geschrieben wurde

Dies ist eindeutig der Hauptgrund, warum die meisten Menschen Campobello Island besuchen – und das völlig zu Recht. Der Roosevelt Campobello International Park ist ein einzigartiger internationaler Park, der gemeinsam von Kanada und den USA verwaltet wird – der einzige seiner Art weltweit.
Das Herzstück des Parks ist das Roosevelt Cottage, die Sommerresidenz der Familie Roosevelt, in der Franklin D. Roosevelt seit seiner Kindheit die Ferien verbrachte. Genau hier wurde er 1921 von Kinderlähmung befallen, die sein Leben für immer veränderte – und ihn paradoxerweise vielleicht auf die Präsidentschaft vorbereitete. Das Haus ist im Originalzustand erhalten und die Besichtigung ist komplett kostenlos. Die Guides (meist Studenten) erklären begeistert, wie die Familie lebte, wo FDR fischte und wo seine Frau Eleanor Picknick-Mittagessen veranstaltete.
Neben dem Haupthaus könnt ihr auch weitere historische Gebäude besichtigen – das Hubbard Cottage und das Wells-Shober Cottage. Die gesamte Anlage ist wunderschön in die Küstenlandschaft mit Blick auf die Passamaquoddy Bay eingebettet.
Der Park ist von Ende Mai bis Mitte Oktober geöffnet, täglich von 9:00 bis 17:00 Uhr (in der Hauptsaison). Nochmal zur Betonung: Der Eintritt ist kostenlos. In Nordamerika, wo man sonst für alles zahlt, ist das eine wunderbare Ausnahme. 😊
2. Head Harbour Lightstation (East Quoddy Lighthouse) — der Leuchtturm am Ende der Welt

Dieser Ort verschlägt einem die Sprache. Die Head Harbour Lightstation, auch als East Quoddy Lighthouse bekannt, steht auf einer felsigen kleinen Insel an der nördlichsten Spitze von Campobello Island. Es ist einer der ikonischsten und meistfotografierten Leuchttürme ganz Kanadas – und sobald ihr ihn seht, versteht ihr warum.
Hier kommt die entscheidende Information: Den Leuchtturm erreicht ihr nur bei Ebbe. In der Bay of Fundy beträgt der Unterschied zwischen Ebbe und Flut bis zu 8 Meter (einer der höchsten Tidenhübe der Welt!), sodass die kleine Felseninsel mit dem Leuchtturm bei Flut komplett vom Festland abgeschnitten ist. Bei Ebbe führt ein kurzer Weg über Felsen und Eisenleitern dorthin.
Bevor ihr aufbrecht, checkt unbedingt die Gezeitentabelle – ihr findet sie auf der Website von Fisheries and Oceans Canada oder direkt im Informationszentrum auf der Insel. Am besten seid ihr eine Stunde vor dem niedrigsten Wasserstand vor Ort, damit ihr genügend Zeit für Hin- und Rückweg habt. Das Wasser steigt schneller, als man denkt, und am Leuchtturm bei Flut festzusitzen wäre nicht gerade ideal. 😅
Der Weg zum Leuchtturm ist ein Abenteuer für sich – ihr klettert über nasse Felsen, überquert Seetang und Algen und steigt schließlich metallene Treppen hinauf. Die Belohnung ist ein wunderschöner rot-weißer Leuchtturm mit einem Kreuz auf der Spitze und ein Panoramablick über die Bay of Fundy, wo ihr mit etwas Glück sogar Wale entdecken könnt.
3. Herring Cove Provincial Park — Strände, Wanderwege und die besten Aussichten der Insel

Wenn ihr Natur liebt (und das nehme ich mal an, wenn ihr nach Campobello fahrt), wird euch der Herring Cove Provincial Park begeistern. Dieser Provinzpark nimmt einen großen Teil der südöstlichen Seite der Insel ein und bietet eine Mischung aus allem – Strände, Wanderwege, einen Golfplatz und wunderschöne Küstenlandschaften.
Der Strand von Herring Cove ist ein langer Streifen aus Kieseln und Sand, wo bei Ebbe faszinierende Felsformationen und Gezeitentümpel voller Seesterne, Krabben und anderer Meeresbewohner freigelegt werden. Für Kinder (und ehrlich gesagt auch für Erwachsene) ist das Erkunden dieser Tidal Pools ein absolut faszinierendes Erlebnis.
Vom Park aus starten Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit. Besonders empfehlenswert ist der Herring Cove Trail (ca. 3 km), der entlang der Küste mit herrlichen Ausblicken auf die Bucht führt. Die Wege sind gut markiert und auch für weniger geübte Wanderer machbar.
Der Eintritt in den Park ist kostenlos. Kostenpflichtig sind lediglich die Campingplätze und der Golfplatz. Apropos: Golf in Herring Cove soll ein fantastisches Erlebnis sein – ein 9-Loch-Platz mit Meerblick für ein paar Dollar. Wir spielen zwar kein Golf, aber selbst Nicht-Golfer genießen hier die Aussicht.
4. Whale Watching in der Bay of Fundy — Buckelwale zum Greifen nah

Die Bay of Fundy gehört zu den besten Orten für Walbeobachtung in ganz Nordamerika. Die kalten, nährstoffreichen Gewässer locken Buckelwale, Zwergwale, Finnwale und sogar die vom Aussterben bedrohten Nordatlantischen Glattwale (North Atlantic Right Whales) an.
Whale-Watching-Touren ab Campobello und Umgebung dauern typischerweise 2–3 Stunden und kosten etwa 60–100 CAD (40–70 €) pro Person. Die meisten Anbieter fahren von St. Andrews oder von Eastport in Maine ab, aber einige kleinere Unternehmen bieten auch Ausfahrten direkt von der Insel an.
Die beste Saison für Walbeobachtung ist von Juli bis September, wobei August der absolute Höhepunkt ist. Neben Walen bekommt ihr oft auch Robbenkolonien, Fischadler und mit etwas Glück sogar Haie zu Gesicht (ob das Glück oder Pech ist, liegt wohl am Blickwinkel 😅).
Wenn ihr noch nie einen Wal in freier Wildbahn gesehen habt, ist dies eure Chance – lasst sie euch nicht entgehen. Der Moment, in dem die drei Meter lange Schwanzflosse eines Buckelwals nur wenige Dutzend Meter vom Boot entfernt auftaucht, lässt sich nicht beschreiben – das muss man einfach erleben.
5. Friar’s Head — dramatische Klippen mit Panoramablick
An der nordwestlichen Seite der Insel findet ihr Friar’s Head, eine vulkanisch anmutende Felsformation, von der aus ihr einen fantastischen Panoramablick auf die amerikanische Küste, die Insel Eastport und die gesamte Breite der Passamaquoddy Bay habt.
Der Aufstieg ist kurz – vom Parkplatz braucht ihr etwa 10–15 Minuten auf einem ausgetretenen Pfad bis zum Gipfel. Oben findet ihr eine Bank und genügend Platz für ein Picknick. Bei klarem Wetter seht ihr kilometerweit. Wir haben dort etwa eine halbe Stunde gesessen und einfach nur geschaut – hier gibt es wirklich keinen Grund zur Eile.
Die Felsen haben eine interessante rotbraune Farbe und eine eigentümliche Form, die an eine Mönchskapuze erinnert – daher vermutlich der Name Friar’s Head (Mönchskopf). Es ist einer dieser Orte, an denen man die Kraft der Geologie der Bay of Fundy spürt.
6. Mulholland Point Lighthouse — der fotogenste Leuchtturm der Insel

Während die Head Harbour Lightstation der dramatische und abenteuerliche Leuchtturm ist, ist der Mulholland Point Lighthouse der romantische und leicht zugängliche. Er steht direkt an der Hauptstraße nahe der Brücke aus Lubec, sodass man ihn nicht übersehen kann – und das solltet ihr auch nicht, denn er ist wunderschön.
Der weiß-rote Leuchtturm steht auf einer Rasenfläche mit Blick auf die Meerenge und die amerikanische Küste. Es ist einer der meistfotografierten Orte der Insel – und das aus gutem Grund. Der Leuchtturm selbst ist von innen nicht zugänglich, aber das Gelände drumherum ist frei begehbar und ein perfekter Ort für ein Picknick oder einfach einen Moment der Ruhe mit Aussicht.
Bei Ebbe legt sich rund um den Leuchtturm der felsige Meeresboden frei, wo ihr Meerestiere beobachten könnt. Beim Sonnenuntergang ist es hier absolut magisch – die Sonne versinkt hinter der amerikanischen Küste und der Leuchtturm zeichnet sich als Silhouette vor dem orangefarbenen Himmel ab.
7. Con Robinson’s Point und Liberty Point — wilde Küste ohne Touristen
Wenn ihr auf Campobello absolute Stille und unberührte Natur erleben wollt, dann fahrt zur Südspitze der Insel zu Liberty Point und Con Robinson’s Point. Dieses Gebiet gehört zum Roosevelt Campobello International Park, aber die meisten Besucher kommen nicht hierher, weil sie sich auf das Roosevelt-Haus konzentrieren.
Liberty Point ist eine dramatische Felsklippe, an der die Bay of Fundy mit voller Wucht gegen die dunklen Felsen donnert. Man steht am Rand und unter einem türmen sich gewaltige Wellen auf – absolut hypnotisch. Zu den Klippen führt ein bequemer Weg vom Parkplatz (ca. 1 km), den wirklich jeder schafft.
Con Robinson’s Point ist ähnlich, aber noch abgelegener. Hier haben wir keine Menschenseele getroffen – nur wir, die Felsen, den Wind und das Meer. Wenn ihr einen Ort zum Meditieren sucht oder einfach eine Weile für euch allein sein wollt, dann ist das hier genau richtig.
8. Gezeitentümpel (Tidal Pools) — Natur wie im Aquarium
Eines der faszinierendsten Dinge auf Campobello Island (und in der gesamten Bay of Fundy) sind die Gezeitentümpel, die bei Ebbe freigelegt werden. Stellt euch vor: Das Wasser zieht sich um mehrere Meter zurück und überall an der Küste bleiben kleine Felsbecken voller Leben zurück – Seesterne, Seeigel, Krabben, Seeanemonen, Schnecken und manchmal sogar kleine Fische.
Die besten Stellen zum Erkunden der Tidal Pools sind entlang der Herring Cove und rund um die Head Harbour Lightstation. Ich empfehle Gummistiefel oder alte Schuhe mitzunehmen, die nass werden dürfen – die Felsen sind glitschig vom Seetang. Und ganz wichtig: Setzt die Tiere wieder dorthin zurück, wo ihr sie gefunden habt, und nehmt nichts mit.
Das ist eine Aktivität, die wirklich alle begeistert – von kleinen Kindern bis zu erwachsenen Biologen.
9. Golfplatz Herring Cove — neun Löcher mit Meerblick
Selbst wenn ihr normalerweise kein Golf spielt (wie wir), verdient der Herring Cove Golf Course eine Erwähnung. Es ist ein 9-Loch-Platz mitten im Provinzpark mit Blick auf die Bay of Fundy und angeblich einer der ältesten Golfplätze in New Brunswick.
Die Preise sind im Vergleich zu dem, was ihr anderswo zahlen würdet, geradezu lächerlich niedrig – etwa 25–35 CAD (17–24 €) für 9 Löcher. Der Platz ist von Juni bis September geöffnet. Auch wenn ihr nicht Golf spielt, könnt ihr in der Umgebung spazieren gehen und die Aussicht genießen – die allein ist es wert.
10. Campobello Island Heritage Trail — ein Spaziergang durch die Inselgeschichte

Auf der Insel gibt es mehrere Informationstafeln und historische Pfade, die euch durch die Geschichte von Campobello führen – von den Ureinwohnern (dem Volk der Passamaquoddy) über die Ära der Sommerresidenzen wohlhabender amerikanischer Familien bis in die Gegenwart.
Der Heritage Trail führt durch das Zentrum der Insel vorbei an historischen Gebäuden, einem alten Friedhof und ehemaligen Fischereihäfen. Der gesamte Spaziergang dauert etwa anderthalb Stunden und ist eine schöne Möglichkeit, die Insel nicht nur als Naturdestination, sondern auch als kulturellen Ort kennenzulernen.
Im Informationszentrum am Roosevelt Park könnt ihr eine Broschüre mit Karte abholen. Ich empfehle, dort zu starten – die Guides geben euch gerne Tipps, was gerade auf der Insel los ist und wie das aktuelle Wetter aussieht (auf der Insel ändert sich das Wetter schnell, wie es in der Bay of Fundy üblich ist).
11. Vogelbeobachtung — ein Paradies für Ornithologen
Campobello Island ist ein herausragendes Gebiet für Birdwatching. Dank seiner Lage an einer Zugroute und der Vielfalt der Lebensräume (Küste, Feuchtgebiete, Wälder) könnt ihr hier Dutzende von Vogelarten beobachten.
Zu den häufigsten Highlights gehören Fischadler (Osprey), die auf hohen Masten entlang der Straßen nisten – ihre gewaltigen Nester sind nicht zu übersehen. Außerdem leben hier Weißkopfseeadler, verschiedene Watvogelarten, Papageientaucher (auf der nahegelegenen Machias Seal Island, per Boot erreichbar) und in den Wäldern findet ihr Spechte und Finken.
Die besten Orte zur Vogelbeobachtung sind der Herring Cove Provincial Park, die Umgebung von Head Harbour und die Feuchtgebiete im zentralen Teil der Insel. Wenn ihr es mit den Vögeln ernst meint, versucht einen Ausflug zur Machias Seal Island zu machen – einer der wenigen Papageientaucher-Kolonien an der Ostküste. Boote fahren von Seal Cove auf Grand Manan Island.
12. Sonnenuntergang an der Meerenge — ein Ritual, das ihr nicht verpassen dürft
Das ist keine „Attraktion“ im klassischen Sinne, aber es ist vielleicht das stärkste Erlebnis, das ihr von Campobello Island mitnehmt. Der Sonnenuntergang über der Meerenge zwischen Campobello und dem amerikanischen Lubec ist etwas ganz Besonderes.
Der beste Ort zum Beobachten des Sonnenuntergangs ist am Mulholland Point Lighthouse oder von jedem beliebigen Punkt an der Westküste der Insel. Die Sonne sinkt hinter das amerikanische Städtchen, das Wasser in der Meerenge färbt sich Orange und Rosa, und wenn ihr Glück habt, seht ihr die Silhouetten der Fischerboote, die in den Hafen zurückkehren.
Wir haben den Sonnenuntergang mit einer Flasche kanadischem Wein und einem Baguette aus dem kleinen Inselladen geschaut – und es war einer dieser Momente, für die wir reisen. Keine Menschenmassen, kein Lärm, nur wir und die Natur. ☺️
Essen und Trinken auf Campobello Island
Seien wir ehrlich – nach Campobello Island fährt man nicht wegen des kulinarischen Angebots. 😅 Die Insel hat knapp 900 Einwohner und Restaurants gibt es hier… nun ja, man kann sie an einer Hand abzählen. Aber was es gibt, ist lohnenswert, und dazu gibt es den frischesten Seafood, den man sich vorstellen kann.
Lokale Restaurants
Family Fisheries — das ist wohl die bekannteste Adresse auf der Insel. Das Restaurant sitzt in einem einfachen Gebäude an der Straße und serviert frischen Fisch und Meeresfrüchte zu vernünftigen Preisen. Fish and Chips kosten hier etwa 15–18 CAD (10–12 €) und schmecken genau so gut, wie man es von einem Ort erwartet, wo die Fischer jeden Morgen ihren Fang anlanden. Hummer ist hier natürlich Pflicht – wenn gerade Saison ist (meistens Frühling und Sommer), bestellt euch einen Lobster Roll und ihr schwebt im siebten Himmel.
Herring Cove Restaurant — falls geöffnet (saisonal), findet ihr hier ein einfaches, aber schmackhaftes Angebot mit Fokus auf lokalen Zutaten.
Tipp: Auf der Insel gibt es einen kleinen Lebensmittelladen mit Grundversorgung. Das Sortiment ist aber begrenzt, also kauft am besten vorher in Lubec oder St. Stephen ein, wenn ihr selbst kochen wollt. Wir haben den Fehler gemacht, uns darauf zu verlassen, und am Ende Dosensuppe mit Crackern zu Abend gegessen. Romantik pur. 😅
Was ihr probieren solltet
- Lobster (Hummer) — in jeder Form, aber am besten als ganzer gekochter Hummer oder als Lobster Roll
- Scallops (Jakobsmuscheln) — die Bay of Fundy ist dafür berühmt
- Dulse — getrockneter Seetang, der eine Spezialität der Bay of Fundy ist. Sieht verdächtig aus, schmeckt aber überraschend gut – salzig und ein bisschen wie Chips
- Fish and Chips — der Klassiker, hier aus fangfrischem Fisch zubereitet
- Fiddleheads — junge Farnspitzen, eine saisonale Delikatesse (Frühling). Wenn ihr sie seht, probiert sie!
Essen in Lubec, Maine
Wenn ihr mehr Auswahl braucht, fahrt über die Brücke nach Lubec. Dort findet ihr einige weitere Restaurants und Cafés – die Water Street Tavern hat ordentliche Burger und Seafood und die Lubec Brewing Company bietet lokale Craft-Biere mit Blick auf den Hafen.
Praktische Tipps für den Besuch von Campobello Island
Fortbewegung auf der Insel
Auf der Insel braucht ihr ein Auto. Es gibt keinen öffentlichen Nahverkehr, kein Taxi und kein Uber. Die Straßen sind in gutem Zustand, aber schmal, und einige führen durch den Wald. Die gesamte Insel durchquert ihr in 20 Minuten – also keine Sorge, die Orientierung ist einfach.
Günstige Flüge nach Boston, Portland (Maine) oder Halifax findet ihr über Flugsuchmaschinen – von Deutschland aus fliegen unter anderem Lufthansa, Condor und Eurowings nach Boston. Von dort geht es mit dem Mietwagen weiter.
Internet und Empfang
Mobilfunkempfang gibt es auf der Insel, aber er kann an abgelegenen Stellen schwach sein. WLAN findet ihr in den Unterkünften und im Informationszentrum. Wenn ihr zuverlässiges Internet braucht, empfehle ich eine eSIM von Holafly – sie funktioniert hervorragend in Kanada und den USA, was besonders praktisch ist, wenn ihr die Grenze überquert.
Was einpacken
Auf Campobello braucht ihr auf jeden Fall Kleidung im Schichtenprinzip – das Wetter ändert sich schnell. Eine wasserdichte Jacke und gute Wanderschuhe sind Pflicht, besonders wenn ihr über die Felsen zum Leuchtturm klettern wollt. Einen ausführlichen Packratgeber findet ihr in unserem Artikel darüber, wie man nur mit Handgepäck reist.
Reiseversicherung
Für eine Reise nach Kanada (und erst recht in Kombination mit den USA) solltet ihr auf keinen Fall die Reiseversicherung vergessen. Gesundheitsversorgung in Nordamerika ist extrem teuer. Wir empfehlen SafetyWing, das wir für längere Reisen nutzen. Auch eine gute Auslandskrankenversicherung von deutschen Anbietern wie der HanseMerkur oder ADAC deckt Kanada und die USA in der Regel ab.
Grenzkontrollen
Vergesst nicht: Die Überfahrt über die Brücke von Lubec nach Campobello = Überschreitung einer internationalen Grenze. Ihr braucht einen Reisepass. Für deutsche Staatsbürger ist zusätzlich eine eTA (Electronic Travel Authorization) für Kanada und ein ESTA für die USA-Seite erforderlich – beides könnt ihr vorab online beantragen. Auf der kanadischen Seite werdet ihr nach dem Zweck des Besuchs und der Aufenthaltsdauer gefragt – sagt „tourism“ und „one/two days“ und das war’s. Dasselbe gilt bei der Rückkehr in die USA. Meistens geht es schnell und problemlos, aber in der Hauptsaison kann es kurze Wartezeiten geben.
Geld
Auf der Insel zahlt man in Kanadischen Dollar. Die meisten Geschäfte akzeptieren auch US-Dollar, aber der Wechselkurs ist ungünstig. Mit Karte könnt ihr fast überall bezahlen, aber habt auch etwas Bargeld dabei – an kleineren Stellen ist es hilfreich. Ein Euro entspricht ungefähr 1,5 CAD (Stand 2025).
Was in der Umgebung von Campobello Island sehen
Wenn ihr mehr Zeit habt, ist Campobello ein hervorragender Ausgangspunkt, um die gesamte Bay of Fundy zu erkunden. Hier ein paar Ausflugstipps:
- Lubec, Maine — der östlichste Punkt der USA. Ein charmantes Städtchen mit kleinen Galerien, Cafés und exzellentem Seafood. Ihr könnt zu Fuß über die Brücke dorthin gehen.
- St. Andrews-by-the-Sea, New Brunswick — ein wunderschönes historisches Städtchen mit Kolonialarchitektur, Whale-Watching-Touren und hervorragenden Restaurants. Etwa 1,5 Stunden mit dem Auto (über Lubec und die USA oder per Fähre über Deer Island).
- Grand Manan Island — eine größere Insel in der Bay of Fundy, erreichbar per Fähre von Blacks Harbour. Perfekt für Papageientaucher, Whale Watching und Wandern.
- Fundy Trail Parkway — eine Panoramastraße entlang der Bay of Fundy mit atemberaubenden Aussichten und Wasserfällen.
- Hopewell Rocks — die berühmten „Flowerpot Rocks“, von Ebbe und Flut geformt. Ein ikonischer Ort in ganz New Brunswick.
Wenn ihr einen längeren Roadtrip durch Kanada plant, schaut euch unseren Roadtrip-Guide für Westkanada an – der Osten ist eine völlig andere Welt, aber das Planungsprinzip ist ähnlich. Und wenn euch die Reise zu den Niagarafällen führt, haben wir auch dafür einen Artikel. 😊
FAQ — Häufig gestellte Fragen zu Campobello Island
Wie komme ich nach Campobello Island?
Der einfachste Weg führt mit dem Auto über die Franklin Delano Roosevelt Memorial Bridge von der Kleinstadt Lubec im amerikanischen Maine. Die Brücke ist ganzjährig geöffnet. Alternativ könnt ihr im Sommer (etwa Ende Juni bis Anfang September) die saisonale Fähre von Deer Island in New Brunswick nutzen, wenn ihr nicht in die USA fahren wollt. In beiden Fällen überquert ihr eine internationale Grenze – ihr braucht also einen gültigen Reisepass sowie eine eTA für Kanada und gegebenenfalls ein ESTA für die USA.
Brauche ich einen Reisepass für Campobello Island?
Ja, in fast allen Fällen. Wenn ihr über die Brücke von Lubec (Maine) anreist, überquert ihr die Grenze USA–Kanada und ein Reisepass ist Pflicht. Die einzige Ausnahme ist die Fährverbindung von Deer Island, wenn ihr ausschließlich innerhalb Kanadas reist – aber auch dann empfehlen wir, den Reisepass dabeizuhaben, da die Insel so nah an den USA liegt, dass er sich als nützlich erweisen kann.
Wie viel Zeit brauche ich für Campobello Island?
Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten (Roosevelt Cottage, Head Harbour Lighthouse, Herring Cove) reicht ein voller Tag, aber ich empfehle zwei Nächte auf der Insel. So habt ihr Zeit für Whale Watching, die Erkundung abgelegener Wanderwege und könnt euch vor allem an die Gezeiten anpassen, die bestimmen, wann ihr den Leuchtturm erreichen könnt.
Ist Campobello Island für Familien mit Kindern geeignet?
Auf jeden Fall! Kinder lieben es, die Gezeitentümpel zu erkunden, in denen sie Seesterne und Krabben finden. Das Roosevelt Cottage bietet eine interaktive Führung, die auch für jüngere Besucher geeignet ist, und die Naturpfade in Herring Cove sind bequem genug für kleinere Kinder. Whale Watching ist für Kinder ein unvergessliches Erlebnis. Bedenkt nur, dass es auf der Insel keine Vergnügungsparks oder große Attraktionen gibt – es geht um Natur und Ruhe.
Wann ist die beste Zeit für Campobello Island?
Die beste Reisezeit ist von Mitte Juni bis Anfang September, wenn der Roosevelt Park geöffnet ist, die Fähren fahren und alle Einrichtungen verfügbar sind. Juli und August sind am wärmsten (ca. 20–25 °C), aber auch am belebtesten. Juni bietet weniger Touristen und blühende Lupinen. September bringt Herbstfarben, aber einige Attraktionen schließen bereits. Außerhalb der Saison (Oktober–Mai) sind die meisten Einrichtungen geschlossen.
Wie funktionieren Ebbe und Flut auf Campobello Island?
Die Bay of Fundy hat einen der höchsten Tidenhübe der Welt – der Unterschied zwischen Ebbe und Flut kann bis zu 8 Meter betragen. Das beeinflusst den Zugang zur Head Harbour Lightstation (nur bei Ebbe erreichbar), das Aussehen der Strände und sogar den Fahrplan der Fähren. Überprüft vor eurem Ausflug immer die aktuelle Gezeitentabelle auf der Website von Fisheries and Oceans Canada.
Gibt es auf Campobello Island Restaurants und Geschäfte?
Ja, aber sehr begrenzt. Auf der Insel gibt es einige saisonale Restaurants (Family Fisheries ist das bekannteste) und einen kleinen Lebensmittelladen. Ich empfehle, Grundvorräte vorher in Lubec (Maine) oder St. Stephen (New Brunswick) zu kaufen. In Lubec über die Brücke gibt es eine etwas größere Auswahl an Restaurants und Geschäften.
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