Winterreifen-Pflicht in den Alpen: Das musst du 2026 wissen

Die Fahrt mit dem Auto in den Winterurlaub in die Alpen kann ein unvergessliches Erlebnis sein, aber auch eine echte Nervenprobe. Während du im Sommer einfach die Taschen in den Kofferraum wirfst und ans Meer fährst, verzeiht das Bergwetter nicht die kleinsten Fehler bei der Vorbereitung. Ein einziger unerwarteter Schneesturm auf einem Alpenpass und ohne die richtige Ausrüstung kann sich deine Traumreise in stundenlanges Warten auf den Abschleppdienst verwandeln. Die österreichische Polizei ist bei Winterkontrollen absolut kompromisslos und darauf zu setzen, dass du mit Sommerreifen durchkommst, kann verdammt teuer werden. Deshalb habe ich für dich alles zusammengestellt, was du vor der Abfahrt keinesfalls unterschätzen solltest — von den Reifen über die Warnweste bis zur Rettungsgasse.

Zusammenfassung

  • Winterreifen in Österreich sind vom 1. November bis 15. April bei Schnee, Eis oder Schneematsch auf der Straße Pflicht.
  • Mindestprofiltiefe für Winterreifen muss mindestens 4 Millimeter betragen, sonst gelten sie als Sommerreifen.
  • Das 3PMSF-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) ist ab der Saison 2025/26 Pflicht, die M+S-Kennzeichnung allein reicht der Polizei nicht mehr aus.
  • Die Warnweste in Österreich muss direkt in der Kabina in Reichweite des Fahrers aufbewahrt werden, du darfst sie nicht unter dem Gepäck im Kofferraum vergraben.
  • Schneeketten darfst du nur auf einer durchgehenden Schneeschicht aufziehen und die maximal zulässige Geschwindigkeit beträgt damit 50 km/h.
  • Die Rettungsgasse musst du auf der Autobahn sofort bei Verkehrsverlangsamung bilden, sonst riskierst du saftige Geldbußen.

12 Dinge, die du wissen musst

Wenn du mit dem eigenen Auto zum Skifahren fährst, musst du nicht nur die technischen Anforderungen an dein Fahrzeug kennen, sondern auch die spezifischen Verkehrsregeln in den Transit- und Zielländern.

1. Winterreifen in Österreich und Bußgelddrohung

Die österreichischen Gesetze gehen sehr praktisch, aber umso strenger mit der Winterbereifung um. Die Winterreifenpflicht gilt hier in der Zeit vom 1. November bis 15. April, und zwar bei sogenannten winterlichen Bedingungen. Diese liegen vor, wenn die Fahrbahn mit Schnee, Eis oder Schneematsch bedeckt ist. Die Österreicher bestehen zwar nicht auf einen Reifenwechsel, wenn Mitte Dezember Sonnenschein und Trockenheit herrscht, aber wir wissen alle, dass sich das Wetter in den Bergen von Minute zu Minute ändern kann. Die aktuellen Regeln kannst du jederzeit direkt auf den Seiten des österreichischen Autoclubs ÖAMTC überprüfen.

Wenn dich die Polizei bei solchem Wetter auf Sommerreifen erwischt, bekommst du vor Ort ein Organmandat von 35 Euro. Das mag wie ein kleiner Betrag erscheinen, aber die Situation wird dramatisch, wenn du den Verkehr blockierst oder gar einen Unfall verursachst. In diesem Fall kann die Strafe wegen Gefährdung des Verkehrsflusses im Verwaltungsverfahren auf bis zu 5.000 Euro ansteigen. Versicherungen kürzen außerdem bei einem Unfall auf ungeeigneten Reifen oft die Leistung oder verweigern sie ganz, und dann lässt dich die Versicherung auf einem sechsstelligen Schaden sitzen.

Damit ein Reifen in Österreich überhaupt als Winterreifen gilt, muss er eine Mindestprofiltiefe von 4 Millimetern aufweisen. Bei älteren Diagonalreifen sind es sogar 5 Millimeter. Das deutsche gesetzliche Limit von 1,6 Millimetern für Sommerreifen ist im Winter absolut unzureichend. Flache Rillen können nämlich nicht genug Schnee aufnehmen und der Gummi verliert damit die Fähigkeit zur sogenannten Selbstreinigung. Das Ergebnis ist ein sofortiger Verlust der Haftung und das Auto wird unkontrollierbar. ☺️ Ich empfehle dir also, vor der Reise eine Messlehre in die Hand zu nehmen und die Profiltiefe wirklich zu überprüfen.

2. Das 3PMSF-Symbol ist jetzt Pflicht

Eine grundlegende Änderung, die garantiert viele Urlaubsfahrer überraschen wird, ist die Verschärfung der Kennzeichnungsregeln für Winterreifen. Jahrelang reichte es völlig aus, wenn der Reifen auf der Flanke die geprägten Buchstaben M+S hatte, die Abkürzung für Mud and Snow (Matsch und Schnee). Ab der Saison 2025/26 wird aber in Deutschland, der Slowakei und in der Praxis auch in weiteren Alpenländern das 3PMSF-Symbol verlangt. Du erkennst es leicht, es ist ein kleines Piktogramm eines Berggipfels mit Schneeflocke.

Der Grund für diese drastische Änderung ist rein sicherheitstechnisch und ergibt ehrlich gesagt absolut Sinn. Die M+S-Kennzeichnung konnten Hersteller nämlich praktisch beliebig auf Reifen prägen, ohne irgendwelche objektiven Tests, sodass du sie auch auf vielen gewöhnlichen Ganzjahresreifen für die Stadt findest. Im Gegensatz dazu müssen Reifen mit dem 3PMSF-Symbol strenge Brems- und Traktionstests auf festgefahrenem Schnee bestehen. Sie haben also wirklich garantierte Eigenschaften für echte Winterbedingungen.

Wenn dich eine Streife anhält und du ältere Reifen nur mit M+S-Aufschrift am Auto hast, fährst du aus Sicht der deutschen oder slowakischen Polizei auf Sommerreifen — und alle dazugehörigen Bußgelder erwarten dich dann. Geh also vor der Reise unbedingt zum Auto in die Hocke und kontrolliere die Flanken aller vier Räder. Wenn du dort den Berggipfel mit Schneeflocke nicht findest, erwartet dich vor der Fahrt in die Berge ein unvermeidlicher Besuch beim Reifendienst, wo du dir eine modernere Bereifung besorgen musst.

3. Reifenregeln in den Nachbarstaaten

Jeder Staat hat seine eigene Gesetzgebung und auf dem Weg in die Berge durchquerst du meistens gleich mehrere davon. In Deutschland gilt eine rein situative Pflicht ohne konkrete Daten, was für Fahrer manchmal verwirrend ist. Das Gesetz besagt, dass das Fahrzeug Winterausrüstung haben muss, wenn auf der Straße Schnee, Glatteis oder Reif liegt. Wenn dich auf der deutschen Autobahn ein Schneesturm überrascht und du Sommerreifen hast, beginnt das Bußgeld bei 60 Euro und steigt je nachdem, wie sehr du andere Fahrer behinderst. In Österreich ist die Regel vom 1. November bis 15. April bei winterlichen Bedingungen gültig, und du musst immer eine Profiltiefe von mindestens 4 Millimetern haben. Ähnliche Regeln gelten in der Slowakei, wo du alle aktuellen Vorschriften und Sanktionen im Voraus auf den Seiten des Innenministeriums nachschlagen kannst. Der Termin ist hier vom 15. November bis 31. März verschoben, bei durchgehender Schneeschicht, und bei Verstoß droht ein Bußgeld von etwa 40 Euro.

Wenn du über den Balkan fährst, brauchst du in Slowenien Winterreifen vom 15. November bis 15. März mit mindestens 3 Millimeter Profil und in Kroatien bis 15. April mit 4 Millimetern. Ein spezielles Kapitel ist das beliebte Italien. Dort gibt es keine einheitliche landesweite Regelung, sondern die Verwalter einzelner Streckenabschnitte entscheiden über die Pflicht. Besonders im Norden in den Alpenregionen stößt du oft auf Schilder, die Winterreifen oder Schneeketten im Kofferraum vorschreiben. Diese Anweisungen gelten unabhängig davon, ob gerade die Sonne scheint und die Straße völlig trocken ist, du musst die Ausrüstung also immer dabei haben. Kontrolliere lieber vor der italienischen Grenze die Vorhersage beim zuverlässigen österreichischen Wetterdienst GeoSphere.

4. Wann du Schneeketten aufziehen musst und wann nicht

Auch der beste Winterreifen hat seine physikalischen Grenzen und auf steilen Alpenanstiegen verliert er früher oder später einfach die Traktion. Das Aufziehen von Schneeketten ist Pflicht, wo es ein blaues Verkehrsschild mit weißem Kettensymbol auf einem Rad vorschreibt. Dieses Schild bedeutet, dass du nur weiterfahren darfst, wenn du Ketten mindestens auf zwei Antriebsrädern montiert hast, oder auf allen vier, falls es der Hersteller deines Autos verlangt. Ignoriere es auf keinen Fall, denn die Polizei kontrolliert das sehr gerne.

Genauso wichtig ist aber zu wissen, wann du Ketten definitiv nicht verwenden darfst. Die goldene Regel besagt, dass Ketten ausschließlich auf durchgehende Schnee- oder Eisschicht gehören. Sobald du vom Bergpass ins Tal auf nasse oder trockene Asphaltstraße fährst, musst du sie sofort abnehmen. Das Fahren mit Ketten auf blankem Asphalt beschädigt nämlich unwiderruflich die Stahlglieder selbst, zerstört deine Reifen und reißt Stücke aus dem Straßenbelag, wofür dich die Polizei hart bestrafen kann.

Vergiss auch nicht die strenge Geschwindigkeitsbegrenzung. Mit aufgezogenen Ketten darf man maximal 50 km/h fahren. Ketten sind konstruktiv nicht für höhere Geschwindigkeiten ausgelegt und die Physik lässt sich nicht austricksen. Wenn du Gas gibst, kann die starke Fliehkraft sie zerreißen und fliegende Stahlstücke zerstören dir zuverlässig die Radkästen, Kotflügel oder durchtrennen sogar Bremsschläuche, was eine echte Unannehmlichkeit ist. Und einen Abschleppdienst mitten im Schneesturm organisieren zu müssen, willst du wirklich nicht.

5. So wählst du die richtige Größe und Art der Schneeketten

Eine Schneekette ist definitiv kein universelles Ausrüstungsteil, das auf jedes Auto passt. Sie wird exakt auf die konkrete Größe deines Reifens gekauft. Diese findest du in großen Buchstaben auf der Reifenflanke eingeprägt und setzt sich aus Breite, Profil und Felgendurchmesser zusammen, was typischerweise zum Beispiel wie 205/55 R16 aussieht. Vor dem Kauf solltest du diese Zahlen sorgfältig notieren und dich nicht nur auf eine Schätzung oder den Rat eines Freundes verlassen. Jede Abweichung würde bedeuten, dass sich die Kette nicht befestigen lässt oder dir umgekehrt vom Rad rutscht.

Die häufigste Wahl für anspruchsvolle alpine Bedingungen sind stählerne Rundumketten mit Kreuzspur. Man nennt sie auch Ketten mit X- oder H-Spur und sie bieten die absolut beste Traktion auf Eis und eine lange Lebensdauer. Diese Basismodelle bekommst du schon ab 40 Euro, wobei hochwertigere Stahlketten renommierter Marken dann etwa 100 Euro und mehr kosten. Es lohnt sich immer, für stärkere Stahlglieder etwas mehr zu bezahlen, besonders wenn du planst, regelmäßig in die Berge zu fahren.

Eine interessante Alternative sind textile Schneeüberzüge, die sehr leicht, leise sind und im Kofferraum minimal Platz einnehmen. Sie haben eine sehr geringe Bauhöhe, sodass sie sich hervorragend für sportlichere Autos mit wenig Platz zwischen Rad und Radkasten eignen. Ihr Nachteil ist allerdings eine deutlich geringere Lebensdauer, weil sie sich auf einem Stück trockenem Asphalt sehr schnell durchscheuern. Für Feinschmecker gibt es dann noch Premium-Ketten mit automatischer Nachspannung, die zwar teurer sind, dir aber eine Menge Nerven in der Kälte ersparen.

6. Schritt-für-Schritt-Anleitung: So legst du Schneeketten an

Das Anlegen von Schneeketten ist genau die Tätigkeit, die du nicht zum ersten Mal im Leben im Dunkeln bei dichtem Schneefall machen willst. Schneeketten werden immer an der Antriebsachse angelegt, also bei normalen Autos vorne und bei älteren BMWs oder Mercedes hinten. Bei Autos mit Allradantrieb musst du unbedingt ins Fahrzeughandbuch schauen, wo der Hersteller genau festlegt, an welche Räder sie anzulegen sind, damit du das Verteilergetriebe nicht beschädigst.

💡 Tipp: Übe die gesamte Montage zu Hause trocken in der Garage oder auf der trockenen Einfahrt. Beim ersten Mal kann es gut und gerne zwanzig Minuten dauern, was in der Kälte und mit einer Kolonne nervöser Fahrer hinter dir wirklich eine unangenehme Erfahrung ist. Pack dir für die Ketten in den Kofferraum dicke Arbeitshandschuhe und eine Stirnlampe. Die Vorgehensweise ist folgende:

1. Halte an einem sicheren und übersichtlichen Ort, idealerweise auf ebener Strecke außerhalb des Hauptverkehrsstroms. Zieh dir sofort die Warnweste an und ziehe die Handbremse ordentlich an. 2. Nimm die Kette aus der Box, wickle sie sorgfältig auf und prüfe, dass keine Glieder ineinander verhakt oder verdreht sind. 3. Schiebe die gesamte Kette hinter das Rad und verbinde den inneren Stahlbogen, der normalerweise farbige Kunststoffarretierungen hat. Dann ziehe sie über den oberen Teil des Reifens zu dir hin. 4. Verbinde die äußeren Verschlüsse an der Vorderseite des Rades und spanne die Kette von Hand so fest wie möglich mit dem Spannmechanismus oder dem Gummiband nach. 5. Steig ins Auto, fahre ein paar Dutzend Meter und du musst dann wieder aussteigen und die Ketten nachspannen. Die Fliehkraft lockert sie nämlich nach dem Anfahren immer etwas und eine lockere Kette könnte das Auto beschädigen.

7. Pflichtausstattung und die tückische Warnweste

Bei der Fahrt nach Österreich muss dein Auto gemäß den örtlichen Vorschriften ausgestattet sein, die sich in mehreren wichtigen Details von den deutschen unterscheiden. Selbstverständlich sind Warndreieck und gültiger Verbandskasten, den Polizisten gelegentlich hinsichtlich des Ablaufdatums prüfen. Beim Verbandskasten achtet die österreichische Polizei zudem manchmal darauf, dass er unversehrte Verpackungen enthält und der europäischen Norm entspricht. Ersatzglühbirnen verlangt die österreichische Polizei zwar nicht direkt, aber für deine eigene Sicherheit lohnt es sich, sie dabei zu haben. Die deutsche Gesetzgebung schreibt außerdem vor, ein Ersatzrad oder ein Set zur Reifenreparatur mitzuführen.

Der häufigste Stolperstein bei Polizeikontrollen ist aber die gewöhnliche Warnweste. Das österreichische Gesetz verlangt strikt, dass die Warnweste für den Fahrer im Fahrzeuginnenraum aufbewahrt wird. Du musst sie direkt vom Fahrersitz aus erreichen können, ohne das Auto verlassen zu müssen. Idealerweise bewahrst du sie daher im Handschuhfach oder in der Türablage auf, wo sie sofort griffbereit ist. Prüfe, ob du genug Westen für alle Mitfahrer im Auto hast, auch wenn das für sie nicht hundertprozentig Pflicht ist.

Wenn du die Weste vorbildlich zusammengefaltet beim Reserverad unter dem Gepäck im Kofferraum hast, wird dir der Polizist gnadenlos ein Bußgeld ausstellen. Das Gesetz besagt nämlich logischerweise, dass du beim Notausstieg aus dem Fahrzeug außerhalb geschlossener Ortschaften auf der Autobahn oder Schnellstraße die Weste bereits anhaben musst, wenn du die Tür öffnest und auf die Fahrbahn trittst. Und ehrlich, die Weste für acht Euro lohnt sich wirklich.

8. Geschwindigkeitslimits und IG-L-Umweltzonen

Die Geschwindigkeitslimits in Österreich sind auf den ersten Blick genau dieselben wie bei uns in Deutschland. Auf Autobahnen gilt eine maximale Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h, außerorts darfst du 100 km/h fahren und in geschlossenen Ortschaften die traditionellen 50 km/h. Geschwindigkeitsüberschreitungen werden hier fast immer mit einem Bußgeld geahndet, wobei die Toleranz österreichischer Radargeräte wirklich minimal ist und sie dich oft schon bei einer Überschreitung um wenige Stundenkilometer blitzen. Vergiss also die deutsche Gewohnheit, real 140 km/h zu fahren, hier lohnt es sich nicht.

Besonders aufpassen musst du in den sogenannten IG-L-Zonen. Die Abkürzung steht für Immissionsschutzgesetz Luft und diese Zonen findest du am häufigsten auf den Tiroler Autobahnen A12 Inntal und A13 Brenner. Die Geschwindigkeit ist hier dauerhaft auf 100 km/h begrenzt, um Emissionen und Lärm in den engen Alpentälern zu reduzieren. Lass dich nicht davon täuschen, dass du auf einer breiten und leeren Autobahn fährst oder dass dort keine klassischen Polizisten stehen. Intelligente Systeme erfassen die Geschwindigkeit sehr präzise.

Radargeräte in diesen Umweltzonen messen ständig und Bußgelder kommen zuverlässig auch in deutsche Briefkästen. Wichtig zu wissen ist, dass du bei einer Geschwindigkeitsüberschreitungsmessung in einer IG-L-Zone nicht nur das normale Geschwindigkeitsbußgeld zahlst, sondern eine deutlich höhere Sanktion wegen Umweltverschmutzung. Diese Beträge können um ein Vielfaches höher sein als bei einem klassischen Verkehrsdelikt und problemlos Hunderte von Euro übersteigen.

9. Rettungsgasse

Das ist etwas, das viele deutsche Fahrer überrascht: Die Österreicher nehmen die Rettungsgasse absolut ernst und Unwissenheit ist hier kein mildernder Umstand. Es dient dazu das System der sogenannten Rettungsgasse, auf Deutsch als Rettungsgasse bezeichnet. Diese Gasse musst du sofort zu bilden beginnen, sobald der Verkehr zu verlangsamen beginnt, nicht erst in dem Moment, wenn du hinter dir das Heulen einer Sirene hörst.

Die Regel ist in der Praxis sehr einfach und logisch. Autos in der ganz linken Autobahnspur weichen so weit wie möglich nach links aus, notfalls bis dicht an die Leitlinie oder den Seitenstreifen. Alle anderen Autos in der mittleren und rechten Spur weichen so weit wie möglich nach rechts aus. Dadurch entsteht in der Mitte eine breite freie Spur, durch die Feuerwehr, Krankenwagen und Polizei sicher und schnell direkt zur Unfallstelle fahren können. Auch wenn du im Schritttempo fährst, denke immer daran, dass du Platz haben musst, um auszuweichen.

Die Nichteinhaltung dieser Regel wird sehr streng bestraft und die Polizei ist in dieser Hinsicht völlig kompromisslos. Wenn du die Rettungsgasse nicht bildest oder wenn du versuchst, unberechtigt durch sie zu fahren und so der Kolonne zu entgehen, droht dir ein Bußgeld in Höhe von Tausenden von Euro. Kameras auf Autobahnen und Mautstellen zeichnen diesen Verstoß sorgfältig auf und die Österreicher lassen ihn wirklich nicht unbestraft.

10. Routen aus Deutschland und wie du Staus vermeidest

Die Routenplanung spielt eine entscheidende Rolle dabei, ob du frisch an der Piste ankommst oder völlig erschöpft vom ständigen Stop-and-Go im Stau. Wer aus München und Südbayern anreist, hat es am einfachsten und direktesten. Von München führt die schnellste Route über die A8 und A93 direkt nach Salzburg und weiter in die beliebten Tiroler und Salzburger Skigebiete, die du in wenigen Stunden entspannter Fahrt erreichst.

Die Anreise aus Frankfurt oder Berlin bietet zwei Hauptvarianten, die sich je nach Zielgebiet unterscheiden. Die erste führt über München und Salzburg in Richtung Salzburger Land und dauert etwa sechs bis acht Stunden reine Fahrzeit – ideal für Skigebiete rund um Salzburg. Die zweite, sehr beliebte Route nach Tirol, verläuft ebenfalls über München und dann weiter über die Inntalautobahn A12. Diese Route ist landschaftlich reizvoll und bringt dich direkt ins Herz der Tiroler Alpen.

Der größte Feind der Winterurlauber sind die gefürchteten Samstagskolonnen. In den alpinen Skigebieten wechseln traditionell am Samstagvormittag die Unterkunftsturnusse, wenn Tausende abreisen und weitere Tausende anreisen. Wenn es deine Unterkunft irgendwie erlaubt, starte am Freitagabend und übernachte irgendwo unterwegs – die Samstagskolonnen vor Salzburg sind nämlich ein Erlebnis, das du dir wirklich nicht gönnen musst. Du sparst dir locker zwei Stunden nerviges Herumstehen im Stau. 😅

11. Versteckte Gebühren: Tunnel und Autobahnvignetten

Bevor du auf das österreichische Autobahnnetz auffährst, musst du die Mautgebühr für dessen Nutzung geregelt haben. Die Autobahnvignette für Österreich kannst du bequem online schon von zu Hause kaufen, wodurch du dir das Anhalten an der Grenze und unnötige Warteschlangen an Tankstellen sparst. Vergiss aber nicht, dass du, falls deine Reise weiter nach Süden führt, auch eine Vignette für Slowenien oder die Schweiz benötigst, die völlig separat gekauft werden.

Viele Fahrer vergessen bei der Urlaubsbudgetplanung die sogenannte Streckenmaut. Österreich hat in den Alpen mehrere große Tunnel und Bergpässe, für die zusätzlich zur regulären Autobahnvignette eine Extra-Gebühr fällig wird. Ein typisches Beispiel ist der vielbefahrene Tauerntunnel auf der Autobahn A10, wo du 15 Euro für eine Durchfahrt zahlst. Einen Stopp an den Mautstellen kommst du auch auf dem Weg nach Italien nicht herum, wo du auf den Autobahnen auf klassische Schranken triffst.

Eine weitere stark frequentierte Strecke ist die Autobahn A13 über den Brenner, wo dich die Mautschranke um 12,50 Euro erleichtert. Die Durchfahrt durch den Arlbergtunnel kostet dann 13 Euro. Diese Gebühren zahlst du direkt an den Mautstellen per Kreditkarte oder bar. Wenn du das Warten in der Schlange vermeiden möchtest, kannst du sie online auf der Website des Autobahnbetreibers ASFINAG vorausbezahlen, was dir anschließend ermöglicht, die reservierte grüne Spur ohne Anhalten zu passieren – was nach der anstrengenden Fahrt wirklich unbezahlbar ist.

12. Was du am Auto prüfen musst und wie du Ski auflädst

Winterliche Bedingungen verzeihen keinen schlechten technischen Zustand des Fahrzeugs, deshalb solltest du dem Auto vor der Reise etwas Aufmerksamkeit widmen. Bevor du losfährst, überprüfe den Reifendruck, der bei Frost natürlich abfällt und die Fahreigenschaften verschlechtert. Entscheidend ist auch der einwandfreie Zustand der Autobatterie und das Auffüllen von Frostschutzmittel in die Scheibenwaschanlagen mit einer Beständigkeit von mindestens −20 °C, denn gefrorene Flüssigkeit, die bei 130 km/h auf der Autobahn über die Frontscheibe verschmiert wird, ist wirklich keine Situation, in der du sein möchtest.

In den Kofferraum packst du auf jeden Fall einen hochwertigen Eiskratzer, eine Schneebürste, warme Handschuhe und für den Notfall auch eine Thermodecke und eine aufgeladene Powerbank. Wenn du Ausrüstung in der Dachbox transportierst, rechne damit, dass der Sarg auf dem Dach den Kraftstoffverbrauch deutlich erhöht und den Schwerpunkt des Autos verschiebt, sodass du viel vorsichtiger in Kurven einfahren musst. Achte auch sehr genau auf die Einfahrt in Tiefgaragen bei Hotels, in die du mit montierter Box oft nicht hineinpasst und eine Beschädigung des Dachs riskierst.

Wenn du Ski und Stöcke im Fahrzeuginneren transportierst, müssen sie absolut fest mit Gurten an den Ösen im Kofferraum befestigt sein. Bei einer Notbremsung oder gar einem Aufprall werden aus lose abgelegten Ski nämlich tödliche Geschosse, die zuverlässig die Frontscheibe durchschlagen oder die Insassen auf den Vordersitzen schwer verletzen. Zur Inspiration, was du sonst noch nicht vergessen solltest, schau dir unseren Artikel was mit in die Berge nehmen an.

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Praktische Zusammenfassung und Richtwerte

Für eine bessere Vorstellung davon, welche zusätzlichen Kosten auf dich bei der Reise zukommen, habe ich eine Orientierungsübersicht für das Jahr 2026 vorbereitet. Die Preise können je nach konkreten Anbietern leicht variieren.

  • Schneeketten aus Stahl (Basismodell): ab 40 € bis 100 €
  • Textile Schneesocken: ab 60 € bis 120 €
  • Maut Tauerntunnel (A10): 15 € pro Durchfahrt
  • Maut Brennerautobahn (A13): 12,50 € pro Durchfahrt
  • Maut Arlbergtunnel: 13 € pro Durchfahrt
  • Strafe für Sommerreifen (ohne Unfall): 35 € vor Ort
  • Strafe für Geschwindigkeitsüberschreitung in IG-L-Zone: kann je nach Schwere auch mehrere hundert Euro übersteigen

Wohin als Nächstes

Wenn du den Transport schon geklärt hast und weitere Inspiration für deinen Winterurlaub suchst, haben wir für dich mehrere nützliche Ratgeber zusammengestellt. Interessant könnten für dich unsere Tipps für einen günstigen Skiurlaub sein, wo du erfährst, wie du bei Skipässen sparst.

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Häufig gestellte Fragen

Vor jeder Auslandsreise tauchen viele kleine Fragen auf, bei denen man sich manchmal nicht hundertprozentig sicher ist. Um dir die Zeit beim Durchsuchen von Vorschriften zu ersparen, habe ich hier für dich die Antworten auf die häufigsten praktischen Kniffligkeiten zusammengefasst, die sich Menschen vor der Abreise in die Alpen oft stellen.

Kann ich mit Sommerreifen nach Österreich fahren, wenn es trocken ist?

Ja, wenn zwischen dem 1. November und 15. April die Sonne scheint und die Straße vollkommen trocken ist, verstößt du mit Sommerreifen nicht gegen das Gesetz. Das Wetter in den Bergen ändert sich aber unglaublich schnell und es reicht eine einzige nachmittägliche Schneeschauer, damit du nicht mehr weiterfahren darfst. Riskiere es also lieber nicht, die Strafen sind wirklich hoch.

Reichen mir Reifen mit der Kennzeichnung M+S?

Seit der Saison 2025/26 reicht das in vielen Ländern, einschließlich Deutschland und der Slowakei, nicht mehr aus. Völlig sicher kommst du durch Polizeikontrollen nur mit Reifen, die auf der Seitenwand das 3PMSF-Symbol tragen, also das Piktogramm eines Bergprofils mit Schneeflocke. Dieses Zeichen garantiert im Gegensatz zu M+S, dass der Reifen echte Wintertests bestanden hat.

Welche Profiltiefe verlangt die österreichische Polizei?

Die österreichische Gesetzgebung verlangt für den Winterbetrieb eine Profiltiefe von mindestens 4 Millimetern über das gesamte Reifenprofil. Wenn du weniger hast, wird dein Auto so behandelt, als wäre es mit Sommerreifen ausgestattet. Bei älteren Diagonalreifen liegt die Grenze sogar bei 5 Millimetern.

Wo muss ich eine Warnweste mitführen?

In Österreich muss die Warnweste für den Fahrer direkt in der Fahrzeugkabine so verstaut sein, dass du sie problemlos vom Fahrersitz aus erreichen kannst. Wenn du sie im Kofferraum unter dem Gepäck verstaut hast, bekommst du bei einer Polizeikontrolle eine saftige Strafe.

Auf welche Räder werden Schneeketten montiert?

Schneeketten werden immer an der Antriebsachse montiert. Bei Fahrzeugen mit Frontantrieb gehören sie auf die Vorderräder, bei Heckantrieb auf die hinteren. Wenn du ein Fahrzeug mit 4×4-Antrieb hast, musst du im Handbuch des Herstellers nachsehen, wo die Achse für Ketten genau bestimmt ist, damit du das Differenzial nicht beschädigst.

Mit welcher Geschwindigkeit darf ich mit montierten Ketten fahren?

Mit montierten Schneeketten ist die maximal erlaubte Geschwindigkeit auf 50 km/h begrenzt. Bei höheren Geschwindigkeiten käme es zu extremem Verschleiß der Stahlglieder und es drohten Beschädigungen der Radkästen oder wichtiger Bremsleitungen deines Autos.

Was ist eine IG-L-Zone auf österreichischen Autobahnen?

Es handelt sich um Autobahnabschnitte mit einer auf 100 km/h begrenzten Geschwindigkeit aufgrund des Immissionsschutzgesetzes, die du hauptsächlich in Tirol findest. Wenn du hier die Geschwindigkeit überschreitest, zahlst du eine wesentlich höhere Strafe wegen Umweltverschmutzung, nicht nur eine normale Sanktion für ein Verkehrsvergehen.

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