Stell dir eine Landschaft vor, in der die von der Sonne ausgedörrten provenzalischen Hügel plötzlich verschwinden und einer absolut endlosen Ebene weichen. Schwindelerregende Höhen und Felsen lösen sich hier am Horizont auf, von dem Salz, ungezähmter Wind und der Duft des wilden Schilfs herüberwehen. Willkommen in der Camargue in Frankreich, dem einzigartigen Delta der Rhône im Süden des Landes, das völlig zu Recht als der europäische Wilde Westen bezeichnet wird. Dieses raue, kompromisslose Stück Natur zeigt dir ein ganz anderes Gesicht Frankreichs, als du es von den gepflegten Lavendelfeldern kennst.
In diesem Artikel bekommst du 12 Tipps, was man in der Camargue sehen und erleben kann, damit du aus diesem Feuchtgebiet-Paradies die schönsten Eindrücke mitnimmst. Ich verrate dir, wo du dich strategisch klug einquartierst, wie du den gefürchteten sommerlichen Mückenschwärmen entgehst und wo du die besten Plätze findest, um die ikonischen rosa Flamingos und die halbwilden weißen Pferde zu beobachten. Mach dich bereit für einen Ort, an dem die Natur noch immer mit fester Hand regiert und an dem die Zeit eher nach der Stärke des Windes als nach der Uhr gemessen wird.

Zusammenfassung
- Hauptattraktionen: Wildtiere in freier Natur. Verpasse auf keinen Fall den Vogelpark Pont de Gau mit Tausenden Flamingos und die Ebenen, auf denen die weißen Camargue-Pferde grasen.
- Historisches Juwel: Ein absolutes Muss ist die mittelalterliche Stadt Aigues-Mortes, umgeben von mächtigen Mauern, die in der flachen Landschaft wie eine Filmkulisse wirken.
- Naturwunder: Direkt hinter den Mauern liegen die Salzgärten von Salin d’Aigues-Mortes, wo das Wasser dank einer speziellen Alge eine unglaublich satte rosa bis blutrote Färbung annimmt.
- Beste Reisezeit: Am besten kommst du im Frühling oder Herbst. Im Sommer herrscht hier sengende Hitze und die Feuchtgebiete verwandeln sich in eine Brutstätte aggressiver Mücken.
- Anreise und Fortbewegung: Du brauchst auf jeden Fall einen Mietwagen, denn die öffentlichen Verkehrsmittel sind in diesem Naturreservat sehr eingeschränkt und die Entfernungen sind trügerisch lang.
- Lokaler Wind: Rechne mit dem starken Wind namens Mistral, der hier einen großen Teil des Jahres weht und die gefühlte Temperatur deutlich senken kann – pack also eine zusätzliche Schicht ein.

Wann man in die Camargue reisen sollte und worauf man sich vorbereiten muss
Die Camargue ist ein Reiseziel, das schlechtes Timing nicht verzeiht – überleg dir die Wahl deines Termins also wirklich gut. Während du die nahe gelegenen provenzalischen Städte das ganze Jahr über bewundern kannst, verlangt das hiesige Feuchtgebiet-Ökosystem ein bisschen mehr Taktik. Wenn du im Juli oder August herkommst, stell dich auf eine gnadenlose Sonne ein, vor der es in der baumlosen, flachen Landschaft keine Zuflucht gibt. Die Sommermonate bringen außerdem ein grundlegendes Problem mit sich: riesige Mückenschwärme. Sobald die Sonne untergeht, kann das Sitzen auf den Außenterrassen schnell zum Überlebenskampf werden, und gewöhnliche Mückenmittel helfen hier oft nur sehr begrenzt.
Die absolut ideale Reisezeit ist deshalb der Frühling, konkret die Monate April und Mai. Die Temperaturen liegen bei angenehmen 20 bis 24 Grad und du hast außerdem die einzigartige Chance, die Balzrituale der Flamingos zu beobachten. Hunderte Vögel drehen in dieser Zeit synchron die Köpfe und breiten die Flügel aus – ein absolut atemberaubendes Schauspiel. Eine hervorragende Wahl ist auch der Herbst, besonders September und Oktober, wenn die sommerlichen Menschenmassen verschwunden sind und das Meer nach dem Sommer noch herrlich warm bleibt. Der Herbst ist außerdem die allerbeste Zeit für den Besuch der Salzgärten, denn die Salzkonzentration erreicht ihr Maximum und das Wasser färbt sich in den intensivsten Rottönen.
Bei der Reiseplanung musst du auch den allgegenwärtigen Wind Mistral berücksichtigen, der untrennbar zu dieser Gegend gehört. Dieser kalte und trockene Nordwestwind kann mit brutaler Kraft auch mehrere Tage am Stück wehen. Er fegt dir zwar den Himmel wunderbar klar und sorgt für jenes unglaublich scharfe Licht, das hier seit Jahrhunderten Maler anlockt, aber eine Radtour gegen ihn kommt einem ordentlichen Fitnessstudio-Training gleich. Wenn du aus Deutschland fliegst, empfehle ich dir, nach Flügen nach Marseille oder Nizza zu suchen, die von vielen deutschen Flughäfen mit Eurowings oder Lufthansa angeflogen werden. Von dort erreichst du mit einem Mietwagen das Herz des Deltas in knapp zwei Stunden – im Jahr 2026 liegen die Preise für die Wochenmiete eines kleineren Autos bei etwa 250 bis 300 Euro.

Wo man in der Camargue übernachtet
💡 Tipp für Unterkunft und Erlebnisse: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo es meist die besten Stornobedingungen gibt. Tickets, Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich dann über GetYourGuide zu vergleichen und zu buchen.
Auch wenn die Camargue ein weitläufiges Naturreservat ist, findest du hier gleich mehrere strategisch günstige Orte, die dir als perfekte Basis für tägliche Ausflüge dienen. Es hängt nur von dir ab, ob du historische Gassen, die Nähe zum Meer bevorzugst oder lieber mitten in der Natur in völliger Abgeschiedenheit schläfst. Wegen der hohen Nachfrage, besonders in den Frühlings- und Herbstmonaten, empfehle ich dir dringend, deine Unterkunft über Booking rechtzeitig zu reservieren – ruhig auch ein halbes Jahr im Voraus.
Wenn du Geschichte und abendliche Spaziergänge durch steinerne Gassen liebst, quartiere dich im malerischen Städtchen Aigues-Mortes ein. Dieser Ort ist voller hervorragender Restaurants, kleiner Boutiquen und Cafés, wo du deinen Morgenkaffee mit Blick auf die majestätischen Stadtmauern genießen kannst. Eine hervorragende Wahl ist hier zum Beispiel das Hôtel des Remparts, das in einem historischen Gebäude residiert und eine wunderbare Atmosphäre mitten im Geschehen bietet. Ein Doppelzimmer kostet hier 2026 etwa 130 Euro pro Nacht, was für so eine Lage ein sehr angenehmer Preis ist.
Für alle, die maritime Atmosphäre einsaugen und nur einen Katzensprung vom Strand entfernt sein wollen, ist Saintes-Maries-de-la-Mer die ideale Wahl. Dieses pulsierende Städtchen fungiert als inoffizielle Hauptstadt der ganzen Region und bietet einen tollen Mix aus Kultur und Strandgenuss. Übernachten kannst du etwa in der Vila de la Mar, einem stilvollen Hotel mit Pool, in dem du dich nach einem Tag voller Ausflüge herrlich erholst. Wenn du aber absolute Ruhe suchst und das authentische Leben auf einem örtlichen Bauernhof erleben willst, halte Ausschau nach Unterkünften vom Typ „Mas“, die direkt in den Feuchtgebieten verstreut sind. Ein schönes Erlebnis bietet zum Beispiel das Mas des Barres, wo du morgens aufwachst und direkt aus dem Fenster die grasenden weißen Pferde beobachten kannst.

Camargue in Frankreich: 12 Tipps für das Land der Flamingos
Schauen wir uns nun gemeinsam die konkreten Tipps und Orte an, die diese Gegend so besonders machen. Ich habe für dich einen bunten Mix aus Aktivitäten zusammengestellt – vom Bewundern historischer Festungen über Streifzüge durch die wilde Natur bis hin zum Probieren lokaler Reisspezialitäten. Damit du die Region in vollen Zügen genießt, empfehle ich dir, mindestens drei volle Tage zum Erkunden einzuplanen.

1. Der Vogelpark Pont de Gau
Wenn es einen einzigen Ort gibt, den du in der Camargue garantiert nicht verpassen darfst, dann ist es der Parc Ornithologique de Pont de Gau. Vergiss klassische Zoos mit Käfigen, denn das hier ist ein riesiges geschütztes Feuchtgebiet, in das Wildvögel völlig freiwillig auf Nahrungssuche fliegen. Du spazierst hier über sorgfältig gepflegte Holzstege und Hunderte rosa Flamingos waten oft nur wenige Meter von dir entfernt durch die flachen Lagunen – ein absolut faszinierendes und unglaublich fotogenes Erlebnis.
Das Geheimnis ihrer wunderschönen Farbe liegt in der lokalen Nahrung: Flamingos kommen grau zur Welt und bekommen ihre ikonische rosa Farbe erst durch den Verzehr kleiner, betacarotinreicher Krebstiere. Je mehr dieser Salzkrebse ein Vogel frisst, desto intensiver ist seine Färbung. Der Park ist in mehrere unterschiedlich lange Rundwege unterteilt, wobei der kürzeste etwa anderthalb Stunden dauert – ich empfehle dir aber, dir ruhig einen halben Tag Zeit zu nehmen. Du findest hier viele Bänke und Beobachtungshütten, wo du in Ruhe sitzen und einfach dem Vogeltreiben zusehen kannst.
💡 Tipp: Kauf deine Tickets am besten gleich morgens, sobald der Park öffnet, um den größten Menschenmassen zu entgehen und das magische Morgenlicht zu genießen. Der Eintritt kostet 2026 rund 8 Euro, und ein riesiger Vorteil ist, dass das gekaufte Ticket den ganzen Tag gültig ist. Du kannst also morgens durch den Park gehen, zum Mittagessen weiterfahren und am frühen Abend zur goldenen Stunde zurückkehren, wenn sich der Himmel in unglaubliche Farbtöne taucht und die Vögel am aktivsten sind.

2. Aigues-Mortes und seine massiven Stadtmauern
In der absolut flachen Landschaft, in der dein Auge normalerweise keinen einzigen Bezugspunkt findet, wirkt die Stadt Aigues-Mortes wie eine Erscheinung. Diese perfekt erhaltene mittelalterliche Stadt ließ im 13. Jahrhundert König Ludwig IX. als Ausgangshafen für seine Kreuzzüge errichten, da Frankreich damals keinen anderen Zugang zum Mittelmeer hatte. Das gesamte historische Zentrum umgeben majestätische Stadtmauern von über anderthalb Kilometern Länge, die in einem so perfekten Zustand erhalten sind, dass du dich wie am Set eines Historienfilms fühlst.
Das größte Erlebnis ist der Spaziergang auf diesen Mauern, für den du ein Ticket kaufen kannst. Sobald du oben angekommen bist, eröffnet sich dir ein atemberaubender doppelter Blick, den du nirgendwo sonst erlebst. Auf der einen Seite schaust du hinunter auf die engen Steingassen voller Touristen, auf der anderen Seite breiten sich vor dir die endlosen rosa Salzgärten aus, die bis zum Horizont reichen. Der Rundgang über die Wehrgänge dauert etwa anderthalb Stunden, unterwegs kommst du an mehreren Wachtürmen vorbei, von denen der bekannteste der Tour de Constance ist, der einst als hartes Gefängnis diente.
💡 Tipp: Nach der Besichtigung der Mauern solltest du dich unbedingt im Gewirr der Gassen im Stadtinneren verlieren. Zentraler Punkt ist der Place Saint-Louis, wo du viele schattige Cafés und hervorragende Bäckereien findest. Probier die hiesige süße Spezialität namens Fougasse d’Aigues-Mortes, einen luftigen Kuchen mit dem Duft von Orangenblüten, der auf der Zunge zergeht.

3. Die rosa Salzgärten Salin d’Aigues-Mortes
Direkt hinter den Toren der mittelalterlichen Stadt erstreckt sich ein Ort, der eher wie von einem anderen Planeten als aus dem Süden Frankreichs wirkt. Salin d’Aigues-Mortes ist ein riesiges System flacher Becken zur Verdunstung des Meerwassers und zur Salzgewinnung, das hier schon seit der Zeit der alten Römer funktioniert. Was Besucher aus aller Welt anzieht, ist allerdings die Farbe des hiesigen Wassers. Dank einer mikroskopisch kleinen, Carotinoide produzierenden Alge färben sich die Lagunen in unwirkliche Rosatöne, Violett und manchmal sogar Blutrot.
Der Kontrast dieses farbigen Wassers mit dem strahlend blauen Himmel und den riesigen weißen Bergen aus gefördertem Salz, die man Camelles nennt, ist ein absolut faszinierendes Schauspiel. Diese Salzberge ragen hier mehrere Dutzend Meter in die Höhe und sehen aus wie verschneite Gipfel inmitten der sonnigen Ebene. Das Areal ist so weitläufig, dass man es nicht einfach so zu Fuß auf eigene Faust erkunden kann, sondern offizielle Führungen nutzen muss. Du kannst zwischen einer Fahrt mit einer speziellen Touristenbahn wählen, die ideal für Familien ist, oder das Areal mit einem geführten Leihfahrrad erkunden, was dir ein viel größeres Freiheitsgefühl gibt.
💡 Tipp: Wenn du das Wasser wirklich satt gefärbt sehen willst, plane deinen Besuch auf das Ende des Sommers oder den Herbst, wenn die Konzentration von Algen und Salz durch die starke Verdunstung am höchsten ist. Vergiss nicht, eine gute Sonnenbrille einzupacken, denn die Reflexion der Mittagssonne auf den strahlend weißen Salzkristallen kann ganz schön blenden.

4. Die alternativen Salinen Salin de Giraud
Falls dir die Salzgärten bei Aigues-Mortes zu touristisch und überfüllt erscheinen, habe ich eine tolle Alternative für dich, die am gegenüberliegenden, östlichen Ende des Deltas liegt. Das Städtchen Salin de Giraud wurde Ende des 19. Jahrhunderts speziell für die Arbeiter der Salinen erbaut, und seine Architektur unterscheidet sich völlig vom Rest der Region. Du siehst hier lange Reihen von Häuschen aus rotem Backstein mit schattigen Vorgärten, die dich eher an Nordfrankreich oder belgische Bergarbeitersiedlungen erinnern als an die typische sonnige Provence.
Direkt hinter der Stadt erstrecken sich weitere ausgedehnte Salzebenen, die wieder in allen Rosa- und Rottönen schillern. Die Atmosphäre ist hier viel ruhiger und ursprünglicher, es fahren nicht so viele Touristenbahnen herum und du hast eine größere Chance, die stille Schönheit der Landschaft ganz für dich allein zu genießen. Du findest hier eine erhöhte Aussichtsplattform, von der sich ein fantastischer Panoramablick auf die endlosen Salzlagunen und die riesigen weißen Salzhalden bietet, die auf ihre Verarbeitung warten.
💡 Tipp: Auf dem Weg nach Salin de Giraud solltest du unbedingt am kostenlosen Aussichtspunkt Point de vue du Sel haltmachen. Von diesem kleinen Hügel eröffnet sich ein atemberaubender Blick auf die geometrisch perfekten Rechtecke des unterschiedlich gefärbten Wassers. 2026 führt bereits eine reparierte Zufahrtsstraße hierher, sodass du den Aussichtspunkt bequem auch mit einem normalen Pkw erreichst.

5. Saintes-Maries-de-la-Mer: Die Hauptstadt der Sümpfe
Das Herz der ganzen Region, wo sich der Duft des Meeres mit den Traditionen der örtlichen Hirten vermischt, ist das Küstenstädtchen Saintes-Maries-de-la-Mer. Dieser Ort hat eine völlig einzigartige Atmosphäre, denn hier trifft die klassische provenzalische Kultur auf die der Roma. Der Legende nach kamen einst vor langer Zeit Maria Salome und Maria Kleophas auf einem Boot ohne Segel und Ruder hierher, begleitet von ihrer schwarzen Dienerin Sara. Gerade sie wurde zur zentralen Figur der lokalen Folklore und einem der Hauptgründe, warum Menschen hierher reisen.
Das Wahrzeichen der ganzen Stadt ist die befestigte romanische Kirche, die am ehesten an eine uneinnehmbare Militärfestung erinnert. Und das ist kein Wunder, denn in der Vergangenheit musste sie die Bewohner vor Piratenüberfällen schützen. In ihrer dunklen Krypta findest du die Statue der Schwarzen Sara, die die Schutzpatronin der Roma aus ganz Europa ist. Jedes Jahr Ende Mai strömen Tausende Pilger hierher, um die Statue aus der Krypta zu tragen und sie unter wilder Gitarrenmusik bis in die Meereswellen zu bringen. Es ist ein absolut ungezähmtes und ohrenbetäubendes Ereignis, das du so schnell nicht vergisst.
💡 Tipp: Auch wenn du den Termin der berühmten Wallfahrt nicht triffst, lohnt sich ein Besuch der Kirche. Ich empfehle dir, eine kleine Gebühr von etwa 3 Euro für den Aufstieg auf das Kirchendach zu zahlen. Von ihrem gepflasterten Umgang bietet sich dir der schönste Blick auf das ganze Städtchen, die weißen Häuser mit roten Dächern und das endlose Meer, das sich in die Ferne erstreckt.

6. Die halbwilden weißen Pferde beobachten
Wohl kein anderes Bild ist mit dieser Gegend so stark verbunden wie eine Herde wunderschöner weißer Pferde, die mit wehenden Mähnen durch das flache Salzwasser waten. Das Camargue-Pferd ist eine der ältesten Rassen der Welt und gehört untrennbar zu diesem rauen Land. Eine Besonderheit ist, dass die Fohlen dunkelbraun oder sogar ganz schwarz zur Welt kommen und ihr Fell erst um das vierte Lebensjahr herum zu erbleichen beginnt. Die Tiere sind zwar von kleinerem Wuchs, aber unglaublich zäh und perfekt an das Leben in den feuchten Sümpfen und im Schilf angepasst.
Sie leben nicht ganz wild, sondern halbwild. Sie haben ihre Besitzer aus den Reihen der örtlichen Züchter, verbringen aber den größten Teil des Jahres frei auf riesigen Weiden, wo sie sich von der groben, salztoleranten Vegetation ernähren. Die Pferde erblickst du sehr oft einfach so aus dem Autofenster, wenn du zwischen den einzelnen Städtchen unterwegs bist. Es reicht, langsamer zu werden, am Straßenrand anzuhalten und du kannst den Anblick dieser majestätischen Tiere genießen, wie sie ruhig bis zum Bauch im Wasser stehen und die Welt um sich herum ignorieren.
💡 Tipp: Wenn du dir hundertprozentig sicher sein willst, die Pferde wirklich aus der Nähe und in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen, fahr zum Gebiet namens Domaine de Méjanes. Rund um den dortigen See Vaccarès befinden sich weitläufige Grundstücke, auf denen die Herden regelmäßig direkt an den Zäunen und Gehegen grasen – das werden du und deine Kamera zu schätzen wissen.

7. Reiten mitten durch die Feuchtgebiete
Die Pferde aus der Ferne zu sehen ist eine Sache, aber von ihrem Rücken aus die unzugänglichen Winkel des Deltas zu beobachten, in die du zu Fuß nie kommst – das ist erst das wahre Erlebnis. Reiten gehört hier zu den beliebtesten Aktivitäten und du brauchst dafür überhaupt keine Vorkenntnisse. Die hiesigen Pferde sind unglaublich ruhig, an Touristen gewöhnt und führen dich im Schritt sicher durch die flachen Lagunen, schmalen Sanddünen und das dichte Schilf.
Losreiten kannst du mit den örtlichen Cowboys, die man hier Gardians nennt. Diese Männer in den typischen Hüten, karierten Hemden und mit dem Dreizack in der Hand kennen die hiesige Landschaft wie ihre Westentasche. Während eines zweistündigen Ausritts siehst du vom Pferderücken aus auffliegende Reiher und verborgene Lagunen und gelangst an Orte, wo du nur das Plätschern des Wassers und das Rauschen des Windes hörst. Die Ausflüge lassen sich einfach und zuverlässig vorab im Internet über GetYourGuide reservieren, was ich dir wärmstens empfehle, denn in der Saison sind die besten Ställe oft wochenlang im Voraus ausgebucht.
💡 Tipp: Achte bei der Auswahl des Stalls auf jene, die sich direkt an der Hauptstraße vor der Einfahrt nach Saintes-Maries-de-la-Mer befinden. Oft handelt es sich um touristische Massenfallen, wo die Pferde eine Gruppe nach der anderen in der riesigen Hitze führen. Zahl lieber etwas mehr für einen kleineren Familienstall, der tiefer im Reservat liegt, wo der Umgang mit den Tieren viel feinfühliger und persönlicher ist.

8. Schwarze Stiere und der Besuch einer traditionellen Manade
Das dritte Glied der hiesigen tierischen Dreifaltigkeit sind die kleinen, robusten und gefährlich aussehenden schwarzen Stiere. Die Rasse Raço di Biòu erkennst du auf den ersten Blick an den leierförmig gebogenen Hörnern, die senkrecht nach oben zeigen. Diese Stiere werden auf traditionellen Farmen namens Manades gehalten und ihre Hauptaufgabe ist die Teilnahme an den lokalen Stierspielen, der sogenannten Course Camarguaise. Im Gegensatz zum blutigen spanischen Stierkampf werden den Stieren hier keinerlei Schmerzen zugefügt und sie werden auf keinen Fall getötet.
Das ganze Spiel beruht auf der unglaublichen Geschicklichkeit junger Männer (Raseteurs), die versuchen, dem Stier mithilfe spezieller Haken kleine Quasten und Kokarden von den Hörnern zu reißen. Stiere, die klug und schnell genug sind, werden zu echten lokalen Berühmtheiten. Ihre Namen hängen auf Plakaten in der ganzen Region und die besten Exemplare bekommen nach ihrem natürlichen Tod sogar prunkvolle Steingrabmäler. Wenn du einen Blick hinter die Kulissen dieser Welt werfen willst, bieten viele Manades den Besuchern Führungen auf von Traktoren gezogenen Wagen an, bei denen du direkt mitten in die schwarze Herde gelangst.
💡 Tipp: Wenn du auf ein Plakat stößt, das ankündigt, dass in der örtlichen Arena eine Course Camarguaise stattfindet, kauf dir unbedingt ein Ticket. Es ist ein tief verwurzeltes kulturelles Ereignis voller Emotionen, Blasmusik und jubelndem Publikum. Der Eintritt kostet 2026 etwa 15 Euro und du erlebst dadurch eine wirklich authentische Atmosphäre Südfrankreichs.

9. Wilde Strände und das Rhône-Delta
Wenn dich das Erkunden der Sümpfe ermüdet, reicht es, ein paar Kilometer weiterzufahren, und schon befindest du dich an der Küste des Mittelmeers. Die hiesigen Strände haben aber nichts mit den überfüllten Badeorten an der Côte d’Azur gemeinsam, wo du teure Liegen bezahlen musst. Die Strände in der Camargue sind endlos, wild, aus feinem Sand und gesäumt von Sanddünen, die mit widerstandsfähigem Gras bewachsen sind. Es sind Orte, an denen du stundenlang gehen kannst, ohne dabei fast jemandem zu begegnen.
Wohl am bekanntesten ist die Plage de Piémanson, eine riesige Sandbank am östlichen Ende des Deltas, die früher als gigantischer wilder Campingplatz diente, bevor das Parken von Wohnwagen direkt auf dem Sand aus Naturschutzgründen verboten wurde. Heute ist es ein wunderschönes, sauberes Stück Küste, das du vor allem für seine ursprüngliche Schönheit schätzen wirst. Eine tolle Alternative weiter westlich ist die Plage de l’Espiguette mit ihren imposanten Dünen, die an manchen Stellen bis zu zehn Meter hoch sind und der Landschaft einen fast wüstenartigen Charakter verleihen.
💡 Tipp: An diesen Stränden findest du praktisch keine Infrastruktur, keine Eisstände und keine Duschen, also musst du sämtliche Wasser- und Essensvorräte selbst mitbringen. Denk auch daran, dass sich der feine Sand bei Mistral in ein ziemlich unangenehmes Peeling verwandelt und das Baden in den Wellen bei solchem Wetter heikel sein kann.

10. Radfahren durch die Feuchtgebiete (und der Kampf mit dem Wind)
Da die ganze Gegend absolut flach ist, ohne einen einzigen größeren Hügel, drängt sich der Gedanke auf, sie vom Fahrradsattel aus zu erkunden. Und tatsächlich findest du hier Dutzende Kilometer perfekt ausgeschilderter Schotter- und Asphaltradwege, die entlang der Bewässerungskanäle, zwischen den Reisfeldern und dicht an den Pferdegehegen vorbeiführen. Das Fahrrad gibt dir den Luxus, absolut überall anhalten zu können, was beim Autofahren auf den schmalen Straßen aus Sicherheitsgründen oft nicht möglich ist.
Es gibt aber einen großen Haken, auf den ich dich ehrlich hinweisen muss. Sobald sich der Mistral in die flache Landschaft stemmt, verwandelt sich selbst die leichteste Radtour in ein echtes Fegefeuer. Kilometerlang in der offenen Landschaft gegen den starken Gegenwind zu treten erfordert eine ordentliche Portion Geduld und kräftige Oberschenkel. Fahrradverleihe findest du in jedem größeren Städtchen, und ein normales Stadt- oder Trekkingrad mietest du für etwa 18 Euro pro Tag.
💡 Tipp: Wenn du dir den Kampf mit dem Wind ersparen willst, empfehle ich dir wärmstens, gleich etwas mehr für ein E-Bike zu zahlen, das hier 2026 für etwa 35 bis 40 Euro pro Tag vermietet wird. Mit der Unterstützung des Elektromotors stellt der Mistral für dich kein Hindernis dar und du kannst in Ruhe die Ausblicke auf die fliegenden Reiher und das grasende Vieh genießen.

11. Verkostung des lokalen Reises und der Spezialitäten
Während du durch das Delta fährst, bemerkst du bald, dass ein großer Teil der landwirtschaftlichen Fläche nicht aus Weiden, sondern aus weitläufigen, mit Süßwasser aus der Rhône überfluteten Feldern besteht. Die Camargue ist nämlich die wichtigste Region für den Reisanbau in ganz Frankreich. Das hiesige einzigartige Mikroklima und die Kombination aus salzigem Boden, der von süßem Flusswasser durchspült wird, geben dem Reis einen besonderen Geschmack. Du triffst hier auf den klassischen weißen Reis, aber die absolute Ikone ist der hiesige rote Reis (Riz Rouge), der einen leicht nussigen Geschmack hat und sich hervorragend in Salaten oder als Beilage eignet.
Die örtlichen Restaurants servieren den Reis mit Vorliebe als Beilage zu Gardiane de Taureau, einem sehr dicken, lange geschmorten Gulasch aus Stierfleisch, das in kräftigem Rotwein gekocht und mit lokalen Kräutern verfeinert wird. Es ist ein deftiges, sättigendes Gericht, das vor allem in den kühleren Monaten wärmt. Als Vegetarierin kann ich dir den Geschmack dieses Fleischragouts zwar persönlich nicht beurteilen, aber wenn du kein Fleisch isst, kannst du hervorragende lokale Käsesorten, provenzalische Gemüsekuchen genießen oder dir ein Leinensäckchen des berühmten Meersalzes mit der Bezeichnung Fleur de Sel (Salzblume) mit nach Hause nehmen, das von Hand gewonnen wird und zu den hochwertigsten der Welt gehört.
💡 Tipp: Wenn du lokalen Reis oder Salz als Souvenir kaufen willst, meide die überteuerten Touristenläden im Zentrum von Saintes-Maries-de-la-Mer. Halte lieber an einem der Stände direkt entlang der Hauptstraßen oder fahr in einen normalen großen Supermarkt in der Gegend von Aigues-Mortes, wo du dieselben lokalen Produkte in wunderschöner Verpackung zum halben Preis bekommst.

12. Bootsausflug durch das Rhône-Delta
Wenn du dich vom Fahren oder Treten in die Pedale erholen willst, ist die beste Möglichkeit, die Atmosphäre der Feuchtgebiete einzusaugen, an Bord eines Ausflugsboots zu gehen. Die Rhône teilt sich in dieser Gegend in zwei Hauptarme und bildet ein komplexes System von Kanälen, in die du zu Lande nicht einfach so gelangst. Die traditionellen Ausflugsboote, die man Tiki nennt, legen meist vom Hafen in Saintes-Maries-de-la-Mer ab und nehmen dich auf eine entspannte, etwa anderthalbstündige Fahrt mit.
Während der Fahrt gibt dir der Kapitän Erklärungen zur lokalen Fauna und Flora, und das Boot hält oft an den Ufern, damit du in Ruhe die Pferde oder Stiere fotografieren kannst, die in den Flachwasserzonen grasen. Vom Deck des Bootes hast du außerdem einen tollen Blick auf den Himmel voller Zugvögel und Reiher. Es ist eine absolut anspruchslose Aktivität, die auch kleine Kinder oder ältere Reisende meistern, die lange Wanderungen in der Hitze sonst nicht schaffen würden.
💡 Tipp: Wenn du ein etwas intimeres Erlebnis als auf einem großen Ausflugsboot mit Dutzenden anderer Touristen genießen willst, empfehle ich dir, ein kleineres Boot für ein paar Personen zu mieten oder eine geführte Kanutour zu unternehmen. Aus der niedrigeren Perspektive direkt an der Wasseroberfläche nimmst du die umgebende Natur viel intensiver wahr und hast das Gefühl, wirklich ein Teil dieser stillen Wasserwelt zu sein.
Wohin von der Camargue aus weiter
Wenn du von Sümpfen, Mücken und Salz gerade genug hast, wäre es ein riesiger Jammer, dir die Umgebung nicht anzusehen, die wieder ganz andere Kulissen und Erlebnisse bietet. Diese ganze Gegend ist ein perfektes Sprungbrett, um weitere Ecken Südfrankreichs zu entdecken.
- Wenn du dich nach welligen Hügeln, Zypressen und romantischen, an Felsen geklammerten Dörfern sehnst, mach dich auf, die Provence zu entdecken. Der Kontrast zwischen der flachen Camargue und der hügeligen provenzalischen Landschaft wird dich absolut umhauen.
- Wenn dich Geschichte und antike Architektur faszinieren, verpass keinen Ausflug zu den römischen Denkmälern. Ein riesiges Amphitheater und ein atemberaubender Aquädukt warten auf dich, wenn du Nîmes und den Pont du Gard besuchst, die vom Rand des Deltas nur knapp eine Stunde Autofahrt entfernt sind.
- Für Kunst und die Spuren von Vincent van Gogh begib dich in die nahe gelegene Stadt Arles, die das gedachte nördliche Tor zur gesamten Feuchtgebietregion bildet und dich mit ihren engen Gassen und der Arena bezaubert.
Häufig gestellte Fragen
Wie viele Tage brauche ich für einen Besuch in der Camargue?
Na das solltet ihr mindestens 2 bis 3 volle Tage einplanen, um in Ruhe den Vogelpark zu besichtigen, die Salzpfannen zu besuchen, das historische Aigues-Mortes anzuschauen und einen Ausritt durch die Sümpfe zu unternehmen. Falls ihr nur für einen Nachmittagsabstecher vorbeikommt, werdet ihr zwar die Flamingos sehen, aber die besondere, entschleunigte Atmosphäre dieser rauen Landschaft bleibt euch verborgen.
Sind die Mücken in den Sümpfen wirklich so schlimm?
Ja, leider ist das wahr. Da es sich um eine riesige Fläche stehenden Salz- und Süßwassers handelt, sind Mücken ein fester Bestandteil des lokalen Ökosystems. Am schlimmsten ist die Situation im Juli und August, besonders nach Sonnenuntergang und an windstillen Tagen. In den Frühlings- und Herbstmonaten ist die Lage wesentlich erträglicher.
Kann man in der Camargue im Meer baden?
Auf jeden Fall. Im Süden des Naturschutzgebietes findet ihr kilometerlange wilde Sandstrände, von denen der Plage de Piémanson oder der Plage de l’Espiguette am beliebtesten sind. Das Wasser ist hier klar und die Ufer fallen sehr sanft ins Meer ab. Rechnet allerdings damit, dass es an den Stränden weder Schatten noch die klassische touristische Infrastruktur mit Duschen und Toiletten gibt.
Wann sind Flamingos am rosa?
Flamingos erhalten ihre kräftige Farbe durch ihre Nahrung, konkret durch kleine Krebstiere. Die rosigste Färbung haben ausgewachsene Tiere im Frühling und zu Beginn des Sommers, wenn sie sich auf die Paarungszeit vorbereiten und ihr Gefieder in den intensivsten Farbtönen erstrahlt. Jungtiere und junge Vögel hingegen sind grau bis schmutzig-weiß gefärbt.
Kann man überall mit Karte bezahlen?
In größeren Hotels, an offiziellen Sehenswürdigkeiten, im Vogelpark sowie in besseren Restaurants können Sie völlig problemlos mit Karte bezahlen. Dennoch empfehle ich Ihnen wärmstens, auch etwas Bargeld in Euro bei sich zu haben, das Sie an kleineren Obstständen am Straßenrand, beim Kauf kleiner Souvenirs oder auf Märkten nutzen können.
Brauche ich ein Mietauto, um das Delta zu erkunden?
Ich würde sagen, dass ein Auto hier fast unerlässlich ist. Obwohl es von größeren Städten aus Busse nach Aigues-Mortes oder nach Saintes-Maries-de-la-Mer gibt, ist der öffentliche Nahverkehr innerhalb des Naturschutzgebietes selbst minimal. Mit dem Auto gewinnt ihr zudem die Freiheit, am Straßenrand anzuhalten, sobald ihr grasende Pferde seht, oder zu entlegeneren wilden Stränden zu fahren.
Werden Stiere beim örtlichen Stierkampf getötet?
Ne, auf keinen Fall. Die lokale Course Camarguaise ist eher ein Spiel der Geschicklichkeit und Schnelligkeit als ein blutiger Kampf. Die Aufgabe der Männer in der Arena ist es, kleine Bänder von den Hörnern der Stiere zu reißen, wobei dem Tier keinerlei körperlicher Schaden zugefügt werden darf. Der Stier verlässt nach 15 Minuten in der Arena die Arena wieder und kehrt auf die Weide zurück, und die geschicktesten Stiere erreichen ein hohes Alter.
Ist dieses Reiseziel für Familien mit Kindern geeignet?
Camargue ist für Kinder absolut fantastisch. Die Möglichkeit, Hunderte von Flamingos nur wenige Meter entfernt zu sehen, eine Fahrt mit dem Touristenzug zwischen den rosa Salzbergen oder ein sicherer Ausritt auf den sanftmütigen Camargue-Pferden begeistert Kinder jeden Alters. Man muss im Sommer nur besonders auf die aggressive Sonne achten und starke Insektenschutzmittel verwenden.
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