Wer an Portugal denkt, hat sofort den Duft des Atlantiks, gelbe Straßenbahnen und endlose Sonnentage vor Augen. Wer aber gastronomisch neugierig ist, denkt unweigerlich an etwas viel Wärmeres. Portwein aus Portugal ist ein wahrhaftiger flüssiger Schatz, der dieses kleine Land in aller Welt berühmt gemacht hat. Zwar bekommt man ihn heute in jedem gut sortierten Supermarkt – wirklich verstehen lässt er sich aber erst, wenn man in seine Geschichte und Vielfalt eintaucht.
Reise in Gedanken in den Norden Portugals, wo sich der Fluss Douro tief in steile Hügel eingräbt. Die terrassierten Weinberge zählen zu den schönsten Kulturlandschaften der Welt. Genau hier wachsen die Trauben, aus denen ein Getränk voller Sonne, Süße und hohem Alkoholgehalt entsteht. Das ist kein gewöhnlicher Wein – es ist eine Institution mit strengen Regeln und einer faszinierenden Geschichte.
In diesem Artikel erfährst du alles, was du über Portwein wissen solltest, bevor du nach Portugal reist. Du lernst, welche Sorten es gibt und wie sie sich unterscheiden, damit du im Restaurant genau weißt, was du bestellen möchtest. Außerdem erfährst du, wie Portwein richtig verkostet wird, wozu er passt und wohin du gehen solltest, wenn du die authentischste Verkostung direkt vor Ort erleben willst.

Zusammenfassung
- Herkunft und Herstellung: Portwein stammt ausschließlich aus dem Douro-Tal im Norden Portugals. Während der Gärung wird Weinbrand hinzugefügt, der den Prozess stoppt und einen hohen natürlichen Zuckeranteil sowie rund 20 % Alkohol bewahrt.
- Ruby vs. Tawny: Ruby reift in großen Behältern ohne Luftkontakt, ist tief rubinrot und fruchtig. Tawny reift in kleinen Eichenfässern, oxidiert und entwickelt eine bernsteinfarbene Farbe mit Nuss- und Karamellaroma.
- Das königliche Vintage: Wird nur in außergewöhnlich guten Jahrgängen hergestellt. Es reift jahrzehntelang in der Flasche und ist der absolute Gipfel der Weinkunst.
- Wo verkosten: Die besten Weinkeller liegen nicht direkt in Porto, sondern am gegenüberliegenden Flussufer in Vila Nova de Gaia, wo der Wein historisch im kühleren Klima reifte.
- Moderne Trends: Weißer und rosé Portwein wird heute oft als erfrischender Sommercocktail genossen – der sogenannte Port Tonic, mit Eis und Zitrone.
- Weitere portugiesische Weine: Neben dem süßen Portwein solltest du unbedingt das leichte, prickelnde Vinho Verde sowie die körperreichen Rotweine aus dem Douro und Alentejo probieren.
Wie (und wo) man Portwein wie ein Einheimischer trinkt

Bevor du den ersten Schluck nimmst, lohnt es sich zu verstehen, wie dieses einzigartige Getränk entstanden ist. Die Geschichte des Portweins ist eng mit britischen Händlern verknüpft, die im 17. Jahrhundert nach einer Alternative zu französischen Weinen suchten. Damit der Wein die lange, stürmische Seereise nach England überstand, begannen sie, etwas Weinbrand hinzuzufügen. So entstand die Fortifikation – also das Aufspriten –, die dem Wein seine charakteristische Stärke und Süße verleiht.
Die Herstellung beginnt hoch in den Hügeln des Douro-Tals. Die Trauben werden traditionell barfuß in flachen Granitbecken gestampft, die als Lagares bezeichnet werden. Diese schonende Methode verhindert, dass bittere Gerbstoffe aus den Kernen freigesetzt werden. Wenn der Most das ideale Verhältnis von Alkohol und Zucker erreicht hat, wird neutraler Traubenbrand (Aguardente) mit 77 % Alkohol hinzugefügt. Die Gärung stoppt sofort – und es entsteht ein süßer, kräftiger Wein.
Wer Portwein wie ein echter Portugiese trinken möchte, sollte die großen Weinkelche vergessen. Er wird in kleineren, tulpenförmigen Gläsern serviert, die das reiche Aroma konzentrieren. Das Glas sollte niemals randvoll gefüllt werden – ideal ist etwa ein Drittel. So bleibt genug Platz, um den Wein zu schwenken und all die versteckten Düfte freizusetzen.
Ein häufiger Fehler vieler Touristen ist das Servieren bei Zimmertemperatur. Besonders im heißen portugiesischen Sommer sollte der Wein leicht gekühlt sein. Rote Sorten wie Ruby oder Tawny schmecken am besten bei etwa 15 bis 18 Grad Celsius. Weißer und rosé Portwein sollte noch kühler sein – rund 10 Grad – damit seine Frische und sein fruchtiges Aroma voll zur Geltung kommen.
12 Portwein-Sorten und Erlebnisse, die du unbedingt ausprobieren musst
Die Weinkarte eines portugiesischen Restaurants kann auf den ersten Blick einschüchternd wirken. Portwein wird nicht nur nach Farbe unterschieden, sondern vor allem nach der Reifeweise. Hier kommen genau 12 Tipps, Sorten und unvergessliche Erlebnisse, die dir helfen, in die faszinierende Welt des Portweins einzutauchen.
1. Junges, wildes Ruby

Ruby ist die absolute Grundlage und oft die erste Begegnung mit Portwein aus Portugal. Seinen Namen verdankt er der satten, tiefrubin-roten Farbe, die an einen Edelstein erinnert. Er wird aus einer Mischung von Trauben verschiedener Jahrgänge hergestellt und soll vor allem seinen primären Fruchtcharakter bewahren.
Im Gegensatz zu anderen Sorten reift Ruby in großen Edelstahltanks oder riesigen Eichenfässern. Dadurch hat der Wein kaum Kontakt mit Luft und oxidiert nicht. Er behält seine Frische und den ausgeprägten Geschmack von frischen Kirschen, Brombeeren und Himbeeren. In den Fässern verbringt er meist nur zwei bis drei Jahre, bevor er abgefüllt wird.
Diese Sorte eignet sich ideal für entspannte Abende. Sie braucht keine aufwendige Vorbereitung oder Dekantierung – einfach öffnen und einschenken. Ruby ist zudem die erschwinglichste Variante: Eine gute Flasche bekommst du in portugiesischen Geschäften schon für sehr attraktive Preise.
2. Elegantes, nussiges Tawny

Wenn Ruby für Jugendlichkeit steht, verkörpert Tawny Eleganz und Geduld. Er reift in kleinen Eichenfässern mit einem Volumen von etwa 600 Litern, den sogenannten Pipas. Das Holz ist porös, sodass der Wein ständig „atmet“, langsam oxidiert und nach und nach Wasser sowie Alkohol verdunstet.
Dieser Oxidationsprozess wandelt die Farbe des Weins von Rot in ein wunderschönes Bernstein- bis Braun. Die fruchtigen Töne treten in den Hintergrund, und eine komplexe Aromatik entfaltet sich – man riecht geröstete Nüsse, Karamell, getrocknete Feigen und eine feine Vanille. Je länger Tawny im Fass reift, desto heller die Farbe und desto konzentrierter der Geschmack.
Auf den Etiketten hochwertiger Flaschen findet man Altersangaben wie 10, 20, 30 oder sogar 40 Jahre. Das ist jedoch kein genaues Alter eines einzelnen Jahrgangs, sondern das Durchschnittsalter einer vom Kellermeister sorgfältig zusammengestellten Cuvée. Ein 20-jähriger Tawny gilt für viele Experten als perfekter Kompromiss zwischen Frische und gereifter Komplexität.
3. Das königliche Vintage Port

Vintage ist der ungekrönte König unter den Portweinen. Er wird ausschließlich aus der Ernte eines einzigen, außergewöhnlich guten Jahrgangs hergestellt. Die Weinhäuser (sogenannte Shippers) deklarieren nicht jedes Jahr ein Vintage – das geschieht meist nur drei Mal pro Jahrzehnt, wenn die klimatischen Bedingungen perfekt sind.
Interessanterweise reift dieser Wein in Eichenfässern nur sehr kurz, höchstens zweieinhalb Jahre. Sein eigentliches Potenzial entfaltet er erst in der Flasche, wo er im Dunkeln und in der Kühle weitere Jahrzehnte reift. Dabei wird er unglaublich fein, tiefgründig und elegant – mit großem Lagerpotenzial.
Vor dem Servieren eines älteren Vintage ist eine sorgfältige Dekantierung notwendig. Der Wein wird ungefiltert abgefüllt und bildet mit der Zeit einen kräftigen Bodensatz. Nach dem Öffnen sollte die Flasche auch zügig geleert werden – idealerweise innerhalb von zwei Tagen, da der Sauerstoff diesem empfindlichen alten Wein schnell zusetzt.
4. Late Bottled Vintage (LBV)

Late Bottled Vintage, oft nur als LBV abgekürzt, entstand als erschwingliche Alternative zum teuren Vintage. Auch hier handelt es sich um einen Wein aus einem einzigen Jahrgang, aber der Reifeprozess ist anders. Statt schnell abgefüllt zu werden, bleibt er deutlich länger in Fässern – in der Regel vier bis sechs Jahre.
Durch den längeren Holzkontakt ist LBV bereits trinkreif, wenn du ihn im Laden kaufst. Du musst ihn nicht jahrelang im Keller lagern, um ihn in vollen Zügen zu genießen. Er bietet eine tiefe Farbe und einen intensiven Geschmack nach dunklen Beeren, der dem klassischen Vintage sehr nahekommt – aber zu einem Bruchteil des Preises.
Die meisten modernen LBV-Weine werden vor der Abfüllung filtriert und benötigen keine Dekantierung. Stößt du aber auf eine Flasche mit der Aufschrift „Unfiltered“, hast du einen Wein vor dir, der seinem berühmteren Bruder noch ähnlicher ist. Solch eine Flasche kann mit der Zeit noch etwas besser werden – aber auch hier wirst du nach einigen Jahren nicht um den Bodensatz herumkommen.
5. Das seltene, jahrgangstreue Colheita

Colheita ist das portugiesische Wort für Ernte und bezeichnet im Portwein-Kontext einen jahrgangstreuen Tawny. Während normaler Tawny eine Cuvée aus verschiedenen Jahren ist, stammt Colheita aus einem einzigen Jahrgang. Auf dem Etikett ist der Jahrgang stets klar angegeben – etwa 1998 oder 2005.
Um diesen Namen tragen zu dürfen, muss der Wein mindestens sieben Jahre in kleinen Eichenfässern reifen. Die meisten Winzer lassen ihn aber viel länger reifen – oft zehn oder zwanzig Jahre –, bevor sie ihn für abfüllreif halten. In dieser langen Zeit entwickelt er ein ungemein reiches Aromenspektrum: von Marzipan über getrocknete Pflaumen bis hin zu feinen Gewürzen.
Auf dem Rücketikett einer Colheita-Flasche steht stets auch das Jahr der Abfüllung. Das ist wichtig, denn sobald der Wein das Fass verlässt, entwickelt er sich in der Flasche nicht weiter. Eine geöffnete Colheita-Flasche hält sich im Kühlschrank mehrere Wochen in einwandfreier Qualität – was sie zu einem wunderbaren Wein für langsames, festliches Genießen macht.
6. Der unterschätzte weiße Portwein

Weißer Portwein wird nach demselben Fortifikationsverfahren hergestellt wie roter, aber aus lokalen weißen Rebsorten. Die bekanntesten davon sind Malvasia Fina, Viosinho und Gouveio. Lange stand er im Schatten seiner roten Verwandten, doch in den letzten Jahren erlebt er eine enorme Renaissance.
Es gibt verschiedene Süßegrade, von extrem trocken (Extra Seco) bis sehr süß (Lágrima). Trockene Varianten reifen kürzer und behalten eine frische Säure, während süßere Varianten oft in Fässern ruhen und dabei honigartige und nussige Töne entwickeln. Die Farbe reicht von hellem Strohgelb bis zu sattem Gold.
In Portugal wird weißer Portwein meistens als Aperitif gereicht. Er regt den Appetit wunderbar an, besonders wenn er gut gekühlt serviert wird. Traditionell dazu: gesalzene, geröstete Mandeln oder grüne Oliven, die einen herrlichen Kontrast zur Süße des Weins bilden.
7. Moderner Rosé Portwein

Rosé Portwein ist der jüngste Zuwachs in der Familie der Fortifizierten aus dem Douro. Zum ersten Mal brachte ihn das Weinhaus Croft im Jahr 2008 auf den Markt, was unter traditionellen Winzern zunächst für einige Diskussionen sorgte. Heute wird er von den meisten großen Produzenten angeboten.
Er wird aus roten Trauben hergestellt, wobei die Schalen nur sehr kurze Zeit mit dem Most in Kontakt bleiben. Dadurch erhält der Wein eine strahlend rosafarbene Farbe und einen leichten, fruchtigen Geschmack. Die Gärung findet bei niedrigen Temperaturen statt, damit das Getränk seine maximale Frische und das ausgeprägte Aroma von Walderdbeeren, Kirschen und Himbeeren behält.
Diese Portweinssorte ist nicht zum langen Lagern oder aufwendigen Verkosten gedacht. Es ist ein unkompliziertes, fröhliches Getränk, das sich perfekt für heiße Sommertage eignet. Portugiesen lieben ihn als Basis für Mixgetränke – oder einfach in ein großes Glas voller Eis gegossen und mit einem Minzzweig garniert.
8. Die perfekte Kombination: Käse und Schokolade

Portwein pur zu trinken ist schon ein Genuss – doch die richtige Speisebegleitung hebt ihn auf ein völlig neues Level. Die klassischste und unübertroffen harmonische Kombination ist Portwein mit Blauschimmelkäse. Die Süße des Weins gleicht die scharfe, salzige Note von Sorten wie dem britischen Stilton oder dem französischen Roquefort genial aus.
Wer bei lokalen Produkten bleiben möchte, sollte nach Serra da Estrela Ausschau halten. Dieser Schafskäse aus dem portugiesischen Gebirge hat eine halbflüssige Textur und ein unglaublich intensives Aroma. In Kombination mit einem älteren Tawny oder Vintage entsteht im Mund eine Geschmacksexplosion, die man so schnell nicht vergisst. Dazu passen hervorragend Walnüsse und getrocknete Feigen.
Für Süßes empfiehlt sich die Kombination mit Schokolade. Junges, fruchtiges Ruby harmoniert wunderbar mit hochwertiger dunkler Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Die Bitterkeit der Schokolade dämpft die Süße des Weins und lässt die Waldfruchtnoten erst richtig erstrahlen. Nussiger Tawny wiederum ergänzt Karamell-Desserts perfekt – oder ein traditionelles portugiesisches Pudim Flan sowie Apfel-Zimt-Desserts.
9. Vila Nova de Gaia und die legendären Weinkeller

Wenn man an Portwein denkt, kommt einem logischerweise Porto in den Sinn. Die Wahrheit ist jedoch, dass der Wein historisch am gegenüberliegenden Flussufer gelagert wurde. Vila Nova de Gaia bot ideale Bedingungen für die Weinreife, da es nach Norden ausgerichtet und vor der starken Sommersonne geschützt ist. Hierher wurden die Fässer aus den Weinbergen gebracht.
Heute säumt das Ufer von Gaia Dutzende historischer Weinhäuser (Caves). Namen wie Sandeman, Taylor’s, Graham’s oder Cálem leuchten von den Hausdächern und laden zum Besuch ein. Jeder Keller bietet geführte Touren an, bei denen man zwischen Tausenden von Eichenfässern entlanggeht, den typischen Duft von feuchtem Holz aufsaugt und alles über die Geschichte erfährt.
Wer in der Hochsaison kommt, sollte die Tour unbedingt im Voraus buchen. Viele Reisende nutzen dafür Online-Portale wie GetYourGuide, um sich bequem einen fixen Zeitslot zu sichern und lange Wartezeiten zu vermeiden. Am Ende jeder Führung wartet natürlich das Wichtigste: eine geführte Verkostung mehrerer Weine mit Erläuterungen des hauseigenen Sommeliers.
10. Fahrt mit dem Rabelo auf dem Douro

Die Geschichte des Portweins ist untrennbar mit dem Fluss Douro verbunden. Bevor Straßen und Eisenbahnen gebaut wurden, war der Fluss der einzige Weg, Wein von den Weinbergen zu den Kellern an der Küste zu transportieren. Dafür dienten traditionelle Holzboote mit flachem Kiel, die Barcos Rabelos genannt werden. Die Fahrt war wegen der reißenden Stromschnellen äußerst gefährlich.
Heute sind die Stromschnellen durch ein Stausee-System gezähmt, und die Rabelo-Boote dienen ausschließlich Touristen. Sie liegen am Ufer in Porto und Gaia und bieten Rundfahrten an. Die beliebteste ist die sogenannte Sechs-Brücken-Fahrt (Cruzeiro das Seis Pontes), die knapp eine Stunde dauert und atemberaubende Ausblicke auf die historische Altstadt Portos vom Wasser aus bietet.
Wer ein längeres Erlebnis sucht, kann sich auch direkt in die Weinbauregion aufmachen. Ganztägige Fahrten von Porto nach Peso da Régua oder Pinhão gehören zu den schönsten Erlebnissen, die Nordportugal zu bieten hat. Unterwegs passierst du gewaltige Schleusen und beobachtest, wie sich die Landschaft von grünen Wäldern in steile, sonnenverbrannte Weinberge verwandelt.
11. Besuch eines Weinguts (Quinta) direkt an der Quelle

Eine Weinprobe in den Kellern von Gaia zu machen ist fantastisch – doch den Ort zu sehen, wo die Trauben wirklich wachsen, ist unvergesslich. Die Weingüter im Douro-Tal werden Quintas genannt. Viele davon existieren seit Jahrhunderten und bieten nicht nur Verkostungen, sondern oft auch luxuriöse Unterkünfte und erstklassige Gastronomie inmitten der Weinberge an.
Das Herzstück der Weinregion ist das kleine Städtchen Pinhão. Beginne den Besuch am lokalen Bahnhof, der mit wunderschönen blauen und weißen Azulejo-Kacheln geschmückt ist. Sie zeigen historische Szenen der Weinlese und des Weintransports. Von dort ist es nur ein kurzer Fußmarsch zu mehreren renommierten Gütern wie der Quinta da Roêda oder der Quinta do Bomfim.
Ein Besuch auf einer Quinta umfasst in der Regel einen Spaziergang direkt zwischen den Rebzeilen. Du erfährst, warum der Boden hier fast ausschließlich aus Schiefer besteht, der tagsüber die Sonnenwärme aufnimmt und sie nachts an die Reben abgibt. Wer im September zur Weinlese (Vindima) kommt, kann mit etwas Glück das traditionelle Traubenstampfen in den Lagares miterleben – eine Praxis, die manche Premiummarken bis heute lebendig halten.
12. Wie man auswählt und was man bezahlt

Portwein in Portugal zu kaufen ist eine Freude, aber das riesige Angebot kann verwirrend sein. In normalen Supermärkten wie Continente oder Pingo Doce gibt es eine enorme Auswahl. Einfaches Ruby oder Tawny bekommt man bereits ab etwa 8 bis 15 Euro. Diese Flaschen sind für den Alltagsgenuss absolut ausreichend und überraschen oft mit sehr ordentlicher Qualität.
Wer etwas Besonderes sucht, sollte in eine spezialisierte Weinhandlung gehen – auf Portugiesisch Garrafeira. Das Personal dort berät dich fachkundig und lässt dich den Wein oft erst probieren, bevor du ihn kaufst. Eine Flasche guten 20-jährigen Tawny kostet in der Regel zwischen 40 und 60 Euro. Bei alten Vintage-Jahrgängen beginnen die Preise bei etwa 100 Euro und können astronomische Höhen erreichen.
Achte beim Kauf immer auf den Flaschenhals. Echter Portwein muss über dem Korken einen Steuerstreifen des Instituts IVDP (Instituto dos Vinhos do Douro e do Porto) tragen. Dieser Papierstreifen garantiert Herkunft und Qualität. Und wenn du ein altes Vintage kaufst: Die Flasche sollte beim Transport liegend transportiert werden, damit der Korken nicht austrocknet – und lass sie nach der Ankunft einige Wochen ruhen, damit sich der Bodensatz wieder absetzt.
Was sonst noch lohnt: Portugal ist mehr als süßer Wein

Es wäre wirklich schade, sich in Portugal nur auf Portwein zu beschränken. Die hiesige Weinkultur ist ungemein reich und bietet Weine, die man anderswo auf der Welt nicht findet. Portugiesen sind unglaublich stolz auf ihre lokalen Rebsorten – über 250 werden kultiviert. Sie brauchen kein Merlot oder Chardonnay aus dem Ausland, denn sie besitzen ihre ganz eigenen, unverwechselbaren Trauben.
Im grünen, regenreichen Norden, in der Region Minho, entsteht Vinho Verde. Das Wort Verde (grün) bezeichnet nicht die Farbe des Weins, sondern sein Alter. Es handelt sich um einen sehr jungen, leichten Wein, der kurz nach der Ernte abgefüllt wird. Er zeichnet sich durch einen geringen Alkoholgehalt (oft nur 9 bis 11 %), eine ausgeprägte frische Säure und ein feines Prickeln aus. Zu traditionellen Meeresfrüchten oder leichten Salaten an einem heißen Sommertag gibt es keine bessere Wahl.
Wer kräftige Rotweine bevorzugt, sollte im Douro-Tal bleiben. Neben Portwein werden hier auch sogenannte Stillweine produziert, die zu den besten Europas zählen. Verwendet werden dieselben Trauben wie für Portwein – allen voran die königliche Sorte Touriga Nacional. Das Ergebnis sind dunkle, vollmundige Weine mit fester Struktur, ausgeprägten Tanninen und einem langen Abgang – sie brauchen etwas Zeit zum Atmen, bevor man sie ins Glas füllt.
Völlig anders in Charakter sind die Weine aus dem weitläufigen, sonnenverwöhnten Süden. Der Alentejo produziert weiche, fruchtige und sehr zugängliche Weine. Sie sind samtig, haben eine niedrigere Säure und strahlen die Wärme der portugiesischen Sonne aus. Ein großer Vorteil der Alentejo-Weine ist ihr hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis – im Supermarkt findet man ausgezeichnete Flaschen schon ab etwa fünf Euro.
Erwähnenswert ist auch der Wein von der Insel Madeira. Madeira-Wein ist dank des einzigartigen Erhitzungsverfahrens (Estufagem) praktisch unzerstörbar. Während der Reife wird er absichtlich oxidiert und karamellisiert, was die Bedingungen auf alten Überseeexpeditionen nachahmt. Und wer zum Abschluss eines Abends etwas mit mehr Biss möchte, sollte nach Ginjinha Ausschau halten – dem süßen, starken Sauerkirsch-Likör, der in kleinen Gläschen getrunken wird, häufig mit einer eingelegten Kirsche auf dem Boden für Glück.
Weitere Empfehlungen
Wenn dich der Norden Portugals und seine Weinkultur interessieren, lies unbedingt unseren Artikel über die Stadt Porto. Zum Wein gehört natürlich auch großartige Gastronomie – schau deshalb in unseren Ratgeber Typische portugiesische Küche, wo du erfährst, was du zu einem guten Glas bestellen solltest. Wer direkt in die Weinberge möchte, findet in unserem ausführlichen Artikel alles über das Douro-Tal. Und wenn du deinen Trip mit einem Besuch der Hauptstadt verbinden willst, schau dir unseren Lissabon Reiseführer an.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißt Portwein Portwein?
Der Name leitet sich von der Stadt Porto (Oporto) ab, von wo aus der Wein historisch in die ganze Welt exportiert wurde. Obwohl die Trauben hoch im Douro-Tal angebaut werden und der Wein in den Kellereien in Vila Nova de Gaia am gegenüberliegenden Ufer reift, gab gerade der Hafen von Porto diesem Getränk seinen internationalen Namen.
Wie lange hält sich eine geöffnete Flasche?
Das hängt von der Sorte ab. Junger Ruby oder gefilterter LBV hält sich im Kühlschrank etwa drei bis vier Wochen in gutem Zustand. Nussiger Tawny (zum Beispiel 10-jähriger oder 20-jähriger) ist stabiler und hält sich geöffnet problemlos sechs bis acht Wochen. Alter Vintage-Portwein hingegen oxidiert schnell und sollte idealerweise innerhalb von zwei Tagen nach dem Öffnen getrunken werden.
Trinkt man Portwein gekühlt?
Ja, die Servierung bei Raumtemperatur ist ein häufiger Fehler. Rote Portweine (Ruby, Tawny) sollten leicht gekühlt bei 15–18 °C serviert werden. Weißer und rosafarbener Portwein wird noch kühler serviert, idealerweise bei etwa 8–10 °C, oder direkt auf Eis als Cocktail.
Kann ich die Kellereien in Vila Nova de Gaia ohne Reservierung besuchen?
In den Wintermonaten ist das meist kein Problem, aber vom Frühling bis Herbst sind die bekanntesten Kellereien (Sandeman, Taylor’s, Graham’s) oft ausgebucht. Wir empfehlen auf jeden Fall, eine Führung mit Verkostung vorab online zu reservieren, sonst riskiert ihr, dass kein Platz mehr in einer englischsprachigen Gruppe frei ist.
Ist Portwein für Vegetarier geeignet?
Die meisten Portweine sind leider nicht für strenge Veganer und oft auch nicht für Vegetarier geeignet. Bei der sogenannten Klärung (die den Wein von Trübstoffen befreit) werden nämlich traditionell tierische Produkte wie Eiweiß, Kasein oder Gelatine verwendet. Einige kleinere Produzenten gehen mittlerweile zu veganen Methoden über, aber man muss immer das jeweilige Etikett überprüfen.
Was kostet eine normale Flasche Portwein im Supermarkt?
Die Preise in Portugal sind sehr günstig. Eine Basisflasche ordentlichen Ruby oder Tawny bekommt man im normalen Supermarkt schon zwischen 8 und 15 Euro. Hochwertigere Stücke wie ein 10-jähriger Tawny beginnen bei etwa 20 Euro.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch der Weinberge im Douro-Tal?
Am schönsten ist das Tal im September und Oktober während der Weinlese (Vindima), wenn die Weinberge in allen Herbstfarben leuchten und überall der Duft von Trauben in der Luft liegt. Sehr angenehm ist auch das Frühjahr (April, Mai). Im Juli und August müsst ihr euch auf extreme Hitze einstellen, die Temperaturen im Tal übersteigen regelmäßig 40 °C.
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