Zwei zehnjährige Mädchen kamen auf mich zugelaufen. „Hast du eine Zigarette?" Die blauen, niedlichen Augen der blonden Kleinen passen so gar nicht zu irgendeinem Klischee über sozial ausgegrenzte Familien. Das ist keine Welt der Vorurteile – das ist die Realität von Prag, Tschechien, abseits aller Touristenpfade.
Das Hotel Condor schien die einzige Oase der Zivilisation weit und breit zu sein. Oravița entpuppte sich als Stadt, in der es nichts gibt – eine Lektion fürs nächste Mal: Einfach auf die Karte zeigen und sagen „wir schlafen hier, weil es auf halbem Weg liegt", ist keine ideale Reiseplanung.
Der Paprikaverkäufer winkt mir zu. „Was machst du da?" „Der Herr möchte ein Foto mit der Paprika machen." Ein vierzigjähriger Verkäufer von roten Paprikas posiert, zeigt sein mustergültig angebautes Gemüse und lächelt uns an. Wir schlendern über den Obst- und Gemüsemarkt in der schmutzigen Stadt Târgu Jiu – einem Ort, dessen große Zeit entweder längst vorbei ist oder gar nie existiert hat.
Damals, auf der Fahrt von Pitești nach Târgu Jiu, fiel es mir zum ersten Mal auf. Wir durchquerten Dörfer, die im Grunde nur Häuschen waren, aufgereiht entlang der Hauptstraße – ohne Ortsmitte, ohne Dorfplatz, ohne irgendetwas, das ein Dorf visuell definiert.
Vom Flughafen Bukarest fuhren wir in Richtung Târgu Jiu – und Rumänien empfing uns mit abbröckelnden Fassaden, verblassten Werbeschildern und staubtrockenen Feldern. Von der romantischen rumänischen Landschaft, die wir uns vorgestellt hatten, keine Spur.