„Von der polnischen Tatra in die Slowakei zu kommen, ist alles andere als einfach. Es gibt kaum Verbindungen – auch wenn Politiker ständig davon reden, dass sich etwas ändern muss, bleibt es bislang bei leeren Versprechen.“ Diese Worte unserer slowakischen Freundin Dagmar hätten wir viel ernster nehmen sollen. Vielleicht wären wir dann nicht in der polnischen Tatra festgesessen – ohne jede Hoffnung, rechtzeitig in die Slowakei zu kommen.

Wer online arbeitet, sollte nicht auf Zug-WLAN zählen
Aber fangen wir von vorne an. Unsere Reise begann irgendwo in Tschechien, von wo aus wir nach Krakau aufgebrochen sind. Wir hatten spontan beschlossen, diesmal ausschließlich mit Zügen und Bussen zu reisen – in der Hoffnung, unterwegs arbeiten zu können.
Klingt gut, war es aber nicht wirklich. Wenn deine Arbeit wie meine zu 95 % schnelles Internet erfordert, kannst du das direkt vergessen. Nach einer Woche ohne vernünftige Verbindung saß ich den kompletten folgenden Urlaub jeden Tag von acht Uhr morgens bis Mitternacht am Laptop und holte alles nach.
Übrigens: Wer im Ausland auf zuverlässiges mobiles Internet angewiesen ist, dem empfehlen wir eine eSIM von Holafly oder Yesim – damit ist man auf Zugfahrten durch Polen nicht auf das schwache Bord-WLAN angewiesen.
Ist Krakau das Schweizer Städtchen Polens?
Krakau ist eine wunderschöne Stadt – und ich bin ohnehin ein großer Polen-Fan. Uns beide hat es wieder einmal sofort in den Bann gezogen. Wir schlenderten durch die Straßen wie zwei Alices im Wunderland. Krakau erinnerte uns an eine Schweizer Altstadt: blitzsauber, ordentlich, und an jeder Ecke ein Café oder Restaurant, bei dem man nicht wusste, welches man zuerst ausprobieren soll.
Ich hatte ein nostalgisches Gefühl – manche Cafés und Lokale hätten genauso gut in New York oder Toronto stehen können. Das Hipster-Paradies wurde am Ende noch von der Galerie für moderne Kunst MOCAK gekrönt.
Statt zur Kasse sind wir beim Psychologen gelandet
Aber auch alle, die historische Städte lieben, kommen voll auf ihre Kosten. Einen Spaziergang auf dem Wawel-Hügel mit dem Königsschloss und der Kathedrale des heiligen Stanislaus und Wenzel sollte man sich auf keinen Fall entgehen lassen.

Unbedingt besuchen solltet ihr auch die Marienkirche mit ihrer atemberaubenden blau bemalten Decke – ein Erlebnis, das sogar den berühmten 13 Meter hohen Altar von Veit Stoß aus dem Jahr 1489 in den Schatten stellt. Eintritt wird zwar verlangt, aber er ist so günstig, dass man nicht lange zögern muss.

Zum Tropfenden Kessel – auf ein Butterbier!
Aufgepasst, damit ihr nicht aus Versehen in eine Psychologische Beratungsstelle geht statt zur Kasse – genau das ist uns passiert. Wir standen in einer Warteschlange und merkten erst, dass wir falsch waren, als man uns an Tische setzen wollte. Und falls ihr Harry-Potter-Fans seid: Unbedingt zum „Tropfenden Kessel“ (Dziurawy Kocioł) auf ein Butterbier!

Polnisch für Deutschsprachige – so klappt die Verständigung
Polen ist ein slawisches Land, und als Deutschsprachige stößt man sprachlich zunächst auf eine echte Hürde. Polnisch ist nicht mit dem Deutschen verwandt – doch keine Panik: In touristischen Städten wie Krakau und Zakopane kommt man mit Englisch sehr gut durch, und viele jüngere Polen sprechen sogar ein wenig Deutsch. Ein paar Brocken Polnisch wie „Dziękuję“ (Danke) oder „Przepraszam“ (Entschuldigung) kommen immer gut an und bringen ein Lächeln ins Gesicht der Einheimischen.

Wenn das Leben Zeichen gibt, sollte man sie ernst nehmen
Dass die Logistik dieser Reise nicht reibungslos verlaufen würde, deutete nicht nur Dagmars Warnung an. Schon von Anfang an lief alles schief. Wir kamen gegen halb drei in Krakau an und wollten schnell ein Uber zum Hostel nehmen, um noch etwas von der Stadt bei Tageslicht zu sehen. Das Uber sollte nach fünf Minuten da sein – wir warteten zwanzig. In der App sah es aus, als hätten wir uns in Luft aufgelöst. Am Ende stornierten wir und stiegen in ein überteuerte Taxi, obwohl wir zu Fuß schneller gewesen wären.

Der Spitzname für unsere Polenreise: Verspätung
Nach einem wunderschönen Tag in Krakau wären wir am Bahnhof fast zu Schneemännern erfroren – der Bus nach Zakopane hatte natürlich Verspätung. Wir wunderten uns noch. Bald hörten wir damit auf.

Zakopane ist ein traumhaftes Städtchen in der polnischen Tatra und voller Instagram-würdiger Holzvillen. Auch wir wohnten in einer solchen – mit angeblichem Bergblick. Den Bergblick haben wir nie gesehen. Ich kann euch die Spannung gleich nehmen: Die Berge haben wir während unseres gesamten Aufenthalts in Polen kein einziges Mal zu Gesicht bekommen. Trotzdem war es schön – wir genossen die Villa, die Cafés und den Schneesturm. Und am nächsten Morgen freuten wir uns auf die Weiterfahrt in die Slowakei.
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln von der polnischen Tatra in die Slowakei? Alles andere als einfach
Um nach Poprad in der Slowakei zu gelangen, mussten wir zunächst nach Bukowina Tatrzańska fahren – das war von Zakopane aus etwa 20 Minuten mit dem Bus. Wir hatten eine Stunde Puffer für den Umstieg eingeplant. Mehr wollten wir dem polnischen Winter lieber nicht zumuten. Doch das war ein Fehler: Der Bus brauchte statt 20 Minuten satte zwei Stunden, und wir standen im Dunkeln mitten in einem Skiort – ohne Unterkunft und ohne jede Aussicht, noch an diesem Tag in die Slowakei zu kommen.
Es scheint fast, als würden sich Polen und die Slowakei nicht besonders mögen. Von der polnischen Tatra aus gibt es nämlich täglich nur drei Verbindungen in die Slowakei – betrieben von einem tschechischen Anbieter. Dabei handelt es sich um Minibusse (eher große Vans) mit gerade mal sieben Sitzplätzen. Kein Wunder also, dass alles ausgebucht war.
Zu unserem Glück hatte das Hotel in Poprad, in dem wir eigentlich schlafen sollten, unsere Buchung nicht – obwohl sie auf Booking.com bestätigt war – und war außerdem ausgebucht. Das ersparte uns wenigstens die Stornierung. Dafür lag das einzige verfügbare Hotel in Bukowina mehr als einen Kilometer von der Bushaltestelle entfernt. Durch den Wald. Auf Glatteis. Wir rutschten ein Stück auf dem Hintern dorthin, schliefen und hofften auf einen besseren Tag.
Warten auf Godot
Der kam schließlich – aber erst mit einer Verbindung um halb zwei Uhr nachmittags. Das hieß: Wir würden zwar noch nach Bratislava kommen, aber unsere Tickets für die Seilbahn auf den Lomnitzer Spitze – auf die wir uns so gefreut hatten – wären verfallen. Die einzige Hürde zwischen uns und der Slowakei schienen noch fünf Kilometer zur Abfahrtshaltestelle des Minibusses zu sein. Nach einem zügigen Stundenfußmarsch kamen wir an und warteten.
Fünf Minuten. Zehn. Fünfzehn. Wir hatten uns schon mit dem Käseverkäufer angefreundet, Augen und Nasen liefen uns, aber vom Bus keine Spur. Nach vierzig Minuten versank ich in einem Schmerz vor Kälte, den ich sonst nur bei minus 30 Grad in Kanada kannte.
Wir riefen beim Busunternehmen an, ob der Bus schon weg sei. „Wahrscheinlich nicht“, lautete die Antwort. „Wir sehen das GPS nicht – bitte rufen Sie bei der polnischen Hotline an.“ Nach einer Stunde lud uns ein Minibus mit sieben Plätzen als zwei Eiszapfen ein.
Die Kälte hatten wir für das ganze Jahr aufgebraucht. Als sich in Poprad die slowakische Tatra vor uns auftat, hatten wir – trotz unserer Leidenschaft fürs Wandern in der Hohen Tatra – absolut kein Interesse mehr daran. Wir flüchteten ins nächste Café, probierten jeden Tee durch und warteten auf unseren Zug.
Bratislava – die kleine große Stadt der Palatschinken
Bratislava entschädigte uns für alles. Wir wohnten in einer wunderbaren Hipster-Wohnung direkt im Zentrum zu einem fairen Preis und frühstückten im charmanten Retro-Lokal Žufaňa Bistro. Bratislava gehört für mich zu den liebsten Kurztrip-Zielen überhaupt.
Im „Lacinka“, einem Lokal, das sich seit Jahrzehnten kein bisschen verändert hat, auf einen Stapel gefüllter Palatschinken zu gehen, in Buchhandlungs-Cafés zu sitzen, die schon Hipster waren, bevor Hipster in Wien oder Berlin angekommen waren – das gehört für mich einfach dazu, wenn ich diese slowakische „kleine Großstadt“ besuche.

Lust auf etwas Besonderes? Die Flat Gallery wartet auf euch
Als Abwechslung besuchten wir die Burg Bratislava und das Denkmal Slavín. Und noch ein letzter Tipp zum Abschluss: Im Stadtzentrum versteckt sich die Flat Gallery – Bratislavas erste Wohnungsgalerie.

Dieses Konzept kennt man vor allem aus Berlin: Eine Galerie in einer Privatwohnung, zu der man klingeln muss, um eingelassen zu werden. Der Kunsthistoriker Andrej Jaroš öffnet die Tür und führt euch durch die aktuelle Ausstellung. Was gerade gezeigt wird, erfahrt ihr auf ihrer Facebook-Seite.
Wollt ihr wissen, was uns diese Reise gekostet hat? Schreibt uns und wir bereiten einen Artikel dazu vor!
Gefallen euch unsere Fotos? Lest, wie wir sie bearbeiten >>>5 tipů na nejlepší presety pro Lightroom
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Wo wir uns versichern: SafetyWing (am besten für alle) und TrueTraveller (für extra lange Reisen).
Warum empfehlen wir keine deutsche Versicherung? Weil sie zu viele Einschränkungen haben. Sie setzen Limits für die Anzahl der Tage im Ausland, verlangen bei Kreditkarten-Reiseversicherungen oft, dass medizinische Kosten nur mit dieser Karte bezahlt werden, und begrenzen häufig die Anzahl der Rückreisen nach Deutschland.
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