Paris bei Nacht: Jazz, Speakeasy, Rooftop-Bars und Oper (kompletter Guide zum Nachtleben)

Das Paris Nachtleben ist schlichtweg magisch – vor allem, wenn über der Seine die Dämmerung hereinbricht und die gusseisernen Straßenlaternen erste goldene Reflexe auf das nasse Kopfsteinpflaster werfen. Die Stadt wechselt radikal ihr Tempo: Der hektische Touristen-Trubel des Tages weicht etwas deutlich Eleganterem. Kleine runde Tischchen vor den Cafés füllen sich mit Weingläsern, während aus den halbgeöffneten Türen alter Kellerbars ein gedämpfter Bass zu pulsieren beginnt – und Paris sich auf seine zweite, weitaus verführerischere Schicht vorbereitet.

Paris nach Einbruch der Dunkelheit bietet zudem im Jahr 2026 eine unglaubliche Dynamik. Während manche berühmte Institutionen ruhen, haben andere völlig neues Leben eingehaucht bekommen. Die Kathedrale Notre-Dame erstrahlt endlich wieder in nächtlichem Glanz, und im Sommer wird nach über hundert Jahren das abendliche Baden direkt in der Seine wieder möglich. Aus Sicht einer Vegetarierin ist es ein riesiges Fest, dass das legendäre Restaurant Arpège auf ein rein pflanzliches Menü umgestellt hat, was die gesamte lokale Fine-Dining-Szene verändert hat. Egal ob ihr stille Romantik oder eine wilde Swing-Party sucht – diese Stadt lässt euch nicht schlafen.

All das serviere ich euch schön der Reihe nach: von Jazz-Kellern über geheime Speakeasy-Bars mit Eingängen durch Waschmaschinen-Türen bis hin zu Rooftop-Bars, auf denen euch der Eiffelturm über die Schulter schaut.

Eiffelturm in Bernsteinlicht zur blauen Stunde vom Trocadéro aus
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Artikelinhalt

Zusammenfassung

  • Den besten Blick auf die nächtliche Stadt findet ihr nicht auf dem Eiffelturm. Geht auf das Dach des Wolkenkratzers Tour Montparnasse (geöffnet bis 23:30) oder in die Bar auf dem Dach der Galeries Lafayette – von dort liegt euch Paris zu Füßen.
  • Geheime Speakeasy-Bars sind ein riesiger Trend. Besucht das Little Red Door im Marais, den Lavomatic versteckt in einem Waschsalon oder die Candelaria, getarnt als gewöhnliche mexikanische Taqueria.
  • Das Jazz-Herz schlägt in der Rue des Lombards. Hier findet ihr die Clubs Le Duc des Lombards und Sunset/Sunside. Zum Tanzen und Swingen geht es in den mittelalterlichen Keller Caveau de la Huchette.
  • Kabaretts sind nicht nur das Moulin Rouge. Wer ein authentischeres und weniger massentouristisches Erlebnis in einem wunderschönen Gebäude von Gustave Eiffel sucht, sollte sich Tickets für das Paradis Latin reservieren.
  • Vorsicht vor beliebten Betrugsmaschen: Ignoriert nachts Leute, die euch einen „gefundenen“ Goldring anbieten, Armbandverkäufer unter Sacré-Cœur und falsche Taubstumme mit Petitionen.
  • Eltern mit Kindern, keine Sorge: Nutzt die Kultur des abendlichen Apéro (zwischen 17:00 und 20:00 Uhr), wenn man auf Terrassen bei Wein und Käse sitzt. Kinder stören hier niemanden.
  • Die Nachtverkehrslage ist speziell: Die Metro fährt am Wochenende bis 2:15 Uhr morgens. Danach müsst ihr auf die Nachtbusse Noctilien oder offizielle Taxi-Dienste (Uber, G7) zurückgreifen.
  • Meidet nächtliche Spaziergänge in der Umgebung der Bahnhöfe Gare du Nord und Gare de l’Est (10. Arrondissement) und in den abgelegeneren Teilen von Pigalle und Barbès. Das 6. und 3. Arrondissement hingegen sind sehr sicher.
Rote Neonschrift des Moulin Rouge am abendlichen Place Blanche

Paris Nachtleben nach Saisons: Wann losziehen und Kalender der Nacht-Events

Das abendliche Gesicht der Stadt verändert sich dramatisch, je nachdem in welchem Monat ihr ankommt. Mal könnt ihr bis Mitternacht im leichten Pullover am Fluss entlangschlendern, mal treibt euch ein nasskalter Wind schon um fünf Uhr nachmittags in die nächste geheizte Weinbar. Jede Jahreszeit hat aber ihren ganz eigenen Zauber – es kommt also darauf an, worauf ihr gerade Lust habt.

Sommerabende und Paris Plages

Vater hält seinen kleinen Sohn vor Notre-Dame mit der Seine

Juni und Juli sind für das Nachtleben die absolut besten Monate. Die Tage sind unglaublich lang, die Sonne geht erst gegen zehn Uhr abends unter und die Goldene Stunde scheint ewig zu dauern. Genau in dieser Zeit öffnen die berühmten Paris Plages, bei denen sich die Seine-Ufer in Sandstrände mit Liegestühlen und Bars verwandeln. Für 2026 gibt es zudem die große Neuigkeit, dass nach über hundert Jahren offiziell wieder das Baden direkt in der Seine an ausgewiesenen Stellen erlaubt ist – auch in den Abendstunden.

Rechnet aber damit, dass die Stadt im August die sogenannte fermeture annuelle erlebt. Die Einheimischen fahren massenweise in den Urlaub, viele unabhängige Bistros und kleinere Bars schließen für den ganzen Monat und in den Straßen bleiben überwiegend Touristen zurück.

💡 Insider-Tipp: Wenn ihr im Sommer die echte lokale Atmosphäre erleben wollt, geht am Canal Saint-Martin entlang spazieren. Die Einheimischen setzen sich direkt an die Ufer, öffnen Weinflaschen und bestellen sich Pizza aus den umliegenden Lokalen. Es ist günstig, ungezwungen und unglaublich entspannt.

Herbst- und Winterromantik

Lächelnder Junge steht auf dem Platz vor dem Palais Royal in Paris

Sobald der Oktober kommt, zieht sich das Abendleben von den Straßen unter die Dächer zurück. Das ist die perfekte Zeit, um dunkle Jazz-Keller und gemütliche Speakeasy-Bars zu entdecken. Die Pariser kehren aus dem Urlaub zurück (eine Phase, die man la rentrée nennt), und die Kulturszene läuft auf vollen Touren. Neue Theatersaisons starten und Operntickets sind im Handumdrehen ausverkauft.

Der Winter hat seinen eigenen gewaltigen Charme dank der Weihnachtsbeleuchtung, die traditionell ab Ende November erstrahlt. Rechnet allerdings damit, dass es nach den Feiertagen im Januar und Februar draußen wirklich ungemütlich kalt ist und manche Rooftop-Bars ihre Außenterrassen gar nicht öffnen.

💡 Insider-Tipp: In den Wintermonaten ist es absolut notwendig, in Restaurants einen Tisch im Voraus zu reservieren. Während sich die Leute im Sommer auf riesige Außenterrassen verteilen, quetschen sich im Winter alle in die kleinen Innenräume – und ohne Reservierung habt ihr keine Chance.

Kalender der Nacht-Events für 2026

Kleiner blonder Junge im weißen T-Shirt hält Käse auf einer Pariser Straße

Wenn ihr etwas absolut Außergewöhnliches erleben wollt, plant eure Reise auf bestimmte Termine. Ein ganz entscheidendes Ereignis ist die Nuit Blanche (Weiße Nacht), die dieses Jahr auf Samstag, den 6. Juni 2026 fällt. Die ganze Stadt bleibt wach, Museen sind kostenlos geöffnet und in den Straßen finden gigantische Kunstinstallationen statt.

Nur wenige Wochen später, am 21. Juni, findet die Fête de la Musique statt. An jeder Ecke, auf jedem Platz und vor jeder Bäckerei spielen Live-Bands. Es ist ohrenbetäubend, wild und ungemein fröhlich. Im Mai gibt es zudem die Europäische Nacht der Museen (Nuit des Musées), bei der ihr nach Einbruch der Dunkelheit in berühmte Galerien kommt, oft mit Begleitprogramm.

💡 Insider-Tipp: Während der Nuit Blanche fahren ausgewählte Metro-Linien die ganze Nacht komplett kostenlos. Nutzt das, denn Taxis sind an diesem Tag hoffnungslos ausgebucht. Details zum Programm findet ihr immer rechtzeitig auf der offiziellen Website paris.fr.

Notre-Dame in der abendlichen blauen Stunde nach der Renovierung

Übernachten in Paris: Sichere und strategische Viertel für den Abend

Die Wahl der Unterkunft ist entscheidend, besonders wenn ihr abendliche Streifzüge plant oder mit kleinen Kindern reist. Man will sich ja nicht um Mitternacht durch dubiose dunkle Gassen am Stadtrand zurückkämpfen. Wir – Lukáš und ich – haben die Erfahrung gemacht, dass es sich absolut lohnt, für ein Hotel in einem sicheren und zentralen Viertel etwas mehr zu bezahlen. Das zahlt sich doppelt aus: in Seelenruhe und gespartem Geld für Nacht-Taxis. Paris hat zwanzig Arrondissements und für das Nachtleben empfehle ich diejenigen, die lebendig sind und zugleich ein hohes Maß an Sicherheit bieten.

6. Arrondissement (Saint-Germain-des-Prés): Eleganz und absolute Sicherheit

Das ist unser absolutes Lieblingsviertel. Der goldene Gral des linken Seine-Ufers. Selbst um zwei Uhr nachts ist es hier völlig sicher, die Straßen sind wunderschön beleuchtet und voller eleganter Restaurants. Ihr findet hier berühmte literarische Cafés und zahlreiche ruhige Gassen. Mit Kinderwagen ist es die ideale Wahl, denn tagsüber habt ihr gleich um die Ecke den Jardin du Luxembourg und abends könnt ihr in aller Ruhe am Fluss entlangspazieren.

Für uns ist es immer so eine Art kleiner Hafen der Ruhe. Manchmal setzen wir uns abends einfach auf eine Bank mit einem frischen Crêpe in der Hand und genießen diese unvergleichliche Atmosphäre des alten Paris, die hier nahezu unberührt erhalten geblieben ist.

  • Hôtel Rive Gauche: Ein hübsches, kleineres Hotel mit sehr freundlichem Personal, das problemlos ein Kinderbett organisiert. Die Zimmer sind für Pariser Verhältnisse recht geräumig und es gibt einen funktionierenden Aufzug (was hier keine Selbstverständlichkeit ist). Der Preis liegt 2026 bei etwa 180 € pro Nacht für zwei Personen.
  • Hotel des Marronniers: Ein verstecktes Juwel in einem Innenhof, in den kein Straßenlärm dringt. Es gibt einen wunderschönen Innengarten, in dem ihr euch abends ein Glas Wein gönnen könnt, während das Kind mit dem Babyfon auf dem Zimmer schläft. Eine Nacht kostet rund 220 €.

3. Arrondissement (Nördliches Marais): Mittendrin im Geschehen

Wenn euer Hauptziel ist, geheime Speakeasy-Bars und hervorragende Restaurants zu entdecken, dann übernachtet im nördlichen Teil des Viertels Marais (Haut-Marais). Es ist hier deutlich ruhiger als im wilderen südlichen Teil und ihr seid nur wenige Schritte von einigen der besten Cocktail-Bars Europas entfernt.

Zudem mischen sich hier alte Steingassen mit modernsten Boutiquen und unabhängigen Cafés. Es ist genau das Viertel, in dem man sich ohne Karte verlaufen kann und trotzdem immer auf ein fantastisches kleines Lokal stößt, über das in normalen Reiseführern kein Wort steht.

  • Hôtel Les Tournelles: Modern, sehr sauber, mit ausgezeichnetem Frühstück und bequemen Betten. Barrierefreier Eingang, was mit Kinderwagen Gold wert ist. Ein Doppelzimmer gibt es ab 160 € pro Nacht.
  • Hôtel Emile: Ein Design-Schmuckstück mit toller Atmosphäre und sehr familienfreundlichem Service. Liegt nur einen Katzensprung von der Metrostation Saint-Paul entfernt. Preis pro Nacht ca. 190 €.

15. Arrondissement (Vaugirard): Ruhige Familienwahl

Wenn ihr einen Kompromiss zwischen Preis, Sicherheit und guter Anbindung sucht, ist das 15. Arrondissement eine hervorragende Wahl. Es ist ein Wohnviertel, sehr ruhig, wo überwiegend Pariser Familien leben. Abends findet ihr hier zwar keine wilden Clubs, aber jede Menge großartiger Bistros, und von vielen Stellen aus seid ihr zu Fuß am Eiffelturm.

Gleichzeitig ist es ein großer Vorteil, wenn ihr den schlimmsten Touristenmassen aus dem Weg gehen wollt. Die Cafés hier bedienen die Nachbarn aus der Umgebung, die Preise sind spürbar angenehmer und morgens weckt euch nur der Duft frischer Baguettes aus der Bäckerei nebenan.

  • Novotel Paris Centre Tour Eiffel: Eine riesige Sicherheit für Familien mit Kindern. Die Zimmer sind groß, das Hotel hat einen eigenen Pool und Flussblick. Kinder bis 16 Jahre übernachten häufig kostenlos im Zimmer der Eltern. Der Preis beginnt bei 150 € pro Nacht.
  • Hôtel Eiffel Blomet: Ein wunderschönes Art-Déco-Hotel mit Innenpool und sehr ruhiger Atmosphäre. Perfekt für alle, die tagsüber erkunden und abends entspannen wollen. Eine Nacht kostet rund 170 €.

Für Familien mit Kindern endet der Abend deutlich früher, weshalb wir die ruhige Umgebung in unserem Hotel sehr geschätzt haben. Rechnet allerdings damit, dass die Metro-Linie 10 gegen halb eins nachts den Betrieb einstellt, sodass ihr bei einer sehr späten Rückkehr aus dem Zentrum einen Uber rufen müsst. Zur Logistik schreibe ich ausführlich in einer separaten Rezension und die Unterkunft könnt ihr euch hier ansehen.

Beleuchtete Opéra Garnier mit goldenen Statuen in der blauen Stunde

Essen gehen: Abends in Paris – Bistros und Spitzenrestaurants

Abends in die Pariser Straßen zum Essen zu gehen ist ein Ritual, das ihr auf keinen Fall auslassen dürft. Die Franzosen essen recht spät zu Abend – die besten Restaurants füllen sich erst gegen acht oder neun Uhr abends. Es ist die Zeit, in der die Stadt etwas leiser wird, die Leute ihre Handys beiseitelegen und die Gesellschaft ihrer Liebsten bei einem Teller exzellenten Essens und einem Glas Wein genießen. Wir lieben das, auch wenn wir mit unserem Sohn Jonáš mittlerweile etwas kreativer sein müssen, um seinen Schlafrhythmus nicht durcheinanderzubringen.

Die Grundregel für Pariser Restaurants lautet ziemlich kompromisslos: Reserviert euren Tisch im Voraus. Besonders bei beliebten und bekannten Lokalen passiert es sonst schnell, dass ihr hungrig auf der Straße steht. Ich habe für euch ein paar Lokale zusammengestellt, in die wir mit Lukáš immer wieder zurückkehren – nicht aus Mangel an Fantasie, sondern weil sie einfach außergewöhnlich sind und euer Budget nicht sprengen.

Bouillon Julien (10. Arrondissement)

Ein absoluter Klassiker, wenn ihr traditionelle französische Küche zu sehr erschwinglichen Preisen und in atemberaubender Umgebung probieren wollt. Das Konzept der Bouillons besteht darin, schnelles, gutes und günstiges Arbeiteressen zu servieren – allerdings in großen Jugendstilsälen. Das Gebäude des Bouillon Julien von 1906 versetzt euch sofort in eine andere Zeit: überall Spiegel, bemaltes Glas und geschmiedete Details. Wir bringen oft Besuch hierher, weil der erste Eindruck einfach unbezahlbar ist.

Es gibt eine riesige Auswahl an Vorspeisen wie Schnecken oder hervorragende Lauchsuppe und Hauptgerichte wie Bœuf Bourguignon. Als Vegetarierin habe ich hier zwar manchmal eine etwas schwierigere Wahl, aber die Käse- und Gemüsevariationen sind ausgezeichnet. Hauptgerichte beginnen hier bei 10 €, was im Zentrum von Paris ein kleines Wunder ist. Erwartet allerdings etwas Lärm und eine sehr schnelle, manchmal etwas ruppige Bedienung, denn die Tische werden hier im Akkord besetzt.

Pink Mamma (9. Arrondissement)

Wenn ihr eher italienische Küche in einer unglaublich fotogenen Umgebung sucht, müsst ihr ins Viertel Pigalle. Das Restaurant Pink Mamma befindet sich in einem mehrstöckigen Eckhaus und der ganz obere Bereich mit Glasdach und einer wahren Pflanzenflut wirkt tatsächlich wie aus einem italienischen Traum. Das Essen ist authentisch, die Pasta wird direkt vor Ort gemacht und der Trüffelduft haut euch schon an der Tür um.

Die berühmten Trüffel-Pasta kosten rund 19 € und eine ehrliche neapolitanische Pizza gibt es für 15 €. Vergesst nicht, Platz für das Tiramisu zu lassen, das euch direkt am Tisch aus einer riesigen Schüssel serviert wird. Aber Achtung: Ohne Reservierung lohnt es sich wirklich nicht herzukommen. Das Buchungssystem öffnet normalerweise einige Wochen vorher und die besten Zeiten sind im Nu weg.

Le Train Bleu (12. Arrondissement)

Wenn ihr etwas wirklich Luxuriöses erleben wollt und gerade in festlicher Stimmung seid, ist dieses Lokal im Bahnhof Gare de Lyon ein wahres Juwel. Es wurde anlässlich der Weltausstellung eröffnet und sein Interieur schmücken riesige Kronleuchter und goldene Fresken. Le Train Bleu hat die Aura vergangener Zeiten – früher kamen berühmte Reisende hierher zum Essen, bevor sie den Zug an die Côte d’Azur bestiegen.

Die Preise sind hier verständlicherweise deutlich höher – für ein Hauptgericht zahlt ihr rund 45 €, aber einen großen Teil davon zahlt ihr für das märchenhafte Erlebnis. Ich liebe es, wenn wir hier auf einen Nachmittagskaffee oder ein abendliches Dessert einkehren können, auch wenn wir kein großes Abendessen planen. Die Kellner in langen Schürzen gleiten leise zwischen den Tischen hindurch und die ganze Stimmung finde ich einfach unglaublich fesselnd.

Pont Alexandre III mit beleuchteten Laternen in der blauen Stunde

Klassik und Drama: Oper, Ballett und Theater

Die Pariser Theater- und Opernszene ist eine Institution für sich. Man geht hier nicht nur wegen der Aufführung selbst, sondern wegen des Gesamterlebnisses in den Räumlichkeiten. Die Architektur der besten Säle spielt mindestens eine Nebenrolle direkt nach den Hauptsolisten, und allein das Betreten dieser Gebäude versetzt euch sofort in eine andere Epoche.

Zwei Gesichter der Oper: Palais Garnier vs. Opéra Bastille

Wenn ihr in Paris erklärt, dass ihr in die Oper geht, müsst ihr sofort dazusagen wohin. Die Stadt hat nämlich zwei Hauptbühnen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Sie werden zwar von einer Organisation – der Opéra national de Paris – geleitet, aber jede bietet eine völlig andere Welt.

Die Entscheidung zwischen beiden ist gewissermaßen eine Wahl zwischen klassischer Romantik und modernem Minimalismus. Während euch das eine Gebäude sofort ins neunzehnte Jahrhundert versetzt, bietet euch das andere das modernste akustische Erlebnis auf höchstem Niveau.

Palais Garnier (9. Arrondissement) Das ist die klassische Oper. Die Essenz des 19. Jahrhunderts: Marmor, Gold, schwerer roter Samt und ein gewaltiger Kristallleuchter. Genau hierhin verlegte Gaston Leroux die Handlung seines berühmten „Phantom der Oper“. Der Mythos vom unterirdischen See hat übrigens einen realen Hintergrund – ein gewaltiges Wasserreservoir, das hier bis heute der Feuerwehr dient. Wenn ihr euch im Zuschauerraum niederlasst und nach oben blickt, verschlägt euch die riesige Decke von Marc Chagall den Atem. Seine traumhaften, farbenprächtigen Bilder kontrastieren scharf mit der klassischen Architektur von Charles Garnier, aber zusammen funktioniert es absolut perfekt. Heute wird hier vor allem Ballett aufgeführt.

  • Tickets: Abendvorstellungen kosten von 25 € bis 200 €. Die 200 € für die besten Plätze haben wir mit Lukáš nicht getestet 😅, aber ein Ticket für 25 € in der letzten Reihe lohnt sich absolut. Falls ihr keine Vorstellung schafft: Eine Tagesbesichtigung des Gebäudes kostet 14 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 3, 7 und 8 (Station Opéra).
  • 💡 Insider-Tipp: Für Sparfüchse: Sucht nach Tickets der Kategorie 5. Sie sind am günstigsten und haben zwar oft eingeschränkte Sicht, aber die pompöse Atmosphäre saugt ihr zu hundert Prozent auf. Der Dresscode ist heute überraschend locker – elegantes Smart Casual reicht, aber Turnschuhe lasst besser im Hotel.

Opéra Bastille (12. Arrondissement) Sie wurde 1989 zum zweihundertsten Jahrestag der Französischen Revolution eröffnet. Ein verglaster, massiver, hypermoderner Koloss. Während Garnier Geschichte atmet, beherbergt die Bastille mit ihrer riesigen Kapazität von über 2.700 Plätzen und erstklassiger moderner Akustik die größten und anspruchsvollsten Opernproduktionen.

  • Tickets: Preise von 15 € bis 180 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 1, 5 und 8 (Station Bastille).
  • 💡 Insider-Tipp: Die Bastille bietet sogenannte „Last Minute“-Tickets (places de dernière minute) für Personen unter 28 Jahren und Senioren für nur 10 €. Sie werden an der Kasse etwa eine Stunde vor Beginn verkauft.

Schauspiel-Legenden und Klassik

Neben Oper und Ballett ist die Pariser Szene auch für ihr fantastisches Schauspielrepertoire berühmt. Auch wenn Französisch für manche eine Barriere darstellt – klassische Stücke in ihrer Heimat zu sehen ist ein Erlebnis für sich.

Comédie-Française (1. Arrondissement) Dieses Theater ist geradezu ein Synonym für Molière. Es wurde 1680 gegründet und ist als einziges staatliches Theater Frankreichs mit einem festen Ensemble ausgestattet. Es residiert im wunderschönen Salle Richelieu direkt am Palais-Royal. Wer Französisch beherrscht und hier ein klassisches Drama sieht, erlebt den absoluten kulturellen Höhepunkt seines Aufenthalts.

  • Tickets: Preise bewegen sich von 12 € bis 45 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 1 und 7 (Station Palais Royal – Musée du Louvre).
  • 💡 Insider-Tipp: Jeden Tag etwa eine Stunde vor Vorstellungsbeginn verkauft das Theater eine begrenzte Anzahl an Steh- oder Sichteingeschränkten-Plätzen für symbolische 5 €. Dafür müsst ihr allerdings Schlange stehen.
Pont de Bir-Hakeim mit Metro-Hochbahn in der blauen Stunde

Kabaretts: Federn, Pailletten und Cancan

Das Pariser Kabarett ist teuer, stellenweise kitschig und touristisch – das will ich nicht beschönigen. Aber es hat sein unbestreitbares historisches Gewicht und gehört zum Nachtleben in Paris einfach dazu.

Moulin Rouge und die anderen

Das richtige Kabarett auszuwählen kann für Uneingeweihte eine echte Herausforderung sein, denn jedes bietet eine etwas andere Art von Show. Während manche auf traditionellen Folklore und riesige Ausstattung setzen, versuchen andere, das Genre in modernere und künstlerischere Bahnen zu lenken.

Moulin Rouge (18. Arrondissement) Die rote Mühle am Fuß des Montmartre am Boulevard de Clichy kennt schlichtweg jeder. Es ist eine Legende, die von ihrem enormen Ruhm lebt. Es ist massentouristisch und die Preise sind astronomisch. Warum also überhaupt hingehen? Weil ihr nirgendwo sonst auf der Welt den originalen französischen Cancan mit solcher Präzision und in solchen Kostümen tanzen seht. Tickets sind Monate im Voraus ausverkauft, also müsst ihr weit vorausplanen.

  • Tickets: Die Show allein mit einem Glas Champagner kostet rund 135 €, die Variante mit Abendessen klettert auf 230 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 2 (Station Blanche).
  • 💡 Insider-Tipp: Kauft euch Tickets für die Spätvorstellung ab 23:00 Uhr. Sie sind etwas günstiger und im Saal herrscht eine lockerere Atmosphäre als bei der früheren Show mit Abendessen.

Paradis Latin (5. Arrondissement) Das ist das versteckte Juwel des Quartier Latin und meine persönliche Empfehlung für alle, die etwas Authentischeres suchen. Es ist das älteste Kabarett in Paris – seine Wurzeln reichen bis 1803 zurück (es ist also älter als das Moulin Rouge). Die heutige Gestalt des Saals entwarf Gustave Eiffel persönlich. Im Vergleich zur Roten Mühle herrscht hier eine deutlich intimere, wärmere und insgesamt „lokalere“ Atmosphäre. Die aktuelle Show wurde vom berühmten Kamel Ouali choreografiert und ist visuell atemberaubend.

  • Tickets: Show mit Champagner kostet ca. 85 €, mit Abendessen rund 160 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 7 und 10 (Station Jussieu).
  • 💡 Insider-Tipp: Paradis Latin ist eines der wenigen Kabaretts, in denen das Essen wirklich auf hohem Niveau ist. Wenn ihr Show mit Abendessen verbinden wollt, lohnt es sich hier, mehr als bei der Konkurrenz auszugeben.

Crazy Horse (8. Arrondissement) Das hier ist eine völlig andere Liga als der traditionelle Cancan. Erwartet keine riesigen Röcke und fliegende Federn. Das Crazy Horse befindet sich unweit der Champs-Élysées und konzentriert sich auf den weiblichen Körper, Licht-Schatten-Spiele und perfekte Synchronisation. Es ist hochstilisierte, visuell fesselnde erotische Kunst – sehr modern und schick.

  • Tickets: Ab 115 € für die Show mit Champagner.
  • Anfahrt: Metro Linie 9 (Station Alma-Marceau).
  • 💡 Insider-Tipp: Das Lokal ist sehr klein und intim. Es gibt keinen einzigen schlechten Platz, ihr müsst also nicht für VIP-Zonen nahe der Bühne aufzahlen.

(Anmerkung zu 2026: Wer das berühmte Lido auf den Champs-Élysées im Blick hatte, muss seine Pläne ändern. Das Haus durchläuft derzeit eine grundlegende Transformation und bietet die klassischen Abendshows mit Dinner in der ursprünglichen Form nicht mehr an.)

Weiße Kuppel von Sacré-Cœur in der blauen Stunde über Montmartre

Jazz in Paris: Keller, in denen Geschichte geschrieben wurde

Ich gebe zu, dass ich ursprünglich nicht wegen des Jazz nach Paris gefahren bin. Dann hat uns Lukáš in einen Keller in der Rue des Lombards geschleppt und alles war anders. Denn dieses Genre und diese Stadt führen seit dem Ersten Weltkrieg eine Liebesbeziehung, als afroamerikanische Soldaten den Rhythmus hierher brachten. Nach dem Zweiten Weltkrieg flohen amerikanische Jazzmusiker vor der Rassentrennung in ihrer Heimat hierher (wie etwa Sidney Bechet oder Miles Davis) und Paris empfing sie mit offenen Armen. Heute ist die Stadt eine der wichtigsten Jazz-Metropolen Europas und die hiesigen Clubs haben eine unverwechselbare Atmosphäre.

Das goldene Dreieck in der Rue des Lombards (1. Arrondissement)

Wenn ihr abends nicht lange auf der Karte herumsuchen wollt, geht auf Nummer sicher. Die unscheinbare Rue des Lombards, nur einen Katzensprung vom Verkehrsknoten Châtelet entfernt, ist das Epizentrum des zeitgenössischen Pariser Jazz. Hier findet ihr drei berühmte Clubs quasi Wand an Wand.

Le Duc des Lombards (42 Rue des Lombards) Hierher geht man, um seriösen Jazz zu hören. Es ist die absolute Spitze. Der Club wurde vor einigen Jahren komplett renoviert, das Interieur ist dunkel und elegant, mit einer runden Bühne in der Mitte und einer kleinen Empore. Die Akustik ist erstklassig, es gibt einen Yamaha-Konzertflügel und in den Sommermonaten die absolute Rettung in Form einer funktionierenden Klimaanlage. Jährlich werden hier rund 300 Konzerte gespielt, mit den größten Namen der Welt.

  • Tickets: Eintritt für Konzerte liegt üblicherweise zwischen 30 und 40 €. Drinks drinnen rund 12 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 1, 4, 7, 11, 14 (Station Châtelet).
  • 💡 Insider-Tipp: Freitag- und Samstagabend finden hier ab 23:30 Uhr sogenannte „Late Night Jams“ statt. Der Eintritt zu diesen Jam Sessions ist komplett kostenlos – ihr zahlt nur für eure Getränke. Eine fantastische Gelegenheit, großartige Musik zum kleinen Preis zu erleben.

Sunset / Sunside (60 Rue des Lombards) Das sind eigentlich zwei Clubs hinter einer einzigen Tür. Der Laden wurde 1983 gegründet. Das Sunside befindet sich im Erdgeschoss, hat warme Backsteinwände, eine intime Atmosphäre und ist ganz auf akustischen Jazz ausgerichtet. Ins Sunset dagegen steigt ihr die Treppe hinunter in den Keller. Mit seinen Kacheln erinnert es an eine Metrostation, und hier wird elektrischer Jazz, Fusion und Experimentelleres gespielt.

  • Tickets: Rund 25 bis 35 € je nach Interpret.
  • Anfahrt: Wie beim Duc: Station Châtelet.
  • 💡 Insider-Tipp: Wenn ihr euch nicht entscheiden könnt, empfehle ich den Keller-Club Sunset. Die Atmosphäre des unterirdischen Kachelsaals mit hervorragender Akustik ist für Paris deutlich typischer.

Le Baiser Salé (58 Rue des Lombards) Der Dritte im Bunde dieser Straße. Während der Duc für Klassik steht und der Sunset experimentiert, hat sich der „Salzige Kuss“ auf World Music, afro-kubanische Rhythmen und wilden Jazz-Fusion spezialisiert. Hier spielt Rhythmik die absolute Hauptrolle und die Atmosphäre ist von allen drei Clubs bei Weitem die lockerste.

  • Tickets: Häufig zwischen 20 und 28 €.
  • Anfahrt: Station Châtelet.
  • 💡 Insider-Tipp: Setzt euch direkt an die Bar im ersten Stock. Es gibt hier eine riesige Auswahl an Rums aus aller Welt, die zu den afro-kubanischen Rhythmen viel besser passen als klassischer Wein.
lukas a lucka
Lukáš und Lucie empfehlen
Wo man in Paris übernachten kann
6 Unterkünfte — Hotels und weitere Übernachtungsmöglichkeiten
⭐ TOP WAHL 🏨 Hotel
Hôtel Rive Gauche
Schönes kleineres Hotel im 6. Arrondissement (Saint-Germain-des-Prés) mit sehr freundlichem Personal, das problemlos ein Kinderbett bereitstellt. Die Zimmer sind für Pariser Verhältnisse recht geräumig und verfügen über einen funktionierenden Aufzug.
★★★★ ab 180 €/Nacht
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🏨 Hotel
Hotel des Marronniers
Verstecktes Juwel in einem Innenhof im 6. Arrondissement, wo kein Straßenlärm durchdringt. Es gibt einen wunderschönen Innengarten, wo Sie abends ein Glas Wein genießen können, während Ihr Kind im Zimmer mit dem Babysitter schläft.
★★★★ ab 220 €/Nacht
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🏨 Hotel
Hôtel Les Tournelles
Modernes, sehr sauberes Hotel im 3. Arrondissement (Nördliches Marais) mit ausgezeichnetem Frühstück und bequemen Betten. Es verfügt über einen barrierefreien Eingang, was Sie mit dem Kinderwagen zu schätzen wissen.
★★★★ ab 160 €/Nacht
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🏨 Hotel
Hôtel Emile
Designhotel im 3. Arrondissement mit fantastischer Atmosphäre und sehr familienfreundlichem Service. Es befindet sich nur wenige Schritte von der Metro-Station Saint-Paul entfernt.
★★★★ ab 190 €/Nacht
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🏨 Hotel
Novotel Paris Centre Tour Eiffel
Eine absolut sichere Wahl für Familien mit Kindern im 15. Arrondissement. Die Zimmer sind groß, das Hotel verfügt über einen eigenen Pool und Blick auf den Fluss. Kinder bis 16 Jahre übernachten oft kostenlos im Zimmer der Eltern.
★★★★ ab 150 €/Nacht
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🏨 Hotel
Hôtel Eiffel Blomet
Wunderschönes Hotel im Art-Déco-Stil mit Innenpool und sehr ruhiger Atmosphäre im 15. Arrondissement. Eine ausgezeichnete Wahl für alle, die tagsüber die Stadt erkunden und abends entspannen möchten.
★★★★ ab 170 €/Nacht
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Keller und Legenden außerhalb des Zentrums

Wenn ihr ein Stück weiter vom bekannten Jazz-Zentrum streift, stoßt ihr auf Lokale, die auf den ersten Blick vielleicht nicht so herausgeputzt sind, dafür aber eine umso spannendere Geschichte in sich bergen. Es sind Orte mit echter Seele.

Caveau de la Huchette (5. Arrondissement) Stellt euch einen echten mittelalterlichen Keller im Quartier Latin vor. Steingewölbe, gedämpftes Licht und allgegenwärtiger Schweiß. Seit den 1940er Jahren wird hier reiner Swing und Bebop gespielt. Dieser Ort hat einen ganz speziellen, etwas altmodischen Charme. Es spielen traditionelle Orchester und die Leute tanzen hier wirklich. Kein steifes Sitzen an Tischchen mit leisem Kopfwippen – hier schwitzt man auf dem Tanzparkett. Der Raum dürfte euch übrigens bekannt vorkommen: Hier wurden die Pariser Szenen für den Oscar-Film La La Land gedreht.

  • Tickets: Eintritt kostet volksnahe 15 €, für Studenten unter 25 Jahren nur 10 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 4 (Station Saint-Michel).
  • 💡 Insider-Tipp: Kommt nicht in Stöckelschuhen. Die Treppe in den Keller ist alt, steil und rutschig. Und wenn euch jemand zum Tanzen auffordert, lehnt nicht ab, auch wenn ihr die Schritte nicht kennt. Hier geht es vor allem um die Freude an der Bewegung.

New Morning (10. Arrondissement) Ein Club mit größerem Saal und enormer Geschichte. Erwartet keinen polierten Salon oder Samtsofas – es ist ein ziemlich roher Raum in einer ehemaligen Druckerei, wo allerdings Musikgeschichte geschrieben wurde. Hier spielte Miles Davis, Chet Baker oder Prince. Bis heute kommt Weltklasse hierher, nur das Programm ist heute breiter und umfasst auch Funk, Soul und Blues.

  • Tickets: Normalerweise 25 bis 40 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 4, 8, 9 (Station Strasbourg – Saint-Denis).
  • 💡 Insider-Tipp: Konzerte beginnen hier oft mit leichter Verspätung und der Saal ist bis zum Bersten voll. Kommt mindestens 45 Minuten vorher, um euch einen guten Stehplatz nahe der Bühne zu sichern.
Bateau Mouche auf der abendlichen Seine mit beleuchteten Palästen

Speakeasy und Spitzen-Mixologie: Geheime Türen und versteckte Bars

Ich muss zugeben, dass ich außergewöhnliche Bars im Speakeasy-Stil anfangs für einen etwas überbewerteten Trend hielt. Dann habe ich aber versehentlich zwei Stunden damit verbracht, die richtige Waschmaschinen-Tür im Lavomatic zu finden, und meine Meinung geändert. Paris hat dieses Konzept auf die Spitze getrieben. Hier geht es längst nicht mehr nur darum, versteckte Türen zu finden – es geht vor allem darum, was euch dahinter eingeschenkt wird. Die Pariser Mixologie bewegt sich heute auf absolutem Weltklasse-Niveau und die lokalen Barkeeper sind eher Alchemisten und Köche in einem.

Absolutes Muss: Little Red Door

Wenn ihr Zeit und Budget nur für einen einzigen Cocktail während eures Aufenthalts habt, geht hierhin. Dieses unscheinbare Lokal im Herzen des Viertels Marais hat sich seit 2012 unglaubliche neun Mal in der prestigeträchtigen Rangliste World’s 50 Best Bars platziert.

Ihre Karte ist nicht einfach eine Getränkeliste, sondern ein durchdachtes konzeptionelles Werk. Sie wird auf Basis von Kunstströmungen und Sozialwissenschaften erstellt, mit enormem Fokus auf Nachhaltigkeit und französische regionale Zutaten. Es ist die perfekte Mischung aus New-Yorker Vibe und Pariser Eleganz.

  • Preise: Cocktails kosten einheitlich rund 17 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 8 (Station Filles du Calvaire).
  • 💡 Insider-Tipp: Geöffnet täglich von 18:00 bis 02:00 Uhr, aber es werden keinerlei Reservierungen angenommen. Es gilt Walk-in only – kommt also pünktlich um sechs Uhr abends zur Öffnung, sonst steht ihr lange auf der Straße Schlange.

Geheime Eingänge und Illusionen

Manche Bars haben die Tarnung auf ein völlig neues Level gehoben und aus der Suche nach dem Eingang selbst ein unterhaltsames Spiel gemacht. Ob versteckt hinter einer Waschmaschine, in einer Pizzeria oder einem unscheinbaren Restaurant – der Moment der Überraschung beim Entdecken der geheimen Tür ist einfach unbezahlbar.

Lavomatic (10. Arrondissement) Eines der witzigsten und beliebtesten Konzepte der Stadt. Von der Straße aus seht ihr einen völlig normal aussehenden Waschsalon. Leute waschen hier tatsächlich ihre Wäsche. Ihr aber müsst die richtige Waschmaschinen-Tür finden, die euch zu einer geheimen Treppe aus alten Waschmaschinen führt. Oben erwartet euch eine pulsierende, bunte Bar mit hervorragenden Drinks und toller junger Atmosphäre.

  • Preise: Drinks bewegen sich um 12 bis 15 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 3, 5, 8, 9, 11 (Station République).
  • 💡 Insider-Tipp: Die Bar ist winzig und ein Hit in den sozialen Medien. An Wochenenden ist es oft schon ab acht Uhr abends brechend voll. Geht lieber Mittwoch oder Donnerstag hin.

Candelaria (3. Arrondissement) Von der Straße aus seht ihr nur eine kleine, ziemlich gewöhnliche und leicht schmuddelige Taqueria. Ihr geht am Tresen mit dem Essen vorbei, drückt gegen die unscheinbare weiße Hintertür und findet euch in einer dunklen, kerzenbeleuchteten Bar wieder, die wie eine Höhle wirkt. Spezialisiert auf Mezcal und Tequila, gilt die Candelaria als langjährige Größe der Pariser Barszene.

  • Preise: Cocktails für 14 bis 16 €, Tacos für 4 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 8 (Station Saint-Sébastien – Froissart).
  • 💡 Insider-Tipp: Kombiniert beides. Bestellt euch ausgezeichnete Tacos im vorderen Teil, macht euch die Finger ordentlich fettig und geht dann nach hinten für einen raffinierten Mezcal-Drink.

Moonshiner (11. Arrondissement) Ähnliches Prinzip wie die Candelaria, nur mit italienischem Twist. Ihr betretet die Pizzeria Da Vito, geht direkt durch das Fleisch-Kühlhaus und schon seid ihr in den Zwanzigerjahren des letzten Jahrhunderts. Grammophone, gedämpftes Licht und der Duft von Prohibitions-Drinks umgeben euch. Das Interieur ist schlichtweg umwerfend.

  • Preise: Cocktails ab 13 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 5 (Station Bréguet – Sabin).
  • 💡 Insider-Tipp: Bestellt ihre Variante des Old Fashioned. Die Barkeeper öffnen hier außerdem alte Tresore, in denen sie ihre besten Flaschen verstecken.
Modern eingerichtetes Restaurant mit grauen Stühlen und gedecktem Tisch

Hohes Spiel und Weltklasse

Für diejenigen, die den reinsten Luxus suchen und bereit sind, tiefer in die Tasche zu greifen, hat Paris Lokale von Weltformat parat. Hier geht es nicht mehr um Versteckspielen, sondern um erstklassiges Design und die anerkanntesten Barkeeper.

Danico (1. Arrondissement) Diese Bar verbirgt sich in der wunderschönen historischen Passage Galerie Vivienne, gleich hinter dem viralen italienischen Restaurant Daroco. Danico taucht regelmäßig in der Top 50 der besten Bars weltweit auf. Das Interieur mit gestreiften Tapeten und Samtsesseln haut euch um und die Drinks sind unglaublich kreativ.

  • Preise: Drinks rund 16 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 3 (Station Bourse).
  • 💡 Insider-Tipp: Ihr Signature Moscow Mule ist legendär, aber scheut euch nicht, dem Barkeeper zu sagen, welche Geschmacksrichtungen ihr bevorzugt, und euch etwas Maßgeschneidertes abseits der Karte mixen zu lassen.

Bar Hemingway (1. Arrondissement) Zu finden im ikonischen Hotel Ritz am Place Vendôme. Hier sucht ihr keine geheimen Türen – bereitet vielmehr euer Portemonnaie vor. Ernest Hemingway kam hier zum Trinken und soll die Bar persönlich am Ende des Zweiten Weltkriegs befreit haben. Es ist konservativ, sehr teuer, voller Leder und Holz, aber ein Stück reiner literarischer Geschichte.

  • Preise: Rechnet damit, dass Cocktails hier bei 35 € beginnen.
  • Anfahrt: Metro Linien 3, 7, 8 (Station Opéra).
  • 💡 Insider-Tipp: Ins Ritz kommt ihr in zerrissenen Jeans und Turnschuhen nicht rein. Hier ist formellere Kleidung Pflicht. Wenn ihr euch einen Luxus-Drink fürs Leben gönnen wollt, bestellt ihr berühmtes Martini.

Paris von oben: Rooftop-Bars und Terrassen

Warum auf dem Boden trinken, wenn ihr auf Augenhöhe mit Sacré-Cœur oder dem Eiffelturm sein könnt? Rooftop-Bars erleben in Paris seit fünf Jahren einen enormen Boom. Die goldene Regel ist einfach: Schaut im Handy nach, wann an diesem Tag die Sonne untergeht, und kommt mindestens anderthalb Stunden vorher. Die Goldene Stunde über den grauen Zinkdächern von Paris brennt sich euch tiefer ein als jeder Museumsbesuch.

Klassiker und beste Aussichten gratis

Für den perfektesten Blick auf das beleuchtete Paris müsst ihr eigentlich keinen einzigen Euro ausgeben – wenn ihr wisst, wohin. Meidet einfach die überteuerten touristischen Aussichtspunkte und geht dorthin, wo die Pariser selbst nach der Arbeit hingehen.

Créatures auf dem Dach der Galeries Lafayette (9. Arrondissement) Die Terrasse im 7. Stock des berühmten Kaufhauses Galeries Lafayette bietet volle 360 Grad Aussicht. Von hier habt ihr die prachtvolle Rückseite der Opéra Garnier wie auf dem Präsentierteller und in der Ferne ragt majestätisch der Eiffelturm empor. In den Sommermonaten gibt es hier eine Bar und das vegetarische Restaurant Créatures unter der Leitung des hervorragenden Kochs Julien Sebbag.

  • Preise: Der Zugang zur Terrasse ist tagsüber komplett kostenlos. Abends in der Bar zahlt ihr für einen Drink rund 15 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 7, 9 (Station Chaussée d’Antin – La Fayette).
  • 💡 Insider-Tipp: Das ist der absolut beste Ort für einen Sonnenuntergang mit Eiffelturm im Hintergrund, ohne teures Eintrittsgeld auf den Turm selbst bezahlen zu müssen. Kommt aber rechtzeitig – die Schlange an den Aufzügen kann lang sein.

Tour Montparnasse und Ciel de Paris (15. Arrondissement) Viele Reiseführer sagen euch, dass der schwarze Wolkenkratzer Tour Montparnasse das hässlichste Gebäude in Paris ist. Vielleicht stimmt das, aber er hat einen riesigen Vorteil: Wenn ihr oben steht, seht ihr ihn nicht. Dafür seht ihr ganz Paris inklusive der perfekten Silhouette des Eiffelturms. In 210 Metern Höhe gibt es die Bar und das Restaurant Ciel de Paris. Ich selbst habe mich anfangs nicht besonders darauf gefreut – der Wolkenkratzer ist wirklich kein architektonisches Schmuckstück und sticht von jedem zweiten Pariser Hügel ins Auge. Aber als uns der superschnelle Aufzug nach oben befördert hatte, musste ich zugeben: Es lohnt sich. Plötzlich breitet sich vor euch dieser überwältigende Raum aus, all die endlosen Boulevards glitzern in der Nacht und ihr habt alles wie auf dem Silbertablett.

  • Preise: Drinks in der Bar kosten rund 20 €. Der Aufstieg auf die eigentliche Aussichtsterrasse des Turms kostet 20 €.
  • Anfahrt: Metro Linien 4, 6, 12, 13 (Station Montparnasse – Bienvenüe).
  • 💡 Insider-Tipp: Den Aufstieg auf den Eiffelturm könnt ihr getrost auslassen. Von dort aus seht ihr nämlich das schönste Element des Pariser Panoramas nicht – den Eiffelturm selbst. Die Tour Montparnasse ist bis 23:30 Uhr geöffnet und damit der ideale Ort für den nächtlichen Ausblick.

Atmosphäre und Design

Wenn sich zum großartigen Ausblick auch noch ein durchdachtes Interieur und tolle Atmosphäre gesellen, ist der perfekte Abend garantiert. Diese Rooftops legen Wert darauf, euch neben dem Blick auf die Stadt auch stylisches Ambiente und fantastische Drinks zu bieten.

Die Le-Perchoir-Familie Das Wort perchoir bedeutet auf Französisch Sitzstange, und die Betreiber dieser Kette wissen genau, wie man die besten Plätze auswählt. Le Perchoir Ménilmontant (11. Arrondissement) ist der ursprüngliche Rooftop, der den ganzen Trend gestartet hat, und bietet eine sehr entspannte, bohemische Atmosphäre voller Kissen und Lichterketten. Der zweite Ableger, Le Perchoir Marais (4. Arrondissement), befindet sich direkt auf dem Dach des Kaufhauses BHV Marais und bietet einen absolut atemberaubenden Blick auf das beleuchtete Rathaus Hôtel de Ville, die Seine und die Türme von Notre-Dame.

  • Preise: Drinks bewegen sich um 14 €.
  • Anfahrt: Für Marais: Metro Linien 1, 11 (Station Hôtel de Ville).
  • 💡 Insider-Tipp: Den Eingang zum Le Perchoir Marais findet ihr erst nach Ladenschluss des Kaufhauses hinten in der Rue de la Verrerie. Haltet Ausschau nach einer unscheinbaren Tür mit Türsteher.

Terrass“ Hotel (18. Arrondissement) Versteckt am Fuße des Montmartre. Es bietet eine deutlich ruhigere, romantischere Atmosphäre als die quirligen Bars im Stadtzentrum. Der Blick erstreckt sich von hier über die ganze Stadt tief hinunter zur Seine und zum Friedhof Montmartre. Es gibt bequeme Sessel, viel Grün und im Winter sogar beheizte Decken für die Gäste.

  • Preise: Cocktails für 16 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 2 (Station Blanche).
  • 💡 Insider-Tipp: Es ist einer der wenigen Orte, die wirklich großartige alkoholfreie Mocktails anbieten – keine übersüßten Fruchtsäfte, sondern vollwertige Geschmackserlebnisse.

Hôtel Raphaël (16. Arrondissement) Das ist ein Stück exklusives französisches Terrain, das die meisten gewöhnlichen Reiseführer links liegen lassen. Dieses Luxushotel unweit des Arc de Triomphe hat einen wunderschönen Dachgarten mit Aussicht. Normalerweise ist er nur für Hotelgäste und die gehobene Gesellschaft zugänglich.

  • Preise: Drinks beginnen hier bei 25 €.
  • Anfahrt: Metro Linie 6 (Station Kléber).
  • 💡 Insider-Tipp: Der Trick der Einheimischen: Wenn ihr vorab online einen Tisch für einen Drink reserviert, kommt ihr kostenlos nach oben und könnt diesen Fünf-Sterne-Luxus zum Preis eines einzigen Cocktails genießen.

Alternative Abende: Nachtfahrten, Spaziergänge und historische Spuren

Wenn euch laute Musik und überfüllte Bars nicht reizen, bietet Paris jede Menge ruhigere Möglichkeiten, den Abend zu genießen. Die Stadt ist nach Einbruch der Dunkelheit wunderschön beleuchtet und ein bloßer Spaziergang am Fluss entlang ist ein vollwertiges Kulturerlebnis.

Magie auf der Seine

Die klassischste und zugleich immer noch funktionierende Abendaktivität ist eine Fahrt auf der Seine. Die Boote (Bateaux Mouches oder Bateaux Parisiens) legen meist in der Nähe des Eiffelturms oder der Pont Neuf ab und die Fahrt dauert rund eine Stunde. Abends, wenn alle Sehenswürdigkeiten entlang des Flusses angestrahlt sind und sich das Licht auf der Wasseroberfläche spiegelt, ist es unglaublich romantisch.

Wir – Lukáš und ich – bevorzugen die kleineren Boote, wo nicht Kopf an Kopf gedrängt wird und man sich in Ruhe unterhalten kann. Manchmal spielt sogar Live-Musik, was der abendlichen Romantik nochmals eine ganz andere Dimension verleiht. Wenn ihr auch mit Kindern unterwegs seid, nehmt auf jeden Fall einen wärmeren Pullover mit, denn auf dem offenen Fluss kann es ziemlich frisch werden – aber vor dem Anblick des erleuchteten Paris werden ihnen die Augen übergehen. 😉

Persönlich empfehle ich, die Fahrt genau auf den Sonnenuntergang zu legen oder kurz danach. In dem Moment erwacht nämlich auch der berühmte Eiffelturm zum Leben, der in den Abendstunden zu jeder vollen Stunde fünf Minuten lang wunderschön funkelt.

  • Preise: Eine einfache Abendfahrt kostet rund 16 €, eine Fahrt mit Luxus-Dinner an Bord ab 90 €.
  • 💡 Insider-Tipp: Zieht euch wärmer an, als ihr denkt. Auf dem oberen offenen Deck weht vom Fluss immer ein recht kräftiger Wind, selbst in den Sommermonaten.

Historische Spuren in Paris

Paris war historisch ein Zufluchtsort für zahlreiche Künstler aus ganz Europa, und ein abendlicher Spaziergang auf ihren Spuren hat einen ganz besonderen Zauber. Ihr könnt ins 6. Arrondissement gehen und an der Rue de Cherche-Midi entlangschlendern, unweit der Stelle, wo der Schriftsteller Milan Kundera lange Jahre lebte. Oder ihr spaziert am Jardin du Luxembourg vorbei und erinnert euch ein Stück weiter in der Rue du Val-de-Grâce an den Ort, wo Alfons Mucha wirkte, bevor er zum Star des Jugendstils wurde. Auch für Liebhaber der Klassik ist Paris ein Sehnsuchtsort – Richard Wagner, Heinrich Heine und viele weitere deutschsprachige Größen lebten und arbeiteten hier.

Mich persönlich fasziniert immer wieder, wie viele dieser Orte noch dieselbe Stimmung ausstrahlen wie in der Zeit, als diese großen Persönlichkeiten dort wirkten. Es ist ein wunderbares Gefühl, vor einem alten Haus zu stehen und sich vorzustellen, wie hier die Pariser Bohème mit Künstlern aus aller Welt zusammentraf.

  • 💡 Insider-Tipp: Im Viertel Puteaux am Stadtrand (erreichbar mit Metro Linie 1) findet ihr die berühmten Ateliers des Malers František Kupka. Ein abendlicher Spaziergang durch diesen ruhigeren Stadtteil ist eine tolle Flucht aus dem Zentrum.

Pont de Bir-Hakeim

Diese doppelstöckige Stahlbrücke verbindet das 15. und 16. Arrondissement und ist bekannt aus dem Film Inception. Während sie tagsüber voller Touristen und Hochzeitsfotografen ist, verwandelt sie sich abends in den perfekten Ort für stille Stadtbetrachtung. Oben fährt die Metro-Linie 6, unten laufen die Fußgänger.

Wir gehen hier gerne nach dem Abendessen zu Fuß hin. Die massive industrielle Konstruktion, golden angestrahlt, wirkt wie aus einer anderen Welt, und wenn über euch die Metro vorbeidonnert, fühlt es sich an wie mitten in einer Filmszene. Manchmal trifft man hier Straßenmusiker mit Akkordeon, was für mich die allerschönste Pariser Kulisse überhaupt ist.

Wenn ihr euch an das kühle Geländer lehnt und über den Fluss blickt, merkt ihr, dass dieses Stückchen Stadt eigentlich herrlich ruhig ist. Und weil ihr ein Stück weiter von den hektischsten Touristenzentren entfernt seid, drängelt ihr euch an der Aussicht nicht mit tausend anderen Leuten.

  • 💡 Insider-Tipp: Das ist objektiv der beste Ort für ein Foto des beleuchteten Eiffelturms in ganz Paris. Ihr seid weit genug entfernt, um ihn komplett im Bild zu haben, die Brücke bildet einen wunderschönen architektonischen Rahmen und ihr umgeht die irren Menschenmassen am Trocadéro.

Praktische Infos: Nahverkehr und Sicherheit nach Einbruch der Dunkelheit

Paris funktioniert nachts etwas anders als tagsüber. Es ist wichtig, die Spielregeln zu kennen, um unnötigen Stress oder sogar unangenehme Situationen zu vermeiden. Die Stadt ist generell sehr sicher, hat aber wie jede Metropole ihre Besonderheiten.

Nachtverkehr und Noctilien

Die Pariser Metro fährt nicht rund um die Uhr: Von Sonntag bis Donnerstag endet der Betrieb gegen 1:15 Uhr nachts, am Wochenende verlängert sich das bis 2:15 Uhr. Bleibt ihr länger, müsst ihr auf die Nachtbusse namens Noctilien ausweichen. Die durchqueren die Stadt die ganze Nacht und treffen sich an großen Knotenpunkten wie Châtelet oder den Bahnhöfen.

Ich gebe zu, dass die Orientierung im Nachtnetz manchmal eine echte Geduldsprobe ist, besonders wenn man schon Dutzende Kilometer in den Beinen hat. Daher empfehle ich, immer die App des Pariser Verkehrsverbunds heruntergeladen zu haben, die euch genau zeigt, von wo und wann es weitergeht.

  • 💡 Insider-Tipp: Die Nachtbusse gelten für die gleichen Tickets wie der reguläre Nahverkehr, sind aber am Wochenende voller angetrunkener Leute und die Fahrt dauert lang. Wenn ihr müde seid, ruft lieber einen Uber oder den offiziellen Taxi-Dienst G7 (die haben eine ausgezeichnete App auch auf Deutsch/Englisch). Steigt niemals in ein Taxi ohne offizielle Kennzeichnung und Taxameter ein!

Sicherheit und welche Viertel ihr meiden solltet

Die meisten zentralen Arrondissements (1. bis 8.) sind nachts absolut sicher, voller Menschen und gut beleuchtet. Trotzdem gibt es Orte, denen ihr nach 22 Uhr aus dem Weg gehen solltet, besonders wenn ihr allein oder mit Kindern unterwegs seid.

Im Grunde funktioniert es ähnlich wie in jeder größeren europäischen Stadt – hört einfach auf euer Bauchgefühl. Wenn eine Straße plötzlich verdächtig ruhig wird, die Straßenlaternen weniger werden und ihr euch dort einfach nicht wohlfühlt, dreht am besten um und geht zurück zum nächsten belebteren Boulevard.

  • Bahnhofsumgebung: Meidet den nördlichen Teil des 10. Arrondissements, konkret die unmittelbare Umgebung der Bahnhöfe Gare du Nord und Gare de l’Est. Nachts sammeln sich hier dubiose Gestalten und Taschendiebe.
  • Pigalle und Barbès: Während der Boulevard de Clichy mit dem Moulin Rouge voller Touristen ist, können die abgelegeneren Gassen Richtung Barbès-Rochechouart (18. Arrondissement) nachts ziemlich unwirtlich und unsicher wirken.
  • 💡 Insider-Tipp: Wenn ihr euch nachts auf der Straße unwohl fühlt, geht einfach in irgendein geöffnetes Bistro oder eine Hotelrezeption und bittet darum, ein Taxi zu rufen. Die Pariser helfen euch in dieser Hinsicht immer gern.

Betrugsmaschen und Abzocke im nächtlichen Paris

Touristenfallen schlafen auch nachts nicht. Im Gegenteil: Betrüger setzen oft darauf, dass man nach ein paar Gläsern Wein weniger aufmerksam ist.

Ich selbst wollte es lange nicht glauben, aber ein Moment der Unachtsamkeit reicht, und das Handy oder die Geldbörse sind weg. Es lohnt sich, die häufigsten Tricks vorher zu kennen, um sie rechtzeitig zu durchschauen.

  • Der goldene Ring: Der Ring ist natürlich aus wertlosem Messing. Wir haben diese Szene mit Lukáš mit eigenen Augen in der Nähe des Louvre erlebt: Ein Kerl bückte sich plötzlich, hob einen massiven Ring auf und fing an, ihn einer ahnungslosen britischen Touristin aufzudrängen, während er erklärte, er habe kein Geld für Essen und bräuchte ein paar Münzen. Sie war völlig überrumpelt, also haben wir lieber eingegriffen und den Mann verscheucht. Daher: immer die Augen offenhalten.
  • Falsche Petitionen: Besonders am abendlich beleuchteten Eiffelturm oder Louvre kommen (oft junge Mädchen) auf euch zu, die sich als taubstumm ausgeben, mit Klemmbrettern und der Bitte, eine Petition für wohltätige Zwecke zu unterschreiben. Es geht nur darum, eure Aufmerksamkeit abzulenken, während ein Komplize euch ausraubt. Das ist vermutlich der allerhäufigste Trick. Die Mädchen tragen meist feste Klemmbretter, die sie euch vors Gesicht halten und gestikulieren, dass sie nichts hören. Das Brett dient als Sichtschutz, unter dem sie blitzschnell eure Taschen durchsuchen, und ehe ihr merkt was passiert, ist das Handy weg. Denkt daran: Echte Hilfsorganisationen sammeln niemals so aggressiv Unterschriften auf der Straße.
  • Freundschaftsarmbänder: Auf den Treppen unter Sacré-Cœur operieren Gruppen von Männern, die versuchen, euch gewaltsam ein geflochtenes Armband ums Handgelenk zu binden und dann Geld dafür zu verlangen. Hände in die Taschen und zügig mit einem klaren französischen „non“ vorbeigehen. Diese Gruppen stehen fast das ganze Jahr über auf den Treppen zur Basilika. Sie sind ziemlich hartnäckig, und sobald der Faden ums Handgelenk gewickelt ist, fordern sie recht dreiste Summen. Am sichersten ist es, sich gar nicht auf ein Gespräch einzulassen, keinen Blickkontakt herzustellen und zügig weiterzugehen. Vor körperlicher Gewalt müsst ihr keine Angst haben – wenn ihr entschlossen genug auftretet, lassen sie sofort von euch ab.
  • 💡 Insider-Tipp: Die wichtigste Regel in allen Restaurants und Bars: Lasst niemals euer Handy auf dem Tisch liegen, besonders wenn ihr auf einer Außenterrasse sitzt. Diebe kommen oft vorbei, legen eine Karte oder Zeitung auf den Tisch, fragen nach dem Weg und greifen unter der Karte blitzschnell euer Telefon.

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