Fundy National Park, New Brunswick: 12 Tipps – Was man sehen und unternehmen kann

Ich erinnere mich noch genau daran, wie wir zum ersten Mal im Fundy National Park in Kanada ankamen und auf dem freigelegten Meeresboden standen. Unsere Füße versanken im feuchten, roten Schlamm, und wir starrten einfach nur ungläubig in die Ferne. Dort, wo noch vor wenigen Stunden Fischerboote auf der Wasseroberfläche schaukelten, erstreckte sich jetzt eine endlose Ebene voller Muscheln, Algen und bizarrer Felsformationen. In diesem Moment wird einem schlagartig bewusst, welche unglaubliche Kraft die Natur besitzt – denn das Wasser kehrt bald zurück und steigt um unfassbare sechzehn Meter an.

Wenn ihr eine Reise an die Ostküste Kanadas plant, sage ich euch gleich vorweg: Diesen Nationalpark in der Provinz New Brunswick dürft ihr auf keinen Fall auslassen. Es ist ein Ort, an dem sich magische Nebelwälder mit dem höchsten Gezeitenhub der Welt treffen – und ich verspreche euch, diese wilde atlantische Schönheit wird euch vollkommen in ihren Bann ziehen.

Hier habe ich alles für euch zusammengeschrieben: einen Reiseführer Schritt für Schritt, zwölf Tipps, was man sehen sollte, wo man essen kann und was alles kostet. Damit ihr von Anfang an Bescheid wisst.

Zusammenfassung

  • Bestes Erlebnis: Ein Spaziergang auf dem Meeresboden bei Ebbe am Strand des Fischerdorfs Alma und dann beobachten, wie sich die Bucht wieder mit Wasser füllt.
  • Schönste Wasserfälle: Definitiv die Dickson Falls für ihre magische grüne Atmosphäre und die Third Vault Falls, wenn ihr vor einer etwas längeren Wanderung nicht zurückschreckt.
  • Beste Reisezeit: Ideal ist der Sommer (Juli bis August) für angenehme Temperaturen oder der September, wenn sich die Wälder in Herbstfarben verwandeln und die Touristenmassen sowie die Mücken verschwinden.
  • Wo essen: Das Dörfchen Alma direkt am Parkeingang steckt voller großartiger Bistros mit frischen Meeresfrüchten – und ihr findet hier sogar eine fantastische Mikrobrauerei in einer ehemaligen Kirche.
  • Anreise: Am besten mietet ihr euch ein Auto in Halifax oder Moncton, denn der Park ist riesig und ohne eigenen Wagen kommt ihr hier praktisch nicht weiter.

Beste Reisezeit für New Brunswick und Anreise

Bevor ihr mit der Reiseplanung loslegt, muss ich ehrlich sagen: Das Wetter an der Atlantikküste Kanadas kann extrem launisch sein. Egal wann ihr herkommt, ihr müsst damit rechnen, dass sich an einem einzigen Tag Sonnenschein und dichter Nebel, den man fast schneiden kann, abwechseln. Genau dieser Nebel verleiht dem ganzen Ort aber eine unglaublich mystische Atmosphäre – also habt keine Angst davor.

Persönlich würde ich empfehlen, in den Sommermonaten von Ende Juni bis Anfang September zu reisen, wenn alle Wanderwege gut begehbar sind und die Temperaturen bei angenehmen zwanzig Grad liegen. Der Herbst hat wiederum den riesigen Vorteil des wunderschön gefärbten Laubs, wegen dem Fotografen aus aller Welt hierher kommen – und außerdem nerven euch dann keine allgegenwärtigen Mücken mehr 😅.

Was die Anreise betrifft: Wir sind aus Europa geflogen, und günstige Flüge findet ihr auf Kiwi – das ist unser liebstes Portal für Preisvergleiche. Von Deutschland aus fliegt ihr am besten nach Halifax in der benachbarten Provinz Nova Scotia oder direkt ins nahegelegene Moncton. Condor, Lufthansa oder auch Air Canada bieten Verbindungen ab Frankfurt oder München an – oft mit einem Umstieg in Toronto oder Montreal. Vom Flughafen braucht ihr dann unbedingt ein Auto. Lukáš und ich haben seit Jahren gute Erfahrungen mit RentalCars, das wir überall auf der Welt nutzen und wo wir meistens die besten SUVs finden, die sich perfekt für die kanadischen Straßen eignen. Die Fahrt von Moncton zum Park dauert nur etwa eine Stunde, also keine endlos langen Transfers.

Bay of Fundy in Kanada – Panoramablick auf die Küste

Unterkunft in der Nähe des Parks und Kosten

Kanada ist nicht gerade ein günstiges Reiseziel, und die Ostküste bildet da keine Ausnahme – auch wenn sie etwas erschwinglicher ist als die berühmten Nationalparks im Westen in Alberta. Wer sparen möchte und dem Schlafen unter freiem Himmel nicht abgeneigt ist, dem empfehle ich die offiziellen Campingplätze direkt im Nationalpark. Die sind hervorragend ausgestattet und kosten etwa 20 bis 26 € pro Nacht. Wir haben auch die sogenannten oTENTik-Zelte ausprobiert – ein toller Kompromiss zwischen Camping und Hütte, mit fertigen Betten und Heizung.

Wer aber lieber ein festes Dach über dem Kopf und eine warme Dusche direkt neben dem Schlafzimmer hat, sollte sich strategisch eine Unterkunft suchen. Die ideale Basis ist das hübsche Fischerdorf Alma direkt an der Parkgrenze. Von dort könnt ihr morgens zum Erkunden aufbrechen und abends gemütlich zum Essen zurückkehren, ohne eine Stunde durch den dunklen Wald fahren zu müssen – wo euch jederzeit ein Elch vor die Motorhaube laufen kann.

Die Preise für ein nettes Motel oder eine Pension in Alma liegen in der Sommersaison bei etwa 100 bis 145 € pro Nacht für zwei Personen. Ich empfehle unbedingt, die Unterkunft weit im Voraus zu buchen, denn die Kapazität des Dörfchens ist klein und im Juli oft hoffnungslos ausgebucht. Sehr gefallen würde euch zum Beispiel das Parkland Village Inn mit wunderschönem Blick direkt auf die Bucht, oder das etwas ruhigere Fundy Highlands Motel mitten in der Natur gleich hinter dem Dorf.

Der Eintritt in den Nationalpark ist gebührenpflichtig, wie in Kanada üblich. Das Tagesticket kostet etwa 6 € pro Erwachsenen, aber wenn ihr in Kanada mehrere Parks besuchen wollt, lohnt sich auf jeden Fall der jährliche Discovery Pass für ungefähr 50 €, der euch den Eintritt in alle Nationalparks des Landes abdeckt.

Fundy National Park: 12 Orte zum Besuchen und Erleben

Der Park birgt weit mehr, als man erwarten würde. Die meisten kommen nur wegen der Gezeiten hierher, aber ich verrate euch jetzt, was ihr sonst noch auf keinen Fall verpassen solltet. Ihr werdet schnell merken, dass der Park auch atemberaubende türkisfarbene Felsbecken, tiefe Wälder und Wasserfälle versteckt, an denen ihr stundenlang verweilen wollt.

Plant eure Erkundungen am besten nach den Gezeitentabellen, die ihr in jedem Besucherzentrum bekommt, damit ihr den magischen Moment auf dem Meeresboden nicht verpasst. Ihr werdet sehen, dass euch dieses Stück Natur sofort in seinen Bann zieht ☺️.

1. Spaziergang auf dem Meeresboden (Tidal Flats)

Freigelegter Meeresboden bei Ebbe in der Bay of Fundy
Foto: Dconno02 / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Das ist ein absolutes Muss und der Hauptgrund, warum man überhaupt in den Bay of Fundy National Park fährt. Bei Ebbe zieht sich der Ozean hunderte Meter zurück und legt dramatische Klippen sowie den roten, schlammigen Meeresboden frei, der von winzigen Meeresbewohnern übersät ist. Am besten lässt sich dieses Phänomen direkt am Strand von Alma oder an der nahegelegenen Herring Cove beobachten.

Zieht euch dafür Schuhe an, bei denen es euch nichts ausmacht, sie komplett mit Schlamm zu beschmieren – denn dem entkommt ihr einfach nicht. Wir haben bestimmt zwei Stunden damit verbracht, interessante Muscheln zu suchen und die Boote zu fotografieren, die plötzlich komisch auf der Seite im Matsch lagen und darauf warteten, dass die Abendflut sie wieder auf die Wasseroberfläche hebt.

Schaut aber unbedingt vor eurem Strandspaziergang in die Gezeitentabelle oder fragt die Ranger auf den offiziellen Seiten von Parks Canada, damit ihr wisst, wann das Wasser zurückkommt. Der Wasserspiegel steigt enorm schnell an, und ihr wollt definitiv nicht irgendwo bei den Klippen mit der Kamera in der Hand feststecken, während der Atlantik auf euch zurollt.

2. Zauberhafte Dickson Falls

Aussichtspunkt am Wasserfall Dickson Falls im Fundy National Park
Foto: James Mann from Moncton, New Brunswick, Canada / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Wenn ihr im Park nur Zeit für eine einzige Wanderung hättet, dann müssen es definitiv die Dickson Falls sein. Es handelt sich um einen gemütlichen, etwa einen Kilometer langen Spaziergang über Holzstege, den auch kleine Kinder oder Menschen schaffen, die nicht an anspruchsvolles Bergwandern gewöhnt sind.

Der Weg führt euch durch ein Tal voller Farne und Moos, das aussieht, als wäre es direkt einem Jurassic-Park-Film entsprungen. Überall tropft Wasser, die Luft ist herrlich feucht und frisch, und am Ende erwartet euch ein kaskadenartiger Wasserfall, der sich durch grüne Felsen seinen Weg bahnt. Ich empfehle, gleich früh morgens herzukommen, wenn sich zarter Nebel durch den Wald wälzt – die Fotos von hier sind dann einfach unglaublich.

Achtet nur darauf, dass die Holzstege nach dem Morgennebel oder nach Regen tückisch rutschig sein können.

3. Ikonische überdachte Brücke Point Wolfe

Überdachte Brücke Point Wolfe im Fundy National Park
Foto: James Mann from Moncton, New Brunswick, Canada / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Überdachte Holzbrücken – sogenannte Covered Bridges – sind typisch für die Provinz New Brunswick, und die bei Point Wolfe gehört zu den meistfotografierten in ganz Kanada. Ursprünglich stand hier eine große Holzfällersiedlung und die Brücke diente dem Transport des gefällten Holzes. Heute findet man hier zum Glück nur noch tiefe Ruhe und wunderschöne Ausblicke in die Schlucht unter einem.

Mit dem Auto könnt ihr ganz normal hindurchfahren, aber parkt unbedingt auf dem kleinen Parkplatz in der Nähe und steigt den Pfad hinunter zum Fluss. Von dort bekommt ihr den besten Blickwinkel zum Fotografieren, und mit etwas Glück habt ihr keine anderen Touristen im Bild, die sich meistens nur oben an der Straße fotografieren.

Wenn ihr dann die Infotafeln über die raue Geschichte der Holzfäller aus dem neunzehnten Jahrhundert lest, weht euch die raue Atmosphäre des alten Kanada förmlich entgegen. Heute hat sich die Natur alles zurückgeholt, und es ist einer der romantischsten Orte für einen Morgenkaffee aus der Thermoskanne.

4. Herausforderung für Wanderer: Third Vault Falls

Tiefer Wald im Fundy Nationalpark auf dem Weg zu den Third Vault Falls
Foto: Abolishedtemple / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Für diejenigen unter euch, die ein etwas größeres Abenteuer suchen und sich vor einer längeren Wanderung nicht scheuen, gibt es den Weg zu den Third Vault Falls. Es handelt sich um den höchsten Wasserfall im gesamten Nationalpark – das Wasser stürzt hier aus beeindruckenden sechzehn Metern Höhe über steile Granitwände.

Der Weg ist etwa sieben Kilometer lang (hin und zurück) und zum Ende hin ziemlich steil und rutschig. Ich empfehle unbedingt, ordentliche Wanderschuhe mitzunehmen, denn in Turnschuhen könnte es hier böse enden.

Seid darauf gefasst, dass die allgegenwärtigen Baumwurzeln den Weg stellenweise in einen kleinen Hindernisparcours verwandeln. Besonders im Herbst, wenn sie unter nassem Laub verborgen liegen, kann sich der Hin- und Rückweg ordentlich in die Länge ziehen. Aber der Ausblick am Ziel ist die leicht schmerzenden Beine allemal wert.

5. Erfrischung an den Laverty Falls

Wasserfall Laverty Falls im Fundy National Park
Foto: СССР / CC BY-SA 4.0 / Wikimedia Commons

Wenn ihr mitten im heißen Sommer im Park ankommt und euch irgendwo abkühlen wollt, ist die Route zu den Laverty Falls wahrscheinlich unsere Lieblingswahl. Der Weg schlängelt sich durch Mischwald, führt sanft ins Tal hinab und misst insgesamt etwa fünf Kilometer – also gut in entspannten zwei Stunden zu schaffen.

Unter dem Wasserfall befindet sich ein natürliches Felsbecken mit kristallklarem Wasser. Das Wasser ist zwar ordentlich kalt (wir sind schließlich in Kanada), aber das Gefühl, nach einem ganzen Tag Waldwanderung hineinzuspringen, lässt sich kaum in Worte fassen. Vergesst nicht, Badesachen und ein leichtes Handtuch in den Rucksack zu packen.

6. Kajakfahren bei höchster Flut

Kajaks in der Bay of Fundy
Foto: James Mann from Moncton, New Brunswick, Canada / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Paddeln entlang der Küstenklippen ist wahrscheinlich eines der intensivsten Erlebnisse, die ihr von hier mitnehmen könnt – besonders wenn ihr wisst, dass ihr an Stellen paddelt, an denen ihr noch vor wenigen Stunden trockenen Fußes spaziert seid. Die gewaltige Flut vom Ufer aus zu beobachten ist großartig, aber sie direkt auf dem Wasser zu erleben ist eine völlig andere Liga.

Diesen Ausflug könnt ihr wegen der starken Strömungen und des unberechenbaren Wasserstands auf keinen Fall alleine organisieren – ihr müsst immer mit einem lokalen Guide rausfahren. Wir haben uns den Profis von FreshAir Adventure anvertraut, und ich empfehle, dieses Erlebnis mit genügend Vorlauf zu buchen, denn die Plätze in den Gruppen sind im Sommer blitzschnell vergeben.

Als wir zum ersten Mal mit dem Instructor hinausgepaddelt sind und die enorme Wassersäule unter uns sahen, spürte ich einen riesigen Respekt vor dem Atlantik. Die Guides erzählen euch außerdem während des Paddelns faszinierende Geschichten über die lokale Geologie – und vielleicht entdeckt ihr sogar Robben, die sich hier gerne auf den Felsen sonnen.

7. Schwimmen im beheizten Pool

Ich weiß, es klingt ein wenig paradox, in die wilde Natur zu fahren und dann in ein öffentliches Schwimmbad zu gehen. Aber glaubt mir: Nach einem Tag im kalten Atlantiknebel werdet ihr mir für diesen Tipp noch danken 😁. Direkt im Park beim Hauptgebäude der Verwaltung befindet sich ein großartiges Schwimmbecken mit Salzwasser.

Das Wasser wird aus der Bay of Fundy gepumpt, aber im Gegensatz zum Ozean ist es im Becken schön beheizt. Genau das, was man nach einem Tag voller Wanderungen braucht.

Außerdem gibt es neben dem Pool eine schöne Rasenfläche, auf der man ein kleines Picknick mit Kaffee machen kann, während die Kinder im Wasser toben. Die Parkverwaltung hält diesen Ort in makellosem Zustand – ein Vergnügen, sich nach dem ganzen schlammigen Abenteuer hier wieder zu zivilisieren.

8. Mit dem Rad auf dem White Tail Trail

Der Fundy Nationalpark bietet nicht nur Wanderwege – in den letzten Jahren wurde hier ein fantastisches Netz an Mountainbike-Strecken aufgebaut, das vor allem Adrenalinfans begeistert. Die Gegend rund um den Chignecto-Campingplatz bietet Trails aller Schwierigkeitsgrade, von familienfreundlichen bis hin zu technisch anspruchsvollen Abfahrten.

Unser Favorit ist der White Tail Trail, der sich wunderschön durch den Wald schlängelt und einen perfekten Flow bietet. Räder könnt ihr einfach im Verleih in der Nähe des Besucherzentrums mieten, also müsst ihr sie nicht umständlich vom Flughafen mitbringen. Dort gibt es auch tolle Modelle mit Vollfederung, die ihr auf den Wurzeln definitiv zu schätzen wisst.

Seid aber darauf gefasst, dass kanadische Wälder nach Regen nur langsam trocknen. Selbst mitten im heißen Sommer sind wir auf manchen Abschnitten fröhlich durch den Schlamm gewatet und kehrten zum Verleih mit einem Rücken voller schwarzer Spritzer zurück – aber genau das gehört zum echten Mountainbiken einfach dazu.

lukas a lucka
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9. Atmosphäre des Fischerdorfs Alma

Hafen des Fischerdorfs Alma am Fundy National Park
Foto: Andrea Schaffer from Sydney, Australia / CC BY 2.0 / Wikimedia Commons

Ein Besuch des Parks wäre nicht komplett ohne einen ausgiebigen Stopp in Alma. Dieses kleine Dörfchen hat einen absolut unwiderstehlichen Charme – vor allem in dem Moment, wenn die Ebbe die Fischkutter auf den Bauch ins rote Schlick direkt im örtlichen Hafen setzt.

Nehmt euch Zeit für einen Spaziergang entlang der Hauptstraße, schaut in die kleinen Souvenirläden und genießt den gemächlichen Küstenrhythmus des Lebens. Die Menschen hier sind unglaublich freundlich und kommen gerne mit euch ins Gespräch, egal ob ihr euren Morgenkaffee kauft oder in der Schlange fürs Abendessen wartet.

Wir haben uns außerdem in die abendlichen Spaziergänge auf der Mole verliebt, wenn die Wellen zurückkehren und die Boote sich langsam zu wiegen beginnen. Da liegt eine wunderschöne Melancholie drin, wegen der auch die Kanadier selbst aus den weit entfernten Großstädten gerne zur Erholung hierher kommen.

10. Magische Sternbeobachtung

Der Fundy National Park ist als Dark Sky Preserve zertifiziert, was in der Praxis bedeutet, dass Lichtverschmutzung hier streng kontrolliert wird und man in klaren Nächten einen fantastischen Blick auf die Sterne hat. Wer aus einer Großstadt in Europa kommt, dem dürfte die Kinnlade herunterfallen – denn die Milchstraße ist hier mit bloßem Auge in unglaublichen Details zu sehen.

Nehmt einfach eine Decke mit, eine warme Jacke, Tee in der Thermoskanne und fahrt zu einem der offenen Aussichtspunkte an der Küste. Gelegentlich veranstaltet die Parkverwaltung auch kommentierte Beobachtungsabende mit großen Teleskopen, was selbst für absolute Laien ein tolles Erlebnis ist.

Wenn ihr außerdem Glück habt und genau im August kommt, könnt ihr vielleicht sogar den jährlichen Meteorschauer der Perseiden beobachten.

11. Panoramafahrt auf dem Highway 114

Panoramastraße im Fundy Nationalpark
Foto: Tony Webster from Half Moon Bay, California / CC BY-SA 2.0 / Wikimedia Commons

Wenn ihr gerade keine Lust auf Höhenmeter habt oder euch ein kräftiger kanadischer Regenschauer überrascht – keine Sorge. Allein die Durchfahrt durch den Park auf dem Highway 114 ist ein Erlebnis für sich und bietet gleich mehrere atemberaubende Aussichtspunkte, an denen ihr einfach nur anhalten und das Autofenster öffnen müsst.

Die Straße schlängelt sich durch dichte Wälder, ab und zu öffnet sich der Blick in tiefe Flusstäler, und ihr habt das Gefühl, durch einen endlosen grünen Ozean zu fahren. Fahrt vorsichtig, denn Wildtiere haben hier Vorrang und ein Hirsch, der über die Straße springt, ist keine Seltenheit.

Manchmal wälzt sich zudem so dichter Nebel von der Bucht über die Straße, dass ihr die Warnblinkanlage einschalten und im Schritttempo fahren müsst. Auch diese leicht gruselige Stimmung gehört untrennbar zur Entdeckung Ostkanadas und verleiht eurem Roadtrip den richtigen wilden Charakter.

12. Aussichtspunkte am Matthews Head Trail

Aussichtsklippen im Fundy National Park
Foto: No machine-readable author provided. Dlanglois assumed (based on copyright claim / CC BY-SA 3.0 / Wikimedia Commons

Für die besten Ausblicke auf die Klippen und den aufgewühlten Ozean empfehle ich den Matthews Head Trail. Es ist ein Rundweg von etwa fünf Kilometern, der euch aus dem dichten Wald direkt auf offene, grasbewachsene Flächen auf den Küstenklippen führt.

Wenn ihr euch am Klippenrand ins Gras setzt und die Wellen der Bay of Fundy beobachtet, wie sie unermüdlich gegen die Küste tief unter euch schlagen, spürt ihr eine tiefe Ruhe – besonders im Herbst, wenn der Morgenfrost die Farne rostrot färbt und der ganze Ort eine unglaublich romantische Note bekommt.

Interessant ist, dass dieses Gebiet einst Familienfarmen gehörte, noch bevor der Park überhaupt gegründet wurde. Ab und zu stolpert man im Gras über alte Steinmauern, die an die harte Arbeit der ersten Siedler erinnern, die auf diesen windigen Klippen die Winter überstehen mussten.

Was probieren und wo essen: Tipps für Genießer

Wie ihr schon wisst, spielt sich alles Gute in Alma ab, was Essen betrifft. Und glaubt mir, für diesen Teil des Ausflugs müsste man eigentlich gesondert Eintritt zahlen 😁. Da ihr direkt am Ozean seid, ist es absolute Pflicht, die lokalen Meeresfrüchte zu probieren.

Unschlagbar ist das Alma Lobster Shop, wo die Fischer ihren Fang direkt von den Booten anliefern. Deren Hummerbrötchen (Lobster Roll) ist das beste, das ich je in meinem Leben hatte. Das Fleisch ist herrlich saftig, nur leicht mit Mayonnaise vermengt und in einem goldbraun getoasteten Brioche-Brötchen serviert. Die Portionen sind riesig, und es lohnt sich auch einfach nur für eine Muschelsuppe (Clam Chowder) herzukommen, die euch nach einem kalten Tag an der Küste perfekt aufwärmt.

Nach einem guten Mittagessen müsst ihr unbedingt bei Kelly’s Bake Shop vorbeischauen. Ihre berühmten „Sticky Buns“ (klebrige Zimtschnecken) kennt man wohl in ganz New Brunswick – und wir haben sie uns fast jeden Morgen geholt. Oft steht man dafür bis auf die Straße Schlange, aber glaubt mir, das Warten lohnt sich.

Abends solltet ihr dann unbedingt auf ein Bier in die Holy Whale Brewing Co. gehen – eine unglaublich fotogene Mikrobrauerei in einer ehemaligen weißen Holzkirche 😅. Die Atmosphäre drinnen ist großartig, die Bedienung herzlich und ihre lokalen Biere mit witzigen Namen sind auf jeden Fall eine Kostprobe wert.

Praktische Tipps vor der Reise nach Kanada

Kanada ist riesig und seine Natur kompromisslos – da lohnt es sich, nichts auf die leichte Schulter zu nehmen. Hier sind einige praktische Dinge, die wir persönlich vor jeder Reise klären:

  • Reiseversicherung ist das A und O. Die Gesundheitsversorgung in Kanada ist extrem teuer, und ohne Versicherung hierher zu reisen wäre schlichtweg fahrlässig. Für längere Reisen wählen wir meistens True Traveller, aber eine tolle Alternative für digitale Nomaden und Vielreisende ist die Versicherung SafetyWing, die uns bisher noch nie enttäuscht hat.
  • Bleibt ohne teures Roaming online. In Cafés nach WLAN jagen müsst ihr zum Glück nicht mehr. Wir schwören auf virtuelle SIM-Karten – schaut euch unseren Erfahrungsbericht zu Holafly an, mit dem wir weltweit die besten Erfahrungen gemacht haben. Die Einrichtung dauert nur wenige Minuten direkt auf dem Handy.
  • Reist mit leichtem Gepäck. Glaubt mir, riesige Koffer durch Flughäfen zu schleppen und dann ins Auto zu quetschen, wird euch schnell auf die Nerven gehen. Wir haben gelernt, wirklich minimalistisch zu packen – lasst euch von unserer Anleitung inspirieren, wie man nur mit Handgepäck reist, und spart euch jede Menge Stress.

Wohin als Nächstes in Kanada und Nordamerika

Wenn ihr einen längeren Urlaub plant und mehr sehen wollt, dann schaut euch auch unsere weiteren Artikel an, die wir für euch von unseren Reisen mitgebracht haben. Von der Ostküste fliegt man oft Richtung Westen zu den großen Bergen – deshalb haben wir für euch einen ausführlichen Reiseplan für einen Roadtrip durch Westkanada zusammengestellt, mit Tipps zu Banff, Jasper und Vancouver.

Wenn ihr euch dagegen eher in der Nähe von Toronto aufhaltet, dürft ihr das bekannteste Wasser-Naturschauspiel des ganzen Kontinents nicht verpassen – dazu haben wir einen ausführlichen Reiseführer geschrieben: Wie man die Niagarafälle besucht.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Hier sind die Fragen, die mir in den Kommentaren am häufigsten gestellt werden. Hoffentlich ersparen sie euch stundenlange Recherche 😉.

1. Lohnt sich der Fundy National Park?

Auf jeden Fall! Es ist einer der wenigen Orte auf der Welt, an denen man die extreme Kraft von Ebbe und Flut mit eigenen Augen erleben, auf dem Meeresboden spazieren und gleichzeitig unberührte Nebelwälder mit Wasserfällen erkunden kann. Es ist ein absolut einzigartiges Naturerlebnis. Selbst wenn ihr nur Zeit für einen kurzen Tagesausflug habt, lohnt es sich allein wegen des überwältigenden Gefühls, die Boote hilflos im roten Schlamm mitten im Hafen liegen zu sehen.

2. In welcher Stadt liegt der Nationalpark?

Der Park liegt nicht direkt in einer großen Stadt, aber das Eingangstor und die wichtigste Basis für Unterkunft und Essen ist das kleine Dorf Alma. Die nächste größere Stadt mit internationalem Flughafen ist Moncton, etwa eine Autostunde entfernt. Die Fahrt von Moncton ist zudem recht angenehm und vergeht schnell, weil ihr durch eine malerische Agrarlandschaft fahrt, die euch langsam aber sicher auf die raue Atmosphäre der unberührten Atlantikküste einstimmt.

3. Kann man den Nationalpark mit dem Auto durchfahren?

Ja, direkt durch die Mitte des Parks verläuft die malerische Straße Highway 114, von der aus ihr Zugang zu den meisten Aussichtspunkten und Trailheads habt. Die Durchfahrt mit dem Auto ist sehr komfortabel und die Landschaft unterwegs ist wunderschön. Ich empfehle aber, den Tank noch vor der Einfahrt ins Herz des Parks vollzutanken. Mitten in den wildesten Wäldern erwarten euch keine großen modernen Tankstellen – also lieber strategisch denken und immer volltanken.

4. Was macht den Fundy National Park so besonders?

Der Star ist die Bay of Fundy mit ihrem verrückten Gezeitenhub, der einen Weltrekord hält. Der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser kann bis zu 16 Meter betragen – das muss man einfach selbst erlebt haben, damit das Gehirn es überhaupt glaubt. Die gewaltige Wasserbewegung wirbelt außerdem ständig Nährstoffe vom Meeresboden auf, wodurch dieses Gebiet wie ein riesiges Futterparadies für unzählige Seevögel und sogar große Wale funktioniert, die sich hier im Spätsommer zum Fressen einfinden.

5. Muss man die Gezeitentabellen prüfen?

Ja, das ist absolut entscheidend, wenn ihr den Meeresboden erkunden oder Kajak fahren wollt. Das Wasser steigt und fällt etwa alle 6 Stunden und kommt sehr schnell – für eure eigene Sicherheit und das beste Erlebnis müsst ihr also die genauen Zeiten kennen. Die Tabellen bekommt ihr problemlos in jedem Informationszentrum am Eingang, wo euch die Parkranger mit einem Lächeln erklären, wann es sicher ist, am Strand zu laufen, und wann ihr so schnell wie möglich zurück auf festen Boden müsst.

6. Darf ich meinen Hund in den Park mitnehmen?

Kanadische Nationalparks sind hundefreundlich und Fundy bildet da keine Ausnahme. Hunde sind auf den meisten Wanderwegen und Campingplätzen erlaubt, müssen aber zum Schutz der Wildtiere immer an der Leine bleiben. Rechnet aber damit, dass der rote Schlamm vom Strand wirklich überall hinkommt – wenn ihr also euren Vierbeiner dabei habt, packt unbedingt alte Handtücher für die Autofahrt ein. Sonst wird euer Mietwagen komplett ziegelrot.

7. Gibt es Bären im Park und brauche ich eine Bärenglocke?

Ja, Schwarzbären leben in der Gegend, auch wenn Begegnungen an den Hauptwegen nicht alltäglich sind. Eine gewisse Vorsicht ist trotzdem angebracht. Bärenglocken sind normalerweise nicht nötig, aber es wird empfohlen, beim Wandern im dichten Wald Geräusche zu machen, damit die Tiere euch hören und nicht überrascht werden. Wichtig ist vor allem, kein duftendes Essen in Zelten zu lassen und auf den Campingplätzen den Müll sorgfältig in die speziellen bärensicheren Behälter zu verschließen. Die kanadischen Ranger nehmen das sehr ernst – und genau deshalb sind alle Besucher hier vollkommen sicher.

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