Stell dir ein Städtchen vor, das so malerisch und romantisch ist, dass portugiesische Könige es jahrhundertelang ihren Frauen als Hochzeitsgeschenk schenkten. Genau so ist Óbidos Portugal. Diese strahlend weiße Perle, umgeben von nahezu perfekt erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauern, liegt nur eine knappe Autostunde nördlich von Lissabon und gehört zu den schönsten Tagesausflügen, die du in Portugal unternehmen kannst. Sobald du das Hauptstadttor durchschreitest, versetzt dich die Atmosphäre um mehrere Jahrhunderte zurück.
Im Inneren gibt es keine Autos – nur verwinkelte Kopfsteinpflastergassen, gesäumt von Häuschen mit leuchtend blauen und gelben Streifen. Das ganze Jahr über hängen üppige Vorhänge aus roten und violetten Bougainvilleas aus den Fenstern, es duftet nach frischer Schokolade, und an jeder zweiten Bude wird dir der berühmte lokale Kirschlikör angeboten. Auch wenn du Óbidos in einem einzigen Nachmittag von einem Ende zum anderen erkunden kannst, wird dich seine Atmosphäre vollkommen in den Bann ziehen. Schnapp dir bequeme Schuhe und deine Kamera – hier willst du jede Ecke festhalten.

Zusammenfassung
- Beste Anreise: Ab Lissabon empfiehlt sich ausschließlich der Expressbus (Rapida Verde ab Campo Grande) – Fahrzeit genau eine Stunde, Ticket ca. 8,50 €. Mit dem Zug lieber nicht, da die Fahrt umständlich und mit Umsteigen verbunden ist.
- Hauptattraktion: Die vollständig erhaltene mittelalterliche Stadtmauer, auf der man das ganze Städtchen umrunden kann. Achtung: Es gibt kein Geländer.
- Unbedingt probieren: Die traditionelle Ginjinha d’Óbidos – ein köstlicher Kirschlikör, der hier in kleinen Bechern aus echter Bitterschokolade serviert wird.
- Wann am besten hingehen: Idealerweise früh morgens (gegen neun Uhr) oder am späten Nachmittag. Zwischen 11:00 und 15:00 Uhr wird das Städtchen von Reisebusgruppen überflutet.
- Besonderes Alleinstellungsmerkmal: Óbidos trägt den Titel „Literaturstadt“ (Vila Literária). Buchhandlungen verstecken sich hier an den kuriosesten Orten – sogar in einer ehemaligen Kirche.
- Große Events: Im Frühjahr findet das renommierte Internationale Schokoladenfestival statt, im Sommer verwandelt sich die gesamte Stadt in einen riesigen Mittelaltermarkt mit Ritterturnieren.

Wann nach Óbidos fahren
Den richtigen Zeitpunkt für deinen Besuch zu wählen, ist absolut entscheidend für dein Gesamterlebnis. Óbidos ist wirklich winzig und liegt nahe der Hauptstadt – weshalb es zu einem beliebten Halt für große Gruppenreisen geworden ist. Wer mittags im Hochsommer ankommt, kämpft sich buchstäblich Schulter an Schulter durch die engen Gassen.
Ideal sind die Frühlingsmonate März und April sowie der frühe Herbst (September und Oktober). Die Temperaturen liegen dann bei angenehmen 18 bis 24 Grad – perfekt für einen Spaziergang auf den Stadtmauern. Außerdem entgehst du der drückenden Sommerhitze, bei der das Thermometer in dieser Gegend regelmäßig über dreißig Grad klettert.
Was die Tageszeit angeht, gilt eine einfache Faustregel, die dir eine Menge Nerven spart: Nimm den frühesten Morgenbus und sei gegen neun Uhr vor Ort. Du genießt leere Stadtmauern, machst wunderschöne Fotos ohne Menschenmassen und kannst in Ruhe früh zu Mittag essen. Ab elf Uhr füllt sich die Hauptstraße Rua Direita spürbar, und gegen ein Uhr nachmittags ist die Stadt oft brechend voll. Die zweite hervorragende Option ist eine Ankunft nach 16 Uhr – dann fahren die Touristenbusse ab und die Gassen tauchen ins goldene Licht der Abendsonne.

Unterkunft in Óbidos
💡 Unterkunfts- und Aktivitäten-Tipp: Unterkünfte suchen wir am liebsten auf Booking.com, wo die Stornobedingungen meistens am besten sind. Ausflüge und Aktivitäten lohnt es sich über GetYourGuide zu vergleichen.
Eine Nacht in Óbidos zu verbringen ist der beste Weg, seine wahre Magie zu erleben. Wenn sich abends die Tore symbolisch schließen und die Tagestouristen verschwinden, kehrt Stille ein. Plötzlich gehören die beleuchteten Gassen und stillen Plätze ganz dir allein. Die Unterkünfte lassen sich in zwei Kategorien einteilen: direkt innerhalb der historischen Stadtmauern und in unmittelbarer Gehweite dahinter.
Wer absolute Romantik sucht und kein Problem damit hat, den Koffer über Kopfsteinpflaster zu ziehen, sollte unbedingt eine Unterkunft direkt im Zentrum wählen. Beachte aber: Innerhalb der Stadtmauern darf man nicht parken. Das Auto muss auf dem kostenpflichtigen Parkplatz vor dem Haupttor stehen – zum Hotel geht man zu Fuß. Hotels außerhalb der Mauern bieten dagegen einfachere Anreise, haben oft eigene Parkplätze und bis zum Haupttor sind es höchstens fünf Minuten zu Fuß.
Bei der Suche nach dem idealen Zimmer lohnt sich ein Blick auf Booking.com, wo du sowohl luxuriöse Historikhotels als auch gemütliche Familienpensionen findest. Aufgrund der begrenzten Kapazität des Städtchens empfehle ich, rechtzeitig zu buchen – besonders rund um die Festivalzeiten.
- Pousada Castelo de Óbidos: Ein Erlebnis fürs Leben: Du übernachtest direkt in einer Burg aus dem 12. Jahrhundert, die heute als luxuriöses Historikhotel geführt wird. Die Zimmer haben Steinwände und eine unglaubliche Atmosphäre.
- Casa das Senhoras Rainhas: Ein wunderschönes Boutiquehotel, versteckt in einer ruhigen Gasse direkt hinter den Hauptmauern. Mit schönem Innenpatio, hervorragendem Frühstück und angenehmer Distanz zum touristischen Trubel.
- Hotel Real d’Obidos: Wer knapp außerhalb der Mauern wohnen und das Auto griffbereit haben möchte, ist in diesem mittelalterlich gestalteten Hotel mit Außenpool sehr gut aufgehoben.

12 Tipps, was du in Óbidos Portugal sehen und erleben solltest
Óbidos ist zwar kein großes Städtchen, aber sein historisches Zentrum steckt voller Sehenswürdigkeiten. Die gesamte Stadt wurde zum nationalen Denkmal erklärt und hat dank sorgfältiger Pflege ihren authentischen Charakter bewahrt. Lass uns einen Blick darauf werfen, was hier am meisten begeistert – vom aufregenden Spaziergang auf den Stadtmauern bis hin zu lokalen Köstlichkeiten.

1. Spaziergang auf der mittelalterlichen Stadtmauer (Muralhas)
Das ist ein absolutes Muss – und der beste Weg, die Stadt aus der Vogelperspektive zu erleben. Die massiven Steinmauern umschließen das gesamte historische Zentrum und messen rund eineinhalb Kilometer. Sie entstanden überwiegend im 14. Jahrhundert und sind heute für jeden frei zugänglich, der den Mut aufbringt, hinaufzuklettern. Der Blick auf die Terrakottadächer und die endlos grünen Obstgärten ringsum ist schlicht atemberaubend.
Allerdings ist Vorsicht geboten: Auf der Innenseite der Stadtmauer fehlt jegliches Geländer oder jede Absicherung. Die Steine können uneben und an manchen Stellen rutschig sein, und der Weg auf der Mauerkrone ist stellenweise recht schmal. Wer unter Schwindel leidet oder mit kleinen Kindern unterwegs ist, sollte gut abwägen, ob der komplette Rundgang infrage kommt oder nur die sicheren Aussichtspunkte an den Treppen.
💡 Tipp: Den besten Zugang zur Stadtmauer findest du direkt am Haupttor Porta da Vila. Für die schönsten Fotos lohnt sich der Weg nach links (Richtung Westen) – von dort hat man den besten Blick auf die Burg und die Unterstadt.

2. Die Azulejo-Kacheln am Tor Porta da Vila bewundern
Deine Erkundung der Stadt beginnt höchstwahrscheinlich genau hier. Die Porta da Vila ist der südliche Haupteingang und besteht eigentlich aus zwei versetzten Toren hintereinander. Dieses clevere architektonische Element sollte im Mittelalter einen direkten Angriff der feindlichen Kavallerie verhindern und den Einsatz eines Rammböcks erschweren. Heute werden die Besucher statt Soldaten von Straßenmusikanten empfangen.
Wenn du durch den ersten Teil des Tores gehst, unbedingt den Blick nach oben richten. Der Zwischenraum zwischen den Toren ist mit einer wunderschönen Kapelle ausgestattet, die vollständig mit traditionellen blau-weißen Azulejo-Kacheln aus dem 18. Jahrhundert ausgekleidet ist. Diese detailreich bemalten Fliesen zeigen Szenen der Passion Christi und sind in einen eleganten Holzbalkon eingerahmt. Es ist einer der meistfotografierten Orte in ganz Óbidos.
💡 Tipp: Morgens stauen sich hier die Touristen für Fotos. Schau dir das Tor lieber abends beim Weggehen in Ruhe an – die Kapelle ist dann wunderschön beleuchtet und das Tor meist völlig menschenleer.

3. Durch die Rua Direita schlendern
Direkt hinter dem Haupttor beginnt die Hauptschlagader des Städtchens. Die Rua Direita – auf Deutsch „Gerade Straße“ – zieht sich vom südlichen Eingang bis zur Burg am nördlichen Ende. Sie ist der belebteste und lebendigste Ort in Óbidos, gesäumt von traditionellen weißen Häusern, in deren Erdgeschossen Dutzende von Läden mit Souvenirs, lokaler Keramik, handgewebten Teppichen und natürlich traditionellen Korkprodukten zu finden sind.
In der Hauptsaison kann es hier wirklich eng werden. Lass dir Zeit und späh hin und wieder durch offene Türen und Durchgänge – oft entdeckt man versteckte blumenreiche Patios oder kleine Handwerkswerkstätten. Obwohl die Straße stark touristisch geprägt ist, bewahrt sie ihren Charme dank einheitlicher Architektur und dem strikten Verbot moderner Leuchtreklamen.
💡 Tipp: Beschränke dich beim Einkaufen nicht nur auf die Hauptstraße. Die interessantesten und authentischsten Keramikstücke findest du oft in kleinen Läden, die sich in den Seitengassen verstecken – mit etwas freundlicheren Preisen noch dazu.

4. Ginjinha d’Óbidos im Schokoladenbecher probieren
Ein Besuch in Óbidos ohne diesen ikonischen Likör ist kaum denkbar. Ginjinha (oder kurz Ginja) ist ein traditioneller portugiesischer Likör aus sauren Kirschen, Alkohol und Zucker. Zwar gibt es ihn im ganzen Land, doch die berühmteste Version stammt genau von hier – mit ihrem ganz eigenen Trinkritual: Sie wird nicht im Glas serviert, sondern in einem kleinen essbaren Becher aus Bitterschokolade.
Diese geniale Idee, herben Kirschlikör mit hochwertiger Schokolade zu kombinieren, ist zwar relativ neu, wurde aber sofort zum Hit. Ein Schlückchen kostet etwa 1,50 bis 2 €. Das Ritual ist simpel: Likör trinken (manchmal schwimmt eine eingelegte Kirsche darin), dann den Becher knackend aufessen. Stände mit Ginjinha findest du auf der Hauptstraße buchstäblich an jeder Ecke.
💡 Tipp: Wenn dir der Likör schmeckt, kauf dir unbedingt eine ganze Flasche als Souvenir mit nach Hause. Es gibt auch hübsche Geschenksets, die gleich eine Schachtel Schokoladenbecher zum Servieren zuhause enthalten.

5. Die Burg Castelo de Óbidos erkunden
Auf dem höchsten Punkt der Stadt thront stolz eine mächtige mittelalterliche Burg, die Óbidos seit dem 12. Jahrhundert dominiert. Ursprünglich von den Mauren errichtet, wurde sie nach der christlichen Reconquista vielfach umgebaut und erweitert. Die heutige Gestalt mit quadratischen Türmen und massiven Zinnen macht sie zu einem perfekten Beispiel portugiesischer Militärarchitektur. Diese Burg war einst das berühmte Hochzeitsgeschenk von König Dinis I.
In den 1950er Jahren erlebte die Burg eine einzigartige Umwandlung und wurde zum allerersten Historikhotel Portugals, einer sogenannten Pousada. Auch wenn du dich nicht für eine Übernachtung entscheidest, kannst du frei auf den Haupthof gehen und die massiven Mauern aus der Nähe bewundern. Vom Vorplatz der Burg bietet sich außerdem ein fantastischer Blick auf das gesamte historische Zentrum tief unter dir.
💡 Tipp: Obwohl die Innenräume hauptsächlich Hotelgästen vorbehalten sind, kannst du im Burgcafé und -bar einen Kaffee trinken. So bekommst du einen Einblick in die beeindruckenden Gewölberäume, ohne für eine Übernachtung zu bezahlen.

6. Die Kirche Igreja de Santa Maria besuchen
Auf dem Hauptplatz Praça de Santa Maria verbirgt sich das bedeutendste religiöse Bauwerk der Stadt. Diese wunderschöne Renaissance-Kirche steht an der Stelle einer ursprünglichen westgotischen Heiligenstätte und einer späteren maurischen Moschee. In die Geschichte eingegangen ist sie vor allem durch die Königshochzeit des Jahres 1441: Der zehnjährige König Afonso V. heiratete hier seine achtjährige Cousine Isabel.
Wer das Innere betritt, wird sofort von den vollständig mit blauen Azulejo-Kacheln aus dem 17. Jahrhundert bedeckten Wänden überwältigt. Die bemalte Holzdecke und ein beeindruckendes Gemälde der berühmten portugiesischen Malerin Josefa de Óbidos machen das Innere zu einem wahren Kunstwerk. Gleich neben der Kirche auf dem Platz lohnt sich auch ein Blick auf den Pranger (Pelourinho) aus dem 15. Jahrhundert, der mit einem Fischnetz verziert ist – ein Symbol für die Rettung der Königin vor einem stürmischen Meer.
💡 Tipp: Achte auf das Renaissance-Grabmal des Stadtgouverneurs João das Regras auf der linken Seite des Altars. Es ist ein Meisterwerk der Steinmetzkunst, das häufig übersehen wird.

7. Durch fotogene Gassen voller Bougainvillea streifen
Der Zauber von Óbidos liegt nicht nur in den großen Sehenswürdigkeiten, sondern vor allem in seinen Details. Sobald du die belebte Hauptstraße verlässt, entdeckst du ein Netz enger Gassen, in denen die Zeit stillzustehen scheint. Alle Häuser folgen einem strengen Farbcode – strahlend weiße Fassaden werden von leuchtend gelben oder blauen Streifen gerahmt. Blau soll böse Geister abwehren, Gelb vor Insekten schützen, sagt man.
Was diese Gassen vollends magisch macht, sind die Blumen. Nahezu jedes Haus ist von riesigen Bougainvillea-Sträuchern überwuchert, deren sattrosafarbene, violette und rote Blüten einen wunderschönen Kontrast zu den weißen Wänden bilden. Genau in diesen touristenfreien Seitengassen gelingen die atmosphärischsten Fotos, und man spürt die wahre ruhige Seele des Städtchens.
💡 Tipp: Die schönsten Blumenwinkel findest du in den Gassen rund um die Igreja da Misericórdia. Bieg in die Rua de São João ein und lass dich einfach vom Instinkt leiten.
8. In die Literaturstadt (Vila Literária) eintauchen
Óbidos entschied sich vor einigen Jahren, mehr zu sein als ein leeres Freilichtmuseum – und hatte dabei eine geniale Idee: Es wurde zur Literaturstadt. Heute findest du hier eine erstaunliche Dichte an Buchhandlungen, die sich an den unerwartetsten Orten verstecken. Bücher werden auf dem alten Postamt, in einer Galerie und sogar im ehemaligen Obst- und Gemüsemarkt verkauft.
Den absoluten Höhepunkt dieses literarischen Projekts bildet die Livraria de Santiago – eine riesige Buchhandlung direkt in einer entweihten Kirche aus dem 12. Jahrhundert am Ende der Hauptstraße. Bücherregale stehen direkt neben dem alten Altar, und man liest unter Gewölben, die mehrere Hundert Jahre alt sind. Jeden Herbst findet hier außerdem das beliebte Literaturfestival Folio statt, das Schriftsteller aus aller Welt in die Stadt lockt.
💡 Tipp: Wer alte und seltene Bücher liebt, sollte unbedingt in die Livraria do Mercado schauen. Dort gibt es eine riesige Sammlung antiquarischer Stücke – oft auch in englischer oder anderer Sprache – für wenige Euro.
9. Das Internationale Schokoladenfestival erleben
Wer seine Portugal-Reise im Frühjahr plant, erwartet in Óbidos eine süße Überraschung. Normalerweise im März oder April findet hier das Festival Internacional de Chocolate statt, das die ganze Stadt für mehrere Wochen in ein Paradies für Naschkatzen verwandelt. Die Gassen duften nach Kakao, und an jeder Ecke werden Schokoladenspezialitäten angeboten – von Pralinen bis hin zu Schokoladen-Churros.
Der eigentliche Publikumsmagnet sind jedoch die riesigen Schokoladenskulpturen, die Konditoren-Meister zu einem vorgegebenen Thema erschaffen (in der Vergangenheit waren das etwa Musik, Tiere oder Märchen). Während des Festivals wird Eintritt für die Hauptbereiche erhoben, wo Workshops, Kochshows und Verkostungen stattfinden. An Wochenenden ist mit einem extremen Andrang von Familien mit Kindern zu rechnen.
💡 Tipp: Wer die Schokoladenskulpturen in voller Pracht und noch unbeschädigt sehen möchte, sollte das Festival möglichst gleich in den ersten Tagen nach der Eröffnung besuchen.
10. Beim Mittelaltermarkt in die Vergangenheit eintauchen
Im Juli und August tauscht Óbidos Schokolade gegen Schwerter und Rüstungen. Der Mercado Medieval gehört zu den größten Veranstaltungen der Region – und die historische Kulisse der Stadt bildet dafür eine absolut perfekte Bühne. Das Gelände rund um die Burg füllt sich mit Zelten, Handwerkern, Gauklern und Musikern, die auf historischen Instrumenten spielen. Die meisten Einheimischen tragen historische Kostüme, und die gesamte Atmosphäre ist unglaublich authentisch.
Auf dem Burghof kann man ruppige Ritterkämpfe zu Pferd, Falknervorführungen oder Theaterstücke aus der portugiesischen Geschichte erleben. In der Luft liegt ständig der Duft von Rauch und gebratenem Essen, denn an langen Holztischen schlemmen die Besucher ausgiebig und trinken Wein aus Tonkrügen. Für den Eintritt in die Festivalzone wird Eintritt verlangt – das Erlebnis ist es aber definitiv wert.
💡 Tipp: Man kann sich sogar für den ganzen Tag ein historisches Kostüm ausleihen. Du fällst nicht nur nicht aus dem Rahmen, sondern bekommst damit oft auch günstigere Tickets für verschiedene Begleitprogramme.
11. Den alten Aquädukt besichtigen
Noch bevor man das historische Zentrum betritt, empfängt einen auf der Anfahrt ein beeindruckendes Ingenieurswerk. Der Aquädukt von Óbidos (Aqueduto da Usseira) wurde im 16. Jahrhundert von Königin Katharina von Habsburg in Auftrag gegeben, um das Problem des Trinkwassermangels in der Stadt zu lösen. Die Königin finanzierte den Bau sogar aus eigener Tasche – wofür ihr im Gegenzug ein Grundstück in der Umgebung geschenkt wurde.
Dieses massive Steinbauwerk erstreckt sich über beeindruckende drei Kilometer von den Quellen in Usseira bis zum Hauptplatz von Óbidos. An manchen Stellen wird der Aquädukt von eleganten Bögen getragen und wirkt unglaublich majestätisch. Es ist ein idealer Ort für eine kurze Rast und ein paar Fotos – den meisten Touristen entgeht er, weil sie einfach daran vorbeifahren.
💡 Tipp: Den besten Blick auf die Bögen des Aquädukts hat man vom großen Parkplatz südlich der Stadt. Halte kurz vor Sonnenuntergang an – dann leuchtet der Stein in einem wunderschönen Honigton.

12. Zum Meer und zur Lagoa de Óbidos fahren
Wer ein Auto hat und nach der Stadtbesichtigung noch Zeit übrig ist, sollte sich einen Ausflug in die Natur gönnen. Nur etwa 20 Minuten von den Stadtmauern entfernt liegt die Lagoa de Óbidos – eine riesige Küstenlagune, die vom wilden Atlantik nur durch einen schmalen Sandstreifen getrennt wird. Anders als am offenen Ozean findet man hier ruhigeres und vergleichsweise wärmeres Wasser.
Ideal für Wassersportbegeisterte – Stand-up-Paddleboard, Kajak oder Kitesurfen lassen sich hier problemlos ausprobieren. Das Gebiet ist zudem ein bedeutendes Vogelschutzgebiet: Mit etwas Glück sieht man in den Flachwasserbereichen watende Flamingo-Schwärme und andere Wasservögel. Rund um die Lagune führen außerdem mehrere angenehme Wander- und Radwege.
💡 Tipp: Mach einen Stopp in dem Städtchen Foz do Arelho auf der Nordseite der Lagune. Von dort hat man einen herrlichen Blick auf die Stelle, wo das stille Lagunenwasser auf die wilden Wellen des Atlantischen Ozeans trifft.
Wohin weiter von Óbidos
Dank seiner strategischen Lage im Herzen Portugals ist Óbidos ein idealer Ausgangspunkt für weitere Erkundungen. Wer Richtung Süden zurück in die Hauptstadt fährt, sollte unbedingt unseren ausführlichen Lissabon-Reiseführer lesen – dort findest du die besten Tipps für Cafés und geheime Aussichtspunkte. Kurz hinter Lissabon darf das märchenhafte Sintra mit seinen romantischen Palästen und fantastischen Gärten nicht fehlen – ebenso wenig wie die noble Küstenstadt Cascais.
Wer hingegen die wilde Kraft des Ozeans sucht und an der Küste nach Norden fährt, stößt knapp eine Stunde von Óbidos entfernt auf das berühmte Nazaré. Im Winter kann man hier von sicheren Klippen aus die größten Wellen der Welt beobachten – bis zu dreißig Meter hoch. Und wer noch weiter nach Norden möchte, sollte das farbenfrohe und pulsierende Porto auf keinen Fall auslassen.
Häufig gestellte Fragen
Wie komme ich am besten von Lissabon nach Óbidos?
Nehmt auf jeden Fall den Expressbus von Rodoviária do Oeste (Linie Rapida Verde). Er fährt vom Busbahnhof an der Metrostation Campo Grande ab. Die Fahrt dauert genau 60 Minuten und das Ticket bekommt ihr beim Fahrer für etwa 8,50 €. Der Bus bringt euch bequem direkt zum Hauptstadttor.
Lohnt sich die Zugfahrt nach Óbidos?
Nein, von der Bahnverbindung ab Lissabon rate ich definitiv ab. Die Zugfahrt erfordert Umstiege, dauert über zwei Stunden (also doppelt so lang wie der Bus) und der örtliche Bahnhof liegt zudem ziemlich weit vom historischen Zentrum entfernt unterhalb des Hügels. Der Bus ist schneller, günstiger und wesentlich praktischer.
Wie viel Zeit brauche ich für die Stadtbesichtigung?
Für die Besichtigung der Altstadt und einen Spaziergang auf der Stadtmauer reichen euch locker 3 bis 4 Stunden. Es ist der perfekte Halbtagesausflug. Wenn ihr aber ein gemütliches Mittagessen genießen, bei einem Kaffee verweilen oder an einem der lokalen Festivals teilnehmen möchtet, plant lieber einen ganzen Tag ein.
Kann ich kleine Kinder oder einen Kinderwagen mitnehmen?
In die Innenstadt kommt ihr mit dem Kinderwagen problemlos, auch wenn die Fahrt über das Kopfsteinpflaster (Calçada) etwas holprig sein kann. Der Aufstieg auf die Stadtmauer ist jedoch für kleine Kinder und Kinderwagen nicht geeignet. Die Wege sind schmal, die Treppen steil und an der Innenseite der Mauer fehlt jegliches Geländer.
Wo kann ich in der Nähe der Stadt parken?
In die historische Altstadt innerhalb der Stadtmauern dürfen Autos ohne Sondergenehmigung nicht einfahren. Rund um das südliche Haupttor und entlang des Aquädukts gibt es aber mehrere große gebührenpflichtige Parkplätze. In der Hochsaison solltet ihr möglichst früh am Morgen anreisen, nachmittags sind die Parkplätze hoffnungslos überfüllt.
Wann ist in der Stadt am wenigsten los?
Am ruhigsten ist es früh am Morgen, etwa zwischen acht und zehn Uhr, bevor die ersten organisierten Bustouren aus Lissabon eintreffen. Sehr angenehm leert sich die Stadt auch nach 16 Uhr nachmittags. Von November bis Februar sind den ganzen Tag über nur wenige Touristen unterwegs.
Muss man Eintritt für die Stadt bezahlen?
Nein, der Zugang zur gesamten Altstadt und der Aufstieg auf die mittelalterliche Stadtmauer sind völlig kostenlos und das ganze Jahr über frei zugänglich. Eintritt zahlt man nur bei speziellen Veranstaltungen wie dem Schokoladenfestival oder dem Mittelaltermarkt, wenn ein Teil der Stadt als Festivalgelände abgesperrt wird.
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